• Road2Penguins
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Road2Penguins

"Wish you were here and see what I see." So würde ich diese Reise beschreiben. Ich bedanke mich bei meiner Familie und Freunden die mich dabei unterstützen und freue mich wenn ihr mit mir die Welt in Südamerika besucht. Read more
  • Trip start
    November 27, 2022

    ABSCHIED UND START

    November 27, 2022 in Germany ⋅ ☁️ 8 °C

    Jetzt heißt es Abschied nehmen. Das Haus ist leergeräumt, der Letzte macht die Tür zu und der emotionale Moment des endgültigen Abschiedes naht. Eine Reise beginnt mit den Reisevorbereitungen und den Unsicherheiten, ob man an alles gedacht hat. Wir werden sehen,... Meine "kleine Schwester" und ehemalige Arbeitskollegin holt mich ab. Es geht in die Nähe von Amsterdam/Rotterdam. Eine Autofahrt mit Erinnerungsaustausch aus alten Zeiten, verkürzte die Zeit der Autofahrt. Ein typisches deutsches Gericht Rouladen, Klöße und Rotkohl hausgemacht ließ den Abend mit einem Glas Rotwrin ausklingen. GOOD BYE DEUTSCHLAND.Read more

  • Gouda

    November 28, 2022 in the Netherlands ⋅ ☁️ 11 °C

    Ein Entspannungsspaziergang zum äußersten Punkt von Holland, das Hoek von Holland, eröffnete den Tag. Der Besuch in Gouda mit dem Besuch der Käserei und ein Glas Käsebier bildeten den weiteren Höhepunkt. Der Abschluß beim Italiener mit kulinarischen Höhepunkten war der Abschluß für die letzte Nacht in Europa.Read more

  • Flughafen Amsterdam-Schiphol

    November 29, 2022 in the Netherlands ⋅ ⛅ 10 °C

    Mitten in der Nacht, geht es los. Der Online Check-in hatte am Vortag mit dem Hinweis am Flughafen einzuchecken nicht geklappt. Ein ungutes Gefühl machte sich breit. OK, der Impfpass sollte vor Ort für Klarheit sorgen.
    6.40 Uhr. Die Einreise in die USA wird verweigert. Eine gültige Einreisegenehmigung ESTA fehlt. Ohne ESTA gibt es kein Ticket. Die Bearbeitungszeit im Regelfall dauert bis zu 72 Stunden. Die Hoffnung den Flug noch zu bekommen grenzt schon an ein Wunder. Flug umbuchen etc. rast durch den Kopf. Alles umschmeißen. Mit dem letzten Fünkchen Hoffnug wird das mehrseitige Formular ausgefüllt und die 21 Dollar bezahlt. Es ist 7.02 Uhr. Nach 9.05 Uhr gibt es kein Check-in mehr. Das Hoffen auf ein Wunder beginnt. 8.12Uhr Das Wunder ist da. Genehmigung von der Einreisebehörde der USA kommt per Mail. Hasten zum Check-in. Ticket bekommen. Sitze im Flieger. Ready for Take-Off. 10.20 Uhr. GOOD BYE EUROPE. Zwischenstopp in Houston. Passkontrolle kein Problem. Im Transitbereich erneut eine Taschen- und Personenkontrolle. Irgendwie zeigt sich der Kontrollbeamte von den Seitenprotektoren der Motorradhose beeindruckt und damit stark Schmuggelverdächtig. Ein Abstrich der Hände lässt die Probe Alarm schlagen. Hastig herbeigerufenes Sicherheitspersonal nimmt mich zur Seite. Mehrfaches Abtasten bleibt ergebnislos. Zwischenzeitlich wird das komplette Gepäck ausgepackt und untersucht. Abstriche im Gepäck und erneut meiner Hände sind diesmal ergebnislos. Zum Abschluss noch ein Plausch über mein Motorrad und mein Vorhaben beenden das Szenarium. WELCOME IN THE USA. Jetzt sitz ich am Gate, habe Internetzugang und schreibe meine ersten Zeilen. Auf geht's nach Chile.
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  • Ankunft Santiago de Chile

    November 30, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 21 °C

    Müdigkeit macht sich breit und ich glaube ich bin schon eingeschlafen als die Maschine in Houston abhebt. Die Landung ist unspektakulär, auf dem Weg zur Passkontrolle einen QR-Code scannen und Free WiFi im Flughafen erhalten. Bei der Passkontrolle im besten spanisch erklären, dass man kein spanisch spricht aber man dabei ist es zu lernen. Einreise genehmigt. 90 Tage Aufenthalt bis zum 28.02.2023. Zollerklärung ausfüllen und noch schnell die Reisetasche abholen. Man ist hier schnell. Alle Koffer und Taschen stehen bereits übersichtlich geordnet neben dem Band. Alle? Irgendwie scheint meine zu fehlen. Laut Trackingnummer sollte sie da sein. Dank Personal ist sie dann auch da. Puuuhhh.
    Kaum betritt man die Flughafenhalle erwarten einem mehr Taxifahrer als Fluggäste. Erstmal schnell nach draußen und das Wetter checken. Sonnenschein und angenehme Sommertemperaturen.
    Hilfsbereites Personal mit offiziell aussehenden Ausweis um den Hals erklärt mir, dass man nur mit dem Auto zur nächsten Bushaltestelle im ca. 20 KM entfernten Ort kommt. Es gibt zwar Minibus aber die sind auch nicht viel billiger und dafür ungemütlicher. 20 Dollar die Fahrt oder 70 Dollar bis zu meinem Zielort. Bevor ich mich versehe hat man meine Taschen unterm Arm geklemmt, hastet mit mir zum Parkhaus. Das kommt mir spanisch vor und verhindere gerade noch, dass man meine Sachen einlädt. Ich brauch nun Kaffee und nen Brownie. Bezahlen lässt sich sogar in Euro und Smalltalk mit dem Kellner über Fußball.
    Wer jemals nach Chile kommt und günstig weiterreisen will, hier mein persönlicher
    INSIDER TIPP 1:
    Am Ende vom Parkhaus gibt es einen offiziellen Bushalteplatz. Busfahrt in Chile ist sehr günstig. Die Überlandbusse sind sehr modern, Klimaanlage, sehr gemütlich und haben z. B. klappbare Beinauflagen.

    Die Fahrt zum 20 KM entfernten Pajaritos kostet 1.600 Pesos. Dort umsteigen und dann nach Vina del Mar (ca. 120 KM) für 5.500 Pesos. Umgerechnet ca. 7 bis 8 Euro.

    Die Dame am Schalter war sehr nett und hilfsbereit. Nach einem "I love Chile" wurde ihr grinsen noch breiter und sie winkte zum Abschied.

    Die Fahrt nach Vina del Mar erinnerte mich mit ihren Bergen an die Harleyfahrten durch die USA. Und dann wurde die Landschaft plötzlich grün. Hier beginnt das weltweit bekannte Weinanbaugebiet Chiles. Und erstreckt sich bis Valparaiso und Vina del Mar.

    Endstation Vina del Mar erreicht. Zwischenzeitlich hatte ich eine SMS an Pablo, meinem Gastgeber über AirBnb geschickt aber keine Rückmeldung erhalten.
    Was nun? Kein Free WiFi an der Endstation. Telefonate und Roaming sind sehr teuer mit dem eigenen Handy.
    Also bitte ich ein Mitglied vom Personal für mich einen Ort mit Free WiFi zu finden. Und während er im Internet stöbert halte ich ihm die Telefonnummer von Pablo unter die Nase. Freundlicherweise ruft er ihn an und keine halbe Stunde später lerne ich Pablo kennen der mich mit dem 🚗 abholt.
    Beim Warten, mach ich Smalltalk mit einer älteren Damen die mich anspricht. Sie gibt einen Satz auf deutsch von sich und es stellt sich heraus das ihre Urvorfahren aus Deutschland kommen und Verwandte in Hannover leben.
    Das Haus von Pablo ist wie von ihm beschrieben. Alles sehr sauber und modern. Praktischer Weise hat seine Mutter einen Minimarkt direkt am Haus und ich jetzt eine chilenische Prepaidkarte mit eigener Telefonnummer. So kann ich ihn anrufen falls was ist. Perfekt.
    Morgen früh um 7 Uhr geht es nach San Antonio. Good Night Germany.
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  • Blue Horizon

    December 1, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 19 °C

    Heute morgen geht s früh um sieben Uhr los. Ronny holt mich ab. Er ist Deutscher und lebt seit 25 Jahren hier in Chile und ist mit einer Chilenin verheiratet. Auf der Fahrt nach Valparaiso gibt es natürlich viel zu erzählen. Er ist absoluter Insider und hat ne ganze Menge Tipps und Tricks. In Valparaiso angekommen nehmen wir ein französisches Paar auf. Der letzte im Bunde ist Torsten aus Bremen. Jetzt geht s durch den dichten Verkehr nach San Antonio. Es wird jetzt Englisch gesprochen damit alle von den Tipps die Ronny für uns hat profitieren können. Am Eingang zum Hafen vergrößert sich unsere Gruppe. Ein Paar aus Braunschweig sowie Martin aus Lyon und Peter, der seit dreißig Jahren in der Schweiz lebt, stossen dazu. Auch Peter fährt eineTransalp älteren Semesters. Verkleidet wie Hafenarbeiter betreten wir das Gelände und holen unsere Motorräder ab. Da steht Sie, meine "Blue Horizon", wie ich sie jetzt nenne. Gute Nachricht, alle Motorräder haben die lange Reise unbeschadet überstanden. Erstmal die Batterie wieder anklemmen. Die Alarmanlage gibt einen freudigen Dauerton von sich. Choke ziehen, Start-knopf drücken und die Kölner Orgelpfeifen lassen grüßen. Mittlerweile haben alle anderen die Halle bereits Richtung Sammelplatz verlassen. Ach ja, Benzinhahn von Hand öffnen. Starten und,... wir bleiben in Köln. Ob die umher stehenden Hafenarbeiter anschieben? Die "Blue" gibt ein schwaches Herzsignal von sich. Und ja, aus dem schwachen Signal wird ein kräftiges Motordröhnen. Geschafft. Die Formalitäten mit dem Zoll dauern bis zum Mittag und ohne Kontrolle und Schwierigkeiten verlassen wir das Gelände. Kurzer Stopp am Parkplatz. Ronny ist sehr hilfsbereit und sagt seine Hilfe zu. Er bleibt Kontaktperson für den Aufenthalt hier. Und freut sich auf zwischenzeitlichen Rückmeldungen. Er will mir einen Routenvorschlag für die Rückreise von Patgonien machen. Ich tausche die Telefonnummer mit Peter. Er und Martin übernachten in Santiago. Sie haben sich im Casamatta kennengelernt und reisen am Samstag zusammen nach Ushaia. Alle wollen nach Patagonien. Wir werden uns wieder sehen. Torsten und ich fahren die Küste entlang zurück nach Valparaiso. Herrliches Wetter und die ersten Kurven zum räubern. Zwischenstopp und Wasser besorgen. Die Route gibt immer wieder den Blick auf den Pazifik frei. Und immer wieder Strassenverläufe mit Serpentinenartigen Kurvenverläufe. Zwischenstopp in einem kleinen Fischerdorf, welches Ronny uns empfohlen hatte. Hat sich gelohnt. Ein wirklich leckeres Essen bei Meeresblick. Kurz vor Valparaiso trennen sich unsere Wege. Torsten wird seine Reise Richtung Norden fortsetzen. Schade. Telefonnummern sind getauscht. Zurück in meiner Unterkunft werde ich mit einer Überraschung begrüßt. Ein Sandwich in HotDog Style. Mit kleinen Würstchen, Tomaten, Avocadocreme und einer weiteren cremigen Soße. Lecker. So, jetzt mal eine Nacht darüber schlafen, was ich morgen mache. Gute Nacht, DeutschlandRead more

  • Pelikano y Vino

    December 2, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 18 °C

    Heute lasse ich es ruhiger angehen. Gepäck umpacken, Anbauteile ans Motorrad schrauben. Die Koffer bleiben in der Unterkunft und ich reise mit leichtem Gepäck. Während ich noch überlege wie meine Tour heute aussehen soll, kommt Pablo vorbei und gibt mir Tipps. Planung beendet und rauf auf meine "Blue". Es geht entlang der Küste nordwärts.
    INSIDER TIPP 2
    Was macht man, wenn man sein Fahrzeug mal unbeaufsichtigt lassen muss?
    An vielen öffentlichen Stellen und Restaurants gibt es sogenanntes Wachpersonal. Die Leute verdienen sich ihr Geld indem Sie die Fahrzeuge bewachen. Oder beim ein und ausparken behilflich sind. Man drückt Ihnen 300 o. 400 Pesos, ca. 30 oder 40 ct in die Hand. Super Sache.
    Also entspannt Sightseeing auch wenn man sein Fahrzeug nicht in Sichtweite hat.
    Biker sind eine Gemeinschaft weltweit. Auch wenn der Bikergruß hier nicht verbreitet ist.
    Ich "unterhalte" mich mit einem Pärchen. Und "erzähl" von meinem Plänen nach Patagonien reisen zu wollen. Sie deuten schon an, dass es dort regnerisch und kälter ist. Er inspiziert meine Blue, erkennt das es eine 600er Honda Transalp ist. Ich schreibe mit dem Finger die Jahreszahl 1991 in den Sand und habe genau damit seine Frage nach dem Baujahr beantwortet. Seine Frau, die kaum mehr Englisch als ich spanisch spreche bestätigt meine Vermutung. Erinnerungsfoto gemacht und weiter geht es.
    AUTO UND VERKEHR
    Ich glaube meine Blue ist die älteste Verkehrsteinehmerin hier. Auch wenn man es Ihr nicht ansieht. Von Porsche bis Geely ist alles vertreten. Das Straßenbild ist identisch zu unserem. Und auch der zäh fließende Verkehr in der Stadt.
    Kaum wirklich alte Fahrzeuge auf der Straße. Selbst E-Autos sollen hier unterwegs sein, laut Pablo.
    INSIDER TIPP 3
    Hier herrscht Rechtsverkehr. Also easy. Aber, genau wie in den USA , darf rechts überholt werden. Es ist auch nicht immer erkennbar ob man auf einer Vorfahrtstraße ist. Was nacht man? Man schaut ob die kreuzende Straße der Form nach ein Stoppschild oder Vorfahrt achten Schild hat. Tatsächlich. Das würde den Stahlverbrauch an Verkehrsschildern in Deutschland um einige Tonnen reduzieren.
    So fahre ich lässig entlang der Küstenstraße und genieße an verschiedenen Stellen den Blick auf den Pazifik. Pelikane fliegen entlang der Küste. Und tatsächlich habe ich das Glück einen vor meiner Linse zu bekommen. Cool.
    Ich brauche dringend Sonnencreme und ein paar Kleinigkeiten mehr. Also rein in den Supermarkt der Superlative. Das Angebot ist riesengroß und bekannte Marken wie z. B. Maggi und Co. springen einen entgegen. Erinnert mich an Carrefour in Spanien. Schnäppchenjagd nach roten, preisreduzierten Artikeln ist auch hier verbreitet. Man spricht kaum Englisch hier aber mit Hilfe einer Verkäuferin finde ich was ich suche. Von einer Kundin lasse ich mich beraten wie das Brot schmeckt, welches Sie in größerer Stückzahl in Ihren Einkaufswagen legt. Ich versteh natürlich rein gar nix, nicke aber zustimmend mit den Kopf und bedanke mich für die vielen interessanten Vorschläge womit man das Brot belegen kann.
    An der Kasse zeigt man Verständnis, daß ich das lose unverpackte Brot nicht in einzelne Tüten verpackt und selber abgewogen habe. Eine Kollegin macht das für mich und die nachfolgende Kundin hat lächelnd Verständnis für die Verzögerung.
    Zurück zur Unterkunft. Vorher noch einmal ein Blick auf die Skyline.
    Mit Pablo fahre ich noch einmal zu einem Supermarkt. Ich hatte ihn und seine Mutter zu einer Flasche Wein eingeladen. Und so lassen wir den Abend gemütlich ausklingen. Wir können uns prima unterhalten und lachen zusammen. Auch die beiden genießen den Abend. Mit dem Hinweis, dass ich noch eine weitere Flasche habe ,kommt die Idee auf dann ein BBQ zu machen. Fortsetzung folgt,..
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  • Eine deutsche Begegnung

    December 3, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 20 °C

    Ziel ist heute Las Docas an der Küste. Die Strecke soll etwas Off-Road mäßig sein. Irgendwie beginnen Tag und Tour aber zäh. Da mangels Zeit in der Vorbereitung keine Handyhalterung für die Navigation montiert ist muss jetzt improvisiert werden. Also Handy unter die Folie des Tankrucksackes geklemmt. Bei den Temperaturen überhitzt das Handy alsbald und geht auf Standby. Zur Orientierung muss man mehrmals anhalten und ist nicht da wo man sein wollte. Handy auf die Folie kleben hilft auch nicht weiter. Meiner Blue ist es egal und sie brubbelt vor sich hin. OK, ich werde es ihr gleich tun und den Schildern nach Laguna Verde folgen. Es wird staubiger und aus Asphalt wird Sand. Während die Frage aufkommt ob es der richtige Weg ist eröffnet sich plötzlich ein großes Markttreiben. Mitten im Nichts. Sogar kleine Busse halten hier. Mein Motorrad hier abzustellen um durch die Gassen zu schlendern ist keine Option, also mache ich aus einem Churros-Stand ein Drive-in. Was sind Churros? Keine Ahnung, von innen mit Choko-Karamel Füllung. Ziemlich süß aber verdammt gut. Bitte noch einen. Ein kleiner Junge bekommt glänzende Augen als er meine Blue sieht. Meine Aufforderung aufzusteigen lassen seine Augen noch größer werden. Und das Posen hat er auch drauf. Weiter geht's zum Strand von Las Docas. Eine Lose Sand, Asphalt-Schotter Rüttelpiste mit Berg und Talfahrt tut sich auf. Genau das Richtige für einen Hardcoreflachländer wie mich um erste Erfahrung mit "Off-Road" und Maschine zu machen. Der Blick in die Bucht von Las Docas ist ein Traum. Postkartenmotiv und Traumwetter. Und wie bestellt kommen noch 4 Naturereignisse dazu, die unbedingt mit aufs Bild wollen. Steil geht es runter bis ans Meer. Ich genieße den Augenblick in vollen Zügen. Es geht den selben Weg zurück. Vorbei am Churros-Stand wo man mir lächelnd zuwinkt. Ich lass mich einfach treiben und finde mich in Valparaiso wieder. Mitten in der Stadt geht es teilweise steil bergab durch verwinkelte Gassen. San Franzisko lässt grüssen.
    Vor dem Monumento a Los Heroes Iquique auf dem Sotomyor Plaza lockt die nächste Versuchung kulinarischer Art, der man nicht wiederstehen kann.
    "Kommst Du wirklich aus Deutschland?" Unglaublich aber wahr. Eine deutsche Stimme in Chile. Wie sich herausstellt gehört sie zu Marco aus Rheinland Pfalz. Seine Mutter ist Chilenin, sein Vater Deutscher und nach bestandenem Bachelor besucht er seinen Onkel mit Familie. Das Nummernschild hatte die Herkunft verraten. Eine fröhlich und immer noch ungläubig staunende Unterhaltung begann. Zum Abschied noch ein paar Fotos.
    Als Hafenstadt hat Valparaiso schon lange keine Bedeutung mehr. Aber jährlich treffen sich die Künstler hier um Wände zu bemalen oder wie ich finde, teilweise zu beschmieren.
    Berühmt ist Valparaiso auch für seine Ascensoren bzw. Schrägaufzügen. Von 30 gibt es noch 15 von denen nur noch 9 funktionieren.
    Entlang der Küstenstraße geht es zurück zur Unterkunft.
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  • Eine Kerze

    December 4, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 23 °C

    Heute geht es zur Abwechslung nicht an die Küste sondern in eine Region mit Kurven und Off-Road. Ronny hatte mir einen Tipp gegeben. Das ungefähre Ziel auf Google Maps eingegeben und los. Wird sich sicherlich leicht finden lassen. Rauf auf die Autobahn und dann nochmal schnell Tanken. Tankstellensuche per Google Maps. Bis ich die finde liegt mein Smartphone wie ein glühendes Stück Brikett im Tankrucksackkartenfach und sagt Good bye.
    Mal wieder sehr ärgerlich aber was solls. Muss man sich halt durchfragen. An der Kreuzung zur ⛽️ sieht mich ein "Dienstleister",der das Autoscheibenreinigen für ein Trinkgeld anbietet. Er verkündet lauthals lachend im Scherz, daß er gerne meinen Windschutz reinigen würde. Sicherlich überlegt er sich schon wie er an mir paar Pesos verdienen kann.
    TANKEN IN CHILE:
    Hier gibt es moderne Tankwarte mit Kartenlesegeräte direkt an der Zapfsäule.. Man kann einen Betrag angeben oder Volltanken lassen. Und bezahlt anschließend.
    Es ist Sonntag und die Tankstelle ist stark besucht. Eine Schlange bis auf die Straße. Meine Blue ist wendig und schnell ist eine Lücke an einer kurzen Warteschlange gefunden. Hier in Chile fahren, entgegen den Aussagen im Netz viele moderne Motorräder. BMW, Tenere, etc. Aber meine Blue ist ne echte Poserin und zieht magisch so manche Blicke auf sich. Auch diesmal. Gerne verrate ich dann das Baujahr und ernte erstaunte Blicke. Ein Schulterklopfen und ein Lächeln beenden dann das "Gespräch".
    Nach dem Tanken nochmal schnell Reifendruck checken. OK, nicht leicht bei den Temperaturen kalte Reifen zu haben. Dafür meinen Scheibenwaschfreund der unbedingt behilflich sein will. 2 ältere Herren an der Luftdrucksäule verfolgen genüßlich die Szenerie. Reifen gecheckt. In Erwartung eines Trinkgeldes und den Hinweis, dass er und seine Familie kurz vorm Hungertod sind, ruft er seinen Kumpel um sich dies bestätigen zu lassen. Gewonnen, ich drücke jedem 100 Pesos (ca. 10 ct) in die Hand und hab Ruhe. Die beiden Herren zucken mit den Schultern, grinsen und rufen mir zu "Das ist Chile".
    Copec Tankstellen sollen gutes Kartenmaterial haben. Also gehe ich rein in den Shop. Der ist klein und keine Karten oder Bildzeitung zu sehen. Mein spanisch reicht für ein Kaffee Americano aus dem Automat (tatsächlich gut trinkbar) und nen Snack aber trotz Übersetzerhilfeapp nicht um an eine Straßenkarte zu kommen. Eine gerade hereinkommende Kundin fragt ob ich englisch spreche? Ich bejahe und Sie zückt ihr Handy und ruft ihren Mann an. Er ist Kanadier. Es beginnt eine irrwitzige Dreierkonferenz an derem Ende ich trotzdem keine Karte habe dafür aber das Angebot in Valparaiso ein Zimmer zu mieten.
    INSIDER WISSEN
    Chilenen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Es gibt auch ein Lied darüber. Chilenen sind auch geschäftstüchtig.
    Während ich den Ölstand meiner Blue checke kommt ein Bediensteter der Tankstelle auf mich zu und empfiehlt mir Algarrobo an der Küste als Ziel. Er zeigt mir die schönen Bilder auf Google Maps. Um 1 Uhr hat er frei und kann mich mit seinem Motorrad begleiten. Mit Torsten waren ich schon dagewesen und lehne dankend ab.
    INSIDER WISSEN
    Der Verkehr in Chile verläuft fast geräuschlos und hupfrei. Nur bei vermeintlichen Fehler anderer Autofahrer oder Zweiradfahrer oder nicht rechtzeitigem starten nach einer Rotphase an der Ampel greift er zu Erziehungsmaßnahmen. Dabei wird ab und zu aufdringlich bis penetrant die Hupe instrumentalisiert. Das wiederum kann häufiger vorkommen.
    Zurück auf der Autobahn erscheint auf der anderen Seite eine große weiße Kirche und eine riesige Menschenschlange davor. Ist heute Feiertag oder einfach nur Sonntag?
    Mit eingeschränktem Navi kehre ich um und komme wieder an diese Kirche vorbei.
    Direkt am geöffneten Seiteneingang stelle ich meine Blue ab. Und besuche die Messe, die soeben ihr Ende findet.
    Beim verlassen der Kirche frage ich ein älteres Pärchen, mit Hilfe meiner Übersetzerapp, ob man hier eine Kerze anzünden kann. Die Dame nimmt mich ehrfurchtsvoll mit und begleitet mich bis zum Altarbereich. Sie spricht mit einer Nonne und bittet mich mein Anliegen per Übersetzerapp vorzutragen. Der Kerzenbereich liegt außerhalb der Kirche. Während mich die Dame zum Kerzenbereich begleitet hält sie plötzlich an und deutet mir ebenfalls zu warten. Ihr Mann spricht mit dem Aufsichtspersonal. Beide führen mich zum Kerzenbereich. Ihr Mann erinnert mich daran, meine Sachen bei mir zu tragen besonders mein Handy.

    In Gedanken an uns und an unseren Lieben und an den Lieben die nicht mehr bei uns sind, habe ich dann diese Kerze entzündet und für ein paar Minuten inne gehalten.
    Noch ein kurzer Besuch im Inneren der Kirche und ich verlasse diesen Ort.

    Alle Zugänge zum Nationalpark sind verschlossen. Mit dem Gefühl weder Kurvenstrecke noch Off-Road Möglichkeiten zu finden, biege ich nach Bauchgefühl ab. Und tatsächlich, eine Kurve reiht sich an die andere. Und im Augenwinkel sehe ich Motorräder und ein Essgelegenheit. Umdrehen und zurück. Volltreffer.
    MEIN TIPP
    Wie bestellt man Essen in Chile?
    Ich nehme das, was die da haben und deute mit dem Finger auf den Tisch!!!

    Einer der beiden Biker spricht Englisch und es entwickelt sich ein intensives Gespräch. Beide fahren BMW 1200. Meinen Plan nach Patagonien unterstützt er, weil dort die freundlichsten Menschen von Chile wohnen. Freunde hat er auch in Berlin und Stuttgart. Er gibt mir den Hinweis den Küstenbereich bei Temuco zu meiden. Terroristen. Ich werde seinen Ratschlag befolgen.

    Weiter geht's. Ab ins Gelände bis vor einem verschlossenen Tor Schluß ist. Ende im Gelände und wieder zurück.

    Genug für heute. Zwischenstopp für ein Eis und Wasser und dann zu meiner Unterkunft. Kurz vorm Ziel sehe ich am Straßenrand ein Pantomimenauftritt. Ich halte spontan an und geselle mich dazu. Freundliche Blicke trotz meiner Störung. David stellt sich vor und wir unterhalten uns auf Englisch. Er kommt von den Cayman Inseln. Diese "Versammlung" ist eine Glaubensgemeinschaft und man spricht über Jesus. Nein, man hält mir keine Spendenbüchse unter die Nase. Ein Foto von einem interessanten Ort und ich werde freundlich winkend verabschiedet. Heute ist Sonntag und im Kühlschrank wartet mein Schmutzbier. Gute Nacht Deutschland, ich denk an euch.
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  • Tatü Tata

    December 5, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 19 °C

    Heute Ist Montag und es wird Zeit an die Weiterreise zu denken und einen Plan zu erstellen. Pablo und seine Mutter hatten mich zwar eingeladen das Weihnachtsfest und Neujahr hier zu verbringen. Doch ich möchte im Januar in Patagonien sein, denn dann ist noch Sommer. Bevor es an die Routenplanung geht, brauche ich als erstes unbedingt einen Handyhalter. Eigentlich keine große oder wirklich spannende Sache. Pablos Rat folgend fahre ich zur Marina Mall. Ein riesiges Einkaufszentrum , genau nach meinem Geschmack. Hier kann ich endlich in voller Motorradmontur mit Helm und Tankrucksack unterm Arm durch die heiligen Hallen flanieren. Einem Securitymitarbeiter lässt sich mit den Worten Electricidad und tecnika der Weg zu einem Elektronikladen entlocken. Einfach die Rolltreppe rauf. Perfekt. Mit Fotos, Übersetzerapp und Händen und Füßen bekomme ich den Halter. Bedenken wegen der Größe der Begestigungsaufnahme verfliegen. Es gibt 10 Tage Rückgaberecht, dafür muss ich die Verpackung jetzt mitschleppen.
    Und warm ist es in den Klamotten auch. Ich bestell mir sicherheitshalber ein Erfrischungsgetränk als Cappucchino nach Foto. Und schon geht die Fragerei nach der Variante los. Nachdem alle Fragen wahrheitsgemäß mit Si beantwortet werden, überreicht man mir einen wirklich toll schmeckenden Capucchino-Eisbecher mit Sahne.
    Meine Blue leidet ebenfalls unter der Hitze und dem ständigem Stopp and Go. Immer öfter springt der Kühlerventilator an. Meiner Diagnose einer leichten Dehydration folgend werde ich ihr etwas destilliertes Wasser gönnen. Ein Securitymitarbeiter zeigt mir den Weg zum Supermarkt. Glücklicherweise gibt es dort einen wirklich kompetenten Mitarbeiter der neben spanisch und Englisch sogar griechisch spricht. Er bringt mir die Worte "agua destilada" bei, lässt sie sicherheitshalber nochmal von mir wiederholen und schickt mich dann durch die Kasse auf die andere Seite. Wohin genau habe ich nicht wirklich verstanden. Ah ja, Farmacia. Bevor ich stolz meine neu gelernten Fremdwörter an die Frau bringen kann, frage ich zuerst ob Sie englisch spricht. Nein, aber ihr Kollege. Klappt ja prima. Etwas Smalltalk über meine Reise, Gelächter weil Sie auch mal auf Weltreise nach Deutschland möchte und eine fröhliche Verabschiedung.
    Nun aber raus hier. Kleine Stände säumen den Weg mit Weihnachtsgedöns wie überall auf der Welt. Meine Blue steht immer noch da und bekommt erstmal eine Infusion mit dest. Wasser. Aus Präventionsgründen möchte ich ihr noch eine Flasche Öl bereit halten. Ein freundlicher Pizzalieferantenmotorradfahrer empfiehlt mir überschwenglich einen Shop in der Nähe. Ich mache mich auf den Weg. Vor einer Ampel gesellt sich ein Tenerefahrer zu mir, bemustert interessiert meine Blue und fragt woher ich komme und was ich hier mache. Von Ampel zu Ampel unterhalten wir uns auf Englisch weiter. Er fährt mit Warnblinklicht voraus und ich folge ihm zu einem McDonalds. Er ist schon mal mit seinem Vater Richtung Patagonien gefahren und kann interessante Routenvorschläge machen. Wir tauschen die Telefonnummern und Email-Adressen und er will mir Infos zukommen lassen. Und tatsächlich, während ich diese Zeilen verfasse halten wir Kontakt per WhatsApp. Jetzt noch schnell zum Shop. Dort herrscht reger Verkehr. Dennoch hat der Verkäufer Zeit und erzählt mir wie windig es in Patagonien ist und das sich sein Freund dabei das Bein gebrochen hat. Beim bezahlen meiner Liqui Moly Ölflasche, klebt er die Nummer der Kreditkarte ab mit den Hinweis, dass man diese in Argentinien gerne mal mißbraucht.
    Nun aber los, die Handyhalterung wartet. Zufällig komme ich an dem Platz vorbei an dem ich Marco aus Deutschland getroffen habe. Er erzählte mir von einer Feuerwehrwache mit einem Feuerwehrauto auf dem in deutscher Schrift, Feuerwehr steht. Ich nutze die Gelegenheit und mache mich auf die Suche.
    Und tatsächlich, sehe ich sogar 2 deutsche Feuerwagen auf denen Feuerwehr steht. In der Euphorie der vergangenen Tage bilde ich mir schon fast ein, man würde mir einfach die Tür öffnen und mich reinlassen. Vorsichtig versuche ich die Tür zu öffnen.Natürlich geschlossen. Nur eine Überwachungskamera und mehrere Klingelknöpfe. Ich steh schon fast wieder auf der Straße als hinter mir ein älterer Mann die Treppe herabsteigt. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich aus Deutschland bin und mich Frage warum dort deutsche Feuerwehrautos stehen. Leider spricht er kein Englisch. Deutet mir nur an um die Ecke zu gehen. Und tatsächlich ist dort eine Holztür mit Glasscheiben auf der steht in deutscher Schrift: Gegründet .... Und während ich mein Handy zücken will um ein Foto zu machen, öffnet sich wie von Geisterhand die Tür. Man bittet mich herein und ich bekomme eine exklusive Privatführung durch die komplette Feuerwehrwache. Vom Keller bis in den ersten Stock. Man ist gerade bei Renovierungsarbeiten und will zudem ein Museum einrichten. Ich kann mein Glück kaum fassen.
    GESCHICHTE
    Diese Feuerwehrwache in Valparaiso ist die erste in Südamerika und vor ca. 200 Jahren gegründet worden.
    Fast eine Stunde verbringe ich dort. Wir verabschieden uns äußerst herzlich und ich verlasse das Gebäude.
    Meine Blue parkt vor einem Justitiargebäude und ich lasse mich auf den Stufen davor nieder. Überwältigt von den Eindrücken der letzten Tage und mit Dankbarkeit und Demut, dass ich frei aller Verpflichtungen hier sein kann und darf, fällt mir nur ein Wort ein welches Sviatlana zu mir sagte, KARMA.
    Ich spüre wie einzelne Schweißtropfen der Erdanziehung folgend aus meinen Augenwinkeln die Wange herunterlaufen.

    Eine junge Frau die soeben die Treppe heraufkommt bitte ich darum diesen Moment für mich als Foto festzuhalten. Er ist es wert. Und so verbringe ich meine Zeit hier und beobachte das Handeln auf dem Vorplatz. Zwischenzeitlich kommt die junge Frau zurück, dreht sich nochmal um, lächelt und winkt kurz. Dann ist Sie in einer Nebenstraße verschwunden.
    Es wird Zeit, Blue und ich machen uns auf den Weg. Es macht immer mehr Spaß die steilen und manchmal engen Strassen herauf und hinab zu fahren. Hier und da die bunten Bilder an den Hausfassaden anzuschauen und dann wieder die nächsten steilen Straßen hochzufahren.

    Es wird Zeit zur Unterkunft zu fahren. Vor der Dunkelheit schaffe ich es noch den Handyhalter anzubauen. Dann ist Feierabend. Tatü Tata. Was für ein Tag.
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  • Ein ganz normaler Tag

    December 6, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 25 °C

    Aus der Heimat erhalte ich am frühen Morgen die frohe Kunde, nein, ich bin nicht wieder Opa geworden sondern es ist Nikolaus. Wie jeden Tag hatte ich meine Stiefel vor die Tür gestellt und wie jeden Morgen war nichts drin. Nikolaus ist in Chile nun mal nicht bekannt. Und aus den Augen aus den Sinn, mehr ist halt nicht drin.
    Es ist der letzte Tag um meine Weiterreise vorzubereiten. Bisher ist alles ganz easy. Man hat einen zentralen Anlaufpunkt, braucht nicht das ganze Gepäck mitschleppen und ein bequemes Bett. Allzeit Internetzugang und kann mit Freude seine Stories ins Handy tippen. Für den Einstieg absolut die besten Voraussetzungen.
    Tomas hatte mir einige Tourenvorschläge geschickt. Aber so wirklich bin ich noch nicht bei der Tour. Dafür bei meiner Blue. Ihr schmuckes Halsband braucht Kettenfett und der automatische Kettenöler ein nachfüllen. In den Tiefen meiner Alutaschen finde ich die Lenkererhöhung die ich zu Hause nicht mehr einbauen konnte. Macht schon was her, fern der Heimat mit dem eigenen Werkzeug herumzuschrauben. Den Handyhalter nochmal neu platzieren und fertig.
    Wie gesagt, alles ganz easy, bei strahlenden Sonnenschein und bei Pablo auf dem Hof. Zwischendurch ist Waschtag für meine Klamotten. Pablo richtet mir die Waschmaschine ein, und nach 45 min wird aus der Waschmaschine ein Wäschetrockner. Ich bin irritiert. Sonnenschein und bestes Wetter, da freut sich die Hausfrau/-mann. Hier vermutlich der Energieversorger. Hauptsache die Sachen sind sauber, trocken und reisebereit verpackt. Zwischendurch meldet sich Torsten. Er ist in einem Hostel und ihm geht es gut. Also auch bei ihm alles ganz easy.
    Nach all der Zeit der Vorbereitung wird mir zum ersten Mal bewusst, welch umfangreiches Material hier gerade vor mir liegt und sinnvoll verteilt und verstaut werden muß. Außer Sommer gibt es auch die kalten Zonen in Patagonien und in den Anden. Und Moskitos in Amazonien, aber warum jetzt unnötigerweise 2 Rollen Isolierband vor mir liegen, bleibt mir ein Rätsel.
    Es wird endlich Zeit meine Route festzulegen. Vorher aber lieber doch noch eine Probefahrt zum Telefonnetzanbieter um meine Karte wieder aufzuladen. Handy in die Halterung und los. Klappt prima, wenn ich beim nächsten mal noch die Bildschirmsperre einschalte, dann brauche ich mir nicht jedesmal den Kopf verrenken wenn sich das Bild dreht.
    Ich parke Blue in der Nähe eines Ladens Namens Cruz Verde, neben all den anderen Zweirädern und gehe die 150 Meter zu Fuß zum Laden. Man ist hier freundlich und hilfsbereit und lädt mir erstmal die App mit den schlechten Bewertungen aufs Handy. Zeigt mir, dass die Karte fast abgelaufen ist und das ich dies mit Bargeld wieder aufladen kann. Dafür müsste ich in eine Farmacia. Das geht hier nicht. OK, Chile ist auch ein Land der deutschen Einwanderer.
    Ich frage mich durch zur nächsten Farmacia und man zeigt auf ein Geschäft mit grünem Banner auf dem Cruz Verde steht. Kurz ein Blick auf Blue und rein ins Geschäft. Nachdem ich 2 Verkäuferinnen mit Sprachapp und einen Verkäufer mit Handy gleichzeitig beschäftigt halte, ruft man eine ältere Verkäuferin die anscheinend fließend französisch spricht. Gott sei Dank auch Englisch. Mich interessieren keine Laufzeiten, GB und Sprechminuten mehr, ich lasse einfach nur aufladen.
    Noch ein Blick auf das bunte Treiben in dieser Straße, ein Milchshake, ein süßes Etwas und dann weg von hier. Es ist mal wieder Rush-Hour. Und für Zweiradfahrer gibt es eine Extraspur, die ist genau zwischen den wartenden Autoschlangen. Man lernt dazu. Die neue Lenkererhöhung fühlt sich noch etwas seltsam an. Aber 40 mm machen eine Menge aus, auch die Schultern fühlen sich jetzt breiter an.
    Zurück in der Unterkunft öffne ich meine Flasche Wein und rufe Pablo an. Er hat mir eine Liste mit Highlights zusammengestellt die er teilweise selber besucht hat. Somit steht dem Start in Teil 2 der Reise nichts mehr im Wege. Wir reden über Gott und die Welt. Ich kann meine Tasche die ich nicht mehr benötige bei ihm unterstellen. Er zeigt mir sein Instagram Account uns sein Tattoo. "Wanderlust" steht verziert auf seinen Fuß.
    Er richtet noch einen Wunsch an mich, ein deutsches Wort, dass er mit mir in Verbindung bringen kann wenn ein nächster Gast aus Deutschland kommt. Ich empfehle ihm, "Fischers Fritze ...". Er bedankt sich für den schönen Abend und wir bleiben in Kontakt. Es ist ein ganz normaler Tag und ich weiß nicht was ich schreiben soll. Gute Nacht Deutschland.
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  • Flieg junger Adler

    December 7, 2022 in Chile ⋅ 🌙 15 °C

    Flieg junger Adler, raus in die Ferne, schau nach vorn nicht zurück,...
    Dieser Tag beginnt anders als die anderen. Das Wetter ist heute morgen erstmals seit meiner Ankunft sehr neblig. Und ich werde die Komfortzone verlassen. Noch eine warme Dusche, Frühstück und dann beginnt das bepacken von Blue. Sie tut mir fast Leid wie sie vollbepackt vor mir steht. Zwischenzeitlich hat sich Pablo dazugesellt. Auch seine Mutter schaut zwischendurch, fast schon skeptisch, zu. Premiere, Ich sitze erstmals auf meine vollgepackt Blue. Pablo mach fleißig Bilder, für sein Instagram Account und für mich. Die erste große Hürde ist die Auffahrt. Die ist nicht nur steil, die ist sehr steil und hat zudem noch einen treppenförmigen Absatz mittendrin. Für Blue kein Problem und Pablo nickt anerkennend. Mit einer Umarmung seiner Mutter, den besten Wünschen und der Bitte auf uns aufzupassen werden wir verabschiedet. Als erstes geht es auf die Autobahn. Yeah, erst jetzt sind wir fast richtige Weltenbummler und Abenteurer. Ein Hauch von Easy Rider liegt in der Luft, der sich dann als Gestank von heißen Teer und den Abgaswolken eines vorherfahrenden LKW's entpuppt. Wir hatten am Vorabend über diese große weiße Kirche gesprochen . Er sagte mir, dass jetzt ein Feiertag kommt . Die Leute reisen von überall zu Fuß an . Die letzten 400 Meter bis zur Kirche wird auf Knien gerobbt. Und tatsächlich ich sehe Menschen zu Fuß , auf dem Fahrrad , mit Pferdewagen und Pferd. Kilometerlange Verkaufsstände sind aufgestellt. Die einen glauben an Gott, die anderen ans Geld. Wie überall. Auf der Welt. Nur weg hier. Das Verhalten bei Kurven gibt mir zu denken. Aufgrund der Situation mit vollem Gepäck fühlt es sich eher wie ein schwimmendes Schiff an. Der Zeitpunkt für ein Tankstopp ist günstig und der Azubi checkt nochmal den Luftdruck und tatsächlich, zu wenig. Ab jetzt machen die folgenden Kurven wieder Spaß. Empanadas sind in Chile weit verbreitet. Gefüllte Teigtaschen mit Fleisch, Ei und sonstigen Dingen. An einem abgelegenen Stand, werde ich meine ersten genießen. Die Verkäuferin trägt Mundschutz und desinfiziert selbst die Geldscheine. Mit Übersetzerapp unterhalten wir uns. Woher, wohin und wie nett und hilfsbereit Chilenen sind. Nicht alle, schreibt sie, aber den Menschen in Patagonien kann man vertrauen. Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Sie gehört zu den freundlich und netten Menschen und dies schreib ich ihr. Mit der Hand auf dem Herzen verabschiede ich mich und sie erwidert mit gefalteten Händen. Beim verlassen fällt das Wort Allemagne und winkende Hände verabschieden mich. Es sind diese kleinen und unscheinbaren Dinge, die hier für mich eine ganz große Bedeutung bekommen haben.
    Im Schatten einer Brücke treffe ich Georg und Eve. Hömma, wo kommt ihr denn her? Natürlich aus dem Pott. Sie sind oft unterwegs in fremden Ländern. Auch in Feuerland waren sie schon. Ich lass mir natürlich Tipps geben. Und freu mich, mal wieder ausgiebig deutsch zu sprechen. In der Nähe soll ein Campingplatz sein. So langsam wird es Zeit an eine Unterkunft zu denken. Wild Campen wie 2 andere Motorradfahrer in der Nähe möchte ich vermeiden. An einem Viewpoint gleiten riesige Schwingen durch das Tal. Für ein Foto ist dieser Vogel leider nicht bereit. Flieg junger Adler,... Hernan und Costa sind 2 eng befreundete Truckfahrer die mich ansprechen. Hernan fährt ebenfalls Motorrad und zeigt mir Bilder von seiner Maschine und der Familie. Ich frage nach einem Campingplatz und sie erzählen vom Strand weiter gerade aus. Ich google bei Maps und entscheide mich für Surf Camp. Klingt gut. Mist Verfahren. An einer steilen Straße wenden.
    INSIDER TIPP AN MICH
    Tu das nicht, niemals.
    Die Beine schrumpfen plötzlich, Blue droht zu kippen, mit etwas Schwung versuchen doch die Drehung zu schaffen. Und dann passiert es. Wir stürzen die Böschung runter und nur ein Stacheldrahtzaun hält uns zurück. Der Motor läuft seelenruhig weiter. Wie Schildkröte auf Rücken versuche ich auf die Beine zu kommen. Motor abstellen und dann die Böschung hoch. Überall Plastikteile. Mir schwant böses. Die ersten Helfer sind schneller da als jede ADAC. Zurückziehen per Seil unmöglich. Schon wird ein Bolzenschneider geholt und der Zaun durchgeschnitten. Mit vereinten Kräften Blue auf die Reifen gestellt. Nichts verbogen, nichts kaputt. Unfassbar. Mann und Maschine wohlauf. Starterknopf und sie läuft. Tatsächlich, sie brodelt seelenruhig vor sich hin. Noch ein Loch im Zaun und wir sind wieder raus. Große Dankbarkeit, Händeschütteln und Schulterklopfen. Uns so schnell wie alle da waren, hat sich alles wieder aufgelöst. Der ADAC sucht immer noch.
    Auch beim fahren, keine Probleme. Kurvenlage wie gehabt. Jetzt sind wir echte Weltenbummler und Abenteurer. Gäbe es eine Urkunde dafür, ich würde sie an Blue verleihen.
    Die Suche nach einem Campingplatz wird zum Drama. Jedesmal will man ihn woanders gesehen haben. Selbst ein Security Mann kann nicht helfen. Heiße Spur, am Ende der Straße. Dort ist eine undefinierte Wasserlache. Zurück. Anderes Straßenende. Dort sind Surfer aber kein Campingplatz. Privatgelände. Wieder zurück, es wird immer später. Berg hoch. Und dann passiert das nächste Unglück. Blue liegt auf der Seite, Alutasche sei Dank. Eh schon entkräftet bekomme ich sie nicht hoch. Es sind paar hundert Meter zu den Surfern. Sch... e. Aber war es nicht das, was ich wollte? Abenteuer, Verwegenheit in jeder Situation zurecht kommen. Nein, wollt ich jetzt nicht. Bett und ein Schmutzbier hätten mir jetzt auch gereicht. Moment, ein Auto in Sichtweite. Der Sicherheitsmann . Und er hilft mir. Und Blue läuft ohne Murren. Ich bedanke mich. Dies ist alles Privatgelände. Ich solle zurück in einen unbewohnten Bereich fahren, vorbei an die Absperrung und am Strand übernachten. Er würde sich blind stellen. Und ja, ich hab eine geschützte Stelle gefunden. In der Dämmerung des Mondes baue ich mein Zelt auf. Schaff es meinen nagelneuen Coleman Benzinkocher in die Gänge zu bringen, Koch einen Kaffee und gehe ans rauschende Meer. Mit dieser prachtvollen Geräuschkulisse und Vollmond geh ich schlafen. Flieg junger Adler, raus in die Ferne, schau nach vorn nicht zurück,
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  • Lust und Frust

    December 9, 2022 in Chile ⋅ ⛅ 15 °C

    Nachts ist es kalt am Meer. War wohl zu optimistisch nur den Hüttenschlafsack zu nutzen und zu müde den richtigen zu holen. Zum Glück lag die Motorradjacke bei mir. Ich träumte von den stürmischen Winden in Patagonien. Und wie mein Zelt fast auf mich lag. Patagonien, sobald ich davon spreche bekommen die Leute glänzende Augen. Man erzählt immer wieder wie extrem freundlich und hilfsbereit die Menschen dort sind. Es hat etwas magisches. Und ich will dahin. Aber erstmal muss ich aus dem Zelt kommen. Zum Glück kamen keine Bären, Pumas, Schlangen, kläffende Hunde, Kaninchen, Katzen oder sonstwas. Rein gar nichts. Oder ich hab sie alle verpasst. Bestimmt über 40 Jahre her, das Zelten mit den besten Kumpels. Nie wieder wollt ich das, und nun Zelt ich hier. Wild und eigentlich illegal.
    Nach dem Frühstück Blue nochmals inspizieren. Reifencheck, OK. Leider hat die Frontscheibe etwas abbekommen. Erstmal notdürftig mit Panzertape flicken. Die Jacke zeigt auch Blessuren. Ärgerlich aber letztendlich bin ich froh, dass alles so glimpflich abgelaufen ist. Ich mach mir Sorgen, wir müssen die selbe steile Straße wieder hoch. Hier fahren nur Pick ups mit Surfbretter oder Allrad. Also los. Läuft ganz gut. Die bessere Seite ist die Gegenfahrbahn. Und dann kommt der weiße Pickup um die Ecke. Ich muss bremsen, weil er die so eng nimmt. Blue findet keinen Halt. Ich kann sie nicht mehr lange ausbalancieren . Und dann ist es wie Rodeo, der Reiter springt vom Pferd. Diesmal auf die rechte Seite auf den Alukoffer. Mein Gott was die aushalten. Knochenretter. Der Pickup ist schon längst weg. Es riecht nach Benzin und allein keine Chance sie aufzurichten. Für einen kurzen Moment denk ich daran sie liegen zu lassen und nach Hause zu fliegen. Alternativ jemanden zu finden der sie hochbringt. Wäre wie das erste. Oder noch einmal durchschütteln und von vorne das Ganze. Mittlerweile kommt der nächste Truck und einer hilft mir. Kurz starten. Will nicht. Abwärts Rollen und flying Start. Hilft nicht. Watt Nu. Not-Stopp drin. Raus und sie läuft. Ich nehm die sauberer Gegenfahrbahn, egal wer oder was kommt. Immer schön am rollen halten. Die Autos weichen mir aus. Endlich oben. Endlich Asphalt und dann eine Kurve nach der anderen. Stabilisieren Kreiselkräfte zeigen ihre Wirkung. Ein erstes kleines grinsen, das mit jeder Kurve größer wird, bis es nicht mehr geht. Zwischenstopp und tanken. Ronny hatte mir einen Tour Vorschlag geschickt. Rein in Google Maps und entlang der Küste weiter. Mal Nebel mal Sonnenschein. Ich geb Glück, Karma und Schutzengel heute frei und will nur noch Asphalt und Küste und viele Kurven. Ronny fährt auch gerne mal abseits der Straßen und dies hat er anscheinend mit eingebaut. Schotter und wie mit der Raupenkette bearbeitet. Hinzu kommt,
    INSIDER WISSEN
    Für den chilenischen Pickup und Allradfahrer gibt es nichts schöneres als mit hoher Geschwindigkeit über Schotterwege zu fliegen und Staub aufzuwirbeln. Je mehr Staub, je höher sein Ansehen. Schneller, höher, weiter. Obwohl es immer besser läuft unterbrechen Glück, Karma und Schutzengel ihre Skatrunde und bleiben wachsam
    Endlich wieder Asphalt und Kurven. Es wird Zeit für ein Quartier. Ich finde einen Ort mit jeder Menge Unterkünfte. Nur der Begriff Campingplatz muss eine andere Bedeutung hier haben. Irgendwie finde ich tatsächlich einen Zeltplatz. Bin der Ehrengast und allein hier. Bei den Preis von 5 Euro anstatt 50 für ein Einzelzimmer habe ich sogar freie Auswahl. Und Dusche mit warmen Wasser. Nett ist er. Bringt mir sogar ne Lampe. Und ein grosses Licht erhellt den Platz.. Ich schau mir die Dusche an und fahre erstmal Bier holen und Flip Flops. Der Vater vom Verkäufer wird hellhörig als ich mich als Deutscher zu erkennen gebe. Er. möchte sich gerne mehr mit mir unterhalten aber keiner will hier wirklich deutsch lernen. Nicht mal Englisch. Trotzdem eine nette Begegnung. Ich trink erstmal das erste Bier. Bevor ich duschen gehe brech ich mutstärkend das zweite an. Es fängt an zu nieseln.. Der Nebel und das Meer sind die Ursache. Die Duschanlage ist praktisch ich kann meine Sachen unterstellen. Der Besitzer verabschiedet sich persönlich bei seinen Gast und geht, nachdem er das Stromaggregat abgeschaltet hat. Die speist auch die Duschanlage. Jetzt verstehe ich auch, was ich vorher auf spanisch mißdeutet habe. Egal. Stirnlampe und Duschen. Das angewärmte Wasser reicht 2 Minuten aber der Staub von 2 Tagen ist ab. Ich koch Wasser in der Duschanlage als plötzlich die Dusche von einer Lampe erhellt wird. Der Parkwächter machtir den Vorschlag meine Blue in der Damenduschanlage unter zu bringen. Cool, die Lampe überlässt er mir auch. Nett sind se und das für 5 Euro. Ich geh nun ins Zelt. (BILDER folgen später)
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  • Back to the Roots

    December 9, 2022 in Chile ⋅ ⛅ 20 °C

    Es ist grau und kühl an diesem Morgen und der Nebel liegt noch in der Luft. Typisches Pazifikküstenwetter. Man hört das Meer toben und denkt es stürmt, doch das Zelt bewegt sich nicht. Die Befürchtung der Schlafsack sei zu warm bestätigt sich in dieser Region auch nicht. Allmählich kommt die Sonne durch. Es wird noch dauern bis die Sonne das Zelt trocknet. Der Besitzer ist zurück, denn es schallt Musik über den Platz. Es braucht heute morgen wieder länger bis wir Abreisebereit sind. Wie ein Schattenmann erscheint zwischendurch der Besitzer und möchte Smalltalk halten. Mann wünscht sich bessere Sprachfähigkeiten. Manchmal lustig, wenn versucht wird durch Wiederholung der Worte oder einem 2. oder 3. Satz den ersten Satz verständlich zu machen. Spanisch bleib spanisch und ich verstehe es trotzdem (noch) nicht. Er ist nett und auch sein Sohn der mich besucht. Bei der Frage nach einer Werkstatt per Übersetzer antwortet er mir, dass es bald 12 Uhr ist. Ich lasse weitere Versuche und verabschiede ihn freundlich. Mein Schattenmann steht mal plötzlich wieder neben mir. Ich hatte meine Kleingarage ausgepackt um nochmal alle Schrauben nachzuziehen. Durch die Rüttelei hat sich bereits eine Flügelmutter der Alutasche verabschiedet. Er schaut auch hilfsbereit zu wie ich mein Zelt zusammen nehme. Entsprechend den naturwissenschaftlichen Gesetzten der Hebelkraft wird Blue diesmal anders beladen. Die Rolltasche mit dem Schlafsack, die so schön weich im Rücken ist wie damals Omas Sofarückenpolster wandert nach ganz hinten. Die schwerere gelbe Tasche an den Mann.
    Nachem alles auf unerwünschte Begleiter, besonders im Helm untersucht ist, diese waren am Abend davor noch ganz busy unterwegs, ging es endlich los. Wir verabschiedeten uns mit Handschlag. Und das umpacken zeigt Wirkung, einfacher zu rangieren und zu händeln.
    Im Motivationshansbuch für Weltreisende steht:"Hast du Kurven und auch Sonnenschein wirst du wieder glücklich sein!" . Und das war reichlich vorhanden. Nur Benzin ist begrenzt. Also erstmal tanken, das Schlüsselerlebnis und die Wende. Es sind die Situationen und keiner weiß wie es begonnen hat und warum. An der Tankstelle beim tanken kommt im durcheinander von deutsch, englisch und spanisch ein Lachflash heraus der das Tankpersonal und mich ergreift. Ich bedanke mich mit "muy bien" und starte den nächsten Flash. Es geht durch zahlreiche Kurven und das bei herrlichstem Sonnenschein. Die Landschaften so herrlich anzuschauen, mehr geht einfach nicht. Hätte jemand nicht gewollt, dass wir hier sind dann wäre die Reise im Stacheldrahtzaun zu Ende gewesen. Aber uns wird noch viel mehr erwarten. Blue und ich waren wieder zurück auf der Road2Penguins um Land und Menschen kennen zu lernen, Abenteuer und Pinguine. Von Weitem sind rote Warnlichter zu sehen. Löschhubschrauber und Flugzeug. Ein Waldbrand. Die Straße ist nur kurz gesperrt und es kann weiter gehen. In der nächsten größeren Stadt geht's zu einer Werkstatt. Die Halterung für die Alutasche hat sich verbogen. Innerhalb von 10 Minuten hat er es gerichtet und will auf keinen Fall Geld. Aber ein Foto. Im Nachhinein hat es leider nichts gebracht, die Tasche sitzt immer noch schief. Also beim nächsten Mal.
    Ich seh Rafael mit seiner Kawasaki Versys an der Straße stehen. Ein Tuch hatte sich in die Hinterradbremse verfangen und blockierte nun alles. Dank Minigarage und Multitool (Danke Renate und Clemens) bekommen wir die Anlage zerlegt und frei. Unter Bikern hilft man sich, weltweit. Ich bin froh etwas zurückgeben zu können. Er bedankt sich mehrmals und gibt mir seine Telefonnummer für den Notfall. Weiter geht's. Immer wieder Kurven und Sonnenschein. Die Ruta del Mar. Ich kann sie jedem empfehlen. Nun kam die Königsdisziplin. Campingplatz finden. Bisher passte es nicht. Diesmal übertraf es alle Erwartungen. Anstatt stundenlang zu suchen hatte ich diesmal mehr Glück. Eine ältere Dame empfang mich und für 10 Euro freie Auswahl. 1 Euro für ne heiße Dusche. Der Durchlauferhitzer direkt am Duschkopf war abenteuerlich mit Isolierband verdrahtet. Anscheinend hatte es noch keine Tote gegeben. Also war ich beruhigt. Ich lernte Julio kennen. Wir kamen lachend ins Gespräch. Er wollte Englisch lernen und zeigte mir seine ganzen Notizblätter. Man war hilfsbereit beim suchen eines Platzes für das Zelt und beim Aufbau. Anscheinend hatte der Mann aus Aleman soviel positives Lächeln verbreitet,dass man ihn zum Tee einlud. Tatsächlich, Brot und Kaffee erwarteten mich nach dem Duschen. Pablo kam dazu, bester Amigo von Julio. Hier lebten mehrere Menschen und es ist wie eine große Familie, wie er sagt. Alles Freunde. Nach dem Tee gab's reichlich Schmutzbier. Die Übersetzer App funktionierte perfekt. Reinsprechen und übersetzen. Er war Münzsammler und hatte einen alten Socken voll damit. Durchaus auch seltene Münzen aus anderen Ländern. Er schenkte mir alte chilenische Pesos, die es nicht mehr gab. Und einer Tradition zufolge einen Geldschein, damit dieser mir immer Glück bringt. Ja, ich bin sein Freund und gehöre zur Familie. Wir tauschten die Telefonnummern. Und wäre sein Handyakku nicht zu Ende gewesen, hätten wir noch länger da gesessen. Es sind die Bilder von einer Weltreise die man aus Erzählungen im Kopf hat. Hier wurden sie Wirklichkeit. Die nächste Stufe des Weltenbummlerdiploms erreicht. We are back. Back to the roots.
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  • Katz und Maus

    December 10, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 25 °C

    Es ist sehr frisch und das Meeresrauschen ist zu hören. Beim Kaffee machen fällt mir auf, das ich kein Brotvorrat mehr habe. Na gut, eben später frühstücken. Mein Zelt steht an einer Nebenstraße. Ein Fußgänger kommt vorbei, Smalltalk, er spricht Englisch. Auf dem Rückweg wirft er mir zwei Apfelsinen zu, ich brauch Vitamine meint er. Am Abend zuvor machten Julio und Pablo Andeutungen über das Erbe dieses Ortes. Und zum Sonnenaufgang wollten wir uns treffen. Den haben wir aber mächtig verpasst. Julio kommt vorbei und lädt mich zu Kaffee und Brot ein. Bestes Timing, mir knurrt der Magen. Wir fahren mit seinem Van zum Strand und er lüftet das Geheimnis. Ein Felsen im Meer, besetzt mit Seelöwen. Ohne ihn hätte ich dieses Naturschauspiel verpasst. Zurück zum Campingplatz. Er muss in den Ort. Mit seinem Van macht er Taxifahrten. Man merkt ihm an, wie tief betroffen er ist, dass ich heute weiterfahren werde. Mein Weg zurück und nach Hause kann nur an diesem Ort vorbei führen. Und ein Sechserpack Bier steht dann bereit. Ich bedanke mich für seine Gastfreundschaft. Man sieht sich immer zweimal im Leben.
    Verabschiedung von Rita, der Besitzerin und los geht die Reise.
    Kurven und Sonnenschein. Ich folge der Ruta del Mar. Diese besteht nicht nur aus Asphalt. Dafür bietet sie neben Schotterpiste auch herrliche Panoramablicke. Und dann sehe ich das Dilemma auf mich zukommen. Eine riesige Staubwolke. Das kann nur ein Monstertruck sein. Ich seh schon sein grinsendes Gesicht und wie er murmelt, Friss meinen Staub, Gringo. Anhalten und das Fiasko über sich ergehen lassen, aber Nein, er verringert sogar das Tempo und winkt. Glück gehabt. An einem Viewpoint treff ich ein Pärchen und er zeigt mir eine Route entlang der Küste nach Patagonien. Mein Weg führt durch Concepciõn. Das Etappenziel für heute. Eine größere Stadt. Auf der Schnellstraße fährt vor mir ein Grün-weißer Wagen der Carabinieri. Er wird von anderen Autos und einem Motorrad überholt. OK, das kann ich auch. Ich nehm dann doch lieber die nächste Ausfahrt und sehe im Rückspiegel grün-weiß. Das unangenehme Gefühl, das er wegen mir abfährt macht sich breit. OK, noch eine Abfahrt. Er bleibt dran. Ich bieg in die Zufahrt eines riesigen Einkaufszentrums. Irgendwie wollen die auch einkaufen. Rein in eine Parkreihe und am Ende gewartet. Ich seh die roten Signalleuchten die gerade aus rollen. Rein in eine Parklücke. 5 Minuten warten sie an der Ausfahrt der Anlage, dann fahren sie weg. Puuuhhh, die meinten sicher mich.
    Schnell weg hier.
    Meine allabendliche Campingsuche beginnt. Das erste Ziel führt mich durch die Stadt an ein Grün-weißes Auto vorbei, an denen 2 Carabinieri stehen. Bloß nicht schon wieder. Die Zieladresse ist ne Luftnummer. Auf zur 2. Adresse. Hier sieht es mehr nach Autofriedhof aus. Der Typ ist mir nicht koscher. Mein Bauchgefühl schlägt Alarm. Weit und breit nur alte Autos aber keine Camper zu sehen. Der Preis 20 Euro. Ich winke ab und dreh um. Tor geschlossen. Ich lass mal lieber den Helm auf, man weiß ja nie. Er öffnet das Tor und ich mach mich schnellstmöglich auf und davon, zur 3. Adresse.
    Eisenpforte geschlossen. Beim Umdrehen sehe ich ein Auto den Hof verlassen. Und ja, einen Stellplatz für uns. Für 6 Euro gibt es sogar nur kaltes Wasser. Zum Glück hat man sich zu Hause abgehärtet, nach dem Duschen weiß ich, das ist zu lange her. Es ist Wochenende. Und der Platz gut gefüllt inklusive Musik aus allen Ecken. Gute Nacht Oropax.
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  • Sonntag

    December 11, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 23 °C

    Es ist Sonntag. Zuhause in Deutschland wird die dritte Adventskerze angezündet. Eine auch für mich. Danke. So fern die Heimat ist, so weit weg fühlt es sich hier nach Advent oder Weihnachten an. Man findet hier kaum Anzeichen. Und eigentlich könnte ich jetzt schreiben, Schönen Sonntag noch, die meisten Geschäfte haben zu und Abenteuer macht heute blau. Wären da nicht die kleinen Geschichten die sich erzählen lassen. Ich bin heute ziemlich früh fertig zur Abreise. Verabschiede mich von der Besitzerin, die mich fragt, wie ich geschlafen habe bei der lauten Musik. Ich sag nur ganz gut, kein Problem. Die Musik war nur so laut damit man mein Schnarchen nicht hört. Die ersten Lebenszeichen auf dem Platz klingen nach, kurz vorm Sterben und bitte gebt mir den Gnadenschuß. Selber Schuld. Nur einer klingt nach dem Barden von Asterix und Obelix. Keiner will ihn hören aber auch nicht die Kehle zudrücken. Ich halt mich auch zurück. Dann kommt Stefano Jürgen auf mich zu. Er spricht spanisch italienisch. Und paar Worte deutsch und englisch. Es kommt ein längeres Gespräch in die Gänge. Eine englisch sprechende Wochenendaushilfskraft kommt dazu. Und hilft bei der Übersetzung. Leider muss die Besitzerin sie uns wieder wegnehmen. Stefano ist die Route nach Patagonien bis Ushaia schon allein gefahren. Wir setzen uns zusammen und studieren die Karte. Dann fällt ihm ein, daß Mama übersetzen könnte, schließlich ist Opa, der noch lebt, deutscher Einwanderer. Mama ist Deutsche und Papa Italiener. Darum Stefano Jürgen. Kurz darauf kommt er mit Mama. Sie heißt Elke. Spricht nur noch wenig deutsch. Aber wir unterhalten uns hervorragend. Papa und Stefano sind Motorradfanatiker durch und durch. Er hat vier Maschinen. Er schreibt mir auf Zettel die wichtigsten Orte zur Orientierung auf. Wo man gut zelten kann malt er ein Zelt, wo man die Fähre nehmen kann/muss ein Boot. Zum Abschied schenkt er mir eine Flasche Wasser, Schokolade und ne Dose Bier. Er gibt mir seine Nummer. Und wir verabschieden uns herzlich. Meine Handies sind down, müssen während der Fahrt erstmal geladen werden. Erstes Ziel ist Llico. Dort soll ich unbedingt hin, es gibt dort leckeren Fisch. Mittlerweile sind 2,5 Stunden vergangen. Die Aushilfskraft möchte mich noch gerne einmal fotografieren. Dann den Ort in Maps eingeben. Starten. Blöd nur das ich nicht genau hinschaue welche Route er vorschlägt. Er führt mich über Autobahnen. Manchmal bricht das Signal ab und wieder verfahren. Die Strecke ist so interessant wie Faultiere in Slow Motion. Nur kurz vor Llico wird es schön. Angekommen parke ich Blue direkt am Hafen. Ein kleiner Ort aber die Straße ist zugeparkt. Jetzt weiß ich auch warum. Der Fisch wird fangfrisch serviert. Also rein in ein Restaurant. Ich nehm frittierten Fisch. Echt lecker. Noch ein Kaffee und Blue immer im Blick. Leider wird meine Karte nicht akzeptiert und mein letztes Bargeld geht dahin. Boah schon fast 18.00 Uhr, noch keine Unterkunft und kein Bargeld mehr. Das wird mal wieder heikel. Ich sitz schon auf Blue als plötzlich 2 Mädels vom Restaurant neben mir stehen. Sie hält mir ihr Handy mit geöffneter Übersetzerapp entgegen, da steht: Damit du den Weg wieder zu diesem Ort findest. Und schenken mir einen Schlüsselanhänger mit Herz. Ich bin gerührt. Hupend und winkend fahr ich am Restaurant vorbei. Der nächstliegende Campingplatz wird angesteuert, ist zwar wieder zurück aber kürzer. Im Ort gibt es auch einen Bankautomaten. Jetzt zum Platz.
    Völlig abgelegen einer befestigten Sandstraße entlang. Kurz vorm Ziel seh ich einen Platz mit Menschen und spielenden Kindern und vielen Autos. Sieht aus wie Campingplatz. Ist laut Maps aber noch etwas weiter. Dort angekommen sieht es wenig einladend und nicht nach Csmping aus. Nur ein verschlossenes Tor. Also zurück zu Trubel und Heiterkeit. Ich frag ob man hier zelten kann, ja 3 Euro. Heiß Duschen? Nein, da ist ein Rio.
    Dies ist ein kleiner Badestrand an einem Fluß mit klarem Wasser. Toiletten und Waschgelegenheiten gibt es aber. Auch gut. Dafür bekomme ich heißes Wasser für meinen Kaffee und mach noch etwas Smalltalk mit dem Besitzer. Jubel und Trubel sind alle nach Hause gefahren und ich bin der einzige Camper hier. Zur Abwechslung gibt es außer rauschendes Wasser auch Froschgequake. Und ein Schmutzbier. Eigentlich ist nichts passiert, schließlich ist Sonntag. Schönen 3. Advent für euch alle daheim.
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  • Sprechen Sie deutsch?

    December 12, 2022 in Chile ⋅ ⛅ 20 °C

    Die morgendliche Routine wurde diesmal erleichtert als der Besitzer mich rief, damit ich heißes Wasser für meinen Kaffee bekam. Beim rangieren von Blue hatte sich ein Zurrgurt im Hinterrad verfangen. Erinnerung an Rafael wurden wach, nur hier war das Problem einfacher zu lösen. Handshake zum Abschied. Er drückte mir noch 2 Walnüsse in die Hand. Spontan denkt man an die "3 Nüsse für Aschenbrödel". Na schauen wir mal. Der Weg führt uns nach Arauco. Handykarte aufladen. Ziel ist Lebu. Der Weg über die Autobahn ist kürzer aber halt auch Todlangweilig. Dann doch lieber Umweg und die Ruta Originale. Auch in Chile geht man mit der Zeit und hat Windkrafträder. Der Umweg macht Spaß, Kurven und schöne Aussichten. Bei der Zufahrt zur Stadt über eine Brücke fallen einem sofort hunderte von Fischkutter
    in die Augen. So schön und bunt, dass ein Abstecher zum halten und fotografieren einfach ein Muss ist. Und dann, dort unter der Brücke. Eine Gruppe Seelöwen. Volltreffer. Bei der Durchfahrt durch diese kleine Stadt entdecke ich einen Supermarkt mit bewachten Parkplatz. Die günstige Gelegenheit muss genutzt werden. Dem Wächter paar Pesos in die Hand gedrückt damit er ein besonderes Augenmerk auf Blue und Gepäck hat. Ich wusste, er würde jetzt sein Leben dafür geben um Blue zu beschützen und ich konnte entspannt und in Ruhe einkaufen. Nach dem Einkauf lebte der Wächter noch und Blue war wohlbehalten.
    Nächstes Ziel Contulmo. Auf dem Weg dorthin brauch ich unbedingt einen Kaffee. In den letzten Tagen war ich der Polizei entkommen oder bei Kontrollen durchgewunken worden. Doch jetzt hier, vor dem Kaffee kam ein uniformierter Polizist auf mich zu. Zivilauto. Schaut auf mein Kennzeichen und wir kommen ins "Gespräch". Er war auch schon in Patagonien gewesen und zeigt mir Bilder vom Parque Patagonia. Und Freunden aus London. Er geht ins Cafe, kommt zurück und schenkt mir sein Abzeichen welches er sich gerade vom Ärmel gezogen hat. Kurz danach folge ich ihm. Er hilft beim "übersetzen" meiner Bestellung. Und wir setzen das Gespräch fort. Ich erzähl ihm von der Frau aus Deutschland und ihrer Familie die in Cochrane lebt. Und die ich besuchen möchte. Er sagt mir, ja, da gibt es eine die auch er kennt. Name und Foto von ihr bestätigen, dass es sich um die selbe Frau handelt. Draußen vor der Tür schreibt er mir, wenn ich jemals Hilfe in Chile oder Patagonien brauche, soll ich mich melden. Er gibt mir Internetzugang und wir tauschen Telefonnummer und WhattsApp Kontakt. Zum Abschied winke ich und fahre hupend weiter. Vorbei am Lago Lanalhue. Herrliche geschwungene Kurven, Sonnenschein und Fotostopp. Ein LKW-Fahrer hupt und winkt. In Contulmo fallen einem sofort deutsche Wörter und gemalte Flaggen auf. Ich will mehr wissen. Also rein ins Touristikinformationscenter. "Sprechen Sie deutsch", ist der einzige Satz den er kennt und etwas englisch spricht er. Seine Vorfahren sind Deutsche und diese Stadt wurde von Deutschen gegründet. Aber es gibt ein Museum. OK. Werde ich mir anschauen. Leider kennt er niemanden der deutsch spricht. Schade. Noch schnell eine Flasche Wasser besorgen und Campingplatz finden. Im Laden frage ich den Besitzer ober er jemanden kennt der deutsch spricht. Nein. Auch eine alte Frau, die den Laden betritt spricht kein Deutsch. Aber die Tochter vom Besitzer englisch. Und tatsächlich, die alte Frau kennt jemanden die deutsch spricht. Ich bitte Sie, Kontakt herzustellen, vielleicht möchte Sie mich empfangen. Wir vereinbaren, dass ich morgen nochmal vorbeikomme. Auf zur Camingplstzsuche. Nach mehreren Versuchen endlich Erfolg. Stolze 15 Euro und keine funktionierende Dusche. Ich stell mein Zelt am äußersten Punkt einer kleinen Halbinsel auf. Und werde Zeuge wie eine Herde Kühe durch einen Seitenarm schwimmen. Über den Csmpingplatz und weg. Zelt steht. Waschgelegenheit mit lauwarmen Wasser und Blick auf Vogelwiese, Berge und Seitenarm. Herrlich. Als es dunkel wird kommen Autos. Ich mache lieber das Licht aus und verhalte mich ruhig. Eine Gruppe Jugendlicher macht Party und ein Teil der Gruppe campt hier auch. Na schöne Nacht auch.
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  • Wilhelm

    December 13, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 24 °C

    Am Morgen steht noch ein Zelt der abendlichen Besucher. Es entpuppt sich alles als harmlos. In der idyllischen Umgebung breche ich meine Zelte ab. Sobald die Sonne über den Berg erscheint wird es merklich wärmer. Nach kurzer Fahrt vermisse ich meine Brille. Nochmal zurück und suchen. Glück gehabt, unbeschädigt liegt sie da. Der Weg führt nochmal zum Minishop. Valentina, die Tochter des Besitzers will gerade gehen. Sie erzählt mir das Guillermo mich empfangen wird und zeigt mir den Weg dorthin auf Google Maps. Es ist nicht weit, nur welches Haus genau weiß sie nicht. Ich sehe eine alte Frau auf der Einfahrt einer der möglichen Häuser. Auch sie kann noch deutsch. Und die Vorfahren kommen aus Berlin. Sie zeigt mir das Haus von Guillermo. Ich klopfe und er öffnet. Er ist 76 und hat lange zum Zopf gebundene Haare. Er hat viel zu erzählen. Er war auch in Deutschland gewesen. Das erste Mal in den 60er. Hat die wilde Zeit mitgemacht. Deutsch hat diese Generation noch in einer deutschen Schule gelernt. Die es aber schon seit Jahrzehnte nicht mehr gibt. In dieser Gegend stammen die ersten Einwanderer aus Berlin und Umgebung. Er ist politisch engagiert und in der Pinochet Diktatur ein Verfolgter. Man erwischt ihn und er landet im Gefängnis. Durch Zufall wird der deutsche Außenminister nach einem Besuch in Buenos Aires über Santiago de Chile wegen technischer Probleme umgeleitet. Man macht ihm darauf aufmerksam, daß ein Deutscher inhaftiert ist. Und man keine Geschäfte mehr mit Chile macht wenn er nicht frei kommt. Und tatsächlich. Für 12 Millionen kauft die Bundesregierung ihn frei. Er und seine Familie wird ausgewiesen. Er arbeitet in Stuttgart und Hamburg. Nach dem Ende Pinochet kehrt er zurück. Seine beiden Töchter leben in Hamburg. Sein Sohn in der Nähe. Es ist ein kurzweiliger Nachmittag. Guillermo klingt ähnlich dem chilenischen Germo oder auf deutsch Wilhelm. Wir verabschieden uns und ich gebe ihm meine Email Adresse. Wenn ich zurückkomme soll ich ihn wieder besuchen und kann auch dort übernachten. Er gibt mir ein paar Reisetipps. Wir kommen in Tanguer an. Auf der Plaza endlich Free WiFi. Ich setz mich auf eine Bank im Schatten. Blue vor mir ein Handy neben mir das andere in der Hand. Endlich Bilder hochladen. Ein Typ setz dich dazu. Spricht von Fußball und fragt nach Geld. Ich geb ihn Kekse. Er geht. Gott sei Dank. Ich bin beschäftigt mit den Bildern. Er kommt nochmal zurück und sagt etwas zu mir und geht. Nach kurzer Zeit stell ich fest, Handy geklaut. Supergau. 3 Jugendliche in der Nähe haben ihn auch gesehen und helfen suchen. Sie begleiten mich zur Polizei. Dort ist man sehr hilfsbereit und nett. Staatsanwalt einschalten. Genehmigung zur Festnahme. Handyortung. Protokolle. Man weiß wo er wohnt. Aber er ist auf der Flucht. Spät Abends eskortiert man mich zu einer Unterkunft. Die Polizei hat diese für mich organisiert. Ich habe kaum noch Hoffnung werde aber am Vormittsg nochmal zur Polizei fahren. Adios.Read more

  • Hoffnung?

    December 14, 2022 in Chile ⋅ ⛅ 15 °C

    Es war gestern Abend spät als die Carabinieri mich zur Unterkunft eskortierten. Und kein 5 Sterne Hotel wie sie lachend meinten. Egal, Blue stand sicher im Innenhof von 3 kläffenden Dackeln zuätzlich bewacht und ich brauchte kein Zelt aufbauen. Schon auf der Bettkante war ich eingeschlafen. Man hatte sich nicht bei mir gemeldet. Wenn man den Dieb bis 7.30 Uhr nicht hatte, dann geht der Fall zur Staatssnwaltschaft und dauert Monate. Erstmal duschen, kalt versteht sich. Warmwasser gab es nicht. Um die Ecke in den Supermarkt Brötchen besorgen und was zu trinken. Schnellfrühstück. Die Polizei war zu Fuß gut zu erreichen. Der Diensthabende vom Vortag kam mit seinem Handy auf mich zu. Die Nacht war ergebnislos verlaufen. War eigentlich schon zu erwarten. Er versuchte zu trösten. Ich solle mir trotz allem.nicht den Aufenthalt ruinieren lassen. Einen weiteren Tag zu bleiben mache keinen Sinn. Die Bearbeitungszeit der Polizei sei um. Jetzt sei es Sache der Staatsanwaltschaft. Ich bekomme Bescheid. Wir verabschiedeten uns herzlich mit einer Umarmung. Mit dem letzten Funken Hoffnung ging ich nochmal zur Plaza. Natürlich war er nicht da. Das letzte Signal vom Handy ist auf FindPenguins zu sehen. Ich ging zu dem Block und befragte ein paar Leute die da leben. Natürlich umsonst. Neue SIM-Karte besorgen und in mein Ersthandy einlegen. Somit habe ich zumindest Internet in Chile. Und eine Telefoniernummer im Land. Mir bleib nichts anderes übrig als Blue zu bepacken und weiter zu reisen. Noch ne Runde mit Blue um die Plaza. Noch eine um den Block. Moment war er das? Umdrehen. Man konnte gerade noch erkennen in welches Haus er ging. Anklopfen. Er öffnet, nein das war er nicht. Sich entschuldigen und abfahren.
    Irgendwie ziellos, desillusioniert und planlos. Und kein Handyhalter mehr. Irgendwie raus aus der Stadt. Mehrere Vorschläge welche Route man nimmt und sich nicht entscheiden können. Stopp. Das funktioniert so nicht. Mach mir meinen eigenen Plan und werde Termuco, eine größere Stadt auslassen. Ich fahr ins Landesinnere Richtung Argentinien und zu den Vulkanen. Und dann in eines der Reservate. Der Kopf ist voll und die Schönheit der Natur vergessen. Nirgends angehalten um Fotos zu machen. Schnee in Deutschland? Und dann kommt er, der schneebedeckte Berg. Welch ein Anblick. Bilder machen. Campingplatz suchen. Und diesmal find ich einen mitten im Wald von LIaima, der das Wort auch verdient hat. Kochendheiße Dusche gefliest, Licht und Steckdose am Platz. WiFi, OK funktioniert nicht immer. Rauschender Wildwasserbach wie in Schweden. Der Besitzer spricht kein Englisch hat aber einen Gast aus den USA der spanisch spricht. Und der eine Urgroßmutter aus dem Schwarzwald. Also noch etwas Smalltalk. So ist der Abend versöhnlich. Dann noch WhatsApp Nachrichten von Julio und Stefano Jürgen. Und mein Polizistenfreund fragt nach dem Bild von uns. Morgen ist ein neuer Tag und neue Abenteuer warten. Die Hoffnung stirbt nie.
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  • Vulcano Extremo

    December 15, 2022 in Chile ⋅ ⛅ 26 °C

    Dieser Campingplatz und seine Ausstrahlung hatten etwas besonderes. Christian, der Besitzer, ist Fußballfan. Er mag die Deutschen. Und hofft das Argentinien verliert. Er ist ein glühender Verehrer von? Lothar Matthäus. Wie bitte? Ja, tatsächlich. Ich habe den Namen öfter gehört als wie Lothar verheiratet war. Na gut, wenn er meint. Immer wieder kommen wir ins Gespräch. Auch der amerikanische Gast kommt dazu. 2 KM weiter gibt es einen Nationalpark am Fuße des Vulkans. Um dort rein zu kommen muss man online Karten bestellen. Na, mit meinem Sprachtalent kein Problem. Sekretärin Xemina oder kurz Mimi engagiert und schon klappt es. Gut das ich mein Haupthandy noch habe. Grosse Verabschiedung und auf geht es. Selfie mit der Rangerin und rein ins Spieleparadies der Schotterpisten und Vulkan. Schotterpiste die Blue und mir sowohl physisch und mental einiges abverlangt. Auch Blue kommt ins Schwitzen. Zwischen Schrittempo und 20 Km/h. Und dann diese gigantischen Bilder. Unglaublich. Ein Naturerlebnis pur. Wenn nur die Strecke nicht soviel Aufmerksamkeit abverlangt hätte. Zum Glück hat die Strecke keine wirklichen extremen Steigungen. An einem Viewpoint treffe ich eine Familie aus Groningen. Der Sohn studiert in Santiago. Und dann das Schild, 4x4 Solo und doch wieder diese extreme Steigung die in böser Erinnerung ist. Diesmal läuft es besser. Bis zu dem Punkt wo es leicht matschig ist. Aber extrem steil. Erstmal eingebuddelt. Frei machen. Blue rutscht wieder und hat keinen Halt. Hinterrad an die Böschung gedrückt. Sie steht. Und dann raus aus dem Matsch. Geschafft. Später noch eine etwas heikle Situation aber diesmal schaffen wir es. Wir kommen an einen See. Natürlich alles geschlossen. Ein Pärchen aus Neuseeland kommt auf mich zu. Sie ist in Deutschland, im Schwarzwald geboren. 8 Jahre war sie alt als die Familie nach Neuseeland zog. Auch dort wurde weiterhin deutsch gesprochen. Sie beherrscht die deutsche Sprache immer noch super. Ihr Name ist Claudia und er heißt Peter. Praktisch wenn sie den Dolmetscher zwischen Peter und mir macht. Wir sehen uns an diesem Tag noch öfter. Ab jetzt wird die Strecke einfacher aber man muss trotzdem aufpassen. Immerhin sind bis 35Km/h drin. Nun kommt wieder die Suche nach einem Campingplatz. Es gibt sogar mehrere, was aber nichts heißen muss. Deshalb am Ausgang mal die Ranger fragen, was die empfehlen. Agrocamping Kineco. OK, aber erst ins Dorf Wasser besorgen. Auf dem Weg dorthin sehe ich dieses Restaurant mit Veranda. Man kann nur anhalten und hier etwas essen.
    Forelle, Püree,scharfe Sauce, etc. Der Koch hat es drauf. Herz und Magen, was willst du mehr. So, ab ins Dorf und zurück den Campingplatz suchen. GPS-Signal mal wieder weg. Trotzdem gefunden. Aha, Agro. Alles klar. Campen auf dem Bauernhof zwischen Hühnern, Enten, Ziegen, Schafen und Hunden,... wahrscheinlich klebt nachher alles an Stiefel und Zelt. Von wegen. Nichts zu finden. Rein gar nichts. Bänke und Tische alles sauber. Boden, rein gar nichts. Heiße Dusche. Sie heißt Ingrid und der Sohn Maximilio. Genauso wie ihr deutsch klingender Name ist hier die Reinlichkeit. 5 Sterne plus Extrastern. Ich bekomme eine Thermoskanne heißes Wasser für meinen Kaffee und wlanzugang über ihr handy. Alle Tiere im Stall. Heute ist ein perfekter Tag der jetzt zu Ende geht. Buenos noches.
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  • Thermalbad unter Sternen

    December 16, 2022 in Chile ⋅ ⛅ 28 °C

    Der Campingplatz war eine gute Wahl. Sie verkaufte auch Brot und Eier. Da die Zubereitung bzw Transport von Eiern aufwendiger ist, fragte ich Sie, ob ich die Eier auch gebraten bekommen könnte. Es ging. Ich bekam auch heißes Wasser für meinen Kaffee und die Gelegenheit meine Wäsche zu waschen. Trocknen geht bei dem Wetter sehr schnell. Zwischenzeitlich hatte sich eine Schar Kinder eingefunden die sich jetzt hier austobten. Zeit zu gehen. Erstes Ziel der Lago Carbugua. Runter von der Hauptstraße und den Rest nur Schotterpiste. Meist stehend. Die Straße ist sehr Kurvenreich und dann wieder sehr eng. Kaum eine Möglichkeit anzuhalten und Bilder zu machen. Dann wieder Rüttel- ud Schüttelpiste. Hier fuhren Autos und Trucks. Durch Puerto Rico, vorbei an Ostfriesland mit ihren Kühen und Richtung Thermalbäder. Der Weg dorthin wurde noch anspruchsvoller. Wieder steile Hänge und tiefe Furchen. War das überhaupt noch der richtige Weg? Zweifel. Anhalten und gucken. Hier fährt doch kein Mensch, oder? Wenn man soweit gefahren ist, dann sind es noch 300 m und man ist da. Ebenfalls waren auch Claudia und Peter da. Erstmal rein ins Naturbad. Herrlich. Und ich konnte mich auf deutsch unterhalten. Die beide luden mich zum Dinner ein weil sie Erfahrung haben, wie es ist mit dem Motorrad zu reisen. Dann nochmal ins Thermalbad. Hier gib es zwei. Stundenlang im Wasser ohne dass das Wasser kalt wird. Die Dunkelheit bricht herein. Die Umgebung ist schemenhaft zu erkennen und sternenklarer Himmel. Büchse Bier und sich unterhalten. Welch ein Ausklang für diesen Tag der schon so gut gestartet war.Read more

  • Jump

    December 17, 2022 in Chile ⋅ ☀️ 22 °C

    Heute morgen legt sich der Nebel wie ein Bleimantel über die Berge. Die Sonne hat zunächst keine Chance. Claudia und Peter sind schon in der Therme als ich aufstehe. Ich beginne zu packen. Das Zelt muss warten bis die Sonne endlich durchkommt, um es zu Trocknen. Peter ist so freundlich und kocht mir Wasser mit für meinen Kaffee. Wir hatten über Neuseeland und Australien gesprochen und wie schön es dort ist. Und über Anzünder. Und wie schwer es war ein Feuerzeug zu bekommen. Also Abschiedsgeschenk ein Paket Sturmstreichhölzer die ich dabei habe. Im Gegenzug erhalte ich ein Kiwi Schlüsselanhänger. Und eine Einladung, sollte ich je nach Neuseeland kommen. Und dies sei nicht nur daher gesagt. Sollte es je ein Worldtravel Update geben, Neuseeland kommt mit auf die Karte.
    Telefonnummer und emailadressen getauscht und ich verabschiede die beiden bevor auch Blue bereit ist zum Start. Zurück auf die Holperschotterpiste. Wir sehen Gauchos die nicht fotografiert werden möchten. Mal laufen Kühe, Schafe, Hühner oder Pferd über die Straße. Zwischenzeitlich mache ich Platz für mehrere Autos die sich angesammelt haben. Darunter auch ein Grün-weißes. Im nächsten Dorf grüß ich ihn freundlich. Kurz danach heult seine Sirene kurz auf. Er möchte vorbei. Noch mal kurz die Sirene und er bedankt sich. Grün-weißes beunruhigt mich nun nicht mehr. Endlich hat die Piste ein Ende. Im nächsten Dorf ist die Gelegenheit zum Einkauf. Blue direkt am Eingang auf der Straße geparkt. So habe ich sie im Auge. Ein Straßenverkäufer mit großem Topf steht daneben. Also rein und Schnellshopping. Es ist Wochende, ich gönn mir ein Six-Pack. Als ich wieder rauskomme und alles verstauen will spricht der Straßenverkäufer mich auf deutsch an. In einem super deutsch. Jorge sein Name. Hat jahrelang in Neuss gelebt. Galabau gemacht. War auch selbstständig. Seine Töchter leben in Köln und Bonn und können nicht verstehen, daß er zurück nach Chile gegangen ist. Hier ist er daheim. Hat ein Grundstück gekauft und macht alles im ökologischen Sinne. Er verkauft seine Erfrischung und Kräuter und baut sein Haus für Tourisren im Ökostil. Nicht einfach in Chile. Und er wird gerade Opa. Er gibt mir ein Tipp in Pucon für einen Campingplatz. Ruft dort an und gibt mir die Adresse. Ein Freund von ihm.
    Es ist noch früher Nachmittag im Land der Vulkane. Und dann seh ich ihn. Ein noch rauchener Vulkan. Zuletzt 2019 aktiv. Weiter geht es zu den cascada El Claro. Ein mühsamer und mal wieder anstrengender Schotterweg. Endlich geschafft. Für den Aufwand erwarte ich jetzt aber einiges. Zunächst erwartet die Dame am Eingang 3000 Pesos. OK. Dafür aber bitte Gepäck im Auge behalten. Klauen wird man Blue nicht. Da bin ich mir sicher. In voller Montur einmal links herum. Die Konditionsverbesserung ist merkbar. Und tatsächlich. Da springt doch einer von den Klippen. Genau im richtigen Augenblick den Auslöser gedrückt. Genau wie seine Freundin, die die Szenerie aus nächster Nähe fotografiert. Respekt. Ich spring nicht ich geh zurück. Zurück zum Parkplatz. Eine Tasche steht noch bei der Dame vom Eintritt. Und dann seh ich ihn. Ich kann nicht anders. Ihr Mann kommt dazu. Ich dräng beide ins Wohnzimmer und dann KNIPPS. Ich wünsch euch einen schönen 4. Advent. Jetzt aber zum Campingplatz. Jorge hat nicht zuviel versprochen. Alles sauber. Eine Putzfrau macht gerade die Waschräume als ich duschen will. Gut, dann erst mal in den Pool. Der Besitzer kommt nochmal vorbei und bringt mir Licht. Kühlschrank für mein Bier gibt es auch. Prost und gute Nacht.
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  • 1000x kein GPS Signal

    December 18, 2022 in Chile ⋅ ☁️ 21 °C

    Wieder ein Morgen wo die Sonne auf sich warten ließ. Dafür kein Nebel und kein feuchtes Zelt. Der Zeltplatz hatte sogar ein Wasserkocher für meinen Morgenkaffee. Den gröbsten Staub aus dem Anzug gebürstet, schließlich ist Sonntag. Vom Besitzer verabschiedet und los geht's. Keine Schotterpisten heute. Nur die Orte Pucon und Villarrica wollte ich mir anschauen. 2 Touristikorte pur. Alles auf Tourismus getrimmt. Von Nobel bis Durchschnitt. Alles ist vertreten. Auch die Gebäude sind teilweise extravagant. Es besteht kein Unterschied zu Europa. Unternehmungen für Vulkanbesuche um in den brodelnden Schlund zu gucken. Reiten, Rafting, etc. Alles ist hier buchbar und wird von hier gestartet. In einem Reiseführer fand sich der Bericht von einem kleinen etwas abgelegenen Restaurant namens Ecole für Veggies und Hippies. Den wollte ich besuchen und eine Kleinigkeit genießen. Auf den Weg durch die Stadt ertönte nur in einem "Gartencafe" laute Begeisterung als Argentinien das 1:0 schoß. Ansonsten war von WM-Fieber keine Spur. Das Ecole war wirklich urig und gemütlich. Von innen hatte ich Blue im Blick. Perfekt. In einem Nebenraum sah es aus wie bei einem Buffet. Täuschte, es gab keines. Brot mit Eier auf Avocado, Fitmacherdrink und Kaffee bestellt. Mir das Restaurant von innen näher angeschaut. Eine Dame sprach mich an und zeigte mir was es mit dem Nebenraum auf sich hatte. Heute war eine Art Basar mit Schmuckstücke und weiteres. Bei genauerer Betrachtung war ich der einzige Hombre unter den ganzen Frauen. Das muss verewigt werden. Kellner geholt Kamera in die Hand gedrückt und es wurden immer mehr Frauen die mit aufs Bild wollten. Und die Stimmung wie bei einer La Ola Welle. Wahrscheinlich besser als im Endspiel. Völlig verrückt. Erstmal meine Bestellung genießen, von allen verabschieden und auf nach Villarrica. Mit Karte bezahlt, Stimmung und Spaß unbezahlbar. Ich bekomme gerade noch mit, es steht 2:2. Das Hinweisschild mit der Aufschrift "Das Dorf" zog seine Aufmersamkeit auf mich. Ich wollte es näher wissen. Ðas Schild, Privatgelände, kein Zugang wurde mangels Sprachkenntnisse ignoriert. Wunderschön und beste Lage. Und Überraschung, der junge Mann an der Rezeption sprach deutsch. Deutsche Auswanderer hatten in den 60er einige Firmen gegründet. Vor 2 Jahren dies Hotel mit dem Namen "Das Dorf". Die Besitzer sind Architekten. Und der junge Mann und der Sohn des Besitzers gute Freunde aus Remscheid. Und nun lebt er hier. Also hätten wir das auch geklärt. Argentinien schießt den Siegtreffer. In Villarrica ein ähnliches Bild wie in Pucon. OK, reicht für heute. Heute mal pünktlich auf den ausgesuchten Zeltplatz. Und dann geht es los. Kein GPS Signal. Anhalten, Navigation neu starten. Bleibt hängen, verfahren. Zeltplatz liegt direkt an einer Mautstraße. Kein Problem von der Autobahn in eine unscheinbare Nebenstraße abzubiegen. Nur mit und ohne funktionierendes Navi eine Katastrophe. Endlich gefunden. Doch wo ist denn nun Camping, nichts zu sehen. Die Leuten zeigen mir an, hier ist nichts mit Camping. Kann doch nicht wahr sein. Wollen die mich reinlegen? Ich winke dem Auto zu welches aus der Richtung kommt. Das Pärchen hält an. Zusammen machen wir uns kundig. Der Besitzer ist schwer krank. Die Nachbarn wollen Platz schaffen, damit ich bei denen mein Zelt aufstellen kann. Ist nett aber ich möchte lieber einen Campingplatz mit Dusche. Es gibt noch einen. Ca. 20 KM. Ist zwar doof ohne GPS aber was solls. Das Pärchen bietet mir an mich dorthin zu führen. Tatsächlich, sie bringen mich bis zum Campingplatz. Wieder doof, dort ist keiner. Nicht zu fassen. Ich beschließ noch 45 min weiter zu fahren bis zur Küste nach Valdivia. Dort wollte ich erst morgen hin. Es geht immer nur die Straße entlang. Und hoffentlich ist dann wieder GPS Empfang. Ich habe Kopfhörer im Ohr und kann die Ansage nicht mehr hören. Erstmal verabschieden wir uns mit Umarmung und Selfie. Und es wird allmählich dunkel. Das möchte ich unbedingt vermeiden im Dunkeln fahren und suchen müssen. Teilweise Naviansage meistens aber immer noch kein Signal. Straße gefunden. Aber kein richtiges Schild oder Hinweis. Nachbarn fragen. Und dann endlich auf den Platz. Dusche mit heiß Wasser. Alles sauber. Hier kann man bleiben bis morgen. Adios.Read more

  • Blue dreht durch

    December 19, 2022 in Chile ⋅ ☁️ 23 °C

    Ja, ich geb es zu. Eines der ersten Dinge am frühen Morgen ist der Griff zum Handy. Nicht nur wegen der Uhrzeit. Ich schaue tatsächlich ob jemand meinen Blog gelesen hat. An diesem Morgen bin ich danach gleich wieder eingeschlafen. Die Sonne scheint schon jetzt kräftig auf meinen Stellplatz. Kein Nebel. Sonne pur. Ich fange an mein Zelt abzubauen und beschließe dann kurzfristig einen weiteren Tag zu bleiben. Blue, Material und Mensch brauchen eine Auszeit. Alles mal den ganzen Tag durchlüften. Völlig entspannt sein. Und später in die Stadt. Während ich noch im "Bad" bin, kommt die Besitzerin vorbei und ist auf dem Weg zur Nachbarin. Sie fragt nach meinen Namen und sagt sie heißt Angelika. Auf dem Rückweg hat sie einen Teller mit 2 Stücke großen Kuchen in der Hand. Mit der charmanten Behauptung, der sehe gut und lecker aus, verließ Sie mich mit nur noch einem Stück Kuchen. Zitronenkuchen. Wirklich lecker. Auf dem Platz sind auch noch Mary und Jacques. Sie kommen aus Kanada. Mit einem riesen Gespann. Den Aufliegercamper haben sie aus Antwerpen. Und sind damit durch ganz Europa gereist. Nun waren sie in Patagonien gewesen, aber zu der Zeit war es zu kalt. Sie lieben sich noch wie am ersten Tag, zumindestens den Geräuschen nach, die am späteren Abend aus dem Camperwagen zu vernehmen war. Torsten hat sich gemeldet. Er hatte einen Unfall und sich eine Rippe gebrochen. Nun sei er erstmal ein paar Tage außer Gefecht. Blue und ich machen uns mit leichtem Gepäck auf in die Stadt. Bereits gestern zeigten sich die ersten Anzeichen, daß etwas nicht in Ordnung ist. Sie wollte nicht mehr richtig beschleunigen und drehte kurzzeitig hoch. Das Problem ließ sich auch nicht über Nacht "heilen". Im Gegenteil, es wurde häufiger und schlimmer, dass sie "durchdreht". Mist. Kupplungsschaden schießt mir durch den Kopf, kann doch nicht sein. Ist doch erst gemacht worden. Und ausgerechnet hier. Super. Noch ist sie fahrbar. Aber das ist kein Dauerzustand. Was nun? Kaum gedacht. Da seh ich zum ersten Mal auf dieser Reise dieses Schild. HONDA. Motorräder. Verkauf und Reparatur. Enrique Schmidt. Klingt deutsch. Ist er aber nicht. Kann er aber noch etwas. Er war auf einer deutschen Schule die es hier gibt mit deutschen Lehrern. Er mag Deutschland und Rammstein. Bingo. Wir verabreden uns für den Nachmittag zur Probefahrt. Die Suche nach einen Bankautomat mit kaum funktionierenden GPS gestaltet sich mal wieder zum größten Ärgernis. Als ich den gefunden habe. Ist es auch schon Zeit zu Enrique zu fahren. Ja, es ist die Kupplung. Aber, sie lässt sich noch einstellen. Super, sie läuft wieder wie gehabt. Er ist selbst überrascht, dass er sogar Ersatzeile hat. Honda hat ein Modell mit baugleicher Kupplung. Ab jetzt ist er mein Generalmanager für Ersatzteile und Reifen in Chile. Ich verzichte zunächst darauf die Teile zu tauschen. Sollte das Problem wieder auftauchen, dann weiß man was zu tun ist. Er gibt mir Ersatzteilnummer und Kontaktdaten. Auch Ersatzreifen sei kein Problem für meine Blue meint er. Er hat sogar welche da. Nur außergewöhnliche Reifen sind schwieriger zu besorgen. Hört sich gut und beruhigend an. Hat sich gelohnt der Ruhetag. Noch ein bißchen Sightseeing. Aber die Stadt ist zu voll. Stopp an Go. Ich fahr zurück zum Platz. Vorher schnalle ich mir noch nen Riesenburger auf meine Alutasche. Zurück auf dem Platz lerne ich Baptiste aus Straßburg kennen. Auch er reist allein Richtung Süden. Gute Nacht.Read more

  • Dragon Blue

    December 20, 2022 in Chile ⋅ ⛅ 20 °C

    Keine weiteren aussergewöhnlichen Geräusche in dieser Nacht. An diesem Morgen ist nur ein leichtes prasseln zu hören. Regen. Da das Zelt geschützt steht, wird es kaum nass. Nach ca. einer halben Stunde ist es vorbei. Dafür steht Blue bedröppelt in der Gegend rum und bekommt eine Katzenwäsche verpasst. Die Sachen werden verstaut und gepackt. Abschiedsselfie mit Besitzerin. Smalltalk mit 2 Backpacker aus Santiago. Sie geben mir noch einen Tipp für einen sehenswerten Nationalpark mit Basecamp zum Wandern. Dort wird auch auf das Gepäck aufgepasst. Klingt gut. Baptiste bleibt noch in Vidalvia und ich reise weiter. Es tröpfelt leicht. Nichts dramatisches. Nochmals in die Stadt. Tanken und Handykarte aufladen. Ich hab kein Internet mehr. Tanken kein Problem. Ich teste das 93er Benzin. Die Benzinversorgung wird anderswo schlechter werden. Also mal leicht antesten. Laut Enrique kann Blue das vertragen. Passende Farmacia finden wo man auch parken kann, ist schon ein Problem. Der Regen wird stärker. Der Feuchtigkeitsgehalt der einzelnen Tropfen steigt expotential an. Keine Gelegenheit sich unterstellen zu können. Es hört nicht auf zu regnen. Erstmal raus aus der Stadt. Blöd nur wenn das GPS dauernd verschwindet. Welche Richtung denn nun. Und es regnet. Endlich der richtige Weg. Überzieherhandschuhe und Gummihandschuhe sind unerreichbar in den Tiefen von Alutasche und Gepäcktasche. Nun ist eh zu spät. Hört bestimmt bald auf. Die Motorradkombi und die Taschen müssen eh auf Wetterfestigkeit getestet werden. Und alles ist trübe und neblig wie in einer Waschküche. Die Handschuhe eh schon klitschnass. Der Test findet unter irregulären Bedingungen statt. Alle Belüftungsöffnungen der Kombi sind noch komplett geöffnet. Und Wasser nimmt den kürzesten Weg zum Körper. Nach 41 KM wird der Regen wärmer. Im Gegenverkehr zieht sich ein Motorradfahrer soeben ne Regenkomi an. Also muss bald Schluss sein. Tatsächlich. Sonnenschein. Bei der nächsten Raststätte angehalten. Erstmal nen Kaffee. Das Essen sieht auch richtig gut aus. Es gibt nur 2 Gerichte. Ich nehm das, was sich nach Mongolisches Fleisch anhört. Richtig gut zubereitet. WiFi auch vorhanden. Erstmal meine Bloggeschichte hochladen. Die Finger lassen sich auch wieder komplett bewegen. Es kann also weitergehen.
    Ich hatte von einem Thermalbad an einem See gelesen. Zwischendurch in die nächste Stadt. Muss noch immer meine Karte aufladen. Endlich. Cruz Verde heißt die grüne Farmacia. Blue im Blick und aufgeladen. Es geht weiter. Als wild um sich geschossen wird. Wie ein wild gewordener Drache faucht Blue durch die Gegend. Erinnert an ein knatterndes Moped in Kambodscha. Und hört nicht auf. Nur nicht ausgehen, mitten in der Stadt. Sie läuft noch. Da, das großes Shell Zeichen. Nachtanken. Das 97er Premium. Hoffentlich springt sie wieder an. Als ob nichts gewesen wäre läuft sie im ruhigen Ton. Ich habe den Verdacht, sie will sich wegen heute morgen rächen. Dennoch, seitdem klingt sie beim Fahren nicht mehr so rau. Hmmm, vielleicht doch Halsschmerzen gehabt.
    Weiter geht es. Die Thermalbäder entpuppen sich als große Touristensanziehungspunkte. Hotels, Spa, Wellness. Nicht das Naturthermalbad wie beim letzten Mal. Grau und leicht tröpfelnd ist es auch. Nein, weg hier. Zurück. Unterwegs hatte ich ein Campingplatz gesehen. Heiß Wasser, saubere Duschanlage und am See. Nehm ich. Bis morgen.
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  • DÖF

    December 21, 2022 in Chile ⋅ ⛅ 20 °C

    Auf diesem Zeltplatz ist auch noch Ruben und seine Freundin. Backpacker aus Santiago. Wir hatten uns am Vorabend begrüßt und vorgestellt. Unsere Stellplätze sind direkt nebeneinander. Am nächsten Morgen kommt er zu mir. Überreicht mir 2 Müsliriegel als Geschenk. Er zeigt mir Bilder davon, dass es doch einen freien Zugang zu einen der Thermen gibt. Und auch Wanderwege. Einen überwachten Parkplatz und ich solle an genügend Wasser denken. Zusätzlich gibt er mir seine Wanderkarte. Beide reisen morgen zurück und gehen heute nochmal wandern. Wir umarmen uns beim Abschied und wünschen uns alles Gute. Ich brauch noch eine Weile und fahre dann auch los. Als ich die Hauptstraße erreiche, stehen beide noch da. Ein Bus kommt. Noch einmal kräftig winken und weiter geht's. Bevor ich zu den Thermen fahre muss ich erst noch ins nächste Dorf. Sicherheitshalber nochmal Tanken. Angeblich nur noch 93er Benzin. Bunkern alle wegen Weihnachten? Mehr als voll geht nicht. Einkaufen. Ich parke Blue fast direkt in der Eingangstür. Immer schön im Auge behalten. Wieder draußen kommt ein älterer Herr auf mich zu. Er hatte auch eine Honda. Als ich ihm Blues Baujahr verrate, schaut er respektvoll und gratuliert mir. Danke schön. Er fragt wohin ich will. Und zeigt mir auf der Karte einige schöne Orte und kurvige Strecken. Und wo es uninteressant ist. OK. Planänderung. Nix Thermen wir fahren um den Lago Llanquihue. Auf dem Weg dorthin fahren bleiben wir hinter einen LKW. Als dieser nach dem Abbiegen anhält, aussteigt und auf mich zu kommt. Er zeigt mir an, dass mein Scheinwerfer nicht funktioniert und man dafür einen Strafzettel bekommt. Glück gehabt, kurz vorher kamen uns die Grün- Weißen entgegen. Scheinwerferbirne kaputt? OK, hab ja Ersatz dabei. Nicht nötig, Lichtschalter war auf aus. Blue hat manchmal Flausen im Hubraumkeller. Entweder muss der Leerlauf drin sein, oder Seitenständer eingeklappt oder halt das Licht komplett ausgeschaltet. Verstehe einer die Damenwelt. Vorbei geht es an Windmühlennachbildungen. Deren Bedeutung erfahre ich später. Zwischenzeitlich fällt auf, hier ist bereits Nordpatagonien. Ankunft in Puerto Octay. Ein kleiner, bildhübscher und gemütlicher Ort. Auch hier sind Spuren der deutschen Einwanderer zu finden. Vor dem Fenster eines urigen Cafes bekommt Blue ihren Stellplatz auf dem Gehweg. Ein Grün- Weißer stellt sich hinter Blue. Die Szene ist etwas beunruhigend. Ein Polizist kommt in das Café. Nein, er will nicht zu mir nur zu einer Angestellten. Ich gönn mir Kuchen. Heißt auch überall hier in Chile so. Typisch deutsch übernommen. Eine Frau begutachtet Blue und sagt etwas auf spanisch. Ihre Tochter übersetzt ins Englische und wir kommen ins Gespräch. Der Bruder arbeitet in Ushaia. Mein südlichster Endpunkt in Patagonien. Vielleicht treffe ich ihn. Sicherheitshalber mal ein Bild mitnehmen. Auch von den Kellnerinnen. Weiter nach Fruttilar. Ein größerer Ort. In der Touristikinfo besorg ich mir Karten. Ein Gebäude mit Chilenisch-deutschem Flaggensymbol und Adler. Leider alles verschlossen. Dann eine deutsche Schule. Davor ein Mann. Ich spreche ihn an, aber er kann weder englisch noch deutsch. Holt aber Harold Wright. Er ist Deutschlehrer an dieser Privatschule und kann meine Fragen beantworten. Das vorherige Gebäude ist eine Schule für Technik. Der Besitzer der Einfahrt mit der Windmühle arbeitet mit einer holländischen Firma zusammen und züchtet Rosen. Von wegen Amsterdam. Mühlen haben nur aufgrund der Zusammenarbeit eine symbolischen Aussagekraft. Windenergieräder ebenfalls. Denn der Wind dreht hier zu oft. Leider muss Harold gehen. Termin. Per WhatsApp bleiben wir in Kontakt. Er ist auch Reiseleiter nach Südpatagonien. Na, passt doch. Die Fahrt geht durch den Ort Llanquihue. Was war das? Eine Feuerwehr mit deutschem Namen. Aber keiner da. Nur daneben arbeiten zwei. OK, ich frage nach dem Weg. Als er merkt dass ich Deutscher bin, zeigt er auf seinen Kollegen, der kann deutsch. Nein, kein Deutscher. Ein Ösi. Mit österreichischem Slang. Mich hauts fast von Blue. Seit 36 Jahren lebt der Heinz hier in Südamerika. Vorher in Argentinien. 9 Kinder. Aber nur 8 Enkel. Ist jetzt mit einer Chilenin verheiratet. Auf dem Rückweg soll ich mich melden. Zelten kann ich auch bei ihm und dann paar Bier trinken. So machen wirs. Deutsch-Österreichische-Freundschaft (DÖF). Durch Puerto Varas geht es weiter bis nach Ensenada. Der ausgewählte Campingplatz ist schwer zu finden. Kein Schild an der Straße. Eine Radfahrerin hilft und fährt voraus bis auf den Campingplatz. Danke. Hier plane ich mein Basecamp für Tagestouren. Doch bis dahin. Gute Nacht Deutschland.Read more