• Johannes Berg
  • Enrico Hauser
Jun – Nov 2023

USA & Kanada Roadtrip

Von Alaska nach Florida: Einmal quer durch Nordamerika in 6 Monaten. Read more
  • Trip start
    June 3, 2023

    Hallo Alaska 🙋🏻‍♂️🙋🏼‍♂️

    June 8, 2023 in the United States ⋅ ☁️ 11 °C

    Die ersten Tage in Alaska liegen hinter uns und wir haben schon soo viel erlebt! 🙌🏼

    Am Samstag, den 03.06. steigen wir um 14:15 Uhr in Frankfurt ins Flugzeug und landen um 14:00 in Anchorage… also in der Vergangenheit? Die Einreise verläuft zum Glück reibungslos. Der Grenzbeamte fragt uns direkt, ob wir verheiratet sind. Wir antworten: „No, we’re just a couple“ und als er uns draufhin anstrahlt mit der Antwort „close enough“ wissen wir, dass wir in Alaska willkommen sind! Dann jedoch der erste Dämpfer: Johannes’ Rucksack ist nicht mitgekommen… also reklamieren und dann ab ins Hostel. Es hilft ja nichts. Das Hostel ist wirklich schön und alle sind sehr nett. Wir gehen abends noch im Roadhouse Burger Restaurant schön Amerikanisch essen (ich kann sogar meine Beilagenpommes gehen Mac&Cheese eintauschen) und hauen uns um 19 Uhr (05 Uhr morgens deutsche Zeit) ins Bett. Wir sind tot müde.

    Um 00:30 Uhr (10:30 Uhr deutsche Zeit) werden wir dann zum ersten Mal wach und sind putzmunter.. naja, der Jetlag hält zum Glück nicht lange an. Am Sonntag erkunden wir nach dem Frühstück (Porridge oder Pancakes gibt es umsonst) die Stadt. Wie von allen Reiseführern prophezeit: Anchorage ist wirklich relativ klein und nicht sehr spektakulär. Eine amerikanische Stadt aus dem Bilderbuch. Also widmen wir uns direkt unserer großen Aufgabe: Autokauf!

    Wir haben bereits einiges an Recherche betrieben und einigen uns nach einem Mittagessen in der Mall darauf, die einzelnen Autohändler abzuklappern. Da es Sonntag ist, hat aber nur einer offen. Ohne Auto ist man hier etwas aufgeschmissen. Nachdem wir bei dem Mobilfunkgeschäft AT&T dem Verkäufer erzählen, dass wir noch kein Auto haben und zu Fuß unterwegs sind, schaut uns dieser nur mit großen Augen an: „Stay safe guys!“ Hm… ist das so ungewöhnlich auch mal zu laufen? Wir merken aber schnell, dass diese Stadt nicht auf Fußgänger ausgelegt ist.

    Bei dem Autohändler angekommen erspähen wir dann bereits unser Traumauto auf dem Hof: einen Chevrolet Express 2012. Etwas in die Jahre gekommen, aber noch in sehr gutem Zustand. Nachdem wir uns das Auto angesehen und am nächsten Tag eine Probefahrt gemacht haben (bei welcher wir das Auto auch gleich bei einer unabhängigen Werkstatt haben durchchecken lassen), sitzen wir schon am darauffolgenden Tag (Montag) bei dem Händler und unterschreiben den Kaufvertrag.

    Jetzt haben wir also ein Auto. So schnell und es ist das perfekte Auto für unser Vorhaben. Natürlich müssen wir noch einiges an Arbeit in das Auto stecken, die Rückbänke ausbauen und ein Bettkasten zimmern, Matratze und Bettzeug besorgen und das Auto bewohnbar machen. Aber es ist groß genug und liegt in unserem Budget. Bei der Bezahlung wird jedoch plötzlich unsere Kreditkarte abgelehnt… Das macht uns natürlich nervös denn bar können wir das Auto nicht bezahlen bei einem täglichen Abhebelimit von 500$ und Überweisung in die USA ist auch nicht einfach. Wir rufen also um 22 Uhr bei dem Kundenservice an, da dieser ja nur zu deutschen Werkzeiten erreichbar ist und am nächsten Tag klappt dann zum Glück auch der Bezahlvorgang!

    Am Dienstag Abend feiern wir den Autokauf mit Bier. Zufälligerweise gehen alle im Hostel an diesem Abend in einen Pub, das könnte uns nicht gelegener kommen! Ein toller Pub (riesig mit mehreren Bars und total verwinkelt) und natürlich kommt der Leadsänger der LiveBand auch aus Deutschland: „I lived there until I was 14! Do you know the Fantastische Vier?“

    Da wir das Auto nun also sicher haben, geht es am Mittwoch Mittag etwas verkatert direkt weiter mit dem Aufmöbeln. Wir stellen uns bei „The Home Depot“ (der amerikanischen Version von Obi inkl. orangenen Regalen und scheinbar benutzen auch alle Baumärkte der Welt die gleiche Schriftart für Preisschilder) auf den Parkplatz. Zunächst das Innere des Autos ausmessen und eine Skizze mit dem iPad fertigen: wie viel Platz haben wir? Welche Maße muss der Bettkasten haben?

    Wir betreten den Baumarkt insgesamt sechs mal mit immer anderen Anliegen und zimmern den Bettkasten auf dem Parkplatz. Viele neugierige Blicke laufen an uns vorbei und am Abend kommen sogar die Manager des Baumarkts rum: „Send us an E-Mail of the final result so we can make a poster an let everyone see what our German friends have done!”

    Wir sind bis 23 Uhr auf den Parkplatz. Es ist noch taghell aber wir sind bereits sehr müde. Zum Mittag gab es Burger bei Wendys und abends TacoBell… wir haben bereits jetzt die Nase voll von dem Fastfood, aber es ist leider die günstigste und schnellste Option. „Morgen kochen wir dann aber ganz sicher!“

    Inzwischen weiß auch (trotz täglich wechselnden Publikums) jeder im Hostel Bescheid, dass wir die zwei Jungs mit dem Van sind. Der Buschfunk im Hostel scheint also zu funktionieren.

    Letztendlich passt der Bettkasten mit viel messen, Sägen, hämmern, wieder Sägen (zu groß) und reinbuxieren ins Auto. Wir freuen uns. Jetzt fehlt nur noch die Matratze und die Boxen unter dem Kasten für unsere Kleidung. Das erliegen wir am Donnerstag neben den Entsorgen der Rückbänke.

    Hätte uns jemand vor einem Jahr gesagt dass wir in Alaska auf der Müllkippe stehen werden, um die ausgebauten Rückbänke unsere gerade gekauften Vans zu entsorgen, wir hätten das niemals geglaubt.

    P.S. Mein Rucksack ist auch endlich da. Von Berlin nach Zürich, von dort nach Vancouver und dann endlich nach Anchorage. Jetzt können wir auf den Roadtrip starten 🤩. (J)
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  • Gletscher, Wale und Elche

    June 12, 2023 in the United States ⋅ 🌧 6 °C

    Nachdem wir unsere erste Woche mit Autokauf und -ausbau verbracht haben, geht es für uns am Freitag endlich los auf den Roadtrip!

    Die erste Etappe machen wir direkt nicht alleine, sondern nehmen Kelly aus Chicago und Hilmar aus Amsterdam nach Seward auf der Kenai Peninsula (Halbinsel) mit. Die Kenai Peninsula ist ein großes Naturschutzgebiet, das von Wäldern, Gletschern und einem großen Icefield geprägt ist.

    Der Weg nach Seward ist schon ein absolutes Highlight! Grüne Mischwälder, hohe Berge und türkisfarbenes Gletscherwasser rahmen den Highway 9 von Anchorage nach Seward.

    In Seward übernachten wir auf einem Zeltplatz direkt am Wasser. Seward ist eine kleine Hafenstadt am Ufer des Resurrection Bay. Klein und beschaulich, aber durchaus charmant. Zunächst einmal bringen wir unsere Wäsche in den nächstgelegenen Salon (Laundromat genannt) und mithilfe einer freundlichen Dame fummeln wir uns in die Bedienungsweise der Maschinen. „Well I don’t work here you know“, antwortet sie, nachdem wir die sechste super spezifische Frage zu den Waschmaschinen und Trocknern stellen. Diese Hilfsbereitschaft von nicht angestellten Menschen sind wir nicht gewohnt!

    Später kochen wir im Regen unser erstes Abendessen on Tour, das wir dann aber im engen Auto verspeisen müssen. Schluck, dieser Standard wird erstmal etwas gewöhnungsbedürftig sein… Ich muss sogar eine Träne verdrücken, zuhause ist es jetzt bestimmt warm und sonnig.

    Auch die Zeltplätze hier sind anders als in Deutschland. Toiletten sind keine Selbstverständlichkeit und Duschen gibt es nur wenn man Glück hat (um heiß zu duschen sind wir hier in ein nahegelegenes Gym gegangen).

    Auf unserem Campingplatz stehen wir zwar in der vierten Reihe, können die Berge und den großen Fjord aber trotzdem beim Einschlafen aus unserem Auto beobachten. Die Nacht ist unerwartet kalt. Wir kuscheln uns fest in unsere Decke aber durch das undichte Auto schleicht die Kälte immer wieder ins Innere und so frösteln wir uns in den nächsten Tag.

    Am nächsten Morgen geht es nach dem Frühstuck auf eine Glacier Cruise. Die ist zwar teuer, aber jeden Cent wert: Wir fahren entlang von steilen Felsklippen und schroffen Waldhängen. „Alaska is rough, man!“ Je näher wir dem Gletscher kommen, desto kälter wird es. Auf der Fahrt sehen wir unglaublich viele Tiere: anfangs direkt einen Weißkopfseeadler. Wobei dieser bei der Rückfahrt unverändert an der gleichen Stelle sitzt (eine Attrappe um Beschwerden über mangelnde Tiersichtungen zu umgehen?).

    Kleine Wale springen wie Delphine entlang unseres Bootes und lassen sich von den Wellen treiben, wir sehen eine schlafende Buckelwalkuh. Wenn Buckelwale schlafen gilt das nur für eine Gehirnhälfte, die andere bleibt dabei wach und navigiert den Wal immer wieder an die Oberfläche um zu atmen.

    Näher an dem Gletscher sehen wir einige Seeotter, die sich durch die im Wasser schwimmenden Eisschollen auf dem Rücken treiben lassen und dabei fressen. Der Gletscher selbst ist gigantisch. Wir erreichen Temperaturen von unter null Grad und kleine Schlauchboote nah an Eingigangen sehen aus wie Stecknadeln. Auch kleine Gletscherabbrüche können wir beobachten. Durchgehend ist lautes Knacken und Krachen zu hören, was uns eine Vorstellung der Kräfte und Spannungen gibt, die hier herrschen.

    Auf der Rückfahrt schießt neben dem Boot eine schwertförmige Rückenflosse aus dem Wasser: ein Orca! Wir können unser Glück kaum fassen. Dann fahren wir an einem großen Felsen vorbei, auf dem sich eine Gruppe Seelöwen ausruht (wie sind die da hoch gekommen?).

    Nach sechs Stunden Fahrt sind wir zurück am Hafen und froh, wieder festen Boden unter den Beinen zu haben. Abends fallen wir müde, geschafft und völlig überwältigt von den Eindrücken dieses Tages in unser Bett. Die Nacht wird wieder kalt, aber diesmal sind wir wärmer angezogen.

    Den Sonntag verbringen wir vormittags noch in Seward und verabschieden uns von Kelly und Hilmar, die noch länger in der kleinen Hafenstadt bleiben.

    Wir fahren weiter, zunächst zum Exit Glacier einer Gletscherabbruchkante zu der man wandern kann. Mit Bärenspray und Regencapes ausgestattet starten wir also auf unsere erste (kleine) Wanderung. Ein bisschen nervös sind wir wegen der Bären schon, aber uns begegnet zum Glück keiner. Auch hier können wir wieder tolle Berghänge und Felsformationen beobachten und auch der Gletscher selbst ist ein einmaliger Anblick!

    Wieder am Auto zurück fahren wir weiter bis nach Hope. Ein kleiner verlassener Ort mit 79 Einwohnern. Wir entscheiden uns für den Campground in der Nähe des Strandes. Als wir gerade geparkt haben, spaziert ein Elch über die Straße und durch die Vorgärten der fünf Häuser auf der „Main Street“. Wir kaufen etwas Feuerholz und machen uns Abendbrot. Da wir ganz alleine sind, ist es sehr still. „Oh, you know yesterday it was packed here! We always have live Music here in this bar on the weekends but on Sundays everybody’s gone again” ließ uns der ortsansässige Imbissbetreiber wissen… schade, um einen Tag verpasst, aber so ganz alleine ist es auch sehr idyllisch. Einmal verwechseln wir einen Ast mit einem Bären und packen schnell alles ins Auto, aber sonst läuft der Abend sehr entspannt ab. Der Blick aus dem Auto am Abend und auch jetzt, morgens, ist wirklich wunderschön!

    Heute werden wir die Kenai Peninsula verlassen und uns langsam aber sicher Richtung Kanada aufmachen… (J)
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  • Wir haben Gold gefunden! 🤩

    June 16, 2023 in Canada ⋅ ☁️ 16 °C

    In Hope machen wir uns am Morgen des 12. Juni noch schnell im eiskalten Wasser des nahegelegenen Creeks bei lauter Musik (Bärenprävention) frisch. Dann geht es endlich los auf unseren Roadtrip!
    Einen kleinen Abstecher machen wir noch in Anchorage, um uns für die kommende Woche mit Lebensmitteln auszustatten und fahren dann über den Highway One Richtung Kanada. Es wird eine zweitägige Reise bis zu unserem ersten Ziel: Dawson City.

    Wir durchfahren unglaublich schöne Waldregionen mit riesigen Seen und hohen Bergen. Hier ist die Natur noch fast unberührt. Wir sind gerührt von der Schönheit dieser Wildnis. Über große, karge Hochebenen und durch weite, nur dünn bewachsene Tundraregionen fahren wir, die in dem Zwielicht der Abendsonne fast unheimlich wirken. Auf dem Alaska Highway, der teilweise eher als kleinen Schotterstraße daherkommt, sind wir ganz alleine. Nur alle 20 Kilometer steht mal ein einsames bewohntes Grundstück. „TRUM 2020“. Schnell weiter, liegen bleiben wollen wir in diesen einsamen Regionen wirklich nicht.

    Die Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz abseits des Highways und fahren am nächsten Morgen weiter auf den „Top of The World Highway“. Der Name ist Programm: Der Highway gleicht vielmehr einem Bergpass, denn wir schlängeln uns über Stunden in 1.300 Metern Höhe durch die großen Berge, „Loose Gravel“ die ganze Zeit. Scharfe Kurven, keine Leitplanken und neben uns geht es hunderte Meter in die Tiefe. Aber wir bleiben cool und können so weit und breit die grünen Hügeln überblicken. Dann endlich, ganz unscheinbar und einsam: Die kanadische Grenze. Grenzkontrolle auf über 1000 Metern mitten im Gebirge, wir finden das total abgefahren. Die Kontrolle verläuft unproblematisch und in Kanada haben wir auch endlich wieder festen Asphalt unter den Rädern. Zumindest die ersten 200 Meter, bis die Straße sich wieder in „Loose Gravel“ und scharfe Kurven verwandelt. Doch es geht merklich bergab und wir fahren durch Canyons, mit schlotterigen Rinnsalen und hohen Abraumhalden. Hier haben also Goldgräber gewütet und unser Ziel, Dawson City, kann nicht mehr weit sein!

    Und so ist es auch: Wir fahren einen letzten Hügel hinab und halten an einem Schild: „Attention! Slow Ferry!“. Nach Dawson City kommt man nur mit der Fähre. Und die ist wirklich slow... Wir stehen also an und warten, bis auch unser Van endlich auf die Fähre passt (unser Auto ist hier übrigens eher die Mickey-Maus-Version eines „richtigen“ Campervans. Die Amis fahren teilweise mit zu Wohnwägen ausgebauten Reisebussen durch die Gegend).

    In Dawson City wohnen wir auf einem Zeltplatz, der sowohl heißes Duschwasser, Strom und auch WLAN anbietet. Wir können unser Glück kaum fassen und verlängern direkt auf zwei Nächte. Am ersten Tag in Dawson City fahren wir erstmal die alten Goldgräberstraßen ab. Wir passieren das verlassene Claim 33, in welchem man bis vor Corona noch selber Gold waschen konnte und das nun als Outdoor-Museum fungiert. Hier stehen alte rostige Gerätschaften, die um 1900 während des Goldrauschs als Abbauwerkzeug dienten. Die „Dredge No 4“ zeigt, mit welch riesigen Maschinen die Menschen den Boden umgegraben haben, um auch wirklich das letzte bisschen Erde nach Gold zu durchwühlen. Ganz schön brutal das ganze, aber die Natur schafft es doch auf den alten Halden mit ihren Wurzeln halt zu finden und fängt langsam an, das Gebiet wieder zu erobern.

    Zurück in Dawson City nehmen wir an einer Führung durch die historische Stadt teil. Dass die Stadt regelmäßig als Filmkulisse für Wildwest-Filme dient, glauben wir gerne! Wir besichtigen das alte Postamt, eine Bar und die Bank. Im Dawson City Hotel kann man sich einen mumifizierten Zeh in einen Drink seiner Wahl tun lassen. Wenn man den Zeh dann mit den Lippen berührt, erhält man eine Ehrenurkunde. Ursprünglich war der Zeh das Überbleibsel eines legendären Goldgräbers. Da zwischenzeitlich jedoch ein Youtuber den Zeh absichtlich runtergeschluckt hat, ist der neue Zeh nun der eines italienischen Bergsteigers, dem dieser Zeh bei einer Wanderung abgefrohren ist und der ihn gespendet hat, damit die Tradition fortleben kann. Wir lehnen dankend ab.

    Abends gehen wir zu einer Show bei Gerties. „Everybody knows Gerty“. Ein Casino, in welchem jeden Abend ConCon Tänzerinnen eine Varieté Show geben. Wir haben viel Spaß und schaffen es danach sogar noch auf den Midnight Dome, einen 300 Meter hohen Berg, der über der Stadt Dawson thront. Von hier hat man einen tollen Blick über den Yukon-River und Dawson City!

    Am nächsten Tag wollen wir selber Goldwaschen. In Dawson wir eine „Goldbottom-Tour“ angeboten. Goldbottom ist eine verlassene Goldgräberstätte ganz in der Nähe. David und seine Frau schürfen hier immernoch jedes Jahr nach Gold. Ein teures Hobby erzählt er uns, aber es lohnt sich. Wir können die aktuelle Ausgrabungsstätte begutachten. Mit riesigen Maschinen und schwerem Gerät wird hier der Boden umgegraben und nach Gold durchforstet. Auch Davids Mutter lebt noch in der Nähe und feiert morgen ihren 95. Geburtstag. In Goldbottom können wir uns auch selber im Goldwaschen versuchen und finden sogar etwas Gold, das wir auch behalten dürfen. Was für ein Erlebnis! Abends gehen wir nochmal zu Gerties zu einer anderen Show. Donnerstags bis Sonntags ist sogar das Casino offen und nun ist hier auch deutlich mehr los als noch am gestrigen Abend. Nach der 22 Uhr Show fahren wir nochmal hoch auf den Midnight Dome, um uns den Sonnenuntergang anzusehen. Die Sonne geht auch um 00:44 Uhr unter bzw. verschwindet hinter den Bergen. So richtig unter geht die Sonne hier nicht. Es bleibt durchgehen hell und um 03:30 Uhr geht sie wieder auf. So lange bleiben wir aber nicht mehr wach und gehen um 01:00 Uhr bei Tageslicht ins Bett. Heute Nacht schlafen wir direkt auf dem Midnight Dome in einer Parkzone. Dawson City war eine tolle Erfahrung!

    Die nächsten Tage wollen wir in Whitehorse verbringen und dort organisatorisches erledigen. Dann geht es Richtung Jasper und Banff in die Nationalparks. Aber da die Fahrt von Whitehorse nach Japser ca. 4 Tage à 7 Fahrstunden bedeutet, werden wir auf dem Weg dorthin sicher auch noch einiges erleben. Hoffentlich sehen wir dann auch endlich mal einen Bären! (J)
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  • Bären, Bisons und heiße Quellen 🧖🏻🧖🏼

    June 18, 2023 in Canada ⋅ ☁️ 15 °C

    Von Whitehorse machen wir uns auf den Weg Richtung Jasper. Es wird eine lange Reise, 1.930 Kilometer. Wir wollen uns 3-4 Tage für die Strecke nehmen. Guter Dinge fahren wir um 10 Uhr in Whitehorse los. Am ersten Tag wollen wir es bis zu den Liard River Hot Springs schaffen, natürliche heiße Quellen, in welchen man baden kann, was bei den aktuellen noch kühlen Nächten sehr verlockend klingt. Nach den ersten 300 Kilometern sehen wir am Straßenrand endlich den ersten Schwarzbären. Dann noch einen und noch einen. Hier sind die Bären also endlich wirklich da. Gebannt halten wir bei dem ersten Bären wo es sich anbietet am Straßenrand an. Dieser schaut nur kurz unbeeindruckt hoch und widmet sich dann wieder den Steinen, die er umdreht um darunter nach Käfern und anderen Insekten zu suchen. Ganz schön aufregend. Auf der ganzen Fahrt sehen wir bestimmt sechs oder sieben Schwarzbären. Auch landschaftlich fühlen wir uns wie im Märchen. Teilweise kommen wir uns vor, als wären wir live in einem Bob Ross Gemälde. Wie gemalt krönen die schneebedeckten Berge den Horizont. Davor der glasklare, mit Gletscherwasser gespeiste Bergsee, gerahmt von den grünen Mischwäldern Nordkanadas.

    Wir verlassen das Yukon Territory und passieren die Grenze nach British Columbia, dem angrenzenden Bundesstaat. „Attention! Wild Bison Crossing!“, lesen wir auf einem Schild an der Grenze. Wir fragen uns, ob es denn wirklich wilde Bisons gibt und kaum 10 Minuten später stehen wir mitten in einer wilden Bisonherde, die am Straßenrand steht und grast. Einige Kälber sind auch dabei und ein großer Bulle liegt entspannt aber wachsam am Straßenrand und beobachtet genau, wie wir uns verhalten. Wir fahren ganz vorsichtig und langsam an der Herde vorbei, denn sollten uns die Bisons als Gefahr einstufen, hat unser Auto wohl keine Chance, unversehrt gegen eine Horde wütender Bisons anzukommen. Zum Glück geht aber alles gut.

    Ein paar Kilometer weiter sehen wir einen Braunbären. Bei so weichem Fell und friedlicher Ausstrahlung, kann man sich kaum vorstellen, dass diese Bären wirklich Menschen angreifen würden. Gemütlich trottet der Teddy an der Straße entlang. Wir würden am liebsten aussteigen und ihn streicheln, machen das aber natürlich nicht.

    Nach etwa neun Stunden Fahrt erreichen wir endlich unser Ziel: die Liard River Hot Springs. Der hiesige Zeltplatz ist leider schon voll; aber es gibt einen angrenzenden Parkplatz, auf welchem man auch schlafen kann und trotzdem Zugang zu den Quellen hat. Das Angebot nutzen wir gerne. Wir schlüpfen in unsere Badehosen und laufen Richtung heißer Quellen. Wir wissen nicht genau, was wir erwarten können, sind aber völlig überwältigt von dem, was uns geboten wird: ein Holzsteg führt im Licht der Abendsonne durch einen dichten Wald und über große Sumpfflächen. Wir sehen zwei Elche, die mit ihren mächtigen Geweihen im Wald stehen und sich an der Natur sattfressen. Auch die heißen Quellen selbst sind ein wahrer Traum! Ein kleiner hölzerner Pavillon rahmt den Eingang zu den Quellen. Diese liegen inmitten des wunderschönen Nadelwaldes. Die Bäume lassen immer wieder das Sonnenlicht durchblitzen, welches sich im Dampf der heißen Quellen verfängt und so dem ganzen einen noch romantischeren Anstrich gibt. Das Wasser ist tatsächlich sehr heiß. Kleine Wasserfälle laufen von den Rändern des Beckens in das heiße Wasser und sorgen so für etwas Abkühlung. Dort, wo die Erdgase austreten kann man das Wasser richtig kochen sehen. Durch die Gase riecht es auch etwas schwefelig, aber es lässt sich insgesamt sehr gut aushalten. Neben den Quellen führt noch ein Weg hoch zu hängenden Gärten. Dort plätschert ein natürlicher Wasserfall über mehrere Steinvorsprünge, die von Wildblumen und Mosen erobert wurden. Wir wissen nicht, ob wir schon einmal in einem so schönen Wald waren.

    Ganz beseelt gehen wir zurück zu unserem Auto und schlafen auch bald ein. Die nächsten beiden Tage werden reine Fahrtage. Landschaftlich gibt es auch hier wieder einiges zu sehen, zum Beispiel den McLeod Lake mit grünen Inseln in der Mitte, ein paar verwahrloste Bergziegen, die sich vom Staub am Straßenrand ernähren oder den Mount Robson, der mit knapp 4.000 Metern der höchste Berg der kanadischen Rocky Mountains ist. All das passieren wir auf unserem Weg Richtung Jasper Nationalpark, wo wir die nächsten Tage verbringen und unsere ersten großen Wanderungen machen werden. (J)
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  • Jasper Nationalpark: Schnee & Chipmunks

    June 24, 2023 in Canada ⋅ ☁️ 18 °C

    Nach drei langen und anstrengenden Autofahrtagen und bislang insgesamt über 3.000 Kilometern Fahrt kommen wir endlich im Jasper Nationalpark an. Wir sind auf einem super schönen Campingplatz, unser Stellplatz liegt am Rand des Zeltplatzes umgeben von Bäumen. Hier soll es auch Bären geben, wir treffen aber glücklicherweise keinen an. Stattdessen nur einige Eichhörnchen, die sich von unserer bloßen Anwesenheit scheinbar gestört fühlen und ordentlich Alarm machen. Als sie jedoch merken, dass von uns keine Gefahr ausgeht, nehmen sie sich wieder ihre Lieblingsbeschäftigung an: Tannenzapfen aufknacken und die Samen fressen.

    Total ausgehungert von der langen Fahrt gönnen wir uns an diesem Abend seit langem mal wieder ein Essen im Restaurant. Bei Earl‘s kommen wir auf unsere Kosten und lassen uns neben „Crispy Prawn Sushi Tacos“ auch eine „Spicy Salmon Poké Bowl“ und einen richtig guten Burger schmecken.

    Am nächsten Tag gehen wir es erstmal entspannt an. Wir schlafen aus. Es regnet, also nochmal umdrehen. Gegen Mittag schluffen wir zu den Waschräumen und hören dort von einer Camperin, dass es in Japser scheinbar kurz vor unserer Ankunft heftige Schneefälle gegeben hat und die meisten Wanderwege derzeit sowieso gesperrt sind. „Also ich werde heute keinen Fuß aus meinem Camper bewegen“, teilt sie uns mit.

    Wir zucken müde mit den Achseln, gehen duschen. Dann gucken wir einen Film und machen Mittagsschlaf. Als wir davon erwachen, scheint die Sonne und die Vögel zwitschern. Jetzt wollen wir mal die Stadt von Japser erkunden. Jasper ist ein wirklich schöner kleiner Ort, mit einer Einkaufsstraße, netten Cafés und alten Gebäuden. Die meisten Gebäude sind zwar renoviert, aber dennoch wirkt Japser authentisch kanadisch. So wie man sich eine kanadische Kleinstadt eben vorstellt. Wir kaufen einige Lebensmittel für die nächsten Tage ein, heute Abend gibt es Burger. Die gelingen auch wirklich gut und schmecken köstlich. Nach diesem sehr entspannten Tag, stellen wir uns aber für den nächsten Tag um acht einen Wecker: „Morgen machen wir endlich unsere erste richtige Wanderung!“.

    Naja, auf den Wanderweg sind wir letztendlich so gegen 12. Das mit dem früh aufstehen müssen wir noch üben. „Aber wir sind ja jetzt auch in einer anderen Zeitzone. Für uns hat der Wecker schon um sieben geklingelt“. Dass wir zu spät dran sind, merken wir bereits bei der Parkplatzsuche. Wenn man hier in Ruhe wandern will, muss man eigentlich vor 07:00 Uhr auf den Wanderwegen sein.

    Die Wanderung die wir heute machen wollen heißt „Valley of the Five Lakes“. Und sie hält was sie verspricht. Fünf wunderschöne Seen begleiten diesen (leider zu Anfang etwas überlaufenen) Wanderweg. Wir haben noch nie so glasklares Wasser gesehen. Die türkisblauen Seen liegen unberührt und ohne Aufregung gebettet inmitten der Kiefernwälder des Jasper-Nationalparks mit den schneebedeckten Rocky-Mountains im Hintergrund. An einem See machen wir kurz Rast und gehen bis zu den Knien ins Wasser. Kalt aber schön.

    Die Folgen des Unwetters können wir nun auch sehen, denn der Wanderweg ist übersäht mit umgestürzten Bäumen. Teilweise müssen wir drüber steigen oder unten durch kriechen. Ab und zu laufen wir aber auch zwei Arbeitern des Nationalparks über den Weg, die mit ihrer Kettensäge die Bäume einfach dort abschneiden, wo sie den Wanderweg blockieren. Simpel aber effektiv.

    Wir entscheiden uns, den größeren Bogen um den letzten See zu laufen und unterschätzen ein bisschen, wie anstrengend das doch für uns wird. Kein Wunder, dass wir auf einmal auch ganz alleine auf dem Wanderweg sind. Also wieder laut sprechen und singen und bloß keinen Bären erschrecken und erst recht keinem über den Weg laufen.

    Bären treffen wir zum Glück keine. Nur einige Eichhörnchen die ganz süß ihre Tannenzapfen knacken. Dieser Emoji 🐿️entspricht in etwa genau dem, wie die Hörnchen hier auf den Bäumen sitzen.

    Die letzten drei der insgesamt neun Kilometer langen Wanderung suchen wir den passenden Platz für Rast. Hier fühlt es Johannes nicht, dort fühlt es Rico nicht, „aber wenn wir wieder an dem See rauskommen, da setzen wir uns ans Ufer und machen Rast!“. Nun ja, der einzige See an dem wir noch rauskommen ist ein milchiger, mückiger See mitten in der knallen Sonne, über dessen Steg alle Wandernden rüberlaufen. Diesen See (oder Teich) haben wir am Anfang der Wanderung auch überquert und wissen also, dass die Wanderung fast vorbei ist. Pause machen wir also am Ende in unserem sehr aufgeheizten Auto.

    Auf dem Rückweg überquert noch eine Elchkuh mit ihrem Jungen die Straße ganz selbstverständlich und ohne wirklich auf den Verkehr zu achten. „Fair“, denken wir uns, denn eigentlich ist das ja hier ihr Revier und nicht unseres.

    Für die nächste Wanderung (Maligne Canyon und Maligne Lake) stehen wir nun tatsächlich früh auf. Um sechs klingelt der Wecker und um 07:30 Uhr sind wir auf dem Parkplatz. Auf dem Weg sehen wir noch einen Elch mit deinem prächtigen Geweih, der sich an den mit Morgentau befeuchteten Büschen am Straßenrand sattfrist.

    Die Wanderung selbst ist atemberaubend. Ein kleiner Trampelpfad führt uns erst einige Kilometer tief in den Wald hinein, bis wir ein leises Plätschern zu unserer rechten hören. Dieses entwickelt sich, je weiter wir laufen, immer mehr zu einem lauten Rauschen, bis wir schließlich am Maligne River stehen, der sich mit unglaublicher Kraft und Stromstärke durch den Canyon windet. Mehrere Wasserfälle und Stromengen lassen das Wasser immer mehr beschleunigen. Die Natur kann manchmal ganz schön brutal und gleichzeitig so faszinierend sein. Gerade jetzt in der morgendlichen Idylle schneidet dieser peitschende Strom einen groben Kontrast und fügt sich dennoch so mühelos perfekt in das Gesamtbild ein.

    Nach dem Maligne Canyon geht es noch weiter zum Maligne Lake, wo wir den Mary-Schäffer-Loop laufen wollen. Je weiter wir fahren, desto mehr Schnee liegt am Wegesrand, bis wir letztendlich an einem völlig zugeschneiten Maligne Lake ankommen. So viel Schnee habe es im Juni hier noch nie gegeben erzählt man uns. Total abgefahren. Wir laufen in dünner Kleidung (Rico mit kurzer Hose) den zugeschneiten Mary-Schäffer-Loop, einen total malerischen kleinen Rundwanderweg, der sich entlang des Sees und durch den anliegenden Wald schlängelt. Hier im Schnee kann man leider auch die ganzen Spuren sehen, die uns wissen lassen, dass hier vor nicht all zu langer Zeit wenigstens ein Bär lang getapst ist. Inzwischen sind wir aber schon cooler was Bären angeht. Als wir um eine Ecke laufen sitzt mitten auf dem Weg ein Tannenhuhn, dass es sich auf dem Wanderweg gemütlich gemacht hat. Als es uns sieht wird es etwas nervös und auch der Hahn kommt dazu. Das Huhn steht auf und wir verstehen, warum es so aufgeregt ist: die Henne hat ihre Küken gewärmt, die vermutlich im Schnee so nicht überleben könnten und auf die Wärme durch ihre Mutter angewiesen sind. Auch die Tiere passen sich hier also dem ungewöhnlichen Wetter an.

    Wir sind ganz beglückt das beobachten zu können und freuen uns noch bis zum Ende des Wanderweges darüber. Auf der Rückfahrt sehen wir am Straßenrand sogar noch eine Schwarzbärin mit zwei jungen. Die kleinen Bären sind ja noch süßer als die großen!!

    Die restliche Zeit in Japser verbringen wir mit Planung der nächsten Wochen (Columbia Icefield Road, Banff, Revelstoke, Vancouver, Vancouver Island, Whashington State mit dem Olympic Nationalpark,…). Wir ziehen nochmal auf unserem Zeltplatz um, diesmal schlagen wir unser Lager neben einem kleinen Bach auf und rösten Marshmallows über dem Lagerfeuer. Das Feuerholz kriegt man hier dazu und von unseren Nachbarn kriegen wir sogar eine Axt für einen schmalen Taler. Rico freut sich ganz besonders, jetzt endlich mal Holz spalten zu können („Ich wollte schon immer mal eine Axt haben!“)

    Wir waschen Wäsche, gehen
    einkaufen und dann heißt es auch schon Abschied nehmen von Japser und dem Jasper Nationalpark. (J)
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  • Banff: Hochs und Tiefs (wortwörtlich)

    June 29, 2023 in Canada ⋅ ☁️ 22 °C

    Von Japser geht es über die Columbia Icefield Road nach Banff. Die Columbia Icefield Road soll eine der schönsten Strecken der Welt sein, zumindest dem TravelGuide zufolge, der uns in Jasper ausgehändigt wird.

    Auf dem Weg machen wir einige Stopps und strecken die rund 300 Kilometer auf einen ganzen Autofahrtag. Die Straße ist wirklich schön: sie schlängelt sich entlang der typisch-grünen Tannenwälder Kanadas, einiger See und auch bis hoch ins Gebirge, wo das Columbia Icefield besichtigt werden kann. Die Touren sind uns jedoch zu teuer. Wir machen lieber Halt an einigen Wasserfällen und Lookouts und nutzen das Columbia Icefield Infocenter als Mittagspausenstopp und WLAN-Quelle zur Planung der kommenden Wochen.

    Am späten Nachmittag kommen wir in Banff an und merken den Unterschied zu Japser sofort: ein Luxushotel reiht sich an das nächste, die Straßen sind voll mit Touristen und beim Einkaufen verlieren wir bei dem Trubel fast die Nerven. Banff ist deutlich touristischer als Jasper. „Naja“, denken wir uns, „dann wird ja zumindest auch unser Campground ganz nett und erschlossen sein“. Fehlanzeige! Wir müssen aus Banff eine gefühlte Ewigkeit zu unserem Zeltplatz fahren, der mitten in einem immer-feuchten Wald liegt. Statt einer heißen Dusche begrüßen uns mehrere Dutzend Moskitos und die sanitären Anlagen sehen aus, als wären sie seit 1980 nicht mehr renoviert worden (was wohl gar nicht so unwahrscheinlich ist). Unser erster Abend in Banff endet früh, denn am nächsten Tag klingelt schon um 05 Uhr der Wecker: wir wollen zum berühmten Lake Louise. Dieser ist nicht nur uns bekannt und wenn man nicht völlig im Tourismusdschungel untergehen will, muss man wohl spätestens um 06 Uhr morgens vor Ort sein.

    Gesagt, getan. Voller Euphorie sind wir am nächsten Morgen um 05:30 Uhr auf dem Highway Richtung Lake Louise und freuen uns auf das entspannte Morgenidyll an einem unberührten Gletschersee.

    Diese romantisch verklärte Vorstellung wird schnell mit der knallharten Realität überschrieben: gerade so kriegen wir noch einen der letzten Parkplätze. „Dayparking 21 $“. Mürrisch legen wir unsere Parking Permit hinter die Windschutzscheibe und machen uns auf den Weg zur Wanderung zum Lake Louise. Diese Wanderung dauert genau drei Minuten, denn der See ist quasi direkt am Parkplatz. Wirklich unberührt ist der See auch nicht: ein 15-geschossiger Hotelkomplex (Typ Platte mit Märchentürmchen) verspricht einen einmaligen Blick vom eigenen Hotelzimmer auf den Lake Luise und reiht sich problemlos ein in das Gesamtbild, das durch betonierte Wege und hunderte posierende Touristen komplettiert wird. Unsere Laune ist entsprechend. „Naja“ ,denken wir uns, „vielleicht gibt es ja hier in der Nähe doch noch einen recht ruhigen Wanderweg, damit die 21 $ nicht völlig zum Fenster rausgeschmissen sind“. Und so ist es auch: versteckt an der Seite von einem betonierten Weg um den See weist ein Schild den Wanderweg zum Lake Agnes und dem gleichnamigen Teehaus aus. Das ist genau nach unserem Geschmack und wir machen uns direkt auf. Die Wanderungist wirklich anstrengend. Die 3,8 Kilometer fühlen sich an wie 10. Es geht steht nur bergan und der Wanderweg selbst ist tatsächlich eher naturbelassen. Aber das ist auch was wir wollten. Als wir nach mehreren Pausen, kleinen Zickereien und viel Schweiß endlich beim Agnes Lake und dem Teehaus angelangt sind, ist es kurz vor acht. Das Teehaus macht um acht auf. Perfekt! Eine kleine Schlange hat sich schon vor der Hütte gebildet, aber das ist im Vergleich zum Lake Louise wirklich verkraftbar. Die Anstehenden kämpfen nach der Eröffnung um die Plätze draußen mit vermeintlich schönsten Blicken, aber wir entscheiden uns rein zu gehen, da es ohnehin noch sehr frisch ist. Das ist auch die beste Entscheidung, der Charme des Teehauses kommt im Innenraum erst wirklich zur Geltung und wir sitzen an dem schönsten Platz durch das Fenster auch einen wirklich malerischen Blick hatte. So kommen wir auch mit dem Team ins Gespräch („this is exactly the spot I sit at every morning!”) und im Hintergrund dudelt zwischendurch sogar „Pocahontas“ von „Annenmaykantereit“. Wir trinken Limonade und essen Suppe und Kekse. Als wir das Teehaus wieder verlassen, hat sich davor schon eine dermaßen lange Schlange gebildet, dass wir wirklich Mitleid mit den Wandernden haben, die es bis hier geschafft haben und dann noch so lange anstehen müssen. Für uns geht es aber erstmal noch etwas höher hinaus zum „Little Beehieve“ von welchem wir einen tollen Blick über den Lake Louise (ohne Touristen) haben. Der Abstieg ist auch nicht unanstrengend, aber wir sind wirklich froh, dass wir so früh gewandert sind, denn es kommen uns Massen an Menschen entgegen, die sich eine solche Idylle wir sie beim Anstieg hatten wohl auch wünschen würden. Letztendlich hat sich Lake Louise also doch gelohnt.

    Den Nachmittag nutzen wir, um ab dem nächsten Tag einen neuen Campground zu finden und kochen uns abends eine mittelmäßige Reisepfanne.

    Der zweite Banff-Tag wird genutzt zur Orga von Campgrounds und dem Buchen einer neuen Unterkunft in Vancouver (unsere bisherige hat wohl einen Wasserschaden). Am Mittwoch wollen wir mit der Sunshine Valley Gondola hoch zum Sunshine Valley fahren und von dort weiter mit dem Sessellift zum Start des Grizzly Lake Loop. Wir stehen wieder früh auf, um die erste Gondel um 08 Uhr zu erwischen. Doch auch hier haben wir Pech: die Gondel fährt nicht (Reparaturarbeiten). Als Ersatz wird ein Bus-Shuttle angeboten, preislich bleibt es aber bei den 65 $ pro Person. Immerhin funktioniert der Sessellift und eine Fahrt in einem klapprigen, gelben Schulbus der zum Shuttle umfunktioniert wurde, ist auch kein uncooles Erlebnis (wir fühlen uns wie Bart Simpson).

    Oben im Sunshine Valley geht es auf den Sessellift und von über 2.100 Metern dann los auf die Wanderung. Diese Wanderung ist die malerischste und bezauberndste die wir bisher gemacht haben: wir sind fast ganz alleine mitten im Hochgebirge, umgeben von Bergblumen, riesigen Wiesenflächen und atemberaubenden Ausblicken. Uns begegnen nur mehrere Nager auf dem Weg und auch ein zutrauliches Murmeltier kreuzt unseren Weg. Die Wanderung führt entlang von drei Seen und passiert auch den „Simpson-Lookout“ (wie passend).

    Der Hinweg geht fast nur bergab, das Wissen, auch alles wieder hoch zu müssen entmutigt uns bei einer solchen Atmosphäre aber nicht. Der Gedanke an Bären ist bei uns zwar immer noch im Hinterkopf vorhanden („Be Bear Aware!“) aber wir sind inzwischen schon deutlich entspannter und natürlich begegnet uns auch kein Grizzly (auch nicht am Grizzly-Lake).

    Der Rückweg ist so wie am Lake Louise: uns kommen ununterbrochen Wandergruppen entgegen und wir sind wieder darin bestätigt: früh Wandern lohnt sich! Als wir zurück kommen fährt die Gondel wieder, wir gönnen uns aber erstmal noch einen Snack (überbackene Nachos) im ansässigen Pub. Gerade als wir fertig sind, donnert es in der Nähe und die Gondel schließt, diesmal wegen des Wetters („Is‘n Scherz oder?“). Zunächst beschließen wir zu warten und überbrücken etwas Zeit mit Billardspielen im Pub, aber als auch nach 1,5 Stunden keine Wiedereröffnung der Gondel in Sicht ist, geben wir auf. Also wieder mit dem Bus runter. Die Gondel hat leider nicht geklappt, aber die Wanderung war’s trotzdem wert (und Sessellift fahren war auch ganz nett ☺️).

    Insgesamt ist uns Banff zu touristisch und wir beschließen, einen Tag früher als geplant abzureisen. Den letzten Tag wollen wir noch im Johnston Canyon wandern gehen und dann weiter ziehen in Richtung Revelstoke und Vancouver.

    Für den Johnston Canyon heißt es wieder um 06 Uhr aufstehen. Diesmal ist der Parkplatz wirklich leer und wir können die Wanderung sehr genießen. Sie führt entlang zwei toller Wasserfälle und weiter bis zu den „Inkpots“, kleine Seen in verschieden Farben, die von unterirdischen Quellen gespeist werden. Auch hier wieder viel bergan und bergab, wir schwitzen, aber die Ausdauer wird langsam schon besser. Bei den Inkpots sind wir ganz alleine und können eine ausgedehnte Pause mit kleinem Schläfchen machen. Auf dem Rückweg treffen wir wieder viele Wandernde und zweigen auf halber Strecke Richtung „Moose Meadows“ (zu deutsch: Elchwiesen) ab, ein Umweg von ca fünf Kilometern. Hier erhoffen wir uns aber große weite Wiesen und vielleicht auch den ein oder anderen Elch. Naja, der Wanderweg schlängelte sich durch einen sehr dichten Tannenwald („Wo sind die Meadows und wie zur Hölle sollen hier Elche durchpassen??“) und endet auf dem Moose Meadows Parkplatz. Von hier müssen wir nochmal zwei Kilometer entlang des Highways laufen, auf dem oft Grizzlys gesichtet werden. Doch auch diesen Entspurt in der heißen Sonne schaffen wir und genießen dann, nach 16 Kilometern Wanderung (und 123 Stockwerke An- und Abstieg laut der iPhone Fitness App) die Klimaanlage im Auto. Mittags heißt es dann Kaffee trinken und FindPenguins schreiben und den letzten Abend gehen wir nochmal richtig schön essen (Rico will Bison Ribeye Steak probieren).

    Banff war insgesamt sehr durchwachsen. Touristisch aber trotzdem landschaftlich wirklich schön. Also Hoch‘s und Tief‘s sowohl emotionaler Art als auch auf den Wanderungen. Weiter gehts nach Revelstoke! (J)
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  • Big City Life in Vancouver

    July 6, 2023 in Canada ⋅ ☁️ 27 °C

    Von Banff fahren wir einen Tag früher als geplant los Richtung Vancouver. Einen Zwischenstopp machen wir in Revelstoke mit zwei Übernachtungen. Die ganze Strecke von Banff nach Vancouver zieht sich, es geht viel bergauf und bergab und landschaftlich haben wir uns inzwischen an Kanada auch gewöhnt. Revelstoke ist ein kleines, beschauliches Örtchen. Es gibt dort einen ganz netten Nationalpark, den Mount Revelstoke mit dem Meadows in the Sky Parkway. Wir machen dort ein paar kleine Wanderung und besichtigen auch den großen Staudamm, aber mehr gibt es in Revelstoke dann auch nicht zu tun. Am Sonntag machen wir uns nach einem sehr amerikanischen Frühstück bei Dennys (Pancakes MIT Bacon UND Ahornsirup UND Spiegelei UND Hashbrowns, unser Cholesterinspiegel ist für die nächsten Wochen überlastet) endlich auf in Richtung Vancouver. Unser Hotelzimmer in Vancouver haben wir erst ab Montag, aber da es Freitag schon weiter nach Vancouver Island geht, wollen wir den Montag voll in Vancouver auskosten und nicht als Autofahrtag verschwenden.

    Sonntag Abend kommen wir also nach einer langen Autofahrt in Vancouver Downtown an und haben erstmal einen ganz schönen Kulturschock. Wir sind nach so langer Zeit in beschaulichen Nationalparks und einsamen Gegenden von dem Verkehr und den ganzen Menschen etwas überfordert und flüchten erstmal ins Kino: Indianer Jones 5. Genau das, was wir gerade brauchen. Vorher schlagen wir uns noch den Bauch mit frischem und überraschend gutem Indischen Curry aus dem Deli im Supermarkt voll. Die Nacht verbringen wir in einer Einfamilienhausgegend auf der Straße und schlafen in unserem Auto (ein bisschen Lichtenrade-/Karow-like).

    Montag früh fahren wir dann direkt morgens zu unserem Hotel und haben Glück: wir können schon einchecken. Wir bekommen ein 2-Zimmer Apartment im 17. Stock mit tollem Blick über Downtown. Den Tag in Vancouver verbringen wir mit Sightseeing. Im Hop-On Hop-Off Bus geht es zwei Stunden durch Vancouver mit den schönen Seiten wie der Robson Street und dem Stanley Park (den wir bald auch mit dem Rad erkunden wollen) und den nicht so schönen Seiten, wie Chinatown. Wir schlendern am Nachmittag noch durch die belebte und kulinarisch vielfältige Robson Street und gönnen uns einen in Asia-Instantnudeln panierten riesigen Mozzarella-Corn-Dog mit Ranch & Barbecue Dressing (pervers!!).

    Am Abend steht ein besonderes Highlight auf dem Programm: Wir haben einen Tisch in dem sich drehenden Panoramarestaurant im Vancouver Lookout Tower reserviert. Im gläsernen Fahrstuhl geht es auf 170 Meter Höhe. Tatsächlich bekommen wir einen Tisch direkt am Fenster und können einen wahnsinnigen Blick über Vancouver, den Hafen, das Meer und sogar bis zum Mount Olympic in Washington State (USA) genießen. Im goldenen Licht der untergehenden Sonne lassen wir uns nach einem Aperitif bei einer Flasche Wein einen Hummer (Rico) bzw. ein Thunfischsteak (Johannes) schmecken. Auch der Blick bei Dunkelheit ist faszinierend und der erste volle Tag in Vancouver findet so den perfekten Abschluss.

    Am Dienstag leihen wir uns Fahrräder aus und wollen auf den Rädern entlang des wohl sehr tollen Radwegs zum Granville Market, einem Markt mit vielen kleinen Shops und großer Markthalle. Der Plan ist; dass wir uns hier mit Lebensmitteln eindecken und dann im Stanley Park picknicken. Der Radweg ist wirklich ganz malerisch schön, man kommt sich vor, wie in einer perfekten grünen Utopie: Breite Wege für Fußgänger, Spielplätze, Cafés, Blumenbeete, Wohnblocks und der zweispurige Radweg. Weit und breit keine Autos, kein Verkehr, Vancouver ist also wirklich zumindest zum Teil eine Stadt für Menschen und nicht für Autos. Das macht uns sehr glücklich. Am Granville Market angekommen bummeln wir ein bisschen durch die hübschen Geschäfte und kaufen uns sogar eine Hängematte. In der Markthalle sind wir ganz überwältigt von der Auswahl an frischen und leckeren Lebensmitteln und Streetfoodständen. Der Magen knurrt schon, also holen wir uns doch schon etwas für gleich und machen das Picknick gleich vor Ort. Es gibt Pasteten, Spinattaschen, Quiche und Cupcakes. Dazu frischer ungesüßter Eistee und Limonade 😋.

    Nachdem wir uns die Mägen vollgeschlagen haben geht es weiter zum Stanley Park. Das erwartete Picknick hätten wir hier auch gar nicht zufriedenstellend machen können, denn der idyllische Park aus unserer Vorstellung ist in Realität ein mit Straßen und Parkplätzen durchzogener Forst, der keine Liegeflächen bietet und auch keine Möglichkeit unsere Hängematte auszuprobieren (was uns der Verkäufer aber versichert hat). Naja. Zum Glück haben wir das Picknick schon vor Ort im
    Granville Market erledigt.

    Am Abend gibt es in der Bar neben unserem Hotel einen Bingoabend, moderiert von einer Dragqueen. Wir sind früh dran und trinken noch etwas auf der Terrasse. Auf die Frage, wann es denn losginge wird uns geantwortet: „When the Dragqueen arrives. You‘ll notice, she’s very loud!”. Und so war es auch: kreischend und mit allen, die nicht bei drei auf dem Baum waren flirtend betritt die Drag Queen die Bar. Dann geht auch schon der Bingo Abend los. Es werden sechs runden Bingo gespielt. Da es unser erstes Bingo ist, muss Rico auch mal die ein oder andere Frage stellen. „I‘m gonna get you, you cutie with your accent!”, kommt es von der Drag Queen zurück. Insgesamt haben wir viel Spaß, ein Bingo haben wir an dem Abend leider nicht.

    Mittwoch wollen wir einen anderen Teil von Vancouver besichtigen: Gastown. Vorher wollen wir aber noch in die Kunstgalerie Vancouvers, die unter anderem derzeit „Fictional Fashion” ausstellt. Futuristische und fiktive Kleidung, die in einem Paralleluniversum getragen werden könnte. Auch werden Kleider präsentiert, die mit dem 3D-Drucker gedruckt wurden oder aus unkonventionellen Stoffen, wie zB Zellulose gefertigt wurden. Insgesamt war der besucht der Kunstgalerie ganz cool, aber auch nicht unbedingt die 70 $ wert. Nun also weiter nach Gastown. Gastown ist der historische Teil Vancouvers, mit alten Gaslaternen und drei- bis vierstöckigen Backsteinhäusern. Das Viertel ist hip und touristisch, aber auch nicht sehr groß. Nach zwei Straßen sind wir schon durch. Abends verschlägt es uns noch einmal ins Kino (Elemental: ein total süßer Animationsfilm über die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft).

    An unserem letzten Tag in Vancouver frühstücken wir (wie immer) auf unserem Balkon und genießen nochmal den Blick von Downtown. Vor unserem Hotel gibt es direkt einen kleinen Bäcker, der wirklich gute Brötchen hat und dazu gönnen wir uns immer Iced Coffe und Iced Matcha. Heute leihen wir uns nochmal Fahrräder aus. Besser gesagt ein Tandem. Damit fahren wir durch Downtown und genießen das Großstadtgefühl. Vancouver ist uns inzwischen richtig ans Herz gewachsen. Wir stoppen zum Shoppen und halten auch bei der Stadtbücherei, die eine tolle Dachterasse mit Garten hat. Im Granville Market holen wir uns nochmal leckere Kleinigkeiten und fahren dann weiter zu einem der vielen Strände in Vancouver. Hier ist der Pazifik recht warm, da Vancouver nicht direkt am Meer liegt, sondern an einem Fjord und sich das Wasser schneller aufwärmt. Den letzten Abend lassen wir noch mit einem Drink in einer der vielen Bars ausklingen und packen dann am Freitag unser Auto, denn jetzt geht es auf die Fähre nach Vancouver Island! (J)
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  • Vancouver Island und der Pacific Rim

    July 10, 2023 in Canada ⋅ ☁️ 16 °C

    Autofähre. Das ist immer ein ganz besonderes Erlebnis. Gut gelaunt und voller Enthusiasmus fahren wir einmal quer durch Vancouver bis zum Fährhafen Tsawwassen. Wir werfen einen letzten Blick zurück auf Vancouver und dann geht es auf das riesige Schiff. Bei der eineinhalbstündigen Überfahrt nach Swartz Bay im Osten Vancouver Islands lassen wir uns den Wind um die Ohren wehen. Die offene See wird schon bald abgelöst durch zahlreiche Inseln. Einige besiedelt, andere scheinbar unberührt. Felsen ragen aus dem Wasser. Ein Fischer dreht in einem Bötchen seine Kreise. Und auf einmal war da diese dunkle Flosse. Nur kurz war sie zu sehen. Und schon wieder. „Das sind Orcas!“. Wir werfen uns einen wissenden Blick zu und zücken die Kamera. Einige Minuten begleiten uns die zwei Killerwale bevor sie abdrehen. Eine schöne Begegnung.

    Als wir in Swartz Bay ankommen ist es 14:00 Uhr. Unser Ziel ist Tofino, ein kleines Hafenstädtchen im Osten der Insel: 3 Stunden Autofahrt, das klingt machbar. Nach ca. 30 Minuten ein Stau. Der Blick geht aufs Navi: eine Fähre bringt hier die Autos über eine Art Fjord: 30 $. Die alternative Route um den Fjord herum: 15 Minuten länger als die Fähre. Letzteres machen wir also und kaum ein paar Meter gefahren beginnt das Abenteuer: die Straße wird schmal sobald wir das letzte Haus passieren. Ein Wald tut sich auf. Urig, quasi ein Urwald. Farne, alte Bäume, dicht gedrängt. Die Straße windet sich hindurch - bergauf, bergab - und dazu ständig Gegenverkehr (da sparen sich wohl einige die 30 Kröten für die Fähre). Dann - in letzter Sekunde - scharf gebremst, weil ein Reh in aller Seelenruhe über die Straße schlendert. Na immerhin das Reh ist entspannt. Nach gefühlt einer halben Ewigkeit endet die verschlungene Abenteuerstraße auf dem Highway, der schon bald am Zielhafen der kleinen Fähre vorbeiführt. Aus den 15 Minuten Umweg wurden am Ende 2 Stunden, 3 graue Haare und ein Liter Schweiß.

    Weiter gehts nach Tofino - jetzt aber auf direktem Weg. Unser Navi kennt zum Glück eine kleine Abkürzung, dadurch können wir wieder ein wenig Zeit gut machen… also runter vom Highway und rauf auf die Waldstraße. Herrlich. Ganz abgelegen. Und dann wird die Straße zu einem Schotterweg. Angenehm werden wir kilometerlang durchgeschüttelt, Staub überall. Dann ein Schild, wir können es nicht lesen (staubbedingt). Dann das nächste Schild: „Trespassers will be prosecuted“ (Eindringlinge werden strafrechtlich verfolgt). Wir fahren weiter, wir wollen ja schließlich Zeit gut machen! „Streets are patrouliced by unmarked vehicles“ (Unmarkierte Wagen fahren Patrouille!). Diese Art von Hinweisen häuft sich derweil. Die Schriftfarbe ändert von schwarz auf rot. Wir werden immer langsamer. Schließlich stehen wir. Abbruch! Wir wenden. Diese Aktion hat sich am Ende also auch nicht sonderlich gelohnt (+1 Stunde).

    Zurück auf dem regulären Weg Richtung Tofino wird es nochmal richtig malerisch. Die Straße schlängelt sich in engen Kurven durch die bergige Landschaft. Als es langsam dämmert, dämmert es auch uns: Wir haben den Zeltplatz gar nicht für diese Nacht reserviert, sondern erst für die darauffolgende. Nun gut, erstmal ankommen und dann verhandeln, vielleicht lässt sich ja was machen. Und dann - wirklich 500m vor den Ziel - fliegt uns zu allem Überfluss doch echt der linke Scheibenwischer um die Ohren! Einfach weg. Also U-Turn, und in Schrittgeschwindigkeit die Landstraße zurück. Nicht lange und wir haben das gute Stück unversehrt gefunden. Glück gehabt. So kann es weiter gehen. Und so geht es auch weiter: Am Zeltplatz angekommen - mittlerweile ist es 22 Uhr - dürfen wir auf dem so genannten Over Flow Parking stehen. Am Ende ein bewegter Tag an dem wir nur noch ins Bett fallen.

    Am Samstag lassen wir es ruhig angehen. Nach dem Ausschlafen gehts mit dem Auto 20 Minuten ins beschauliche Tofino mit seinen 1900 Einwohnern (unser Zeltplatz liegt etwas außerhalb). Es gibt ein erstklassiges veganes Frühstück und frischen Kaffee. Es folgt ein Spaziergang durch den Ort. “Surfer Paradies”, hatten wir im Vorfeld gelesen. Wir also in der Main Street. Viele Autos. Wenig Fußvolk. Und schon garnicht Surfer. Ein Laden. Eine Bruchbude. Ein Café. Ein Bootsanleger. Ne Baustelle. Also die Surfer-Atmosphäre haben wir uns anders vorgestellt. Wir beschließen, es für heute dabei zu belassen, gehen im hiesigen Supermarkt ein paar Lebensmittel kaufen und cruisen „super surfy“ zurück zum Campground.

    Für diese Nacht haben wir eine Reservierung, wir checken also ein und und richten uns auf Camp Site 87 ein. Es ist der Wahnsinn! Rückwärts eingeparkt stehen wir in erster Reihe an einer Steilküste und können, vorbei an Jahrhunderte alten Douglasien und Zedern mit ihren massiven Stämmen, den Pazifik sehen und hören. Es ist malerisch. Die Hängematte aus Vancouver bauen wir fast schon zeremoniell das aller erste Mal auf. Beim ersten Belastungstest geht - fast schon erwartungsgemäß - ein Knoten auf, sodass die Hängematte samt Zuladung (Rico) auf dem Boden landet. Nach hämischem Gelächter folgt der zweite Versuch. Diesmal hält alles und so kann ausgiebig mit Kreuzworträtsel und Prosa relaxt werden. Später kochen wir ein wirklich gutes Kokos-Süßkartoffel-Curry bevor wir runter an den Strand gehen und nach anfänglichem Zögern in den kalten Pazifik springen. Es ist wirklich kalt und die Wellen sind nicht zu unterschätzen. Aber es fetzt.

    Der Sonntag ist grau und frisch. Nach dem Frühstück machen wir einen Strandspaziergang. Die Ebbe hat etliche Felsen freigelegt, die von allerlei Meeresgetier bevölkert werden. Wir schalten direkt in den Entdeckermodus. Neben unzähligen Miesmuscheln finden wir farbenprächtige Seeanemonen, Krebse und kleine Fische. Das Highlight aber war der handgroße Seestern, der - vollständig von Wasser bedeckt - entspannt an einem Stein klebte. Danach ging es ins Café Rhino, einem beliebten Treff für junge Leute (sind das die angepriesenen Surfer?) und Touris. Sowohl der Kaffee, als auch die angebotenen Donuts und das WLAN waren hervorragend. Wir sitzen bestimmt drei Stunden hier, beobachten das bunte Treiben und planen nebenbei grob die nächsten Wochen. Grobplanung heißt, wir schauen wo und wie lange wir etwa bleiben wollen und recherchieren schon mal nach Zeltplätzen und potentiellen Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten. Der Blog Eintrag über Vancouver ist hier auch entstanden. Solche Ereignisse nennen wir “Adminsession”.

    Und dann reißt der Himmel auf. Die Köpfe rauchen. Also ab zum Strand und rein ins Meer. Der heutige Strand liegt auf halbem Weg zwischen Tofino und Zeltplatz in einer betuchten Wohngegend. Parken können wir überall. Aber wir werden auch alle 10 Meter auf Verkehrsschilder mit immer der gleichen Frage konfrontiert: “Have you paid for parking?”. Erst denken wir noch, wir können schlauer sein als das System und gurken ewig durch das Villenviertel. Schließlich geben wir aber resigniert auf und zahlen brav die Parkgebühr. Fühlt sich an wie eine Niederlage. Ist ja auch eine.

    Am Montag, wird ausgiebig gewandert, schließlich sind wir seit 3 Tagen mitten im Pacific Rim National Park, der einen der größten gemäßigten Küstenregenwälder der Welt beheimatet. Zunächst geht es auf die zwei Rainforest-Trails, die jeweils etwa 1,5 km auf Holzstegen durch den Urwald führen. Wir sind begeistert. Von dichtem Grün umringt führen beide Wege vorbei an uralten Riesenlebensbäumen, mächtigen Zedern, abgstorbenen Baumriesen, durch Schluchten hindurch und vorbei an kleinen Bächen. Die Luft ist feucht. Urtümliche Geräusche von Vögeln schallen durch den Wald. Flechten und Moose besiedeln jeden Ast und jeden Fels, dabei gleichen die Flechten langen Zottelbärten die wild vor sich hin wuchern. „Ein gelungener Auftakt“, sind wir uns einig und fahren weiter nach Tofino, wo schon das Wassertaxi auf uns wartet. Das Boot, welches einem alliierten Landungsboot aus dem Zweiten Weltkrieg ähnelt soll uns nach einer 15-minütigen Fahrt auf eine benachbarte Insel bringen. Das tut es auch. Und wie! Der leistungsstarke Motor schraubt sich wirklich ambitioniert durchs Wasser. Wir nehmen vorsorglich unsere Mützen ab. Auf einem Felsen sonnen sich entspannt ein paar Robben. Wir erreichen Meares Island, eine Insel die den ansässigen Native Americans zugesprochen wurde. Auf der fast zweistündigen Wanderung durch diesen noch urwaldigeren Urwald kommen wir an noch älteren Bäumen vorbei, einige dürften nach Schätzungen um die 1000 Jahre alt sein. Sie sind wirklich majestätisch: Ihr Umfang sprengt die Vorstellungskraft und auch ihre Höhe ist nicht im Ansatz vergleichbar mit den Bäumen aus Mitteleuropa. Wahre Giganten. In einer kleinen Bucht machen wir eine Pause mit Banane und Keksen bevor wir uns wieder auf machen ins ewige Grün. Auch diesen Trail haben wir gemeistert und beseelt von der Schönheit und Artenvielfalt der Natur geht es wieder peitschend-forsch mit dem Wassertaxi zurück ans Festland. Am Abend gucken wir dann Twilight im Van. Schließlich gehts schon bald nach Washington State, wo die Haupthandlung der Saga spielt.

    Vorher reisen wir jedoch noch weiter nach Victoria, die größte Stadt auf Vancouver Island. Das 300.000-Einwohner Städtchen gefällt uns auf Anhieb. Es wird viel Wert auf angelegte und gepflegte Grünflächen gelegt, etliche Brunnen sorgen für Erfrischung. Das Publikum ist international, genauso wie das angebotene Essen. Der Hafen ist quirlig mit seinen Wassertaxis, Dampfern und Yachten, die sich scheinbar kreuz und quer (aber vermutlich trotzdem Regeln folgend) ihren Weg durchs Hafenbecken bahnen. Zahlreiche Gebäude in Downtown sind im victorianischen Stil erbaut. “Irgendwie europäisch”, stellen wir fest. Mit dieser Erkenntnis pfeifen wir uns zum Abendbrot einen wirklich leckeren Burrito bzw. Enchiladas beim Mexikanischer rein bevor wir auf unseren heutigen Camp Ground ein wenig außerhalb der Stadt aufmachen. Dieser liegt ganz unaufgeregt eingebettet zwischen Obstbäumen fast direkt am Meer. Die Szenerie gleicht einem Zeltplatz an der Nord- oder Ostseeküste. Wir fühlen uns heimisch. Auf einem alten Treibholzstamm sitzend schauen wir über die Meerenge auf die vielen Inseln und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Wir rätseln ob da vielleicht jemand wohnt.“Wäre cool mal für ein oder zwei Stündchen eine Meerjungfrau zu sein, dann könnten man mal die Unterwasserwelt erkunden, es ist bestimmt ganz friedlich”. Auf dem Weg zurück zum Van dann noch ein Weißkopfseeadler. Hoch oben in einem Baum überblickt er seelenruhig das Geschehen. Zurück im Van bauen wir unser Heimkinosystem auf und gucken - na klar - den nächsten Twilight Teil.

    Mittwoch. Die letzten Stunden in Kanada. Ein letztes Frühstück in Victoria. Stilecht in einem American Diner mit Bacon, Avocado, pochiertem Ei und Sauce Hollandaise. Gestärkt und mit verstopften Arterien hauen wir bei Starbucks noch die letzten kanadischen Dollar auf den Kopf und begeben uns dann zur Fähre. Die Grenzbeamten walten ihres Amtes und segnen unsere Einreise in die Vereinigten Staaten ab ohne mit der Wimper zu zucken (komplette Emotionslosigkeit). Das Auto ist auf der Fähre. Es kann losgehen. (R)
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  • Vampire & Treibmammutbäume in Washington

    July 13, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 15 °C

    Zurück in den Vereinigten Staaten! Nach ca. 2 Stunden Fährfahrt kommen wir in Port Angeles an. Erstmal wieder durch die Grenzkontrolle, ein zunächst etwas grimmig wirkender Grenzbeamter möchte wissen, was wir in den USA wollen und wie wir uns das alles denn leisten könnten. „Well, we‘ve worked so hard!!“. Nach der Frage ob wir Orangen oder Eier einführen würden (Milch und Bananen waren aus irgendwelchen Gründen kein Problem), lächelte er uns an: „Enjoy your vacation! You deserved it after all your hard work!“. Naja, zumindest haben auch die grimmigsten Grenzbeamten Humor!

    In Port Angeles angekommen, fahren wir erstmal zu Walmart, um Lebensmittel zu kaufen und sind total überwältig wie vielfältig das Angebot ist, verglichen zu Kanada. Hier haben wir jetzt vier Monate, um uns mal durch alles durchzuprobieren.

    Zurück in Port Angeles gehen wir bei „Bella Italia“ essen (später erfahren wir, dass der
    Name tatsächlich auch eine Anspielung auf Twilight sein soll). Es gibt Meatball Spaghetti und Penne Alfredo. Beides ganz gut, aber auch nicht outstanding.

    Dann fahren wir tatsächlich noch eine knappe Stunde entlang des Olympic Nationalparks zu unserem Zeltplatz. Die Straße windet sich entlang riesiger Waldhänge die in goldenes Licht getaucht sind. Wir haben schon viele bewaldete Berge in Nordamerika gesehen, aber diese hier finden wir besonders schön, ohne das an etwas Bestimmten festmachen zu können. Auch wenn wir noch nie im Washington State waren, fühlen wir uns hier direkt sehr wohl. Als wäre uns der Ort schon vertraut. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir uns so sehr mit diesem Teil der USA und den hier angelegten Geschichten beschäftigt haben.

    Am nächsten Morgen geht es nach Forks, in die Stadt, um welche es hauptsächlich in Twilight geht. Die Beschreibung aus den Büchern stimmen ganz gut mit der Realität überein: Forks ist eine sehr kleine, schläfrige Stadt, mit einer größeren Straße, die jedoch neben einigen Restaurants und kleinen Geschäften nicht sonderlich viel zu bieten hat. Dass der Twilight-Tourismus eine große Rolle für die Stadt spielt, merken wir sofort: in beinahe jedem Schaufenster gibt es Twilight-Fanartikel zu kaufen oder es wird zumindest mit netten Wortspielen versucht, die Touristen in das Geschäft zu locken. So wird bei Sully‘s Burgers unter anderem der “Twilight-Punch” und der “Bella-Burger” serviert.

    Auch wir kommen nicht drumrum und nehmen an einer Führung durch das Twilight-Archiv von Forks Teil. Hier können wir Original Kostüme aus den verschiedenen Filmen der Serie bestaunen und sogar die Puppe, die liebevoll “Chuckesmee” getauft wird (ein Mix aus dem Namen des Babys im Film, Reneseme, und Chucky der Mörderpuppe). Da wir vor der Tour gewarnt werden, dass diese Puppe besessen sein soll und schon einige unheimliche Dinge vorgefallen sind, halten wir von ihr lieber etwas Abstand.

    Nachdem wir den Vormittag in Forks verbracht haben, fahren wir am frühen Nachmittag tiefer in den Olympic Nationalpark.

    Der Olympic Nationalpark ist „der atemberaubendste gemäßigte Regenwald der Welt“ (laut unserem Reiseführer) und beherbergt die „größte Biomasse der Welt“ (Reiseführer).

    Hier gibt es Riesenlebensbäume, Sitka-Fichten und Hemlock-Tannen. So richtig voneinander unterscheiden können wir die riesigen Nadelbäume nicht. Wir sind ganz bezaubert als wir den River Trail im Hoh Rain Forest entlang spazieren. Zwar haben wir ja auch auf Vancouver Island schon Mammutbäume gesehen, diese hier sind aber noch größer und vor allem hängen die Moose und Flechten hier noch viel länger und üppiger von den Ästen und Stämmen. Wir machen Rast an einem Flussbett und kühlen uns im glasklaren Wasser etwas ab und füllen unsere Wasserfilterflasche auf (selbstgefiltertes Mineralwasser, gibts was besseres?), danach geht es weiter zu unserem nächsten Zeltplatz, diesmal im Regenwald. Auf der Fahrt dorthin lesen wir, dass in dieser Nacht möglicherweise Nordlichter in Washington sichtbar sein könnten. Da unser Zeltplatz mitten im Regenwald liegt, überlegen wir, doch an der Küste zu übernachten. Tatsächlich finden wir auch einen Zeltplatz mit Küstenzugang, der gerade noch einen Stellplatz frei hat. Dort schlagen wir unser Lager auf und diese Entscheidung hätten wir nicht besser treffen können. Wir schlendern im Licht der untergehenden Sonne den Strand hinab und sammeln auf dem Weg Sanddollar. Hier an diesem Strand liegt sehr viel Treibholz. Oder wohl eher Treibmammutbäume, den hier werden ganze Baumstämme angespült, die so groß sind wie die Bäume, die wir noch wenige Stunden zuvor im Regenwald angetroffen haben.

    Bei Dunkelheit stellen wir unsere Campingstühle an der Steilküste auf und sind völlig hin und weg von dem Sternenhimmel der sich über uns auftut. Hier sitzen wir nun einige Stunden und reminiszieren. Über alles was wir bisher erlebt haben und was noch auf uns wartet. Wir philosophieren über die Sterne und Galaxien und wie immer unter einem so beeindruckenden Sternenhimmel, fühlen wir uns klein und unbedeutend, was jedoch gar nicht schlecht, sondern irgendwie beruhigend ist. Zuhause ist gar nicht so weit weg, wie es sich manchmal anfühlt.

    Nordlichter können wir in dieser Nacht zwar nicht sehen, dafür aber einige Sternschnuppen, die über den Nachthimmel huschen und am Horizont über dem Meer verschwinden. Das Meeresrauschen wiegt uns langsam in eine schläfrige Stimmung, sodass wir gegen halb eins, etwas durchgefroren, in unser Auto schlüpfen. Auch der Olympic Nationalpark hat uns wieder viel geboten und war ein wertvoller Stopp auf unserer langen Reise.

    Die nächsten Tage werden wir in Portland, der größten Stadt Oregons verbringen. (J)
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  • Portland: Pizza auf Abwegen

    July 19, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 26 °C

    Für die nächsten 5 Nächte sind wir in Portland. Die Stadt mit ihren 600.000 Einwohnern liegt im Norden des Bundesstaates Oregon an der Grenze zu Washington. Sie gilt als eine der links-liberalsten und fahrradfreundlichsten Städte der Vereinigten Staaten (ca. 500 Kilometer Radwege durchziehen die Stadt). Die Brauereiszene ist groß und in den Ausgehvierteln tummeln sich die Nachtschwärmer. Klingt verheißungsvoll, wir haben Bock.

    Klar ist jedoch auch, dass wir das reichhaltige Angebot der Großstadt und die Tatsache, dass es in ganz Oregon keine Mehrwertsteuer gibt, dafür nutzen werden unseren Van zu pimpen und in den Service zu bringen. Nur Party-hard is also auch nicht. Entsprechend gehts direkt bei der Ankunft zu Ron Tonkin - der ein Autohändlerimperium inklusive Servicewerkstätten in Portland aufgebaut hat. Alles easy hier. Für die Durchsicht ist es heute, am späten Freitag Nachmittag, schon zu spät, aber morgen können wir gern vorbeikommen. Kostet 120 Dollar. Finden wir gut. Auf ins Hostel in North-West Portland zwischen Down Town und Pearl District. Es ist malerisch. Viele Einbahnstraßen, breite Radwege, Bars, Bäckereien und Designläden, hübsche farbenfrohe Einfamilienhäuser aus dem Beginn des 20. Jahrhundert in typisch amerikanischer Holzbauweise und modernere Gebäude wechseln sich ab. Die Straßen sind von Bäumen gesäumt und die Vorgärten grün und bunt. Das Hostel bietet immer Freitags ein kostenloses Biertasting an. Die Gelegenheit Leute kennenzulernen! Es gibt etwa 10 verschiedene IPAs, Cider und klassischere Brauarten zum probieren und wir kommen direkt mit Kiera aus Pittsburg ins Gespräch. Sie tourt gerade im Rahmen eines Stipendiums durch etliche amerikanische Städte und interviewt Personen zum Thema Nachhaltigkeit. Nach dem Tasting gibts direkt noch zwei weitere Drinks in der Hostelbar und dann zieht es uns drei in das benachbarte Ausgehviertel. Wir entscheiden uns schnell für eine nette Bar mit hübscher Terrasse. Auf der Karte: Whiskey. Bestimmt hundert verschiedene. Von 6 bis 100 Dollar pro Glas ist alles dabei. „Excuse me, how much is a beer?“. Die Kellnerin guckt durchaus genervt. „I don‘t know. Maybe 5 Dollar. Or 6. I‘m an expert for Whiskey“. Ok. Also dann ein Bier und zwei Gläser Wein..und der Vollständigkeit halber auch einen Whiskey. Hier berät sie uns wirklich gut und ihre Laune hellt sich merklich auf. Der Abend verfliegt wie im Flug, wir halten es moderat, morgen wollen wir ja schließlich nicht in den Seilen hängen.

    Samstag, der Wecker klingelt um sieben. Wir bringen das Auto zu Ron Tonkin. Für den Service sind etwa 4 Stunden angesetzt, sollte also bis zum Mittag erledigt sein. Wir nutzen die Zeit und laufen zum nächsten Baumarkt, da auf unserer Auto-Pimp-Liste mittlerweile einige Sachen drauf stehen. Hier im Randbezirk fällt uns die große Anzahl an Obdachlosen auf. Einige scheinen hart vom Leben gezeichnet. In kleinen Gruppen stehen sie vor ihren Zelten am Wegesrand oder an Kreuzungen und halten Schilder hoch auf denen sie um Spenden bitten. Eine Mischung aus Mittleid und Unbehagen beschleicht uns, letztlich geht aber auch keine Gefahr von ihnen aus. Im Baumarkt - Home Depot, den kennen wir schon aus Anchorage in Alaska - laufen wir durch die Gänge auf der Suche nach Spiritus, einer solarbetriebenen Lichterkette, Aufbewahrungsmöglichkeiten und einer elektrischen Kühlbox. Wir nehmen aber erstmal nichts mit, wir haben ja kein Auto. Beim Mittagessen bei Tacco Bell (feinstes mexikanisches Fastfood, wirklich lecker!) kontaktiert uns die Werkstatt: Die Durchsicht ist erfolgt, es gibt einiges zu tun. Wir können den Van erstmal abholen. Wir sind nervös.

    Zurück bei Ron Tonkin bekommen wir eine Liste von Mängeln. 2700 Dollar! Beim Gespräch mit der Mechanikerin stellt sich aber heraus, dass das Auto gut in Schuss ist. Die Liste zeigt die Dinge die mal gemacht werden könnten. Wir atmen auf. Am Montag sollen wir wieder kommen und angeben was wir gerne repariert/ausgebessert hätten. Das bringt die Planung der nächsten Tage etwas durcheinander. So flexibel wie wir sind, wirft uns das aber nicht aus der Bahn, das Hostel wird verlängert und die Planung angepasst. Weiter mit der Orga. Jetzt wirds turbulent. Es geht zurück zum Baumarkt. Hier kaufen wir bis auf die Kühlbox alles was wir uns ein paar Stunden zuvor schon angeschaut haben. Die Herausforderung des Tages bleibt die Kühlbox. Die soll elektrisch funktionieren, über die Bordsteckdose im Auto (die alte Kühlbox haben wir mit Eiswürfeln „betrieben“ was regelmäßig zu Überschwemmungen geführt und gerade bei hohen Temperaturen einfach nicht besonders gut funktioniert hat). Es beginnt ein Ritt quer durch die Stadt. Im ersten Laden - primär ein Ausstatter für Jägerbedarf..alles voller Waffen, alles irgendwie in Camouflage - steht direkt eine. Für schlappe 170 Dollar. Wir fahren weiter zu zwei weiteren Läden. Erfolglos. Also doch wieder zurück zu Laden Nummer eins. Es ist kurz vor Ladenschluss. Wir nehmen sie, hilft ja nichts. Jetzt noch zu Walmart für ein elektrisches Kochfeld und vielleicht ein Vorzelt. Ersteres finden wir. Draußen dämmert es bereits. Wir sind geschafft. Bei Subway gibts einen vegetarischen Sub und dann fallen wir im Hostel in unsere Betten. Nightlife lassen wir ausfallen.

    Den Sonntag lassen wir entspannt angehen. Wir wandern durch den Washington Park und schauen uns den Rosengarten an. Die vielen verschiedenen Rosen in ihrer ganzen Farbpracht sind wirklich toll aber letztlich landen wir dann bei Temperaturen über 30 Grad auf einer schattigen Wiese im Park wo wir die Mittagshitze liegend abwarten. Irgendwann packt uns der Hunger und nach kurzer Recherche ist klar: Wir gehen zu PizzaKat. Wir bestellen eine große 18’’ Pizza und setzen uns in den netten Hinterhof. So weit. So entspannt. Dann kommt die Pizza. Und zwar in hohem Bogen. Die Kellnerin kommt beim Abstellen der riesigen Pizza irgendwie aus den Gleichgewicht. Sie strauchelt, versucht zu retten was zu retten ist, aber das Unglücklich ist nicht mehr abzuwenden. Ein Stück saftigste Pizza landet auf meinem (Rico’s) weißen T-Shirt. Erwartungsgemäß mit der ‘Marmeladenseite’. Die Kellnerin - sichtlich beschämt - entschuldigt sich mehrfach, bietet ihre Hilfe, geht und kommt direkt wieder um sich erneut zu entschuldigen. Wir beteuern dass es alles halb so wild ist, sowas kann schon mal passieren. Nach kurzen Verreiben der Tomatensoße und leichtem Einarbeiten des Mozzarellas mit einer Serviette ist der vorerst endgültige Zustand des Shirts erreicht. Wir essen die Pizza. Wirklich lecker, kannste nix sagen. Dann kommt die Geschäftsführerin und entschuldigt sich ebenfalls. Sie bietet uns als Entschädigung jedem einen Softdrink an. Da wittern wir unsere Chance und lehnen ab. Verhältnismäßiger wäre in unseren Augen eine komplette 18’’ Pizza, am besten nicht heute sondern morgen. Sie stimmt zu. Klingt für alle Beteiligten nach einem guten Deal. Sie versichert uns, dass wir gleich morgen (Montag) vorbeikommen können, sie sei da. Top. Am Abend gehen wir mit Kiera wieder aus. Unsere Mission: Endlich mal einen APS (Aperol-Spritz) trinken, das wäre ihr erster jemals und sie wünscht es sich sehr. An der 4. oder 5. Bar werden wir fündig und lassen dort den Abend mit allerlei Geschichten und Stories ausklingen.

    Der Montag ist wieder Auto-Service Tag. Wir haben uns entschieden Reparaturen im Umfang von 800 Dollar durchführen zu lassen, unter anderem die eine defekte Bordsteckdose damit wir die neue Kühlbox nutzen können. Die Zeit, bis der Van abgeholt werden kann, verbringen wir in Downtown (wir fahren Öffies, Tram) bei Powell’s - ein verwinkelter Buchladen über mehrere Etagen und Zwischenebenen. Man kann sich hier wirklich verlieren. Die Regale sind bis unter die Decke mit Büchern zu allen nur erdenklichen Themen gefüllt. Wir stöbern und entdecken. Aufgeregt zeigen wir uns gegenseitig unsere Fundstücke. Mit dabei sind Disney Kochbücher die die Orginalrezepte zu etlichen DisneyKlassikern enthalten oder auch ein Buch über die Sex Pistols in dem unter anderem ein Foto von Sid Vicious und Lemmy Kilmister zu sehen ist, wie sie sich Arm in Arm ablichten lassen (na, wer hat hier wohl welches Buch beigesteuert?). Im Powell’s Café blättern wir bei einem Käffchen noch durch das ein oder andere Buch bevor die Werkstatt sich meldet, dass das Auto abgeholt werden kann. Also gehts mit der Tram wieder los.

    Wir quatschen mit dem Mechaniker und zahlen. Dann los jetzt. Schnell noch die Kühlbox einstöpseln und ab dafür. Aber sie geht nicht. Dass an der Bordsteckdose gearbeitet wurde sieht man jedoch an den Kratzern und dem abgebrochenen Schutzdeckel. Isn Scherz. Kühlbox in die andere Buchse: Hier gehts. Wir gehen wieder zurück zum Mechaniker. Er versichert er hätte die Buchse repariert. Wir bestehen drauf dass er sie sich nochmal anschaut. Es dauert etwa 45 min, dann ist das Problem gelöst, es war eine Sicherung. Aber die Kratzer und der abgebrochene Deckel bleiben. Wir haben aus dem PizzaKat Dilemma gelernt und fangen an zu verhandeln: Nach kurzem Hin und Her bietet er an, uns die kompletten Kosten für die Reparatur der Boardsteckdose zu erlassen (200 Dollar). Wir geben uns nach außen betont mürrisch und stimmen zu. Innerlich feiern wir beide ne riesen Party!

    Der Dienstag wird der vielleicht wichtigste Tag für uns in Oregon. Warum? Na weil es keine Mehrwertsteuer gibt. Das ist der Grund warum es in Oregon einige der größten Outlet Center der USA gibt. Daher wird heute geshoppt. Um es kurz zu machen: Wir kaufen Hemden, Gürtel, Hosen, Taschen, T-Shirts,…es is jede Menge und am Ende sparen wir etwa 800 Dollar. Die ca. 150 Shops verlangen uns am Ende eine Menge Durchhaltevermögen ab aber wir sind am Ende glücklich über unsere neuen Errungenschaften. Ab sofort sind wir also besonders stylisch unterwegs.

    Am Abreisetag spazieren wir noch ein wenig durch Portland, besuchen noch einmal kurz Powell’s auf ein weiteres Käffchen und dann war da ja noch was! Die “offene Rechnung” bei PizzaKat. Es wartet ja noch eine Pizza auf uns nach dem Malheur von Sonntag. Die Chefin hatte uns ja versichert dass sie am Montag da ist. Da war aber Schließtag. Genauso am Dienstag. Kann man jetzt mutmaßen ob hier Kalkül im Spiel war, muss man aber auch nicht. Wie dem auch sei: Wir bleiben hartnäckig und stehen also Mittwochs zur Mittagszeit im Laden. Die Chefin hinterm Tresen. Sie erkennt uns sofort. Etwas schmallippig kommt von ihr ein langgezogenes “Hiii, how are you doooing?”. Wir kommen direkt zur Sache und fordern unsere 18-Zoll Pizza. Sie nimmt die Bestellung auf. “Anything else?”, wir darauf: “Two Coke, please”. Sie darauf: “only the Pizza is the free part of the deal”. “All right, then we just take two tap water, please”. Die Luft ist zum schneiden. Auf der Pizza kauen wir gehemmt herum, sie steht am anderen Ende des Raums hinterm Tresen, würdigt uns keines Blickes und tippt beton wichtig auf ihrem Handy rum. Den Pizzarand bekommen wir beim besten Willen nicht runter. Wir sehen zu den Laden zu verlassen. Der Deal ist damit erfüllt, die Art und Weise wie das von statten ging war letztlich etwas ehrenlos. Aber immerhin sind wir satt. Portland war cool. Wenn auch nicht so cool wie vorher in unserem Reiseführer angekündigt. Wir schwingen uns in den Van und fahren gen Süden. Immer der Sonne entgegen. Ciao Portland. (R)
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  • 2.000 km: Von Oregon nach Kalifornien

    July 26, 2023 in the United States ⋅ 🌙 23 °C

    Für unsere Reise bis nach San Diego planen wir 1,5 Wochen ein.

    Wir machen uns von Portland auf in Richtung Küste. Den ersten Stopp wollen wir am Carter Lake einlegen. Je näher wir dem Pazifik kommen, desto wolkiger wird es. Ein Waldbrand? Tatsächlich handelt es sich um Nebelschwaden, die vom Pazifik aufs Festland ziehen. Ein bisschen unheimlich, aber auch wahnsinnig faszinierend. Dass solche Nebelschwaden John Carpenter auch zu der Geschichte in „The Fog“ inspiriert haben, leuchtet uns hier ein.
    Wir fahren also durch die Nebelbänke bis zu unserem Zeltplatz. Als wir dort ankommen, ist es schon stockfinster (so dunkel, dass wir sogar die Abzweigung zu unserem Zeltplatz übersehen) und zunächst auch etwas unbehaglich. Aber zum Glück haben wir unsere neue Lichterkette gekauft, die bewirkt hier Wunder!

    An dem kleinen Campground lassen wir zwei Tage die Seele baumeln, liegen am See, tanken Sonne und trinken im Örtchen Kaffee. Abends zieht auch hier Nebel auf, aber tagsüber kommt doch immer die Sonne raus.

    Am Samstag fahren wir dann weiter zum Crater Lake Nationalpark. Auf der Fahrt sind wir fasziniert von der Schönheit Oregons. Wir fahren durch grüne Wälder mit roten Steinfelsen und kleine Bäche schlängeln sich durch die Täler. Der Crater Lake ist der tiefste See Nordamerikas (>600 Meter). Hier stand vor 8.000 Jahren mal ein Berg, der durch eine große Eruption weggesprengt wurde und den riesigen Krater hinterlassen hat. Über die Jahre hat sich dieser Krater mit Schmelz- und Regenwasser gefüllt und es erstanden der Crater Lake. Hier kommen wir an einem netten Zeltplatz unter. Inzwischen können wir aber insgesamt feststellen: die staatlichen Zeltplätze in Kanada haben uns deutlich besser gefallen. In den USA sind die Zeltplätze zwar auch landschaftlich schön aber die sanitären Anlagen sind schon ziemlich in die Jahre gekommen. Alles ein bisschen gammelig und in Slaughterhouse-Atmo. Aber immerhin: es gibt hier Duschen!

    Am Abend besuchen wir einen Vortrag über den Sternenhimmel beim Crater Lake mit anschließender geführter Sternenwanderung. Leider muss die Wanderung ausfallen: es ist zu wolkig. Der Vortrag selbst ist auch eher mittelmäßig, das ist wohl insgesamt alles eine Kinderveranstaltung (um 22 Uhr…).

    Am nächsten Tag bewandern wir den Crater Lake. Vormittags kraxeln wir 300 Meter hoch zum Garfield Peak und genießen einen tollen Blick über den See und das umliegende Tal. Die steile Wanderung ist wirklich anstrengend, da wir bereits auf 2.161 Höhenmeter starten. Anschließend fahren wir etwas um den See herum und belohnen uns mit einer Wanderung runter zu einer Badestelle. Der Weg hoch ist jedoch der anstrengende Part und als wir oben am Startpunkt ankommen, ist die ganze Abkühlung schon wieder verfolgen. Den restlichen Tag verbringen wir mit unserer Lektüre in der Hängematte.

    Am Montag tanken wir am Campground noch einmal zu richtig guten Konditionen voll und machen uns dann auf in Richtung Kalifornien. Wir wollen den malerischen Highway One hinunterfahren, der sich entlang der Pazifikküste über ganz Kalifornien erstreckt. Auf dem Weg kommen wir wieder an riesigen Mammutbäumen vorbei, die ganz leger den Highway säumen.

    Der legendäre Highway One ist wirklich schön, der Highway schlängelt entlang der Berge der California Coast Ranges und immer mit Blick auf den Pazifik. Hier kriegt man wirklich das Gefühl in Kalifornien zu sein! durch die die Nacht verbringen wir auf einem Zeltplatz direkt am Strand. Jetzt knurren uns die Mägen und wir wollen hier an der Küste mal frischen Fisch essen. Bei Google wird ein Restaurant ganz in der Nähe in Fort Bragg empfohlen. Also dahin, aber erstmal müssen wir noch tanken, denn der Highway One ist ganz schön hügelig und unser großes Auto braucht viel Sprit um die Höhenmeter zu schaffen. Wir halten an einer Tankstelle. Ich (Johannes) steige aus, öffne die Tankklappe, will den Tankdeckel aufschrauben und … greife ins Leere? „Ehm… Rico, hast du den Tankdeckel wieder raufgeschraubt, als wir beim Crater Lake getankt haben?“
    - „Mist, den habe ich wohl auf der Zapfsäule liegen lassen…“

    Natoll. Der Tankdeckel ist weg. Ist deshalb der Tank so schnell leer gewesen? Nervös fragen wir in der Tankstelle, ob dort womöglich ein Tankdeckel übrig ist, den jemand anderes dort vergessen hat. Leider nein, aber es gibt wohl in Fort Bragg einen Händler, der Tankdeckel verkaufen könnte. Mit inzwischen dicken Löchern im Bauch geht es also zu dem Autoteilehändler und tatsächlich: Glück im Unglück, für unseren Chevrolet Express 2012 hat er genau den passenden Deckel. Mit einem Auto von einer deutschen Marke wäre es bei weitem nicht so leicht gewesen, einen passenden Deckel zu finden, denn Amerika macht gerne alles ein bisschen anders als Europa und der Rest der Welt, so auch bei Normungen.

    Für $13.99 können wir einen neuen Tankdeckel aufschrauben und kommen also mit einem Schrecken davon.

    Jetzt endlich: Essen. Das Restaurant das wir rausgesucht haben, ist wirklich schwer zu finden. Laut Google wohl mitten in einer Trailerparksiedelung (?). Etwas unbehaglich, aber wir versuchen es trotzdem zu finden und tatsächlich: ein unscheinbarer Wellblechverschlag weist sich als das Restaurant aus, nachdem wir suchen. Und hier soll es so gut sein? Wir gehen hinein und sind völlig von den Socken. Ein luftiger Raum mit einer bestimmt 10 Meter hohen Decke, über drei Ebenen tut sich vor uns auf. Ein riesiges Panoramafenster ermöglicht den Blick auf den Pazifik und ein Livemusiker sorgt für ein stimmungsvolles Ambiente. Krass, dass sich hier so ein Paradies auftut. So lässt sich der Abend gut beschließen.

    Wir fahren am nächsten Morgen weiter entlang der Pazifikküste. Am vorigen Tag haben wir ganz viele Camper gesehen, die ihr Nachtlager einfach an den vielen Aussichts- und Parkmöglichkeiten aufgeschlagen haben. Das wollen wir heute auch machen. Unser Ziel für den Tag liegt zwischen Half Moon Bay und Santa Cruz, südlich von San Francisco. Wir überlegen kurz. „Könnte das bedeuten, das wir über die Golden Gate Bridge fahren?“ Und tatsächlich: das Überfahren der Golden Gate Bridge ist Teil der Strecke. Man muss zwar eine Maut von $ 9 zahlen, das ist es uns aber allemal wert. Als wir auf die Brücke auffahren schieben sich große Nebelschwaden von dem Pazifik zum Festland. Es ist wirklich magisch, man sieht nicht links und nicht rechts und auch kaum 20 Meter weit. Auf einmal tut sich einer der großen Brückenpfeiler vor uns auf. Die Brücke ist deutlich größer als gedacht. Wir fahren weiter und weiter, bis sich der zweite Pfeiler auftut und wir schließlich auf der anderen Seite angelangt sind. Das war wirklich richtig toll und wir sind beide noch ganz euphorisch. Die Euphorie ist auf der anderen Seite aber schnell verflogen: Wir stehen mitten in der Rush Hour. Wir müssen unseren Weg durch den Rand von San Francisco machen und dahin wollen auch tausende andere Fahrzeuge. Stau auf einer siebenspurigen Autobahn. In dem doch sehr besorgniserregend aussehenden Auto - die Stoßstange macht’s nicht mehr lange - zwei Spuren neben uns raucht ein gruselig aussehender Mann am Steuer (!) eine Bong. Naja, lieber schnell weiter!

    In dem kleinen Örtchen Half Moon Bay machen wir einen Stop beim Mexikaner zum Abendessen. Kalifornien ist voller mexikanischer Restaurants und wir lieben es! Dann geht es weiter. Es dämmert langsam und wir halten entlang des Highway One Ausschau nach guten Stellplätzen für unseren Van. Aber… es gibt keine. Wir sind ganz alleine auf dem Highway und die ganzen romantischen Campergrüppchen vom Vorabend haben es nicht bis hierher geschafft. Hmm, da es aber bereits dunkel wird und wir auch müde sind, suchen wir also bei iOverlander (einer App, auf welcher gute Übernachtungsstellplätze für Camper angezeigt werden) nach einem entsprechenden Platz. Wir entscheiden uns für einen Pullout etwas abseits der Straße. Dort angekommen, bekomme ich (Johannes) jedoch ein schlechtes Bauchgefühl. Irgendwie fühlt es sich komisch an, hier zu übernachten. Nach etwas Recherche finden wir heraus, warum wir hier so alleine sind: Vor einigen Wochen ist hier scheinbar jemand mit einem Messer auf verschiedene Camper losgegangen und seitdem kann die Polizei die Sicherheit der Wildcamper nicht mehr garantieren. Deshalb ist es jetzt verboten am Straßenrand das Nachtlager aufzuschlagen und jeder der das tut und dabei erwischt wird, muss Strafe zahlen. Da sieht man mal wieder: das Bauchgefühl sollte man nicht unterschätzen. Wir fahren also weiter, jedoch ziemlich planlos wohin, denn Zeltplätze gibts in der Gegend so gut wie keine und Geld für ein Hotel oder Motel (ab 300 $ / Nacht) haben wir nicht.

    Nach einer halben Stunde Fahrt haben wir aber Glück: dort ist ein Campground ausgeschildert. Er ist Teil eines ziemlich luxuriösen Resorts und für 52 $ können wir dort unser Zelt aufstellen. Da es jedoch schon spät ist und wir müde sind, schlafen wir doch heimlich in unserem Auto. Das kriegt auch niemand mit. Der Zeltplatz selbst ist toll, es gibt ganz großzügige Duschen und Waschräume, einen großen Kamin und sogar eine Sauna. Die können wir jetzt gut gebrauchen! Die Sauna ist auch tatsächlich noch in Betrieb und wir freuen uns total auf ein heißes Dampfbad. Fünf Minuten später setzen wir uns zu fünf anderen Personen in eine sehr kleine Sauna, die ungefähr 28° C hat. Uns ist schon fast kalt. Es stellt sich heraus, das die Tür die ganze Zeit nur angelehnt war und deshalb müssen wir erstmal warten, bis die Saune sich aufheizt. Während dieser Zeit lernen wir aber sehr wertvolle Informationen. Wir erfahren nämlich, dass wir hier auf einem KOA Campground sind. „KOA“ steht dabei für „[K]ampgrounds of Amerika“. Das ist ein Anbieter, der Zeltplätze in ganz Amerika zur Verfügung stellt und - anders als die staatlichen Zeltplätze - immer einen gewissen Standart bietet: Immer Duschen, Waschmaschinen, saubere Waschräume und meistens sogar einen Pool oder eine Sauna. Als Mitglied kann man sogar 10 % pro Nacht sparen.

    Am nächsten Morgen werden wir sofort Mitglied bei KOA und buchen auch direkt einen entsprechenden Zeltplatz, diesmal bei
    Santa Margarita, einem kleinen Ort mitten in Kalifornien. Kurz bevor wir an unserem Zeltplatz ankommen, tut sich abseits der Autobahn ein riesiger Rummel auf. „Midcalifornia Fair“ steht in großen Buchstaben auf den Bannern. Wir machen große Augen! Vielleicht können wir da ja heute Abend hingehen, die Fair ist laut dem Navi immerhin nur 30 Minuten von unserem Campground entfernt. Gesagt getan: Nachdem wir auf unserem Zeltplatz eingescheckt, Wäsche gewaschen und ein bisschen am Pool (😎) gelegen haben, machen wir uns auf den Weg zur Midcalifornia Fair. Das scheint hier ein riesen Ding zu sein. Jede zweite Werbung im Radio macht Anspielungen auf die Fair (“Going to the fair? Get Icecream at ours before you go!”) und laut Flyer soll heute sogar Pitbull auftreten. Dafür braucht man zwar extra Tickets, aber beeindruckt sind wir trotzdem von dem ganzen Aufriss.

    Bei der Fair angekommen, geht erstmal die große Parkplatzsuche los, denn obwohl Amerika so ein autobestimmtes Land ist, für diesen Jahrmarkt gibt es bei weitem nicht genügend Parkplätze. Wir parken also ca. 2 Kilometer entfernt und müssen 20 Minuten zum Eingang laufen. Egal, das ist es uns wert! Der Rummel selbst ist ein riesiger Spielplatz. Zich Fressbuden, Fahrgeschäfte und Schießbuden blitzen und blinken in allen Farben des Regenbogens, überall trällert lustige Musik und tausende Menschen wuseln über das riesige Gelände. Wir wollen uns natürlich auch was gönnen. Rico holt sich einen 40 cm langen Corndog und ich mir einen HotDog „Chicago Style“.

    Es gibt Limonade in allen Geschmacksrichtungen die man sich vorstellen kann (und noch mehr: was bitte ist „Purple Flavor?“), Maiskolben am Spieß in Käseflips paniert und kandierte Äpfel mit den verschiedensten Toppings. Der Rummel besteht zum großen Teil aus Attraktionen die sich um sämtliche Achsen drehen, das kann ich nicht mitfahren ohne dass mir schlecht wird, wir entscheiden uns aber für Wilde Maus, ein Kettenkarussell in 20 Metern Höhe und Wildwasserbahn. Dass wir uns die bis zum Schluss aufgehoben haben, war eine sehr weise Entscheidung: wir sind pitschnass! Insgesamt war es ein sehr lustiger Abend, aber der Rummel war alles in allem doch sehr ähnlich zu dem, was wir in Deutschland bei den Volksfesten auch haben.

    Der nächste Streckenabschnitt führt und von Santa Margarita zu unserem nächsten KOA Campground in Palm Springs. Palm Springs liegt ganz in der Nähe des Joshua Tree Nationalparks, den wir uns auf dem Weg nach San Diego anschauen wollen. Auf der Fahrt nach Palm Springs stoppen wir in Montecito, der Nachbarschaft, in welcher auch Katy Perry und Orlando Bloom heimisch sind. Hier ist es wirklich paradiesisch. Gepflegte Grünstreifen und Bürgersteige, nicht viel Verkehr, die Vögel zwitschern und in der Luft liegt der Duft der umliegenden Hibiskusbüsche. Eine wahre Ruheoase. Kein Wunder, dass die Reichen und Schönen sich hier niederlassen. Weiter geht es, nun sollein wir durch Los Angeles fahren. Los Angeles selbst ist ja nicht nur die eigentliche Stadt L.A., sondern auch der Verwaltungsbezirk „Los Angeles County“, welchem neben der Stadt Los Angeles unter anderem auch die Städte Beverly Hills, Calabassas, Malibu, Santa Monica, Hollywood und Passadena angehören, die wir zumindest vorher alle als Stadtteile von Los Angeles eingeordnet haben. Da es sich dabei jedoch um eigene Städte handelt, kann man sich vorstellen, wie riesig Los Angeles ist. Über siebenspurige Interstates fahren wir stundenlang durch Los Angeles und geraten - natürlich, wie soll es anders sein - in die Rushhour. Insgesamt brauchen wir durch Los Angeles auf der Stadtautobahn fünf Stunden. Die Fahrt ist so anstrengend, dass wir zwischendurch sogar einen Fahrerwechsel machen müssen. In Amerika darf man ja auch von rechts überholen, was es nicht einfacher macht, den Überblick über den Verkehr zu behalten. Für heute Abend haben wir Tickets für das Reboot das Disney Klassikers „The Haunted Mansion“ in Palm Springs für 20:45 Uhr reserviert. „Schaffen wir locker“! Letztendlich kommen wir völlig geschafft um 20:43 Uhr auf dem Kinoparkplatz an und laufen erstmal gegen eine Wand. 43° Celsius. Uff, schnell ins Kino. Hier haben wir besondere „D-Box“ Plätze gebucht, die sich während des Films mitbewegen sollen. Das funktioniert mehr schlecht als recht und nach dem Film ist uns ein bisschen flau im Magen.

    Jetzt ist es 23 Uhr und es sind noch 38° C. Kälter wird es heute nicht. Die Nacht wird entsprechend. Mit kaum mehr als 3 Stunden Schlaf und vielen Stunden rumwältzen und schwitzen in den Knochen, fahren wir am nächsten Morgen weiter. Jetzt aber erstmal durch den Joshua Tree Nationalpark, bevor es endlich auf die letzten Meilen nach San Diego geht.

    Der Joshua Tree Nationalpark ist der einzige Ort der Welt, wo der Joshua-Tree wächst. Der Joshua Tree gehört zu der Familie der Jucka-Palme und sieht aus wie ein riesiger stacheliger Baum von einem anderen Planeten. Die ganze Landschaft hier ist lebensfeindlich und faszinierend zugleich. Der Gedanke, dass wir vor knapp zwei Monaten in Alaska gestartet sind und nun schon in der Wüste stehen, ist wirklich Wahnsinn! Wir sind überwältigt, von der Landschaft hier, die schon wieder so anders ist, als alles was wir bisher gesehen haben. Wir durchfahren den Park zwar nur und machen hier keine Wanderungen (viel zu heiß!!), aber die Straße durchquert den Joshua Tree Park komplett, sodass wir einen sehr guten Eindruck kriegen. Riesige Steinhügel tauchen links und rechts der Straße auf und sehen so aus, als hätte ein großer Mensch sie zu einem Haufen zusammengerauft. Eidechsen, Klapperschlangen und giftige Skorpione sind hier ansässig, aber außer einer Eidechse sehen (und hören) wir zum Glück nichts davon. Die kommen auch erst nachts raus, wenn es nicht mehr so heiß ist. Wir sind wirklich hin und weg von der Landschaft und schon viel weniger müde. Dennoch ist die Fahrt nach San Diego sehr anstrengend, denn es geht wieder über siebenspurige Autobahnen.

    Nach einer Mittagspause bei In-N-Out Burgers (der besten Burgerkette der Welt, die es leider nur in Kalifornien gibt) kommen wir - nach 2.000 Kilometern Autofahrt von Portland - dann endlich in San Diego an und freuen uns auf ein paar Strandtage an denen wir endlich mal nichts machen wollen! (J)
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  • San Diego: Punkrock unter Palmen 🤘🏼🌴

    July 31, 2023 in the United States ⋅ ☁️ 23 °C

    Südkalifornien, kurz vor der mexikanischen Grenze: San Diego.

    Die Empfehlung kam von Leuten sowohl aus Anchorage als auch aus Portland. Die Stadt soll einen besonderen Vibe haben und die Strände am Pazifik sollen zum Baden einladen. Genau das was wir suchen.

    Gegen Nachmittag kommen wir in Ocean Beach an. Ocean Beach ist ein Stadtteil San Diegos der direkt an der Küste liegt. Die Häuser sind flach, höchsten zwei Geschosse. Die Sonne scheint. Die Leute schlendern durch die Straßen…in Badehosen und Bikinis. In Badehosen und Bikinis! Schlendernd! Darauf haben wir uns schon so lange gefreut. Hier sind wir genau richtig! Wir checken im Hostel SameSun ein. Ein ehemaliges kleines Strandhotel von 1900, das heutzutage ein Anlaufpunkt für Hippies, Surfer und Weltenbummler ist. Die Fassade ist farbenfroh bemalt mit Blumen, Regenbögen und Fischen und auf dem Dach steht ein riesiges Peace-Zeichen. Wir sind im Hippi-Paradies angekommen.

    Jetzt aber erstmal die Badehose an und ab an den Strand, die letzten zwei Sonnenstunden genießen. Fünf Minuten und wir sind da. Auf der Promenade bieten Händler allerlei handgefertigte Waren an, einer dreht sich einen Joint, im Wasser 40 Surfer die sich an den 1,5m hohen Wellen versuchen. Eine Gruppe stößt euphorisch mit Drinks - ganz klassisch in roten Plastikbechern - an, andere liegen platt da und sind schon derart braun dass man meinen könnte sie machen seit 3 Monaten nichts anderes. Wir lieben es. Von den Wellen lassen wir uns immer wieder an Land spülen. Wir machen wilde Hebefiguren oder tauchen unter den brechenden Wassermassen durch. Der Ekel vor dem Seegras und den meterlangen Algen kommt nur bei besonders prächtigen Exemplaren kurz durch, „es sind ja auch wirklich einfach nur Pflanzen“, sagen wir uns.

    Nach dem Abendbrot wollen wir auf der Hostelterrasse mit Blick auf die kleine Straße den Abend ruhig ausklingen lassen, doch es kommt anders. Tara aus den Staaten, Sam aus Neuseeland und Daniel aus Deutschland verwickeln uns in ein Gespräch, der Supermarkt auf der anderen Straßenseite versorgt uns mit IPA und Weißwein aus der Dose. Es wird ein feuchtfröhlicher Abend mit tollen Gesprächen und wundervollen Menschen. Wenn das der Vibe San Diego‘s ist, dann kanns gern so weitergehen.

    Samstag ist Strandtag. Nach dem Frühstück gehts mit Daniel und Tara nach La Jolla (spanisch ausgesprochen als La Choja), ein Stadtteil San Diegos, etwa 30min entfernt von Ocean Beach. Buchten mit weiße Sandstränden prägen diesen Bezirk. Auf den Felsen der Steilküste sitzen Seelöwen und Robben und über die Badenden fliegen die Pelikane. Wir breiten unsere Handtücher aus und stürzen uns erstmal in den Ozean. Es ist wieder seegrasig, aber das sind wir ja schon gewöhnt. Danach gibts ein paar Sandwiches, die wir vorher im Supermarkt gekauft haben, wir quatschen, lachen, schießen Fotos und haben eine gute Zeit.

    Zu 18 Uhr ist ein Skate-Contest in Ocean Beach angekündigt, keine 3 Minuten vom Hostel entfernt. Also Strandsachen zusammenpacken, ab zum Van und zurück in unseren Kiez. Wir zwei ziehen uns noch schnell ne riesige Käsepizza am Strand rein (diesmal landet nichts von der Pizza auf irgendwelchen T-Shirts!), die anderen Beiden gehen direkt zum Event. Das Skate Event ist auf der Rückseite eines Skate Shops. In Amerika liegen die Rückseiten von Gebäuden häufig in engen, schmucklosen Gassen, in denen unter anderem auch die Mülltonnen stehen oder die Mitarbeiter zum rauchen die Laderampe nutzen. Man kennt diese Gassen auch aus Filmen: Hier enden Verfolgungsjagden entweder indem der Verfolgte über eine Seitentür verschwindet um sich in Sicherheit zu bringt oder der Verfolgte steht plötzlich vor einem Zaun, der ihm den Weg versperrt, weshalb er dann vom Verfolger gemeuchelt wird. In so einer Seitenstraße ist also besagter Contest. Und der ist in vollem Gange. Rocker, Punker, Hippies und Skater zwischen 5 und 70 Jahren, bestimmt 100 Leute. Die Skater nehmen ordentlich Anlauf, fahren über einen Kicker, springen über einen Zaun und grinden schließlich über die Kante eines Müllcontainers. Die biertrinkende Menge quittiert die Tricks entweder mit Applaus oder auch mit einem mitfühlenden „ouuuhh“. Gleichzeitig spielt eine Band. Psychodelic Rock. Geht schön sphärisch nach vorn. Das Bier ist auf Spendenbasis, die Burger sind ‚for free‘ (haben wir zu spät mitbekommen, wir hatten ja nun schon ne Pizza). Nach Sonnenuntergang ist der Contest zu Ende, aber die Livemusik geht weiter. Diesmal eine Punkband. Die Menge tobt. Es wird gepogt. Wir holen uns im Supermarkt noch mehr Bier. Es fetzt einfach. Mit einem betrunkenen Amerikaner reden wir über „Schnurrbärte“, er will alles über Bärte wissen und wie sie im Deutschen genannt werden. Der ganze Abend fühlt sich an als wären wir in Kreuzberg, nur unter Palmen. Selig und beschwipst schlendern wir irgendwann richtig Hostel und fallen ins Bett. „California dreaming“, heute Abend haben wir es gefühlt.

    Am nächsten Morgen sitzen wir auf der Hostelterrasse und telefonieren erstmal ausgiebig bei etlichen Kaffee’s nach Deutschland. Dann drehen wir eine Runde durch Ocean Beach auf der Suche nach der ein oder anderen coolen Klamotte, letztlich ohne Erfolg. Aber allein durch die Straßen San Diegos zu schlendern fühlt sich gut an. Reggae hier, Rockmucke da. In der Bar trinken sie schon Bier und spielen Billard, im Café wird ein Fair Trade Cappuccino mit Hafermilch bestellt. Man fährt Longboard, Rollschuh oder Fahrrad, Hauptsache lässig. Alles sehr vertraut. Hier ist es auf eine angenehme Art amerikanisch ohne zu amerikanisch zu sein.

    Genug gelaufen. Ab zum Strand, diesmal mit Boogi Boards (kleine Surfboards) vom Hostel. Wir haben richtig Spaß. Auch das Seegras ändert daran nichts (hats ja noch nie). Danach in der Sonne brutzeln bei einem Kreuzworträtsel bzw. wahlweise einem kleinen Schläfchen. Dann kommt von Daniel ein Anruf: ob wir ein Thermometer haben, er hat nen Sonnenstich. Haben wir. Ist im Van. Der steht in der Nachbarschaft, drei Blöcke vom Hostel entfernt, da ist das Parken kostenlos. Wir gehen also zum Auto. „Das hat doch ne Beule!”. Und Kratzer. Je näher wir kommen desto deutlicher werden die Spuren hinten links am Heck. Das gibts doch nicht: Uns hat ein anderes Auto gestreift. Es ist ein Lackschaden, nicht gravierend aber doch wertmindernd. Und eine Autoversicherung haben wir ja, und die ist nicht gerade billig. Also rufen wir das SDPD (San Diego Police Department) an um den Schaden anzuzeigen. 50 Minuten Warteschleifen in der Non-Emergency Hotline. Und immer wieder die gleichen Bandansagen. Gehirnwäsche. Dann endlich die Erlösung: eine Mitarbeiterin nimmt ab. Wir schildern den Sachverhalt. Sie verweist uns auf ein Onlineformular, das sollen wir ausfüllen und dann wird es von einem Beamten bearbeitet und gilt dann als Schadensnachweis für die Versicherung. 30 Sekunden hat das insgesamt gedauert. Wow. Heute machen wir nichts mehr, morgen ist ein neuer Tag.

    In unserem 8ter Gemeinschaftssaal steht die Luft. Locker 28 Grad. Alles klebt. Zusätzlich wird geschnarcht, was das Zeug hält. Johannes hat fast kein Auge zugemacht. Wir sprechen mit Eric von der Rezeption und schildern ihm die Situation. Mit Eric haben wir in den letzten Tagen immer wieder mal geschnackt. Er ist entspannt. Ohne zu zögern bietet er uns ein anderes 8ter Zimmer an, dass - so versichert er uns - deutlich besser klimatisiert ist und gleichzeitig die kommenden Tage nicht voll ausgebucht ist. Wir ziehen sofort um. Danke Eric!

    Beim Frühstück kümmern wir uns um den Schaden beim Auto. Der Polizeibericht ist schnell ausgefüllt, der Anruf bei der Versicherung ist hingegen etwas ernüchternd, da ein Schaden durch Fahrerflucht nicht versichert ist. Bedeutet, wir müssen selber für den Schaden aufkommen. Wir sind sauer! Das ist einfach nicht gerecht, wir haben ja nichts falsch gemacht oder den Schaden aktiv verursacht. Jetzt wollen wir es aber auch genau wissen und fahren zum Nächsten Body Shop (diese Werkstätten sind auf Karosseriearbeiten spezialisiert) um den Schaden schätzen zu lassen. Nach einer kurzen Inspektion und ein paar erklärenden Worten sagt der Mechaniker: “Well, you should plan with around 3000 Dollar”. Das Launelevel sackt nochmals ab. Wir entscheiden die Entscheidung erstmal zu vertagen. Später kommen wir zu dem Entschluss die Ausbesserungsarbeiten - wenn überhaupt - am Ende unserer Reise durchführen zu lassen. Letztlich ist unser Van noch immer in erstklassigem Zustand im Vergleich zur Mehrzahl der Rostlauben, die hier sonst durch die Straßen cruisen.

    Nach einer kurzen Kochsession mit Daniel in der Hostelküche überwinden wir das Mittagstief direkt, schwingen uns zu viert in die Karre von Tara und fahren in den Nachbarbezirk Pacific Beach, denn da gibts einen kleinen Freizeitpark mit einer Hand voll Fahrgeschäften..allesamt etwas in die Jahre gekommen. Es klappert und quietscht, die Leute schreien. Ob vor Freude oder aus purer Angst bleibt unklar. Wir sind wegen der Achterbahn hier. Die ist komplett aus Holz gebaut und den Blick über den Pazifik und San Diego wollen wir uns nicht entgehen lassen. Acht Dollar pro Person kostet der Spaß. Machen wir also. Beim Anstehen beobachten wir die Leute die aus der Achterbahn aussteigen. Irgendwie traumatisiert. Aber trotzdem nicht unglücklich. Also los. Den Sicherheitsbügel schön eng anpressen und dann gehts schon klackernd nach oben. Neben dem Klackern noch das Ächzen der alten Holzbalken. Wir sitzen ganz hinten, “da ist man am schnellsten”. Der Zug passiert mit dem ersten Wagon den oberen Kipppunkt. Die ersten Schreie sind zu vernehmen. Wir genießen die Aussicht. Wirklich ein nettes Städtchen. Der Zug nimmt fahrt auf, es geht bergab. Alle schreien. Wie am Spieß. Der erste Dipp, die Wirbelsäule wird schmerzhaft zusammen gestaucht. In der Linkskurve, die sich eher wie eine Linksecke anfühlt, wird der Kopf nach links geschleudert. Dann bergauf, ein kurzer Moment der Schwerelosigkeit, gefolgt vom nächsten Dipp. Diesmal fühlt es sich nach Hirnblutung an. In mittelschwerer Benommenheit bringen wir die nächsten Kurven und Dipps hinter uns und steigen schließlich aus. Traumatisiert. Aber nicht unglücklich.

    Zurück in Ocean Beach gehen wir vier noch zu einer Jazz Jam Session zwei Blocks weiter. Die Bar ist schräg. Verrückte Möbel - ein Stilmix aus verschiedenen Epochen - surreale Kunst und Installationen und eine interessante Mischung aus Menschen lassen uns die Aufregungen des Tages vergessen.

    Dienstag. Wir wollen Jetski fahren. Die Karten haben wir schon die Tage vorher rabattiert gekauft. Bevor es richtig los geht bringen wir das Auto zum Ölwechsel und fahren dann direkt von der Werkstatt mit Tara und Daniel zum Hafen. Nach kurzer Instruktion dürfen wir auf unsere Jetskis, immer pärchenweise (heißt nicht das Tara und Daniel ein Pärchen sind, die beiden haben sich im Hostel kennengelernt). Ich (Rico) sitze auf dem Fahrersitz, Johannes dahinter. Im Hafenbereich sind die Jetskis automatisch gedrosselt auf 5mph, ab der grünen Boje wird die Drosselung aufgehoben, sagt uns der Instruktor. Wir also los im Schneckentemp, ist vielleicht auch gar nicht schlecht um erstmal ein Gefühl zu entwickeln. Tara und Daniel überholen uns. Im Affenzahn. Komisch. Wir schleichen weiter. Da hinten ist ja schon die Boje. Sie kommt näher. Wir passieren sie. Nicht passiert. “Gibst du auch richtig Gas?”, “Ja, ist voll auf Anschlag”, “Geh mal in den neutralen Gang und dann wieder zurück in den Vorwärtsgang”, “Warte…klappt nicht. Wir fahren weiter nur 5 Meilen die Stunde”, “Maaaan ej, sollen wir mal Plätze tauschen?”, “Neeein maaan, ich krieg das schon hin”..es wird hitzig, wir keifen uns noch kurz an aber dann auf einmal schießt das Gefährt los. Endlich. Aber es ist nicht einfach auf dem unruhigen Wasser. Nach 10 Minuten tauschen wir in ruhigerem Fahrwasser die Plätze. Jetzt ist Johannes am Steuer und es läuft. Mit bis zu 40 mph (das sind um die 70 km/h!!) preschen wir übers Wasser, vorbei an den Wolkenkratzern Downtowns, an Flugzeugträgern der US Navi, einem alten Piratenschiff und edlen Villen. Es fetzt. Im Fahrwasser anderer Schiffe haben wir kurze Flugphasen, beim Landen kreischen wir vor Freude. Also Jetskis gehen schon richtig ab, vergleichbar mit ner Achterbahnfahrt, die allerdings 90 Minuten geht. Auf dem Rückweg auf Höhe der grünen Boje werden wir wieder gedrosselt. Wäre ja nicht weiter schlimm gewesen, wenn die anderen Beiden nicht schon wieder mit 50 Sachen an uns vorbei geschäppert wären. Johlend und voller Freude. Fies, aber so können wir noch ein bisschen runterkommen nach der aufregenden Fahrt. Auf den Rückweg schmeißt Tara uns dann bei der Werkstatt raus wo unser Auto bereit steht für die Abholung. Easy cruisen wir mit dem frisch geölten Van zurück nach Ocean Beach.

    Den Nachmittag verbringen wir am Strand und reiten noch einmal die Wellen mit den Boards. Die Wellen sind ordentlich groß und wir perfektionieren unsere Surfkünste. Das macht nochmal richtig Spaß. Und das Seegras gehört mittlerweile irgendwie dazu. Wir wollen es schon fast nicht mehr missen, dieses glitschige meterlange Grünzeug. Es wird das letzte Mal sein, dass wir auf unserer Reise in den Pazifik gesprungen sind.

    Am Mittwoch packen wir nach dem Frühstück das Auto, verabschieden uns von Tara (Daniel ist schon am Vorabend abgehauen) und verlassen schweren Herzens San Diego. Bis zum nächsten Mal!

    Aber jetzt geht es erstmal nach San Francisco…
    (R)
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  • San Francisco: Hippies und Elite-Uni ☮️

    August 4, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 17 °C

    Am Mittwoch fahren wir nach dem Frühstück aus San Diego los Richtung San Francisco. Die Fahrt zurück nimmt zwei Tage in Anspruch. Den ersten Tag wollen wir acht Stunden bis hoch zum Pinnacles Nationalpark fahren, weil wir dort einen günstigen Zeltplatz gefunden haben. Von dem Pinnacles Nationalpark sind es dann nur noch knapp zwei Stunden Fahrt bis San Francisco, bzw. Palo Alto, der Stadt in welcher wir unsere Freundin Marie besuchen wollen.

    Am ersten Tag nehmen wir also den Großteil der Strecke mit und fahren unter anderem auch durch Los Angeles, diesmal aber die Stadt. Das wollten wir uns nun doch nicht nehmen lassen, hier wenigstens auch einmal durchzufahren und den Duft Hollywoods zu schnuppern. Uns hat L.A. aber nicht wirklich von den Socken gehauen. Es war schon sehr cool, den Sunset-Boulevard hinunter zu fahren, wo links und rechts der berühmte „Walk Of Fame“ mit den vielen im Boden eingelassenen Sternen die Straße säumt. Auch Beverly Hills ist mit seinen ganzen Villen und prächtigen Anwesen schön anzusehen und das berühmte Hollywood Schild thront erwartungsgemäß majestätisch über dem ganzen Spektakel. Alles in allem war L.A. jedoch vergleichsweise unspektakulär und vor allem die großen und berühmten Straßen und Orte, wie etwa das Dolby Theatre in welchem die Oscar-Verleihung stattfindet, sehen im Fernsehen doch viel größer aus, als sie tatsächlich sind.

    Von Los Angeles fahren wir dann durch trostlose und ganz unglamoröse Einöde bis zum Pinnacles Nationalpark. Auch dieser ist nicht spektakulär, aber der Zeltplatz ist schön und hat sogar Duschen!

    Am nächsten Morgen lassen wir es entspannt angehen. Um 14 Uhr fahren wir dann bei Marie vor. Marie wohnt zusammen mit vier Mitbewohner:innen in einem wirklich schönen Einfamilienhaus im Midcentury-Baustil. Total lichtdurchflutet und geräumig, wir fühlen uns direkt sehr wohl. Hier im Palo Alto und grundsätzlich im ganzen Großraum San Franciscos wird in der Regel nicht höher als 1-2 Stockwerke gebaut. Das trägt auch zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Marie arbeitet gerade am Institut für Wirtschaftliche Forschung der Stanford University und muss daher an diesem Donnerstag noch arbeiten. Rico und ich laden also unsere Sachen ab und machen einen Spaziergang durch das schöne Palo Alto. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Grüne, vielleicht etwas spießige Vortortidylle lässt uns zur Ruhe kommen. Hier ist es überhaupt nicht aufgeregt. Wir holen uns einen Kaffee und schlendern durch den nahegelegenen Park. Dort legen wir uns auf die Wiese und dösen ein bisschen vor uns hin. Auf dem Rückweg gehen wir bei Bargain Outlet ein paar Sachen einkaufen und können unseren Augen kaum glauben, wie günstig die Lebensmittel hier sind!! Fast so günstig wie in Deutschland und um einiges günstiger als in den übrigen Geschäften! Das ist ein wahrer Glücksgriff, hier werden wir künftig immer einkaufen gehen, vorausgesetzt es gibt noch mehr Geschäfte dieser Kette in den Vereinigten Staaten.

    Nachdem wir unseren Einkauf bei Marie verstaut haben, fahren wir zu dritt in das „Stadtzentrum“ Palo Altos. Palo Alto gehört zu den teuersten Wohnregionen in den gesamten USA und das spürt man auch. Alles ist sauber, ordentlich und sicher. Von der Obdachlosigkeit die in so vielen anderen Städten ein großes Problem darstellt, bekommt man hier nichts mit. Dass die Menschen hier nicht nachvollziehen können, warum die soziale Spaltung in der amerikanischen Bevölkerung immer mehr zunimmt, leuchtet uns hier ein. Es gibt hier ja schlicht keine Probleme. Zumindest als weiße:r Amerikaner:in.

    Für einen Donnerstagabend ist es in Palo Alto ziemlich voll und bei dem Pizzarestaurant das wir ursprünglich ins Auge gefasst haben, kriegen wir leider keinen Tisch. Also gehen wir auf Maries Empfehlung zu einem anderen Restaurant, doch auch hier haben wir Pech: alles voll, wir können uns aber auf eine Liste schreiben lassen, in 30-45 Minuten wäre der nächste Tisch frei. Hungrig hinterlegen wir also unsere Namen mit einer Telefonnummer und überbrücken die Wartezeit mit einem Spaziergang durch die schönen Einkaufsstraßen Palo Altos. Nach der angesagten Zeit werden wir wieder bei dem Restaurant vorsprechig, es dauert aber noch zehn Minuten. Gut, also nochmal warten. Als wir nach zehn Minuten dann immernoch keine Nachricht bekommen haben, gehen wir nochmal zurück um nachzufragen. „Oh, ihr seid ja gar nicht aufgetaucht, also haben wir euren Tisch vergeben.“ Der Hunger ist inzwischen so groß, dass uns fast die Tränen in die Augen schießen. Nachdem wir erklärt haben, dass wir keine SMS bekommen und ja die ganze Zeit vor der Tür rumgelungert haben, hat man Mitleid mit uns. Der nächste freie Tisch wird also unserer und wir können endlich essen. Es gibt Cajun Pommes, Mac&Cheese und Jalapeño-Maisbrot mit Akazienhonig. Alles in allem hat sich das warten gelohnt! Schlafen dürfen wir die drei Nächte bei Marie im Zimmer. Sie schläft in der Zeit bei ihrer Freundin Sophia, die aber in einem anderen Haus wohnt. Somit sind Rico und ich mit den übrigen vier Mitbewohner:innen allein in dem Haus. Drei von ihnen lernen wir auch kennen, sehr nette Gesellen, aber eben Zweck-WG-Vibes.

    Am nächsten Morgen machen Rico und ich uns nach dem Frühstück auf nach San Francisco (Marie muss arbeiten). Aus Palo Alto fährt ein Zug nach San Francisco. Eine Fahrt: 8$. Cool, denken wir uns, denn von Marie haben wir am Abend vorher erfahren, dass in San Francisco die meisten Autos in den gesamten USA geknackt und gestohlen werden. Da wir darauf nach der Fahrerflucht jetzt nicht unbedingt auch noch Lust haben, wollen wir also entspannt mit dem Zug fahren. Die nächste Station ist leider 30 Minuten zu Fuß entfernt, es hilft ja nichts, also los! Wir laufen und laufen, die Sonne knallt erbarmungslos auf uns runter, zum Glück haben wir uns warm angezogen - in San Francisco ist es schließlich immer deutlich kühler als in den Außenbezirken. Laut Navi kommen wir immer später am Bahnhof an, bis sich die finale Ankunftszeit schließlich mit der planmäßigen Abfahrtszeit des Zugs deckt. Die letzten Meter rennen wir also und kommen recht verschwitzt am Gleis an: der Zug hat 20 Minuten Verspätung. Na klar. Nach 20 Minuten steigen wir dann endlich in den immerhin klimatisierten Zug. Nun dauert es eine knappe Stunde bis wir in San Francisco sind. Für San Francisco haben wir uns einen Sightseeing-Bus gebucht. Das ist immer gut, um einen raschen Überblick und ein Gefühl für eine Stadt zu bekommen. Vom Hauptbahnhof in San Francisco sind es ja auch nur …. 30 Minuten zu Fuß… also wieder los. Letztendlich hat es insgesamt also 2,5 Stunden von Tür zu (Bus-)Tür gedauert aber jetzt sind wir endlich in Downtown San Francisco! An der Station für den Sightseeing-Bus warten wir kaum 10 Minuten, schon können wir einsteigen und bekommen während der Fahrt viele spannende Infos über die Stadt. In dem Stadtteil Hight-Ashbury steigen wir aus: hier wird der Hippie-Lifestyle für den San Francisco so bekannt ist, noch authentisch gelebt. Die Häuser sind bunt, die Menschen sind bunt und an jeder Ecke wird Musik gemacht. Die Läden bieten schrille Psychodelia oder Vintage-Mode an und auch die Musik spielt eine große Rolle: es gibt viele kleinere und größere Record-Stores und sogar das ehemalige Haus von Jimi Hendrix befindet sich in der Straße. Wir bummeln durch die Gegend und ich (Johannes) kaufe mir in einem Vintage-Geschäft eine cool geschnittene Bomberjacke, Rico wird hingegen bei Amoeba-Music (einem riesigen Musikgeschäft) fündig. Insgesamt vier CDs wurden hier erstanden, „ich bin aber nur bis „E“ gekommen!“.

    Nach langer Zeit des Bunmelns stellen wir uns wieder an die Haltestelle für den Sightseeing Bus, aber… es kommt keiner. Nach einer halben Stunde warten stehen neben uns inzwischen mindesten 30 weitere Personen an der Haltestelle und warten auf den Bus. Wir haben aber Glück, der Bus hält genau vor uns, sodass wir als erste einsteigen können und nach zwei Stationen auch oben nebeneinander sitzend die weitere Fahrt genießen können. Wir fahren noch einmal über die Golden Gate Bridge (das kennen wir ja schon) und durch das schöne San Francisco mit all seinen Highlights. Nur die berühmte geschwungene Lombard-Street verpassen wir leider, weil diese zu steil und eng für den großen Bus ist. In Downtown wollen wir uns bei „Tony‘s“ eine Pizza zum Abendbrot abholen, weil hier (laut Frank Rosin) wohl die beste Pizza der Welt serviert werden soll. Dort angekommen ist unser Hunger aber zu groß um uns an der lange Schlange anzustellen, wir finden in Little Italy das wunderschöne Restaurant „The Stinking Rose“ und bekommen hier eine vorzügliche Calzone und hervorragende Gnocchi serviert. Gestärkt und zufrieden geht es für uns nun zurück zum Bahnhof. Wir beschließen, den Bus zu nehmen. Da wir hier noch nicht mit dem Bus gefahren sind, fragen wir drei Mitarbeiter des Restaurants, wo man Bustickets kaufen könne. „Just don’t pay. That‘s what I always do. Nobody is checking for tickets anyways. Take the risk guys!” wird uns mit hämischem Lächeln in italienischem Akzent geantwortet. Naja, da wir uns ohnehin ein bisschen sputen müssen, um unsere Bahn zurück nach Palo Alto zu erwischen, steigen wir in den nächsten Bus ein, ohne Ticket. Tatsächlich werden wir nicht kontrolliert, das war jetzt aber auch wirklich nur eine Notlösung! Wir kaufen sonst immer Fahrkarten. So auch für den Zug nach Palo Alto. Mit den Fahrkarten setzen wir uns rechtzeitig fünf Minuten vor Abfahrt in den Zug. Es vergehen fünf Minuten, zehn Minuten, zwanzig Minuten. Nichts passiert. Dann eine Ansage des Zugführers: Die Abfahrt verzögert sich um unbestimmte Zeit, scheinbar steht ein anderer Zug mitten auf den Gleisen und versperrt die Durchfahrt. Wir können also nichts anders machen als: Warten. Mal wieder. Inzwischen sind wir ja geübt darin. Der Zug sollte um 19:10 Uhr abfahren. Inzwischen ist es 20:30 Uhr und wir stehen immer noch im Bahnhof. Unser temporäres Nummernschild haben wir inzwischen in zwei geteilt und spielen auf der Rückseite Stadt-Land-Gewässer (wer kennt überhaupt so viele Flüsse?). Dann hören wir wieder die Stimme des Zugführers, diesmal ganz euphorisch: „Folks, I have amazing news for you! There is a bus waiting in front of the station that will bring you to the next train station. From there you can take the train to your regular destination”. Aha, naja also die Einrichtung eines SEV bei Störungen im Betriebsablauf sind wir in Deutschland ja eher als Mindeststandard gewöhnt und nicht als eine Leistung die eine solche Euphorie hervorrufen würde. Wir laufen also nach vorne zum Bahnsteig mit hunderten anderen Passagieren. Aber da steht kein Bus. Auf den müssen wir (natürlich) noch zwanzig Minuten warten. Und als wir dann endlich an der nächsten Station ankommen - inzwischen ist es 21:30 Uhr - steht dort auch kein Zug der uns mitnehmen könnte. Auf der anderen Seite steht zwar ein Zug der eigentlich Richtung San Francisco fahren sollte, aber auch nicht weiter kommt. Auf Rückfrage erfahren wir, dass hier niemand vom Personal weiss, was jetzt passieren soll. Also wieder warten. Schließlich einigt man sich darauf, dass der Zug vom gegenüber liegenden Gleis uns mit zurück in die für uns richtige Richtung nimmt. Dafür gibt es aber keinen normalen Übergang von einem Gleis zum anderen, nein, wir müssen wieder in den Bus einsteigen und geschlagene 10 Minuten um den Pudding fahren, um ans andere Gleis zu gelangen. Da soll mir nochmal jemand sagen, Deutschland sei unorganisiert. Am anderen Gleis angekommen steigen aus dem Bus aus, der aber natürlich nicht alle Passagiere auf einmal mit rüber bekommen hat und in den Zug ein. Und obwohl nicht alle Passagiere mitgekommen sind fährt der Zug direkt los. Während noch etwa die Hälfte der Passagiere am anderen Gleis stehen. Zum Glück haben wir es in die erste Fahrt geschafft, sonst müssten wir da noch länger warten.

    Schließlich kommen wir um 22:30 Uhr in Palo Alto an. Marie holt uns ab vom Bahnhof und der erhoffte gemeinsame Abend fällt dann leider nur sehr kurz aus, da wir alle erschöpft ins Bett fallen.

    Dafür verbringen wir den nächsten Tag komplett zusammen. Am Vormittag holen wir uns einen sehr lecker belegten Bagel und erkunden das Gelände der Stanford-University. Ein wirklich schöner Campus. Sehr grün, viele Brunnen und wenig Verkehr. Das man hier zwischen der Vorlesungen gut abschalten kann, merken wir sofort. Auch die Architektur ist interessant. Mediterraner Klassizismus, in Sandsteinfarben gehaltene glatte Fassaden und rote Dächer.

    Nachdem wir in dem Stanford-University-Shop gestöbert haben (hier gibt es sogar eine eigene Kollaboration mit Nike) und Marie uns ihr Büro gezeigt hat, geht es weiter nach San Francisco. Diesmal klappt die Anreise reibungslos, da wir mit einem Uber fahren, das nur marginal teurer ist als drei Zugtickets.

    Marie zeigt uns heute ihren liebsten Teil San Franciscos: das Mission-District. Der Stadtteil ist vergleichbar mit Berlin-Neukölln. Hier gibts es viele Künstler:innen, die entweder auf der Straße ihre musischen Fähigkeiten zur Schau stellen oder in den verschiedenen kleinen Geschäften ihr Handwerk anbieten. Wir holen uns Bubble-Tea und laufen durch eine schöne mit Graffitis besprühte Gasse, wo verschiedene politische Statements künstlerisch in Szene gesetzt werden. Im Sonnenschein lassen wir uns einfach treiben, halten hier und da mal an, bummeln und holen uns leckeres Gebäck. In einem Bronze-Geschäft wird Marie von einer von der Decke fallenden Biene gestochen. Hier passiert nichts so, wie man es erwartet. San Francisco ist wirklich eine sehr coole Stadt, voller Leben. Auch hier ist jedoch die soziale Spaltung Amerikas nicht von der Hand zu weisen, insbesondere die Schere zwischen arm und reich. Viele Obdachlose und gescheiterte Personen sind Teil des Straßenbildes. Es ist nicht gefährlich, aber dennoch ist die Armut auch hier deutlich erkennbar. San Francisco ist seit dem Technik-Boom und der Ansiedlung der großen Firmen wie Apple und Facebook extrem gentrifiziert. So mussten die Menschen, die hier schon ihr ganzes Leben wohnen ihre Wohnungen verlassen, weil diese inzwischen nicht mehr bezahlbar sind.

    Den Nachmittag verbringen wir in einem großen und schönen Park und treffen hier auch noch Freunde von Marie, mit denen wir ein paar Runden UNO spielen. Danach gehen wir (wieder zu dritt) auf Maries Empfehlung zu einem Chinesen und essen dort wirklich hervorragendes chinesisches Essen. Gesättigt machen wir anschließend auf meinen Wunsch hin einen kleinen Spaziergang zu einem Donut Geschäft, für einen Nachtisch. Letztendlich dehnt sich dieser Spaziergang zu einer kleinen Wanderung aus, da das erste Geschäft keine Donuts mehr vorrätig hat, weshalb wir noch ein paar Kilometer die steilen Hänge von San Francisco bergan zu einem anderen Geschäft laufen müssen. Die Stimmung kippt beinahe und Teile unserer Reisegruppe sind kurz davor die ganze Aktion abzubrechen, dann gibt es aber doch wirklich leckere und bezahlbare Donuts. Von hier gehts es für uns dann wieder zurück nach Palo Alto.

    Nach einem ausgiebigen Frühstück verabschieden wir uns am nächsten Morgen von Marie und machen uns auf den Weg zu dem berühmten Yosemite Nationalpark, wo wir endlich wieder wandern wollen…
    (J)
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  • Der Yosemite: Wasserfälle & Felsgiganten

    August 7, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 24 °C

    Beschwingt von der urbanen Vielfalt San Franciscos zieht es uns nun in einen der berühmtesten und meistbesuchten Nationalparks der USA: Den Yosemite National Park. Der Park liegt etwa vier Autostunden östlich von San Francisco. Ursprünglich hatten wir nicht geplant den Park zu besuchen, aber von unterschiedlicher Seite wurde uns nahegelegt, es besser doch zu tun. Dann wollen wir jetzt aber auch das volle Programm: Wandern mit Zelt auf dem Rücken, übernachten, und wieder zurück! Der Plan steht. Mit der Orga haben wir schon zwei Wochen zuvor angefangen, denn ganz in überregulierter US-Manier ist hier einiges zu beachten und vor allem zu beantragen. Unser Anreisetag ist Sonntag. Hier müssen wir bis 18 Uhr am Zeltplatz Camp 4 (rischtje Berliner sollten hier kurz aufmerken) einchecken, den man hoffentlich vorher reserviert hat. Haben wir. Für Montag ist dann die Wanderung über den sogenannten Mist Trail zum Little Yosemite Valley geplant. Das Zelten ist im Little Yosemite Valley nur in einem sehr rudimentär ausgestatteten Campground (kein fließend Wasser, Plumpsklos) erlaubt, für den man ein sogenanntes Wilderness Permit (Genehmigung) benötigt. Dieses ist sieben Tage vor der geplanten Übernachtung über die Website ab morgens um 07:00 Uhr zu beantragen, es gilt das Prinzip ‚first come, first serve‘ (nach fünf Minuten sind die 30 Permits pro Tag vergeben). Mit dem Permit allein ist es allerdings noch nicht getan, dazu später mehr. Fest steht: wir haben das Permit bekommen.

    Am Sonntag passieren wir um kurz vor 18 Uhr das Eingangstor zum Yosemite Nationalpark und sind sofort aus dem Häuschen. So eine traumhafte Landschaft haben wir noch nicht gesehen: Das Yosemite Valley (in welchem sich der Großteil der Trubels abspielt, hier sind auch alle Shops, Hotels und Restaurants zu finden) liegt inmitten von sich abwechselnden immergrünen Wäldern und weitläufigen Wiesen umringt von gigantischen Felsklippen, die wie abgeschnitten hunderte Meter über uns aufragen. Über allem thront majestätisch der Half Dome mit seiner namensgebenden und charakteristischen Form (für die Besteigung des Half Domes hätte ein weiteres Permit beantragt werden müssen, das haben wir uns gespart). Hier und da können wir einen Wasserfall erspähen, der über die Klippen tief in das Tal hinabrauscht. Der Besuch hat sich jetzt schon gelohnt finden wir, umso mehr Lust haben wir auf die eigentliche Wanderung und die kommenden Tage. Etwas abgehetzt kommen wir gerade noch rechtzeitig am Camp 4 an, einchecken läuft problemlos, wir sind ja pünktlich. Das Auto muss - entgegen unseren Erfahrungen der letzten Monate - auf dem Parkplatz stehen bleiben; übernachten darf man wirklich nur im Zelt. Naja, so haben wir direkt die Möglichkeit schon mal unser Equipment für die zweitägige Wanderung zusammen zu stellen und auszuprobieren. Hungrig stellen wir unsere Ausrüstung auf dem Parkplatz zusammen, gehen verschiedene Wetterszenarien durch und wägen ab, was wir für die geplante Wanderung unbedingt benötigen und was vielleicht eher unnötig ist (nach Ricos Auffassung unnötig sind z.B. zwei Unterhosen, nach Johannes Einschätzung ist eine Schlafmaske hingegen unverzichtbar). Die Ausrüstung (Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, Kocher,…), Klamotten und die Verpflegung inkl. Wasserflaschen verteilen wir gerecht auf beide Rucksäcke, dann tragen wir alles vom Parkplatz zum Campground - so ca. 250m - packen so gut wie alles wieder aus und bauen unser Nachtlager auf. „Starke Aktion“, wir nicken uns abgekämpft aber bewusst abgeklärt zu. Zum Abendbrot gibt es Risotto. Als die Sonne hinter den 1000m steil aufragenden, blanken Felswänden verschwindet wird es im Tal fast schon schlagartig dunkel. Dem Rhythmus der Natur folgend krauchen wir ins Zelt und betrachten noch den Sternenhimmel ehe wir in Vorfreude auf die anstehende Wanderung einschlafen.

    Montag Morgen, 06:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Die Nacht war angenehm kühl, wir sind ausgeruht und voller Tatendrang. Duschen, Frühstücken, Zelt abbauen Isomatten und Schlafsäcke zusammenrollen, Rucksäcke packen und alles sicher verschnüren: jeder Handgriff sitzt. Bevor es richtig losgeht müssen wir noch schnell noch zum Wilderness Center unser Permit für das Little Yosemite Valley abholen. Das ist ca. 500 m vom Campground entfernt, „ist also quasi um die Ecke“, denken wir. aber das Parkmanagement hat sich ein ausgeklügeltes Einbahnstraßensystem für diesen Teil des Parks überlegt, um den Besuchernassen Herr zu werden. Daher werden aus den eigentlichen 500m für uns 10km. Die Landschaft ist schön, die Straße schlängelt sich entlang eines Flusses durch saftig grüne Wiesen und üppige Baumbestände. So lassen sich die 20 Minuten Umweg gut aushalten. Angekommen in der Nähe des Wilderness Centers ein Parkplatz. Die letzten 300m bewältigen wir zu Fuß. „Schon wieder ne starke Aktion“, stellen wir leicht gequält fest. Punkt 08:00 Uhr öffnet das Center - eine kleine urige Blockhütte etwas abseits vom großen Souvenirshop und der Großraumcafeteria-. Eine Rancherin erkundigt sich nach unserer geplanten Wanderung, unserer Ausrüstung und gibt uns ein paar Ratschläge wie wir uns in der Natur zu verhalten haben. Dann händigt sie uns das schriftliche Permit aus. Damit ist es offiziell: wir dürfen im Yosemite National Park wandern und übernachten! Nichts wie los!

    Mit dem Van gehts wieder auf die Einbahnstraße, wieder etwa 10km durch die saftigen Wiesen und wieder entlang des Flüsschens..man kennts. Dann nach einer Abzweigung erreichen wir schon bald den Beginn des Wanderwegs. Die Parkplatzsuche ist schon das erste Abenteuer. Hier dürfen nur Tagestouristen parken, dort nur Gäste der Lodge. Auf den Hinweis eines Mitarbeiters hin, fahren wir eine kleine Schotterstraße entlang zu einem versteckten Parkplatz. Diesen würden wohl die meisten nicht kennen, weshalb wir dort Glück haben könnten. Tatsächlich finden wir auch einen Parkplatz, aber wenn das hier schon der Geheimtipp ist, können wir uns die Menschenmassen vorstellen, die hier wandern gehen werden. Wir parken den Van, schnappen uns unsere Rücksäcke und laufen los, mittlerweile ist es halb zehn, die Sonne wandert kontinuierlich Richtung Zenit. Neben uns und der Sonne wandern auch - wie erwartet - massenhaft andere Abenteuerlustige in die selbe Richtung. Das der Yosemite kein Geheimtip ist, war uns ja klar, daher bleiben wir gelassen.

    Schnell wird der Weg steiler. Der Untergrund ist asphaltiert. In der Sonne liegt zusammen gerollt eine Schlange und bewegt sich kein Stück. Als Teil der großen Masse machen wir Höhenmeter um Höhenmeter immer weiter hinauf auf die schroffen Felsgiganten. Dann die erste Brücke. Sie geht über den Merced River, der sich hier tosend seinen Weg ins Tal bahnt. Für die meisten der Moment für ausgiebige Fotosessions, wir wissen, dass noch einiges vor uns liegt und ziehen weiter. Hier ist unser eigentlicher Wanderweg, der Mist Trail wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Wir müssen den deutlich längeren und beschwerlicheren, aber vermutlich nicht weniger atemberaubenden „John Muir Trail“ bis zur nächsten Gabelung laufen. Ein Umweg von etwa sieben Kilometern. So werden aus den ursprünglich angesetzten acht Kilometern Wanderung letztendlich 15 Kilometer. Der Weg ist nun nicht mehr asphaltiert sondern steinig. Der Wald ist dicht. Den wärmenden Einfluss der Sonne kann man trotzdem nicht leugnen. Es sind weniger Menschen auf diesem Streckenabschnitt unterwegs - wahrscheinlich sind die ersten schon bei der Brücke umgekehrt -. In zahllosen Serpentinen geht es aufwärts. Wir überholen immer wieder kleinere Wandergruppen. Zwischen den Bäumen ist immer wieder mal das Tal mit seinen massiven, glatt geschliffenen Felswänden aus Granit zu sehen. Wir sind auf etwa 1350 m Höhe, die Luft wird dünner, der Wald lichtet sich und gibt uns zunehmend der Sonne preis. Die erste Pause am Wegesrand. Wasser trinken, Müsliriegel essen und vor allem die Rucksäcke mal kurz ablegen. Jetzt sind wir die Überholten.

    Gestärkt geht es weiter. Serpentine um Serpentine. Der Weg ist von losem Geröll gesäumt, wir laufen mit Bedacht, um Verletzungen möglichst zu vermeiden. Wir hören es Rauschen. Vor uns tut sich ein riesiger Wasserfall auf: Die Vernal Falls. Sie stürzen 97m in die Tiefe. Von Euphorie gepackt meistern wir den Anstieg und finden uns dann auf 1500m an der Fallkante. Bevor das Wasser hinabstürzt sammelt es sich in einen glasklaren Gebirgssee. Satt grüne Bäume säumen das Ufer und freche Eichhörnchen rennen aufgeweckt hin und her. Es ist malerisch. Auf einem großen Stein im Schatten machen wir Mittagspause und füllen unsere Wasservorräte mit Hilfe unseres Wasserfilters wieder auf (beste Investition ever: Mineralwasser in seiner reinsten Form!).

    Die Pause war notwendig, aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Also gehts weiter. Nun haben wir den Weg (von hier an wieder der Mist-Trail) nahezu für uns allein. Viele Passagen des Weges sind nun noch schmaler und noch steiler. Eine Dreiergruppe kommt uns entgegen, “in about 1.5 hours in your direction we saw a bear”, warnen sie uns und stapfen beschwingt weiter talwärts. Wir sind kurz etwas in unserem Enthusiasmus ausgebremst, sagen uns dann aber dass schon nichts passieren wird, da Schwarzbären in der Regel keinerlei Interesse an Menschen haben und lieber rechtzeitig das Weite suchen. Kontinuierlich geht es bergauf. Unsere Rucksäcke sind schwer. Sie ziehen an uns als wollten sie zurück ins Tal. Wir wollen aber ins Little Yosemite Valley, und das ist nun mal weiter oben. Nach einer Weile stehen wir vor einem wahren Giganten: die Nevada Falls rauschen aus 181 Metern Höhe vor uns in den Merced River. Wir stehen in der Gischt, die wie schwere Wolken im Tal hängt. Es ist angenehm kühl und die Pflanzen und Moose sind hier besonders sattgrün. Kurz halten wir inne, der Blick geht nach oben zur Fallkante. Da wollen wir hin. Dort oben irgendwo muss sich die Hochebene aufspannen auf der wir heute Abend unser Zelt aufschlagen wollen. 181 Höhenmeter. Der Weg besteht fast nur noch aus Steinquadern die zu schmalen Treppen angeordnet sind. Geländer gibt es keine. Die Höhe und der Blick zurück sind schwindelerregend. Die Sonne scheint erbarmungslos. Bei Gegenverkehr weicht man sich gegenseitig aus ohne aus dem Gleichgewicht zu kommen. Es ist wirklich grenzwertig aufregend und vor allem anstrengend. Mehrfach suchen wir kurze Abkühlung im Schatten eines spärlich gewachsenen Baums. Angekommen auf 1800 Metern sind wir ziemlich fertig. Aber wieder erstreckt sich vor der Fallkante ein kristallklarer Gebirgssee, der seicht vor sich hinplätschert bevor er sich in den Wasserfall verwandelt. Wir erfrischen uns, filtern Wasser und liegen an der Böschung. Einige sonnenhungrige scheinen hier schon den ganzen Tag Sonne zu tanken. Von hier oben können wir einen Großteil des Yosemite National Parks überblicken. An mehreren Stellen stürzen sich Wasserfälle über die Gebirgshänge ins Tal. Wir sind überwältigt und vergessen für einen Moment unsere Erschöpfung. Es gibt wieder Müsliriegel und ein paar gesalzene Nüsse bevor wir die letzte Etappe zum Zeltplatz antreten.

    Die Oberschenkel und Waden brennen als wir uns in Bewegung setzen. Vielleicht war das doch alles ne Nummer zu groß für uns. Zum Glück liegt das Little Yosemite Valley auf etwa 1900 Metern Höhe und der Weg dorthin ist deutlich weniger steil. Die seicht ansteigenden letzten 100 Höhenmeter meistern wir - etwas klapprig - und kommen dann endlich im Campground an. Der bietet, wie schon erwähnt, nur Mindeststandard aber wir sind nach 5,5 Stunden, über 700 Höhenmetern und 20.000 Schritten einfach nur froh endlich die Rucksäcke abwerfen zu können.

    Nach kurzer Verschnaufpause und einem weitere Müsliriegel entdecken wir dann nicht weit entfernt vom Zeltplatz - vielleicht 5 Minuten zu Fuß - unser persönliches Paradies! Der Merced River schlängelt sich hier verhältnismäßig unaufgeregt durch den Wald und an seinem Ufer erstreckt sich ein kleiner Sandstrand. Wir können unser Glück kaum fassen, schwingen uns in die Badehosen, schnappen unsere Handtücher und machen es uns am Ufer gemütlich. Im klaren Gebirgswasser kühlen wir unsere strapazierten Körper ab. Die Kulisse ist einmalig schön. Wir genießen die nächsten 2 Stunden in vollen Zügen, wir fühlen uns geehrt Teil dieser nahezu unberührten Natur sein zu dürfen. Es ist schon fast etwas luxuriös.

    Nach dem Abendessen (Nudeln) verkriechen wir uns pünktlich mit einsetzen der Dämmerung in unser Zelt und gucken noch einen Film - Disneys Aladin - den wir uns in weiser Voraussicht vorher runtergeladen haben. Morgen steht der Abstieg an. Erschöpft aber zufrieden schlafen wir schließlich ein.

    Zum Frühstück gibts für jeden zwei kleine Packungen Porridge, die wir im Hostel in San Diego mitgingen ließen. War lecker. Zelt zusammenbauen, Rucksäcke packen und los. 08:30 Uhr beginnen wir den Abstieg. Der Abstieg zurück ins Tal dauert etwa 2.5 Stunden. Heute machen uns weniger die pralle Sonne und das Gepäck zu schaffen als vielmehr die geschundenen Füße. Über Nacht haben sich einige unvorteilhafte Blasen gebildet. Aber hilft ja nix. Wir lassen uns nichts anmerken und laufen betont beschwingt an den uns entgegenkommenden Wanderern vorbei. Beim Abstieg sind wir immer wieder erstaunt über uns selber dass wir am Vortag das alles hier bergauf gelaufen sind. Als wir am Van ankommen machen wir drei Kreuze. Zufrieden schmeißen wir unser Equipment ins Auto und atmen erstmal tief durch.

    Wir sind uns beide einig dass diese Wanderung die schönste aber auch abenteuerlichste und anstrengendste war, die wir jemals gemacht haben. Der Yosemite National Park ist zu Recht einer der meistbesuchten Parks Amerikas, wir werden die Schönheit dieser Landschaft wohl niemals vergessen.

    Jetzt fahren wir noch ein paar Stündchen gen Osten, denn morgen wartet schon Katy Perry in Las Vegas auf uns! (R)
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  • Katy Perry & Vulkanausbruch in Las Vegas

    August 11, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 37 °C

    Las Vegas: Die Stadt die niemals schläft… Wir haben zwei Nächte in Las Vegas gebucht.

    Die Fahrt hierher nimmt zwei Tage in Anspruch. Zunächst dauert es einige Zeit bis wir überhaupt aus dem Yosemite Nationalpark raus sind. Der Park ist nämlich viel größer als man vermutet, der gesamte Tourismus spielt sich nur auf einem Bruchteil der Parkfläche ab.

    Einen Übernachtungsstopp legen wir in Kern River auf einem Zeltplatz ein. Kurz bevor wir unser Etappenziel erreichen, sieht Rico eine Vogelspinne über die Straße laufen. Super. Die gibt es hier also auch. Die trockene Landschaft hat mich (Johannes) schon so etwas vermuten lassen, aber da es sogar eine aktuelle Sichtung gibt, muss Rico mich auf jeden Gang zu den Waschräumen begleiten. Im Dunkeln kann schließlich überall eine riesige Spinne lauern.

    Die Nacht wird entsprechend angespannt und sehr warm ist es auch. Am nächsten Morgen machen wir uns dann aber endlich auf den Weg nach Las Vegas.

    Wir fahren über Stunden durch die menschenleere und ausgetrocknete Mojave Wüste, bis sich wie aus dem nichts hinter einem Berg die Skyline von Las Vegas offenbart.

    Klar kennen wir Las Vegas schon aus Filmen wie Oceans Eleven oder Hangover, aber dort sah die Stadt immer recht klein aus. Ganz im Gegensatz zu Los Angeles sind wir hier in Las Vegas sprachlos, wie groß diese Stadt ist! Hier leben immerhin auch 600.000 Menschen.

    Wir kommen aufgeregt und voller Vorfreude in unserem Hotel an: dem Conrad. Das Conrad gehört neben dem „Crockford‘s“ und dem „Hilton“ zu den drei Hotels, welche zusammen das „Resorts World Las Vegas“ bilden, ein riesiger Hotelkomplex mit drei in den Himmel ragenden Türmen (für jedes Hotel einen).
    Vom Parkhaus aus muss man zunächst mit dem Fahrstuhl runter ins Erdgeschoss fahren. Hier kommen wir dann direkt an dem großen Katy Perry Shop vorbei direkt gegenüber von dem Resorts World Theatre, in welchem heute Abend das langersehnte Katy Perry Konzert stattfinden wird. Nachdem wir uns einen ersten Überblick über das Angebot im Shop gemacht haben, gehen wir weiter zur Lobby. Dafür muss man aber erstmal durch das riesige Casino. Nur das Casino zu durchlaufen dauert ca. 10 Minuten. Die Zeit müssen wir also nachher noch einplanen wenn wir auf dem Weg zum Konzert sind.

    Wir checken ein und bekommen ein Zimmer im 36. Stock, das ist ungefähr auf halber Höhe, insgesamt gibt es hier 68 Stockwerke. Auf unserem Hotelzimmer angekommen lassen wir uns erstmal in das riesige Bett fallen und genießen die Aussicht über den „Strip“. Der „Strip“ ist die Straße in Las Vegas, in welcher der gesamte Trubel stattfindet. Ein Hotelkomplex reiht sich an den nächsten, wobei jedes Hotel sein ganz eigenes Motto hat (und dieses auch mehr als gewissenhaft umsetzt, aber dazu später mehr).

    Unser Hotelzimmer ist überraschen großzügig (Großzügigkeit sind wir in den Staaten bisher ja nicht eher nicht gewohnt) und wir können uns entspannt fertig machen, denn in zwei Stunden beginnt schon der Einlass für das Konzert. Ich bin ganz aufgeregt, Rico macht vorsichtshalber einen Mittagsschlaf. Schnell also duschen, Hemd und Hose bügeln und dann geht es auch schon wieder runter und Richtung Resorts World Theatre. An den Getränkeständen gibt es verschiedene Drinks im Katy Perry Stil. Wir holen uns unter anderem einen „Strawperry“, das ist ein Erdbeer-Margarita, der es in sich hat. Katy meint es gut mit uns.

    Dann nehmen wir unsere Plätze ein. Die sind wirklich top, wir sitzen im ersten Rang, erste Reihe Mitte. Perfekte Sicht also und trotzdem super nah dran. Links neben uns sitzt ein Schweizer, der geschäftlich hier ist und nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen wusste, rechts neben uns eine deutsche Familie: „Den ein oder anderen Song hat man schon mal gehört“.

    Mit etwa einer halben Stunden Verspätung geht es dann endlich (!!) los. Die Show, die Katy Perry hier auf die Beine gestellt hat, trägt den Titel „Play“ und läuft seit Dezember 2021. Es handelt davon, dass Katy Perry eine Puppe verkörpert, die unbedingt ein Kind glücklich machen will. Schließlich wird sie von dem Jungen „Henry“ gekauft. Dieser behandelt sie jedoch ganz schlecht und schmeißt sie schließlich in die Toilette. Aus dem Badezimmerfenster fällt die Puppe dann in den Garten, wo sie einen Fliegenpilz isst und davon Halluzinationen bekommt. Völlig verdreckt findet Henry die Puppe wieder und wirft sie in den Müll. Dort wird sie jedoch von dem kleinen Mädchen Daisy gefunden, die sie aus der Mülltonne rettet, sie wieder herrichtet und mit ihr spielt. In der Spielzeugkiste freundet sich Katy die Puppe dann mit den anderen Spielsachen an und lebt hier ein glückliches Leben. Happy End also. Die gesamte Story wird begleitet von den berühmtesten Katy Perry Songs, währenddessen präsentiert sich Katy in mindestens zehn verschiedenen Outfits und auch das Bühnenbild wechselt ständig: zunächst tanzt Katy auf einem überdimensionalen Bett und schaukelt auf einem riesigen Schaukelpferd, dann spricht sie mit einer gigantischen Toilette, wirbelt zwischen Quietscheenten umher, oder tanzt in einem Kleid aus Bierdosen. Es fährt eine riesige Schnecke über die Bühne und die Tänzer präsentierten ihre besten Moves in Fliegenpilzkostümen mit Ballonhosen. Die gesamte Show ist ein einziges Spektakel, ein Highlight toppt das nächste. Wir können gar nicht still sitzen und auch wenn wir von den Leuten zwei Reihen hinter uns zunächst noch ermahnt werden, wir sollen uns doch bitte hinsetzen und nicht tanzen (bei einem Katy Perry Konzert???), steht nach drei Songs das ganze Theater und singt und tanzt zu den Songs, die alle gut kennen.

    Insgesamt bleibt Katy Perry mit ihrer Show nicht hinter unseren Erwartungen zurück. Es ist ja inzwischen mein viertes Katy Perry Konzert und reiht sich mühelos in das ein, was ich von Katy gewohnt bin: egal ob man ein Fan ist oder nicht, man bekommt einfach eine tolle Show geboten und kann nur Spaß haben. Das finden auch unsere Sitznachbarn. Wir haben hier einen Heidenspaß.

    Nach dem Konzert wollen wir noch einmal den Las Vegas Boulevard mit dem „Strip“ runter laufen. Nachts ist Las Vegas ja am aufregendsten. Es ist inzwischen 22 Uhr und immer noch wahnsinnig schwül und heiß. Wir laufen mit vielen anderen Menschen den Strip hinunter und sind geplättet von der Größe der Gebäude, die wie eigene Städte auf uns wirken. Laufen ist dabei wohl etwas übertrieben. Von der langen Wanderung im Yosemite sind inzwischen unsere Füße voller offener Blasen, sodass wir uns eher humpelnd fortbewegen. Auf der Straße sind Tänzerinnen mit Peitschen unterwegs, die nicht viel mehr als Nippelpads, Unterwäsche und Engelsflügeln tragen (einen Peitschenschlag bekomme auch ich ab). Wir wagen uns noch in ein Hotel: das Venezia. Das Hotel ist komplett im Venedig-Stil gehalten. Zunächst durchlaufen wir die gigantische Shopping-Mall (jedes Hotel hat seine eigene), bis wir schließlich (unter strahlend blauem Himmel?) entlang der Rialto-Brücke und den klassischen alten italienischen Häuserfassaden durch Venedig laufen. Es weht ein angenehm frischer Wind, überall sind Touristen und in den Gondeln werden Pärchen von Gondolieres singend durch die Kanäle Venedigs gefahren. In den coolen Restaurants und Cafés werden italienische Spezialitäten serviert. Wir gucken auf die Uhr. Halb eins in der Nacht. Wir fühlen uns völlig gerädert. Unsere Körper sind müde aber unser Geist ist hellwach. Wir fühlen uns als hätten wir JetLag, denn eigentlich ist es ja taghell hier bei angenehmen 23° C, aber gleichzeitig draußen mitten in der Nacht, bei über 30° C. Das ist alles schon sehr abgefahren. Wir wollen jetzt aber ins Bett, denn morgen haben wir den ganzen Tag um die Stadt zu erkunden und wollen den Tag auch nutzen. Den Ausgang aus diesen Parallelwelten zu finden ist oft gar nicht so leicht. Man muss hier lange Gänge (bzw Gassen, wir sind ja in Venedig) entlang, ohne Fenster oder Ausgang und hoffen, dass irgendwo ein Schild kommt, das Auskunft über die Richtung bis zum nächsten Ausgang gibt. Man kann sich hier wirklich verlaufen und mich beschleicht hier auch ein leicht-klaustrophobisches Gefühl, aber schließlich finden wir den Ausgang und auch wieder den Weg zurück zum Hotel. Wir erfrischen uns noch kurz in unserer begehbaren Regenwalddusche (hier ist Platz für eine Familie) und lassen noch einmal den Blick über den Strip schweifen. Las Vegas ist schon sehr krass. Wir haben bisher nur eine Parallelwelt von den unzähligen anderen kennengelernt. Neben dem Venezia gibt es schließlich auch noch das New York New York (mit Empire State Building und Freiheitsstatue), das Paris (mit Eiffelturm und riesigen Türmen die wie die alten Häuser in Paris aussehen, nur mit 70 Stockwerken), das Cesar‘s Palace (ein altrömischer Tempel, ebenfalls auf 70 Stockwerken), das Zirkus Zirkus (ein einziges Zirkuszelt), das Bellagio (mit der berühmten Fontaine), das Mirage (mit spuckendem Vulkan) oder das Flamingo (mit entsprechenden Zoo). Und das ist nur eine Handvoll der Hotels. Das man hier das Zeitgefühl und die Orientierung komplett verlieren kann, haben wir schon in Venedig gespürt. Naja, morgen steht viel auf dem Programm, wir wechseln unser Hotel nach Downtown (dem alten Teil Las Vegas), haben für das Abendessen einen Tisch bei „The Buffett“ im „Wynn” (wie spricht man das aus?) gebucht und wollen abends noch weitere Parallelwelten erkunden. Also brauchen wir dafür eine gute Mütze Schlaf und lassen uns erschöpft (und von den Eindrücken auch schon etwas übersättigt) ins Bett fallen.

    Am nächsten Morgen machen wir uns Frühstück in unserem Hotelzimmer und genießen es noch ein wenig, in dem riesigen Himmelbett zu liegen. Wir checken aus, werden noch schnell Resort-Mitglieder (kostenloses Parken) und fahren dann Richtung DownTown in unser neues Hotel. Dieses ist vom Standard nicht so luxuriös, wie das Conrad, dafür aber auch deutlich günstiger. Neben den Hotelpreisen muss man hier in Las Vegas nämlich überall noch sogenannte Resort-Gebühren bezahlen, die gerne mal höher sind als der Preis für das Zimmer selbst. Wie schon gesagt, sind wir jetzt in Downtown untergebracht, das ist der ältere Teil Las Vegas‘. Auch hier reiht sich ein Hotel mit Casino an das nächste aber die Gebäude sind nicht ganz so hoch.

    Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben spazieren wir durch DownTown. Berühmt ist hier insbesondere die Fremont Street mit der „Fremont Street Experience“, eine lange Einkaufspassagen voller (wie soll es anders sein) Casinos. Die Straße wird dabei von einer 450 Meter langen LED-Anzeigetafel, die sich wie ein Tonnendach über die Straße erstreckt überdacht. Hier befinden sich einige der bekanntesten Casinos der Stadt, wie das Golden Gate Hotel & Casino oder das Golden Nugget. In das Golden Nugget wagen wir uns dann auch rein. Wir haben uns darauf geeinigt, dass jeder 20 $ Spielgeld verzocken darf. Die ersten 20 $ stecken wir in einen einarmigen Banditen und machen sogar 10 $ Gewinn. Die lassen wir uns direkt auszahlen und spielen damit weiter, wir haben Blut geleckt. Nach ca. 30 Sekunden sind diese 10 $ verzockt. Naja, denken wir uns. Immerhin ist der Einsatz noch da. Nebenan sehen wir, wie eine Frau an einem Automaten, welcher nur Ziffern anzeigt, die dann 1:1 als Gewinn übersetzt werden auf einen Schlag über 500 $ Gewinn macht. Das wollen wir auch. „Da muss man aber auch erstmal was reinstecken, damit man auch wirklich was gewinnen kann“. 10 $ kostet es einmal mit drei Rollen zu drehen, damit hat man die höchsten Gewinnchancen. So schnell haben wir noch nie 50 $ verloren und auch unsere Prinzipien von jeder 20 $ haben wir ziemlich schnell aufgegeben. Das ist der Bann von Las Vegas. Wir suchen einen Geldautomaten, darauf wollen wir es schließlich nicht beruhen lassen. Aber bei Abhebegebühren von 10 $ wachen wir wieder auf aus dem Rausch. 10 $ nur fürs Geldabheben, von Geld das man sowieso verspielt, sehen wir dann auch nicht ein. Naja, dann gucken wir uns das ganze eben nur an, ohne selber mitzuspielen. In Las Vegas werden übrigens alle Casinos begleitet von Zigarrengeruch. Rauchen ist hier nämlich noch erlaubt und an jeden Automaten und Spieltisch stehen Aschenbecher. Die Getränke sind umsonst, solange man genug Geld in die Automaten gibt. Das Casino im „Golden Nugget“ ist riesig. Am hinteren Ende führt ein Gang nach draußen in den Poolbereich. Auch hier: Spieltische. In Bikinis und Bandehosen sitzen die Menschen an den Blackjack-Tischen und verspielen Tausende von Dollars. Der Pool selbst grenzt direkt an ein Aquarium, das voller Haie ist. Und zwar nicht nur kleine Riffhaie, hier schwimmen auch richtige Bullen- und Tigerhaie umher. Das Aquarium wird von einer gläserne Wasserrutsche durchtunnelt, die im Pool endet. „Das wäre ja was für Max!“

    Nachdem wir den Tag in Downtown Las Vegas verbracht haben, machen wir uns am Nachmittag wieder auf den Weg in Richtung „Strip“. Für 17 Uhr haben wir einen Tisch bei „The Buffett“ im Hotel “Wynn” reserviert. The Buffet ist eines der vielen berühmten All-You-Can-Eat Restaurants in Las Vegas. Jedes Restaurant hat dabei sein eigenes Motto. Das Motto bei The Buffett ist: Seafood Galore. 80 $ pro Person. Genau unser Ding. Wir fahren mit dem “Deuce-Bus” (dem einzigen ÖPNV Bus in Las Vegas) geschlagene 45 Minuten für 8 Kilometer Strecke bis zum Wynn Hotel. Das Büffet ist riesig. Es gibt alles was das Herz begehrt (die Auswahl ist bei weitem nicht auf Seafood beschränkt). Neben Kaviar, Königskrabben, Hummer, Algensalaten, Muscheln, Garnelen, Lachsfilets und Sushi gibt es Pizza, Salate, Suppen, Seranoschinken, Chorrizo, Käse, Tacos, Rippchen, Paella, Mac & Cheese, Roastbeef, Dumplings, Dim Sum, New York Steak, gedünstetes Gemüse, Obst, Eintöpfe, Kartoffeln in allen denkbaren Zubereitungsarten, scharf angebratenes Thunfischfilet, Karamellisierte Zwiebeln, Brokkoliauflauf und noch so vieles mehr (zum Teil sogar Lebensmittel, die wir noch gar nichts kennen). Wir überlegen uns eine gute Taktik, damit wir möglichst viel probieren können, ohne schnell satt zu sein: Keine Kohlenhydrate. Wir schaffen beide vier Gänge zum Buffett.
    Dann geht es weiter zum Dessert. Bzw. der Dessertbar, denn auch hier gibt es natürlich mehr als wir jemals hätten probieren können: Kuchen, Törtchen, Cupcakes, Crêpes, Eiscreme, Petit Four, Waffeln, Crème Brûlée, Tiramisu, Macarons, Früchte, Marshmallows im Schokoladenmantel und noch so viel mehr was das süße Herz begehrt.

    Nach etwa zwei Stunden sind wir pappsatt und sehr glücklich. Das war wohl das beste Abendessen, das wir in den USA bisher hatten. Jetzt geht es weiter auf dem Strip, gestern hatten wir ja nur einen Vorgeschmack von dem, was Las Vegas zu bieten hat. Es ist dunkel, die beste Zeit also sich in das Nachtleben von Las Vegas zu stürzen, bzw. zu humpeln, unsere Füße = immer noch sehr lädiert. Wir kommen vorbei am Flamingo Hotel. Ein riesiger (das Wort kann im Geiste jetzt vor jedes der kommenden Hotels gesetzt werden) Hotelkomplex mit Casino. Hinten hat das Hotel eine große Parkanlage mit einem Fluss voller Koi-Karpfen und Flamingos. Wir ziehen weiter über den Strip. Wir kommen am „Mirage“ vorbei. Vor dem Hotel ist ein großer See angelegt im Urwald-Stil und in der Mitte steht in riesiger Vulkan. Der bricht wohl in 10 Minuten aus, das wollen wir nicht verpassen. Neben uns hat sich auch schon eine Traube an Menschen versammelt, dem das Spektakel beiwohnen wollen. Dann hören wir rhythmisches Getrommel. Das Licht geht aus. Es geht los. Der Vulkan stößt plötzlich eine riesige Fontaine orange-leuchtenden Magmas aus. Zumindest sieht das täuschend echt wie Magma aus. Dann noch eine. Links und rechts schießen heiße Flammen in die Luft, man kann die Hitze spüren. Dazu musikalische Untermalung, es ist wirklich sehr atmosphärisch, eine tolle Inszenierung. Nach zehn Minuten ist Schluss. Das Publikum applaudiert. Wir ziehen weiter. Das nächste Hotel: Caesars Palace. Rein da! Innen fühlen wir uns, wie in einem römischen Tempel. Gigantische Göttinenstatuen (bestimmt 20 Meter hoch) stützen die Decke, eine Wendelrolltreppe fährt umringt von von den Statuen nach oben. Wir kommen vorbei an Neptune‘s Pool und der Fontaine der Götter. Wasserfälle, Springbrunnen, Mamor(-Optik, in echt ist alles aus Kunststoff). Das Motto ist voll erfüllt. Und das alles inmitten von Gucci, Chanel und Prada. Natürlich gibt es hier auch eine Miniaturversion des Colloseums. Hier hat Adele gerade (wie Katy Perry im Resorts World) ihre Show. Ein Ticket: ab 500 $ (+ Tax versteht sich). Im Ceasars Palace verlaufen wir uns fast. Keine Ahnung wo wir sind oder wie es zum nächsten Ausgang geht. Aber schließlich finden wir ihn doch. Weiter in das vermutlich berühmteste Hotel Las Vegas: das Bellagio. Was wartet hier auf uns? Na klar: ein riesiger botanischer Garten (indoor). Mit aus Pflanzen geformten Händen und Wasserfällen. Wir merken so langsam, dass wir das alles gar nicht mehr aufnehmen können. Wir entscheiden uns noch die berühmten Wasserfontainen vor dem Hotel anzuschauen (die uns natürlich völlig von den Socken haut, teilweise wird das Wasser 30 Meter hoch in die Luft geschossen) und machen uns dann auf den Heimweg. Die Füße tun uns weh, wir sind geschafft von der Hitze und den vielen Eindrücken und nach San Diego, San Francisco, Yosemite und jetzt Las Vegas in so kurzer Zeit beschließen wir, die kommenden zwei Wochen mal ein bisschen abzuschalten und nach Colorado zu fahren. Dort haben wir einen schönen Campground für eine Woche gebucht, das ist genau das was wir jetzt brauchen.

    Also fahren wir mit dem Deuce Bus diesmal noch länger (Las Vegas lebt in der Nacht erst richtig auf) zurück nach Downtown und fallen müde in unsere Betten.

    Am nächsten Morgen gönnen wir uns noch ein Frühstücksbüffet im Resorts World, kaufen noch schnell ein Andenken im Katy Perry Shop und machen uns dann für die Weiterreise bereit. Ach Halt! Wir waren ja gar nicht bei dem berühmten „Welcome to Fabulous Las Vegas“ Schild! Ein Foto als Andenken müssen wir da eigentlich noch machen. Zum Glück gibt es einen Parkplatz direkt davor. Aber natürlich haben neben uns noch etwa 100 andere Menschen die gleiche Idee. Doch es geht überraschend zivilisiert von statten. Alle stellen sich brav an und warten bis sie an der Reihe sind. Nach etwa 20 Minuten sind wir auch dran und können unser Foto sogar von einem ehemaligen Fotografen schießen lassen, der hier umsonst ein tolles Foto für die Touristen schießt. Auch unser Foto ist echt cool geworden und damit beschließen wir Las Vegas. Es waren zwei total aufregende aber auch auslaugende Tage. Wer auch mal nach Las Vegas will: unbedingt mehr Zeit einplanen als wir, ein Hotel pro Tag zu besichtigen reicht dicke und es gibt so viel zu entdecken!

    Vielleicht kommen wir auch nochmal zurück in diese absolut schrille Parallelwelt mitten in der Wüste. Aber für jetzt heißt es: Goodbye Las Vegas and Hello Colorado! (J)
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  • Wir lieben Colorado! 🤠

    August 18, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 28 °C

    Die Erlebnisse und Eindrücke der letzten Wochen waren überwältigend. San Francisco, Yosemite N.P. und Las Vegas, ziemlich eng getacktet. Wir sind uns beide einig, dass wir mal einen Gang runter schalten, mal für ein paar Tage nichts erleben und dafür das bereits Erlebte sacken lassen. Quasi Urlaub vom Urlaub.

    Auf gehts nach Flagstaff in Arizona. Die 400 Kilometer lange Etappe führt uns zunächst - wen wunderts - durch die Wüste Nevadas. Die karge, eher flache Landschaft wird schon bald von den Black Mountains abgelöst. Der Highway schlängelt sich durch diese meist unbewachsenen und ziemlich unwirklichen Berge. Hinter diesen liegt eine riesige Hochebene (das so genannte Colorado Plateau, das sich über mehrere Bundesstaaten erstreckt), die etwa die Größe Deutschlands hat und im Durchschnitt 1500m über dem Meeresspiegel liegt. Wir kommen spät an, kochen noch schnell was und beklagen beide leichten Schwindel und Kopfschmerzen. Nach einem kurzen Blick auf den Höhenmesser ist uns klar woher die Symptome kommen: Der Campground liegt auf 2100 Metern Höhe. Das verrückte an dieser Höhe ist, dass es der Vegetation nicht anzusehen ist: Dichte Waldgebiete lösen sich mit weiten bewachsenen savannenähnlichen Freiflächen ab, die Bäume und Sträucher sind üppig gewachsen und sehen ziemlich gesund aus, so wie man es von tieferen Lagen erwarten würde.

    Am Samstag geht es weiter zu unserem eigentlichen Ziel: Durango in Colorado. Unser Weg führt uns durch den Grand Canyon Nationalpark. Zweimal steigen wir aus und schauen in die wirklich unfassbar tiefe und breite Schlucht. Irgendwo da unten schlängelt sich seit Jahrtausenden der Colorado River und schneidet sich stetig tiefer in den Untergrund. Es ist ein beeindruckender Anblick. Es ist aber auch heiß und trocken und unsere Füße sind immer noch nicht wieder hergestellt, daher soll das unsere Grand Canyon Experience bleiben und wir fahren weiter.

    Nord Arizona an der Grenze zu Utha: Es wird wüstiger mit zunehmend spärlich wachsender Vegetation. Seitenwind drück gegen den Van. Mit Gegenlenken bleiben wir auf Kurs. Aus den Seitenwinden wird dann langsam aber sicher ein Sandsturm. Die Sicht wird schlechter. Dass wir in der Wüste mal mitten in einen Sandsturm geraten, damit haben wir nicht gerechnet. Fenster zu, Klimaanlage aus, wir bleiben locker, vermutlich ist es kein Sturm der höchsten Kategorie, eine aufregende Erfahrung ist es aber alle Mal. Die Lage beruhigt sich. Kurz zumindest. Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Blitze erhellen immer wieder die schwarze Wolkenfront. Wir fahren voll auf das Unwetter zu. Umkehren ist keine Option „und im Auto sind wir ja schließlich sicher“. Wohl ist uns bei dem Gedanken trotzdem nicht, aber wir ziehen es durch. Unter der tief-schwarzen Wolkendecke wird es schlagartig dunkel. Und dann trommeln dicke Tropfen auf den Van. Es schüttet wie aus Kübeln. Am Straßenrand sammeln sich die Wassermassen. Blitze zucken im Sekundentakt über den Himmel, einige schlagen im Boden ein. „Da rechts bildet sich doch ein Trichter! Ist das ein Tornado?“. Es ist beängstigend, neben uns - vielleicht 3 Kilometer entfernt - strudeln sich die schwarzen Wolken hinunter zum Boden, sie erreichen ihn aber nicht. Könnte ein Tornado in seiner Entstehungsphase sein. Wollen wir jetzt aber auch nicht im Detail drüber nachdenken und bahnen uns zielstrebig weiter unseren Weg durch den Starkregen. Nach etwa 20 Minuten sehen wir Licht am Horizont, der Regen lässt nach, der Himmel reißt auf und schließlich lassen wir das Wüstengewitter hinter uns. Unversehrt überstanden. Erleichtert cruisen wir weiter, fahren noch für etwa eine Stunde durch den sandwüstigen Norden New Mexicos und erreichen dann im Dunkeln Süd-Colorado. Bei Durango liegt der „Oasis Campground“, der für die nächsten 7 Tage unser Zuhause sein wird. Viel sehen wir davon heute nicht mehr, es ist spät, wir sind müde und morgen ist ein neuer Tag.

    Die nächsten sieben Tage (von Sonntag bis Sonntag) lassen sich zunächst einmal wie folgt zusammenfassen: Nach dem Ausschlafen lecker frühstücken - meist Bagel, Toast oder Cornflakes - mit endless refill-Coffee für 1,50 $ pro Tag abzuholen an der Rezeption (hiervon habe ich, Rico, mehrmals täglich Gebrauch gemacht und dabei immer sehr nett mit den Angestellten geplauscht), danach für mehrere Stunden an den Pool den wir fast immer für uns alleine haben, dann wird der Pool täglich am frühen Nachmittag wegen eines Gewitters am Horizont geschlossen (eher untypisch für Colorado Mitte August), so dass wir die Nachmittage mit Einkaufen, einem Friseurbesuch, einem Kinoabend (Meg II, für 5 $ pro Person, ein wahres Fest dieses Hai-Trash Gemetzel), oder auch mit lesen und daddeln auf dem iPad verbringen. Durango Downtown hat den typischen Wild-West Cowboy Charme, der uns so gut gefällt, dass Johannes sich direkt einen Pullover als Andenken kauft. Es sind planmäßig ruhige und unaufgeregte Tage.

    Der Freitag wird unser Highlight. Schon seit Wochen ist geplant mit der Schmalspur Dampfeisenbahn „Durango-Silverton Train“ zu fahren. Die Tickets sind gekauft, es ist sonnig, der Wecker klingelt früh. Pünktlich 08:00 Uhr fährt die schwarze Eisenbahn mit ihren gelben und rostroten Wagons vom Lokdepot Durango Downtown ab. Es riecht nach Schmierfetten und Kohle, in der Luft liegt dichter Dampf. Das Personal ist stilecht „oldschool“ uniformiert und alle tragen klassischer Weise Schnurrbärte (zumindest die männlichen Schaffner). Für die 45 Meilen lange Strecke werden wir 3,5 Stunden brauchen. Die Gleise von 1882 schlängeln sich entlang des Anima Rivers immer tiefer in die Rocky Mountains hinein. Es geht auf dem Hinweg stetig bergauf, mal fahren wir direkt unten am Fluss entlang, mal sind wir 100 Meter über dem Fluss und schlängeln uns ganz eng am Felsen entlang, es geht über baufällig anmutende Brücken durch eine malerische Landschaft. Es ist die ultimative Colorado-Wild-West-Goldgräber-Experience. An Bord sind Cherry und Elle, die von den Fahrgästen professionelle Fotos machen. Wir kommen mit den beiden ins Gespräch und als sie fertig sind mit den Fotos, setzen sie sich für den Rest der Fahrt zu uns. Es macht total Spaß mehr über die beiden zu erfahren und die Zeit vergeht wie im Flug. Zwischendurch sprechen wir auch noch mit Bryce, einem der bärtigen Schaffner, und lernen wie man Schaffner auf einem historischen Zug in den USA wird.

    In Silverton haben wir 2 Stunden Zeit um das alte Städtchen zu erkunden. Seit 1860 wird hier Gold und Silber abgebaut, die Stadt ist für 6 Monate im Jahr von der Außenwelt schneebedingt abgeschnitten. Silverton erinnert uns an Dawson City in Kanada: die Straßen sind aus Schotter, die alten Häuser dürften alle über 120 Jahre alt sein, überall steht mehr oder weniger rostiges Gerät für den Tagebau herum, es gibt mehrere kleine Läden die allerlei Krempel für Touris und Einheimische anbieten und einige Restaurants und Saloons. Nach einem kleinen Rundgang landen wir im Lacey Rose. Im Eingangsbereich sitzt eine Frau in edlem Zwirn mit Hut an einem Klavier und bespielt den Gastraum. Wir fühlen uns direkt wie zwei Cowboys die nach getaner Arbeit erstmal eine üppige Stärkung brauchen..in Form von Mac and Cheese und einem Sandwich mit Kartoffelchips als Beilage. Es war köstlich. Gestärkt geht es zurück zum Zug. Die Rückfahrt wird wieder genauso schön wie die Hinfahrt. Wenn wir nicht aus dem Fenster gucken, quatschen wir wieder mit Cherry und Elle, die uns völlig unverhofft das Foto vom Hinweg schenken, weil sie uns und unsere Story so toll finden. Mit Bryce, dem Schaffner sprechen wir auch noch einmal und er erklärt uns unter anderem dass eine Dampfeisenbahn regelmäßig mit Wasser betankt werden muss. Und dann stehen wir draußen zwischen zwei Wagons und sind live dabei, wie der Zug mit frischen Wasser betankt wird das, zwischengespeichert in einem großen Stahltank, direkt aus dem Fluss kommt. Wir sind begeistert von der ausgeklügelten Technik. Wieder zurück in Durango gibt es noch ein Gruppenfoto mit Cherry, Elle und Bryce bevor wir dann völlig beseelt wieder zum Campground fahren.

    Am Samstag, dem Abend vor unserer Abreise aus Durango werden wir noch von Nancy und Jim eingeladen. Die Beiden arbeiten und leben (in ihrem RV) auf dem Campground und in den letzten Tagen sind wir immer wieder nett ins Gespräch gekommen. Besonders cool war die ‚RV-room-tour‘: das sind wahre Schlösser auf Rädern, es mangelt einem an nichts in so einem amerikanischen Camper (es gibt sogar eine Kücheninsel!). Wir sind beeindruckt. Nancy is ursprünglich Niederländerin aber schon als junge Frau in die Staaten ausgewandert, Jim ist Amerikaner durch und durch hat aber auch mal ein paar Jahre in Deutschland für die US-Regierung gearbeitet. Ein feucht fröhlicher Abend. Nur beim Thema Corona gingen die Meinungen etwas auseinander, daher haben wir hier recht schnell eine andere Richtung eingeschlagen.

    Morgen geht es weiter nach Zentral-Colorado. Bis jetzt gefällt es uns hier total gut. Wir lieben Colorado! (R)
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  • Wildwasser im Wildwest - Colorado Vol. 2

    August 23, 2023 in the United States ⋅ ☁️ 25 °C

    Von Durango geht es weiter Richtung Norden. Die nächsten Tage verbringen wir in Carbondale, Zentral Colorado.

    Wir fahren durch hohe Bergpässe und tiefe Täler, vorbei an Silverton (hier sind wir vor ein paar Tagen ja schon mit der Dampflock hergefahren) und immer weiter nach Norden. Links und rechts von uns überblicken die Rocky Mountains die Canyons. Colorado ist genau wie man sich das vorstellt: Rote Sandberge und saftig grüne Büsche. Vor uns taucht das schöne Städtchen Ouray auf. Mitten im Nirgendwo haben sich hier inzwischen knapp 900 Menschen angesiedelt. Überraschen urban. Wir sind sofort verliebt. Ein Saloon reiht sich an den nächsten, das Rathaus ist im typischen Wildwest-Stil gehalten. Auch hier fühlen wir uns wieder wie in einer Filmkulisse, aber die Stadt ist echt. „Hier machen wir Mittagspause!“ Es gibt leckere Burger (na klar) bei „Maggie‘s„ (einem überraschen punkigen Laden). Wir sitzen auf der Veranda, verspeisen unsere Burger und saugen das Wild-West-Feeling der Stadt ein. Gestärkt mit Burger und Cowboy-Atmosphäre fahren wir weiter bis nach Carbondale. Die Strecke schlängelt sich weiter durch die Rocky Mountains bis wir schließlich auf 1.900 Metern unseren Zeltplatz erreichen. Der Stellplatz diesmal liegt direkt am Crytsal River. Unsere Nachbarn (eine vierköpfige Familie aus der Nähe von Seattle) sind sehr nett und nach viel hin und her hängt auch (besser schlecht als recht) unsere Lichterkette.

    Den nächsten Tag verbringen wir mit Telefonaten in die Heimat und machen uns gegen Mittag auf den Weg nach Aspen.
    Die Landschaft rund um Carbondale gefällt uns auch sehr gut. Wir sind einfach Colorado-Fans! Weite Felder, Pferdekoppeln, Viehzucht. Eine Ranch reiht sich an die nächste. Richtig so wie man sich das vorstellt: Rote Holzverschläge mit weißen Rahmen. Rechts und links ragen die Rocky Mountains in die Höhe.

    Aspen ist eine der berühmtesten Ski-Resorts der Vereinigten Staaten. Hier kommen die Stars und Sternchen Hollywoods her um sich im Winter die steilen Hänge runterzustürzen oder in einem der vielen Luxushotels zu entspannen. Im Sommer ist in Aspen Nebensaison. Preislich ist hier hingegen das ganze Jahr Hauptsaison. Zum Mittag gönnen wir uns zwei mittelmäßige Salate im „Spring-Café“: 50 $. Naja, Aspen halt. Wir schlendern durch die Straßen, ähnlich wie in Capri oder Montecito fühlen wir uns etwas fehl am Platz. Zwei reiche Pärchen (jünger als wir) laufen an uns vorbei, gekleidet in Weiß- und Beigetönen, goldener Schmuck und teuere Uhren an den Handgelenken, Markenhandtaschen. Gucci reiht sich an Prada und Chanel. Das ist einfach nicht unsere Welt. Sehen und gesehen werden ist das Motto. Wir finden einen Stand, an dem leckerer Frozen Yoghurt verkauft wird. Im Restaurant nebenan lassen die Gäste gerade eine halbe Flasche Champagner stehen und schlendern beschwipst weiter über die Einkaufsstraße. Wir holen uns im Supermarkt noch etwas Gemüse fürs Abendessen und verabschieden uns dann wieder von Aspen. Die Schweiz und Österreich sind viel schöner finden wir.

    Unsere Nachbarn haben uns für nach dem Abendessen zu einem Gläschen Wein vor ihrem Wohnmobil eingeladen. Es wird ein feucht-fröhlicher und wirklich netter Abend. Amy und Andrew (beide so Anfang 50) und ihr Sohn Conner (15) aus Washington State erzählen uns viel aus ihrem Leben und wie sie die Welt als Amerikaner kennen gelernt haben. Wir können über alles reden (sogar über Politik) und lernen viel über die amerikanische Sicht- und Denkweise. Letztendlich wurden es deutlich mehr als ein Gläschen Wein und um 01:00 Uhr verabschieden wir uns mit leichter Schlagseite von unseren Nachbarn, die am nächsten Morgen um 09:00 Uhr eine sechsstündige Raftingtour gebucht haben. Die armen.

    Auch wir gehen am nächsten Tag raften, aber zum Glück erst um 13:00 Uhr und nur für zwei Stunden. Pünktlich kommen wir bei Whitewater Rafting an. Nach kurzer Instruktion und Einteilung in Gruppen sitzen wir schon im Schulbus und fahren entlang des Colorado-River flussaufwärts zum Ausgangspunkt unserer Tour. Wir haben die besonders aufregende Adventure-Tour gebucht, die nur die heftigstes Stromschnellen mitnimmt. Und das gleich zweimal: nach dem ersten Durchgang wartet unten der Schulbus auf uns und bringt uns wieder zurück zum Startpunkt. Es macht wirklich sehr viel Spaß. Für Rico und mich ist es das erste Mal Rafting, dennoch legen wir ganz unerschrocken mit unserer Gruppe los und nach wenigen Metern schießen wir schon über die erste Klippe und tauchen tief in den Fluss ein. Wasser schießt uns ins Gesicht, alles ist klitschnass. Natürlich haben wir als einzige einen Beutel mit Wasser und unseren Handys dabei. Auch das klitschnass. Zum Glück haben wir die Handys jedoch vorher in weiser Voraussicht in einer wasserdichte Hülle verstaut, sonst wären die wohl jetzt auch hinüber.

    Nach der ersten Stromschnelle (liebevoll „The Baptist“ = Der Täufer genannt), peitschen wir über „Pin-Ball“ (wir werden wie im gleichnamigen Arcade-Spiel hin und her geschleudert) und „Men-Eater“ (der Name ist Programm) immer schneller den Colorado-River hinab. Unsere Guide gibt uns dabei entsprechende Kommandos, wie wir zu paddeln haben, damit wir möglichst doll nass werden. „All Forward - All Backward - All Stop - All Forward“ und so weiter. Dann ist die erste Runde schon vorbei. Runde zwei wird noch heftiger. Wir rotieren im Boot einmal durch, diesmal sind Rico und ich in der zweiten Reihe. Da alle nun wissen, worauf sie sich einlassen wird deutlich aggressiver gepaddelt und wir haben noch längere Flugphasen und tauchen noch tiefer ins Wasser ein. Völlig durchnässt und durchgefroren, aber sehr happy sitzen wir schließlich wieder im Schulbus und fahren zurück. Abends haben wir Lust ins Kino zu gehen. Diesmal gibt es Barbie. Der Film gefällt uns so lala, aber es gibt Pizza im Kino 😎. Ein sehr aufregender und cooler Tag in Colorado. Einen Tag haben wir noch in Carbondale, den chillen wir aber nur. Wir planen die nächsten Wochen ein bisschen, buchen schon mal eine Unterkunft in Florida und spielen im Gemeinschaftsraum ein Brettspiel. Ganz entspannt. (J)
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  • Colorado die Dritte: Hoch zu Ross

    August 25, 2023 in the United States ⋅ 🌧 17 °C

    Auch den Osten Colorados wollen wir erkunden. Am Mittwoch fahren wir von Carbondale bis kurz vor Denver. Für die Nacht kommen wir auf einem Zeltplatz im Golden Gate Canyon State Park unter. Uns knurren die Mägen, irgendwo müssen wir noch was zum Abend essen. Nach Denver ist es noch über eine Stunde, zudem ist die Straße wegen eines Erdrutsches vorübergehend gesperrt. Wir sind in den Bergen mitten im Nirgenwo, aber hier gibt es zwei kleine Städte: Central City (ha-ha) und Black Hawk. Hier wollen wir uns was zum Essen suchen. Die Städte sind wahnsinnig unheimlich. Völlig verlassen, auch ein bisschen in die Jahre gekommen und überall sind Kasinos (warum stehen hier Kasinos???). Naja, wir schlendern durch die Straßen und finden immerhin ein paar nette Geschäfte in denen man stöbern kann, auch ein mehrstöckiges Antiquariat mit vielen alten Schätzen.

    Zum Abendessen finden wir schließlich ein Café, wo wir jeder ein Sandwich essen, dann fahren wir weiter zu unserem Zeltplatz. Hier gibt es leider keine Duschen, aber dafür zahlen wir auch nicht viel. Den ganzen Abend schüttet es wie aus Kübeln, also ist draußen sitzen auch nicht wirklich drin. Wir bleiben im Auto und vertreiben uns die Zeit mit Daddeln und Musik hören. Am
    nächsten Morgen ist unser Ziel Windsor. Das ist eine kleine Stadt in Nordost-Colorado, in der Carly mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern wohnt. Carly habe ich (Johannes) 2017 auf Fidschi kennen gelernt, als ich dort mein Freiwilligen-Programm absolviert habe. Nach so langer Zeit hat es sich jetzt angeboten, dass wir sie besuchen und sie freut sich total. Auf dem Weg dorthin halten wir aber zunächst in Boulder, einem schönen kleinen Städtchen in der Nähe von Denver. Die Häuser sind hier im Backsteinstil gehalten und der ganze Ort erinnert uns sehr an eine norddeutsche Kleinstadt. Ein bisschen Heimatgefühl (und Heimweh) mitten in Colorado. Schön. Das Frühstück ist auch sehr lecker. In einem modernen Diner gibt es Omelett und Skillet (in einer Pfanne serviert). Lecker. Draußen regnet es noch immer unaufhörlich. Eigentlich hatten wir für heute noch einen Ausritt auf Pferden am Fuße der Rocky Mountains reserviert, aber auf der Website wird bereits darauf hingewiesen, dass die Ausflüge bei schlechtem Wetter abgesagt werden können und es dann eine volle Rückerstattung gibt. Naja, wann sollte es wegen Schlechtwetter abgesagt werden, wenn nicht heute? Also lassen wir uns schön Zeit, telefonieren mit Tara aus San Diego und planen das Thanksgiving bei ihrer Familie. Eine Dreiviertelstunde vor unserem eigentlich Termin auf der Ranch wollen wir es dann doch einmal bestätigt haben, dass der Ausritt heute nicht stattfinden kann und rufen bei dem Reiterhof an. Die Dame am anderen Ende ist etwas verwundert über unsere Auffassung, bei dem strömenden Regen könne man nicht reiten gehen. „The weather is just good enough. Oh and also you have to to be 15 minutes early for check-in otherwise there will be a penalty”. Na gut. Nach Loveland (wo der Reiterhof liegt) sind es 45 Minuten, die viertel Stunde vorher können wir uns also abschminken und ob wir es überhaupt pünktlich schaffen steht auch in den Sternen. Wir zahlen also überstürzt und keine zwei Minuten später peitschen wir völlig gestresst durch den prasselnden Regen über den Highway. Sieben Minuten vor dem angesetzten Termin fahren wir dann bei dem Reiterhof vor. Letztendlich klappt dann aber alles reibungslos und es gibt keine Penalty (das wäre ja noch schöner).

    Wir kriegen lange Regenmäntel von dem Reiterhof gestellt, wobei ich einen gelben Frisennerz (hier mitten in zentral USA ?) trage und Rico einen Wildledermantel bekommt, der den Regen eher aufsaugt als abweist. Dann lernen wir unsere Gruppe kennen. Die ist recht klein, neben der Reitlehrerin reitet noch ein berenteter Amerikaner aus der Gegend mit. Dann werden uns unsere Pferde vorgestellt. Wir sind beide ganz schön nervös. Rico der noch nie auf einem Pferd gesessen hat, bringt seine Nervosität auch zum Ausdruck, sodass er den schon etwas älteren und somit auch deutlich gemütlicheren „Stardust“ zugewiesen bekommt. Stardust ist schon seit 15 Jahren im Dienst ist und daher an blutigen Anfängern gewöhnt. Ich darf auf „Cash“ sitzen, der ebenfalls sehr lieb ist. Dann geht es los. Wir reiten runter von der Ranch zu dem kleinen Bach, der sich durch das wilde Colorado schlängelt. Ein kleiner Trampelpfad ist unser Kurs. Hoch zu Ross Bahnen wir uns unseren Weg durch das natürlich gewundene Tal am Fuße der Rocky Mountains. Das ein oder andere mal müssen wir uns ducken, um nicht von einem Ast erwischt zu werden. Es geht hinauf und hinab, über Stock und Stein. Mal reiten wir durch dichte Wälder, dann wieder über weite, gelbe Weizenfelder. Die tiefhängenden Wolken geben immer mal wieder den Blick auf die schroffen Rocky Mountains preis. Dabei fügt sich der Regen und die graue Wolkendecke eigentlich sehr schön in die Gesamt-Atmosphäre und vermittelt uns eine melancholische Romantik. Es ist eine wirklich tolle Erfahrung. Wir fühlen uns wie Cowboys auf dem Rücken unserer treuen Weggefährten. Die zwei Stunden vergeben wie im Flug und den Regen merken wir gar nicht mehr. Zwar kommen wir am Ende durchgefrorene und pitschnass wieder am Reiterstall an , aber mindestens genauso happy. Zum Glück ist der Ausritt nicht ausgefallen!

    Nachdem wir uns bei unserer Reitlehrerin und den Pferden bedankt und verabschiedete haben, fahren wir noch schnell an einen Liquor-Store. Dort besorgen wir für Carly und ihren Mann deutsches Bier (Spaten) und Weißwein aus der Rheinregion. Dann fahren wir in Windsor vor. Wir begrüßen und umarmen uns, so schön, dass man sich nach sechs Jahren hier mitten in Colorado wieder treffen kann. Carly und ihre Familie wohnen in einem typisch amerikanischen Haus, in einer typischen amerikanischen Vorstadtsiedelung. Alle Häuser sehen irgendwie gleich aus und die Gärten sind gepflegt. Dabei bestehen die Gärten meistens nur aus einem Baum und gemähtem Rasen. Keine Zäune, keine Beete, keine Blumen. Ein bisschen wie bei der Truman-Show. So leben wollen würden wir nicht, aber für eine Nacht ist das mal ganz interessant. Nachdem wir geduscht, unsere nach Reiterstall riechenden Klamotten in die Waschmaschine geschmissen und unser Gastgeschenk überreicht haben, verbringen wir den Nachmittag mit quatschen und spielen mit den Kindern. Adrienne (6) und ihr kleiner Bruder Benjamin (3) sind ganz aufgeweckte, fröhliche und süße Kinder. Adrienne zeigt uns ihre liebsten Spielsachen (oder den Frosch, wenn sie einem im Garten gefangen hat) und Benjamin ist ganz stolz als er seine Hand vor den Luftbefeuchter hält und die dann ganz nass wird. Nachdem die Kinder ins Bett gebracht sind, sitzen wir den restlichen Abend in dem etwas spärlich und nur halb-gemütlichen Wohnzimmer und quatschten über alles mögliche. Sehr spannende Gespräche und sowieso finden wir es ein cooles Privileg hier wirklich mal bei einer durch und durch amerikanischen Familie für einen Tag Teil des Familienlebens zu sein.

    Am nächsten Morgen hüpfen wir nach dem Frühstück noch kurz mit Adrienne und Benjamin auf dem Trampolin im Garten und verabschieden uns dann. Als Abschiedsgeschenk überreicht uns Adrienne noch ein Bild dass sie für uns gemalt hat, dann geht es weiter für uns. Es ist nun nach zwei Wochen Zeit, uns von Colorado zu verabschieden. Hier hat es uns wirklich gut gefallen und wir werden die Zeit in sehr guter Erinnerung behalten. Aber es bleibt ja kaum Zeit traurig zu sein, denn jetzt geht es schon weiter Richtung Nebraska! Übermorgen steht schließlich das lang ersehnte „The Black Keys“ Konzert an…
    (J)
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  • 750km durch Nebraska zu den Black Keys

    August 27, 2023 in the United States ⋅ 🌙 23 °C

    Vom Norden Colorados fahren wir nun gen Osten. Unser Ziel ist das 750km entfernte Lincoln, die Hauptstadt Nebraskas. Am Sonntag spielen die Black Keys. Nebraska gehört zu den so genannten Flyover States: Hier fliegt man für gewöhnlich nur drüber um von der einen zu anderen Küste zu kommen. Aber wir fahren selbstverständlich, wir sind ja schließlich auf nem Roadtrip. Viel passiert dann auch wirklich nicht auf der Fahrt: Noch in Colorado geht es los, dass links und rechts des Highways Farm an Farm grenzt. Rinderfarm, Schweinezucht, Maisfeld, Weizen, Gemüse, Weideflächen. Dazu immer ein mehr oder weniger runtergekommenes Gehöft samt Silo und ein paar Landmaschinen davor. Kaum überfahren wir die Grenze nach Nebraska verschwinden die Gehöfte, nun gibt es nur noch unendlich weite Felder. Der Highway geht fast schon gnadenlos geradeaus über leicht gewelltes Land. Auflockernd wirken die zarten, im Ansatz angedeuteten Kurven. Alle 25 Kilometer durchfahren wir eine kleine Siedlung, viele von ihnen bestehen aus nicht mehr als einer Tankstelle, einem Bretterverschlag der als Kirche dient und zehn Häusern. Es gibt fast keinen Verkehr. Wir hören die ganze Zeit Musik oder Hörspiele. So spulen wir die Kilometer Stunde um Stunde runter und empfinden die Tour durchs flache Land als willkommene Abwechslung zu den Bergen der letzten Wochen. Abends kommen wir auf unserem heutigen Campground an, der ganz stilecht mitten im einem Maisfeld gelegen ist. Man könnte sagen “in the middle of Nowhere”. Bei lautem Grillengezirpe und Mac‘n Cheese lassen wir den Abends ausklinken.

    Am nächsten Morgen - es ist Sonntag - geht es weiter: Noch 1,5 Stunden bis Lincoln, das heißt weitere 1,5 Stunden Farmen und Felder. Schon von weitem ist Lincolns alles überragendes, dystopisch anmutendes ‚Nebraska State Capitol’ mit seiner goldenen Kuppel zu sehen. Von der Stadt selbst sehen wir nicht viel, sie ist aber auch nicht wirklich bekannt für ihre architektonische Schönheit und ihren Charme. Unser Campground - Ausgangspunkt für das Black Keys Konzert heute Abend - liegt direkt an einem Autobahnkreuz. Der unablässig rauschende Verkehr wird glücklicherweise durch den brachialen Sound der Düsenjets der angrenzenden Flugshow überdeckt. Uns bringt zum Glück nichts aus der Ruhe. Wir springen in den Pool und spielen dann eine gediegene Runde Schach vor der Rezeption (diese klassischen Schachspiele im Freibad, wo das Spielfeld auf den Boden gemalt ist und man die großen, schweren Figuren nur durch beherztes Zupacken setzen kann). Beim Abendbrot gibts für mich (Rico) das erste Bier, Johannes bleibt trocken weil er der Fahrer ist.

    Das Konzert findet im Pinewood Bowl Theater statt. Die gemütliche Bühne mitten im Wald fasst etwa 5500 Besucher. Auf dem Parkplatz - einem Feld vor der Location - herrscht ausgelassene Stimmung: in den Kofferräumen sitzen Leute und zischen ein Bier, lässige Dudes tragen noch lässigere Sonnenbrillen, man sieht lange Bärte und Jeansjacken mit Aufnähern. Entspannte Leute in entspannter Atmosphäre.

    Am Einlass prüft der Security Johannes Bauchtasche. “It is too big”, er faltet ein Blatt Papier ziemlich genau auf die Größe der Bauchtasche, “that’s the maximum allowed size”, raunt er uns an. Finden wir komplett albern, und versuchen es daher an einem anderen Eingang nochmal. Hier mit Erfolg, denn ohne mit der Wimper zu zucken werden wir durchgewunken. Geht doch!

    Drinnen herrscht schon reges Treiben. Wie erwartet ist das Pinewood Bowl Theater komplett bestuhlt. Kaltes Dosenbier gibts für schlappe 10 Dollar. Also noch kurz Bier shoppen - hilft ja nix - und dann gehen wir zu unseren Plätzen. Alle um uns herum sitzen brav auf ihren Klappstühlen. Eine Truppe Mitt-50iger Frauen hinter uns quatscht uns an und will sicherstellen dass wir beim Konzert ordentlich abgehen werden. “For sure!”, versichern wir ihnen. Die Vorband beginnt zu spielen, die Leute stehen nach Aufforderung der Sängerin auf und wippen leicht zum krachigen Sound der Frauencombo. Das zweite Bier (für Rico) gibts während wir eine Runde drehen. An den Dixies steht eine lange Schlange wartender, auch am Merchandising ist einiges los. Als es langsam dunkel wird, kommen die Keys auf die Bühne und eröffnen mit “I got mine” das Konzert. Die Menge steht vom ersten Riff an, im Hintergrund läuft eine farbenprächtige Visualisierung, der Sound ist durchdringend. Es folgen Songs wie “Ever lasting Night“, „Next girl“ oder „She’s long gone“. Es sind die typischen Black Keys Songs in ihrem unverwechselbaren Stil. Man kennt sie alle, jeder Song groovt und hat diesen gewissen Blues. Song 17 und 18 sind die Zugabe: “Little black submarines”, gespielt von Dan Auerbach auf der Konzertgitarre - jeder der den Song kennt weiß wie der im letzten Drittel eskaliert - und natürlich “Lonely boy”. Und doch fehlt da was. Irgendwas stimmt hier nicht: Zum einen sind da die Klappstühle. Wenn du die ganze Zeit so einen in den Kniekehlen hast und dadurch zusätzlich auch noch einen Meter Abstand zu den Leuten hinter dir und vor dir, dann kommt einfach keine wahnsinns Stimmung auf. Man ist gehemmt. Und dann verlassen ab der zweiten Konzerthälfte kontinuierlich Besucher das Konzert, vermutlich aus Angst vor dem Verkehrschaos nach dem Konzert, inklusive der Frauentruppe hinter uns, die sich zuvor noch nach unserer Partywilligkeit erkundigt hat. Außerdem fiel die Interaktion der Band mit dem Publikum äußerst dürftig aus: Bis auf ein “Hi, we’re the Black Keys” kam da nicht viel. Keine Songansagen, keine Anekdoten, irgendwie ernüchternd.

    Nach dem Konzert ging es zurück zu unserem Campground am Autobahnkreuz, das erwartete Verkehrschaos hielt sich komplett in Grenzen. Es war cool die Black Keys endlich mal live gesehen zu haben (nachdem ich - Rico - sie das erste Mal 2011 intensiv in Lübeck beim Rennrad fahren gehört habe). In Europa fetzen Rockkonzerte einfach mehr, da wird Livemusik vom Veranstalter und vom Publikum anders gelebt, da haben die Bands mehr Bock, so ist zumindest unser Eindruck. Wir hatten trotzdem einen geilen Abend und können Nebraska zufrieden am nächsten Tag verlassen. Den ursprünglichen Plan, durch weitere Flyover States wie Kansas oder Missouri zu fahren, verwerfen wir kurzer Hand und beschließen, lieber einen Abstecher in den Norden zu machen. Nach Chicago - The Windy City - die Stadt am Lake Michigan! (R)
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  • Chicago: PIZZZAA 🍕🤤

    August 29, 2023 in the United States ⋅ ⛅ 27 °C

    Von Lincoln, Nebraska geht es im Sauseschritt weiter nach Chicago. Ganz spontan haben wir uns entschieden, die Stadt am Lake Michigan (dem zweitgrößten See der Welt) noch für zwei Nächte mitzunehmen.

    Die Fahrt dauert circa 8,5 Stunden, doch als sich vor uns die Skyline der „Windy City“ im goldenen Licht der untergehenden Sonne auftut, ist alle Anstrengung der langen Autofahrt verflogen. Wir fahren direkt durch Downtown bis zu unserem Hostel, das in Lincoln Park liegt. Links von uns die gigantischen Wolkenkratzer, rechts von uns der Lake Michigan, der wie ein Meer auf uns wirkt. Das nächste Ufer können wir natürlich nicht sehen, der See ist immerhin größer als die Schweiz. Auf der Promenade teilen sich Spaziergänger:innen, Jogger:innen und Fahrräder den breiten Weg, auf dem Wasser lässt die wohlhabende Klientel den Tag auf ihren Yachten ausklingen und am Strand werden noch die letzten Sonnenstrahlen aufgesaugt. Chicago ist sehr lebendig. An unserem Hostel angekommen (wir finden direkt einen Parkplatz), checken wir in unser Doppelzimmer ein, das nur unbedeutend teurer als ein Mehrbettzimmer war, machen uns kurz frisch und stürzen uns dann in das Nachtleben. Lincoln Park, das Viertel in welchem wir untergebracht sind, liegt etwas außerhalb. Im Vorhinein wurden wir viel vorgewarnt vor Chicago: hier soll es die höchste Kriminalitätsrate der Vereinigten Staaten geben und entsprechend gefährlich sein. Davon kriegen wir jedoch gar nichts mit. Im Gegenteil: wir wohnen in einer ruhigen, aber ganz beschaulichen Nachbarschaft, eine Stadtvilla reiht sich an die nächste, die Vorgärten sind gepflegt und die Straßen sauber. Anders als etwa in Portland laufen hier auch keine unheimlichen Personen rum, sondern es wird tatsächlich viel Fahrrad gefahren. Chicago gibt uns quasi all das, was uns von Portland versprochen wurde.

    Wir sind aber natürlich nicht los gegangen, um durch die beschauliche Nachbarschaft zu laufen, wir sind vor allem aus einem Grund nach Chicago gekommen: Deep Dish Pizza! Wir spazieren also zu einem der vielen Restaurants, die das berühmte Chicago-Original servieren. Kaum vier Blocks von unserem Hostel entfernt liegt schon eine belebte Hauptstraße voller Cafés, Bars, Restaurants und Spätis. Wir fühlen uns hier so wohl und sicher wie bisher noch in keiner amerikanischen Stadt. Insgesamt verspüren wir zu Chicago eine starke Verbundenheit, weil wir hier eben sehr an Berlin erinnert werden. Der Puls der beiden Städte ist sehr vergleichbar, fast schon synchron.

    An dem Restaurant angekommen, sehen wir schon im Kühlschrank die tiefgefrohrenen Deep-Dish Pizzen, die man sich für zuhause mitnehmen kann. Die sind jedoch keinesfalls so flach, wie die Tiefkühlpizzen, die wir aus Deutschland kennen. Die hiesigen werden in Aluauflaufformen gelagert. Finden wir schon ziemlich vielversprechend.

    Wir geben unsere Bestellung auf und belesen uns während der Wartezeit (30-40 Minuten) zu Chicago. Tatsächlich wurde hier der erste Wolkenkratzer der Welt gebaut, weil Chicago während dem Bau der … Eisenbahn zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in ganz Amerika wurde und die Grundstückspreise von 1860 bis 1870 von x pro Quadratmeter auf über x angestiegen sind.

    Wir haben heute jeder eine „Single“ Pizza bestellt, die auch wirklich nicht größer als eine Untertasse ist. Der Begriff Pizza passt eigentlich auch gar nicht. Wir sind hier viel mehr an einen kleinen Kuchen erinnert, so dick ist der Teig und die Füllung. Ein Bissen genügt und wir sind im Deep-Dish-Himmel. Die Tomatensoße ist wahnsinnig fruchtig, der Teig fluffig und der Käse zieht lange Fäden. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie satt und gleichzeitig glücklich so eine kleine Deep-Dish Pizza machen kann. Das war schon ein guter Start, morgen wollen wir aber gleich nochmal Deep-Dish Pizza essen. Für heute sind wir aber geschafft, wir spazieren noch durch die Straßen, holen uns ein kleines Eis zum Nachtisch und fallen dann schon bald müde und geschafft von der langen Autofahrt in unser Bett.

    Am nächsten Morgen greifen wir natürlich zunächst das kostenlose Frühstück im Hostel ab, das jedoch nichts besonderes ist. Dann geht es los Richtung Chicago Downtonwn. Der Stadtkern Chicagos liegt inmitten von „The Circle“. Ähnlich wie in Berlin (natürlich) gibt es auch in Chicago eine Art Ringbahn; bzw. überirdische U-Bahn, die hier aus verschiedenen Richtungen von den Randbezirken bis an den Rand von Downtown fährt, diese einmal umkreist und dann wieder zurück zum Ausgangspunkt steuert. Wir also rein. Die U-Bahn ruckelt schön rustikal, aber wie in Berlin fahren auch in Chicago alle Gesellschaftsschichten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, sodass man auch wirklich die Szenerie genießen kann und nicht ständig nur auf die Wertsachen achten muss (wir waren natürlich trotzdem umsichtig und aufmerksam, Mama).

    Da die U-Bahn überirdisch fährt (kennen wir ja zum Teil auch aus Berlin), haben wir auch ganz schön was zu staunen während der Fahrt. Die Bahn schlängelt sich durch die Häuserschluchten und über den Chicago-River. Es macht wirklich Spaß hier mit der U-Bahn zu fahren. Und da ein Tagesticket nur 5 $ kostet, macht es uns natürlich noch viel mehr Spaß! Unser erstes Ziel heute ist die berühmte Chicago-Bean. Die silberne Bohne, die im Millennium-Park steht, ist eigentlich nicht viel mehr als eine große verspiegelte Bohne, aber irgendwie ist Chicago dafür bekannt und dann muss man die natürlich auch einmal gesehen haben. Wir steigen also an der entsprechenden Station aus und laufen Richtung Millennium-Park. Dort angekommen müssen wir leider feststellen; dass die Bohne derzeit von hohen Bauzäunen eingefasst ist, da der Bodenbelag erneuert werden muss. Mist. Wir versuchen wenigstens durch die Gitter oder mit akrobatischen Hebefiguren ein gutes Foto zu ergattern, aber nichts zu machen. Wir geben auf. So wichtig ist uns die Bohne auch eigentlich gar nicht. Dafür beschließen wir, ein wenig durch den Millennium-Park und dann an der Waterfront entlang zu spazieren. Mitten im Millennium-Park entdecken wir eine große Outdoorbühne mit leicht abfallenden Sitzreihen und einer weiten Liegewiese an der Spitze. Hier finden bestimmt tolle Konzerte statt. Eine Eventtafel am Eingang verrät uns, dass aktuell ein von der Stadt Chicago organisiertes Filmfestival stattfindet. Fast jeden Abend werden hier große Filme gezeigt, ganz unamerikanisch kostenfrei und mit Selbstverpflegung. Heute Abend läuft „Everything, Everywhere, All at Once“, der dieses Jahr bei der Oscar-Verleihung sieben Awards abgeräumt hat. Na, wann hat man schon nochmal die Chance ein Openair-Kino in Chicago mit der tollen Skyline im Hintergrund zu erleben (und das auch noch umsonst)? Kurzerhand werfen wir also unseren eigentlichen Plan heute Abend nochmal Deep-Dish Pizza zu essen über den Haufen. Die holen wir uns dafür zum Mittag, aber erstmal wollen wir noch ein bisschen die Seaside und den Riverwalk entlang spazieren. Wir entdecken einen riesigen Spielplatz (wirklich riesig) mit mehreren thematischen Spielflächen: einer mehrstöckigen Kletterburg mit großer Hängebrücke, einem Rutschenturm, mehreren kleinen Schiff- und Korbschaukeln, alles auf Tartanboden. Dazu gibt es bei jedem Bereich eine Altersempfehlung und es gibt sogar einen Sicherheitsdienst, der darauf achtetet, dass der Park sauber bleibt. Und das ist er auch: nicht ein bisschen Müll können wir weit und breit sehen und auch kein Graffiti. Chicago hat es wirklich drauf, eine Stadt für Menschen zu sein. Alles ist gepflegt und aufgeräumt und es gibt viele reine Fußgängerzonen, in welche keine Autos fahren. Das finden wir toll.

    Wir laufen entlang des Lake Michigan und biegen dann nach links auf den Riverwalk ein, der entlang des Chicago River wieder ins Stadtzentrum führt. Da sich der Himmel zuzieht und wir gerade bei Lou Malnati‘s (einem der berühmtesten Deep-Dish Pizzarestaurant in Chicago) vorbeilaufen, beschließen wir hier unsere Mittags-Deep-Dish Pizza zu essen. Unsere Mägen knurren bereits, das Frühstück im Hostel war ja nicht sonderlich nahrhaft. Wir werden zu unserem Tisch geführt und geben unsere Bestellung auf: heute teilen wir uns eine große Deep-Dish-Pizza mit extra Zwiebeln und sind nicht enttäuscht. Der Kellner bringt die Pizza auf einem großen Tablett und serviert uns je ein Stück mit einem Tortenheber. Lecker. Diese Pizza ist ihr Geld wirklich wert und wir genießen jeden Bissen. Die Deep-Dish Pizza ist das Paradebeispiel für amerikanische Fusionkitchen und wir lassen sie uns richtig gut schmecken.

    Gestärkt geht es nun in den richtigen Großstadtdschungel die Michigan Avenue hinunter. Der Ku’damm von Chicago. Modegeschäfte und Luxusboutiquen reihen sich aneinander, uns verschlägt es in ein Süßigkeitengeschäft, in welchem es Gummibärchen in Hochglanzoptik gibt. Wir schlendern weiter durch die Stadt und saugen das pulsierende Treiben von Chicago auf. Dann decken wir uns mit Snacks und Drinks für das Kinoevent ein und machen uns langsam auf den Weg nach Lincoln Park. Wir sind früh dran und können dadurch gute Plätze ergattern. Einige der Besucher:innen reisen mit dem Fahrrad an. Uns wird ein Flyer über die anstehende Theatersaison in die Hand gedrückt: von klassischen Stücken, über Musicals bis zu Jazz-Konzerten ist alles dabei und wir sind ganz begeistert, wieviel Kultur Chicago hat (insbesondere für eine amerikanische Stadt). Auf der großen Leinwand wird Werbung gemacht für die öffentlichen Tanzstunden, das Jazzfestival, die verschiedenen Bauernmärkte der Stadt und die wöchentlichen Yogastunden im Park. Alles kostenlos. Chicago hat es uns echt angetan.

    Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung des Films, lassen wir uns entführen in eine Science-Fiction-Fantasy-Welt voller alternativer Realitäten. Der Film ist sehr spannend. Dabei geht die Sonne hinter der Skyline Chicagos unter, was für ein Flaschenmoment!!

    Zweieinhalb Stunden später stehen wir mit Hunderten anderen am U-Bahn Gleis. Die Bahn ist proppenvoll, wir lieben es! Müde sind wir aber noch lange nicht und vor allem muss ich (Johannes) ja noch ein typischen Chicago Hot-Dog probieren (noch so ein kulinarisches Highlight Chicagos). In unserem Viertel Lincoln-Park gibt es auch einen Laden, der noch offen hat. Hin da! Wir fühlen uns inzwischen so wohl in Chicago, dass wir uns um die angebliche Gefährlichkeit gar keine Sorgen mehr machen. Wie man sich in Berlin abends eben noch einen Döner holt, gibt es hier noch einen Chicago-Hot-Dog. Der wird mit einer halben sauren Gurke, Sauerkraut und Käse serviert. Soooo lecker!! Danach geht es für uns noch in einer der vielen Bars. Wir haben eines ins Auge gefasst, in welcher es heute zwei Bier zum Preis von einem gibt. Das ist ein perfekter Abschluss für unsere Chicago-Zeit. Zu sehr versacken dürfen wir jedoch nicht, denn morgen steht wieder eine lange Fahrt nach Nashville, Tennessee, der Hauptstadt des Whiskey und der Country-Musik an. Dafür wollen wir natürlich fit sein, also bleibt es bei einem Bier (wir sind ja vernünftig) und dann schlendern wir zurück zu unserem Hostel.

    Dann ist unsere Zeit in Chicago auch schon vorbei. Am nächsten Morgen packen wir unsere Sachen, greifen noch schnell das kostenlose Frühstück ab und machen uns dann mit einem wehmütigen Gefühl auf in Richtung Nashville. Als wir wieder die Straße am Lake Michigan hinunter fahren (diesmal mit der Skyline der Downton zu unserer rechten) und dabei „Chicago“ von Clueso hören, muss ich sogar eine Träne verdrücken. So Long Chicago! Danke, für diese tolle Zeit und dass du so anders bist, als ich erwartet hatte. Eines Tages kommen wir wieder. (J)
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  • Cowboys und Gentlemen in Nashville 🥃

    September 1, 2023 in the United States ⋅ ☁️ 31 °C

    Nashville in Tennessee, die Hochburg der Country Musik, das Mekka der Whiskey Trinker, ein Must-Have. Nun weiß wahrscheinlich jeder, der uns besser kennt, dass wir mit Country und Whiskey nicht besonders viel am Hut haben. Vielleicht ändert sich das ja in den nächsten Tagen: Wir lassens drauf ankommen und brettern mit unserem Van in 8 Stunden von Chicago im Norden nach Nashville im zentralen Osten der Staaten. Mit jeder Meile die wir machen wird es wärmer und als wir abends an unserer Ferienwohnung ankommen steht die Luft. Das Apartment verfügt zum Glück über eine leistungsstarke Klimaanlage mit der sich das Zimmer in kurzer Zeit runterkühlen lässt. Beim Italiener bestellen wir noch zweimal Pasta und dann fallen wir in unser bequemes Bett.

    Der Donnerstag beginnt erstmal ruhig mit Frühstück und dem ein oder anderen Videocall bevor wir uns zu Fuß aufmachen nach Downtown. Unser Ziel: Die Country Music Hall of Fame, ein Museum das ganz der Country Musik gewidmet ist. Es ist weiterhin brechend heiß und schwül. Die 25 Minuten bis zu unserem Ziel sind beschwerlich. Und nicht besonders schön. Die Straßen sind breit und gut mit Autos gefüllt, die Gehwege schmal und nahezu menschenleer. Es gibt kaum Bäume, Freiflächen sind entweder zubetoniert oder lediglich mit kahl geschorenem Rasen bewachsen. Die halbhohen Wolkenkratzer sind schmucklos und wirken unbelebt, “wenn überhaupt, dann sind das doch hier alles Hauptquartiere von Bösewichten und Superschurken”. Kurz vor dem Museum wird es auf einmal lauter. Ein Stimmengewirr das mit jedem Schritt lauter wird. Und dazu Musik. Wir laufen an den ersten Menschen vorbei. Einige tragen Cowboyhut und Lederstiefel, wieder andere sind in Pink und Glitzer gehüllt. Feierwütig beschwipst bahnen sich Menschenmassen ihren Weg. Der Broadway! Nashville’s Feiermeile, “hier spielt sich also das ganze Leben ab”. Mit dieser Erkenntnis gehts jetzt aber erstmal ins Museum.

    Die Country Music Hall of Fame. Das größte Museum weltweit, dass sich ausschließlich der Country Musik verschrieben hat. Auf drei Etagen werden Gitarren, Banjos, Kostüme, Fotografien, Bild- und Tonaufnahmen sowie ganze Autos von Countrygrößen der letzten 100 Jahre ausgestellt. Alles sehr beeindruckend, die schiere Menge an Ausstellungsstücken ist überwältigend, aber bis auf Johnny Cash, Dolly Parton und Taylor Swift (!) kennen wir keine(n) der ausgestellten KünstlerInnen. Für viele der BesucherInnen scheint es eine wahre Pilgerstätte zu sein, für uns ist es eine nette Sammlung verschiedener Gegenstände. Nach einer Stunde sind wir durch. Hat 64 Dollar gekostet.

    In einem kleinen Restaurant nehmen wir die Happy Hour mit. Happy Hour ist hier nur am Tresen. Kein Problem, wir sitzen also am Tresen, bestellen uns was warmes zu essen (Mac and Cheese mit Hähnchenschenkel-Topping bzw. klassisch Burger) und zwei Bier zum Preis von einem (17 Uhr, beste Zeit). Beim Warten kommen wir mit dem Barkeeper ins Gespräch. Es geht um Musik, er will mal Deutschland besuchen, wir sind in Alaska gestartet, in Nashville trifft man allerlei Stars aus der Musikszene, man muss nur etwas Glück haben..der übliche Smalltalk, immer wieder unterbrochen durch die Bestellungen der anderen Gäste. In Vorfreude auf unser Essen stoßen wir an, da kommt er wieder zu uns und guckt uns abwechselnd durchdringend an: “So, what you gonna do is: Go to this address, enter the red phone booth and call the following number”, er schreibt eine Adresse und eine Telefonnummer auf einen Zettel und schiebt ihn uns rüber. Wir gucken ihn mit großen Augen an, er wendet sich ab und geht wieder Bier zapfen. Während des Essens recherchieren wir, was es mit der Adresse und der Telefonnummer auf sich hat: Es handelt sich um eine exklusive Bar, die über eine alte Londoner Telefonzelle (phone booth) betreten werden kann, vorausgesetzt man kennt die Zugangsnummer. Es herrscht ein Dress code. Aufregend. Wir fühlen uns geehrt, aber das ist kein Event für heute Abend. Gestärkt und voller Euphorie gehts jetzt zum Broadway.

    Der Broadway ist auf einer Länge von vielleicht 300m die reinste Partymeile. In jedem Haus ist eine Bar, die meist über mehrere Stockwerke inkl. Dachterrasse geht. Und auf wirklich jeder Etage spielt eine Liveband - vornehmlich Country -. Es ist eine unvorstellbare Geräuschkulisse. Links und Rechts der Straße drängen sich die Partyhungrigen. Es ist wirklich sehr voll. Die einen wollen rein, die anderen raus. In den Schaufenstern sitzen die Schlagzeuger, flankiert von Bassisten und Gitarristen. Die Leute liegen sich in den Armen und johlen durch die Straße. Bunte Leuchtreklamen flackern überall. Ein unvorstellbarer Trubel im Vergleich zum Rest der menschenleeren Stadt. Wir flüchten auf die Dachterrasse einer vierstöckige Bar. Die Band interpretiert berühmte Songs auf chillige Country Art neu, bei einem Bier (10 Dollar!) lässt sich das bunte Treiben auf der Straße gut beobachten. Nach einer Weile ziehen wir weiter in die nächste Bar. Die Band in der 3. Etage haut in Sachen Rockmusik-Covers richtig einen raus. Die Menge tobt. Menschen drängeln sich an uns vorbei. Neben uns ein Junggesellenabschied. Die Braut schmeißt sich ziemlich an einen männlichen Gast ran. Ihre sichtlich betrunkene Freundin zerrt an ihr. Die Klimaanlage an der Decke tropft nicht, sie läuft aus. Ist uns irgendwie „too much“ hier. Kaum ist auch hier das Bier ausgetrunken treten wir den Heimweg an: Das Level der meisten Broadwaybesucher können wir heute unmöglich erreichen.

    Am nächsten Tag besichtigen wir die Corsair Distillery in Nashville. Hier wird seit 2009 (!!) Whiskey destilliert, was sie zur ältesten Destille Tensenesse’s macht. Warum das so ist? Schnapsbrennen ist in Tennessee erst seit 14 Jahren legal erlaubt, da die in den 1920er Jahren eingeführten Gesetze der Prohibition hier erst 2009 vollständig aufgehoben wurden. Auf der Führung lernen wir, wie Whisky hergestellt wird, besonders viel Insiderwissen gibts jedoch nicht, liegt vielleicht an der dürftigen Firmenhistorie. Die Destille ist zusammen mit zahlreichen Kunsthandwerksbetrieben in einer 130 Jahre alten Eisenwarenmanufaktur untergebracht. Die alten Gemäuer und die ausgestellten Maschinen versetzen uns in eine andere Zeit und geben einen guten Eindruck davon, wie früher produziert wurde.

    Zurück im Apartment schmeißen wir uns in Schale, denn gleich geht es ins Red Phone Booth. Der Dress code ist klar: Elegant aber nicht zwingend steif, Sportklamotten sind verboten, das letzte Wort hat das Personal an der Tür. Etwas nervös betreten wir die Rote Telefonzelle, „phone out of order, just call with your mobile“, steht auf einem Zettel der am alten Telefonapparat klebt. Wir kramen unseren Zettel mit der Telefonnummer heraus und wählen die Nummer. Freizeichen. Die Luft in der Telefonzelle: warm, feucht, kein Sauerstoff. Nach einer Minute hören wir Schritte. Klingt nach schwarzen Anzugschuhen. Eine Seite der Telefonzelle schwingt auf, „Good evening, Gentlemen“, einer adretter Herr mustert uns von Kopf bis Fuß, „Good evening, Sir“. Freundlich bittet er uns herein. Drinnen ist das Licht schummrig, vor den Fenstern zur Straße hängen schweren Vorhänge. Dichter Zigarrenrauch hängt in der Luft. In kleinen Gruppen sitzen Menschen allen Alters zusammen an Tischen, auf Sofas und an der Bar und unterhalten sich angeregt, aber nicht aufgeregt. Im Hintergrund läuft ruhige, loungige Musik. Wir befinden uns in den 1920er Jahren: Die Zeit der Prohibition, in der sich sogenannte „Speakeasies“ etablierten. Das waren illegale Bars die häufig in Hinterzimmern und Kellern existierten. Zutritt bekam nur der, der das Passwort kannte. Sichtbare Trunkenheit und anderes auffälliges Verhalten war verboten um die Staatsdiener nicht auf den Plan zu rufen. Ein elegantes Äußeres sollte vom eigentlich Illegalen ablenken.

    Der Kellner bringt uns zu unserem Platz und reicht uns die Karte. Ein riesiger Zigarrenascher aus geschliffenem Glas steht schwer in der Mitte des massiven Holztisches. In der Karte findet sich eine reiche Auswahl verschiedenster Cocktails basierend auf den gängigen Bränden von Whiskey über Gin bis hin zu Wodka und Rum. Von unserem Platz aus können wir die Bar sehr gut sehen. Die zwei adretten Barkeeper mixen mit viel Hingabe und Geschick einen Drink nach dem anderen. Die Getränke sind mal trüb, mal klar, mal werden sie gerührt, mal geschüttelt, ein Drink geht kurz in Flammen auf. Wir entscheiden uns beide für einen Whisky-basierten Cocktail um an unsere Destillery-Führung anzuknöpfen (Johannes wählt den Brown Derby, ein Bourbon verfeinert mit einem Schuss Grapefruitsaft und Honig und ich nehme den Lion‘s Tail, ein Bourbon mit Limettensaft, Pimentbeeren und Gewürzen auf Eis). Es fühlt sich exklusiv an. Beide Drinks schmecken hervorragend und in Gespräche vertieft schlürfen wir sie genüsslich weg. Eine zweite Runde gibts dann auch noch, ich (Rico) bestelle einen Smoked Old Fashioned, ein Whiskey der - wie zuvor schon beobachtet - kurz bei der Zubereitung in Flammen steht um ein besonderes Raucharoma zu erzeugen. Für Johannes gibt es den Floradora, ein Gin mit blumig-himbeeriger Note, der mit einer süß angemachten Hibiscusblüte garniert ist. Die Drinks entfalten in dieser lauschigen Atmosphäre ihre volle Wirkung und wir quatschen noch eine ganze Weile. Von Politik bis Zukunftsplanung ist alles dabei. Letztlich verlassen wir beschwingt das Red Phone Booth. Das war nicht die typische Nashville Erfahrung, aber in unseren Augen trotzdem die beste. Auf dem Weg nach Hause machen wir noch einen kurzen Abstecher über den Broadway. Es wimmelt natürlich wieder nur so von pink-glitzernden Cowboy-Jungesellenabschieden die alle hacke sind und als wir in einer völlig überfüllten Bar im zweiten Stock vor der Bühne einen süßlich-sauren, leicht beißenden Geruch wahrnehmen, beschließen wir zu gehen. Vielleicht ist der Broadway in Nashville einfach nicht unser Ding.

    Nashville hat einen besonderen Vibe: Als Country Musik Fan mit einem Hang für Reeperbahn-Chick kommt man hier voll auf seine Kosten. Guten Gewissens lassen wir am nächsten Tag die Party-Cowboys und die pinken Bald-Ehefrauen weiter Party machen und brechen auf in Richtung Pittsburgh in Pennsylvania. (R)
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  • Zu Hause in Pittsburgh 🏠😊

    September 5, 2023 in the United States ⋅ ⛅ 32 °C

    Der Abschied von Nashville fällt uns verglichen zu Chicago relativ leicht. Vor uns liegen nun gut 900 Kilometer und die Bundesstaaten Tennessee, Kentucky, Ohio und ein klitzekleines Stück West Virginia, bis wir dann die Grenze nach Pennsylvania überfahren. Wir wollen bis nach Pittsburgh, der zweitgrößten Stadt Pennsylvanias, denn dort leben derzeit Chrissy und Sven, die Eltern von Niklas und Marcel. Mit Niklas bin ich zusammen in den Kindergarten gegangen und da haben sich nicht nur Niki und ich, sondern auch unsere Mütter so gut angefreundet, dass der Kontakt noch weit über den Kindergarten hinaus und über mehrere Kontinente hinweg bestehen geblieben ist. Seitdem wir uns kennen, wurde Sven beruflich als Expat nämlich schon für jeweils mehrere Jahre nach Singapur und Istanbul geschickt und ist seit inzwischen zwei Jahren in Pittsburgh stationiert. Dabei ist die ganze Familie natürlich immer mitgezogen. Zwischen den Auslandsposten waren sie auch immer wieder in Berlin, sodass es schon einige Abschieds- und Welcome-Back-Parties in der Vergangenheit gegeben hat.

    Wo wir nun schon mal in der Gegend sind, wollen wir uns die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen, sie in Pittsburgh zu besuchen. Die 900 Kilometer Fahrstrecke teilen wir uns aber auf zwei Tage auf. Dabei verbringen wir die erste Nacht auf einem Parkplatz im Wald in Ohio, auf dem Wildcampen wohl erlaubt sein soll. Wir kommen dort im Stockfinstern an, allerdings stehen hier zum Glück auch anderen Camper und Wohnwägen, da hat man dann gleich schon ein besseres Bauchgefühl. Die Gegend hier wird wohl überwiegend zum Quad- und Dirtbikefahren genutzt, jedenfalls haben hier viele entsprechende Fahrzeuge dabei. Am nächsten Morgen werden wir auch von Quadmotoren geweckt, die an unserem Auto vorbeirauschen. Als wir aus dem Auto blicken, sehen wir dass sowohl links, rechts als auch hinter uns inzwischen Autos stehen. Vor uns ist der Wald. Wir wurden zugeparkt. Zum Glück sind die Besitzer der Autos gerade noch dabei die Quads abzuladen, um dann loszufahren. Jetzt ist Tempo angesagt, damit die nicht weg sind und wir hier festsitzen. Wir ziehen uns schnell an und machen dann auf uns aufmerksam. Aber die beiden Männer scheint es nicht sonderlich zu kümmern, dass sie uns zugeparkt haben. Keiner von ihnen macht Anstalten, das Auto zu bewegen. Sie rechtfertigen sich nur kurz, dass der ganze Parkplatz ja voll sei und widmen sich dann wieder ihren Quads. Nachdem wir ihnen erklärt haben, dass wir so ja nicht wegkommen und heute noch eine lange Autofahrt vor uns haben, bequemt sich einer von ihnen und fährt sein Auto zurück, sodass wir gerade so noch ausparken können. Da hatten wir aber Glück, zehn Minuten später und wir wären da nicht mehr weggekommen.

    Auf den morgendlichen Schock beschließen wir, erstmal frühstücken zu gehen. Ich suche ein Diner mit guten Bewertungen auf der Strecke raus und bei Scott’s Diner in New Concord, Ohio schlagen wir uns richtig die Bäuche voll. Zufälligerweise erfahren wir (mit unserem alaskanischen Kennzeichen sind wir natürlich wieder die Sensation), das Scotts Diner vor kurzem zum besten Diner des ganzen Bundesstaates ernannt wurde. Naja, alles was wir hier wieder feststellen: amerikanisches Frühstück = Cholesterinbombe!!

    Weiter geht es durch Ohio (super schön, alle Wiesen sind gemäht, auch die begrünten Mittelstreifen) und West Virgina (kaum fahren wir über die Grenze wird es wieder weniger schön) bis nach Pennsylvania (hier ist es wieder schön). Vor uns tut sich die Skyline Pittsburghs auf, wir fahren jedoch links an der Stadt vorbei einen Hügel hinauf, wo die hübscheren Vororte liegen. Hier wohnen auch Chrissy und Sven. Wir biegen in eine sehr gepflegte und hübsche Nachbarschaft ein und kommen auch schon bald an unserem Zielhaus an. Es wird sich herzlich begrüßt und gedrückt, dann hüpfen wir erstmal unter die Dusche und beziehen das Gästezimmer. Wir dürfen nämlich für vier Nächte hier bleiben und fühlen uns sofort wie zuhause. Auf der Terrasse gibt es Kaffee und Kuchen und wir quatschten erstmal ganz ausführlich. Heute Abend sind wir noch zu fünft, denn Niki ist auch noch da, der reist nur leider morgen früh schon ab, da er über Nashville nach Berlin fliegt, um von dort dann seine Weltreise anzutreten (alles Weltenbummler hier…).

    Zum Abendessen gibt es Nudelauflauf (mein Leibgericht). Super lecker und nach dem Abendessen lassen wir den Abend mit ein, zwei Bierchen ausklingen und vergleichen unsere Erfahrungen in Amerika. Es ist so angenehm, sich mal wieder lang und ausführlich mit anderen Deutschen zu unterhalten!

    Am nächsten Morgen gehen Rico, Sven, Luna (das fünfte Familienmitglied, eine zuckerliebe, schon etwas ältere Golden-Retriever-Dame) und ich im McConnell’s Mill State Park wandern. Es ist ein super heißer Tag und dazu noch Labour-Day (Tag der Arbeit), also Feiertag. Ergo sind wir nicht alleine auf der Wanderung, aber es verläuft sich doch sehr schnell und man bekommt andere Wandernde kaum mit. Die Wanderung ist wunderschön. Sie führt entlang des Slippery Rock Creek (den ein oder anderen slippery Rock bemerken auch wir), an einer alten, begehbaren Mühle vorbei und immer tiefer in den Wald hinein. Wir wandern an Wasserfällen vorbei (hier kann Rico mal wieder seine Filterflasche ausprobieren), entdecken einige hier beheimatete Tausendfüßler und Luna kann sich sogar das ein oder andere mal am Flussbett abkühlen. Wir machen Pause am Wasser, als Proviant gibt es Käsewürfel, Weintrauben und Müsli-Riegel. Ein wirklich schöner Ausflug, aber wegen der Hitze (>30° C) kommen wir über 4 Kilometer nicht hinaus. Langsam streikt auch Luna (unter dem dicken Fell ist es auch bestimmt nochmal besonders heiß), sodass es Zeit ist, zum Auto zurück zu wandern.

    Zurück „zu Hause“ gönnen sich erstmal alle eine kühle Dusche und relaxen ein wenig. Abends grillen wir mit allem was das Herz begehrt. Auch Findus, der Kater der Familie, kommt ab und zu vorbei und holt sich seine Krauleinheiten ab.

    Am Dienstag Vormittag erkunden Rico und ich Downtown Pittsburgh. Zwar hat Chrissy und schon vorgewarnt, dass es nicht sonderlich viel zu sehen gibt, den ein oder anderen Tipp haben wir aber doch bekommen und machen uns damit auf in die Stadt. Auch heute ist es wieder brütend heiß. Wir parken neben dem Stadion der Pittsburgh Steelers (das lokale Football-Team, das auch in der NFL recht erfolgreich ist) und laufen entlang des Allegheny River Richtung Downtown. Außer uns sind kaum Menschen auf den Straßen unterwegs, es ist alles ziemlich ausgestorben und auch nicht besonders hübsch. Die paar Menschen, die sich hier aufhalten, sehen auch eher unheimlich aus, sodass wir uns nicht lange in Downtown aufhalten, sondern gleich weiter Richtung Strip District marschieren. Hier ist es etwas netter. Es gibt eine Markthalle, Lebesmittelläden und kleine Feinkostengeschäfte. Im Strip District liegt auch Pamela’s Diner, das uns Chrissy empfohlen hat. Hier gibt es leckeres Frühstück für uns, besonders gut schmecken uns die hauseigenen Hotcakes, saftige Eierkuchen die dünn wie Crêpes und dabei schön knusprig sind. Nachdem wir es uns bei Pamelas Diner haben schmecken lassen, geht es zurück durch die sengende Mittagssonne zum Auto. Das haben wir ja hinter dem Stadion der Pittsburgh Steelers geparkt und als wir gerade an dem Stadion vorbeilaufen, kommt uns eine aufgeregte Mitarbeiterin entgegen „Are you guys also here for the tour? If you enter now it’ll be only 10 $ each!”. Ein kurzer Blickkontakt genügt und wir sind uns einig: die 20 $ sind es uns in jedem Fall wert. Also machen wir spontan noch die Stadiontour mit. Ein zunächst etwas mürrisch wirkender aber letztendlich sehr herzlicher Guide führt uns durch die VIP Lounge zur teuersten Tribüne des Stadions. Von dort geht es weiter Richtung Backstage Bereich. Wir besichtigen die Umkleidekabine des College-Footballteams und auch die Kabine der Steelers. „Do not step on the Logo on the floor. It’s sacred“. Football nimmt man hier sehr ernst.

    Neben uns nehmen noch vier Pittsburgher an der Tour teil, darunter auch zwei Frauen in ihren Mitfünfzigern, die ganz aufgeregt sind. In der Umkleidekabine darf sich eine von ihnen sogar auf den Stuhl ihres Idols setzen. „You won‘t cry though, right?“ fragt unser Guide sie halbironisch. Als wir dann durch die Umkleidekabine auf das Football-Feld aufmarschieren fängt die gute Frau dann wirklich an zu weinen. Amerikaner lieben es halt so theatralisch zu sein. Beeindruckt sind aber auch wir, vor allem davon, wie klein so ein Football-Feld in der Realität ist. Naja, dass im Fernsehen immer alles sehr viel größer erscheint, haben wir ja schon in L.A. festgestellt. Das Stadion selbst ist hingegen alles andere als klein, auf zich Tribünen haben über 68.000 Zuschauer:innen Platz.

    So richtig verliebt in Pittsburgh haben wir uns nicht. Es handelt sich hier zumindest hinsichtlich der Downtown wieder um eine typische amerikanische Stadt, ohne großes Alleinstellungsmerkmal. Aber das wurde uns von Chrissy und Sven ja im Vorhinein schon bestätigt. Die Nachbarschaft in welcher die Beiden wohnen gefällt uns hingegen sehr gut. Darum geht es für uns nach der Stadionführung auch wieder dorthin zurück. Abends nehmen Chrissy und Sven uns mit nach Mount Washington. Das charmante Viertel liegt auf der anderen Seite des Flusses auf einem Hügel und überblickt die Downtown. Hier gehen wir lecker essen und holen uns danach noch ein Eis, während wir die Panoramastraße hinunterschlendern und immer wieder auf den kleinen Aussichtsplattformen den tollen Blick über Pittsburgh genießen. Bei Nacht sieht die Stadt von hier oben wirklich schön aus und auch das Viertel Mount Washington gefällt uns sehr gut. Viele Stadtvillen, tolle Restaurants und Bars mit Trivia-Nächten und Bingo Abenden. Hier kann man sich wirklich wohl fühlen.

    Den Mittwoch verbringen wir mit Administrativem. Wir buchen unsere Unterkünfte für Boston und Washington, fahren unser Auto in die Waschanlage, machen Fotos von dem glänzenden Van und dem Equipment für unser Verkaufsinserat und erledigen noch viele Kleinigkeiten die so angefallen sind. In dem schönen Garten quatsche ich nochmal ausführlich mit Chrissy bei einer kühlen Cola während Rico Mittagsschlaf macht und abends spielen wir alle zusammen lange Wizzard und Kniffel. Urlaub im Urlaub eben 😊

    Am nächsten Morgen schließe ich mich bei Chrissies morgendlicher Runde mit Luna an. Wir spazieren durch den wunderschönen Hartwood Acres Park, der mir wie ein Märchenwald vorkommt. Total friedlich ist es hier so früh am Morgen und am Ende der Runde kommen wir sogar noch an der Hardwood Acres Masion vorbei, einem alten Anwesen, dass inzwischen als Museum und Evenlocation dient. Damit ist die Märchenwald-Atmosphäre wirklich komplett.

    Rico hat derweil schon das Auto geladen, denn als wir zurück sind heißt es auch schon bald Abschied nehmen. Von Chrissy und Sven, von Luna und Findus. Es waren so schöne Tage und wir haben uns ein bisschen wie zuhause in Berlin gefühlt. Also an dieser Stelle auch nochmal vielen Dank an euch beide, dass ihr uns für die Zeit adoptiert habt und Ersatzeltern für uns wart. 🥰 Wir hatten wirklich so schöne Tage!

    Ein bisschen wehmütig aber auch voller Vorfreude fahren wir mit unserem Van von der Einfahrt runter, winken noch einmal und machen uns dann auf den Weg in Richtung Niagara Fälle…
    (J)
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  • Die Niagarafälle & zwei Stunden Kanada

    September 7, 2023 in Canada ⋅ ☀️ 27 °C

    Nach den entspannten Tagen in Pittsburgh steuern wir heute die sechs Autofahrstunden entfernten Niagarafälle an. „Guckt euch die unbedingt an, wenn es sich irgendwie einrichten lässt“, wurde uns mehrfach von unterschiedlichen Leuten nahegelegt. Neben Bergen sind Wasserfälle das - gefühlt - zweithäufigste Naturschauspiel auf unserer Reise, also mal sehen ob uns die Niagarafälle noch vom Hocker hauen können.

    Die Fahrt ist entspannt und führt uns nordwärts über lange Interstates zunächst durch Pennsylvania und schließlich nach New York (State). Am Nachmittag kommen wir auf unserem Campground unweit der Wasserfälle an, beziehen Lager und springen erstmal in den Pool. Danach gibts Nudeln als kleine Stärkung. Und dann bereiten wir das eigentlich Tageshighlight vor: Picknick bei Sonnenuntergang an den Niagara Falls. Neben einer Decke und einer Kerze wandern vier bunte und teilweise gefüllte Donuts, Chips und Limonade in den Rucksack. So vorbereitet schwingen wir uns in den Van und cruisen die paar Kilometer bis ran an die Wasserfälle. Diese liegen auf der Amerikanisch-Kanadischen Grenze zwischen dem Bundestaat New York und der Provinz Ontario. Das Wasser stürzt hier vom Erisee über eine bis zu 57 Meter tiefe Kante in den Ontariosee. Wir parken auf der amerikanischen Seite und stapfen aufgeregt mit Sack und Pack los. Das Rauschen von Wasser ist unüberhörbar. Wir durchqueren einen kleinen, wunderschön angelegten Park. Dahinter wälzen sich enorme Wassermassen durch die Landschaft. Es ist laut. Ein feiner Nebel erfüllt den dämmrigen Abendhimmel mit einer leichten Kühle. In Fließrichtung laufen wir weiter und stehen dann direkt an der Kante, über die sich sekündlich Hektoliter von Wasser in die Tiefe stürzen. Die Abendsonne bricht sich in der hoch aufragenden Gischt. „Wir müssen auf die kanadische Seite, von da haben wir optimale Sicht auf die Niagarafälle!“, also marschieren wir eiligen Schrittes zur Rainbow Bridge. Es geht durch ein Drehkreuz und dann stehen wir schon auf der 442 Meter langen Brücke, die die Niagaraschlucht überspannt und die USA mit Kanada verbindet. Auf der kanadischen Seite dann das erwartungsgemäße Einreiseprocedere: erstmal Schlange stehen. Die Sonne wandert tiefer, die Schatten werden länger. Kleckerweise werden die Einreisewilligen vor uns von der jungen Grenzbeamtin in das Grenzhäuschen gebeten. Wir stehen geduldig weiter in der Schlange. Unsere Adiletten sorgen für sicheren Stand. Es frischt auf. Vielleicht weil die Sonne langsam hinter den Casinowolkenkratzern auf der kanadischen Seite verschwindet. Dann sind wir dran. Sie winkt uns rein. Hastig betreten wir den kleinen Raum und halten ihr unsere Reisepässe hin. Sie mustert uns, tippt im Computer rum, mustert uns wieder, „What‘s in your bag? Any alcohol or marijuana?“, fragt sie. „No, just a candle, some donuts and a lemonade.“, “How long will you stay in Kanada?”, erkundigt sie sich, “about two hours, just for the length of a picknick to watch the sunset”, mit dieser Antwort ist sie zufrieden, lächelt und gibt uns die Pässe zurück. Wir sind in Kanada (schön wieder zurück zu sein)! Schnell laufen wir Richtung der besten Aussicht auf die Niagara Fälle um noch einen letzten Blick bei Sonnenlicht auf sie zu erhaschen. Eine leere Bank mit bester Sicht wird unser Picknick-Spot. Hier machen wir uns über die Leckereien her und beobachten, wie die letzten Sonnenstrahlen über das Wasser streichen. Es ist ein wundervoller Anblick, den wasserreichsten Wasserfall Nordamerikas zu beobachten, wie er sich über eine Länge von 790 Metern über den Abhang walzt. Mit Einsetzen der Dämmerung werden Lichter eingeschaltet, die die Falls in wechselnden Farben stimmungsvoll illuminieren, unter anderem auch in den Farben der amerikanischen und kanadischen Flagge - Patriotismus at it’s best -. Wir genießen die Zeit hier sehr und reden ausgiebig über die vielen Erlebnisse und Facetten unserer Reise. Irgendwann wird es uns aber zu kalt und es geht zurück zur Rainbow Bridge. Beim Ausreisen hat man pro Person einen Dollar zu zahlen - als Brückennutzungsentgeld quasi - und dann gehts wieder zurück in die Staaten. Hier im amerikanischen Grenzbüro gibt es natürlich auch ein Einreiseprotokoll, was es einzuhalten gilt: Grimmiger Grenzbeamter fragt woher wir kommen und was wir in den USA wollen, wir stehen Rede und Antwort, wir gucken in die Kamera für ein Foto, dann werden wir durchgewunken, auch wieder grimmig. Wir sind wieder zurück in den USA! Mit dem Van gehts wieder zum Zeltplatz, wir gucken noch einen Film und dann machen wir Licht aus.

    Am nächsten Tag, Freitag, verlassen wir die Region schon wieder und fahren gen Osten durch Vermont und New Hampshire. Die Landschaft wird mit jeder Meile malerischer, mit feuchten grünen Wäldern, plätschernden Bächen und idyllischen Häusern und Gärten die an Skandinavien erinnern. Nur Gartenzäune, die gibts auch hier nicht. Dadurch wirkt es immer etwas unfertig für unseren Geschmack. Auf diesen Teil Amerikas haben wir schon so lange gefreut: Der Nordosten.
    Normalerweise kann man Mitte September in dieser Region mit dem Indian Summer rechnen, ein Spätsommer/Herbst der typischerweise recht warm, trocken und mit farbenfrohen Laubbäumen daher kommt. Ganz anders aber dieses Jahr: Das Navi warnt uns vor einem Starkregen. Und es kommt wie es kommen musste. Wenige Minuten später ein monsunähnlicher Wolkenbruch. In den Dörfern der hügeligen Landschaft ist die Kanalisation an ihren Grenzen, es bilden sich tiefe Regenwasserseen und -flüsse auf den Straßen. Der entgegenkommende Verkehr schiebt Wasserberge vor sich her und Wellen branden an unseren schwarzen Van. Die Scheibenwischer schwingen maximal hektisch von links nach rechts. Deutlich langsamer als auf den Verkehrsschildern angezeigt fahren wir weiter. Irgendwann - bestimmt eine Stunde später - beruhigt sich die Lage zum Glück wieder. Bei einsetzender Dunkelheit kommen wir dann schließlich in New Hampshire an. Zwei Nächte verbringen wir hier auf einem Zeltplatz ohne besonders viel zu erleben, aber das ist auch in Ordnung so - es war ja jetzt auch erstmal genug Aufregung und die nächsten Wochen werden ja auch wieder ereignisreich. Unser nächstes Ziel ist nämlich schon seit längerem gesetzt: Maine, der nordöstlichste Bundesstaat der USA. (R)
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  • Acadia National Park 🌲

    September 12, 2023 in the United States ⋅ ☁️ 19 °C

    Ganz im Nordosten der Vereinigten Staaten liegt Maine, der größte der sogenannten Neuenglandstaaten, von denen die Besiedlung Nordamerikas durch die Europäer ausging. Gut 80% der Fläche sind bewaldet. Vor der zerklüfteten Küste liegen über 4.500 Inseln. Die größte ist Mount Desert Island, auf der sich der größte Teil des Acadia National Parks befindet. Und genau da wollen wir hin! Von New Hampshire fahren wir - ausschließlich über Landstraßen - den ganzen Tag immer gen Nordosten. Die Landschaft ist hügelig, mal dicht bewaldet, mal von zahlreichen Flüsschen und Feuchtgebieten durchzogen. Die Ortschaften sind eher klein, die Holzhäuser farbenfroh mit den typisch amerikanischen, überdachten Terrassen zur Straße und im besten Fall mit Schaukelstuhl. Am Abend kommen wir auf unserem Campground in Bass Harbor an. Das kleine Fischerdorf liegt an der Südspitze von Mount Desert Island. Die Zutaten für ein Chili Con Carne haben wir schon gekauft, Johannes fängt in der Dämmerung an zu schnippeln, ich hacke Holz für ein nettes Lagerfeuer nach dem Abendbrot. Ein Tropfen fällt vom
    Himmel. Die Zwiebeln landen im Topf, der Spiritusbrenner lodert. Ich kämpfe mich weiter am Holz ab. Ein weiterer Tropfen. Das Hack gesellt sich zu den Zwiebeln. Tropfen drei bis acht. Johannes rührt und schnippelt gleichzeitig Paprika. Leichter Regen. Starker Regen. Massiver Regen. Wolkenbruch!! Ich schmeiße das frisch gespaltene Holz in den Van. Johannes schreit “Regenjacke! Schnell!”. Hektisch suche ich die Jacke, helfe Johannes beim schneiden der letzten Zutaten, Dosentomaten und Bohnen werden in den Topf gekippt. Röstaromen im Chili: Fehlanzeige. Vom Himmel ergießen sich Sturzbäche. Ich verkrieche mich ins Auto. Johannes hält die Stellung, rührt, schmeckt ab, verfeinert. Nach etlichen, klitsch-nassen Minuten gibt er mir ein Zeichen, ich springe aus dem Van, wir schnappen uns den Chili Topf, Streukäse, Saure Sahne, Teller, Besteck und zwei Dosen Bier und rennen rüber zu einer unbewohnten Hütte mit überdachter Terrasse. Hier im Trockenen ziehen wir uns das viel zu wässrige Chili rein, es schmeckt trotzdem (oder gerade deswegen?) hervorragend, Johannes ist nass bis auf den Schlüpper aber er nimmt es mit Humor. Mit gefüllten Bäuchen springen wir unter die Dusche und gucken dann einen Film vom Bett aus, während draußen weiter der Regen aufs Autodach trommelt.

    Am Nächsten Tag - das Wetter hat sich wieder beruhigt, aber es ist feucht in jedem Winkel, die Wolken hängen tief und grau - fahren wir (etwa 30 Minuten) weiter zu unserem Zeltplatz für die nächsten Tage. Einchecken geht noch nicht, also auf nach Northeast Harbor. Das Örtchen finden wir eher zufällig, es ist aber so nett, dass wir direkt aussteigen und auf Erkundungstour gehen. Der kleine Hafen beherbergt eine beachtliche Anzahl an Jachten und Fischerbooten in unterschiedlichsten Größen. Von einer Bank aus beobachten wir, wie ein Kutter anlegt und die dreiköpfige Besatzung in ihren Vollgummianzügen beginnt, den Fang des Tages an Land zu bringen. Im Örtchen finden sich einige Boutiquen die Designermöbel und Handwerkskunst anbieten. Wir lassen uns treiben und stöbern hier und da. Nach der Aufregung des gestrigen Abends ist dieses gemächliche Treiben in Northeast Harbor genau das Richtige. Zum Mittag gibts in ‚Colonel's Restaurant and Bakery‘ dann ‚Grandmother’s clamp chowder’ (Omas Muschelsuppe), die uns komplett von den Socken haut: so sahnig und fein abgeschmeckt, mit kleinen Muscheln und Gemüseeinlage. Zufrieden und vor allem durchgewärmt verlassen wir dieses friedvolle Fleckchen und steuern das Visitor Center vom Acadia National Park an.

    Hier gibts immer gute Tipps und Karten von den Rangern, denn klar ist: Es wird schon bald wieder gewandert! Wir sprechen mit einem jungen Ranger. Er empfiehlt uns einige mögliche Wanderungen und weisst uns auf die Besonderheiten des Parks. Und er warnt uns: „There was a lot of rain in the region the past days.“, dem stimmen wir - die Gepeinigten - zu, „so be aware of slippery rocks and obstacles on the hiking trails“.

    Wir beschließen, jetzt noch die 43 Kilometer lange, besonders szenische Park Loop Road zu fahren. Die beginnt an einem anderen Visitors Center, nicht weit entfernt. Ein kleiner Botanischer Garten vor dem Besucherzentrum zeigt die verschiedenen Vegetationszonen und Lebensräume des Parks. Ein guter Überblick. Dann fängt uns eine Gruppe höchst engagierter Ranger ab: Vornehmlich für Kinder haben sie einen Planeten-Parcours aufgebaut, auf dem es allerhand Lehreiches über unser Sonnensystem zu erfahren gibt, inklusive Quizz. Also das volle Programm. Und schon haben wir Zettel und Stift in der Hand und begeben uns auf die Reise durch das Sonnensystem. Es geht vorbei an Merkur, Venus und Co, die durch aufblasbare Wasserbälle dargestellt werden. Kleine Schilder enthalten jeweils ein paar wissenswerte Informationen. Unser Rundgang wird von Abertausenden Mücken begleitet. Fast schon panisch füllen wir den Fragebogen aus. Am Ende des Lehrpfads gibts es die Auswertung: Volle Punktzahl. Bestanden. Zum Glück. Schnell weg hier, bevor wir wegen Blutarmut ohnmächtig werden.

    Entlang der Park Loop Road steigen wir letztlich 1x aus. Von einer Bucht aus kann man auf den Atlantik schauen, der verschlafen Wellen an Land spült. Die tief hängenden Wolken sorgen für eine mystische Stimmung. Gleich daneben ragen eindrucksvolle Steilklippen aus dem Wasser. Hier kraxeln wir ein wenig umher und sind mal wieder überwältigt von der Schönheit und Urtümlichkeit der Landschaft.

    Dienstag ist Wandertag! Der Campground bietet frischen Kaffe und noch frischeren Kuchen zum Frühstück an: Da lassen wir uns nicht zweimal bitten. Richtig lecker. Gestärkt packen wir Getränke und Snacks in den Rucksack, dazu noch regenfeste Klamotten und dann gehts los. Ein paar Meilen entfernt ist der Einstieg in den ‚Around The Mountain Loop Trail‘. Dieser hat eine Länge von 23 Kilometer und führt entlang sogenannter „carriage roads“, die auf einer Gesamtlänge von etwa 100 Kilometern diesen Teil des Parks erschließen. Die alten Kutschwege wurden vor etwa einhundert Jahren angelegt und fügen sich mit ihren sanften Anstiegen organisch in die bestehende Landschaft ein. Etliche Brücken - jede einzigartig - führen über Schluchten und Bäche, vorbei an Wasserfällen und steilen Berghängen. Die Laubbäume verfärben sich langsam. Sogar das Moos erstrahlt in den Farben gelb, orange und rot. Mal geht es bergauf, mal bergab, zwischendurch gibt der dichte Mischwald den Blick auf tiefe Täler, Meeresbuchten und gegenüberliegende Berghänge frei. Es ist so malerisch herbstlich. Nach etwa zwei Dritteln der Wanderung kehren wir im einzigen Gasthaus weit und breit ein. Und es ist gut besucht. Die halbe Stunde, die wir auf einen Tisch warten müssen verbringen wir im Shop des Nationalparks. Jeder Nationalpark in den USA hat mindestens einen Shop, der bis unters Dach mit Konsumgütern gefüllt ist: T-Shirts, Mützen, Kerzen, Aufkleber, Aufnäher, Tassen, Raumdüfte, alles. Zum Essen im Restaurant gibt es dann eine Brotzeit für zwei Personen und leckeren Tee. Es folgt das letzte Drittel der Wanderung. So langsam werden wir fußlahm, erste Müdigkeitserscheinungen machen sich breit, da kreuzt eine Rehkuh mit ihrem Jungen in aller Seelenruhe den Wanderweg. Nach einigen Minuten ziehen die beiden weiter und verschwinden in den Tiefen des Waldes. Ein schöner Moment, diese Begegnung. Humpelnd (Rico) und ziemlich erschöpft (wir beide) kommen wir nach über 5 Stunden und etwa 25 km wieder am Van an. Das war die längste Wanderung die wir jemals unternommen haben, und es war eine der schönsten.

    Ich - Rico - habe fette Blasen an beiden Füßen. Es ist Mittwoch und es ist klar: an Laufen im großen Stil ist heute nicht zu denken. Ab nach Bar Harbor, die größte Stadt auf Mount Desert Island (etwa 5000 Einwohner), Kaffee trinken. Wir verbringen 4 Stunden in einen hübschen kleinen Café, schreiben Postkarten und unseren Blog und genießen es, dass sich zwischendurch immer mal wieder die Sonne durchkämpft.

    Und dann gibts da noch diese eine Sache, für die Maine besonders bekannt ist: Lobster (Hummer). Müssen wir machen. Jetzt! Also ab nach Northeast Harbor, da war ja vorgestern die Muschelsuppe schon so erstklassig. Die gibt es dann auch direkt wieder zur Vorspeise im ‚Colonel‘s‘. Wieder ein Genuss! Und dann bestellen wir beide jeweils die klassische ‚Lobster Roll‘, ein Hummer-Sandwich mit selbst gebackenem Brot. Eine Mainer Spezialität. Daumendick liegt das Hummerfleisch auf dem zarten Salatblatt. Wir beißen zeitgleich in die Sandwiches. Der Hummer ist kalt, ungewürzt, gummrig. Es ist toter, gegarter, zerpflückter Hummer ohne eine weitere Form der Zubereitung. Das frische Toastbrot kann darüber nicht hinwegtäuschen. Es ist irgendwie kein Genuss. Johannes gibt nach der Hälfte auf, ich quäle mir soviel rein wie es irgendwie geht. Uns ist schlecht. Die 60 Dollar für die beiden Sandwiches hätten wir uns sparen können. Aber immerhin sind wir jetzt wieder um eine Erfahrung reicher. Ab zum Campground. Es regnet mal wieder. Die Handtücher sind schon seit Tagen nicht mehr richtig trocken geworden und müffeln schon etwas streng. Trotzdem schnell duschen. Im mittlerweile klammen Auto machen wir es uns dann noch gemütlich und gucken noch einen Film. Morgen steht ein Locationwechsel an.

    Dauerregen die ganze Nacht. Draußen schwimmt alles, und es gießt weiter. Klar ist: heute müssen wir unser ‚Camp Site‘ räumen. Draußen hängen die nun komplett nassen Handtücher auf der Leine, unsere Lichterkette ist auch noch zwischen zwei Bäumen aufgespannt, etliche Küchenutensilien sind auf dem Tisch verteilt. Wir entwickeln den ultimativen Plan: Johannes bleibt im Auto und nimmt alles entgegen (und trocknet es ab) was ich zuvor abgebaut und zusammengesucht habe. Ich ziehe mich bis auf die Unterhose aus, schnappe mir ein Duschbad, reibe mich damit ein und beginne dann draußen mit der Aktion. So wird aus dem Starkregen doch noch was gutes gezogen und es macht sogar richtig Spaß - besonders kalt ist es nicht - da draußen rumzuturnen und nebenbei noch eine Dusche zu nehmen.

    Bis jetzt ist unser Maine Aufenthalt eine ganz schön feucht-graue Nummer. Bleibt abzuwarten, wie sich die zweite Hälfte weiter südlich in Maine entwickelt. (R)
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  • Ein stürmischer Geburtstag…🎈

    September 16, 2023 in the United States ⋅ 🌧 18 °C

    Nach den nassen fünf Tagen im Acadia-Nationalpark haben wir jetzt richtig Lust auf die nächste Station: über Ricos Geburtstag haben wir uns in einem gemütlichen Cottage mit großem Garten und Teich auf einer Halbinsel an der Atlantikküste eingemietet und laut Wetterbericht soll auch mal die Sonne rauskommen. Na dann los. Wir packen unsere sieben Sachen zusammen (Rico eingeseift im Regen, siehe letzter Beitrag), holen uns noch einen Kaffee und Butterkuchen zum Frühstück bei dem Café auf unserem Zeltplatz ab und düsen dann gen Süden. So richtig überzeugt sind wir von Maine bisher noch nicht, aber vielleicht werden wir in dem Cottage ja noch richtige Maine Fans, wer weiß.

    Nach ca. 2 Stunden fahrt, kommt tatsächlich das erste mal die Sonne raus. Und schon sieht die Welt anders aus. Das Wasser glitzert im Sonnenlicht, die bunten Holzhäuschen der kleinen Ortschaften strahlen um die Wette und die leuchtenden Blätter der Bäume reflektieren das Sonnenlicht inzwischen schon in dem typische spätsommerlichen gelb-grün, so langsam findet der Herbst Einklang.

    Bevor wir es zum Cottage geht, wollen wir noch einkaufen gehen. Frisches Obst und Gemüse gibt es bei einem kleinen Bauernmarkt. Hier finde ich auch frische Äpfel für Ricos Geburtstagskuchen. Danach erledigen wir den Wocheneinkauf bei Hannaford und können dann endlich unsere Unterkunft beziehen. Diese liegt weitere ca. 15 Minuten Fahrt Richtung Küste auf einer kleinen Halbinsel, umschlossen von dem Clark Cove Pond. Das Grundstück gegenüber von uns liegt direkt am Darmascotta River, einem der vielen Fjorde, die das Salzwasser ins Festland tragen.

    Das Cottage selbst ist sehr süß. Eine kleine gelbe Holzhütte, mit großzügigem und gepflegtem Garten. Es gibt eine kleine Küche, einen Wohn- und Essbereich, zwei Schlafzimmer und ein Badezimmer. Die gesamte Einrichtung ist schon etwas in die Jahre gekommen, manche Schubladen kleben, die Dielen knarzen und es riecht auch etwas muffig. Aber trotzdem ist es irgendwie gemütlich. Und vor allem der Garten hat es uns angetan. Blühende Büsche, Eichenbäume und Trauerweiden zieren die hügelige Wiese, die hinunter zum Teich führt. Dort steht eine einsame Bank, auf der man verweilen und den Blick über das Wasser schweifen lassen kann. Teil der Vermietung sind auch zwei Boote, mit welchen man den Teich bepaddeln kann, insgesamt ist es sehr nett.

    Beim Erkunden des Gartens treffen wir dann auch Christa, unsere Vermieterin. Christa ist pensionierte Flugbegleiterin, ursprünglich aus Nürnberg, die in den 70er Jahren in die Vereinigten Staaten gezogen ist. Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann, Professor für Meeresbiologie em., hier in Maine und vermietet die kleine Hütte, die Teil ihres Grundstücks ist. (Damit man mal eine Vorstellung von der Größe ihres Anwesens bekommt: seit der Pensionierung ist ihr Mann dabei, Wanderwege auf dem Grundstück anzulegen.) Schlecht scheint es ihnen hier jedenfalls nicht zu gehen.

    Von Christa erfahren wir auch, dass der September in Maine normalerweise sehr warm und trocken ist. Bis Ende Oktober bestimmt im Nordosten der Staaten der sogenannte „Indian Summer“ das Klima, eine ungewöhnlich warme Wetterperiode, begleitet von einem strahlend blauen Himmel und einer besonders intensiven Blattverfärbung in den Laub- und Mischwäldern. Naja, dieses Jahr ist alles anders: Es regnet ungewöhnlich viel, der Boden ist vollgesogen wie ein nasser Schwamm und aufgrund der Feuchtigkeit gibt es Unmengen an Mosquitos, die immer noch schlüpfen. Da haben wir irgendwie Pech gehabt. Christa hat in ihren 50 Jahren in Amerika noch nie einen so nassen September erlebt. Die Zeit die wir hier sein werden soll es immerhin meist sonnig werden, wir haben also glücklicherweise eine relative trockene Periode in diesem nassen September erwischt. Bis auf den absoluten Obergau: an Ricos Geburtstag soll Hurricane „Lee“ auf die Küste Nordost-Amerikas treffen. Wie schlimm die Ausmaße letztendlich sein werden, kann nicht vorhergesagt werden. Christa warnt uns aber vor, dass es zu Strom- und Wasserausfällen kommen könne und aufgrund der Bodennässe auch die Wurzeln der vielen Bäume nicht sonderlich stabil seien. Super. Aber wir lassen uns davon erstmal nicht aus der Ruhe bringen. Ein Glück campen wir gerade nicht 🙏🏼

    Am Abend kochen wir uns Nudeln mit selbstgemachter Tomatensoße aus den bunten Tomaten vom Bauernmarkt. Dazu gibt es echten (!) Parmesan (den findet man in Amerika eher selten) und frischen Basilikum. Wir decken den Tisch im Garten, zünden eine Kerze an und lassen es uns schmecken. Auf ein paar schöne, entspannte Tage!

    Naja, ganz so entspannt wurde es dann doch wieder nicht. Nachdem wir eine Runde Trival Pursuit gespielt haben, machen wir es uns im Wohnzimmer vor dem Fernseher bequem. Aber es ist ganz schön kalt und die Heizung ist noch abgestellt. Wir beschließen, die Decke aus dem Auto zu holen. Rico schnappt sich die Autoschlüssel und geht raus zum Auto. Um ihm Licht zu machen, gehe ich hinterher. Peng. Das war die Terassentür, die gerade hinter mir ins Schloss gefallen ist. Und wie sollte es anders sein: natürlich ist die Tür von innen abgeschlossen und lässt sich von außen nicht mehr öffnen. Ne, oder!? Die Haustür vorne ist auch abgeschlossen. Haben wir uns jetzt echt ausgesperrt!? Es ist 22:30 Uhr. Christa antwortet nicht mehr auf unsere Nachrichten. Als Rico rüber zu ihrem Haus geht und ruft, reagiert niemand. Sie jetzt aus dem Schlaf zu klingeln, trauen wir uns auch nicht… Wir versuchen die Tür zu knacken, suchen nach einem Ersatzschlüssel, gucken ob eines der offenen Fenster kein Fliegengitter hat, doch es hilft alles nichts. Und so verbringen wir die teuerste Nacht im Auto auf der ganzen Reise. Zum Glück haben wir wenigstens das Bett und die Decke, so lässt sich die Nacht immerhin halbwegs warm überstehen. Am nächsten Morgen zeigt uns Christa den Ersatzschlüssel, der natürlich gut erreichbar am Haus versteckt ist. Hätten wir das mal vorher gewusst…

    Wir machen das Beste draus, gehen warm duschen und machen uns ein leckeres Frühstück auf der Terrasse. Den restlichen Tag verbringe ich mit den Vorbereitungen für Ricos Geburtstag. Einkaufen gehen, Kuchen backen und Geschenke verpacken (das zweite Schlafzimmer ist für Rico bis nach seinem Geburtstag tabu). Rico verdonnere ich währenddessen zu einem ausgedehnten Spaziergang, auf dem er eine brenzliche Begegnung mit Truthähnen hat.
    Abends schieben wir uns eine TK-Pizza in den Ofen, gucken Harry Potter und informieren und dann vor dem Schlafengehen noch über den bevorstehenden Hurricane. In den Nachrichten wird auch vom Acadia Nationalpark berichtet (wo wir vor zwei Tagen noch waren): dort wurden alle Campgrounds evakuiert. Na haben wir ein Glück, dass wir nicht jetzt dort sind. Bei uns soll das Schlimmste in der Nacht stattfinden und bis 08:00 Uhr morgens vorüber sein, möglicherweise verschlafen wir den Hurricane also einfach.

    Und so kommt es auch, am nächsten Morgen steht ich vor Rico auf, um seinen Geburtstagstisch vorzubereiten. Draußen windet es zwar, aber hurricanemäßig stürmisch ist es nicht. Glücklicherweise ist der Sturm auch nicht direkt auf die Küste Maines getroffen, sondern hat uns nur gestreift und zieht an den USA vorbei. Schlimmer wird es dann die kanadische Ostküste treffen, auf die der Sturm frontal zusteuert. Dann wird das Geburtstagskind geweckt, das schon seit 20 Minuten wach ist und mehrfach „Mir ist langweilig!“ aus dem Schlafzimmer verlauten lässt. Aber wer einen schönen Geburtstag haben will, muss auch geduldig sein. Die Geschenke werden ausgepackt, der Kuchen wird gegessen und wir freuen uns, dass wir den Sturm so gut überstanden haben und so viel Aufregung um nichts gemacht wurde. Tja, dann fällt der Strom aus. Zu früh gefreut. Irgendwo ist ein Baum auf einen Strommast gestürzt und hat uns von der Versorgung abgeschnitten. Nichts geht mehr: kein Wasser, keine Spülung, kein Licht, kein Strom, kein WLAN. Und so verbringen wir Ricos Geburtstag offline. Auch mal ganz schön. Wir essen Kuchen, rösten Toast auf unserem Campingkocher und spiele Karten. Am Nachmittag, als sich der Sturm etwas beruhigt hat, gehen wir auch mal eine kurze Runde spazieren und treffen da auch auf Christa, die uns als Kompensation anbietet, kostenlos eine Nacht länger zu bleiben. Das Angebot nehmen wir gerne an, denn derzeit haben wir noch drei Tage unverplant, bis es weiter nach Boston geht.

    Als es dämmert, hängen wir im Wohnzimmer unsere Solarlichterkette auf, damit wir wenigstens ein bisschen Licht haben und so wird es sogar noch richtig gemütlich. Und tatsächlich haben wir Glück: um 21:30 Uhr piept der Kühlschrank und die Lampen gehen an. Der Strom ist wieder da, Hurra! Wir kuscheln uns ein bei Harry Potter und können so den Geburtstag schön ausklingen lassen.

    Am Sonntag blitzt die Sonne durch die Blätter und die Vögel zwitscherten. Dass hier gestern noch ein Hurricane an der Küste vorbeigezogen ist, kann man nur noch an den ganzen Tannennadeln auf unserem Auto erkennen. Wir machen uns ein richtig schönes Nachgeburtstagsfrühstück, indem wir den Tisch zum Teich tragen und dort eindecken. Wir spielen Federball bis 100 (schaffen es jedoch trotz unzähliger Versuche nur bis maximal 98), lesen, trinken Kaffee und sitzen in der Sonne. Am Nachmittag holen wir eines von den eigentlich geplanten Geburstagsevent nach und fahren zum „Pirates Cove Minigolf“. Wir sind total gespannt, wie amerikanisches Minigolf so aussieht und machen uns schon auf begehbare Schiffskulissen und Kanonen als Hindernisse bereit, werden dann aber auch schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Der Minigolfplatz ist zwar aufwendig dekoriert mit Wasserfällen, Steinwällen und begehbaren Höhlen, die Bahnen an sich sind jedoch super langweilig. Zwanzig mal müssen wir den Ball nur einmal um die Ecke oder vielleicht einen Hügel hinauf schlagen. Selbst der Minigolfplatz in Heiligenhafen hat da deutlich aufregendere Bahnen. Naja, so können wir das wenigstens auch abhaken und nach dem Minigolfen gibt es immerhin noch ein leckeres Eis! Auf dem Rückweg kommen wir an einem schönen Fischrestaurant mit Live-Musik direkt an der Marina in Damariscotta vorbei. Hier halten wir an, erfreuen uns an der Live-Musik und dem tanzfreudigen Publikum und bestellen uns Fisch und Nachos als Abendessen. Richtig genießen können wir das jedoch nicht, weil kaum steht unser Essen auf dem Tisch, ist die Musik schlagartig vorbei und die Mücken zerfressen uns. Also schnell nach Hause und den nächsten Harry Potter reinziehen, das ist inzwischen schon richtig Tradition.

    Auf den sonnigen Sonntag folgt ein regnerischer Montag, den wir größtenteils mit Lesen und Spielen verbringen. Da wir nun wirklich noch nicht viel gesehen haben und auch das Wetter hier ab Dienstag deutlich besser werden soll, verlängern wir unseren Aufenthalt in dem Cottage noch um zwei Tage bis Freitag. Wir finden es hier schön und wollen das Wetter noch mehr nutzen. Um aber auch diesem Regentag etwas schönes abzugewinnen, bereiten wir uns abends eine richtig tolles Abendessen zu: Rindersteaks mit dünnen Backmohrrüben in Ahornsirup-Ingwer Glasur und überbackener Frischkäse-Knoblauch Kartoffelbrei als Beilage. Sooo lecker! Danke nochmal an Chrissy für das Rezept 😉

    Am Dienstag fährt Rico los und geht wandern. Er wollte gerne mal alleine für sich wandern gehen und mir kommt das ganz gelegen, da ich sowieso noch den Blogeintrag schreiben wollte. Dafür fahren wir aber am Mittwoch zusammen nach New Harbour, wo ein altes Fort steht, dass die Briten im Kampf gegen die Franzosen gebaut haben. Leider ist das Fort heute nicht zu besichtigen, aber schön anzusehen ist es trotzdem. Sowieso ist der Ort sehr schön, fast alle Häuser haben Wasserzugang und die zerklüftete Küste sieht wie gemalt aus. Wir schlendern entlang des kleinen Hafens, besichtigen einen seeehr alten Friedhof (hier stehen teilweise Grabsteine von 1750!) und schauen uns die alten Steinmauern an, die als Fundamente für die Häuser der ersten Siedler aus Großbritannien dienten, die sich in dieser Region niedergelassen haben.

    Insgesamt gefällt uns Maine hier schon deutlich besser und auch das Wetter spielt endlich mit. So nutzen wir den letzten Tag auch unseren Garten nochmal schön aus, spielen Federball und schreiben das erste Inserat für unser Auto. Denn das müssen wir schon bald wieder verkaufen, wir befinden uns jetzt nämlich schon im letzten Drittel unserer Reise. Für Melancholie bleibt aber keine Zeit, denn am Freitag geht es schon weiter nach Massachussets, genauer gesagt nach Boston, denn an diesem Abend schauen wir uns ein Baseball-Spiel der Boston RedSox an im berühmten Fenway Park Stadion an. Wir packen unsere Sachen, verabschieden uns von Christo und von Maine und setzen unsere Segel in Richtung Boston, das eine so bewegte Geschichte hat…
    (J)
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