Mein erstes Mal im Stadion
29 maart 2003, Duitsland
☁️ 18 °C
Mein allererstes Spiel im Stadion stand im Jahr 2003 an: ein Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in Nürnberg. Ich war damals noch recht jung, hatte die Weltmeisterschaft 2002 aber völlig euphorisch verfolgt. Umso überraschter war ich gewesen, als ausgerechnet „Der Titan“ Oliver Kahn – den ich bis dahin für absolut unschlagbar hielt – im Finale gegen Brasilien patzte: Ausgerechnet ihm glitt in der 67. Minute ein Distanzschuss von Rivaldo aus den Händen, sodass Ronaldo zur brasilianischen Führung abstauben konnte und der WM-Traum platzte.
Mit dem Bus ging es gemeinsam mit meiner Jugendfußballmannschaft nach Nürnberg, auch mein Papa war mit von der Partie. Am Frankenstadion angekommen, flößten mir die riesigen Menschenmassen erst einmal gehörigen Respekt ein. Als wir schließlich auf unseren Plätzen im Oberrang ankamen, kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
Vom Spiel selbst blieb in meiner Erinnerung gar nicht so viel hängen, außer dass es am Ende ein etwas enttäuschendes 1:1-Unentschieden wurde. Was meine kindliche Erinnerung nicht mehr ganz parat hat, ergänzt der Blick in die Geschichtsbücher: Deutschland traf an diesem 29. März 2003 in der EM-Qualifikation auf Litauen. Nach einer frühen Führung durch Carsten Ramelow bereits in der 7. Minute verpasste es die DFB-Elf nachzulegen, ehe Tomas Ražanauskas in der 74. Minute der überraschende Ausgleich für die Gäste gelang.
Am meisten faszinierten mich damals ohnehin die riesigen, aufblasbaren Figuren, die durch die einströmende Luft wie von Zauberhand zu tanzen schienen, und die Tatsache, dass auf den Rängen immer und immer wieder die La-Ola-Welle die Runde machte – worauf ich meinen Papa auch jedes Mal ganz aufgeregt aufmerksam machte.
Zwei Anekdoten sind mir zu diesem Tag dann aber doch noch im Gedächtnis geblieben:
Aus Gründen, die mir bis heute nicht ganz klar sind, riefen die Fans auf den Rängen unermüdlich Oliver Kahns Namen, bis dieser schließlich kurz die Hand zum Gruß hob – eine echte Besonderheit, wenn man bedenkt, dass er als Bayern-Spieler im sonst so rivalisierenden Nürnberger Stadion aufgelaufen war.
Die zweite Begebenheit trug sich auf dem Busparkplatz zu: Dort liefen wir ausgerechnet der Jugendmannschaft unseres verhassten Stadtrivalen über den Weg, die offensichtlich denselben Ausflug unternommen hatte. Eigentlich kannten wir die Jungs gut aus der Schule, doch im emotionalen Fußball-Umfeld ließen wir uns spontan dazu hinreißen, ein paar lautstarke Schmähgesänge über ihren Verein anzustimmen.Meer informatie
Erstes Bayernspiel und Bremen wird Meister
8 mei 2004, Duitsland
🌧 11 °C
Mein Vater nahm mich zum ersten Mal mit zu einem Bayernspiel ins Olympiastadion.
Der Ablauf rund um dieses Spiel sollte sich für die übrige Zeit im Oly zu unserer festen Routine entwickeln. Zunächst suchten wir rund um die U-Bahn-Station Petuelring, unweit des auffälligen BMW-Gebäudes, einen Parkplatz. Von dort ging es ins ehemalige Olympische Dorf, wo es einen wirklich guten Italiener gab.
Mit Pizza gestärkt machten wir uns auf den Weg in den Olympiapark. Dort bekam ich meinen ersten Bayern-Schal, bevor es schließlich ins Stadion ging.
Zum Spiel: Es war der 32. Spieltag. Bremen stand an der Tabellenspitze und konnte mit einem Sieg in München die Meisterschaft perfekt machen. Bayern lag auf Platz zwei und hatte nur noch theoretische Chancen, selbst Meister zu werden.
So manches Mal hatten es die Bayern noch spät in einer Saison geschafft, eine scheinbar verlorene Meisterschaft zu drehen. In diesem Jahr sollte es jedoch nicht so kommen.
Bremen begann stark und ließ von Anfang an wenig Zweifel daran, dass die Mannschaft die Meisterschaft unbedingt in München perfekt machen wollte. Nach einem Fehler von Oliver Kahn gingen die Bremer in der 19. Minute durch Ivan Klasnić in Führung. In der 26. Minute erhöhte Johan Micoud auf 0:2, und Aílton machte in der 35. Minute sogar das 0:3.
Damit war der Glaube an eine Sensation bereits zur Halbzeit begraben.
In der zweiten Halbzeit ließ es Bremen etwas ruhiger angehen. So kamen die Bayern in der 56. Minute durch Roy Makaay noch zum Anschlusstreffer. Mehr sollte es allerdings nicht mehr werden.
Bremen machte die Meisterschaft ausgerechnet in München perfekt. Ich erinnere mich noch daran, dass einige Fans in der Südkurve den Bremern respektvoll applaudierten.
Und irgendwie passte das zu diesem Nachmittag: Bremen war in dieser Saison einfach besser.
Unzählige Male musste ich mir anhören, ich sei nur aufgrund des Erfolges Bayernfans geworden.
Dieses erste Stadionerlebnis entkräftet diese Anschuldigungen ein wenig. Tatsächlich sind auch Anhänger des FC Bayern leidensfähig. Ich erinnere mich dabei vor allem an die Jahre 1999 und 2012.Meer informatie
Letztes Spiel im Oly
14 mei 2005, Duitsland
☁️ 18 °C
Letzter Spieltag, Meisterfeier und letztes Spiel im Olympiastadion, 9 Tore. Das Spiel bot einiges, was es unvergessen machen sollte.
Nach dem Besuch beim Italiener im olympischen Dorf ging es zum Stadion und in die Südkurve. Das Derby gegen Nürnberg stand an. Immer wieder skandierte die Südkurve „asoziale Franken“, was ich natürlich nicht ganz so gut fand. Das altehrwürdige Oly wurde mit einem steigengelassenen Luftballon für jede bis dato gewonnene Meisterschaft verabschiedet und das neue Maskottchen Bernie wurde vorgestellt.
Das Spiel selbst begann dann wie gemalt. Bereits nach acht Minuten legte Roy Makaay für Claudio Pizarro auf, der zum 1:0 einschob. In der 24. Minute war es wieder Makaay, der vorbereitete – diesmal köpfte Michael Ballack zum 2:0 ein.
Und dann kam die große Makaay-Show. In der 31. Minute zirkelte er einen Freistoß aus knapp 30 Metern direkt in den Winkel – ein Traumtor, das später sogar zum „Tor des Monats“ gewählt wurde. Zehn Minuten später erhöhte er per Elfmeter auf 4:0.
Kurz vor der Pause wurde es endgültig zur Abschiedsparty. Sebastian Deisler traf in der 44. Minute zum 5:0. Mit diesem Ergebnis ging es in die Halbzeit – und eigentlich war damit schon alles entschieden.
Man konnte spekulieren, ob aufgrund der bereits deutlichen Halbzeitführung das ein oder andere Weißbier in der Kabine genossen wurde, denn in der 51. Minute unterlief Martín Demichelis ein Eigentor zum 5:1. Bayern ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken. In der 78. Minute stellte Deisler mit seinem zweiten Treffer den alten Abstand wieder her.
Dann wurde es plötzlich doch noch einmal kurios: Samuel Slovák verkürzte innerhalb von nur drei Minuten auf 6:2 und 6:3. Mehr ließ der FC Bayern aber nicht mehr zu.
6:3 – neun Tore zum Abschied. Ein passenderes Ergebnis hätte man sich für das letzte Bayern-Heimspiel im altehrwürdigen Olympiastadion kaum wünschen können. 63.000 Zuschauer waren dabei, und nach dem Schlusspfiff begann die große Meisterfeier. Das Mannschaftsfoto von dieser Feier sollte noch viele Jahre als Poster in meinem Kinderzimmer hängen.Meer informatie
Ein bitterer Abend in München
3 april 2008, Duitsland
🌧 6 °C
Mein erstes und einziges Spiel im UEFA Cups. Ich glaube es war auch das einzige in diesem Stadion, das ich vom Oberrang aus gesehen habe. Die Tribüne dort ist verdammt steil!
3. April 2008, Allianz Arena, München.
Es war einer dieser Europapokalabende, an denen die Erwartung in der Luft lag. Der FC Bayern empfing im Viertelfinal-Hinspiel des UEFA-Pokals den spanischen Außenseiter FC Getafe. Für die Münchner war klar: Im eigenen Stadion sollte die Grundlage für den Halbfinaleinzug gelegt werden.
Und ich war mittendrin.
Die Allianz Arena war gut gefüllt, die Stimmung entsprechend der Bedeutung der Partie angespannt und erwartungsvoll. Bayern ging als Favorit in das Duell, doch Getafe hatte sich bis ins Viertelfinale gespielt und wollte zeigen, dass die Mannschaft nicht zufällig so weit gekommen war.
Von Beginn an versuchten die Münchner, das Spiel zu kontrollieren. Mit Franck Ribéry, Miroslav Klose und Luca Toni hatte Ottmar Hitzfeld viel offensive Qualität auf dem Platz.
Getafe stand kompakt und machte es den Bayern schwer, klare Chancen herauszuspielen. Die Spanier verteidigten diszipliniert und lauerten auf Konter.
Bayern drängte, doch der erlösende Treffer wollte zunächst nicht fallen.
Nach der Pause erhöhte Bayern den Druck – und schließlich fiel das Tor.
In der 26. Minute brachte Luca Toni die Münchner mit 1:0 in Führung. Die Allianz Arena feierte den Treffer, und für einen Moment schien alles nach Plan zu laufen.
Bayern hatte die Führung, Getafe musste nun mehr riskieren.
Doch die Spanier blieben unangenehm.
Je länger die Partie dauerte, desto nervöser wurde die Stimmung. Bayern verpasste es, den entscheidenden zweiten Treffer nachzulegen.
Und dann kam die 90. Minute.
Getafe bekam noch einmal die Gelegenheit, nach vorne zu spielen. Cosmin Contra war zur Stelle und traf zum 1:1-Ausgleich.
Ein Schock für die Bayern.
Die Allianz Arena, die Sekunden zuvor noch auf den Sieg gehofft hatte, erlebte einen bitteren Moment. Der vermeintlich sichere Heimsieg war in letzter Sekunde dahin.
Ein Unentschieden mit Folgen
Das 1:1 fühlte sich für Bayern wie eine Niederlage an. Zu Hause hatte man gegen den vermeintlich schwächeren Gegner nicht die erhoffte Ausgangslage für das Rückspiel geschaffen.
Doch niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, was eine Woche später in Spanien passieren würde.
Denn das Rückspiel in Getafe sollte zu einem der spektakulärsten Europapokalspiele in der Geschichte des FC Bayern werden.
Nach 90 Minuten stand es dort 1:1, in der Verlängerung führte Getafe sogar 3:1. Und dann kam Luca Toni.
Mit zwei späten Toren rettete der Italiener Bayern zum 3:3 und damit aufgrund der Auswärtstorregel ins Halbfinale.Meer informatie
Spielabbruch in Nürnberg
11–20 aug. 2008, Duitsland
☁️ 23 °C
Ich schloss mich spontan meinem Kumpel an, um ihn zum Bundesliga-Heimspiel des 1. FC Nürnberg gegen den VfL Wolfsburg zu begleiten. Was als ganz gewöhnlicher Stadionbesuch am Freitagabend begann, sollte recht schnell in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs eingehen.
Zunächst lief für den Club alles nach Plan: Ivan Saenko erzielte in der 35. Minute die verdiente 1:0-Führung, und die Stimmung im easyCredit-Stadion war bestens. Doch rund um die Halbzeitpause zogen über Nürnberg dunkle Wolken auf, und es entlud sich ein Platzregen von wahrlich biblischem Ausmaß. Der Rasen verwandelte sich innerhalb von Minuten in eine Seenlandschaft. Schiedsrichter Jochen Drees schickte die Teams zwar noch einmal für ein paar Minuten auf den Platz, stellte das Ballrollen aber schnell wieder ein: Nach 57 Minuten folgte der unvermeidliche Pfiff – der allererste Spielabbruch der Bundesliga-Geschichte aufgrund von Unbespielbarkeit des Rasens durch Regen!
Beim Verlassen der Tribüne machten wir noch eine glückliche Entdeckung: Auf der Tribüne entdeckten wir eine herrenlose Eintrittskarte. Da die Tickets ihre Gültigkeit für die Neuansetzung behielten, bedeutete dieser Fund für uns ein Gratis-Ticket, um beim Wiederholungsspiel noch jemanden mitzunehmen.
Knapp eine Woche später stieg das Nachholspiel. Wie im Regelwerk vorgeschrieben, startete die Partie komplett von vorn beim Stand von 0:0 – das gestrichene Saenko-Tor war nur noch eine Anekdote für Fußballexperten. Die Frankennacht hielt jedoch ihr Happy End bereit: In der 79. Minute stieg Sturmtank Jan Koller nach einer Pinola-Flanke am höchsten und köpfte den Club zum umjubelten 1:0-Sieg. So holte sich der FCN die drei Punkte einfach im zweiten Anlauf – und wir hatten dank des Nürnberger Wolkenbruchs eine unvergessliche Anekdote samt Bonus-Mitfahrer im Gepäck.Meer informatie
Deutschland gegen Belgien
20 augustus 2008, Duitsland
☁️ 26 °C
Das war das erste Länderspiel nach der EM 2008, bei der Deutschland im Finale Spanien unterlag.
Bastian Schweinsteiger (60.) und Marko Marin (77.) sorgten für den 2:0-Sieg in Nürnberg.
„Schlag!“ – Das Last-Minute-Tor gegen Hoffenheim
5 december 2008, Duitsland
☁️ 5 °C
Es war mehr als nur ein Fußballspiel. Als die TSG 1899 Hoffenheim am 5. Dezember 2008 zum ersten Mal in einem Bundesliga-Pflichtspiel beim FC Bayern München antrat, war die Rollenverteilung plötzlich eine andere als erwartet.
Der Aufsteiger aus dem Kraichgau stand sensationell an der Tabellenspitze, während der deutsche Rekordmeister mit drei Punkten Rückstand auf Platz zwei lag. Der überraschende Erfolg hatte Symphatien auch weit über die Grenzen des Kraichgaus geweckt und so bemerkte ich argwöhnisch, dass so mancher in meinem Freundeskreis nun ein Hoffenheim-Wappen als Handybild hatte und sogar in meiner fränkischen Heimat jetzt ein einheimisches Auto mit diesem Wappen auf der Motorhaube durch die Stadt fuhr.
Ausgerechnet Hoffenheim, erst wenige Monate zuvor in die Bundesliga aufgestiegen, kam als Spitzenreiter in die ausverkaufte Allianz Arena. 69.000 Zuschauer wollten miterleben, ob der Underdog auch in München bestehen konnte.
Die Brisanz des Duells war auch abseits des Platzes zu spüren. Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte bei der Jahreshauptversammlung mit einer Spitze gegen den jungen Klub für Aufsehen gesorgt und gefragt, wo Hoffenheim sich denn die vergangenen 100 Jahre versteckt habe.
Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick ließ sich nicht lange bitten und konterte selbstbewusst. Die Aussagen sorgten für zusätzliche Aufmerksamkeit und machten aus dem ohnehin brisanten Spitzenspiel ein Duell, bei dem es auch um Prestige und die Frage ging, ob Hoffenheim tatsächlich ein ernsthafter Konkurrent um die Herbstmeisterschaft sein konnte.
Ich denke das hilft, dieses Spiel einigermaßen einordnen zu können. In der damaligen Zeit war es ein riesen Ding! Ich muss sicher mit offenem Mund dagestanden haben, als mein Vater mich von der Schule abholte, ich mein Trikot und die Schals im Auto erblickte und er mir stolz verkündete, dass er spontan zwei Karten für das Spiel auftreiben konnte und wir jetzt sofort nach München aufbrechen würden. Ich glaube, in diesem Moment wurde im Autoradio sogar über das Spiel berichtet, aber vielleicht ist dieser Teil der Erinnerung auch nur Wunschglauben.
In der Arena angekommen stellten wir uns in die gewohnte Ecke in der Nordkurve, angrenzend an die Gegengerade. Die Stimmung wurde schließlich genauso intensiv wie erwartet.
Von Beginn an entwickelte sich ein Spiel auf hohem Niveau. Hoffenheim versteckte sich keineswegs und setzte die Bayern früh unter Druck. Die Gäste hatten die ersten guten Möglichkeiten, während Bayern mit Franck Ribéry und Luca Toni immer wieder gefährlich wurde.
Beide Mannschaften spielten offensiv und mit hohem Tempo. Bayern erarbeitete sich im Laufe der ersten Halbzeit ein leichtes Übergewicht, doch Hoffenheim blieb mit schnellen Gegenangriffen gefährlich. Zur Pause stand es allerdings noch 0:0.
Dann nahm das Spiel richtig Fahrt auf. Nur vier Minuten nach Wiederbeginn passierte das, womit viele in der Allianz Arena nicht gerechnet hatten: Vedad Ibišević brachte Hoffenheim in der 49. Minute mit 1:0 in Führung. Für den bosnischen Torjäger war es bereits das 18. Saisontor im 16. Spiel – eine unglaubliche Bilanz. Plötzlich war die Sensation zum Greifen nah. Überall im Stadion verteilt fielen mir jetzt vereinzelt Hoffenheimanhänger auf, die höhnisch feierten. Ich glaube, ich habe selten so viel Missgunst gefühlt, wie in diesem Moment. Dieser Emporkömmling aus der Provinz, der sich nur vom Geld eines reichen Unternehmers diesen Erfolg erkaufte! Dass der FC Bayern sicherlich auch über großzügige Sponsoren verfügte und auch ihre Fußballer nicht nur aus Liebe zum Sport so gut spielten, blendete ich dabei schlichtweg aus. Die Bayern mussten reagieren und sie reagierten schnell!
In der 60. Minute fiel der Ausgleich. Philipp Lahm, mein damaliger Lieblingsspieler, traf zum 1:1 und brachte die Münchner wieder zurück ins Spiel. Bayern drängte nun stärker auf den Sieg, doch Hoffenheim hielt leidenschaftlich dagegen.
Die Gäste waren keineswegs zufrieden damit, nur zu verteidigen. Immer wieder suchte Rangnicks Mannschaft den Weg nach vorne und brachte die Bayern in Schwierigkeiten. Lange sah es deshalb danach aus, als würde Hoffenheim zumindest einen Punkt aus München entführen.
Dann kam die Nachspielzeit. Die ersten Zuschauer machten sich bereits auf den Heimweg, als Michael Rensing im Tor der Bayern lange den Ball hielt und scheinbar fierbhaft überlegte, wohin er den Ball jetzt spielen sollte. "Schlag!" schien die gesamte Nordkurve wie aus einer Kehle zu fordern, aber wahrscheinlich war es nur mein Papa, der das lauthals neben meinem Gehörgang schrie.
Unser Schlussmann kam der Bitte nach und schlug den Ball nochmal weit nach vorne, wo die Hoffenheimer den Ball nicht richtig kontrollieren konnten, wodurch er nochmal bei Luca Toni landete. Und plötzlich lag der Ball im Hoffenheimer Tor. Die Arena explodierte!
Luca Toni war also in der zweiten Minute der Nachspielzeit zur Stelle und erzielte das viel umjubelte 2:1. Der Italiener sorgte damit für einen dramatischen Schlusspunkt und drehte das Spiel endgültig zugunsten der Bayern.
Hoffenheim hatte den großen Favoriten über weite Strecken vor erhebliche Probleme gestellt und war sogar in Führung gegangen. Am Ende aber setzte sich Bayern mit einem Last-Minute-Treffer durch. Mit dem 2:1 zog Bayern nach Punkten mit Hoffenheim gleich. Die Entscheidung um die Herbstmeisterschaft war damit auf den letzten Spieltag der Hinrunde vertagt. Dann reichte Hoffenheim aber sogar ein 0:0 gegen Schalke um doch noch Herbstmeister zu werden.
Für Hoffenheim war die Niederlage besonders bitter. Die Mannschaft von Ralf Rangnick hatte dem deutschen Meister einen großen Kampf geliefert und war dem Sieg lange Zeit sogar näher gewesen. Bayern dagegen bewies einmal mehr seine Fähigkeit, Spiele in den letzten Minuten zu entscheiden.
Es war ein denkwürdiger Abend – und rückblickend ein Symbol für eine außergewöhnliche Hinrunde des Bundesliga-Neulings.
Da sich in der Regel der Dritte freut, wenn zwei sich streiten, wurde am Ende der Saison auch weder Bayern noch Hoffenheim deutscher Meister - den Titel sicherte sich überraschend der VfL Wolfsburg, der unter Trainer Felix Magath eine unvergessliche Rückrunde spielte und von Tabellenplatz 9 auf 1 kletterte.
Bayern wurde nur Vizemeister, während Hoffenheim nach dem Kreuzbandriss von Goalgetter Ibisevic sogar nur noch 7. wurde.Meer informatie
Münchener Derby
10 april 2012, Duitsland
☁️ 10 °C
In der Schule stand ich kurz vor dem Abitur, doch in den Pausen und Unterrichtsstunden drehten sich die Gespräche mit meinem Banknachbarn fast ausschließlich um Fußball – und zu 90 Prozent natürlich um den FC Bayern. Wir stachelten uns in dieser ohnehin schon bewegten Saison gegenseitig an und waren plötzlich völlig heiß darauf, das kleine Münchner Derby der Amateure live vor Ort zu erleben.
Gesehen, getan: Wir besorgten uns ein Bayern-Ticket und stiegen gleich morgens voller Vorfreude in den Zug. Allerdings hatten wir das Kleingedruckte nicht gelesen. Der Schaffner – der es mit dem FC Bayern vermutlich ohnehin nicht sonderlich gut hielt – zeigte keinerlei Erbarmen: Da das Bayern-Ticket an Werktagen erst ab 9:00 Uhr gilt, warf er uns kurz vor neun in Markt Bibart gnadenlos aus dem Zug. Da die nächste Verbindung eine Stunde auf sich warten ließ, erkundeten wir die Weltstadt Markt Bibart und trösteten uns erst einmal mit einer dicken Scheibe Leberkäse beim örtlichen Metzger. Aus dem Takt gebracht, mussten wir anschließend auch am Nürnberger Hauptbahnhof noch eine ungeplante Stunde totkratzen, ehe es endlich in Richtung Landeshauptstadt ging.
In München angekommen, steuerten wir zuerst das Vereinsgelände an der Säbener Straße an, wo wir ein Jugendspiel gegen Hannover 96 verfolgten. Es war beeindruckend zu sehen, wie taktisch und technisch reif die Jungs in diesem Alter schon agierten – ganz zu schweigen von ihrer erstaunlich athletischen Statur. Nach und nach füllte sich das Gelände mit Fans, die sich für das Derby warmmachten, und der Münchner Szene-Rapper ABMC gab sogar ein paar Rap-Zeilen seines neusten Werkes zum Besten.
Gemeinsam ging es im Fanmarsch hinauf zum legendären Grünwalder Stadion – das in roten Kreisen natürlich traditionell und voller Respekt als „Hermann-Gerland-Kampfbahn“ bezeichnet wird. Ehe wir den Block betreten durften, mussten wir allerdings durch eine Personenkontrolle, die in ihrer Intensität eher an eine JVA als an ein Fußballspiel erinnerte.
Schließlich schafften wir es in die Westkurve. Auf der Gegentribüne sah es zu Beginn noch recht dünn besetzt aus, doch plötzlich stürmten Horden von Sechzgern zeitgleich die Ränge – wie Ratten, die aus ihren Löchern gekrochen kamen.
Das Spiel selbst erwischte aus Bayern-Sicht einen Traumstart: Bereits in der 11. Minute schlug Koray Altınay zu und besorgte das 0:1 für unsere Amateure! Die blauen Gastgeber versuchten im Anschluss alles, um das Spiel zu drehen, doch die Bayern-Reserve verteidigte das karge Ergebnis mit Mann und Maus über die verbleibenden 80 Minuten.
Nach dem Schlusspfiff feierten wir die Derbyhelden ausgelassen in der Kurve. Aus voller Kehle skandierten einige Fans den Spruch: „DERBYSIEG! Mehr wert als die Champions League!“
Dass diese Zeile nur wenige Wochen später – nach dem bitteren „Finale dahoam“ gegen den FC Chelsea – einen schrecklich faden Beigeschmack bekommen sollte, ahnte an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag im Grünwalder Stadion zum Glück noch niemand.
Auch unsere Rückfahrt mit dem Zug sollte nicht ganz ohne Zwischenfall bleiben, denn kurz bevor der Zug in München losrollte, kamen im Mittelgang noch eine Gruppe junger Münchener Löwen, die unsere roten Schals erblickten und uns anspuckten.
Als ich aufstand, um sie zur Rede zu stellen, verließen sie fluchtartig den Zug.
Ich halte ja wenig davon, ganze Gruppen von Personen aufgrund dem Tun einiger weniger zu verurteilen, aber dieser Vorfall hat meinen persönlichen Eindruck des TSV nicht gerade positiv geprägt.Meer informatie
Uffbasse hinne! – Ein Club-Spiel in Sinsheim
27 april 2013, Duitsland
🌧 19 °C
Nachdem ich für mein Studium nach Mosbach in Baden gezogen war, störte ich mich tagtäglich an der Hoffenheim-Fahne im Nachbarsgarten. Die TSG ist hier im Umland schlicht der nächstgelegene Bundesligaklub, und dass die Leute da zu diesem Plastik-Klub halten, kann ich ja irgendwo sogar nachvollziehen.
Eines Wochenendes kam mein Kumpel zu Besuch, damit wir seinen Herzensverein, den 1. FC Nürnberg, zum Auswärtsspiel nach Sinsheim begleiten konnten. Sinsheim kannte ich bis dato eigentlich nur vom Vorbeifahren auf der Autobahn, dem Auto- und Technik-Museum mit seinen imposanten Überschall-Passagierflugzeugen Concorde und Tu-144 auf dem Dach – und natürlich der bekannten Badewelt. Nun stand hier also auch eine moderne Fußballarena, wenngleich ihr, wie vielen Neubauten dieser Generation, irgendwie Seele und Charakter fehlen.
Die Verkehrsführung leitete uns auf einen Parkplatz ganz in der Nähe des Technik-Museums. Bei strömendem Regen machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Stadion. Unsere Karten waren, wie es sich für echte Sparfüchse gehört, die günstigsten verfügbaren Stehplätze. Besorgt hatte sie mir der Vater einer hilfsbereiten Kommilitonin, der in einer Sparkassenfiliale arbeitete. Selbst die Ticketvertriebswege schienen hier im Kraichgau noch eher niederklassig – oder bei welchem etablierten Bundesligisten bekommt man in der Spieltagswoche sonst noch Tickets am Bankschalter?
Die preiswerten Tickets hatten allerdings einen Haken: Unsere Plätze befanden sich mitten im Stimmungsblock der TSG, in dem – wenn man sie denn so nennen möchte – die organisierten Hoffenheim-Fans standen. Doch die Sinsheimer Arena unterscheidet sich von vielen anderen Stadien dadurch, dass es keine trennenden Zäune zwischen den Blöcken gibt und der Betreiber offenbar voll auf die Ehrlichkeit seiner Gäste vertraut.
Wir spazierten also spontan ein paar Blöcke weiter, um zu testen, wie dort die Sicht aufs Spielfeld war. In der Nähe der Mittellinie entdeckten wir zwei freie Plätze, auf die wir uns einfach dreist setzten. Ein Sitznachbar meinte, das seien die Plätze seines Bekannten, woraufhin wir wieder aufstanden. Als besagter Bekannter bis kurz vor Anpfiff aber immer noch nicht aufgetaucht war, winkte er ab und meinte grinsend, wir könnten uns ruhig hinsetzen.
Gästefans fand man in Sinsheim ohnehin überall: Nicht nur im offiziellen Gästeblock – wo die Nürnberger Ultras das Spiel boykottierten –, sondern auch verstreut um uns herum. Direkt neben uns saß ein altes Ehepaar, das offenbar schon hunderte Club-Spiele miterlebt hatte und auch im hohen Alter treu zu seinem Verein hielt. Mein Kumpel führte einen netten Plausch mit ihnen unter Glubberern.
Dann begann schließlich die Partie des 31. Spieltags. Die abstiegsbedrohten Hoffenheimer erwischten den deutlich besseren Start und überrumpelten den Club eiskalt: Bereits in der 11. Minute traf Tobias Weis zur 1:0-Führung für die Hausherren, ehe Sejad Salihović nur acht Minuten später (19.) auf 2:0 erhöhte. In der zweiten Halbzeit kämpfte sich Nürnberg zurück und verkürzte in der 58. Minute durch einen verwandelten Handelfmeter von Timmy Simons auf 2:1. Die Schlussoffensive der Franken sorgte beim kraichgauer Publikum nochmal für reichlich Nervosität - unserem Nachbarn entfuhr unentwegt ein "Uffbasse hinne!", blieb jedoch belohnungslos, sodass es beim knappen Sieg für die TSG blieb.
Nach dem Spiel hatte sich das Wetter leider keineswegs gebessert. Völlig durchnässt trotteten wir über irgendwelche aufgeweichten Feldwege zurück zum Parkplatz. Es war ein erlebnisreicher Tag und eine spannende Erfahrung. Ob ich nochmal nach Sinsheim zum Fußball gehe, weiß ich nicht. Das kommt sicher stark auf das Spiel an.Meer informatie
Eintracht Frankfurt undercover beim VfB
22 september 2013, Duitsland
☁️ 17 °C
Damals noch sehr frisch mit meiner damaligen Partnerin zusammen, wollte ich ihr als eingefleischter Eintracht-Frankfurt-Anhängerin eine Freude bereiten. Als sie mich in Mosbach besuchte, überraschte ich sie spontan mit Karten für das Auswärtsspiel ihrer Eintracht beim VfB Stuttgart.
Die Fahrt über die Landstraße und Autobahn dauerte gar nicht mal so lange und war für meinen treuen Dreizylinder-VW-Polo keine allzu große Herausforderung. In Stuttgart angekommen, parkten wir auf einem Schotterparkplatz nahe der Schleyer-Halle und liefen am Wasen vorbei, wo gerade emsig die Aufbauten für das bevorstehende Cannstatter Volksfest im Gange waren.
Im Stadion steuerten wir unsere Plätze im Oberrang direkt über der Cannstatter Kurve an. Da wir mitten im Stuttgarter Heimbereich saßen, hieß es für meine damalige Freundin natürlich: Jubel zügeln und unauffällig bleiben! Beim Einlaufen der Mannschaften beteiligten wir uns brav an der Choreografie der VfB-Fans, was dem Ganzen eine herrlich verdeckte Note verlieh.
Das Spiel selbst bot von Beginn an reichlich Spektakel: Bereits in der 14. Minute ging die Eintracht durch ein Tor von Marco Russ nach Vorarbeit von Stefan Aigner mit 1:0 in Führung – ein Moment, in dem sich meine Ex-Freundin auf den Lippen kauen musste, um nicht lautstark loszujubeln. Die Freude währte allerdings nicht lange, denn nur zwei Minuten später glich der VfB aus: Der erst 17-jährige Timo Werner köpfte in der 16. Minute zum 1:1 ein – es war das allererste Bundesligator seiner Karriere.
In der Folge entwickelte sich eine umkämpfte Partie mit Chancen auf beiden Seiten, doch der absolute Höhepunkt sparte sich bis zur allerletzten Sekunde auf. In der 94. Minute gab es nach einem Foulspiel noch einmal Elfmeter für Stuttgart! Vedad Ibišević trat an, schoss – und Eintracht-Keeper Kevin Trapp parierte bärenstark! Der Gästeblock auf der gegenüberliegenden Seite explodierte, und auch bei meiner Begleitung herrschte Erleichterung, die sie sich aber tunlichst nicht anmerken lassen durften.
Mit dem hart erkämpften 1:1 im Gepäck machten wir uns schließlich auf den Rückweg zum Polo. Die Überraschung war mehr als gelungen und der Nervenkitzel im Stuttgarter Block machte den Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis!Meer informatie
Bayerisch-fränkisches Derby
8 februari 2014, Duitsland
🌧 13 °C
Endlich war der Tag gekommen: Ich bekam meine allererste Zusage für ein Bundesliga-Auswärtsspiel des FC Bayern! Zwei begehrte Tickets machten sich per Post von der Säbener Straße auf den Weg zu mir. Die zweite Karte vermachte ich natürlich meinem Vater, der sich genauso auf den Ausflug freute wie ich.
Die Stadt, das Frankenstadion und das gesamte Umfeld kannte ich durch die bisherigen Besuche bereits bestens. Große logistische Überraschungen oder Orientierungsschwierigkeiten warteten somit nicht auf uns – wir steuerten das Areal gewohnt routiniert an.
Hinein ging es in den prall gefüllten Gästeblock zum bayerisch-fränkischen Derby am 20. Spieltag. Die Mannschaft von Pep Guardiola, die damals von Rekord zu Rekord eilte, übernahm von der ersten Sekunde an souverän die Kontrolle über das Geschehen.
In der 18. Minute durften wir im Gästeblock das erste Mal jubeln: Xherdan Shaqiri schlug eine maßgenaue Flanke in den Sechzehner, und Mario Mandžukić versenkte den Ball per gekonnter Direktabnahme zum 0:1 im Nürnberger Tor. Der Club versuchte zwar leidenschaftlich dagegenzuhalten, doch die spielerische Überlegenheit der Bayern war an diesem Tag einfach eine Nummer zu groß.
Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit machten die Münchner dann alles klar: Mandžukić bewies diesmal das Auge für den Mitspieler und bediente Philipp Lahm, der in der 49. Minute eiskalt zum 0:2 vollendete. Ein besonderer Moment für mich auf den Rängen, schließlich erzielte mein damaliger Lieblingsspieler damit sein allererstes Saisontor – frisch umgeschult zur Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld.
Nürnberg steckte zwar nie auf, doch die Bayern spielten die Führung im Stile einer Spitzenmannschaft trocken herunter und bauten ihre unfassbare Serie auf 39 ungeschlagene Bundesliga-Spiele in Folge aus.
Mit den drei Punkten im Gepäck und dem erhabenen Gefühl eines Derbysieges, machten mein Vater und ich uns munter auf den Heimweg.Meer informatie
Relegation in Fürth
18 mei 2014, Duitsland
☀️ 17 °C
Ein paar Freunde aus meinem Umfeld hatten Dauerkarten in Fürth und waren so nett, mich immer mal wieder mitzunehmen, wenn kurzfristig ein Ticket übrig war. Ein Ausflug zum Kleeblatt war jedes Mal ein rundum gelungenes Erlebnis mit ganz eigenem Charme.
Das Prozedere war eingespielt und fast schon wie ein liebgewonnenes Ritual: Mit dem Zug ging es zum Fürther Hauptbahnhof, von dort zu Fuß ein kurzes Stück durch die Innenstadt, einmal quer durch den malerischen Stadtpark und auf ein kühles Bierchen zum legendären „Fränky“. Frisch gestärkt steuerten wir das Stadion am Ronhof an, wo vor dem Anpfiff natürlich der obligatorische und unübertroffen leckere Lángos nicht fehlen durfte.
An diesem 18. Mai 2014 lag allerdings eine ganz besondere, knisternde Spannung über dem Ronhof: Es stand das Rückspiel der Relegation um den Aufstieg in die Bundesliga gegen den Hamburger SV an. Nach dem achtbaren 0:0 im Hinspiel im Volkspark war die Sensation zum Greifen nah.
Wir sicherten uns unsere Plätze direkt mittendrin im Fürther Stimmungsblock. Dort sorgte allen voran der heimische Trommler für Staunen: Was der Typ aus seinem Instrument rausholte, habe ich so in keinem anderen Stadion mehr erlebt. Mit beeindruckenden, mitreißenden Rhythmen peitschte er die Tribüne von der ersten Minute an pausenlos nach vorne.
Doch der Nachmittag begann mit einem Dämpfer: In der 14. Minute köpfte Pierre-Michel Lasogga eine van-der-Vaart-Ecke wuchtig zum 0:1 für die Hamburger ein. Der Schock saß tief, aber das Kleeblatt und der Block gaben nicht auf. In der 59. Minute explodierte der Ronhof schließlich: Stephan Fürstner schloss einen feinen Angriff zum 1:1-Ausgleich ab!
Was folgte, war ein einziger Sturmlauf der Fürther. Getrieben vom unermüdlichen Takt der Trommel kämpfte die Mannschaft leidenschaftlich um jeden Zentimeter Rasen und drängte den HSV tief in die eigene Hälfte. Das erlösende 2:1 lag mehrfach greifbar nahe in der Luft, doch das Tor schien wie vernagelt. Als der Schiedsrichter die Partie schließlich abpfiff, blieb es beim 1:1 – was aufgrund der damals noch gültigen Auswärtstorregel das bittere Ende aller Aufstiegsträume bedeutete. Der ungeliebte HSV rettete sich mit Ach und Krach, während Fürth mit leeren Händen dastand.
Niedergeschlagen saßen wir noch eine ganze Weile wie angewurzelt auf der Tribüne. Wir schauten schweigend auf den Rasen und trauerten der riesigen, einmaligen Chance nach, die an diesem Nachmittag so greifbar nahe gewesen war.Meer informatie
Volksparkstadion Hamburg
30 augustus 2014, Duitsland
☁️ 21 °C
Ein Städtetrip in meine lieb gewonnene Hansestadt Hamburg sollte mit einem Besuch im Volksparkstadion krönend abgerundet werden. Auf dem Programm stand das Heimspiel des HSV gegen den SC Paderborn. Da meine Begleitung krankheitsbedingt kurzfristig ausfiel, gab ich ein Ticket zurück und machte mich schließlich als Einzelkämpfer auf den Weg in Richtung Volkspark.
Schon in der U-Bahn suchte ich das Gespräch mit den umstehenden Fußballfans. Die HSV-Anhänger gaben sich durchweg selbstsicher: Der No-Name-Aufsteiger aus Ostwestfalen, der da im Volkspark gastierte, sollte nach ihrer festen Überzeugung schließlich keinesfalls zum Problem werden. Ein souveräner Heimsieg war fest eingeplant.
Doch was sich wenig später auf dem Rasen abspielte, stellte die Zuversicht der Hamburger Anhänger gewaltig auf die Probe – und wandelte sie Minute für Minute in blanke Ernüchterung um.
Paderborn agierte von Beginn an frech, mutig und extrem diszipliniert, während beim HSV spielerisch fast gar nichts zusammenlief. In der 29. Minute folgte die erste kalte Dusche für das Heimpublikum: Elias Kachunga stieg nach einer Flanke am höchsten und köpfte den Außenseiter mit 0:1 in Führung. Die Tribünen um mich herum verstummten zum ersten Mal merklich. Lediglich zwei einzelne Paderborner, die in meinem Umkreis saßen feierten diese Sensation so überschwänglich, was ein Hamburger humorvoll, spöttisch und mit nordischer Nüchternheit mit Glücksgefühlen, die man ansonsten nur im Schlafzimmer erlebt, verglich.
Wer in der zweiten Halbzeit auf eine Reaktion des HSV gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Paderborn konterte die verunsicherten Hamburger nach allen Regeln der Kunst aus. In der 68. Minute vollendete Mario Vrančić einen blitzsauberen Angriff zum 0:2. Spätestens jetzt wich die anfängliche Selbstsicherheit in den Blöcken entsetztem Kopfschütteln und ersten lautstarken Unmutsbekundungen.
Den endgültigen Todesstoß gab es in der 87. Minute, als Moritz Stoppelkamp zum 0:3-Endstand abstaubte und den allerersten Bundesliga-Sieg der Paderborner Vereinsgeschichte perfekt machte.
Als der Schiedsrichter die Partie abpfiff, entlud sich die geballte Wut der Hamburger Fans in einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert. So hatte sich die U-Bahn-Fraktion diesen Nachmittag garantiert nicht vorgestellt! Für mich als neutralen Beobachter war es hingegen eine faszinierende und unvergessliche Lehrstunde darüber, wie schnell die Bundesliga-Realität die größte Zuversicht einholen kann.Meer informatie
Dreisamstadion Freiburg
16 mei 2015, Duitsland
🌧 8 °C
Über einen überaus netten Kontakt kam ich völlig überraschend an ein Ticket für das Auswärtsspiel beim SC Freiburg – und als wäre das nicht schon Glück genug gewesen, wurde mir auch direkt noch eine Mitfahrgelegenheit angeboten. Das war im Grunde ein unverhofftes Rundum-sorglos-Paket, zu dem man als Bayern-Fan natürlich nicht Nein sagt.
In Freiburg angekommen, stellten wir den Wagen etwas abseits des Stadions in einem ruhigen Wohngebiet ab und machten uns entspannt zu Fuß auf den Weg zum altehrwürdigen Schwarzwald-Stadion an der Dreisam.
Vor den Toren der Arena kam ich ins Gespräch mit einem sichtlich nervösen jungen Bayern-Fan. Der Junge war völlig aufgelöst und suchte verzweifelt nach einer Karte: Er hatte in dieser Saison bisher jedes einzelne Pflichtspiel des FC Bayern live im Stadion verfolgt – seine persönliche „perfekte Saison“ drohte nun ausgerechnet am vorletzten Spieltag im Breisgau auf den letzten Metern zu scheitern. Ein echtes Drama vor dem Stadiontor, bei dem man nur hoffen konnte, dass sich noch ein barmherziger Ticketinhaber erbarmte.
Drinnen im wirklich bescheidenen Gästeblock bot sich eine klare Rollenverteilung: Die Bayern, die die Meisterschaft längst eingetütet hatten, spielten befreit auf, während der SC Freiburg um das nackte Überleben im Abstiegskampf kämpfte.
Die Münchner legten gewohnt souverän vor: In der 14. Minute bediente Mitchell Weiser nach einem starken Solo Bastian Schweinsteiger, der den Ball zum 0:1 über die Linie drückte. Doch die Breisgauer steckten nicht auf. Angetrieben von der kochenden Kulisse kämpfte Freiburg um jeden Meter Rasen und belohnte sich in der 33. Minute, als Admir Mehmedi aus der Distanz den 1:1-Ausgleich schweißte.
In der zweiten Halbzeit spürte man förmlich, wie viel für die Hausherren auf dem Spiel stand. Bayern verpasste es, die entscheidenden Nadelstiche zu setzen – und so steuerte die Partie auf ihr dramatisches Finale zu. In der 89. Minute explodierte das Stadion schließlich: Ausgerechnet der Ex-Münchner Nils Petersen drückte eine Hereingabe kurz vor Abpfiff als Joker zum 2:1-Siegtreffer für den Sportclub ins Netz!
Während die Freiburger den immens wichtigen Dreier im Abstiegskampf wie die Rettung feierten, machten wir uns mit einer seltenen Auswärtsniederlage im Gepäck auf den Rückweg. Und achja: Im Block hatte ich den nervösen Jungen von vor dem Tor erblickt. Er hatte es also doch noch hinein geschafft und sicherlich noch seine perfekte Saison geschafft.Meer informatie
Bärendienst in Nürnberg gegen rote Teufel
4 maart 2016, Duitsland
☁️ 4 °C
Ein weiteres Spiel, das sich tief in meiner Erinnerung festgesetzt hat, besuchte ich in der Saison 2015/16 mit meinem Kumpel, der über viele Jahre zwei Dauerkarten in Nürnberg hatte.
Der 1. FC Nürnberg hatte am 25. Spieltag der 2. Bundesliga einen dramatischen Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern gefeiert. Vor 31.457 Zuschauern im Frankenstadion setzte sich der Club mit 2:1 (1:1) durch. Zum Matchwinner wurde ausgerechnet der eingewechselte Zoltán Stieber – allerdings sorgte der Ungar kurz darauf auch für einen bitteren Moment. Genau dieses Kuriosum sollte dieses Spiel für mich unvergessen machen.
Die Partie begann schwungvoll. Beide Mannschaften suchten zunächst den Weg nach vorne, wobei Kaiserslautern die erste nennenswerte Chance hatte. Nürnberg wurde anschließend gefährlicher und ging in der 19. Minute in Führung. Niclas Füllkrug legte den Ball am Strafraum auf Patrick Erras ab, der überlegt flach zum 1:0 einschob.
Die Führung hielt allerdings nicht lange. Nur drei Minuten später schlug Kaiserslautern zurück. Nach einer Vorarbeit von Antonio Čolak traf Jón Daði Böðvarsson in der 22. Minute zum 1:1-Ausgleich.
Danach verflachte die Partie zunehmend. Beide Teams verteidigten konzentriert, klare Torchancen blieben Mangelware. Nürnberg musste zudem einen schweren Rückschlag verkraften: Torhüter und Kapitän Raphael Schäfer verletzte sich an der Achillessehne und musste in der 66. Minute durch Patrick Rakovsky ersetzt werden.
Auch nach der Pause tat sich zunächst wenig. Nürnberg brachte unter anderem Danny Blum und später Zoltán Stieber ins Spiel. Der Ungar sollte schließlich zum entscheidenden Mann des Abends werden.
Als bereits vieles auf ein Unentschieden hindeutete, schlug Nürnberg in der 88. Minute zu. Danny Blum flankte von links in den Strafraum. Kaiserslauterns Torhüter Marius Müller konnte den Ball nicht entscheidend klären und am zweiten Pfosten lauerte Stieber. Der Joker schob zum 2:1 ein und brachte das Stadion zum Beben.
Doch der Jubel währte nur kurz. Stieber war durch sein spätes Jokertor offenbar so euphorisiert, dass er vergaß, dass er bereits eine gelbe Karte gesehen hatte, und zog sich beim Torjubel das Trikot aus, weshalb er dafür mit seiner zweiten Gelben Karte bestraft wurde. Damit sah der Torschütze unmittelbar nach seinem entscheidenden Treffer Gelb-Rot und musste den Platz verlassen. Ein echter Bärendienst für seine Mitspieler, wie man ihn dann doch eher selten zu sehen bekommt.
Wahrscheinlich gerade deswegen entwickelte sich die Schlussphase daraufhin zu einem echten Krimi. Kaiserslautern warf alles nach vorne und bekam in der Nachspielzeit noch mehrere Möglichkeiten zum Ausgleich. Stipe Vucur und Böðvarsson verfehlten zunächst das Tor, ehe Antonio Čolak mit einem Kopfball aus kurzer Distanz die große Chance zum 2:2 hatte. Ersatz-Tormann Rakovsky reagierte glänzend und bewahrte Nürnberg vor dem Ausgleich.
So blieb es beim 2:1 für den 1. FC Nürnberg. Der Club feierte damit den dritten Sieg in Folge und blieb bereits im 15. Ligaspiel nacheinander ungeschlagen. Für Kaiserslautern war es dagegen eine besonders bittere Niederlage, nachdem die Mannschaft über weite Strecken ebenbürtig gewesen warMeer informatie
Auswärtssieg in Mainz
2 december 2016, Duitsland
☁️ 6 °C
Eisiger Freitagabend in Freiburg
20 januari 2017, Duitsland
☀️ -3 °C
Ein früherer Studienfreund aus Mosbacher Zeiten, ebenfalls eingefleischter Bayern-Fan, hatte zwei Karten für das Auswärtsspiel beim SC Freiburg ergattert und bot an, mich mitzunehmen. Da musste er mich nicht zweimal fragen – ich war natürlich sofort dabei!
Am Spieltag holte ich ihn am Rande von Heidelberg ab, wo er mittlerweile in einer Art Studentenwohnheim lebte. Das Besondere an dieser Unterkunft: Einige Jahre zuvor wurde hier noch dem horizontalen Gewerbe nachgegangen. Die vielen kleinen, zweckgebundenen Zimmer passten erstaunlich gut zu beiden Verwendungszwecken. Er erzählte mir auch, dass er jedesmal auf dem Heimweg vom Feiern vom Taxifahrer darauf angesprochen wurde, dass bei der Adresse nichts mehr los sei und die Fahrt vergebens wäre.
Mit meinem Kumpel auf dem Beifahrersitz steuerte mein treuer VW Polo schließlich die restliche Strecke gen Süden in Richtung Freiburg.
Vom letzten Auswärtsbesuch kannte ich glücklicherweise noch den perfekten Park-Spot. Allerdings war ich nicht in allen Bereichen so vorausschauend vorbereitet: Vor Ort pfiff ein eisiger Wind durch den Breisgau, und ich hatte im Eifer des Gefechts glatt meine Mütze zu Hause vergessen. Ein fataler Fehler bei den Minusgraden! Zu meinem Rettungsanker wurde zum Glück ein kleiner Fanartikel-Verkaufswagen vor dem Stadion, an dem ich mir rasch eine Mütze des FC Bayern kaufte, die meinen Kopf vor dem Erfrieren bewahrte.
Drinnen im Schwarzwald-Stadion bot sich kurz vor dem Anpfiff ein fantastisches Bild: Die Freiburger Fanszene präsentierte eine eindrucksvolle Choreografie, die von einem sehenswerten Feuerwerk direkt hinter der Tribüne begleitet wurde – man hatte hier offensichtlich noch einige wohlbehütete Restbestände aus der Silvesternacht übrig gehabt.
Auf dem Rasen entwickelte sich von der ersten Minute an ein echter Winterkrimi: Der freche Aufsteiger erwischte die Bayern eiskalt. Bereits in der 4. Minute nutzte Janik Haberer eine Unachtsamkeit in der Münchner Hintermannschaft und schoss den SC Freiburg mit 1:0 in Führung. Die Bayern taten sich auf dem tiefen, frostigen Boden extrem schwer, kämpften sich aber noch vor der Pause zurück: In der 36. Minute verwertete Robert Lewandowski eine Ecke von Douglas Costa direkt per Volley zum 1:1-Ausgleich.
In der zweiten Halbzeit rannten die Bayern unermüdlich an, doch die Freiburger Verteidigung stand wie ein Bollwerk. Als sich bereits alle mit einem Unentschieden abgefunden hatten, schlug in der ersten Minute der Nachspielzeit (90.+1) die große Stunde von Robert Lewandowski: Nach einer Flanke von Franck Ribéry nahm der Pole den Ball im dicht besetzten Sechzehner kunstvoll mit der Brust an, legte ihn sich mit dem linken Fuß selbst hoch und spitzelte ihn per Volley-Bogenlampe millimetergenau über den Torwart hinweg an den innen liegenden Pfosten und ins Netz zum 1:2-Siegtreffer!
Ein absolutes Traumtor kurz vor dem Abpfiff – und die kalte Freiburger Nacht wurde auf einen Schlag zum rot-weißen Jubelmeer. Mit drei Punkten im Gepäck, wohlig warmen Ohren dank der neuen Mütze machten wir uns im Polo auf den Heimweg.Meer informatie
Millerntor St. Pauli
16 april 2017, Duitsland
🌧 8 °C
Als wäre Hamburg nicht ohnehin schon sehenswert genug, ging es rund um Ostern 2017 mal wieder in die Hansestadt – diesmal mit einer ganz klaren Mission: Den damals in der 2. Bundesliga spielenden FC Würzburger Kickers im Auswärtsspiel zu unterstützen.
Das Ziel war das kultige Millerntor-Stadion auf St. Pauli. Während mir vor den Toren noch von einem gehässigen Pauli-Fan unterstellt wurde, ich würde nun endlich mal ein richtiges Stadion zu Gesicht bekommen (obwohl das Würzburger Stadion am Dallenberg ein absolutes Schmuckkästchen ist!), stellten sich die übrigen Paulianer als überaus faire Gastgeber heraus – sie spielten vor Anpfiff sogar das Vereinslied der Kickers ab.
Die Atmosphäre am Ostersonntag war elektrisierend und die Würzburger Fankurve gab alles. Die Kickers hielten gegen den favorisierten FC St. Pauli leidenschaftlich dagegen und erarbeiteten sich über weite Strecken ein verdientes Unentschieden. Doch auf dem heiligen Rasen sollte es am Ende extrem bitter werden: Als sich beide Teams gedanklich schon mit der Punkteteilung abgefunden hatten, schlug St. Pauli in der 87. Minute eiskalt zu. Christopher Buchtmann vollendete einen späten Angriff zum 1:0-Siegtreffer für die Hausherren.
Eine schmerzhafte Niederlage kurz vor dem Abpfiff, die – wie sich am Ende der Saison bitter herausstellen sollte – den unaufhaltsamen Abstieg der Kickers in die 3. Liga endgültig einleitete.
Doch trotz der sportlichen Enttäuschung änderte das Ergebnis nichts an meinen Gefühlen für die Elbmetropole: Hamburg bleibt für mich ein Ort voller Geschichten, Höhen und Tiefen – und eine Stadt, in die ich immer wieder voller Freude zurückkehren werde.Meer informatie
Heimspiel in Offenbach
12 augustus 2017, Duitsland
🌧 15 °C
Der Fußball hat immer wieder Kuriositäten zu bieten. Und so kam es am 12. August 2017 dazu, dass die Würzburger Kickers in der 1. Runde des DFB-Pokals den Bundesligisten SV Werder Bremen empfingen. Allerdings nicht am heimischen Dallenberg, sondern gut 110 Kilometer entfernt auf dem Bieberer Berg in Offenbach!
Der Grund für dieses skurrile „Heimspiel in Hessen“ lag im Dauerstreit um Lärmschutz und fehlende Baugenehmigungen am Dallenberg. Da das Spiel für die samstägliche Prime-Time um 20:45 Uhr angesetzt war, fehlte den Kickers die Genehmigung der Stadt Würzburg für ein Flutlichtspiel zu so später Stunde. Weil strenge Lärmschutzauflagen zum Schutz der Anwohner keine Sondergenehmigung zuließen und am Dalle baurechtlich schlichtweg die Lichter ausblieben, musste der Drittligist kurzerhand nach Offenbach ausweichen.
Unter den Würzburger Fans wurde im Vorfeld emsig diskutiert, wie man mit dieser Situation umgehen sollte. Ein Ausweich-Heimspiel in einem fremden Stadion über Bundeslandgrenzen hinweg? Für manche ein Nogo, für mich aber genau der richtige Anreiz, um die Kickers erst recht zu unterstützen. Einige meiner Freunde und Bekannten sahen das ähnlich, und so machten wir uns auf den Weg zum Bieberer Berg.
Vor gut 8.000 Zuschauern entwickelte sich in der ersten Halbzeit eine erstaunlich offene Partie. Die Kickers hielten gegen den Favoriten aus der Bundesliga leidenschaftlich dagegen und erarbeiteten sich vor der Pause sogar die ein oder andere gute Torchance. Mit einem vollkommen verdienten 0:0 ging es in die Kabinen.
In der zweiten Hälfte setzte sich die individuelle Klasse des Erstligisten dann aber doch durch. Den Dosenöffner lieferte Miloš Veljković in der 50. Minute mit einem absoluten Traumtor aus unmöglich scheinendem Winkel direkt in den Knick. Von diesem Wirkungstreffer erholten sich die Kickers nicht mehr richtig. Max Kruse schraubte das Ergebnis in der 74. Minute auf 0:2 hoch, ehe Maximilian Eggestein kurz darauf (77.) mit dem 0:3 den Deckel endgültig draufmachte.
Auch wenn es am Ende eine deutliche Niederlage und das Pokal-Aus setzte, war dieses exotische „Heimspiel“ in Offenbach ein absolut denkwürdiger Ausflug, an den man sich als Kickers-Fan noch lange zurückerinnern wird und wer weiß schon, ob ich ansonsten je einen Fuß in dieses Stadion gesetzt hätte.Meer informatie
DFB-Pokal in Schweinfurt
24 oktober 2017, Duitsland
🌧 9 °C
Der 1. FC Schweinfurt 05 – der große Rivale der Würzburger Kickers – hatte das seltene Kunststück vollbracht, als Regionalligist in die 2. Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Das Los bescherte den „Schnüdeln“ ein Flutlicht-Highlight gegen Eintracht Frankfurt. Da die gesamte Familie meiner damaligen Freundin aus eingefleischten Eintracht-Fans bestand, ließen wir uns diese Gelegenheit für einen gemeinsamen Ausflug natürlich nicht entgehen.
Die Ticketverteilung gestaltete sich allerdings recht ungleich: Während meine Ex-Freundin und ihre Schwester über Kontakte sogar VIP-Karten ergatterten und sich im VIP-Zelt gütlich taten, machten die Mutter der beiden und ich uns auf den Weg in den Stehplatzbereich. Im ausverkauften Willy-Sachs-Stadion galt freie Blockwahl. Auf der Suche nach der besten Sicht auf das Geschehen entschieden wir uns etwas unbedarft für einen Platz auf der Gegengeraden.
Leider hatte ich bei der Platzwahl ein klitzekleines Detail übersehen: Wir hatten uns punktgenau mitten in die aktive Fanszene der Schweinfurter Ultras verfrachtet. Das wäre an sich noch gar kein Problem gewesen – hätte die Kurve nicht im Laufe der ersten Halbzeit immer wieder lautstarke Schmähgesänge gegen den verhassten Nachbarn Würzburg angestimmt. Genau so ein Moment veranlasste meine Begleiterin in bester Absicht dazu, zu erwähnen, dass ich es doch ganz gut mit den Kickers halte.
Gefangen inmitten der Schweinfurter Ultra-Riege entgleisten mir kurzzeitig die Gesichtszüge. Ein falsches Wort zur falschen Zeit an der falschen Stelle. Zum Glück war die Geräuschkulisse auf der Tribüne so laut, dass es im Umkreis offenbar niemand mitbekam – mein Puls benötigte dennoch ein paar Minuten, um sich wieder im Normalbereich einzupendeln.
Auf dem Rasen ließ der Bundesligist unter Niko Kovač derweil nichts anbrennen und erstickte jede Schweinfurter Pokalsensation im Keim. Bereits in der 14. Minute bewies Sébastien Haller seine Extraklasse und beförderte den Ball per feinem Hackentrick zur Frankfurter Führung ins Netz.
Die tapfer kämpfenden Hausherren hielten bis zur Pause noch mit viel Leidenschaft dagegen, doch nach dem Seitenwechsel machte die SGE kurzen Prozess: Erneut Haller (58.), Marius Wolf (63.) und der eingewechselte Danny Blum (85.) schraubten das Ergebnis schlussendlich auf ein recht deutliches 0:4.
Ein standesgemäßer Pflichtsieg für die Eintracht, die an diesem kühlen Oktoberabend den Grundstein für ihren späteren historischen Pokalsieg legte – und für mich ein Abend, der vor allem wegen einer gewagten Konversation im Schweinfurter Block unvergessen bleibt.Meer informatie
Eintracht Frankfurt - HSV
5 mei 2018, Duitsland
☀️ 20 °C
Mit der Familie meiner damaligen Partnerin ging es nach Frankfurt ins Waldstadion. Gegner war der HSV – und der stand mal wieder kurz vor dem Abstieg.
Eigentlich war das beim HSV zu diesem Zeitpunkt schon fast Tradition. Über Jahre hatte sich die Mannschaft immer wieder in eine Situation manövriert, in der der Abstieg unmittelbar bevorzustehen schien. Und doch hatte sich der HSV bislang immer irgendwie gerettet – zur Not eben über die Relegation. Der Dino war schließlich „unabsteigbar“.
Wie passend also, dass ich vor dem Stadion mit zwei HSV-Anhängern ins Gespräch kam. Während die Hamburger auf dem Papier allen Grund zur Sorge hatten, waren die beiden erstaunlich gelassen und optimistisch. Von Abstiegsangst keine Spur. Im Gegenteil: Sie schienen fest davon überzeugt, dass ihr HSV auch dieses Mal irgendwie die Kurve bekommen würde.
Sie schenkten mir sogar ein paar Szenen-Aufkleber. Einer davon trug die Aufschrift: „unabsteigbar“.
Im Nachhinein hätte dieser Aufkleber kaum passender und gleichzeitig ironischer sein können.
Im ausverkauften Waldstadion entwickelte sich zunächst ein durchaus offenes Spiel. Frankfurt hatte zwar mehr Zug zum Tor, der HSV hielt aber ordentlich dagegen. Nach einer halben Stunde war es dann Marius Wolf, der die Eintracht in Führung brachte. Sébastien Haller setzte sich im Angriff gut durch und schickte Wolf in die Tiefe. Der blieb vor Julian Pollersbeck cool und tunnelte den HSV-Torhüter zum 1:0.
Der HSV war damit noch lange nicht geschlagen. Tatsächlich hatte Hamburg über weite Strecken sogar mehr Ballbesitz und kam immer wieder zu Möglichkeiten. Kurz vor der Pause wurde sogar ein Treffer von Tatsuya Ito wegen Abseits aberkannt.
Das war auch der Augenblick als der Gästeblock die Nerven verlor und Bierbecher in die benachbarten Heimblöcke geworfen wurden. Ein Becher verfehlte uns nur knapp und mich trafen ein paar Tropfen seines Inhalts, bei dem es sich hoffentlich um Wasser oder Bier handelte. Wüste Pöbeleien und Halsabschneider-Gesten untermalten diesen dunklen Moment der hanseatischen Fankultur.
In der zweiten Halbzeit versuchte der HSV noch einmal alles und wechselte mit Luca Waldschmidt und Filip Kostić gleich doppelt. Doch Frankfurt verteidigte konzentriert und wartete auf die Gelegenheit, das Spiel zu entscheiden.
Die kam in der 77. Minute. Nach einem Angriff über Mijat Gaćinović landete der Ball bei Omar Mascarell, der aus rund 13 Metern abzog. Der Schuss wurde noch abgefälscht und schlug im Winkel ein – 2:0.
Damit wurde es für den HSV richtig eng.
Und dann kam in der 87. Minute noch einer, auf den die Frankfurter besonders gewartet hatten: Alexander Meier. Der „Fußballgott“ wurde unter großem Jubel eingewechselt und bekam noch einige Minuten auf dem Platz.
In der Nachspielzeit setzte er dann tatsächlich noch den Schlusspunkt. David Abraham flankte von rechts butterweich in den Strafraum, und Meier vollendete per Volleyschuss zum 3:0.
Das war der Moment, als sich die wütenden Gesichter der harten Jungs im Gästeblick mit Tränen überströmtem. Ihnen musste nun klar geworden sein, was passieren würde.
Frankfurt gewann also deutlich, während der HSV weiter um seine letzte Chance auf den Klassenerhalt kämpfen musste. Eine Woche später gewann Hamburg zwar noch 2:1 gegen Gladbach, doch es reichte nicht mehr. Der HSV stieg erstmals in seiner Vereinsgeschichte aus der Bundesliga ab.
Und so musste ich später tatsächlich noch einmal an die beiden Hamburger vor dem Stadion denken. An ihre Gelassenheit. An ihren Optimismus. Und natürlich an den Aufkleber, den sie mir geschenkt hatten.
„Unabsteigbar.“
Am 5. Mai 2018 war dieser Satz im Frankfurter Waldstadion schon ziemlich ironisch. Eine Woche später war er endgültig Geschichte.Meer informatie
Auswärtsschlappe in Leverkusen
2 februari 2019, Duitsland
☁️ 5 °C
Endlich hatte ich mal wieder die Zusage für Auswärtskarten meines FC Bayern bekommen! Am 20. Spieltag der Saison 2018/19 sollte es nach Leverkusen gehen. Die Münchner hinkten in der Tabelle auf Platz zwei hinterher – ganze sechs Punkte lag der BVB vor uns. Mein persönliches Motto für diese Reise stand daher fest: Dortmund jagen! Es sollte allerdings anders kommen als erhofft.
Die zweite Karte gab ich meinem Vater, der auf dem Beifahrersitz meiner C-Klasse Platz nahm. Die Anfahrt verlief denkbar unkompliziert: Einfach die A3 durchziehen, bis die Ausfahrt Leverkusen kommt. Da wir zeitlich bestens im Plan lagen, fuhren wir doch nochmal vom empfohlenen Pendlerparkplatz am Chempark und wagten uns noch etwas näher ans Stadion heran. Das Glück war uns hold: In einer ruhigen Wohnstraße direkt vor einer kleinen Kneipe fanden wir einen perfekten Parkplatz.
Von dort aus machten wir uns zu Fuß auf den Weg Richtung BayArena. Da immer noch reichlich Zeit bis zum Anpfiff war, kehrten wir in der benachbarten McDonald’s-Filiale für einen kleinen Imbiss ein. Das Restaurant ist eine echte Rarität in der Fußballwelt: Als es 1997 in die Westtribüne der BayArena gebaut wurde, war es weltweit die allererste McDonald’s-Filiale direkt in einem Stadion – samt Drive-In!
Frisch gestärkt ging es schließlich hinein in den Gästeblock.
Die erste Halbzeit lief ganz nach unserem Geschmack. Der FC Bayern übernahm die Kontrolle und ging in der 41. Minute verdient in Führung: Nach einer maßgenauen Flanke von Thomas Müller stieg Leon Goretzka am höchsten und köpfte zum 0:1-Pausenstand ein. Doch nach dem Seitenwechsel kippte die Partie komplett. Leverkusen kam wie ausgewechselt aus der Kabine und drehte mächtig auf. In der 53. Minute zirkelte Leon Bailey einen Freistoß traumhaft zum 1:1 ins Netz, ehe Kevin Volland nur zehn Minuten später (63.) einen Konter eiskalt zur 2:1-Führung für die Werkself vollendete.
Besonders gefreut habe ich mich in der 77. Minute über die Einwechslung von Alphonso Davies. Der blutjunge Kanadier hatte erst eine Woche zuvor beim 4:1-Heimsieg gegen Stuttgart sein Bundesliga-Debüt gefeiert. Dieser Junge war wahnsinnig schnell und hetzte die Außenbahn in einem unglaublichen Tempo rauf und runter – pure Energie auf dem Platz!
Am Ausgang des Spiels konnte aber auch er nichts mehr ändern: Bayern drängte zwar auf den Ausgleich, fing sich in der 87. Minute durch Lucas Alario aber noch den K.-o.-Treffer zum 3:1-Endstand ein.
Statt der erhofften Punkte im Titelkampf traten wir geknickt den Rückweg zur C-Klasse an. Dennoch blieb es ein schöner Ausflug mit meinem Vater – und dass die Jagd auf Dortmund am Ende der Saison mit der Meisterschaft belohnt werden sollte, ahnten wir an diesem gebrauchten Nachmittag in Leverkusen noch nicht.Meer informatie
Kickers auswärts in Rostock
30 november 2019, Duitsland
☁️ 4 °C
Ein spontaner Familienurlaub mit meinen Eltern und meinem Bruder nach Kühlungsborn an der Ostsee sollte durch ein Auswärtsspiel der Würzburger Kickers bei Hansa Rostock aufgewertet werden. Da nur Papa und ich für den Fußball zu begeistern waren, machten wir uns zu zweit auf den Weg in die Hansestadt.
Wir parkten zunächst ein Stück abseits des Stadions nahe eines Waldstücks am Straßenrand. Von dort ging es auf eine kleine Wanderung, die uns schließlich über das Trainingsgelände der Rostocker führte. Wir sahen uns kurz um und ernteten die gewohnten beäugenden Blicke der Heimfans.
Um zum Gästeblock zu gelangen, mussten wir das Ostseestadion einmal umrunden und zwangsläufig an den Eingängen des Hansa-Heimbereichs vorbei. Dort standen – glücklicherweise hinter einem Zaun – bereits hunderte Hansa-Ultras. Als sie uns zwei recht harmlos wirkende Gästefans erblickten, fingen sie unvermittelt an, wie wild auf den Zaun einzuschlagen und uns aggressive Bepöbelungen entgegenzubrüllen, dass wir uns schleunigst verpissen sollten. Dass zwischen Rostock und Würzburg eine gepflegte Rivalität existieren würde, wäre mir neu – umso absurder wirkte dieser martialische Empfang.
Einige Meter weiter griff uns ein Ordner auf, der völlig verwundert über unser Erscheinen war – laut seinen Informationen waren absolut keine Gästefans angemeldet gewesen. Während er uns in Richtung Gästeblock begleitete, plauderten wir ein wenig. Er erwähnte beiläufig, dass die Hansa-Anhänger extrem fanatisch und gerade nach Niederlagen nicht ohne Risiko seien. Nachdem wir ihm verraten hatten, wo unser Auto stand, gab er uns den wohl pragmatischsten Tipp des Tages: Wir sollten den Wagen schnell herholen. Bei dem überschaubaren Gästesprengel dürften wir direkt auf dem geschützten Stadiongelände parken. Wo bitte gibt es denn sowas?
Gesagt, getan: Wir holten das Auto, wurden vom Sicherheitspersonal anstandslos durchs Tor gewunken und parkten tatsächlich direkt vor dem Treppenaufgang zum Gästeblock. Dort hatte sich schlussendlich eine überschaubare Schar von Auswärtsfahrern eingefunden, ehe kurz vor Anpfiff noch eine Handvoll Ultras eintraf.
Das Spiel selbst entwickelte sich zu einer extrem zähen und unglücklichen Angelegenheit für die Kickers. In der ersten Halbzeit neutralisierten sich beide Teams weitgehend, ehe es kurz vor dem Pausenpfiff bitter wurde: Nach einer scharfen Rostocker Flanke von der rechten Seite wollte Luca Pfeiffer im eigenen Sechzehner klären, lenkte den Ball in der 45. Minute jedoch unglücklich ins eigene Netz – 1:0 für Hansa. In der zweiten Hälfte drängten die Kickers zwar auf den Ausgleich und machten ordentlich Betrieb nach vorne, doch beste Chancen blieben ungenutzt. Auf der gegnerischen Seite hielt Kickers-Schlussmann Eric Müller seine Mannschaft mit einigen fantastischen Glanzparaden überhaupt erst im Spiel. Am Ende blieb es jedoch bei der schmerzhaften 0:1-Niederlage.
Als die Mannschaft nach Abpfiff in unsere Kurve kam, fielen die Reaktionen entsprechend gemischt aus. Während sich die Offensivspieler für ihre vergebenen Chancen deutliche Kritik anhören mussten und sich sichtlich verärgert rechtfertigten, wurde Keeper Müller für seine bärenstarke Leistung von uns allen frenetisch gefeiert.Meer informatie
Derbysieg in Schweinfurt
8 maart 2022, Duitsland
☀️ 5 °C




























