Tag 123, 220 Km/16642 Km
30 Disember 2024, Ghana ⋅ ⛅ 33 °C
Über Silvester soll es zum Volta-Stausee im Zentrum Ghanas gehen und da der Weg dorthin aufgrund der schlechten Straßen für einen Tag zu weit ist, starten wir am Vormittag vom Bosomtwe-See. Auf der gesamten Strecke bis zum Stausee gibt es leider keine wirkliche Möglichkeit zum Übernachten, übers Internet finde ich eine Farm ungefähr auf der Hälfte der Strecke, bei der die Möglichkeit zur Übernachtung gegeben sein soll. Über Facebook kündigen wir uns an und erhalten sogar eine Antwort, dass man uns erwartet. Wir verlassen also nach rund 4 Stunden den kaputten und staubigen Highway auf eine Bergstraße ins Hochland von Ghana. Die Straßenqualität bleibt schlecht und die Dörfer werden immer ärmlicher und einfacher. Immerhin gibt es seit dem Verlassen des Highways keine Checkpoints mehr, an denen wir auch heute mehrfach nach einem nachträglichen Weihnachtsgeschenk gefragt wurden. Die Farm liegt auf einem Hügel und die Straße wird immer schlechter. Ich frage in einem der Dörfer, ob wir auf dem richtigen Weg sind aber mittlerweile spricht auch niemand mehr englisch, nur noch Stammessprache. An den Straßen wird Buschfleisch angeboten, welches die Einheimischen im Wald geschossen haben. Tiere die aussehen wie Eichhörnchen, Ratten oder manchmal sogar geflecktes Fell wie eine kleine Raubkatze haben. Die Straße ist mittlerweile so schlecht, dass ich nicht mehr glaube richtig zu sein. Mono-Track, Tiefsand und stark ausgewaschen. Die Region ist neben einzelnen Gebieten in Sierra Leone und Liberia eine der ursprünglichsten in Afrika, die ich bislang gesehen habe. Mitten auf der schlechten Piste durch den Wald gibt es eine Lichtung, wo Kinder in 10-Liter Dieselkanistern Wasser holen und dieses dann die zig Kilometer den Berg ins nächste Dorf zurückschleppen.
Trotz eigentlich guter Beschreibung der Route zur Farm finden wir im Gewirr zwischen Wald und winzigen Urwaldpfaden den Weg zur Farm nicht. Da es weder Internet- noch Handyempfang gibt, müssen wir nach einer Stunde suchen umdrehen. Wohin nur jetzt? Wildcampen kommt hier nicht in Frage, überall Dörfer und immer wieder Personen und ich möchte nicht am Abend oder in der Nacht von einem bewaffneten Wilderer geweckt werden, der dann nicht mal Englisch spricht. Erstmal zurück zum Highway und dann mal weitersehen. Auf dem Weg zum Highway kommen wir plötzlich an einem Hotelkomplex vorbei und im ersten Moment denke ich, dass dieser Ort eigentlich gar nicht in dieser Umgebung existieren kann. Niemand ist anwesend und der Parkplatz komplett verweist, bis auf eine gelangweilte und unfreundliche Dame an der Rezeption. Das Zimmer kostet 13€ pro Person und der Hotelkomplex macht samt dem Zimmer den Eindruck eines 5-Sterne Hotels. Zumindest auf den ersten Blick, auf den zweiten sind es afrikanische 3-Sterne, alles ist ziemlich in die Jahre gekommen. Im Restaurant gibt es nur ein einziges Gericht, serviert von einer gelangweilten Kellnerin (Reis mit Hühnchen) und an der Poolbar läuft laute Musik, obwohl niemand außer ein paar sich in den Plastikstühlen lümmelnden Kellnern anwesend ist. Wozu auch immer das Hotel dient, sicherlich nicht um Gäste unterzubringen. Eines der komischsten Hotels in denen ich jemals war.Baca lagi
Tag 124, 108 Km/16750 Km
31 Disember 2024, Ghana ⋅ ⛅ 34 °C
In der menschenleeren Bar des menschenleeren Hotels läuft bis tief in die Nacht Musik. Es ist zwar niemand da, der feiern könnte, aber immerhin stimmt die Musik schon einmal. Auch wenn ich an der Rezeption frage, ob die Musik die ganze Nacht läuft und man mir versichert, dass die Musik 'gleich aus' ist, ist sie es tatsächlich erst gegen 1 Uhr in der Nacht. So ist Afrika nunmal, man schläft hier nicht, wenn die Sonne verschwindet, sondern wenn man müde ist.
Am Morgen verlassen wir das komische Grusel-Hotel in Richtung Volta-Stausee, natürlich dauert es keine 5 Minuten und der erste Checkpoint des Tages wartet. Ich werde - rund eine Woche zu spät - von der Polizistin mit 'Merry Christmas' begrüßt und ich weiß direkt was folgen wird. Nach dem üblichen Small-Talk kommt die Frage: "Where is my Christmas Present?" Die Konversation war nett, anders als bei den beiden anderen wartenden Fahrzeugen, die von vermummten Beamten mit Maschinengewehr aus dem Auto zitiert und angeschrien werden, also biete ich ihr einen Kugelschreiber als Weihnachtsgeschenk. Den will sie nicht, also schwerere Geschütze und die kleine Tüte Weingummi. Auch diese reicht ihr nicht, ich hätte zuletzt noch das Feuerzeug. "I don't know how to smoke." Tja, da fällt mir nichts mehr ein, was sie wohl meinen könnte. Ihr aber offenbar, also wird meine Frage, ob ich weiterfahre darf dreimal in Folge mit "Will you leave me like that" beantwortet. Geld gibt es von mir auch heute keins, also geht es nach kurzer Zeit tatsächlich weiter. Auf dem Weg gibt es ohne großen Umweg einen Wasserfall, den wir besichtigen wollen. Am Eingangstor hält man uns an, der Eintritt kostet 20€ pro 'weißer' Person. 'Schwarze' zahlen nur 7€. So eine Preisgestaltung stelle man sich mal an einer Sehenswürdigkeit in Europa vor. 20€ sind mir auch echt zu teuer und als die Empfangsdame dann auch noch sagt, dass der Wasserfall aufgrund der Trockenzeit kein Wasser hat, hab ich genug. Auch wenn man noch zu einer Steinformation wandern kann, die wie ein Regenschirm aussieht, zahle ich keine 20€, da soll sie was am Preis machen. Sie fragt ihren Chef, der dann auch kommt und noch einmal alles erklärt und auch wieder 20€ verlangt. Dieser fragt dann wiederum seinen Chef und dieser willigt schließlich den Rabatt von 10€ ein. Auf dem Parkplatz hat irgendjemand eine Bassbox aufgestellt und dermaßen aufgedreht, dass ich beim Aussteigen denke mir fliegt das Gehirn raus. Mal wieder ist eigentlich niemand da, der irgendetwas von dieser Musik haben könnte und ich fühle mich direkt wieder an letzte Nacht erinnert. Auf dem Weg zum Regenschirmfelsen gibt es noch eine weitere Top-Sehenswürdigkeit, einen Felsen der gleichzeitig aussieht wie ein männliches und weibliches Geschlechtsteil. Oh man...naja die 20€ Eintritt müssen sich ja irgendwie lohnen. Immerhin ist der Regenschirmfelsen ganz nett.
Auf der ersten wirklich guten Straße in ganz Ghana geht es schließlich zum Volta-Stausee, hier steht das einzige wirkliche 4-Sterne Hotel Ghanas. Auch wenn nicht günstig, ist mir bewusst, dass es eine solche Möglichkeit für viele Wochen, vielleicht sogar Monate nicht mehr geben wird, also sprengen wir unser Tagesbudget und bleiben 4 Nächte in diesem Luxushotel - schließlich ist ja auch Silvester. Einen guten Rutsch!Baca lagi
Tag 125, 0 Km/16750 Km
1 Januari 2025, Ghana ⋅ ⛅ 35 °C
Nachdem es am Abend Buffet, Wein und Live-Musik gab, zündet das Hotel um 00:00 Uhr ein Feuerwerk der Extraklasse. In der Bar gibt es eine Gruppe Inder, die anschließend die Tanzfläche eröffnen und den DJ zum Auflegen von indischer 'Helene Fischer' überreden. Ein Bollywood-Film hätte nicht schöner sein können. Einheimische mischen sich unter die indischen Tanzschritte und der Saal kocht. Nachträglich empfinde ich das Hotel zu Silvester als einen der passendsten der ganzen Reise, auch wenn der temporäre Luxus, den das Hotel bietet gar nicht so richtig meine Welt ist, insbesondere nicht nach Wochen, die ich im Auto geschlafen habe.
Damit sich der Körper vom anstrengenden Jet-Set Leben erholen kann, wird am nächsten Morgen der Pool unsicher gemacht. Zum Glück schmeckt das Bier schon wieder am Mittag, soviel zu den guten Vorsätzen. Ein frohes neues Jahr!Baca lagi
Tag 126, 270 Km/17020
2 Januari 2025, Ghana ⋅ ⛅ 33 °C
Es gibt noch ein letztes kleines Highlight Ghanas, zu dem es am Vormittag geht. In der Stadt Wli gibt es den höchsten Wasserfall Westafrikas und bevor es nächste Woche weiter nach Togo geht, gehört der Wli-Wasserfall zum Pflichtprogramm. Es geht also los, rund 500 Meter, dann der erste von vielen Checkpoints des Tages. Nach dem üblichen Small-Talk sagt der Beamte mit Krempenhut und dickem schwarzen Schnäuzer, dass er ein Problem hätte. Noch niemals in seinem Leben hätte er einen Dollarschein gesehen und wir hätten doch bestimmt einen um diese Bildungslücke zu schließen. Auch wenn diese Art nach Geld zu fragen bisher die Charmanteste von Allen war und alle Anwesenden lachen, muss der arme Kerl noch ein bisschen warten, bis er endlich einmal einen Dollarschein sehen kann.
Über eine gute Straße geht es schnell zum Wasserfall, wo bereits zwei weitere Reisende auf einem schönen Stellplatz auf uns warten. Wir essen gemeinsam zu Mittag und ich bin mir eigentlich sicher, in der kommenden Woche meine letzte Nacht in Ghana hier verbringen zu wollen, als das unfassbare geschieht: auf der Speisekarte steht Currywurst mit Pommes. Mit dem deutschen Klassiker im Bauch geht es nach dem Mittagessen hoch zum Wasserfall, nachdem am Eingang zum Nationalpark alle selbsternannten Wanderführer abgewimmelt wurden. In Ghana ist heute Feiertag und entsprechend ist der Besucherandrang. Trotz der vielen Menschen die sich schon auf dem Hinweg mit Rotwein und Bier betrinken und am Wasserfall schließlich grillen ist der Ort toll. Rund um den Wasserfall fliegen tausende Flughunde die den Himmel fast schwarz färben. Tausende weitere hängen rundherum in den Steinen, ein unglaublich schöner Ort. Auf dem Fußweg zurück wird leider wieder nach Geld gefragt. Kinder grüßen auf dem Weg mit den Worten: "Give me money" und auch auf den Straßen wird - eigentlich seit der Elfenbeinküste und das nicht nur vor der Polizei - immer mal wieder vollkommen willkürlich beim Vorbeifahren an wildfremden Personen die Handbewegung gemacht, Geld haben zu wollen. Gibt es tatsächlich Leute die hier eine Vollbremsung machen und die Scheine aus dem Fenster werfen?
Kurz vor Ankunft im Hotel ein letzter Checkpoint. Ich öffne die Scheibe und möchte gerade anfangen zu sprechen, als ein Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit durch den Checkpoint donnert und keine 200 Meter später von einem hinterherfahrenden Militärfahrzeug hart ausgebremst wird. Fahrer und Beifahrer werden mit gezogenem Maschinengewehr aus dem Fahrzeug geholt und alle Beamten am Checkpoint haben jetzt anderes zu tun und auch der am Seitenfenster von Heiner stehende Herr schaut jetzt lieber mal rüber. Wir dürfen passieren, ohne Frage nach Schmiergeld - Juhu!Baca lagi

Pengembara
Immerhin nicht zwischen Betten und Kommoden wie wir dies heute an der Strasse hier in Takoradi gesehen haben
Tag 127, 0 Km/17020 Km
3 Januari 2025, Ghana ⋅ ☁️ 30 °C
Direkt am Hotel gibt es eine kleine Insel, Luftlinie 80 Meter. Es gibt die Möglichkeit zur Insel zu paddeln, also steht ein kurzer Ausflug mit dem Kajak auf dem Programm. An der Stelle, wo die Kajaks bereitliegen, sitzen 5 Herren im Schatten, jeder schaut auf sein Handy. Dem Wunsch, zur Insel zu paddeln möchte man gerne nachkommen, erbarmt sich einer der fünf zu sagen, nachdem er kurz von seinem Handy aufschaut, aber zuerst müsste jemand kommen, der schwimmen kann. So wird nun also per Telefon jemand hergeholt, der dann in einem zweiten Kajak nebenher paddelt. Die Fahrt dauert ungefähr 3 Minuten. Sicherheit wird in Afrika groß geschrieben. Leider ist die Insel alles andere als spektakulär und so geht es 10 Minuten später wieder in Begleitung zurück.
Am Nachmittag geht es schließlich mit einem richtigen Boot über den Volta-Fluss. Die Fahrt ist nach vielen Wochen zum ersten Mal wieder ursprünglich, links und rechts vom Fluss waschen die Einheimischen Wäsche, fahren mit Holzkajak und Ruder zum Fischefangen, sitzen vorm Feuer an den Hütten. Das Boot fährt bis zur riesigen Adomi-Brücke, kurz dahinter befindet sich die Staumauer die den Volta-Fluss soweit aufstaut, dass der Stausee der drittgrößte Stausee der Welt geworden ist. Leider darf man nicht bis zur Staumauer, rundherum ist alles Sperrgebiet. Nach einer guten Stunde sind wir zurück - und das ganz ohne Rettungsschwimmer und zweites Boot, welches nebenher fährt!Baca lagi
Tag 128, 112 Km/17132 Km
4 Januari 2025, Ghana ⋅ 🌙 28 °C
Am Morgen verlassen wir das schöne Hotel am Volta-Fluss in Richtung Accra. Bevor es voraussichtlich übermorgen nach Togo geht und die Verfügbarkeit von Lebensmitteln vermutlich wieder schlechter ist, möchte ich gerne noch einmal alles auffüllen. Also geht es am Vormittag in Richtung Accra, mal wieder über die bekannten schlechten Straßen mit Zwischenstopp bei den Aburi-Gärten. Eigentlich sollen die Gärten dazu dienen, die Pflanzenwelt Ghanas den Besuchern zu präsentieren. Es ist jedoch leider mal wieder so, dass der Garten für mein Empfinden ein totaler Reinfall ist. Schon bei der Einfahrt geht es los: Weiße müssen pro Person zwei Tickets kaufen. Macht Sinn! In den Gärten ist dann nicht nur die Palmenallee, das Highlight des Gartens, komplett zugeparkt, sondern es ist obendrein auch noch rappelvoll. Zudem hat jedes Grüppchen eine eigene Box dabei, am liebsten in 1x2 Meter Größe, sodass von jeder Seite eine andere Musik gespielt wird. Jeder möchte seine Musik am lautesten hören, also wird überall aufgedreht. Um die Boxen zu betreiben, bringt man eigene Generatoren mit, die obendrein noch einmal den Lärmpegel erhöhen. Die Quads, die durch die Fußwege fahren, stören schon kaum mehr. Ghana ist für mich mit Abstand das lauteste Land, in dem ich jemals gewesen bin. Musik, Megafone, Bassboxen, Hupen an jeder Ecke, auch nachts. Man muss hier geboren und aufgewachsen sein, um den Lärm zu ertragen.
Also geht es nach kurzer Zeit bereits weiter, durch den Stau von Accra zur Mall. Alles auffüllen und die letzte Nacht in einem Appartement am Stadtrand verbringen. So langsam rückt die zweite schwierige Phase der Reise näher. Mit Togo und Benin wird es Schritt für Schritt ärmlicher und das Reisen schwieriger, die Versorgung und die touristische Infrastruktur ist nicht mehr so gut wie in Ghana. Nach Benin beginnt anschließend die zweite und vielleicht härteste Herausforderung der ganzen Reise - die Durchquerung von Nigeria.Baca lagi
Tag 129, 231 Km/17363 Km
5 Januari 2025, Ghana ⋅ ☀️ 36 °C
Am Morgen geht es final raus aus Accra, es ist zu Glück Sonntag und alle Straßen sind frei. Die Straße nach Norden ist zum ersten Mal okay, nur wenige Schlaglöcher und größtenteils Asphaltiert. Plötzlich sitzen - direkt an der Straße - Paviane. Wilde Paviane in Zentralafrika zu sehen, ist nicht einfach, umso mehr überrascht bin ich, das kleine Grüppchen hier direkt neben der Straße zu entdecken. Es geht über mir bereits bekannte Straßen weiter nach Norden bis zum Tafi-Atome Affenreservat. Nach Registrierung am Parkeingang geht es zu Fuß weiter, vorher gibt es noch die Möglichkeit einen Sack Bananen im Dorf zu kaufen, die Bananen dürfen dann an die Affen verfüttert werden. Falls sich dann eines der Tiere endlich mal bis ran an die Banane traut, schlingt es meistens die halbe Banane direkt und ohne zu kauen in Einem runter, damit die anderen ja nichts mehr abbekommen. Und das, obwohl das Äffchen gerade mal doppelt so groß ist wie die hineingeschlungene Banane. Im Handgemenge mit den Affen und der Banane schafft es ein besonders Gieriger, mir mit seinen Krallen die Hand aufzukratzen. Ein Hoch auf die Tollwutimpfung.
An vielen Checkpoints vorbei geht es weiter, alle Checkpoints sind heute entspannt, niemand fragt nach Geld oder Papieren. "Where are you from, where do you go, what is your football team? Ok, you can go." Dann der letzte Checkpoint des Tages, schon kurz vorm Tagesziel. Es wird diesmal offen nach einem 'Neujahrsgeschenk' gefragt - man muss die Feiertage wohl so nehmen, wie sie kommen. 2 Minuten Small-Talk und ein angegebenes Feuerzeug später kommt ein zweiter Herr dazu. Dieser möchte jetzt, dass ich 30 Meter weiter rechts ranfahre und parke. Kein gutes Zeichen, er führt irgendwas im Schilde was seine Kollegen nicht sehen sollen. Um seinen Standpunkt zu verbessern, bringt er sein Gewehr gleich mit, welches vorher an den Stuhl im Schatten gelehnt stand. Zuerst die Papiere - alles ist korrekt. Dann soll ich ihm den Einfuhrschein vom Fahrzeug zeigen, aber den hält er mit dem Carnet de Passage schon in der Hand. 'Der andere' Schein soll es sein, aber den gibt es nicht. Dann plötzlich die Frage: "What can you give me?" Nichts, ganz einfach. Dann noch etwas deutlicher: "I want money". Deutlicher zurück: "Ich habe kein Geld. In 10 Kilometern ist die Grenze nach Togo, ich hab schon alles ausgegeben und hole erst in Togo wieder neues Geld." "You don't have money?" Schau mich mal an, sehe ich aus wie jemand der Geld hat? Dann kommt er auf einmal auf die Idee sehen zu wollen, was so alles im Auto ist (bestimmt um die Ladungssicherung zu checken, sicherlich nicht um zu sehen, was er davon gebrauchen könnte). Lächeln, freundlich bleiben, Ghettofaust zum Abschied und dann zum Stellplatz am Wli-Wasserfall direkt an der Grenze.
Am Abend erfahre ich, dass zur Einreise nach Togo das Visum seit dem 1.1. nun viermal und nicht nur zweimal wie bisher ausgedruckt werden muss. Zynisch könnte man sagen, dass das Papier vielleicht auch in den Schulen gebraucht werden könnte, aber so ist die Regel nunmal. Am Abend kopiere ich also mein Visum noch zweimal auf dem mitgebrachten Drucker meiner Reisebegleitung.
Ghana werde ich morgen nach fast 4 Wochen in Richtung Togo verlassen und auch wenn Sicherheit, touristische Infrastruktur und Versorgung sehr gut waren, hat mich Ghana nicht so richtig abgeholt. Die Polizei ist korrupt, die Straßenqualität die bislang schlechteste aller durchfahrenen Länder Westafrikas und auch wenn Ghana der vermeintlich beste Ort für Weihnachten und Silvester war, hat mich keiner der besichtigten Orte so richtig begeistert. Es wird also Zeit für neue und spannendere Regionen Afrikas.Baca lagi
Tag 130, 67 Km/17430 Km
6 Januari 2025, Untuk pergi ⋅ ⛅ 34 °C
Am Morgen geht es als allererstes zur Grenze, das Grenzhäuschen ist keine 500 Meter vom Stellplatz weg. Ich komme um 10:00 Uhr an und bin neben den Grenzbeamten der Einzige. Die Polizistin mustert in aller Ruhe jede Seite und jedes Visum meiner Reise, stellt dann den Datumsstempel ein (was mir sagt, dass ich nicht nur der Einzige, sondern an dem Tag auch der Erste bin). 10 Meter weiter zum Zoll, alles läuft langsam aber reibungslos. Bei der Einreise in Togo ein ähnliches Bild, niemand außer den Beamten ist anwesend. In einem kleinen Bretterverschlag sitzt ein einzelner Beamter, Fliegen tanzen um den kleinen Deckenventilator, draußen kräht ein Hahn. Von den vier Ausdrucken des E-Visums braucht er nur eines, die Info, dass das Visum ab dem 1.1. viermal auszudrucken ist, ist scheinbar noch nicht bis hierher angekommen. Zuletzt zum Zoll, wo man mir erklärt, dass das Carnet de Passage 50 Kilometer weiter in der Stadt gestempelt werden muss. Alle meine Fragen wie 'wo genau, was ist zwischendrin, ist dort wirklich jemand, ist auch geöffnet' werden beantwortet, dann erscheint plötzlich ein Stempel aus der Schublade. Der Herr erbarmt sich doch, das Carnet zu stempeln, weiß aber nicht wie. Er möchte eine Seite herausreißen, was ich mit einem lauten "Stopp" unterbinde. Ich zeige ihm, wo er stempeln soll und trotzdem schafft er es, den Stempel (zumindest zur Hälfte) auch noch zusätzlich im Ausreisefeld hineinzudrücken. Mal sehen, ob das bei der tatsächlichen Ausreise in einer Woche zu Problemen führt. Es geht weiter über eine Offroadpiste in die Berge Togos, bei der Steigung kommt das Fahrzeug mit der Beladung knapp an seine Grenze. Noch unten kann ich es kaum glauben, dass es auf diesen Berg überhaupt eine Straße gibt.
Auf der Bergkuppe ist ein Seil quer über die Straße gespannt, die vier wartenden Herren tragen Zivilkleidung und Warnwesten. Manchmal muss man innerhalb einer Sekunde erkennen, ob es sich um einen legalen oder illegalen Checkpoint handelt, also fahre ich zügig auf das Seil zu und aus Angst, ich würde das Seil kaputt machen, lässt man es unter lautem Gebrüll kurz vorher schnell ab und wartet lieber auf den Nächsten der vorbeikommt. Auf der anderen Seite geht es genauso steil bergab wie vorher bergauf und aufgrund der Kombination aus Kurven, Gefälle und Schlaglöchern kann ich die warme Bremse nach einigen Kilometern bis in den Innenraum riechen.
Es geht weiter ins Hochland Togos, die Straße ist wunderschön und auch wenn nicht asphaltiert, nach vielen Wochen in Ghana ein Genuss zu fahren. Auf dem Berggipfel gibt es eine kleine Farm, in der Philipp aus Deutschland Obst und Gemüse anpflanzt. Philipp ist ein sehr spezieller Typ, läuft eigentlich nur Barfuß, hat schonmal bei Bauer sucht Frau mitgemacht und ist auf dem Weg nach Südafrika irgendwann einmal hier gestrandet. Auch wenn er ein wirklich cooler Typ ist, ist es schon speziell hier in den Bergen von Togo zu leben. Seine Einstellung beweist mal wieder, dass es viele verschiedene Lebenseinstellung gibt. Einen richtigen Stellplatz hat Philipp nicht, ich kann aber den Hang ein Stück über die Sträucher und Gräser fahren und dort mit Blick ins Tal stehen. Leider setze ich bei der Einfahrt auf das kleine Plateau zweimal heftig auf - zum Glück ohne ernsthaft etwas kaputt zu machen.
Am Abend machen wir gemeinsam Pizza, Phillips Frau Gloria kümmert sich um den Teig. Leider gibt es rundherum Buschfeuer, deren Rauch den Berg hochzieht und somit die Luftqualität extrem schlecht werden lässt.Baca lagi
Tag 131, 40 Km/17470 Km
7 Januari 2025, Untuk pergi ⋅ ☀️ 33 °C
Am Abend brennen die Buschfeuer rundherum, eines bereitet mir besonders Sorgen, ist es keine 200 Meter entfernt. Das Knacken vom verbrennenden Holz soll mich die ganze Nacht immer mal wieder aufwecken. Philipp ist noch entspannt, also kann ich es eigentlich auch sein.
Ohne in der Nacht abgebrannt zu sein, gehe ich am Morgen mit Philipp rund um seine Farm. Auch wenn er sich hier ein kleines Paradies für sich geschaffen hat und die Zeit hier für mich toll ist, ist es für mich gleichzeitig unvorstellbar hier dauerhaft zu leben, am Berghang in Togo, ohne Wasser, ohne Strom. Gegessen wird zu 99% das, was der Hof hergibt, wie Tomaten, Südfrüchte, Eier. Jeden Morgen muss Philipp rund 15 Minuten steil den Berg herunterlaufen und an einer kleinen Felsspalte Trinkwasser schöpfen. Die 10 Liter schleppt er anschließend wieder den Berg hinauf. Jeden Morgen, 365 Tage im Jahr. Immerhin hat er vor einigen Jahren eine mechanische Pumpe im Tal installiert, welche ihm Brauchwasser für den Abwasch und zum Duschen den Berg heraufpumpt. Durch die schwarze Schlauchleitung ist das Wasser kochend heiß, wenn es oben ankommt.
Am Nachmittag mache ich mich mit seiner Frau Gloria auf zu einem kleinen Kloster in der Nähe. Die Strecke ist wunderschön zu fahren, immer wieder gibt es tolle Blicke ins Tal und winzige Bergdörfer, die von der Zivilisation abgeschnitten scheinen. Die Strecke mit einer einheimischen Frau auf dem Beifahrersitz zu fahren, hat einen vollkommen anderen Charakter als die 17.000 Kilometer zuvor, Gloria kennt hier natürlich fast jeden und wir halten immer mal wieder an um zu plaudern oder eine Kleinigkeit zu kaufen.
Auch im Kloster kennt Gloria eine der Nonnen, nur macht diese leider gerade Mittagsschlaf. Ich denke mir nichts dabei und gehe unbedarft in die Klosterkapelle, als sich plötzlich die auf dem Boden liegenden Nonnen alle gleichzeitig aufrichten. Während mir das total unangenehm ist, dass ich gerade derart ungehobelt in das Gebet geplatzt bin, bekommt sich Gloria vor der Tür nicht mehr ein vor Lachen. Nach einer halben Stunde ist besagte Nonne erwacht und total über unseren Besuch erfreut. Sie führt uns herum, zeigt mir das Kloster, die Schlafsäle und den kleinen Shop. Wir setzen uns und bekommen etwas hingestellt, was ich seit fast 5 Monaten nicht mehr gegessen habe: es gibt selbstgebackenen Kuchen. Dieser schmeckt im wahrsten Sinne des Wortes himmlisch.
Auf dem Rückweg fahren wir an einer Stelle vorbei, wo mal wieder ein Seil quer über die Straße gespannt ist. An der einen Seite ist das Seil am Baum festgebunden, das andere Ende hält ein Mann in der Hand, der in einem kleinen Verschlag sitzt. Ich Frage Gloria, was das zu bedeuten hat, wir werden gestoppt, dürfen aber direkt weiterfahren. Sie sagt, dass sie seit 3 Jahren hier wohnt und noch nie jemanden an dieser Stelle etwas hat machen sehen. Weder Papiere zeigen, noch Geld zahlen, noch sonst irgendetwas. Es sitzt halt einfach jemand dort in dieser Hütte und lässt das Seil runter, wenn jemand über die Straße fahren möchte und niemand weiß, warum er da ist.
Wieder zurück auf dem Hof gibt es abends eine warme Eimerdusche und Gloria kocht Nudeln mit Fisch und Tofu - schmeckt besser als es klingt. Eigentlich wollte ich nur eine Nacht hier auf dem Hof bleiben, aber entscheide mich am Abend noch, mindestens noch eine weitere und damit dritte Nacht zu bleiben. Die Zeit bei Philipp und Gloria ist für mich etwas ganz besonderes.Baca lagi
Tag 132, 21 Km/17491 Km
8 Januari 2025, Untuk pergi ⋅ ☀️ 34 °C
Am Vormittag möchte Gloria ins Dorf und etwas auf dem Markt einkaufen. Sie fragt mich, ob ich mit ihr hinfahren möchte - win-win für uns beide. Auch wenn ich schon viele Märkte Afrikas gesehen habe, ahne ich, dass der Besuch mit einer Einheimischen nochmal vollkommen anders sein wird. Also machen wir uns zusammen auf in das kleine Dorf unten im Tal. Der Markt ist maximal untouristisch, ich kann mir tatsächlich nicht vorstellen, dass hier überhaupt schonmal jemals ein Tourist gewesen ist. Winziges Dorf in den Bergen Togos, abseits jeder Hauptroute. Auf dem Markt spricht niemand mehr französisch, zum Glück kann Gloria übersetzen. Zum ersten Mal seit Mauretanien freuen sich die Menschen über ein Foto, so offen auf den Märkten im Senegal oder in der Elfenbeinküste zu fotografieren hätte Beschimpfungen oder den Wurf einer faulen Tomate zur Folge gehabt. Es gibt eine kleine Ecke mit Steetfood und so geht es los mit einer dünnflüssigen kalten Soße aus Mehl, Honig und fermentierten Bohnen, die ein bisschen so aussieht aus würde man Wasser aus einer braunen Pfütze in eine Schüssel füllen. Ein bisschen so wie das Pfützenwasser schmeckt sie dann auch, mit dezenter Honignote.
Weiter geht's zum zweiten Stand, es gibt Banku, ein Gericht aus einer weißen Pampe, die mit den Fingern gegessen und in Soße getunkt wird. Obendrauf gibt es ein in der Sonne getrocknetes, schwarzes Stück vergammelten Fisch. Ich probiere den ersten Bissen und das Feuer der Chilis brennt mir bis ins Gehirn. Schon der erste kleine Bissen ist wirklich unfassbar scharf. Während sich alle anderen über meine Reaktion amüsieren, löst beißender Fischgeschmack das Brennen in Nase und im Hals ab. Was für ein Gericht, man muss hier geboren sein um das zu mögen. Eine Runde geht noch, also gibt es zum Abschluss zerrieben Yamswurzeln mit Öl und einer Gewürzmischung, leicht pikant und gar nicht mal so schlecht. Wir schlendern noch etwas über den Markt und trinken zum Abschluss gemeinsam einen Fruchtsaft aus der Baobab-Frucht, bevor es nachmittags zurück zur Farm geht.Baca lagi

Pengembara
Wunderbare Fotos der Frauen auf dem Markt, die Ausdrucksstärksten deiner bisherigen Reise, erstaunlich, warum das gerade in Togo möglich ist
Tag 133, 203 Km/17694 Km
9 Januari 2025, Untuk pergi ⋅ ⛅ 32 °C
Am Vormittag geht es mit Philipp und seiner Frau Gloria noch eine Runde durch die Berge. Es gibt einen kleinen Wasserfall, an dem die beiden schon selber lange nicht mehr waren, also fahren wir gemeinsam hin. Die Wanderung dauert zwei Stunden, der Wasserfall ist wenig spektakulär, dafür führt der Weg an zahlreichen Kaffeefarmen vorbei und Philipp erklärt mir, was eine gute Kaffeebohne ausmacht, baut er schließlich selber welchen an. Leider fehlt vielen Bauern hier das Wissen, so sind die Bohnen bereits vor dem Trocknen vergoren oder schimmeln, manche Säcke sind mit Käfern befallen. Die Faustregel gilt: je dicker die Bohne (gute Wachstumsbedingungen) und je weniger Ecken/Brüche/Kanten (keine Käferbisse und kein Bruch beim Schälen durch Schimmel), umso besser. Ab sofort werde ich bei der Kaffeeauswahl darauf achten. Auch wenn sehr schade, verlasse ich die beiden am Mittag und mache mich auf nach Lomé, der Hauptstadt Togos. Ein bisschen froh bin ich tatsächlich schon, ist die Region rund um das Hochplateau im Zentrum Togos extrem staubig, Nase und Hals machen mir aktuell sehr zu schaffen, das Klima in der Küstenregion wird helfen.
Auf der Fahrt in den Süden gibt es einige Checkpoints, alle laufen freundlich und entspannt - was ein Kontrast zu Ghana. Es ist im allgemeinen sehr angenehm, durch Togo zu fahren, hat noch in Ghana und der Elfenbeinküste gefühlt jeder an der Straße beim Vorbeifahren nach Geld geschrien, ist dieses Verhalten hier vollkommen unbekannt.
Ich habe keine Lust auf die dreckige Hauptstadt Lomé und parke an einem kleinen Strand nicht weit davon entfernt und mit direktem Meerzugang.
Sollte alles klappen, werde ich schon morgen Togo verlassen und die Grenze nach Benin passieren. Auch wenn die wenigen Tage hier echt angenehm waren, habe ich ein wenig Zeitdruck. Morgen findet in Benin das größte Voodoo-Festival der Welt statt und ich bin keine 100 Kilometer davon entfernt. Also versuche ich morgen die Grenze zu überqueren. Problem dabei: mein Visum ist noch nicht gültig, startet erst in 5 Tagen. Also gibt es für morgen drei Optionen.
Option 1: alles läuft reibungslos und niemanden interessiert das Einreisedatum.
Option 2: ich besteche den Grenzbeamten.
Option 3: ich werde abgewiesen und muss nach Togo zurück.
Sollte Option 3 eintreten, dann ist es so. In Lomé gibt es immerhin ein deutsches Restaurant mit dem Namen 'Alt München', wo es bestimmt auch eine Haxe mit Sauerkraut statt dem Voodoo-Festival tun würde.Baca lagi
Tag 134, 106 Km/17800 Km
10 Januari 2025, Benin ⋅ ☀️ 32 °C
Es geht los, raus aus Togo, rein nach Benin - soweit am Morgen die Theorie. Schon vor der eigentlichen Grenze geht es los, ich muss den Pass zeigen, sitze noch im Auto, Grenze ca. 600 Meter weiter. "Wo ist das Visum???" Werde ich angepamt. "Es gibt kein Visum, ich habe ein e-Visum online beantragt und bin nicht länger als 7 Tage im Land." Ab dem 8. Tag hätte ich bei der Einwanderungsbehörde in Lomé vorstellig werden und ein offizielles Visum bekommen müssen. Ich erkläre den 3 Polizisten die Situation. "Not okay!" die Antwort. Dann kommt der Chef: Glatze, dick, Sterne auf der Schulter. Er nimmt meinen Pass, gleiche Frage: "Wo ist das Visum?" Gleiche Antwort. Mit seinem Kollegen in einer mir nicht verständlichen Sprache diskutierend ist es irgendwann doch okay, also weiter zum Zoll. "Hier gibt es keinen Stempel ins Carnet de Passage, erst in 600 Metern." sagt man mir. Ohne irgendein Dokument bislang gestempelt bekommen zu haben geht es weiter zur nächsten Station. Die Grenze ist riesig, viele Leute wollen rüber, Chaos an allen Schaltern, die vollste und unübersichtlichste Grenze seit dem Grenzübertritt zwischen Marokko und Mauretanien. Nächster Stopp, Passkontrolle. Irgendwann bin ich dran, das Handy des Beamten ist ihm wichtiger als der Stempel, also dauert es ewig bis der Pass dann irgendwann einmal in die Hand genommen wird und ich aus Togo ausgestempelt werde. Dann weiter zur nächsten Station: Einreise nach Benin. Jetzt wird es spannend, das Visum startet ja erst in 5 Tagen. Alles wird fein säuberlich in ein Buch geschrieben, plötzlich sehe ich das Feld: 'Gültigkeit Visum'. Der Beamte schreibt das Datum der Gültigkeit in das Buch und sagt zu sich selber: "No". Dann zu mir: "Das Visum ist nicht gültig, du darfst nicht einreisen." Kurze Diskussion, ich möchte unbedingt zum Voodoo-Festival doch keine Chance. "Non, retournez au Togo!" - zurück nach Togo. Er wirft mir den Pass hin. "Gibt es keine Alternative?" Doch, die gibt es. "50€, keinen Cent weniger. 50€ zahlen, oder umdrehen". 50€ ärmer geht es zum Zoll. "Hier wird das Carnet nicht gestempelt, du musst 600 Meter zurück". Da war ich ja eigentlich schon, also zu Fuß wieder nach Togo zurück, die Ausreise ist ja schon gestempelt und es gibt eine riesige Diskussion mit mehreren Beamten, eigentlich darf ich nicht wieder zurück. Schließlich lässt man mich doch gehen, doch beim Zoll die gleiche Antwort: "600 Meter weiter wird gestempelt". Also zum dritten Mal die 600 Meter wieder zurück, dort erhalte ich 'ausnahmsweise' dann doch den Stempel. Der ganze Einreisezirkus dauert mehr als 3 Stunden. Der erste Teil des Tages ist geschafft.
So schnell es geht fahre ich nach Ouidah, das Voodoo-Festival läuft schon in vollem Gange. Schon auf der Hinfahrt sehe ich ganze Kolonnen, die in die Stadt pilgern, tanzen, sich verkleiden. Die ganze Innenstadt ist komplett abgeriegelt, alle Straßen rundum von Polizei und Militär bewacht. Es gab heute Morgen einen schweren Anschlag in Benin und der soll sich sicherlich nicht noch einmal auf dem Voodoo-Festival wiederholen. Für die letzten 6 Kilometer ins Stadtzentrum brauche ich 2 Stunden, gefühlt ist ganz Benin auf den Beinen, alle Straßen sind komplett dicht. Es gibt einen Parkplatz am Meer, mitten im Geschehen. Das Militär hat hier für das Festival seine Basis, ich frage ob sie was dagegen haben wenn ich die Nacht direkt neben den geparkten Panzerfahrzeugen verbringe. Alle sind super freundlich und niemand hat etwas gegen meine Anwesenheit. Der Stellplatz ist zwar laut, es ist aber ungefähr so als würde man bei Rock am Ring 200 Meter neben der Hauptbühne schlafen - ich bin mittendrin.
Auf dem Festival gibt es zwar eine große Bühne, auf der am Abend auch traditionelle Tänze aufgeführt werden, hauptsächlich lebt das Festival jedoch von den vielen kleinen Tänzen am Strand und auch wenn ich überhaupt nicht verstehe was hier passiert oder welchem Sinn die speziellen Tänze haben, ist es trotzdem toll dabei zu sein.Baca lagi

Pengembara
Sehnst du dich inmitten solcher Massen von Menschen nicht ab und an nach der menschenleeren Mongolei?
Tag 135, 60 Km/17860 Km
11 Januari 2025, Benin ⋅ ☀️ 33 °C
Die Nacht läuft trotz der extremen Lautstärke besser als erwartet und als ich morgens wach werde ist mit Ausnahme der Soldaten niemand mehr weit und breit. Die Soldaten stehen am Morgen schon stramm und werden abgelöst, zig Truppentransporter kommen und gehen, eine Szenerie als wäre der Krieg ausgebrochen. Ich starte früh und als ich den Motor anlasse gucken alle Soldaten in Sichtweite gleichzeitig, ich winke und rund 100 Soldaten winken gleichzeitig lächelnd zurück, was eine schöne Verabschiedung.
Es geht ins Stadtzentrum von Ouidah wo auch heute noch das Voodoo-Festival stattfindet. Vor dem Schlangentempel, einem der heiligsten Orte der Voodoo-Kultur in Afrika, wird getrommelt, gesungen, getanzt. Der König ist anwesend und sitzt in seinem Thron, beobachtet die Zeremonie. Rhythmus und Melodie sind über Stunden gleich, reihum springt immer mal wieder jemand auf um zu tanzen. Bis zum Ende wird es mir nicht verständlich werden, wer wann mit Tanzen an der Reihe ist oder ob man einfach aufspringt, wenn es einen überkommt. Es geht weiter in den heiligen Wald, hier werden die Bäume - begleitet von tausenden Flughunden in den Baumkronen - angebetet und Gesundheit oder Fruchtbarkeit verlangt.
Nachmittags geht es raus aus Ouidah und ein Stück zurück in die Stadt mit dem wunderschönen Namen Grand-Popo. Auf dem Weg dorthin gibt es immer wieder 'Buschtankstellen' bei denen Diesel oder Benzin in kleinen Flaschen direkt an der Straße verkauft wird. Die Versorgungslage mit Kraftstoff ist in Benin okay, jedoch ist die Tankstellendichte nicht besonders hoch. Somit nutzen viele die kleinen Privattankstellen direkt an der Straße um aufzutanken statt viele Kilometer weiter bis zur nächsten richtigen Tankstelle zu fahren. Bislang konnte ich glücklicherweise immer eine Tankstelle finden, deren Qualität zumindest augenscheinlich okay war.
Ich finde einen Stellplatz nicht weit weg von einem menschenleeren Bilderbuchstrand entfernt und direkt neben einem Hotel, wo ich bis zum Abend bis auf das Meeresrauschen nichts höre. Ein harter Kontrast zur letzten Nacht und einer der letzten Tage am Meer. Nach Benin wird es für eine lange Zeit keine Möglichkeit mehr geben, mit dem Auto an einem Strand zu stehen.Baca lagi
Tag 136, 0 Km/17860 Km
12 Januari 2025, Benin ⋅ ⛅ 28 °C
Am Vormittag kommen zwei Einheimische zu meinem Auto und fragen etwas verhalten, ob sie es waschen dürfen. Ich soll dafür zahlen, was ich möchte. Wieso nicht, Heiner hat seit fast 4 Wochen keine Wäsche mehr bekommen und ich bin bei jeder Berührung eigentlich immer komplett versaut. Einer der beiden holt einen abgesägten Straßenbesen, der zweite einen Gartenschlauch von irgendwoher und beide machen sich an die Wäsche. Dem Lack macht die Bearbeitung mit dem Bürstenkopf mittlerweile sicherlich auch nichts mehr. Beide haben keinen Lappen, also wird stattdessen die flache Hand genommen. Das dreckige Geschirr, welches zufällig noch neben dem Auto steht wird direkt mit sauber gemacht. Die beiden putzen fast eine Stunde und werden von mir nachher gut bezahlt, so sind alle happy und das Auto ist endlich mal wieder sauber.
Am Nachmittag geht es mit einem Boot zum 'Bouche de Roi', hier fließt der Grenzfluss zwischen Togo und Benin ins Meer und der Übergang zwischen Salz- und Süßwasser ist eindrucksvoll anhand einer scharfen Wasserkante zu sehen. Die gesamte Region ist super authentisch, Fischer werfen Netze von Hand ins Meer, auf den vielen Inseln rundherum gibt es keinen Strom, Wasser wird direkt aus dem Fluss bezogen, man lebt von Fischfang und Salzernte. Afrika wie vor 100 Jahren und aufgrund dessen, dass der Ort in Benin liegt gleichzeitig vollkommen frei von Touristen. Am Ufer des Mangrovenwaldes, der hinter den Inseln beginnt, gibt es Schlammspringer, ein Fisch der hauptsächlich an Land lebt und sich durch das Schlagen der Seitenflossen vorwärts bewegt.
Nach drei Stunden Bootsfahrt geht es zurück, am Bootsanleger sollte eigentlich das Mototaxi warten doch...der Fahrer ist nicht da. 20 Minuten später erscheint der Herr dann irgendwann. Vor Fahrtantritt war ein Gesamtpreis incl. Boot abgestimmt (incl. Eintippen der Zahl ins Handy) doch davon möchte der Fahrer jetzt nichts mehr wissen. Schließlich konnte er jetzt drei Stunden über den Preis nachdenken und er ist wohl jetzt der Meinung, der Weiße könnte mehr zahlen als abgemacht. Also geschieht was geschehen muss: die Diskussion beginnt. 25 Minuten und einen Anruf beim Captain später erinnern sich alle Anwesenden plötzlich doch wieder an den vereinbarten Preis und es kann losgehen - zurück zum frisch gewaschenen Auto.Baca lagi
Tag 137, 9 Km/17869 Km
13 Januari 2025, Benin ⋅ ⛅ 32 °C
Houston, wir haben ein Problem. Ich starte am Morgen das Auto und will mich eigentlich auf den Weg in den Norden machen, also ich ein Geräusch aus dem Motorraum höre. Das Geräusch - ein Klackern - war in den letzten drei Wochen insgesamt dreimal bereits zu hören, verschwand aber immer nach wenigen Sekunden so dass ich es nicht genau lokalisieren konnte. Heute morgen ist es nicht so, es klackert aus dem Motorraum. Ich fühle an der Luftansaugung, ob Luft gleichmäßig angesaugt wird aber spüre leider überhaupt keinen Luftstrom, als ich in dem Moment das Problem sehe: der Luftfilterkasten ist an einer Seite nicht richtig verschlossen. Die Folge: der Staub und Sand der letzten Wochen ist ungefiltert über Turbo und Ladeluftkühler in den Motor gezogen worden. Das Filtergehäuse wurde zuletzt beim Stoßdämpferwechsel von der Werkstatt in Accra geöffnet und auch wieder verschlossen, offenbar nicht richtig - einer der Halter ist nicht richtig eingehakt gewesen. Natürlich ärgere ich mich auch über mich selber, die Arbeit der vermeintlich guten Werkstatt nicht noch einmal kontrolliert zu haben. Somit öffne ich den Ventildeckel am Motor, leider kann ich den feinen Staub bereits im Öl rund um die Kipphebel sehen. Das Ansaugrohr zum Turbo sieht richtig übel aus. Glücklicherweise endet der Sandfilm vor dem Ladeluftkühler, also scheinen Kühler und Motor erstmal sauber. Wie es im Turbo aussieht, kann ich nicht erkennen, dafür müsste ich den Turbo ausbauen und das mache ich sicherlich nicht hier am Strand. Also alles so gut reinigen wie es geht, zusammenbauen, Motor an: kein Klackern mehr - immerhin. In Deutschland würde ich den Motor und den Turbo zerlegen oder zumindest die Kompression messen aber hier in Benin wird das nicht gehen. Ich werde bei der nächsten Gelegenheit noch einmal einen Ölwechsel machen, auch wenn ich keinen neuen Ölfilter mehr habe. Bei der Probefahrt scheinen Motorgeräusche und Leistung wie immer zu sein, aber das heißt aktuell noch nichts.
Immerhin komme ich bei der kurzen Probefahrt an einer kleinen Aufzuchtstation für Schildkröten vorbei. Die im Wasser schwimmenden Babyschildkröten sollen in der Nacht freigelassen werden und man sagt mir, ich kann am frühen Morgen gerne teilnehmen. Die Auto-Aktion ist sowieso beendet, also parke ich ein kleines Stück weiter am Strand und hoffe darauf, bis Südafrika (mindestens aber bis Namibia) von einem Motorschaden verschont zu bleiben. Der Wunsch gilt gleichermaßen für Ladeluftkühler und Turbo.
Es gibt ein kleines Restaurant direkt dort, wo ich zum Übernachten stehe. Es gibt Tische, Stühle, eine Bar nur leider: keine Küche und auch keinen Kühlschrank. Ich werde also zuerst gefragt, was ich denn trinken möchte. Der 'Kellner' zieht dann los und holt in einem der kleinen Lädchen im Dorf das Getränk, mit dem er 15 Minuten später wiederkommt. Dann das Essen. Es gibt logischerweise auch keine Speisekarte, also erzählt er mir, was die umliegenden Restaurants so anbieten. Mit dem Essenswunsch zieht er dann ein zweites Mal los und bringt 30 Minuten später das gewünschte Essen. Bei jeder Bestellung, die ich aufgebe, möchte er direkt das Geld haben. Er kann ohne Geld schließlich nichts kaufen. Afrika in Perfektion. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich der einzige Gast bin. Für einen zweiten Gast wäre bei diesem Konzept nur ein Kellner auch sicherlich nicht ausreichend.Baca lagi
Tag 138, 162 Km/18031 Km
14 Januari 2025, Benin ⋅ ☀️ 35 °C
In der Nacht steigt die Luftfeuchtigkeit dermaßen an, dass ich ab 4 Uhr denke es würde regnen. Ich stehe unter Palmen und die Luftfeuchtigkeit sammelt sich an dem Palmenblättern und tropft aufs Auto runter. Als ich um 6 Uhr aufstehe hole ich zum ersten Mal auf dieser Reise den Regenschirm raus, dermaßen stark tropft es von den Palmen. Die Sichtweite beträgt durch den dichten Nebel und die Feuchtigkeit keine 20 Meter. Bevor die Sonne aufgeht und irgendwann den Nebel vertreibt gehe ich zu Fuß durch das kleine Dorf zur Schildkrötenstation, wo am frühen Morgen die mittlerweile vier Tage alten Schildkröten ins Meer gelassen werden. Instinktiv krabbeln die kleinen etwas unbeholfen mit den Flossen in Richtung Wasser. Was ein schöner Anblick.
Wieder zurück widme ich mich dem Patienten namens Heiner. Ich starte den Motor: kein Klopfen mehr. Ein kurzes Stück auf und ab, Vollgas: läuft wie immer. Anschließend weiter rund 150 Kilometer nach Abomey, während der Fahrt messe ich mit dem Diagnosegerät den Ladedruck am Turbo: alles normal. Vielleicht habe ich gerade noch einmal Glück gehabt und der Sand bzw. der Staub hat tatsächlich gerade noch keinen Schaden angerichtet.
In Abomey fahre ich zum Hotel Royal, was ein Name, das muss gut sein. Hinter der Rezeption ein unfreundlicher, gelangweilter Herr. Alles ist ziemlich heruntergekommen, wie Hotels halt in Afrika so sind. Ich darf im Innenhof im Auto übernachten, die Zimmer möchte ich gar nicht erst sehen. Es gibt eine Eimerdusche und eine Toilette, aber in beiden leider kein Wasser. Wenn ich Wasser brauche, muss ich erst an der Rezeption Bescheid geben, dann kommt jemand und dreht das Wasser auf.
Im Restaurant nebenan gibt es zwei Gerichte: Spaghetti mit Fleisch oder mit Wurst, alternative Eier. Ich bestelle die Spaghetti ohne Fleisch, versteht die Kellnerin aber nicht. Sie holt den Kerl von der Rezeption, der versteht es auch nicht. "Ohne Fleisch?" werde ich mehrfach gefragt. "Ja, nur Nudeln und Soße." Zehn Minuten geschieht nichts, bis die Köchin kommt. "Spaghetti ohne Fleisch? Also dann mit Wurst!" "Nein, nur Soße und Nudeln". Sowas hat sie noch nie gehört. Während wir über das Essen sprechen legt sich die Kellnerin, die zuerst gefragt hat, was ich essen möchte eine Runde zwischen Küche und Theke hin und macht einen Mittagsschlaf. Das Essen erscheint und ich bekomme: zwei Spiegeleier, darunter sind die Spaghetti. Immerhin ohne Wurst und ohne Fleisch. Kaum auszuhalten, so scharf, für 90 Cent kann ich aber nicht meckern.
Am Nachmittag treffe ich Marc, einen lokalen Guide aus Abomey. Marc soll mich am Abend zu einer Voodoo-Zeremonie bringen. Der Voodoopriester reist von Dorf zu Dorf und hält dort die Zeremonie ab, Marc ruft ihn an. Dann muss alles schnell gehen, die Zeremonie beginnt gleich. Wir verlassen mit Heiner das Stadtzentrum, die Straße wird immer kleiner und immer schlechter. Marc kennt den Weg selber nicht, war hier auch noch nie, fragt viele Male nach dem richtigen Weg. Irgendwann kommen wir in einem abgelegenen, winzigen Dorf an. Kinder rennen panisch, schreiend vor mir davon, ich bin überzeugt, dass hier noch niemals ein Tourist gewesen ist. Auf dem Dorfplatz sind fast 100 Leute versammelt, alle gucken mich an. Zwei Kinder bringen mir einen kaputten Holzstuhl, eines der beiden Kinder dreht 10 Meter vorher um und rennt heulend zurück, das zweite Kind stellt mir schließlich den Stuhl hin. Dann beginnt die Zeremonie. Mittlerweile sind rund 500 Leute anwesend. Als das Voodoo, eine mit Fasern geschmückte Puppe auf den Dorfplatz kommt, bin ich nicht mehr die interessanteste Gestalt. Jetzt haben auch die Erwachsenen Angst, kommt ihnen das Voodoo zu nahe. Es kommen weitere Voodoos hinzu und schließlich auch irgendwann der Priester. Ein Huhn wird geschlachtet, es wird mit Schlangen hantiert, hochprozentigen Alkohol getrunken. Die Masse singt, die Voodoos tanzen, ich werde gesegnet und darf mir etwas wünschen. Das Huhn ist mittlerweile gekocht und wird zerrissen und gegessen, mehr aus Spiritualität statt zum Hunger stillen. Nach 3 Stunden ist schließlich alles beendet. Der Dorfchef kommt zu mir, bedankt sich dafür, dass ich dabei war und gemeinsam mit Marc fahre ich schließlich zurück zum Hotelstellplatz, was ein einmaliges Erlebnis.Baca lagi
Tag 139, 0 Km/18031 Km
15 Januari 2025, Benin ⋅ ⛅ 35 °C
Ich treffe am Morgen Marc wieder, er soll mich durch Abomey führen. Ein Mototaxi bräuchte ich sowieso und Marc fährt selber eins, also vereinbaren wir einen ganzen Tag Abomey incl. Transport für 15€, ein sehr guter Preis, selbst für Afrika. Es geht zuerst ein Stück raus aus der Stadt zu einem kleinen Voodoo-Tempel. Hier sitzt ein uralter Priester in einem kleinen Tempel, Kerzen und aus Holz geschnitzte Figuren stehen auf dem Boden. Auch diese Figuren nennt man Voodoo und jede hat einen eigenen Zweck für ein entsprechendes Bedürfnis, wie Kinderwunsch oder Gesundheit. Die mit Nadeln versehenen Puppen, die wir mit Voodoo in Verbindung bringen sind in der Realität hingegen vollkommen unbekannt und wohl eine Erfindung Hollywoods.
Über diverse Tempel verschiedener Herrscher Abomeys geht es weiter zum Chamäleontempel. Das Gebäude dient zeremoniellen Zwecken und ist architektonisch einmalig, einen solchen Tempel habe ich noch niemals in meinem Leben gesehen.
Mittlerweile ist es 17 Uhr, wir sind fast 10 Stunden mit dem ungefederten Motorrad unterwegs und ich bin so langsam durch, aber Marc möchte mir gerne noch ein letztes Highlight Abomeys zeigen: wir fahren zum Fetischmarkt. Schon beim Absteigen vom Motorrad rieche ich die Verwesung der tausenden Tierkadaver, die hier angebotenen werden. Von Ratte zum Vogel, vom Affen bis zum Leoparden ist alles vorhanden. Die verwesenden Tiere können gekauft und anschließend in der Voodoo-Zeremonie geopfert werden. Auch Opfertiere wie Ziegen und Hühner können hier gekauft werden. Das Gefühl beim Rundgang über den Markt schwankt zwischen Ekel, Unverständnis und Faszination. Nach über 10 Stunden sind wir zurück und Marc möchte keinen Cent mehr als vereinbart, was nach vielen Wochen Westafrika eine ungewöhnliche Besonderheit ist.Baca lagi
Tag 140, 141 Km/18172 Km
16 Januari 2025, Benin ⋅ ⛅ 28 °C
Nachdem ich am späten Abend im Restaurant gegessen habe, kommt die Kellnerin plötzlich auf die Idee, mich zu fragen ob es für mich okay wäre, wenn sie ein Bier trinken würde welches ich dann zahle. Das Bier kostet einen Euro und der Service war nett, also sage ich ihr, dass sie gerne ein Bier auf meine Rechnung trinken darf. Die Dame hat da offenbar etwas falsch verstanden und kommt 10 Minuten später aufgetakelt (Ohrringe, Minirock, Parfum, Ed-Hardy Cappie) mit dem Bier zurück und setzt sich mir gegenüber an den Tisch. Sie erzählt mir, dass sie eine sehr gute Partie wäre, schließlich verdient sie bei ihrem Job als Kellnerin 30.000 Franc (45€) pro Monat. Anstandshalber höre ich ihr 3 Minuten zu und verschwinde dann schnell.
Ich fahre am Morgen zurück nach Ouidah, in der letzten Woche war aufgrund des Voodoo-Festivals alles geschlossen. Es ist komisch, die Stadt plötzlich so leer zu sehen, letzte Woche gab es hier noch ein Verkehrschaos. Ich halte am Schlangentempel, in dem Pythons aus religiösen Gründen gehalten werden. Die Schlangen sind in einem kleinen Verschlag untergebracht, die Tür steht immer offen, jedoch verschwindet keine der Schlangen. Der Rest von Ouidah ist leider ohne das Voodoo-Festival unspektakulär, somit habe ich einen Nachmittag zur Erholung gewonnen. Ich finde ein kleines Hotel mit Pool und schlafe nach rund zwei Wochen das erste Mal wieder in einem richtigen Bett.Baca lagi
Tag 141, 52 Km/18224 Km
17 Januari 2025, Benin ⋅ ☀️ 32 °C
Ich fahre am Morgen in die größte Stadt Benins, nach Cotonou. Auch wenn nicht die Hauptstadt, ist Cotonou als wirtschaftliches Zentrum die wichtigste Stadt des Landes. Zuerst geht es mal wieder in die Werkstatt. Nachdem der Ansaugtrakt vom eingedrungenen Sand bereits von mir gereinigt wurde, möchte ich einen Ölwechsel machen lassen. Also geht es in eine kleine Hinterhofwerkstatt in einem der Vororte von Cotonou. Der Ölwechsel kostet 7€, vier Herren arbeiten zeitgleich am Ölwechsel. Einer ist zuständig, die Ablassschraube herauszuschrauben, einer ist für das Wiedereinschrauben zuständig, der Dritte kippt das Öl rein, der vierte guckt zu. Leider finde ich im Öl Sand und kleine Steinchen, kein gutes Zeichen. Die Steinchen sind immerhin so groß, dass ich eigentlich der Ansicht bin, dass diese in der Größe unmöglich am Kolbenring im Motor vorbeigekommen sein können. Ein Stein in der Größe im Brennraum hätte den Kolben zerrissen. Bleibt also eigentlich nur der Turbo oder die Rücklaufleitung vom Zylinderkopf. Noch macht Heiner alles was er soll, kein Leistungsverlust, keine ungewöhnlichen Geräusche. Also bleibt mir aktuell nichts anderes übrig, als mit einem unguten Gefühl weiter nach Nigeria zu fahren, auch wenn ich weiß, welches schwierige Stück mir die nächsten 5000 Kilometer bevorsteht. Sicherheitshalber einen neuen Turbo zu kaufen und dabeizuhaben wäre sicherlich nicht das Schlechteste, laut Werkstatt ist es jedoch unmöglich hier einen aufzutreiben.
Ich fahre weiter zum Super U, dem größten Supermarkt den ich auf der ganzen Reise bisher gesehen habe. Hier gibt es alles (außer einen neuen Turbo), sogar Motoröl in allen Spezifikationen und Qualitäten. Also kaufe ich direkt noch einmal neues Öl, sicher ist sicher. Außerdem fülle ich an Lebensmitteln alles auf was geht. Der Einkauf kostet über 300€. Auf dem Parkplatz treffe ich zufällig eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft. Sie empfiehlt mir, Benin zeitnah zu verlassen, für kommende Woche sind große Demonstrationen im Stadtzentrum angekündigt, die Botschaft wappnet sich für alle Eventualitäten, man rechnet mit zivilem Ungehorsam. Mein Plan, erst am Ende nächster Woche nach Nigeria zu reisen muss somit noch einmal geändert werden, ich fahre früher rüber.
Ich suche mir einen Platz zum Übernachten im Stadtzentrum, wie üblich nicht einfach. Es gibt ein Hostel mit kleinem Innenhof, hier kann ich die Nacht bleiben. Kein schöner Platz und direkt an der Straße, aber für eine Nacht wird es gehen. Zu Fuß mache ich mich auf zur Amazonenstatue, komme auf dem Weg an einer Eisdiele vorbei. Also gibt es mal wieder drei Kugeln, die alle anders aussehen aber eigentlich alle genau gleich schmecken. Um mal 15 Minuten runterzukommen eignet sich die Eisdiele allemal. Auch wenn der weitere Fußweg zur Statue aufgrund des fehlenden Bürgersteiges und des dichten Verkehrs unentspannt ist, werde ich wenigstens auf den insgesamt 45 Minuten kein einziges Mal angesprochen. Solch eine Strecke zu Fuß zu laufen wäre beispielsweise in Ghana oder der Elfenbeinküste unvorstellbar gewesen. Insgesamt ist Benin im Hinblick auf das Ansprechen vollkommen anders als die anderen Ländern zuvor. So gut wie nie möchte jemand Geld für irgendetwas haben, was ich als sehr angenehm empfinde.
Am Nachmittag widme ich mich noch einmal dem Auto, öffne nochmal den Motor und bin eigentlich der Meinung, dass ich unbedingt einen neuen Ölfilter brauche. Die Aufgabe für Morgen lautet also: Ölfilter für den Defender TD5 Baujahr 2006 irgendwo in Cotonou auftreiben.Baca lagi
Tag 142, 24 Km/18248 Km
18 Januari 2025, Benin ⋅ ☁️ 31 °C
Die Nacht läuft nicht gut. Temperaturen über 30 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit und absoluter Windstille gepaart mit dem konstanten Lärm und dem Gehupe der rund 5 Meter entfernten Straße sorgen dafür, dass ich die halbe Nacht wach liege.
Ich klappere am nächsten Morgen diverse Werkstätten ab um einen Filter für den Defender zu finden, keine Chance. In ganz Cotonou gibt es keinen. An einer Stelle finde ich zwar einen Landrover Filter, der passt aber nicht. Immer wieder höre ich die gleiche Antwort: In Lagos gibt es einen Filter. Ich wasche den alten Filter immerhin so gut es geht mit Öl aus, finde auch glücklicherweise keinen Sand im Filter.
Am Auto geht es nicht mehr weiter, also fahre ich raus aus Cotonou. Ich bin keine 500 Meter gefahren, es kommt eine Kreuzung. Zwei Fahrspuren in jede Richtung, daneben ein kleiner Versatz und je Fahrtrichtung eine dritte Spur nur für Motorräder. Auf dieser riesigen Kreuzung wo das absolute Chaos herrscht, steht genau in der Mitte eine Art Fass. Offenbar soll man wie im Kreisverkehr um dieses Fass herumfahren, was mir aber nicht gelingt da die Helden am Lenkrad hier alle einfach fahren wie sie wollen. Ich biege also vor dem Fass nach links ab statt um das Fass herumzufahren. Natürlich steht an der Kreuzung ein Polizist und natürlich werde ich zum Anhalten aufgefordert. Mit geschultertem Gewehr wird mir erklärt, was ich falsch gemacht habe. Während der Polizei mir zeigt, wie ich hätte fahren sollen fahren einfach alle anderen Fahrzeuge, wie zuvor auch, unbehelligt weiter so wie ein jeder es gerade möchte. Bevor der Polizist eine mögliche Strafe aussprechen kann, sage ich ihm, dass ich ein Problem mit dem Auto habe und die Reparatur schon teuer war (schließlich habe ich 7€ für den Ölwechsel gezahlt!) und ich jetzt auf keinen Fall noch etwas für das angeblich falsche Fahren auf der Kreuzung zahle. Etwas verunsichert guckt er mich an, belehrt mich noch einmal und lässt mich dann weiterfahren.
Ich fahre nach Ganvie, einem Stelzendorf nicht weit weg von Cotonou. Es gibt einen kleinen chaotischen Hafen, wo ich das Auto stehen lasse und ein Boot miete, Ganvie ist auf dem Wasser errichtet und über den Landweg nicht zu erreichen. Die Stadt haut mich richtig um, die Atmosphäre ist Wahnsinn. Alles spielt sich auf dem Wasser und in den vielen kleinen Pirogen ab. Aus den kleinen Booten heraus wird gefischt und Ware verkauft. 1.5 Stunden werde ich durch die kleinen Kanäle gefahren, die Stadt wirkt wie Venedig in Afrika. Ganvie ist für mich eines der Top-Highligts in einem Land, in dem ich das Gefühl habe von einer großen Sehenswürdigkeit zur nächsten zu taumeln.
Ich finde nicht weit weg von Ganvie einen Stellplatz für die Nacht, deutlich ruhiger und kühler als die Nacht zuvor, dafür jedoch mit Millionen kleiner Sandfliegen, die beißen und gerade so nicht durch das Moskitonetz im Dach kommen. Der Abend wird somit im Auto verbracht.
Leider ist morgen der letzte Tag für mich in Benin, welches für mich unerwartet zu den Top-3 der Länder Afrikas gehört. In über einer Woche bin ich nur 3x von der Polizei angehalten worden, korrupt war dabei keiner. Die Straßen sind ausnahmslos gut und es gibt sehr viel auf kleinem Raum zu sehen, ich habe mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Mit Benin endet jetzt auch meine Zeit in Westafrika, fast 5 Monate habe ich hier verbracht. Wenn ich übermorgen weiterfahre, beginnt für mich die zweite von insgesamt drei schwierigen Streckenabschnitten: die Durchquerung von Nigeria.Baca lagi

Sehr interessant die Stadt im Wasser und die vielen kleinen Boote. Schön, dass ich ein bisschen mehr von Afrika kennen lerne. Gute und sichere Weiterreise und viel Spaß. [E.L.]
Tag 143, 72 Km/18318 Km
19 Januari 2025, Benin ⋅ ☁️ 33 °C
Es geht am Morgen nach Porto Novo, die Hauptstadt Benins. Porto Novo hat nichts zu bieten, liegt aber unmittelbar an der Grenze zu Nigeria, sorgt also dafür dass ich nicht allzu viel Zeit auf dem Weg zur Grenze verliere. Leider führt der Weg nach Porto Novo einmal komplett durch Cotonou und auch wenn heute Sonntag ist sind die Straßen ziemlich voll. Hab ich gestern noch die korrekte Polizei in Benin gelobt, werde ich heute mal wieder daran erinnert, dass ich in Afrika bin. An einer stark befahrenen Kreuzung werde ich angehalten, ich soll die Papiere für das Auto, Führerschein und Versicherungsnachweis zeigen. Anschließend möchte die Polizistin ein Laisser Passer sehen, also die Einfuhrpapiere des Fahrzeugs. Ich zeige also das Carnet de Passage, das reicht der Dame aber nicht. Sie holt ihren Chef dazu, auch der möchte das Laisser Passer sehen. Mitten auf der Kreuzung stehend erkläre ich minutenlang, dass das Carnet de Passage vollkommen ausreichend ist, schließlich werde ich aufgefordert an den Rand zu fahren und auszusteigen. Zwei weitere Polizisten kommen hinzu und alle vier sagen das gleiche: wo ist das Laisser Passer. Mehr als 30 Minuten drehen wir uns im Kreis, ich zeige alle Stempel im Carnet aller Länder, an noch keinem Checkpoint würde ich seit Reisebeginn derart lange aufgehalten. Irgendwann reicht es mir, natürlich soll hier Druck aufgebaut werden um an Geld zu kommen. "Ich habe von Marokko bis hierher fünf Monate gebraucht und wurde rund 600 mal angehalten. Noch nie hab ich ein Laisser Passer zeigen müssen. Dann fahren wir halt jetzt zusammen zur Grenze und klären das dort mit dem Zoll." Es ist schon komisch, aber der richtige Satz reicht manchmal um die Situation innerhalb von Sekunden zu entschärfen. Zwei der Herren interessieren sich plötzlich nicht mehr für mich und fangen an zu Essen. Die Dame regelt jetzt den Verkehr und der Chef kann plötzlich lachen und plaudert mit mir über den Tourismus in Benin. Zum Abschluss werde ich gefragt, ob ich vielleicht etwas zu trinken übrig hätte. Geld würde es aber auch tun. Hätten sie vor 30 Minuten gefragt, hätte ich sicherlich eine Flasche Wasser übrig gehabt. Als ich ins Auto einsteige, möchte dann plötzlich noch einer der dort rumlungernden Zivilisten Geld haben. "Fürs Parken". Als ich auch hier nichts zahle rennt er wild gestikulierend sogar noch ein ganzes Stück neben dem Auto her.
In Porto Novo finde ich ein schönes Hotel, welches mich im Hof im Auto übernachten lässt. Als ich alles aufgebaut habe, kommt der Chef vorbei. Aus 'Sicherheitsgründen' muss ich ein Zimmer nehmen. Normalerweise würde ich einpacken und fahren aber ich habe keine Lust mehr. Die Zimmer sind gut und es gibt keine Alternative in der Nähe. Porto Novo ist auch nicht unbedingt der sicherste Ort der Reise, die Stadt wirkt beim Durchfahren total heruntergekommen und arm. Also her mit dem Zimmer, Monsieur!
Trotzdem schade, dass sich Benin am letzten Tag derart von mir verabschiedet.
Morgen geht es nun über die Grenze nach Nigeria. Das Erreichen von Nigeria bedeutet für mich persönlich einen sehr großen Schritt. Der Grenzübertritt bedeutet zum Einen, dass die Reise zur Hälfte beendet ist. Ich verlasse Westafrika und betrete Zentralafrika. Nigeria bedeutet aber auch, dass es keinen Weg mehr zurück gibt. Hätte ich bis heute noch umdrehen und heimfahren können, geht dies ab Nigeria nicht mehr. Ein zweites Nigeriavisum zu bekommen ist eigentlich unmöglich, ein Verschiffen des Fahrzeuges vor Namibia wohl ebenfalls. Nigeria symbolisiert aber auch den 'Mount Everest' der Reise. Im Norden des Landes gibt es erhebliche Probleme mit Boko Haram und dem Islamischen Staat, alles nördlich von Abuja, der Hauptstadt Nigerias ist unbereisbar. Im Süden gibt es Probleme mit Banden und Separatisten. Außerdem wird in einer Mafiaähnlichen Struktur illegal Öl gefördert. Im ganzen Land gibt es immer wieder schwere Anschläge durch den Konflikt zwischen Farmern und Hirten, der sich hauptsächlich gegen die Zivilbevölkerung richtet. Seit Weihnachten gab es zwei Anschläge mit vielen Opfer, einer der beiden leider unmittelbar auf meiner Strecke. Zudem gibt es Probleme mit dem Sicherheitsapparat und mit korrupter Polizei. Die Grenze zu Kamerun ist seit vielen Jahren geschlossen, da in Westkamerun noch immer Bürgerkrieg zwischen den Separatisten und der Regierung herrscht. Durch dieses Gemengelage muss ich zwischen Boko Haram im Norden und dem Krieg im Süden hindurch. Um nach Kamerun zu gelangen gibt es eigentlich nur einen einzigen Grenzübergang im Zentrum. Hier besteht das Problem, dass die Straße auf den letzten hundert Kilometern richtig übel ist. Leider muss ich diesen Preis zahlen und die schlechte Piste für eine vermeintlich bessere Sicherheit in Kauf nehmen. Ich werde zunächst nach Lagos reisen und hier ein paar Tage bleiben, im Anschluss den schnellstmöglich Weg nach Kamerun wählen und hoffentlich in knappen zwei Wochen aus dem zweiten schwierigen Teil der Reise heraus sein. Für die nächsten zwei Wochen gilt: kein Fahren in der Dunkelheit und kein Wildcampen.Baca lagi

PengembaraHey Marvin, alles Gute! Wir verfolgen Dich seit Beginn Deiner Reise und fahren gerade den entspannten Teil Deiner Reise (in Etwa) nach! Mit Franz (unserem TD5). Einfach großartig was Du machst und wie toll Du Deine Reise beschreibst! Für den Abstieg vom MtEverest jetzt wünschen wir Dir alles Gute! Du hast unsere guten Gedanken mit Dir! Liebe Grüße aus der Sahara! Günter +Tina
Tag 144, 115 Km/18433 Km
20 Januari 2025, Nigeria ⋅ ⛅ 28 °C
Die Nacht läuft alles andere als gut, ich bekomme Fieber. Das Fieber kommt und geht, ein typisches Zeichen für Malaria. Nachdem ich in der Nacht mehr wach war als ich geschlafen habe, stelle ich mir am Morgen die Frage, wie es weitergehen kann. Ich habe morgens kein Fieber mehr und fühle mich eigentlich okay, also treffe ich den Entschluss nicht länger zu warten und nach Nigeria einzureisen. Ich muss gestehen, dass ich als ich starte nicht frei von Nervosität bin. Ich erreiche um 09:00 Uhr die Grenze, es ist nicht viel los. Trotzdem dauert es ewig bis das Carnet in Benin ausgestempelt wird. Der Chef muss erst kommen und der ist irgendwo verschwunden, also stehe ich vor dem kleinen Zollhäuschen in der prallen Sonne bei bereits 32 Grad und merke, wie das Fieber wieder zurückkommt. Während ich mich irgendwo im Schatten hinsetze um nicht umzukippen werde ich von diversen Leuten umringt, die alle mein Geld wechseln wollen. In ganz Nigeria gibt es keine Bank, die eine europäische Kreditkarte akzeptiert und auch so gut wie keine Wechselstube, das Geld muss auf dem Schwarzmarkt getauscht werden. Während ich im Schatten sitze verhandle ich mit einem der Geldwechsler, bis die Rate für mich akzeptabel ist. Für 400€ bekomme ich einen Stapel Geldscheine, für den man zwei Hände zum Festhalten braucht. Ich gebe 4 Euroscheine ab und erhalte 1300 Scheine in der nigerianischen Währung Naira. Nachzählen tu ich nicht, das passt schon.
Ziemlich angeschlagen fahre ich zur Polizei, lasse den Pass ausstempeln und verlasse Benin. Bis hierher anstrengend aber problemlos.
Auf der nigerianischen Seite ist fast gar kein Betrieb, ich komme überall direkt und ohne zu warten dran. Mein Visum wird geprüft und der Herr bringt mich zu seinem Chef. Nachdem dieser fast 15 Minuten in meinen Pass schaut, sagt er dass auf dem Visum nicht angegeben ist, wieso ich nach Nigeria reise. Tatsächlich wurde das Feld von der Botschaft nicht angekreuzt. Er überlegt lange, was er mit mir macht und ich habe zwischendrin das Gefühl, hier heute nicht einreisen zu dürfen. Ich soll zum 'Big Man', der möge die Entscheidung fällen. Der 'Big Man' ist der Grenzchef, freundlich empfängt er mich und gewährt mir 30 Tage Aufenthalt. Nachdem alles drei- und viermal geprüft und in zig Bücher geschrieben wurde, bin ich nach knappen 2 Stunden in Nigeria. Eine SIM-Karte mit mobilem Internet gibt es für Ausländer im ganzen Land nicht zu kaufen, ich habe mir vor einigen Wochen jedoch bereits eine besorgt die es glücklicherweise auch tut.
Der Weg bis nach Lagos ist nicht weit, rund 80 Kilometer. Auf dem Stück gibt es um die 150 Polizeicheckpoints, eine solche Dichte an Kontrollen habe ich noch niemals in irgendeinem Land gesehen. Manche in Uniform und freundlich grinsend, andere in Zivil, vermummt und bewaffnet. Bis zum Schluss weiß man nicht, ob man von der Polizei oder von Banditen angehalten wird. Mittlerweile geht es mir richtig mies und ich nehme eines der Malariamedikamente, die ich für Notfälle dabei habe. Die Medikamente wirken schlagartig und nach 30 Minuten geht es mir schon deutlich besser, auch das Fieber verschwindet wieder. Trotzdem nehme ich mir vor, am Abend in Lagos in ein Krankenhaus zu gehen.
Lagos erreiche ich nach Stunden, der Verkehr wird dicht und man muss immer 100% präsent sein, die Atmosphäre wirkt wie in einem Endzeitszenario, bei dem alle noch lebenden Menschen sich an einem Ort zusammenrotten und uns Überleben kämpfen. Leute schlagen an meine Scheibe, brüllen mir irgendetwas zu oder rennen soweit sie können neben meinem Auto her. In einem der nördlichen Stadtteile habe ich ein Hotelzimmer reserviert, treffe hier Sunday meinen Bekannten aus Nigeria. Er bringt mich zuerst ins Krankenhaus, der Bluttest ergibt glücklicherweise keine Malaria aber hohe Infektionswerte. Eine Malaria ist dennoch plausibel, die Einnahme der Medikamente verhindert laut Ärztin den positiven Test.
Es gibt Tage, die einen hier maximal herausfordern. Heute gehört definitiv dazu.Baca lagi
Tag 145, 0 Km/18433 Km
21 Januari 2025, Nigeria ⋅ ⛅ 32 °C
Ich treffe am Morgen Sunday wieder und vollgepumpt mit Medikamenten geht es ins Zentrum von Lagos. Wir fahren zunächst ein Stück mit dem lokalen Minibus, neben uns sind noch 6 weitere Passagiere anwesend, dicht zusammengepfercht auf den zwei vorhandenen Sitzreihen. Nach einigen Minuten Fahrzeit macht der Fahrer plötzlich mitten auf der Straße eine Vollbremsung und schlägt einen der Passagiere, der eine Reihe hinter ihm sitzt mit der Faust. Dieser schlägt zurück, beide schreien sich einige Sekunden an, bevor die Fahrt fortgesetzt wird, als sei nichts geschehen. Sunday erklärt mir nachher, dass es wohl ein Problem mit der Haltestelle und dem vereinbarten Preis gab. Geht ja schon gut los.
Wir steigen in Oshodi aus, einem nicht allzu sicheren Teil der Stadt. Sunday empfiehlt mir, mein Handy nicht aus der Tasche zu holen, da es rund um die Busstation Banditen gibt, die einem das Telefon aus der Hand schlagen. An einzelnen ausgewählten Stellen traue ich mich zu fotografieren, was jedes Mal massive Aggressionen aller Drumherumstehenden zur Folge hat. Der Ort wirkt auf mich nicht wirklich gut und schon gar nicht sicher, also bestellen wir uns nach rund 30 Minuten ein Uber um in den Süden von Lagos zu fahren. Während wir warten, kommen vier Männer zu uns, fragen wieso wir fotografieren würden. Sunday erklärt die Situation, schafft es aber nicht die Situation zu entschärfen, ganz im Gegenteil. Er zahlt schließlich einem der Typen 1000 Naira, rund 70 Cent, was dazu führt das die Vier uns schließlich in Ruhe lassen. Später erklärt er mir, dass die Männer sogenannte 'Area Boys' sind, die von der Regierung dazu aufgefordert wurden, in schlechten Stadtteilend für Ordnung zu sorgen. Sie gehören jedoch weder zur Polizei, noch zum Militär, eine Art bewaffneter Bürgerwehr die offiziell nicht existiert und ihr Geld durch Aktionen wie gerade verdient.
Wir fahren weiter zum Idumota Markt, dem größten Markt von Lagos. Auch wenn die Gegend etwas besser sein soll, fühlt es sich nicht unbedingt besser an. Lagos ist eines der übelsten Dreckslöcher in denen ich jemals war. Auf dem Markt sind viel zu viele Menschen auf zu kleinem Raum, Obdachlose, Bettler, komplett nackte und zugedröhnte Männer die mit den Armen wild herumfuchteln, 'White Man'-Rufe, Kleinkinder krabbeln schreiend durch die Menschenmasse. An den Seiten der Straßen fließt durch die offene Kanalisation eine tiefschwarze, stinkende Brühe, überall wird der Toilettengang mitten am Tag direkt in diese Rinnen erledigt, deren Gemisch aus Fäkalien und Müll dann irgendwo ins Meer fließt. Ein paar hundert Meter weiter spielen Kinder in der schwarzen Jauche und spritzen sich mit der Flüssigkeit gegenseitig voll, während andere bis zu den Knien im Wasser stehen und nach irgendetwas verwertbarem fischen. Der Gestank der Abgase sorgt dann am Mittag dafür, dass meine Überlkeit wieder zurückkommt, dazu die Hitze, der Lärm, einfach die Gesamtatmosphäre. Wir besichtigen die Moschee in Idumota und mittlerweile hat es sich rumgesprochen, dass ein Weißer anwesend ist. In Begleitung von einem Pulk von rund 20 Personen geht es in den Keller der Moschee, es gibt keine Beleuchtung außer dem Licht der Handytaschenlampen. In den Kellerräumen gibt es eine Art Schule, viel zu viele Kinder werden in den kleinen Räumen unterrichtet. In den immerhin beleuchteten Zimmern ist die Temperatur noch einmal rund 10 Grad wärmer als oben, die Ventilatoren funktionieren seit Jahren nicht mehr.
Mit dem Tuktuk, welches hier Ke-Ke genannt wird, geht weiter zum Nationalmuseum, in denen einzelne der kürzlich von Deutschland an Nigeria zurückgegebenen Benin-Bronzen ausgestellt sind, der erste und einzige schöne Ort von Lagos. Am Nachmittag habe ich genug und Sunday bringt mich zu einem Restaurant in einem Vorort, in dem es nigerianisches Essen gibt. Das Essen ist unfassbar preiswert und ziemlich gut, entsprechend auch hier der Andrang. Schließlich geht es vor Einbruch der Dunkelheit mit dem Uber zurück zum Hotel. Der Fahrer erzählt uns, dass es nachts so gut wie keine Taxi oder öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Niemand möchte sich dem offensichtlichen Risiko von Lagos in der Nacht aussetzen, alle schließen sich irgendwo ein. Auf dem Weg zum Hotel kommen uns drei Gefängnisfahrzeuge entgegen. Die geschlossene Ladefläche hat einzelne vergitterte Öffnungen aus denen die eingesperrten ihre Arme raushängen lassen. In den sieben Stunden, die wir im Stadtzentrum unterwegs waren, habe ich keinen einzigen anderen Weißen gesehen.
Die Wäscherei ein paar hundert Meter neben dem Hotel hat mittlerweile meine am Morgen angegebene Wäsche fertig und irgendwie schafft es Sunday mir am frühen Abend auch noch zwei neue Ölfilter für den Defender zu besorgen. Was ein Tag in der vielleicht schlimmsten Stadt der Welt.Baca lagi
Tag 146, 0 Km/18433 Km
22 Januari 2025, Nigeria ⋅ ⛅ 32 °C
Auf geht's zum zweiten Tag in Lagos. Mitten im Stadtzentrum gibt es den Stadtteil von Lagos, in den eigentlich niemand möchte. Makoko, eine Art Super-Slum mit 500.000 Einwohnern, auf Stelzen mitten im flachen Schwemmland errichtet. Das mit Abstand schlechteste Viertel der Stadt, vielleicht von ganz Nigeria. Noch am Abend habe ich eine WhatsApp-Nachricht an eine amerikanische Hilfsorganisation geschrieben, welche eine Schule in Makoko gebaut hat und mir die Telefonnummer von Desmond weiterleitet. Desmond ist der Sohn vom Chef von Makoko und ohne ihn wäre ein Besuch von Makoko lebensgefährlich, sogar für Nigerianer. Wir verabreden uns per WhatsApp mit Desmond direkt in Makoko und fahren am frühen Morgen mit dem Uber zum vereinbarten Treffpunkt. Es dauert fast eine Stunde, bis endlich ein Uberfahrer die Fahrt akzeptiert, alle anderen Fahrer stornieren direkt, als sie sehen, was unser Ziel ist. Ganz wohl ist mir tatsächlich nicht, als wir irgendwann in Makoko aussteigen, der Fahrer hinter uns direkt wieder die Türen verschließt und davonfährt. Keine 10 Sekunden auf der Straße, kommen zwei Männer zu uns, fragen ziemlich bestimmt was wir hier tun. "Wir treffen Desmond." sagt Sunday, alleine der Name reicht schon um in Ruhe gelassen zu werden. Desmond taucht auf, ein junger Typ, ordentlich gekleidet und freundlich. Er freut sich sehr, dass sich jemand für den schlimmsten Teil von Lagos interessiert und führt uns durch sein Viertel. Ohne ihn wäre ein Besuch von Makoko aus meiner Sicht vollkommen undenkbar, er ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Stadtviertel. Wir besteigen schließlich ein Boot und fahren durch die Kanäle. Das Wasser ist tiefschwarz und voll mit Müll, die rund um die Kanäle gebauten Stelzenhäuser sind vergammelt, kaputt, eingefallen. Eine Art Anti-Venedig, einer der ärmsten, härtesten Orte in denen ich jemals gewesen bin, an dem es an allem mangelt, angefangen beim sauberen Trinkwasser. Desmond zeigt uns die errichtete Schule und das Waisenhaus derjenigen, die nicht nur in diesem schlimmen Ort wohnen müssen, sondern dazu noch keine Eltern mehr haben. Finanziert wird das Projekt rund um die Schule und das Waisenhaus durch die amerikanische Hilfsorganisation. Mit dem Boot geht es schließlich weiter durch die Kanäle, raus bis aufs offene Meer, wo sich die Abwasser der Stadt, die durch Makoko fließen, langsam mit dem frischen Meerwasser mischen und dafür sorgen, dass hier wieder gefischt werden kann. Direkt vor Makoko steht die zweitlängste Brücke Afrikas, welche nach Viktoria Island führt, dem Villenviertel von Lagos. Nach zwei Stunden fahren wir zurück und Desmond lädt uns in sein Haus ein, während es wieder einmal ewig dauert, bis wir ein Uber finden welches uns abholt. Durch das Wohnzimmer läuft, während wir warten, eine Ratte, was Desmond nicht einmal mit einem Blick kommentiert. Die Tour ist kostenlos, Desmond möchte viel lieber dass von Makoko erzählt wird, mehr Leute sich hierher trauen und sich der Ruf bessert, am Ende zahle ich dennoch das Gehalt des Lehrers der Schule für den kommenden Monat.
Am Nachmittag tausche ich schließlich den Ölfilter im Parkhaus des Hotels. Erster Versuch: der Filter ist zu lang, passt nicht in die Öffnung. Sunday zieht los um einen kürzeren zu besorgen. Dann Versuch zwei: Filter zu kurz. Das Risiko hier einen willkürlichen, kürzeren Filter einzubauen und evtl. einen Motorschaden zu riskieren ist mir zu hoch, also zieht Sunday ein drittes Mal los. Ohne Filter kommt er zurück, er möchte den Original-Filter als Muster mitnehmen. Wohl ist mir dabei nicht, ohne Filter kann ich den Motor nicht starten. Gefühlte 100 Mal sage ich ihm, dass er gut auf den Filter aufpassen soll (was er dann auch tut), schließlich kommt Versuch 3 und siehe da: der Filter passt nicht! Gewinde zu klein. Nach 3 Stunden baue ich alles zurück und den alten Filter wieder ein, der muss es jetzt halt bis Angola tun.Baca lagi

PengembaraDie Bilder sind toll. Der Ort wirkt nicht schrecklich und gefährlich, sondern auf seine Weise schön. Absolut authentisch. Das sind eigentlich die Orte, die man gerne erleben will auf der Welt und von denen es nicht mehr all zu viele gibt. Nur aufgrund des Berichts kann man erahnen, wie der Ort wirklich ist. Wie es riechen könnte…. und welche Armut und Elend hier herrschen. Dann ist es nicht mehr schön. Danke fürs Mitnehmen an diesen Ort!

PengembaraDu hast auf deiner Reise schon viel Armut und Elend gezeigt aber die Bilder von heute sind erschütternd. Wie soll sich da etwas zum Besseren ändern

PengembaraHallo Marvin, ich möchte gerade nicht mit dir tauschen mit all der Anstrengung , die du erlebst. Aber für die Eindrücke, die du mit uns teilst, bin ich dir sehr dankbar 🙏- sie sind faszinierend , wecken ein demütiges Gefühl in mir , aber auch viel Dankbarkeit für unser Leben hier !Alles Gute weiter auf deiner Reise 🍀🍀
Tag 147, 198 Km/18631 Km
23 Januari 2025, Nigeria ⋅ ⛅ 27 °C
Statt den dritten Tag in Folge in Lagos zu verbringen, fahren wir am Morgen mit Heiner rund 100 Kilometer weiter in den Norden in die Stadt Abekouta. Hier steht der Olumo Rock, um den die Stadt einst herumgebaut wurde. Der Weg dorthin führt uns durch den Norden von Lagos und am frühen Morgen ist der Verkehr schon ziemlich intensiv, defensive Fahrweise ist hier alles andere als angebracht, wenn man irgendwie aus dem Stadtzentrum kommen möchte. Der Highway nach Abekouta ist sechsspurig, gut ausgebaut und angenehm zu fahren, auch wenn aus den sechs Spuren eigentlich 12 gemacht werden. Sunday ist ziemlich angespannt, als wir die Stadt erreichen, mahnt mich immer wieder dazu an, die Fenster zu schließen, selbst bei hohen Geschwindigkeiten. Die Stadt ist ziemlich heruntergekommen, die Straße im Zentrum total kaputt, Wellblechhütten bis zum Horizont, in alle Richtungen. Wir erreichen den Felsen, der von einem rund 6 Meter hohen Zaun mit Stacheldraht umrandet ist und zusätzlich von mehr als 10 Sicherheitsleuten am Eingangstor bewacht wird. Hinter dem sich öffnenden Tor scheint die Welt in Ordnung, zumindest werden wir wie üblich penetrant von allen Seiten mit 'Money, Money!' angesprochen. Der Stein ist relativ unspektakulär, ein zugebauter Felsen mit rund 50 Meter Höhe, die Aussicht von oben auf die Stadt ist jedoch wirklich toll. Auf dem Weg nach oben gibt es immer wieder Stellen, an denen Einheimische zum Teil zu viert sitzen und einen nur gegen Zahlung einer Gebühr durchlassen. Als wir oben auf dem Felsen stehen, höre ich mehrfach Schüsse in der Stadt. Sunday meint, die Schüsse waren Freudenschüsse in die Luft. So muss es sein. Ganz bestimmt.
Ab ins Auto, Türen verriegeln, Fenster zu und zurück nach Lagos. Wir gehen am späten Nachmittag zusammen etwas Essen, Sunday bringt mich in einen Foodcourt wo er selber bei Dominos Pizza arbeitet und daher alle Leute vom Sicherheitspersonal bis hin zum Koch kennt. Er arbeitet in dieser Pizzeria 7 Tage in der Woche jeweils 12 Stunden pro Tag, 365 Tage im Jahr, wenn er nicht seinen Chef um 5 freie Tage anbettelt, die er dann mit mir im Stadtzentrum verbringen kann. Er schläft in einem kleinen Hinterzimmer des Geschäfts mit allen anderen männlichen Angestellten zusammen in einem einzigen Raum. Seine Frau und seine zwei Kinder leben rund 500 Kilometer außerhalb von Lagos in einem kleinen Dorf, sehen tut er sie kaum. Schon vor einigen Tagen habe ich ihm nach meinem Empfinden einen angemessenen Lohn für seine Hilfe in Nigeria gezahlt, später erzählt er mir, dass dies ein Halbjahreslohn für ihn war. Neben der Pizzeria gibt es viele weitere Restaurants, wir essen dort, wo es nigerianisches Essen gibt und eigentlich müsste ich es mittlerweile besser wissen...es gibt Ei vermischt mit püriertem Fisch, dazu Huhn und zermanschte Yamswurzeln. Alles super scharf, alles schmeckt nur nach Fisch. Mit dem KeKe geht es schließlich zurück zum Hotel. Abends erzählt mir Sunday noch, dass er früher einmal in einer Bank in Ibadan, wenige Kilometer weg von Lagos gearbeitet hat. Der Job war besser bezahlt, die Arbeitszeiten kürzer und er konnte öfter seine Familie sehen. Nach dem dritten bewaffneten Raubüberfall in drei Jahren wollte er jedoch lieber einen Job, bei dem er etwas älter werden kann.Baca lagi

























































































































































































































































































































































































































