• Claudia
  • Claudia

Kurs Südost

April 2016 - open end En savoir plus
  • İnci Hotel Ortaköy

    20 avril 2024, Turquie ⋅ 🌬 20 °C

    Die Wettervorhersage hat nicht gelogen, das spüren wir schon beim Aufwachen. Es weht bereits ein kräftiger Wind, der blaue Himmel ist im Begriff sich zuzuziehen. Nach dem Frühstück stellen wir uns dem aufkommenden "Lodos". Gestern bereits etwas weiter gefahren zu sein, erweist sich heute als sehr gute Idee. Sehr langsam und nur mit viel Mühe kommen wir voran. Für eine Verschnaufpause kauern wir uns in den Windschatten eines kleinen Häuschens und stärken uns mit Sesamstangen und Keksen für den Endspurt. Der Sturm bläst unvermindert weiter, die Berge am Horizont sind mittlerweile im Dunst bzw. in dem vom Wind mitgeführten Staub kaum noch zu erkennen. Schließlich erreichen wir Ortaköy und finden auch zügig das vorab im Internet recherchierte İnci Hotel, wo wir einchecken. Das uns zugwiesene Zimmer ist insgesamt eher mittelprächtig, aber was am wichtigsten ist: Es weht kein Wind! Und die ausgiebige Dusche, die wir uns zuallererst gönnen, ist erstens sehr wohltuend und zweitens auch dringend nötig. Als alle Steckdosen mit Handys, Akkus, Drohne, Ebook-Reader, Powerbanks etc. belegt sind, widmet Heiko sich dem Waschen unserer Wäsche, während Claudia einen (stürmischen) Einkauf erledigt. Mit einer großen Portion Obstsalat nebst Joghurt im Magen verdödeln wir die folgenden zwei bis drei Stunden im Hotelzimmer, bevor wir uns am Abend noch einmal hinaus in Richtung eines Restaurants begeben. Die dort bestellte (und gegessene!) Mahlzeit wird vor allem Claudia nicht so schnell vergessen. Die Speisekarte kommt auf türkisch daher, aber was soll's, türkisches Essen ist ja lecker, passt schon. Heiko schlägt als Vorsuppe eine sogenannte "İşkembe Çorbası" vor, Claudia schließt sich an, klingt ja ganz gut. Nach den ersten Löffeln fragt Claudia sich dann doch, was sie da eigentlich genau isst. Vor allem die Einlage der Suppe ist nicht definierbar und die Konsistenz komisch weich knorpelig. Augen zu und durch, die Suppe wird ausgelöffelt, die Einlage ohne Kauen runtergeschluckt. Was auch immer es war, nun ist es weg, und der folgende Dürüm ist eindeutig besser. Zurück im Hotel befragen wir Google nach unserer Vorsuppe und wissen nun, dass es sich bei "İşkembe Çorbası" um ein türkisches Nationalgericht handelt und wir Kuttelsuppe, also Suppe mit gekochtem Pansen, gegessen haben. Immerhin ist auch zu lesen: "Kutteln sind eine wichtige Nahrungsquelle, die unser Immunsystem dank ihrer kalorienarmen, faserigen Struktur und ihres Reichtums an Mineralien wie Eiweiß, Phosphor, Kalzium, Zink, Selen und B12 unterstützt." Naja, immerhin..., trotzdem wird Rindermagen seeehr weit entfernt von Claudias Lieblingsspeise bleiben. Da beschließen wir den heutigen Tag doch besser noch mit der uns gut bekannte Baklava-Schokolade...En savoir plus

  • Majestät Hasandağı

    21 avril 2024, Turquie ⋅ ☀️ 17 °C

    Am Morgen stellen wir mit dem Aufziehen der Gardinen und Öffnen des Fensters erfreut fest, dass unser Plan ist aufgegangen ist: Der Himmel ist blau und es stürmt nicht mehr, wir haben die Zeit des Unwetters perfekt genutzt, super!
    Während des Frühstück brüten wir über der Landkarte und überlegen, wir wir weiterfahren. Die ursprüngliche Planung sieht vor, dass wir den Ort Kaymaklı ansteuern, um eine dort lokalisierte unterirdische Stadt zu besichtigen. Heiko hat aber bereits vor einigen Tagen die Möglichkeit ins Feld geführt, doch lieber noch einmal in Richtung Kappadokien zu fahren. Außer der unterirdischen Stadt ist Kaymaklı nicht besonders attraktiv und da könnte vielleicht ein weiterer Besuch der magischen Tuffsteinwelt mehr Freude machen. Claudia wirft mit einem Schwenk nach Süden noch eine dritte Option ins Rennen, welche zu der noch zum Gebiet Kappadokien gehörenden İhlara-Schlucht und zu dem laut Internet-Recherche hübschen Ort Güzelyurt führt. Motiviert durch den Reiz des Neuen entscheiden wir uns schließlich für Variante 3 und basteln direkt neue Routen in der App Komoot für die nächsten drei Tage. Trotz intensiver Bemühungen gelingt es Heiko aber leider nicht, die auf dem Handy angelegte und gespeicherte Route bzw. GPX-Datei auf unsere Navigationsgeräte zu übertragen. Dafür wäre ein Computer erforderlich, vielleicht kann man uns ja an der Hoteltezeption helfen. Wir begeben uns also erstmal in unser Zimmer und sortieren unser Chaos wieder in Fahrradtaschen. Im goldverzierten Fahrstuhl geht es schließlich bei sanfter Säuselmusik mit unserem Gepäckhaufen ins Erdgeschoss, wo die Räder darauf warten, beladen zu werden. Die Nutzung eines Computers im Hotel ist leider nicht möglich, das Gerät sei kaputt. Der Rezeptionist weist uns aber darauf hin, dass es in unmittelbarer Nähe ein Internet-Café gibt. Wir bedanken uns und und machen uns direkt auf den Weg zum beschriebenen Standort, um dort festzustellen, dass von dem genannten Internet-Café außer einem Ladenschild nichts mehr übrig ist und das scheinbar auch nicht erst seit gestern. Wir wollen nicht wirklich daran glauben, dass der Typ aus dem Hotel uns verar...t hat (es gäbe ja gar keinen Grund dafür...), möglich ist es aber schon. In Sichtweite befindet sich ein Vodafone-Geschäft, wo Heiko kurz darauf unser Anliegen vorträgt. Die Mitarbeiter sind extrem hilfsbereit und so sitzt Heiko kurz darauf auf dem Chefsessel und nutzt den Geschäftscomputer für unsere Zwecke, während der Mitarbeiter uns Kaffee kocht. Trotz einiger Fehlversuche haben wir am Ende immerhin auf einem Navi unsere neue Route, ein Luxus, der uns sehr freut. Nach zwei Zwischenstopps beim Obst- und Gemüsehändler sowie im Supermarkt verlassen wir dann am späten Vormittag die Stadt Ortaköy. Bereits nach den ersten Kilometern freuen wir uns darüber, uns für diese Route entschieden zu haben. Die Strecke präsentiert sich fantastisch, das Radeln ist ein absoluter Genuss.
    Als wir eine Weggabelung an einem kleinen Baum erreichen, von der aus man einen herrlichen Postkartenblick auf einen See hat, stellen wir fest: Hier waren wir schonmal! Tatsächlich kam Heiko schon die Ausfahrt aus Ortaköy bekannt vor und nun sind wir sicher. Genau an dieser Ecke sind wir im letzten Jahr in Richtung Kappadokien abgebogen. Nun radeln wir aber südwärts weiter und sind weiterhin absolut angetan von der Strecke.
    Zudem treffen wir wie so oft auf sehr viele unglaublich freundliche Menschen, was uns immer wieder begeistert. So hält zum Beispiel ein junges Paar mit dem Auto an, während wir auf unserm ersten Gipfel pausieren, heißt uns in der Türkei willkommen, stellt die üblichen interessierten Fragen nach dem Wohin und dem Woher, schenkt uns zwei köstliche Schokoriegel und fährt weiter. Einfach nett, immer wieder!
    Wir sind ohnehin schon fasziniert von der heutigen Fahrt und der Landschaft, aber es wird noch besser: Als wir über die Kuppe fahren, schiebt sich langsam aber sicher der schneebedeckte Hasandağı ins Sichtfeld. Wir sind restlos begeistert, was für ein majestätischer Anblick! Bei dem inaktiven Schichtvulkan mit einer Höhe von 3268 Metern handelt es sich um den zweithöchsten Berg Zentralanatoliens. Euphorisch gestimmt radeln wir weiter und sind einmal mehr glücklich darüber, diese Route genommen zu haben. Im weiteren Etappenverlauf fahren wir geradewegs auf den Hasandağı zu, der Anblick ist und bleibt beeindruckend. Auf dem letzten Gipfel des Tages schenken wir der Majestät unsere volle Auferksankeit. Wir fotografieren, filmen und bestaunen den imposanten Berg aus allen möglichen Perspektiven. Irgendwann schwingen wir uns wieder in den Radsattel und rollen in der Hoffnung abwärts, einen Panoramablick-Zeltplatz zu erspähen. Etwas enttäuscht sind wir zunächst, als wir nach einigen Bergabkilometern auf eine Hauptstraße stoßen, es findet sich aber am Ende doch noch ein wunderbarer Platz. Auf einem Feld mit herrlichem Blick auf den Hasandağı schlagen wir unser Lager auf und genießen den Abend. Lange halten wir es allerdings nicht draußen aus, denn es ist empfindlich kalt. Voller Vorfreude auf die morgige Etappe begeben wir uns in die warmen Schlafsäcke. Gute Nacht!
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  • Güzelyurt

    22 avril 2024, Turquie ⋅ ☀️ 16 °C

    Früh sind wir wach und frühstücken bereits um sieben Uhr bei herrlichem Blick auf den Hasandağı. Und wenn es so schön ist, gibt es auch keinen Grund zur Eile. Halb elf ist es, als die Fahrräder bepackt und wir bereit zur Weiterreise sind. Durch Zufall haben wir entdeckt, dass in drei Kilometern Entfernung direkt an unserer Route eine unterirdische Stadt liegt. Da wir eine ähnliche Attraktion in Kaymaklı durch die Routenänderung aus dem Reiseprogramm gestrichen haben, drängt sich hier ein Besuch nun quasi auf. Die "Aziz Mercurius Yeraltı Şehri" im kleinen Dorf Saratlı ist schnell erreicht, unser Aufenthalt gestaltet sich allerdings recht kurz. Nach einem ersten Eindruck in der unterirdischen Stadt müssen wir feststellen, dass FlipFlops nicht das geeignete Schuhwerk für den Gang durch die tiefen, engen Gänge ist, wo eher Trittsicherheit gefragt ist. Wir verzichten also auf die vollständige Erkundung der Stadt und fahren weiter. Das, was folgt, betitelt Heiko als "Katalogradeln". Und tatsächlich könnte man meinen, er fährt vor einer Fototapete mit dem Motiv einer violett und gelb blühenden Wiese vor sonnenbeschienenem Schneeberg.
    Bald verspüren wir einen nicht unerheblichen Hunger, da kommt uns ein erreichter "Minigipfel" gerade recht, Gipfelsturm zieht ja bekanntermaßen Chipsbelohnung nach sich. Auf einer Schotterpiste rumpeln wir anschließend dem Hasandağı entgegen, der weiterhin dass Landschaftsbild dominiert. Nach ca. 6 Kilometern haben wir wieder Asphalt unter den Reifen und den Ort Selime vor der Nase. Hier werden wir durch die typischen Gesteinsformationen eindrücklich daran erinnert, dass wir uns im weitläufigen Gebiet Kappadokiens befinden. Zu unserer Linken passieren wir die Kathedrale von Selime, ein hoch aufragender Felskomplex mit Räumen, Fenstern, Treppen und einer Kirche auf der Spitze. Schon der Anblick dieser Felsenkathedrale von außen bestätigt, dass einem neben den Highlights der Gegend mit den Tälern rund um Göreme auch die weniger bekannten Stätten ein aufrichtiges Staunen entlocken können. Heute verweilen wir an dieser Stelle nicht, da wir vorhaben, am morgigen "Ruhetag" im Anschluss an eine Schluchtwanderung hierher zurückzukehren. Wir nehmen stattdessen den nächsten Anstieg in Angriff und werden oben angekommen mit einer fantastischen Aussicht auf das Dorf Yaprakhisar und die beeindruckende Landschaft belohnt. Wir nutzen diesen herrlichen Platz für eine Kaffee-Tee-Keks-Pause, bevor es auf den Endspurt in Richtung des heutigen Zielortes Güzelyurt geht. Unterwegs durchqueren wir das Dorf İhlara und können einen ersten Blick in die gleichnamige Schlucht werfen, die wir morgen besuchen wollen. Kurz bevor wir Güzelyurt erreichen befragen wir Google nach Hotels vor Ort und entscheiden uns für ein Haus, welches laut Beschreibung über mehrere einladende Terrassen mit Panaramablick auf Stadt und Hasandağı verfügt. Wir sehen uns schon vor unserem inneren Auge auf einer der Terrassen sitzen und den Sonnenuntergang genießen. Also los, nichts wie hin! Kurz nach Ortseingang werden wir von einem jungen Paar auf deutsch angesprochen. Vermutlich haben sie die kleine deutsche Fahne gesehen, die auch in diesem Jahr neben einer türkischen an Heikos Fahrrad weht. Die beiden kommen aus der Nähe von Hannover und sind vor etwa einem Jahr hierher, in die Heimat ihrer Familien gezogen. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie nun mit einem kleinen Market und damit, dass sie ein Erdbeer- und ein Lavendelfeld bewirtschaften. Nach kurzem Plausch fahren wir weiter, schließlich ruft die ersehnte Hotelterrasse. Der Standort ist schnell gefunden, das Hotel jedoch nicht..., schade. Das nächste Hotel, ebenfalls mutmaßlich mit Terrassen-Sonnenuntergangsoption, finden wir zwar, sind aber bei Ankunft vor dem Haus so genervt von der Aufdringlichkeit der uns sofort belagernden Mitarbeiter, dass wir weiterfahren. Schließlich steuern wir das Hotel Osmanoğlu an, das zwar im Netz sehr gut bewertet wird, unser Bild von chillenden Radlern auf Terrasse vor Berg und Sonnenuntergang aber nicht erfüllen kann. Vielmehr sitzen wir in einem hübschen Garten, der zu allen Seiten von altehrwürdigen Mauern umgeben ist und warten bei einen Kaffee darauf, unser Zimmer beziehen zu können. Über die kleine Enttäuschung der nicht vorhandenen Panorame-Terrasse tröstet die Tatsache hinweg, dass wir es mit überaus netten Gastgebern zu tun haben und ein sehr besonderes Zimmer zugewiesen bekommen. Ein großer, sehr hoher Raum, der eher einem Gewölbe gleicht, wird nun für zwei Tage unser Zuhause sein. Die Sonne ist inzwischen ohne uns untergegangen, also widmen wir uns nach ausgiebiger Dusche dem, was wir besonders gut können: Essen! Im Restaurant "Ailem" (Meine Familie) genießen wir ein leckeres 3-Gänge-Menü (heute köstliche Joghurtsuppe OHNE Pansen...), bevor wir den heutigen Tag für beendet erklären.
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  • Wandertag

    23 avril 2024, Turquie ⋅ ⛅ 26 °C

    Zur vereinbarten Zeit um acht Uhr begeben wir uns in das höhlenartige Frühstücksgewölbe. Von unseren Gastgebern, einem jungen Mann und seiner Mutter, bekommen wir ein herrliches Frühstück mit allerlei Köstlichkeiten serviert. Mit gut gefülltem Magen rüsten wir uns für den Tag. Die Räder haben Pause, dafür werden die Tagesrucksäcke mit Proviant gefüllt und das festes Schuhwerk geschnürt. Als wir unseren Gastgeber fragen, ob er uns ein Taxi rufen könne, bietet er sich kurzerhand selbst als Shuttle-Service zu unserem heutigen Ziel an. Nach etwa zwanzig Minuten erreichen wir das Ihlara-Tal an der Grenze zwischen den Provinzen Güzelyurt und Aksaray, welches wie auch die ganze Landschaft Kappadokiens durch die Vulkanausbrüche des Hasandağı entstanden ist. Geformt wurde das 14 Kilometer lange Tal durch den Fluss Melendiz. Vom Talrand im malerischen Ort Ihlara, wo wir uns absetzen lassen, steigen wir hinab in die 150m tiefe Schlucht, die auch "Grand Canyon der Türkei" genannt wird (naja...). Diese wurde unserer Internet-Recherche zur Folge im 8. Jahrhundert zum Rückzugsort byzantinischer Mönche, da sie in Zeiten der Verfolgung angesichts schwerer Zugänglichkeit ein ideales Versteck darstellte. 150 Kirchen werden am Melendiz-Fluss zwischen Ihlara und Selime vermutet, bislang wurde erst ein kleiner Teil davon entdeckt. Umgeben von üppigen Bäumen und steilen Felswänden auf beiden Seiten nehmen wir die 14 Kilometer in Angriff. Unterwegs nehmen wir die eine oder andere der versteckten Höhlenkirchen, die in die Seitenwände gehauen wurden, in Augenschein. Trotz deutlicher Spuren von Vandalismus sind hier noch teilweise gut erhaltene Wandmalereien mit Szenen aus dem Neuen Testament zu sehen. Es ist ein angenehmes Spazieren im nur spärlich von anderen Menschen besuchten Tal: Mal unter schattigen Bäumen, mal in der Sonne, begleitet von Krötengequake und Vogelgezwitscher, immer entlang des Flusses, verlaufen ist quasi ausgeschlossen. Auf halber Strecke erreichen wir das Dorfes Belisirma, welches auch einen Zugang zur Schlucht bietet. Hier tummeln sich dann auch doch viele Menschen, was offensichtlich daran liegt, dass diverse kleine Restaurants am Fluss zur Einkehr einladen. Auch wir gönnen uns Tee und Gözleme, bevor wir weiterziehen. Der zweite Teil unserer Wanderung unterscheidet sich deutlich vom ersten, denn die Schlucht wird breiter und offener. Uns gefällt dieser Abschnitt sehr gut, zudem sind wir auch wieder fast allein unterwegs, seit wir Belisirma hinter uns gelassen haben. Unsere Wanderung endet schließlich im Dorf Selime, wo wir schon auf unserer gestrigen Radel-Etappe an der in den weichen Tuffstein gehauenen und sich über mehrere Etagen erstreckende Felsenkathedrale vorbeigekommen sind. Wir sitzen auf einer Mauer vor der wahrlich beeindruckenden Kathdrale und hadern mit uns: Reingehen oder nicht reingehen? Einerseits wäre es doch schön blöd, sich die Besichtigung dieser faszinierenden Anlage entgehen zu lassen, wenn man schon direkt davor sitzt...., anderseits sind wir aber auch total platt. Ein Mann, der scheinbar für den Parkplatz zuständig ist, fragt uns, ob wir die Kirchen in der Schlucht gesehen hätten. Das Innere der Kathedrale würde genauso aussehen, nur ohne Malerei, erklärt er uns. Das ist für uns das Zeichen, dem Ruf unserer schwächelnden Körper zu folgen und ohne Besichtigung unseren Hotelgastgeber zwecks Abholung zu kontaktieren. Zurück in Güzelyurt plündert Heiko einen Supermarkt und bald darauf sitzen wir bei Tee und allerlei Leckereien im Garten unseres Hotels unter einer lilafarbenen und von schwarzen Hummeln umschwirrten Blütenpracht. Am frühen Abend raffen wir uns noch zu einer kleinen Erkundung von Güzelyurt auf. Nachdem Heiko einen kleinen Drohnenflug zur ca. fünf Kilometer (Anmerkung des Drohnenpiloten: Luftlinie 1,2km) entfernten festungsartigen Yüksek Kilise (hochgestellte Kirche) unternommen hat, spazieren wir zu dem in Google Maps verzeichneten Aussichtspunkt Bakı Noktası. Wir sind hellauf begeistert angesichts des großartigen Blicks über die Stadt mit ihrer historischen Architektur, die bisweilen mit den Felsen verschmilzt. Es ist schon fast dunkel, als wir vor dem Ausgang einer unterirdischen Stadt stehen und überrascht sind, dass Licht in der Höhle brennt. Der erste Blick hinein ist fast ein wenig gespenstisch, Schatten huschen vorbei, vielleicht Fledermäuse? Wir wagen einige Schritte hinein und schauen uns um, die Gänge verzweigen sich wie in einem Labyrinth. In die Tiefe steigen wir nicht hinab, sondern treten dann doch lieber den geordneten Rückzug an. In bzw. vor einem kleinen Lokal im Ortskern kehren wir zum Abendessen ein. Es ist nur noch ein Hauptgericht im Angebot, dieses wird uns aber nebst einer Linsensuppe sehr angepriesen. Wir bestellen also die Suppe sowie das Cicken-Reis-Gericht, um kurz darauf zu erfahren, dass es leider auch keinen Reis mehr gibt. Nun gut, Brot tut es ja auch und es schmeckt uns ausgesprochen gut. Satt und erfüllt mit den vielen Eindrücken des Tages fallen wir unter dem hohen Steingewölbe unseres Hotelzimmers in die Betten.En savoir plus

  • Blühender Zeltplatz

    24 avril 2024, Turquie ⋅ ☁️ 23 °C

    Erneut lassen wir uns um acht Uhr das köstliche Frühstück des urigen Hotels schmecken. Bereits zuvor haben wir unser Hab und Gut in die diversen Packtaschen verstaut, so dass wir einigermaßen früh in die heutige, sehr höhenmeterreiche Etappe starten. Wir verabschieden uns von unserer freundlichen Gastgaberfamilie, steuern zum Zwecke der Verproviantierung noch kurz einen nahegelegenen Supermarkt an und dann schickt das Navigationsgerät uns auch schon bergauf. Etwa 300hm haben wir in den Beinen, als wir wenige Kilometer später den ersten Gipfel des Tages auf einer Höhe von 1770m erreichen. Eine Weile radeln wir noch, bevor wir uns die erste Pause gönnen. Im zugegebenermaßen winzigen Schatten eines kleinen Bäumchens stärken wir uns für den nächsten, ungefähr 20km langen Anstieg. Früher als gedacht erreichen wir am Nachmittag die Passhöhe auf 2180m. Das Erreichen dieses Punktes muss natürlich mit Erinnerungsfoto und Kekspause zelebriert werden, die just erradelte Marke stellt schließlich einen neuen Höhenrekord auf unserer Reise dar. Tadaaaa!!!! Kurz hinter der Kuppe füllen wir an einer Wasserstelle unsere Flaschen auf, dann dürfen wir ziemlich lange rollen. Zwanzig Abwärtskilometer sind es bis zur nächsten größeren Stadt namens Niğde, die wir allerdings erst morgen erreichen wollen. So halten wir also während der Abfahrt aufmerksam Ausschau nach einem potentiellen Schlafplatz. Die Suche gestaltet sich nicht einfach: Mal geht es rechts steil rauf und links steil runter, mal finden wir die Gegend aus unerklärlichen Gründen unheimlich. Und als sich perfekte Plätze in terrassenartig angelegten Obstplantagen anbieten, ist kein Mensch in Sicht, den man um Erlaubnis fragen könnte. Das Areal erscheint uns aber doch zu privat und kultiviert, um einfach eigenmächtig dort das Zelt aufzuschlagen. So rollen wir noch ein Stück weiter, bis wir schließlich einen Platz entdecken, mit dem wir zumindest "halbzufrieden" sind. Zwischen blühenden Obstbäumen und Feldern lassen wir uns nieder. Von der nahen kleinen Straße sind wir zwar gut sichtbar, aber es hat sich ja auch bisher noch nie jemand an unseren Lagerplätzen gestört, ganz im Gegenteil. Auf dem Gaskocher brutzelt Heiko Gemüse, vom gegenüberliegenden Hang sind das Mähen und das Glockengeläute einer Schafherde sowie das dazugehörige Hundegebell zu hören. Von uns nimmt an diesem Abend niemand mehr Notiz, also schließen wir die Zeltreißverschlüsse und sagen: İyi geceler!En savoir plus

  • Sicht wäre schön...

    25–30 avr. 2024, Turquie ⋅ ☁️ 22 °C

    Um halb sieben beginnt unser Tag mitten im Obstbaumblütenmeer. Wie immer lassen wir es gemütlich angehen und sitzen letztendlich um kurz nach zehn auf den Rädern. Die ersten zehn Kilometer bis in die etwas größere Stadt Niğde sind zügig absolviert, geht es doch ausschließlich bergab. Wir nutzen die Gelegenheit der guten Infrastruktur und füllen bei einem Optiker Claudias Kontaktlinsenlösungsvorrat und in einem Turkcell-Laden unser Datenvolumen auf. Durch Zufall finden wir uns auf der Weiterfahrt mitten im Marktgetümmel wieder, so dass auch gleich etwas Obst und Gemüse in unseren Taschen landet. Auf schnurgerader Straße verlassen wir Niğde, der Wind weht mal wieder mächtig von vorne, die unmittelbare Umgebung ist alles andere als attraktiv. Viel Müll liegt überall verstreut herum, dazwischen tummeln sich reichlich Hunde. Wir treffen auf einen Mann, der mit seinem Auto diese Straße entlangfährt und regelmäßig hält, um die Hunde mit Wasser und Futter zu versorgen. Nach Überqueren einer Hauptstraße erreichen wir bald das Dorf
    Sazlıca. Schon vorher hatten wir uns gedacht, dass es schön wäre, wenn wir noch irgendwo ein Brot ergattern könnten. Und tatsächlich kommt es noch besser! Zu unserer Linken entdecken wir eine Backstube, die sehr vielversprechend aussieht. Neben dem üblichen Brot werden auch gefüllte Poğaca und andere Backwaren angeboten. Vor allem lacht Claudia ein köstlich aussehendes flaches Gebäck an, welches laut Bäcker mit dem süß schmeckenden Tahini zubereitet wird. Wir werden von den Mitarbeitern zum Tee eingeladen und dazu wird uns eine in Häppchen geschnittene Hälfte des blätterteigartigen Tahini-Brotes serviert. In der Backstube herrscht reges Treiben, unsere Räder vor der Tür erregen interessierte Aufmerksamkeit. Mit einer Tüte voll Backwaren verlassen wir schließlich den Laden und verabschieden uns, vorher werden wir aber noch um ein gemeinsames Foto und unseren Instagram-Kontakt gebeten. Als wir ein halbe Stunde später noch einmal die Campingstühle aufstellen, um nach dem Tee vom Bäcker noch einen weiteren zu trinken, stellt Heiko fest, dass das eben erstellte Foto bereits mit Hinweis auf uns Touristen in Sazlıca auf Instagram gepostet wurde. Die weitere Fahrt führt uns mal wieder bergauf, etwas höher als 1600m liegt unser heutiges Zielgebiet. Unterwegs widerfährt uns noch ein Erlebnis der besonderen Art: Zwei riesige Schwärme Weißstörche fliegen direkt über unsere Köpfe hinweg. Staunend blicken wir in den Himmel und schauen den Vögeln fasziniert zu, wie sie elegant durch die Lüfte gleiten. In knapp über 1600m Höhe, also noch etwas unterhalb des Gipfels, spricht uns eine Wiese als Übernachtungsort an. Hinter einem Felshaufen erhoffen wir uns ein kleines bisschen Windschutz, hier richten wir uns häuslich ein. Leider ist der Himmel wolkenverhangen und sehr dunstig, so dass die Aussicht für uns sehr beschränkt bleibt. Die schneebedeckten Berge am Horizont lassen sich allenfalls erahnen. Diverse Schaf- und Ziegenherden sind noch unterwegs, die Glocken sind in unterschiedlicher Lautstärke aus allen Richtungen zu hören. Wir genießen diesen herrlichen Platz, sitzen bei Salat mit Poğaca vor dem Zelt und schlürfen den einen oder anderen Tee. Außerdem gibt es zum Nachtisch das köstliche Tahini-Brot, das vor allem Claudia hellauf begeistert. Es ist am ehesten beschreibbar als flaches Franzbrötchen mit Sesam- statt Zimtgeschmack und laut Claudia rangiert es unter den türkischen Delikatessen ab jetzt gaaaanz weit oben. Als irgendwann die Dunkelheit hereinbricht, wird es Zeit, die Campingstühle abzubauen und gegen Isomatte und Schlafsack einzutauschen.
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  • Idylle an der Autobahn

    26 avril 2024, Turquie ⋅ ☁️ 24 °C

    Die Hoffnung auf klare Sicht beim ersten morgendlichen Blick aus dem Zelt wird leider enttäuscht. Der Himmel zeigt sich weiterhin extrem dunstig, so dass uns die ersehnte klare Sicht auf die uns umgebende Bergwelt weiterhin verwehrt bleibt. Dafür bekommen wir Besuch von einer vorbeiziehenden Schafherde, was auch sehr schön anzusehen ist, im speziellen die verspielten kleinen Lämmer und Zicklein. Der Hirte hält auf ein paar Worte an, will uns auch direkt zum Frühstück in ein Zelt auf der anderen Seite der Straße einladen, wo auch seine Frau und seine Kinder seien. Wir haben allerdings bereits gefrühstückt und so schlagen wir das Angebot dankend aus und verabschieden uns vom weiterziehenden Hirten. Wir üben uns indes noch eine Weile in "Faulsein" im Zelt, spaßeshalber nehmen wir uns vor: "Wir bleiben einfach so lange hier, bis die Sicht wieder gut ist." Dieses Vorhaben scheitert zwar, aber tatsächlich ist es am Ende halb zwei, als wir nach gemütlichem Vormittag endlich abfahrbereit sind. Und von diesem Zeitpunkt an haben wir es mit dem Gegenteil von Gemütlichkeit zu tun. Bei Gegenwind der kräftigen Sorte müssen wir unsere Fahrräder davon überzeugen, uns bergauf zu befördern. Nach drei Kilometern ist die erste Anhöhe erreicht, nun geht es zur Erholung eine Weile abwärts weiter. Als der nächste Berg nach oben bittet, wird die Fahrt zum Kampf: Bei weiterhin sehr starkem Gegenwind sollen Steigungen im zweistelligen Prozentbereich bezwungen werden, das ist einigermaßen spaßfrei. Keuchend kommen wir aber oben an und stellen mal wieder fest: "Es ist bestimmt total schön hier.., wenn man nur klare Sicht hätte." Einige Kilometer geht es nun bergab, bis wir im Ort Başmakçı auf die Autobahn stoßen. Auf einer kleinen Straße, die vermutlich früher vor dem Bau der Autobahn die Hauptstraße war, fahren wir fortan parallel der großen, in die Berge gehauenen Asphalttrasse. Immer wieder wechseln wir die Seite, mal unter der Autobahn durch mal oben drüber. Leider hat auch der Wind in seiner Intensität nicht nachgelassen, zu seinem lauten Rauschen gesellt sich jetzt auch noch der Lärm des vorbeisausenden Verkehrs. Obwohl normalerweise Heiko den Wind als seinen Endgegner erklärt und gerne mal verflucht, schlagen die Umstände heute eher bei Claudia auf die Stimmung...! Eine Einkaufsmöglichkeit ergibt sich leider nicht auf unserer heutigen Fahrt, aber immerhin bekommen wir die Gelegenheit, an einer Wasserstelle unsere Trinkflaschen aufzufüllen. Reichlich geschafft vom ständigen Auf und Ab entlang der Autobahn frequentieren wir um kurz nach fünf eine kleine ebene Fläche oberhalb der Straße, die unser Nachlager werden soll. Es gibt Abendessen, Tee und Kekse und dazu einen Panoramablick im Abendrot auf die munter befahrene Autobahn. Vielleicht hat das Verkehrsrauschen in den Ohren ja jedenfalls einschläfernde Wirkung...En savoir plus

  • Gewitter auf'm Acker

    27 avr.–1 mai 2024, Turquie ⋅ ☁️ 22 °C

    Erste Feststellung am Morgen: Das Rauschen hat sich halbiert! Während der vorbeibrausende Verkehr auf der Autobahn weiterhin unaufhörlich die Geräuschkulisse prägt, hat der Wind sich zu unserer Freude verabschiedet. Der Himmel sieht etwas freundlicher aus, sie Sicht ist besser und die Sonne bringt reichlich Wärme mit, als sie hinter den Bergen zum Vorschein kommt. Heiko schickt nach unserem 7-Uhr-Frühstück die Drohne zu einem Rundflug in die Luft und startet danach eine Foto-Runde zur Würdigung der verschiedenen bunt blühenden Pflanzen, die der Kargheit in dieser Gegend trotzen. Claudia widmet sich währenddessen ihrem Krimi, bevor es an das inzwischen wieder recht routinierte Abbauen und Packen geht. Rauf und runter führt unsere heutige Fahrt zunächst weiterhin mal mehr und mal weniger dicht an Autobahn durch die felsigen Ausläufer des Taurusgebirges. Es handelt sich um einen historischen Pass, über den die heutige Autobahn an dieser Stelle führt und in "nur" 1050m Höhe den äußersten Taurus-Bergzug quert. Die sogenannte „Kilikische Pforte“, die hier passiert wird, ist eine geradezu mythisch umwobene Engstelle im Taurusgebirge auf dem Weg vom anatolischen Hochland hinunter in die Ebene von Kilikien. Die Durchfahrt trennte in der Vergangenheit die Küste und das anatolische Hochland so stark voneinander, dass ein Passieren nur mit größter Mühe möglich war. Unzählige Heere von Alexander dem Großen, von römischen und byzantinischen Feldherren bis zu den Kreuzfahrern haben sich hier durch einen schmalen Felsenschlitz gequetscht, durch den kaum Reit- und Lasttierre oder gar Fuhrwerke passten. Über Jahrtausende diente die Pforte als einzige Handels- und Verkehrsöse durch den Taurus weit und breit. Erst die "moderne" Türkei hat diese Mythen rigoros beseitigt, die engen Felswände weggesprengt, um dem "modernen" Verkehrssystem einer sechsspurigen Autobahn Platz zu schaffen. Bis heute stellt die Kilikische Pforte, in der Türkei als Gülek Bogazi bezeichnet, die wichtigste Verbindung zwischen dem Mittelmeer und dem anatolischen Hochland dar und war entsprechend auch von hoher strategischer Bedeutung. Während die vielen Autos und LKW duch die geschichtsträchtige "Kilikische Pforte" rauschen, winden wir uns auf der schon vor der Autobahn existierenden Landstraße D750 auf 1370m hinauf. Sie wurde etwas weiter westlich als Umfahrung der Pforte trassiert und führt uns durch eine langgezogene Stadt namens Pozantı mit sehr quirliger Hauptstraße, die wir für einen Einkauf nutzen. Als wir nach absolvierten 500hm den Gipfel erreicht haben, freuen wir uns mal wieder über unsere Standardtüte Chips. Die "Arbeit" für heute ist getan, für den Rest des Tages sind keine nennenswerten Anstiege mehr zu erwarten. Vielmehr geht es zunächst sogar eine ganze Weile bergab. Eine Weile radeln wir noch an der mäßig befahrenen Hauptstraße entlang, wollen dann aber auch gerne den Feierabend einläuten und halten die Augen nach einem Zeltplatz offen. Die Suche gestaltet sich mal wieder nicht einfach, aber als wir gerade etwas ratlos am Straßenrand stehen, erleben wir einen Motivationsschub der besonderen Art: Ein kleines (!) Auto kommt vor uns zum Stehen und sechs (!) junge Männer steigen aus. Sie machen den Kofferraum auf und fragen, ob wir Lahmacun essen möchten. Wenige Augenblicke später halten wir tatsächlich die warme (!) türkische Pizza in den Händen und stehen auf Bitte der Jungs gerne für ein gemeinsames Foto zur Verfügung. Sie quetschen sich wieder in ihr kleines Auto und düsen winkend davon, während wir mit unserer sehr leckeren warmen Mahlzeit verblüfft an der Straße stehen. Crazy!
    Die Schlafplatzsuche bleibt leider schwierig und so langsam drängt auch die Zeit angesichts der bald einbrechenden Dunkelheit. Immerhin sind wir dank der Lahmacun-Jungs schon satt. Als wir die Hauptstraße verlassen und auf eine kleine Nebenstraße abbiegen, schöpfen wir neue Hoffnung. Und tatsächlich sehen wir bald eine zelttaugliche Wiese und eine Familie, die auf dem benachbarten Acker arbeitet. Das Übernachten auf der Wiese können sie uns nicht zusagen, da ihnen selbige nicht gehört, aber auf ihrem Acker seien wir willkommen. Die ebenfalls angebotene Option, unsere Fahrräder auf den Transporter zu laden und mit zum sechs Kilometer entfernten Haus der Familie zu fahren, um dort zu übernachten, halten wir für zu aufwändig und lehnen dankend ab. Wir freuen uns aber sehr, dass wir durch das Holztor auf den Acker gelassen werden und dort nächtigen dürfen. Im letzten Tageslicht bauen wir das Zelt auf und gerade, als alles fertig ist und wir noch einen kleinen Salat verspeist haben, zucken die ersten Blitze am Himmel. Wir liegen schon in den Schlafsäcken, als auch Donnergrollen und zeitweise Regen einsetzen. In der Hoffnung, dass der Spuk bis morgen früh vorbei ist, machen wir die Augen zu.
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  • Adana-Kebab in Adana

    28 avril 2024, Turquie ⋅ ☁️ 25 °C

    Erfreut stellen wir am Morgen fest, dass vom Gewitter nichts mehr übrig ist und im Zelt, dass bekanntermaßen bei Regen die eine oder andere kleine Schwachstelle aufweist, alles trocken geblieben ist. Nach dem Frühstück machen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker. Sehr entspannt geht es los, wir müssen eine ganze Weile lediglich auf dem Fahrrad sitzen und lenken. Aus 1300m Höhe geht es nämlich erst einmal hinab bis unter 500m. Ein bisschen ist es so, als würden wir mit der Abfahrt in eine neue Welt eintauchen. Wir lassen die felsige und eher karge Gebirgswelt hinter uns und finden uns inmitten völlig anderer Vegetation wieder. Oliven-, Feigen-, Granatapfel- und Zitrusfrüchtebäume sehen wir nun rechts und links der Straße, außerdem reichlich bunt blühende Blumen, Büsche und Kakteen sowie Palmen. Selbst die Luft ist irgendwie anders, ein erstes "Mittelmeer-Gefühl" kommt auf. Etwas weniger idyllisch gestaltet sich ein Abschnitt, den wir auf der Bundesstraße radeln, dafür kommen wir hier aber ziemlich flott voran. Wieder abseits des Autoverkehrs folgen wir einer Schotterpiste. Unterbrochen wird unsere Fahrt auf dieser Nebenstrecke kurz, weil eine Senke überflutet ist. Also: Räder abladen, mit den Taschen durch das Wasser waten und schließlich Fahrräder ans andere Ufer tragen. Weiter geht's durch eine überwiegend landwirtschaftliche Gegend, bis wir das Bedürfnis nach einem Päuschen verspüren. Kaum steigen wir vom Rad ab, wird ein Autofahrer auf uns aufmerksam, der gerade in die Einfahrt zu seinem Grundstücks abbiegen will. Er spricht uns an und fragt, ob er uns auf ein Getränk einladen darf. Wir nehmen das Angebot an und schieben unsere Fahrräder durch das große Eisentor auf das Grundstück. Von der Straße konnte man nicht erkennen, dass sich hier ein kleines Paradies verbirgt. Onur bietet uns Stühle im herrlichen Garten unter einem Maulbeerbaum an und serviert uns ein Glas Wasser. Kurz darauf gesellen sich seine Frau, seine Schwägerin und seine Schwiegereltern zu uns. Wir erfahren, dass Onur Sales Manager bei Audi ist und dadurch auch schon oft in Deutschland war. Seine Frau arbeitet als Englischlehrerin, was die Kommunikation sehr erleichtert. Die beiden wohnen eigentlich im Mersin und sind aktuell zu Besuch hier. Während wir gemeinsam im Garten sitzen, bringt man uns nacheinander frisch gepressten Saft von Grapefruits aus dem Garten, Kaffee, selbstgemachte Börek sowie diverse Früchte direkt vom Baum. Wir sind beeindruckt, was alles in diesem Garten wächst: Zitronen und Pfirsiche in rauen Mengen, die auch verkauft werden, daneben für den Eigenbedarf Grapefruits, Orangen, japanische Pflaumen in süßer und saurer Form, Maulbeeren, uns unbekannte Früchte sowie verschiedene Gemüsesorten. Mit Plastiktüten bewaffnet machen wir alle zusammen einen Rundgang durch diese herrliche Oase, es soll fruchtiges Proviant für die Fahrt gepflückt werden. Auch die Börekreste sollen wir uns einpacken, verhungern werden wir also heute definitiv nicht. Nach einem Abschiedsfoto verlassen wir dankbar diese supernette Familie und setzen unsere Etappe fort. Mit Rückenwind düsen wir in flotter Geschwindigkeit durch ebenes Terrain in Richtung Adana. Nach dem ständigen Wechsel von bergauf und bergab genießen wir es sehr, mal wieder durch eine "platte Gegend" zu fahren, ganz simpel Fahrradfahren, herrlich. Während wir auf einem Hauptstraßenabschnitt unterwegs sind, passiert es uns nicht zum ersten Mal, dass wir bei einer Polizeikontrolle herausgewunken werden. In der Regel scheint dies stets neugierig motiviert zu sein, die schwer bewaffneten Polizisten wirken zwar etwas befremdlich auf uns, sind aber immer sehr freundlich, heißen uns willkommen und zeigen sich interessiert an unserer Reise. An einer Kontrollen bekamen wir zwei Flaschen Wasser geschenkt, heute dient das Herauswinken dazu, uns beiden jeweils einen Pfirsich in die Hand zu drücken und uns eine gute Reise zu wünschen. Kurz vor Erreichen der Millionenstadt Adana wollen wir am Straßenrand noch eine kleine Rast mit Heißgetränk und etwas Obst einlegen. Es dauert allerdings nicht lange, bis ein Transporter hält und der Fahrer sowie sein kleiner Sohn aussteigen. Der Fahrer möchte uns in sein Haus zum Essen einladen. Das ist zwar total nett, aber wir können uns nicht von einer Einladung zur nächsten hangeln. Irgendwann würden unsere Mägen streiken und unser Ziel würden wir auch nicht erreichen. Heiko lehnt also auf türkisch dankend ab, was in diesem Fall aber nicht wirklich akzeptiert wird. Immer wieder redet der Mann auf uns ein, dass wir doch zum Essen kommen sollen, sein Sohn übersetzt uns das Anliegen auf seinem Handy. Er lässt nicht locker und als wir das Ganze irgendwann als etwas zu aufdringlich empfinden, brechen wir unsere Pause ab, verabschieden uns und radeln weiter. Nach etwas mehr als zehn Kilometern auf teilweise palmengesäumten Straßen erreichen wir Adana, wo wir das Hotel İbis ansteuern. Unsere Räder parken wir in der Tiefgarage und uns selbst in einem netten Zimmer in der vierten Etage. Nachdem wir uns einer Grundreinigung unterzogen haben, verlassen wir das Hotel, um in der Stadt essen zu gehen. Kaum aus der Tür heraus treffen wir auf einen Taxifahrer, der eine Empfehlung für uns parat hat. Das Elem-Restaurant ist schnell gefunden und der Tipp erweist sich als ausgezeichnet. Wir sitzen bei angenehmen Temperaturen draußen und genießen hervorragenden Adana-Kebab in Adana. Ein paar Straßen weiter genehmigen wir uns dann noch einen türkischen Kaffee und die hier typische Nachspeise Kadayif mit Sahne, köstlich! Was geht es uns doch gut! Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir noch einen kleinen Umweg an der beleuchteten Sabancı-Moschee und dem Fluss Seyhan entlang. Morgen werden wir noch einmal bei Tageslicht wiederkommen, denn geplant ist ein Ruhe-, bzw. Sightseeingtag hier in Adana.En savoir plus

  • Aller guten Dinge in Adana sind drei

    29 avril 2024, Turquie ⋅ ☀️ 32 °C

    Ausgeschlafen begeben wir uns an das Frühstücksbuffet des Hotels und dieses lässt keine Wünsche offen. Wir bedienen uns an den vielen Köstlichkeiten und schlagen uns die Bäuche so voll, dass wir im Anschluss nicht sofort in Aktionismus verfallen können. Stattdessen geben wir uns im Zimmer unserer Trägheit hin und verlassen erst am frühen Nachmittag das Hotel. Immerhin wussten wir durch unsere Recherche bereits, dass die Anzahl an Sehenswürdigkeiten im fußläufig erreichbaren Umkreis eher begrenzt ist. Als erstes steuern wir die Sabancı Zentralmoschee (Sabanci Merkez Camii) an, bei welcher es sich um die größte Moschee der Stadt Adana handelt. Baubeginn des im osmanischen Stil erbauten Gebäudekomplexes war 1988, die Eröffnung erfolgte zehn Jahre später. Oft wird die für 28.500 Betende ausgelegte Moschee mit der Selimiye Moschee in Edirne, die wir 2021 besucht haben, verglichen. Die Zentralmoschee liegt am Ufer des Flusses Seyhan im Zentrum der Stadt, in Sichtweite befindet sich bereits unser zweites Ziel. Die Taşköprü (Steinbrücke) in Adana ist das wichtigste Wahrzeichen von Adana und angeblich eine der ältesten noch in Betrieb befindlichen Brücken der Welt. Eher traurig anzusehen ist der Umstand, dass der Fluss Seyhan kaum Wasser führt, sondern sich vielmehr als fast trockenes Flussbett präsentiert. Die bunten Tretboote, die wie an einer Perlenkette aufgereiht im Gras liegen, wo sie eigentlich auf dem Wasser schaukeln sollten, bieten einen ziemlich skurrilen Anblick. Wir spazieren weiter zu einem historischen Turm in Adana, dem großen Uhrenturm (Büyük Saat Kulesi), der im Jahr 1882 fertiggestellt wurde. Der 32 Meter hohe Backsteinturm, für den ein spezielles Uhrwerk aus Deutschland erworben wurde, hat die Form eines quadratischen Prismas, die Fundamenttiefe soll 35 Meter betragen. Selbst einem schweren Erdbeben in Adana im Jahr 1998 konnte der Uhrenturm dank seiner soliden Bauweise standhalten.
    Nach diesen drei Wahnsinnsattraktionen erklären wir unser Touristenprogramm für beendet und schlendern noch ein wenig ziellos durch die Gegend. Tatsächlich sind wir ganz froh, dass Adana nicht sehr viele interessante Schauplätze bereithält. So ergibt sich für uns gar nicht erst die Situation, dass der "Ruhetag" in Stress ausarten könnte, weil wir unbedingt alles sehen möchten, sondern wird seinem Namen sehr gerecht. In der Nähe unseres Hotels finden wir schließlich ein nettes Lokal in einer kleinen Seitenstraße, vor welchem wir uns erneut Adana-Kebab gönnen, während unter den Tischen sehr niedliche Katzenkinder herumtoben. Satt und zufrieden sind nun nur noch wenige Schritte nötig, um im Hotel ins Bett zu fallen.
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  • Ausgebremst...

    30 avril 2024, Turquie ⋅ ☁️ 30 °C

    Ob es der gestrige Adana-Kebab oder etwas anderes war - wir wissen es nicht...! Auf jeden Fall bremst uns heute ein reichlich irritierter Magen-Darm-Trakt aus. Heiko, den es im Gegensatz zu Claudia nur leicht erwischt hat, besucht im Tagesverlauf einmal einen nahegelegenen Supermarkt, um uns mit Getränken und Salzstangen zu versorgen, ansonsten bleiben wir dem Hotelbett treu. Auf dem kleinen Handybildschirm schauen wir den Tatort vom letzten Sonntag, am Abend zeigt ein türkischer Sender das Champions-League-Halbfinale zwischen Bayern München und Real Madrid. Ja, und damit sind die High- und Lowlights des Tages auch bereits erzählt. Gute Nacht!En savoir plus

  • Catering-Day

    1 mai 2024, Turquie ⋅ ☁️ 23 °C

    Das flaue Gefühl, speziell in Claudias Magen, ist zwar noch nicht vollständig verflogen, aber ein kleines Frühstück im Hotel geht heute immerhin wieder.
    Wir entscheiden uns dafür, Adana zu verlassen und die Fahrt fortzusetzen.
    Viertel nach zehn ist es, als wir auf den Rädern sitzen und uns über einige Kilometer aus der Stadt herausnavigieren. Die Gegend wird nun dominiert von Kleininustrie und Landwirtschaft. Viele Menschen sind zur Kartoffel- und Zwiebelernte auf den Feldern, auf den weitläufigen Obstplantagen geben die Bewässerungsanlagen ihr Bestes. Die wenigen Häuser entlang der Straße, auf der wir parallel zu Hauptstraße rollen, wirken deutlich heruntergekommen, außerdem fällt in diesem Abschnitt wie schon das eine oder andere Mal zuvor ein hohes Maß an "Vermüllung" auf. An einem Feldrand lassen wir uns zu einer ersten Pause nieder, der Bauer blockiert extra einen der vielen kleinen Wassersprenger, um uns vor einer Dusche zu bewahren. Anlass zu Freude und Erleichterung gibt die Feststellung, dass Claudias Befinden sich im Tagesverlauf zunehmend bessert, es kann also weitergehen.
    Wir erreichen bald den etwas größeren Ort Ceyhan, wo wir uns mit Proviant eindecken wollen. Vor einem kleinen Markt treffen wir einen in Stuttgart lebenden Türken und kommen ins Gespräch. Unter anderem warnt er uns vor Starkregen, der für die nächsten drei Tage in dieser Region angekündigt sei. Auch das Erdbeben des letzten Jahres wird kurz thematisiert. Jetzt, wo wir uns inzwischen merklich dem Gebiet Hatay nähern, welches von der Katastrophe betroffen war, haben wir immer mal wieder überlegt, ob das Radeln durch diesen Bereich wirklich eine gute Idee ist. Wie stellt sich die Situation dort heute dar? Sind wir als Touristen willkommen oder könnte unser Besuch als pietätlos wahrgenommen werden? Viele Gedanken haben wir uns in den letzten Tagen gemacht und immer wieder abgewogen, ob wir das Gebiet lieber meiden und umfahren sollten oder nicht. Der Mann aus Stuttgart sieht überhaupt kein Problem darin, durch Hatay zu reisen: "Alles gut, die Straßen sind alle wieder befahrbar, der Schutt ist weggeräumt, die Menschen leben ihr Leben." Mit weiterhin eher gemischten Gefühlen radeln wir weiter. Kurz vor der Stadtausfahrt werden wir von einem Auto überholt, aus dem Beifahrerfenster grüßt uns eine Frau und winkt uns freundlich zu. Als wir an der folgenden Ampel das Auto erreichen und daneben zum Stehen kommen, reicht die Frau einen großen Teller voll mit Kuchen aus dem Fenster, von dem wir uns bedienen sollen. Was für eine Szene: Viel Verkehr, mehrspurige Straße, große Hauptstraßenkreuzung..., und wir suchen uns mittendrin leckere Brownies vom Kuchenteller aus. Die Ampel springt auf grün, wir winken der Frau zu, mampfen schon Kuchen und überqueren einhändig, weil Kuchen in der anderen Hand, die Kreuzung. Herrlich! Der weitere Streckenverlauf ist unspektakulär, unser Fokus liegt bald der Suche nach einem Schlafplatz. Eine ganze Weile halten wir vergeblich die Augen offen, nirgends bietet sich auch nur ansatzweise ein Platz für unser Zelt an. Als die Situation gerade etwas auf die Stimmung zu drücken droht, wird dies vom nächsten "Überraschungsauto" verhindert. Das Fahrzeug überholt uns und kommt dann zum Stehen. Zwei Männer steigen aus und fragen, ob wir Lahmacun essen möchten. Einer der Männer öffnet die hintere Wagentür und präsentiert uns die Köstlichkeit. Und so kommt es, dass wir zum zweiten Mal in diesem Urlaub am Straßenrand mit warmen Lahmacun verwöhnt werden und zum zweiten Mal an diesem Tag mit Leckereien aus dem Auto bedient werden. Die Männer fahren schließlich in die gleiche Richtung zurück aus der sie gekommen sind. Scheinbar haben sie uns vorher gesehen und sind extra hinter uns hergefahren. Irre! Ist denn heute Catering-Day? Auf jeden Fall ist die türkische Pizza ausgesprochen lecker und das Erlebnis stimmungsaufhellend, nun brauchen wir nur noch ein Nachtlager. Kurz vor Sonnenuntergang werden wir schließlich fündig. Einen kleinen Abhang rumpeln wir herunter, um eine Wiese unterhalb der Straße zu erreichen. Das Zelt wird aufgebaut und es gibt noch einen abendlichen Tee mit Keks, satt sind wir dank des Caterings ja bereits. Viele umherschwirrende Glühwürmchen leisten uns Gesellschaft, als wir auf unseren Campingstühlen den Tag ausklingen lassen.

    Glühwürmchen
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  • Provinz Hatay und İskenderun

    2 mai 2024, Turquie ⋅ ☀️ 21 °C

    Claudia wird am Morgen davon wach, dass irgendetwas laut des Abhang zu unserem Zeltplatz hinunterpoltert. Der erste Verdacht, dass es sich um einen Traktor handeln könnte, bestätigt sich nicht und wäre bei etwas logischem Nachdenken auch gar nicht möglich gewesen. Der Blick aus dem Zelt offenbart, dass stattdessen eine Schafherde die kleine steile Rampe runtergetrieben wird. Schnell Heiko wecken, denn es dauert nicht lang, bis auch die bellenden Hunde und der freundliche Hirte unser Zelt erreichen. Letzterer möchte uns zum Frühstück zu seinem Haus einladen, was Heiko aber dankend ablehnt und den Kocher für die Zubereitung unserer morgendlichen Heißgetränke anwirft. Es dauert keine zehn Minuten, da steht der Hirte wieder vor unserem Zelt und informiert uns darüber, dass seine Mutter bereits das Frühstück vorbereitet. Also gut: Kocher wieder aus, Sachen packen, Zelt abbauen, Räder beladen...! Der Hirte sitzt etwas abseits im Gras und wartet geduldig, bis wir fertig sind. Im seinem und dem Geleit von einer Herde Schafen und zwei Hunden marschieren wir schließlich zum 400m entfernten Hof. Neben der mähenden Schafherde muhen auch Kühe und gackern Hühner auf dem Gelände, über unseren Köpfen schwirren und zwitschern reichlich Schwalben und Spatzen. Wir lernen die Mutter des Hirten kennen, die uns vor dem Haus ein herrliches Frühstück mit Brot, Schafskäse, eingelegten Oliven von eigenen Bäumen, gekochten Eiern und natürlich Tee serviert. Heiko hat in der Nacht neben bellenden Hunden auch ein Heulen gehört, jetzt erfahren wir, dass diese Laute wohl von Schakalen stammen. Außerdem berichtet der Hirte von etwa 60 Wildschweinen, die hier im Umkreis unterwegs sind. Da die Tiere das Getreide zerstören, werden sie geschossen und angesichts des Umstandes, dass Türken kein Schweinefleisch essen, an Chinesen verkauft, die in unmittelbarer Nähe ein Kraftwerk betreiben. Als wir dem Hirten auf Nachfrage unsere weitere Roure zeigen, empfiehlt er uns eine Änderung. Auf der von ihm empfohlenen Strecke sei weniger Verkehr und es sei insgesamt schöner als auf der von uns vorgesehenen Route, die wohl an einem Kraftwerk vorbeiführt und stark von LKW frequentiert wird. Wir folgen der Empfehlung, die sich auch als absolut richtig erweist. In der Ferne sehen wir deutlich die Rauschschwaden der Industrieanlagen, von denen wir auf der Nebenstraße (noch) verschont bleiben. In einem winzigen Dorf legen wir eine kleine Rast an einer Bushaltestelle ein. Inzwischen war unsere Entscheidung gefallen, durch die Region Hatay zu fahren. An der Beschriftung der Bushaltestellenbänke erkennen wir nun, dass die Provinz Adana hinter uns liegt und das Dorf bereits zu Hatay gehört, wo in der Nacht auf den 06. Februar 2023 die Erde bebte. Der Gedanke, dass durch dieses verheerende Erdbeben hier im letzten Jahr tausende Menschen ihr Leben und unzählige ihr Zuhause mit allem Hab und Gut verloren haben fährt fortan mit. Während wir hier noch so sitzen, kommt ein junger Mann vorbei und stellt interessierte Frage. Ein Viertelstündchen später taucht er erneut auf, um uns eine große Tüte voll mit Orangen zu schenken. Mit reichlich Vitamin C im Fahrradkörbchen radeln wir weiter und erreichen kurz darauf die Hauptstraße, der wir nun bis zum Zielort İskenderun nicht mehr entkommen können. Viel lauter Verkehr, vor allem LKW, braust an uns vorbei und der erste Mittelmeerblick (wir sind nur einen Steinwurf von der Küste entfernt...) wird durch mächtige Industrieanlagen in der Freihandelszone verhindert. Kurz vor Erreichen der Stadt können wir dann doch noch einen Blick auf das Mittelmeer erhaschen, wenn dieser auch bei weitem nicht so grandios und besonders ist wie der bei Erreichen des Schwarzen Meeres im letzten Jahr. Mit der Einfahrt in İskenderun sind dann auch für uns erstmals die durch das Erdbeben angerichteten Folgen nicht mehr zu übersehen: Lücken, wo einst Häuser standen, zerstörte Gebäude, nach wie vor Container- und Zeltunterkünfte in der Stadt. In zentraler Lage liegt das Diamond Palace Hotel, wo wir gegen 19 Uhr einchecken. Unser Zimmer ist sehr groß und geräumig, darüber hinaus aber eher "mittelmäßig". Im letzten Abendlicht zieht es uns nach einer Dusche noch einmal hinaus an die Promenade. Wir besuchen einen bedeutenden Platz der Stadt, den
    İskenderun Monument Square (İskenderun Anıt Meydanı), auf dem natürlich auch ein Mahnmal des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk nicht fehlen darf. Leider stehen das auf einem Marmorsockel montierte Bronzewerk von Atatürk im Militäranzug auf einem sich aufbäumenden Pferd sowie der größte Teil des Platzes unter Wasser, was wir zunächst auf Regenfälle in den letzten Tagen zurückführen. Später erfahren wir allerdings, dass der Küstenstreifen an dieser Stelle durch das Erdbeben um einen Meter abesackt ist. Das erklärt natürlich einiges...!
    Zum Abschluss des Tages wird es dann tatsächlich türkei-untypisch: In einer recht belebten Straße, man könnte fast "Partymeile" sagen, bestellen wir Burger und Pizza und sogar auf die geliebte türkische Nachspeise verzichten wir. Vielleicht morgen wieder...
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  • İskender-Kebab in Iskenderun

    3 mai 2024, Turquie ⋅ ⛅ 20 °C

    Frühstück hat unser Hotel leider nicht im Angebot, so kommt der Gaskocher heute auch mal zu einem Indoor-Einsatz. In typischer Zeltmanier genießen wir spät und ausgiebig die erste Mahlzeit des Tages im Hotelzimmer. Die folgenden Stunden gestalten wir sehr entspannt. Sowohl den Fahrrädern als auch uns sei nämlich heute mal wieder ein "Ruhetag" gegönnt. Wie bereits in Adana gibt es auch in İskenderun keine Sehenswürdigkeiten in Hülle und Fülle, so dass wir tatsächlich einen sehr gemütlichen Tag verleben. Bei einem Spaziergang entlang der Uferpromenade lassen wir uns unter blauem Himmel den recht kräftigen Wind um die Nase wehen. Nachdem wir gestern Abend bereits den İskenderun Monument Square besucht haben, stehen heute weitere kleine Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Mit dem "Şehitler Abidesi" und dem "Şehitler Anıtı" besichtigen wir auf unserem Spaziergang zwei weitere Denkmäler der Stadt İskenderun, wobei wir den näheren Hintergrund leider nicht eruieren können. Weiter am Wasser entlang passieren wir die "Nihal Atakas Camii", die im Vergleich zu den meisten bislang gesehenen Moscheen durch eine außergewöhnliche Architektur besticht. Auf der Terasse eines Cafés kurz hinter der Moschee lassen wir uns die steife Brise um die Nase wehen und genießen köstlichen Zitronen-, bzw. Käsekuchen und schlürfen den einen oder anderen Tee. Wir schwenken etwas landeinwärts an, um natürlich noch einen Blick auf den nicht mehr in Betrieb befindlichen Leuchtturm zu werfen. Gewisse Bauwerke darf man als gute Tochter einfach nicht auslassen...! Damit der Ruhetag seinem Namen am Ende auch alles Ehre macht, begeben wir uns nach diesem absolvierten "Gewaltmarsch" von bestimmt drei Kilometern erstmals wieder in unser Hotelzimmer und machen Pause. Naja, und als wir das "Päuschen" für beendet erklären, ist es auch schon wieder Zeit für das Abendessen, was für ein Zufall...! Im Gegensatz zu gestern bleiben wir heute der türkischen Küche treu: Zum Abschluss des Tages gibt es passenderweise İskenderkebab in İskenderun.En savoir plus

  • Überraschung in Kırıkhan

    4 mai 2024, Turquie ⋅ ☀️ 22 °C

    Nach dem einigermaßen faulen gestrigen Tag, klingelt uns der Wecker heute um sieben Uhr aus dem Bett. Wir machen uns wieder ein kleines Frühstück im Hotelzimmer, bevor wir packen, auschecken und um neun Uhr in die Pedale treten. Einen kurzen Stopp legen wir noch an einem Supermarkt ein, dann steht Frühsport auf dem Programm. Mit Verlassen der Stadt und Erreichen der Hauptstraße beginnt sofort der Anstieg, von Meeresniveau sollen wir uns auf 700m hinauf arbeiten. Nicht lange dauert es, bis wir beim Blick zurück İskenderun nur noch aus der Ferne/ Höhe sehen. Durch den hübsch anzusehenden Ort Belen, wo wir kurz abseits der Hauptstraße radeln, führt unser Weg weiter hinauf. Wie immer ist auch diese Bergauffahrt irgendwann geschafft und mit Erreichen des höchsten Punktes verlassen wir auch die Hauptstraße - perfekte Voraussetzungen für eine ausgedehnte Chips- und Teepause. Während wir hier sitzen, wird uns bewusst, wie nah wir uns nun an der syrischen Grenze befinden, möglicherweise gehört die am Horizont sichtbare Hügelkette schon nicht mehr zur Türkei. Wir machen uns Gedanken über die weltpolitische Lage, stellen uns Fragen über mögliche zukünftige Szenarien und sind uns einig in der Feststellung, dass das Radreisen und damit verbunden auch die Vorausplanung der gewünschten Fortsetzung unserer Tour deutlich an Unbeschwertheit eingebüßt hat. Im Gegenteil: Zunehmend mischen sich Sorgen in die Urlaubsgedankenspiele, die eine längerfristige Routenüberlegung kaum zulassen angesichts der gefühlt unberechenbaren Lage. Bleiben wir aber zunächst im Hier und Jetzt und folgender Regel: Wo es hinauf geht, geht's auch wieder hinunter! Unter strahlend blauem Himmel und umgeben von herrlicher Natur folgen wir einer Schotterpiste, die uns Meter um Meter an Höhe verlieren lässt. Eine ganze Weile betreiben wir "Genussradeln", bis wir geplantermaßen auf die Hauptstraße in Richtung Kırıkhan stoßen. Diesen Ort wollen wir für einen Einkauf nutzen und dann auch möglichst bald die Suche nach einem Lagerplatz für die Nacht starten. Bei extrem angenehmem und hilfreichem Rückenwind nähern wir uns Kırıkhan, mehr noch als in İskenderun gewinnen wir auf dieser Fahrt Eindrücke des vergangenen Erdbebens, die nicht spurlos an uns vorbeigehen: Große Schuttflächen, Container-Lager, zerstörte Gebäude. Am scheinbar provisorisch errichteten Supermarkt BIM halten wir an und Claudia, die in der Regel die "Einkaufsbeauftragte" der Reisegruppe ist, verschwindet im Laden. Als sie mit vollen Tüten wieder herauskommt, ist Heiko nicht mehr allein. Er stellt Claudia Burak vor, der ihn während des Wartens vor dem Supermarkt angesprochen und auch direkt eingeladen hat. Was für eine Überraschung! Wir nehmen die Einladung an und folgen Burak zu seinem Haus, welches zwei Kilometer entfernt in der Richtung liegt, aus welcher wir gerade gekommen sind. Nicht viel später parken unsere Fahrräder vor dem Haus und wir sitzen auf dem großzügigen Balkon der Hochparterre-Wohnung unter einem Maulbeerbaum. Buraks Vater ist ebenfalls vor Ort und per Video-Telefonat wird auch noch seine Schwester, die in New York lebt, zugeschaltet. Wir knabbern leckere Maulbeeren, bis auch Buraks Mutter sowie seine jüngere Schwester Beyza eintreffen, die uns zusätzlich mit Tee versorgen. Wir verbringen einen netten gemeinsamen Abend, essen zusammen im Wohnzimmer Baklava und Sesamgebäck bei türkischem Kaffee und nach einer Dusche reichlich Kebab mit Brot und Salat, was Buraks Mutter spontan hat liefern lassen. Burak erzählt sowohl von vielen Reisen innerhalb der Türkei sowie in Europa, die er unternommen hat, als auch von seiner Stationierung als Soldat auf Nordzypern. Das gold verzierte Geschirr, welches wir heute nutzen, habe Burak seiner Mutter aus dieser Zeit in Nordzypern mitgebracht, berichtet sie uns und erwähnt in diesem Zusammenhang, dass viele Teile davon leider während des Erdbebebens zu Bruch gegangen sind. Wir erfahren, dass die Familie vor dem Erdbeben eine Wohnung im 7. Stock bewohnt und dort auch die Katastrophe erlebt hat. Das Haus ist nicht mehr bewohnbar, weshalb sie nun hier leben und wohl auch eine Wohnung in einem Hochhaus keine Option mehr ist. Wir merken es inzwischen immer wieder: Das Erdbeben hat Spuren hinterlassen, in der Landschaft, den Städten und nicht zuletzt bei den Menschen.
    Beyzan stellt uns ihr Zimmer für die Nacht zur Verfügung und nachdem wir uns auf eine Frühstückszeit geeinigt haben, wünschen wir uns alle für heute: "İyi geceler!"
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  • Kinderreiche Regenrettung

    5 mai 2024, Turquie ⋅ ☁️ 16 °C

    Wie mit unserer Gastfamilie verabredet stehen wir um 8 Uhr auf und bekommen als erstes einen türkischen Kaffee serviert. Es folgt ein reichhaltiges Frühstück und dann ist es an der Zeit, Abschied von Burak und seiner Familie zu nehmen. Die Räder, die wie wir in der Wohnung übernachtet haben, werden in den Vorgarten verfrachtet und beladen. Um das Erinnerungsfoto kümmert sich Beyzan, die angesichts einer allergisch bedingten "dicken Lippe" lieber hinter der Kamera bleiben möchte. Wir rollen winkend vom Hof und zurück auf die uns von gestern bereits bekannte Hauptstraße. Am Ortsende ändert sich die Größe der Straße ebenso wie der Untergrund drastisch. Fortan haben wir auf einer schmalen Piste Schotter unter den Reifen, hin und wieder abgelöst durch Wasser. An mehreren Stellen ist der Weg überflutet und wenn die Bodenbeschaffenheit oder die Wassertiefe kein vorsichtiges Durchfahren oder Durchschieben erlauben, ist Abladen und Einzelteile tragen angesagt. Für ein Teilstück wechseln wir kurzzeitig wieder auf die Hauptstraße, dort nervt aber der Verkehr. Also holpern wir doch auf Schotter weiter und kühlen zwischendurch beim Durchwaten der überschwemmten Abschnitte unsere Füße, wir haben ja Zeit...! Entlang des Weges kommen wir an vereinzelten kleinen Häusern vorbei, plötzlich rufen uns von zwei Grundstücken Menschen zu. Sowohl auf der rechten als auch auf der linken Wegseite winkt man uns heran und möchte uns zum Tee einladen. Die Entscheidung ist nicht leicht, wir wollen ja niemanden vor den Kopf stoßen. Ganz pragmatisch biegen wir auf das Grundstück ab, dass am dichtesten liegt. Während die Frau uns türkischen Kaffee vorbereitet, führt der Mann uns durch seinen Garten. Dieser dient der Selbstversorgung und es wächst dort tatsächlich von Obst bis Gemüse alles, was das Herz begehrt. Dazu wuseln noch ein Hund, eine Katze und viele Hühner auf dem Grundstück herum. Wir erfahren, dass die Familie durch das Erdbeben ihr Haus verloren hat und deshalb nun hier lebt. Eine Weile sitzen wir mit dem Ehepaar sowie einem etwas größeren und einem kleinen Mädchen am Tisch, trinken Kaffee und essen die ebenfalls servierten Süßigkeiten. Im Verlauf gesellt sich noch der Bruder unseres Gastgebers, der auf einem Traktor angeknattert kommt (und unbedingt fotografiert werden will) dazu. Als wir die Weiterfahrt antreten wollen, müssen wir feststellen, dass die Nachbarn des schräg gegenüberliegenden Hauses uns nicht vergessen haben. Erneut winken sie und rufen: „Çay, Çay!“ So nett und durchaus verlockend das natürlich ist, wir können einfach nicht alle paar Meter Tee trinken und türkische Köstlichkeiten futtern. So belassen wir es bei einem Gruß und radeln weiter. Der Himmel zeigt sich zunehmend bewölkt und es fallen zwischendurch immer mal wieder ein paar wenige Regentopfen. Am frühen Nachmittag nimmt die Anzahl der Tropfen dann aber leider in einem solchen Umfang zu, dass wir von echtem Regen sprechen müssen und der dunkelgraue Himmel verheißt für den Rest des Tages nichts Gutes. Wir sind schon reichlich nass, als wir eine überdachte hölzerne Sitzgruppe auf einem Schulhof erreichen und Schutz suchen. Abwarten und im wahrsten Sinne des Wortes Tee trinken, so lautet zunächst unserer Devise. Die Zeit verstreicht und es wird weder trockener noch gemütlicher, obendrein frieren wir inzwischen nicht zu wenig. Nun ist guter Rat teuer, zumal unser Zelt zwar bei gutem Wetter super ist, aber bei ausgeprägter Nässe von oben dezente Schwächen aufweist…! Idee Heiko: „Wir könnten zu einem Hotel fahren. Das nächste ist 38km entfernt, um acht könnten wir da sein.“ Claudia reagiert mittelbegeistert und formuliert eine halbherzige Gegenidee: „Ich gehe mit dem Regenschirm durch das Dorf und guck mal, ob ich eine überdachte Zeltoption sehe.“ Gesagt, getan, Claudia stapft in Flipflops mit Regenschirm durch die nassen Straßen. Nach wenigen Schritten ist die Sackgasse einer kleinen Straße erreicht, wo eine Frau auf Claudia aufmerksam wird und sie anspricht. Und da haben wir den Salat…, GUCKEN wollte Claudia nach einem möglichen Lagerplatz, SPRECHEN in türkischer Sprache ist dagegen ganz klar Heikos Fachgebiet. Der sitzt aber auf dem Schulhof und die Frau versteht natürlich kein Englisch. Okay, dann also die wenigen bekannten türkischen Vokabeln „turistler, Almanya, bisiklet, çadır, bir gece, eşim, okul“ aufsagen und mit mehr oder weniger gekonnter Mimik und Gestik zu einem Anliegen verbinden, das hoffentlich zumindest ansatzweise verstanden wird. Inzwischen hat sich auch eine Schar von Kindern unterschiedlichen Alters eingefunden und beteiligt sich rege an der Auflösung des Rätsels. Um dem Scharade-Spiel im Regen auf die Sprünge zu helfen, zückt die Frau ihr Telefon, ruft jemanden an und hält Claudia das Telefon hin. Bei der Stimme am anderen Ende handelt es sich um ihren Bruder, der ein Juweliergeschäft in Antalya betreibt und deutsch spricht, juhuuu! Alles kein Problem heißt es am Ende und dann werden wir (mal wieder) von einer riesigen Welle Gastfreundschaft überrollt. Die Kids wollen Claudia nicht mal mehr zurück zur Schule gehen lassen, sondern am liebsten Heiko und die Räder allein abholen. Der Kompromiss ist ein gemeinsamer Gang zur Schule, wo Heiko kurz darauf von einer Horde Menschen überrascht wird. Zurück am Haus wird uns eine große Garage geöffnet, wo wir unsere Räder parken können, dann werden wir in das sehr geräumige Wohnzimmer gebeten. Schon auf dem Weg zum Haus hat ein Junge Heiko als Fußballgesprächspartner auserkoren, nun schenkt er ihm ein Trikot seines Lieblingsvereins Fenerbahçe Istanbul, welches sofort angezogen wird. Wir werden auf dem Sofa platziert und alle Menschen, ob groß oder klein, sind um unser Wohlbefinden bemüht. Ein Heizstrahler wird eingeschaltet und direkt vor uns aufgestellt, wärmende Kleidung wird herangeschafft, die wir anziehen sollen (Widerstand zwecklos…) und in der Küche wird Tee und etwas zu essen vorbereitet. Innerhalb kürzester Zeit steht eine komplette Mahlzeit vor uns. Die Herzlichkeit dieser Menschen, bei denen sich uns die familiären Zusammenhänge nicht vollständig erschließen, ist kaum in Worte zu fassen. Wir verleben, vor allem auch dank der vielen Kinder, einen kurzweiligen Abend. Ob es der geschätzt dreijährige Junge ist, der mit uns herumtobt, die etwa zehnjährige Betül, die mit Heiko Bilder malt, die hinreißende zwölfjährige Sultan oder die etwas älteren Mädels (leider erinnern wird nur den Namen Zeynep…), die ihre Schulenglischkenntnisse zum Besten geben, sie alle machen den Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis. Uns beschleicht eine leise Vorahnung, als wir plötzlich wieder verdächtige Geräusche und Gerüche aus der Küche wahrnehmen, die Bestätigung lässt schließlich nicht lange auf sich warten. Noch satt von der üppigen Begrüßungsmahlzeit teilt man uns mit, dass das Abendessen nun fertig sei. Auch der Familienvater ist inzwischen eingetroffen und nun sitzen wir alle gemeinsam auf dem Fußboden um eine Decke herum, auf der immer mehr gefüllte Schüsseln und Teller abgestellt werden. Das Essen erweist sich als Hochgenuss, von der perfekt gewürzten Suppe und dem Hühnchengericht mit orientalisch angehauchtem Reis bis hin zu den vielen Beilagen sind wir restlos begeistert. Satt, satter, am sattesten – wir sind definitiv bei Stufe 3 angekommen. Im Hinterkopf schwirrt allerdings noch leise und bedrohlich die Frage, die Zeynep irgendwann zwischendurch gestellt hat: „Mögt ihr Pudding?“ Es ist kaum zu glauben, aber auch an dieser Stelle haben wir die Familie unterschätzt. Der nächste Gang wird hereingetragen, jeder erhält einen Teller mit zwei Stücken von in Sirup getränktem Kuchen und uns beiden wird ZUSÄTZLICH noch je eine rosa Schale mit selbstgemachtem Schokoladenpudding kredenzt, puh! Um zu verhindern, dass wir platzen, verschieben wir den Verzehr des Puddings auf das morgige Frühstück und lassen auch die Finger von den im Raum verteilten Nusstellern. Ein paar Gläser Tee schlürfen wir noch in Gesellschaft, bevor die allgemeine Nachtruhe eingeläutet wird. Mitten im großen Wohnzimmer richtet man uns ein Lager her. Müde und reichlich übersättigt, aber auch unfassbar dankbar für diese Begegnung machen wir die Augen für heute zu.En savoir plus

  • Hotel Nikopolis

    6 mai 2024, Turquie ⋅ ☀️ 17 °C

    Als wir am Morgen aufstehen, ist der Familienvater bereits wieder bei der Arbeit und einige Kinder schon in der Schule, Zeynep und Betül verabschieden sich gerade und verlassen das Haus. Sultan verzichtet heute auf den Schulbesuch, weil wir da sind, wie sie uns erklärt. Ein wunderbares Frühstück genießen wir noch in diesem gastfreundlichen Haus, bevor die Zeit des Aufbruchs gekommen ist. Sultan zeigt uns noch kurz die zwei Kühe der Familie und wie üblich wird noch das eine oder andere Foto gemacht. Ein bisschen bereuen wir, nicht gestern schon ein gemeinsames Bild gemacht zu haben, wo am heutigen Morgen diverse Familienmitglieder leider nicht mehr da sind. Zum Abschied werden uns noch reichlich Geschenke überreicht: Neben Socken für uns beide gibt es zwei Gläser Oliven, ein Glas Sesampaste, Kuchen und reichlich Sesamkekse alles aus eigener Produktion…! Wir verstauen alles in den Packtaschen, verabschieden uns und radeln schließlich winkend vom Hof. Ein paar kleine Wattewölkchen zeigen sich am ansonsten blauen Himmel, als wir wieder über den Asphalt rollen. Nach etwa drei Kilometern erreichen wir den Ort Aktepe, wo wir unsere Wasservorräte auffüllen. Es ist ein sehr quirlig lebendiger Ort. Rechts und links der Straße herrscht emsiges Treiben, während auf dem Mittelstreifen viele Menschen auf kleinen Holzstühlen unter Palmen sitzen und Tee trinken. Nachdem Aktepe hinter uns liegt, werden wir doch etwas überrascht von der Landschaft die uns nun erwartet. Auf einmal befinden wir uns inmitten riesiger Lavafelder, die gespickt sind mit kleinen Olivenbäumchen. Eine Recherche zu dieser Gegend in der Provinz Hassa ergibt, dass wir hier in einer Ova („Landschaft, Ebene“) tektonischen Ursprungs unterwegs sind, die in seismisch aktiven Teilen der Türkei vorkommen. Der durch Hassa ziehende Antakya-Kahramanmaraş-Graben ist ein Gebiet, in dem verschiedene tektonische Strukturen nebeneinander existieren und die tektonische Aktivität sehr intensiv ist. Auf beiden Seiten des Grabenfeldes existieren Verwerfungslinien. Während die Verwerfungszone des Toten Meeres den östlichen Teil der Grabenlinie begrenzt, begrenzt die ostanatolische Verwerfungszone den westlichen Teil des Grabens. Fasziniert radeln wir durch die an Island erinnernde „Mondlandschaft“, durch die auch die eine oder andere Ziegenherde getrieben wird. Die heutige Etappe konfrontiert uns aber mit noch einer weiteren Besonderheit, nämlich der unmittelbaren Nähe zur syrischen Grenze. Diese Tatsache stimmt uns angesichts der Lage in diesem Land mal wieder nachdenklich und die Brisanz dieses Grenzgebietes wird durch folgende Begegnung verdeutlicht: Der Fahrer eines Traktor fährt hinter uns her und hält an, um uns davon abzuhalten, dieser Straße weiter zu folgen. In der Richtung würde es nach Syrien gehen und wir sollten unbedingt umkehren und einen anderen Weg einschlagen. Er gibt uns einen Tipp, wie wir am besten zu einer größeren Straße gelangen, der wir dann über die Stadt Kilis nach Gaziantep folgen können. Obwohl laut unseren Navis die von uns gewählte Strecke lediglich parallel zur Grenze verläuft und die empfohlene Route auf den Geräten gar nicht verzeichnet ist, vertrauen wir dem sehr eindringlich formulierten Rat des Traktorfahres und folgen einer kleinen Straße durch die Lava. Als wir ein kleines Dorf erreichen und in einem Laden Wasser kaufen wollen, werden wir direkt von drei Männern zum Tee eingeladen. Auch sie erwähnen, dass wir an dieser Stelle nur drei Kilometer von der syrischen Grenze entfernt sind und bestätigen die Empfehlung der Route über Kilis nach Gaziantep. Um uns auf den rechten Pfad zu bringen, begleitet uns einer der Männer auf seinem Moped ein Stück des Weges. Wieder zu zweit erreichen wir nach einer Weile eine Kreuzung, an der wir eine Entscheidung hinsichtlich der weiteren Fahrt treffen müssen. Biegen wir auf die Hauptstraße ab und radeln auf direktem Weg über Kilis weiter nach Gaziantep oder überqueren wir die Kreuzung, um wieder auf unsere ursprünglich geplante Route zu stoßen, um dieser zu folgen? Während wir diesbezügliche Überlegungen anstellen, kommen mehrere Menschen aus einem sich in Sichtweite befindlichen Zeltlager mit Eimern und anderen Gefäßen vorbei, um auf der gegenüberliegenden Straßenseite an einem Brunnen Wasser zu holen. Bei diesem Lager scheint es sich nicht um eine Unterkunft für Erdbebenopfer zu handeln, ohne es genau zu wissen vermuten wir eher ein syrisches Flüchtlingscamp. Wir entscheiden uns schließlich gegen die verkehrsreiche Hauptstraße und für die weitere, aber vermutlich ruhigere Nebenstrecke, die auf unseren Navis gespeichert ist. Mittlerweile ist die Zeit auch so weit fortgeschritten, dass die Suche nach einem Zeltplatz eingeläutet werden sollte. Die eine oder andere Option wird inspiziert, aber irgendwie kann Heiko sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, hier die Nacht zu verbringen. Manchmal ist es einfach so, dass man sich aus rational nicht erklärbaren Gründen in einer Umgebung nicht wohlfühlt, so geht es Heiko hier und heute. Obwohl die Landschaft total schön ist und faktisch eigentlich nichts anders ist als sonst, passt einfach das Gefühl nicht. Da es aber wichtig ist, dass wir uns stets beide wohlfühlen, beschließen wir, heute auf eine Übernachtung im Zelt zu verzichten und einen kleinen Umweg zu einem Hotel in Kauf zu nehmen. Das übliche Päuschen findet natürlich trotzdem statt, schließlich muss ja auch der geschenkte Kuchen verzehrt werden. Nicht weit vom Ziel entfernt durchqueren wir ein Weinanbaugebiet, wo wir einen deutschsprachigen Türken treffen. Er erzählt uns, dass er durch das Erdbeben sein Haus verloren hat und sich daraufhin eine Hütte auf seinem Weinfeld gebaut hat, was eigentlich nicht erlaubt ist. In der Ferne können wir bereits die gleichförmigen großen Häuser an unserem Zielort İslahiye ausmachen. Je näher wir kommen, desto deutlicher erkennen wir, dass hier riesige neue Wohngebiete gebaut werden und zu einem großen Teil bereits fertig sind. Das schicke, neu eröffnete Hotel Nikopolis befindet sich in unmittelbarer Nähe. Wir checken ein, beziehen unser geräumiges Zimmer und stellen einen Kontrast bei den verschiedenen Ausblicken aus den Fenstern des Hotels fest, der wahrlich bizarr ist: Schaut man aus dem Fenster des Speisesaals, blickt man auf den Hotelpool und die dazugehörigen Sonnenliegen. Zieht man hingegen die Gardine am Fenster unseres Zimmers zurück, schauen wir direkt auf das benachbarte Containerlager für Erdbebenopfer. Das Lager scheint nicht mehr vollständig bewohnt zu sein, aber vereinzelt hängen durchaus bestückte Wäscheleinen in den Gängen zwischen den Containern, spielen Kinder und parken Autos davor. Wir können uns nicht ganz frei machen von diesen Bildern, als wir am Ende eines langen Tages in die Hotelbetten fallen...En savoir plus

  • Mohn-Tag & Premium-Zeltplatz*****

    7 mai 2024, Turquie ⋅ ☀️ 17 °C

    Wie so häufig starten wir entspannt in den Tag. Fast elf Uhr ist es, als wir nach unserem Frühstück im Hotel unsere Fahrräder aus der Tiefgarage holen und beladen. Die Abfahrt verzögert sich dann noch einmal, weil der Hotelbesitzer auf uns zukommt und auf einen Kaffee einlädt. Für einen Moment setzt er sich zu uns, um zu erzählen und anhand von Fotos zu zeigen, an welchen Orten des Planeten Erde er bereits Marathonläufe absolviert hat. Als die Tassen leer sind folgt noch ein Halt am benachbarten provisorischen „Container-Supermarkt“, dann endlich steht dem Start der heutigen Etappe bei herrlichem Wetter nichts mehr im Wege. Wieder vorbei an den Neubaugebieten und den Weinfeldern navigieren wir uns als erstes zurück auf unsere geplante Route. Diese führt uns auf den nächsten Kilometern durch eine weite Ebene, die uns landschaftlich begeistert. Es radelt sich wunderbar vor einem Fototapeten-Bergpanorama, ein ganz besonderer Hingucker sind aber vor allem die Mohnblumen, welche in sattem Rot die Wiesen zieren. Ganze Mohn-Teppiche laden dazu ein, gefilmt und fotografiert zu werden. Die Fahrt bleibt entspannt, bis wir das Städtchen Ortaklı durchquert haben, ab jetzt wird es sportlich. Die nächsten Kilometer führen ausschließlich bergauf, und das bisweilen biestig steil. In 830m Höhe erreichen wir schließlich ein kleines Plateau und da passt es ganz hervorragend, dass die Bewohner des einzigen hier stehenden Hauses uns heraufschnaufen sehen und zum Kaffee einladen. Nach der willkommenen Verschnaufpause bündeln wir noch einmal unsere Kräfte und nehmen die nächsten gut 200 Höhenmeter in Angriff. Auf der Passhöhe angekommen, bietet sich ein sehr schöner Platz mit grandioser Aussicht für eine verdiente Pause an. Schnell ziehen wir in Betracht, die Pause deutlich auszudehnen, vielleicht sogar einfach bis morgen. Als dann noch ein Auto anhält und die Insassen uns auf eine etwas versteckte Wasserstelle in unmittelbarer Nähe aufmerksam machen, steht die Entscheidung fest. Wir bleiben! Und so wird dieser wunderbare Pausenplatz gleichzeitig der perfekte heutige Premium-Zeltplatz*****! Da es noch einigermaßen früh am Tag ist, haben wir viel Zeit für Dinge wir lesen, Drohne fliegen, Kaffee und Tee trinken, Kekse essen, den Moment genießen…, herrlich! Am Abend brutzelt Heiko das Gemüse, welches wir schon seit einigen Tagen spazieren fahren, da wir dank der verschiedenen Einladungen nicht in die Verlegenheit kamen, kochen zu müssen. Zum krönenden Abschluss des Tages dürfen wir noch in unseren gemütlichen Campingstühlen sitzend einen ziemlich hübschen Sonnenuntergang bestaunen. Und als es schließlich dunkel ist und am Himmel die ersten Sterne funkeln heißt es für uns: „Gute Nacht!“En savoir plus

  • Berg- und Talfahrt

    8 mai 2024, Turquie ⋅ 🌙 16 °C

    Auch am heutigen Morgen sind wir nicht weniger begeistert von unserem Zeltplatz als am gestrigen Nachmittag bzw. Abend. Folglich haben wir es auch nicht eilig mit der Abfahrt, sondern genießen ausgiebig den herrlichen Tagesbeginn. Einzig merkwürdig mutet ein kurzer Besuch am Zelt an: Ein Mann hält mit seinem Auto an, kommt zu uns, fragt Heiko nach seiner Herkunft und seinem Ausweis (Claudia hat er vermutlich im Zelt gar nicht wahrgenommen). Dabei ist er nicht unfreundlich, aber von seinem Auftreten so bestimmt, dass Heiko der Aufforderung folgt. Der Mann macht ein Foto vom Ausweis, damit ist er dann zufrieden und verabschiedet sich. Komische Geschichte! Später fragen wir uns, warum wir nicht einmal gefragt haben, wer der Mann ist, was seine Funktion ist oder ob es ein Problem gibt. Wir waren wohl einfach zu perplex. Möglicherweise steht diese "Kontrolle" im Zusammenhang mit der Nähe zur syrischen Grenze. Heute morgen sind schon diverse Lieferwagen an uns vorbei in Richtung Ortaklı gefahren, wo wir gestern bei der Durchfahrt eine große Polizeistation gesehen haben. Vielleicht wurde hier auf unser Zelt hingewiesen, wodurch eine Überprüfung veranlasst wurde?!? Wir wissen es nicht und werden es wohl auch nie erfahren. Es ist ungefähr elf Uhr, als wir auf die Fahrräder steigen. Die ersten zehn Kilometer rollen wir überwiegend bergab durch ein weites Tal. Bald haben wir statt Asphalt sandigen Boden unter den Reifen und zweimal müssen wir uns der Herausforderung stellen, einen Fluss ohne Brücke zu queren. Eine Durchfahrt ist jeweils nicht möglich, also bleibt uns mal wieder nur, Taschen und Räder einzeln auf die andere Uferseite zu verfrachten. Auf unbefestigten Wegen geht es weiter, gerne auch steil bergauf. Wir hatten die Hoffnung auf eine heutige Einkaufsgelegenheit schon fast aufgegeben, da entdecken wir in dem kleinen Dorf Tahtalıkaradut doch noch einen Laden. Das Sortiment gibt nicht allzu viel her, aber immerhin können wir Chips und Wasser ergattern. Das Ladebetreiber-Paar lädt uns noch zum Tee ein. Nicht zum ersten Mal wird auch ein Teller mit den in der Türkei sehr gern geknabberten Sonnenblumen- und Kürbiskernen angeboten, was uns jedes Mal etwas verzweifeln lässt. Wir werden es wohl nie lernen, so geschickt und irre schnell wie die Einheimischen die Kerne mit den Zähnen zu knacken und im gleichen Zuge den kleinen Kern "herauszubalacieren". Nach drei Gläsern Tee verabschieden wir uns von der Familie, die kleine Tochter beschenkt uns noch mit einem (vor Flüssigkleber triefenden) Bild, das sie gerade fertig gebastelt hat. Beginnend mit steil hinauf geht unsere heutige Berg- und Talfahrt weiter. Nach einer Abfahrt auf unbefestigter Piste liegt der tiefste Punkt mal wieder unter Wasser, aber das kennen wir ja inzwischen: Abladen und hin und her durch den Fluss waten, bis alle Einzelteile trocken drüben sind, aufladen, weiterfahren. Stetig bergauf geht's weiter, so langsam sehnen wir den Feierabend herbei. Leider passieren wir in schöner Regelmäßigkeit kleine Dörfer, was die Suche nach einem "nicht sichtbaren" Zeltplatz deutlich erschwert. So ist es dann auch bereits 19 Uhr, als wir kurz hinter einem Ortsausgang eine halbwegs geeignete Stelle entdecken. "Nicht perfekt, aber wird gehen", lautet Heikos Einschätzung der Lage. Etwas oberhalb der Straße lassen wir uns an einem Feldrand neben einer kleinen Olivenbaumplantage nieder und gegenüber der Ersteinschätzung erweist sich der Platz doch als ziemlich gut. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, bis das Pensum an Tageslicht für heute "verbraucht" ist. Die Küche bleibt kalt, wir genehmigen uns stattdessen ein eher weniger vorbildliches Abendessen: Chips, Weißbrot mit Sesampaste, Kekse..., nicht besonders nahrhaft, macht aber satt. Als letzte Aktion des Tages wird das Zelt aufgebaut und eingerichtet, dann ist Feierabend!En savoir plus

  • Ein letztes Mal...

    9 mai 2024, Turquie ⋅ ☁️ 23 °C

    Der heutige Tag lädt dazu ein, wehmütig zu werden…: Ein letztes Mal beginnt der Morgen mit dem
    Öffnen des Reißverschlusses und dem verschlafenen Blick aus dem Zelt ins Freie. Es gibt ein letztes Outdoor-Frühstück, ein letztes Mal wird das Zelt abgebaut und schließlich starten wir in die letzte Radel-Etappe dieses Urlaubs. Es ist nicht mehr weit bis zu unserem Zielort Gaziantep, wir wollen uns aber auf jeden Fall Zeit lassen und diese letzte Fahrt einschließlich Pausen noch einmal genießen. Bereits kurz nach Abfahrt staunen wir nicht schlecht, als plötzlich ein großer Krebs am Straßenrand unterwegs ist. Ganz so kurios wie von uns zunächst wahrgenommen ist diese Begegnung aber nicht. Laut dem Ergebnis der „Google-Bildersuche“ handelt es sich
    nämlich nicht um einen weitgereisten Sylter Taschenkrebs, sondern um eine Süßwasserkrabbe mit
    dem wissenschaftlichen Namen Potamon potamios, die in Süßgewässern des nördlichen
    Mittelmeerraums verbreitet ist. Wir radeln weiter und versäumen es dabei nicht, einen letzten Blick über die Schulter zurück in die herrliche Weite zu werfen, bevor wir in Richtung des Ortes Burç abdrehen. Hier legen
    wir einen letzten Einkaufsstopp ein, um für unsere letzte Pause gewappnet zu sein. Diese steht an, nachdem wir
    ein letztes Mal die 1000m-Höhenlinie überquert haben und es versteht sich von selbst, dass wir hier nach
    dem letztmaligen Aufbau unseres mobilen Esszimmers standesgemäß die letzten "Gipfelchips“ vernichten. Am Horizont ist die Silhouette von Gaziantep auszumachen, als wir die knisternden Tüten leeren und Heißgetränke schlürfen. Wir nehmen die letzten Kilometer in Angriff, unser Weg führt uns nun erwartungsgemäß durch zunehmend besiedelte Gegenden. Gegen Mittag rollen wir dann in die sechstgrößte Stadt der Türkei mit etwas mehr als 2 Millionen Einwohnern, Gaziantep ist erreicht. Während wir uns von den Navigationsgeräten zum vorab gebuchten Hotel lotsen lassen, knacken wir nebenbei noch die Marke von 10.000 Kurs-Südost-Radelkilometern. Am Demokrasi Meydanı halten wir kurz an, um vor den großen weißen Buchstaben, die den Namen Gaziantep bilden, ein "We did it"-Foto zu machen. Durch die engen Gassen der Altstadt schlängeln wir uns anschließend zum Şirvani Konağı Butik Otel. Im hübschen Innenhof des altehrwürdigen und ziemlich verwinkelten Gebäudes dürfen wir unsere Räder abstellen und bekommen einen Tee serviert. Nach Bezug unseres Zimmers wollen wir nicht viel Zeit verlieren, sondern zügig die eher lästigen, aber notwendigen Abreisevorbereitungen in Angriff nehmen. Eine Dusche genehmigen wir uns noch, dann machen wir uns auf den Weg. Ein Fahrradgeschäft ist unser Ziel, wo wir hoffentlich große Kartons zum Verpacken unserer Räder ergattern können. Im ersten Geschäft kann man uns zwar den Wunsch nicht erfüllen, aber die Mitarbeiter sind dennoch sehr hilfsbereit. Ein Herr nimmt telefonisch Kontakt zu einem anderen Fahrradladen auf, sichert uns zwei Kartons zu und erklärt uns den Weg. Nach zwei Kilometern Fußmarsch erreichen wir das Geschäft und erhalten auch prompt die gewünschte Ware, perfekt! Das Tragen zu zweit erweist sich als nicht wirklich praktikabel, so dass Heiko schließlich allein die ineinander gesteckten riesigen Kartons abwechselnd auf Kopf und Schulter durch die Straßen zum Hotel balanciert, während Claudia auf Hindernisse und Verkehr achtet. Froh über den Erfolg widmen wir uns nun wieder den angenehmen Dingen des Lebens. Eine gewisse Vorfreude hatte sich bereits eingestellt, als wir folgendes gelesen haben: "Die antike anatolische Stadt Antep, heute bekannt als Gaziantep, gilt als die gastronomische
    Hauptstadt der Türkei und ist unter anderem als Heimat der besten Pistazien der Welt und für
    köstliches Baklava bekannt." Die UNESCO hat Gaziantep gar als eine der weltweit bedeutendsten
    gastronomischen Städte ausgezeichnet und 2015 zur «Creative City of Gastronomy» ernannt. Das
    muss unbedingt getestet werden! In einem nicht weit vom Hotel entfernten Restaurant probieren wir uns erst durch eine Auswahl empfohlener traditioneller Köstlichkeiten und genehmigen uns danach ein paar Straßen weiter eine üppige Portion Baklava. Satt und zufrieden beenden wir den heutigen Tag...
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  • Erste Abreisevorbereitungen

    10 mai 2024, Turquie ⋅ ☁️ 27 °C

    Den Weg zum Frühstück in die zweite Etage des Hotels bestreiten wir noch zusammen, dann wird Claudia plötzlich von Übelkeit heimgesucht. Während sie zügig den Rückzug ins Zimmer antritt, muss Heiko leider alleine frühstücken. Das war so definitiv nicht geplant. In den folgenden Stunden liegt Claudia mit flauem Gefühl im Magen und Kopfschmerzen im Bett. Heiko widmet sich indes einer wichtigen Abreisevorbereitung: Im Innenhof des Hotels baut er die Fahrräder auseinander und verstaut sie sicher in den gestern organisierten Kartons. Erst am frühen Nachmittag geht es Claudia besser, so dass auch der Verzehr von Obst mit Joghurt möglich ist. So richtig viel passiert heute aber nicht mehr. Selbst das spätere Abendessen fällt für unsere Verhältnisse erstmal bescheiden aus, in einem hotelnahen Restaurant bestellen wir Pide und Lahmacun. Im Verlauf des Abends treibt es uns dann aber doch noch in ein weiteres Lokal. Obwohl wir eigentlich nur einen Tee trinken wollten, teilen wir uns noch eine Portion der herrlich aussehenden İçli-Köfte. Tatsächlich schmecken sie mindestens so gut wie sie auf der bebilderten Speisekarte angepriesen werden, so dass wir unsere zusätzliche Snack-Entscheidung keinesfalls bereuen. Zurück im Hotel läuten wir recht bald die Nachtruhe ein, morgen werden die Touristenschuhe geschnürt!En savoir plus

  • Kultur und Kulinarik in Gaziantep

    11 mai 2024, Turquie ⋅ ⛅ 24 °C

    Anders als gestern frühstücken wir heute glücklicherweise wieder gemeinsam, anschließend planen wir unser Sightseeing-Programm. Die ersten Eindrücke der letzten beiden Tage von der Stadt haben schon ein positives Grundgefühl bei uns ausgelöst, entsprechend freuen wir uns auf die heutige ausgiebigere Erkundung von Gaziantep. Insgesamt gefällt uns der Mix aus traditionell alt und modern neu, auch wirkt es fast überall sehr "aufgeräumt" und freundlich. Ähnlich wie vor einigen Jahren in Edirne empfinden wir es als sehr angenehm, dass die Stadt scheinbar nur zu einem sehr geringen Grad touristisch frequentiert wird, sondern sich in den Straßen vielmehr der normale Alltag der Einheimischen abspielt. Nur wenige Schritte von unserem Hotel entfernt befindet sich die Zitadelle von Gaziantep. Die Burg wurde ursprünglich vom hethitischen Reich als Aussichtspunkt auf einem 25-30m hohen Hügel im Zentrum von Gaziantep erbaut, später im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. vom Römischen Reich zu einer Hauptburg ausgebaut und unter Kaiser Justitian I. im 6. Jahrhundert erweitert. In ihrer fast zweitausendjährigen Geschichte wurde die Zitadelle von Gaziantep mehrmals belagert, umkämpft und eingenommen. Heute wird sie eigentlich als Museum für den Verteidigungskampf Gazianteps und genutzt. Wir müssen uns aber mit einem Rundgang um den Burghügel und die sich bietenden Außenansichten begnügen, der Zugang zur Burg bleibt uns verwehrt. Leider haben die Erschütterungen des verheerenden Erdbebens vom 6. Februar 2023 auch das Wahrzeichen der Stadt nicht verschont, sondern an der imposanten Festung schwere Schäden hinterlassen. Auf allen Seiten sind Steine aus der Wand gebrochen und in Lawinen in den Burggraben gerollt. In der dicken Mauer
    klaffen grosse Löcher, manche Abschnitte sind ganz eingestürzt. Der Wiederaufbau ist bereits in vollem Gange, einige der beschädigten Wachtürme sind zu großen Teilen wieder aufgebaut. Auf den großen Planen, welche als Absperrung der zerstörten Burg dienen, sind Bilder von dem Komplex aus der Zeit vor dem Erdbeben zu sehen, wodurch das Ausmaß der Katastrophe deutlich wird. Nach dem Rundgang um den Burghügel spazieren wir durch verschiedene, perfekt in die Stadt integrierte und entsprechend belebte Parkanlagen. Der große Kulturpark (100. Yıl Atatürk Kültür Parkı) gehört zusammen mit dem Festivalpark und dem botanischen Garten zu den wichtigsten Veranstaltungsorten Gazianteps für Kunst, Kultur und Festivals. Und wie es sich für die „Pistazienhauptstadt“ der Türkei gehört, gibt es natürlich auch einen Pistazienpark (Fıstık parkı). Am Rande der großen Pistazienplantagen und dem Pistazienmuseum lassen wir uns im Schatten ein kühles Getränk schmecken, bevor wir ein kulinarisches Ziel anvisieren, auf welches wir uns besonders freuen. Nach etwa zwei Kilometern Fußmarsch erreichen wir das Lokal Koçak, das berühmt für türkisches Pistazien-Baklava ist. Das exquisite Dessert wird beschrieben als Verkörperung einer jahrhundertalten Tradition und jeder Biss erzähle eine Geschichte von Kultur und Handwerkskunst. Es heißt sehr vielversprechend, die handgefertigten süßen Meisterwerke seien "eine Symphonie von Texturen und Aromen, die Ihre Geschmacksknospen in neue Höhen transportiert". Mit entsprechend großen Erwartungen geben wir Liebhaber der klebrigen Köstlichkeiten unsere Bestellung auf. Auf der Terasse des Koçak nehmen wir unsere Teller in Empfang und schieben genüsslich die erste Gabel in den Mund, um dann entgegen aller Lobeshymnen und Vorschusslorbeeren festzustellen: "Joa, ganz lecker, hatten wir aber schon besser!" Ohne echte Geschmacksexplosion, aber um eine Erfahrung reicher, ziehen wir also weiter. Noch etwas Kultur darf nicht fehlen und so spazieren wie als nächstes zum 2011 eröffneten Zeugma-Mosaikmuseum (Zeugma Mozaik Müzesi), welches mit einer Ausstellung von römischen Mosaiken auf einer Fläche von 1700qm das weltweit größte dieser Art ist. Die hier ausgestellten Mosaike konzentrieren sich auf die Ortschaft Zeugma, das von Seleucus I. Nicator, einem General der Armee Alexanders des Großen, als "Seleucia am Euphrat" gegründet worden sein soll. Die archäologischen Funde einschließlich der Mosaike blieben bis zur Planung des Birecik-Staudamms und der damit verbundenen Überflutung eines Großteils von Zeugma weitestgehend unbekannt. Um das historische Erbe vor dem Staudammwasser zu retten, wurden seit 1992 Grabungen durch das bis dahin kleine Museum durchgeführt. Die Flutung war ursprünglich für das Jahr 1999 vorgesehen. Doch der Aufwand der archäologischen Arbeiten überstieg die Möglichkeiten des Museums bei weitem. Auf die in alle Welt losgeschickten Hilferufe der türkischen Archäologen reagierten nur wenige ausländische Kollegen. So kam es schließlich zu einem Wettlauf mit der Zeit. Erst im Oktober 1999 begannen umfangreichere Grabungen. Nach und nach beteiligten sich Australier, Franzosen, Engländer, Deutsche, Schweizer, Spanier und Amerikaner; verteilt auf bis zu zehn Grabungsgebiete arbeiteten zeitweise 300 Personen gleichzeitig an der archäologischen Stätte. Im Oktober 2000 wurde Zeugma schließlich geflutet und Wassermassen begraben. Die gesicherten Schätze, bestehend aus farbenfrohen und beeindruckend großen Mosaiken und Fresken bestaunen wir heute bei unserem Rundgang durch das sehr ansprechend gestaltete Museum. Als wir uns satt gesehen haben an den antiken "Pixel-Bildern", treten wir den Rückweg in die Altstadt an. Spontan lassen wir uns durch einen Basar treiben, saugen die Atmosphäre und die vorbeiziehenden orientalischen Düfte auf. Im Abendlicht peilen wir eine riesige türkische Flagge an, die etwas oberhalb der Altstadt weht. In der Hoffnung auf eine schöne Aussicht schlängeln wir uns durch ein Labyrinth aus schmalen Gängen empor und fühlen uns plötzlich wie in einer anderen Welt. Sehr ärmlich und zudem vom Erdbeben gezeichnet wirkt dieses Viertel. Einige Kinder spielen in den Gassen, die slumartig anmuten. Wir verweilen etwas auf dem höchsten Punkt und lassen nachdenklich den Blick über die Stadt schweifen, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen und genauso schnell wie wir eben noch in diese gefühlt andere Welt entschwunden sind, nun wieder in das bunte Treiben der Altstadt eintauchen. Inzwischen ist es auch schon wieder Zeit, an das Auffüllen unserer Mägen zu denken und nach kurzer Genervtheit sind wir am Ende sogar fast froh, dass die Bedienung im erstgewählten Restaurant uns mehr oder weniger ignoriert oder einfach vergisst. Dieser Umstand lässt uns nämlich das Lokal verlassen und auf der Dachterrasse eines augenscheinlich bei den Einheimischen sehr beliebten Restaurants einkehren. Der Laden brummt, die Geräuschkulisse aus Geschirrklappern und Stimmengewirr ist beeindruckend und mittendrin sitzen wir und genießen ein ausgesprochen leckeres Essen an unserem letzten Abend in der Türkei. Auf dem Rückweg spricht uns kurz vor Erreichen des Hotels ein Mann an, der auf der Schwelle seines Hauseingangs hockt. Wir wechseln ein paar Worte, dann bittet er uns auf einen arabischen Tee hinein, der sogleich von seiner Frau zubereitet wird. Das Paar, das aus Syrien stammt, wohnt hier mit seinen Kinden in absolut ärmlichsten Verhältnissen. Während die Frau weder türkisch noch englisch spricht, ist eine Kommunikation mit dem Mann gut möglich. Er habe in Syrien mit Touristen gearbeitet und sich in diesem Rahmen Grundkenntnisse diverser Sprachen wie z.B. deutsch, französisch, türkisch etc. angeeignet. Wir trinken Tee, unterhalten uns und lassen uns die Katze der Familie mit ihren 15 Tage alten Jungtieren zeigen. Wir werden plötzlich skeptisch und es schrillen alle Alarmglocken, als das Paar uns zwei kleine Teppiche präsentieren will. Sofort drängt sich der Gedanke auf, dass wir es hier mit einer Abzockmasche zu tun haben. Umso schlechter ist dann aber unser Gewissen, als die beiden uns einen der Teppiche einfach nur schenken möchten. Wir mögen dies kaum annehmen, aber der Mann besteht darauf. Als wir nach der Verabschiedung schon fast wieder am Hotel sind, hegen wir unabhängig voneinander denselben Gedanken. Kaum laut ausgesprochen kehren wir um. Wir treffen den Syrer wieder auf der Schwelle vor dem Haus an und fragen, ob wir ihm den zweiten Teppich abkaufen dürfen. So tauschen Teppich und Euros die Besitzer und anschließend verabschieden wir uns endgültig. Im Hotel angekommen ist es dann an der Zeit, unsere Sachen für die morgige Rückreise zu packen. Während unser Hab und Gut zu kompakten IKEA-Tüten-Bündeln verzurrt wird, hören wir die Live-Übertragung des Fußballspiels zwischen Holstein Kiel und Fortuna Düsseldorf. Claudia blutet etwas das Herz angesichts des Umstandes, heute nicht im Stadion sein zu können, denn das Spiel endet dank eines 1:1 mit einem Platzsturm zur Feier des allerersten Aufstieges in die höchste Klasse der Bundesliga für einen Fußballverein aus Schleswig-Holstein. Mit der Hörversion dieses Moments für die Geschichtsbücher beschließen wir den letzten Urlaubstag und treten die kurze Nachtruhe an.
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  • Görüşürüz Gaziantep

    12 mai 2024, Turquie ⋅ ☀️ 18 °C

    In aller Frühe stehen wir auf und packen unsere letzten Sachen zusammen. Pünktlich um halb sieben manövriert der von unserem Gastgeber bestellte Fahrer einen Mercedes Vito durch die engen
    Gassen zum Hotel, um uns und unser dezentes Gepäck zum Flughafen zu bringen. Die etwa zwanzigminütige Fahrt verläuft reibungslos und auch am Flughafen können wir uns zügig und problemlos der Fahrräder und des Gepäcks entledigen. Ohne Verspätung hebt unser Flieger ab und wir schweben Richtung Heimat. Ein gutes Gefühl gibt uns, dass es kein endgültiger Abschied ist, sondern wir in einigen Monaten zur Fortsetzung unserer Reise genau hierher zurückkehren werden. Im Hotel werden uns dann sogar unsere übrig gebliebenen Gaskartuschen erwarten, die dort für uns verwahrt werden. In diesem Sinne: Görüsüruz Gaziantep, görüşürüz Türkiye!En savoir plus

  • Als wäre es gestern gewesen...

    29 mai 2025, Turquie ⋅ 🌙 17 °C

    Weiter geht's, es wird wieder geradelt!
    Nach unserem ursprünglichen Plan wären wir heute eigentlich bereits seit vier Tagen unterwegs, zu unserem Leidwesen wurden wir aber wenige Stunden vor Abflug "ausgebremst". Ein Wasserschaden, der sich im Rahmen von Dachdeckerarbeiten an unserem Haus ereignete, hat uns zur Umbuchung gezwungen. Nun, vier Tage später, sind die Schäden zu Hause weitestgehend behoben und wir gut in Gaziantep gelandet. Immerhin können wir für die Anreise keine Katastrophen vermelden: Die Flüge verlaufen planmäßig, Gepäck und Fahrräder sind vollständig mit uns gemeinsam angekommen und auch der Transfer vom Flughafen zum Hotel ist schnell erledigt. Plötzlich stehen wir also wieder im Innenhof des "Şirvani Konağı Butik Otel", wo wir im letzten Jahr vor der Abreise ausgecheckt haben und denken uns: Als wäre es gestern gewesen...! Wir beziehen unser Zimmer, Heiko schraubt die Räder zusammen und es wird noch der eine oder andere Klönschnack mit Hotelgästen gehalten. Schließlich endet ein langer Anreisetag und nun dürfen wir gespannt sein, welche Abenteuer, Begegnungen, Landschaften etc. dieses Land in den kommenden sieben (!) Wochen für uns bereithält.En savoir plus

  • Auf Pech folgt Dummheit

    30 mai 2025, Turquie ⋅ 🌙 17 °C

    Nach unserer ersten Nacht in der Türkei stehen wir einigermaßen zeitig auf, um bereits unsere sieben Sachen für den Start der Reise in die Packtaschen zu sortieren, bevor wir uns um acht Uhr am Frühstücksbuffet stärken wollen. Der Plan geht leider nicht auf: Nachdem der Start unseres Urlaubes sich zunächst durch das Pech des Wasserschadens zu Hause verzögert hat, dürfen wir uns heute über unsere eigene Dummheit ärgern. Wer bis 8 zählen kann, hat am Reiseziel alle erforderlichen Fahrradpacktaschen dabei..., wir können es offensichtlich nicht. Eine der großen, hinteren Taschen ist scheinbar in Kronshagen geblieben. Irgendwie würde sich sicher all unser Hab und Gut auch in die 7 vorhandenen Taschen stopfen lassen, für die Gewichtsverteilung auf dem Rad ist das aber alles andere als optimal. Im Internet nach Läden zu recherchieren, die möglicherweise Fahrradtaschen führen, ist aktuell keine Option. Wir haben noch keine SIM-Karte für unseren mobilen WLAN-Router und das gestern abend noch schwach vorhandene WLAN des Hotels versagt am heutigen Morgen seinen Dienst. Nun gut, erstmal frühstücken, dann sehen wir weiter. Zu Fuß machen wir uns schließlich den Weg zu einem großen Einkaufszentrum, welches u.a. eine Decathlon-Filiale beherbergt. Unterwegs besuchen wir einen Turkcell-Laden, in welchem der Erwerb einer SIM-Karte aber aus unerfindlichen Gründen nicht möglich ist und wir also weiterhin offline bleiben. Im riesigen Einkaufszentrum "Sanko Park" ist Decathlon zwar schnell gefunden, Fahrradpacktaschen suchen wir aber vergebens. Immerhin haben wir im nächsten Turkcell-Laden Erfolg, so dass wir auf der Terrasse des Einkaufszentrums bei Tee und Kaltgetränk das Internat zu weiteren Möglichkeiten befragen können. Etwa drei Kilometer marschieren wir zu einem größeren Fahrradgeschäft, auch dort werden wir leider nicht fündig. Da uns auch die Menschen, die wir im Zusammenhang mit unserer Suche sprechen, keine Hoffnung machen, Packtaschen in Gaziantep zu finden, muss nun ein Alternativplan her. Zur Abwechslung steuern wir mal wieder den "Sanko-Park" an und kaufen einen billigen Rucksack, von dem wir uns vorstellen können, dass wir ihn irgendwie an eines unserer Räder "getüdelt" bekommen. Zusätzlich checken wir die Möglichkeit, Ortlieb-Taschen zu bestellen und sie an ein Hotel auf unserer Route schicken zu lassen. In der festen Absicht, morgen nun wirklich loszuradeln, erledigen wir noch einen Proviant-Einkauf, bevor wir uns auf den Rückweg zum Hotel machen. Ein erster Check am Fahrrad offenbart, dass unser neuer Super-Rucksack etwas überdimensioniert ist, aber was soll's, das muss jetzt erstmal irgendwie gehen. Nach diesem eher mittelmäßigen Tag, den wir zum größten Teil entweder im Einkaufszentrum oder durch die Straßen laufend verbracht haben, lassen wir uns am Abend eine üppige Mahlzeit im Restaurant schmecken. Gut gesättigt drehen wir noch eine Runde um die Festung von Gaziantep und "kontrollieren", wie weit die Arbeiten zum Wiederaufbau der Erdbebenschäden seit unserem letzten Besuch vorangeschritten sind. Besichtigen kann man das Wahrzeichen der Stadt nach wie vor nicht, aber es sind deutliche Unterschiede zum Stand des letzten Jahres erkennbar. Zurück im Hotelzimmer verteilen wir zum Abschluss des Tages unser überall ausgebreitetes Chaos auf Packtaschen, Pack-und Rucksäcke, soll es doch morgen endlich losgehen..., und diesmal wirklich!En savoir plus