• Ben Becker
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Interrail Skandinavien

29-päiväinen seikkaillu — Ben Lue lisää
  • Trondheim Tag 2 (eher 1,5)

    12. syyskuuta 2022, Norja ⋅ ☁️ 11 °C

    Ich habe für heute extra den spätestens Zug um 15.23 Uhr gebucht, damit ich nocheinmal Trondheim in der Woche mitbekomme. Meine Sachen darf ich hier im Hostel lassen, wo ich sie mir gegen 14 Uhr abhole und dann zum Zug pilgere. Jetzt steht erstmal ein üppiges Mahl auf dem Programm, bevor ich dann die Exkursion "Trondheim 1.2" in Gang setze. Frühstück sind heute kleine Wraps mit kleinen Garnelen und Pesto. 😋 (...und natürlich Kaffee...)

    Nachtrag: Ich habe ein paar Schweizer, eine Belgierin und eine Deutsche kennengelernt. Wir haben uns dann doch etwas in Gesprächen verloren und es geht erst jetzt in die Stadt (1,5h später).

    Meine Erkenntnis des Tages: "Wenn man alles hinterfragt hat, bleibt als einzige Antwort nur noch Gott.". Diese Aussage kommt von einer Philosophie Studentin und mal sehen ob es sich bewahrheitet.
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  • Von Trondheim nach Åndalsnes

    12. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌧 8 °C

    Durch meine ungeplanten Frühstücksbekanntschaften, hat sich mein Plan etwas nach hinten verschoben. Um 11.40 Uhr ziehe ich dennoch mit Clara, der deutschen Philosophie Studentin, los richtung Innenstadt. Heute ist tatsächlich etwas mehr los, sowohl auf den Straßen, als auch auf den Bürgersteigen. Es sind nicht mehr nur die Herrschaften, die ihre Hunde um die Häuser führen oder die Touristen, die sonntags in Trondheim gestrandet sind und versuchen, das Beste daraus zu machen, nein heute gibt es hier wahrhaftige Lebenszeichen einer Studentenstadt. 25% der Bewohner sollen hier studentischen Ursprungs sein. Zwar pulsiert das Leben nicht, aber es ist unbestreitbar da.
    Da Clara sich mit den anderen am Nidarosdom verabredet hat, trennen sich unsere Wege in der Innenstadt.

    Nun merke ich erst, was für eine merkwürdige Idee das war, noch einmal loszuziehen. Was, außer einem bunten Treiben, gibt es hier mehr zu sehen als gestern? Angesehen hatte ich ja eigentlich alles schon am Vortag. Und die Shops von innen anschauen? Das ist unter zweierlei Gesichtspunkten unnötig: Zum einen müsste ich alles was ich kaufe mitschleppen und zum anderen würden mich die Preise, wenn nicht in die Privatinsolvenz, dann in tiefste Depressionen stürzen.

    Ich kann nicht anders....was sollte ich auch sonnst 1,5h machen? Da ich keinen Baumarkt finde und mir Buchläden aufgrund fehlender Sprachkenntnisse sinnlos erscheinen, fällt die Wahl auf Outdoor-Läden. Von denen gibt es hier in Norwegen reichlich. Sie sind auch mindestens genauso interessant wie Bau- oder Elektronikmärkte. Viel Zeug, bei dem ich noch nicht einmal die Verwendung kenne. Das macht doch Freude! Ich probiere ein paar Werner Carbon Paddel aus, frage mich ob sie wohl irgendwann ein noch leichteres Material erfinden und erkenne begeistert den bisherigen Fortschritt an. So ganz klar wird mir der Zusammenhang zwischen den ausliegenden Paddeln und den Booten allerdings nicht. Der Kontrast ist mindestens genauso signifikant, wie bei einer Stradivari, die mit einem 5 Euro Bogen gespielt wird.

    Müsste ich jedoch einem Tipp abgeben, warum man eine kajakförmige Regentonne auf Goldpreisniveau, neben diesen Highend Paddeln verkauft, wäre es Folgender. Man geht davon aus, dass jemand der dort auftaucht, sich entweder Paddel oder Boot leisten kann. Nicht aber beides zusammen. Es wäre nur zu lustig, wenn jemand mit einem derartigen Paddel, so ein Boot fahren würde; Denn was man mit der Leichtigkeit des Paddels rausholt, macht das Boot mit Gewicht und Widerstand wieder wett.

    Nach einigen Shops, einigen Anproben und der Einsicht, Shopen tut der Geldbörse zuhause etwas besser als hier, geht es Richtung Hostel. Ich packe auch noch den restlichen Kram, vorallem das gekühlte Essen, ein und ziehe meines Weges. Auf diesem Weg liegt auch die Bäckerei. Ich kann nicht anders...ich verfalle einem der Brote. Am Bahnhof dann noch ein Eis und schnell rein in den schon am Gleis 3 wartenden Zug nach Oslo.

    Uff....grad noch so erwischt. Aber was ist denn dass? Ist das eine Film-Crew? Na toll, und ich sehe bepackt aus wie der letzte Depp. Stellt sich raus, die Film-Crew ist aus England und sie drehen...tja, das habe ich auch noch nicht so ganz raus. Jedenfalls ist es sehr amüsant, wie die Redakteurin rumspringt, Anweisungen verteilt und jeden der nicht bei 3 in der Gepäckablage ist, mit einbezieht. Auch der Schaffner wird Teim des Spektakels. Er soll hier das und da jenes...sein Stolz steht ihm ins Gesicht geschrieben. Gür eine Schauspiel Karriere wird es nicht reichen, aber er macht den Job trotzdem gut. Genauso gut wie seinen jetzigen. Bei der Ticketkontrolle versichert er, dass der Anschluss, für den nur 9 Minuten Umstigszeit bleiben, immer wartet. Auch wenn es Verspätungen gibt. Das beruhigt mich natürlich.

    Was am Fenster vorbei zieht, kommt einer Modellandachaft gleich. Zunächst sind es die Vororte von Trondheim, die sich immer weiter vereinzahlen und sich endgültig in einer hügelligen Landschaft voller Kornfelder verlieren. Fasst einer malerischen Bildkomposition gleichkommend, sitzen auf seichten Hügeln mitten im Kornfeld, rot-weiße Bauernhöfe. Kontrastiert wird die Szenerie durch den dunklen Himmel.

    Auch diese ländliche Idylle verliert sich jedoch irgendwann in der norwegischen Wildnis. Anstelle der Höfe treten Schluchten, Flussläufe, Wälder, aber auch Kuhweiden und abgeschiedene Anwesen. Ab und zu geht es durch Tunnel, dann wieder entlang von Tälern, in denen kleine Dörfer schlummern.

    Bei der Film-Crew hat inzwischen ein 11-jähriger Hund den Auftritt seines Lebens erkämpft. Es verwundert mich zunehmend, was für ein Beitrag das wird. Wir haben bisher einen Hund, einen Schaffner, 2 Hauptpersonen, eine Außenansicht durch einen anderen Kameramann (ich glaube er hat seinen Auftritt verbockt, denn das als wir ihn passierten kämpfte er noch panisch mit dem Stativ), 2 Frauen die Norwegisch mit einander sprechen sollten und irgendeine Brittische Spezialität, die erst ausgepackt und dann in Alufolie wieder eingepackt wurde.

    Nächster Zwischenstop ist dann Dombås, wo ich in den Zug mach Åndalsnes umsteige.
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  • Die bisher schönste Zugfahrt

    12. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌧 14 °C

    Der Umstieg hat wunderbar geklappt und damit sitze ich in einem kleinen Regionalzug nach Åndalsnes. Auch hier ist unerlässlich, eine Reservierungen zu besitzen. Hat man diese nicht, sitzt man vor der Tür. Da der Zug nur in Åndalsnes hält, kennen sich hier alle. Man lacht, man plaudert und alle sind guter Dinge. Die Mitfahrer, von denen der überwiegende Teil weiblich ist, ist eher älterer Natur. Sie zeigen mir gegenüber auch ein gesteigertes Interesse, merken aber schnell, dass sie mit Norwegisch nicht so weit kommen. Trotz nicht hervorragender Englischkenntnisse und einer ersichtlichen Anstrengung, nehmen Sie direkt den Kontakt auf. Ich erzähle von meiner Reise, von meinen Zukunftsplänen und was noch so erfragt wird.

    Als ich ausgequetscht bin, tönt aus meinem Rücken in schönstem Kölsch: " Wo jet et denn hin?". Aha, also ein Landsmann denke ich und dreh mich um. Im nun folgenden Gespräch stellt sich raus, der Herr ist vor 17 Jahren hier her gezogen, nach dem er sich in das Land verliebt hatte. Nun arbeitet er hier für einen Wohnmobil Verkäufer. Er erzählt mir viel über die Natur und den Landstrich hier. Auch, daß Geiranger im Winter keine Zufahrtsstraße hat. Er wäre sich noch nicht einmal sicher, ob im Winter dort Menschen wohnen.

    Doch am interessantesten ist, was vor dem Fenster passiert. Wer das nicht selbst erlebt hat, dem wird es schwer das zu beschreiben. Zunächst schlängelt sich die Bahn hunderte Meter über dem Tal, am Fels entlang. Im Tal einsame Gehöfte, kleine Siedlungen, Felder und Weiden. Dazwischen Wald und Wiese. Dann aber fährt man in eine Art Canyon. Auf beiden Seiten stürzen Wasserfälle hinab, die bei der Schneeschmelze in Mai und Juni, wesentlich mehr und reißender sein sollen, und fließen im Tal zu einem Fluss zusammen. Dieser ist so atemberaubend schön, daß ich meinen Blick für Minuten nicht abwenden kann....kristallklar und in den schönsten aller Blautöne, säuselt ein Fluss über sein weißes Kiesbett. Er unterquert Brücken, zieht an malerischen Landschaften vorbei und stürzt ab und zu in Stromschnellen oder Wasserfällen weiter hinab. Es ist unbeschreiblich schön....

    Dann geht es in einen Tunnel, wo der Zug eine Kehrtwende macht und nun tiefer sowie in umgekehrte Richtung am Fluss entlangfährt. Wir erreichen eine Brücke und über diese das andere Ufer. Entlang dessen geht es dann wieder eine Zeit, bis es über eine Brücke zurück auf die andere Seite geht. Während dessen hat sich die Umgebung auch gewandelt. Die Felsen sind gerade zu gigantisch geworden und wirken nun mit ihren Wolkenverhangenen Spitzen, ihrer Schroffheit und in der Abendsonne sehr bedrohlich. Die Trollveggen, ein Gebirgsmassiv, erscheint. Es ist einfach nur beeindruckend und erneut: unbeschreiblich.

    Nach Beendigung der Fahrt im 19.40 Uhr, bietet eine der Frauen mir sogar an, mich an meinem Hostel abzusetzen. Dankend nehme ich an. Dort angekommen, erwartet mich eine Überraschung. Es gibt keine Rezeption oder irgendwas. Also rufe ich die Nummer an, die ich gestern schon einmal gewählt hatte, um mich zu erkundigen bis wann der Check-In möglich ist. Da hätte ich es schon wissen müssen. Dort meinte eine Stimme aus dem Hörer, ob ich denn schon da sei. Natürlich war ich das nicht, meine Reservierung war schließlich für heute. Als er das verstanden hatte, fragte er mich, ob ich denn Einchecken wollte. Da wusste ich, er hatte es doch nicht verstanden, denn wie sollte ich aus hunderten Kilometer Entfernung einchecken ? Ich gab es auf und dachte, wird schon.

    Stellt sich raus: wird nicht. Ich rufe also an und sage, dass ich einchecken möchte. Dir selbe unverständliche Stimme sagt, er schicke seine Frau los. Die steht auch wenig später im Treppenhaus, jedoch wirkt es nicht so, als hätte ihr jemand bescheid gesagt. Ok, Problem erneut geschildert - es folgt ein Telefonat. Bei diesem Telefonat, kann ich Ihren man schon fast aus Ihrem Hörer kommen sehen, so sehr aggressiv redet sie auf chinesisch darein. Dann bedeutet sie mir mitzukommen. Wir gehen in dem ersten Stock und sie klopft an eine Tür. Keiner öffnet. Erneut klopfen - erneut Stille. Ok, jetzt fange ich an mir Gedanken zu machen.

    Mit Google translator und etwas englisch brocken erklärt sie mir, das Zimmer ist aus irgendeinem Grund doppelt belegt. Sie bereite das Kinderzimmer auf dem Flur für mich vor. Ich bin nicht picky oder abgehoben ABER: für 55 Euro die Nacht, bekommt man in Deutschland ein günstiges Hotelzimmer mit mindestens Frühstück. Ich bekomme dafür in Norwegen, ein Kinderzimmer das an den Hausflur grenzt mit Duftstäbchen drinn. Mein Kopf dreht sich jetzt schon, meine Nasenschleimhäute sind alles andere als glücklich, aber am schlimmsten sind die Kopfschmerzen. Selbst das entfernen der Stäbchen bringt nix, denn um diesen Geruch loszuwerden, müsste man das Haus abreißen und ein neues bauen.

    Immerhin lerne ich in der Wartezeit Vitali und seine Schwester Larissa kennen. Beide kommen aus Russland, doch Larissa lebt seit 11 Jahren in Trondheim. Dort arbeitet sie als Managerin einer Zahnklinik. Sie bietet mir an Mitzuessen. Es gibt eine Art Graupen oder so, mit Süß-saurer Soße. Dazu Matjes aus der Dose. Es schmeckt vorzüglich. Zum Nachtisch bzw. aus russischen Tradition gibt es anschließend einen Rooibos Tee.

    Ich bedanke mich vielmals und verabschiede mich...mein Gott diese Kopfschmerzen...naja, ist ja nur über Nacht. (An Muddi gewandt: müssen wa da was tun?)

    Für morgen habe ich schon etliche Vorschläge und Tipps zwecks Wanderungen bekommen. Ich bin gespannt, denn das was ich hier schon gesehen habe, macht sehr viel Lust auf mehr.
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  • Gestrandet in Åndalsnes

    13. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌧 12 °C

    Tja, die Idee war gut, aber so wirklich nach Plan läuft es nicht. Fangen wir beim Wetter an. Seit heute Nacht regnet es durchgehend. Alles ist wolkenverhangen und grau. Die Motivation hier auf einen Berg zu steigen, worauf es beim norwegischen Wandern bekannterweise hinausläuft, hält sich in Grenzen. Dennoch werde ich es natürlich nachher in voller Montur tun.

    Als 2. wären da die weiteren Pläne. Ich hatte nicht bedacht, dass die Busanbindung hier nur über 3 Ecken läuft und eine direkte Straße, von jedem Bus mit 3-4h Umweg umfahren wird. Dazu kommt, daß Stryn, Sylte, Geiranger, Hellesylt etc. alle keine günstigen Unterkünfte haben. Bevor ich jetzt also Unsummen für Fortbewegung und Unterkunft ausgebe, um dann auf matschigen Wanderwegen zu enden und am Ende außer einer verhangenen Aussicht nichts gewonnen zu haben, kürze ich das ganze lieber ab. Ich denke ich fahre morgen direkt bis Stryn, miete mir dort ein Häuschen für 45 Euro und fahre darauf den Tag mit der Fähre von Maløy nach Bergen.

    Jetzt erstmal Frühstück und dann schauen wir weiter...hab die letzten 2,5h nur Busverbindungen und Unterkünfte gesucht....war kein Spaß, ich muss glaube ich einfach an die Frische Luft.🙃
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  • Nass, Nasser, Norwegen 🌧

    13. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌧 6 °C

    Bei näherer Betrachtung, fallen mir nur 2 plausible Gründe ein, warum ich mir trotz des Wetters die Frage aller Fragen stelle: "To hike or not to hike?" und sie anschließend auch noch mit: "hike" beantworte. Ersterer vo beiden bezieht sich auf das Wetter selbst. Laut Norwegern bzw. Skandinaviern im Allegemeinen, gibt es ja kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung. Sollte ich mir also die Blöße geben und auf die Frage warum ich Åndalsnes nicht wandern war, das Wetter als Grund nennen? Nein, das ging nun wirklich nicht entschied ich. Diesem Grund schloss sich zweiterer an, dass ich extra 2 Nächte für insgesamt 110 Euro gebucht hatte und dieses Geld noch sinnfreier investiert wäre, würde ich den Tag drinnen verbringen. Für dieses Geld hätte ich ebenso gut einen Friseurbesuch + 10kg Äpfel in Norwegen bekommen.

    So geht es also, nach reichlich Vorbereitungen und der Vollendung der provisorischen Planung für morgen, hinaus ins norwegische Nass. Für mich auf diesem Trip das erste mal. Dafür müsste ich mehr als dankbar sein, was mir auch alle Locals bestätigen. Dieser Sommer soll so mies gewesen sein, dass es glatt an ein Wunder grenzt.

    Ich stiefel los. Garnicht so übel. Mit der richtigen Kleidung, bekommt man erstmal fast nix mit vom Regen mit. Direkt gegenüber ist offenbar gerade Hofpause. Die Grundschüler jagen einem Ball nach. In Pulli oder Jacke pesen sie durch die Gegend, als könnte man bei richtigem Tempo, den Tropfen einfach ausweichen. Die Lehrer sind langsamer, dafür auch mit Schirm unterwegs. Unweigerlich erinnere ich mich zurück an meine Schulzeit. Was war das für ein Trubel und gejuchtze, wenn bei minimalstem Sprühregen, die Regenpause ausgerufen wurde. Hier sind die Kinder offensichtlich aus einem anderen Holz.

    Der Wanderweg beginnt fast in der Stadt. Es sind nur 250m bis ich den Beginn erreicht habe. Zunächst ist der Pfad noch durch Metall Stege und Treppen befestigt, dann jedoch beginnt der abenteuerliche Teil. Steil bergauf muss man sich seine optimal Linie selber suchen. Den größten Teil der Strecke ist der "Pfad um die 5 - 15m breit und besteht aus freigelegte Wurzeln von Nadelbäumen sowie Steinen. Nach ca. 150-200 Höhenhetern, beschränkt sich die Aussicht bereits auf die unmittelbare Umgebung. Als ich die Aussichtsplatform, ca. 600m u. 0 erreiche, führt der Steg ins Nichts. Nur umgeben von weißen Schleiern und dem unter mir klaffenden Nichts. Ich schloss auch noch die letzten hundert Höhenmeter ab, bevor auf 708m ü. 0, wie aus dem Nichts, die Seilbahnstation auftaucht. Bereits hier peitscht mir der Wind die Böhen und Tropfen nur so um die Ohren. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das klamme Gefühl vom Schwitzen oder Regen kommt, jedoch bin ich nass. Nicht nass nass, aber definitiv nicht mehr trocken.

    Nicht ohne Grund dachte ich in genau diesem Moment über die Funktionalität meiner Kleidung nach...nein...mein Hörspiel lenkte meine Gedanken in diese Richtung. Nun könnten sich aufmerksame und zugleich informierte Leser fragen, was das mit 'Bis ich dich finde' zutun haben könnte, denn die letzten 10 CD's hätte ich selbst in einem Hörbuch Marathon nicht bewältigen können. Zumal es (nach meinem Kenntnisstand) auch auf keiner der 20 CD's um Outdoor Bekleidung geht. Tja, Not gedrungen musste ich ein neues Hörbuch anfangen, bevor ich das alte abschließen konnte. In dem mir ausgehändigten Ordner, fehlen nämlich 4 Teile. So fing ich mit 'The Rosi project' an. You guessed it, diesmal bin ich Englisch unterwegs. Unbeabsichtigt bildet das Werk jedoch ein perfektes Pendant zu dem bisher gehörten. Erlaubt diesen kleinen Abstecher, ich finde auch gleich wieder zum Thema zurück. Während Jack in 'Bis ich dich finde eher seine emotionale, subjektive Erfahrung mit Liebe und Sexualität teilt, so tut es Don auf einer fast ausschließlich naturwissenschaftliche, statistische Art und Weise. Er als Autist muss sich sein Sozialesbewusstsein erst aneignen und beschreibt daher Sozialenormen und -verhaltensweisen erschreckend genau.

    Was er ebenfalls sehr genau beschreibt und worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist seine Goretex Jacke. Als er in einem Nobelrestaurant gebeten wird ein Jacket zu tragen, weist er den Kellner höflich auf die funktionellen Vorteile seiner "Jacket" hin. Eben in diesem Moment gleiche ich die Parameter mit meiner Ausrüstung ab.

    Auf der Terrasse der Gondelbahn, von der aus man ebenfalls auf eine weiße Wand starrt, treffe ich auf eine junge Angestellte. Sie beginnt eine Konversation und ich zeige mich dem gegenüber offen, denn nach dem Aufstieg ist gegen eine kleine Pause nix einzuwenden. Sie erzählt, ich solle wenn ich vorhabe über den Pass zu wandern, auf dem Pfaden bleiben, ansonsten besteht ein sehr großes Risiko des Abstürzens. Sie äußert ihre Bedenken zu recht. Hier oben kann man gerade einmal 5-10m nach vorne bzw. 5m zur Seite schauen, bevor der weiße Schleier den Rest verhüllt. Zu den Seiten ist es besonders schlimm: man sieht gerade noch das es bergab geht, aber dann ist cut...sehr beängstigend.

    Sie erzählt mir aber auch was über die Seilbahn, die es dort erst seit einem Jahr gibt. Laut ihr ist das ganze Projekt so angelegt, dass man es bis auf ein Minimum an environmental impact, sofort zurückbauen könnte. Das einzige was bleiben würden, wären 6 Löcher im Fels. Das eine ist der Kabel und Rohrschacht, für den ein Experte beordert wurde, ein 1,4km tiefes, senkrechtes Loch zu bohren - einmal von unten nach oben. Bei den Bohrungen von unten und oben, verfehlten man sich nur um 40cm, was ich bei der Dimension sehr beeindruckend findet. Auf Grund der hohen Preise (39€) bietet sie mir an mir heimlich ein Kinderticket (19€) zu verkaufen...auf dem Rückweg entscheide ich mich jedoch da gegen.

    Ich ziehe Hörspiel hörend weiter...von nun an wird es ungemütlich. Die Böhen erfassen mich teilweise so abrupt und heftig, dass meine Reflexe auf Höchstleistung getestet werden. Der Regen hat sich nun zumindest bis in meine Jackentaschen vorgekämpft, womit er ständig mein Handy steuert und pausiert, vor- oder zurückspult. Meine Handschuhe sind dermaßen nass, dass ich alle 2-5 Minuten nur die Faust ballen muss, um einem Wasserfall ins Leben zu rufen. Aber ich Kämpfe mich vor. Die Sicht Verhältnisse habe ich ja eben schon beschrieben, jedoch werden diese eher schlimmer. Ab und zu tauchen wie aus dem Nichts Gegenstände oder Abgründe vor mir auf. Als ich die 970m oder so erreicht habe und der Grad so schmal wird, dass er Klettern erfordert bzw. bei einem Ausrutscher der Schwerkraft nix im Wege stünde, kehre ich um.

    Für den Rückweg verhält es sich fast identisch. Nur sind die Böden mittlerweile noch vollgesogener, die Steine noch rutschiger und die Böhen sind intensiver. So passiert das Unvermeidbare; eine Böhe erfasst mich, meine Beine haben gerade auf einem Stein keinen festen Halt und ich stürze. Dabei schlage ich mir ziemlich heftig das Knie auf. Im ersten Moment bin ich nicht sicher, ob es ein Blauerfleck oder verdreht ist. Spielt auch keine Rolle, denn Fakt ist: es tut weh. Der Rest meines Körpers befindet sich in einer Pfütze. Im Bewusstsein, dass es irgendwie bis unten gehen muss, was dem überwinden von 700 Höhenmetern auf 5km entsprach, rappel ich mich auf und ziehe weiter.

    Overthinker wie ich nun mal bin, tapse ich erneut zur Seilbahnstation. Mein Gedanke: der Frau Bescheid geben, dass ich nicht abgestürzt bin und nicht mit der Gondel fahre. Zu meiner Überraschung ist dort allerdings ein älterer Herr, der von meinem Englisch nix versteht und überhaupt nicht weiß was ich möchte. Ich habe es probiert.

    Auf dem finalen Abstieg folgt eine Menge fast Gefalle. Inzwischen waren die Wurzeln so dermaßen Nass, daß man kaum irgendwo festen Halt bekommt. Bei größeren Schritten meldet sich das Knie. Ich verzichte hier auf Details, denn im Grunde nehme ich auch nicht viel mehr wahr als, nasse Wurzeln Steine und Nebel. Das nicht Fallen erfordert meine gesamte restliche Konzentration.

    Gegen 18.30 Uhr erreiche ich nach ziemlich genau 10km und 897 Höhenmetern meine Unterkunft. Ziemlich genau alles ist zu diesem Zeitpunkt nass. Jetzt heißt es improvisieren, denn nochmal reise ich nicht 3 Tage mit nassen Sachen durch die Gegend. Der Keller ergibt nichts, außer dem Auffinden eines mega Fitnessraums. Das hilft mir zumindest später am Abend dabei, die lauten Schreie, Stöhner und Musik zuordnen zu können. Meine Suche im Wohnbereich ergibt 2 Elektro-Heizkörper. Wird eng, aber machbar. Den Rest des Abends eile ich also hin und her, wende die Sachen, positioniere sie neu und koche nebenbei Nudeln. Ich schaffe es tatsächlich bis um 3 Uhr, alles trocken zu haben. Leider frisst das auch meine ganze Nacht. Während ich warte, tue ich was ich schon ewig machen wollte, ich Zeichne meine Rute hier neu nach, damit nicht mehr alles doppelt und 3fach erscheint. Als das endlich geschafft ist, bin ich so so so glücklich und gehe schlafen...
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  • Der frühe Vogel fängt den Wurm oder so..

    14. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌧 9 °C

    Joa, mal sehen wo die Reise heute hingeht. Wenn ich bis dato angenommen hatte, dass die Busanbindung mit Winterfahrplan auf den Lofoten schlecht sei, so möchte ich diese Behauptung spätestens jetzt revidieren. Mit der Ungewissheit im Hinterkopf, dass ich bereits um 6.20 Uhr, in einem kleinen Kaff, mitten in West-Norwegen gestrandet sein könnte, warte ich auf einen Nacht-Bus aus Oslo, der genau 5 Minuten Pufferzeit hat, um meinen Plan nicht ins Schwanken zu bringen - kleiner Einwurf: es sind laut App bereits jetzt 6 Minuten Verzögerung und der Bus ist noch nicht mal in Sichtweite. Das mit dem Schwanken ist auch eher so relativ zu sehen, denn schaffe ich den Anschluss nicht, ende ich heute überall, jedoch nicht an meinem erdachten Ziel.

    Nun ja. Entsprechend der Uhrzeit, hatte die Nacht für mich nur 1h. Es bedurfte einigem an Planung, Organisation und irgendwie fand ich generell nicht in den Schlaf. Mag auch an den Sauna ähnlichen Zuständen in meinem Zimmer gelegen haben, die sich zum einen aus der Hitze der Heizung, dem verdampften Wasser und der Aufguss ähnlichen Vanille Duftwolke der Duftstäbchen zusammen setzten.

    Glücklicherweise weckte mich mein Unterbewusstsein um 3.13 Uhr ein 3. Mal, nach dem ich meine 2 Wecker zuvor ausgeschaltet hatte. Es folgt das obligate Packen, doch besonders das Schlafsack Einpacken, ist bereits zu einer rutinierten Übung geworden. Nach einem Frühstück mit Kaffee und Flat-Bread, geht es in Regenklamotten zur Bushaltestelle. Hier warte ich nun mit einem gemischten Gefühl aus Anspannung und dem Bewusstsein, dass ich keinen Einfluß auf den Ausgang der Ereignisse habe.

    Nachtrag: Ich bin beeindruckt! Punkt 5.00 Uhr nähert sich der Bus der Station. Bereits 2 Minuten später sind wir auf der Strecke. Das ist truly amazing! 👏
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  • Mit Bus und Fähre durch Norwegens Fjorde

    14. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌧 7 °C

    Wer die Apps 3 verschiedener Busbetreiber und 2 verschiedene Fähr Fahrpläne auf seinem Smartphone hat, dazu noch fehlende Ortskenntis und einen total straffen sowie undurchsichtigen Reiseplan, der ist zum einen mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Winterfahrplan in Norwegens Westen unterwegs und zum anderen im Begriff, zumindest einen Teil vom Ernst des Lebens zu begreifen/zu spüren.

    Ich befinde mich in eben solcher Situation. Bus Nummer 1, ihr habt ihn schon kennenlernen dürfen, ist der Nachtbus aus Oslo. Betrieben wird dieser durch das Unternehmen VY, welches ihren Fahrgästen den Komfort von gleich 2 Apps bietet. Bus Nummer 1 sammelt mich also unerwartet pünktlich ein. Der Blick durch die Frontscheibe erklärte zum einen die Pünktlichkeit, lässt zum anderen offen, ob und wenn ja wie viel früher wir ankommen. Es handelt sich um einen doppelstöckigen Bus, der mit seiner Geschwindigkeit bei Regen, Dunkelheit und den norwegischen Straßenverhältnissen, am oberen Limit des rechtlich erlaubten und physisch möglichen verkehrt. Selbst bei guten Verhältnissen und mit Muddis Ford Fiesta, wäre ich hier nicht so lang gepest.

    2 Minuten vor der Zeit erreichen wir Sjøholt. Ich bin sehr erleichtert, nicht weil wir überlebt haben (Natürlich auch), sondern weil der anstehende Umstieg mit planmäßig 3 Minuten, der prekärste auf meiner Rute ist. Ab hier übernimmt Busunternehmen 2: FRAM. Diese befähigen die meisten Transportmittel in dieser Region. Mit FRAM, wird es auch Zeit für eine neue App. Diese erspart einem beim Kauf der Tickets darüber 2 Euro On-Board Aufschlag. Bus 220 erscheint ebenfalls pünktlich und ich bin der einzige Fahrgast. Bereits nach 10 minütiger Fahrt erreichen wir Vaksvik.

    Wenn ihr (ich bin es) bis dato davon ausgegangen seid, dass eine Busnummer und -bezeichnung auch ein Bus bedeutet, so habt ihr euch gewaltig geirrt. Mein Streckenplan betrachtete was nun folgte, übrigens auch nicht als Umstieg. Ihr könnt euch also mein Erstaunen vorstellen welches mich überkam, als der Bus an einer Seitenstraße mitten im Nirvana hält und der Busfahrer zu mir meint, ich müsse jetzt aussteigen. Ok...von hier an übernimmt mein blindes Gehorsam die Kontrolle über meinen motorischen Kortex, sodass ich alsbald neben Bus 220 stehe. Genauer gesagt stehe ich neben 3 Bussen 220. Es wirkt wie ein schlechter Scherz, für den ich nun gar keinen Nerv habe: 3 Busse mit selber Bezeichnung und Nummer stehen mitten in der Pampa und ich soll vom einen in den nächsten. Beim verlassen erhielt ich die Anweisung, den kleinen zu nehmen. Der "kleine" hatte die größe eines Flughafen Shuttles, fuhr allerdings mit gleicher Mentalität und Geschwindigkeit wie alle anderen Busse zuvor. Auf der einstündigen Fahrt habe ich genug Zeit, mich mit der weiteren Streckenplanung zu befassen. Bis zu diesem Moment hatte ich nicht damit gerechnet, es bis hier her zu schaffen.
    In meiner Fantasie hatte das Szenario anders ausgesehen. Mehr so: Ben, morgens um 6.26 Uhr an einer Bushaltestelle, von der den ganzen Tag kein Bus mehr führe und an der er nur geendet ist, weil er damit gerechnet hatte, dass ein Fernbus nach 300km Fahrt, ihn noch pünktlich einsammeln würde und er anschließend mit 3 Minuten Unsteigezeit, noch seinen Anschluss kriegen würde. Egal hat ja alles geklappt.

    Nächstes Gefährt würde eine Fähre sein. Den Fahrplan hatte ich schon als PDF heruntergeladen und befand 20 Minuten Umstiegszeit für mehr als genügend. Ich sollte recht behalten. Zur Abwechslung gab es auch mal etwas umsonst. Die 10 minütige Fjord-Überfahrt kostet nämlich nur Autos etwas. Es war schön auch mal vom Wasser aus und an der frischen Luft die Fjord Landschaft genießen zu können.

    Puh...der nächste Bus heißt 221. Es gibt als doch noch andere Busse. Auf der anderen Seite angekommen, ergibt sich jedoch trotzdem ein neues Problem. Es besteht nicht darin den richtigen Bus zu finden, sondern, die Bushaltestelle. Es handelt sich wie auch auf den Lofoten um eine nur auf Google Maps zu findende "Phantom-Bushaltestelle". Ein zuvor fahrender Bus verrät mir schließlich noch den Ort, an welchem ich nun Stellung beziehe. Wenig später hält auch mein Bus richtung Geiranger hier. Bus 221 hat ebenfalls Shutlebus Format. Der Grund dafür zeigt sich später. Zunächst geht es hinauf in die Berge, wo die Landschaft mit ihren Wiesen, Hütchen, Höfen und Wasserfällen, ein wenig an Bayrische Almen erinnert. Dieser Eindruck schwindet jedoch sofort, nähert man sich dem Geiranger Fjord. Gleichnamig auch das Städchen welches in der Tiefe erscheint. So etwas sucht man wohl in Bayern vergeblich. Statt der schön geraden aber stetigen Straße auf der wir hoch kamen, windet sich die vor uns liegende Straße in Serpentinen gen Normalnull. Der Ausblick aus dem Busfenster ist abermals atemberaubend, der aus der Frontscheibe angsteinflößend.

    Es zeigt sich mir das tiefe Blau des Fjords, der von den steilen grün bedeckten Steilhängen gesäumt wird von welchen wiederum Wasserfälle aus schwimdelerregender Höhe stürzen, sodass ihre Gischt weiß aufschäumt. Die Gipfel der Felsen sind zu meist von Wolken verhangen. Kurve für Kurve nähern wir uns dem Meeresspiegel. Hinter jeder Kurve die Gefahr einer möglichen Begegnung mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. In jeder Kurve der beste Blick über den Fjord. Hier trifft der Ausdruck "schrecklich schön" es wohl am ehesten.

    Geiranger bietet Zeit zum Erholen. Zum Pausieren des Uhrenguckens, des Fahrplan Lesens und des Ticketsuchens. Meine nächste Fähre geht erst 11 Uhr, was mir 2h Aufenthalt gewährt. Genug Zeit, um sich in Hafennähe etwas umzusehen und darüber zu senieren, wieviel Glück ich eigentlich mit meiner Naivität hatte...

    (Fortsetzung folgt....ich musste fast alles noch mal schreiben, weil es gelöscht wurde 😞)
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  • Die Kreuzfahrer

    14. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌧 10 °C

    (Immer noch in Geiranger)
    Die Verzögerung tut mir leid, aber es gab immer viel zu tun zwecks Hostel Suche etc.

    Geiranger bietet die ersehnte Verschnaufpause. Ein Rundumblick bestätigt auch die Aussage des Deutschen Auswanderers aus Åndalsnes: Geiranger hat nur den Tourismus und die Natur; weiter nichts. Wenn der Tourismus nicht wäre, würden nur ein paar verlassene Häuser und Hotels übrig bleiben. Das nimmt den Druck, auf große Erkundungstour gehen zu müssen. Einziger Pflichtpunkt, ist die Beschaffung eines Fährtickets. Ohne das geht es in 2h nicht weiter. Da es sich um die "Legendäre" Fjordfähre handelt, wie das Unternehmen später auf dem Schiff 3 sprachig zum Besten geben wird, sind auch die Preise legendär. Man betrachte sich ebenfalls als Teil des UNESCO Weltkulturerbe, gleich dem Geiranger Fjord. Mein Trost; zumindest bekomme ich etwas von der Wasserseite des Fjords mit.

    Nach dem das erledigt ist, besorge ich mir Postkarten. Tja, Postkarten....natürlich immer eine nette Geste und heutzutage sicher eine Rarität in deutschen Briefkästen, doch auch diesen Luxus muß man sich in Norwegen leisten können. Da ich aber bisher nix außer Lebensmitteln, Unterkünften und Fortbewegungsmitteln gekauft habe, kann man das durchaus machen. Zu mal ja auch der Nutzen (die Freude der Empfänger) den Kosten überwiegt.

    Nun, da auch diese Aufgabe absolviert ist, habe ich keine festen Ziele mehr. Es zieht mich ans Wasser. Von hier aus bewundere ich erneut die Schönheit des Fjords. In meinen Gedanken stelle ich mir vor, wie es wohl bei Sonnenschein und Schneeschmelze ausschaut, wenn all die Wasserfälle schäumend in die Tiefe stürzen. Definitiv ein Grund noch mal herzukommen.

    Während diesen Überlegungen, den Postkartenmotiven die in meinem Kopf umher kreisen und der Musterung der Gegend, überkommt mich ein sonderbares Gefühl. Irgendetwas ist anders. Ich spüre etwas, kann es aber nichts und niemandem zuordnen. Eine unterbewusste Wahrnehmung, die ihren Ursprung nicht preisgibt. Mein erneut schweifender Blick macht schlussendlich die Ursache ausfindig. Geräuschlos und langsam, als pirsche es sich an, schiebt sich zunächts nur ein Bug und dann ein gigantisches Kreuzfahrtschiff um die Ecke. Mit gemischten Gefühlen von Verabscheuung und Faszination, beobachte ich diesen Vorgang. Das leise, fortwährende Wachstum dieser Bettenburg.

    Auch andere Umherstehende sind auf das Boot aufmerksam geworden. Als bald bilden sich einzelne Grüppchen entlang des Piers, die mit diversen Geräten, das Geschehen festhalten. Natürlich ist es beeindruckend zusehen, wie so ein Koloss auf einer derart schmalen Wasserstraße bewegt wird, aber muss das wirklich sein? Muss jeder dieser verdammten Kreuzer die Möglichkeit bekommen, an jeder gewünschten Mülltonne zu halten? Ich denke nicht. Warum ist es so unvorstellbar, dass es Orte gibt, an die man eben nicht mit dem Kreuzfahrtschiff kommt? Ihr merkt schon, bereits nach kurzem überwiegt eine durch Wut dominierte Anspannung. Ich versuche mich zu beherrschen, aber folgenden Gedankengang kann ich einfach nicht unterdrücken. Je näher der Koloss kommt, desto stärker nimmt die Wut Gestalt an.

    Beim Suchen einer Übernachtung Möglichkeit in der Gegend, bin ich auf den Geiranger Campingplatz gestoßen. Auf seiner Website gab es eine Excel Tabelle mit allen Kreuzfahrt Ankünften. Das sind im Sommer mind. 1 täglich, allerdings gab/gibt ea auch Tage, an denen bis zu 3 Riesenkreuzer nach Geiranger vordrangen/vordringen.

    Was müssen die Einheimischen denken, wenn 3 mal am Tag ihre Heimat von Touristenströmen überrannt wird, 3 mal am Tag ihr wunderschöner Fjord durch eine riesen Matallberg gezeichnet ist und 3 mal am Tag die Luft mit dem Geruch von verbranntem Schiffsdiesel erfüllt ist? Tja, was ist schon eine Meinung wert, wenn die Einkünfte davon abhängen.

    Die Gegend ist so stark um den Tourismus entwickelt, dass es keine Sache von 5 Minuten wäre, den Tourismus plötzlich auf Nachhaltigkeit und Einklang mit der Natur umzustellen. Der Titel des UNESCO Weltkulturerbe bedeutet, daß diese Gegend besonders schützenswert ist und die Erde bereichert. Doch mich überkommt eher das Gefühl, als ob eine Gegend dadurch einer größeren Masse zugänglich gemacht werden muss...natürlich gilt das nicht nur für Kreuzfahrtschiffe. Die Campervans und Wohnmobile sind auch nicht besser, genauso wenig wie einige Camper. Von Locals habe ich gehört, dass man in der Nähe von Stellplätzen garnicht mehr in den Wald gehen kann, schon garnicht mit Hund. Überall liegt (excuse language) Scheiße rum! Was muss das für ein Gefühl sein, morgens auf zu stehen, dass Haus zu verlassen und direkt auf einen nackten Hintern zu blicken, der dir ein Haufen in den angrenzenden Straßengraben setzt? So skurril das auch klingt, so sieht die Realität in der Hauptsaison aus. Da kann ich zu 100% nachvollziehen, wenn die Locals freudestrahlend Berichten, dass das Allmansrecht, auf welchem das "Wildcampen" und ein Großteil des Massentourismus fußt, gekippt werden soll. Natürlich gilt das alles unter vorbehalt und ich weiß das da draußen auch viele verantwortungsvolle Menschen unterwegs sind, von denne ich sogar einige auf meinem Trip kennenlernen durfte. Trotzdem musste ich dem einmal hier Ausdruck verleihen.

    Ich stehe weiter am Kai und grübel.
    Wozu das ganze? Damit die Leute einmal hochgescheucht werden, 3h frische Bus Luft schnuppern um dann wieder im Inneren der schwimmenden Stadt zu verschwinden und beim Captains Dinner mit Blick auf den Fjord sagen zu können: "Mensche Geiranger hat uns gefallen. Tolle Stadt und die Natur erst! Die Menschen sind auch alle so freundlich. Ach herrlich ist das. Hier kommen wir nochmal her, hier gibt es ja soviel mehr zu entdecken.". Und zu Hause wird dann erzählt, daß ganz besonders der Fjord ein Highlight war und: "ach, schaut mal was wir mitgebracht haben.", worauf etwas vorgelegt wird, das es komplett identisch, in 1000 weiteren Tourishops genauso überteuert zukaufen gibt. Ein Favorit z.B. die Hirsch, Rentier oder Wal Salami, die mehr Schwein als alles andere enthält sowie Kleidung der Marke Scandinavian explorer. Ist das wirklich der Grund, warum ein riesen Kreuzer so ein schweres Manöver fährt, 5h lang bei stehendem Schiff Brennstoff verbrannt wird und eine riesen Maschinerie aufgefahren wird, um die Leute vom Boot runter, in die Umgebung und wieder rauf zu bekommen?

    Ich will hier nicht die Kreuzfahrtindustrie in den Dreck ziehen. Mit ist bewusst, daß es vorallem für ältere Menschen ein Weg sein kann, trotz weniger Kapazität etwas von der Welt zusehen. Trotzdem muss man sich immer dessen bewusst sein, was man dafür der Natur und vorallem den Einheimischen antut. Natürlich lächeln sie, natürlich sind sie freundlich, aber wenn mein Gehalt davon abhängen würde, wieviel Schneekugeln oder Schlüsselanhänger ich verkaufe, dann wäre ich genauso drauf.

    Zurück an den Ort des Geschehens. Nun zeigt sich nämlich der Aufwand, mit welchem dieser eine Landgang verbunden ist. Zunächst positioniert sich der Kreuzer zwischen 3 Bojen; 2 am Heck, 1 am Bug. Dann fährt ein kleines Boot mit 2 Leuten hinaus, welche die Taue annehmen und zu den Bojem schleppen. Auf dem Schiff ziehen weitere Leute die Taue fest. Alleine dieser Prozess nimmt schon eine Stunde in Anspruch. Dann kommt ein ausklappbarer Steg zum Einsatz, welcher über Motoren in den Schwimmelementen verfügt. Er wird von weiteren 4 Menschen befähigt. Diese navigieren ihn an den Kreuzer. Dort werden wieder anderen Besatzungsmitgliedern Seile mittels langen Stangen übergeben. Der Steg wird fest vertäut und...

    Den Rest bekomme ich garnich mehr mit. Ich habe über meinen Beobachtungen und Grübeleien komplett die Zeit vergessen. Erst als ich vermeintlich meine Fähre erblicke, wie sie sich von den geladenen Autos und Personen befreit um Platz für die Rückkehr nach Hellesylt zu schaffen, wird mir bewusst, dass der Prozess schon 2h andauert. Noch immer stehen die Passagiere des Kreuzers aufgereiht an den Balkonen und Sonnendecks. Trotz der vielen Bemühungen ist nicht im Sicht, dass sie so schnell von Bord kommen werden. Eigentlich wollte ich miterleben, was passiert wenn plötzlich alle von Bord strömen und welche Dynamik sich entwickelt, aber in Anbetracht der Zeit, eile ich lieber zu meiner Fähre, die pünktlich 14 Uhr zu ihre 1 stündige Fahrt aufbricht.

    Es wird eine bewegte Stunde: Wasserfall hier, Bauernhof da, man weiß garnich auf welche Seite man sich begeben soll. Immer wieder taucht auf der genau anderen Seite etwas Interessantes auf. Dazu gibt es einen mehr als überflüssigen Audioguide, der überdies noch etwas unbefriedigend in der Ausführung ist. So heißt es z.B. ganz am Anfang, dass mit fast allen Höfen ein tragisches Schicksal verbunden ist. Was genau es damit auf sich hat erfahren wir nie. Während der gesamten Überfahrten regnet es. Die dicken grauen Wolken denen es dafür bedarf, hingen ja schon den ganzen Tag tief über dem Fjord. Ganz am Ende, als wir eigentlich schon auf den Hafen zu steuern, erblicke ich noch Delphine.

    Ich betrachte die Fahrt als eine gelungene Abwechslung zu meinem bisherigen Tag. Natürlich war sie das Geld bei weitem nicht wert, doch der Reiseplan gibt sie als unerlässlich an...anders würde ich jedenfalls nicht nach Stryn gelangen.

    Am anderen Ufer in Hellesylt, gilt es erneut 2h zu überbrücken. Ich entschließe mich noch einpaar Lebensmittel zu besorgen und dann eine Bäckerei aufzusuchen, in der man bei Kaffee und Snack, 1 Stunde im Trockenen verbringen kann. Relativ schnell werde ich fündig; gepriesen sei Google Maps. Beim Snack fällt die Wahl meines Gasters auf Foccacio mit Tomate Mozzarella Füllung. Teuer, nicht überragend aber sättigend, lautet das Fazit.

    Zeit für einem Bus, nicht? Wie wäre es zum Abschluss noch mal mit einem neuen Verkehrsverbund? Jup klar, kriegen wir hin. Einen ohne eigen App? Auch das! Nehmen wir doch Skyss. Achso, ganz vergessen. Skyss steht nur auf Google Maps als Betreiber. Der Bus der schlussendlich hält, ist von Kringom. Hier ist mir nicht klar wie ich Tickets buchen soll. Laut Fahrer geht es ebenfalls über die FRAM App...gesagt getan, kontrollieren tut es eh nur der Busfahrer und wenn es für ihn klar geht, ist alles bestens.

    Von der Busfahrt erlebe ich nur den Anfang und Teile des Endes. Meine Müdigkeit lässt mich permanent wegdösen. Kurz vor der Ankunft in Stryn erwache ich. Eigentlich gab es ja mal den Plan wandern zu gehen, aber sowohl das Wetter, dicke Tropfen peitschen mir ins Gesicht als ich aussteige, als auch mein Energie Level sagen nein. Erstmal zu sehen, dass ich meine Hütte bekomme.

    Der Campingplatz ist nur 11 oder 12 Minuten vom Busbahnhof entfernt. Natürlich regnet es den gesamten Weg über, doch mit Regenschutz Jacke und Regenhose bin ich bestens ausgestattet. In einer Email hatte ich mich für 15 Uhr angekündigt und als ich vor der verschlossenen Rezeption stehe, ist es Punkt 15 Uhr. Nach einem kurzen Telefonat ist auch sofort eine Frau zur Stelle. Sie meint sie würden vor dem Wochenende und dem damit einhergehenden Ansturm noch einmal Kraft tanken. In Stryn findet von Freitag bis Sonntag nämlich ein Oktoberfest statt. Ein riesiges Even für die Gegend. Natürlich erkundigt sie sich bei mir direkt nach nach "unserem" Oktoberfest, zu dem ich als eingefleischter Mecklenburger natürlich ne Menge erzählen kann. Sie drückt mir den Schlüssel in die Hand und ich buche noch 2 Duschmarken. Dafür gibt es sogar eine Postkarte umsonst....was ein Tausch.

    Die Hütte ist eben eine Hütte. Sie hat eine Terrasse, und drinnen 4 Betten, einem Tisch, eine elektronische Herdplatte und einem Kühlschrank. Es ist die einfachste Ausstattung die Sie anbieten. Dafür darf man allerdings die Gemeinschaftsräume mit benutzen. Mein erster Instinkt ist direkt schlafen zu gehen....aber es ist 15.30 Uhr....Das kann man nicht machen. Wie kann man sonnst den Tag sinnvoll nutzen? Ah ja! Wandern!
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  • Meine vorletzte Wanderung: Der Gryta

    14. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌧 3 °C

    Ich packe meinen Daybag und gegen 16 Uhr mache ich mich auf die Socken. Es ist schön nach einem Tag im Bus noch einmal die Beine zu vertreten. Entlang der sich den Berg aufwärrswindenden Straßen und Häuschen ziehe ich dahin. Passend dazu höre ich 'die Landesbühne' von Siegfried Lenz. Auch als die Häuschen schwinden und ihre Plätze von Bäumen eingenommen werden, höre ich nicht auf zu laufen. Einfach immer gerade aus den Berg hinauf. Autos passieren mich nur sehr sehr selten. Nach 5km stehe ich auf einem Parkplatz. So gleich zeigt sich mir ein ähnliches Bild wie am Dundret: einsame Skilifte, in den Wald geschnittene Schneisen und weiter oben Ferienhaus Siedlungen. Hier hin wollten also die Autos. Die Teslas, Audis und BMWs passen natürlich in die Gegend.

    Auf AllTrails finde ich eine Wanderung. Sie führt hinauf auf den 1032m hohen Gryta. Angeblich in 3h zu bewältigen. Ich sehe auf die Uhr: 16.30 Uhr...naja, mach so weit du kommst sage ich mir. Es geht also erst durch die Ferienhaus Siedlungen, dann an merkwürdigen, halb zerfallenen Holzschuppen vorbei und schlussendlich bei bekannter Steigung und Wegbeschaffenheit (steil und steinig) aufwärts. Recht schnell verliert sich die Vegetation, sodass es über eine verwucherte Steppenähnliche Hochebene geht: Gräser, Moose, kleine Sträucher und vereinzelt krüppelige Birken. Bis dato hatte es zwar nur wenig bis garnicht geregnet, allerdings war das Tal Wolkenverhangenen und die Sicht war stark eingeschränkt. Zumindest etwas Auflockerung machte es mittlerweile möglich, durch einige Wolkenlöcher das Tal zu sehen.

    Überzeugt von meinem Fortschritt, beschließe ich doch bis zur Spitze zu klettern. Klettern wird auch als bald nötig, als die Markierungen kaum noch zu finden sind und man sich selbst Wege suchen muss. Beide Hände und Füße sind gefragt, doch es reicht, ich habe es geschafft! Und wie durch ein Wunder, hatte es sich etwas aufgeklärt während ich am Klettern war, was mich wieder darin bestärkt, dass man manchmal einfach losziehen muss. Es ist ein herrlicher Anblick. Durch die Wolken brechen Sonnenstrahlen und tauchen das Tal in goldenes Licht. Der Fjord liegt grau und ruhig da. Viel Zeit zum Genießen bleibt nicht. Bei diesem Weg will man hier nicht im Dunkeln stranden. Es fordert wie erwartet meine gesamte Konzentration. Und selbst dann, kann ich mich 2 mal nur noch durch in den Hang Schmeißen vor dem Absturz schützen. Mehrere andere Male schützen mich diverse Reflexe vorm Stürzen. Der Blick kann nur im stehenden Zustand durchs Tal schweifen. In der Bewegung ist er auf den Pfad fixiert. Dabei wird das Licht immer schöner. Es sind richtige Strahlen zu erkennen, die die Wolken durchbohren. Nachdem der steile Teil absolviert ist und ich Gewissheit habe, das ich den Weg zurück finde, mache ich auf der Hochebene eine Kekspause. Bei Müsliriegel, Haferkeks und Schokolade, sehe ich der Sonne beim untergehen zu. Es ist ein wunderschöner Anblick, mit dem ich an diesem Tag definitiv nicht mehr gerechnet hatte.

    Dann wird es aber wirklich Zeit. Zunächst gemächlich, dann immer schneller, pese ich zurück. Gerade als ich darüber nachdenke, was mir hier für Tiere begegnen könnten, sehe ich einen Tatzen Abdruck, der sofort ein Bild von einem Wolf in meinem Kopf hervorruft. Mein Tempo verlangsamt sich erst auf Höhe der Ferienhäuser wieder. Auf dem Rückweg beschließe ich Luca anzurufen. Er geht tatsächlich ran. Da wir so lange nicht geschnackt haben, bin ich eins fix drei bei meiner Hütte, noch ehe das Telefonat beendet ist. 16km mit einer Höhendifferenz von 990m....Damit habe ich heute morgen noch nicht gerechnet und selbst als ich mich auf gemacht habe, war daran noch nicht zudenken. Jetzt, wo es allerdings geschafft ist, bin ich ziemlich zufrieden mit mir.

    Der Rest des Abends ist mehr oder minder unspektakulär: eine heiße Dusche, frische Sachen, Nudeln mit Pesto und noch bevor ich dazu komme etwas anzuschauen, bin ich auch schon in süße Träume verfallen.
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  • Aus den Bergen nach Bergen

    15. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌧 6 °C

    Heute geht es erneut auf große Fahrt. Diesmal aber hoffentlich mit weniger Aufregung. Gestern hat ja glücklicherweise alles irgendwie geklappt, was auch für heute sehr wünschenswert wäre. Ticket für die Fähre habe ich, beim Bus habe ich wieder keine Ahnung wo ich es her bekomme. Zur Not sind es 2 Euro On-Board Aufschlag.

    Da der Bus um 9 Uhr fährt und ich bis zur Bushaltestelle ca. 10-12 Minuten brauche, ist mein Plan, gegen 7.20 Uhr aufzustehen, alles zu packen, zu frühstücken und spätestens 8.35 Uhr los. Und nein, bei Ben ist nicht plötzlich Morbus Überpunktlichkeit ausgebrochen. Es ist nur so, dass wenn man 1 Fährticket für 40 Euro hat (nur am Rande: für 2 Euro günstiger bin ich von Rostock nach Trelleborg gefahren) und es lediglich diesen einen Bus bzw. generell nur diese eine Möglichkeit gibt, pünktlich diese Fähre zu erreichen, dann muss der Einsatz dafür manchmal etwas höher sein.

    Das mit 7.20 Uhr klappt nicht, jedoch schaffe ich 7.30 Uhr. Das Packen ist mittlerweile Routine, ebenso das Frühstück. 8.25 Uhr wird noch schnell der Kleinkram verpackt, die Zähnchen werden abermals umsorgt und nach einem Rundblick sowie der Schlüsselabgabe, geht es mit leichter Verzögerung 8.36 Uhr los. Nur um weitere 15 Minuten am Busterminal zu warten...

    ...Warten...(im Regen)...

    9.02 Uhr, Betritt der Fahrer des Busses die Bildfläche. Das mit dem Ticket habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits aufgegeben. Ich habe keine Ahnung was mich erwartet, denn im Grunde hat man ja keine Wahl: entweder da bleiben oder Handy/Karte gegenhalten...beeepp...zahlen was verlangt wird. Dieses Mal erstaunt es mich aber. Zunächst halte ich dem Fahrer mein Handy hin, um ihm zu zeigen, wo die Reise hingehen soll. Das was er sagt, hört sich zumindest so an, wie das was mein Display anzeigt. Ich bestätige. Da ich umsteigen muss, erhoffe ich mir davon, gleich ein Ticket für beide Busse zu bekommen, was mir einmal 2 Euro erspart. Er tippt auf seinem Display, Ich hoffe dass wir einstellig bleiben. Dann die Enthüllung: 40kr = 4 Euro. Ich traue meinen Augen nicht und bin erst irritiert, halte dann aber einfach mein Handy gegen. Wird schon richtig sein. Für die selbe Fahrzeit (nur vom ersten Bus alleine) habe ich gestern 7,80 Euro bezahlt. Dazu kommt noch die 2. Fahrt, die ja auch mit enthalten sein sollte...Von Zone 1 bis Zone 1 gibt das Ticket an.

    Gegen 9.06 Uhr geht es los; mein erster Abschnitt Richtung Bergen.
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  • Mit dem Express-Boot nach Bergen

    15. syyskuuta 2022, Norja ⋅ ☁️ 10 °C

    Stryn liegt ungefähr auf einer horizontalen Linie mit Måløy, dem ersten größeren Zwischenstop am heutigen Tag. Lustig, denn 2 Punkte, verbindet man sie gerade miteinander, liegen immer auf einer Linie; egal. Stryn befindet sich dabei weiter im Landesinneren und Måløy an der Küste. Für diese Fahrt sind 2 Etappen bzw. Busse nötig. Im ersten sitze ich ja bereits. Nun geht es vorerst ein Stück Richtung Hellesylt, bevor der Bus links abbiegt und mehr oder weniger gerade Richtung Küste fährt. Durch einen Tunnel und dann immer am Hornindalsvatnet entlang.

    Vor dem Tunnel werden gerade Beefestigungs Arbeiten vorgenommen, um den Steilhang zu fixieren. Wer schonnmal in den Alpen oder anderen Gebirgen untrwegs war, kennt das vielleicht. Auf unterschiedlichste Art und Weise wird verhindert, dass es zu Steinschlägen oder Geröll Lawinen kommt. In Norwegen kommen noch unzählige Wasserfälle dazu. Sie bahnen sich vorallem bei der Schneeschmelze einfach einen beliebigen Weg. So kann das Erdreich durchnässt werden, was das lösen von Gestein zur Folge hat. In meiner Zeit auf den Lofoten kam es zu solchen Fällen am Kvalvika Beach, der für seine hunderte Meter hohe Steilküste bekannt ist, vor welcher sich der traumhafte Strand mit dem kristalklaren Wasser erstreckt. Dadurch, dass es diesen Sommer verhältnismäßig viel Regen gab, lösten sich Steine, die hinab auf den Strand und die dortigen Camper fielen. Wie durch ein Wunder ist niemand tödlich getroffen worden, jedoch gab es einige Verletzte. Damit das vor dem Tunnel nicht passiert, wird ein neuer Wasserfall in seine Schranken gewissen und die Umgebung befestigt. Diese Arbeiten haben wiederum zur Folge, dass nur eine Spur frei ist. Sie wird abwechselnd von beiden Richtungen genutzt. Trotz einer dadurch verursachten Verzögerung, erreichen wir Nordfjordeid fast pünktlich gegen 9.56 Uhr. Von dort aus startet das 2. Stück der Busfahrt um 10.30 Uhr.

    Tatsächlich komme ich mit meinem Ticket auch in den 2. Bus. Damit ist das wohl mit Abstand die billigste Busfahrt meiner gesamten Reise. Auf dem weiteren Weg Richtung Küste, geht es immer am Nordufer des Nordfjords entlang. Dicke Tropfen prasseln derweil gegen die Scheibe, während sich um mich herum wieder einmal die Landschaft in lebensbejahendes Grau hüllt. Der graue Asphalt setzt sich in das Grau des Fjords fort, der seinerseits in graue Gesteinsmassen übergeht welche wiederum durch das Grau der Wolken eingehüllt werden. Grau grau grau....wo man auch hinsieht.

    Bri meinem Ausstieg 1, 5h später werde ich von Regen empfangen. Meine Laune hebt das nicht besonders, aber man muss das Beste draus machen. Das Beste daraus machen betrachte ich als, ein trockenes Fleckchen finden und dort 4h ausharren. Da meine Ortskenntis sich jedoch auf das Bedienen von Google Maps beschränkt, dauert es einen kleinen Moment bis ich mich zurecht gefunden habe und einen weiteren Moment, bis ich eine geeignete Anlaufstelle gefunden habe. Sie erweist sich als sehr geeignet: Eine kleine Mall, in der es Stühle und Tische gibt. Perfekt zum Postkarten schreiben. Mal sehen wievielen der Adressaten ich nach meiner Rückkehr die Karten vorlesen muss, weil meine Schrift so unleserlich ist.

    Mir fällt auf, dass es definitiv wieder Zeit für Uni wird. Meine Hand ist das Schreiben garnicht mehr gewöhnt, was in Kombination mit einem Kugelschreiber sicher einigen Lesern zum Verhängnis wird. Ich möchte mich hier schon einmal im Vorfeld bei allen Kartenempfängern entschuldigen.
    Irgendwann versagt die Hand gänzlich. Da es aber auch schon 13 Uhr ist, wäre es auch nicht das Verkehrteste, etwas Nahrung für die Überfahrt zu holen, die fertigen Postkarten einzuwerfen und den Fähranleger zu suchen.

    Gerade als ich Anstalten dazu mache, die Karten in den Kasten zu schmeißen, unterbricht mich die Postfrau und deutet auf den Mann hinter mir. Dieser hat vor sich 2 Kisten Briefe zu stehen. Puh, da habe ich ja richtig Glück. Jetzt kommen die Karten einen Tag früher an. An die Poststelle ist ein Supermarkt angegliedert, in dem ich einpaar Kleinigkeiten zum Essen hole. Tomaten, eine Birne und etwas Brot.

    Hätte ich mich vorher mal mit der Fähre auseinandergesetzt, hätte ich mir eine Besichtigung Måløy's Industriehafen ersparen können. Mit der Vorstellung, das Fährterminal müßte eine Zugangsmöglichkeit für Autos bieten, stiefel ich ausschau haltend am Hafen entlang. Da Måløy vom Fischfang lebt und direkt am Wasser liegt, ist die Stadt in seiner gesamten Ausdehnung ein einziger Hafen. Diesen laufe ich nun also ab. Als ich am hintersten Ende angekommen bin, zu meiner linken Fischabfertigungshallen, rechts Lagerhallen und Kühlcontainer, dazwischen verkehrende Gabelstabler und geschäftige Angestellte, sehe ich ein, dass sich hier wohl kein Fährteterminal für eine Passagierfähre verstecken wird. Einmal mehr besiegelt das Schild "Industriehafen Måløy" diese Feststellung. Es hätte ja ein aufschlussreicher Ausflug werden können, müsste ich nicht zum einen mein gesamtes Gepäck mitschleppen und zum anderen andauernd Gabelstaplern und Mitarbeitern ausweichen.

    Dem Industriehafen entkommen, Google ich den Namen der Fähre: M/S Føya. Auf Wikipedia gibt es ein Foto...ein Katamaran, nur für den Personenverkehr... alles auf Anfang. Zurück an meinem Ausgangspunkt entdecke ich nun das Fährterminal. Tja, wer nicht liest muss fühlen.

    Die Fähre, welche 14.45 auf den Kai zu rast, ist beeindruckend. Ein Katamaran mit einer Innenkabine für Passagiere. Die Geschwindigkeit mit der er sich dem Kai nähert, ist bloß ein Vorgeschmack auf die Geschwindigkeiten, die er im offenen Gewässer erreicht. Von innen bis außen habe ich mich sofort in das Gefährt verliebt. Villeroy & Boch Waschbecken, Teppichboden, Kunstleder Sitze. Der Hammer! Ich ergattere einen Sitzplatz in der ersten Reihe, was mir zum einen Beinfreiheit verschafft und zum anderen habe ich einen direkten Blick aufs Wasser. Die folgenden 4h Stunden sind definitiv mein Highlight der gesamten 4 Wochen. Wir fliegen nur so über das Wasser, vorbei ab Norwegens Fjorden, Fischkuttern und unberührter Natur. Dazu kommt das auf und ab des Bootes, dass vorallem in offeneren Abschnitten, für ordentlich Adrenalinausschüttung sorgt. Teilweise fühlt es sich an wie freier Fall, sodass ich mich förmlich in den Sitz drücke. Begeisterung pur! Wer immer die Möglichkeit bekommt, eine Express-Fähre in Norwegen benutzen zu können, der sollte das definitiv einer schnöden Fjordkreuzfahrt vorziehen. Zum einen kommt man von A nach B und zum anderen sieht man genauso viel vom Fjord. Ob ich nun 5 sprachig gesagt bekomme, wie dieser oder jener Wasserfall heißt oder einfach so die Schönheit genieße, nimmt sich am Ende nix. Das, meine Damen und Herren, ist vielleicht das best investierteste Geld auf meinem gesamten Trip. Ohne Zweifel, diese Erfahrung ist ein Höhepunkt.

    Leider endet die Fahrt auch irgendwann. Genaugenommen um 20.52 Uhr. Bei Regen und peitschenden Böhen geht es von Bord. 12 Minuten Zeit bleiben mir, um mich mit dem Ticketsystem des Nahverkehrs von Bergen vertraut zu machen. Ich beschließe es erst garnicht zu versuchen und das Ticket im Bus zu kaufen. So komme ich 21.30 Uhr völlig kaputt aber glücklich im Montana Hostel an. Für eine Nacht hatte ich noch ein Zimmer abgreifen können, eine 2. Nacht wäre nur zu unvschämt hohen Preisen möglich gewesen. Der Check-In klappt reibungslos, auch das beziehen des Zimmers. Natürlich muss ich für eine Nacht Bettwäsche kaufen, denn Schlafsack sei nicht möglich. Gott verdammt, manchmal könnte ich mich für meine Ehrlichkeit selber hauen. Das Zimmer ist ein 4-Bett Zimmer, in welchem wir zu 5. residieren. Ein total anstrengendes Pärchen schläft unter mir zu 2. Im Bett. Doch bevor es ans Schlafen geht, habe ich Lust mich etwas sozial zu verhalten und die Gemeinschaftsräume aufzusuchen. Dort lerne ich, oh Wunder oh Wunder, 5 Deutsche kennen. 2 sind zusammen mit dem Motorrad unterwegs, 2 andere im Van und einer ist Medizinstudent im PJ.

    Die Stimmung ist ausgelassen und im Grunde kann man niemanden von uns mehr ernstnehmen...alle sind komplett durch. Während unserer Unterhaltung, Kickern wir ein paar Runden. Irgendwann setzt dann aber doch die Müdigkeit ein. Leider tut sie das etwas zu spät oder zu früh, jedoch keines Falls genau richtig. So muss ich von meinem Bett aus miterleben, wie das junge Pärchen (vielleicht 20), im Bad ihre partnerschaftliche Abensroutine abhält. Da man alles hört bin ich als bald angewidert von dem Szenario. Schon durch den Fakt, dass sie die einzigen sind, die an ihrer Bauchtasche herabhängend FFP2 Maske und Desinfektionsmittel tragen, tun sie sich hervor. Mit dieser abendlichen Einlage, haben sie sich jedoch endgültig bei mir eingebrannt. Das Geschmuse und geflüstert unter mir, ist anschließend fast mit Leichtigkeit zu ertragen.

    Für morgen gibt es keine großen Pläne, denn ich muss irgendwie noch schauen, dass ich sowohl Zugreservierungen als auch eine Unterkunft in Oslo bekomme. Toi toi toi, aber Motivation habe ich keine...wenn ich die Preise und die dahin rinnende Zeit sehe, vermisse ich meine Zeit im Norden etwas. Da war jeden Morgen klar: Es geht wandern und abends geht's in eine bezahlbare Unterkunft...
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  • Dahinten wird's schon heller...

    16. syyskuuta 2022, Norja ⋅ ☁️ 12 °C

    Ich traue meinen Augen nicht, als ich nach dem Aufwachen tatsächlich vereinzelte Sonnenstrahlen erblicke. Als ich gestern Abend im Montana Hostel ankam, ließ der Regen nicht darauf hoffen. Auch die Lage konnte ich gestern in der Dunkelheit nicht wirklich erfassen. Nun sehe ich zum ersten Mal den Vorzug der 25 minütugen Busfahrt. Es ist zwar nicht zentral, aber der Ausblick kompensiert das. Durch eine erhöhte Lage, erlangt man einen perfekten Panoramablick auf die Stadt. Leider habe ich das Zimmer nur für 1 Nacht bekommen und muss nun in ein anderes Hostel umziehen. Das bedeutet abermals Packen, Bettabziehen und Gepäck im Gepäckraum verstauen. Durch Übung kostet es mich inkl. der Morgenroutine jedoch nur 25min.

    Dann schnell zum kostenlosen Frühstück. Wow! Damit habe ich nicht gerechnet. Es gibt von Toast, über Ei bis hin zu Makrele in Tomatensauce, eigentlich alles was man sich wünscht. Sogar warme Milch für Kakao steht bereit. Ich schlage richtig zu und genieße derweil, von meinem Fensterplatz aus, den herrlichen Panoramablick. Was mich etwas beschäftigt, ist der nicht vorhandene Plan. Na mal sehen, bisher hat ja auch immer alles geklappt.
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  • Aussichtslos in Bergen

    16. syyskuuta 2022, Norja ⋅ ⛅ 10 °C

    Alles ist ausgebucht...Zumindest alles unter 120-160€. Da ich aber nicht bereit bin soviel zu zahlen, ziehe ich weiter. Zuvor hatte ich Gott sei dank noch ein "günstiges" Airbnb gefunden, daß ursprünglich mal 38€ kostete, nach Service Aufschlägen nun aber bei 52€ liegt. Das Airbnb ist mitten in der Innenstadt und hat ebenfalls Hostel Charakter. 3 Doppelstockbetten pro Raum, 4 Räume, 1 Bad. Nun ja, ist nur für eine Nacht. Bevor ich allerdings dahin umziehe, versuche ich noch alles für morgen abzustimmen.

    Reservierungen kann man in Norwegen nur per Telefon machen. Hat man keine, wird man aus dem Zug geworfen. Also plane ich fröhlich vor mich hin. Gut, das mit dem fröhlich ist gelogen, denn ich bin eigentlich stink sauer. Mein Telefon-Interrail-Unterkunfts-Debakel beginnt um 10.28 Uhr. Zunächst suche ich mir in der Interrail App die Verbindungen raus. Dann gucke ich nach Unterkünften in Oslo. Finde keine....finde doch eine...reserviere...gucke Verbindungen....zähle Reisetage....passt nicht....merke ich muss noch mal nach Trondheim....KRISE!

    ...momentmal, warum nach Trondheim zurück? Hat es ihm so gut gefallen? Ja, aber deshalb würde ich mich keine 14h in den Zug setzen. Leider bin ich mit dem Schreiben noch nicht so weit, sonnst wüsstet ihr bereits, dass ich eine Jacke im Trondheimer Hostel vergessen habe. Mein Anruf dort hatte nur zur Folge, dass man mir mitteilte: Ja, die Jacke wäre da, aber nein, sie senden nix zu.... "It's against our policies."

    Ich bin natürlich gaaaanz ruhig geblieben als mir der jenige das mitteilte. (ICH WOLLTE IHN AM LIEBSTEN DURCH DEN HÖRER HOLEN!!!). Bastien hatte Trondheim auch bereits verlassen und ich verblieb mit dem Mann so, dass ich mich nochmal melden würde.

    Zurück zum heutigen Tage. Das hätte auch alles "super" gepasst mit den Verbindungen, wenn es denn auch alle Verbindungen tatsächlich geben würde. Aber nein, dieses Glück bleibt mir verwehrt. Der Plan wäre gewesen: Von Bergen nach Oslo, mit einem Zwischenstop in Myrdal, von wo aus eine Bahn nach Flåm fährt. Dort würde ich wandern, dann zurück und die Fahrt nach Oslo fortsetzen. Mit dem Nachtzug ginge es nach Trondheim, wo ich 2h hätte um die Jacke einzusammeln, bevor es mit dem Zug zurück nach Oslo ginge und später am Tag nach Göteborg. Nachdem dieser Plan steht, rufe ich erst VY an, buche meine Reise von Myrdal nach Oslo. Dann rufe ich bei der Myrdal - Flåm Bahn an, um mir diesen Traum zu erfüllen...aha...die Flåm Bahn kann kein hin und zurück Ticket für ihre eigene Strecke verkaufen. Also, sie kann schon, allerdings ausschließlich Flåm - Myrdal - Flåm. Für Myrdal - Flåm - Myrdal muss ich VY anrufen....

    Also 2. Anruf bei VY. Ich reserviere diesen Tripp, sowie den Trip von Trondheim nach Oslo. Den Nachtzug meinte VY vorher, können sie nicht buchen. Ich rufe also bei entur an, welche alle Zugstrecken in Norwegen verwalten, nur um jetzt zu erfahren, dass dieser Nachtzug am Tag vorher, am Tag danach, aber nicht am von der App prognostizierten Tag verkehrt. Ich hatte jetzt also alles um einen Nachtzug geplant, der garnicht mal fährt.

    Spätestens jetzt haben meine Gesichtszüge die größte Entgleisung seit langem...Denn wer einen Nachtzug bucht, hat nicht nur keine andere Möglichkeit pünktlich zur gebuchten Rückfahrt zu erscheinen. Nein, er hat auch keine Unterkunft für die Nacht. Da es mir aber reicht, packe ich meine Sachen und verziehe mich. Es ist bereits 14 Uhr und im grunde habe ich nix von Bergen erlebt oder überhaupt mitbekommen.

    An der Bushaltestelle treffe ich eine Brittin, die ebenfalls für 2 Tage umsiedeln muss, da das Hostel keinen Platz hat. Ihre Option: Mit einem Zug, zu einem Bus fahren, der sie zu einem Trailhead bringt, von wo aus sie zu einer Hütte wandert. Nach 2 Nächten wandert sie dann zurück. Als der Bus kommt, ist es der falsche. Das bekommen wir im Bus gesagt. NACHDEM er losgefahren ist. Wir steigen an der nächsten Station wieder auf. Kurz darauf kommt der richtige Bus. Er trägt die selbe Nummer, kommt aus der selben Richtung und hält auf der gleichen Straßenseite, wie der Bus der in die andere Richtung verkehrt....das versteh mal als Fremder.

    Die Brittin spricht das aus, was ich denke; Man verbringt den halben Tag mit planen, nur damit man am Ende nicht auf der Straße sitzt, wofür man viel Geld zahlt. Gibt man das Geld aus, hat man letztendlich aufgrund der fehlenden Unbeschwertheit nicht das Gefühl, als wäre es das das wert gewesen. Das wiederholt sich Tag für Tag. Unser Gespräch kommt ins stocken, als 2 Jungs mit einem Tisch an einer Bushaltestelle stehen und diesen nun in den Bus wuchten. Ist wohl die norwegische Art umzuziehen. Unterdess unterbreitet mir die Brittin, dass sie ihren Zug wohl nicht schafft: "But I'am not giving away my dignity, by running after the train.".

    Ich skippe mal vor zum Airbnb. Dort angekommen klappt das mit dem "Check-in" nur bedingt. In einer Key-box finde ich den Schlüssel zur Haustür. Auf der Suche nach der Wohnung renne ich einpaar mal auf und ab, dann entdecke ich ein großes Schild an einer der Türen im EG, mit der Aufschrift 'Airbnb'. Die Tür ist offen und man steht in einem Eingangsbereich. Von dort geht es in die Küche und insgesamt sind 4 Türen mit Nummerierung zu erkennen; alle haben ein Schloss mit Zahlenkombination. Eine solche oder überhaupt eine Raumzuweisung habe ich aber nicht. Am Küchentisch sitzt ein Pole und dreht sich eine Zigarette. Er erkennt mein Problem und sagt, ich soll einfach in Zimmer 1 ein Bett nehmen. Er gibt mir den Code und zeigt mir die Wohnung. Dabei wirkt er so selbstsicher, dass ich annehme er sei der Angestellte der hier nach dem Rechten sieht. Stellt sich raus er ist hier auch nur Gast.

    Es ist mittlerweile 15 Uhr. Gesehen habe ich immer noch nichts von Bergen. Meines Erachtens nach ist nun der beste Zeitpunkt, die Sache einmal ruhen zu lassen und sie später nochmals mit Abstand und neuer Muße anzugehen. Begens Böhen werden mir sicher helfen, einen klaren Kopf zu bekommen und mich einmal ordentlich durchpusten. Diese Rechnung habe ich ohne Andi gemacht. Er steht mit seinen 3 Wochen Bergen Erfahrungen sofort als Tourguide bereit. Noch bevor ich mir darüber klar werde wie ich ihm am schonendsten beibringe, dass ich am liebsten alleine etwas durch die Gegend streifen möchte, sind weitere 1,5h vergangen. Gelernt habe ich eigentlich nur, wo man Party machen kann und wo es günstigen Alkohol gibt...polnische Führung...

    Dann fasse ich allerdings den Mut und erkläre Andi, dass ich gerne alleine weiterziehen möchte. Er hat totales Verständnis und wir gehen getrennte Wege. Ich muss gestehen, wirklich viel von Bergen habe ich nicht erlebt. Eigentlich garnix. Mein Eindruck beschränkt sich auf die touristische Gegend und die Innenstadt. Die Stadt ist wirklich schön mit den kleinen Häuschen, welche sich an den Berg und an einander drängen von oben betrachtet macht es fast den Eindruck, als gäbe es nur Häuser. Die winzigen Gässchen und Straßen verschwinden in dem Meer aus Häusern. Umso furchtbarer ist der Anblick des riesigen Kreuzfahrtschiffes, dass nun schon seit dem ich angekommen bin, direkt vor der markanten Häuserreihe am Hafen liegt. Es überragt die Häuser so sehr, daß man sie nur sehen kann, wenn man davor steht. Pfui, Pfui, Pfui!

    Aber der Koloss ist nicht das einzige Zeugnis des Massentourismus. Auch die Buden am Hafen, die Tourishops, die Menschenmassen und vor allem die Preise zeugen davon. Ich weiß auch jetzt noch nicht so wirklich etwas mit mir anzufangen. Das einzige was an jeder Ecke möglich ist, ist Geldausgeben. Geld, das ich nicht hab. Es ist etwas beklemmend im Supermarkt zu stehen und während die Einheimischen ohne große Überlegungen einkaufen, der einzige zu sein, der mit jedem Produkt abwegt und rechnet.

    Zurück im Hostel geht es wieder an die Lösung meines kleinen Dilemmas. Nachdem auch ein 2. Anruf im Hostel nichts bewirken konnte, tut eine Email ihr Wunder. In dieser hatte ich gebeten, ob man nicht einen Aushang machen könnte, in dem gefragt wird wer nach Oslo fährt und meine Jacke mitbringen könnte. Ob das jedoch die ersehnte Lösung bringt, bleibt offen...
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  • Bergen-Flåm-Oslo: Ein Tag auf Schienen

    17. syyskuuta 2022, Norja ⋅ ⛅ 9 °C

    Die heutige Aktivität steht schon Lange auf meiner Bucketliste. Ziemlich genau seit dem Tag, an welchem ich eine Eisenbahn Romantik Folge über die Oslo-Bergen Bahn gesehen habe. Angeblich eine der schönsten Strecken in ganz Europa wenn nicht weltweit. Bei den Strecken die ich bereits gesehen habe, ist damit die Messlatte recht hochgelegt. Daneben wartet abseits dieser Strecke eine weitere Sensation. Ok, zugegebener weise verkehrt diese Sensation ebenfalls auf Schienen; Die Flåm Bahn. Auch sie genoss einen Auftritt in besagter Eisenbahn Romantik Folge, mit identischem Vermerk: "schönste Eisenbahnstrecke der Welt". So langsam wirft dieser Tite Zweifel auf. Haben den andere Länder keine Eisenbahnstrecken? Norwegen erscheint in der Hinsicht fast konkurrenzlos zu sein.

    Damit das alles passt, geht es wieder früh raus aus den Federn. 5.58 Uhr um es mit der nötigen Genauigkeit anzugeben. Auf dem Weg ins Bad betätige ich schon mal den Wasserkocher. In der Küche sitzt außerdem Andi. Er scheint gerade erst von seinem nächtlichen Streifzug zurückgekehrt zu sein. Nach meiner Dusche wird der Kaffee aufgegossen, was Zeit zum Packen lässt. 6.30 Uhr bin ich mit allem durch und schaue über einem Kaffee nochmal nach Unterkünften in Oslo, wovon ich mir jedoch wenig Erfolg verspreche. Bereits gestern war alles unter 180-200 Euro ausgebucht. Auch jetzt ist das günstigste was ich finden kann für 98 Euro zu haben....aber...warte mal....1 Zimmer, 2 Erwachsene...Das stimmt doch nicht! Könnte das...oh ja es könnte...!!! Schnell buche ich das Zimmer für 48 Euro. Klar ist das teuer, aber schlafen an Bahnhöfen ist hier verboten, weshalb sie auch alle Bahnhöfe für mindestens 2h nachts schließen. Und was ich aus Erfahrung sagen kann...nachts wird es verdammt kalt.

    Außerdem entspricht das dem normalen Preis für eine solche Unterkunft in Norwegen. Jemand muss über Nacht storniert haben, denn gestern war dort nix mehr zu bekommen. Hier fange ich als früher Vogel wirklich den Wurm. Mit diesen Aussichten steigt sogleich meine Laune. Wenn jetzt noch jemand aus Trondheim meine Jacke mitbringt, wäre mein Glück kaum zu fassen. Huch, ein Blick auf die Uhr sagt mir das ich dringend los muss. Schuhe an, den letzten Kram in den Rucksack packen, Kontrollblick (seit Trondheim sehr viel genauer) und los geht es. Google Maps sagt mir 11 Minuten Fußmarsch. Bis zur Abfahrt des Zuges bleiben mir damit 20 min...also kein Grund zur Hektik. Nagut, am Ende Renne ich schon...

    7.21 Uhr verlässt der Regionalzug pünktlich Bergen Sentrum. Er fährt bis Myrdal, von wo aus man direkt in die Flåm Bahn umsteigen kann. In Flåm ist eine kleine Wanderung angedacht, bevor es mit dem Zug weiter nach Oslo geht.
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  • Myrdal-Flåm: Trip der Enttäuschung

    17. syyskuuta 2022, Norja ⋅ ☁️ 6 °C

    Die Zugfahrt zwischen Bergen und Myrdal ist sehr hinreißend. Beginnend in Bergen geht, es zunächst ziemlich lange entlang von Fjorden, die in der Morgenstimmung ruhig darliegen. Kurz hinter Bergen überspannt eine gigantische Brücke den Byfjord, dessen Ufern die Strecke überwiegend folgt. Viele Tunnel verbergen leider viel von der Sicht, jedoch sind die zwischenzeitlich Aussichten gigantisch. Bootshäuser und kleine Ortschaften säumen den Fjord, tut es nicht die Natur. So wie der Zug sich weiter in das Inland vorarbeitet, werden die Fjorde schmaler und schmaler. Während man zunächst nur die Umrisse der am anderen Ufer gelegenen Häuschen und Boote sieht, so kommen sie im Verlauf zunehmend dichter. Man erkennt nun schon Details und kann die Farben ausmachen. Natürlich gibt es keinen Unterschied zu den Gebilden auf unserer Seite des Fjords, allerdings sieht man sie nun auch mal aus der Perspektive vom Wasser aus.

    Kurz hinter Helle, wird der Fjord so schmal, dass ich ihn fast für einen See wenn nicht sogar Fluss halte. In dieser Ecke sind es charmante Bootshäuschen in klassischer Skandinavien Optik, die teils frisch saniert, teils komplett marode und zerfallen darliegen. In jedem Fall sehr abgeschottet zu sämtlicher Infrastruktur. Schlussendlich endet der Fjord gänzlich und ein Fluss nimmt seine Stelle der uns begleitenden Wassermasse ein. Ein wild sprudelnder, jedoch trotzdem kristallklarer Fluss, wartet immer mal wieder mit spektakulären Stromschnellen und Sandbänken auf. Er trägt den Namen Daleelva. An einigen Stellen ist er 10-20m breit, an anderen sind es mehrere hundert Meter, wobei bewaldeten Sandbänken ihn in mehrer einzelne Rinnsale teilen, die sich nach einiger Zeit wieder zu einem gemeinsamen Strom vereinigen. Das weit über die Kapazität des Flusses hinausreichende Kiesbett lässt nur erahnen, was hier zur Schneeschmelze im Frühjahr los ist.

    Auf der gesamten Strecke hat der Zug schon ordentlich an Höhe gewonnen. Mittlerweile sind es Berge und Hochebenen, auf die man durch das Zugfenster blickt. Ein letzter Fjordausläufer, einpaar Seen mal rechts und mal links, ansonsten Berge. Das wiederum zieht einige Tunnel und damit "deutlich eingeschränkte" Sichtverhältnisse nach sich. Einen positiven Effekt hat es jedoch. Da das Zug W-Lan über Satelliten läuft, ist es in Tunneln denkbar schlecht. Das bedingt seinerseits, dass die klassische Musik, die das britische Ehepaar neben mir meint laut über Tablet Lautsprecher abspielen zu müssen, stockt. Nach einigen Tunnels geben sie sich geschlagen. Zeit zu frühstück. Richtig; den Kaffee gab es schon, nun folgen ihm natürlich die obligatorischen Pfladen mit Marmelade. Heute wird das ganze durch eine Birne abgerundet.

    Die beiden Britten steigen in Voss, der letzte Station vor Myrdal, aus. Ab hier, folgt der Zug der einzigen existierenden Straße in dieser Region, die ebenfalls irgendwann endet und damit der Zug, als einzige Zugangsmöglichkeit nach Myrdal bleibt. 9.20 Uhr erreicht dieser seinen Endhalt Myrdal. Zugegebenermaßen: ein Ort könnte kaum mehr nach Endhalt aussehen. Ein paar gelbe und rote Häuschen, ein roter Holzbahnhof mit 2 Gleisen und rundherum Berge. Aus der Richtung, aus der mein Zug kam ein Tunnel, in Richtung Oslo ein Tunnel und nach Myrdal ein Tunnel. Auch die Temperaturen fühlen sich nach Endhalt an. Der Wind pfeift nur so über den Bahnsteig. Zum Glück gibt es eine beheizte Wartehalle sowie meine Ordnung, der ich es verdanke, dass ich blitzschnell an meine Handschuhe gelange.

    Kurz vor 10 Uhr fährt die Flåmbahn ein. Hier erfolg der erste Schock, als ich bemeke, dass die ursprünglichen grün/gelben Elektrotriebwägen der Baureihe El 17, durch moderne, silbern lackierte und mit Werbung für die Bahn bedruckte El 18 Triebwagen ersetzt wurden. Von den Baureihen El 7 und 8 hatte man leider schon lange Abschied genommen, was meiner Meinung nach eine Schande ist (Bilder gibt es zu allen Modellen im Internet). Na gut, vielleicht wiegt ja die Strecke dafür auf. Von diesem Gedanken verabschiede ich mich, als die Türen aufgehen und ein Heer ultra Touristen, allen voran die asiatische Fraktion, mit Selfiestick und neustem Handy bewaffnet, den Bahnsteig fluten. Die einen raus, die nächsten rein und wieder klingelt die Kasse. In den Wagen selber gibt es Lautsprecher und jeweils 4 Displays, auf denen Abschnitts spezifisch Informationen in 3 Sprachen und Bilder/Karten gezeigt werden. Es ist der Inbegriff von Massentourismus. Nach 200m der ersten Tunnel; 1 von 20. Das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Ich hatte mir einen Fensterplatz auf der linken Seite ergattert, an dem ich auch das Fenster öffnen kann. Zum Filmen natürlich ideal. Ein Haken hat das ganze jedoch....Im Tunnel müssen die Fenster geschlossen sein. Nach dem also Tunnel Nummer 1 passiert ist, folgt keine 700m weiter der 2. usw. Im Grunde kommt die Fahrt einer U-Bahn Fahrt gleich, zumindest in den höheren Abschnitten. Dann eine beeindruckende 180° Kehrtwende im Tunnel, von der man leider leider rein garnichts mitbekommt denn, yes you guessed it, sie in einem Tunnel stattfindet. Das einzige was datauf hindeutet ist die Geschwindigkeit und das ohrenbetäubend Quitschen der Räder.

    Nach diesem Tunnel erreicht die Bahn einem "Höhepunkt" der Fahrt, einen Wasserfall. Der Kjosfossen wurde zur Freude aller Touristen und abermals vorallem der Asiaten, mit einer Plattform ausgestattet. Ein Halt ermöglicht eine Fotogelegenheit. Die veranschlagten 10 Minuten werden von den Asiaten voll ausgekostet. Es erstaunt mich, in wie vielen Posen sie sich und den Wasserfall präsentieren können. Speicherkartenweise werden Fotos geschossen. Als dann auch dieser Bedarf befriedigt ist, setzt der Zug, welcher schon halb im nächsten Tunnel steht, seine Fahrt fort. Tunnel, etwas Aussicht, kurzsprint der Südkoreanischen Reisegruppe zur entsprechenden Seite, Tunnel, Durchsage, Tunnel, Sprint....im Grunde läuft so die gesamte Rest Fahrt ab. Was man sieht, ist so mittelmäßig spektakulär. Eine Schlucht, den Berg mit den vielen Tunnels und der Kehrtwende, einige weit entfernte Wasserfälle, sehr selten ein Häuschen und ansonsten gaaaaanz viele Bäume.

    Je näher wir dem Meeresspiegel und damit unsererm Ziel Flåm kommen, desto weniger Tunnel versperren die Sicht auf das Umland. Dieses wird jedoch auch immer unspektakulärer, bis zu dem Punkt, an dem es dem Umland entspricht, welches man auf einer normalen norwegischen Zugfahrt erwarten würde: Ein Tal mit Wiesen, Häusern und einem Fluss, das links und rechts von Bergen gesäumt wird. Und schon sind wir da....

    Hätte es nicht beidseits dick und Fett auf jedem der Waggons gestanden, man hätte nicht erahnt, dass man gerade eine der schönsten Zugstrecken der Welt gesehen hat. Evtl. die touristischste oder die mit den schönsten Tunneln, aber da kenne ich weitaus schönere Strecken.

    Zu tiefst enttäuscht und wütend über meine gigantische Fehlinvestition, verlasse ich den Zug. So ein Scheiß! Das Verlassen des Zuges gewährt den Blick auf das "touristische" Flåm. Es ist noch viel schlimmer als der Zug, nein, es ist der Höhepunkt dieser Tragödie in 3 Akten. Ich hoffe als bald den retardierenden Moment erleben zu dürfen, nur um mir das zu ersparen. Neben dem Fähranleger ein reines Touristen Mekka aus dem Boden gestampft worden. 50.000 Shops verkaufen haargenau die selben Postkarten, Magneten, Pullis, Flaschenöffner und den restlichen Krempel. Dazwischen finden sich überteuerte Restaurants und Streetfood Trucks, die für Fish and Chips 22 Euro verlangen. Gut das ich mir eine Wanderung vorgenommen hatte. So kommt man wenigstens aus dem Trubel raus. Andererseits, 10 Euro pro aufzubewahrendem Gepäckstück ist auch fett...ach, ich nehm den Rucksack einfach mit.

    Gesagt getan, ich stiefel los. Schon nach den ersten Metern wird mir bewusst, dass es eine sinnvolle Entscheidung war nur Tagestrips zu unternehmen, nach weiteren Metern Zweifel ich bereits das jetzige Unterfangen an. Als eine Begutachtung der Route auf AllTrails jedoch ergibt, dass es nach den ersten paar Metern Steigung, eigentlich nur noch ebenerdig zu geht, setze ich die Wanderung beschwingt vor. Als erstes geht es zwischen 2 Weiden auf einem Feldweg entlang und anschließend durch den Stadtkern von Flåm, das abseits des sich irrtümlich Flåm schimpfenden Touristen Mekkas, tatsächlich mit idyllischem Kleinstadt-Charm aufwarten kann. Gepflegte Gärten, Obstbäume und die so typischen Holzhäuschen, Reihen sich entlang der Hauptstraße an. Auf der Anderen Straßenseite verläuft ein Fluss, in welchem gerade Kühe stehen und sich anscheinend eine Abkühlung verschaffen.

    Mit der richtigen Musik ist der kleine Ausflug definitiv aushaltbar. Von Wanderung würde ich bei etwas mehr als 4km nicht reden, jedoch bietet sich der Rundkurs ideal dafür an, etwas die Gegend zu erkunden. Bis zum Wasserfall, der eigentlich Teil des Weges ist, dringe ich allerdings nicht vor. 220 Höhenmeter erscheinen mir unangebracht für meine Beladung. Also geht es gerade aus weiter zwischen Weiden entlang, wobei ich die wohl glücklichsten Schweine Norwegens sehe. Auf einer riesen Fläche, ehemals "Weide", tollen eine handvoll der lieblichen Tiere umher. Ich hab Schweine in dieser Haltungsform tatsächlich noch nie oder nur ein, zwei Mal gesehen.

    Nach Beendigung des Rundkurses bin ich durch. Mein T-Shirt könnte man mit Sicherheit auswringen. Auf einer Bank setze ich erst den großen und dann den kleinen Rucksack ab. Das hilft beim Aufsetzen, wenn der Rucksack bereits erhöht ist. Danach platziere ich mich selbst neben dem Koloss.
    Ich fühle mich mehr als bereit für eine Keks und Knäcke Pause. Während ich so dahin knabbere, kommt ein weiterer Zug an. Ein Schwall Menschen strömt heraus, an mir vorbei und geradewegs auf das Einkaufsparadies zu. Nur 2 verpeilte Backpackerinnen stehen einfach da. Zum Ergerniss der anderen, die nun nicht auf direktem Weg ihr Ziel ansteuern können. Als sie mich sehen, steuern sie gerade Wegs auf mich zu. Die beiden kommen aus Kolumbien und sind auf den Weg nach Bergen. Bis ihre Fähre geht, haben sie noch 3h Zeit. Ihr Plan war ebenfalls wandern zu gehen, aber auch sie bleiben an ihrem Gepäck hängen. Ich erzähle von meinem Trip und dass er gut zu bewältigen ist. Nach etwas Smalltalk über unserer jeweiligen Reisen, ziehen die beiden von dannen. Ich habe immer noch 1h Zeit bis meine Rückfahrt geht....so ein misst. Erst kauft man überteuert diese blöden Tickets und dann sitzt man in der Touri-Hölle fest.

    Das einzige was noch spannend scheint, ist das Flåbahn Museum. Es ist sogar umsonst was man in Norwegen erst kritisch hinterfragen und dann ausnutzen sollte. Mein Hinterfragen ergibt, es wird sich nicht um einen Betrüger handeln und ist bestimmt wegen der verdammt hohen Preise für die Bahn inkludiert. Tatsächlich ist es garnicht mal so uninteressant, denn ich erfahre einiges über die Strecke. Die Strecke wurde 1940 soweit fertig gestellt, als dass dampfbetriebene Güterzüge sie bereits nutzen konnten. 1 Jahr später galt selbiges für Personenzüge. Ab 1944 war sie vollständig elektrifiziert. Der Bau begann 1923 und 18 der 20 Tunnel wurden ohne Maschinen von Hand in den Fels geschlagen. Für 1m war dafür ungefähr 1 Monat notwendig, was bei knapp 5,7km Gesamttunnellänge, eine sportliche Leistung ist. Dementsprechend ist mein Respekt den Arbeitern gegenüber sehr groß, mein Bild von denen, die es für Profite ausnutzen, verdüstert sich zunehmend. Wie kann man so ein Werk so misshandeln? Die Arbeiter haben es geschafft, auf 20,2km Länge, einen Höhenunterschied von 864m zu überwinden, in dem sie mit bloßen Händen Löcher in den Fels schlugen und dann kommen die Leute und machen Profit daraus. Ist an andern Stellen auch nicht anders, ich weiß, aber hier regt es mich aus irgendeinem Grund besonders auf. Evtl. weil ich so enttäuscht bin und es ursprünglich ein Highlight meines Trips werden sollte.

    Nun gut, als ich gerade gehen möchte, betritt eine Gruppe komplett orang/ beige bekleideter Männer das Museum. Ich schließe sofort darauf, dass es wahrscheinlich tibetische Mönche sind. In Filmen und Dokus hat man sie ja schon mal gesehen, aber abseits davon, habe ich nicht damit gerechnet. Sogar ihre Wanderschuhe, Mützen, Handschuhe, Jacken und der Rest den sie tragen, ist ausschließlich im diesen Farben. Natürlich zieht das auch Blicke an, denn damit rechnet man ja nicht in Flåm.

    Im Zug setze ich mich diesmal auf die Rechte Seite, sodas ich dir beste Sicht habe Neben mir nehmen unerwarteter Weise die Mönche Platz. Laut meinen Recherchen signalisiert das Orange, dass sie eine Erkenntnisstufe höher sind und sich nicht mehr mit Weltlichem abgeben. In irgendeiner Weise zieht das Orange meine Blicke an. Es ist spannend sie zu beobachten auch wenn ich mir dabei sehr schlecht vorkomme. Ihre Art zu interagieren und auf die Gegebenheiten, die Umgebung zu reagieren, ist wesentlich spannender, als die unveränderte Landschaft draußen. Die Rückfahrt ist noch deprimierender als die Hinfahrt, denn jetzt fehlt auf die Hoffnung.

    Tja, was kann ich sagen...spart euch diese 60 Euro und nehmt zum Beispiel die Oslo - Bergen Bahn, den Arcticexpress von Stockholm, den Zug von Bodø nach Trondheim oder die Bahn von Domås nach Åndalsnes. In allen diesen Zügen seht ihr mehr Natur und Landschaft, als auf der Flåmbahn. Sehr zu empfehlen sind auch die Inlandsbanan in Schweden.
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  • Oslo im Schnelldurchlauf

    18. syyskuuta 2022, Norja ⋅ ⛅ 14 °C

    Meine Morgenroutine ist bis auf das zusätzliche Postkartenschreiben und das Fehlen des Kaffees unverändert. So geht es kurz vor 11 aus dem Hostel mit der Straßenbahn Richtung Innenstadt. Dort gebe ich meinen Rucksack ab und bin im nu mit leichterem Gepäck unterwegs. Um 18.01 Uhr muss ich den Zug Richtung Göteborg bekommen. Es ist das letzte Ziel auf meiner Reise, bevor es zurück ins geliebte Schwerin geht.Lue lisää

  • Und zurück in Schweden!🥳🇸🇪

    18. syyskuuta 2022, Ruotsi ⋅ ⛅ 11 °C

    Nach Halden, dem letzten norwegischen Halt, habe ich soeben die Grenze überquert und bin nun wieder in Schweden. Juhuuuuu...endlich wird es wieder günstiger!

  • Oslo in a Nutshell

    18. syyskuuta 2022, Norja ⋅ 🌙 10 °C

    Oslo ist eine schöne Stadt. Trotz reichlich alter Gebäude, ist der überwiegende Eindruck eher modern, weltoffen oder wie die Jugend es (zu meiner Zeit zumindest) sagen würde, hip. Bars, Kneipen, Clubs sorgen für ein bewegtes Nachtleben, tagsüber schwemmen geschäftige Locals und streunende Touristen die Stadt. Ich habe entschieden, mich einfach von der Masse treiben zu lassen und zu sehen, was auch immer der Tag mir bringt. Und siehe da, der Plan geht auf. Denn was nun folgt, ist die wohl skurrilste Stadtführung meines bisherigen Lebens, die noch dazu eigentlich garkeine ist.

    Gerade als ich meinen Eintrag zum heutigen Morgen und meinem Tagesplan vollende, die Stufen des Bahnhofs hinunter laufe und überlege, wohin ich wohl als erstes gehen solle, kommen ein paar interessant gekleidete junge Leute um die Ecke. Sie haben alle Instrumente in der Hand und . Es gesellen sich immer mehr dazu bis auch irgebdwann mir klar wird, es handelt sich um eine Marching Band. Es gibt einen Fahnenträger, einen Chef von dit janze (der mit dem Stock in der Hand), einige Trommler und diverse Holz- sowie Blechbläser. Tja, stehen bleiben oder weiter ziehen? Schaut ja schon interessant aus, aber eigentlich wollte ich nicht gleich am Bahnhof enden. Ich entschließe mich für: "mal gucken...".

    Die Gruppe sortiert sich wobei nun klar wird, es handelt sich um eine junge Truppe. Schätzungsweise si zwischen 14 und 25. Die Fahne gibt ihren Namen preis, die "Haugesund Ungdomskorps". Da ich so etwas noch nie live erlebt habe, verfolge ich das Geschehen mit zunehmender Begeisterung. Alles läuft so strikt und durchdacht ab. Es ist mir ein Rätsel wie alle wissen was sie zu tun haben. Zunächst erfolgt das Einspielen..hui ui ui....da stimmt aber einiges nicht. Aber ich kenne das Problem. Draußen zu spielen, ist wirklich eine Herausforderung. Da muss man fast permanent nachstimmen. Noch ein paar Tonleitern, ein ersten Stück und huch....jetzt laufen sie ja davon. Stimmt...haben Marching Bands so an sich.🤦‍♂️

    Verunsichert stehe ich da. Dann entscheide ich mich mit zu laufen. Es ist die richtige Entscheidung. Zu rythmischen Trommelschlägen geht es mitten durch Oslos Innenstadt. Natürlich lerne ich nichts über dieses, jenes, welche Haus, aber mit Musik untermalt durch die Straßen einer mir unbekannten Stadt zu streunern, ist ein wesentlich nachhaltigerer Eindruck. Ganz nach meinem Geschmack: spontan und skurril.

    Am Schloss endet leider meine "Führung". Gerne hätte ich noch länger zu gesehen. Also jetzt auf eigene Faust. Ich biege in die Richtung ab, die ich für 'zentralwärts' halte. Mein Orientierungssinn enttäuscht mich nicht. Mehr noch, er macht sogar ungewollte einen Briefkasten ausfindig, in dem auch die letzten Karten noch auf Reisen gehen können. Das ist in sofern von Wichtigkeit, als dass ich heute wieder die Grenze zu Schweden kreuze und meine Privatanlage in hiesige Briefmarken, dann völlig für die Katz wäre.

    Ein Stück die Straße hinunter erblickt man schon das Blau des Oslofjords. Und wo der ist , ist auch der Hafen nicht weit. Ich mache mich auf den Weg, wobei es kurz vorher noch durch einen kleinen Park geht. Hier tanken einige Menschen Energie für weitere Unternehmungen. Unter anderem eine junge Frau, die über einen Skizzenblock gebeugt, eine Skulptur mit ihrem Bleistift festhält. Die Zeichnungen, die sich bereits im Block befinden, lassen keinen Zweifel daran, dass auch hier gerade ein Meisterwerk entsteht. Am liebsten hätte ich die Fertigstellung des Werks verfolgt, aber das würde natürlich merkwürdig wirken.

    Das Hafen Viertel selber ist eine sehr belebte Gegend. Kein Wunder bei diesem Wetter. Die Sonner brennt nur so vom Himmel, welcher seinerseits kaum eine Wolke zeigt. Ob die lange Unterhose da not getan hätte...Na ich weiß ja nicht. Wobei, der Wind doch ganz Schön pfeift.

    Der Hafen bietet diverse Museen, Restaurants, Bars, Anlegestellen und Einkaufsmöglichkeiten. Auch schwimmende Saunen und andere touristische Angebote finden reichlich Andrang. Während zu Anfang noch größere Fähranleger für verschiedene Fähren des Nahverkehrs die Wasserkante säumen, so sind es im weiteren Verlauf eher kleinere Stege, an denen private Boote, die schwimmenden Saunen oder die Speed Boote für die "abenteuerlichen" Fjordcruises festgemacht sind. Daneben gibt es Bänke und Wiesen, auf denen sich gleichermaßen Einheimische und Touristen Sonnen.

    Zur anderen Seite liegen die Restaurants, Bars und Pubs. Ohne die Karten einer näheren Betrachtung zu unterziehen, schließe ich auf Grund der Lage, des Klientels, den Gerichten und dem Faktor "Norwegen", auf absurd hohe Preise. Für den Pöbel stehen in regelmäßigen Abständen Eisdielen bereit. Beim letzten Stand kann ich einfach nicht anders. 5€ hin oder her, ich brauche dieses Eis mit Streuseln...

    Gesagt getan...

    Mit meiner dahin schmelzenden Errungenschaft, ziehe ich bis ans Ende des Hafens weiter, wo ein Museum den Abschluss bildet. Es besteht seinerseits aus zwei "Inseln", die über eine Brücke erreicht werden können. Untereinander sind sie ebenfalls durch eine Brücke verbunden, was sie zu einem zusammenhängenden Gebäude macht. Alles was dahinter kommt, ist kalt, blau und nass. Da Kunst jedoch nicht so meine Welt ist bzw. nicht die Kunst, die hier ausgestellt ist, drehe ich um und kehre zurück zum Anfang des Hafens.

    Dort sind noch die letzten Spuren des Oslo Marathons sichtbar: einige Absperrungen und der Zieleinlauf. Soeben macht sich aber das norwegische Militär daran, all das abzubauen. Vom Hafen aus ist mir die Festung auf der anderen Seite der Mole aufgefallen. Seither ist sie mein neues Ziel. Nun gut, es ist eine Festung. Erbaut wurde sie ca. 1300 und weißt die dafür typischen Mauern aus Feldstein auf. Hören tut sie auf den Namen Akershus. Einen Vorteil von Festungen, die hoch über dem Hafen errichtet wurden, um ankommende Schiffe/Feinde frühst möglich zu erspähen, ist die noch heute wunderbare Aussicht.

    Während ich die Festung ablaufe, mir die verschiedenen Eckchen und Winkel ansehe und nicht so wirklich weiß wohin nu, kommt mir die Idee, einfach mal Marie anzurufen. Gut, es gab Gründe, aber trotzdem entwickelt sich daraus ein Gespräch, das ziemlich genau 1h dauert. Es ist schön eine vertraute Stimme zu hören und macht einmal mehr Vorfreude darauf, zurück in die Heimat zu kehren.

    Als wir das Telefonat beenden, was überwiegend durch ihre Mutter bedingt ist, die in diesem Moment anruft, stehe ich so gut wie vor der Bibliothek und der Oper. 2 prächtige Bauten, die ihren Betrachter durch ihre moderne Architekten beeindrucken. Zugegebenermaßen kann ich beide im ersten und zweiten Moment nicht unterscheiden. Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht einmal, dass das eine die Oper ist. Als ich allerdings in dessen Foyer stehe, sehe ich bedeutend weniger Bücher, als ich erwartet hatte; nämlich ziemlich genau 0. Zugleich ist der Anblick des Treppenhauses beeindruckend. Immernoch ist mir nicht klar, dass es sich um die Oper handelt. Erst bei Schildern mit der Aufschrift "Ticketschalter", "Garderobe" und einer Werbung für Ballett, ist mir bewusst, dass es zumindest keine Bibo ist. Ein Blick in Google Maps gewährt weiterhin Aufschluss darüber, dass es sich stattdessen um die Oper handelt.

    Dann muss das andere die Bibliothek sein. Und ja, hier sind Google Maps und ich uns einig. Ich gehe also schnell wieder zurück, un dann wenig später die Bibliothek zu betreten. Oh ja, hier sieht es danach aus. Durch 2 hintereinander geschaltete Drehtüren, gelangt man ins Innere der 5 oder 6 Etagengebäude. Schon hier sind neben Büchern überall Kunstwerke. Sie hängen von der Decke oder an der Wand, stehen im Raum oder reichen über 2 bis 4 Etagen hinaus. Es ist der Wahnsinn. In der ersten Etage sehe ich mich um. Neben diversen Bereichen, die jeweils Sitzgelegenheiten und Themenspezifische Literatur bieten, finden sich teils Räume, die wie ein Museum themenbezogen eingerichtet sind, Kunstinstalationen und interaktive Angebote. Z.B. eine Mini Curling Bahn oder einen Klang Garten. Zweiterer hat es mir angetan. Im Grunde funktioniert er wie folgt: über eck sind Bildschirme angeordnet, auf denen eine Art mystischer Wald mit vielem verschiedenen Pflanzen animiert ist. Jede Pflanze bewegt sich und immer einen Pflanze blüht auf, sprich spielt für einen Moment die Hauptrolle. Über Kopfhörer kann man nun die unterschiedlichen Pflanzen hören, die jeweils ihren eigenen Klänge/Instrumente haben....

    Es ist so wunderbar, dass es eigentlich nur von denen nachvollziehbar ist, die es selbst erlebt haben. Nur soviel sei gesagt: die Darbietung bringt selbst vorher laut krakelende Kinder zur Beruhigung. Sie sitzen einfach da und betrachten schweigend das gezeigte. Generell ist die Bibliothek sehe kinderfreundlich was funktioniert, ohne das "pssssts" oder "ruhe bitte" von anderen Besuchern kommt.

    Auch die anderen Ebenen bieten Kunstwerke, Fotoausstellungen und Kollagen. Teilweise geht es darum bestimmte Bücher zu promoten, teils sind es einfach unabhängige Kunstwerke.

    Ich könnte mich noch viele weitere Zeilen über die Einzigartigkeit dieser Bibliothek verlieren, aber es wäre die bessere Wahl, einfach eine dringliche Empfehlung zum selber Besichtigen auszusprechen.

    Da der Bahnhof keine 500m entfernt liegt, die Uhr bereits 16.30 Uhr zeigt und ich neben einer Mahlzeit noch mein Gepäck brauche, ist er mein nächstes Ziel. Die Auswahl an Restaurants ist bescheiden, die Preise sind überall heftig. Zum Schluss fällt meine Wahl auf ein Camembert/Baccon Baguette. Es füllt in jedem Fall meinen leeren Bauch.

    Huch, wie die Zeit vergeht! Schon 17.20 Uhr...jetzt wird es aber wirklich Zeit mein Gepäck zu holen. An den Schließfächern bin ich nicht der einzige. Ein älteres amerikanisches Pärchen streitet sich, wie älterer amerikanische Pärchen sich ebenso streiten. Der Mann hält sich verbal zurück, ist jedoch mit dem was er tut und nicht aufhören zu tut der Auslöser des Konflikts, während der weibliche Part das kommentiert was er ihrer Meinung nach falsch oder überhaupt macht. Wie ich in Erfahrung bringe, ist der Kasus Knaxus der, dass die Frau Hunger hat, das Essen jedoch mit dem Gepäck im Spint ist. Wird der jedoch einmal geöffnet, müssen erneut 8 Euro gezahlt werden, um einen anderen zu mieten.

    Mit der Aussage, dass sie auch die 8 Euro zahlen würde, ist der Streit beigelegt. Danach unterhalten wir uns nett, bis ich soweit bin und zum Gleis eile. Da ich noch 20 min. warten muss, war die Eile nicht angebracht. Der Zu welcher nach besagten 20 min. einfährt, ist eine Schönheit. Ja, diese Züge sind einfach nur schön. Schon auf der Strecke Trondheim Dombås habe ich diesen Zugtyp genossen....dass ich erneut in den Genuss komme, nein, damit habe ich nicht gerechnet. Doch was wäre eine Zugfahrt ohne Komplikationen; ich habe keinen Sitzplatz reserviert. Das ginge auch laut Telefonauskunft garnicht. Komisch das die anderen dann alle eine haben. Neben einem jungen Mann finde ich aber trotzdem einem Platz, von dem ich die gesamte Fahrt über nicht verscheucht werde.

    Auch diese Fahrt geht schneller vorüber als gedacht. Während man anfngs durch die Scheibe noch Felder, Städte und Wälder vorbei ziehen sieht, verhüllt die Dunkelheit alsbald die umgebende Landschaft. Nur bei Grenzübertritt kann man noch im letzten Abendlicht die sich im See reflektierenden Nadelwälder sehen. Danach ist es düster. Hier mal die Lichter einer Stadt, da mal ein einsamer, von wenigen Laternen erhellter Bahnhof, ansonsten Dunkelheit. So erreicht der Zug um 21.45 Uhr den Kopfbahnhof Göteborg. Auf nahezu allen Gleisen stehen nun geparkte Züge der unterschiedlichsten Typen. Nah-, Regional- und Fernverkehr, alles an einem Bahnhof. Nur 2 Gleise bleiben leer.

    Laut Google Maps kann ich eine von 3 Straßenbahnen nehmen, die mich nahezu direkt vor die Hosteltür bringen...mental bereite ich mich schon auf das Installieren und Einrichten einer neuen Nahverkehrs App vor...und es kommt so. Mit steifen Fingern hinterlege ich abermals meine Kreditkarte und bin gerade rechtzeitig fertig, als eine Bahn vorfährt. Den Rucksack abzusetzen lohnt sich für die 15 min. Fahrt garnicht.

    Da ich mein Hostel bereits über den Late Check-In informiert hatte, ist auch alles ordnungsgemäß hinterlegt. Doof ist nur immer das Sortieren/Organisieren ohne die anderen zu wecken. Zu meinem Glück schlafen meine 2 Zimmergenossen bei meiner Ankunft noch nicht. Ich beziehe schnell das Bett, krame mir das Notwendigste raus und gehe in den Gemeinschaftsraum. Oh ja, es gibt noch andere Leute! Diese sind auch mehr als bereit mich in ihr Gespräch zu integrieren. Angesichts der Zeit dauert es jedoch nicht mehr allzu lange.

    Dann der Schock! Noch nie in meinem Leben habe ich jemanden so Schnarchen hören. Es ist der Wahnsinn. Bis auf den Flur hört man es. Der Lärm ist so ohrenbetäubend, dass mein Zimmergenosse schon mit AirPods in den Ohren da liegt und immer noch nicht schlafen kann...oh jemine...

    Als ich jedoch 1h später final ins Zimmer komme, ist meine Müdigkeit so gigantisch, dass ich zwar nicht sofort, aber nach einer kurzen Wachphase, ins Reich der Träume abdrifte....

    Bis morgen also.😴
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  • Göteborg erkunden

    19. syyskuuta 2022, Ruotsi ⋅ ☀️ 13 °C

    Nachdem ich mich gestern schon mit einigen aus dem Hostel ausgetauscht habe, bin ich sehr gespannt was Göteborg so zu bieten hat. Meine Nacht wurde wesentlich durch einen weiteren Mitbewohner beeinträchtigt, der so laut schnarchte, dass es mir das Gefühl gab, als würde meine Matratze beben. Zum Glück hatte sich soviel Müdigkeit angestaut, dass es dann doch irgendwie ging. Beim Frühstück wird mit Lea und Anna noch mal bequatscht, was sie so geplant haben und dann geht es auf in die Stadt.

    Zu meinem Glück lebt Leas Freund in Trondheim. Er holt morgen die Jacke ab und sendet sie mir zu. Damit ist das Kapitel auch so gut wie abgeschlossen...👍
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  • Beginn eines letzten Urlaubstages

    20. syyskuuta 2022, Ruotsi ⋅ ☀️ 13 °C

    Tja, jede Reise geht einmal zu Ende....aber 1 Tag ist ja noch! Also wird erstmal bis 9 Uhr ausgeschlafen, dann gefrühstückt und derweil die letzten Reservierungen getätigt. Nun ja, es hat mich etwas Muße gekostet, denn einmal musste ich für Schweden, einmal für Dänemark und einmal für Deutschland reservieren. Darin involviert waren dementsprechend 3 verschiedene Plattformen. Während ich bei SJ in der Warteschleife hing, die trotz meiner Wahl "Information in English" mit der Taste 9, alle 30sek. auf Schwedisch mit mir sprach, versuchte ich parallel online die dänische Reservierungen zu machen.... Beim 4. Mal dann erfolgreich.

    In diesem Moment betritt ein Franzose, den ich gestern kennengelernt habe, den Frühstücksraum und übersetzt mir die Schwedische Ansage, die ununterbrochen aus dem Hörer schallt; nein, viel mehr wünscht er mir genügend Ausdauer beim Warten. Mein Platz in der Warteschlange sei 67. Oh, ok....ich hatte ja nix verstanden und dachte ich wäre auf Platz 3 oder so....

    Das ist mir dann doch zu blöd. Eine Googelung ergibt, man kann die Sitzplätze auch online reservieren...nagut, dann so. Als auch das erledigt ist, bin ich endlich fertig mit dem Obligatorischen und mein Kaffee ist kalt. Nun kommen auch die beiden Kanadier und die Österreicherin dazu. Es wird ein langes Gespräch über alles mögliche, bevor wir gegen 11.45 Uhr auseinander gehen. Mein Plan ist einen Barber Shop aufzusuchen und anschließend etwas durch die Stadt zu streunern, Fika in einem Straßencafé einzunehmen und einige meiner Beiträge hier zu vollenden. Die beiden Kanadier kehren nachher nach Irland zu ihrem Jurastudium zurück und die Österreicherin fährt mit der Fähre in die Scherengärten vor Göteborg.
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  • "Junge, komm bald wieder,..."

    21. syyskuuta 2022, Ruotsi ⋅ 🌙 5 °C

    "....bald wieder nach Haus. Junge, fahr nie wieder hinaus....", wie es Freddy Quinn 1958 besang. Mit der heutigen Zugfahrt über Schweden, Dänemark und Deutschland, gehen meine 4 Wochen Skandinavien zu Ende. Auch wenn es natürlich eine Umstellung sein wird, Blicke ich mit Freude auf das was jetzt vor mir liegt. Ich freue mich meine Erlebnisse und Begegnungen mit allen Interessierten zu teilen, aber auch auf ein weiteres Semester Uni, für dass ich nun reichlich Energie getankt habe.

    Meine heutige Nacht war jedoch kurz. Da wir im Gemeinschaftsraum noch bis 0 Uhr spannende Gespräche geführt haben, ging es erst spät ins Bett. Auch dann war meine Vorfreude noch so groß, dass sie mich weitere Stunden wach hielt. Was ebenfalls dafür sorgte, war mein Zimmergenosse, der die unterschiedlichsten Arten beherrschte, Bären zu vertreiben. Auch bei meinem späteren dahin dösen, kannte er kein Erbarmen und sagte unaufhörlich an meinen Nerven. Gegen 3.11 Uhr hatte er mich dann so weit, ich nahm die gepackten Sachen und verließ das Zimmer. Ich duschte und machte mir Frühstück. Das beinhaltete Kaffee und Nudeln mit Pesto. Diese waren zwar eigentlich als unterwegs Mahlzeit gedacht, jedoch waren es so viele, dass sie nicht alle in die Dose passten. Ich aß also kurzerhand den Rest.

    Mit Laura mache ich mich 5.30 Uhr auf den Weg zur Tram-Station. Ihr Zug fährt um 6.10 Uhr richtung Oslo/Bergen. Ich dagegen muss meinen Zug um 6.24 Uhr richtung Lund erwischen. Die Tram kommt wie erwartet pünktlich um 5.44 Uhr. Als wir einsteigen, beschließe ich an einem 4er Platz platz zunehmen. Fehlentscheidung! Dort sitzt bereits jemand, und zwar ein ziemlich lädiert jemand. Die Augen mit getrübtem Blick, die Tränensäcke geschwollen, das Gesicht voller Schrammen und Schnittverletzungen. Der Geruch ist jedoch das Markanteste; der säuerliche Geruch von Erbrochenem. Ursprung sind wohl die unzähligen Flecken auf seiner Jacke. 2 Station mache ich das mit, dann bedeute ich Laura mir zu folgen und wir gehen für die restlichen 7 Minuten, in den hinteren Teil des Wagens.

    Am Hauptbahnhof ist bereits recht viel Betrieb. Zwar stehen noch viele Gleise voll mit den über Nacht geparkten Züge, allerdings verlassen diese nach und nach den Bahnhof. Als Laura ihre letzte 40 Schwedischen Kronen im 7-Eleven losgeworden ist, trennen sich unsere Wege.

    Mein Zug steht auch schon bereit. Die 8 Euro Reservierung hat mich diesmal in einen "Pssst-Wagen" gebracht.

    In 2,5h geht es dann mittels Schienenersatzverkehr nach Malmö, von wo aus eine RE mich weiter nach Kopenhagen bringt. Jetzt wird erst einmal viel geschrieben, denn die Berichte schreiben sich ja nicht von allein.
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  • Zurück in Deutschland

    21. syyskuuta 2022, Saksa ⋅ ⛅ 16 °C

    Reisen in der EU 2022: Leute sitzen ohne Maske seit 3h in ein und dem selben Zug. Überqueren sie eine Grenze, die noch nicht einmal vom Zoll überwacht wird, sind alle die keine Maske tragen plötzlich kriminell und werden aus dem Zug geworfen.

    Dafür würde sogar ein extra Halt in Schleswig eingelegt werden, um alle Passagiere ohne Maske dort rauszuschmeißen. Die Deutschen haben diesen Dänischen Zug mit ihrer Freundlichkeit kurz vor der Deutsch/Dänischen Grenze gekapert und nun herrscht hier ein anderer Ton: "Wenn wir dann jetzt auch unserer Masken aufsetzen würden." "Gut machen wir das...", tja da fühlt man sich sehr erwachsen.

    It's great to be back in der Freiheit.🥲
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    Matkan lopetus
    21. syyskuuta 2022