Regen und Sonne
31 de jul.–1 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 23 °C
Ich finde mich langsam damit ab, dass einer meiner Wünsche im Sabbatical nicht nochmal in Erfüllung gehen wird: eine Nacht bei kühlen Temperaturen. Trotzdem war mein Schlaf erholsam, und ein Blick aus dem Heckfenster zeugt von einem wolkenverhangenen Morgen. Nachdem wir beide schon mal rudimentär in Freddie umgebaut haben, klettert Hanna, bewaffnet mit ihrer Regenjacke, nach draußen, und ich stelle mich auf unseren Picknicktisch, um unsere Bettdecke auszuschütteln.
Die Decke wird wieder in Freddie geworfen, und während wir uns gerade unterhalten, fangen schon die ersten Tropfen an, vom Himmel zu fallen. Da das Ganze in wenigen Sekunden zu einem Wolkenbruch wird, springen wir alle drei schnellstens wieder in Freddie und schließen die Tür hinter uns. Während das Regengebiet an uns vorbeizieht, machen wir es uns nochmal auf dem Bett bequem und setzen unsere Unterhaltung fort. Gerade als Hanna bereit ist, den zweiten Startversuch zu unternehmen, öffnet der Himmel erneut seine Schleusen. Wir sind uns schnell einig, dass wir dann auch direkt hier den Tag verbringen können.
Während wir es vor unserer Abreise nur schlecht geschafft haben, die Mitgliedschaft im Fitnessstudio zu nutzen, wird sich dies in 14 Tagen nach unserer Rückkehr ganz anders darstellen. Wir studieren während des aktuellen Schauers also beide eifrig die Angebote des „Urban Sports Clubs“ in und um Solingen herum. Die Auswahl ist großartig, und wir schmieden eifrig unsere Sportpläne, während wir schon mal den Kaffee genießen.
Nachdem der Himmel die letzten Tropfen verloren hat, macht sich Hanna dann zu Bellas Freude endlich auf den Weg zur morgendlichen Gassirunde. Auf den ersten Metern begleite ich die beiden noch zu einem freigewordenen Stellplatz. Wir entscheiden uns jedoch dafür, in unserer Nische zu verweilen.
Nach der Rückkehr geht es mal wieder an die Berichte der letzten Tage. Nach dem heutigen Bericht werden es nur noch 14 Stück sein. Pläne, auch unseren Alltag in Form einer verschriftlichten Daily Soap festzuhalten, gibt es (bislang) nicht. Der Tag zieht erstaunlich schnell an uns vorüber, und es gibt vom Nachmittag und Abend erstaunlich wenig zu berichten.Leia mais
Sechs Monate vorbei, wir machen weiter!
1–2 de ago. 2024, Canadá ⋅ 🌙 20 °C
Unser Plan, früh von dem schönen Plätzchen hier loszukommen, scheint nicht gefährdet zu sein, als wir gegen halb neun wach werden. Die Sonne lacht schon über uns, den Wald im Hintergrund und das Meer hinweg, und so freuen sich sowohl Hanna als auch Bella, als sie sich auf den Weg zu ihrer Runde machen. Ich nutze die Gelegenheit und schüttele mal wieder die Bettdecke und das Spannbettlaken aus und fege Freddie danach gründlich durch. So wenig Fläche in Ordnung halten zu müssen, wird uns definitiv fehlen. Nachdem die beiden von der Morgenrunde zurückkommen, ist auch der Kaffee gerade rechtzeitig fertig geworden. Der Genuss des Kaffees in wundervoller Umgebung, ohne von Terminen oder sonstigen Verpflichtungen getrieben zu sein, ist wirklich eine sehr schöne Art, den Morgen zu beginnen.
Wir stellen fest, dass die 6 Monate seit heute vorbei sind. Ohne den Abbau von Überstunden wären wir heute also schon nach Hause geflogen. Welch ein Segen, dass wir erstmal noch für ein paar Tage weiter machen können. Was wir für uns in den letzten Monaten gelernt haben, ist dass wir beide für ein dauerhaftes Leben in Freddie oder einem seiner „Nachkommen“ definitiv gemacht wären. Eine andere viel wichtigere Erkenntnis: die Hürden dafür sind viel weniger hoch, als wir es glauben und in erster Linie eng mit unserem irgendwie ur-deutschen Sicherheitsempfinden verzahnt.
Während wir danach langsam alles für die Abfahrt verstauen, spülen und der Zahnhygiene nachkommen, gehen wir noch einmal unsere Vorräte durch und legen fest, was wir für die nächsten Tage einkaufen wollen. Es ist schon ziemlich warm, drinnen wie draußen, als wir gegen 11 Uhr vom Stellplatz rollen. Der Fahrtwind auf dem Zubringer und entlang des Trans-Canada-Highways bringt etwas Abkühlung, aber das Ganze fühlt sich mal wieder mehr wie ein Föhn an. Die Wetter-App auf dem Telefon verkündet, dass es heute zwischen 28 und 33 °C warm wird und verweist direkt auf die ausgesprochene Hitzewarnung für Neufundland. Die Fahrt ist für uns alle entsprechend anstrengend, aber wir genießen die Aussichten trotzdem. Immer wieder ruft einer von uns beiden „Schweden“, „Irland“ oder „Schottland“ durch Freddie, und wir erinnern uns an einzelne Landstriche, die wir in den jeweiligen Ländern bereist haben.
Auf dem Weg zum nächsten Ziel kommen wir noch an einem größeren Ort mit knapp 7000 Einwohnern vorbei und stoppen dort für den wahrscheinlich vorletzten Einkauf. Im Walmart bekommen wir neben Äpfeln kein weiteres Obst und Gemüse, sodass wir noch zu einem weiteren Supermarkt fahren. Hier organisiert Hanna die fehlenden Sachen, und ich hole im Liquor Store noch etwas Wein. Natürlich werfe ich einen Blick auf die internationalen Biersorten, aber so gut schmeckt Veltins dann doch nicht, dass es mir die 5 $C pro Dose wert ist – trotz der Temperaturen.
Bei Tim Hortons decken wir uns nochmal mit leckerem Flatbread, Apple Fritters und kalten Kaffeespezialitäten ein, bevor wir wieder auf den Highway rollen. Knapp 200 Kilometer sind es noch, und trotz der stärkenden bzw. kühlenden Leckereien kämpfen wir beide mit der Wärme. An einem Abzweig entscheiden wir uns nach einigem Für und Wider für einen Umweg entlang der Küste. Hier warten Stellplätze an den schönsten Stränden Neufundlands auf uns, und wir vermuten, dass in Meeresnähe die ein oder andere kühlere Brise auf uns wartet. Auf dem Weg zur Küste wird es dann aber erst einmal noch etwas wärmer, bevor wir dann in einem kleinen Fischerdorf mit kühler und frischer Luft belohnt werden, als wir an der Dumpingstation unser Abwasser loswerden.
Auf das Auffüllen des Frischwassers verzichten wir – der Wasseranschluss ist nicht klar gekennzeichnet, und auf der Internetseite der Gemeinde findet sich der Hinweis, das Wasser vor der Verwendung abzukochen. Freddie ist dafür beim Abfahren einigermaßen gut durchgelüftet, und wenig später rollen wir auf einen der besagten Strände zu. Hier ist es wirklich wunderschön, aber es ist gut besucht, und in Sichtweite von Wohnhäusern zu übernachten, finden wir auch nach sechs Monaten immer noch nicht ganz so toll. Entlang der Küstenstraße werden wir von kurzen, aber zum Teil kräftigen Schauern begleitet, die das Fahren dann wieder angenehmer werden lassen. Bei den weiteren schönen Stränden bleibt es beim gleichen Bild, was wir vom ersten Strand schon gewohnt sind. Entweder ist ein Platz in Sichtweite von Wohnhäusern oder es ist ziemlich gut besucht. Uns so wenden wir uns dann wieder unserem ursprünglichem Tagesziel zu und fahren weiter nach Twillingate.
Auf dem Weg dorthin wird es dann auch wieder deutlich wärmer, aber das nehmen wir sehr gerne in Kauf. Letzte Woche hat es uns dort so gut gefallen, dass wir das erste Mal überhaupt auf unserer Reise zu einem Stellplatz zurückkehren. Das liegt natürlich auch zum Teil daran, dass Neufundland nur recht schwer entlang der Küste auf dem Landweg umrundet werden kann.
In Twillingate nehmen wir natürlich noch einmal die Wasserstation mit, sodass wir genug Wasser für die nächsten Tage dabeihaben. Durch unseren Umweg entlang der Küste und eine sehr gemütliche Fahrweise dauert es dann auch bis 20 Uhr, bis wir wieder an dem verlassenen Campground ankommen. Anstatt direkt auf diesen zu fahren, nehmen wir einen Abzweig früher: Am dortigen Hügel ist das Freistehen auch möglich, und wir haben direkt einen guten Blick auf unseren bevorzugten Platz vom letzten Mal. Dieser ist noch frei – laut Hanna hauptsächlich, weil wir das mit unseren positiven Gedanken so manifestiert haben – und wenig später haben wir dann die anderen Camper hinter uns gelassen und mit Freddie wieder den zerklüfteten Hügel erklommen. Hanna schnappt sich die zwei Keile, legt diese nach kurzem Rangieren unter die Reifen auf der Beifahrerseite, und nach einem kurzen Zurücksetzen stehen wir perfekt in Waage.
Im Gegensatz zum letzten Besuch ist es fast windstill, als ich mich mit Bella auf den Weg mache. Nach den ersten Metern ziehe ich mir dann wegen der Wärme das Shirt aus und freue mich immer wieder über die kleinen Böen, die mir dank des Schweißes zeitweise kurz Abkühlung verschaffen. Zurück an Freddie hat Hanna schon alles für Sandwichtoasts vorbereitet, so dass ich diese nur noch kreativ belegen muss und dann über die Flamme rösten kann. Mal wieder in Begleitung von Dexter essen wir und lassen den Abend dann leicht schwitzend ausklingen.Leia mais
Ein hoch auf die Standheizung!
2–3 de ago. 2024, Canadá ⋅ 🌧 15 °C
We are back!
Zum ersten Mal in sechs Monaten sind wir zu einem Platz zurückgekehrt, den wir beim vorherigen Besuch so schön gefunden haben, dass wir nochmal ein paar Tage hier verbringen wollten. „Crow Head“ – hier haben wir unsere dritte und vierte Nacht auf Neufundland verbracht, stundenlang Wale beobachtet und die Klippenlandschaft über Wanderwege erkundet. So kurz vor unserer Rückreise ist unsere Entdeckerlust für neue Orte ein wenig unterschwelliger. Die Sehnsucht nach einem Platz, von dem wir wissen, was er bietet; dass er so viel Schönheit birgt, dass wir hier nochmal all das aufsaugen können, was uns daheim fehlen wird, ist genau das, was wir uns aktuell wünschen. Wie viele Nächte wir hier verbringen werden, wissen wir noch nicht – unser Bauchgefühl wird es uns schon sagen.
Die Nacht war warm, aber für heute ist ein regnerischer Tag und eine ordentliche Abkühlung gemeldet. Ich wache auf, als Christian um kurz nach 8 Uhr vollkommen angezogen unten vor dem Bett steht und mir sagt, dass er jetzt mit Bella gehe, da es bald anfangen solle zu regnen. Ich bin noch ganz verschlafen und verwirrt, dass Christian die Morgenrunde übernehmen möchte. Im Moment bin ich allerdings sehr dankbar, dass er schon so wach und motiviert ist und mir sagt, dass ich einfach liegen bleiben soll. Na, das Angebot nehme ich doch gern an. Als die beiden wiederkommen, bin ich gerade dabei, das Bett zu machen und blicke in strahlende Christian-Augen. Es weht ein kühler Wind in Freddie, und die Runde, die Christian letzte Woche bereits als schönste Wanderung seines Lebens gekürt hat, war scheinbar auch heute Morgen der perfekte Einstieg in den Tag. Der Ausblick aus Freddie ist aber auch einfach atemberaubend. Wir stehen recht einsam, der Blick auf das Meer von den Klippen herunter ist auch bei wolkigem Himmel so zauberhaft, und das Wellenrauschen und Möwengeschrei ist dabei noch zusätzlich wie die Kirsche auf der Sahne. Entschleunigung pur.
Die Regenfront, die auf uns zusteuert, ist bereits ganz schön nah, und der Gassigang meiner beiden Herzenswesen war perfekt getimt. Das Vorbereiten von Kaffee und Tee geht noch bei offener Tür, um elf schlägt das Wetter dann um, und wir verkriechen uns in Freddie und machen es uns gemütlich. Ich habe tatsächlich noch die Hälfte der neuen Bridgerton-Staffel auf Halde und überlege kurz, ob ich den Tag über einen Mädels-Schnulzen-Serientag einlege. Allerdings haben wir nur noch ein paar Folgen der letzten Staffel Dexter vor uns und entschließen uns stattdessen für einen Serienmörder-Detective-Tag. Wir beide sind ganz schön begeistert von der letzten Staffel, die so ganz anders ist als die bisherigen. Die Stunden ziehen vorbei, der Regen prasselt auf Freddie, und der Wind schaukelt uns hin und her, als lägen wir in einer Hängematte. Wie gemütlich kann ein Freitag sein? Einfach ja. Vor dem Serienfinale legen wir eine kurze Pause zum Vorbereiten des Frühstücks ein. Ich habe total Lust auf Pfannkuchen und so schwinge ich kurze Zeit später den Schneebesen. Mampfend gönnen wir uns die letzte Folge Dexter, die bei der treuen Fangemeinde der Serie eher auf Frust als auf Jubel gestoßen ist. Sagen wir so, man hätte die Serie auch eleganter enden lassen können. Trotzdem muss ich nach acht Staffeln sagen, dass ich die Serie noch nicht über hatte und gern noch weiter am Leben Dexters in Miami teilhaben würde. Gut, dass es seit 2021 (neun Jahre nachdem die Serie eigentlich abgedreht wurde) noch eine ganz neue Staffel im Dexter-Universum gibt und so tauchen wir kurze Zeit später in die erste Folge von „Dexter – New Blood“ ab.
Der Tag ist an Faulheit einfach nicht zu überbieten und nachdem der Regen ab dem Nachmittag abgeflaut ist, im Gegensatz zum Wind, machen Christian und ich uns am Abend gemeinsam bei nur 16 Grad zu einer Runde mit Bella auf. Ich kriege nicht genug davon, einfach aus unserem Heim in die abgelegenste Natur zu fallen und in ein paar Schritten an den zauberhaftesten Klippen mitten im Grün mit Blick auf unglaublich blaue Weite und tosendes Meer schauen zu können. Wie schön es ist, einfach nur im Hier und Jetzt zu sein.
Wieder an Freddie angekommen, zeigt das Thermometer an der Wand 15 Grad an und Christian freut sich wie ein kleines Kind auf eine kühle Nacht. Zum Abendessen gibt es Ramen und wir machen mit dem Tagesprogramm genauso weiter, wie wir vor dem Spaziergang aufgehört haben. Gegen 1 Uhr morgens (vielleicht sollten wir bald anfangen, früher schlafen zu gehen, um einem Jetlag des Todes vorzubeugen) schaut Christian nach draußen und erblickt den schönsten Sternenhimmel überhaupt. Wir hopsen also nochmal in die frische Nachtluft und bestaunen die Milchstraße. Ich wollte mich eigentlich noch mit Kameraeinstellungen für Sternenfotografie beschäftigt haben und ärgere mich ein wenig, dass ich diesen Moment nicht festgehalten bekomme. Es zieht sich leider auch recht schnell wieder zu, weswegen wir von dem angekündigten Meteoritenschauer nichts mitbekommen. Trotzdem eine gigantische Sternenkulisse, auch wenn es nur für ein paar Minuten war.
Wieder in Freddie, wir haben tatsächlich kurz die Standheizung eingeschaltet, weil es nur noch 12 Grad hatte, kuscheln wir uns ein, nachdem wir uns bettfertig gemacht haben und schlummern in Richtung des nächsten Tages.Leia mais
Über Stock und Stein
3–4 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 20 °C
Wegen der Kürze unseres letzten Besuchs haben wir auf die lange Wanderung um „Crow Head“ verzichtet, wollen das aber unbedingt nachholen. Ich hatte zwar nicht unbedingt den heutigen Samstag dafür im Kopf, aber als Hanna den Vorschlag nach dem Aufwachen macht, bin ich nicht abgeneigt. Zwar soll es heute wieder warm werden, aber wenn wir uns zeitnah aufmachen, entgehen wir der ganz schlimmen Hitze. Immerhin sind es nur knapp 8 Kilometer.
Bis die Morgentoilette erledigt, die Trinkblase gefüllt, die Schuhe geschnürt und wir uns zur Sicherheit mit Sonnencreme und Insektenschutz eingerieben haben, dauert es dann aber doch bis fast halb 11.
Zunächst bewegen wir uns entlang der bekannten Pfade und spazieren zum nördlichen Ende. Hier habe ich letzte Woche ein paar Wale in einer Bucht schwimmen sehen, aber heute Morgen entdecken wir sie nicht. Hinter und über uns entdecken wir an der Klippe ein paar Menschen, die sich an ein Geländer drängen und wie wir über das Meer starren. Mit dem Wissen, dass wir dort als Nächstes hinauf müssen, spazieren wir weiter, verlassen schnell die zertretene Heide und werden über Holztreppen durch einen kleinen Wald nach oben geleitet und kommen am Parkplatz am Leuchtturm an. Die Aussicht ist wieder einmal wunderschön, auch wenn die steile Klippe unter uns nicht auszumachen ist.
Nach kurzer Suche finden wir dann auch die Fortsetzung der Wanderung und haben einen Blick auf das komplette Terrain, das vor uns liegt, und uns wird schnell klar, dass es hier das ein oder andere Mal steil nach oben oder unten gehen wird. Der Wanderweg wird von einer Gruppe von Einheimischen gepflegt, und immer wieder kommen wir an liebevoll in die Natur eingefassten Geländern, kleinen Treppen oder kurzen Stegen vorbei, die diese Wanderung überhaupt erst möglich machen.
Der gestrige Regen hat seine Spuren hinterlassen, aber bis auf ein paar matschige Stellen ist alles gut getrocknet und nicht wegen der Nässe rutschig. Weicher Waldboden wechselt sich mit steinigem Untergrund ab und nicht selten spazieren wir über Geröll. Mehr als für ein paar Dutzend Meter geht es selten geradeaus und ebenso selten ist es flach. Dementsprechend hochkonzentriert sind wir unterwegs, Hanna aufgrund ihres Fußes nochmal etwas mehr. Der Genuss der wundervollen Natur und der Aussicht kommt trotzdem nicht zu kurz, auch wenn wir zwischendurch wie zwei Dampflokomotiven pusten. Die Sonne setzt uns auf dem Weg am meisten zu, und wir haben nur kurze Abschnitte, in denen wir im Schatten laufen können. Zwischendurch weht immer wieder ein kühlender Wind, den wir freudig auf uns wirken lassen. Ein Blick auf mein Handy verrät, dass es jetzt bereits wärmer ist (und noch wärmer werden soll), als heute Morgen angekündigt.
Nach knapp 2,5 Stunden kommen wir an einem Kiesstrand an und setzen uns dort erstmal etwas in den Schatten, genießen die kühle Brise und die sanften Ausläufer der Gischt. Würden hier nicht gerade noch zwei andere Wanderpaare ihre Pause machen, wäre das Meer für kurze Zeit um zwei Nacktbadende bereichert worden. So machen wir uns nach kurzer Pause wieder auf den Weg. Knapp 3 Kilometer bis Freddie haben wir noch vor uns, und diese fordern uns alle nochmal richtig. Am Ende ist es die Kombination aus Steigung und stehender Wärme, die bei uns beiden für wummernde Köpfe sorgt. Unser Zwischenziel – wenn auch eher am Ende, kurz vor Freddie – ist ein kleines Café, das wir dann auch gut und sicher erreichen. Davor geht es aber noch einmal sehr steil, gefühlt fast senkrecht, nach unten. Entlang des Weges ist auf knapp 40 Metern lose ein Seil mit Knoten befestigt, ohne dessen Hilfe wir hier nicht nach unten gekommen wären. Zur Stärkung gibt es dann für uns im Lokal fantastischen Kaffee, eine kleine Portion Chili mit Panini und im Anschluss eine Limonade, zwei Stücke Kuchen und eine Schokoladen-Espresso-Marone. Letztere verspeise ich, während ich die letzten Stunden und das geschmackliche Highlight zur Melodie von „Heaven for Everyone“ von Queen in meinem Kopf Revue passieren lasse.
Gestärkt, aber auch etwas müde, lassen wir den letzten Kilometer hinter uns und erreichen gegen 15 Uhr Freddie. Beim Start heute Morgen hatten wir beide nicht auf dem Schirm, dass wir mit der Wanderung einen Großteil des Tages füllen würden. Gut, dass wir es getan haben!
Die „angenehmen“ 38 °C in Freddie reduzieren sich nach dem Öffnen aller Türen auf knapp über 30 °C und halten sich dann auch bis in die frühen Abendstunden. Nach einem kleinen Nickerchen und ein paar Schwierigkeiten mit der inneren Motivation schaffe ich es dann, nach unten zum Strand zu spazieren. Im kühlen Meer kühle ich mich dann ein wenig in Strandnähe ab, allerdings steht mir der Sinn nicht nach Schwimmen. Die Wellen halten sich zwar in Grenzen, aber die paar rot leuchtenden Quallen, die ich im klaren Wasser ausmachen kann, wirken nicht ganz so einladend auf mich. Trotzdem stapfe ich mit etwas mehr Energie den Hügel zu Freddie hinauf. Es dauert ein wenig, aber auch Hanna möchte sich die Erfrischung dann doch nicht entgehen lassen und lässt das Meerwasser dann mit Blick auf die Quallen in Habachtstellung bzw. -sitzung auf sich wirken.
Zum Abendessen entscheiden wir uns für eine Runde Wraps, die wir bei immer noch offenen Türen verputzen. In Freddie kühlt es sich im Laufe des Abends auf knapp unter 25 °C ab und das lässt sich dann auch ganz gut aushalten. Bella ist bereits gefüttert und liegt gemütlich auf ihrem Kissen, während ich überlege, ob wir heute Nacht nicht einfach bei offener Schiebetür schlafen sollen. Wir beide hören das Klingeln des Reißverschlusses des Moskitonetzes, als die Antwort auf besagte Überlegung geliefert wird: Bella ist bei geschlossenem Moskitonetz aus dem Wagen gesprungen und hat dabei mal wieder das Netz samt Gummidichtung aus der Tür „gerupft“. Dank einer schnellen Standpauke ist Bella schnell wieder in Freddie, die Ursache für den gewagten Sprung können wir aber nicht ausmachen, vermuten aber beide, dass es ein Wiesel war. Dieses hat uns bereits am Morgen besucht und dort auch kurzzeitig ein an Dynamik und Eleganz nicht zu überbietendes Jagdverhalten von Bella ausgelöst, das wir absolut nicht kennen.
Nach dem Spektakel schließen wir dann also die Schiebetür, was wir wegen des wenig später einsetzenden Regens ohnehin hätten machen müssen. Erschlagen vom Tag, in erster Linie der Eindrücke wegen, finden wir beide nach einer Runde Dexter in den Schlaf.Leia mais
Still here...
4–5 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 20 °C
Wir wachen mittlerweile den dritten Tag an diesem himmlischen Ort auf. Heute soll es nicht ganz so warm und verregnet werden. Das ist fein für uns. Nach unserem Marschtag gestern steht uns heute der Sinn sowieso nach Seele baumeln lassen. So lange genießen, wie es geht, ist die aktuelle Devise, und ich bin dankbar dafür, dass das ganz gut klappt und die Wehmut noch nicht allzu groß ist. Das kommt wahrscheinlich, wenn wir wieder in den Alltag starten, und dann ist es ja noch früh genug. Wir wollen uns ja nun nicht die letzten Tage mit trüben Gedanken verdunkeln.
Ich starte mit Bella auf eine Gassi-Runde und es fängt zwischendurch an zu nieseln. Aber bei den Temperaturen ist das eigentlich ganz erfrischend. Bella schleppt sich ein wenig durch die Gegend. Sie merkt wohl auch, dass sie gestern mehr über Stock und Stein gehoppelt ist als sonst. Wir halten die Morgenrunde also recht kurz und starten, wieder zurück an Freddie, wie immer mit Käffchen und Tee in den Tag.
Als wir diesen Traumplatz ein zweites Mal angefahren haben, wussten wir ja noch nicht genau, wie lange wir hierbleiben wollen würden. Was wir jetzt wissen. Unser Bauchgefühl treibt uns auch heute nicht dazu an, uns wieder auf den Weg zu machen. Ich könnte auch gut damit leben, noch bis kurz vor unserer Fährfahrt nach Nova Scotia hier zu bleiben. Ich fühle mich so richtig angekommen und Christian geht es da, glaube ich, nicht anders. Kaum zu glauben und auch aktuell nicht zu verarbeiten, dass wir in 9 Tagen im Flieger heimwärts sitzen werden. Ich hatte Sorge, dass ich die letzten Wochen und Tage nicht genießen könnte, weil ich dann schon der Zeit nachhängen würde, die ich gern noch mehr gehabt hätte. Aber zu meiner eigenen Verwunderung gelingt es mir gerade richtig gut, einfach im Jetzt zu sein und das zu genießen. Klar ist der Gedanke an Alltag, frühes Aufstehen, endlose To-do-Listen, Arbeit und Trott immer mal wieder zwischendurch präsent, aber gleichzeitig auch vollkommen surreal. Außerdem, was bringt es mir, jetzt bereits alle möglichen Eventualitäten durchzugehen, wie sehr mich das alles theoretisch stressen könnte. Nada – also werde ich einfach sehen, wie es wird, wenn wir wieder da sind.
Stattdessen habe ich mir vorgenommen, mich mehr darauf zu konzentrieren, worauf ich mich freue, wenn wir wieder da sind. Jeden Tag der verbleibenden nehme ich mir mindestens einen Moment, um darüber nachzudenken. Bisher sind das folgende Dinge, die mir schon zwischendurch in den Sinn gekommen sind: Familie in der Nähe zu haben, meine Siebträgermaschine, weniger Scheiße essen, wieder etwas fitter werden (etwas, das im Alltag, glaube ich, wirklich leichter und regelmäßiger unterzubringen ist, als auf Reisen im Van), selbstgemachte Pizza aus dem Pizzaofen, Lagerfeuerabende mit den Liebsten, Mozzarella, Champignons (😂), ein Weinchen vom Lieblingswinzer, unsere Couch, deutsches Brot, vegetarische Ersatzprodukte, duschen ohne Flip-Flops… Ich bin mal gespannt, was mir in den nächsten Wochen noch so einfällt.
Es regnet vormittags immer mal wieder, aber ab dem frühen Nachmittag können wir wieder gut bei offenen Türen hier sitzen. Zwischenzeitlich düsen unten auf dem Meer Jetskis entlang und auch ein paar Fischerboote schippern herum. Wale sind aktuell viel weniger unterwegs als beim letzten Mal. Aber dennoch, ich kriege nicht genug von dem Plätzchen. Christian versinkt heute in Computerkram, Hobby-Programmieren und Recherchen über verschiedenste Dinge, und ich widme mich mal wieder dem Lesen, aus Freddie hopsen, in die Ferne starren und Ausblicke genießen. Tatsächlich vergeht so der Großteil des Tages und ich liebe es. Zwischendurch gibt es ein paar Cracker und Salzbrezeln, Apfel und Birne, weil ich zu faul bin, etwas Größeres zum Frühstück vorzubereiten. Bella bekommt eine große Knabberstange und genießt ihr Leben, während sie diese in unserem Vorgarten zerlegt, das Meer beobachtet und zwischendurch Nickerchen macht.
Gegen Abend kommt ein bisschen mehr Leben in die Bude. Christian macht sich mit Bella auf zu einer Abendrunde und ich bereite zum Abendessen Reis mit Gemüse in Erdnusssoße vor. Als die beiden zurück sind, genießen wir draußen das Essen und ein Gläschen Wein. Wieder in Freddie spült Christian und wir schauen parallel eine Folge Dexter – New Blood. Danach ziehen wir uns aufs Bett zurück und schauen noch eine weitere Folge. Später hopsen wir bei schönstem Sternenhimmel nochmal vor Freddie und gehen auf Sternschnuppenjagd. Die Möwen kreischen immer noch vor sich hin, die Gischt kracht unter uns gegen die Klippen und wir verlieren uns im Bestaunen der Milchstraße. Mittlerweile kommen wir das vierte Mal in den Genuss, diese mit bloßem Auge zu sehen, und ich fühle mich ganz gesegnet, genau in diesem Moment mit meinen beiden Herzenswesen, unserem Heim aus Blech an genau diesem Ort sein zu dürfen. Lasst uns alle mal ein bisschen öfter dankbar für so besondere Momente sein. Auch wenn wir in den letzten Monaten überproportional häufig solche besonderen Momente hatten, ist das mal einfach überhaupt nicht selbstverständlich. Auch wenn ich über die letzten vier Jahre hierauf angespart habe, wir beide ordentlich gerackert haben und uns das auch verdient haben, ist es so, so, sooo besonders.
Dankbar und gleichzeitig mit dem Gedanken, dass wir uns eventuell so langsam mal darum kümmern könnten, etwas vor Mitternacht ins Bett zu gehen, damit uns der Jetlag in 9 Tagen nicht allzu sehr aus den Latschen haut, schlummere ich ein.Leia mais
Der Start in letzte ganze Woche!
5–6 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 20 °C
Der Start in den Tag (und der letzten ganzen Woche) folgt mittlerweile einer Routine, die wir in den letzten sechs Monaten perfektioniert haben – natürlich bereichert um die Schönheiten dieses wunderbaren Fleckens. Auch an diesem Morgen kann ich mich nicht sattsehen und lasse meinen Blick, während das Wasser kocht, über den Strand, die Bucht, die Klippen und die von Vögeln bevölkerte Insel schweifen.
Nachdem die beiden Spaziergänger zurück sind und wir gemütlich den Kaffee geschlürft haben, setze ich mich mit Blick nach draußen an meinen Laptop. Irgendetwas zur Beschäftigung finde ich immer, und so kümmere ich mich diesmal um das Sortieren und Anpassen meiner eBook-Sammlung. Dies nimmt etwas Zeit in Anspruch – meine datenhortende Ader vermischt sich hier mit meinem perfektionistischen Ordnungswahn. Hanna beschäftigt sich stattdessen mit dem Lesen eines eBooks. Mittlerweile weiß sie auch, dass das Ganze für mich irgendwie pure Erholung ist. Als Kind bin ich scheinbar in einen komischen Zaubertrank gefallen.
Es dauert etwas, aber am frühen Nachmittag ist diese selbst gestellte Aufgabe dann zu meiner Zufriedenheit erledigt. Durch einen Vorschlag aus meiner Leseliste rückt die Steuererklärung in meinen Fokus, und ich installiere erst einmal in aller Ruhe die benötigte Software und starte die Datenübernahme. Die Erklärung heute fertig zu machen, hatte ich nicht geplant, aber dank des automatischen Datenabrufs und meines papierlosen Büros habe ich alle benötigten Unterlagen dabei und schnell in die jeweiligen Masken eingegeben. Nach einer kurzen Prüfung kann ich die Erklärung dann nach knapp einer Stunde Bearbeitungszeit versenden. Halleluja!
Ein wenig „erschlagen“ vom Tagwerk, kuschle ich mich mit Bella zu Hanna auf das Bett und mache ein kurzes Nickerchen, bevor es dann auf die Abendrunde geht. Es ist warm und ein wenig schwül, sodass ich schnell ins Schwitzen komme, während wir beide gemütlich den Weg entlangtrotten. Der Ort hier wird mir wirklich sehr fehlen! Zurück bei Freddie hat Hanna uns einen leckeren Salat gezaubert und dazu ein paar Käsetoasts gemacht. Langsam neigen sich unsere Vorräte dem Ende zu, sodass wir am Ende hoffentlich keine Lebensmittel mehr übrig haben werden.
Am Sonntag oder Montag wollen wir in Halifax noch ins Kino gehen und „Deadpool & Wolverine“ schauen. Daher bietet es sich an, dass wir die ersten beiden Teile vorher noch einmal schauen. Wir starten heute Abend mit dem ersten Teil und sind rein von der filmischen Inszenierung her dann auch nicht ganz so weit von Dexter entfernt.
Für unsere Verhältnisse früh, um kurz vor elf, schalten wir die Lichter aus, werfen noch einen Blick auf den schönen Sternenhimmel und kuscheln uns ins Bett. Auch wenn für den Morgen Regen angesagt ist, schlafen wir erneut bei geöffneter Schiebetür – natürlich wieder mit der provisorischen Bellasicherung.Leia mais
Couchtag
6–7 de ago. 2024, Canadá ⋅ 🌬 16 °C
Ich merke morgens, dass Christian neben mir subtil herumwühlt und versucht, mich sacht zu wecken. Heidewitzka, es ist doch erst kurz vor acht, und mein Verständnis für die „frühe“ Störung hält sich ein wenig in Grenzen. Allerdings bin ich nach kurzer Zeit dann doch dankbar für die Störung – Christian hat auf die Regenvorhersage geschaut, und wenn ich mich jetzt ganz schnell aus dem Bett pelle, könnte es sein, dass Bella und ich nicht nass werden. Gesagt, getan, ich hopse in die nächstgelegenen Klamotten und watschel mit Bella los. Heute geht’s nochmal in Richtung Leuchtturm, in Richtung der Klippen auf der anderen Seite der Bucht. Dafür queren wir den Platz unten in der Bucht, und ich bin baff, wie viele Camper sich hier dicht gedrängt nebeneinander tummeln. Naja, jedem das Seine; ich bin ganz schön glücklich, unseren Platz ein wenig entfernt vom Getümmel zu wissen und nur zwischendurch mal einen Nachbarn in der Nische neben uns stehen zu haben. Dort ist alles ein bisschen weniger wuselig. Man merkt Bella an, dass die Temperaturen heute Morgen (20°C) viel eher ihre Kragenweite sind als die der letzten Tage. Sie pest über die Wiesen und erkundet die Wanderwege zu den Klippen wie ein junges Reh. Als es anfängt zu tröpfeln, drehen wir um und machen uns auf den Rückweg zu Freddie. Immer noch fühlt sich dieser Ort so richtig an, dass ich mich freue, heute nochmal einen kompletten Tag hier die Seele baumeln lassen zu können. Morgen müssen wir uns dann aufmachen, denn am Freitag geht unsere Fähre nach Nova Scotia.
Zurück bei Christian gibt es Käffchen, und schnell müssen wir die Schotten auch dicht machen, da der angekündigte Regen ordentlich runterkommt. Wir hatten die letzten Monate wirklich ganz schön viel Regenglück, und wenn dies so selten vorkommt, sind Regentage auch richtig gemütliche Höhlentage. Zusätzlich ist es den Tag über angenehm kühl und nicht so schwül-heiß-klebrig wie die letzten Tage.
Dadurch, dass der Regen bis in den Nachmittag andauern soll, überlege ich, was ich den Tag so anstelle. Christian hat verschiedenste Pläne, die er listen- und programmiertechnisch am Laptop abarbeiten möchte (ich glaube, ein Teil von ihm vermisst die Arbeit dann doch so langsam). Ich daddel zunächst ein wenig am Handy und entscheide mich dann gegen Lesen und für Bridgerton. Ich schaue die neue Staffel nochmal von vorne; die zweite Hälfte kenne ich noch nicht, und ich weiß, dass das eine tagesfüllende Einkuschelungsentscheidung ist. Aber heute ist genau der richtige Tag dafür. Ich lümmel mich also für den Rest des Tages gemütlich auf dem Bett ein. Kaffee und Tee in erreichbarer Nähe, mein Strickprojekt auf meinem Schoß und Kopfhörer im Ohr.
Zwischenzeitlich gibt es Schnackpausen, und ich merke, dass auch Christian in seinem Tagesvorhaben vollkommen aufgeht. Zunächst organisiert er unsere Liste von Splid (unserer Ausgaben-App) in einer Exceltabelle und kann so nach ein paar Stunden genau nachhalten, wie viel wir für was im Sabbatical ausgegeben haben. Die einzelnen Variablen kann er mit einbeziehen oder außen vor lassen, und so zeigt er mir begeistert, was wir an täglichen Ausgaben hatten, wie viel Cent wir pro Kilometer ausgegeben haben und all solche Dinge. Zusätzlich hat er natürlich die täglichen Wechselkurse der jeweiligen Währung mit einbezogen, die er in akribischer Kleinarbeit in sein geschriebenes Programm mit eingebunden hat, damit auch alles auf den Cent genau stimmt. Christian reißt einen mit seinem Stolz und seiner Freude über all die Listen mit. Ich bin super dankbar für seine genauen Beobachtungsfähigkeiten und seine Liebe für Zahlen, Programmieren, Automatisieren und Listen. Als er mir, nachdem er mir einen Einblick gegeben hat, dann begeistert anbietet, dass wir uns auch nochmal ganz in Ruhe zusammensetzen können und ich mir ja mal überlegen kann, zu welchen Zahlen ich denn gern noch mehr wissen möchte, überkommt mich ein so heftiger Lachkrampf, dass ich Tränen lache und fast vom Bett falle. Ich kann einfach nichts dagegen tun, es blubbert nur so aus mir heraus. Zuerst schaut Christian ganz verwirrt und ein wenig verletzt drein; als ich dann anbiete, dass er mir gern auch tiefgründigere Fragen in Bezug auf Strickprojekte stellen kann, für die er sich interessiert, stimmt er mit ein. Ich glaube, er freut sich ganz schön darauf, wenn er wieder mit Kollegen von der Arbeit begeisterungsfähigere Gegenüber für Zahlen-, Programmier- und Listentalk vor sich haben wird.
Gegen Mittag mache ich uns ein großes Müsli zum Frühstück, danach versinken wir wieder in unser beider Welten. Ich in meiner Schnulz-Strick-Bubble und Christian in seiner Technik-Programmier-Bubble. Neues Topic für ihn ist das Anreichern unserer Fotos und Videos mit den korrekten Metadaten, so dass man sie entweder nach Ort oder Zeit sortieren könnte. Bei der Zeit allerdings wird es knifflig, da bei den meisten Fotos und Videos einfach die UTC hinterlegt ist. Christian möchte, dass bei den Fotos allerdings auch Zeitverschiebung und, wenn nötig, auch die Sommerzeit mit einberechnet werden. Wir haben auf dem Weg ja wirklich einige Zeitzonen passiert. Hier haben wir „nur“ noch 4,5 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland, wir waren aber in der Ecke in British Columbia ja auch schon 9 Stunden entfernt. Mein Kopf würde hier mal wieder aufgeben, Christian verbringt den Nachmittag damit, dieses Rätsel zu knacken und es lösungsorientiert anzugehen.
Am Nachmittag klart es auf, der Himmel ist wieder blau, und die Türen können geöffnet werden. Die Luft ist frisch und klar, und wir genießen es, nicht mehr zu schwitzen und zu kleben. So schreitet der Tag weiter vor sich hin, wir genießen unsere Höhle, aber versinken zwischenzeitlich auch immer wieder in die traumhaften Weitsichten dieses Ortes. Gegen Abend macht sich Christian dann auf zum Gassi-Gang mit Bella, und ich mache mich ans Abendessen. So langsam steht immer mehr Resteverwertung auf dem Plan. Da wir Freddie in sechs Tagen am Hafen abgeben, werden wir nicht wie sonst alle Vorräte nochmal auffüllen. So geht es heute Abend Kartoffeln, Sellerie, Zwiebeln, Karotten, Knoblauch, Tomatenmark und Chilibohnen an den Kragen. Heraus kommt eine große Portion Kartoffelpüree mit einer Chili-ähnlichen Soße. Schmeckt tatsächlich ganz gut, hätte ich so als Kombi wahrscheinlich sonst nie gekocht.
Während dem Essen führen wir uns den zweiten Deadpool-Film zu Gemüte, da wir den neuen „Deadpool & Wolverine“ gern in Halifax im Kino schauen möchten. Nachdem das Essen verputzt, das Geschirr gespült und der Film geschaut ist, beende ich noch meinen Bridgerton-Marathon und Christian setzt seinen Programmier-Marathon fort. Was für ein schöner, aber mal so ganz anderer Tag, der dann doch recht schnell vorbeigegangen ist.Leia mais
Die Rückreise beginnt
7–8 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 18 °C
Schon wieder werde ich früh und ohne Wecker wach, obwohl es fast zwei Uhr war, als ich die Augen zugemacht habe. Innerlich bereite ich mich scheinbar schon wieder auf die Wiedereingliederung vor. Hanna gebe ich aber erstmal noch fast eine Stunde Zeit, bevor ich sie sanft und zärtlich wecke. Die Reaktion ist ähnlich wie gestern, aber nach und nach wird ihr Blick klarer.
Die Morgenrunde möchte sie sich dann auch nicht nehmen lassen – ich habe gestern Abend schon „Auf Wiedersehen“ gesagt. Während sich die beiden also auf den Weg machen, kümmere ich mich um die Heißgetränke und mache in Freddie schonmal klar Schiff für die bevorstehende Abfahrt. Viel Unordnung haben wir nicht gemacht, aber trotzdem gilt es, das ein oder andere zu verräumen, kurz zu fegen und unseren Müll schonmal in der Fahrerkabine bereit zu legen.
Den Kaffee genießen wir beide dann aber noch in Ruhe mit dem gewohnt wundervollen Blick auf das Meer. Etwas Schwermut ist heute Morgen schon dabei, aber wir lassen uns beide von ihr nicht überwältigen – noch ist ja Sabbatical!
Gegen 10 Uhr rollen wir dann los und stoppen noch einmal kurz am Crows Nest Cafe, wo Hanna für uns ein kleines Frühstück in Form von Scones und Muffins besorgt. Wahnsinnig lecker, und zum Glück sind die leckeren Kalorienbomben verhältnismäßig klein.
Wie beim letzten Mal stoppen wir auch diesmal wieder am Peytons Campground. Die Dusche ist längst überfällig und auch wenn die letzte Wäsche nur knapp 10 Tage her ist, hat das warme Wetter für etwas mehr dreckige Wäsche gesorgt. Und so können wir dann auch die Schmutzwäsche der nächsten paar Tage gut im Flugzeug mitnehmen. Während die Wäsche ihre Runde im Trockner dreht, nutzen wir die Zeit und schreiben Berichte. Bevor wir Twillingate endgültig verlassen, stoppen wir noch einmal an der Dumping Station. Wir fühlen uns, als würden wir gerade in den Urlaub starten: frisch geduscht, alles frisch gewaschen, kein Müll an Bord, und die Wassertanks sind gefüllt bzw. geleert.
Etwas über eine Stunde brauchen wir, bis wir wieder auf dem Trans Canada Highway angekommen sind. Unterwegs genießen wir mal wieder die Aussicht auf die wunderschöne Landschaft. Nachdem wir schauen, wann wir genau beim Check-In an der Fähre sein müssen, stellen wir überrascht fest, dass wir diese für den Samstag und nicht, wie in meinem Kopf gedacht, am Freitag nehmen. Somit haben wir unverhofft noch einen Tag mehr.
Wir entscheiden uns für einen Stopp inklusive Übernachtung an einer kleinen Brauerei, bei der wir schon auf dem Hinweg überlegt hatten, ob wir hier stoppen sollen. Die Anfrage via Harvest Hosts ist schnell gestellt und es dauert nicht lang, bis wir die Bestätigung bekommen: Bier ahoi!
Nach gut zwei Stunden halten wir an und während Hanna uns ein Frühstück in Form von leckeren Sandwiches zubereitet, tanke ich Freddie mal wieder auf. Es wird die wahrscheinlich vorletzte Tankfüllung in Nordamerika sein (na, wie oft waren wir wohl bislang tanken?). Mir gelingt es dann natürlich, mich beim Essen mit Tomate und Mayonnaise vollkommen einzusauen. Gut, dass wir heute Morgen gewaschen haben.
Gegen 17 Uhr erreichen wir dann das kleine verschlafene, aber wirklich süße Nest „Pilley’s Island“, wo das „Bumblebee Bight Inn & Brewery“ sein Zuhause hat. Das Wetter, wenn auch windig, lädt zum Verweilen auf der Außenterrasse ein, und hier ist auch Bella herzlich willkommen. Wir starten mit einem Flight von vier verschiedenen Bieren (Lager und Red für Hanna, Porter und Ale für mich) und entscheiden uns für ein Steak als kulinarische Begleitung. Die Biere schmecken gut, Hanna und ich tauschen untereinander das Ale gegen das Red aus.
Als uns wenig später das Essen serviert wird, entscheiden wir uns beide für einen Pint Porter bzw. Ale. Unsere Teller sind je zur Hälfte von handgeschnittenen Pommes und zur anderen Hälfte von einem dicken Sirloin-Steak belegt. Das sind die größten Steaks, die wir je auf den Tellern hatten, und zügig beginnt das große Mampfen.
Das Fleisch ist von ziemlich guter Qualität, aber leider nicht wirklich gleichmäßig durchgebraten. Wir sind etwas enttäuscht, obwohl es alles in allem sehr lecker ist. In einem kleinen Fischerdorf Steak zu bestellen, war wahrscheinlich auch nicht die beste Idee unserer Reise. Satt und ja, auch zufrieden, entscheiden wir uns für eine weitere Bierrunde. Bella wird nach dem Essen ordentlich von den beiden Servicekräften angeschmachtet, fotografiert und wir kommen auch ein wenig ins Gespräch. Man merkt den beiden jungen Damen den bodenständigen Charme einer 900-Seelen-Gemeinde an, und so ist das Gespräch sehr herzlich und erfrischend.
Die Dame am Nebentisch überhört, dass wir aus Deutschland kommen, und so verquatschen wir uns für die nächsten 90 Minuten mit Tina aus Clarrenville, Neufundland, die gerade etwas Urlaub mit ihrem Zelt in der Gegend macht. Wir berichten von unserer Reise und von dem Erlebten aus Neufundland, und fast alle Fragen, ob wir diesen oder jenen Ort auf Neufundland besucht haben, können wir mit einem „Ja“ und einer kleinen Anekdote beantworten.
Tina ist 52, wie Hanna Lehrerin, und kann in zwei Jahren in Pension gehen. Nicht nur Hanna macht dabei große Augen! Vielleicht also doch Kanada als neue Heimat? 😉
Nachdem wir uns noch über das ein oder andere Thema ausgetauscht haben, macht sich Tina auf den Weg – sie muss noch einen Platz für ihr Zelt finden. Auf dem Grundstück der Brauerei ist dies leider nicht erlaubt.
Eine letzte Runde Bier wird es für uns beide, bevor wir um kurz vor acht passend zum Schließen die Brauerei verlassen. Beseelt und leichtfüßig spazieren wir noch durch das kleine Nest und kommen schließlich fast pünktlich zum Sonnenuntergang am Aussichtsturm an. Wie unfassbar schön es auch hier ist. Auf und in Neufundland eine nicht so schöne Ecke zu entdecken, ist wahrlich eine Kunst.
Zurück in Freddie machen wir uns dann recht schnell bettfertig und beginnen noch einen Film. Ob es das Bier, das deftige Essen, die Eindrücke oder die irische Musik ist, die aus einem benachbarten Garten in Freddie hinweht, kann ich nicht mehr sagen. Meine Augen werden aber recht zügig sehr schwer, sodass wir den Film nach noch nicht einmal der Hälfte pausieren und ich selbst für meine Verhältnisse sehr schnell einschlafe.Leia mais
Weiter gen Süden oder so
8–9 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 16 °C
Die Sonnenstrahlen erhitzen Freddie heute recht schnell, doch durch die offenen Fenster weht eine angenehm kühle Brise. Es fällt schwer, sich aus dem Bett zu pellen und nicht noch länger im kuscheligen Nest zu verweilen. Besonders morgens zählt mein Kopf fast unbewusst auf, wie viele Nächte und kuschelige Morgen uns in Freddie noch bleiben. Klar, man kann auch zu Hause gemütlich im Bett in den Tag starten, aber in den nächsten Wochen wird es schnell nicht mehr selbstverständlich sein, gemeinsam ausschlafen zu können. Ach ja, das werde ich vermissen.
Nach nicht allzu langem Prokrastinieren mache ich mich dennoch auf zu einem Gassigang mit Bella. Die Aussicht aus den Fenstern ist auch am Morgen immer noch bezaubernd. Die frische Luft tut gut, und auch heute Morgen denke ich darüber nach, wie schön es ist, direkt nach dem Aufstehen Wasser – hier in Form der Labradorsee – vor der Nase zu haben. Bella und ich stapfen durch das kleine Dörfchen, vorbei an bunten Holzhäusern, die am hauseigenen Steg häufig ein Bötchen und manchmal auch eine Menge Krabbennetze gestapelt haben.
Zurück bei Freddie machen Christian und ich es uns nochmal mit einem Käffchen im Bett und am Tisch gemütlich und tippen munter die Berichte der letzten Tage zu Ende. Noch vor der Mittagszeit geht es dann weiter in Richtung Trans-Canada-Highway. Wie gern würde ich noch mehr Winkel und Dörfchen an der Küste Neufundlands entdecken und mir dafür ordentlich Zeit nehmen.
Unser Plan für heute ist es, Richtung Stephenville zu fahren. Entweder möchten wir noch eine Nacht am Boutte du Cap vom Anfang unserer Neufundlandzeit verbringen, oder irgendwo in der Nähe des Städtchens übernachten. Bevor wir übermorgen die Fähre zum Festland nehmen, möchten wir noch in den Genuss der Crêpes der Wild Strawberry Crêperie kommen. Beim letzten Mal waren wir leider etwas zu spät dran und haben „nur“ ein köstliches Müsli genossen. Wir rollen die nächsten Stunden über den Highway, und nicht selten entwischt mir ein „Es ist einfach so unfassbar schön hier“. Meine Gefühle purzeln heute zwischenzeitlich ziemlich durcheinander und sind schwer greifbar, auch nicht so leicht zu benennen. Es ist nicht einfach nur ein „Ich will nicht zurück in den Alltag“. Sie reichen von Dankbarkeit, Demut, Wehmut, Sorge vor dem Alltag (und davor, sich allzu schnell davon verschlingen zu lassen), über das Aufsaugen letzter Momente, Staunen und Erinnerungen aufleben lassen bis hin zu bittersüßem Abschiedsschmerz. Und ich glaube, da spielt noch einiges mehr mit hinein. Klar, die Zeit hier war in den letzten Monaten wahnsinnig intensiv. Zum Verarbeiten wird es gut sein, mal wieder anzukommen und Revue passieren zu lassen, aber mir wird auch einiges fehlen, obwohl ich mich auch auf vieles freue. Naja, ein bisschen Gefühlschaos ist angesagt, und ich hänge viel meinen Gedanken nach. Zwischendurch halten wir an, um beim Dominion nochmal Zahnpasta zu besorgen. Es fällt schwer, nicht doch noch einige andere Dinge einzupacken und sich bewusst zu machen, dass wir Freddie nicht nochmal aufstocken werden und der letzte große Einkauf heimlich, still und leise an uns vorbeigezogen ist.
Christian findet während der Fahrt eine Imbissbude, bei der er gern „Frühstücken“ möchte. Heute braucht es auch nicht viel, um mich zu überzeugen. Die Haferflocken, die wir noch haben, schaffen es auch bis in vier Wochen nach Deutschland. Und ein paar Morgen haben wir ja noch, an denen wir eventuell die letzten Frühstücksvorräte aufbrauchen können. So halten wir kurze Zeit später in Corner Brook bei Sammich & Phillipino Barbecue. Hört sich nach einer wilden Mischung an, ist es auch. Neben Burgern und ausgewählten asiatischen Gerichten gibt es hier auch eine Patisserie. Der Laden ist super bewertet, und wir sind hin und weg von dem Roadhouse- und Brisket-Burger sowie den selbstgemachten Pommes. Zum Nachtisch nehmen wir uns eine Zimtschnecke und ein Päckchen Pastéis de Nata mit. Christian hat mittlerweile einen Platz auf iOverlander gefunden, der sich mal wieder traumhaft anhört. Plan: Wir fahren ihn an und wenn er uns nicht zusagt, können wir immer noch zum Cap du Bouttes hoppeln. Gegen vier Uhr erreichen wir ein wunderschönes Plätzchen direkt an einer Landzunge, sodass wir auf einem grünen Fleck parken, der rechts und links von Wasser umgeben ist. Ganz anders, ohne Klippen und tief abfallende Hänge, aber mit ordentlich Hügeln am Horizont sowie Strand und Wellengeplätscher direkt vor unserer Nase. Zauberschön – mal wieder. Wir machen erstmal ein Nachmittagskäffchen und genießen dazu die leckeren süßen Teilchen. Der Nachmittag plätschert ein wenig dahin, und wir schauen den angefangenen X-Men-Film von gestern zu Ende. Dann macht sich Christian mit Bella zu einer Abendrunde auf, und ich überlege, was ich aus den noch vorhandenen Resten kochen kann.
Ich entscheide mich für selbstgemachte Gnocchi, so bekomme ich sowohl Kartoffeln als auch Mehl und Muskatnuss leer und kann noch ein Ei verwerten. Außerdem haben wir noch eine Menge Gas und Wasser. Dosentomaten, Knoblauch und Chili ergeben eine passende Soße. Allerdings habe ich Gnocchi tatsächlich noch nie selbst gemacht, und kurze Zeit später merke ich, dass es zwar wirklich Spaß macht, aber auch eine ziemlich matschige Angelegenheit ist. Während des Kochens läuft Musik, die Tür steht offen, und auch jetzt bin ich immer wieder hin- und hergerissen zwischen Genießen und Wehmut. Ein paar Tränchen fließen (ich kann nicht mal mehr sagen, ob vor Dankbarkeit und Erfüllung oder vor Abschiedsschmerz und Wehmut), und beim nächsten Lied trällere ich laut mit und tanze vor der Anrichte herum. Alles rauslassen, was keine Miete zahlt, woll? Christian kommt wieder und holt noch die Drohne heraus, um den Moment und diesen wunderschönen Ort einzufangen, während ich versuche, den Teig unklebrig hinzubekommen.
Als das Essen fertig ist, bin ich sogar recht zufrieden mit dem Ergebnis, und auch Christian sagt, dass es schmeckt. Wir genießen dazu einen guten Tropfen des letzten Pinot Grigio, und Christian macht sich bald nach dem Essen ans Spülen. Zum Ausklang des Abends gibt es noch einen weiteren X-Men-Teil und einen wunderschönen Sonnenuntergang obendrauf. Wat ein schöner Tag, mal wieder.Leia mais
Frühstück der Champions
9–10 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 21 °C
Sanft von den Sonnenstrahlen an diesem Freitag geweckt zu werden, lässt auch direkt die Gewissheit in Freddie einziehen, dass es heute der letzte Tag auf Neufundland ist und zugleich der letzte Tag, der nicht unter dem Stern der Rückreise steht. Auch wenn diese Gewissheit dazu einlädt, den Morgen in Freddie noch einmal ganz besonders zu genießen, verzichten wir auf den Kaffee. Während Hanna mit Bella am Strand entlang des „Mini“-Deichs spaziert, koche ich nur Tee und mache unser rollendes Zuhause für die Abfahrt bereit.
Nachdem die beiden wieder zurück sind und sehr zufrieden wirken, machen wir uns auch direkt auf den Weg. Es geht für uns heute Morgen direkt zum „The Wild Strawberry Crêperie & Café“ – die Crêpes locken. Auf dem Hinweg hatte die Küche dort schon keine Crêpes mehr vorrätig, und dieser Fehler soll sich heute nicht wiederholen, als wir gegen kurz nach 10 Uhr das kleine Café betreten.
Die Rechnung haben wir heute Morgen aber auch ohne den Wirt bzw. die Köchin gemacht: Wir sind deutlich zu früh für Crêpes. Etwas „traurig“ wird es so also nur das Frühstückssandwich für uns in Kombination mit einem leckeren Latte Macchiato. Wir nehmen wieder in der gleichen Ecke wie beim letzten Mal Platz und bekommen wenig später das Frühstück serviert. Auf der einen Hälfte eines Cheddar-Scones befindet sich ein an Eierstich anmutendes Omelett im Blockformat, die andere Hälfte ist mit Zwiebelmarmelade, Salat, Käse und einer Scheibe Schinken bestrichen bzw. belegt.
Nach dem ersten Bissen in das Sandwich sind wir beide auch sofort versöhnt mit dem Verzicht auf die Crêpes. Während wir satt in den schönen Sesseln sitzen und noch am Kaffee schlürfen, kümmere ich mich schon einmal um die Reservierung einer Transportbox für Bella in einem der Tiergeschäfte in Halifax. Unsere gewünschte Größe ist in verschiedenen Läden vorhanden, sogar auch direkt in einem Pet Valu hier um die Ecke. Es ist noch keine 12 Uhr, als wir das Café verlassen, und da wir heute auch nur knapp 80 Kilometer fahren wollen, stoppen wir noch eben bei besagtem Laden und kaufen direkt die Transportbox. Was erledigt ist, ist erledigt, und so hatte Bella auch noch zwei Tage mehr Zeit, um sich an die Kiste zu gewöhnen.
Als Ziel für heute haben wir einen Stellplatz in der Nähe eines Leuchtturms auserkoren und steuern diesen dann auch an. Das Wetter ist angenehm kühl, die Sonne scheint und so können wir entlang des Highways immer wieder die verschiedenen Aussichten aufsaugen. Es ist wirklich so unfassbar schön auf Neufundland. Am Leuchtturm angekommen, stellen wir dann fest, dass der Platz wirklich wunderschön ist, wir uns aber mitten in Sichtweite von Wohnhäusern und einem kleinen Bed & Breakfast befinden. Nach kurzem Überlegen fahren wir dann doch noch weiter.
Den nächsten beiden Plätzen fehlt dann irgendwie der Charme, sodass wir uns am Ende für eine Nacht im Provincial Park entscheiden – inklusive des Vorteils von Toiletten, Duschen und einer Geschirrspülstation.
Den Nachmittag verbringen wir beide dann recht entspannt in Freddie lesend, programmierend und zwischendurch immer wieder mit einem Innehalten und Revue passieren lassen der letzten 24 Tage, die wir auf Neufundland verbracht haben. Die Transportbox für Bella platzieren wir draußen, und nachdem wir sie beim ersten Mal noch mit ein paar Leckerchen gelockt haben, döst Bella den ganzen Nachmittag ohne Murren und Knurren in ihrer Kiste. Perfekt!
Am Abend zaubert Hanna uns aus den letzten Resten, die wir noch in Freddie haben, eine riesige Portion Ramen, während ich die Gegend mit Bella erkunde. Der Spaziergang durch ein kleines Waldstück und später entlang einer felsigen Heide begeistert mich mal wieder total und bietet auf ein paar wenigen Kilometern eine unglaubliche Vielfalt.
Als wir uns für das Bett fertig machen, wird es in Freddie kurzzeitig etwas „eng“. Die Transportbox – Ober- und Unterseite ineinander gestellt – nimmt ziemlich viel Platz in Anspruch. In Teamarbeit gelingt es uns, in bester Tetris-Manier die beste Position zu finden, sodass wir auch immer noch unsere Toilette verwenden können. Es ist noch keine 23 Uhr, als wir das Licht ausmachen, der Film des heutigen Abends gelaufen ist und wir uns ins Land der Träume verabschieden.Leia mais

Viajante
Ich habe natürlich Frühstück der Champignons gelesen und gerade die Pilze 🍄 gesucht. 🙋♀️
Auf WIEDERsehen, Neufundland!
10–11 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 24 °C
Heute Nacht hat es ordentlich geregnet, und als wir aufwachen, merke ich, dass ich scheinbar das Fenster nicht – wie gedacht oder dann scheinbar geträumt – im Halbschlaf geschlossen habe, als ich das Plätschern gehört habe. Der obere Teil der Decke ist ein wenig nass, aber immerhin nicht komplett durchgeweicht.
So bin ich aber immerhin recht schnell wach. Ich bin froh, dass wir uns gestern einfach für eine Nacht in diesem Provincial Park eingemietet haben. Wir haben bis zur Fähre nur eine knappe Viertelstunde Autofahrt vor uns, was den Morgen herrlich entzerrt. Auch wenn der Tag unter dem Stern „Abschied von Neufundland“ und „Reise“ steht. Unser Schiff legt um 11:45 Uhr ab, zum Einchecken soll man mindestens drei Stunden vorher da sein, unser innerer Alman lässt uns natürlich ein wenig Zeitpuffer einplanen. Nach dem Aufstehen ziehen wir uns flugs an, nutzen kurz die Toiletten, machen alle Spanngurte fest und hopsen ins Fahrerhaus, um zügig losfahren zu können. So kommen wir um kurz nach acht bereits am Hafen an. Aktuell verlockt Freddie nicht so sehr zum gemütlichen Einkuscheln, da Bellas Box so viel Platz einnimmt, dass man sich eigentlich nur auf dem Bett frei bewegen kann 😂.
Als wir auf der uns zugewiesenen Spur geparkt haben, schnappe ich mir Bella und watschel mit Regenjacke los zu einem kleinen Morgenwalk. Ich bin immer wieder so dankbar für unsere tiefenentspannte Fellnase, die ohne zu blinzeln heute Nacht ganz selbstverständlich in ihrer Flugzeugbox geschlafen hat, ohne Probleme superlange Fährfahrten verpennt, stundenlange Autofahrten sogar zu genießen scheint und auch sonst allen möglichen Quatsch mit einer ganz besonderen Begeisterung mitmacht. Nachdem wir einige Winkel und auch den Hundebereich des Hafens ganz genau erkundet haben, gehen wir wieder zurück zu unserem Blechheim, wo bereits frisch gekochter Kaffee von Mister Toll auf uns wartet.
Die Zeit bis zur Abfahrt vertreiben wir uns mit Computerkram und Lesen und rollen gegen elf Uhr auf die Fähre. Wir gehen zügig auf Deck 8, das uns letztes Mal bereits von einem Mitarbeiter als einer der ruhigeren Bereiche angepriesen wurde. Witzigerweise ist genau die gleiche Sitzreihe frei, die wir auch auf der Hinreise (wenn auch auf einem anderen Schiff) genutzt haben. Ein Zweier sofort am Fenster mit ordentlich Beinfreiheit. Perfekt! Wir richten uns das Plätzchen gemütlich ein, und ein Blick nach draußen macht uns den Abschied immerhin nicht allzu schwer. Es steht eine ordentlich dichte Nebelsuppe in der Luft, zwischenzeitlich nieselt es immer wieder, und für die Überfahrt ist ordentlich Wind angesagt. Verrückt, dass diese Fährfahrt zwischen Port aux Basques und North Sydney mit guten sechs Stunden sogar wahrscheinlich ein bisschen länger dauern wird als unser Rückflug am Dienstag von Halifax nach Frankfurt.
Wir schippern los und nehmen Abschied von diesem wunderschönen Fleckchen Erde, das nach British Columbia unser Herz ebenfalls im Sturm erobert hat. Wir haben insgesamt drei Wochen auf Neufundland verbracht und sind so bezaubert von der Schönheit der rauen Natur, dem unglaublich breiten Angebot atemberaubender Stellplätze, der Tierwelt und den Menschen. Ich bin mir sicher, dass wir noch nicht mit Neufundland und Neufundland noch nicht mit uns fertig sind/ist. Wir schippern zu Beginn noch etwas an der Küste entlang, und langsam lichtet sich der Nebel, während die Schwaden an den grünen Klippen entlangwabern. Was für ein schöner Abschiedsanblick.
Zum Frühstück besorgt Christian uns Paninis, die wir an unseren Plätzen vor uns hin mümmeln. Christian hat angefangen, die Beverly Hills Cop-Reihe zu schauen und verkriecht sich zwischendurch unter seine Jacke, damit das Licht nicht so sehr blendet. Ich widme mich meinem Ken-Follett-Buch und so zieht die Zeit an uns vorbei. Um uns herum ist es neben lautstarkem Schnarchen und starkem Husten (😕) recht ruhig. Gegen zwei wanken wir ins Restaurant (da merkt man erst, wenn man läuft, wie sehr das Schiff unter uns schwankt) und genehmigen uns hier ein Mittagessen: Fish and Chips für Christian und Lachs im Kräutermantel mit Süßkartoffelpommes für mich. Die restlichen Stunden der Überfahrt verlaufen ähnlich wie die ersten; ich wechsle zwischendurch von Buch auf Kopfhörer und Musikbeschallung und blende so die tiefgründigen Gespräche zweier mittelalter Damen aus (beide Königinnen im Schnarchen und Husten), die in aller Gründlichkeit darüber philosophieren, welche der Kleinkinder, die weiter hinten Geräusche machen, noch nie in ihrem Leben ein „Nein“ gehört haben können und was all die Eltern denn viel besser machen könnten. Schade, dass es solche Menschen überall zu geben scheint. Wobei sie ja scheinbar alles wissen und somit besser als jeder andere zum Aufbau einer besseren, wenn nicht gar perfekten, Welt beitragen könnten („Ironie off!“).
Ziemlich pünktlich landen wir in Nova Scotia und rollen um kurz nach sechs wieder an Land. Wir haben noch knapp 400 Kilometer und demnach noch fünf Stündchen bis Halifax zu fahren. Hier werden wir ab morgen ein Hotelzimmer haben, am Montag Freddie zum Hafen bringen und ab Dienstag heimwärts fliegen. Das alles fühlt sich trotz bewusstem Auseinandersetzen einfach so surreal an. Nicht mehr in Freddie schlafen? Freddie zusammenpacken und schiffsfein machen? Sachen für zu Hause zusammenpacken? Zurück in den Alltag der letzten Jahre? All das fühlt sich so weit weg an.
Wir überlegen, dass wir durchaus noch eine gute Strecke fahren können, und so morgen nicht mehr so viel vor der Brust haben, wenn wir Freddie dann noch zusammenpacken müssen und Christian nochmal in die Waschstraße düst. Wir landen also nach ein paar Stündchen kurz nach Sonnenuntergang auf einem Walmart-Parkplatz in Antigonish. Auch ein wenig witzig, dass wir die erste und die letzte Nacht in Freddie auf einem Walmart-Parkplatz verbracht haben.
Christian geht noch ein Ründchen mit Bella und ich verwerte alles bis auf eine Birne und zwei Esslöffel Joghurt in einem schnellen Shakshuka. Danach geht’s recht flugs ins Bettchen, und der Gedanke, dass das das letzte Mal Kochen in Freddie, das letzte Mal Schlafen in Freddie und allgemein ganz schön viele letzte Male im Sabbatical sind, hat einen bittersüßen Beigeschmack.Leia mais
Der Anfang vom Ende!
11–12 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 28 °C
Obwohl wir nur noch zwei Stunden bis nach Halifax fahren müssen und das Einchecken im Hotel erst ab 16 Uhr möglich ist, werden wir ziemlich früh wach. Zum einen liegt es an der Wärme, die die Temperatur bereits um 8 Uhr auf über 27 °C in Freddie steigen lässt. Mal eben die Türen weit aufsperren und eine kühle Brise durch Freddie wehen lassen ist nicht möglich. Zum einen, weil es für die letzte Nacht der praktische Walmart-Parkplatz geworden ist, zum anderen, weil es draußen auch schon über 26 °C sind. Auch wenn der Abschiedsschmerz in ganz vielen kleinen Momenten und Handgriffen an diesem Morgen lauert, können wir uns zumindest auf die Klimaanlage im Hotel freuen, da wir dort zwei Nächte verbringen werden.
Hanna spaziert eine Runde entlang der großzügigen Grasflächen um die Supermärkte, und ich bereite alles für die Abfahrt vor. Im Starbucks nebenan bestellen wir noch Kaffee – heute zwei für jeden von uns (heiß & kalt), die wir vor der Abfahrt einsammeln.
Auf dem Weg nach Halifax machen wir noch einen kurzen Halt in New Glasgow und nutzen die Entleerungsstation an einer örtlichen Tankstelle. Praktischerweise stehen hier auch große Mülltonnen, sodass wir einiges entsorgen können, das wir weder verschiffen noch im Flugzeug mitnehmen dürfen. Mit leeren Tanks und nur noch Sechssachen fahren wir weiter. Der Fahrtwind weht uns um die Ohren, aber die Fönluft sorgt nicht wirklich für Abkühlung.
Es ist noch keine 13 Uhr, als wir in Halifax, genauer gesagt in Dartmouth, ankommen und auf dem kostenlosen Parkplatz des Hotels im Schatten parken können. Obwohl es noch knapp drei Stunden dauert, bis wir das Zimmer beziehen können, frage ich an der Rezeption nach, ab wann das Zimmer bereit wäre. Mal wieder mit einem Quäntchen Glück (und dank der Kreditkarte mit Gold-Status in der Hotelkette) können wir bereits jetzt aufs Zimmer. Die Gelegenheit nutzen wir direkt: einmal die Keramikabteilung ausprobieren und die Transportbox ins Zimmer verlagern, damit es in Freddie etwas geräumiger wird.
Zurück bei Freddie beginnt dann das große Packen! Wir haben leider kein Zeitraffervideo gemacht, aber es dauert keine zwei Stunden, bis wir unseren Hausstand von sechs Monaten auseinander dividiert und alles, was wir im Flugzeug versenden wollen, ins Hotelzimmer gebracht haben. Wir haben uns vorher Gedanken gemacht, wie schnell bzw. langsam und stressig das Ganze vonstattengehen wird, und sind mal wieder von unserer Effektivität überrascht. Das nun karge Wohnzimmer der letzten sechs Monate verlassen wir dann zugunsten des Hotelzimmers.
Wir sortieren noch ein wenig das Chaos im Zimmer und richten es uns gemütlich ein, bevor sich unsere Wege dann trennen. Hanna und Bella erkunden den Park auf der anderen Seite des Highways, und ich fahre mit Freddie durch die Waschstraße. Von außen wird Freddie sauberer als von innen; hier werden wir nach der Ankunft, wenn alles komplett ausgeräumt ist, mal mit Staubsauger und Bürste ausgiebig sauber machen. Aber so kommt immerhin ein Staubgemisch aus verschiedenen Bundesstaaten, Provinzen und Territorien mit über den Atlantik.
Am Hotel treffen wir fast zeitgleich ein, und ich parke Freddie extra so, dass wir ihn von unserem Zimmer aus sehen können, was bei uns beiden den Herzschmerz etwas verringert. Wir sind beide etwas überfordert, dass wir um 18 Uhr bereits das komplette Tageswerk erledigt haben, und auch ein wenig müde. Auf dem Bett machen wir beide erstmal eine kurze Pause und überlegen noch einmal in Ruhe, ob wir an alles gedacht haben oder ob wir etwas vergessen haben. Außer dem Tausch der zurzeit siegellosen Kennzeichen am nächsten Morgen haben wir scheinbar an alles gedacht.
Für den Besuch in Halifax hatten wir uns vorgenommen, ins Kino zu gehen, und nach einigem hin- und her raffen wir uns dann auf. Bella scheint vom ganzen Stress bedient zu sein, und fußläufig ist ein Steakhouse erreichbar, das wir dann als unser Ziel wählen. In gemütlicher, abgedunkelter Atmosphäre lassen wir uns kulinarisch verwöhnen. Hanna entdeckt einen chilenischen Pinot Grigio für sich, ich ein lokales Bier. Dazu gibt es für uns beide sehr gute Steaks mit leckeren Beilagen. Die Dessert- und Digestivkarte schlagen wir beide gut gesättigt aus, denn wir wollen danach direkt ins Kino. Keine 7 Minuten später kommen wir an und können uns die Vorstellung im Premiumkinosaal mit (fast) allen technischen Finessen, einer Portion Popcorn, Reese-Pralinen, zwei Getränken und einem Bier gönnen. Umgerechnet zahlen wir für den Spaß knapp 50 €, und im Vergleich zu deutschen Preisen ist das super! Auf dem Weg in den Kinosaal machen wir noch Halt am Butterspender für das salzigen Popcorn (wie gut ist das bitte?). Nach den teilweise bombastischen Trailern genießen wir zwei Stunden lang das aktuelle Action-Spektakel mit Ryan Reynolds und Hugh Jackman und sind vollkommen zufrieden.
Zurück im Hotel freut sich Bella wahnsinnig, uns zu sehen, und hat scheinbar die Zeit ohne uns in ihrer Transportbox geschlafen – perfekt! Mit einer breiten Palette an Gefühlen schlafen wir beide wenig später ein.Leia mais
Getrennte Wege
12–13 de ago. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 25 °C
Wir wachen nach der ersten Nacht im Hotelbett auf und haben beide leider ziemlich schlecht geschlafen. Meine Body-Batterie steht auf 37 % und Christians auf 32 % von 100 %. Wahrscheinlich ist die Umstellung vom kleinen Bettchen in Freddie auf ein so riesiges 2x2-Meter-Bett im Hotel verwirrend für unseren Körper. Zusätzlich die recht weiche Matratze, die Geräusche der Klimaanlage, die Klimaanlage selbst, Klospülgeräusche aus anderen Zimmern und die Größe dieses Raumes. Verrückt, aber wahrscheinlich werden wir uns auch recht schnell wieder daran gewöhnen. Erstmal schauen wir, wie es Freddie geht. Christian hat ihn gestern nach der Autowäsche sofort vor unserem Zimmer, drei Stockwerke tiefer, geparkt, damit wir noch ein paar Blicke auf ihn werfen können. Diese treue Blechseele, die uns in den letzten Monaten so viel Sicherheit gegeben hat und uns so treu durch die Weltgeschichte chauffiert hat. Heute steht auf dem Plan, Freddie im Hafen abzugeben. Zuerst aber nehmen wir das Hotelfrühstück mit, dann düsen wir mit Freddie zur Verschiffungsagentur, und erst danach kann es zum Hafen gehen. Die Wettervorhersage sagt, dass es heute angenehme 23 °C geben soll. Also haben wir uns gedacht, dass wir gemeinsam vom Hafen aus mit Bella die 12 km zurück zum Hotel spazieren können. So sehen wir noch etwas von Halifax und Dartmouth und bekommen ein wenig Bewegung.
Unten beim Hotelfrühstück ist die Auswahl so lala. Es gibt Bratkartoffeln, Würstchen, Rührei, Porridge, Fruchtjoghurt, Muffins, Toast und Waffeln. Um Spülkosten zu sparen, werden Pappteller, Pappschalen, Plastikbesteck und Pappbecher bereitgestellt. Immerhin steht auf dem „Geschirr“, dass es recyclebar ist. Sowas könntest du dir als Hotel in Deutschland auch nicht leisten. 😂 Aber da das Frühstück inbegriffen ist und es zusätzlich den ganzen Tag über kostenlos Tee, Kaffee und Wasser (klar, gechlort) gibt, wollen wir mal keine Ansprüche stellen. Gesättigt und bereit für den Tag (so bereit, wie man für den Abschied von Freddie sein kann) gehen wir hoch ins Zimmer, um Bella abzuholen und zu überprüfen, ob wir alles beisammen haben, was wir für die Abgabe brauchen.
Um 9:00 Uhr macht die Verschiffungsagentur auf und wir rollen um 9:20 Uhr auf den Hof. Hier steht auch ein weiteres deutsches Wohnmobil, das scheinbar mit der Anmeldung bereits durch ist und sich gerade auf den Weg zum Hafen macht. Die Atlantic Sky, das Schiff, auf dem Freddie zurück nach Deutschland transportiert wird, wird am Donnerstag die Leinen lösen. Heute ist der letztmögliche Abgabetermin. Eine kleine Stimme in mir denkt darüber nach, dass heute alles glatt laufen muss, damit unser Rückreiseplan aufgeht. Im nächsten Moment denke ich mir jedoch, dass schon alles passen wird – was soll schon dazwischenkommen? Dafür ist in den letzten sechs Monaten alles zu glatt gelaufen. Das wird sich heute schon nicht ändern. Während Christian den Papierkram mit der Agentur organisiert, alle wichtigen Daten abgleicht und die Unterlagen für den Hafen abholt, laufe ich mit Bella einmal die Straße entlang und wieder zurück. Keine Viertelstunde später machen wir uns auf den Weg und rollen in Richtung Hafen. Neben uns werden heute noch zwei weitere deutsche Fahrzeuge von der Agentur erwartet. In den 20 Minuten vor uns waren bereits neun andere deutsche Fahrzeuge da, die ebenfalls am Donnerstag mit Freddie verschifft werden.
Auf dem Weg zum Hafen wollen wir eine Mautbrücke nutzen, die man allerdings nur mit Bargeld bezahlen kann. Da wir gestern beim Autowaschen unser ganzes Bargeld ausgegeben haben, müssen wir eine kleine Umleitung von 25 Minuten in Kauf nehmen. Das kommt uns sogar recht gelegen, weil bei der Abgabe in Freddie nicht mehr als 20 % restliches Tankvolumen vorhanden sein sollen. Christian ist der Meinung, dass darauf wahrscheinlich nicht so genau geachtet wird. Ich möchte jedoch nichts dem Zufall überlassen – es wäre ja schon doof, wenn Freddie nicht verschifft werden könnte, weil zu viel Diesel im Tank ist... auch wenn Christian wahrscheinlich absolut recht hat, dass es sich eher um einen Richtwert als um eine strikte Vorgabe handelt.
Am Hafen angekommen, geht dann alles recht schnell. Auf den letzten Metern sausen mir so viele schöne Erinnerungen der letzten Monate durch den Kopf, und ich kann gar nicht glauben, dass dies vorerst die letzte, viel zu kurze Fahrt auf dem amerikanischen Kontinent mit Freddie sein soll. Kurz vor dem Hafengelände parken wir noch einmal, machen ein paar Fotos für die Verschiffungsagentur, ich sage Freddie Tschüss, Christian zieht sich eine schicke Warnweste an, und dann heißt es für Bella und mich, einen Schattenplatz zu suchen, während Christian Freddie zu seinem Bestimmungsort bringt und ihn übergibt. Ich beobachte, wie Freddie und Christian auf dem Hafengelände verschwinden und warte gespannt, ob alles klar geht.
Nach knappen 20 Minuten bekomme ich eine Nachricht, in der Christian fragt, wo wir sind. Als er wieder bei uns ist, berichtet Christian von einer entspannten Übergabe. Scheinbar haben ein paar Franzosen, die auch ihren Camper verschiffen, vergessen, ihren Gastank zu leeren, und haben fröhlich das Gas ausströmen lassen, damit ihr Wagen dann in kürzester Zeit auch verschiffungsbereit ist. Wenn sowas schon kein Problem ist, kann man das Ganze also nochmal um einiges entspannter angehen. Ein bisschen stolz bin ich darauf, dass wir einfach alles bedacht zu haben scheinen. Da ist er nun futsch, der Freddie, und somit auch die letzte Möglichkeit, vielleicht doch noch zu verlängern und einfach auszubrechen und als Vagabunden weiter diesen Kontinent zu bereisen, bis wir dann halt wirklich fertig sind. Wobei das wahrscheinlich auch Jahre dauern würde.
Wir watscheln langsam los und unser erster Plan ist es, notgedrungen eine Toilette zu finden. Kaum ist man nicht mehr mit Freddie unterwegs – in dem man immer eine Toilette dabei hatte – bin ich damit überfordert, nicht immer und überall auf Klo zu können. Schließlich frage ich bei einer Tierarztpraxis nach, ob ich ihre Toilette benutzen kann. Danach bin ich auch regelrecht erleichtert und bereit für die 12 Kilometer Fußweg zum Hotel. Anders als gedacht, laufen wir nicht an vielen kleinen, süßen Cafés oder Restaurants vorbei, wo wir eventuell ein Päuschen eingelegt hätten. Die Sonne knallt erbarmungslos vom Himmel und es hat statt der gemeldeten 23 °C locker 28 °C. Trotzdem ist die Strecke schön. Wir queren mittels einer Brücke den Meeresarm, über den Freddie die Bucht in ein paar Tagen verlassen wird, laufen durch einen Teil der Innenstadt, wunderschöne Wohngegenden und schließlich auch durch den Shubie-Park, der vom Micmac-See bis zum Charles-See führt. Beide sind durch eine schön gepflegte Grünanlage verbunden und laden mitten in der Stadt zum Verweilen und Seele baumeln lassen ein.
Nach drei Stunden kommen wir wieder am Hotel an und fühlen uns alle drei gleichermaßen gar gekocht. Ich falle erstmal aufs Bett, Christian hüpft unter die Dusche und Bella streckt sich neben mir auf dem Bett aus. Verrückt, dass es erst 13 Uhr ist und wir nun einfach kaum noch etwas vorbereiten müssen bis zu unserem Heimflug morgen Abend. Nach seiner Dusche ist Christian so motiviert, dass er mich fragt, ob ich Lust habe, mit ins nahegelegene Outlet-Center zu gehen, um dort ein bisschen zu stöbern. Zusätzlich könnten wir auch etwas essen gehen und für Bella einen Maulkorb für unsere ICE-Fahrt besorgen, die wir von Frankfurt nach Solingen nehmen werden. Wir sind gerade mal eine halbe Stunde wieder im Zimmer und ich fühle mich so viel mehr nach Verkriechen, Dösen, Daddeln und im kühlen Zimmer Herumfläzen, dass Christian sich kurze Zeit später allein aufmacht. Ich verbringe die folgenden Stunden mit Bella kuschelnd, dösend und duschend. Blöderweise haben wir gestern unsere Sonnencreme nicht mit ins Gepäck gepackt, und natürlich habe ich mir nun am letzten Tag einen fetten Sonnenbrand im Dekolleté und auf den Schultern geholt. Na prima.
Gegen halb vier bekomme ich eine Nachricht von Christian, in der er nur schreibt: „Essen kommt“. Kurze Zeit später wird die Zimmertür entsperrt und Christian steht mit zwei Burgern und zwei Softeis grinsend im Zimmer. Zusätzlich hat er ein paar T-Shirts geshoppt und einen Maulkorb besorgt (blöderweise ist eine falsche Größe in der Verpackung, da müssen wir also später nochmal zum Umtauschen in den Laden). Aber erstmal machen wir es uns auf dem Bett bequem und genießen Burger und Eis, während wir den X-Men-Film zu Ende schauen, den wir gestern gemeinsam begonnen haben. Ich muss an unser Hotelzimmer in Washington denken, in dem unser erster Nachmittag nach Ankunft in den USA ziemlich ähnlich ausgesehen hat.
Nach dem Film kann ich mich nach kurzer Überlegung dazu überwinden, nochmal mit Christian und Bella rauszugehen. Wir schlendern durch einen kleinen, nahegelegenen Park, durchs Outlet-Center (wo auch ich fündig werde) und entscheiden uns dann dafür, Bella aufs Zimmer zu bringen und noch etwas essen zu gehen. Gesagt, getan. Kurz danach sitzen wir im Jack Astor's und haben zur Vorspeise ein Guinness und eine Wan-Tan-Nacho-Platte vor uns. Zur Hauptspeise gibt es für Christian einen Burger und für mich Cajun-Lachs mit buntem Gemüse und Jasminreis. Das Essen ist köstlich und ein gebührender Abschluss für den letzten Abend unseres Abenteuers. Es ist kaum zu glauben, dass wir morgen einfach in den Flieger heimwärts steigen. Ich glaube, am komischsten wird es sein, in unsere Wohnung zu kommen und wie verloren in diesen riesigen Räumlichkeiten zu stehen, die gefüllt sind mit Dingen, die man eigentlich nicht braucht. Ganz ehrlich, was man sechs Monate lang nicht vermisst hat, ist doch eigentlich zu viel, oder? Tiefgründige Gedanken am Abend. Mit der Hoffnung, diese Nacht ein wenig besser zu schlafen, machen wir es uns im riesigen und weichen Hotelbett bequem und schlummern nach kurzer Zeit ein.Leia mais

ViajanteWie traurig das die Reise und die tollen Berichte enden. Ich hoffe ihr seid gut in Deutschland angekommen und konntet euch schnell akklimatisieren.

ViajanteKleiner Tipp: Landvergnügen ist jetzt flexibler. App mit online Buchung und fixen Zeitraum ab kauf. Sven und ich sind schon ordentlich an den Wochenenden unterwegs, denn „klein“ Deutschland kann auch schön sein. Viele Grüße
Grenzenloser Schwermut über den Wolken
13 de agosto de 2024, Nordatlantik ⋅ 🌬 12 °C
Das Aufwachen am Dienstag gehört definitiv zu den schwermütigsten Augenblicken der vergangenen Monate. Auch wenn wir uns mit dem Ausräumen am Sonntag und der Abgabe von Freddie gestern schon ein wenig der Realität gestellt haben, manifestiert sich diese an diesem Morgen dann doch nochmal mit einer ziemlichen Endgültigkeit. Gestern Nacht habe ich noch den größten Teil meiner Klamotten und unsere dreckige Wäsche in die Vakuumbeutel und anschließend in meine Tasche gestopft, sodass es doch recht überschaubar im Zimmer geworden ist.
Wir atmen beide einmal kräftig durch, raffen uns auf und machen uns langsam auf den Weg zum Frühstück. Auch heute Morgen ist es recht voll, aber wir finden wieder einen freien Tisch und versorgen uns mit den vermeintlich leckeren Sachen vom Buffet. Als die Gelegenheit günstig ist, nutze ich das Waffeleisen, mit dem ich uns eine frische Waffel als „Nachtisch“ des Frühstücks zaubern kann. Der leckere Teig zusammen mit der Sahne versüßt uns beiden dann den Start in den letzten Tag in Nordamerika ein wenig. Wir nehmen uns noch zwei Bananen mit und machen uns wieder auf den Weg zurück ins Zimmer. Bella begrüßt uns beide schon freudig und schaut uns in der nächsten Stunde bei unserem Treiben zu.
Nach und nach verstauen wir die restlichen Sachen in unsere Seesäcke bzw. ins Handgepäck, bis am Ende nur noch unsere Kosmetika auf das Verstauen warten. Bevor wir unter die Dusche springen, machen wir es uns noch einmal auf dem Bett gemütlich. Ein kurzes Brainstorming danach ergibt, dass unser letztes Stündlein wahrhaftig geschlagen hat – zumindest das im Hotelzimmer. Weder ein Zeitumkehrer noch ein DeLorean lassen sich auftreiben, und so machen wir uns dann mit Sack, Pack und Hund bewaffnet um kurz vor 13 Uhr auf den Weg in die Lobby. Unser Gepäck samt der Transportbox geben wir im Gepäckraum ab.
Während sich Hanna an einen der Tische setzt, schnappe ich mir Bella und spaziere mit ihr eine große Runde durch den Park. Zwischendurch kann sie mit ein paar anderen Hunden toben, aber ich nehme das Grün im Park irgendwie durch einen leichten Schleier wahr. Grob gehe ich im Kopf unsere Stopps der letzten 190 Tage durch, und passend mit der Rückkehr zum Hotel bin ich gedanklich auch bei unseren Übernachtungen am Crow Head angekommen.
Hanna ist noch immer mit dem Tippen beschäftigt und ich laufe nochmal los, um uns einen letzten Eiskaffee von Starbucks zu organisieren. Zuvor stoppe ich noch an einem Outdoorgeschäft und kaufe eine kleine Lunchbox, die sich auch als Kühlbox verwenden lässt. Die Verspätung unseres Fliegers ist zwar noch nicht offiziell angesagt, aber wenn die Maschine, mit der wir zurückfliegen, mit knapp drei Stunden Verspätung in Frankfurt startet, wird sich – wie von Kapelle Petra (hat nix mit meiner Tante zu tun) besungen – die Störung im Betriebsablauf wohl auch für uns bemerkbar machen. Mit der Box können wir dann das Schmelzen des Trinkwassers für Bella zumindest bis zu ihrer Abgabe hinauszögern. Zurück am Hotel packen wir langsam unsere Sachen zusammen und steuern unser Taxi an, das überpünktlich zur Abholung eingetroffen ist. Die Kiste mit Bella und unsere Seesäcke sind schnell verstaut und keine 20 Minuten später sind wir auch schon am Flughafen angekommen – dank der mittlerweile angezeigten Verspätung fünf Stunden zu früh.
Wir beobachten das rege Treiben am Condor-Schalter und obwohl dieser noch lange nicht geöffnet hat, stehen unsere zumeist deutschen Mitreisenden akkurat in Reih und Glied. In Sichtweite nehmen wir zu dritt Platz und schauen uns das Treiben in aller Ruhe an. Hanna macht sich nochmal auf den Weg mit Bella entlang des Flughafens, und nach der Rückkehr warten wir noch bis halb sechs, bis wir uns am mittlerweile fast leeren Schalter anstellen. Das Überprüfen der Papiere von Bella geht ohne große Rückfragen und Probleme vonstatten, und ein paar Minuten später nehmen wir wieder am Rand Platz. Wir haben noch knapp zwei Stunden Zeit, bis wir Bella spätestens abgeben müssen, und die nächsten 90 Minuten warten wir dann noch außerhalb des Sicherheitsbereiches ab.
Nachdem wir uns mit Mutter und Tochter aus Edmonton etwas länger unterhalten haben und Bella von der Tochter kurzzeitig für Streicheleinheiten adoptiert wurde, mache ich mich nochmal auf den Weg entlang des Flughafens. Passenderweise haben die Regenschauer kurz vorher aufgehört, sodass es beim Spaziergang angenehm kühl ist. Ob Bella wegen der vielen Spaziergänge, der Abläufe am Flughafen oder sonstiger Dinge den „Braten“ schon riecht, wissen wir nicht. Sie ist alles in allem mal wieder super entspannt und begrüßt kurze Zeit später auch erstmal gewohnt herzlich die Sicherheitskraft am Sperrgepäckschalter und lässt sich in Ruhe abtasten.
Nachdem ihr Kissen durch das Röntgengerät gefahren ist, wird noch kurz die Kiste händisch untersucht. Wir demontieren anschließend die Rollen und müssen Bella ein wenig zu ihrem „Unglück“ zwingen, aber nachdem sich die Gittertür schließt, legt sie sich erstmal hin. Zumindest solange, bis wir sie auf das Rollband stellen und sie dann für die nächste Zeit hinter den schwarzen Gummilappen aus unserem Sichtfeld verschwindet.
Beim Hinflug haben wir sie in Frankfurt abgegeben und sie wurde auf einem Rollwagen weggebracht. Hier jetzt die Box auf dem normalen Band zu sehen, ist schon komisch, und mein inneres Bild, dass Bella von vier Sanftenträgern zum Flugzeug getragen wird bzw. wurde, muss ich wohl revidieren.
Die Sicherheitskontrolle ist herrlich unspektakulär, und zehn Minuten nachdem Bella verschwunden ist, stehen wir auch schon am Gate. Die Masse und die diffusen Deutschbrocken, die sich über uns ergießen, locken uns noch nicht wirklich, und so spazieren wir einmal fast zum anderen Ende des Abflugbereichs und setzen uns in einen Gastropub. Neben der Tagessuppe bestellen wir uns noch zwei Guinness und freuen uns beide darüber, wie entspannt dann doch alles gestern und heute geklappt hat.
Gesättigt von der ganzen Flüssigkeit machen wir uns dann wieder auf zum Gate und haben noch immer eine ganze Stunde, bevor es losgehen soll. Wir klappen also nochmal die Laptops auf und tippen ein wenig herum – Hanna am Bericht und ich programmiere ein wenig vor mich hin, komme aber nicht so recht in den kreativen Flow. Also wird der Laptop wieder zusammengeklappt, und mir fällt anschließend auf, dass irgendwas fehlt. Klar, Bella und Freddie ohnehin, aber sollte hier nicht auch der kleine weiße Karton mit den Pässen und Co. sein?
An vielen Orten kann er ja nicht sein, und nachdem Hanna in aller Seelenruhe bestätigt, dass er noch im Gastropub liegt, spaziere ich dorthin. So etwas ist mir auch noch nicht passiert, aber ein weißer Karton auf weißem Tisch kann ja schon mal übersehen werden. Mit bald 40 sind meine Augen ja auch nicht mehr die Jüngsten.
Die Kellnerin erkennt mich direkt und gibt mir die kleine Kiste lachend zurück und sagt, dass sie diese fast im Müll entsorgt hätte und nur durch das unerwartete Gewicht stutzig wurde. Das Glück ist mal wieder mit uns bzw. in dem Fall mit mir.
Die Zeit am Gate vergeht dann doch recht fix, und nachdem zum Boarding aufgerufen wird und sich alle Menschen an einem Schalter anstellen, spazieren Hanna und ich einfach zum zweiten Schalter. Hier ist nur der Monitor defekt, aber die nette Mitarbeiterin nimmt trotzdem flugwillige in Empfang.
Wir müssen vor dem Einstieg nochmal kurz warten, können dann aber endlich Platz nehmen. Man merkt dem Flieger tatsächlich an, dass er nur 14 Monate alt ist. Alles ist super modern und durchdacht, und es gibt sogar USB-C-Anschlüsse zum Laden der Geräte. Leider gibt es keine einstellbaren (und scheinbar überhaupt keine) Luftdüsen am Platz, aber wir haben schon wildere Temperaturen in den letzten Monaten genießen dürfen – da werden wir die nächsten paar Stunden schon noch überstehen.
Nachdem dann alle Menschen an Bord sind, geht es auch schnell auf die Startbahn und ab in die Luft. Der Flieger ist wirklich sehr leise, und so sind meine kleinen In-Ear-Kopfhörer auch mehr als ausreichend, als ich den Film "Contact" auf dem Fernseher starte. Diesen haben wir zuletzt in einem Bericht im April erwähnt, als wir am Very Large Array in New Mexico vorbeigefahren sind. Ich fand den Film vorher schon genial und kann diesen nochmal ganz anders genießen. Das VLA ist nicht der einzige Ort aus dem Film, den wir gesehen haben. Während die Stewardess das Essen und einen Spätburgunder serviert, wird mir klar, dass wir beim Schauen aller Filme wohl in den nächsten Jahren zwischendrin grenzdebil grinsen werden, weil uns selbst kleine Anspielungen in unsere sechs Monate zurückkatapultieren werden.
Zum Nachtisch bestelle ich mir noch einen Cognac, und die ohnehin schon bemutternde Stewardess meint es diesmal besonders gut, als sie mir den Schwenker bis fast oben hin füllt. Mir werden die Augen ein wenig schwer, und nach einem beherzten letzten Schluck mache ich es mir dann gemütlich und schließe die Augen und während ich langsam einschlafe, tauchen immer wieder Bilder der letzten Monate auf.Leia mais
Drei Zimmer, Küche, Diele, Bad & Garten
14 de agosto de 2024, Alemanha ⋅ ☁️ 21 °C
Ich werde wach (habe ich überhaupt geschlafen?!), weil sich um uns herum plötzlich einiges bewegt. Als ich unter meinem Kopfhörer-Stirnband hervorluke, das ich mir über die Augen gezogen habe, sehe ich ziemlich viel Licht. Das „Taglicht“ ist scheinbar bereits eingeschaltet worden, und kurz nachdem ich mich aufrecht hingesetzt habe, kommt auch schon eine Stewardess auf mich zu. Ob ich gerne frühstücken wolle. Um den Tag durchzustehen, brauche ich auf jeden Fall Kaffee, also bejahe ich die Frage und versuche, mich weiter zu orientieren. Der Bildschirm vor mir verrät mir, dass wir nur noch knappe zwei Stunden unterwegs sein werden. Ich schiebe die Fensterverdunkelung nach oben und bin schwer verwirrt, als das Licht hereinflutet. Wir fliegen gerade über die Westküste Englands.
Wenige Augenblicke später steht vor mir auf dem von der Stewardess heruntergeklappten Tisch ein Kaffee, Tomatensaft und Obst, ein Croissant, Haferflocken und ein Joghurt. Ich schaue auf meine Uhr, die mir 2:14 Uhr morgens anzeigt. Kein Wunder, dass ich mich so verklatscht fühle und wenig Lust auf Frühstück habe. In den letzten Monaten war es um diese Zeit tiefe Nacht für mich. Verrückte Welt. Nach ein paar Schlucken Kaffee schaue ich nach hinten, was Christian macht, und sehe, dass er, im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten um uns herum, tief und fest schnarcht. Ich überlege hin und her und beschließe dann, ihn sanft zu wecken. Ich quetsche mich zwischen Armlehne und Tischchen in den Gang und bin sehr stolz, dass ich weder etwas verschüttet noch etwas heruntergeschmissen habe. Christian ist ebenfalls vollkommen verwirrt, als ich ihn wecke, möchte aber auch nicht auf ein bis zwei Kaffees verzichten. Er hat ordentliche Abdrücke von der Schlafmaske im Gesicht und sieht zum Abknutschen aus.
Nach dem Frühstück beginnt bereits langsam der Sinkflug und mein Herz wird kurzzeitig schwer. Christian flüstert von hinten: „Wir sind doch gestern erst losgeflogen“, und genauso fühle ich mich auch. Natürlich freuen wir uns auf Familie und Freunde, aber es fühlt sich einfach an, als seien wir gerade mal ein paar Wochen unterwegs gewesen. Mein Verstand weiß, dass man so viel nicht annähernd in zwei Wochen erleben kann, dennoch fühle ich mich nicht, als seien wir schon fertig. 😉
Nach nur 5 Stunden und 25 Minuten Flug setzt unser Flugzeug sanft in Frankfurt am Main auf der Landebahn auf. Ich packe meine Sachen in meinen Handgepäcksrucksack und schultere ihn, und schon geht es raus aus dem Flieger in den Tag, der eigentlich noch Nacht sein sollte. Es geht durch eine elektronische Passkontrolle. In der Ankunftshalle angekommen, suche ich erst einmal eine Toilette, und dann schauen wir beide aus dem Fenster, wie der Gepäckwagen neben unserem Flieger parkt. Ich wurschtle meine Kamera samt Teleobjektiv aus der Tasche und beobachte weiter das Gepäckband, während Christian auf der Toilette ist. Tatsächlich kann man recht gut sehen, wie die Box mitsamt Bella vom Förderband aus dem Flugzeug nach unten rollt. Christian ist wieder da und schafft es, die Box auf einem der Wagen wiederzufinden. Mit Bella werden noch drei andere Vierbeiner ausgeladen. Als sich der Gepäckwagen auf den Weg macht, schlendern wir zum Sperrgepäckschalter und beobachten einen Mitarbeiter, der zwei Auszubildende auf ziemlich unfreundliche Art herumscheucht. Kurze Zeit später kommt Bella auf dem Förderband vorgefahren und wird von dem Herren und einem seiner Azubis heruntergehoben. Er weist uns harsch darauf hin, dass Bella in der Box bleiben muss, bis wir am Zoll vorbei sind. Wir hatten darauf gehofft, sie zeitnah herausholen zu können, damit sie uns gebührend begrüßen kann, und auch Bella tut ihren Unmut durch herzzerreißendes Fiepen kund. Aber gut, da können wir nichts machen, außer beruhigend auf sie einzureden, ihre Pfötchen zu streicheln und darauf zu warten, dass unser Gepäckband endlich losrollt. Nach ein paar Minuten legt Bella sich auch wieder hin und ergibt sich ihrem Schicksal, ohne weiterhin zu fiepen. Nach weiteren zehn Minuten setzt sich unser Gepäckband in Bewegung und Christian erobert unsere Seesäcke, die wir auf einen Gepäckwagen zu unseren Rucksäcken stapeln, und dann können wir uns auf zum Zoll machen.
Der Zoll ist unbesetzt und so können wir schnell in den vorderen Teil des riesigen Flughafens, wo wir eine Bank suchen und Bella endlich aus der Box holen können. Sie freut sich ein Loch in den Bauch, und nach einer ordentlichen Begrüßungsorgie ist ihr mal wieder nicht anzumerken, dass sie gerade neun Stunden in einer Box verbracht hat und mehrere tausend Kilometer in einer unfassbaren Höhe den Atlantik überquert hat. Wir sind ihr so unbeschreiblich dankbar für ihr entspanntes Wesen.
Nach einem weiteren Toilettenbesuch schnappe ich mir Bella und suche einen kleinen Flecken Natur in diesem Betongewusel am Flughafen. Die Bewegung tut sowohl ihr als auch mir gut, auch wenn ich mich fühle, als würde ich apathisch durch die Gegend wandeln, was ich wahrscheinlich auch tue. Christian hat in der Zwischenzeit die Hundebox umgebaut und sie zum Gepäcktransporter umgewandelt. So können wir richtig bequem bis zur Bahn watscheln und sehen wahrscheinlich ganz schön unterhaltsam aus. Christian führt unser Gepäck mitsamt Box Gassi, während Bella gefühlt mich Gassi führt und hinter Christian hertrottet.
Für den Weg von Frankfurt aus haben wir für 38 Euro ein Ticket für uns drei geschossen. Dadurch, dass das Flugzeug etwas Verspätung hatte, ist der Übergang super entspannt. Wir müssen nur eine knappe halbe Stunde auf den ICE warten, können noch einen Eiskaffee besorgen und werden nur eineinhalb Stunden unterwegs sein. Die nächsten zwei Stündchen rennen an mir vorbei, die Zugfahrt verläuft entspannt und in Solingen angekommen, chauffiert uns dann noch ein Taxi die zehn Minütchen bis nach Hause. Was für eine verrückte Welt. Zehn Stunden nach Abflug schließen wir unsere Wohnungstür auf und stehen gefühlt in der Eingangshalle eines Schlosses. Wir wussten ja, dass wir uns so fühlen werden, aber tatsächlich ist das Gefühl nicht so negativ überwältigend, wie ich es befürchtet hatte. Nach unseren ersten Van-Urlauben haben wir uns ganz schlimm beim Heimkommen gefühlt, als müssten wir sofort wieder zurück in unsere kleinen vier Wände, das ist aber bei mir diesmal anders. Vielleicht einfach, weil ich eigentlich erstmal gern schlafen würde. Es ist vertraut und dennoch komisch und fremd, und es ist halt einfach nicht Freddie. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Freude, Erleichterung, Müdigkeit, Wehmut und Deplatzierung. Wie erwartet, schmeißt Christian sofort den Turbo an und wirbelt los. In 45 Minuten kommt ein Taxi, das Christian einsammelt, um ihn nach Mönchengladbach zu bringen. Dort holt er den Firmenwagen ab und besorgt dann eine Grundausstattung an Lebensmitteln. Bevor das Taxi da ist, packt Christian seine Sachen aus und geht duschen. Ich sitze vor mich hinstarrend auf der Couch, sage Bescheid, dass wir angekommen sind, und lasse die letzten Stunden nachwirken. Als Christian unterwegs ist, fühlt sich das alles immer noch sehr komisch und surreal an.
Die nächsten Stunden mache ich alles und nichts, ich wasche zwei Maschinen Wäsche, packe aus, sichte die Post, die Mama netterweise für uns angenommen und perfekt sortiert hat. Ich freue mich über gebastelte Herzen von Emma, die Marc mit meiner Siebträgermaschine schon mal zu uns gestellt hat. Ich genieße einen Kaffee und bereite Pizzateig für heute Abend vor. Wenn ich das so schreibe, hört sich das eigentlich ganz schön gut an. Es war aber im Rückblick schon durchaus ein „Durch den Tag schleppen“. Ich bin müde, aber sollte durchhalten, damit der Jetlag die nächsten Tage nicht allzu sehr zuschlägt. Als Christian wieder da ist, füllen wir den Kühlschrank und wurschteln weiter umeinander herum. Es ist ziemlich verrückt, dass unser Garten ordentlicher aussieht als vor unserer Abreise und auch, dass die Wohnung top in Schuss ist. Da gilt ein riesiger Dank an Hans-Dieter, der mehrmals bis nach Solingen gefahren ist, um unsere Wohnung in Schuss zu halten und zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Gegen sieben erlauben wir uns einen 20-Minuten-Nap, von dem ich sicher war, dass er in einen Tiefschlaf übergehen würde, aber alles läuft gut, und wir pellen uns nach dem Wecker wieder vom Sofa. Vielleicht war die Aussicht auf Pizza und Weinchen einfach zu verlockend.
Ich mache mich an die Pizza, während Christian und Bella eine Begrüßungsrunde durchs Ittertal drehen. Nachdem die beiden wieder da sind, ist die Pizza, dank der 400° im Pizzaofen, im Handumdrehen fertig, und Christian und ich sitzen selig mampfend auf der Couch, genießen einen Schluck Spätburgunder und starten auf dem riesigen Fernseher die Serie „The Handmaid’s Tale“. All das fühlt sich so an, als hätten wir das gestern erst gemacht, als hätte die Wohnung nicht sechs Monate leer gestanden. Es ist verrückt, und auch Bella ist den ganzen Tag über nicht von meiner Seite gewichen. Sogar ins Bad ist sie mitgekommen; da muss sich also noch jemand daran gewöhnen, dass wir nicht mehr zu dritt auf 6 m² hausen.
So gern wir auch weiterentdeckt hätten, so wenig wir uns auf Köpfe voller To-Do-Listen und Tage freuen, die sich um Arbeit herum ranken werden, so sehr freuen wir uns gerade über Pizza, Wein und sind voller Dankbarkeit für all das Erlebte.
Irgendwie habe ich aber auch zwischendurch Sorge, dass der Alltag die ganzen zauberhaften Abenteuer der letzten sechs Monate mega schnell in Vergessenheit geraten lassen könnte. Wie gut, dass ich all die Erinnerungen hier immer wieder ganz schnell lebendig werden lassen kann. Was für ein wunderschöner, wilder und besonderer Ritt das war.
Diese letzten Zeilen zu schreiben, dauert nun auch schon mindestens zehn Minuten, und ich kann mich nicht entscheiden, was ich schreiben soll, da ich weiß, dass diese Worte den Blog für diese Reise schließen, und auch das fühlt sich mehr als komisch an. Danke für euer Mitfiebern, euer Teilhaben und die vielen Kommentare, so war immer ein Stück zu Hause mit dabei.Leia mais
Epilog
29 de agosto de 2024, Alemanha ⋅ ⛅ 19 °C
Knapp 17 Tage, nachdem wir unser Zuhause der letzten sechs Monate in Halifax auf die Reise geschickt hatten, stand bereits die Abholung auf dem Programm. Auch die zweite Reise mit der Deutschen Bahn innerhalb von 14 Tagen verlief erstaunlich unproblematisch, sodass ich ohne Verspätung in Hamburg ankam. Am Bahnhof wurde ich von Vanessa, unserer Ansprechpartnerin von Overlander Shipping, abgeholt.
Am Oswaldkai war einiges los, sodass wir uns in der halben Stunde Wartezeit ein wenig austauschen konnten. Mittlerweile hat Overlander Shipping auch die ersten Verschiffungen nach Australien und Neuseeland begleitet. Sehr interessant – das behalten wir doch mal im Hinterkopf. Man weiß ja nie!
Die Abholung auf dem Gelände war dann so unspektakulär wie die Abgabe. Nach der Übergabe des Abholscheins habe ich Freddie kurz auf Schäden untersucht (es waren keine vorhanden) und dies entsprechend quittiert. Vom Hafengelände aus ging es dann mit Freddie kurz zum Zoll zur Wiedereinführung eines touristischen Fahrzeugs. Nach einer sehr intensiven Kontrolle (Abgleich der FIN) ging es dann auch schon auf die Autobahn in Richtung Heimat.
Die letzte Fahrt in diesem Kapitel war von ziemlicher Hitze und einigen Staus geprägt, aber auch auf deutschen Straßen hat Freddie wieder fröhlich vor sich hingeschnurrt.
Hier noch ein paar Zahlen.
• Gesamtstrecke: 35.290 Kilometer
• 72x Tanken für durchschnittlich 1,05 €/L
• Insgesamt 3.469 Liter Diesel
• Verbrauch von 9,83 L/100 km
• Niedrigster Verbrauch: 8,07 L/100 km
• Höchster Verbrauch: 11,63 L/100 km (Ursache: Standheizung)
• Probleme: 0 (in Worten NULL)Leia mais







































































































































































Viajante
Toll. vielleichti gibt es ja Firmen (Tapetenfabriken ) die solche tollen Bilder suchen :-) .
Viajante
Die ist aber schön. Kleinere Formate haben die Kinder heute auch am Strand gesammelt.