• Claudia
  • Claudia

Kurs Südost

April 2016 - open end Les mer
  • Ab in die Berge...

    21. september 2022, Tyrkia ⋅ ☀️ 24 °C

    Wir stehen um halb sieben auf, im Haus scheint noch Stille zu herrschen. Durch die Fenster der an unser "Schlafzimmer" angrenzenden Veranda sehen wir dann aber, dass Ahmet sich bereits um seine Hühner kümmert. Kaum dass wir uns blicken lassen und einen guten Morgen wünschen, beginnt Ahmets Frau, an deren Namen wir uns leider nicht erinnern, mit den Vorbereitungen für das Frühstück. Wir versammeln uns erneut auf dem Fußboden um eine Decke und essen gemeinsam, nach mehreren Weckanläufen gesellt sich schließlich auch der jüngere, 16-jährige Sohn dazu. Dieser habe heute Fahrschule, in der Türkei seien wohl ein Tag Schule und fünf Praxiseinheiten für den Erwerb des Führerscheins nötig. Ahmet erzählt von seinen ganzen Tieren und dank des Internet-Übersetzers sowie der Bildersuche wissen wir am Ende, wie sich sein Bestand zusammensetzt: Kühe, Ziegen, Schafe, (Reb-)Hühner, Hunde, Enten und Gänse. Wir erhalten das Angebot, ein Stück unseres Weges mit dem Auto gefahren zu werden, was wir dankend ablehnen. So richtig verstehen können unsere Gastgeber jedoch nicht, warum man freiwillig mit dem Fahhrad durch die Berge fährt, wenn es doch viel einfacher und komfortabler geht. Hudai, der ältere Sohn der Familie verlässt uns recht bald, um die große Herde Ziegen und Schafe auf den Berg zu treiben. Nach dem einen oder anderen weiteren Tee und sehr holpriger Konversation mit Ahmet, möglicherweise angesichts eines Dialekts (?), packen wir unsere Taschen und beladen die Räder. Vor dem Haus noch schnell ein Abschiedsfoto mit der Familie sowie ein herzlicher Dank für die Gastfreundschaft, dann rollen wir vom Hof. Nach anfänglichem Wechsel von sanftem Gefälle und leichten Steigungen folgt eine längere Abfahrt, die uns bis zu einer Hauptstraße führt. Dieser folgen wir kurz und biegen dann auf einen unbefestigten Weg ab, der uns durch große Obstplantagen führt. Die Fahrt zwischen den reich begangenen Apfelbäumen endet schließlich an einer großen Hauptstraße, der wir etwa zehn Kilometer folgen. Wir treffen auf eine Gabelung, an der eine Entscheidung fällig ist. Fahren wir an dieser Schnellstraße ca. 100km bis zum nächsten Ziel Pammukkale weiter oder schwenken wir noch einmal in die Berge und nehmen für die mit Sicherheit schönere Landschaft 1000 zusätzliche Höhenmeter in Kauf. In einem kleinen Laden kaufen wir uns eine kalte Cola, brüten dann auf der Bank einer Bushaltestelle über den Landkarten und Höhenprofilen und wägen ab. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, also wollen wir das Los entscheiden lassen und Heiko zieht blind eine der Optionen. Da wir aber dann doch beide irgendwie von der gezogenen Schnellstraße enttäuscht sind, fahren wir in die Berge. Das hätten wir wohl auch einfacher haben können. Die ersten Kilometer auf der auserkorenen Route führen noch harmlos durch die Ebene, es folgt ein zwar vergleichsweise kurzer, aber steiler und böser Anstieg. Der Rest der Etappe fährt sich dafür fast von selbst, etwa 12 Kilometer dürfen wir uns bergab rollen lassen. Den nächsten bevorstehenden Berg verschieben wir auf morgen und suchen nun nach einem Schlafplatz. Fündig werden wir in einem kleinen Wäldchen nahe der Straße, wo wir eine zeltgoße Fläche zwischen den Bäumen von Steinen, Fallobst und Disteln befreien. Im letzten Tageslicht verspeisen wir unsere Nudeln und dann ist auch schon wieder dunkel. Wir richten das Nachtlager ein und insbesondere Claudia hofft, dass diese Gegend nicht von Kurt bewohnt wird...Les mer

  • Pamukkale

    22. september 2022, Tyrkia ⋅ ⛅ 20 °C

    Es ist noch sehr kalt draußen, als wir um halb sieben vom Wecker aus dem Schlafsack geklingelt werden. Da kommen die warmen Getränke zum Frühstück gerade recht. Eigentlich war unser Plan, heute zeitig aufzubrechen, da uns eine höhenmeterreiche Etappe bevorsteht. Leider macht ein Platten an Claudias Vorderrad uns einen Strich durch die Rechnung. Wir starten schließlich gegen zehn Uhr, versorgen uns in der Stadt Çal mit Proviant und dann erwartet uns auch direkt der erste Anstieg. 600 Höhenmeter wollen erklommen werden. Angesichts des heutigen Etappenprofils kommt es uns entgegen, dass sich der Himmel etwas bewölkt und das Thermometer eher milde Temperaturen zeigt. Auf einer Höhe von 1038m haben wir die erste Steigung des Tages geschafft und belohnen uns im Schatten eines Baumes mit mit Melone, Yoghurt und Chips. Lediglich fünf Kilometer entspanntes Radeln erwarten uns nach der Pause, bevor es erneut bergauf geht. Trotz der kräftezehrenden Steigungen bereuen wir aber zu keinem Zeitpunkt die Entscheidung gegen die alternative Schnellstraße, denn landschaftlich bekommen wir wieder einiges geboten. Während wir uns langsam aber sicher weiter bergauf arbeiten, eröffnen sich immer wieder schöne und beeindruckende Ausblicke auf z.B. eine Schlucht mit imposanten Felsen, die unglaubliche Weite der Landschaft oder das Panorama der Berge. Den höchsten Punkt haben wir schließlich nach mehr und auch steileren Anstigen als erwartet auf 1340m erreicht. Auf den knapp 20 Restkilometern, die nun noch vor uns liegen, sollen wir den größten Teil der mühsam erarbeiten Höhenmeter wieder verlieren. Meist ziemlich steil und bisweilen serpentibenartig geht es zügig bergab. Wenige Kilometer vor unserem Ziel Pammukkale machen wir noch eine kurze Rast am Straßenrand, genehmigen uns eine Rolle Kekse und verschaffen uns schon mal einen Überblick über potentielle Hotels. Zu unserer Erheiterung tragen zwei ältere Damen bei, die auf einem Quad angebraust kommen und zur Begrüßung einen kurzen Stop bei uns einlegen, bevor sie in flottem Tempo weiterdüsen. Auf der weiteren Abfahrt können wir schon von oben den weißen Kalkberg sehen und die vielen Reisebusse auf dem Parkplatz sind bereits auszumachen. Als wir schließlich unten angekommen sind, erkennen wir dann auch die vielen Menschen, die ameisengleich auf dem Felsen "krabbeln". Wir rollen indes zunächst in den Ort Pammukkale und checken im Hotel Mustafa ein, die Fahrräder dürfen zu unserer Freude in einem abgeschlossenen, leerstehenden Laden nebenan wohnen. Nach einer wohltuenden Dusche, die wir uns nach absolvierten 1145 Höhenmetern verdient haben, machen wir noch einen kurzen Gang durch den kleinen Ort und kehren dann im hoteleigenen Restaurant ein. Hier lernen wir Helene und Malte kennen, die in Würzburg Medizin studieren. Wir verbringen den Abend miteinander, tauschen Erlebnisse aus und berichten von unseren jeweiligen Vorhaben.
    So ist es schließlich schon halb zwölf, als wir uns ins Zimmer zurückziehen und den Tag beschließen.
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  • Kalksteinterrassen und Hierapolis

    23. september 2022, Tyrkia ⋅ ☀️ 24 °C

    Nach dem Frühstück im Hotel packen wir direkt unsere Rucksäcke und starten das heutige Sightseeing-Programm. Es sind nur ein paar Schritte bis zum Eingang eines der bekanntesten Naturphänome der Türkei, den berühmten Kalksinterterrassen mit jahrtausende alten Thermalquellen, die auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO stehen. Die Terrassen entstanden durch die Verdunstung des heißen, kalkhaltigen Wassers der Thermalquellen. Aus ihnen fließen immer noch 250 Liter kohlensäurehaltiges und mineralhaltiges Thermalwasser pro Sekunde. Die watteähnlichen Ablagerungen geben der Stadt Pamukkale, was übersetzt "Baumwollburg" heißt, ihren Namen sowie den Terrassen ihren schneeweißen Anblick. Kurz nach Ticketerwerb und Betreten der Anlage geht es barfuß weiter, das Tragen von Schuhen ist auf den Kalkwegen untersagt. Nach wenigen Metern sehen wir dann auch schon das türkisfarbende Wasser in den schneeweißen Becken, die an dieser Stelle allerdings künstlich angelegt sind, schimmern. Neben vielen anderen Menschen waten wir auf den vorgegebenen Pfaden durch das warme Wasser, dass über die weißen Kalkwege fließt, nach oben und blicken immer wieder fasziniert über diese bizarre Landschaft. Auf dem Gipfel des Kalkberges angekommen lassen wir uns auf einer Bank nieder, genießen Snacks und Tee und schauen dabei auf den unterhalb der Terrassen gelegenen Ortsteil Pamukkale Köy und die weite Ebene herab. Oberhalb des Kalkberges liegt die antike griechisch-römische Stadt Hierapolis mit zahlreichen erhaltenen Bauwerken. Da wir keinerlei Zeitdruck haben, erkunden wir in aller Ruhe und sehr ausgiebig das weitläufige Gelände. Als sehr angenehm empfinden wir, dass in diesem Bereich deutlich weniger Menschen unterwegs sind als noch auf den Kalkterassen. Die ältesten Gebäude in den Ruinen sind um die 2.200 Jahre alt. Viele dieser archäologischen Stücke von Pamukkale sind noch sehr gut erhalten, vor allem das große Amphitheater mit Platz für etwa 15.000 Menschen beeindruckt uns sehr. Auf ein Bad im "antiken" Pool (die Recherche ergibt, dass es sich vielmehr um die Reste eines Hotelpools handelt) verzichten wir und machen uns statt dessen zum Sonnenuntergang barfuß auf den Rückweg. Gerade jetzt, wo der Kalk die warmen Farben der Sonne auffängt, bietet sich ein herrliches Naturschauspiel. Zurück im Ort ist es bereits dunkel, im Hotelzimmer gibt es für Heiko eine wärmende Dusche angesichts der doch recht frischen Temperaturen in den letzten Stunden. Im Anschluss besuchen wir ein Restaurant am äußersten Rand des Ortes, wo wir sehr lecker zu Abend essen, Claudia bekommt sogar endlich die ersehnten Mantı. Da dieses Lokal aber keine Nachspeisen im Angebot hat, ziehen wir noch ein paar Schritte weiter in ein Café, dass mit typisch türkischen Süßspeisen wirbt. Auf dem kurzen Weg dorthin treffen wir Ali und seine aus Stuttgart stammende Frau, die wir in Afyonkarahisar kennengelernt haben. Verrückt! Im Café sind wir die einzigen Gäste und werden sehr freundlich in Empfang genommen. Sehr routiniert scheinen die Betreiber allerdings (noch) nicht zu sein. Die Bestellung eines Cappuccino überfordert das Paar, die Benutzung der entsprechenden Maschine stellt die beiden vor Schwierigkeiten. Heikos Tee wird indes vom Nachbargeschäft organisiert und unser geordertes Baklava serviert. Während an der Kaffeemaschine immer noch emsig geübt wird, fällt uns beiden ein unangenehmer Geschmack bei je einem unserer Baklava-Teile auf. Was soll's, denken wir und essen artig weiter. Irgendwann ist dann auch so etwas ähnliches wie ein Cappuccino hergestellt, das Üben mit der Kaffeemaschine geht dennoch im Hintergrund in die nächste Runde. Die gesamte Situation wirkt etwas schräg, was aber das Betreiberpaar durch ihre sehr sympathische Art wieder ausgleicht. Satt, müde und den Kopf voll mit den Eindrücken des Tages steuern wir das Hotel und vor allem unser Bett an.Les mer

  • Zeltplatz mit Verpflegung

    25. september 2022, Tyrkia ⋅ ☀️ 8 °C

    Am heutigen Morgen ist uns beiden etwas flau im Magen, wir sind nicht wirklich auf der Höhe. Es soll aber heute wieder geradelt werden, also starten wir wie üblich in dem Tag. Das Frühstück im Hotel verbringen wir mit Helene und Malte, die sich nach unserem Tag erkundigen und von ihrem Ausflug nach Denizli berichten. Die beiden werden heute Richtung Griechenland weiterreisen und auf ihrem Weg zu einem Treffen mit Freunden auf unseren Tipp hin noch nach Kalambaka fahren und die Meteora-Klöster besichtigen. Auch wir machen uns fertig für die Weiterreise, vor dem Hotel bittet unser Gastgeber noch um ein Foto, welches er auf der Instagram-Seite des Hotels veröffentlichen möchte. Nach einem kurzen Stop beim Supermarkt folgen wir dann wieder radelnd den Anweisungen unserer Navigationsgeräte. Leider geht es uns weiterhin nicht besonders gut, wir fühlen uns schlapp und auch die Magenprobleme sind eher schlechter als besser geworden. Da es uns beide betrifft, haben wir als ursächlichen Übeltäter ganz stark das seltsam schmeckende Baklava vom gestrigen Tag in Verdacht. Neben unserer mittelprächtigen Verfassung zeigt sich auch die Strecke heute leider alles andere als attraktiv. Die kurzen Passagen auf unbefestigten Wegen durch Obstplantagen sind noch das Beste, was diese Etappe zu bieten hat. Darüber hinaus konnten wir lediglich aussuchen, ob wir durch große Industriegebiete oder auf einer stark befahrenen Schnellstraße radeln. Es ist insgesamt ein eher spaßfreier Tag, schlapp spulen wir unsere Kilometer ab, meistens dezent bergauf. Passend zum Tag und zur Stimmung gestaltet sich dann zu allem Überfluss auch noch die Schlafplatzsuche schwierig. Rechts und links der Straße liegen meist eingezäunte Obstplantagen und die offenen Abschnitte sind weit einsehbar. Schließlich soll der Tag aber doch noch ein gutes Ende nehmen. Heiko sieht einen Bauern auf dessen Obstplantage und fragt, ob wir auf seinem Grundstück übernachten dürfen. Der freundliche Mann willigt ein und beschenkt und darüber hinaus noch mit Walnüssen und reichlich köstlichen Weintrauben, die er extra für uns erntet. Später gesellen sich noch Tomaten dazu. Mit der Bitte, bei unserer Abreise das Tor zu verschließen, verabschiedet sich der Bauer irgendwann und fährt wirkend in seinem Auto von dannen. Wir freuen uns über einen wunderbaren Übernachtungsplatz und eine weitere sehr nette Begegnung.Les mer

  • Verlängerte Pause

    25. september 2022, Tyrkia ⋅ 🌙 16 °C

    Wir starten wieder um halb sieben in den Tag und nicht viel später erscheint auch der Bauer wieder, um seine Bäume zu bewässern. Nach einem Gang durch die Plantage zaubert er Walnüsse, Pflaumen sowie Früchte, die wir nicht kennen, aus seinen Taschen und schenkt sie uns. Heiko fragt ihn, wie die uns unbekannten Früchte heißen, aber leider finden wir für das von uns verstandene Wort "Künap" keine passende Übersetzungen. Glücklicherweise isst der Bauer auch selbst eine Frucht, so dass wir zumindest wissen, dass man diese nicht schälen muss, sondern einfach reinbeißen kann. Gegen 9 Uhr verabschieden wir uns und freuen sehr darüber, dass sowohl unser Befinden als auch die uns umgebene Landschaft im Vergleich zu gestern auf dem Wege der Besserung sind. Weiterhin arbeiten wir uns langsam aber stetig bergauf, unser Weg verläuft parallel zur Schnellstraße. Phasenweise müssen wir auch auf der Straße fahren, diese ist aber am heutigen Sonntagvormittag erfreulich wenig befahren. In dem etwas größeren Ort Bozkurt schwenken wir dann von der Straße weg in Richtung der Berge. Wir erledigen einen umfangreichen Einkauf, da wir nicht wissen, wie sich die Versorgungssituation in den kommenden Tagen in eher dünn bis gar nicht besiedelten Gegenden darstellen wird. Fern der großen Straße ist das Radeln gleich deutlich attraktiver, inzwischen haben wir auch deutlich an Höhe gewonnen und bewegen uns auf einem Niveau von etwa 900m. Claudia bemerkt einen Platten am Hinterrad, was auch direkt ein Anwohner des gerade erreichten Dorfes mitbekommt. Er will sofort helfen und präsentiert seinen Kompressor in der Garage. Wir nehmen das Angebot gerne an und der freundliche Herr pumpt den Reifen wieder fahrtauglich, ohne dass die Taschen abgeladen werden müssen. Wir bedanken uns und fahren in der Hoffnung weiter, dass der Reifen eine Weile hält. Nachdem wir beim Radeln auf der sehr langen geraden Straße bereits die schön anzusehenden Berge immer im Blick hatten, bekommen wir sie nun auch zu spüren. Es geht über ca. 4km steil bergauf, bei Erreichen des höchsten Punktes haben wir uns dann die Pause auch verdient. Den Salz- und Flüssigkeitsverlust, den unsere Körper erfahren haben, gleichen wir sehr gerne durch Chips und Melone wieder aus. Die Pause zieht sich in die Länge und nachdem Heiko die Gegend erkundet hat, beschließen wir sogar, sie soweit auszudehnen, dass sie erst morgen endet. An einem Berghang hat Heiko ein ebenes Plätzchen ausgemacht, welches sich als Nachtlager eignet. Und so machen wir heute früh Radel-Feierabend und verbringen des Rest des Tages mit Lesen, Drohne fliegen und Seele baumeln lassen. Am Abend gibt es Gemüse vom Gaskocher, welches heute angesichts erstmalig zugefügter grüner Pepperoni feurig scharf ausfällt. Ausgerechnet heute haben wir uns zudem gegen Nudeln als Beilage entschieden, die das Ganze möglicherweise noch etwas abgemildert hätten, da wir zur Vorspeise bereits gefüllte Weinblätter verputzt haben. Kekse und Tee passen am Ende noch, dann bricht auch schon die Dunkelheit über uns herein und wir verkriechen uns ins Zelt. Nicht unerwähnt bleiben darf abschließend noch der wahrlich atemberaubende Sternenhimmel, der sich über uns aufspannt.Les mer

  • Verlängerte Pause 2.0

    26. september 2022, Tyrkia ⋅ ☀️ 26 °C

    3,6 Grad zeigt das Thermometer, als heute unser Wecker klingelt. Das Verlassen der wärmenden Schlafsäcke zögern wir so lange wie möglich hinaus, selbst während des Frühstücks verharren wir wie Mumien in unseren Kokons. Als dann aber die ersten Sonnenstrahlen über die Berggipfel kriechen, wird es sofort merklich wärmer und angenehmer. Still ist es noch, in der Ferne sind lediglich die Stimme eines Hirten, das Gebell seines Hundes und das Glockenläuten seiner Ziegen oder Schafe zu hören. Zu unserer Überraschung und gleichzeitig Freude hat der Hinterreifen von Claudia nach der gestrigen Kompressor-Aktion nach wie vor ausreichend Luft, so dass dem Beginn der neuen Etappe nichts im Wege steht. Wir radeln los und genießen einen herrlichen Morgen. Unser Weg führt durch eine traumhaft schöne Landschaft, Greifvögel gleiten über uns durch die Luft, kaum ein Auto ist in dieser Gegend unterwegs. Vorbei am trocken liegenden Akgöl radeln wir voller Euphorie weiter, unterbrochen nur für Foto-, Film- und Drohnenaufnahmen. Es passt zu diesem guten Tag, dass wir ausgerechnet zu einem Zeitpunkt eine Wasserstelle entdecken, als wir gerade den entsprechenden Bedarf thematisiert haben. Und es kommt noch besser. Während wir an der Wasserstelle unsere Flaschen und Wassersäcke auffüllen, kommt zuerst ein Bauer und schenkt uns eine Melone, danach kommt seine Frau dazu und überreicht uns frisch geerntete Tomaten. Stand uns etwa auf der Stirn geschrieben, dass wir erstens sehr gerne Melonen essen und zweitens das einzig fehlende Gemüse für unser heutiges Abendessen Tomaten sind? Wir bedanken uns, verstauen Melone und Tomaten in unseren Taschen und winken dem freundlichen Paar bei unserer Abfahrt zum Abschied. Die Landschaft bleibt weiterhin spektakulär schön, so dass wir schon jetzt einig sind, dass diese Etappe zu den schönsten der diesjährigen Tour zählt. Ein steilerer Anstieg steht uns laut Profil noch bevor und passenderweise erwartet uns kurz vor ebendiesem die nächste Überraschung. Wir fahren wir an einem Feld vorbei, auf dem ein Bauer gerade Melonen erntet. "Yemek yemek" ruft er, gestikuliert wild und winkt uns heran. Er zückt sein Messer und schneidet uns zwei kleine Melonen in mundgerechte Stücke, herrlich. Nach dieser unerwarten, aber sehr willkommenen Pause nehmen wir nun den recht fiesen Anstieg auf einigermaßen grobem Schotter in Angriff. Die steilsten Abschnitte bewältigen wir, indem wir unsere Räder jeweils zu zweit hinaufschieben. Entsprechend lange dauert es, bis wir die vier Restkilometer bis zum höchsten Punkt hinter uns gebracht haben. Im Schatten eines Baumes lassen wir uns am Wegesrand zur Pause nieder, von wo wir eine herrliche Aussicht auf das weite Tal, die umliegenden Berge und den Yarışlı Gölü haben. Und schließlich handhaben wir es wie schon am gestrigen Tag und verlängern die Pause einfach bis morgen. Unseren Standort verlagern wir noch um wenige Meter, nämlich etwas das abfallende Feld auf der anderen Straßenseite hinunter. Hier stellen wir neben einem Baum das Zelt auf, nachdem wir in mühevoller Kleinarbeit die nötige Bodenfläche von kleinen, stacheligen Pflanzenteilen befreit haben. Wir genießen die fantastische Aussicht beim Abendessen und als in den Dörfern im Tal die Lichter angehen, ist es für uns bald an der Zeit, die Nachtruhe einzuläuten.Les mer

  • Egal, hier bleiben wir jetzt...

    27. september 2022, Tyrkia ⋅ ⛅ 16 °C

    Einer sternenklaren Nacht folgt am Morgen ein herrlicher Sonnenaufgang, den wir an diesem wunderbaren Zeltplatz erleben. Nach dem Frühstück steht noch die Reparatur von Claudias Hinterrad an, welches inzwischen dann doch merklich an Luft verloren hat. Im Anschluss räumen wir routiniert unser Lager und schwingen uns wieder in den Sattel. Eine Abfahrt auf staubigem, schotterigem Untergrund liegt vor uns, die Berglandschaft um uns herum ist mal ein Traum. Die einzige Einschränkung sind die doch sehr vielen Eingriffe durch Menschenhand. Überall an den Bergen sind Steinbrüche auszumachen, bisweilen fahren wir auch an den riesigen Marmorblöcken vorbei, die in dieser Gegend abgebaut werden. In einem kleinen, ärmlich und zumindest teilweise verlassen wirkenden Dorf, nutzen wir eine Wasserstelle, um die Löcher in den inzwischen zwei defekten und lediglich durch neue ausgetauschten Fahrradschläuche zu lokalisieren und zu flicken. Nachdem wir in diesem Zuge auch gleich unsere Wasservorräte aufgefüllt haben, geht die Fahrt weiter. Wir radeln gerade auf einer staubigen Piste vor uns hin, als Heiko angehalten und mit reichlich Äpfeln beschenkt wird. Wie es der Zufall will, hatten wir ausgerechnet heute morgen zum Frühstück unsere letzten Äpfel gegessen. Nach gut dreißig zurückgelegten Kilometern suchen wir uns ein Plätzchen im Schatten, um Pause zu machen und reichlich Kekse zu vernichten. Diese kleine Auszeit geht einher mit einem Schreckmoment. Heiko stellt fest, dass sein gutes Messer, welches mittlerweile seit über zwanzig Jahren jede Reise begleitet, nicht an seinem Platz im "Küchensack" ist. Auch die erste Durchsicht der Taschen bleibt erfolglos, so dass sich die Frage stellt: Was tun? Den Verlust hinnehmen? Dreißig Kilometer zurückradeln zum letzten Zeltplatz? Per Anhalter dorthin durchschlagen? Als erste Maßnahme stellen wir alle Taschen auf den Kopf und sind dann seeehr erleichtert, als Heiko feststellt, dass das Messer im "Techniksack" statt im "Küchensack" gelandet ist. Wir atmen auf, denn der Verlust des einstigen Geschenks von Claudia wäre sehr schade gewesen, und setzen unsere Fahrt fort. Etwa zwanzig Kilometer haben wir noch vor uns, die mal wieder bergauf führen. Auf einer von Nadelbäumen gesäumten Straße geht es langsam aber sicher hinauf auf den Gipfel, der bei ca. 1400m erreicht ist. Kurz hinter dem höchsten Punkt bietet sich auch ein Platz zum Zelten an, der allerdings augenscheinlich auf privatem Grund liegt. Die auserkorene Fläche ist umgeben von Obstbäumen, in unmittelbarer Nähe steht ein Wohnhaus. Der Versuch, um Erlaubnis für die Übernachtung zu fragen, klappt leider nicht. An dem betreffenden Haus ist niemand zu sehen und bei Betreten des Grundstückes melden sich lautstark Hunde. Also sagen wir uns: "Egal, hier bleiben wir jetzt...". Und wenn noch jemand auftaucht, wovon wir fest ausgehen, können wir die Situation immer noch klären. Tatsächlich kommt aber niemand mehr, so dass wir nach unserem aus Mantı bestehenden Abendessen im letzten Tageslicht das Zelt aufbauen und Feierabend machen.Les mer

  • Letzte Zeltnacht

    28. september 2022, Tyrkia ⋅ ⛅ 17 °C

    Abermals erwartet uns ein schöner Morgen, als wir den Reißverschluss unseres Zeltes öffnen. Nach wie vor sind wir allein, wider Erwarten hat sich keine Menschenseele blicken lassen. So können wir hier noch in Ruhe frühstücken und uns startklar machen. Und das Schöne ist: Wer noch am Abend einen Berg hinauffährt, darf ihn am Morgen wieder herunterrollen. Wir beginnen die Etappe entsprechend mit einer entspannten Abfahrt vor weiterhin herrlicher Kulisse. Auch die wenigen Passagen, die wir in der Ebene radeln und mal nicht entweder bergauf oder bergab, genießen wir sehr. Zwischendurch sind die Glocken der Ziegen- oder Schafherden in den Bergen zu hören. In schöner Regelmäßigkeit klingt der Ruf des Muezzins von den Minaretten der Moscheen, der in der islamischen Welt die Zeit zum Gebet ankündigt. Ein Hund, den wir an einem Feldrand sitzen sehen, stimmt jedes Mal, wenn der Muezzin zum Ruf ansetzt, mit ein und heult mit erhobenem Kopf im Chor. Am Ortsausgang von Yeşilyayla legen wir eine Pause ein, bauen unsere Stühle auf und vertilgen die restlichen Obstreserven aus unseren Taschen. Und dann passiert, was in diesem Urlaub schon so oft passiert ist. Ein älterer Herr steuert auf uns zu, in seiner Hand hält er eine prall mit frischen Weintrauben gefüllte Plastiktüte. Er begrüßt uns freundlich und überreicht uns seine Ernte. Nur wenige Minuten später kommt er erneut, diesmal werden wir mit einer Tüte voll Pflaumen beschenkt. Während der Mann noch fragt, woher wir kommen und wohin wir wollen, ruft seine Ehefrau vom gegenüberliegenden Grundstück und bietet uns Kaffee an. Wir nehmen die Einladung gerne an und sitzen kurz darauf am gedeckten Tisch des freundlichen Ehepaares. Neben türkischem Kaffee werden uns selbstgemachte und ausgesprochen köstliche Süßigkeiten serviert. Wir werden schließlich auch noch in die Herstellung der leckeren Naschereien eingeweiht und erhalten eine Führung durch den Garten. Nicht ohne Stolz präsentieren die beiden, was hier alles wächst und fordern uns immer wieder zum Probieren auf: Äpfel, Pflaumen, Wal- und Haselnüsse, Weintrauben, Feigen und einiges mehr. Nach unserer Weiterfahrt erledigen wir im Ort Bozova einen kleinen Einkauf, um dann die Herausforderung des allabendlichen Anstieges zum Abschluss der Etappe anzunehmen. Wie schon in den letzten Tagen rollen wir über den Gipfel, um dann Ausschau nach einem geeigneten Platz für die Nacht zu halten. Die Suche dauert nicht lang, im Schatten eines Baumes bietet sich eine recht ebene Fläche inmitten dieser schönen Berglandschaft an. Es ist sehr frisch, sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, so dass die abendliche warme Mahlzeit in Form von Nudeln mit Fertigsauce sowie der heiße Tee eine echte Wohltat sind. Beim Essen bekommen wir plötzlich Gesellschaft, hinter uns taucht eine riesige Ziegenherde auf und zeigt sich sehr interessiert an uns. Kurz darauf erscheint auch die Ziegenhirtin und verweilt für den Versuch einer Unterhaltung kurz bei uns. Das sprachliche Verständnis auf beiden Seiten ist leider nicht sehr groß, sie ist uns aber auf jeden Fall wohlgesonnen. Die Warnung vor wilden Tieren in dieser Gegend, die sie möglicherweise ausgesprochen hat, lassen wir einfach mal so stehen und gehen von einer friedlichen Nacht aus. Als die Hirtin mit ihrer Herde weiterzieht, leistet ihr Hund uns zunächst noch ein Weilchen Gesellschaft, bevor er dann auch irgendwann von dannen trottet.Les mer

  • Mission completed - Antalya erreicht

    29. september 2022, Tyrkia ⋅ ⛅ 29 °C

    Lange liegt Schatten auf unserem feuchten Zelt, bis die Sonne endlich die ersten wärmenden und trocknenden Strahlen über die Berge schickt. Es ist bereits zehn Uhr, als wir auf der Straße sind, um heute die Bergwelt zu verlassen und das Mittelmeer zu begrüßen. Von Beginn an geht es bergab, nach ca. 3 km führt unser Weg entlang einer Schnellstraße. Wir haben schon reichlich an Höhe verloren, als wir diese irgendwann wieder verlassen und wähnen uns plötzlich fast in einer anderen Welt. Es riecht auf einmal anders und fühlt sich irgendwie sogar anders an. Wir sehen die imposanten Berge nun von unten und schauen nicht mehr von ihnen herunter, anders als vor wenigen Minuten prägen jetzt Oliven- und Granatapfelbäume, Kakteen mit reifen Kaktusfeigen und Palmen das Bild. Kurz vor der Einfahrt nach Antalya machen wir noch eine kurze Rast und essen unsere letzten Obst- und Keksvorräte. Es folgt eine recht entspannte Fahrt in die 2,6 Millionenstadt, die uns schließlich, nachdem wir vor drei Wochen am Bosporus gestartet sind, an den Strand des Mittelmeeres führt. Eine Weile radeln wir an der belebten Promenade entlang, bevor diese in eine Steilküste übergeht. Ein letztes Mal schalten wir in den kleinsten Gang, um diesen kleinen Anstieg zu bewältigen, dann ist auch schon das Hotel erreicht. Kaum eingecheckt begeben wir uns unter die Dusche, was nach einer knappen Woche in der "Wildnis" extrem wohltuend und ohne Frage auch nötig ist. Als wir wieder zivilisationstauglich sind, machen wir uns als erstes auf den Weg zum nächstgelegenen Fahrradgeschäft. Zu unserer Freude gelingt es uns hier direkt, geeignete Kartons zum Verpacken unserer Räder zu ergattern. Nachdem wir selbige zum Hotel geschleppt haben, kann zum entspannten Teil des Tages übergegangen werden. Wir schlendern durch die Gassen, sammeln erste Eindrücke, lassen uns durch die Altstadt und den Basar treiben. In einem Restaurant mit Meerblick genießen wir ein leckeres Abendessen sowie eine herrliche Aussicht auf die eindrucksvollen Berge im Sonnenuntergang. Auf dem Rückweg zum Hotel kehren wir noch auf einen Tee und eine Portion Baklava in einem kleinen Lokal ein, dann ist Schluss für heute.Les mer

  • Sightseeing Antalya

    30. september 2022, Tyrkia ⋅ ☀️ 31 °C

    Zum Frühstück erwartet uns im Hotel ein sehr leckeres und reichhaltiges Buffet, welches wir uns in aller Ruhe schmecken lassen. Nachdem wir einige Überlegungen angestellt haben, wir wir unseren heutigen Pausentag in Antalya verbringen, steuern wir als ersten Programmpunkt das Hadrianstor an. Es handelt sich bei dem Tor um eine der ältesten Sehenswürdigkeiten der Stadt, früher war es Teil der Stadtmauer und noch heute ist es der „Eingang“ zur Altstadt. Wir halten uns nicht lange auf, sondern begnügen und damit, einmal hindurch spaziert zu sein. Bekannt ist Antalya auch für die Wasserfälle des Düden. Der 30 Kilometer lange Fluss besteht aus dem Zusammenfluss von den beiden im Taurusgebirge entspringenden Flüsschen Kirkgozler und Pinarbası. Nachdem der Düden zunächst eine Weile unterirdisch fließt, kommt er wieder an die Oberfläche und stürzt etwa 12 km nordöstlich von Antalya in einem kleinen Wald im Düden Park in den Düdenbasi. Bei dem Park handelt es sich um ein kleines Naturschutzgebiet mit typisch türkischen Freiluftrestaurants im Park. Gerade angesichts der heutigen heißen Temperaturen ist es besonders angenehm, die Zeit hier im Schatten der Bäume oder der kühlen Höhle hinter dem Wasserfall, in die man über eine Wendeltreppe gelangt, zu verbringen. Wir bewundern den rund 10m hohen Wasserfall aus allen Perspektiven, spazieren über das Gelände und freuen uns, hierher gekommen zu sein. Zum Abschluss bestellen wir uns noch je ein Spinat-Gözleme im Park-Restaurant und trinkten einen Ayran, dann verlassen wir den schönen Park und nehmen den Bus zurück in die Stadt. Wir steuern den Hafen an, da wir für den weiteren Tagesverlauf noch einen Bootsausflug in Betracht ziehen, um ein weiteres Mal in den Genuss eines Wasserfalls zu kommen. Der Düden stürzt auf seinem Weg aus dem Taurusgebirge nämlich zweimal einen Wasserfall hinab. Neben dem besichtigten oberen gibt es an der Küste von Antalya noch den unteren Wasserfall, wo das Wasser 40 Meter ins Meer hinabfällt. Am Hafen angekommen müssen wir leider zur Kenntnis nehmen, dass die nächste zweistündige Fahrt mit einem Boot zum Wasserfall erst morgen wieder startet. Wir entscheiden uns stattdessen für eine kürzere Fahrt, die uns zwar nicht zum Wasserfall bringt, aber trotzdem ein schönes Erlebnis ist. Langsam schaukeln wir bei einer leichten Brise über das Meer, schauen uns Antalyas Küste und die Berge vom Wasser aus an und amüsieren uns etwas über die durchgehend für Selfies posierenden Mitreisenden. Den Rest des Abends wird vorwiegend geschlemmt, wir pilgern von Lokal zu Lokal und freuen uns über Cheesecake mit Tee, Mantı und Çiğköfte-Börek mit Ayran und schließlich Baklava erneut mit dem einen oder anderen Gläschen Tee. Ja, und irgendwann nimmt dann leider auch der schönste Pausentag sein Ende.Les mer

  • Die Abreise naht...

    1. oktober 2022, Tyrkia ⋅ ☀️ 37 °C

    Der heute Tag steht ganz im Zeichen der Abreisevorbereitungen. Wir bedienen uns noch einmal ausgiebig am Frühstücksbuffet, bevor wir uns das erste Mal auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft, dem nahe des Flughafens gelegenen IC-Hotel, machen. Bei hochsommerlichen Temperaturen radeln wir die Strecke von etwa 15 Kilometern, wobei sich heute andere Hindernisse als die Berge der letzten drei Wochen in den Weg stellen. Eine Fußgängerbrücke, die über eine große Schnellstraße führt ist Teil unseres Weges. Leider sind auf beiden Seiten der Brücke die Fahrstühle defekt, so dass Heiko eine ungewollte Fitnesseinheit absolviert und die (fast) vollständig beladenen Räder die Treppen auf die Brücke hinauf und auch wieder hinunter trägt. Kaum auf der anderen Seite angekommen, müssen wir uns dann noch durch den Trubel einer groß angelegten Wahlkampfveranstaltung kämpfen. Gegen Mittag erreichen wir dann aber das pompöse Hotel und checken ein, sofort wird uns das Gepäck abgenommen und auf einem goldenen Wagen zum gebuchten Zimmer gefahren. Das haben unsere staubigen Fahrradtaschen bisher auch noch nicht erlebt...! Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist der Blick aus dem Fenster unseres Zimmers, der den großzügigen Außenbereich des Restaurants sowie den Pool und die Sonnenliegen zeigt. Wir halten uns aber zunächst nicht lang auf, sondern machen uns per Bus und Tram auf den Rückweg nach Antalya, um die vorab besorgten und noch im letzten Hotel lagernden Kartons zum Verpacken der Räder abzuholen. Am Hotel angekommen entscheiden wir uns, auf eine erneute Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu verzichten, da sowohl der Fußweg zur Haltestelle als auch die Fahrt mit den sperrigen Kartons sicher alles andere als spaßig wäre. Für umgerechnet ca. 10 Euro gönnen wir uns den Luxus eines Taxis, welches uns samt Kartons wieder zum IC-Hotel bringt. Heiko fackelt nicht lang und beginnt sofort mit dem Verpacken der Fahrräder. Leider sind unsere ergatterten Kartons ziemlich klein, so dass anders als in den letzten Jahren ein komplettes Zerlegen der Fahrräder notwendig ist, was am Ende fast vier Stunden in Anspruch nimmt. Für ein versöhnliches Ende des Tages sorgt dann das grandiose Buffet im Hotel, welches keine Wünsche offen lässt. Speziell die Dessert-Auswahl ist paradiesisch, so dass wir an diesem warmen Abend noch recht lange draußen sitzen und eine eine Leckerei nach der nächsten genießen.Les mer

  • Flughafen Antalya

    2. oktober 2022, Tyrkia ⋅ ⛅ 33 °C

    Nach dem gestrigen Abendessen war eigentlich kaum vorstellbar, dass wir am heutigen Morgen schon wieder an Essen denken können, glücklicherweise geht es aber doch. Und tatsächlich steht das Frühstücksbuffet dem abendlichen in nichts nach. Ein letztes Mal in diesem Urlaub erfreuen wir uns an den vielen Köstlichkeiten und lassen es uns gut gehen, dann heißt es so langsam wirklich Abschied nehmen. Die einzelnen Fahrradtaschen werden zu zwei "Bündeln" verschnürt, bevor wir uns schließlich vom Shuttle-Service des Hotels zum etwa vier Kilometer entfernten Flughafen bringen lassen. Wir checken ein, geben die Fahrräder auf, passieren die Sicherheitskontrolle und heben ab. Güle güle, Türkiye! Hoşça kal!Les mer

  • Holpriger Start

    7. august 2023, Tyrkia ⋅ 🌙 28 °C

    Fast ein Jahr ist seit unserer Abreise aus der Türkei vergangen, am heutigen Tag steht nun endlich die Fortsetzung der Tour an. Die Reisevorbereitungen sind abgeschlossen und uns stehen sagenhafte acht Wochen Radeln bevor. Leider gestaltet sich der Start mehr als holprig. Die erste Nachricht, dass der Anhänger, welcher zum Transport unserer Fahrräder zum Flughafen dienen sollte, keine neue TÜV-Plakette erhalten hat, sollte sich als das allerkleinste Problem herausstellen. Mit einem Ersatzhänger (Danke Reimer!) geht es auf die Autobahn, in gut vier Stunden sollen wir in Hamburg gen Süden abheben. Nicht eingeplant war die Vollsperrung der Autobahn nach einem LKW-Unfall, welche sowohl Stau als auch Umleitung nach sich zieht. So erreichen wir schließlich erst 45 Minuten vor geplantem Abflug den Flughafen und stehen etwa 15 Minuten später mit unserem Sperrgepäck am Check-In-Schalter. Dort nimmt man uns zunächst jeder Hoffnung: "Der Flug ist dicht, keine Chance mehr." Kurz darauf will man doch noch unsere Pässe sehen und dann geht alles ganz schnell. Sperrgepäckschalter, Sicherheitskontrolle, Gate..., alles rennend. Schweißgebadet, aber (noch) froh sitzen wir im Flieger, der auch umgehend startet. In Antalya gelandet müssen wir dann aber leider zur Kenntnis nehmen, dass unser Gepäck einschließlich der Fahrräder nicht vor Ort ist. Wir geben also eine Verlustmeldung auf, nehmen uns ein Taxi zum nahegelegenen Hotel. Unsere Gepäckstücke sind mit Ortungstags bestückt und so können wir feststellen: Sie stehen nach wie vor in Hamburg. In der Hoffnung auf zügige Lieferung beschließen wir diesen ersten "Urlaubstag".Les mer

  • Warten, warten, warten...

    8. august 2023, Tyrkia ⋅ 🌙 27 °C

    Eine Mischung aus Lärm der Hauptstraße vor unserem Hotel und lauter Fernsehmucke bildet die Beschallung, die wir während des Frühstücks genießen dürfen. Für die ohnehin schon vorhandenen dezenten Kopfschmerzen sind das nicht die allerbesten Bedingungen. Immerhin erhalten wir aber die Nachricht, dass unser Gepäck gefunden wurde und via Frankfurt nach Antalya geschickt wird. Einigermaßen guter Hoffnung machen wir uns auf den Weg, um notwendige Dinge für die bevorstehenden Wochen zu erledigen: Wir statten uns mit Bargeld aus, kaufen eine türkische SIM-Karte für unseren mobilen WLAN-Router und bekommen sogar einigermaßen problemlos, anders als im letzten Jahr, passende Gaskartuschen für unseren Kocher. Unsere anfängliche Freude und Erleichterung über die Info des Gepäckfundes währt schließlich leider nur so lange, bis wir die Taschen zwar in Frankfurt, unsere Räder aber dummerweise weiterhin in Hamburg orten können. Auch die abendliche Bestätigung der Landung unserer Taschen in Antalya macht die Situation nicht besser. Während wir unsere Verlustmeldung online um Nachrichten ergänzen, werden Fluggesellschaft sowie Flughäfen von Deutschland aus mit Anrufen bombardiert (Danke Papa!).
    Aber anstatt verlässlicher Aussagen heißt es vielmehr: Warten, warten, warten... und hoffen!
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  • Aller guten Flüge sind drei

    9. august 2023, Tyrkia ⋅ 🌙 28 °C

    Früh am Morgen gilt unser Interesse natürlich als erstes unseren Fahrrädern und deren Standort, die umgehende Ortung ergibt: HAMBURG. Immerhin können wir nach dem Frühstück unsere Taschen in Empfang nehmen, die am Morgen ins Hotel geliefert wurden. Ohne Transportmittel nützt uns das aber genau genommen rein gar nix. So gehen die Bemühungen weiter, Menschen von Airlines oder Flughäfen ans Telefon zu bekommen, die sich dafür zuständig fühlen könnten, unsere Räder in einen Flieger nach Antalya zu verfrachten bzw. verfrachten zu lassen. Während der Status der Verlustmeldung online nach wie vor "Gepäck wird gesucht" lautet, wissen wir schließlich dank der Ortungstags, dass sie in Hamburg rumstehen. So verzweifeln wir weiter und sind zunehmend frustriert, ("Schwieger"-) Papa verdient sich indes in Deutschland die "goldende Warteschleife". Wir verlängern unser nicht gerade günstiges Hotelzimmer um eine weitere Nacht, inständig hoffend, dass es die letzte sein möge. Im Laufe des Tages erreicht und dann endlich die erlösende SMS: Die Fahrräder sind gefunden und werden heute per Direktflug nach Antalya geschickt. Vorsichtig optimistisch schalten wir in den Urlaubsmodus. Nach einer Routenplanung für die ersten Tage steuern wir einen Supermarkt an und decken uns mit etwas Proviant ein. Um unsere Räder schnellstmöglich zu bekommen, verzichten wir auf eine Lieferung und machen uns mit der Bahn auf den Weg zum Flughafen. Eine sehr freundliche Mitarbeiterin führt uns zu den ersehnten Kartons, in welchem sich unsere unversehrten Fahrräder befinden. Nach drei Tagen und drei Flügen sind nun also tatsächlich Radler, Räder und Gepäck in Antalya vereint, was für eine Odyssee. Es ist schon dunkel, als wir auf einer stark befahrenen Straße zum Hotel radeln. Wir freuen uns darauf, dass es morgen nun endlich in ruhigere Gefilde geht...Les mer

  • Endlich auf dem Rad und im Zelt

    10. august 2023, Tyrkia ⋅ ☀️ 29 °C

    Mit Eröffnung des Buffets finden wir uns am Morgen im Frühstückssaal ein, damit wir zeitig unser Hotelzimmer verlassen und uns nach der unglücklichen Verzögerung auf die geplante Reise begeben können. Letzte Einstellungen an den Rädern werden vorgenommen, bevor sie in altbekannter Manier beladen werden. Gegen neun rollen wir schließlich vom Hotelvorplatz, um Antalya in Richtung Norden zu verlassen. Die ersten Kilometer führen und durch ein weißes Meer aus Gewächshäusern, die meisten scheinen aber nicht bewirtschaftet zu sein. Das Radeln mit voller Zuladung ist zunächst noch ungewohnt, dieser Eindruck ist jedoch nur von kurzer Dauer und schnell fühlen wir uns wieder wohl auf unseren fahrbaren Untersätzen. Über unseren Köpfen schweben unzählige Flugzeuge hinweg, die aus allen möglichen Richtungen Urlauber an den sonnigen Mittelmeerstrand bringen. Wir strampeln indes in die andere Richtung, verlassen recht bald die Stadt und es eröffnen sich die ersten Blicke auf die in den kommenden Tagen zu bezwingenden Berge. An einem kleinen Stand am Straßenrand decken wir uns mit Gemüse für das Abendessen ein, außerdem wird jede Gelegenheit zum Erwerb und Verzehr einen Kaltgetränks genutzt. Unsere Tachos zeigen 34°C im Schatten, so dass vor allem das Radeln bergauf zu einer schweißtreibenden Angelegenheit wird. Nach einem letzten Anstieg auf etwa 320m findet sich etwas abseits der Straße am späten Nachmittag ein Lagerplatz. Wir lassen uns im Schatten nieder, genießen den Blick auf die Berge und manchmal schaffen es die Zikaden in den Bäumen sogar, vom Lärm des Verkehrs abzulenken. Es gibt leckeres Gemüse mit Nudeln vom Gaskocher, die Drohne wird von Heiko das erste Mal in die Luft geschickt und ein spannender Krimi von Claudia verschlungen. So soll es sein, herrlich! Mit Einbruch der Dämmerung erfolgt der Zeltaufbau, bis zum Einbruch der Dunkelheit dauert es in diesen Gefilden erfahrungsgemäß nicht lange.Les mer

  • ZZZZ: Zelten zwischen zirpenden Zikaden

    11. august 2023, Tyrkia ⋅ ☀️ 27 °C

    War es am gestrigen Abend noch sehr warm im Zelt, hat es sich in der Nacht erfreulicherweise schlaftauglich abgekühlt. Wir sind früh wach und machen uns direkt ans Abbauen unseres Lagers und rüsten uns für die heutige Etappe. Es fehlt noch etwas an unserer "Reise-Routine", so haben wir doch beim gestrigen Einkauf nicht unser heutiges Frühstück eingeplant. Wir radeln folglich mit leeren Mägen los, zunächst führt unser Weg durch einen Tunnel, der glücklicherweise für Radfahrer erlaubt und auch gut fahrbar ist. Anschließend dürfen wir eine Abfahrt mit herrlicher Bergsicht genießen. Am ersten Stand am Straßenrand kaufen wir einige Birnen und Feigen, wenige Kilometer weiter lassen wir uns im Schatten eines noch nicht geöffneten Straßenstandes zum Frühstück nieder. Als wenig später der Standbetreiber zum Aufbau kommt, begrüßt er uns freundlich und schenkt uns Gurken und Tomaten. Die Freundlichkeit der Menschen in diesem Land begeistert uns immer wieder. Weiter geht die Fahrt an einem See entlang, mit fortschreitender Stunde nimmt auch die Hitze an Fahrt auf. Da ist eine frische Brise aus dem erstmals mitfahrenden Ventilator am Lenker sehr willkommen, speziell im Bergauf-Modus. Regelmäßig nutzen wir zudem schattige Plätze, um der brutzelnden Sonne zu entfliehen, gerne auch mit Verzehr- oder Kaltgetränkoption. So kaufen wir z.B. an einem sehr netten Stand an einer Straßengabelung Gözleme mit Kartoffel- und Käsefüllung, die vor Ort zubereitet und uns noch bis zum Abend satt machen werden. Nachdem wir heute bereits einen Berg bezwungen haben, geht es zum Ende der Etappe noch ein weiteres Mal hinauf auf ca. 450m. Einhellig der Meinung, dass wir für heute genug Sonne abbekommen haben, halten wir auf der folgenden Abfahrt Ausschau nach einem Lagerplatz. Dieser findet sich in einem Wald abseits der Straße. Umringt von laut zirpenden Zikaden kommt hier das Zelt zum Stehen. Wir genießen eine Weile einfach das Sitzen im Schatten, dann gibt es die Reste der Gözleme, Tee und Kekse. Ja, und zack, da ist es auch schon wieder zappenduster...Les mer

  • Gipfel-Camping

    12. august 2023, Tyrkia ⋅ ☀️ 26 °C

    Bereits um sieben Uhr sitzen wir am heutigen Morgen auf den Rädern. Angesichts der heißen Temperaturen am Tage und der bevorstehenden Höhenmeter, die von uns bezwungen werden sollen, sieht unser Plan das Ausnutzen der etwas kühleren Morgenstunden zum Fahren vor. 360 Höhenmeter sind geschafft, als wir zwei Stunden später unsere Picknickstühle im Schatten einiger Bäume aufstellen und uns über den Genuss von Tee und Kaffee sowie ein stärkendes Frühstück freuen.
    Zurück im Sattel geht es weiter wie vor der Pause: Meter für Meter arbeiten wir uns bergauf, einzig die Wegführung sieht eine Änderung vor. Erfreulicherweise verlassen wir die Hauptstraße und bezwingen die 5-6%ige Steigung fortan auf einer kaum befahrenen Nebenstrecke.
    Die Landschaft wird merklich karger, je mehr wir an Höhe gewinnen, statt Verkehrslärm bilden nun die Glocken von Ziegenherden die Geräuschkulisse. Die Sonne brennt inzwischen unerbittlich, was uns zur Taktik des "Schattenplatz-Hoppings" veranlasst. In sehr regelmäßigen Abständen entfliehen wir der Hitze und lassen unsere Köpfe etwas abkühlen, zur Regulierung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts vernichten wir währenddessen auch gerne Kaltgetränke und eine Tüte Chips pro Person. Als am Nachmittag die letzten 4km mit einer fiesen Steigung von 10% gemeistert sind und unsere Beine insgesamt mehr als 1000hm erstrampelt haben, stehen wir auf dem Gipfel in 1328m Höhe im Wind und erklären die heutige Etappe für beendet. Mit dem Aufbau unseres Zeltes wollen wir wegen des sehr offenen Terrains noch warten bis die Dämmerung einbricht, die Zeit bis dahin nutzen wir für unser Abendessen. Unter etwas erschwerten Bedingungen kocht Heiko auf einem Geröllabhang an der Straße mit etwas Windschutz einen leckeren Nudel-Gemüse-Topf. Schließlich werden Räder und Gepäck einzeln über die Geröllkante nach oben auf die Ebene verfrachtet, wo dann auch unser Zelt zum Stehen kommt. Wir schlürfen noch einen Tee, genießen das traumhafte Abendlicht, lesen, erkunden das Areal aus Drohnenperspektive und lauschen dem Glockengeläut der Ziegenherden, bevor die sternenklare Nacht anbricht. Stimmen, die wir um 3 Uhr in unmittelbarer Nähe wahrnehmen, verunsichern uns kurz, scheinen aber nicht uns zu gelten und so schlafen wir weiter...
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  • ALI'S PANSİYON

    13. august 2023, Tyrkia ⋅ ☀️ 29 °C

    Heute erwartet uns eine entspannte Etappe, entsprechend frühstücken wir noch in Ruhe an unserem Lagerplatz. Neun Uhr ist es, als Gepäck und Fahrräder wieder über den Geröllabhang nach unten auf die Straße verfrachtet werden. Es ist ein
    herrlicher Morgen: Eine leichte Brise weht, die Berge strahlen im schönen Morgenlicht, die Straße weist ein leichtes und perfekt fahrbares Gefälle auf, rechts und links des Weges beginnen Schaf- und Ziegenherden ihre Tageswanderung durch die karge Natur. Lediglich einige kurze Anstiege unterbrechen unsere Abfahrt und schließlich rollen wir hinab in den Ort
    Eğirdir. Den gleichnamigen Eğirdir-Gölü (Eğirdir-See) konnten wir bereits in der Ferne ausmachen, es handelt sich bei ihm um den viertgrößten See der Türkei. Wir erledigen einen Einkauf und lassen uns dann für eine Kuchen-Pause auf einer Bank mit Seeblick nieder. Es ist erst elf Uhr, als wir anschließend unseren heutigen Zielort ansteuern.
    Es geht auf die ehemalige Insel Yeşil Ada (türkisch für „Grüne Insel“), die heute über eine befestigte Straße mit der Stadt Eğirdir verbunden ist. Hier angekommen checken wir in Ali's Pansiyon ein. Unsere Gastgeberin ist ausgesprochen nett und überrascht uns zudem damit, dass sie neben englisch auch ziemlich gut deutsch spricht. Nach Bezug unseres Zimmers stehen zunächst Dinge wie Wäsche waschen und elektronische Geräte mit Strom versorgen auf dem Programm. Uns selbst versorgen wir mit einer ausgiebigen Dusche, bevor wir uns aufmachen zu einem Erkundungsspaziergang um die kleine Insel sowie durch den Ort Eğirdir. Alles in allem verbringen wir einen sehr entspannten Nachmittag in dieser recht beschaulich und kaum touristisch anmutenden Gegend. Am Abend bleibt der Gaskocher kalt, wir lassen den Tag mit Restaurantbesuch und Sonnenuntergang ausklingen. Auch mal schön!
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  • Plattgefahren...

    14. august 2023, Tyrkia ⋅ ☀️ 33 °C

    Wie am gestrigen Tag bereits mit unserer Gastgeberin verabredet begeben wir uns um 8 Uhr am Morgen an einen schattigen Tisch vor der Pension, wo uns ein reichhaltiges und leckeres Frühstück serviert wird. Unsere sieben Sachen hatten wir bereits vorab gepackt, so dass es nach einer herzlichen Verabschiedung einschließlich Fotos zügig losgehen kann. Die Insel liegt noch sehr ruhig und verschlafen da, als wir sie über den Damm verlassen. Auch den Ort Eğirdir lassen wir bald hinter uns und erarbeiten direkt die ersten Höhenmeter. Nachdem der Frühsport-Hügel bezwungen ist, führt unser Weg leicht wellig am Eğirdir-See entlang. Es dauert nicht lang, bis sich der Blick öffnet auf die gegenüberliegende Uferseite und die Insel Yeşil Ada, wo wir gerade noch Tee, Brot, Käse, Oliven, Sigara-Böreği etc. genossen haben. Bis zum Mittag ist ein großer Teil der für heute geplanten Tageskilometer bereits geschafft, lediglich unterbrochen von einem Obsteinkauf bei einer Straßenhändlerin und einer Eistee-Gönnung. Für eine längere Siesta lassen wir uns im Schatten einer Obstplantage nieder. Prompt steuert ein Mann auf uns zu, erkundigt sich, was wir für Landsleute sind und schenkt uns etwas Obst und zwei Gurken. Die folgenden 5km haben wir noch flaches Terrain unter den Reifen, dafür brennt die Sonne uns von oben unerbittlich auf den Pelz. Im nächsten Dorf, welches wir durchqueren, füllen wir unsere Wasservorräte auf, denn fortan sollen wir uns unter den Bedingungen der brütenden Temperatur von 38 Grad im Schatten auch noch von etwa 1000m auf 1327m hinaufbewegen. Seeehr langsam geht es voran, vor allem Heiko muss das eine oder andere Mal auf seine Reisebegleitung warten. Trotz aller Anstrengung soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, in welch eindrucksvoll schöner Gegend wir uns hier befinden und was für ein herrlicher 360° Panoramablick den mühsamen Anstieg begleitet. Irgendwann erreichen wir dann doch tatsächlich den höchsten Punkt, bevor wir nach kurzer, aber recht steiler Abfahrt das Dorf Balcı erreichen. Es herrscht viel Treiben in diesem Ort, am Platz vor der Moschee scheinen sich alle männlichen Dorfbewohner teetrinkend versammelt zu haben. Entsprechend viele Augen sind auf uns komische Touristen gerichtet, auch die herumtobenden Kinder haben großes Interesse an uns und den Fahrrädern. Nachdem Heiko sich mit einer freundlichen Türkin auf französisch unterhalten hat, ist einigen Gesprächen der Menschen im Vorbeifahren zu entnehmen, dass man uns für Franzosen hält. Wir füllen noch unsere Wasserflaschen auf und steuern auf den Ortsausgang zu. Dummerweise führt die Straße direkt wieder bergauf, was sich nicht sonderlich gut mit Claudias Befinden in Einklang bringen lässt. Dieses lässt sich nämlich in einem Wort zusammenfassen: Plattgefahren! Auch die fortgeschrittene Zeit spricht für einen baldigen Lagerplatz. Und so fragt Heiko kurzerhand einen Bauern, der just in diesem Moment mit seinem Traktor auf das gegenüberliegende Feld fährt, ob wir auf selbigem nächtigen dürfen. Der Bauer willigt ein und schnell ist unser Heim für diese Nacht errichtet. Im Laufe des Abends bekommen wir mehrfach Besuch: Hirten mit einer Kuhherde nebst einem Esel kommen vorbei und plaudern kurz, eine "Nachbarin" kommt zum Zelt und schenkt uns Birnen, weitere Menschen wollen einfach nur wissen, wer wir sind. Es scheint aber für niemanden ein Problem darzustellen, dass wir hier auf dem Feld am Straßenrand die Nacht verbringen. Es ist schon stockfinster, als immer noch reges Treiben zu hören ist. Traktoren knattern vorbei, Hundegebell aus allen Richtungen, Stimmengewirr...Les mer

  • Zickige Nachbarschaft

    15. august 2023, Tyrkia ⋅ ☁️ 32 °C

    Erneut wollen wir die angenehmen Temperaturen der frühen Morgenstunden zum Radeln nutzen. Der Wecker holt uns um 6 Uhr aus den Schlafsäcken, nach Frühstück und Zeltabbau sind wir um acht Uhr unterwegs. Auf unbefestigter, aber gut fahrbarer Straße nehmen wir den ersten Anstieg des Tages in Angriff. Wie erwartet herrschen noch angenehme Temperaturen und eine frische Brise weht uns um die Nase. Quasi allein und vor allem ohne Autoverkehr führt unser Weg durch eine traumhaft schöne Landschaft. Der Genuss dieses Panoramas der Bergwelt beim Radeln führt einem vor Augen, wofür die Anstrengung des gestrigen Tages gut war und sie sich definitiv gelohnt hat. So wird auch unser Vorhaben des flotten Vorankommens vor der Mittagshitze dadurch etwas ausgebremst, dass Kameras und Drohne zum Einsatz kommen. Es folgt eine herrliche Abfahrt, die sich über 10km erstreckt und ein angenehmes Gefälle aufweist.
    Nach einem Einkauf in der nächsten Stadt, die wir durchqueren, geht es dann tendenziell wieder bergauf und gleichzeitig wird auch die Hitze immer brütender. Oberhalb eines Stausees lassen wir uns in unmittelbarer Nähe zu einer Trinkwasserstelle im Schatten einiger Bäume zur Pause nieder. Obwohl der Ort zunächst perfekt scheint, ist doch irgendwie der Wurm drin: Auch im Schatten ist es noch sehr heiß, penetrante Fliegen nerven uns, die Stühle stehen nicht gut auf dem abschüssigen Schattenplatz. Vollständig adynam sitzen wir in der Hoffnung auf Abkühlung die Zeit ab, nicht mal zum Lesen reicht die Energie. Gegen halb fünf schieben sich tatsächlich ein paar Wolken vor die Sonne, was wir als Startschuss für die Weiterfahrt verstehen. Auf schotterigem Untergrund geht es fortan durch eine seltsam anmutende Gegend. Man kann es kaum in Worte fassen, aber es geht uns beiden so, dass wir hier ungern die Nacht verbringen würden. Im weiteren Verlauf wird der Untergrund schwieriger, grober Schotter und weiche, sandige Abschnitte machen das Radeln sehr anstrengend. Gleichzeitig wird dann auch noch der Anstieg steiler, bis recht bald an Fahren nicht mehr zu denken ist. Schieben, zu zweit schieben, Gepäck abladen und Rad und Taschen einzeln nacheinander den Berg hochbugsieren..., so bewegen wir uns langsam und keuchend gipfelwärts. Wunderschön lilafarben blühende Disteln und eine ebenfalls bergauf schleichende Schildkröte schaffen es aber dennoch, uns ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Irgendwann ist auch der fieseste Anstieg gemeistert und wir freuen uns, dass es nicht auf ebenso unwegsamem Boden wieder abwärts geht. Flott verlieren wir wieder an Höhenmetern, halten dabei rechts und links des Weges Ausschau nach einem geeigneten Plätzchen für die Nacht. Dabei handelt es sich heute jedoch um ein schwieriges Unterfangen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fragen wir eine alte Dame, die im Eingang ihres sehr kleinen Hauses sitzt, ob wir unser Zelt auf der Wiese gegenüber aufstellen dürfen. Wir wissen zwar nicht, ob sie uns verstandene hat, beschließen aber, dass wir eine Erlaubnis haben. Kurz nachdem wir unser Zelt aufgestellt haben, kommt ein Pärchen auf einem Moped angeknattert. Die beiden haben nichts dagegen, dass wir hier nächtigen, sondern bieten uns noch Tee und Zigaretten an, was wir dankend ablehnen. Wir erfahren aber auch, dass sie gerade die Rückkehr ihrer Ziegenherde erwarten, welche sich bereits durch lauter werdende Glocken und Hundegebell ankündigt.
    Die Nacht werden die Ziegen nebst Hunden und Hirten wenige Meter neben unserem Zelt verbringen. Auf gute Nachbarschaft...
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  • İsmail & Hatice

    16. august 2023, Tyrkia ⋅ ☀️ 36 °C

    Bereits um 6 Uhr in der Frühe verabschieden wir uns vom benachbarten Ziegenhirtenpaar und begeben uns auf die Straße. Nach etwa drei Kilometern lassen wir uns an einer Wasserstelle zum Frühstück nieder. Vorbeikommende Menschen grüßen wie immer freundlich, teilweise verweilen sie kurz bei uns und stellen die typischen Fragen nach unserer Herkunft, dem Ziel unserer Reise und so weiter. Zwei junge Männer auf einem Moped kommen sogar ein zweites Mal bei uns vorbei, um uns eine große Portion frisch gepflückter Brom- und Erdbeeren zu schenken. Den zahlenmäßig meisten Besuch während unseres heutigen Frühstücks erhalten wird dann aber von einer Schafherde. Während wir ein Foto mit den Hirten machen, stillen viele der Wolltiere um uns und unser Frühstück herum ihren Durst an der Wasserstelle.
    Die weitere Fahrt führt uns durch leicht welliges Terrain, dabei geht es überwiegend bergab und radelt sich entsprechend leicht. Der Tag schreitet voran und die Temperaturen steigen wieder merklich. In einem Ort, den wir passieren, füllen wir unsere Wasservorräte auf, um für die heißen Stunden gewappnet zu sein. Während der Ortsausfahrt werden wir von zwei kleinen Jungs auf Fahrrädern begleitet, die sehr interessiert an uns und unseren Rädern zu sein scheinen und uns munter von rechts und links auf türkisch Fragen stellen. Bald sind wir wieder allein und folgen der Vorgabe unserer Navigationsgeräte. Besondere Konzentration ist dafür nicht vonnöten, geht es doch quasi schnurgeradeaus. Kilometer um Kilometer fahren wir bei sengender Hitze und entsprechend warmem Gegenwind in eine Richtung, teilweise auf schotterigem Untergrund, teilweise auf schlechtem Asphalt, so gut wie immer ohne jeden Schatten.
    Unser Plan sieht vor, noch bis ins nächste Dorf zu radeln, um dort irgendwo einzukehren und im Schatten bei dem einen oder anderen Kaltgetränk die größte Hitze abzuwarten. Es sollte jedoch anders kommen...! Im Dorf angekommen müssen wir feststellen, dass es weder ein Restaurant oder Lokal noch eine Einkaufsmöglichkeit gibt. Müde und reichlich kaputt lassen wir uns stattdessen auf einer überdachten Bank vor der Moschee des Ortes nieder. Kaum dass wir sitzen, verlässt eine größere Gruppe von Männern die Moschee und im Nu haben wir auf unserer Bank reichlich Gesellschaft. Später erfahren wir, dass ihr Interesse dadurch geweckt wurde, dass wir nicht türkisch aussehen, unser Gruß ("Merhaba") jedoch von der Aussprache her sehr türkisch klang. Wiederum trägt Claudia aber kein Kopftuch, was die Herren vermuten lässt, dass es sich bei uns um Tscherkessen handelt. Nach den üblichen Fragen ist das Rätsel schnell gelöst und gleich zwei der Männer bekunden, dass sie uns deutsche Touristen gerne in ihr Haus einladen möchten. Obwohl uns eigentlich eher danach ist, einfach nur rumzuliegen und zu dösen, kommen wir aus der Nummer nicht raus. Nach anfänglichem Zögern begleiten wir İsmail nach Hause. Er ist der İmam des Ortes und erzählt, dass seine Ehefrau aus Köln kommt. Am Haus angekommen lernen wir Hatice, ihr 30 Tage altes Baby und ihre Mutter kennen, die gerade aus Deutschland zu Besuch ist. Man bewirtet uns mit Tee und verschiedenen Keksen, während über Familie, Berufe, unsere Reise etc. geplaudert wird. Zwischendurch wird Heiko plötzlich ein Telefon ans Ohr gehalten, am anderen Ende ist der Vater von Hatice in Köln. İsmail hatte seinen Schwiegervater angrufen und von seinen ungewöhnlichen Gästen berichtet. Dass er die Geschichte seines Schwiegersohnes kaum glauben konnte, bekommt Heiko in waschechtem Kölner Dialekt zu hören: "Ich dachte, der will mich verarschen!" Hatice ist inzwischen zwei Jahren in der Türkei, vorher hat sie in Köln als Kinderpflegerin in einem Kindergarten gearbeitet. Sie berichtet uns, dass ihre in Deutschland abgeschlossene Ausbildung in der Türkei leider nicht anerkannt ist. İsmail studiert Jura mit dem Ziel, Staatsanwalt zu werden. Hatices Mutter erkundigt sich indes, ob sie uns etwas Proviant für den weiteren Weg zubereiten darf, was wir dankend annehmen. Der Nachmittag plätschert dahin, İsmail verabschiedet sich zwischendurch kurz, um in seinem Amt als İmam vom benachbarten Minarett auf arabisch zum Gebet zu rufen. Als wir uns am späten Nachmittag langsam verabschieden wollen, eröffnet Hatice uns, dass ihre Mutter sich "umentschieden" habe. Sie sei bereits dabei, statt einer Wegzehrung Lahmacun (türkische Pizza) für ein gemeinsames Abendessen zuzubereiten. Die Zwischenzeit nutzt İsmail dafür, uns seinen Garten und seine geliebten Hühner zu zeigen. Am Ende der Besichtigung sind wir Besitzer von drei Eiern sowie frisch geernteten Gurken, Lauchzwiebeln und Pepperoni. Nach dem überaus köstlichen Abendessen, welches uns von Hatice und ihrer Mutter serviert wird, bricht draußen bereits die Dunkelheit ein. Unsere heutige Etappe findet schließlich auf der ausgezogenen Couch von Hatice und İsmail ihr Ende...
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  • Wüsten-Feeling

    17. august 2023, Tyrkia ⋅ ☀️ 36 °C

    Als um sieben Uhr unser Wecker klingelt, herrscht noch Ruhe im Haus. Möglichst leise packen wir schon unsere Sachen zusammen und bringen die Schlafcouch wieder in ihren Urzustand. So können wir uns zeitnah verabschieden und noch etwas am kühlen Morgen radeln. Dachten wir...! Diese Rechnung haben wir jedoch ohne unsere Gastgeber gemacht, die uns nicht ohne ein gemeinsames, opulentes Frühstück aus ihrem Haus entlassen. Um neun Uhr machen wir schließlich noch ein paar Erinnerungsfotos vor dem Haus, bedanken uns für die Gastfreundschaft und rollen winkend vom Hof. Mit rohen Eiern und Gemüse im faltbaren "Fahrradkorb", der in diesem Jahr erstmals dabei ist, machen wir so weiter, wie wir gestern geendet haben: Wir fahren geradeaus, immer geradeaus! Mal geht es etwas rauf, dann wieder etwas runter, um uns herum dominiert ein Farbspektrum von strohgelb über sandbeige bis ackerbraun. Nach wie vor sucht man vergeblich nach kleinen Schattenfleckchen, ist vielmehr ständig der staubigen Hitze ausgesetzt. Nach einer kurzen Abwechslung in Form eines Einkaufs während einer Ortsdurchquerung hat uns die lange Gerade wieder. Unsere heutige Siesta oder auch dreistündige Sonnenflucht verbringen wir am Straßenrand unter einer Eisenbahnbrücke. Die Aussicht besteht aus grauer Betonmauer, die Geräuschkulisse aus vorbeidonnernden LKW - wir hatten durchaus schon idyllischere Pausenplätze. Aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen: Heiko kocht die Eier von İsmails Hühnern und aus einem Teil der Gartenernte wird ein Salat gezaubert. So geht es uns zumindest kulinarisch sehr gut. Gut gestärkt und etwas von der Hitze erholt geht es hinter der Brücke genauso weiter wie vor der Brücke. Die Straße führt scheinbar endlos geradeaus, um uns herum endlose staubige Weite, die Gegend hat fast wüstenartigen Charakter. Sichtgeschützt zelten ist entsprechend auch schier unmöglich, so dass wir uns zu gegebener Zeit einfach ca. 300m von der Straße weg auf ein Feld begeben und dort unser Nachtlager aufschlagen. Vielleicht dürfen wir ja morgen mal wieder eine Kurve fahren...Les mer

  • Fieser Stachelacker

    18. august 2023, Tyrkia ⋅ ☀️ 33 °C

    Heute stehen wir bereits um halb sechs auf, frühstücken mit Aufgang der Sonne und schwingen uns gegen viertel nach sieben auf den Radsattel. Die Straße, die am Horizont kein Ende zu nehmen scheint, ist auch heute wieder unsere. Aber gerade diese unendliche Weite ist irgendwie auch faszinierend und vermittelt uns spürbar ein Gefühl für die Größe dieser Gegend, dieses riesigen "Nichts". Die Trockenheit wird unter anderem sichtbar, wenn Schaf- und Ziegenherden in großen Staubwolken durch die "Prärie" getrieben werden. Wir folgen Stunde um Stunde dem langen Pfad durch die sand- und erdfarbene Landschaft. Als wir an einem der eher seltenen Büsche vorbeikommen, springt ein Fuchs aus selbigem und tritt die Flucht vor uns über den trockenen Acker an. Immer mal wieder ziehen rechts und links von uns in Staubwolken eingehüllte Schaf- oder Ziegenherden vorbei. Ein Hirte, der eine sehr gemischte Herde sowie einen Esel vor sich hertreibt, bleibt auf ein paar Sätze bei uns stehen und posiert noch für ein Foto. Im weiteren Verlauf unserer Fahrt entdecken wir plötzlich zu unserer linken Seite auf einem Feld eine riesige Gruppe Weißstörche. Wir beobachten, fotografieren und filmen sie eine Weile, bevor wir weiterradeln.
    Wie schon in den letzten Tagen wollen wir uns auch heute nicht der Mittagshitze aussetzen und so beschließen wir, im nächsten Ort, den wir durchqueren, eine längere Pause einzulegen. Im Ort Yeniceoba steuern wir um halb zwei einen Supermarkt an und frequentieren anschließend eine überdachte Sitzgruppe auf einem Platz im Ortskern. Es dauert nicht lange, da stellt uns ein freundlicher Imbissbetreiber zwei Flaschen Wasser auf den Tisch. Kurze Zeit später kommt er erneut und überreicht und zwei frisch zubereitete belegte und noch warme Toasts. Wir genießen den leckeren Snack und bekommen schon bald wieder Gesellschaft. Zwei ältere Herren setzen sich an unseren Nachbartisch und beginnen, uns die üblichen Fragen zu stellen. Sie selbst seien die meiste Zeit des Jahres zum Arbeiten in Dänemark und aktuell auch nur zu Besuch hier. Dem Telefonat von einem der beiden Herren ist zu entnehmen, dass er über uns Deutsche spricht und dies hat möglicherweise zu Folge, dass sich nach und nach fünf weitere Männer zu uns gesellen. Wir werden zum Tee eingeladen und erfahren, dass ein Mann in Österreich arbeitet, ein weiterer viele Jahre in der Schweiz gearbeitet hat und auch Beziehungen nach Deutschland bestehen. Um halb fünf verlassen wir die internationale Runde und ziehen weiter. Was den weiteren Weg angeht, kann sich die Schilderung wiederholen: In der Hitze ohne jeglichen Schatten durch wüstenartige Landschaft immer geradeaus..., bis es Zeit ist, nach einem Nachtlager Ausschau zu halten. Wir wählen erneut die Variante, uns einfach ein paar hundert Meter von der Straße weg auf den Acker zu schlagen, sichtbar sind wir in dieser äußerst vegetationsarmen Gegen ohnehin überall. Was zunächst wie ein gut geeigneter Platz schien, entpuppt sich allerdings leider als biestiger Endgegner. Der Boden ist übersät mit kleinen, fies stacheligen Pflanzen, die alles andere als zuträglich für unseren Zeltboden sind. Es verlangt Heiko einiges an Kraft, Zeit und vor allem Nerven ab, eine einigermaßen taugliche Fläche zu "ebnen". Claudias Sorge gilt indes dem Traktor, der in monotoner Gleichmäßigkeit auf einem benachbarten Acker seine Bahnen zieht und möglicherweise über die Fahrspur neben unserem Zelt dem Heimweg antreten wird. Und wenn er uns nun in der Dunkelheit übersieht und plattfährt? Natürlich passiert nichts dergleichen und wir können unter herrlichem Sternenhimmel, welcher auch die eine oder andere Sternschnuppe auf die Reise schickt, unsere Nachtruhe antreten.
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  • Hotel Yildirim

    19. august 2023, Tyrkia ⋅ ☀️ 36 °C

    Um halb sechs kriechen wir aus den Schlafsäcken, frühstücken, bauen das Zelt ab und machen uns gegen 7:15 Uhr im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker. Und wie sollte es anders sein - die Navigationsgeräte führen uns weiterhin immer geradeaus und eine andere Möglichkeit lässt die Straßenführung auch kaum zu. In einem kleinen und scheinbar (noch) menschenleeren Ort treffen wir auf eine Gruppe von Eseln, die allein die Straße entlangspaziert. Bald geht es etwas bergauf und als wir über die Kuppe des erklommenen "Bergchens" schauen können, eröffnet sich der erste Blick auf den von uns planmäßig angesteuerten großen Salzsee, den Tuz Gölü. Auf schotteriger Piste rumpeln wir dem See entgegen, passieren währenddessen ein sehr ärmlich wirkendes Zeltlager. Die zwei Kinder, die zu uns an den Wegrand laufen und uns bettelnd ihre Hände entgegenstrecken, lassen uns vermuten, dass es sich um ein Flüchtlingslager handelt. Kurz vor Erreichen des Damms, der mit einer Länge von etwa 10km den Salzsee quert, kreuzt vor uns eine riesige und sehr gemischte Schaf- und Ziegenherde staubumhüllt den Weg. Die meisten Tiere nutzen ein kleines Wasserloch zum Stillen ihres Durstes, begleitet werden sie von einem Hirten auf einem Esel. Die Herde zieht weiter und auch wir setzen unseren Weg Richtung Damm fort. Der Tuz Gölü ist der zweitgrößte See der Türkei und gehört mit einem Salzgehalt von bis zu 37 Prozent zu den salzhaltigsten Seen der Welt. Jetzt im Sommer zeigt er sich weniger als See, sondern vielmehr als eine große weiße Fläche aus verkrustetem Salz, welches die Sonne wie Schnee glitzern lässt. Wir sind fasziniert von dieser surreal anmutenden Szenerie dieser weißen Wüste und beschließen, an diesem besonderen Ort eine Pause einzulegen. Ja, und wenn das Gewürz uns schon zu Füßen liegt, schneiden wir doch einen Salat dazu. Am Rand des Salzsees stellen wir unsere Stühle auf und streuen frisch "gepflücktes" Salz über unsere Gurken und Tomaten. Herrlich! Satt und mit reichlich Fotos im Gepäck radeln wir weiter den Damm entlang und lassen schließlich den Tuz Gölü hinter uns. Nach wenigen Kilometern erreichen wir unseren heutigen Zielort Şereflikoçhisar, wo wir nach inzwischen fünf heißen Tagen und Nächten ohne Dusche in einem Hotel einchecken wollen. Bei der Einfahrt in die Stadt hören wir laute Musik aus einer Seitenstraße, was Heiko zu dem folgenreichen Satz veranlasst: "Lass uns da mal reinfahren und gucken, was da los ist." Ja, und dann geht alles ganz schnell. Begleitet von einem Trommler und einem Flötisten werden wir willkommen geheißen im Rahmen der Festgesellschaft zu einer kurdischen Hochzeit. Bevor wir ernsthaft widersprechen können, sind uns schon zwei Plätze zugewiesen und wir werden mit verschiedenen Getränken versorgt. Zwei müffelnde, staubige, schwitzende Radler zwischen unzähligen herausgeputzten Hochzeitsgästen, na super. Wenige Minuten später steht eine leckere warme Mahlzeit vor uns auf dem Tisch, die wir uns schmecken lassen, parallel trudeln immer mehr Gäste ein. Immer wieder werden wir zwischendurch von verschiedenen Menschen, einschließlich der in ein rotes Glitzerkleid aus sehr viel Tüll gekleideten Braut Fatma gefragt, ob wir noch etwas wünschen. Wir haben uns bereits gefragt, wie aus der Nummer elegant wieder rauskommen, aber spätestens mit den ersten Aufforderungen zur Teilnahme an den traditionellen Tänzen wird unser Fluchttrieb sehr akut. Heiko schreibt ein paar nette Worte und Wünsche auf ein Foto von uns, welches wir mehrfach für Begegnungen wir diese in der Tasche haben. Wir steuern die Braut an und deuten an, dass wir weiterreisen müssen, übergeben das Bild und danken für die Gastfreundschaft. Auf Wunsch der Braut nehmen wir noch neben ihr auf dem roten "Thron" Platz, um uns von einer Gästemeute fotografieren zu lassen. Ob Fatma diesen Wunsch angesichts unseres Geruchs bereut hat? Wir wissen es nicht...! Nachdem wir den geordneten Rückzug angetreten haben, rollen wir die letzten Kilometer zum Hotel Yildirim. Wir checken ein und gönnen uns sowie unserer Kleidung ausgiebige Dusche/ Wäsche. Nun wären wir sich auch hochzeitstauglicher gewesen...! Den Abend verbringen wir in einem Restaurant und genießen zu guter Letzt das erste Baklava dieser Reise.Les mer