Im Eiltempo 1.500km durch Kolumbien
6–16 may. 2024, Colombia ⋅ ⛅ 34 °C
"The first is to throw away your plan A, the second is to throw away your plan B, the third is to relax", das sagt der Kapitän der Cielito Lindo (des wohl schlechtesten Schiffes Perus) in der Doku Big River Man. Wer die drei Regeln befolgt, kommt in Peru offenbar ganz gut zurecht.
Mmmh, könnte genau so gut das Motto unserer Reise sein. Die Einstellung ansich ist ja gar nicht so verkehrt, nur das Relaxen ist dieses Mal einfacher gesagt als getan. Denn wir haben einen fixen Termin in Cartagena, ein Auto, das alle 150km (Tendenz abnehmend) eine Fehlermeldung ausspuckt und nicht mehr weiterfahren will und keine Zeit um beim Mechaniker rumzuhängen, geschweige denn um Ersatzteile zu bestellen. In diesem Fall sind 1.500km durch Kolumbien ganz schön weit. Mit mehr Zeit im Gepäck wären wir tiefenentspannt, doch so werfen wir unsere ursprünglichen Reisepläne wieder mehrmals über den Haufen und wollen einfach nur so schnell es geht, auf direktem Weg, überhaupt irgendwie in Cartagena ankommen. Alles andere könnten wir gerade ohnehin nicht wertschätzen oder genießen.
Was unterwegs so geschah:
• Wir treffen uns mit UK Julian zum Abschieds-Mittagessen.
• Wir teilen uns die Straße mit super langen Roadtrains/ Traktoren mit fünf Anhängern voller Zuckerrohr.
• Wir übernachten bei einigen sehr netten & hilfsbereiten Gastgebern und verbringen ein paar chillige Tage am Pool.
• Wir reinigen den DPF zweimal händisch.
• Wir sehen auf dieser Reise die dritte Leiche auf der Straße liegen - eine Motorradfahrerin, erschlagen von herabfallenden Felsbrocken.
• Wir kommen in eine Drogenkontrolle vom Militär. Nachdem wir mit Handschlag begrüßt wurden, heißt es aber doch "Arme hoch" für's Abtasten. Von unserer Reise und dem Camperausbau sind die Jungs mit den Schnellfeuerwaffen unterm Arm total begeistert.
• Wir fahren ein letztes Mal über die Anden, durch hügelige grüne Berglandschaften, vorbei an Palmölplantagen und Viehweiden mit unzähligen Brahman Rindern.
• Wir essen viele Mangos, denn die fallen hier überall von den riesigen Mangobäumen und wir lernen, dass man grüne Mangos am besten mit Salz isst. Guter Snack!
• Wir sehen und probieren unseren ersten Cashewapfel.
• Wir bekommen Besuch von Irati & Kai, unseren Container Buddies.
• Wir "klauen" zum ersten Mal Diesel (aus unserem eigenen Tank), weil wir für die Verschiffung auf Reserve sein müssen und unsere Planung mal wieder nicht aufgeht, denn
• Wir legen die letzten 450km huckepack auf Abschleppwägen zurück.
Der erste bringt uns nur 75km bis zum nächsten Campground. Wir sind zuversichtlich, dass wir Berry selbst wieder zum Laufen griegen. Aber irgendwas ist noch immer faul. Wir haben keinen Nerv mehr uns unter Zeitdruck damit zu befassen und beschließen den Worten des Kapitäns zu folgen und erst einmal zwei weitere Tage am Pool zu relaxen. Es ist drückend heiß und schwül. Damit wir unseren Termin am Freitagmorgen einhalten können, organisieren wir für Donnerstag einen Abschleppwagen, der uns die letzten 370km nach Cartagena bringt.
Um 5:30 Uhr soll's los gehen. Der Typ war zuvor bereits zweimal da, um das Auto zu vermessen und alles mit uns zu besprechen. Eigentlich könnten wir guter Dinge sein, doch irgendwie bleibt ein ungutes Gefühl. Sie sind zwar nett & pünktlich, aber anstatt uns voran zu bringen, werfen sie uns gedanklich zwei Tage zurück. Sie bekommen Berry nicht aufgeladen, die Seilwinde packt das nicht. Die Jungs probieren es solange, bis es die Hydraulik-Steuerung ihres Trucks verreißt. Spätestens jetzt ist die Laune aller im Keller. Auf die Schnelle müssen wir Ersatz finden und wir sind nicht mehr in der Position um Preise zu verhandeln. Um 11:30 Uhr geht's dann tatsächlich los. Die 40l Diesel, die wir übrig haben und leider nicht mehr selbst verfahren konnten, machen dabei einen Teil der Bezahlung für den Abschleppservice aus. Mehr als sieben Stunden fahren wir huckepack nach Cartagena, entkommen dabei nur knapp einem Frontalzusammenstoß mit einem LKW und beim Abladen stürzt Berry beinahe noch von der Ladefläche. What a ride! Eine Achterbahn der Gefühle. Ich bin mit meinen Nerven am Ende. Fezal, unser Airbnb Host, weiß genau was wir jetzt brauchen: ein kurzes Schwätzle, ein kühles Bier und eine große Pizza.Leer más
Cartagena de Indias
17–22 may. 2024, Colombia ⋅ ⛅ 33 °C
Der Bürotermin am Freitagmorgen bei Summit Cargo Logistic ist schnell erledigt. Wir bekommen ein paar Papiere ausgehändigt und anschließend muss Julian seine Identität im Notariat verifizieren lassen. Das Wochenende über putzen und packen wir fleißig. Einen Teil unserer Klamotten, an denen wir uns sattgesehen haben, spenden wir. Den Dachträger und auch die Hauben der Dachfenster nehmen wir schon ab, damit Berry in den Container passt und am Hafen alles ganz schnell gehen kann. Am Montagmorgen bringt Julian das Auto aufs Hafengelände - die letzten Meter auf südamerikanischem Boden fährt Berry zum Glück wieder ganz problemlos. Lange Klamotten und geschlossene Schuhe sind Pflicht, außerdem wird Julian mit Warnweste und Helm ausgestattet. Ich darf ab hier nicht mehr mit und im Besitz der Schlüssel sind wir nun auch nicht mehr. Die für Dienstag vorgesehene Drogenkontrolle und die Beladung des Containers werden kurzfristig auf Mittwoch verschoben. Nach dreistündigem Warten am Mittwoch heißt es dann, die Drogenspürhunde können bei Regen nicht arbeiten - wir sollen Donnerstag früh wieder kommen. Die Wetterprognose sieht allerdings auch weiterhin nicht gerade vielversprechend aus. Hoffen wir, dass wir die Dachfenster gut genug mit Klebeband abgedichtet haben. Unsere Nerven werden weiter auf die Probe gestellt.
Positiv betrachtet, können wir so Julians Geburtstag am Dienstag ganz entspannt und ohne Termin am Hafen feiern. Fezal hilft mir morgens mit der Überraschungstorte, mittags werden wir zum Grillen mit der ganzen Familie eingeladen (es gibt Mojarra mit Yuca und Avocadosalat), den Nachmittag verbringen wir am Pool unserer neuen Unterkunft und abends gönnen wir uns leckeres karibisches Essen im Restaurant Candé. Wir fühlen uns etwas underdressed, dürfen aber dennoch hinein. Vor genau einem Jahr waren wir an Julians Geburtstag in Mendoza in der Bodega Norton - klar, welchen Wein wir heute bestellen. Dazu gibt's Carimañolas de Queso, vegetarisches Ceviche aus der Kokosnuss, Sancocho Sordo und Carnero Guisado. Yummy! Auch für Live-Musik und Tanzeinlagen ist gesorgt. Etwas befremdlich, dass nicht einmal Seifenspender und Wasserhahn selbst bedient werden müssen, dafür ist jemand angestellt. Mit kolumbianischer Zigarre und Rum lassen wir den Abend ausklingen.
Cartagena de Indias ist ein wunderschönes Städtchen an der Karibik gelegen. Wir spazieren durch die farbenfrohen Gassen im Viertel Getsemaní und durch das historische UNESCO Weltkulturerbe Zentrum, genannt die ummauerte Stadt. Überall sind die Palenqueras zu sehen, manche dienen nur als Fotomodell, andere verkaufen tatsächlich Obst. Ein, zwei, drei Nächte verbringen wir bestimmt noch hier, bevor wir endlich mit dem Backpack weiter ziehen können. Gerade günstig ist Cartagena nämlich nicht, jetzt wo wir kein eigenes Zuhause mehr haben.Leer más
¡Hasta luego, Berry!
23 de mayo de 2024, Colombia ⋅ ⛅ 32 °C
Geschafft! Berry ist im Container.
Sechs Stunden dauert der ganze Prozess. Die meiste Zeit davon ist Wartezeit. Erst warten Kai & Julian auf die Policía Antinarcóticos, dann auf das fehlende Dokument, ohne das die Polizei nicht anfängt und schlussendlich auf ein weiteres Papier, ohne das der Container nicht versiegelt wird, die Polizei aber gerade am Mittagstisch sitzt. Willkommen in Südamerika! Alles andere zwischendrin geht ratzfatz. Beim ersten Anlauf wäre der Drogenspürhund zum Einsatz gekommen, beim zweiten Anlauf kommen die beiden Polizisten dann doch ohne. Heißt, alles muss raus. Jede Kiste, jede Schublade, jeder Schrank wird geöffnet. Selbst die Hohlräume des Containers werden aufgebohrt, um zu Prüfen, ob irgendwo Drogen versteckt sind. Mit dem weißen Magnesiumpulver in unseren Chalk Bags zum Klettern haben die Jungs sichtlich ihren Spaß. Das anschließende Verladen geht schnell. Mittlerweile wissen wir ja wie und da wir dieses Mal die Dachhauben abgenommen haben, um ein paar Zentimeter einzusparen, mussten auch keine 4-5 Leute zur Beschwerung in den Kofferraum. Wir sind erleichtert, dass Berry jetzt endlich verstaut ist und drücken die Daumen, dass bei der Verschiffung alles glatt läuft. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verabschieden wir uns.
• 52.000 gefahrene Kilometer durch Südamerika
• Berry's höchster Punkt: 5.100m
• Dieselpreise zwischen 0,40€ und 1,30€ je Liter
• Übernachten: 2/3 freie Stellplätze, 1/3 bezahlte Plätze
• Maximale Anzahl an Hitchhikern auf einmal: 7
• Gefahren mit 7 Fähren und 4 Abschleppwägen
• X Werkstattbesuche inkl. 4 mal DPF-Ausbau/ ReinigungLeer más

Viajero• Maximale Anzahl an Hitchhikern auf einmal: 7??? Auf dem Dach? Oder wo habt ihr die alle reingepackt.?
Palomino - Entspannen an der Karibik
24–27 may. 2024, Colombia ⋅ ⛅ 32 °C
Mit dem gut klimatisierten Bus fahren wir von Cartagena weiter entlang der Karibikküste. Unser Ziel ist Palomino - ein kleines, bei Backpackern beliebtes Dörfchen mit entspannter Atmosphäre und Hippie Vibe. Perfekt, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen. An der Hauptstraße, der einzigen asphaltierten Straße im Ort, werden wir bei Regen abgesetzt. Wir schultern unsere Rucksäcke und laufen den letzten Kilometer bis zum B&B. Bei unserer Ankunft ist Stromausfall - offenbar keine Seltenheit hier. Soll uns aber egal sein, wir hüpfen direkt in den Pool, wo Véronique & Markus schon mit einem Bierchen auf uns warten. Am Abend gehen wir gemeinsam Pad Thai und am nächsten Abend Falafel Kebab essen. Da sich hier viele Leute aus aller Welt niedergelassen haben, gibt's eine große Auswahl an internationalen Restaurants. Abwechselnd chillen wir am Pool und am Strand, machen einen ausgedehnten Strandspaziergang, trinken fancy Cocktails oder trudeln durch die Gegend. Restaurants, Bars und kleine Lädchen mit allerlei Krimskrams, Klamotten und handgefertigtem Schmuck reihen sich aneinander.
Wir mögen Palomino, auch wenn der Strand nicht an einen klassischen Karibikstrand erinnert. Das Wasser ist eher trüb und die Wellen sind stark - zum Surfen wiederum reicht's (während wir hier sind) aber auch nicht. Dafür können wir den einheimischen Fischern dabei zusehen, wie sie mit großen Fangnetzen von Hand Fische an Land ziehen. Was wir leider nicht sehen, sind die Berge. Die fast 6.000m hohen, schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada de Santa Marta (dem höchsten Küstengebirge der Welt) sind an diesem Teil der karibischen Küste theoretisch fast überall zu sehen. Nur eben nicht, wenn Wolken die Sicht versperren.Leer más
Parque Tayrona
27 de mayo de 2024, Colombia ⋅ ⛅ 30 °C
Für 1,90€ pP geht's mit dem Bus 45km zurück zum Parque Tayrona. Eine Nacht wollen wir im Nationalpark verbringen und damit wir nicht alles Gepäck mit schleppen müssen, buchen wir vor Ort spontan für die darauffolgende Nacht noch ein Zimmer außerhalb des Parks, wo wir gleich den großen Rucksack abstellen dürfen. Im Nationalpark erwartet uns eine einmalige Kombination aus unberührter Natur, vielfältiger Flora & Fauna, traumhaften Sandstränden und Wanderungen durch den üppigen Dschungel. Und eine Nacht in Zelt.
Der Himmel ist schon ziemlich düster als wir los gehen. 3km später erreichen wir unser Camp und es beginnt zu regnen. Nichtsdestotrotz erkunden wir gleich die naheliegenden Strände und halten Ausschau nach Tieren. Neben einigen knuffigen Lisztäffchen, einer Brüllaffen-Bande, zahlreichen Vögeln, einem Tukan und vielen blauen Krabben sehen wir auch ein mittelamerikanisches Aguti, eine giftige Lanzenotter und zumindest die Schnauze eines - sich in der Laguna versteckenden - Spitzkrokodils.
Am nächsten Morgen kommt die Sonne raus. Jetzt sehen die Strände noch paradiesischer aus und bis zur Ankunft der ersten Boote aus Santa Marta ist auch nicht viel los. Vom späteren Trubel am Playa Cabo San Juan del Guia bekommen wir eine Bucht weiter jedoch nichts mit. Hier ist kaum jemand, wir haben den Strand und das glasklare, türkisfarbene Wasser fast für uns allein. Herrlich!
Insgesamt laufen wir mehr als 17km durch den Park. Bei Temperaturen von 30°C und einer Luftfeuchtigkeit von nahezu 100% ist das ganz schön schweißtreibend. Dementsprechend ist auch die Luft im Shuttlebus (ein vollgestopfter Minivan mit 14 Leuten) zurück zum Parkausgang. Weil mir die Bildauswahl schwer fällt und ich, in der Hoffnung alles für ewig festhalten zu können, mal wieder viel zu viele Bilder gemacht habe, noch ein paar mehr Eindrücke im nächsten Beitrag:)Leer más
Parque Tayrona ||
28 de mayo de 2024, Colombia ⋅ ⛅ 30 °C
Playa Mendihuaca
29 may.–1 jun. 2024, Colombia ⋅ ⛅ 32 °C
Ich fühle mich etwas angeschlagen, schon im Tayrona Nationalpark bin ich morgens mit starken Halsschmerzen aufgewacht. Und weil uns zudem die Nachricht erreicht, dass das Containerschiff schon jetzt eine Woche Verspätung haben wird, haben wir's auch nicht eilig. Anstatt in die Sierra zu fahren, quartieren wir uns für drei Nächte am Playa Mendihuaca ein. Dorthin nehmen wir ein Mototaxi - die Rucksäcke irgendwie über den Lenker geschmissen und wir hinten drauf (natürlich ohne Helm).
Mendihuaca, unweit des bekannten Costeño Beach, ist ein hidden gem. Es besteht aus einer einzigen Reihe von schätzungsweise 20-30 Holzhütten, die alle direkt am Strand liegen. Hier ticken die Uhren langsamer und das Leben scheint so einfach. Relaxen, Surfen, Essen und das Leben genießen - viel mehr gibt's hier nicht zu tun. Ich schnappe mir ein Buch und kuriere mich in der Hängematte aus, während Julian mal wieder ein Surfboard leiht und sich in die Wellen stürzt. Die Bauweise der Hütten ist sehr einfach und offen. Eine Seite unseres Zimmers ist komplett offen. Zuerst wohnen wir mehr oder weniger direkt in den Mangroven und nachdem wir die Unterkunft gewechselt haben, haben wir freie Sicht auf die Karibik. Hat beides Charme! Immer zu hören, das Rauschen des Meeres. Als uns allmählich das Bargeld aus geht, sind wir zur Weiterreise gezwungen. Hier wird eigentlich alles bar bezahlt und falls überhaupt mal Kartenzahlung möglich sein sollte, werden meist 5% on top berechnet.Leer más
Minca
1–3 jun. 2024, Colombia ⋅ ⛅ 28 °C
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Santa Marta, um Bargeld abzuheben, geht's im vollgepackten Minivan direkt weiter nach Minca. Ein kleiner Ort in der Sierra Nevada und eine richtige Backpacker Hochburg.
Wir erkunden das Örtchen zu Fuß und trinken eine Tasse Kaffee, bevor wir die letzten 2,5km zu unserer Unterkunft in Angriff nehmen. Entweder zu Fuß oder mit dem Mototaxi, per Auto ist das Hostel nicht erreichbar. Wieder steigen wir mit all unserem Gepäck hinten auf ein Motorrad, aber dass die Fahrt so abenteuerlich wird, hätten wir nicht gedacht. Der Weg gleicht einem schmalen Wanderweg - zum Teil so steil, dass mit den Füßen nachgeholfen werden muss. Mal wurde irgendwas hin betoniert, mal geht's über Stock und Stein. Einen Helm haben wieder nur die Fahrer auf dem Kopf. Ich hoffe einfach nur, dass keiner entgegenkommt, vertraue auf das Können der Fahrer und bin erleichtert, dass wir beide heil oben ankommen. Wir erfahren, dass kein Fahrer gerne zum Hostal Vista Verde fährt. Das letzte Stück müssen wir laufen. Einmal oben angekommen, sind die Strapazen schnell vergessen - eine kleine Ruheoase mit Meerblick, ein Kraftort mitten im Dschungel. Die Aussicht ist fantastisch und auch die Temperaturen sind viel angenehmer als an der Küste, nicht mehr so schwül und heiß.
Eigentlich wollen wir gar nicht viel unternehmen, aber einen kurzen Spaziergang zum nahegelegenen Cascada Escondida machen wir dann doch. Anfangs können wir, zusammen mit einer Handvoll Gringos die Idylle und die Ruhe genießen. Dann gesellt sich eine Gruppe Südamerikaner dazu, ab da ist's vorbei mit der Ruhe. In der Hinsicht sind sie irgendwie alle gleich. Wir beobachten die obercoolen Typen ein Weile, wie sie sich gegenseitig lautstark dazu anstacheln, aus 2m Höhe in den Pool zu springen, bevor wir uns schließlich ein ruhigeres Plätzchen am Fluss suchen. Julian demonstriert zum Abschluss noch kurz, dass man locker und ohne viel Trara auch aus doppelter Höhe springen kann. Das hinterlässt anscheinend Eindruck und muss sofort nachgeahmt werden. Nicht jeder traut sich, vielleicht aber auch gut so, denn richtig schwimmen kann keiner von ihnen.
Gerne hätte ich die viertägige Wanderung zur Ciudad Perdida, einer Ruinenstätte mitten im Dschungel, gemacht. Aber ohne Guide geht's nicht und 512€ für ein bisschen Trekking inkl. einfacher Unterkunft und Verpflegung finde ich dann doch ganz schön happig - ähnlich wie der Inka Trail nach Machu Picchu. Am Abreisetag laufen wir lieber zurück ins Dorf, anstatt nochmals auf ein Mototaxi zu steigen. Mit dem Collectivo geht's wieder nach Santa Marta, von wo aus wir am Abend den Nachtbus ins Landesinnere nehmen. Die Wartezeit vertreiben wir uns in der Buenavista Shopping Mall. Dort ist es klimatisiert und wir können die Rucksäcke im Einkaufswagen durch die Gegend schieben.Leer más
Barichara & Guane
4–6 jun. 2024, Colombia ⋅ ⛅ 26 °C
Knapp 700km legen wir über Nacht zurück. Von Santa Marta nach Bucaramanga und weiter nach San Gil. Erholsam ist's nicht gerade, der Busfahrer fährt wie eine gesengte Sau. Den dritten Bus von San Gil nach Barichara ersparen wir uns und teilen uns das Taxi mit einem Deutschen.
Nach einem kurzen Powernap erkunden wir Barichara, ein kleines malerisches, koloniales Städtchen aus dem späten 18. Jahrhundert. Es soll zu Kolumbiens schönsten Pueblos gehören und ist deshalb Teil der Pueblos Patrimonio. Weiße Fassaden und bunte Holztüren prägen das Stadtbild. Zu meiner Überraschung sind weitaus weniger Touristen unterwegs, als erwartet. Wir schlendern durch die kopfsteingepflasterten Gassen, genießen die ruhige, friedliche Atmosphäre und das ausgezeichnete Essen im arabischen Restaurant Épice.
Am Mittwoch laufen wir entlang des Camino Real ins 6km entfernte Guane. Das Nachbardorf ist genauso bezaubernd und noch uriger als Barichara. Dort sagen sich wirklich Fuchs und Hase gute Nacht. Wir verkosten Sabajón (eine Abwandlung des italienischen Zabaglione bzw. eine kolumbianische Version von Eierlikör) in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Bei den Culona Ameisen, welche im Departement Santander traditionell gegessen werden, ist dann aber doch Schluss. 1-2 Stunden später machen wir uns schon wieder auf den Rückweg, dieses Mal nehmen wir den Bus. Den Nachmittag verbringen wir am Pool und mit der groben weiteren Reiseplanung. Ganz so spontan wie mit Berry sind wir jetzt nicht mehr unterwegs, das Reisen im (Fern)Bus bedarf doch etwas Vorlaufzeit. Wo genau wir morgen nächtigen werden, wissen wir aber noch nicht - in dieser Hinsicht bleiben wir uns also treu.Leer más

ViajeroIst das schön. Kolumbien war immer ziemlich weit unten auf meiner Reisewunschliste wegen der Kriminalität und Sicherheit. Aber erstens ihr lebt noch 😁 so wie viele andere auch und es ist viel schöner als ich dachte. Viel Spaß weiterhin. Ich bin gespannt, was ich hier noch lesen darf.

Viajero👍 noch ein paar Wochen gibt es Beiträge zu Kolumbien, dann geht's eher Richtung Europa:-)
Die Hauptstadt Kolumbiens
7 de junio de 2024, Colombia ⋅ ⛅ 18 °C
In großen Schritten schreiten wir voran. Las Gachas und der Bosque de la Pandora, der Cocuy Nationalpark, Villa de Leyva oder Ráquira sind sicher ebenso sehenswerte Destinationen, doch der zeitliche Aufwand ohne eigenen fahrbaren Untersatz dorthin zu gelangen ist uns für den Moment zu groß. Außerdem sind mittlerweile die Rückflüge gebucht, d.h. unsere Reise nähert sich langsam aber sicher dem Ende. Für uns geht's daher auf direktem Weg nach Bogotá. Mehr als 8Mio. Menschen leben in der kolumbianischen Hauptstadt. Im Bus treffen wir zufällig wieder auf Luca und so teilen wir uns ein zweites Mal die Kosten für's Taxi, dieses Mal vom Terminalito zum Terminal. Ich liebe die vielen Diminutive im Spanischen, gefühlt ist in jedem Satz mindestens eins enthalten. Dadurch klingt alles direkt viel freundlicher und total herzig.
Polizeikontrolle, mal wieder. Alle im Bus (außer wir) müssen den IMEI-Code ihres Smartphones aufrufen, welcher von den Polizisten überprüft wird. Damit soll Handydiebstählen vorgebeugt werden. In Kolumbien muss jedes Smartphone nach max. 30 Tagen registriert werden, ansonsten wird es gesperrt. Es ist uns noch immer ein Rätsel, weshalb wir beide 4 Tage vor Ablauf dieser 30 Tage eine Bestätigung erhalten haben, dass unsere Registrierung erfolgreich war, unternommen haben wir nämlich nichts. Aber solange weiterhin alles funktioniert, soll's uns recht sein.
In Bogotá wohnen wir in einer ziemlich bunten Ecke in La Candelaria. Wir erkunden das Zentrum, bewundern die vielen knallbunten Graffitis und nehmen mal wieder an einer Free Walking Tour teil, dieses Mal mit dem Motto "War, Drug Trafficking & Peace". Nicht gerade leichte Kost, aber überaus spannend. Simon Bolivar und die Unabhängigkeit Kolumbiens, Bürgerkriege und der Tausend-Tage-Krieg, das Bananen Massaker, der Bau des Panama Kanal, die Abhängigkeit von der USA, Politiker, Drogenkartelle, Guerilla-Gruppen + Friedensvertrag und Paramilitärs sind nur einige wenige Stichworte der dreistündigen Tour. Ziemlich erstaunt waren wir darüber, dass in Kolumbien Schätzungen zufolge zu Zeiten Escobars etwas mehr als 100 Tonnen Kokain produziert wurden, heutzutage sollen es weit mehr als 1.000 Tonnen sein. Die Kokainproduktion ist auf Höchststand und das obwohl die großen Kartelle längt zerschlagen sind. Gleichzeitig hat sich die Sicherheitslage im Land über die letzten Jahre deutlich verbessert und dennoch soll der Staat nur über 30% Kolumbiens und über 70% der Bevölkerung die Kontrolle haben. Auch interessant, dass große Projekte 3-4mal mehr kosten sollen, da die immer noch weit verbreitete Korruption einen Großteil der Gelder verschluckt.
In Candelaria, unweit des Plaza del Chorro de Quevedo, gibt es durchaus reizende Ecken mit schicken kolonialen Bauten, drumherum empfinden wir das Zentrum Bogotás aber nicht gerade als sonderlich schön. Viel zu viele Menschen leben auf der Straße. Die Kontraste sind stark und man spürt die soziale Ungleichheit im Land extrem (es ist die zweithöchste Lateinamerikas). Die Präsenz von Polizei- und Sicherheitskräften ist sowohl tagsüber als auch nachts enorm.Leer más
Bogotá ||
8 de junio de 2024, Colombia ⋅ ⛅ 16 °C
Wir entscheiden uns gegen Botero- und Polizeimuseum und für das Goldmuseum. Hier werden auf mehreren Etagen zum größten Teil aus Gold gearbeitete präkolumbische Fundstücke ausgestellt, aber auch Kulturgüter aus Keramik, Stein und anderen Materialien gibt's zu sehen.
Nach mehreren Stunden im Museum tut ein bisschen frische Luft gut. Mit der Standseilbahn fahren wir hinauf, auf den 3.152m hohen Berg Montserrat, das Wahrzeichen Bogotás, von wo aus wir einen fantastischen Blick über die riesige Metropole und die umliegenden bewaldeten Berghänge haben. Sobald die Sonne untergeht, wird's ganz schön frisch. Seit einiger Zeit kramen wir mal wieder lange Hosen und Pullover raus.
Auch wenn einige Dinge auf meiner Liste ungesehen bleiben, reichen uns die zwei Tage in der Großstadt. Der Funke springt nicht über.Leer más
El Café de Colombia
9 de junio de 2024, Colombia ⋅ ☁️ 22 °C
Nach einer weiteren Fahrt mit dem Nachtbus kommen wir morgens früh um 7 Uhr ziemlich unausgeschlafen in Salteno, mitten im sogenannten Kaffedreieck, an. Dieses Mal können wir unser Zimmer leider noch nicht beziehen. Kurz frisch machen, dann erst mal Kaffee trinken gehen. Auf der Suche nach noch mehr Koffein und um der Müdigkeit entgegen zu wirken, entscheiden wir uns spontan zu einer Kaffee-Tour auf der Finca Luger. Es ist eine nette kleine Finca mit nur 1,5ha. Der Kaffee wird ausschließlich direkt vor Ort produziert und verkauft.
Mit dem Willys Jeep werden wir hingebracht. Schon der erste Eindruck ist großartig. Zu Beginn bekommen wir, bei einer Tasse Kaffee, eine kurze Einführung in die Theorie. Anschließend geht's im traditionellen Kaffeepflücker-Outfit direkt auf's Feld, ein paar Kaffeekirschen ernten. 100% Handarbeit, denn weil hier das ganze Jahr über Kaffee wächst, sind an einem Baum immer reife und unreife Früchte, was maschinelles Ernten unmöglich macht. Danach wird (je nach Aufbereitungsart) maschinell entpulpt, fermentiert, gewaschen und getrocknet. Dieser Prozess ähnelt der Verarbeitung von Kakaobohnen. Die schon trockenen Bohnen rösten wir daraufhin selbst über dem Gasherd und snacken währenddessen Patacones & Arepas mit Hogao (lecker!), bevor wir die Bohnen schließlich mahlen und unseren eigenen Kaffee zubereiten/ verkosten. Natürlich süß, leicht nussig, mild und dennoch intensiv. Ein tolles Erlebnis, welches natürlich auf Touristen ausgelegt, aber trotzdem nett und authentisch ist. Wir haben Glück und bekommen die zweistündige Führung ganz privat.
Kolumbien belegt den vierten Platz der weltweit größten Kaffeeproduzenten. Der Großteil ist für den Export bestimmt, denn qualitativ soll der kolumbianische Kaffee zu den besten der Welt gehören. Etwa 120 verschiedene Kaffeearten gibt es, jedoch ist nur rund die Hälfte für den menschlichen Verzehr geeignet. Die beiden bekanntesten Arten sind Robusta und Arábica, wobei in Kolumbien nur letztere angebaut wird. Je nach Anbaugebiet (Höhenlage) variiert das Aroma von zitrus, über fruchtig süß bis hin zu schokoladig. Generell werden die Bohnen in Kolumbien weniger stark geröstet, als es bei uns der Fall ist.Leer más

SYLWIA B.Finca Luger waren wir auch. Hatten praktisch eine Privatführung. Hat uns sehr gut gefallen.

Katja SchillerIch hab's eben schon bei euch im Blog nachgelesen :) Lustiger Zufall bei der Auswahl an Kaffee Fincas in der Gegend. Uns hat die Privattour auch sehr gut gefallen.

SYLWIA B.Wie schmeckt Euch generell der Kaffee in Kolumbien? Wir haben uns nach Wochen an den Tinto gewöhnt. Aber schmecken ist etwas anderes 😉

Katja SchillerEinen klassischen Tinto haben wir ehrlich gesagt noch gar nicht probiert. Gestern auf der Finca Luger wurde uns auch davon abgeraten, der Tinto wird wohl aus Bohnen minderer Qualität hergestellt, die für den Export etc. nicht taugen. Wir waren bisher nur in richtig guten Cafés, wo's uns immer sehr gut geschmeckt hat. Aber ich glaub probieren muss ich den Tinto dann doch mal noch.

Katja SchillerIch revidiere. Wahrscheinlich ist das, was es zum Frühstück in den Hostels oft gibt, der klassische Tinto... Der war in der Tat nie sonderlich berauschend, ich hab's halt auf den billigen Hostelkaffee geschoben 😅

SYLWIA B.Wir waren in Medellin in einem alten, traditionellen Café und haben uns mit dem Tinto angefreundet und es als deren Kaffee akzeptiert.

Katja SchillerDas klingt gut. War wohl nichts mit dem Cappuccino, was? 😉 Verratet ihr uns wo das Café zu finden ist?

SYLWIA B.Medellin: beste Bandeja Paisa in Mamasita Medallo Café: El Gran Bar (unter der Hochstraße/Bahn) gleich um die Ecke der Plaza Botero. Nix Schickes. Aber definitiv ein guter Platz um zu Gucken und Tinto zu trinken😎

SYLWIA B.Da Relato in El Poblado war auch ein guter Tipp. Ein tolles Abendrestaurant mit Viel Flair. Definitiv mit Uber hinfahren lassen
Salento & Valle de Cocora
10 de junio de 2024, Colombia ⋅ ☁️ 19 °C
Früh klingelt der Wecker, denn wir wollen vor den großen Touristenströmen im Valle de Cocora sein. Dieses Tal sowie die nahegelegene Stadt Salento gehören zu den populärsten Touristenzielen in Kolumbien.
Wieder werden wir mit Willys hin chauffiert. Inklusive Fahrer sitzen meist ± 13 Leute in der kleinen Kiste, bzw. die, die keinen Sitzplatz mehr bekommen, stehen hinten auf dem Trittbrett und klammern sich fest. So hat man auf jeden Fall die bessere Sicht, wir haben's getestet. Wir gehören zu den ersten, die das Valle de Cocora heute betreten und können die riesigen Quindío-Wachspalmen (Kolumbiens Nationalbaum) ganz ungestört bestaunen. Die Palmenart, welche in Bergwäldern auf 2.000-3.000m wächst, gilt als die höchste der Welt. Bis zu 60m hoch können sie werden. Die Gärtner, die gerade dabei sind junge, etwa 4 Jahre alte Pälmchen zu pflanzen, erzählen uns, dass die meisten Palmriesen in diesem Tal etwa 200-350 Jahre alt sind. Die Rinde einer ausgewachsenen Palme ist mit einer dicken Wachsschicht überzogen. Immer wieder zieht Nebel auf, was der ganzen Umgebung eine mystische Atmosphäre verleiht. Aber wir sind ja schließlich umgeben von Nebelwald. Kurzfristig entscheiden wir uns gegen die große Runde, die uns noch ein Stück weiter durch den Nebelwald führen würde. Wir gucken lieber noch ein bisschen Palmen. Die gibt's übrigens nicht nur hier im beliebten Valle de Cocora, sondern zum Beispiel auch im Valle de la Carbonera oder im Valle de Samaria. Beide Orte sind kaum bekannt, auch wir erfahren erst zu spät davon. Die Anreise ist nicht ganz so einfach und die Touren sind daher wesentlich teurer, dafür geht man dem Trubel aus dem Weg und es soll viel viel mehr Wachspalmen geben, da die Gebiete bis vor wenigen Jahren noch von Guerilla Gruppen kontrolliert wurden, wodurch die Natur wiederum eher geschützt wurde.
Nach knapp 4 Stunden treten wir den Rückweg an und schlendern noch ein wenig durch's farbenfrohe Salento. Wir staunen nicht schlecht, als die Warteschlange für die Willys mittlerweile fast einmal um den Plaza de Bolívar reicht. Auf die rund 10.000 Einwohner kommt ein Vielfaches an Touristen - über 1 Million sollen es pro Jahr sein. Vor allem am Wochenende sind die Hauptgassen poppenvoll. Am frühen Morgen gefällt's uns besser (eine für uns doch eher untypische Aussage), wenn die bunten Türen noch geschlossen und kaum Menschen auf der Straße unterwegs sind. Den Abend verbringen wir mit Billiard spielen. Große Pool Cafés/ Bars gibt's in Kolumbien überall.Leer más

ViajeroMensch! Mit- Gegeneinander Billard spielen müssen wir in Deutschland unbedingt nachholen!
Bunte Häuser & Kolumbiens Nationalsport
11 de junio de 2024, Colombia ⋅ ☁️ 22 °C
Von Salento machen wir einen Halbtagesausflug nach Filandia. Ein ebenso schönes, buntes Städtchen, nur noch nicht ganz so extrem touristisch. Filandia liegt auf einem kleinen Hügel, der einen herrlichen Blick über die grüne hügelige Landschaft der Kaffeeregion bietet.
Und bevor wir am Abend ein letztes Mal in den Nachtbus steigen, lassen wir's noch ein bisschen krachen - und zwar bei ein paar Runden Tejo. Im Jahr 2000 wurde Tejo zum Nationalsport Kolumbiens ernannt. Es ist eine moderne Version des traditionellen Indigenespiels Turmequé. Ziel ist es, die kleinen weißen Papier-Dreiecke, welche in einer mit Lehm gefüllten Box auf einem Metallring platziert sind, zu treffen. Und dann Bumm! Denn die sog. Mechas sind mit Schießpulver gefüllt. Bei einer Explosion/ Rauchen gibt's 3 Punkte, ein Wurf in die Mitte des Kreises gibt 6 Punkte und ein Wurf in die Mitte + Explosion/ Rauchen eines Dreiecks gibt 9 Punkte. Ansonsten gibt's jeweils 1 Punkt für denjenigen, dessen Tejo näher am Kreis ist. Bei 21 bzw. 27 Punkten ist eine Runde vorbei. Ganz easy also und super spaßig, vor allem wenn mehrere Bahnen belegt sind und es hier und da immer wieder knallt. Auf den "Gringo-Bahnen" werfen wir aus 5,5m Entfernung. Die Profis schmeißen aus 19,5m Entfernung auf lediglich zwei Schießpulvertaschen.
Im Bus ist's wieder mal eisig kalt. In der Hinsicht also gut, dass wir 2,5h eher in Medellín ankommen, als vorgesehen. War wieder mal eine ziemlich rasante Fahrt. Nicht so gut, dass wir jetzt schon um 3:30 Uhr am Busterminal stehen. Doch glücklicherweise haben wir super liebe Gastgeber und dürfen direkt schon unser Appartement beziehen. Buenas noches!Leer más
Die Stadt des ewigen Frühlings
12–18 jun. 2024, Colombia ⋅ 🌧 28 °C
Wir sind in Medellín. El Poblado und La Candelaria sind zwei Stadtteile, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich doch mit demselben Wort beschreiben lassen: Dschungel. El Poblado ist so grün und dicht bepflanzt, dass ich hin & wieder den Eindruck habe, im Dschungel zu stehen. Alte Bäume und tropische Pflanzen überall. Es ist schön, sauber und zivilisiert. Wir sind zwei von vielen, fallen überhaupt nicht auf. La Candelaria dagegen, das historische Zentrum Medellíns, ist ein Großstadtdschungel aus Beton. Die Straßen sind voll, chaotisch, unübersichtlich und schmutzig. Wir Weißen stechen definitiv aus der Masse heraus. Ein krasser Kontrast. Die Polizeipräsenz in beiden Stadtteilen ist hoch.
Wohnen tun wir im schicken und touristischen Viertel El Poblado. Diese Comuna wiederum besteht aus 24 Barrios und gilt als sicherstes Viertel Medellíns. Es gibt tolle Shoppingmöglichkeiten, viele Parks und Grünflächen, großartige Restaurants und ein lebendiges Nachtleben . Was will man mehr. Hier kann man's definitiv ein Weilchen aushalten.
Nicht so lang halten wir es dagegen in La Candelaria aus. Hier herrscht ein ganz anderer Rhythmus. Erinnerungen an São Paulo werden wach, dort hat unsere Südamerika-Reise vor 19 Monaten begonnen. Statistisch gesehen, ist La Candelaria das unsicherste/ gefährlichste Viertel Medellíns. Wir beginnen unsere kleine Runde am Plaza Botero, wo wir nun doch noch in den Genuss seiner Kunst kommen. Ganze 23 Botero-Skulpturen stehen auf dem Platz. Der Legende nach bringt das Reiben der Statuen Liebe und Glück. Allem Anschein nach, muss es da draußen also sehr viele glückliche und verliebte Menschen geben. Aber in La Candelaria gibt es vor allem auch viel Prostitution (auch am helllichten Tag nicht zu übersehen) und extrem viele zwielichtige Gestalten mit leerem Blick und seltsamem Verhalten. Manchmal fast schon unheimlich. Aber auch authentisch, traurig, hart und faszinierend zugleich. Das kolumbianische Sprichwort „no dar papaya“ (gib keine Papaya) nehmen wir uns hier besonders zu herzen. Es bedeutet so viel wie, dass man vorsichtig sein und niemandem die Chance geben soll, einen zu beklauen. Das Handy lasse ich daher meist einfach in der Tasche - die wenigen Bilder vom Plaza Botero spiegeln also alles andere als die Realität dieser Gegend wider. Immer wieder drehen wir um, weil uns die Nebengassen weiter entfernt dann doch nicht mehr ganz so geheuer sind. Es ist definitiv kein Viertel, in dem ich mich nachts aufhalten möchte. Und deshalb werde ich schon leicht nervös, weil uns einfach kein Uber mehr abholen will. Erst dauert es ewig, bis die Fahrt überhaupt angenommen wird. Dann 15-20 Minuten Wartezeit. Kurz vor Abholung lehnen die Fahrer aus irgendeinem Grund ab und das ganze Spiel beginnt von vorn, bis die Fahrt von Uber schließlich komplett storniert wird. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit beschließen wir daher lieber die Metro zu nehmen.
Generell sollte man natürlich überall Vorsicht walten lassen, auch in El Poblado. Die beiden Belgier, die wir auf dem Language Exchange im Purple Monkey Hostel kennenlernten, erzählen uns, wie sie noch in der gleichen Nacht (mit viel Glück nur) Zeugen eines Raubüberfalls wurden. Direkt hier, wenige Schritte von unserem Apartment entfernt.Leer más

ViajeroWenn ihr irgendwie die Chance habt, schaut einmal in der Comuna 13 vorbei. Es gibt wahrscheinlich keinen zweiten Ort wie diesen auf der Welt. So laut, so bunt ... einzigartig!

Katja SchillerDas machen wir auf jeden Fall! Steht bereits für morgen auf dem Plan ;-) Ich freu mich drauf!

ViajeroDas UBER Problem hatten wir auch schon in Brasilien. In Recife wollte uns einfach niemand zurück nach Olinda fahren. Es wurde Abend und ich immer nervöser. Aber es hat sich dann doch noch einer erbarmt. Tja und der erlebte Überfall: direkt vor unseren Augen, an unserem ersten Tag in Rio, wurde eine Frau in ihrer Reisegruppe von 2 Typen überfallen und neben einigen Schlägen und Tritten, weil sie sich gewehrt hat, war sie dann ihr Handy los. Ich wäre am liebsten gleich wieder umgekehrt. Aber das bringt ja nichts. Wir haben einen Caipirinha getrunken und dann sah die Welt schon wieder freundlicher aus. Wir hatten noch 2 tolle Tage in Rio.
Tagesausflug nach Guatapé
13 de junio de 2024, Colombia ⋅ ⛅ 23 °C
La Piedra ist ein 220m hoher Granitfels am Rande eines Stausees und kann über knapp 700 Stufen erklommen werden. Das tun wir. Die Gemeinden Guatapé und El Peñón streiten sich darum. Der Fels selbst ist schon sehr beeindruckend, so richtig begeistert sind wir dennoch nicht - weder vom ganzen Rummel drum herum, noch von der 360°-Aussicht auf den leeren See oder die vielen Baustellen.
Guatapé ist ein nettes, wieder mal buntes und sehr touristisches Dorf. Selbst die TukTuks sind knallbunt. Aber auch hier sind wir schnell fertig, sodass wir uns zur Mittagszeit schon wieder auf den Rückweg nach Medellín machen... Und mehr fällt mir dazu auch nicht ein. Hatten wir uns irgendwie cooler vorgestellt.
Na wenigstens die südamerikanischen (Bau)Arbeiter bringen uns mal wieder zum Schmunzeln, als sie die weißen Stühle eines Ausflugsschiffes neu lackieren/ besprühen. Wie so oft, wird eine eher pragmatische Herangehensweise an den Tag gelegt, d.h. der braune Steg ist jetzt auf ein paar Metern eben auch weiß.Leer más

ViajeroDas bunte Dorf ist toll. Aber diesen grandiosen Berg haben sie mit der Treppe komplett verschandelt. Schade.

Katja SchillerUnd weil sich die beiden Dörfer darum streiten, haben die Einwohner Guatapés auf der Nordseite begonnen ihren Namen drauf zu schreiben. 🫣 Ein riesiges, aus großer Entfernung sichtbares G und ein halbfertiges U stehen da jetzt. Weiter kamen sie nicht, weil die anderen sie daran hinderten.

ViajeroSuper. Man kann auch alles kaputt machen. Schade. Ich hatte nämlich genau diesen tollen Felsen letzte Woche als Bild auf dem Computer. Als ich Guatape bei euch als Überschrift gelesen habe, habe ich mich auf dieses tolle Bild gefreut. Doch jetzt sieht es doch ziemlich anders aus. Die bunten Dörfer finde ich aber alle toll, auch wenn das eine oder andere leider sehr touristisch ist.
Medellín Barista School
14–16 jun. 2024, Colombia ⋅ ☁️ 25 °C
In der Medellín Barista School absolvieren wir einen zehnstündigen Barista- & Latte-Art-Kurs. Dabei geht es vorrangig um verschiedene Filtermethoden, die Zubereitung diverser Kaffee Heißgetränke auf Espresso-Basis und um ein paar Latte Art Grundlagen. Außerdem belegen wir einen Zusatzkurs zum Thema Röstung und Verkostung.
Der Kurs macht uns beiden großen Spaß, obwohl es gar nicht mal so einfach ist, wie es die Profis aussehen lassen. Zur Übung bereiten wir jeden Tag unzählige "Schlumpf-Kaffees" zu. Gefärbtes Wasser stellt den Espresso dar, aufgeschäumtes Seifenwasser die Milch. Stundenlang versuchen wir Kreise, Herzchen und verschiedene Tulpen zu malen. Getrunken wird das blaue Zeug natürlich nicht, aber auch das Kaffeetrinken kommt im Kurs nicht zu kurz. Cappuccino, Australian Cappuccino, Vanilla Cappuccino, Flat White, Mokka, Dirty Chai, Espresso, Espresso Macchiato, Long Macchiato, Manchado, Americano usw. Wir machen, trinken und analysieren also eine ganze Menge Kaffee. Vom typischen kolumbianischen Tinto ist zwar auch mal die Rede, hier geht's aber hauptsächlich um Specialty Coffee. Für die verschiedenen Filtermethoden (u.a. Chemex, Origami, V60, French Press, Aeropress und Mokkakanne) verwenden wir verschiedene Bohnen. Die Unterschiede sind riesig, super spannend. Auch Zeit und Mengenangaben spielen eine große Rolle. Kaffee machen ist definitiv eine Wissenschaft für sich.
Wie auch das Rösten. Im Zusatzkurs rösten wir fünf verschiedene Kaffeebohnen. Die gängigsten Kaffeeverarbeitungsmethoden sind Natural, Honey und Washed. Beim Rösten muss auf so einiges geachtet werden, sogar auf Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit. Wir arbeiten mit einer ganzen Liste an Parametern und machen immer wieder leichte Anpassungen. Bei der anschließenden Verkostung geht es dann um den Duft im trockenen/ gemahlen Zustand, um das Aroma (wenn nass), um Geschmack zu unterschiedlichen Zeitpunkten, Süße, Säure und Körper. Dabei begegnen uns vor allem Panela, Schokolade, Honig, Zitrus, rote/ gelbe/ grüne/ trockene Früchte und Blumen. Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt. Julian ist voll in seinem Element, auch wenn die Verkostung von Kaffee und Wein doch sehr unterschiedlich ist.Leer más
Medellín - Comuna 13
17–18 jun. 2024, Colombia ⋅ ☀️ 27 °C
Die Comuna 13 gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Medellíns und gilt als das einst gewalttätigste Viertel der Stadt. Es liegt größtenteils an steilen Hängen, wo sich die kleinen Häuser dicht an dicht aneinander schmiegen. Es gibt kaum Straßen, die meisten Häuser sind nur über schmale Gassen und Treppensteigen zu erreichen. Blutige und tödliche Auseinandersetzungen zwischen Drogenbanden, Guerillas, paramilitärischen Gruppen und Sicherheitskräften standen an der Tagesordnung. Im Schnitt verloren jeden einzelnen Tag mehr als drei Menschen ihr Leben. Die Operación Orión im Jahr 2002 stellte einen Wendepunkt in der Geschichte von San Javier dar. Die 22 Operationen davor sind fehlgeschlagen.
Heute kann die Comuna 13 problemlos besucht werden, tagsüber jedenfalls. Und das tun auch ganz schön viele Leute. Weil wir mehr über das spannende Viertel erfahren wollen, nehmen wir noch ein letztes Mal an einer Free Walking Tour teil. Sie gehört zu einer unserer besten - der Guide ist hier aufgewachsen, kennt gefühlt jeden, weiß extrem viel und zudem bleibt das Geld in der Comuna, wo es in diverse Projekte investiert wird. Die dreistündige Tour führt uns durch fünf ganz unterschiedliche Barrios der Comuna. Wir interpretieren die Bedeutung einiger Graffitis, erfahren mehr über den Musik- und Break Dance Hintergrund, sprechen über Gewalt, Drogen, Armut, Geschichte, Wandel und Kontrast. Natürlich fahren wir auch mit den Freiluftrolltreppen, die 2011 eingeweiht und mehr oder weniger aus einem Scherz heraus entstanden sind. Inmitten der touristischen "Gringo-Price-Area" endet die Tour, ab da erkunden wir auf eigene Faust. Auf der Hauptroute ist's ganz schön bunt und laut. Da ist ordentlich was los, stellenweise haben wir eher das Gefühl in einem Freizeitpark zu sein. In den Nebengassen wird's schnell ruhig, da ist kaum mehr jemand unterwegs.
Nach ein paar Stunden machen wir uns auf den Rückweg und geben La Candelaria noch eine zweite Chance. Dieses Mal ist der Vibe ein ganz anderer, es geht wesentlich entspannter zu und es sind normale Leute unterwegs. Unseren ersten Eindruck von Medellíns Zentrum korrigieren wir daher ein bisschen. Wirklich schön ist's trotzdem nicht.
Unseren letzten Abend in Kolumbien lassen wir ganz gemütlich mit Pizza auf der Couch ausklingen. Davor aber zeigt Julian Sebastián, dem Besitzer der Barista Schule, wie eine Weinverkostung abläuft. Ich gönne mir währenddessen eine wohltuende Massage.
Und dann ist er auch schon da, unser letzter Tag in Kolumbien. Knapp 7 Wochen haben wir in Kolumbien verbracht, im Vergleich zu den anderen Ländern ist das eher wenig. Das ein oder andere mussten wir leider auslassen, was wirklich schade ist, denn Kolumbien ist wunderschön und die Leute sind so herzlich! Jammern auf höchstem Niveau, aber es muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein. Zum Flughafen bestellen wir ein Uber. Als wir dem Fahrer erzählen wohin wir wollen, fährt er rechts ran und meint, dann müssen wir zum anderen Flughafen. Wie jetzt, es gibt zwei Flughäfen in Medellín? Gut, dass wenigstens einer von uns dreien informiert ist. Wir korrigieren in der App das Ziel, woraufhin sich die Fahrzeit um 35 Minuten verlängert. Dabei sind wir doch eh schon später dran als geplant. Ich komme schon ins Schwitzen, aber wir schaffen es! Kurz darauf landen wir auch schon wieder in Bogotá, wo es umgehend zu hageln beginnt. Unser Anschlussflug musste aufgrunddessen einen anderen Flughafen ansteuern, d.h. es fehlt ein Flugzeug. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr sitzen wir am Flughafen El Dorado und warten stundenlang auf eine Avianca Maschine. Welch eine Ironie, da der Slogan der Airline doch "Somos los #1 en puntualidad del mundo" lautet.Leer más
Bon biní na Kòrsou!
18–19 jun. 2024, Curacao ⋅ ⛅ 28 °C
...das ist Papiamentu und bedeutet Herzlich Willkommen auf Curaçao. Die Sprache klingt wie eine Mischung aus Portugiesisch, Niederländisch, Französisch und afrikanischen Sprachen. Hört sich vertraut an und ist doch total fremd. Weitere Amtssprachen auf Curaçao sind Englisch und Niederländisch, denn die Insel gehört zu den niederländischen Antillen und ist ein autonomes Land im Königreich der Niederlande. Aber auch Spanisch ist sehr weit verbreitet. Viele der rund 150.000 Einwohner sprechen drei oder gar vier Sprachen. Am Flughafen werden wir sogar auf deutsch begrüßt.
So kunterbunt wie gesprochen wird, sind auch die kleinen, pastellfarbenen Häuschen aus der Kolonialzeit. Die Handelskade sowie die Altstadt von Willemstad zählen seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe. Drumherum stellen wir auf unserem Spaziergang durch die Hauptstadt jedoch fest, dass viele dieser hübsch anzusehenden Häuser leider verfallen. Stattdessen werden nebenan riesige, sechsstöckige Hotelkomplexe aus dem Boden gestampft, an vorderster Wasserfront versteht sich. Ich hoffe, dass auch künftig der Charme erhalten bleibt.
Es reichen schon die hässlichen Kreuzfahrtschiffe im Hafen, die größer sind als alles andere weit und breit. Aus Interesse tracke ich die beiden Schiffe, mit einer Passagierkapazität von je ≈ 3.900. Die aktuellen Karibikrundreisen dauern 6-8 Tage, davon sind mehr als die Hälfte Tage auf See und in der verbleibenden Zeit werden ganze drei Inseln für jeweils einen halben Tag angesteuert. Wie es scheint, werden die paar Stunden an Land dann zum Shoppen genutzt, es müssen ja schließlich Souvenirs gekauft werden. Das "Discover Curaçao in 3 Minutes' Walk"-Schild direkt am Anlegesteg der Kreuzfahrtschiffe gibt mir den Rest. Diese Art des Reisens werde ich niemals verstehen.
Wir spazieren dagegen in aller Ruhe durch die unterschiedlichen, farbenfrohen Viertel von Willemstad und durch das Einkaufszentrum im Rif Fort, probieren Loempia (Frühlingsrollen nach Curaçao-Art) und anderes holländisches Fastfood wie Bitterballen, Frikandel oder Kroket und machen Halt in der neuen Swinging Old Lady Brewery. Außerdem beobachten wir, wie die von 16 Pontonbooten getragene, schwimmende Königin-Emma-Brücke für den Containerschiffsverkehr durch die Sint Annabaai zur Seite gefahren wird. Schaut irre aus und erinnert ein bisschen an die richtungsändernden Treppen bei Harry Potter. Auch wenn Menschen drauf sind, macht die Brücke plötzlich auf. Solange gibt es eine kostenlose Fährverbindung zwischen den beiden Stadtteilen Punda und Otrobanda. Wir mögen das "Dushi Kòrsou", den Mix aus europäischem und karibischem Flair und die warmherzigen Menschen jetzt schon. Dushi ist ebenfalls Papiamentu und wird für lecker, lieb, nett und für alles mögliche - Hauptsache positiv! - verwendet. Ein allgegenwärtiger Begriff, ähnlich wie Pura Vida in Costa Rica oder Bula Bula auf den Fidschis.Leer más
Beach Day & Punda Vibes
20 de junio de 2024, Curacao ⋅ ⛅ 31 °C
Alle sprechen vom Mambo Beach - der wohl beliebteste Strand Curaçaos. Und es stimmt, hier ist gut was los. Außer Ruhe findet man alles: Bars, Restaurants, Poolparties und eine Shoppingmeile. Uns ist's hier definitiv zu voll. Ganz am Ende, am Hemingway Beach, finden wir doch noch ein gemütliches Plätzchen unter Palmen. Aber 17US$ Miete für eine Strandliege?! Das gibt unser Backpackerbudget eigentlich nicht her. Umso besser, dass wir zwar darüber informiert werden und heute mal eine Ausnahme machen wollen, der Typ uns aber anscheinend wieder vergisst und die nächsten Stunden nicht mehr auffindbar ist. Wir genießen die karibische Sonne, das glasklare türkisfarbene Wasser und die fast gleichfarbigen Cocktails. Die Idee, zwischen Meer und Laguna weiter nach Jan Thiel zu laufen, verwerfen wir nach ein paar hundert Meter wieder. Der Weg durch's stachelige Gestrüpp macht keinen Spaß und Aussicht haben wir auch keine. Jan Thiel muss ohne uns auskommen.
Mit dem Minivan geht's zurück zur Unterkunft und am Abend gehen wir auf's Punda Vibes - ein Straßenfest, das jeden Donnerstagabend stattfindet. Es herrscht eine freundliche Atmosphäre, überall wird Musik gespielt, hier & da treten lokale Künstler/ Tänzer auf und zum Abschluss gibt's ein Feuerwerk. Was wir ein bisschen vermissen, ist das lokale Streetfood. Und weil ab 21 Uhr auf der ganzen Insel keine Busse mehr fahren, Taxifahren aber unverschämt teuer ist, sind wir viel zu Fuß unterwegs. In der Hinsicht ist die Lage unserer Unterkunft etwas ungünstig.Leer más
Landhuis Knip & Museo Tula
22 de junio de 2024, Curacao ⋅ ☀️ 30 °C
Das Landhuis Knip wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut und war eine der blühendsten Plantagen der Insel. Es gehört zu den wichtigsten Monumenten Curaçaos, denn genau hier begann im Jahr 1795 der Sklavenaufstand, angeführt von Tula. Heute wird Tula als Kämpfer für Menschenrechte und Unabhängigkeit verehrt.
Bis vor ein paar Jahrzehnten war das Landhaus noch bewohnt, erst seit drei Monaten befindet sich hier das Tula Museum. Als wir ankommen, ist die Aufregung groß. Auf dem Parkplatz wurde soeben ein Auto aufgebrochen - offenbar das allererste Mal. Ich überprüfe sicherheitshalber noch einmal die Schlösser unserer Fahrräder. Auf noch einen Fahrraddiebstahl, wie ganz zu Beginn unserer Reise in Montevideo, können wir verzichten. Wir sind die allerersten, die überhaupt Räder im neu eröffneten Bed&Bike Hostel in Westpunt ausleihen. Die Leute scheinen irritiert zu sein, warum wir mit Rädern unterwegs sind (wir sind weit und breit die einzigen ohne Mietwagen) und der Holländer ist schwer beeindruckt, denn die Gegend sei doch so bergig. Naja, hügeliger als die Niederlande bestimmt und zugegeben, ohne Gangschaltung bei den Temperaturen teilweise auch echt anstrengend. Umso schöner, dass wir oft gegrüßt werden und manch Autofahrer gar abbremst, um uns einen schönen Tag zu wünschen.
Nachdem sich die Lage im Museum wieder beruhigt hat, bekommen wir eine einstündige Privatführung. Angeschrieben ist nämlich fast alles nur auf Papiamentu. Während der Zeit der niederländischen Kolonisierung war die Sklaverei ein wichtiger Bestandteil des Wirtschaftssystems Curaçaos. Im 18. Jahrhundert gab es schätzungsweise 12.000-15.000 Sklaven, die zur Arbeit auf Plantagen und in den Salinen gezwungen wurden. Außerdem war Curaçao der Hauptumschlagplatz für afrikanische Sklaven in der Karibik. 1863 wurde die Sklaverei auf der Insel - nach mehr als vierhundert Jahren - offiziell abgeschafft, aber die ehemaligen Sklaven waren verpflichtet, weitere zehn Jahre lang zu niedrigen Löhnen für ihre ehemaligen Besitzer zu arbeiten.
"Slaves are chickens, mama
Slaves are chickens
The Landlord sells us, mama
Slaves are chickens". (Curaçao)
Film: Tula - The RevoltLeer más
Kleine Knip & Grote Knip
22 de junio de 2024, Curacao ⋅ ☀️ 31 °C
Nach dem Museum brauchen wir dringend eine Abkühlung, also verbringen wir den Rest des Tages am Kenepa Chiki Beach. Die Strände im Norden der Insel sollen die Schönsten sein. In der kleinen Bucht ist nicht all zu viel los und das Wasser ist traumhaft schön. Wir haben das Gefühl in einem Aquarium zu schwimmen. Herrlich!
Bevor wir am Spätnachmittag zurückradeln, machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Kenepa Grandi Beach. Gegen 17 Uhr leert sich der Parkplatz bereits und die drei Ladies am Kiosk informieren uns darüber, dass es hier durchaus gefährlich werden kann, sobald nicht mehr viel los ist. Eigentlich wollten wir nur nach der Abkürzung durch's Dickicht fragen, aber auch davon raten sie uns ab. In dem Fall machen wir uns mal besser auf den Rückweg, wir haben immerhin noch 7,5km vor uns.
Unseren letzten Abend auf Curaçao, unseren allerletzten Abend in Südamerika lassen wir ganz gemütlich und mit einem wunderschönen Sonnenuntergang am Kalki Beach, unweit von unserer Unterkunft, ausklingen. Cheers auf diese großartige Zeit in Südamerika!Leer más
Playa Kalki
23 de junio de 2024, Curacao ⋅ ⛅ 30 °C
Bevor wir uns am Nachmittag auf den Weg zum Flughafen begeben, schnorcheln wir noch ein letztes Mal ausgiebig am Playa Kalki und entdecken dabei sogar eine Unterwasser Chichi. Chichi auf Curaçao beschreibt eine sinnliche, wohlgerundete karibische Figur. Es ist das Papiamentu-Wort für „große Schwester“ und stellt die älteste Tochter der Familie dar. Also diejenige, die die Familie auf liebevolle und fürsorgliche Weise zusammenhält. Mit anderen Worten also ein sehr geschätztes und weibliches Vorbild in der heutigen karibischen Gemeinschaft.
Zum Abschlussessen hatten wir ein lokales Restaurant um die Ecke ausgesucht, das nur am Wochenende geöffnet hat. Nur eben, warum auch immer, ausgerechnet heute nicht. Schade, ich hatte mich schon so auf die landestypische Kaktussuppe Kaduschi gefreut. Weitere lokale Speisen sind Pastechi, Funchi, Keshi Yena, Kabritu Stoba oder Yuana Stoba (Leguansuppe - die stammt noch aus Zeiten der Sklaverei). Auf Touri-Restaurant mit Burger und Pizza haben wir keine Lust, dann gibt's eben fangfrischen Fisch am Playa Grandi.
Um 16 Uhr nehmen wir den Bus zurück nach Willemstad. Die locals raten uns, schon den vorigen Bus zwei Stunden früher zu nehmen, um auch sicher rechtzeitig am Flughafen zu sein. Auf die Busse sei hier nämlich nicht immer Verlass. Wir wollen jedoch so lange wie möglich die Sonne genießen, die Herfahrt hat ja auch ganz gut funktioniert und außerdem haben wir einen Plan B und C. Backpacker-freundlich ist Curaçao nicht gerade. Ohne Mietwagen ist alles ziemlich umständlich und die TukTuks vermissen wir auch schon. Plan B und C brauchen wir nicht, pünktlich um 21 Uhr heben wir ab. Das war's, bye bye Südamerika.Leer más

ViajeroZu Ende. Kaum vorstellbar nichts mehr von euch aus Südamerika zu hören. Bei uns ist ja klar, dass nach längstens einem Monat Schluss ist, aber bei euch…. Die Zeit verging so schnell. Irgendwie war ich durch euch immer auch noch ein bisschen dort. Mal sehen, ob Südamerika nächstes Jahr wieder bei uns auf dem Plan steht. Ich denke ja. Guten Flug nach Europa. Holt euren Berry ab! Und dann gute Fahrt auf deutschen Autobahnen.

Katja SchillerDanke dir, Constance! Kaum zu glauben, dass es schon bald 1 Jahr her ist, als wir uns im Norden Argentiniens begegnet sind und zusammen nach der Schraube vom Unterbodenschutz gesucht haben. 😄

SYLWIA B."Das war's, bye bye Südamerika" ... ach nö. Mir werden Eure so wunderbar informativen Direktberichte wirklich so fehlen! Gutes Ankommen und vor allem gutes Eingewöhnen. Wie geht Euer Leben weiter?

Katja SchillerDanke Sylwia! Mmmh, das werden wir noch herausfinden 😅 Wohnort, Wohnung, Job... steht alles noch in den Sternen.
Amsterdam - Ankommen in Europa
24–28 jun. 2024, Países Bajos ⋅ ☀️ 25 °C
Von "Klein Holland" nach Holland. Fünf Tage verbringen wir im wunderschönen Amsterdam. Die Stadt macht uns das Ankommen in Europa leicht. Es herrscht eine super entspannte Atmosphäre, es ist sauber und ruhig und wir haben traumhaftes Sommerwetter. Malerische Grachten, hübsche Gassen und schräge Giebel, hippe Läden, internationale Restaurants, grüne Parks, viel Kunst und Kultur. Und natürlich herumtuckernde Boote, fest verankerte Hausboote und massenhaft Radfahrer prägen das Stadtbild. 58% der Einwohner steigen wohl täglich auf's Rad. In der ganzen Stadt gibt es Extraspuren (fietspaden) für Räder, deren Überquerung für Fußgänger nicht immer ganz ungefährlich ist. Rücksicht genommen wird kaum - wichtig um klarzukommen: nicht zögern und einfach dem Strom anpassen. Autos fahren nur sehr wenige, viel mehr los ist in den Kanälen. In der niederländischen Hauptstadt gibt es insgesamt 165 Grachten, mit einer Gesamtlänge von 75 Kilometern. Funfact: etwa 6.000 Fahrräder werden jährlich aus den Grachten ausgebaggert. Die Stadt ist multikulti, mehr als die Hälfte der Menschen in Amsterdam haben einen Migrationshintergrund. Dazu kommen jedes Jahr Millionen von Touristen. Seit ein paar Jahren gibt es deshalb eine Obergrenze von 20 Mio. Übernachtungen pro Jahr. Seit einiger Zeit schon wurde das Stadtmarketing eingestellt. Die Hunde und Katzen auf den Straßen fehlen ein bisschen.
Wir haben uns für die Tage überhaupt nichts vorgenommen, haben keine Pläne. Wir lassen uns einfach treiben, chillen im Vondelpark, laufen aber auch viel und erkunden die unterschiedlichen Stadtteile. Hauptsächlich fotografieren wir Häuser, die sehen einfach alle so cool aus. Über 8.000 von ihnen stehen unter Denkmalschutz. An das Preisniveau müssen wir uns allerdings erst einmal gewöhnen. 9-10€ für eine Halbe, 35-40€ für ein Bett im Schlafsaal oder schnell mal 20€ für eine Kleinigkeit zum Mittagessen. Eine weitere Umstellung ist, dass in vielen Geschäften ausschließlich Kartenzahlung akzeptiert wird, auch in Bäckereien. In Südamerika undenkbar, da gilt "nur Bares ist Wahres". Mit einem kurzfristigen Besuch im Anne-Frank-Museum klappt es leider nicht, die Tickets sind wochenlang im Voraus ausgebucht. Dafür gibt's online einen tollen Rundgang durch das Hinterhaus, wo sich die Familie Frank ab 1942 für mehr als zwei Jahre versteckte und wo Anne ihr Tagebuch schrieb. https://www.annefrank.org/de/museum/web-und-dig…
Und während ich diese Zeilen schreibe, hat die Marsa Pride, also das Containerschiff bereits Bremerhaven erreicht. Wir machen uns dann langsam mal auf den Weg nach Deutschland. Es ist schön, wieder in Europa zu sein! Bis wir allerdings wieder zurück im Schwabenländle sein werden, dauert es vermutlich noch ein paar Wochen. Auch sehr angenehm, dass es am Abend so lange hell ist - Sonnenuntergang nach 22 Uhr. In Medellín ging die Sonne schon kurz nach 18 Uhr unter.Leer más

trailing freddyUnd dann schaust du nicht mal bei Stefan und mir vorbei… liegt ja fast auf dem Weg. Willkommen zurück und kommt gut an!
Moin aus Bremen
28 jun.–3 jul. 2024, Alemania ⋅ 🌧 17 °C
Mit dem Flixbus geht's weiter nach Bremen. Endlich mal wieder ein entspannter Grenzübergang, wir bekommen ihn noch nicht einmal mit. Eigentlich ist Bremen für uns nur ein zwangsläufiger Zwischenstopp, doch wir sind positiv überrascht. Die Hansestadt hat mehr zu bieten als nur die Bremer Stadtmusikanten. (Wie ging das Märchen noch gleich? https://www.bremen.de/tourismus/sehenswuerdigke…). Wir erkunden die hübsche Altstadt, das charmante Schnoor und bummeln durch Das Viertel, das Szeneviertel der Stadt und entlang der Weser, wo gerade für die Breminale aufgebaut wird.
Samstag meint es das Wetter noch gut mit uns, jedenfalls bis zur Halbzeitpause. Die erste Hälfte des EM-Achtelfinalspiels Deutschland: Dänemark schauen wir zusammen mit vielen anderen an der Schlachte, der historischen Uferpromenade an der Weser. Bevor das Unwetter aus Dortmund aber den Norden erreicht, verziehen wir uns nach Drinnen. Das Schietwetter soll uns die nächsten Tage erhalten bleiben. Deshalb lassen wir es ruhig angehen und warten auf eine Nachricht von unserem Verschiffungsagenten.
Und dann, völlig unerwartet, geht plötzlich alles ratzfatz. Und es läuft überhaupt nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Surprise! Am Samstag sollte der Container entladen werden - zu dem Zeitpunkt wissen wir allerdings noch von nichts. Das Problem an der Sache: den Schlüssel haben wir und auch der Schlüssel unserer Containerbuddies ist nicht im Fahrzeug. Zugegeben, das ist schon irgendwie unser Fehler - dieser eine kleine Satz ging in der Nachrichtenflut vor der Verschiffung unter. Aber es wurde auch noch nie ein Container ohne unsere Anwesenheit be- oder entladen. In Bremerhaven wohl üblich, informiert hat uns darüber jedoch keiner. Bremerhaven kommuniziert umgehend mit unserer Verschiffungsagentur in London, weil die am Wochenende aber nicht erreichbar sind, bekommen wir die Info erst am Montagmorgen weitergeleitet. Bevor wir die Adresse erfahren, wo wir den Schlüssel überhaupt hinbringen sollen, wird uns auch schon gesagt, dass wir pro Fahrzeug für die Belagerung des Containers 150€ bezahlen müssen. Jeder weitere Tag kostet extra. Seit Cartagena haben wir von der Agentur kein Update, geschweigedenn Antwort auf unsere Mails erhalten und dann das. Wir bezahlen also für die nicht existierende Kommunikation von ivssuk, denn wir hätten auch gleich schon am Samstag vor Ort sein können. Allein die Info, dass die Fahrzeuge ohne uns entladen werden hätte gereicht, dass wir uns in Gang setzen. Aber nein, was für eine Frechheit! In der Hinsicht sitzen die aber ganz klar am längeren Hebel, denn wenn nicht alle Rechnungen beglichen sind, bekommen wir keinen Freilassungsschein und somit unser Auto nicht. Obwohl wir die Schlüssel gleich am Montag hinbringen, müssen wir blechen. Abholen können wir Berry trotzdem erst am Dienstag. Wie dem auch sei, die Hauptsache ist, dass wir Berry wieder haben. Jetzt kommt er zum Durchchecken erst mal in die Werkstatt und währenddessen machen wir mit dem 49€ Deutschlandticket noch ein Weilchen den Norden unsicher.Leer más

ViajeroOje, was für ein Mist. Leider gibt es irgendwie überall schlechte Organisation und vor allem mangelnde Kommunikation. Hoffentlich ist Berry bald gesund und rollt wieder mit voller Power und leerem dpf 😊 liebe Grüße aus Puerto Ayora

ViajeroVielleicht für die Zukunft einmal kann ich nur overlandembassy.com als Agentur in Panama City für den weltweiten Versand von Mittel, Südamerika empfehlen. Ich habe noch keine bessere Agentur gesehen. Super professioneller Service, Kommunikation und Dienstleistung. Absolut top!

ViajeroMan könnte es auch so sehen: kaum ist man zurück in Deutschland, klappt es nicht. Das erleben wir nach beinahe jeder Reise und auch vor jeder Reise. Sobald der Flieger deutschen Boden verlassen hat, wissen wir, jetzt geht nichts mehr schief. Die Reise kann beginnen. Nicht ärgern, sondern abhaken. Es hilft ja nichts. Wäre viel schlimmer, wenn das Schiff gesunken wäre. Hauptsache ihr habt Berry wieder. Mich würde es aber auch richtig ärgern. Viel Spaß im Norden und willkommen im deutschen Sommer.









































































































































































































































































ViajeroWow. Das ist mal ein Bericht. Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, was wohl los ist, weil nichts mehr von euch zu lesen war. Aber das habe ich nicht erwartet. Das tut mir leid!!!! Das heißt, ihr verschifft Berry jetzt nach Hause?! Könnt/wollt ihr dann weiter durch Columbien reisen oder reicht es euch? Wie viel Auszeit habt ihr noch? Wann müsst ihr wieder in D sein? Ich drücke euch die Daumen, dass jetzt alles klappt, so wie es muss.
Katja SchillerDanke!! Genau, für Berry geht's nächste Woche nach Hause. Der Termin steht schon seit 2-3 Monaten. Auf so ein chaotisches Ende hätten wir gut verzichten können, aber ich denke bald werden wir schon drüber lachen. Wir haben hier für ein paar Tage ein tolles Airbnb, wo wir entspannen und Berry in Ruhe auf die Verschiffung vorbereiten können. Danach ziehen wir noch ein paar Wochen mit Rucksack los, ein bisschen mehr wollen wir von Kolumbien dann doch noch sehen ;-) Rückflüge sind noch nicht gebucht, werden uns nach der Pünktlichkeit des Containerschiffs richten.
ViajeroOh nein. Einiges hatten wir ja schon gehört und da dachte ich schon, es sei genug. Aber es konnte offensichtlich noch getoppt werden :( drück euch ganz fest.
Katja Schiller❤️