Die Oase
28. heinäkuuta 2023, Peru ⋅ ☀️ 13 °C
Während ich mich gestern fragte wo all die Leute auf dem Trek geblieben sind kommen sie mir heute aus der Oase entgegen. Es scheint also die richtige Entscheidung die 1500m heute nochmal abzusteigen und weiter zu erkunden.
Und es war ebenso die richtige Entscheidung eher loszulaufen. Der Abstieg bietet an dieser Stelle des Canyons weniger Schatten als gestern.
Der Colca-Canyon gehört zu den stärksten terrassierten Gegenden der Welt. Einst alles für die Landwirtschaft wie am Titicacasee. Heute wird außer ein paar Obstbäumen jedoch kaum noch Anbau betrieben. El Niño macht es seit einigen Jahren zusammenhängend nicht besser. Ein Überbleibsel dieser Zeit sind die Wasserkanäle die heute immer noch frisches Bergwasser in die wenigen planen Flächen entlang der Schlucht leiten.
Mit Ankunft in der Oase bin ich enttäuscht. Zwei Lodges, drei Pools und ein paar Palmen. Der Schatten tut gut, der Rest ist für Feierwütige die auf Instagram posten müssen „ich war hier“. Witzig, ich werde immer noch tagtäglich gefragt wie ich ohne Instagram leben kann. Und ohne WhatsApp. Und überhaupt! - ich habe so viel mehr Zeit dadurch dass ich nicht ständig das Smartphone in der Hand habe. Herrlich! Zurück zum Canyon - der ist auch herrlich.
An der nächsten Wegkreuzung ist ein kleiner Kiosk. Davor sitzt ein Mann, isst sein Mittag und lauscht auf seinem Weltempfänger einer Präsidentenansprache zum heutigen Unabhängigkeitstag in Peru. Als Snack kaufe ich ihm einen Müsliriegel ind eine Mandarine ab. Wenn es das schon gibt muss ich ja nicht ganz so Sparflamme fahren wie gestern. Ich frage ihn wie es ihm geht und wie seine Bilanz über die Touristen hier ausfällt. Er winkt ab. „ Die wenigsten, vielleicht 20% schaffen es bis hier hinunter in den Canyon. Die anderen 80% werden von den Reiseveranstaltern abgegriffen bis an den Rand oder höchstens bis zum ‚Cruz del Condor‘ geschleppt und sehen dort vielleicht Condore, vielleicht auch nicht.“
Gut dass ich doch wieder auf eigene Faust unterwegs bin. Mit der Einstellung erstmal los zu laufen und dann zu entscheiden wo die Reise weitergeht erlebe ich einfach mehr als wenn von vornherein alles geplant wäre. ‚Just do it!‘
Frisch gestärkt geht es mit gutem Gewissen zum Mittagessen. Dazu laufe ich im nächsten Dorf einfach den ganzen Arbeitern hinterher die ebenfalls essen gehen wollen und lande in einer Hostelküche. Sehr gut! Und noch besser wenn ich die Preise mit den später folgenden Lodges vergleiche. Puh!
Über eine Nebenschlucht geht es hinüber nach San Jose de Juccho Zeit für ein Nickerchen im Schatten nachdem sie hier nicht mal Eis am Kiosk haben. Preise für Touristen und dann nicht mal Eis - wo gibts denn so was. Immerhin ist es im Canyon gute 10-14Grad wärmer als oben. Da hätte ich mir ein Eis gegönnt.
Es nützt ja nichts - und so nehme ich den letzten Anstieg des Tages in Angriff. 1.573 Höhenmeter zeigt die Wanderkarte noch an. Glücklicherweise gerate ich auch heute kaum in die Feierabendsonne. Nach einem Drittel des Weges kommt mir ein Mann entgegen und erschrickt aus seinem Trott sobald er mich sieht. Wo komme ich denn plötzlich her - und wo will ich heute überhaupt noch hin? Nach einem kurzen Gespräch weiß er dass ich aus Deutschland stamme. Seine nächste Frage lautet ob ich aus dem Oxident oder aus dem Orient stamme? Schweigen - und ich denke mir: na aus Deutschland - bis ich begreife: Orient, klar! “Na dann brauch ich mich nicht wundern.” Der Mann meinte er hat eine Zeit in aOstdeutschland gelebt - “die ziehen da alles durch.” Ich danke ihm für das Kompliment auch wenn ich bei Landsleuten sicher auch auf Widerspruch stoße.
Dass man den Tag nicht vor dem Abend loben soll zeigt sich nach zwei Dritteln. Mir kommen ein Esel und sein Herr entgegen. In einer Spitzkehre stelle ich mich zum passieren an den Rand. Der Esel, sichtlich auf Grünfuttersuche und unwillig den Canyon abzusteigen, ignoriert mich - ja schubst mich weiter bei Seite und trifft mit seinem Huf noch meinen großen Zeh im Vorbeigehen. Dass der Esel jetzt so kurz vor Dunkelheit nicht mehr weiter will passt dem Herren natürlich gar nicht. Ich mache mich stattdessen so schnell es noch geht aus dem Staub.
Zur Belohnung gibt es heute Abend Pizza. Dabei treffe ich zwei Neuseeländer aus Machu Picchu wieder. Das ist verrückt. Der Pfad kann noch so abgelegen sein - die Gringo-Route werde ich hier in Peru so schnell nicht verlassen können.Lue lisää
Feiertag in Peru
29. heinäkuuta 2023, Peru ⋅ ☀️ 22 °C
Mit dem Sonnenaufgang startet mein Bus zurück aus dem Canyon in Richtung Arequipa. Die Peruaner feiern gestern und heute ihre Unabhängigkeit. Überall sind Rot-Weiß-Rote Flaggen aufgehängt. Wenn die Sonne nicht so brennt könnte ich fast meinen dass ich in Österreich bin. Ausnahmsweise wurden gestern und heute sogar die Kirchenglocken benutzt.
Ob das auch mein Tag werden würde soll sich erst nach einer harten Probe zeigen. In Chivay hält der Bus an, stellt den Motor ab und sagt - Endstation. Die Weiterfahrt lohne sich heute nicht weil zu wenige Passagiere nach Arequipa wollen. Ein aufgebrachte Menschentraube von 6 oder 7 Leuten redet auf den Fahrer ein bevor ich überhaupt mitgeschnitten habe was Sache ist. Immerhin haben wir eine Fahrkarte für die ganze Strecke und nicht nur für die ersten 50km. Wie auch immer wird ein Transporter gechartert und alles vom Bus in den Transporter umgeladen. Schnell stellt sich aber heraus dass dem Sprinter der Kofferraum fehlt. Nach 2 Taschen ist alles voll. Also kommt mein Rucksack zu mir nach vorn mit auf den Sitz. Das entscheide ich einfach so. Ganz schlecht! Die zwei Leute die ihr Gepäck hinten untergebracht haben regen sich nun darüber auf dass Leute wie ich trotzdem nur für einen Sitzplatz bezahlen würden. Vielleicht ist Österreich heute doch das allerbeste Vorbild von Peru. Nicht nur bei der Rot-Weiß-Roten Flagge. Als dann noch in den mit Menschen und Gepäck überfüllten Kleinbus zusätzlich eine Mutter mit zwei Kindern rein soll platzt mir bald der Kragen. Dann hätten wir auch im Bus bleiben können. Stattdessen geht es nun weder vor noch zurück. Ich mit noch drei anderen Leuten und meinem Rucksack auf der letzten Rückbank und dann soll ich das wohl geschnürte 23kg-Paket über die Köpfe der anderen Passagiere wieder vor reichen als wäre es eine federleichte Handtasche. Ich weigere mich und argumentiere warum das alles nicht geht. Ich kann mich ja auch einfach dumm stellen und behaupten ich verstehe nicht was der Fahrer von mir will aber ich mache keine Kunststücke mit einer 23kg Hantel. Für den Gang wäre der Rucksack auch zu groß. Aus heiterem Himmel kommt von irgendwo ein Klappstuhl her. Sozusagen Sitzplatz Nr. 16. Letztendlich starten wir mit 19 Passagieren, deren Gepäck und meinem Rucksack. Es dauert nicht lange bis eines der Kinder wegen der Fahrweise und beengten Verhältnisse zu spucken anfängt. Die Stimmung bleibt bis zur Ankunft in Arequipa über 5 weitere Stunden gereizt. Der einzige den das wenig kümmert ist der Fahrer.
In Arequipa zurück habe ich den ganzen Nachmittag bis mein Nachtbus fährt. Ähnlich wie schon in Salta, Argentinien haben die Archäologien hier durch Zufall Mumien auf einem Berg gefunden und dann systematisch danach gegraben. Diesmal eigentlich keine richtigen Mumien denn das Eis hat die Mumifizierung bereits in den ersten 24Stunden nach dem Tod für mehrere hundert Jahre angehalten. Diesmal darf ich nur wirklich keine Bilder machen, nicht mal von anderen Bildern… dafür lerne ich einiges Neues dazu. Zum Beispiel stellte man sich hier die Frage warum eigentlich immer nur Mädchen geopfert wurden wenn es zu großen Ereignissen oder Naturkatastrophen kam? Und man fand eine Antwort. Eine angeschmolzene Goldene Kleiderstecknadel. Nur die Jungen bekamen derartige Nadeln in Form einer Feder mit auf den Weg ins nächste Leben. Und das war für einen Blitz bei Gewitter auf den Berggipfeln natürlich viel attraktiver als eine Mädchenleiche ohne Feder. Gerade weil die Vulkane zum Teil auch noch aktiv waren und ihr eigenes Mikroklima erzeugt haben gab es auch nicht wenige Gewitter. Die Jungen sind schlichtweg alle verbrannt, wurden sonst aber genau so grausam geopfert wie die Mädchen.
In der Regel zogen Priester das ganze Jahr über durch das Land um die Schönsten der angesehenen Familien ausfindig zu machen. Diese wurden dann auf die jeweiligen Zeremonien vorbereitet. Je Eine(n) aus allen vier Teilen des Reiches. Trat dann ein Unglück oder großes Ereignis ein und die Götter mussten besänftigt werden dann entschied der Inka König auf welchem Berg das Opfer stattfinden sollte. Bei ganz komplizierten Fällen wurden auch gleich mehrere Kinder geopfert. Diese begaben sich zuvor mit den Priestern auf den heiligen Berg was schon mal zwei drei Monate dauern konnte. Oben angelangt gab es Chicha - Maisschnaps für die Beruhigung und um das Folgende erträglich zu machen. Die Kinder hier wurden jedoch allesamt mittels Computertomograph untersucht. Der Tod trat nicht durch erfrieren ein sondern stets durch einen Schlag auf den Kopf. Dann wurden sie in Fetusstellung beigesetzt und mit allem versorgt was sie im nächsten Leben wohl brauchten. So sei es denn.
Indes wird es Abend und auf der Straße spielt der Feiertag Regie. Die Paraden sind alle abgehalten. Nun beginnen Künstler und zeigen ihr können als Pantomime oder auch als Michael Jackson Double. Von einem Café mit Dachterrasse genieße ich den Sonnenuntergang. Anstatt mit einem zünftigen Abendbrot lasse ich den Tag bei Kaffee und Kuchen ausklingen, kaufe mir dann noch Obst für die Fahrt und mache mich im Mondschein auf nach Nazca. Mal etwas anderes als diese grausamen Rituale der Inka.Lue lisää
Nazca
30. heinäkuuta 2023, Peru
Ich glaube ich habe ein Dejavue. Der Bus entlässt mich am frühen Morgen in einem der trockensten Teile Perus. Hier herrscht seit hunderten Jahren Wüste vor… heute früh hat es hier jedenfalls Nieselregen. Genauso wie damals im Oman. Ich glaub ich werde nostalgisch bei so vielen Erinnerungen.
Rund um den Busbahnhof erwarten mich gleich drei oder vier Schlepper. Ich möchte nach der Nachtfahrt jedoch erstmal frühstücken und mich nicht stressen lassen so früh wie möglich irgend etwas zuzusagen. Das Frühstück ist wegen Gringo-Aufschlag auch nicht billiger. Bei Souvenirs lässt sich über den Preis noch verhandeln. Beim Essen nicht. Dass über Nacht alles gleich doppelt und dreifach so viel kostet lässt sich nur damit begründen dass der Ort sehr viele Besucher hat und es sich leisten kann.
Dann geht es auf zum Flughafen. Eine winzig kleine Empfangshalle für vielleicht 100 Leute, davon 50 Mann Personal. Es offenbart sich dass eigentlich alle die auch nicht wie Schlepper auf mich wirken am Ende unter einer Decke stecken. Alle Agenturen versuchen einen Flieger nach dem Nächsten voll zu bekommen.
Als erstes muss nicht etwa mein Gepäck sondern ich selbst auf die Waage. Oh je, wie freue ich mich auf heimisches Essen. Für was auch immer muss ich noch Flughafensteuer und Abfertigungsgebühr bezahlen. Der Security Check verläuft dann wie zu erwarten war. Es piept eigentlich immer interessiert aber keinen und das Handgepäck wird mit der Hand geprüft anstatt durchleuchtet. Selbst hier wo eine Cessna das Größte ist was überhaupt startet. Das alles dauert. Doch der Morgennebel will sich immer noch nicht recht lichten.
Willkommen auf dem Rollfeld. Ähnlich einem Hubschrauberlandeplatz hat jede Cessna ihren Parkkreis. Motor anschmeißen, 200m rollen und dann sind wir auch schon in der Luft. Der Flug verläuft mit allen Höhen und Tiefen. Er ähnelt mehr noch einem Parabelflug weil wir immer versuchen unter der Wolkendecke zu fliegen um so viel wie möglich von der Landschaft zu sehen. Soweit das Auge reicht ist hier alles von Linien übersäht. Manche bis zu 20km lang. Andere spiralförmig und teilweise diese weltberühmten Figuren die in den Sand gezogen sind. Zum Schluss erscheinen mor diese Linien viel kleiner als ich es denn erwartet hatte. - Da ist es wieder! Ich soll doch stets lieber ohne Erwartungen reisen. - Aber es ist ein wichtiger Aufenthalt hier um sich einen Eindruck zu verschaffen wie es vor den Inca aussah.
Dazu zählen auch die Aquädukte die ich am Mittag besuche. Tiefe Spiralförmige Löcher um wasserführende Schichten zu leiten und zu sammeln, sie für die Oase nutzbar zu machen. Es ist wohl die größte ingenieurtechnische Leistung die es aus der Alten Zeit hier in Peru noch zu bestaunen gibt.
Außerdem haben die Nasca nicht nur ihre berühmten 12 Figuren in den Sand gezeichnet die jeder kennt sondern hunderte. Teils auch nur so kleine dass sie aus dem Flugzeug nur schwer zu finden sind und erst 2005-2009 mittels raster-drohnen-Fotografie entdeckt wurden. Ihre Zahl erhöhte sich durch weitere Forschungen auf ca. 1.500 Geoglyphen.
Anhand archäologischer Vergleiche der Bilder in der Wüste mit Motiven auf Keramiken der Nazca-Periode nahm man lange an, dass die Geoglyphen in der Zeit der Nazca-Kultur zwischen 200 - 600 n. Chr. entstanden, doch gilt heute als Entstehungszeit der ältesten Figuren die Paracas-Periode von 800 - 200 v. Chr. Bis 2020 sind mind. 190 weitere Scharrbilder entdeckt worden. Die moderne Archäologie geht davon aus, dass die Nazca-Linien Aktionsflächen für Rituale in Hinblick auf Wasser und Fruchtbarkeit gewesen sind. Demnach wurden sie einmal benutzt und dann nie wieder. Wo habe ich diese Art von Verschwendung nur schon einmal gesehen? Egal
Mithilfe Satellitenfernerkundungstechniken entdeckten und analysierten italienische Forscher zuletzt fünf Gruppen von Geoglyphen, die sich durch unterschiedliche Motive, Muster und Funktionen auszeichnen. Die wichtigsten beinhalten Mäander- oder Zickzackmotive mit klarer Zeremonialfunktion, sowie Trapeze und Linien die in Richtung der Cahuachi-Pyramiden konvergieren. Die letzte Forschung ist also auch hier noch nicht abgeschlossen.
Mit dem Sonnenuntergang sitze ich schon wieder im Bus. Ich will den harten Westen Perus erkunden da gilt es keine Zeit zu verlieren.Lue lisää
Oasis Huacachina
31. heinäkuuta 2023, Peru ⋅ ☀️ 28 °C
Sichtlich geht es mir heute besser. Ich hatte eine warme Dusche, habe ausgeschlafen und bin vor dem Frühstück schon wieder auf den Beinen. Ein zwanzigminütiger Fußmarsch bringt mich auf den nahegelegenen Hügel zum Sonnenaufgang. Die Sonne suche ich im Novembernebel allerdings vergebens. Doch ich bin völlig in einer anderen Welt aufgewacht. Ich könnte sonst wo sein nur nicht unbedingt in Peru. Der Bus spuckte mich gestern noch drei Kilometer entfernt an der roten Ampel aus und ich bin im Dunkeln in die Oase von Huacachina gelaufen. Konnte ja keiner sehen was das für ein Ort wie im Bilderbuch ist. Die Stadt dröhnt nur ganz entfernt, ein paar Motorradtaxis tuckern, dazu ein paar Häuser um eine Lagune gebaut, großteils Hotels und es liegt nirgendwo Müll rum. Die Oase ist eingefasst von zwei riesigen Sanddünen. Ich wusste dass es die peruanische Wüste gibt. Und doch habe ich sie mir anders vorgestellt.
Mit mir sind um diese Zeit noch fünf weitere Leute auf der Düne unterwegs. Der Rest von Peru schläft noch oder hat Partykater. Ich bekomme das abends zum Großteil gar nicht mehr mit. Es geht aber mitunter recht laut zu in den Unterkünften. Die junge Generation mag das so. Aha? Als ob die tagsüber von der Sonne nicht genau so kaputt gespielt werden. Ich setzte mich auf die Dünenkante ganz oben hin und sauge die Morgenstimmung auf. Eine Chinesin gesellt sich zu mir. Wir sprechen über das Reisen und wie teuer es ist von Asien überhaupt nach Südamerika zu gelangen. Da haben wir in Europa echt einen Trumpf mehr im Ärmel. Der nützt jedoch nichts wenn dann so eine dichte Wolkensuppe über der Düne hängt anstatt das die Sonne aufgeht. Es bleibt ordentlich Zeit am Vormittag wieder einmal alle Sachen zu ordnen.
Um zwölf gebe ich der Wüste eine zweite Chance. Und siehe da, die Sonne kommt raus. Natürlich sieht im Sonnenlicht alles viel schöner aus. Also nochmal hoch auf die Düne. Ein Bilderbuch ist schließlich auch zum angucken da und nicht um es links liegen zu lassen. Ich bin dankbar dass die Sonne so lange gewartet hat. Mit ihr gehe ich jetzt ein. Ich merke gleich wieder das meine Erkältung doch noch nicht vollständig auskuriert ist. Den freien Vormittag habe ich definitiv gebraucht. Nun tummeln sich in der Lagune auch gleich ein paar Ameisen mehr oder heizen mit dem Wüstenbuggie über eine Achterbahn der Dünen. Ich weiß bis heute nicht warum die Leute immer kreischen wenn sie Achterbahn fahren?Lue lisää
Paracas
1. elokuuta 2023, Peru
Am Vortag streite ich mich mit dem Taxifahrer. Er will bei unserer Preisverhandlung etwas anderes gehört haben als ich. Dann muss er mal langsamer reden damit er zwischendurch noch Zeit zum zuhören hat denke ich mir. Jetzt bin ich Paracas. Wir sind uns also irgendwie einig geworden.
Aber wo bin ich hier überhaupt? Einerseits am Meer andererseits mitten in der Wüste. Kurzum „El Niño Land“. Da wo das Wasser des kalten Humboldstromes vom Süden auf die warmen Wasserströmungen aus dem Norden treffen wabert im Winter vielleicht mal feuchte Luft übers Land. Aber selbst Palmen und Kakteen haben hier ums überleben zu kämpfen seitdem sich seit vielen Millionen Jahren die Anden hier auftürmen. Das Küstenland hat sich seitdem stetig gehoben und gesenkt. Von einem früheren Gebirgszug sind heute nur kleine Gipfel, die berühmten Islas Ballestas übrig.
In dem Nationalpark leben heute Seelöwen, Kormorane und Humboldtpinguine. Der bedeutendste Wirtschaftszweig neben dem Tourismus ist der Hafen. Und dann kommt noch unregelmäßig die Düngemittelproduktion dazu. Dazu gehen alle 8 Jahre ca. 200 Arbeiter akribisch über die Inseln und sammeln die Exkremente der Tiere ein. Vor allem der Vogelscheiß ist wegen der vielen nur halb verdauten Fische besonders Mineralstoffreich. Zuletzt vor zwei Jahren kamen beachtliche 20.000Tonnen auf den wenigen Quadratkilometern zusammen.
Die Seelöwenkolonie ist indes umgezogen, keiner weiß warum. Die meisten Tiere spielen noch ab und zu im Wasser und fressen den Fischern den Fang weg, so wie heute früh. Im August und September kommen außerdem Delfine und Wale auf ihrer langen Reise aus dem Winterquartier hier vorbei. Auch wenn ich mich hinterher durch die Fahrweise des Schnellbootes wieder genau so krank fühle wie vorab hat sich der Ausflug allein deshalb gelohnt.
Zum Mittag leihe ich mir ein Fahrrad aus. Die Müden Muskeln sollen nach dem vielen rumsitzen wieder mal aktiv werden. Raus aus dem Dorf, rein in die Wüste. Einziger Wermutstropfen - zu Hause macht das Radfahren vielleicht mehr Spaß im grünen und die Kondition hält länger mit wenn das Rad auf mich abgestimmt ist. Das kann ich mir hier nicht immer raussuchen und ziemlich schnell wird klar - diese „Straße“ möchte ich meinem Rad sonst auch nicht zumuten. Die ersten zehn Kilometer geht es durch Felsen und Sanddünen gen Süden zu einer wunderschönen Steilküste an den Stränden von Supay und Yumaque. Während die Reisegruppen am Aussichtspunkt anhalten und nach fünf Minuten Fotostop wieder verschwinden habe ich den Strand nebst zwei anderen ganz für mich allein.
Wo Steilküste aus dem Meer entspringt bilden sich interessante Felsformationen wie zum Beispiel die „Kathedrale“, eine Felsnadel die im Sonnenschein so blitzsauber erscheint als wäre das mit dem Kotsammeln von heute früh ein Scherz.
Das Heben und Senken in den letzten zehn Millionen Jahren führte zu einer Vielfalt an Fossilien im Stein, meist Schnecken und Muscheln. Man hat aber auch Vorfahren des heutigen Pinguins gefunden. Zu Dinosaurierzeiten war alles ein bisschen größer. 1,5m groß macht das Fossil den Vorfahren Inkayacu Paracasensis dreimal so groß wie den Humboldtpinguin heute.
Über den roten Strand radle ich in den Sonnenuntergang. Ich treffe auf eine deutsche Familie die mit ihren Leihrädern noch so einige Probleme mehr hat. Die Gangschaltung ist gebrochen. Da hilft nur gemeinsames Anschieben durch die Sanddünen dass alle pünktlich vor Ladenschluss ihre Räder wieder zurückgeben können.Lue lisää
Streifzüge durch Lima
2. elokuuta 2023, Peru ⋅ ☀️ 22 °C
Lima ist allseits betitelt als chaotisch, in sich eine eigene Welt und nicht zu vergleichen mit dem Rest von Peru. Es gibt seit 500 Jahren noch nicht einmal einen zentralen Busbahnhof. Anders als in Deutschland scheitert es jedoch nicht an der Umsetzung sondern bereits die Planung fehlt. Jedes Busunternehmen hat seine eigene Garage irgendwo im Stadtgebiet. Die großen sogar zwei so dass man nie weiß wo man letztendlich aussteigen wird. Mit ihrem Spanisch-Quechua verstehe ich meist ohnehin erst beim zweiten Mal nur die Hälfte.
Lima an diesem Mittwoch will jedoch so gar nicht in die vorgegebene Schublade passen. Ein erster Eindruck? Quirlig im Zentrum jedoch weitaus mehr herunter gekommen als andere Großstädte in Südamerika.
Da koennte ich genau so gut auch durch Chemnitz laufen.
Einzig was sich auf den zweiten Blick hier unterscheidet ist die freundliche Art der Menschen. Nach der Ankunft geht es in irgend einer Seitenstraße Mittagessen. Allein der Punkt dass ich mich zu dieser Küchenmutti verirrt habe und keine scheu vor peruanischem Essen habe bringt mich schon ins Gespräch mit ihr. Ich habe noch nie erlebt dass sich nach dem Essen jemand bedangt hat dass ich bei ihm Gast war.
Meinen Rucksack kann ich bis heute Abend beim Bus in der Garage einlagern. Dann beginnt mein Streifzug durch das Zentrum von Lima richtig. Am plaza de Armas ist dann aber schon wieder Schluss. Alles abgesperrt und hier sind auch all die Menschen die ich sonst im Zentrum teils vermisst habe. Das Leben spielt auf Märkten und in Shopping Malls aber nicht zwingend auf der Straße. Etliche Besucher stehen an um einmal mit der Kutsche vor dem Präsidentenpalast auf dem sonst leeren Plaza de Armas vorzufahren. Wahrscheinlich war heute irgend ein Staatsbesuch.
Das schöne ist dass Lima hier nicht dem Tourismus verfallen ist sondern authentisch wirkt. Die Menschen leben so hektisch wie alles wirkt. Da ist keine Maske davor. Da das Leben in die Geschäfte verlagert wurde rennen die Leute eben von Tür zu Tür. Ganz so wie zu Hause. Vielleicht wirkt Lima deswegen auf mich auch weniger chaotisch als Cusco.
Vorerst verlasse ich Lima noch einmal. Ich moechte meine Erkaeltung in den Bergen auskurieren. Das hat immer besser funktioniert als am Meer.Lue lisää
Laguna Churup
3. elokuuta 2023, Peru ⋅ ⛅ 9 °C
Wenn man vorab über Huaraz ließt wird es in höchsten Tönen gelobt. Die Schweiz der Anden. Ja und Nein. Preise wie in der Schweiz verglichen mit dem Rest von Peru aber die Aussicht auf schneebedeckte Berggipfel fehlt. Dass die Südamerikanischen Städte keinen Schönheitspreis verdienen steht außer Frage. Wer sich jedoch mit der Schweiz vergleicht der sollte schon an Schönheit und Panorama etwas bieten.
Nach zwei Tagen am Meer folgt heute ein ruhiger Tag den will ich zum Akklimatisieren und zu Erholung nutzen. Die Lagune Churup bietet sich an denn alle Welt empfiehlt sie sich einmal anzuschauen. Wenn alle Welt das kann kann ich das auch. Sind ja wieder nur 1.400Hm aus dem Dorf heraus. Doch so lange mich heute niemand anspricht stört das wenig. Krank und von der Busfahrt übermüdet geht es gefühlt im Schneckentempo bergan.
Dann fragt mich doch eine Frau am Wegesrand ob ich ihr entlaufenes (?) Etwas gesehen habe. Als ich flüsternd mit sichtlich heißerer Stimme antworte erklärt sie was sie für ein Ding meint. Aber ich verstehe immer noch nicht. Ich kann es ihr aber auch nicht besser erklären denn die Stimme hab ich wohl im Bus vergessen. Egal, sammel ich auch wieder ein.
Der Weg zieht einsam seine Bahn bergauf. Ich hätte mehr Wanderer erwartet. Oder bin ich einfach wieder viel zu spät losgelaufen? Die geführten Touren sind für diesen Tag definitiv durch denke ich mir als zwei Wanderer entgegen kommen und erstaunt sind mit welcher Selbstverständlichkeit ich ihnen gebrochen erzähle dass ich zur Lagune will. Sobald von rechts ein Weg vom Parkplatz herauf führt bin ich nicht mehr der Einzige. Waren doch alle wieder nur zu faul für die ersten tausend Höhenmeter. Jedoch kann ich selbst im Krankenstand jeden Marathon gegen die paar Leute gewinnen. Erst ganz zum Schluss komme ich mit einem ins Gespräch der noch nicht außer Atem ist. Aber ob die im Hellen noch vom Berg wieder herunter gefunden haben kann ich leider nur bezweifeln.
Von einem ausgewiesenen Zeltplatz geht es die letzten hundert Meter mit Ketten noch einmal ordentlich zur Sache. Auch die Aussicht auf schneebedeckte Berge fehlt jetzt nicht mehr. Unterhalb des Gletschers eröffnet sich die Lagune. Ich bin froh dass ich den anstrengenden Aufstieg unternommen habe. Doch bevor es finster wird muss ich jetzt auch schon wieder zurück.
Ich möchte auch die nächsten Tage etwas von den Bergen haben und entscheide mich zu dem Parkplatz zu laufen um etwas Kraft zu sparen. Vielleicht gibt es dort ein Kollektivo oder ein Taxi. Die müssen ja alle hier her gekommen sein. Den erstbesten Kleinbus steuer ich an. Das ist allerdings kein Taxi sondern eine Großfamilie. Die warten gerade darauf dass die letzte Frau des Tages ihren Verkaufsstand eingepackt hat und sie die mitnehmen können. Doch der Überraschungseffekt ist auf meiner Seite. Sie hätten als Familie noch nie mit einem Bergsteiger zu tun gehabt geschweige denn mit einem Deutschen. Also beschließt der Vater dass jeder mit Kind und Kegel wieder aus dem Bus klettern muss für ein Gruppenfoto. Das ist dann auch meine Fahrkarte für die Heimfahrt.Lue lisää
Polen sprechen kein Spanisch
4. elokuuta 2023, Peru ⋅ ⛅ 9 °C
Ich habe meine Erkältung bei einer Schwitzkur in der Nacht ordentlich auskuriert. Es geht erst etwas später zum Frühstück aber ich fühle mich soweit fit um die letzten Tage in Peru nicht im Krankenbett verbringen zu müssen. Zum auskurieren muss nachher im Flieger die Zeit reichen.
Vom Marktplatz nimmt mich ein Sammeltaxi mit. Es ist fast leer. Wo sind denn alle? An der vereinbarten Brücke werde ich raus gelassen und es geht zunächst einen Feldweg bergan. Ah ja - mit dem Privattaxi auch diesen Feldweg und die nächsten 400Hm abkürzen. Wo gibt es denn so etwas noch einmal heute? Die Bergsteiger von heute sind auch nicht mehr das Ebenbild von früher. Immer höher, schneller weiter. Dabei ist doch der Weg das Ziel.
Hab’s gedacht und bin losgelaufen. Gleich im ersten Ort wird mir, dem Gringo erstmal Bier angeboten. Dankend lehne ich ab. Der Teufel spielt sein Spiel mit mir. Mit Rucksack sind die 1.700HM im halbfitten Zustand eine echte Herausforderung. Es ist auch ohne Alkohol eine Gratwanderung wie gut ich mich am Ende noch fühle. Alle 10-15 Minuten anhalten. Trinken. Jedes zweite Mal den Rucksack absetzen und verschnaufen. Der Zucker ist ob der Höhe gefühlt ständig im Keller. Die sengende Mittagssonne tut ihr übriges.
Drei Hunde die mich ankläffen bekommen heute kein Mitleid. Mit dem Wanderstock halte ich sie auf Distanz bis ihr Frauchen sie zurückpfeift.
Ein zwei Pausen später kommt mir ein Mann mit zwei Eseln entgegen. Woher, wohin? Er findet es gut wie ich die Wanderung angehe. Seine Esel haben heute das Gepäck für eine Gruppe Polen nach oben getragen. Doch er winkt ab. Das war ein ziemlich einsamer Tag. Die sprechen doch alle kein Spanisch. Er freut sich in mir endlich einmal jemanden zu treffen der nicht von hier stammt und trotzdem Spanisch spricht. Schlussendlich gibt er mir noch Tipps für zwei verschiedene Routen. Er kennt die Berge seit über 40 Jahren. Was also wenn diese gute Seele in den Bergen es nicht auch gut mit mir meint.
Der Weg zieht sich immer spätestens ab der siebenten Stunde. Er wird etwas flacher aber ich liege dennnoch hinter meinem selbstgesteckten Zeitplan zurück. Langsam geht die Sonne unter und das Refugio ist immer noch unererreibar weit entfernt.
Derweil tüncht die Sonne die Schneebedeckten Gipfel in zartes Rot. Endlich erreiche ich nach 19km Anstieg den Zeltplatz. Wirklich ziemlich am Ende der Kräfte und kurz davor bereits vorher mein Zelt aufzuschlagen. Erstmal heißer Tee und Schokokuchen in der ersten vollständig bewirtschafteten Hütte zwischen hier und Feuerland. Den habe ich mir verdient. Durch die Mischung komme ich ins Gespräch mit meinen Tischnachbarn. Alles nur Kurzurlauber die im eigenen Land gerade ihre freie Zeit rund um die Feiertage verlängern.
Im Vorraum zur Hütte steht jede Menge Hightech Equipment mit Seilen, Steigeisen, Eispickel und Polarstiefeln. Mensch Leute! - ja es liegt Schnee auf dem Gipfel, aber wir sind hier nahe dem Äquator! - denke ich nur. Ach, was wäre meine Reise nur ohne diese Leichtigkeit. Ebenso Hightech herrscht nebenan in der Küche. Ich hatte mehr einen kalten Unterstand erwartet. Stattdessen diese Hütte mit Licht, Heizung und warmen Tee. Wie ich später erfahre gibt es derart 3 in ganz Peru nach italienischen Vorbild vom Alpenverein initiiert und heute von Einheimischen betrieben. Die anderen sind wirklich nur kalte Unterstände. Aber mir soll es recht sein. Einzig zum Schlafen ziehe ich mein Zelt einem vollbesetzten Schlafsaal mit allerlei Schnarchnasen vor. Und wärmer als in Patagonien ist es hier oben auf 4.400m im Zelt allemal noch.Lue lisää
Ishinca Traverse
5. elokuuta 2023, Peru ⋅ ☁️ 5 °C
Das Problem egal wo du in den Anden bist ist der tagelange Zustieg. Hier mal 20 km dort mal 33. Und das alles zu Fuß. Wer in der Gruppe reist hat vielleicht glück dass ein Maulesel einem sein Gepäck trägt. Wer aber die Strapazen auf sich nimmt wird reich belohnt. Egal wo und eigentlich auch egal womit. Berge, Gletscher, Lagunen, Sonnenuntergänge. Quasi „such dir jeden Tag das Beste aus!“.
Heute Morgen steht nun die Entscheidung an ob ich links herum laufe wie mir am Vorabend alle empfohlen haben oder rechts herum wie das Wetter besser scheint. Seit Patagonien stehen hier die ersten Berggipfel in Wolken gehüllt. Oben auf 6.000m kann es schon einmal ungemütlich windig werden. Ich entscheide mich dass ich gar nicht so hoch hinaus will. Der Ishinca-Pass auf 5.350m reicht aus. Da muss ich auch schon über den Gletscher und ich habe Solo auch nicht die nötige Ausrüstung für mehr.
An der Ishinca-Lagune steht bereits die nächste Schutzhütte auf meinem Weg zum Pass. Allerdings ist das Refugio komplett mit Vorhängeschloss verriegelt. Wohl dem der unten im Ersten nach den Schlüsseln gefragt hat. Das hindert mich aber nicht daran genüsslich Müsli zum Mittag zu schnorpsen und dann den Gletscher 400 m über mir anzugehen. Ziemlich fit kommen zwei Tschechinnen hinter mir den Berg herauf. Sie fragen mich ob ich ihre Männer und den Hund gesehen hätte? Sie wollten sich am Refugio treffen. Vielleicht? Zugegeben habe ich über 5.000m mitunter einen ziemlichen Tunnelblick und konzentrier mich aufs wesentliche. Reden bringt mich hier oben aber definitiv außer Atem. Also lass ich es bei den mir entgegen kommenden Seilschaften vom Gipfelsturm aus der vergangenen Nacht bei einem milden Gruß zum Teil ohne weiteren Blick.
Beim weiterlaufen treffe ich den Rest der Bande. Wie sich herausstellt ist das die Gruppe die gestern angeblich aus Polen betitelt wurde. Bunt zusammengewürfelt aus Pilsen, Prag und Reschenberg. Wir sind also quasi Nachbarn. Wie gehts dem Hund? „Der hat sich gefreut dass er endlich mal wieder Schnee sieht“ Auf dem Gipfel sei er aber wohl hundemüde gewesen und anstatt im Schnee zu dösen wollte er sich dann lieber an sein Herrchen kuscheln. Der Berg scheint seinen Tribut zu fordern - trotz der teuren Ausrüstung haben nur zwei von fünf Leuten aus der Seilschaft den Gipfel erreicht. Und der Hund.
An einer Wegkreuzung nehme ich den Weg nach oben, muss ja schließlich über den Pass. Blöde Idee, da es der falsche war. Immerhin leiten Spuren mich bergan auf einen Aussichtspunkt mit Panoramablick. Den eigentlichen Pass gehe ich jetzt am Nachmittag nicht mehr an. Dazu fehlt mir die Kraft und das Gletschereis ist gerade jetzt am Nachmittag auch nicht die beste Wahl. Aber die Aussicht hier oben auf 5.250m lohnt sich! Dadurch fühlt sich der Tag gleich nicht mehr wie scheitern an. Es ist gut dass ich bei meinen Leisten bleibe und lieber wandern gehe anstatt Eisklettern. Der Rückweg gibt den Blick frei auf den Tocllaraju. Ein Traum von Berg für alle Bergsteiger und der wohl meist bestiegene Gipfel der Cordillera Blanca.
Zurück im Basislager gilt es wieder Zelt aufbauen, zeitig Abend essen und dann in die warme Hütte. Dort treffe ich nicht nur die Tschechen wieder. Auch den Eselführer von gestern. Er hat morgen früh einen Rücktransport deshalb ist er heute Abend hier. Allerdings hat er schlecht geplant. Sein Proviantbeutel ist schon alle. Erstmal lade ich ihn auf einen Tee ein und frage was er an solchen langen Abenden noch macht? „Warten ob ein Bett frei bleibt. Ansonsten geht er rüber in eine Höhle und schläft dort.“ Ohne Schlafsack oder Decke versteht sich. Als ich am Abend diese Höhle bereits gesehen hatte lagen ein paar Kartonpappen umher… Gemeinsam schauen wir die Bilder von heute an. Währenddessen machen die Peruaner am Nachbartisch mich zur Legende. Wahrscheinlich war mein Spanisch gestern nicht ganz perfekt. Und so verstehe ich heute zumindest aus der Stillen Post dass ich seit sechs Monaten zu Fuß durch Südamerika laufe. Sprich von Feuerland bis hier her. Die Achtung habe ich ganz auf meiner Seite und eine Richtigstellung schlägt fehl. Egal - es soll ja so legendäre Menschen wirklich geben. Zum Ende geht es heute echt zeitig in die Koje damit ich morgen diese legendäre Traverse weiterlaufen kann.Lue lisää
Die letzte Lagune
6. elokuuta 2023, Peru ⋅ ☁️ 6 °C
Am morgen ist mein Zelt gefroren, das kommt wenn man zu ehrgeizige Pläne hat und früh los will. Gestern konnte ich das schön trocken einpacken. Der Weg ist kaum erkennbar. Er schlängelt sich eher auf Viehpfaden irgendwie vom Refugio hundert meter an den Berg quer durch alle Büsche. Dann geht es durchs Graß steil im 50Grad Winkel bergauf. Zum Glück ist es kalt und die Berge spenden etwas Schatten. Sonst hätte ich diese Aktion abgebrochen und wäre gleich zurück ins Tal gelaufen. Nach bereits drei Tagen mit je 1.800m Höhendifferenz täglich fühlen sich die Beine an wie Pudding. Auf 4.900 m verliert sich der Weg wieder. Jetzt sind es noch 150Höhenmeter bis zum Pass. Ich bin froh dass ich eine leichte Kletterschule genossen habe. Gerade jetzt mit vollem Gepäck muss die wieder einmal zum Einsatz kommen. Zum Glück ist der Fels nicht vereist. Durch das freie Gelände hangle ich mich irgendwie am Abgrund entlang und erspähen am Ende sogar wieder einen Steinmann. Trotz dass ich der Karte gefolgt bin denke ich mir dass dies wohl definitiv nicht der Weg gewesen sein konnte.
Am Ende steht der Triumph. Unter mir erstreckt sich ein weites Tal. Gegenüber der Tocllaraju und darunter die himmelblaue Lagune Akillpo. Ein Traum für Bergsteiger und in jedem Fall ein Checkpoint für das Fotoalbum. Doch der Traum währt nicht lang. Hier oben zieht es! Also geht es von nun an hinab und zurück nach Huaraz. Das sind schon noch so einige Kilometer. Und zu allem Übel hatte ich mir hier in Huaraz nur vier Tage eingeplant. Das hieße ich muss heute Abend nich ein Busticket für die Weiterfahrt bekommen. Wenn die mal nicht Mittag schon wieder alle ausverkauft sind.
Weglos geht es Talabwärts. Es gibt Bremsen! Daher ist das Speedlimit freiwillig sehr hoch gesetzt. Nur die eigene Puste und der Energienachschub limitieren den Abstieg. Dagegen hilft auch keine Sonnencreme. Und der Mückenschutz ist natürlich wieder einmal nicht mit im Gepäck. Es ging ja so lange ohne in den Bergen.
Im Wald hören die Bremsen wieder auf. Der weg folgt dem Wasser. Dafür kommen etliche kleine Gegenanstiege neu dazu. Das ist unfair, warum darf das Wasser runter und ich muss hoch?
Die Zeit rennt mir davon denn ich weiß nur dass ich so schnell wie möglich vom Berg muss, zurück nach Huaraz oder irgendwo wo es ausreichend Netz gibt um nach Bustickets Ausschau zu halten. Die werden so spät sicher zu 98% vergriffen sein.
Im ganzen Dorf frage ich nach einem Sammeltaxi dass mich 18km hinunter zur nächsten Bushaltestelle bringt. Die Leute die hier wohnen müssen sich doch auch irgendwie organisieren. Als ich gerade bei einem Bauer vorbeikomme zeigt der nur auf einen grauen Kombi der winkend eine Straßenkehre weiter unten steht. „Bist du der, der hier überall nach einer Mitfahrgelegenheit gefragt hat?“
Juhu! Auf nach Huaraz! Nachdem ich auch noch ein Ticket ergattert habe sind alle Schäfchen im Trockenen. Spätestens jetzt ist wieder die Zeit für ausführlich Kaffee und Kuchen!Lue lisää
Circuito Magico
7. elokuuta 2023, Peru ⋅ ☀️ 22 °C
Erstmal zurück nach Lima und bloß nicht den Heimflug verpassen. Das ist oberste Devise. Ehrlich gesagt weiß ich aber gar nicht was ich in einer Großstadt soll wenn ich die letzten Tage so schon keine Städte mochte.
In einem Buch über selbstbestimmtes Reisen, dass ich parallel gelesen habe stand dazu Folgendes: „wen hast du auf deiner Schnellwahltaste deines Telefones gespeichert?„ solange die Antwort nicht du selbst bist wie willst du dir in schwierigen Situationen helfen? Der Rat von anderen kann justieren. Machen musst du es immer noch selbst.
Da ich auf Museen keine Lust habe und mir Gebeinehäuser und Katakomben hier auch kein schöner Abschluss erscheinen entscheide ich mich heute stattdessen für einen Wasserpark! Schließlich liegt Lima am Meer, hat eigentlich eine schöne Steilküste, nur zum Schwimmen ist die Brühe nicht geeignet.
Ziemlich nah am Zentrum und nur einen Steinwurf vom Metrobus entfernt liegt ein Park mit zwölf Ausgängen aber nur einem Eingang der mir schon vor Huaraz ins Auge fiel. Und jetzt da die Feiertage länger zurück liegen gibt es nicht einmal eine Warteschlange am Eingang.
Jetzt hat jeder sicher schon einmal einen Springbrunnen gesehen. Diesen Wasserpark sollte man in Lima allerdings selbst erlebt haben. Ich komme kurz vor Dämmerung. So bleibt mir einige Zeit das Areal schon im Tageslicht zu bestaunen. Wie wird das wohl erst nachher im Dunkeln sein …? Überall sind die Fontänen bunt beleuchtet und ändern alle paar Minuten ihre Form. Nachdem es Dunkel wird dauert es noch eine ganze Weile bis die Leute sich gezielt an der Fontana magica sammeln. Viele stehen gleich an der Hecke, andere sitzen weiter hinten im Graß. Stille. Vor uns hört die 120m breite Fontäne auf zu sprudeln. Plötzlich beginnen Sprühdüsen damit einen feinen Nebel herzustellen und Laser projizieren darin eine Show aus Bildern, Farben und Formen. Ich schaue mir dieses Spektakel gleich zwei Mal an. Einmal zum Fotografieren und einmal zum Genießen. Dazwischen bleibt genügend Zeit den Park und die anderen Springbrunnen zu besuchen. Es ist ein Meer aus Farben und Formen. Egal ob bunt, als weiße Pyramide oder als begehbarer Brunnen. Schön sind sie alle. Und irgendwie ein gelungener Abschluss für diese Reise. Egal was da später noch kommt.Lue lisää
the best is ahead
8. elokuuta 2023, Peru ⋅ ☀️ 23 °C
Mit einigen Wochen Vorlauf treffe ich mich heute mit Rosio, einer detailverliebten, von Archäologie begeisterten Peruanerin aus Lima. Die erste Frage die innerlich ein bisschen Widerstand regt: kann ich in den letzten Tagen überhaupt noch so viel neuen Input verarbeiten? Immerhin bin ich jetzt schon sechs Monate stets parallel zum Reisen auf Spurensuche und habe mir etliche Zusammenhänge neu erschlossen. Ich fühle mich zudem ausgebrannt. Die Gesundheit spielt mir auf die letzten Tage einen Streich.
Was ich aber in keinem Fall kann ist die Gastfreundschaft in Peru zu versäumen. Treffen ist also erst einmal Pflicht. Tatsächlich führt Rosio mich noch zu einigen Prachtstücken peruanischer Kultur. Götzen und Messer der Inka zählen genauso darunter wie Textilien aus Stoffen und Federn von den Nazca und den Chimú. Leider hat Peru es versäumt in seinen staatlichen Museen und archäologischen Stätten die Corona-Regeln wieder aufzuheben. Dadurch gibt es zusätzliche Ruhetage in denen die Museen in Lima untereinander auch einfach mal nichts machen wie das heute in Huaca Pucllana der Fall ist. Dieser Berg gänzlich aus Lehmziegeln bleibt heute der Entdeckung durch Bauarbeiter vorbehalten. Der Tag wird aber auch so gut gefüllt.
Nun stellt sich für mich die Frage was bleibt und was geht? Die Reise geht so langsam zu Ende und ich sollte mich auch darauf einstellen dass zu Hause nicht alles besser ist. Aber es gibt auch so vieles dass wir daheim mehr schätzen sollten.
Ich habe auf dieser Reise wirklich viele Kilometer zurück gelegt und unzählige Eindrücke bekommen wie verschieden die Menschen leben können. Ich habe zudem auch gemerkt dass ich mich eine Zeit lang so wohl fühle jedoch spätestens zum Ende aus meiner Haut nicht heraus kann. Wieso kann man nicht auch einfach mal nur pünktlich sein? Es gibt so vieles was nicht in das Bild des klassischen Südamerika passt. Vielleicht auch weil der komplette Kontinent seit 15 Jahren Erfahrung sich derzeit am schnellsten verändert und ich das Ursprüngliche so mag. Fortschritt zu respektieren fällt nicht immer leicht. Ich gebe meine Wurzeln nicht auf. Ich kann auch gut behaupten dass ich es nicht ablegen konnte so typisch deutsch zu denken, auf spanisch versteht sich.
So kann ich mittlerweile getrost auf hupende Taxis und Kleinbusse verzichten. Auch wenn das Wimmelbild System zu haben scheint. Was ich wohl schon nach kurzer Zeit vermissen werde sind die bunten Röcke und die Trachten der Frauen in den Anden. Zurück in Deutschland ist dann doch alles wieder so grau und kaum einer traut sich im Alltag Farbe zu bekennen.
Trotzdem ist es zu Hause dann nach so einer langen Reise doch am Schönsten. Die Wahrheit ist doch nicht allein was wir für Lehren aus einer Geschichte oder einer Reise ziehen. Sondern wie wir die Gegenwart dadurch gestalten. Es ist ok wenn Menschen eine Eingebung haben oder von Höherem auf einen bestimmten Weg geführt wurden dies oder jenes zu unternehmen. Aber machen müssen sie es am Ende immer noch. Es hängt von ihnen selbst ab… egal was dich also inspiriert - „just do it!“Lue lisää
Yucatan light
9. elokuuta 2023, Meksiko ⋅ ⛅ 35 °C
Ich bin viel herum gekommen auf dieser Reise. Gut 30.000km mit Bussen, Zügen und Schiffen. Und noch einmal Gut 1.600km zu Fuß. Dann kann ich den Heimweg jetzt nicht Schnur gerade aus einfach so antreten. Bei der Zwischenlandung in Mexico bleiben zusätzliche zwei Tage sich zu beschäftigen. Doch die Herausforderungen sind hier ganz andere. Plötzlich bin ich nicht mehr in Südamerika. Die Menschen sprechen immer noch Spanisch. Keine Frage. Doch ich begreife nicht wie sie sich sonst verhalten. Egal ob bei den Zollformalitäten Probleme auftreten weil ich nicht aus Europa sondern aus Peru einreise oder später am Busbahnhof wo jeder Angestellte mit Uniform meint er sei ein besserer Security und kann mir vorschreiben was ich darf und was nicht weil sein Vorgesetzer ihm das so erzählt hat. Diskutieren lassen mit sich die wenigsten und ich in meinem abgekämpften Zustand noch viel weniger. Die Menschen wirken auf mich willenlos und tun wenn überhaupt nur das was ihnen von oben gesagt wurde. Viel lieber tun sie gar nichts bevor sie etwas falsch machen oder mitdenken müssen.
Nun also Mexico. Aus dem Flughafen heraus sitzt eine 38 Grad heiße Wand und fällt mit ihrem Vorschlaghammer über mich. Vor fünf Stunden war es in der Nähe zum Äquator nicht einmal halb so warm. Ich habe bald herausgefunden wo der Busbahnhof liegt. Es gibt nur drei Ausfahrten für Busse allerdings nirgends einen Eingang für Fußgänger. Der einzige "Zugang" ist von Security schwer bewacht und überall stehen Schilder von wegen "Zutritt verboten". Da gehe ich natürlich auch nicht rein. Bis mir jemand erklärt dass dies schon der richtige Eingang sei. Du kommst nur hinein wenn du dich erklären kannst was du da willst. Klasse! Als ich dieses neue Wissen eine Stunde später in der Innenstadt von Cancun erneut anwenden will stoße ich jedoch auf hatnäckige Busangestellte in Uniform. Es hat schwülheiße 38 Grad. Der Rucksack ist auf dem Rücken einfach nur zu viel und die wollen mit mir diskutieren dass ich um den ganzen Block erst außen herum laufen muss um den richtigen Eingang zu finden. In solchen Situationen verliere ich den Respekt. Ich weiß, das sollte auch anders gehen. Doch nach einigem Fluchen lässt der Angestellte mich passieren. Wenig später wird mir sogar angeboten ob mir die Hitze nicht zum Kopf gestiegen ist und ob ich nicht in dem klimatisierten VIP Bereich sitzen möchte. Mit so viel Zuvorkommen hatte ich nicht gerechnet. Mittlerweile völlig entnervt über das schlechte WLAN im Vergleich zu was ich bislang gewohnt bin kommt irgendwann mein nächster Bus und bringt mich durch die Nacht in Richtung Valadolid. Raus aus der Betonwüste am Strand hinein in ein kleines Städtchen mitten im Regenwald von Yucatan. Der Bus kommt erst spät am Abend an. In der Unterkunft wartet der Mann an der Rezeption geduldig auf mich weil er wissen will warum ich vier mal reserviert habe. "Das war ich nicht, mich gibt es nur einmal! Und hier bin ich." Wie sich herausstellt ist das langsame Internet schuld welches mich durch stoisches Nichtstun dazu verleitet hat die Seite so oft anzutippen bis sich etwas tut oder das Telefon so langsam Gebrauchsspuren aufweist.
Im Zimmer erzähle ich noch schnell von meinen Plänen für den nächsten Tag bevor sich alles bei eiskalten 23 Grad schlafen legt. *brrr* Wir sind uns jedoch schnell einig dass wir am nächsten Morgen zu dritt aufbrechen. Ein Student aus Holland hat seinen ersten richtigen Urlaub während des Medizinstudiums und dafür hat er sich ein Auto gemietet.Lue lisää
Die Wunder von Yucatan
10. elokuuta 2023, Meksiko ⋅ ☀️ 35 °C
Zu dritt brechen wir noch halb im Morgennebel auf in Richtung Chichén Itzá. Weit bevor die Busströme aus Cancun und Merida hier eintreffen haben wir dieses Bauwunder der Neuzeit fast für uns allein. Ich muss gestehen dass die Ruinenstätte genauso wenig auf meiner to-do-Liste stand wie Machu Picchu doch wenn ich schon einmal hier bin...Dann fehlen nur noch zwei der sieben Wunder der Neuzeit und die liegen witziger Weise beide in Europa.
Chichén Itzá ist berühmt für seine große Pyramide. Vielmehr ein Kalender als denn ein Bauwerk. Mit allen vier Seiten, dem Gebäudeaufsatz und dem Altar kommt man genau auf 365 Stufen, also eine Opfergabe für jeden Tag. Die eigentliche Opferstätte ist etwas außerhalb. Ein langer Korridor der von hohen Wänden eingerahmt ist. Viel beachtlicher finde ich die Reliefs die den unteren Teil der Mauer schmücken. Die Kultur der Maya ist weit älter als die der Inka. Historiker ordnen diese heilige Stätte ca. auf 800-1100 n.Chr.ein. Doch nirgends habe ich in Südamerika so handfertige Gesichter und Kunstwerke von Menschen abgebildet gesehen wie hier in Yucatan. Diese Kulturen waren Meister weil sie in den Techniken ihrer Zeit weit voraus waren. Einige der Tempel wurden rekonstruiert um in dem Relief als Ganzes genauso Formen und Gesichter wieder zu erkennen. Schaut man jedoch hinter die Fassaden so haben die Maya weit weniger stabil gebaut als die Inka. Wo es ging wurden Erdhaufen mit losem, rundem Geröll aufgeschüttet das überall auf der Insel verteilt ist. Guter harter Stein für die Zierfassade musste hingegen weit hergeholt werden. Die Halbinsel Yucatan ist flach. Die höchste Erhebung hat kaum 35m und der Stein ist von riesigen Höhlen durchlöchert. Das ist auch schön anzuschauen. Doch als Baumaterial taugt es wenig.
Derweil steigt das Thermometer bis auf 38 Grad im Schatten und die Luftfeuchte liegt knapp unter 90%. Seit Tagen herrscht über weiten Teilen Mexicos Dampfsauna. Für mich ist das Grund genug diese Höhlen näher zu erkunden. Die sogenannten Cinoden sind entweder mit Grund- oder auch nur mit Regenwasser vollgelaufen. Auch in Chichén Itzá dienten sie als Brunnen für die gesamte Tempelanlage. Wo der Boden nicht ganz so heilig ist kann man heute darin schwimmen, tauchen und entdecken. Nur erst einmal dahin kommen. Cinoden gibt es zum Glück über ganz Yucatan verteilt. Einige sind touristisch erschlossen weil sie zum
Beispiel mitten im Ort liegen. Zu anderen muss man erst fahren. In der Warteschlange an der örtlichen Cinode stehen noch bis eine Stunde vor Schließzeit mindestens dreißig Leute vor mir und warten auf Einlass. Ich entscheide mich gleich am nächsten Morgen lieber ein Fahrrad zu mieten und noch vor der großen Hitze hinaus an zwei 7km entfernte Höhlen zu fahren. Das ist nicht nur ob der Morgenstunde angenehm zu radeln sondern auch vor Ort anzuschauen. Denn die Cinoden habe ich mit ganz wenigen anderen fast für mich allein. Und ich komme wieder einmal gerade zur rechten Zeit. Denn nur am Vormittag steht die Sonne in einem Winkel dass die Strahlen direkt in das Wasser in den Höhlen leuchtet. Ein Treppe führt hinab in die Höhle. Ich stehe auf ein er Plattform oberhalb des Sees. Diese Wunderwelt erscheint mit der Sonne noch surrealer als ohnehin schon. Im See schwimmen schwarze Kois. Das Wasser reflektiert Smaragdgrün. Durch das Loch hangeln sich Luftwurzeln in die Höhle herab und lechzen nach Luftfeuchte und einem schattigen Plätzchen. Überall wird mir beim erkunden freie Hand gelassen. Ich bin selbst verantwortlich für das was ich tue. Ob ich in das kalte Wasser steige oder am Fels klettere oder einfach nur dastehe und staune. Einzige Voraussetzung. Es herrscht Schwimmwestenpflicht! In der zweiten Höhle ist das nicht anders. Hier gibt es sogar einen Aufpasser. Nicht aber etwa für die wenigen Menschen als vielmehr dass diese die bis auf den Wasserspiegel ragenden Stalagtiten in Ruhe lassen. Mächtig gewaltig! Besonders wenn ich im Wasser bin und nur mit dem Kopf gegenüber dieser gewaltigen Säule heraufschaue. Die Höhlen sind jedoch nicht allein für den Menschen geöffnet. Beim Herausgehen kommen mir gerade zwei giftig schwarz-gelb gestreifte Hundertfüßer die Treppe entgegen. Bloß nicht drauf treten!
So vergeht auch dieser zweite Tag wie im Flug. Wieder hat es moderate Saunaverhältnisse. Und wieder gibt es außer in den Höhlen kein Entrinnen. Es weht kein Lüftchen. Es steht keine Wolke am Himmel. Der Heimweg dauert umso viel mehr länger als der Hinweg. Dabei war ich mir so sicher dass mich, gerüstet wie ich jetzt bin, auch gut und gern die Wüste auf meiner nächsten Reise ein Stück begleiten könnte. Für heute heißt es endgültig 'Abflug'. Der Flieger ist für kurz vor Mitternacht geplant und kommt fast schon selbstverständlich mit etwa anderthalb Stunden gerade aus Deutschland. Bleibt mir nur ein guter Flug und ein Wiedersehen bei der nächsten Reise.Lue lisää













































































































































