Zwei gemeinsam auf einsamen Wegen
17. marts 2019, New Zealand ⋅ ⛅ 16 °C
Seit Freitag sind wir wieder vereint... die Ereignisse in Christchurch haben uns bereits einen Tag früher als geplant wieder zusammengebracht und so ist das Wiedersehen doch nicht erst wie ursprünglich verabredet am Bahnhof von Kaikoura erfolgt. Hat aber auch etwas Gutes, denn auf diese Weise können wir beide es uns gemeinsam im Bistro des Scenic Pacific Coast Train gemütlich machen, der uns von Christchurch nach Kaikoura befördert, und bei einem schönen heißen Cappuccino die tolle Landschaft der Pazifikküste Neuseelands aus den riesigen Panorama-Fenstern des Zuges genießen. Als wir in langsamen Tempo direkt am Wasser entlangfahren und in der Ferne einen großen Schwarm von Delfinen im Wasser springen sehen, ist der aufregende letzte Tag in Christchurch bereits fast vergessen 🙂
Die nächsten drei Tage werden wir abseits von jeglicher Hektik und aufwühlenden Ereignissen im Hinterland von Kaikoura verbringen und den dreitägigen Kaikoura Coastal Track durchwandern. Dieser Track wurde vor knapp 20 Jahren von einigen ansässigen Farmern ins Leben gerufen, die gegen eine Gebühr ihr äußerst weitläufiges Land und Unterkünfte für eine Wanderung durch wilde einsame Natur zur Verfügung stellen. Maximal zehn Personen starten ihren Marsch pro Tag, so dass man die schöne Landschaft zum größten Teil ganz für sich alleine hat und ungestört die Natur auf sich wirken lassen kann. Genächtigt wird mit den anderen Wanderern gemeinsam in gemütlichen kleinen Cottages mit kleiner Küche, Gemeinschaftsraum und einem warmen Kaminofen. Der Track führt uns entlang der endlos wirkenden grauen Strände von Kaikoura, vorbei an schroffen hohen Felsklippen, über weite Schafs- und Kuhweiden bis hinauf auf die Gipfel des hügeligen Hinterlandes, von denen man einen wundervollen Panoramablick über das türkisblaue Meer, die flachen vorgelagerten Felder, grasbewachsene Hügellandschaften bis hin zu den steilen Bergen der Kaikoura Ranges (eine alpenähnliche Bergkette) hat. Auf dem Weg erwarten uns unter anderem einsame Robben, die sich faul im kiesigen Sand suhlen und uns mit neugierigen Blicken begutachten als wir ihr Revier kreuzen, feige neuseeländische Schafe, die bereits Reißaus nehmen, sobald wir uns auch nur auf 50 Meter nähern (Susi und ich vermuten, dass sie wahrscheinlich befürchten, dass wir sie zu der flauschigen Merinowolle verarbeiten wollen), süße kleine zutrauliche Vögel mit einem auffälligen fächerartigen Schwanz (so genannte „Faintails“), die uns wie Schmetterlinge über große Strecken treu durch ihren Wald begleiten, das dickste und auch hässlichste Schwein, welches uns in unserem Leben bisher untergekommen ist (fast hat es einem für seine außerordentlich unschöne Fratze schon Leid getan und eigentlich war es auch ganz lieb...) und ein ganzes Beet von märchenhaften Fliegenpilzen (zum Glück haben wir im Kindergarten gut aufgepasst, dass wir hiervon lieber die Finger lassen sollten). Außer uns sind die Tage auch nur echte Kiwis aus Christchurch auf dem Track unterwegs, darunter vier Damen, die sich selbst als „Real New Zealand‘s Chicks“ bezeichnen und ihre Männer und Kinder daheim gelassen haben, um am Wochenende mal so richtig die Sau rauslassen zu können (bei Wein und Bier wird dann auch nicht gespart 😀). Die Mädels sind auf jede Fall gut drauf, locker und aufgeschlossen und es tut gut, einfach mal nur unter Einheimischen zu sein statt sich die üblichen Traveller-Geschichten anzuhören. Wir spüren, dass die Kiwis ihr Land wirklich lieben und die schlimmen Ereignisse von Christchurch sie wirklich tief bewegt haben. Schließlich ist es ihr Land, welches doch bisher immer als absolut sicheres Schlaraffenland für ihre Kinder und Familien galt...
Wir verbringen auf jeden Fall tolle drei Tage auf dem Track, die uns wunderbar entschleunigen hat, und nehmen neben schönen Eindrücken auch einen angenehmen Muskelkater mit auf unsere Weiterreise in die Küstenstadt Kaikoura, in der uns hoffentlich bereits Wale und Delfine sehnsüchtig erwarten 😀Læs mere
Kia Ora from Kaikoura
21. marts 2019, New Zealand ⋅ ⛅ 17 °C
Kaikoura heißt uns willkommen („Kia Ora“ ist übrigens der maorische Ausdruck für „Herzlich Willkommen“). Hier schlagen wir für die nächsten Tage in dem Hostel „Seaside View Lodges“ unser Lager auf. Gemeinschaftsbäder und große Gemeinschaftsküche gehören ja inzwischen praktisch schon zu unserem Standard, um den auf Dauer unbezahlbaren Hotelzimmern zu entgehen. Und wir können uns mit unserer Auswahl auch wenig beschweren. Die Unterkunft hält was der Name bereits verspricht: Aus einem großen Panoramafenster blicken wir auf die weite steinige Bucht, das blaue Wasser und die hohen dahinterliegenden teilweise wolkenverhangenen Berge der Kaikoura Ranges. Ein toller Ausblick. „Dolphins often come into this bay, mainly in the morning“ prahlt unser Host außerdem und hat sich damit sofort unsere volle Aufmerksamkeit gesichert. Unser Host ist ein Maori (Ureinwohner Neuseelands) wie aus dem Bilderbuch: sonnengebräunte, dunkle Haut, langes lockiges Haar, gestutzter Vollbart, Arme (und wahrscheinlich auch noch weitere Körperteile) durch großflächige Tatoos verziert, wahrscheinlich vom Alter so Ende 40. Er stellt sich uns mit „Storm“ vor, wobei wir beide nicht ganz sicher bin, ob er sich diesen einprägsamen und coolen Namen vielleicht einfach selber gegeben hat 😉 Storm ist sehr offen, locker, kontaktfreudig und hilfsbereit und wird uns in den nächsten Tagen noch häufiger unseren Aufenthalt versüßen (es wird mir wohl noch länger in Erinnerung bleiben, wie er uns abends heroische Lagerfeuer-Geschichten seiner Online-Spiele-Vergangenheit erzählt hat und seine Heldentaten von einem fiesen höhnischen Lachen begleitet wurden...). Auf die versprochenen Delfine in der Bucht warten Susi und ich dann aber leider vergebens, auch wenn wir jeden Morgen erwartungsvoll aus unserem Fenster gestarrt haben... Macht aber nichts, da wir ohnehin in Kaikoura eine Tour zum Delfine-Beobachten gebucht haben, aber dazu unten mehr.
Kaikoura befindet sich auf einer weiten fingerförmigen Halbinsel, die in den pazifischen Ozean ragt. Es liegt direkt am pazifischen Feuerring und so wurde 2016 das Dorf leider durch ein schweres Erdbeben der Stärke 7.8 schwer beschädigt und selbst heute noch sieht man Überbleibsel der Schäden und die sicherlich noch viele weitere Jahre andauernden Aufräum- und Reparaturarbeiten. Besonders charakteristisch ist, dass sich durch das Erdbeben der Meeresgrund bis zu 4 Metern angehoben und das komplette Küstenbild verändert hat. Wo vor einigen Jahren noch lange Kiesstrände in den Ozean liefen, erstrecken sich inzwischen schroffe, weit ins Meer vorgelagerte Korallenplatten, die das Erdbeben zum Vorschein gebracht hat. Kaikoura zählt als einer der besten Orte Neuseeland, um Robben, Delfine und Wale zu beobachten. Und so nutzen Susi und ich unseren Aufenthalt, um uns beiden jeweils einen Traum zu erfüllen, der schon lange in unserem Kopf rumschwirrt. Ich möchte unbedingt einmal in meinem Leben mit Delfinen schwimmen, während Susi es kaum erwarten kann, einmal einen großen Wal in freier Natur zu beobachten. Und so haben wir für den ersten Tag unseres Aufenthalts eine Dolphin Swimming Tour (Susi wird das Spektakel als Zuschauer beobachten) gebucht, während uns am darauffolgenden Tag als weiteres Highlight eine Whale Watching Tour erwartet 🙂
Tag 1: Aufgeregt stehe ich am frühen Morgen auf und blicke aus dem Fenster. Das Wetter scheint mit uns zu sein, denn nach den teilweise trüben und regnerischen vergangenen Tagen lacht uns heute Morgen die Sonnen entgegen. Wir haben extra eine frühe Tour am Morgen gebucht, da das Meer dann in der Regel etwas ruhiger sein soll und wir nicht in die Gefahr von Seekrankheit laufen. Denn die Tour ist eine „Open Water Experience“, was bedeutet, dass wir relativ weit vor die Küste mit dem Boot hinausfahren und dann im offenen Ozean schwimmen werden. Habe ich bisher auch nicht gemacht und ich gestehe, dass die Vorstellung hunderte Meter Wasser unter sich zu haben auch ein klein wenig Unbehagen hervorruft. Am Tour-Stützpunkt angekommen, schlüpfe ich in meinen Wetsuit (inzwischen bin ich die zweite Haut ja schon gewohnt), höre noch eine Sicherheitsbelehrung und einige Hinweise, wie man am besten die Aufmerksamkeit der Delfine auf sich zieht, und dann geht‘s auch schon los aufs Boot. Die Suche nach Delfinen beginnt. Die Tour vor uns soll bereits gut verlaufen sein, gutes Wetter und viele Delfine. Meine Erwartungshaltung steigt... Nach ca. 30 Minuten Bootstour entlang der Küste Kaikouras stoßen wir dann auch bereits auf den ersten Schwarm von Delfinen. Unbeschreiblich viele Delfine (es müssen bestimmt 100 oder mehr sein) gleiten durch das Wasser, neben und unter dem Boot entlang, oder zeigen mit kühnen Sprüngen und Saltos ihr akrobatisches Geschick. Wahnsinn! Wunderschöne Tiere und mit einer solchen Anzahl hätten wir nicht gerechnet. Der Kapitän gibt mit einer lauten Sirene das Zeichen, dass wir ins Wasser können und in voller Montour mit Schnorchel und Flossen gerüstet springe ich dann ins kühle Nass. Tatsächlich ist das Meer kühler als erwartet und ich bin froh, dass mich der Neopren-Anzug schön warm hält. Wie von unseren Guides empfohlen, machen wir mit animalischen Lauten so gut es geht auf uns aufmerksam. Ich selbst beginne unter Wasser eine Melodie zu summen, was sich gar nicht mal als so einfach herausstellt, da ich ja nebenbei auch noch Luft holen muss. Meine Melodie ist somit sicherlich alles andere als bühnenreif, aber die Delfine scheinen zum Glück nicht allzu wählerisch zu sein (oder aber noch schlimmeres gewohnt zu sein 😉). Denn sie schwimmen neugierig um uns und unter uns. Aber wie flink sie sind. Und das Wasser ist trüber als ich dachte, unter Wasser wirkt alles wie ein dichter Nebel. Trotzdem kann ich einige Male beobachten, wie dicht neben oder unter mir eine Gruppe Delfine vorbeizieht. Mit einem der Delfine versuche ich ein sogar ein kleines Tänzchen zu machen und beginne mich zu drehen, während ich von ihm umkreist werde. Ein tolles Gefühl, ihm in greifbarer Nähe in die Augen schauen zu können. Susi scheint das Erlebnis ebenfalls von Bord aus bestens genießen zu können, hat sie doch einen wunderbaren Blick auf das Gewusel im Wasser. Wie wir später erfahren, haben wir heute sogar drei verschiedene Spezies von Delfinen gesehen: die Dusky Dolphins (die häufigsten Delfine Neuseelands), die Common Dolphins (die häufigsten Delfine weltweit) und die Hector Dolphins (eine sehr seltene Rasse, die nur in Neuseeland existiert). Voller Erfolg also und ein wirklich einmaliges Erlebnis, was jeden Euro wert gewesen ist und was ich mit einem zufriedenen Lächeln von meiner Bucket List streichen kann 🙂
Tag 2: Wir machen uns erneut am Morgen auf den Weg zum Hafen. Heute sollen wir einer weiteren majestätischen Spezies des Ozeans begegnen: Pottwale. Die Männchen dieser riesigen Meeressäuger halten sich praktisch das ganze Jahr über vor der Küste Neuseelands auf und sind außer in dieser Region ansonsten nur noch im hohen Norden Norwegens zu beobachten. Heute müssen wir auch noch ein Stückchen weiter aufs Meer hinaus als gestern zur Delfinbeobachtung, so dass wir mit einem flotten Schnellboot über das Meer flitzen. Die Kabine schaukelt ganz ordentlich als wir über die zum Glück relativ niedrigen Wellen springen und wir sind beide ganz froh, provisorisch ein paar Tabletten gegen Seekrankheit genommen zu haben (so dass wir nicht von den tollen Spuckbeuteln Gebrauch machen müssen). Während der Fahrt bekommen wir von unserem Guide an Bord noch einige Fakten über das Boot, Kaikoura und dessen Meereswelt vermittelt. Wir merken allerdings beide, dass der Guide seinen Text mehrmals täglich runterrasseln muss und daher die wirkliche Begeisterung in seinen Augen vergeblich zu suchen war. Ist aber nicht weiter schlimm, denn wir sind ja auch nicht wegen des Guides hier, sondern wegen der Wale. Nach ca. 30 Minuten macht das Boot einen kurzen Stop und eine der Angestellten versucht mit einem Unterwassermikrofon Wallaute zu orten. Und tatsächlich empfangen wir nur eine knappe Meile vor uns ein Signal. Der Kapitän heizt den Motor wieder an und rast zum vermuteten Aufenthaltsort des Meeresgiganten. Und tatsächlich, wenige Minuten später gleitet er in naher Entfernung vor uns, wie ein großer schwimmender Felsen ragt ein Bruchteil des steingrauen Oberkörpers und die verhältnismäßig kleine Flosse aus dem Wasser. In Abständen von ca. 10 Sekunden wird eine Wasserfontäne von dem grauen Riesen hoch in die Luft geprustet. Die Sonnenstrahlen erzeugen bei jedem Atemzug einen kleinen Regenbogen in dem dadurch zerstäubten Wasserdunst. Wunderschön anzusehen!!! Pottwale befinden sich meist nur wenige Minuten an der Wasseroberfläche, dann tauchen sie wieder für 45 Minuten bis zu mehrere hundert Meter unter. Ein stetiger und vorhersagbarer Rhythmus. Auch unser Exemplar macht hier keine Ausnahme und so setzt er nur kurze Zeit später zu seinem nächsten Tauchgang an. Ein kurzer magischer Moment, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Der Oberkörper wölbt sich elegant und geschmeidig ins Wasser, begleitet vom charakteristischen Aufrichten der monströsen Schwanzflosse, die so viele Postkarten und Urlaubsfotos ziert. Und dann ist er auch schon wieder spurlos verschwunden.... Ein kurzer Augenblick, aber einzigartig und mit Sicherheit unvergesslich.
Anmerkung: Der Name Kaikoura stammt übrigens von den maorischen Worten „Kai“ (= Essen) und „Koura“ (= Flusskrebs) ab und ist berühmt für seine vorzüglichen „Crayfishs“. Auch wenn Susi und ich zunächst etwas skeptisch gegenüber diesem kulinarischen Genuss sind, wollen wir uns den Leckerbissen nicht entgehen lassen. Und so teilen wir uns zum Mittag einen der nicht ganz günstigen Krebse, zubereitet so wie es sein muss: frisch gefangen, noch lebend aus dem Becken und dann mit etwas Knoblauchbutter auf den Grill. Schmeckt wirklich ganz gut, von der Konsistenz etwas wie Hühnchen, aber mit dem typischen Geschmack von Meer 🙂 Trotz der kulinarischen Freude haben wir anschließend aber auch ein etwas schlechtes Gewissen hinsichtlich der armen Meerestiere, die die makabere Zubereitung über sich ergehen lassen müssen und sind uns beide einig, dass dieses Gericht zukünftig sicherlich nicht auf unserer Standard-Menükarte erscheinen wird...Læs mere

RejsendeOMG wie großartig!😍 Das möchte ich auch unbedingt mal machen! Da bin ich jetzt ja wirklich ein bisschen neidisch aber ich gönne es euch natürlich😉 Danke für die tollen Bilder und Eindrücke. Bin immer wieder beeindruckt wie ihr die Zeit findet einen so tollen Reiseblog zu schreiben👍💕
Doesn't feel like a capital city...
24. marts 2019, New Zealand ⋅ ⛅ 20 °C
Unser erster Tag auf der Nordinsel Neuseelands. Wir blicken in die weite Hafenbucht von Wellington, auf dem Wasser tummeln sich große Kreuzfahrtschiffe und Fähren, aber auch kleine Motorboote, Kayaks, Jetskis und ein paar ambitionierte Schwimmer. Entlang der Promenade reihen sich unzählige reizvolle Kaffees und Kneipen, an jeder Ecke springen mutige Schwimmer von hohen Plattformen ins Hafenbecken, überall kleine Märkte mit lokalem Kunsthandwerk und kleinen Leckereien, um uns herum der laute Bass aus Richtung der Bühne des heute stattfindenden Jim Beam Festivals, in der bunten Cuba Street wimmelt es von Straßenmusikern und internationalen Bars und Restaurants, in nicht allzuweiter Ferne der Blick zu den umliegenden Hügeln, die von schönen farbigen Stadtvillas bevölkert werden... die Hauptstadt Neuseelands fühlt sich so gar nicht so sehr nach Hauptstadt an. Wo sind all die Geschäftsmänner und Politiker im Business Dress? Wo die pompösen Staatsgebäude? Wo die finanzträchtigen Hochhäuser? Mit nicht mal einer halben Million Einwohnern ist Wellington sicherlich auch eine der kleineren weltweiten Hauptstädte, aber es wirkt so gar nicht „busy“ wie man dies normalerweise erwarten würde. Vielmehr fühlt es sich teilweise an als verbringen wir gerade ein paar Tage in einem beliebten und entspannten Ferienort. Die Innenstadt von Wellington ist enorm kompakt und ganz bequem in einem Nachmittag zu Fuß zu erkunden. Von welcher europäischen Großstadt könnte man das schon noch behaupten?
Unsere Unterkunft befindet sich in dem kleinen Vorort Petone. Eine gute Wahl, denn mit dem Bus sind wir ohne Probleme in weniger als 30 Minuten in der Innenstadt und ein Auto haben wir erst ab Montag gemietet. Wir übernachten in der schönen Dachgeschosswohnung eines älteren Ehepaars, die total putzig sind und uns herzlich begrüßen (als wir am ersten Morgen aus unserem Fenster schauen, sehen wir, dass für uns extra die Deutschlandfahne auf dem Grundstück gehisst wurde 😄). Die beiden Tage in Wellington gehen schnell vorbei, aber fühlen sich gar nicht mal so stressig an wie dies nicht selten bei Städtereisen normalerweise so ist. Wir lassen uns Zeit, machen immer wieder Halt an einem schönen Bänkchen, schießen Fotos, genießen einen der vielen guten Kaffees, schlendern durch die Straßen und die Hafenpromenade, entdecken immer wieder hübsche Street Art Kunstwerke, machen wieder Halt, schießen ein paar Fotos, lauschen einem Straßenmusiker, schlendern wieder weiter, trinken noch einen Kaffee, vielleicht auch noch etwas Süßes dazu, schauen auf die schöne Hafenbucht, lassen das Treiben um uns herum wirken, ziehen wieder weiter,... 🙂 Natürlich sind bei einem Stadtbesuch mittlerweile zwei Dinge auch nicht mehr für uns wegzudenken: erstens, die Suche nach dem obligatorischen Street Piano, auf dem Susi Ihre Fingerabdrücke und lieblichen Melodien verewigen kann, und zweitens der obligatorische Besuch des botanischen Gartens (nach unserer Reise könnten wir wahrscheinlich ein eigenes Buch nur über die verschiedenen botanischen Gärten dieser Welt verfassen 😉). Beim Street Piano werden wir auch tatsächlich fündig, direkt an der Promenade gelegen, mit schönem Blick auf die Bucht, wie immer ein wenig verstimmt, aber den vielen freiwilligen und unfreiwilligen Zuhörer scheint dies kaum aufzufallen (nur Susis feines und anspruchsvolles Gehör muss etwas leiden 😊). Auch der botanische Garten ist absolut lohnenswert, wirklich eine echte Oase und riesig groß (Susi und ich verlaufen uns mehrere Male trotz unzähliger Hinweisschilder bis wir schließlich das Besucherzentrum erreichen... bittere Realität, wenn man mal ohne Google Maps unterwegs ist 😉).
Am zweiten Tag besuchen wir dann auch noch ein Naturschutzgebiet inmitten von Wellington, in dem es eine große Vielfalt der neuseeländischen Vogelwelt zu bestaunen geben soll. Mit großen Erwartungen betreten wir „Zealandia“ und werden auch bereits nach wenigen Schritten von Unmengen an Vogelstimmen begleitet. Ein akustisches Erlebnis, nur leider tun wir uns etwas schwer die kleinen Sänger im dichten Gestrüpp auch zu sichten, so dass das visuelle Erlebnis etwas auf der Strecke bleiben muss... lediglich ein lustiger gefiederter Freund mit charakteristischen weißen Bommelchen unterhalb des Schnabels stellt sich uns regelmäßig und ohne Scheu zur Schau. Auch schön 🙂 Wir werden am Ende unseres Aufenthalts dann aber doch noch mit einer kleinen Rarität belohnt: wir bekommen eines der weltweit ältesten Reptilien zu Gesicht. Der „Tuatara“ (oder auch Brückenechse) existiert schon seit 150 Millionen Jahren und ist inzwischen nur noch an wenigen Orten Neuseelands zu finden. Wir können also zu Recht behaupten, auf unserer Reise nun auch Dinosaurier gesehen zu haben 😀
Noch ein Anmerkung: Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie sehr sich Neuseeland auch über „Herr der Ringe“ definiert. Immer wieder findet man in den Gassen irgendwelche Skulpturen oder Bilder aus diesem Epos. Von den unzähligen Ausflugsangeboten zu den verschiedenen Filmsettings mal ganz abgesehen... Ich selbst habe schon angefangen, in manchen daherlaufenden Schülern Frodo persönlich wiederzuerkennen 😂Læs mere
Brausende Lüftchen am Castlepoint
25. marts 2019, New Zealand ⋅ ☀️ 22 °C
Nachdem wir wunderschöne Tage in Wellington verbracht haben und das Wetter wirklich sich von seiner schönsten Seite gezeigt hat, ziehen wir nun weiter.
Wir haben uns wieder ein Auto gemietet, welches uns in den nächsten zwei Wochen begleiten wird ( und uns hoffentlich keine Sperenzchen bereitet!!! ).Unser Ziel ist heute Castlepoint. Es ist eine kleine Stadt an der Wairarapa-Küste in der Region Neuseeland. Das besondere ist , dass hier ein Leuchtturm zu finden ist, der an einem Kliff steht. Wir haben gehört, dass es ein einsam und verlassener Naturabschnitt sein soll, dennoch fahren wir mit eher niedrigen Erwartungen hin, da wir doch immer wieder noch den Massentourismus im Kopf haben, der doch leider auch immer wieder etwas die Schönheit der Natur in Schleier versetzt. Aber wir werden positiv überrascht. Angekommen werden wir von diesem wunderschönem Kliff und Strandabschnitt angezogen, sodass wir erstmal den einsamen Strandabschnitt entlang spazieren, die Ruhe und Verlassenheit geniessen. Teilweise wirkt es schon etwas wüstenartig, dann hat man aber auch wieder den Blick auf die grüne Hügel/Berglandschaft und einen kleinen Waldabschnitt vor sich. Zusammengefasst, es ist einfach alles an Natur dabei. Vom Strandabschnitt aus erkennen wir, dass es eine kleine Wanderstrecke gibt, die in uns das Interesse geweckt hat. Also nichts wie hin. Jens braucht man da ja garnicht erst zu fragen, aber auch ich bin nicht abgeneigt, auch weil der Weg jetzt nicht so endlos weit aussieht ;-). Der Weg hat trotz seiner Kürze wirklich einiges an Ausblicken zu bieten. Blicke hinaus über andere Küstenabschnitte, endlose Weite und leere. Dazu noch ein brausender Wind. Alles in allem ist dieser Naturabschnitt von Castlepoint es wirklich wert gewesen zu erkunden und es hat wieder mal für einen kurzen Moment gefühlt die Welt angehalten während wir versucht haben diese Natur in uns auf zu saugen.
Der Abschluss des Tages wird uns auch noch versüßt , da wir wirklich mal wieder Glück mit der Unterkunft haben. Eine Familie mit drei Kindern, die einen kleinen Bauernhof betreibt, mit Hühnern, Lämmchen und Kühe. Nicht zu vergessen , einen ganz süßen Hund, der sobald man seinen Namen ruft angerannt kommt und schmusen möchte. Die Gastgeber sind super nett und warmherzig, die Unterkunft ist wirklich super. Wir lernen den Unterschied zwischen weißen und für uns normalen Hühnern kennen ( ich wusste garnicht, dass es solche weiße Federhühner gibt) und das die Lämmchen total verrückt nach Weinblättern sind.
Wir können uns glücklich schätzen, so einen tollen Tag erlebt zu haben!
PS: Das kleine Video ist wieder von mir mit einem persönlichen Musikstück untermalt.Læs mere
Zeitvertreib von Sparfüchsen
27. marts 2019, New Zealand ⋅ ☁️ 19 °C
Manchmal erscheint es so als sei Reisen eine nicht endene Kette von absoluten Highlights und Sehenswürdigkeiten, die sich gegenseitig zu übertreffen versuchen. Ein „Wow“ Erlebnis jagt das nächste, immer neue Eindrücke prasseln auf uns ein, Explosionen von einzigartigen Momenten und Emotionen. Zum Glück gibt es aber auch bei Reisenden so etwas wie einen unspektakulären und halbwegs gewöhnlichen Reisealltag und das ist auch gut so. Denn unser Kopf braucht manchmal auch einfach etwas Ruhe und Leere, um die Erlebnisse zu verarbeiten und sacken zu lassen, die Eindrücke reflektieren zu können. Die vergangenen drei Monate waren sehr intensiv. Durch das überwiegend wunderschöne sonnige Wetter war jeder Tag eine Verführung für einzigartige Ausflüge in der Natur und hat kaum Raum für echte Muse gelassen.
Inzwischen ist aber auch in Neuseeland der Frühherbst angekommen, das Wetter wird instabiler, kühler und regnerischer. Der graue Himmel senkt die Motivation für Ausflüge und lässt uns manchmal auch wieder etwas träger werden. Es gibt zwar auch für Regentage unzählige Angebote für so genannte „Once in a lifetime experiences“ in der Umgebung, die ohne Probleme den ganzen Tag füllen können, aber gerade hier im Norden Neuseelands merken wir, dass die Kiwis gelernt haben, jegliche Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse auch gewinnbringend zu vermarkten. Viele Attraktionen kosten Eintritt oder werden nur als Tour-Paket angeboten. Und so hat fast jede Unternehmung auch ihren Preis (im Gegensatz zu den vielen Naturerlebnissen unserer bisherigen Reise, die doch weitestgehend kostenlos gewesen sind). Und viele Attraktionen scheinen sich auch zu wiederholen. Fast jede Region bietet Rafting-Touren, Treetop Walks, Mountain Biking, Bungee-Jumping und Farm Visits an, natürlich in den Flyern immer als „New Zealand‘s Finest“ und TripAdvisor #1 angepriesen.
Als Langzeit-Reisende schauen wir natürlich auch etwas bewusster auf unser Budget, wissen den unzähligen Verlockungen zu widerstehen, die Werbeslogans richtig zu deuten und sind inzwischen bereits schon gut geübt darin, auch die vielen „Free Things to Do“ wahrzunehmen, die meistens erst auf den zweiten Blick in den Sinn kommen, die häufig aber sogar weniger touristisch und authentischer sind und mit denen sich ebenfalls hervorragend die Zeit vertreiben lässt. Beispiele hierfür sind: Besuche der öffentlichen Büchereien, kostenlose Kunstausstellungen, kleine Spaziergänge durch botanische Gärten, Parks oder entlang der Strandpromenade, Coffee Tasting in stylischen Coffee Shops (nicht ganz kostenlos, aber unverzichtbar 😉), Reiseblogs schreiben (so wie jetzt gerade), ein gutes Buch lesen oder Hörbuch hören, Serien- oder Filme bei Amazon Prime schauen (wesentlich günstiger als ins Kino zu gehen), Quatschfotos machen, durch die Städtchen schlendern und Street Art bestaunen, öffentliche Pianos bespielen (sofern vorhanden), Nachts in den Wald fahren und nach Glühwürmchen suchen, in natürlichen heißen Quellen baden, etwas leckeres selber Kochen, mal wieder etwas Sport machen, und vieles mehr...
Und dann sind da natürlich auch noch die gewissen Pflichten von Reisenden, die ebenfalls den Alltag prägen, wie z.B., das nächste Reiseziel festlegen, Unterkünfte heraussuchen und buchen, Bewertungen für Unterkünfte schreiben, Gepäck auspacken und am nächsten Tag wieder einpacken (und dabei jedes Mal wieder festzustellen, dass es doch vorher irgendwie besser in den Rucksack gepasst hat), Wäsche waschen und trocknen, Ausgaben notieren und Reisekasse sortieren, von A nach B fahren, die Einkäufe für den Tag erledigen, und so weiter...
Irgendwie gibt es also immer etwas zu tun. Das Schöne auf Reisen ist jedoch: Jeder Tag ist doch irgendwie anders und einzigartig, etwas ganz Besonderes und wir nehmen die Zeit viel bewusster wahr als den üblichen Alltag zu Hause.
Unser Road Trip führt uns momentan zügig Richtung Norden, wo wir uns etwas mehr Zeit lassen wollen. Auf unseren Zwischenstopps liegt für die nächsten Tage das schöne, gepflegte Küstenstädtchen im Art-Deko Stil „Napier“ und der große „Lake Taupo“. Hier verbringen wir entspannte und ruhige drei Tage mit Street Walks, Kaffee Trinken, Honey Tasting (sündhaft teurer Honig, aber das Tasting war zum Glück umsonst), planschen in heißen Quellen, besichtigen tosenden Wasserfällen, fahren zu hochgelegenen Aussichtspunkten und machen viele der oben genannten „alltäglichen“ Dinge 😀 Uns wird alles andere als langweilig, aber dennoch haben wir ausreichend Zeit, um auch wieder mal etwas herunterzukommen und uns auch Gedanken über die Weiterreise machen zu können...
Bemerkung: Da wir ja inzwischen relativ spontan von Tag zu Tag reisen, lernen wir viele interessante Fakten über unsere Reiseziele erst während unseres Besuchs oder sogar erst danach kennen. So wurde der Ort Napier zum Beispiel im Jahr 1931 bei einem Erdbeben nahezu vollständig zerstört, aber mit dem Einsatz von Helfern, Regierung und Einwohnern in nur knapp zwei Jahren wieder vollständig aufgebaut. Beeindruckende Leistung, wenn ich daran denke, welcher lausige Fortschritt auf manchen Baustellen zu Hause erzielt wird... 🙂 Die Fakten, die ich inzwischen über den Lake Taupo recherchiert habe, beeindrucken mich nicht minder. Dieser große See (von der Fläche etwa vergleichbar mit dem Bodensee) ist in Wirklichkeit der Kratersee eines Supervulkans, der vor 26500 Jahren entstanden ist. Immer noch aktiv, liegt sein letzter Ausbruch nur knapp 2000 Jahre zurück (gemessen am geologischen Zeitmaß eigentlich nur ein Wimpernschlag), und zählte zu den stärksten Vulkanausbrüchen der vergangenen 5000 Jahre. Fast schon ein wenig angsteinflößend, wenn man bedenkt, auf was für einem explosiven Pulverfass wir uns da eigentlich befunden haben...Læs mere
Feuer und Schwefel
29. marts 2019, New Zealand ⋅ ⛅ 19 °C
Der Boden unter uns glüht, Dampf steigt aus den unzähligen Kraterlöchern auf, heiße kleine Bächlein fließen das buntverzierte Gestein hinab in den angrenzenden See, Luftblasen blubbern in den kochenden Wasserpfützen und brodelnden Schlammpools, in der Luft liegt ein unverkennbarer Schwefelduft. Die Landschaft wirkt so unwirklich als ob wir gerade auf einem anderen Planeten wandern würden. Und wir sind praktisch ganz allein, haben dieses Naturwunder nur für uns, welches in seiner Stille zugleich beruhigend und auch bedrohlich wird, denn Eruptionen in diesem vulkanisch stark aktivem Gebiet sind nahezu unvorhersehbar und unberechenbar. „Orakei Korako“ nennt sich dieser einzigartig schöne Ort (übersetzt: „Place of Adorning“), laut Lonely Planet der schönste geothermische Naturpark Neuseelands. Wir haben zwar keinen Vergleich, um diese Aussage bestätigen zu können, aber es ist für uns nur schwer vorstellbar, dass diese Schönheit nochmal in einem anderen Park in dieser Form anzutreffen ist.
Es ist nicht einfach diese einzigartige Stimmung in Bildern einzufangen. Zum Glück hat Susi dem Ganzen wieder ein wunderschönes Stück hinterlegt, welches zum Träumen verführt... 😀Læs mere
Schatzsuche im Auenland
2. april 2019, New Zealand ⋅ ☀️ 18 °C
Wer kennt sie nicht: die grünen Wiesen des Auenlands aus Mittelerde, mit ihren sanften Hügeln, den kleinen Obstbäumen behangen mit saftigen Früchten, den kleinen Höhlen mit den großen bunten kreisförmigen Türen, die die etwas eigenbrödlerischen und doch zugleich liebenswerten Hobbits ihr zu Hause nennen. Für die Herr der Ringe Filme hat der Regisseur Peter Jackson mit der Auswahl des Film-Settings ein goldenes Händchen bewiesen und eine neuseeländische Schafsfarm mit viel Liebe zum Detail in das kleine Dorf „Hobbiton“ verwandelt. Auch wenn die Filme inzwischen im Kasten sind und das Film-Set nicht mehr für den Dreh benötigt wird, hat man den Zauber von Hobbiton am Leben erhalten und das Film-Set inzwischen für den Tourismus zur Verfügung gestellt. Vermutlich ist ein Besuch von Hobbiton inzwischen sogar in den „Must Do“ Listen für Neuseeland an erster Stellen anzufinden.
Auch wir können der Versuchung nicht widerstehen und buchen eine geführte Tour durch Hobbiton (leider kann man das Gelände nur mit einer Führung erkunden). Für umgerechnet 50 Euro pro Person für eine knapp 1,5-stündige Führung sicherlich kein Schnäppchen, aber hey, wer weiß ob wir überhaupt nochmal nach Neuseeland kommen und die Heimat des kleinen Frodo können wir doch kaum auslassen. Zunächst sind wir noch etwas skeptisch, ob wir hier vielleicht in eine Touristenfalle laufen: am Ticket-Center werden wir schön brav in 2er-Reihen aufgestellt, alle 10 Minuten bricht ein voll gefüllter Reisebus zum Film-Set auf, im Bus wird eine eingespielte Video-Begrüßung von Peter Jackson abgespielt. Alles wirkt zunächst wie am Fließband, durchorganisiert und 08/15 Erlebnis. Nach dem Aussteigen werden wir dann von unserem Guide begrüßt und zu unserer Überraschung wirkt die Begrüßung authentisch und erfrischend. Unser Guide scheint ein echter Nerd für Mittelerde zu sein und vermittelt uns tolle Hintergrundinformation zu den Filmen und zu den Settings. Man spürt, dass der Guide selbst eine echte Begeisterung für Hobbiton aufbringt. Wenige Minuten später treten wir dann durch einen schmalen Fußpfad in das märchenhafte Dorf ein und der Zauber packt uns von der ersten Sekunde an. Wir wandern durch die liebevoll gestalteten Vorgärten der Höhlenwohnungen, überqueren kleine Obst- und Gemüsegärten (mit echtem Obst und Gemüse) und bunte Blumenfelder. Hunderte von Schmetterlingen flattern zwischen den Büschen hin- und her, überall um uns herum hören wir Vogelgezwitscher, aus den Schornsteinen der kleinen Wohnungen steigt Rauch aus wie wenn in den Wohnungen tatsächlich noch Frodo mit seinen Gefährten hausieren würde. Wir saugen die paradiesische, märchenhafte Atmosphäre in uns auf, posieren für Fotos und lassen Filmszenen Revue passieren. Trotz der unzähligen Besucher, die über das Gelände wandeln, können wir die Tour voll genießen und kehren am Ende der Tour sogar noch für ein dunkles privatgebrautes Bierchen in den berühmten „Green Dragon“ ein, welches ich genüsslich vor dem gemütlichen Kamin zu mir nehme. Zufrieden beenden wir diese wirklich empfehlenswerte Tour und nehmen uns fest vor, in Kürze nochmal eine lange Filmnacht mit den Herr der Ringe Filmen zu verbringen 😀
Nach unserem Besuch von Hobbiton führt uns unsere Reise weiter in das nahegelegenen Dorf Matamata, wo wir heute alte Bekannte von meinem Onkel Dietrich und Tante Heidi besuchen werden. Uns empfängt ein ganz herzliches älteres Ehepaar (plus liebevollem Hundchen) in ihrem wunderschönen Haus und wir dürfen hier eine Nacht verbringen. Es tut gut, eine solche Gastfreundschaft zu spüren und sich mal wieder mit echten Kiwis auszutauschen. Wir plaudern über die alten Zeiten, in denen ein dreiminütiges Telefonat noch Luxus war, über die kleinen und großen Problemchen Neuseelands, und auch über die verschiedenen Möglichkeiten, die störende Großbaustelle in der Nachbarschaft zu sabotieren, die in Zukunft den schönen Ausblick des Hauses zu verschandeln droht 😂 Bei einem vorzüglichen Glas neuseeländischem Weißwein geht schließlich dieser wunderbare Tag zu Ende...Læs mere

Wir sind glücklich, dass euer Besuch bei Heidis Jugendfreund Alan so nett war! - Auf dem Bild ist er gerade 80 Jahre und 1 Tag alt!
Einmal um die Welt in Hamilton
3. april 2019, New Zealand ⋅ ⛅ 16 °C
Nach einem etwas enttäuschenden Morgen in den Waitoma Caves setzen wir unseren Road-Trip wieder in Richtung Norden in die Stadt Hamilton fort. Die Waitoma Caves sind eine der angepriesenen absoluten Hauptattraktionen Neuseelands und unsere Erwartungshaltungen waren dementsprechend hoch. Bei den Caves handelt es sich letztlich um eine große schöne Tropfsteinhöhle. Berühmt sind die Caves aber für die abertausenden Glühwürmchen, die in stockdunklen Höhlengängen hängen und einen künstlichen Sternenhimmel an die Höhlendecke zaubern. Für eine 45 minütige Tour durch die Höhle hatten wir etwa 3 Stunden Umweg auf unserem Trip in Kauf genommen. Das Erlebnis war dann eher ernüchternd: mit einer Gruppe von etwa 40 Besuchern (auf den Werbefotos waren irgendwie immer weniger als 10 Besucher zu sehen) wurden wir etwa 40 Minuten durch die Höhle geführt und bekamen Standard-Informationen über die Entstehung von Tropfsteinhöhlen vermittelt (nichts, was man nicht irgendwo schonmal gehört hätte). Dann sind wir in ein kleines Bootchen eingestiegen und noch knapp 5 Minuten einen dunklen Höhlenkanal entlang gefahren, in dem es dann die Glühwürmchen zu sehen gab (schon sehr schön, aber halt auch sehr kurz). Das war dann auch schon die Tour für knapp 30 Euro pro Person. Beim Ausgang konnte man dann noch für günstige 50 Dollar (!!!) ein paar gefakete Fotos von sich selbst in der Höhle ersteigern (eigene Fotos waren natürlich verboten in der Höhle). Schon alles irgendwie eine ziemlich Geldmaschine, Ausnahmsweise habe ich mir hier vor dem Verlassen auch mal gerne noch ein paar Minuten Zeit genommen, um den Feedback-Bogen auszufüllen und das Preis-Leistungs-Verhältnis zu bewerten 😉
Aber ich bin vom Thema abgeschweift, denn eigentlich befinden wir uns ja schon auf dem Weg nach Hamilton, wo wir einen eintägigen Zwischenstopp machen. Für Hamilton wurden uns von ein paar Kiwis wärmstens die Hamilton Gardens empfohlen, eine öffentliche Gartenanlage, die schon mehrere Wettbewerbe gewonnen hat. Das Wetter ist sonnig und der Besuch kostenlos, so dass wir nicht lange zögern. Die Anlage besteht eigentlich aus vielen kleineren Gärten mit unterschiedlichem Themen, unter anderem ein japanischer Garten, ein chinesischer Garten, ein indischer Garten, ein toskanischer Garten, ein englischer Garten, ein tropischer Garten, und viele mehr... Unser Spaziergang durch die Gärten führt uns heute also praktisch einmal um die ganze Welt 🙂 Wunderschön und liebevoll angelegt, immer wieder auch mit kleinen oder großen Skulpturen verziert, so dass das Gelände teilweise auch wie ein künstlerisches Freilichtmuseum wirkt. Hier lässt es sich in der warmen Sonne sehr gut aushalten und wir verbringen einige schöne Stunden auf dem Gelände. Das i-Tüpfelchen daran: der Eintritt ist frei (perfektes Preis-Leistungs-Verhältnis 😊).
Unseren kurzen Aufenthalt in Hamilton runden wir noch mit einem kurzen Besuch der Innenstadt ab, die im Wesentlichen aus einer kurzen Einkaufsmeile mit kleineren Geschäften, Restaurants und Bars besteht. Wenig spektakulär also, wie wir es inzwischen von der neuseeländischen Stadtarchitektur aber auch gewohnt sind. Wir tuen uns etwas schwer, das hochmoderne Parksystem zu verstehen: es gibt zwar reichlich Straßenparkplätze, aber anscheinend wird hier gerade ein neues System getestet, bei dem man zwei Stunden pro Tag kostenlos parken kann, aber seinen Parkplatz über eine App registrieren muss. Wir stehen bei der Benutzung etwas auf dem Schlauch und mit vielen Fragezeichen in unseren Köpfen entscheiden wir uns dann schließlich doch für ein überteuertes Parkhaus. Unsere Investition wird aber dennoch belohnt, denn Susi erspäht auf unserem kurzen Stadtbummel noch ein weiteres Street-Piano. Somit genießt auch Hamilton die Ehre, an diesem Tag noch für einen kurzen Moment mit schönen musikalischen Klängen erfüllt zu werden 🙂Læs mere
Spätsommer an traumhaften Kiwistränden
7. april 2019, New Zealand ⋅ ☀️ 17 °C
Der Herbst wird von Tag zu Tag spürbarer: die Tage werden kürzer, die Temperatur kühler und das Wetter windiger und regnerischer. Es wird langsam Zeit für uns Neuseeland zu verlassen und unsere Reise weiter Richtung Osten fortzusetzen. Aber bevor es soweit ist, möchten wir die kommenden Tage nochmal die schönsten Strände Neuseelands erkunden, um dieses wunderschöne Land auch in der Erinnerung zu behalten, die es in vollem Umfang verdient. Für das Wochenende ist Sonnenschein angesagt und so beschließen wir spontan, nochmal weit in den Norden Neuseelands auf die Halbinsel „Coromandel Peninsula“ zu fahren. Ganz bewusst suchen wir uns eine abgelegene Unterkunft (eine kleine Hütte auf dem Grundstück einer Kiwi-Familie) abseits von allen hochangepriesenen Sehenswürdigkeiten, um in den verbleibenden Tagen nochmal die Schönheit Neuseelands ganz in Ruhe genießen zu können. Wir werden nicht enttäuscht. Bereits unsere Hinfahrt ist ein echtes Erlebnis: Eine schmale kurvige knapp 40 km lange Küstenstraße, die oft nur wenige Meter neben dem Meer entlang läuft, unterbrochen von steilen Abschnitte über die hohe Hügellandschaft, die uns einzigartige Panoramen verschafft. Wir sind beide heilfroh, inzwischen mit einem wendigen Kleinwagen und Automatikschaltung unterwegs zu sein anstatt einen steifen Campervan mit manueller Schaltung durch die engen Kurven zu manövrieren zu müssen. Nach Kurve 347 haben wir dann auch langsam mit dem Zählen aufgehört 😉
Die nächsten Tage erwarten uns dann leere traumhafte weite Strände, jeder einzelne mit seinem eigenen einzigartigen Charme. Wir stürzen uns nochmal in die Wellen des pazifischen Ozeans, sonnen uns im feinen Sand und wandern kilometerweit durch die endlosen Buchten. Abends machen wir es uns dann in unserer kleinen schönen Hütte gemütlich, verwöhnen unsere Mägen mit einem leckeren BBQ und lauschen den Vogelstimmen der Nacht. Ansonsten herrscht hier nur Ruhe und Stille, nicht ein Auto oder Flugzeug ist zu hören, in der Ferne lediglich das rhythmische Schlagen der brechenden Wellen. Einfach herrlich. Neuseeland könnten wir kaum besser in Erinnerung behalten... 😀Læs mere

Gertraud MWas für unsagbar schöne Szenerien 🤩! Tage voll Genuss und Ruhe wünsche ich euch! GlG 🤗
Good Bye, schöne neue Welt!
11. april 2019, New Zealand ⋅ 🌧 17 °C
Mit einem riesigen farbenfrohen Regenbogen verabschiedet sich Neuseeland von uns auf dem Weg zum Flughafen in Auckland. Den ganzen Morgen hat es teilweise sintflutartig geregnet und es wirkt fast so als sei der Regenbogen ein kleines Abschiedsgeschenk von Neuseeland, damit wir dieses großartige Naturparadies auch in guter Erinnerung behalten. Wir sagen „Lebe Wohl“ zu den weiten wunderschönen Landschaften, der hügeligen Bergkette, den tollen weiten Stränden, der rauhen tasmanischen See, der rauchenden (und auch teilweise stinkenden) Vulkanlandschaft, den vielen Schafen und Kühen, den vielen zwitschernden Vögeln, den einzigartigen Pottwalen, verspielten Delfinen und knuddeligen Robben, den entspannten Kiwis, den kurvigen Straßen und den unzähligen deutschen Touristen und Travellern. Wir haben insbesondere die wundervolle und abwechslungsreiche Natur in unser Herz geschlossen und in unsere Erinnerungen gebrannt, die die häufig mangelnde Stadtarchitektur, die eher durchschnittlichen kulinarischen Genüsse und die für europäische Verhältnisse fehlende historische Kultur Neuseelands mehr als auswiegt. Unsere Maschine startet in den dunklen Abendhimmel, es regnet bereits wieder und aus der Luft winken wir noch ein letztes Mal in Richtung des Lichtermeeres der Metropole Auckland. Vor uns liegen knapp 9000 km Wegstrecke über die schier unendlichen Wassermassen des pazifischen Ozeans bevor wir wieder das Festland eines neuen Kontinents erreichen werden. Südamerika, wir kommen...
Die letzten Tage in Neuseeland haben sich relativ unspektakulär gestaltet und wir haben vier Nächte in einem Apartment etwas außerhalb des Zentrums von Auckland verbracht. Jeder Kiwi, dem wir auf unserer Reise begegnet waren, hat eher zurückhaltend von Neuseelands größter Metropole gesprochen: hektisch, wenige Sehenswürdigkeiten, durchschnittliches Stadtbild. Wir bilden uns lieber unsere eigene Meinung und erkunden am ersten Tag die Innenstadt Aucklands. Bereits die Busfahrt gestaltete sich unerwartet chaotisch und undurchsichtig (Warum können wir mit unserem Busticket nicht zwischen verschiedenen Linien umsteigen und warum ist der Busfahrer hier eigentlich so fürchterlich unfreundlich zu uns?). Dann wandern wir kilometerweit durch das angepriesene Einkaufsviertel Ponsonby (was dann doch nicht so viele außergewöhnliche Läden aufwies), dann schließlich durch einen Stadtpark bis schließlich hin zum Hafenviertel. Unser Fußweg wird leider von lautem Verkehrslärm begleitet. Erst am Hafen kehrt etwas Ruhe ein und wir schlendern entlang pompöser Yachten. Die Bars in diesem Viertel scheinen ebenfalls eher für die „High Society“ ausgelegt und so mancher Gutbetuchte scheint sich hier am frühen Nachmittag von seiner Yacht herabzulassen und bereits ein Fläschchen Champagner zu gönnen. Für uns noch etwas zu früh... 😉 Also lieber weiter in ein weiteres Innenstadtviertel Aucklands. Auch hier ist man weit vom Charme einer europäischen Fußgängerzone entfernt, überall lauter Verkehr, keine Spur von gemütlichen ruhigen Gassen. Wir kehren schließlich in ein traditionell ausschauendes japanisches Lokal ein und erhalten hier tatsächlich auch sehr gute authentische japanische Küche (wir hatten auch beide das Gefühl die einzigen Nichtjapaner im Lokal zu sein, was normalerweise ja auch ein ganz gutes Qualitätsmerkmal ist 🙂). Im Anschluss machen wir noch einen kurzen Abstecher in die zentrale Stadtbibliothek, die ebenfalls mit wenig Liebe gestaltet ist. Genug Eindrücke gesammelt, um die Meinungen der anderen Kiwis bestätigen zu können. Das Zentrum Aucklands ist kein Augenschmaus und ein wenig enttäuscht kehren wir schließlich in unsere Unterkunft zurück. Wir sind uns beide einig: Nochmal müssen wir nicht zurück ins Zentrum...
Und so verbringen wir die verbleibenden Tage lieber entspannt außerhalb der hektischen Innenstadt: wir besteigen den Aussichtsvulkan Mount Eden, sonnen uns am wunderschönen Surferstrand Piha (wo wir auch unseren letzten Sonnenuntergang in Neuseeland genießen), machen ein gemütliches Picknick im botanischen Garten und besuchen das spannend gestaltete Transportmuseum MOTAT, in dem wir Autos, Raumschiffe und Flugzeuge aus allen Zeitepochen bestaunen dürfen (eine super Vorbereitung für Susi für den Langstreckenflug, der ihr schon seit Tagen unruhige Nächte beschert 😊). Und so haben wir trotz der eher ernüchternden Innenstadt Aucklands doch noch ein paar sehr schöne letzte Tage in Neuseeland. Hätte mich ja auch schwer gewundert, wenn man sich in einer Millionenstadt nicht auch spaßig die Zeit vertreiben kann... 😉Læs mere
Sprachlos in Santiago
14. april 2019, Chile ⋅ 🌫 16 °C
Gegen 14 Uhr mittags steigen wir am Flughafen von Santiago in den Shuttle Bus Richtung Innenstadt ein. Bisher läuft doch eigentlich alles wie am Schnürchen: am Check-In in Auckland wurde ohne Probleme unser nicht ganz „echtes“ Weiterflugticket aus Chile akzeptiert (siehe Erklärung unten), Susi hat es im Flieger geschafft ihre Sitznachbarin zu einem Plätzetausch zu überreden (damit ich ihr während des langen Flugs Händchen halten kann 😊) , der Flug war bis auf den Start ausgesprochen ruhig (ich konnte sogar ausnahmsweise mal ein paar Stunden schlafen), wir haben in Santiago sofort unser Gepäck bekommen, keinerlei Probleme bei der Gepäckkontrolle und beim Immigration Schalter gehabt und schließlich sofort den Shuttlebus gefunden.
Eigentlich kann ja jetzt nichts mehr schief gehen... trotzdem sagt mir mein Bauchgefühl, diesmal vielleicht ein klein wenig zu optimistisch in diesen nächsten Reiseabschnitt gestartet zu sein. Als Vorbereitung habe ich nicht viel mehr gemacht als mal ein Stündchen den Chile Reiseführer zu überfliegen, um nichts absolut Essentielles zu missachten. Meine wesentliche Grundannahme beruht allerdings darauf, in einer inzwischen internationalen Metropole wie Santiago mit Englisch ohne größere Probleme durchzukommen. Denn wir sprechen nicht ein einziges Wort Spanisch. Ich merke leider allzuschnell, dass meine Annahme auf ganz wackeligen Füßen steht... bereits am Flughafen vermisse ich etwas wie einen Infoschalter mit englischsprachigem Angestelltem, unser Busticket können wir auch nur bei einem alten Chilenen über Handzeichen kaufen, im Bus macht der Busfahrer ständig irgendwelche unverständlichen Durchsagen. Ich vermute, dass er die Haltestellen nennt, bin aber dann doch verunsichert als nach einer Durchsage plötzlich 80% der Fahrgäste den Bus verlassen. Haben wir was verpasst? Wir bleiben sitzen, scheint auch zu passen.
Tatsächlich kommen wir zum Bahnhof, wo wir in die Metro umsteigen müssen. Aber wo ist denn jetzt der verdammte Eingang zur Metro? Nachdem wir die Straße dreimal auf und ab laufen, frage ich schließlich mit Händen und Füßen eine Polizistin nach dem Weg. Ich meine etwas wie „drei Straßen weiter nach rechts“ aus ihrem Fingerzeig herauszulesen. Tatsächlich: da ist die Metrostation! Aber wie funktioniert das jetzt mit den Tickets? Wir scheinen eine aufladbare Karte kaufen zu müssen. Also auf zum Verkaufsbüdchen. Meine Frage zur netten Dame am Schalter „Do you speak English?“ hätte ich mir sparen können, verlegenes Lächeln. Also erneut Einsatz von Handzeichen und fröhliches Wortegestammel (ich versuche ein paar Begriffe zu verwenden, die ich vom Hinweisschild am Schalter ablese). Yippee, wir bekommen tatsächlich eine Karte und diese ist für zwei Fahrten aufgeladen. Auf zur Metro. Kurz darauf bin ich verwirrt, warum wir eigentlich nur eine Karte für zwei Personen bekommen haben. Das kann ja eigentlich nicht funktionieren, da man wie in europäischen Metros am Eingang durch ein Drehkreuz laufen muss. Also nochmal zurück, um eine zweite Karte zu kaufen. Ich gehe bewusst an einen anderen Schalter, ist mir zu peinlich nochmal bei der gleichen Dame aufzutauchen. Gleiches Spiel wieder: Handzeichen, Wortfetzen, Geldübergabe... Check, ich habe meine zweite Karte. Jetzt kann es wirklich losgehen. Klappt alles, 9 Haltestellen später sind wir am Ziel.
Unsere Unterkunft ist nur wenige Minuten von der Metrostation entfernt: Ein Apartment in einem Hochhauskomplex, gebucht über AirBnB. Den Schlüssel bekommen wir angeblich beim Concierge. Der Eingang ist etwas unscheinbar, aber die Hausnummer stimmt und einen Concierge gibt es auch. Also, auf zur Zielgeraden. Zu früh gefreut: Der etwas grimmige Concierge spricht auch wieder mal kein Wort Englisch. Wir versuchen ihm zu erklären, in welches Apartment wir wollen und zeigen ihm unsere Bestätigung von AirBnB. Hoffnungslos, sein Kollege eilt herbei und weist uns ebenfalls ab. Wir meinen beide zu verstehen, dass wir im falschen Gebäude sind. Mit gesenkten Köpfen ziehen wir wieder ab. Was nun? Haben wir vielleicht die falsche Adresse bekommen? Man darf nicht vergessen, dass wir zu diesem Zeitpunkt inzwischen mehr als 24 Stunden auf den Beinen sind und uns auch so langsam etwas die Power ausgeht. Internet habe ich auch noch keins, denn unsere Handykarte funktioniert ja nicht mehr in Chile. Wir suchen uns ein McDonalds mit FreeWifi und kontaktieren unseren Gastgeber von AirBnB. Ich rechne mit dem Schlimmsten, dass ich vor dem Abend keine Antwort bekommen werde, aber zu unserem Glück erhalten wir innerhalb von 5 Minuten Rückmeldung. Adresse stimmt und ich bekomme eine Nachricht auf Spanisch zugeschickt, die ich dem Concierge zeigen soll. Also nochmal zurück zu unserem grimmigen Freund, dem ich mit einem selbstbewussten Lächeln die Handynachricht vor die Augen halte. Wenige Sekunden später öffnet er wie selbstverständlich eine Schublade, zieht einen Umschlag hervor und schiebt ihn wortlos zu uns herüber: Es ist der tatsächlich unser Schlüssel!!! Etwas ratlos, was vorhin schief gegangen ist (waren unsere Handzeichen und Wortfetzen wirklich so unverständlich???), aber auch überglücklich endlich angekommen zu sein, treten wir in unser Apartment ein und fallen geschafft aufs Bett. Wir sind in Santiago!!!
Was uns in den ersten Stunden unsere letzten Kräfte geraubt hat, wird uns auch die nächsten Tage noch einige Energie und Geduld kosten. Wir sind nicht mehr in Australien oder Neuseeland, wo die Sprache keinerlei Hindernis war. Santiago ist eine verhältnismäßig moderne Stadt, vergleichbar mit europäischem Standard und guter Infrastruktur. Nur Englisch sprechen zu unserem Leid leider nur die wenigsten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Chilenen ein extrem schnelles Spanisch sprechen (wie mir inzwischen gesagt wurde haben selbst spanische Muttersprachler in den ersten Tagen hier teilweise Verständnisprobleme). Es ist praktisch unmöglich für uns, auch nur relativ einfache Phrasen zu verstehen, was jede noch so kleine Interaktion zu einer echten Herausforderung macht. Beim Bezahlen im Lokal oder Supermarkt werden wir gefragt, ob wir bar oder mit Karte bezahlen wollen, ob wir eine Quittung brauchen, ob wir eine Tüte möchten, ob es geschmeckt hat, ob wir Zucker oder Milch in den Kaffee wollen, wie wir heißen, ob wir das Essen mitnehmen wollen oder im Lokal essen, und und und.... jede dieser so einfachen Fragen erzeugt in den ersten Tagen zunächst bei uns nur Fragezeichen, wir sind sprachlos, wie gelähmt und sehen wahrscheinlich aus wie Idioten, während uns die zum Glück meist sehr freundlichen Chilenen mit fragenden Gesichtern anstarren. Irgendwie klappt es ja dann doch immer. Okay, manchmal wollen wir Hühnchen bestellen und bekommen doch Shrimps, manchmal treten wir mit vollem Selbstbewusstsein auf um einen einzelnen Hamburger zu bestellen und wandern am Schluss doch mit zwei Super-Maxi-Menüs an unseren Tisch und viel zu oft sagen wir wahrscheinlich „Si“, wenn wir eigentlich besser „No“ sagen sollten (ohne überhaupt jemals zu erfahren, was wir da eigentlich gefragt wurden). Es ist eine harte Erfahrung, aber auch auch eine gute Erfahrung einmal zu spüren, wie es ist, in einem fremden Land zu sein ohne sich anständig verständigen zu können. Doch wir stecken den Kopf nicht in den Sand, wir wollen das Land, die Leute, die Kultur und das Essen wirklich kennen lernen. Wir beginnen so gut es geht in die Sprache einzutauchen, schlagen Begriffe nach, lernen einfache Sätze, fragen uns gegenseitig ab. Es ist ein zäher Prozess, aber für jeden noch so kleinen Fortschritt feiern wir uns. Und da ich zumindest auch ab nächste Woche mit meinem Spanischkurs anfange, muss die Erfolgskurve dann eigentlich wie eine Rakete steigen... 😉
Die ersten Tage verbringen wir allerdings zum Glück nicht nur ausschließlich mit Konversations-Akrobatik. Wir wollen natürlich auch Santiago entdecken, einen Eindruck von der Stadt an sich bekommen. Wir durchwandern bei wunderschönem Sonnenschein den riesigen Stadtpark Santiagos, fahren bei starkem Smog (gehört auch zu einer Millionenstadt dazu) auf den berühmten Aussichtsberg Sankt Cristobal, besuchen einen lokalen nichttouristischen Markt in einem etwas runtergekommenen Stadtteil (wo man von Waschmaschinen, Motorteilen, Fenstern und Türen, Klavieren über Spielzeug, Verbandsmaterial, Schmuck, Antiquitäten bis hin zu Kleidung und Essen praktisch alles kaufen kann), dürfen zuschauen, wie Südamerikaner auf offener Straße temperamentvoll tanzen, essen unsere ersten Empanadas und trinken unseren ersten Piscola und Mote con Huesillo (chilenisches Erfrischungsgetränk). Santiago hat definitiv seine schöne Ecken, aber man muss sie finden, es ist kein typisches Touristenziel, wo man einfach eine Liste von Sehenswürdigkeiten nacheinander abarbeitet und es ist schon gar nicht eine Stadt, die man in 1-2 Tagen erkundet. Santiago ist definitiv anders als die Städte unserer bisherigen Reise und zum Glück haben wir noch einige Tage Zeit, um uns in diese Stadt verlieben zu können 🥰
Anmerkung zum Weiterflugticket: Für die meisten Länder muss man bei der Anreise ein Weiterflugticket aus dem Land nachweisen, um ein Visum zu erhalten. Da wir meist noch nicht unser nächstes Reiseziel festlegen wollen, ist das für uns eine ziemlich doofe Regelung. Zum Glück gibt es einen Internet-Service, der für einen Gültigkeits-Zeitraum von 48 Stunden gegen eine kleine Gebühr ein günstiges Ticket bereitstellt. Sicher nicht im Sinne des Erfinders, aber wesentlich günstiger und flexibler für uns, als im Voraus ein „echtes“ Ticket zu kaufen und später umzubuchen 🙂Læs mere
Cajon del Maipo Experience and more
16. april 2019, Chile ⋅ ☀️ 15 °C
Nachdem Jens einen Sprachkurs macht und ich mich ja mehr oder weniger sehr kurzfristig dazu entschieden habe doch erstmal mit nach Chile zu gehen, heißt es diese Woche auch mal wieder Unternehmungen "on my own" zu machen. Nach wie vor überschlägt es einen Santiago zu erkunden vor allem wenn ich momentan aus dem Fenster meiner Unterkunft hinausgucke. Ein kleines süßes Zimmer bei einer super netten Chilenin, aber ein Wahnsinnsausblick (22 Stock).
Leider lassen meine Spanischkentnisse nach wie vor zu wünschen übrig und ich versuche mich hauptsächlich mit englisch, Händen und Füßen und dem tollen Googletranslater durch den Tag zu schlagen. Alles in allem ging es natürlich irgendwie, doch schön ist was anderes in Hinblick auf die Kommunikation. Dennoch verbringe ich einen schönen Tag und die Tour, die ich mit der U-Bahn und mit meinen Füßen ( also laufen ;-)) geplant hatte,hab ich geschafft. Wieder einmal begleitet mich durch sämtliche Viertel, die Street Art Kultur, die meinen langen Spaziergang versüßen.
Am nächsten Tag, hab ich eine Tour zum Cajon der Maipo gebucht. Ein See zwischen den Bergen gelegen ca eine Stunde von Santiago entfernt. Ausgeschrieben mit einem Must Do!
Die Tour beinhaltet Stops bei einem enthusiastischen Eisenbahnliebhaber, einem kleinen Chilenischen liebaufgemachten Café / Lädchen und zum Abschluss, der Genuss von leckeren chilenischen Wein und kleinen Häppchen.( Wer jetzt denkt "oh man die Susi gönnt es sich ja voll" die Tour war ziemlich günstig, hab einfach etwas gutes erwischt :)).
Das Auto der Tour ist international gefüllt. Ein Paar aus Columbien, eins aus Mexiko, eine Frau aus Peru, eine Frau aus Brasilien. Dazu kommt noch ein Paar aus Prag ( welches wohlgemerkt kein Spanisch UND kein Englisch kann, wie sich es während der Tour herausstellt und mich der Guide verzweifelt ansieht weil sie einfach nicht weiß, wie sie das anstellen soll und ich rate ihr zum Googletranslater ;-) )Und ach ja da war ja noch ich, aus Deutschland im Auto.
Die Tour ist auf jeden Fall ganz gut. Allerdings hätte ich mir noch mehr den aktiven Part , also wandern vorgestellt und das kam eindeutig zu kurz.
Nichts desto trotz, komme ich mit der Brasilianerin und die , die die Tour führt gut mit englisch ins Gespräch. Die Frau aus Peru redet auch zwischendurch mit mir, nur leider halt immer nur in spanisch, sodass ich leider kaum bis garnichts verstanden hab und somit versuche ich ihr zumindest mit ein freundlichen Gesicht und lächeln nonverbal zu antworten.War trotzdem schön.
Der erste richtige Stop ist bei einer Eisenbahnstation (mit geschichtlichen Hintergrund), die ein Mann liebevoll klein aber fein erhalten hat und Touristen eine kleine Führung und Fahrt gibt. Er hofft, dass er in Zukunft diese Eisenbahnstrecke vielleicht verlängern kann, auf 8 km. Bisher ist es leider nur ein km.
Dennoch dürfen wir ein paar mal hin und zurückfahren. Auch wenn es sehr klein und die Strecke kurz ist, ist es toll zu sehen, wieviel "herzblut" dieser Mann in diese Eisenbahn hineinsteckt.Es ist ihm deutlich anzumerken.Er zeigt beim fahren der ein km Strecke, immer wieder an, das wir auf die Hupe drücken sollen, setzt uns Schaffner Hüte auf. Kein schlechter Start denke ich...
Dann kamen wir zum Hauptpunkt der Tour, dem Cajon de Maipo. Eine Schlucht in Südosten der Anden.Ein klare See , der im Bereich der Anden liegt. Ein klarer See der umhüllt von Bergen zu sehen ist.Der Spot verspricht nicht zu viel! Der Kontrast vom türkisem Wasser gegenüber der trockenen, steinigen und sandigen Berglandschaft ist wirklich schön und die Augen können sich nicht so wirklich davon sattsehen.
Abgerundet wird das ganze dann noch mit einem kleinen Picknick welches direkt vor dem azurblauen Bergsee stattfindet.Unvergessliches Panorama, leckeres Essen,guter chilenischer Rotwein und sympathische Menschen ( zumindest so weit ich das beurteilen kann mit denen ich mich unterhalten hab können, die anderen gucken jeden falls auch sehr nett drein ) lassen diese Tagestour wirklich gut in Erinnerung behalten.Læs mere
Abgang mit Stil
18. april 2019, Chile ⋅ ⛅ 19 °C
Manche Sehenswürdigkeiten liegen nicht offensichtlich auf der Hand und sind auch nicht in jedem Reiseführer zu finden. Gut also, dass ich inzwischen in meiner Spanischschule Kontakte geknüpft habe und den einen oder anderen „Geheimtipp“ abgreifen kann, Dies trifft sicherlich auch auf unser heutiges etwas „morbides“ Ausflugsziel zu, denn mir wurde der Zentralfriedhof in Chile wärmstens ans Herz gelegt. Zwar etwas ab vom Schuss, aber dafür riesig groß und einzigartig im Hinblick auf seine pompösen Mausoleen. Der Friedhof misst mehr als 100 Fußballfelder, so dass auf dem Friedhof selbst sogar ein kleines Straßennetz angelegt ist, über das man mit dem Auto bequem bis in die Nähe jedes einzelnen Grabes fahren kann (also kein kilometerweites Schleppen der Gießkannen... da hat einer mitgedacht 🙂). Seit der Friedhof im Jahr 1821 angelegt wurde, sind inzwischen mehr als zwei Millionen Menschen hier begraben worden, darunter auch viele bekannte Politiker und Künstler Chiles. Sogar ein Stück deutsche Geschichte liegt auf dem Friedhof, denn auch die letzte Ruhestätte unseres Erich Honeckers befindet sich hier.
Das Ausmaß des Friedhofs ist an sich schon beeindruckend, wirklich überwältigend sind dann jedoch die vielen prunkvollen, tempelartigen Mausoleen, die es teilweise durchaus mit antiken Tempeln aus Rom oder Griechenland aufnehmen könnten und sich hier wie eine Häuserzeile aneinanderreihen. Viele haben es sich so richtig gegönnt und scheinbar keine Kosten gescheut, um sich ein Denkmal für die Ewigkeit zu setzen. Wer aber nicht das nötige Kleingeld aufweisen konnte (und das waren dann wohl die meisten der knapp zwei Millionen Verstorbenden), musste allerdings mit den Gräbern des „einfachen Volks“ Vorlieb nehmen und liegt nun in einem der unzähligen Containern des eher tristen Massengrabs, welches einem riesigen Schließfach gleicht. Sicherlich nicht schön, aber irgendwie auch beeindruckend. An diesem Nachmittag sammele ich auf jeden Fall ausreichend Ideen für meine spätere Ruhestätte (deren Bauphase hoffentlich noch in weiter Ferne liegt 😉).Læs mere
Eat my way around Santiago
18. april 2019, Chile ⋅ ⛅ 20 °C
Der Wecker klingelt, Zeit auf zu stehen , denn um 10 Uhr ist Treffpunkt am Plaza de Armas. "Heute möchte ich etwas kulinarisches erleben"...denke ich mir und bin gespannt was mich so erwartet.
Die Gruppe ist von der Größe perfekt. Acht Leute, ein paar aus Auckland ( die mir auch nochmal bestätigen das Auckland nicht zu den schönsten Pflastern Neuseelands gehört ), einer aus Südkorea, vier Frauen aus den USA und ich. Die Frau, die die Tour anbietet, Larisa, wirkt auf anhieb sehr sympathisch und alles wirkt sehr persönlich.
Unsere erste Station ist ein kleiner Stand mit Sopaipillas, ein Gebäck aus Kürbis, welche die Chilenen hauptsächlich als kleinen Snack für zwischendurch zu sich nehmen, aber auch mal zum Frühstück oder zum Abendessen. Man kann diese mit einer scharfen Salsasosse bestreichen ( aber Obacht , die hat es in sich...). Wir ziehen weiter zu einem großen Gemüse und Früchtemarkt. Das Tolle ist, wir haben den Eindruck wirklich unter den Einheimischen zu sein und natürlich geht es wie auf allen Märkten heiß her, dennoch erschrecke ich schon etwas als rechts neben mir einer auf spanisch losschreit!
Larisa erklärt wirklich sehr viel, zum Beispiel das es über 400 Arten Avocados gibt. In Chile sind die Avocados meist eine Kreuzung aus der Avocado aus Mexiko und Guatemala. Ein Stand hier bei diesem Markt verkauft drei verschiedene Sorten, unter anderem eine besonders aussehende Avocado wie eine Kokosnuss von der Form. Derjenige der sie gekreuzt hat, hat diese Avocado den Namen seiner Frau gegeben , Esther...Sachen gibt's!
Wir ziehen weiter und erfahren auch das viele Früchte und Gemüse hier so groß sind, weil der Boden und die Wetterbedingungen sehr gut sind. Es gibt einfach überdimensionale Tomaten, Maiskolben, Kürbisse und und und....
Wenn man in Chile wohnt und zum ersten Mal zum Markt geht, geht man zu einem Gemüse und Obststand hin und sagt was man haben will. Der Verkäufer gibt einem dann immer noch ein zwei Stücke extra(umsonst) mit. Man baut sozusagen eine Beziehung mit dem Verkäufer auf, in Chile sagt man wohl du bist mein caserras und caserros dazu.Jedes Mal wenn man hingeht kriegt man immer mehr als man angibt als Zeichen von Freundschaft/ Beziehung.
Aber und jetzt kommt das Wörtchen aber, sobald man an einem anderen Gemüse und Obst Stand etwas kauft und der bisherige Stammverkäufer das mitbekommt, ist es sozusagen aus mit der Freundschaft, vorbei mit Cassero/Cassera und wenn man dann beim nächsten mal wieder hingeht, gibt es dann nichts mehr extra ;-) Tja pech gehabt!
Der Markt hat wirklich sehr vieles zu bieten. Wir probieren uns durch , ich trinke nochmal ein Mote von huesillos ( Weizen und eingelegter Pfirsich), essen zwei typische Sorten chilenische Oliven, Trauben die für den chilenischen Rotwein verwendet werden, sehen ausgewöhnliche Früchte wie Pepino dulce und tuna ( kein Thunfisch ) ! Sehen Stände die ChiPE heißen, weil sie sowohl Produkte aus Chile und Peru verkaufen.
Hin und wieder sind wir doch erstaunt,dass an vielen Ständen Katzen die Stellung halten und zum Teil auf Gemüse und Obstkartons liegen oder auf einem Kühlregal! Por que??
Unser näcshter Stop ist der Fischmarkt in Santiago, wo es den besten und frischesten Fisch in der ganzen Stadt geben soll. Larisa hat nicht zu viel versprochen. Auch wenn ich manchmal den Geruch nicht ab kann, ist der Anblick schon außergewöhnlich.Von Krebse, bis Muscheln oder Fisch, alles zieht sehr frisch aus und wir probieren Machas a la parmesana, eine Muschel mit Käse überbacken und dazu ein Pisco sour, ein typischer Schnap aus Chile, der aus Limetten, Eis und Pisco ( wie Brandy ) besteht.
Bei der vorletzten Station steht noch ein Besuch in dem ältesten Empanada Laden Masas Frescas an. Wohl von einem Italiener eröffnet, der die Empanadas erst mit der Zeit verkauft hat, vorher nur Nudeln. Ein wahrlich großer Empanada mit reichlich Zwiebeln und Fleisch.Wir finden gerade noch so ein Plätzchen im Laden. Die Bude brennt sozusagen... Aber nachdem ich diesen Empanada probiert hatte wusste ich auch warum ;-) wirklich gut!
Wir ziehen weiter in eine sehr verruchte Kneipe La Piojera, in der das bekannteste alkoholische Getränk Chiles getrunken wird ( Chile und Peru streiten sich aber wohl um den Terremoto). Terremoto oder auch Earthquake genannt, denn danach sollen einem die Knie wackeln!
Die Kneipe ist voller einheimischer trinkfreudiger Chilenen, gerade finden wir noch so einen Platz. Ein einsamer Akkordionspieler zieht von Ecke zu Ecke, spielt und singt als gäbs kein morgen mehr! Singt wohl ständig über Liebe, als ich Larissa frage worüber seine Texte sind. Diese Kneipe hat auf jeden Fall Flair!
Man kann wählen zwischen einem Terremoto mit Grenadine und ohne. Er besteht aus Weisswein, noch einem anderem alkoholischen Getränk und Ananaseis! Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, ja die Knie wackeln!! Und ich hatte nur einen kleinen Terremoto, normal trinkt man einen halben Liter. Wenn man dann noch kann, trinkt man den sogenannten Afterquake , eine etwas kleinere Variante vom Terremoto. UND wenn man dann noch mehr will, gibt es ein noch kleineres Getränk/Shot, den sogenannten Tsunami.
Was soll ich sagen, mir hat der kleine Terremoto auf jeden Fall gereicht und die Runde am Tisch ist wirklich lustig geworden!
Eine Erfahrung die ich mit Sicherheit nicht so schnell vergessen werde!Læs mere
Liebe auf den zweiten Blick
19. april 2019, Chile ⋅ ⛅ 14 °C
„Como te llamas? De donde eres? Quantos anos tienes?“ ... Diese Fragen prägen die letzten Tage meinen Vormittag und werden von mir täglich in mehr oder weniger vollständigen und korrekten Sätzen beantwortet. Wer hätte gedacht, dass ich in meinem Alter nochmal die Schulbank drücken werde, Vokabeln lernen muss und Verben durchkonjugiere. Meine Befürchtung als „Opa“ zwischen feierwütigen Teenagern und frühen 20ern in der Klasse zu sitzen wird zum Glück schnell verworfen und ich finde mich in meiner Klasse im Umkreis einer ganz vielfältigen „Studentengruppe“ wieder: Sergey ist Programmierer aus der Ukraine, Mitte 40 und arbeitet seit einiger Zeit in Santiago, Andrew ist Anfang 40 und aus England und wegen seiner Freundin nach Santiago gezogen, Barbara ist gerade 30 geworden und aus Brasilien. Ich bin also gar nicht mal der Älteste und fühle mich gleich umso wohler... 🙂 Die Gruppe ist motiviert, nett und aufgeschlossen. Das Gleiche gilt für die Lehrer. Christian, ein langhaariger chilenischer Rocker, der nebenbei auch Bücher schreibt, weiß Stimmung im Unterricht zu machen und uns immer wieder auch für die kleinsten Erfolge zu motivieren. Ich habe das gute Gefühl, mit der Schule die richtige Wahl getroffen zu haben. Abgesehen vom guten Unterricht ist auch das Schulgebäude einladend gestaltet mit schönem sonnigen Innenhof, Tischtennisplatte und Kaffeeecke. Am Nachmittag werden stets Aktivitäten angeboten wie Stadttouren durch Santiagos Viertel, Koch- und Weinabende, Tanzkurse, usw., so dass ich mich schnell integrieren kann und die Möglichkeit erhalte von den Professoren und anderen Studenten wertvolle Informationen über Chile, die Sprache, die Kultur, das Essen, das Nachtleben und andere möglichen Aktivitäten zu erhalten. Alle Aktivitäten werden übrigens von einer äußerst dynamischen und temperamentvollen Chilenin organisiert (ein Typ wie man ihn sich bei einer Südamerikanerin halt so vorstellt), die uns jeden morgen mit einem lauten „Hey Chicos!“ begrüßt. Ihr doch recht dominantes aber trotzdem sympathisches Auftreten macht es da äußerst schwer, die Teilnahme an einer Aktivität auszuschlagen 😉
Mein Unterricht endet stets gegen 13 Uhr und abgesehen von den Hausaufgaben habe ich sonst am Nachmittag keine Pflichten zu erfüllen und kann die Zeit nutzen, Santiago noch etwas besser kennenzulernen. Inzwischen entwickele ich auch so etwas wie Routine, wenn es um die alltäglichen Dinge des Lebens geht, wie Einkaufen, Metro nehmen, Kaffee bestellen, etc. und all das, was in den ersten Tagen in diesem „fremden“ Land noch so viel Kraft gekostet hat, empfinde ich nun als selbstverständlich. Das erlaubt mir auch, Santiago aus einer anderen Perspektive als in den ersten Tagen zu betrachten und die vielen schönen Seiten Santiagos besser wahrzunehmen. Mir gefällt inzwischen das quirlige Treiben auf der Straße (auch wenn der Verkehr teilweise leider sehr sehr laut ist), überall sitzen junge Leute in den vielen kleinen Parks und Grünflächen, um die Sonne zu genießen und zu entspannen (viel geraucht wird in Chile auch noch, Tabak und auch so anderes Getreide... 😉), die Lokale sind bis spät in den Abend gut gefüllt (die meisten essen hier nicht vor 20 oder 21 Uhr), zwischen den grauen und tristen Hochhäusern liegen immer wieder auch ruhige beschauliche Viertel, die zum Verweilen einladen (wie zum Beispiel das schöne Barrio Italia mit seinen vielen italienischen Boutiquen, Restaurants und Eisdielen) und natürlich hat auch Santiago wie eigentlich jede Großstadt seine symbolische Sehenswürdigkeiten, die es zu bestaunen gilt (wie den Plaza del Armas mit seinen pompösen Palästen und Amtsgebäuden). Und auch abends fühle ich mich inzwischen deutlich wohler und sicherer, wenn ich durch die dunklen Straßen laufe, als noch am ersten Tag. Es ist halt doch so, dass alles was fremd ist, erstmal verunsichert und Bedenken erzeugt, die eigentlich völlig unberechtigt sind. Zum Ende der Woche hin lerne ich Santiago langsam immer mehr zu lieben. Es ist eine Liebe auf den zweiten Blick, vielleicht nicht die ganz große Liebe, aber zumindest eine Stadt, die ich jedem weiterempfehlen würde, der Chile besucht, und in die ich auch selbst jederzeit zurückkehren würde, wenn sich wieder die Gelegenheit ergeben sollte.
Ich merke aber auch, dass mich die Tage in Santiago durchaus anstrengen. So viele Eindrücke, neue Leute und dann ununterbrochen im Umfeld einer Sprache, von der ich leider immer noch nur Bruchteile verstehen kann. Das schlaucht und abends falle ich meist geschafft ins Bett. Für wilde ausgelassene Feiern im Nachtleben von Santiago fehlt mir dann schlicht die Energie (zumal das Nachtleben hier auch erst um 24 Uhr startet und meist bis 5 Uhr morgens anhält). Inzwischen bin ich auch in meiner neuen Unterkunft eingezogen, ein kleines Zimmer in der Wohnung einer ca. 50-jährigem Chilenin. Das Zimmer ist sehr einfach, aber dafür günstig und ich habe alles was ich brauche und fühle mich auch soweit recht wohl. Zudem ist meine „Gastmama“ sehr freundlich, tauscht sich mit mir immer wieder zwischendurch in einem Mix aus Deutsch, Englisch und Spanisch mit mir aus und verschreibt mir sogar ein paar Medikamente als sie mich nachts husten hört (sie ist Ärztin). Kein Wunder, dass ich mich erkältet habe, denn nachts wird es inzwischen richtig kalt (bin ich nicht mehr gewohnt) und eine Heizung gibt es in meinem Zimmer leider nicht, so dass ich mich nachts unter mehrere Decken flüchten muss.
Wir könnten sicherlich noch viele Tage in Santiago verbringen, ohne dass wirklich Langeweile aufkommen würde, aber es zieht uns weiter. Am Freitag geht es nach Vina Del Mar, einem Küstenort ca. 2h von Santiago entfernt, der deutlich kleiner und etwas entspannter als die Hauptstadt sein soll. Hier werde ich dann auch meine spanischen Sprachkünste für eine weitere Woche fortsetzen. Irgendwie freue ich mich auch schon darauf, dem Großstadtdschungel erstmal den Rücken zu kehren, das Meer wiederzusehen und auch wieder mit Susi ein gemeinsames Apartment teilen zu können. Ich bin gespannt, was uns die nächste Woche an weiteren Erlebnissen bescheren wird...Læs mere
¡Bienvenido! Esto es Valparaiso
21. april 2019, Chile ⋅ ☀️ 15 °C
Es wird mal wieder Zeit für ein Footprint! Allerdings möchte ich eher die Bilder und die Musik sprechen lassen, als das ich hier jetzt einen Roman schreibe!
Wir sind inzwischen in Vina Del Mar, eine Stadt, die an einer Bucht des Pazifiks liegt. Ich wollte unbedingt dahin um mir noch ein paar Sonnenstrahlen ein zu fangen und Jens hat sich entschieden seinen Sprachkurs hier in Vina Del Mar fort zu führen. Leider spielt das Wetter nicht so mit wie erwartet , seit gestern bewölkt und regen. Noch ein Grund mehr um sich um einen neuen Text, Video, Klavierstück zu kümmern...
Direkt neben Vina Del Mar liegt die Hafenstadt Valparaiso, die eigentlich auch unser Favorit für diese Woche war, dennoch hatten wir von vielen Seiten gehört das die Stadt recht unsicher sein soll und somit waren wir zu ängstlich uns darauf einzulassen eine Woche dort zu verbringen. Attraktiv soll sie dennoch sein und somit machen wir eine tour for tips mit. Eine tolle Sache, denn nach der Tour kann man einfach so viel Geld geben wie man möchte.
Und wir hatten uns nicht zu viel versprochen. Valparaiso ist bunt, hat kleine Gassen, einen tollen Hafen und auch das Wetter ist an diesem Tag phänomenal.
Der Guide führt uns durch sämtliche Straßen, zeigt uns die Street Art Kultur, die sich über die ganze Stadt verteilt, ziehen an Straßenmusik vorbei, essen Alfajores ( Zwei Kekse überzogen mit Vollmilchschokolade und dazwischen ist eine Art Karamellmasse, superlecker!) und nehmen den Flair dieser Stadt auf.
Hier ein Video , mit ein paar Eindrücken! :-)Læs mere
Zwischen Hochhäusern, Gärten und Dünen
26. april 2019, Chile ⋅ 🌙 13 °C
Der Sand steht zentimeterhoch in meinen Schuhen als ich mich wieder die steilen Sandberge hinaufkämpfe. Der Sand ist butterweich, ich versinke bei jedem Schritt, fast wie in Pulverschnee. Und trotzdem bin ich kläglich gescheitert, mit einer improvisierten Rutschmatte (in Wirklichkeit eine Plastikschale), den Hang hinunterzudüsen. Ob es an der Reibung des Sandes oder doch an der nicht ganz optimalen Aerodynamik meines Turbo-Gefährtes liegt, kann ich schwer sagen, aber trotz des steilen Hanges bleibe ich etwa jeden Meter im Sand stecken und komme nur mit Händen und Füßen vorwärts. Meine Versuche sehen dabei wahrscheinlich extrem lächerlich aus. Immerhin hat Susi was zu lachen, die mich ermutigend von hinten anfeuert. Enttäuschend, aber auf diese Weise bleibt mehr Gelegenheit, die beeindruckenden Sanddünen der „Dunes de Cocon“ zu bestaunen. Nördlich von Vina Del Mar erheben sich diese hohen Dünen einige Kilometer weit zwischen Hochhäusern und der Küste des pazifischen Ozeans. Feiner Sand soweit das Auge reicht, der dazu verlockt, wieder Kind zu sein. Ich hüpfe die Dünen hinab, schmeiße mich in den Sand und lasse mich einfach auf die weichen angenehm warmen Hänge fallen. Dabei immer den fantastischen Blick auf die Küste von Vina Del Mar und Valparaiso. Obwohl die Dünen relativ gut und schnell mit dem Bus erreichbar sind, ist es hier angenehm ruhig und leer. Bis zum Sonnenaufgang verteilen sich nur noch wenige andere (hauptsächlich junge Pärchen, die den Sonnenuntergang genießen möchten) in den weiten Dünen. Von Massentourismus fehlt hier jede Spur. Vielleicht haben wir aber auch einfach Glück, dass die Hauptsaison schon lange vorbei ist und die Tage spürbar kühler werden. Wie auch immer, die Dünen sind eine echte Oase der Ruhe und wir verbringen hier den gesamten Nachmittag als würdigen Abschluss unseres Aufenthaltes in Vina Del Mar.
Unsere Woche in Vina Del Mar neigt sich dem Ende und damit bereits die zweite Woche meines Spanischkurses. Während ich am Vormittag stets in der Schule büffele, kann Susi die Zeit für sich genießen und den Tag ganz entspannt angehen lassen. Wir haben mit unserer Unterkunft eine gute Wahl getroffen, ein Appartment in einem großen neuen Appartment-Hochhaus. Modern, hell und sauber und sehr zentral gelegen. Einziger Wermutstropfen ist mal wieder der Krach aus der Umgebung, denn den lauten Verkehr von der anliegenden vielbefahrenen Hauptstraße hört man doch deutlich, auch wenn wir uns im 10. Stockwerk befinden. Was soll’s, das sind wir ja von Santiago inzwischen schon gewohnt und die Nächte schlafen wir trotzdem ganz gut durch. Neu sind allerdings die vielen kleinen Erdbeben, die mich nachts immer mal wieder wachrütteln. Komisches Gefühl, aber wie mir die Chilenen beigebracht haben, wird in Chile jede Erschütterung unterhalb von Skala 7 gar nicht als Erdbeben gewertet. Erst darüber verdient es den Namen „Terremoto“. Vina del Mar ist spürbar entspannter als Santiago, ein beliebter chilenischer Urlaubsort mit vielen Grünflächen und Parks, Kneipen, Restaurants Cafés und natürlich einigen schönen Stränden, an denen man wunderbar nach Feierabend entspannen und „abhängen“ kann. Zudem bekommt man den Herbst hier nicht mehr nur am kühleren Klima zu spüren, sondern auch an den sich buntverfärbenden Blättern der vielen Bäume zu sehen. Ein Stück weit erinnert die Szenerie an einen schönen sonnigen Herbsttag in Deutschland und lässt uns für einen Moment auch wieder an unsere schöne Heimat zurückdenken, in der jetzt wohl gerade erst die ersten Blüten des Frühlings zu sprießen beginnen. Die Herbststimmung wird natürlich gebührend von uns genutzt und wir machen einen kleinen obligatorischen Ausflug in den gefühlt 247ten botanischen Garten unserer Reise 😂 Zu unserer Verteidigung muss jedoch gesagt werden, dass der Ausflug diesmal von meiner Schule organisiert wurde und als kleines i-Tüpfelchen noch ein schönes BBQ im Garten veranstaltet wurde. Lecker chilenische Bratwurstbrötchen 🙂 (die aber leider nicht ganz an das gute deutsche Original heranreichen).
Ansonsten verbringen wir die Woche relativ entspannt: an den beiden kühlen Regentagen machen wir es uns in unserem Apartment gemütlich und schauen seid langem mal wieder etwas mehr Fernsehen (aber natürlich auf Spanisch 🙂), ich lerne wie man Sopapillas macht (eine Art frittiertes Kürbisgebäck, anscheinend der chilenische Klassiker für Regentage), wir machen ein ausgiebiges Picknick am langen Sandstrand, Susi stattet am Vormittag dem lokalen Fischmarkt einen Besuch ab (und kann das Spektakel beobachten, wie fette Seelöwen gierig die Fischreste verschlingen) und ich komme in das Vergnügen, meinen ersten „Terremoto“ zu verkosten (gar nicht mal so schlecht und Susi hält mich fürsorglich davon ab, die 1 Liter Kanne vollständig zu leeren 😊).
Wir haben durchaus eine schöne Woche in Vina Del Mar, merken aber auch, dass die zwei Wochen „Großstadtleben“ uns erstmal wieder reichen. Wirsing wohl doch Naturburschen und freuen uns wieder auf Ruhe, Natur und beeindruckende Landschaften. Es wird Zeit für uns weiterzureisen. Wir fahren in die Wüste. Atacamaz, wir kommen...Læs mere
Strampeln im Tal des Todes
28. april 2019, Chile ⋅ ☀️ 19 °C
Eigentlich beginnt hier ja so langsam der Winter. Davon spüren wir beide aber reichlich wenig. Wir befinden uns in der Atacama-Wüste, dem trockensten Ort der Erde. Die Sonne knallt unerbitterlich. Auch wenn die Temperatur „nur“ maximal 30° ist, schnaufen wir ordentlich. Wir schieben unsere Fahrräder entlang der Straße den steilen Berg hoch. Fürs weitere Strampeln fehlt uns beiden die Kraft und Schatten suchen wir vergeblich. War ja auch besonders schlau von uns, unsere Tour genau zur unerbitterlichen Mittagshitze zu starten. Zeitweise mal immer wieder mit dem kurzen Gedanken, einfach wieder umzudrehen, kämpfen wir uns doch Meter für Meter nach Vorne. Auch wenn wir das Ziel noch nicht sehen können, kann es doch eigentlich nicht soweit sein und die Hoffnung, dass es nach der nächsten Kurve besser wird, treibt uns voran. Immer wieder höre ich ein leichtes Fluchen von Susi, wie ich sie dazu überreden konnte, Fahrräder zu leihen und heute die Gegend auf zwei Rädern zu erkunden. Immer wieder kann ich sie ein bisschen mit dem Argument besänftigen, dass sie zumindest heute ordentlich Sonne tanken kann und schön braun wird 😊 Aber ein bisschen kann ich auch ihren Frust auch nachvollziehen. Der Typ beim Verleih hat doch gesagt, dass wir nur etwa 30 Minuten bis zum Ziel brauchen, das hat sich entspannt angehört. Mittlerweile sind wir aber schon über eine Stunde unterwegs und scheinen auch die einzigsten Radfahrer auf dieser Strecke zu sein. Hat mich mein perfektes Spanischverständnis vielleicht doch wieder mal im Stich gelassen? Ich werfe lieber nochmal einen Blick auf die Karte, die wir großzügigerweise gratis zum Verleih dazubekommen haben. Diese ist allerdings eine einzige Frechheit, ein kleiner DIN A5 Zettel, auf dem künstlerisch ein paar wenige Hauptstraßen dargestellt sind. Maßstabsgetreu ist die bestimmt nicht, aber ein kurzer Abgleich mit Google Maps lässt mich erahnen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unser Ziel: Der „Piedra del Coyote“, ein Ausblickspunkt mit Panoramablick über das Valle del Luna. Den Namen verdankt der Ort dem Cartoon „Road Runner“. Wer sich erinnert: Karl der Coyote versucht auf kreativste Art und Weise den Strauß Road Runner zu jagen und als Mahlzeit zu vernaschen. Meist endet der Versuch aber kläglich damit, dass Karl einen ungewollten Abgang über eine Steile Klippe macht. Genau diese besagte Klippe ist hier zu finden (mit etwas Fantasie passt der Vergleich tatsächlich 😄). Wir halten schließlich durch und erreichen nach knapp 90 Minuten dieses Ziel, davon wahrscheinlich 80% geschoben. Ich vermute, dass wir zu Fuß wahrscheinlich schneller gewesen wären, aber ich halte es nicht für den richtigen Zeitpunkt diese Vermutung jetzt mit Susi zu teilen, die am Ausblickpunkt vorrangig weniger das Panorama bestaunt als Rettung in einer kleinen schattigen Ecke hinter einer Hütte sucht. Ich kann es ihr nicht verübeln, mir geht es ähnlich. Wir stärken uns erstmal mit Empanadas und Donuts und tanken Energie, um schließlich doch auch die wirklich schöne Aussicht zu genießen.
Eigentlich sind ihr jetzt guter Dinge. Der Rückweg müsste lediglich bergab gehen, also wirklich entspannt, einfach rollen lassen und den Fahrtwind genießen. Hört sich gut an, hätten wir nicht beschlossen, einen anderen Rückweg zu wählen und durch das „Tal des Todes“ zu radeln. Auf meine 1A Karte sieht die Strecke eigentlich genauso lang aus wie der Hinweg und nach allen Gesetzen der Physik sollte es ja ebenfalls bergab gehen, wenn wir wieder am Ausgangspunkt landen werden. Was allerdings nicht zu erahnen war: um besagte Straße zu erreichen, führt uns der Weg zunächst über eine schöne Abfahrt, um anschließend den erreichten Höhenunterschied wieder mit einer Steigung ausgleichen zu müssen. Es heißt also wieder schieben, diesmal aber nicht mehr auf schöner asphaltierter Straße, sondern auf einem sandigen Boden, der ein Fahren fast unmöglich macht. Erneut erweisen sich unsere Räder eher als Last denn als Hilfe. Das Fluchen wird häufiger und nur mit viel Disziplin und der Hoffnung, dass sich das Tal des Todes lohnt, schieben wir unsere Räder wieder bis zum Gipfel. Oben angekommen, erstmal Ratlosigkeit. Die Straße ist durch eine Absperrung gesperrt. Ein verstaubtes Schild weist mit einem Pfeil den Weg auf eine Anhöhe zum angeblichen Eingang. Mit dem Fahrrad geht es hier aber nicht weiter. Ich opfere mich, lasse Susi im Schatten stehen und begebe mich über einen steilen Fußweg auf die Suche nach dem angeblichen Eingang. Tatsächlich befindet sich auf dem Gipfel eine kleine Hütte, wo ich Eintrittskarten für das Tal kaufen kann. Ich schüttele meinen Kopf, wer sich das ausgedacht hat! Nicht verwunderlich, dass ich heute der erste zu sein scheine, der hier ein Ticket gekauft hat. Mit Eintrittkarten gerüstet können wir schließlich unsere Fahrräder um die Absperrung herumschieben und unsere „Fahrt“ fortsetzen. Zum Glück geht es jetzt wirklich nur noch bergab, auch wenn wir immer wieder absteigen müssen, um die Räder durch tiefen Sand zu schieben. Dennoch ist das schwerste überstanden 🙂 Trotz aller Hindernisse, haben sich die Strapazen doch gelohnt. Wir blicken in ein weites unwirkliches Tal mit roten skurrilen Gesteinsformen und hohen Sanddünen. Im Hintergrund die hohen steilen Vulkane Chiles in weiter Ferne. Sieht wirklich toll aus und ist eine Landschaft, die wir so auf unserer Reise noch nicht erlebt haben. Auf den Sanddünen übt sich außerdem eine Gruppe beim Sandboarden. Auch wenn mir einer aus der Gruppe versichert, dass es unglaublich Spaß macht, habe ich so meine Zweifel. Die Fahrt auf dem Sandboard ist nur gerade abwärts möglich ohne Schwünge und der Sand scheint die Abfahrt deutlich stärker als Schnee zu bremsen. Ein kurzes Vergnügen, dem anschließend wieder ein mühsamer Aufstieg durch weichen Sand auf die Dünen folgt. Ob sich diese Mühen wirklich lohnen? Uns reicht jedenfalls der Aufstieg zu Fuß, um die schöne Aussicht zu genießen und uns ein wenig im Sand der Dünen auszuruhen.
Gegen späten Nachmittag treten wir schließlich wieder den Rückweg an. Aus dem „halbstündigen“ Ausflug sind inzwischen fast sechs Stunden geworden. Aber der Tag hat sich rückblickend doch auf jeden Fall gelohnt und wir sind auch für unsere Mühen ausreichend belohnt worden. Und braun sind wir auch geworden 😊 Nur Fahrräder werden wir die nächsten Tage sicherlich nicht nochmal mieten... 😉
Anmerkung: Wie ich später erfahre, heißt das Tal des Todes eigentlich “Valle de Marte”, also „Mars-Tal“ (wegen der roten Sterne). Irgend jemand mit hat dann aber aus dem „Valle del Muerte“ gemacht, was „Tal des Todes“ heißt (wahrscheinlich so jemand wie ich mit mangelnden Spanischkenntnissen). Seitdem ist das Tal bei vielen Touristen als Tal des Todes bekannt. Klingt ja auch irgendwie cooler... 😄Læs mere
In den Fußstapfen von Neil Armstrong
29. april 2019, Chile ⋅ ☀️ 20 °C
„Ein kleiner Schritt auf dem Mond, ein großer Schritt für uns... „Wir wandeln auf den Fußspuren von Neil Armstrong durch eine skurrile Mondlandschaft im „Valle del Luna“. Mit einem kleinen Tourbus klappern wir die Highlights dieses Tals ab, welches seinen Namen im Wesentlichen durch einen riesengroßen mondkraterähnlichen Abschnitt erhalten hat. Der Boden ist größtenteils von einer dünnen Salzschicht bedeckt und schimmert weiß wie Schnee in der Sonne und verstärkt dadurch noch den Eindruck, sich auf einem fremden Planeten zu befinden. Das „Valle del Luna“ ist eines der ausgeschriebenen Must Do‘s in San Pedro und bietet wirklich eine tolle Szenerie. Die karge Landschaft ist an einigen Stellen von außergewöhnlich geformten Salzsteinen verziert und wir können Steine z.B. in Form eines T-Rex Schädel und von betenden Maria-Statuen bestaunen. Bei letzteren wurde leider eine von drei Gesteinsformen vor einigen Jahren von einem Touristen zerstört als er die Gesteinsform für ein exklusives Foto erklimmen wollte. Ich kann mir schon sehr gut vorstellen, wie da ein chinesischer Tourist mit Selfie-Stange gerüstet an der Statue gehangen und diese umgerissen hat 😂
Auch wenn wir am heutigen Tag größtenteils mit dem Bus chauffiert werden und die Anstrengung kein Vergleich zu den gestrigen Strapazen ist, steht auch ein kleiner Spaziergang auf dem Programm der Tour, bei dem wir eine der steile Sand-Felsen-Dünen besteigen und vom Gipfel nochmal mit einem wunderschönen Panoramablick über das Tal belohnt werden. Auch wenn gewisse Ähnlichkeiten mit dem „Valle del Marte“ erkennbar sind (welches wir gestern mit den Fahrrädern besucht hatten), hat das Tal seinen ganz eigenen Charme.
Gegen späten Nachmittag bringt uns der Bus dann für den Sonnenuntergang zum „Piedra del Coyote“. Moment, da waren wir doch gestern schon einmal und ich spüre Susi‘s tiefen durchdringenden Blick, der mir zu verstehen gibt, dass wir uns die Strapazen gestern dann ja auch hätten schenken können. Etwas dumm gelaufen, wer hätte das auch ahnen können? 😉 Eigentlich aber auch nicht wirklich schlimm, denn heute sind wir ja zum Sonnenuntergang hier, ist also nochmal etas besonders. Bei der Ankunft merken wir allerdings schnell, dass dieses „Must Do“ natürlich weit bekannt ist. Unmengen an Tourbussen und Ausflüglern positionieren sich bereits entlang der Klippe, um den „besten“ Platz für das abendliche Spektakel zu erhalten. Susi und ich sichern sich schnell noch ein Steinchen, auf dem wir halbwegs ungestört und ohne zuviel Trubel den Sonnenuntergang genießen können. Tatsächlich müssen wir aber feststellen, dass der Sonnenuntergang jetzt gar nicht sooooo spektakulär ist, da sich die Sonne bereits hinter einer Bergkette und nicht wie zunächst erwartet direkt im Valle del Luna senkt. Trotzdem erleben wir ein sehr schönes Farbspiel, denn die Sonne färbt das Gestein in herrlichen warmen Rottönen und schafft einen würdigen Abschluss eines weiteren wunderschönen Tages an diesem magischen Ort.Læs mere
Die Pinselstriche Gottes
30. april 2019, Chile ⋅ ☀️ 10 °C
Wenn man manche atemberaubende Landschaften dieser Erde mit eigenen Augen sieht, fällt es manchmal schwer zu glauben, dass unsere Welt nur eine zufällige Laune der Natur ist. Vielmehr wirken diese Landschaften als hätte ein künstlerischer Schöpfer hier ganz bewusst mit Pinsel und Farbpalette unsere Welt gestaltet. So geht es uns als wir heute über die unglaublichen, magischen ja unwirklich wirkende Hochebene in der Nähe der Atacama Wüste blicken. Ein harmonisches Spiel aus weichen Farben kennzeichnet hier die Landschaft aus flachen Ebenen, hohen Vulkanen und blauen Lagunen, die sich durch die verschiedensten Mineralien in ganz unterschiedlichen Farben präsentieren. An dieser Stelle sprechen die Bilder am besten für sich selbst begleitet von einem wunderschönen Klavierstück aus Susis Händen 😀Læs mere
Time to say adios and goodbye
2. maj 2019, Chile ⋅ 🌙 7 °C
Für mich heißt es nun Abschied nehmen. 😩Abschied von einer wunderbaren Zeit ! I keep all the memories in my mind! Ich hoffe für immer! ❤️
Ich freue mich aber auch auf ein Wiedersehen mit meiner Familie und Freunden, das Gefühl wieder zu Hause zu sein. Ich glaub das Erste was ich mache, ist erstmal richtig schön fränkisch essen gehen! 🍻🍗
Dennoch bin ich recht wehmütig, da die Zeit doch so schnell immer vergeht! Aber that's life und Zeit kann man nun mal nicht anhalten! Aber ich bin so glücklich und dankbar für die Erlebnisse, Menschen,Momente, Tiere und Landschaften die ich sehen durfte! So viel das ich das erstmal alles "sacken" lassen muss, währrend der Reise konzentriert man sich ja meistens auf das hier und jetzt!
Goodbye mein süßes Lama, welches uns noch die letzten Tage in Chile versüßt hat. Adios ihr zwei Hundchen, einer verschmuster wie der andere, die immer wieder treu an unserer chilenischen Unterkunft vorbeigeschaut haben um sich ein paar Streicheleinheiten zu holen. Heute Morgen hat uns dann noch eine Katze besucht , ohne Ohren allerdings 😬
Goodbye Atacama , du hast mir nochmal atemberaubende Landschaft gezeigt die ich auch nicht zu schnell vergessen werde ( Blocks folgen noch )...ein wenig Atacama Sand/Staub werde ich wohl auch unbewusst mit nach Deutschland bringen.🙃🙂
Und ach ja ein hauch von braun meine ich auch noch abbekommen zu haben,aber ich denke das realisiert nur der Jens und ich! 😎Tja ist halt so.
Ich gehe mit einem lachenden und weinenden Auge fort. 😀😢
Jetzt hier alle Erinnerungen nochmal aufzuschreiben wäre zu lang, das Wichtigste ist sowieso das was man im Kopf behält!
Vorerst natürlich auch goodbye to Jens, pass gut auf dich auf! Aber wir sehen uns ja bald wieder!:-)Ich werde Dich auf deiner Weiterreise noch musikalisch begleiten!:-)
Und unser Abschiedsselfie ist legendär!🤗😘Læs mere
Rosa Flamingos in roten Lagunen
3. maj 2019, Bolivia ⋅ ☀️ 13 °C
Der bolivianische Grenzposten schaut mich recht grimmig an, als ich ihm meinen Reisepass reiche. Auch mein freundliches Lächeln mit einem gut gemeinten “Buenos Dias“ lockert die Situation nicht wirklich auf. Dann greift er schließlich zum Stempel und versieht meinen Pass mit dem erforderlichen Siegel ohne auch nur einmal ansatzweise in das Formular zu blicken, welches ich zuvor liebevoll in Druckbuchstaben ausgefüllt habe. Yippee, ich darf nach Bolivien einreisen. Draußen bildet sich vor der kleinen Containerhütte bereits eine lange Schlange von Einreisewilligen, denn es ist gerade Stoßzeit für alle Tourenbusse, die ihren Weg von San Pedro in Richtung der Salar de Uyuni suchen. Unser Bus ist extra früh bereits um 6 Uhr morgens gestartet, um den Grenzübergang als einer der ersten zu erreichen. Der Plan ist leider nur halb aufgegangen. Zwar waren wir einer der ersten Busse auf dem Weg, mussten dann allerdings an einer Straßensperrung stoppen und eine gute Stunde warten, bis sich die chilenischen Caballeros schließlich aus ihrem Auto erhoben haben, um die Schranke zu öffnen (obwohl sie schon mindestens eine halbe Stunde davor in ihrem Auto gewartet hatten!!!). Ilse (eine Mitreisende aus Holland) erzählt mir, dass sie vor zwei Jahren auch ca. zwei Stunden warten mussten, weil der Grenzübergang anscheinend zugeschneit war. Als sie dann aber später am Grenzübergang ankamen, gab es kein Anzeichen von Schnee und die Grenzposten waren gerade dabei, eine Partie Tischtennis zu spielen. Hier weht halt doch ein anderer Wind... 😉
Ich habe heute morgen meine dreitägige Tour von San Pedro zu der berühmten Salzwüste Boliviens gestartet. Ab jetzt leider wieder alleine, da Susi am gestrigen Tag wieder die Heimreise nach Deutschland angetreten hat und ich mich schweren Herzens erstmal von ihr verabschieden musste. Nach all der langen intensiven Zeit, die wir in den letzten Monaten miteinander verbracht haben, wird dies sicherlich eine Umstellung für mich sein und ich fühle mich noch ein wenig unsicher, was mich die nächsten Wochen erwarten wird. Zum Glück habe ich eine nette Gruppe für meine Tour erwischt: ein Pärchen aus Holland (Florian + Ilse), ein Pärchen aus England (Charlotte + Dan) (beide Paare etwa in meinem Alter) und ein junger Kerl aus Hong Kong. Alle sind sehr aufgeschlossen und wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut (und wir werden auch eine fantastische Tour miteinander verbringen 🙂). Mit unserem Guide haben wir ebenfalls mitten ins Schwarze getroffen: “Magic Mike” spricht sehr gut Englisch, ist lustig und ein guter verantwortungsvoller Fahrer. Insbesondere trinkt er während der Arbeit keinen Alkohol (was wohl bei den Fahrern hier nicht unbedingt selbstverständlich ist). Bereits im Vorfeld hatte ich schon einige ausgezeichnete Bewertungen über ihn bei TripAdvisor gelesen. Woher er seinen coolen Spitznamen bekommen hat, werden wir auf unserer Reise leider trotz einigen Nachbohrens nicht wirklich erfahren.
Nachdem alle endlich ihren Stempel bei dem netten bolivianischen Grenzposten abgeholt haben, kann die Tour schließlich durchstarten. Wir quetschen uns zu siebt (also 6 Reisende plus unser Guide) in einen 4x4 Geländewagen, verstauen unser Gepäck auf dem Dach und düsen los über die rauhen Schotterpisten der Hochebenen Boliviens, begleitet von einem wilden Musikmix aus Mike‘s persönlicher Playliste (die aber durchaus Stimmung macht 🙂). Wir werden heute drei wunderschöne Lagunen auf unserer Fahrt bestaunen (Laguna Blanco, Laguna Verde und Laguna Colorada), die ihren Namen aus der charakteristischen Färbung des Wassers erhalten haben (Ursprung der Färbung sind übrigens die unterschiedlichen Anteile von Mineralien aus vulkanischem Ursprung), wir werden über dampfendes aktives Vulkangebiet laufen und uns schließlich bei einem Bad in heißen Quellen entspannen können, bis wir schließlich den Sonnenuntergang bei einer kleinen Pipi-Pause in den weiten Ebenen genießen können. Unsere Route liegt heute kontinuierlich in einer Höhe zwischen 4000m und 5000m. Die Sonne knallt ordentlich und die Luft ist dünn, so dass jeder kleine Spaziergang ordentlich Kraft kostet. Aber wir meistern die Höhe alle ausgezeichnet und außer ein paar Kopfschmerzen bleiben wir von sonstigen Symptomen der Höhenkrankheit zum Glück verschont. Vielleicht liegt es ja an den Unmengen von Coka-Tee, den wir inzwischen täglich zu uns nehmen?! 🙂 Magic Mike hätte aber auch für den Fall der Fälle auch noch eine Sauerstoffflasche an Bord gehabt. Wie beruhigend...😊
Die Landschaft auf unserer heutigen Route ist einfach atemberaubend, so wild und doch so friedlich. Den ganzen Tag über können wir immer wieder aus dem Auto heraus Gruppen von Pequenas sichten, die friedvoll in den Hocheben grasen. Besonders beeindruckend zeigt sich uns die Laguna Colorada, die in einem rötlichen Farbton erstrahlt und Heimat von tausenden von Flamingos ist. Ein ganz besonderer magischer Ort, an dem wir uns ausreichend Zeit lassen und eine gute Stunde verbringen dürfen. Ich habe versucht, die Stimmung in einem kleinen Video etwas einzufangen, musikalisch untermalt von Susi (die mich trotz der Entfernung zum Glück weiterhin musikalisch auf meiner Reise begleitet 🙂).
Am späten Abend erreichen wir nach einem beeindruckenden Tag schließlich unsere einfache, aber saubere Unterkunft. Nach einem leckeren Abendessen, einer heißen Dusche und ein paar Kopfschmerztabletten fallen wir alle geschafft ins Bett. Was für ein intensiver und wunderschöner Tag voller Eindrücke geht zu Ende. Auch wenn wir das Highlight der Tour mit der Salar de Uyuni erst am dritten Tag erreichen werden, war dieser erste Tag bereits der absolute Hammer und jeden einzelnen Dollar wert 😀Læs mere
Bouldern an steinigen Lavawänden
3. maj 2019, Bolivia ⋅ ☀️ 14 °C
Immer wieder wache ich nachts auf, schnappe nach Luft, bin kurz außer Atem. Dann wieder Beruhigung, die Augen fallen zu, ich schlafe ein. Dieser Zyklus wiederholt sich die ganze Nacht über, bin wohl doch noch nicht völlig akklimatisiert. Schließlich befinden wir uns mittlerweile auf 4300 m. Aber ich kenne das ja schon von Nepal und bin nicht beunruhigt 🙂 Insgesamt schlafe ich sogar ganz gut, zugedeckt mit vier dicken Wolldecken (ich vermute Lama-Wolle). Um 8 Uhr gibt es Frühstück, eine humane Zeit. Ich fühle mich ausgeschlafen und bereit für Tag 2 unserer Tour... Laut Magic Mike stehen heute Steine auf dem Programm, dann nochmal Steine, und außerdem Steine 😀 Und am späten Nachmittag dann zur Belohnung einige lokale Bierchen aus Coca und Quiona. Meine Gruppe ist komplett, keine Verluste durch Höhenkrankheit, auch wenn Charlotte am Abend zuvor ganz schöne Kopfschmerzen und Übelkeit hatte. Lag aber sicher auch am kurvigen letzten Abschnitt unserer Fahrt (ich musste fest an Susi denken, die hier sicherlich auch kapituliert hätte).
Bei Sonnenschein und strahlend blauem Himmel brechen wir auf. Laut Thermometer sind es gerade 2°C, aber durch die Sonnenstrahlen fühlt es sich angenehm an. Magic Mike hat nicht zuviel versprochen: wir klappern heute eine Felsformation nach der anderen ab, unter anderem den „World Cup“ und das „Kamel“. Aber uns wird nicht langweilig, wir klettern über die Steine, albern herum, machen lustige Fotos. Wir haben viel Spaß und die Fahrtstrecken sind heute angenehm kurz. Beeindruckend ist, dass alle Felsen vulkanischer Natur sind, erstarrte Lava sozusagen. Wenn man die weiten, hohe Felsenlandschaft sieht, kann man nur ansatzweise erahnen, welche Naturkräfte hier vor Millionen von Jahren gewütet haben müssen. Ein kurzer Stop an einem Canyon verschafft uns ein weiteres einmaliges Panorama. Grand Canyon lässt grüßen. Ich verzichte allerdings auf ein Selfie am steilen Abgrund. Meine Höhenangst sagt mir, dass ich auf dem Foto nicht lächeln würde 😊
Zum Abschluss verspricht uns Magic Mike verspricht uns außerdem heute viele Lamas zu sehen. Ich bin skeptisch, den versprochenen Fuchs von gestern haben wir auch nicht gesehen und ich ziehe ihn mehrmals damit auf. Umso peinlicher ist es schließlich für Mike als die Lama-Weide, auf der angeblich normalerweise hunderte von Lamas grasen, ausgerechnet heute leer ist. Mike kann es kaum fassen. Wir geben nicht auf und fahren noch etwas weiter und schließlich treffen wir doch noch auf eine Lama-Gruppe. Also raus aus dem Auto und über die moosartige Weide, die von kleinen Bächlein und Teichen durchzogen ist. Charlotte hat es sich fest in den Kopf gesetzt ein Selfie mit einem Lama zu schießen und beweist vollen Einsatz. Zu großen Einsatz, denn beim Sprung über einen der Teiche unterschätzt sie die Entfernung und „Plumps“ landet bis zur Hüfte im matschigen Wasser. Dumm gelaufen und mit dem Selfie hat es trotzdem nicht geklappt 😂 Aber ein paar Lama Aufnahmen haben wir dann doch schließlich im Kasten...
Der Tag neigt sich dem Ende. Wir machen wie versprochen noch einen Halt an einer Bier Bar in einem absolut verlassenen Ort und genießen unsere kühlen lokalen Bierchen. Insbesondere Coca Bier hat einen äußerst interessanten Geschmack, erinnert ein bisschen an Marihuana. Gewöhnungsbedürftig, aber soll ja gegen Symptome der Höhenkrankheit helfen 😄 Am Abend kehren wir dann schließlich in unsere Unterkunft ein. Sieht von außen aus wie eine Baustelle, aber innen dann überraschend schick. Ein schnuckeliges kleines Hotel aus Salzstein gebaut. Einen kurzen Moment überlege ich, ob ich mal bei den Stein lecken sollte, um mich von der Echtheit zu überzeugen, will mir dann aber doch nicht den Appetit verderben 😉 Nach einem leckeren Essen, chilenischen Wein und einer heißen Dusche geht es dann früh ins Bett. Oh mein Gott, morgen müssen wir um 4:30 Uhr aufstehen!!! Aber das nehmen wir gerne in Kauf. Uns erwartet ein einmaliger Sonnenaufgang in der Salar de Uyuni 😀Læs mere
Spieglein, Spieglein an der Wand...
5. maj 2019, Bolivia ⋅ ⛅ 13 °C
Es gibt Orte auf dieser Welt, von denen man schon hunderte Fotos gesehen hat und bei denen es dann doch einem die Sprache verschlägt, wenn man sie mit eigenen Augen sieht. Es ist knapp 6 Uhr morgens, ich stehe barfuß in einige Zentimeter tiefen eiskalten Salzwasser, am Horizont drücken sich die ersten Sonnenstrahlen durch den dunklen Himmel und erzeugen ein bizarres Farbenspiel. Ich gehe einige Schritte, wate durch das Wasser versuche mich zu orientieren. Fast verliere ich das Gefühl, wo oben und unten ist, denn der Himmel mit seinen zerrupften Wolken spiegelt sich nahezu perfekt im seichten Salzwasser und verschleiert den Horizont. Es ist als stehe ich auf der Oberfläche eines Ozeans, in dem es absolut keinen Wellengang gibt. Um mich herum Stille, nur ein leises Flüstern, sonst Sprachlosigkeit und Ehrfurcht. Maximal ein leises Stöhnen ist hin und wieder zu vernehmen, weil das eiskalte Wasser einen tiefen Schmerz an den Füßen erzeugt.
Ich befinde mich an einem der wohl unwirklichsten Orte dieser Welt in der weiten Salzwüste der Salar de Uyuni, welche sich über eine Fläche von knapp 10000 Quadratkilometer erstreckt. Eine endlose Weite aus strahlend weißem Salz. Nur schwach lässt sich am Horizont die umliegende Hügellandschaft erkennen, welche in knapp 50 km Entfernung liegt. Während der Regenzeit von Dezember bis Februar staut sich auf der Oberfläche der Salzwüste einige Zentimeter hoch Regenwasser und erzeugt einen nahezu perfekten Spiegeleffekt des Himmels. Die Chinesen scheinen die Salzwüste wohl auch gar nicht unter dem Namen „Salar de Uyuni“ sondern nur unter der Bezeichnung „Mirror of the Sky“ zu kennen. Wir haben Glück und sind praktisch zur besten Jahreszeit in der Salzwüste, denn das angestaute Wasser verdunstet in den Folgemonaten und ab etwa Mitte Mai ist die Salzwüste wieder komplett ausgetrocknet und zeigt sich dann in einer ebenfalls beeindruckenden endlosen weißen Landschaft. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es sowohl Bereiche der Salzwüste, die noch Wasser tragen, wie auch Bereiche, die bereits ausgetrocknet sind. Dadurch können wir im Laufe des Tages heute beide Landschaften bestaunen.
Wir beziehen Stellung, nehmen unsere Posen ein und warten auf das Kommando von Magic Mike, der ein beeindruckendes Video von unserer Gruppe machen möchte. Langsam umrundet uns Mike mit seinem Jeep in einem großen Radius, während wir in unseren Posen verharren. Dann kommt das Kommando und wir wechseln schlagartig unsere Posen. Viermal umrundet uns Mike, minutenlang stehen wir im eiskalten Wasser, ertragen Schmerzen, fluchen. Was tut man nicht alles für ein tolles Video? Aber das Ergebnis ist beeindruckend. Im Zeitraffer wirkt die Szenerie wie eine moderne Computeranimation, absolut beeindruckend. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass hier nichts nachträglich bearbeitet wurde 😊
Wir flüchten so schnell es geht wieder in den Jeep und versuchen das zu retten, was von unseren Füßen übrig geblieben ist. Es dauert eine gute halbe Stunde bis ich wieder alle Zehen spüre und der stechende Schmerz, als das Blut in die Füße zurückfließt, überstanden ist. Mike legt eine Modern Talking Playliste ein und wir lenken uns so gut es geht mit lauter Musik ab. Trotz Schmerzen ist die Stimmung super, denn wir alle sind noch voller Euphorie über das, was wir eben erleben durften. Unser nächster Stop ist eine kleine Insel inmitten der Salzwüste, die von abertausenden Kakteen besiedelt ist. Wenn man denkt, der Anblick könnte nicht noch unwirklicher werden, dann wird noch einer draufgesetzt. Während Mike unser Frühstück vorbereitet (mittlerweile ist es so etwa 8 Uhr), erkunden wir auf einem kleinen Rundweg die Insel und Freunden uns mit den stacheligen Gewächsen an.
Gestärkt durch Müsli, Kuchen und Coca-Tee machen wir uns auf die nächste Etappe unserer heutigen Tour. Wir stoppen in einem weiten ausgetrockneten Bereich der Salzwüste, um lustige Fotos und Videos aufzunehmen. Denn durch die absolut flache gleichmäßig weiche Ebene, verliert man jegliches Gefühl für Größe und Entfernung. Bei richtig gewählter Perspektive lassen sich hierdurch sehr witzige Effekte erzielen. Magic Mike beweist sich als erfahrenen Regisseur, gibt uns Tips, dirigiert, filmt selbst, so dass wir ein paar großartige Aufnahmen in den Kasten bekommen und jede Menge Spaß haben. Super ist auch, dass wir absolut alleine in unserem Bereich sind und echte Einsamkeit spüren können. Denn obwohl die Salzwüste sicherlich die Touristenattraktion Nummer 1 ist, verteilen sich alle Touren wunderbar in der weiten Wüste.
Unsere Tour neigt sich dem Ende und nach einem leckeren Mittagessen machen wir uns auf den Weg nach Uyuni, wo sich unsere Gruppe wieder trennen wird. Einen letzten Stop legen wir noch an dem „Train Cementery“ ein, einem Friedhof für alte Züge, der inzwischen eine weitere Touristenattraktion geworden ist und sich ideal für ein weiteres kleines Foto-Shooting eignet. Danach heißt es Abschied nehmen, Abschied nehmen von Magic Mike, Abschied nehmen von meiner Gruppe, die ich in den letzten tagen lieb gewonnen habe und die jetzt leider wieder ihre eigenen Wege gehen müssen. Wir werden in Kontakt bleiben und uns mit Sicherheit nochmal auf dieser Reise oder auf zukünftigen Reisen wiedersehen. Denn so groß unsere Welt auch ist, so überraschend ist es doch, dass man sich irgendwie doch immer wieder an den unterschiedlichsten Orten begegnet.
Die letzten drei Tage waren intensiv, kurzweilig, spaßig und beeindruckend. Die knapp 200 Dollar für die Tour mehr als gut investiertes Geld für mit Sicherheit prägende und bleibende Erinnerungen. Am Abend setze ich mich schließlich in den Nachtbus nach La Paz. Meine Reise geht nun erstmal wieder alleine weiter...Læs mere
Wahrsagung auf über 4000 Metern
6. maj 2019, Bolivia ⋅ ⛅ 15 °C
Die ältere Schamanin grinst mich mit ihrem Metallgebiss an. Dann greift sie in eine Tüte, nimmt ein Bündel Coca-Blätter heraus und wirft diese schwungvoll auf den Tisch. Anschließend schiebt sie einige Blätter nicht nachvollziehbar hin und her und betrachtet jedes einzelne Blatt kritisch. Während die Schamanin ihr Ritual verfolgt, werde ich von zwei dekorierten Totenköpfen aus einem Regal angeschaut. Schließlich haben die Coca-Blätter gesprochen, meine Zukunft wird bestimmt durch einige vertrocknete, angeknabberte Blätter. Die Schamanin lässt mich wissen, dass ich in nächster Zeit umziehen werde und meine Arbeit wechsele (tut mir leid Kollegen, aber so steht es in den Coca-Blättern 😂), und ich werde sehr zufrieden sein. Ich werde Susi heiraten und mit ihr sehr glücklich werden. „Meine Zukunft könnte schlechter aussehen“, denke ich. Ich verlasse recht zufrieden den kleinen Container der Wahrsagerin und kehre auf die Straßen von El Alto zurück. Meine Investition für diese Wahrsagung (10 Bolivianos = 1,50 Euro) hat sich gelohnt 😉
Ich befinde mich auf über 4000 m im Stadtteil El Alto des höchsten Regierungssitzes der Welt. Eigentlich wollte ich La Paz nur durchreisen, nicht einmal einen Tag verbringen, da mein Bedarf an Großstadtatmosphäre erst einmal gedeckt ist. Letztlich hatte ich mich dazu entschieden, zumindest eine Nacht in La Paz zu verbringen, auszuschlafen und Energie für die nächste große Busreise Richtung Cusco zu sammeln. Da ich den Morgen bereits effektiv für meine weitere Reiseplanung genutzt habe, blieb mir noch ein freier Nachmittag, um zumindest einen kleinen Eindruck dieser außergewöhnlichen Metropole zu sammeln. Als ich mich von meinem Hostel auf die Straße begebe, bin ich sofort von der Lebhaftigkeit und dem schönen Ausblick positiv überrascht. Auf den Straßen wimmelt es von Fußgängern, die Straßen scheinen ein einziger großer Markt zu sein. Vor fast jedem Gebäude befindet sich ein Verkaufsstand mit den unterschiedlichsten Artikeln (Lebensmittel, Kleidung, Elektronik, Werkzeug, usw.), meist besetzt von einer recht korpulent wirkenden Bolivianerin in traditioneller bolivianischer Tracht mit typischem Zylinder (der Eindruck der etwas korpulenten Figur kann aber auch der weiten, aufgeblasenen Kleidung geschuldet sein 😊). Durch die überwiegend engen Gassen lässt sich immer wieder ein Blick auf die steilen Hänge von La Paz und die dahinterliegenden hohen Anden erhaschen. Über mir bewegen sich in schwindelerregender Höhe die farbigen Gondolas, die das Stadtbild so charakteristisch prägen. Diese Gondeln wurden seit 2014 in La Paz etabliert, um dem zunehmenden Verkehr durch die engen Straßen Herr zu werden und ersetzen hier praktisch die Metro in anderen Großstädten. Mehr als 10000 Menschen werden stündlich durch dieses Verkehrssystem transportiert.
Um es mir leicht zu machen und um nicht im Großstadtdschungel verloren zu gehen, habe ich für heute Nachmittag eine Red Cap Walking Tour gebucht. Wir hatten in Valparaiso mit der Stadttour bereits eine gute Erfahrung gemacht und es erscheint mir als optimale Art und Weise in kurzer Zeit eine fremde Stadt zu erkunden. Auf unserer Route für heute steht ein Besuch des Friedhofs La Paz, eine Fahrt mit der Gondel zum Aussichtspunkt und Stadtteil El Alto (wo mir auch die Coca-Blätter meine Zukunft offenbaren), ein Besuch des Witches Markets (Hexenmarkt), sowie eine Einführung in die richtige Verwendung der Coca-Blätter. Unsere beiden Guides David und Roberto sind aufgeschlossen, freundlich und sehr informativ. Am Friedhof angekommen, erzählt uns David eine Menge über die Traditionen, Rituale und den Umgang mit dem Tod in Bolivien. Denn obwohl Bolivien überwiegend streng katholisch ist, vermischen sich die uns bekannten Bräuche mit den uralten Traditionen der indigenen Stämme. So erfahren wir, dass alle 5 Jahre die Grabstätte gewechselt werden muss, um Platz zu schaffen. Aus dem ursprünglich großen Sargophag werden dann vom Bestatter die Gebeine entnommen, zerkleinert und in einen kleineren Sargophag überführt. Bei dieser Handlung ist es zwingend empfohlen, dass der Vorgang von einem Angehörigen überwacht wird, denn allzugerne werden bei diesem Zeitpunkt Schädel entnommen, die dann gewinnbringend auf dem nächsten Markt verkauft werden. Schädel spielen in der Kultur eine wichtige Rolle. Die Tradition sieht vor, dass jede Familie einen Schädel bei sich zu Hause hat. Der Schädel repräsentiert den Geist, der über die Familie wachen soll. Für die schutzbringenden Dienste erweist man dem Schädel Gefälligkeiten, indem man ihn entsprechend schmückt. Der Schädel teilt übrigens dem Familienoberhaupt direkt mit, wie er geschmückt werden möchte (meine persönlich Vermutung ist, dass die Stimmen nur durch den übermäßigen Verzehr von Coca-Blättern hörbar werden 😉) . So findet man Schädel mit Perrücken, Hüten, Sonnenbrillen, Ketten, usw.. Es ist zwingend aufzupassen, dass man den Schädel nicht verärgert oder neidisch macht, indem man zum Beispiel seinen Kindern mehr Aufmerksamkeit widmet als dem Schädel selbst. Tritt eine solche Situation einmal ein, so muss man schnell zusehen, den Schädel wieder loszuwerden. Aus diesem Grund wird sicherheitshalber einmal jährlich der Schädel in einen Tempel zurückgebracht und gegen einen neuen getauscht. Verrückte und gespenstische Sache!!!
Eine weitere angsteinflößende Geschichte erzählt uns David dann später auf dem Witches Market. Hier hängen an Buden ausgestopfte Baby-Lamas, Mumien, Knochen und andere okkulte Gegenstände, die man sich wahrscheinlich eher nicht ins Schlafzimmer stellen würde. David lässt uns wissen, dass es Brauch in Bolivien ist, vor dem Bau eines neuen Gebäudes ein Opfer zu erbringen und ein totes Baby-Lama im Fundament zu vergraben. Die erforderliche Größe des Baby-Lamas richtet sich dabei nach der Größe des Gebäudes. Eine (zum Glück nicht bestätigte) Legende besagt, dass für sehr große Bauten ein lebender Mensch im Fundament zu begraben ist, in der Regel ein Obdachloser von der Straße, der mittels Alkohol betäubt wird. Ich bin froh, dass es sich hierbei nur um eine Legende handelt (aber manches Mal ist ja auch ein Stückchen Wahrheit an jeder Legende...)
Zum Abschluss unserer Tour bekommen wir dann noch einige Informationen zum Verzehr von Coca-Blättern. Diese werden hier für Pfennigpreise an jeder Straßenecke verkauft und von den Einheimischen in rauhen Mengen in Form eines Tees getrunken oder direkt gekaut. Sie sollen eine entspannende und zugleich aufputschende Wirkung haben. Ihre volle Wirkung entfalten sie allerdings nur durch die Zugabe einer kleinen schwarzen Wurzel, welche in Verbindung mit dem Speichel als Katalysator wirkt. David zeigt uns, wie wir aus den Coca-Blättern zusammen mit der kleinen schwarzen Wurzel eine Art Kaugummi bauen, welches wir dann anschließend leicht kauend in unserem Mund lutschen. Schmeckt gar nicht mal so schlecht, ein bisschen nach Spearmint. Eine große Wirkung spüre ich zwar nicht, finde aber diesen Gebrauch auch nicht unangenehm. Soll ja auch der Höhenkrankheit vorbeugen 😊
Mein Tag in La Paz neigt sich dem Ende. Am Abend hole ich mir noch einen lokalen Snack zum Abendessen (eine Art Currywurst mit Pommes für etwa 1,50 Euro) und kehre zufrieden in mein Hostal zurück, um zu entspannen und mich auf die morgige Busfahrt vorzubereiten. Als ich auf meinem Zimmer bin, höre ich allerdings immer und immer wieder ein lautes Rumsen als ob hier ständig jemand auf den Boden knallt. Ich gehe auf Entdeckungstour und sehe schließlich aus meinem Treppenhaus, dass sich im Stockwerk unterhalb meines Zimmers eine Volleyball-Halle befindet, in der intensiv trainiert wird. Verrückte Sachen gibt es... Zum Glück endet das Trainingsprogramm gegen 20 Uhr und ich kann meine Nachtruhe ungestört genießen.
La Paz wird mir in guter Erinnerung bleiben, insbesondere weil ich ohne jegliche Erwartungen und Vorurteile in die Stadt gekommen bin. Sicherlich eine Stadt, in der man auch mehrere Tage bequem verbringen könnte, ohne sich zu langweilen. Ich bin froh, zumindest diesen eintägigen Zwischenstopp eingelegt zu haben 🙂Læs mere






























































































































































































































































RejsendeSchön von Euch zu hören. Ich habe oft an Susanne gedacht .