• SYLWIA B.
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Mit den Öffi’s durch China

SYLWIA B.による67日間のアドベンチャー もっと詳しく
  • Xi’an & die Terrakotta Krieger

    4月20日, 中国 ⋅ ☁️ 15 °C

    Von Chongqingxi nach Xi’anbei sind es mit dem Zug 730 Kilometer.
    Wir „fliegen“ zum ersten Mal BC.
    BC ist die höchste Kategorie in Chinas Zügen und ist schon sichtbar komfortabler als die 1.Klasse.
    Für diese Strecke braucht der G2206 nur 5:39h. Und nicht mehr. Darauf kann man sich verlassen.

    Worauf wir uns so gar nicht verlassen können ist das Wetter. Schon kurz vor dem Erreichen unseres Ziels sieht die Luft irgendwie komisch undurchsichtig aus.
    Unser Didi sieht aus, als wenn er eine mehrtägige Offroadtour gefahren wäre. Die anderen Autos sehen aber nicht besser aus. Das scheint dem vielen Sand in der Luft geschuldet zu sein.
    Ein Blick auf die WetterApp zeigt nichts Erfreuliches. Xi’an überrollt gerade ein Sandsturm aus der Wüste Gobi. Der AQI-Wert für Luftqualität ist 200. Normalerweise dümpelt er ja hier so um die 15-30. Dazu kommt noch die Vorhersage für eine ankommende außergewöhnliche Kältewelle…
    Na so werden Xi‘an und wir keine Freunde mehr.

    Im Sofitel Legend Hotel werden wir wie in einem internationalen Hotel empfangen. Endlich kann das Personal wirklich englisch. Nicht nur unter Zuhilfenahme einer App.
    Wir bekommen gleich mal ein Upgrade auf eine Luxussuite nebst Lounge-Nutzung. Das ist allerliebst. So müssen wir das Haus heute nicht mehr verlassen und futtern uns am Abend mit kleinen Häppchen satt.
    Das Frühstücksbüffet ist mit Abstand das Beste auf der bisherigen Reise. Und auch hier spricht das Personal Englisch.

    Für den nächsten Tag ist „nur“ totale Bewölkung prognostiziert.
    Deshalb bleiben wir in Xi‘an und schauen uns als erstes die gewaltige Anlage des Südtores (Yongning) an.
    Es sind mehrere große und beeindruckende Gebäude, die hintereinander stehen bevor wir zur imposanten und massiven 12 Meter hohe City Wall gelangen.
    Die wurde während der Ming-Dynastie zwischen 1374 und 1378 gebaut. Also vor etwa 650 Jahren. Und natürlich gehen wir darauf spazieren. Ich hatte keine Vorstellung von solchen Stadtmauern. Aber dass der Weg obendrauf etwa 12 bis 14 Meter breit ist, das hatte ich mir nicht vorgestellt. Hier könnte man auch ein Fahrrad anmieten und darauf fahren.
    Ja bei schönem Wetter wären wir sofort dabei. Aber so ist es wenig einladend.

    Anschließend schlendern wir noch die Hauptstraße bis zum Bell Tower, machen ein paar Fotos und „heben“ uns die Besteigung auf den heutigen Abend auf. (Ich greife mal vor: Das fällt dann wegen Regen aus)

    In der daneben liegenden Promenade besuchen wir das Schokoladenmuseum, wo die Krieger nebst Kutsche in Lebensgrösse aus Schokolade stehen.
    Das Museum ist eigentlich keines.
    Es ist ein cleverer Gag, um die Leute im Anschluss an die Ausstellung zum kaufen zu verführen. Und tatsächlich werden wir eins der Opfer 😉

    Am Drum Tower kehren wir um.
    Es beginnt zu nieseln.
    Im von Conny empfohlenen Restaurant schlemmen wir uns durch drei verschiedene Dumpling-Sorten und fahren anschließend mit Didi ins Hotel. Bei dem Wetter kriegt uns hier auch keiner mehr raus.

    Ich lese mich in der restlichen Zeit des Tages in das spannende Leben des ersten Kaisers Qin Shihuangdi ein. Gelebt hat er von 259 bis 210 v. Chr. Das ist fast unvorstellbare über 2.200 Jahre her. Bis zur heutigen Zeit galt der erste Kaiser von China als umstritten. Einerseits gilt die brutale Regierungsart als unakzeptabel. Andererseits hat er nicht nur China vereinigt, sondern hat viele Reformen eingeführt, die bis heute Bestand haben.

    Dessen Mausoleum mit den unzähligen Terrakotta Kriegern schauen wir uns am letzten Tag unseres Aufenthalts in Xi’an an.
    Dieser Ort war bei der Planung der Reise ein gesetzter Punkt genau so wie eben die Stadt Chongqing. Die Armada an Kriegern, die man so von Bildern kennt, wollte ich unbedingt mit den eigenen Augen sehen.

    Mit Didi geht’s also in den kleinen Ort Lintong. Hier sind die 2 bis 3 Tausend von schätzungsweise 8.000 Tonkriegern in drei verschiedenen Gruben zu bestaunen. Die sind übrigens 1974 ganz zufällig von lokalen Bauern beim Brunnenbau entdeckt worden. Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf.

    Nun. Die freischaffenden Guides kleben wir Kletten an uns, als wir aus dem Taxi steigen. Sie behaupten tatsächlich, dass wir ohne sie nicht reinkommen würden. Und wenn ich Rainer nicht zurechtweisen würde, wäre er eins ihrer Opfer.

    Inzwischen regnet es Strippen und wir schützen uns mit den Regenmänteln aus Wulong.

    Glücklicherweise ist die Schlange an der Kasse kurz. Irgendwo habe ich gelesen, dass es hier täglich 70.000 Besucher gibt.
    Zum ersten Mal gibt es keinen Seniorenrabatt. Wir zahlen 240¥ was etwa 30€ sind. Dafür bekommen wir Null Plan oder sonstige Hinweise.

    Wie alle - steuern auch wir als erstes Halle 1 an.
    Hier sieht man erst einmal gar nichts. Jedenfalls nicht, wenn man so groß ist wie ich. Es dauert ne Weile bis ich mich an die Reling kämpfe.
    Das Gedränge ist unvorstellbar. Meinen Fotoapparat muss ich verkrampft festhalten, um eine einigermaßen ruhige Aufnahme zu machen. Bald verzichte ich und verwende nur noch das Handy.

    Jetzt, wo ich die Tonkrieger in Persona sehen kann, bin ich absolut nicht geflashed hier sein zu dürfen. Der Funke springt einfach nicht über. Auf der weitern Umrundung des ersten Ausgrabungsfeldes verteilt sich die Menschenmasse etwas.

    Ich vergleiche diesen Besuch mal mit meinem ersten Mal Taj Mahal. Auch auf diesen Anblick habe ich mich gefreut und war total aufgeregt es zu sehen. In Natura ist dieser viel kleiner, als man den von Bildern so erahnt. Und auch da waren viele Besucher unterwegs. Dennoch stockte mir der Atem beim Anblick des indischen Mausoleums.
    Hier nicht. Auch die Hallen 3 und 2 stimmen mich nicht um.

    Auf einem weiteren Ausgrabungsfeld wird verdeutlicht, wie die Arbeit der Archäologen aussieht. Wie sie verschiedene Bruchstücke vorfinden und wie sie es zu einem Stück fügen.

    Die Geschichte hinter der Entstehung finde ich wesentlich spannender. Qin Shihuangdi war bei seiner Thronbesteigung 13 Jahre alt. Man geht davon aus, dass schon zu dieser Zeit begonnen wurde, das Mausoleum mit all den Tonkriegern zu fertigen. Übrigens, dass er nicht wie üblich sein ganz enges Umfeld mit ins Grab nimmt dafür aber Tonkrieger, wird ihm hoch angerechnet.
    Etwa 36 Jahre hat die Schaffung des Mausoleums gedauert. Gefertigt hauptsächlich von verurteilten Straftätern, aber auch Soldaten, die nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen arbeitslos waren. Man schätzt, dass unvorstellbare 700.000 Menschen daran beteiligt waren. Von überall wurden Arbeiter rekrutiert.
    Am Ende der Arbeiten wurden die Architekten des Mausoleums sowie die Arbeiter auf Befehl des Kaisers lebendig begraben, um zu verhindern, dass sie Kenntnisse über den Aufbau der Anlage hätten verraten können.
    Gruselig. Das macht sprachlos.

    Unser Rundgang dauert fast fünf Stunden. Danach bin ich immer noch nicht euphorisiert.
    Zu voll - zu wenig Beschreibungen - zu wenig Informationen.

    Wir haben‘s mit den eigenen Augen gesehen. Nicht mehr.
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  • Pingyao - wie einst im alten China

    4月22日〜25日, 中国 ⋅ ☀️ 20 °C

    Xi’an zeigt sich am Abreisetag bei schönstem Wetter. Unser Zug geht spät. Es wäre also Zeit genug, um noch die ein oder andere Attraktion zu besichtigen. Wir entscheiden uns letztendlich dagegen. Frühstücken entspannt beim besten Breakfastbuffet der ganzen Reise, kaufen noch ein Xi’an Pferd entworfen von einem Künstler der Stadt und lassen uns kurz vor zwei zum Xi‘andong bringen.
    Im Zugfahren sind wir mittlerweile Profis. Aber ehrlich gesagt, muss man kein Profi sein. Man muss einfach nur dem Zugsystem vertrauen. Und das ist man in 🇩🇪 nun mal nicht gewohnt.
    2:25h braucht der Zug. Zwischendurch führt uns die Strecke auf 1.200 Höhenmeter. Unsere chinesischen Banknachbarn können zwar kein Wort englisch, versorgen uns aber mit Kuchen und Erdnüssen.

    Es geht ins Zentrum der Provinz Shaxi, nach Pingyao. Mit einer Geschichte von über 2.800 Jahren gehört Pingyao zu den ältesten Chinas.
    Pingyao war während der Qing-Dynastie eines der wichtigsten Finanzzentren Chinas. Mit der Gründung der Rishengchang Bank im Jahr 1823 entstand hier die erste moderne Bank des Landes, die Geldtransfers über große Entfernungen ermöglichte und damit konnte auch ein weit verzweigtes Finanznetz entstehen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts verlor Pingyao seine führende Rolle an aufstrebende Handelsmetropolen wie Shanghai und Hongkong.

    In Pingyao Guecheng erreichen wir zum ersten Mal auf dieser Reise einen Bahnhof ohne Rolltreppen. Es gibt unendlich viele Treppen. Da kommt Rainer wieder einmal zu seinem schmerzlich vermissten Workout 🤭
    Dafür sind die Taxifahrer nicht so aufdringlich wie andernorts.

    Mit dem georderten Didi-Fahrer haben wir mehr als Glück. Die Adresse, extra auf Chinesisch eingegeben, führt uns jedoch nicht ans Ziel, sondern an den Rand einer Parkanlage.
    Wir sollen jetzt noch ne Viertelstunde laufen, sagt er und lädt dabei mit einer frisch angezündeten Fluppe im Mund unser Gepäck aus.

    „Niemals! Mit dem Gepäck?“, ist alles, was wir vollkommen entsetzt von uns geben können. Das kann unmöglich sein Ernst sein.
    Wir bitten ihn, unsere Unterkunft anzurufen. Das tut er auch und wirkt während des Gespräches - von dem wir Null verstehen - deutlich informierter und lädt alles wieder ein.

    Wir fahren weiter bis zu einem Tor. Für ihn ist hier offenbar Schluss.
    Hier herrscht reger Betrieb. Buggys fahren ständig hin und her. Er ruft einem dieser Fahrer etwas zu und schickt uns in diese Richtung.
    Also tun wir das, was uns gesagt wird und fahren mit dem Buggy durch die Altstadt.
    Irgendwo werden wir aber wieder abgesetzt. Der Buggy fährt weiter.
    Wir stehen etwas lost da.
    Eigentlich total hilflos. Ein Blick auf AMap zeigt: Vom Ziel sind wir noch ein ganzes Stück weit entfernt.

    Und jetzt?
    Man deutet uns, den schmalen Weg geradeaus zu nehmen.
    Ich bin total bedient! Wir laufen erst ein Stück, bevor wir entscheiden, dass Rainer prüft, aob dieser Weg überhaupt der richtige ist. Ja. Ist er.

    Die Unterkunft hat eine exquisite Lage. Nicht nur im Herzen der Altstadt sondern im absolut autofreien Abschnitt. Ideal für Reisende mit Handtasche 😎

    Es ist ein Homestay in einem renovierten, traditionellen chinesischen Haus mit mehreren Innenhöfen. Alles ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Genau so stellt man sich das alte China vor. Vermutlich hat es hier früher genau so ausgesehen. Vermutlich hat man so hier gelebt.

    Wir wohnen in einem Duplex-Zimmer. Abgesehen davon, dass die Bilder offenbar mit einem Weitwinkel aufgenommen wurden, entspricht alles weitgehend den Aufnahmen auf Trip.com, wo ich die Unterkunft gebucht habe. Für etwa 50€ pro Nacht kann man insgesamt nicht meckern.

    Das Bett befindet sich in der oberen Etage. Es gibt zwei Wasserkocher, allerdings weder Tee noch Kaffee. Dafür ist der Kühlschrank mit verschiedenen Softdrinks gefüllt, die kostenlos genutzt werden können. Das ist etwas, das man in China fast immer so erlebt. Jedenfalls war‘s auf der bisherigen Reise so.

    Eigentlich wäre alles sehr gut, wenn das ansonsten wunderschöne Hotel nicht gleichzeitig als Fotolocation genutzt würde. Auch externe Besucher kommen offenbar einfach hinein, um sich alles anzusehen.
    So etwas haben wir schon einmal in einem Hotel in Lecce in Italien erlebt. Dort war der Zugang jedoch auf den Blick in den historischen Innenhof beschränkt.
    Hier aber laufen die Besucher sogar über die Balkongänge der oberen Etage. Und nicht nur das: Sie haben keinerlei Hemmungen, in die Zimmer zu gaffen. Selbst dann nicht, wenn sie sehen, dass wir gerade im Wohnzimmer sitzen.
    Chinesen sind halt anders.

    Am Abend drehen wir noch ne Runde und stellen fest, dass Pingyao zwar wunderschön ist, aber auch sehr touristisch. Aller zwei Meter werden wir gebeten, in das jeweilige Restaurant einzukehren. Manche werben sogar mit einem englischsprachigen Menü. Das, obwohl eh jedes Gericht bebildert an Glasvitrinen zu sehen ist. Aber das alles ist nichts, was uns überzeugen kann. In unseren Augen sieht eh alles gleich aus. Uns wäre mal nach einem
    ordentlichen Steak oder Kartoffeln.

    Am Ende entscheiden wir uns für das Restaurant unserer Unterkunft. Schmeckt ganz gut. Und ist glücklicherweise nicht so scharf.

    Das Frühstück gibt es bis 8:30am.
    Ein großes chinesisches Büffet. Die Suppe darf ich allein zubereiten. Rainer findet Toastbrot. Aber weder Butter noch Marmelade. So ist das mit den unangepassten Essern 😉

    Egal. Für dieses Frühstück ist uns
    das eh viel zu früh. Das bringt uns auf die Idee uns mit Obst und Joghurt zu versorgen. Das reicht uns für ein Frühstück.
    Yoghurt in China ist nämlich unglaublich lecker. Und das sage ich, die zu Hause absolut kein Yoghurt-Fan ist.

    Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die wirklich schöne Altstadt am ersten Tag, nach dem ein oder anderen Museumsbesuch - der für Senioren übrigens stets kostenlos ist - und natürlich nach hunderten von Fotos 😉 - geht’s raus aus der Altstadt. Denn in der Altstadt gibt es außer Andenken nichts zu kaufen.

    Das Shoppingcenter gleich hinter der City Wall beherbergt einen Supermarkt. Und was für einen! Einen Walmart - nur in modern, sauber und mit hochglänzendem Boden, wie wir es bei den Lulu’s im Oman erleben durften. Hier gibt es alles, was der nach westlichen Essen lechzende Gaumen begeht. Wir decken uns ein mit allerlei Müsli, weißen Pfirsichen, Heidelbeeren und Yoghurt.
    Die nächsten Tage gibt es kein Chinesisch mehr. Im KFC nebenan schieben wir noch Hühnerkeulen ohne kleinteilige Knochen und Burger nach. Mit Chinesisch kann uns keiner mehr vor‘m Ofen vorlocken.

    Eigentlich reicht für die Besichtigung von Pingyao ein einziger ganzer Tag. Das habe ich nicht geahnt und wohl definitiv etwas zu großzügig geplant.

    Deshalb nehmen wir uns am zweiten Tag einen Spaziergang auf der Stadtmauer vor. Das Wetter ist perfekt dafür. Wir umrunden die Mauer zur Hälfte. Also vom Südtor bis zum Nordtor. Und es ist einfach nur toll.
    Abgesehen von dem Ausblick auf die Dächer und die wunderschönen blühenden Bäumen des Ortes, ist es hier oben entspannt ruhig.

    Am Abend lassen wir uns zum zweiten Mal in China massieren. Es ist eine Mischung aus Tuina und Akupressur. Ich bin ja kräftiges Kneten von meiner Physio zu Hause schon gewöhnt. Aber hier kocht mir am Ende mein Gewebe 🤣

    Für den Abreisetag haben wir eigentlich einen Abholservice gebucht, der uns vom Homestay zum Bahnhof bringen soll.
    So die Theorie.
    Praktisch passiert aber nichts. Vermutlich wurde die Buchung schlicht vergessen.
    Als wir dann deutlich unseren Unmut äußern, wird zwar hektisch reagiert und die Mitarbeiterin bemüht sich sichtbar, dennoch stehen wir vor der Unterkunft und niemand taucht auf. Am Ende bleibt uns nichts anderes übrig, als gemeinsam mit zwei Angestellten das Gepäck zu tragen bis zu dem Weg, auf dem die Buggys fahren, die uns schließlich zu einem Taxi bringen.
    Immerhin wartet dort ein Maybach auf uns, der uns zum Bahnhof fährt. Dem mit den vielen Stufen aber ohne Rolltreppe… 🙄

    Nun geht’s nach Datong. Noch eine Altstadt. Ob die uns überhaupt noch begeistern kann…?
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  • Datong & Yungang Grottoes

    4月25日〜28日, 中国 ⋅ ☀️ 26 °C

    Datong - noch eine Ancient City…
    Langsam kennen wir die doch alle, denke ich, als wir nach zwei Stunden Fahrt am Bahnhof ankommen.

    Die Zweifel kommen leise, aber hartnäckig. Ich bin der Planer und fühle mich für den Verlauf so etwas wie verantwortlich. Momentan
    erwarte ich leider nichts mehr. Nichts, das uns auf dieser Reise noch wirklich überraschen kann. Alles, was jetzt noch kommt, wird wohl nur noch „ganz nett“ sein.

    Wir werden abgeholt.
    Die Unterkunft, Five Blessings, bietet einen kostenlosen Shuttle an. Mit uns kommt eine andere Mehrgenerationen-Familie aus Frankreich. Wir alle wohnen im gleichen Anwesen.

    Die Altstadt von Datong sieht anders aus als die bisherigen Altstädte Pingyao, Shaxi, Dali oder Lijiang. Graue Ziegel, kantigere Häuser, alles ein wenig strenger im Erscheinungsbild.
    Ich frage eine Mitarbeiterin der Unterkunft sowie die KI. Und das ist das Ergebnis: Datong ist quasi das Gegenteil von Pingyao. Die Altstadt wurde größtenteils ab 2008 neu aufgebaut, im Stil der Ming-Zeit. Echte, historische Bauwerke hat man integriert. Für die neuen Häuser wurden neue Materialien verwendet.
    Das hat den Vorteil, dass es zB. eine Tiefgarage gibt.
    „Ancient City“ eben, nur in neu.
    50 Quadratmeter ist unser Zimmer namens Xi groß. Schön weiträumig. Und luftig. Vermutlich waren solche Flächen früher für eine ganze Großfamilie gedacht.

    Am Abend sind es immer noch angenehme 20 Grad. Und das auf etwas über 1.000 Metern Höhe. Damit hatten wir nicht unbedingt gerechnet. also kommen wieder meine Sandaletten zum Einsatz.

    Wir laufen einfach los und erkunden die Umgebung. Alles wirkt noch sehr neu. Aber auch unbelebt. Es sind wohl mehr Unterkünfte für Besucher als Wohnräume. Große Bäume stehen hier noch nicht. Dafür gibt es überall diese wunderbar dezente Beleuchtung. Das können die Chinesen wirklich gut. Die Häuser sind so in Szene gesetzt, dass alles stilvoll wirkt und niemals aufdringlich grell.
    Genau das gefällt uns richtig gut. Rainer überlegt schon, wie wir unsere Weihnachtsbeleuchtung ebenso gestalten könnten 🤔

    Wir kommen an einer Pagode vorbei, und plötzlich ist deutlich mehr Leben auf der Straße.
    Ich habe – mal wieder – ein Nudelsuppen-Restaurant ausgesucht. Es ist ein neuer Anlauf, uns mit dem chinesischen Essen anzufreunden.
    Das Restaurant ist gut besucht, was ja bekanntlich immer ein gutes Zeichen ist. Leider gibt es zu wenige Plätze. Kurzerhand werden wir zu einer jungen Frau an den Tisch gesetzt, die bereits isst. Sie kommt aus Shanghai und spricht ausgezeichnet Englisch – was für eine angenehme Überraschung.
    Indirekt ist spürbar, wie stolz sie auf ihr Land ist. Und wie sie sich freut, dass wir uns so viel Zeit für ihr Land nehmen. Und dass wir all die Dinge nutzen, die auch Chinesen nutzen: also Didi und das Fahren mit dem Zug. Dass wir all das schätzen und gut finden.
    Am Ende ist nicht nur die Suppe mit Salat und Spießen hervorragend, sondern auch die Unterhaltung.

    Das Wetter meint es am nächsten Tag gut mit uns. Die Sonne scheint bei über 20 Grad.
    Unser Homestay bietet Fahrten zu den nah gelegenen Yungang Grottoes an. Aber wir wollen individuell bleiben. Unabhängig entscheiden, wie lange wir bleiben und nehmen uns ein Didi.
    Der Eintritt von insgesamt 240¥ entfällt wieder einmal für alle über 60-jährigen. Wir lieben es!
    An einem Stand mit Andenken verliebe ich mich in einen Anhänger. Irgendwie bin ich zu faul umzurechnen…. Da war die gesparte Summe des Eintritts wieder weg 😉

    Solche Grotten haben wir uns schon einmal angeschaut. Damals in der Nähe von Shaxi. Aber das hier hat ganz andere Dimensionen. Das sind wirkliche Grotten. Sie zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen der buddhistischen Kunst während der Wei Dynastie (386–534 n. Chr.) entlang der Seidenstraße. 252 Höhlen und 51.000 Buddha-Statuen gibt es zu sehen, wobei die größten 17Meter hoch sind. Beeindruckend sind sie alle. Die, die in den engen Höhlen dreidimensional und auch noch farblich gestaltet sind, sind meine Favoriten.

    Datong selbst ist gesät von wunderschönen Tempeln.
    Nach der Rückkehr aus Yungang machen wir uns nochmals auf, um den Fahua-Tempel zu besichtigen.
    Wir sind schon etwas fusslahm und lassen uns die kurze Strecke mit dem Didi fahren.
    Dieser Tempel stammt ursprünglich aus der Ming-Dynastie der deutlich vom tibetischen Buddhismus geprägt ist. Dass erkennen sogar wir, die keine Spezies sind. Aber die etwa 20 Meter hohe weiße Stupa in der Mitte des Innenhofes und die kräftigen Farben sind ganz typisch für tibetische Tempelanlagen.
    Teile der Anlage wurden in den letzten Jahren restauriert. Manche mussten neu aufgebaut werden, weil der Verfall so weit fortgeschritten war.

    Alles, was wir uns jetzt noch anschauen wollen, müssen wir auf morgen verschieben. Denn 18.30 schliessen alle Anlagen.

    Heute ist Sonntag und sehr viele Menschen sind unterwegs.
    Wir schlendern noch bis zur großen Kreuzung, wo wir gestern Abend schon waren.
    Sipailou heißt das Gebilde an dieser Kreuzung. Wörtlich übersetzt heißt es „Vier-Pfeiler-Torbogen“. Tatsächlich ist es eine Torstruktur mit vier Durchgängen, die früher einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt innerhalb der Stadtmauer bildete.

    Gegenüber - das haben wir uns auch schon gestern ausgeguckt - steht das „Zini369“. Ein auffallend großes Restaurant. Wir müssen etwas warten, bis wir einen Tisch am Fenster mit Blick auf die Sipailou Torstruktur bekommen. Hier kann man zwar kein Wort englisch aber es gibt ein Menü als Bilderbuch mit riesigen Fotos der einzelnen Speisen. Wir wählen vier verschiedene Gerichte aus, die sich als absolut lecker erweisen und zahlen am Ende ganze 72¥ was gerade mal 9€ sind.
    Am Ende sind wir wieder im Frieden mit dem chinesischen Essen. Es stillt zwar nicht unsere Vorlieben aber es schmeckt frisch und lecker.

    Aber Datong hat noch mehr zu bieten. Sogar ein kleines bisschen „rote Steine“ wie im Westen der USA. Aber das wird ein anderer Footprint
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  • Datong & Tulin

    4月27日, 中国 ⋅ ☀️ 17 °C

    Auch der zweite Tag lässt sich wettertechnisch gut an. Die Sonne scheint wolkenlos.
    Nach dem schönen Frühstück, das nur für uns zubereitet wird - wir sind die einzigen Gäste - machen wir uns auf, die riesige Prince Dai Residence zu besichtigen. Tatsächlich ist es ziemlich leer am Eingang und noch denken wir, es liegt daran, weil heute Montag ist. Aber nein. Ausgerechnet heute ist geschlossen. Es werden Vorbereitungen für den 1.Mai vorgenommen. Schade ☹️

    Doch Datong hat noch weit mehr zu bieten – etwa den beeindruckenden Huayan-Tempel, eine der bedeutendsten buddhistischen Tempelanlagen Nordchinas. Er wurde im Jahr 1038 während der Liao-Dynastie gegründet und in der Jin-Dynastie weiter ausgebaut.

    Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Tempel mehrfach durch Kriege und Brände zerstört, doch er überstand letztlich alle Dynastien. Mit dem Bedeutungsverlust Datongs geriet die Anlage zunehmend in Vergessenheit und verfiel, bis sie erst im 20. Jahrhundert umfassend restauriert und wiederhergestellt wurde.

    Ganze zwei Stunden lustwandeln wir durch diese herrliche Anlage, die neben den Tempeln wie ein gepflegter Park angelegt ist.
    Wie immer haben viele Frauen wieder die traditionellen Gewänder an. Langsam haben wir uns an den Anblick gewöhnt. Und ehrlicherweise mag ich es mittlerweile, wenn Historisches so schön untermalt wird. Und so gibt es viele Fotos nur mit Modell.

    Nach diesem Besuch ist noch genügend Tag übrig. Mit Didi lassen wir uns ins nahgelegene Tulin bringen. Hier soll sich - wenn ich den Bildern im Netz glauben darf - eine interessante Erosionslandschaft aus Lehm und Sand befinden.
    Schon als wir aus dem Taxi steigen frage ich mich, wie man diese Landschaft erkunden soll.
    Wir haben doch kein Auto 🤷‍♀️
    Ok. Da habe ich etwas zu sehr an die unendlichen Weiten im Westen der USA gedacht. Schnell stellt sich heraus, dass man die Senke auch zu Fuß erkunden kann. Es hat etwa die Größe der Painted Mines östlich von Colo City. Und ähnlich wie schon in Frankreich darf man die fragilen Formen nicht betreten. Was wir beide gut finden. Vor allem wenn ich an den Besuch des Fantasy Canyon im letzen Herbst denke, wo jeder Idiot - sorry so muss ich diese Menschen nennen - einfach drauf klettern darf. Ganz ohne schlechtes Gewissen zu haben, wenn etwas abbricht.

    Nach einer Stunde kürzen wir die Runde etwas ab. Abgesehen davon, dass sich eine dunkle Wolke in unsere Richtung bewegt, fragen wir uns, wie lange es dauern wird, bis wir einen Didi hierher ins Nirgendwo locken können.
    Kaum hat also Rainer die Anfrage gesendet, kam die Antwort. Da sind wir echt baff. Dabei haben wir einfach nicht mit der Cleverness des Didi-Fahrers gerechnet, der uns herbrachte. Ihm war klar, dass wir wieder zurück müssen. Und er hat einfach gewartet.

    In der Altstadt Datongs
    angekommen, regnet es zwar nicht aber es ist ziemlich windig.

    Ein Vorhaben steht dennoch auf der Liste: Eine Fahrt auf der Stadtmauer.
    Es gibt verschiedene Gefährte zur Ausleihe. Wir entscheiden uns für die dickbereiften Fahrräder.
    Die Stadtmauer umrunden wir letztendlich im Ganzen. Das sind 7.2 Kilometer. Und es macht tierischen Spaß. Nicht nur der Ausblick von der Mauer sondern auch das Radfahren macht mehr Spaß als das ewige Treppensteigen.

    Am Ende des Tages und des Aufenthalts hier in Datong kann ich guten Gewissens meine Bedenken, die ich anfangs hatte, bei Seite schieben. Datong hat uns total beeindruckt. Vielleicht kommen wir nochmals wieder. Wenn der Zugang zu den Hanging Tempels wieder geöffnet ist.

    Morgen ziehen wir aber weiter gen Osten. Zu einer anderen Mauer. Der, die die Welt kennt.
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  • Mutianyu - The Great Wall

    4月29日〜5月7日, 中国 ⋅ ☀️ 22 °C

    Die Große Mauer gehört zu den Topzielen eines jeden Chinareisenden.
    Natürlich müssen auch wir dahin.

    Landläufig wird ja immer von einer Gesamtlänge mit x Kilometern gesprochen. Genau betrachtet aber ist so eine Aussage falsch.
    Das war auch uns neu.
    Die Mauer war nämlich niemals ein durchgehendes Bauwerk, sondern immer schon ein komplexes System aus Mauern, Wällen und natürlichen Barrieren. In dieser Ausdehnung erstreckte sich die gesamte Anlage zusammen auf geschätzte mehr als 21.000 Kilometer.

    Begonnen hat der Bau der Chinesischen Mauer bereits im 7. Jh. v. Chr. Damals errichteten einzelne chinesische Staaten erste Grenzbefestigungen.

    Erst unter Qin (das war der erste Kaiser, dessen Mausoleum wir in Xi’an besichtigt haben) gab es den Versuch, diese Einzelstücke erstmals zu erweitern und zu verbinden.
    Man spricht von 300.000 Soldaten, die daran gearbeitet haben sollen. Klingt viel. Aber wenn man weiß, dass 700.000 Soldaten zur gleichen Zeit an dem Mausoleum gearbeitet haben, dann ist das ziemlich wenig.

    Es gibt heute nur noch wenige verbliebene Abschnitte, die erhalten, rekonstruiert und begehbar sind. Diese stammen aus der Zeit der Ming-Dynastie (14. bis 17. Jahrhundert).

    Bei der Auswahl des „richtigen“ Abschnitts standen also verschiedene Orte im Angebot. Badaling - das konnte ich überall lesen - sollte man meiden, weil es sehr touristisch sein soll.

    Bei der Planung war ich also auf der Suche nach einer Bleibe direkt an der Mauer. Aber direkt gibt es nicht. Am Fuße heißt im Dorf Mutianyu.
    Für 50€ die Nacht - so dachte ich - kann man nichts falsch machen.
    Allerdings gibt es keine direkte Zugverbindung bis dahin.
    Deshalb verlassen wir Datong und fahren erst einmal nach Pekingbei. Ab hier nehmen dann ein XL-Auto. Eine Stunde dauert die Anfahrt.

    Das Hotel erweist sich als eine grün überwucherte Anlage, die ein wenig Maintenance bräuchte, aber unser Zimmer ist nett und hat sogar eine kleine Terrasse. Die Mädels hier haben keine Vorstellung, dass man etwas Infos benötigen würde und so müssen wir den alles aus der Nase ziehen.
    Am Abend der Ankunft spazieren wir noch die steile Straße bis zur Gondel. Wir hoffen, hier mehr Infos zu bekommen. Aber die gibt es hier nicht. Da wir noch keine Tickets haben, beunruhigt mich ein wenig der Gedanke, morgen keine mehr zu bekommen. Aber wie sich am nächsten Tag herausgestellt, benötigen wir weder eine Reservierung noch vorher gekaufte Tickets.

    Was wir am nächsten Vormittag allerdings registrieren, sind die Busladungen, die vorbeiströmen. Also machen wir uns erst kurz nach Mittag auf den Weg.
    Am Kassenschalter kaufen wir Tickets für die Gondeln und los geht das Abendteuer: „Chinesische Mauer“.
    Die Fahrt mit der Doppelmeyer-Gondel allein ist schon eine Augenweide.
    Wie nicht anders zu erwarten, ist es direkt am Ankunftsort der Gondel noch ziemlich trubelig. Aber das löst sich schon bald auf. Denn die Reisegruppen ziehen ab und die Besucher des Nachmittagsschwungs sind noch nicht da.

    Wir haben Traumwetter. Die Sicht ist sehr gut. Sogar die Skyline von Beijing ist zu erkennen.
    Der Weg auf der Mauer ist nicht so schön eben wie in Pingyao oder in Datong. Denn die Mauer verläuft immer am Kamm entlang. Wir vergleichen das mit den kleinen Dorfstraßen im Osten Südafrikas, die auch genau immer auf dem Kamm verlaufen.
    Dies ist aber auch das, was den Anblick fotogener macht.

    Es läuft sich sehr gut. Die Platten sind fast eben. Wenn es nicht ab und zu ein paar Treppen gäbe, wäre es ein feiner Spaziergang.
    Die Anstrengung besteht aus den Steilstücken bzw. der kurzen Stücke mit extrem hohen Stufen. Aber überwiegend ist die Höhe der Stufen etwa handbreit.

    Auf dem Weg von Wachturm 14 bis 19 haben wir eigentlich genug gesehen. Ich hab schlichtweg auch keine Lust mehr. Schließlich muss das Stück wieder zurückgelaufen werden.
    Der Anstieg hinter Wachtturm 19 beginnt mit besonders hohen Stufen und einer fiesen Steigung. Während ich nur noch bis zur Hälfte, zu einem Gedenkstein laufe, entscheidet sich Rainer noch für (s)ein Workout, in dem er bis zum Endpunkt am Wachturm 23 läuft und bringt fantastische Bilder mit.

    Zurück am Ausgangspunkt, also am Wachturm 14, starten wir erst den weiteren Gang auf die andere Seite, entschließen uns aber bald dagegen. Abgesehen davon, dass er uns gar nicht so anspricht, ist hier auch wieder sehr viel los. Darauf haben wir keine Lust.

    Wir haben die Mauer gesehen und ein Stück auch selbst belaufen und gut ist’s.

    Auf dem Weg zur Unterkunft kehren wir wieder im gleichen Restaurant ein wie gestern. Wir essen auch das Gleiche. Das sieht farblich zwar aus, als wenn dem Koch Farbe in den Topf gefallen wäre, schmeckt aber lecker. Preislich spüren wir die absolute Nähe zu Beijing. Denn für 92¥ (12€) haben wir auf der Reise bis Datong mehr als das Doppelte auf den Tisch serviert bekommen.

    Das war unser Erlebnis Great Wall. Morgen geht’s in die Hauptstadt. Nach Beijing.
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  • Beijing - Ankunft

    4月30日〜5月5日, 中国 ⋅ ☀️ 27 °C

    Die Hutongs - unsere Basis für die kommenden fünf Nächte - sind das historische Herz Pekings. Die grauen Ziegel der verschachtelten Häuser, die Gassen wie kleinkariertes Papier aufgeteilt - all das ist wie in Datong. Nur sind diese hier teils über 700 Jahre alt. Viele entstanden bereits während der Yuan-Dynastie im 13. und 14. Jahrhundert. Einige wurden später in der Ming-und Qing-Dynastie erweitert oder umgebaut.

    Unser Boutique Hotel ist von einem Architekten aus Shanghai zu einem zauberhaften Anwesen mit sieben Zimmern umgestaltet worden.
    Jeder Blick - egal aus welcher Perspektive - bettelt fotografiert zu werden.
    Das Personal holt uns wenige Meter vom Hotel ab. Wieder einmal habe ich etwas in der autofreien Zone gebucht. Aber mit so einer Hilfe ist dieser Umstand nicht als negativ nennenswert. Jedenfalls ist das nicht vergleichbar mit dem Verhalten des Personals in Pingyao.

    Der schmale Zugang ist versteckt. Vorn befindet sich noch ein Restaurant. Ein kleines. Ein gemütliches Ding.
    „Hinten“ angekommen, eröffnet sich eine neue Welt. Eine, die man nicht erfassen kann. Die Damen sind alle nett und tragen dieses asiatische Strahlen im Gesicht. Es sieht nicht aufgesetzt aus.

    Unser Zimmer befindet sich in der ersten Etage. Der Zugang über eine Hüftbreite Wendeltreppe verdeutlicht uns unser Alter.
    Das Zimmer ist super klein und doch so gemütlich. Es dauert, um sich hier zu orientieren. Dennoch hat sogar ein Zweisitzer Platz. Alles hat seinen definierten Ort. Auch das Bad ist extrem ausgeklügelt gestaltet. Und die Dusche hat ein Glasdach. Das sieht am Tag total schön aus.
    Ein Einmeter breiter und sehr tiefer Schrank im Bad nimmt uns schnell die Sorge wohin mit unseren Belongings. Die zwei Koffer finden in der Ecke des Zimmers Platz.

    Und dann gehört noch eine Terrasse zu unserem Zimmer. Wunderschön gemacht. Mit Blick nach oben bis zum Kosmos.

    Wir sind also in der Hauptstadt angekommen. Und das am 30.April. Einen Tag vor den fünftägigen Feiertagen in China. Dementsprechend erwarten wir Menschenmassen. Mit so einer Einstellung sind wir gut vorbereitet.
    Mit dieser Einstellung empfinden wir es nicht so dramatisch.
    Die nur ein paar Schritte vom Hotel entfernte Mittelachse im Gebiet ist zugegeben gut besucht. Hier gibt es nichts authentisches. Restaurants und Shops. Mehr nicht. Am Ende der Straße verlassen wir diese Achse und schon wird es luftiger. Wesentlich weniger Menschen sind unterwegs.
    Wir schauen uns den Bell- und den Drum Tower an. Die Nord-Süd-Achse Pekings. In der Hoffnung, drin etwas zu sehen zu bekommen, kaufen wir Tickets. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Denn trotz 16 jähriger Rekonstruktion vor ein paar Jahren, sind die Treppen so hoch, dass ich passe. Passen muss, wenn ich nicht auf allen Vieren hochkraxeln will. Rainer mit seinen Gazellenbeinen besteigt sie alleine.

    Ja und nun?
    Wir sind etwas planlos am ersten Nachmittag. Also beginnen wir schon heute die Erkundung moderner Architektur Pekings.
    Ich habe da eine Liste auf der Fahrt hierher vorbereitet.
    Zuerst soll’s zum CCTV Gebäude gehen.

    Doch der heutige Vor-Feiertags-Feierabendverkehr erfordert Geduld. Erst müssen wir fast zwanzig Minuten auf den Didi warten und dann brauchen wir eine Stunde bis zum Ziel. Nein - dennoch nervt es heute noch nicht. So können wir in Ruhe etwas von Peking sehen. Von dem Peking, von dem es kaum Fotos im Netz gibt. Unterwegs wird aber schon klar, dass wir kein weiteres Ziel mehr ansteuern werden. Es sei denn wir chartern einen Heli 😉

    Das CCTV ist gigantisch. Und steht gar nicht so frei wie man es sich vorstellt. Die Form interpretiert traditionelle Konzepte wie „Yin und Yang“ und steht für mediale Offenheit. Es zählt zu den „10 architektonischen Wundern der Welt“.
    Aber es wäre nicht ich - der Planer - wenn ich nicht schon die KI bemüht hätte, uns den besten Punkt zum Fotografieren dieses Monstrums herauszusuchen. Der befindet sich in der World Mall in der 6.Etage. Genauer gesagt im Blue Frog Restaurant. Da gibt es eine Terrasse. Und die ist wahrscheinlich noch ein Geheimtipp. Denn es sind nicht einmal hundert Leute auf der Terrasse und man kann bequem fotografieren.

    Ja und weil es schon abends ist würden wir gleich etwas essen. Die Tische draußen sind heiß begehrt. Also begnügen wir uns mit Plätzen im Inneren und schlemmen endlich mal westlich: Rainer herrlichen Lachs auf Salat und ich einen Wagyu Burger mit einer dicken, lecker schmeckenden Scheibe Fleischmasse.
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  • Beijing im Feiertagsrausch

    5月1日, 中国 ⋅ ☁️ 25 °C

    Irgendwie hatte ich im Kopf, früher Bilder von Militärparaden in den Nachrichten gesehen zu haben – aus Moskau und Peking. Das mal live zu erleben, klang ziemlich cool. Aber offenbar sind diese Erinnerungen Jahrzehnte alt.
    In Peking gibt es Militärparaden nämlich nur im Oktober. Und das auch nur alle zehn Jahre…

    Bleibt also die Frage:
    WhatsUp in Beijing am 1. Mai?
    Was ich im Netz finde, ist ernüchternd: kein Feuerwerk, keine Drohnenshow. Dafür irgendwo eine Pfingstrosen-Ausstellung. Wie spannend.
    Dabei ist die erste Maiwoche in China ein großes Ding. Fast alle haben frei. Sie reisen oder besuchen die Familie.
    Voll soll es sein auf den Straßen Beijings. Deshalb entscheiden wir uns am 1.Mai gegen Taxi und fürs Fahrrad. Leihräder gibt es in chinesischen Städten genug. Ausgeliehen haben wir bisher noch nie eins bekommen. Wir scheitern verzweifelt immer an der fehlenden chinesischen ID. Gut dass „Alice“, die gute Seele des Hauses, das Problem kennt und sofort anbietet, mit uns rauszugehen und für uns welche auszuleihen. Diese bleiben dann so lange aktiv, bis wir die Räder eine längere Zeit nicht mehr bewegen. Was „längere Zeit“ genau heißt, ist nicht bekannt. Die Stunde kostet 2.5¥ (etwa 30c). Wir vereinbaren, dass sie die Endsumme am Ende des Tages per Alipay wieder bekommt. Chinesen können bis zu drei Räder gleichzeitig ausleihen, erfahren wir. Wie praktisch für uns.

    Beijing ist eigentlich recht übersichtlich aufgebaut, also radeln wir Richtung Tiananmen-Platz, dem Platz des himmlischen Friedens. Die Straßen sind schon gut voll. Als ehemalige Ossis würden wir sagen: voll wie zur Maidemonstration. Passt ja irgendwie.

    Trotzdem kommen wir gut voran. Verkehrsregeln für Fahrrad- und Mopedfahrer wirken hier eher wie freundliche Empfehlungen.
    Es läuft eigentlich super. Bis zwischen Kaiserpalast und Tiananmen plötzlich Schluss ist. Alles auf Rädern ist verboten. Nur noch Fußgänger.
    Kurz glauben wir noch, wir seien besonders clever und finden einen Schleichweg. Natürlich tun wir es nicht.
    Gerade als wir aufgeben und die Räder abstellen wollen, um zu Fuß weiter zu gehen, sprechen uns vier junge, englischsprachige Kerle an:
    Ob wir eine Reservierung für den Platz hätten.
    Reservierung? Nö.
    Braucht man die? Ja.
    Damit ist dieser Plan auch gestorben.

    Was also jetzt? Ich hab da bei AMap ein paar Sternchen (Marker) gesetzt und die steuern wir jetzt an.
    Und diese Fahrt wird ein voller Erfolg. Zum einen ist die Stadt nur wenige Parallelstrassen entfernt praktisch leer. Und zum anderen schauen wir uns die Architektur der Stadt an. Wir fahren durch Wohngebiete und vorbei an Parks. Am Ende kommen über 17 Kilometer zusammen, als wir am Harmey-Shop (hier gibt es sauteure westliche Kosmetika für ein Appel&Ei) die Räder abstellen.
    Den Rückweg aber treten wir dann mit Taxi an.
    Fix und fertig aber absolut glücklich über den erfolgreichen Tag spazieren wir dann noch zu Yoshinoya, unserem geliebten japanischen Schnellrestaurant.

    Am folgenden Tag haben wir kurz nach Mittag eine Verabredung mit „Martin“, einem deutschsprachigen Guide, der uns die Verbotene Stadt, also den einstigen Kaiserpalast zeigen wird.
    Wir treffen ihn in der Rezeption und sein erster kritische Blick gilt Rainers Mini-Rucksack und meiner Tasche in Größe meines Handys.
    „Das kostet mindestens eine halbe Stunde Schlangestehen“ sagt er.
    Wir sollen alles am Mann tragen.
    Gesagt - getan.
    Die Tickets sind schon vom Hotel reserviert und wir müssen sie nur noch mit dem Pass in der Hand abholen. Als Senioren zahlen wir die Hälfte - also 60¥ für uns beide - was etwa 7.50€ ist.

    Anfangs bin ich noch nicht überzeugt, ob sich diese ziemlich kostenintensive Investition in einen Guide überhaupt lohnt. Aber er macht es super. Die Erklärungen sind kurz und knackig.

    Die Anlage ist groß. Der Besucherandrang aber gar nicht so dramatisch, wie wir es befürchtet haben. Alles verteilt sich sehr gut. Wir erfahren, dass man nach der Pandemie die tägliche Besucherzahl
    auf 40.000 beschränkt hat. Dabei werden über 60jährige gar nicht mitgerechnet. Vor der Pandemie besuchten täglich doppelt so viele Menschen das Areal.
    Vor einem Monat hat ein Teil der Palastanlage nach vielen Jahren der Rekonstruktion wieder eröffnet. Nicht alle Guides kennen diesen Teil. So ist es hier auffallend wenig besucht. Fast sind wir am Ende mit der Besichtigung, da kommt ein Unwetter auf. Es wird windig und es fängt an zu nieseln. Wir sind aber auch gesättigt an Informationen und letztendlich dankbar über die Entscheidung einen Guide gebucht zu haben.

    Am dritten Tag in Beijing steht der Sommerpalast auf dem Plan. Gerade als wir los wollen, gibt es plötzlich Starkregen nebst Gewitter. Nach einer Stunde hat es sich aber ausgeregnet und die Luft ist herrlich klar.
    Wir lassen uns mit Didi bringen. Die Umgebung ist weiträumig abgesperrt. So müssen wir erst bis zum Eingang ein ganzes Stück laufen. Die Menschenmassen die hier unterwegs sind, sind ein Vielfaches von dem, was gestern in der Verbotenen Stadt unterwegs war.
    Der Sommerpalast wurde im 18. Jahrhundert unter der Qing-Dynastie als Rückzugsort für die Kaiser, besonders für Kaiserin Cixi, ausgebaut. Das hat uns gestern schon Martin erzählt. Er hat uns den Besuch ans Herz gelegt. Aber obwohl die Anlage etwa 290 Hektar groß ist - ok. drei Viertel davon belegt der Kunming-See - platzt schon bald unsere Hoffnung, dass sich die Menschenmassen irgendwann verteilen.
    Dennoch kämpfen wir uns bis zum Longevity Hill durch, wo der
    Tower of Buddhist Incense thront.
    Von hier oben hat man den besten Blick auf die Umgebung und den See. Schick haben sie es sich früher gemacht.
    Rainer geht noch bis zum Marmorboot - mich nerven die Massen und anschließend verlassen wir die Anlage und lassen uns zum Beijing Olympic Park bringen. Hier stehen die markanten Gebäude des Water Parks, dem Cube und das National Stadium, genannt The Nest.

    Am letzten Tag lassen wir uns die Ohren säubern. Earpicking nennt sich das hier. Ein recht interessantes Erlebnis. Ob wir jetzt besser hören?
    Ich behaupte mal für mich: die Ohren fühlen sich offener an.

    Danach gehts zur allerletzten Attraktion, zum Temple of Heaven. Das Wetter ist immer noch prima.
    Wie nicht anders zu erwarten, sind wir auch hier nicht allein. Aber es ist wesentlich angenehmer als gestern.
    So marschieren wir zu allererst zum markantesten Gebäude, das auch zum Symbol der Stadt geworden ist, der Halle des Erntegebets. Das sieht schon wegen seiner runden Form und strengen Symmetrie sehr beeindruckend aus.
    Den Altar sehen zu wollen, gebe ich aber dann doch bald auf.
    “Halb Indien” drängelt und schubst mit vollem Körpereinsatz.
    Nee, das brauche ich nicht.
    Die Anlage ist übrigens etwa 270 Hektar groß und damit größer als die Verbotene Stadt selbst. Wir spazieren noch über die Danbi Bridge. Es ist eigentlich keine wirkliche Brücke. Es ist ein erhöhter Steg der den Übergang zwischen Himmel und Erde symbolisiert. Der eigentliche Himmelspalast ist dann eher ein „ganz netter“ Anblick verglichen zum Gebäude der Halle des Erntegebets.

    Das war also unser Beijing.
    In viereinhalb Tagen haben wir viel aber noch lange nicht alles gesehen.
    Wäre Beijing unsere erste Destination, wäre ich vielleicht unzufrieden mit dem Gesehenen.
    So aber hat Beijing einen anderen Stellenwert und ist nur eine Ergänzung zu all den Eindrücken, die wir in den letzten sieben Wochen auf der Reise durch China gesammelt haben.
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  • Flugtag

    5月5日, 中国 ⋅ ☀️ 27 °C

    Nach fünf Tagen Beijing ziehen wir weiter. Ein Ziel, das ich bei einem meiner Follower entdeckt habe: Zhangjiajie.
    Damals konnte ich das weder aus dem Sinn schreiben, geschweige denn aussprechen. Aber die Bilder fand ich faszinierend.

    Aus Beijing gibt es an diesem Tag nur eine einzige Zugverbindung ohne Umstieg und die dauert ganze zwölf Stunden. Das wäre zwar machbar, aber wir entscheiden uns letztlich für die deutlich schnellere Variante und nehmen den Flug. Den buche ich vorsorglich bereits Ende Februar, schließlich liegt der Termin mitten in der Feiertagswoche.
    So weit - so gut.

    Etwa zehn Tage vor dem Flug prüfe ich eher aus Langeweile während einer Zugfahrt noch einmal den Preis und stelle schockiert fest, dass er sich inzwischen halbiert hat. Sehr gut!
    Anstatt sofort zu handeln, verschiebe ich es allerdings auf später. Am nächsten Morgen, als es mir wieder einfällt, gibt es nur noch ein einziges Ticket zu diesem Preis. Also storniere ich kurzerhand einen der Flüge aus der Gesamtbuchung. Kostenlos.

    Fünf Tage vor dem Abflug taucht dann tatsächlich noch einmal ein Ticket zum halben Preis auf. Also storniere ich erneut und bekomme auch diesmal den ursprünglichen Betrag vollständig zurückerstattet.

    Schon beeindruckend, was bei Trip.com alles möglich ist.

    Bis zum Flughafen Beijing Daxing International Airport brauchen wir etwa 70 Minuten. Der Airport erstreckt sich über vier Etagen und ist in Form eines riesigen Seesterns gebaut.
    Beim Check-in zuckt man trotz unseres deutlich übergewichtigen Gepäcks nicht einmal mit der Wimper. Auch bei der Personenkontrolle werden wir trotz Piepen einfach durchgewunken.

    Bis hierhin läuft also alles bestens. Genau so hätte es weitergehen können.

    Na ja. Dann aber folgt die Gepäckkontrolle. Welch ein Stress. Sowohl mein Handkoffer als auch die Tasche mit den gekauften Souvenirs und den Geschenken aus den Hotels werden aussortiert.

    Die zwei kleinen Flaschen Spezialessig, die wir vom Hotel in Pingyao bekommen haben, habe ich tatsächlich vergessen ins Aufgabegepäck zu packen. Obwohl die Flaschen jeweils nur 100 ml enthalten, werden sie uns abgenommen. Diese Regelung gelte hier nämlich nur für Kosmetika, nicht für andere Flüssigkeiten, erklärt man uns. Theoretisch könnten wir den Essig noch als Gepäck aufgeben. Meine Kamera darf ich nach kurzer Begutachtung immerhin behalten.

    Rainer wiederum wird die Powerbank abgenommen. Genau die Powerbank, mit der wir bereits von Lijiang nach Chengdu geflogen sind. Das Problem: Sie ist „Made in China“ und trägt lediglich ein CC-Label. Erlaubt sei aber nur CCC. Wir können es kaum glauben und werden zu einem speziellen Counter geschickt. Immer wieder hören wir den Vorwurf, die Powerbank sei „Made in China“. Dabei kann ich mir die sarkastische Bemerkung nicht verkneifen und erwidere wiederholt, dass das doch eigentlich perfekt passe. Schließlich seien wir ja in China. Das findet hier eh niemand lustig.
    Am Counter diskutieren nicht nur wir, um irgendwie an die so geliebten Helferlein zu kommen.
    Aber dann sagt die Beamte allen:
    „No way“ und zeigt auf den Aufsteller, der auf der Theke steht.

    Während dessen versucht Rainer noch, den Essig irgendwie ins Aufgabegepäck zu befördern. Aber das kostet viel zu viel Zeit. Am Ende sind wir nicht nur um den Essig und die Powerbank ärmer, sondern verpassen auch noch den Aufenthalt in der Lounge. Und genau die hätte ich wirklich gern gesehen.

    Als wir schließlich am Gate ankommen, hat das Boarding schon mal begonnen.
    Ich seh’s positiv: Einfach mal ohne jede Wartezeit direkt hineinzuspazieren – hat ja auch etwas.

    Leider sitzen wir nicht zusammen. Es gäbe zwar die Möglichkeit eines Ringtausches, aber ein Passagier zeigt sich ziemlich bockig und möchte seinen Platz nicht tauschen.
    Nun gut, dann sitze ich die zwei Stunden eben allein.
    Der Flug soll 13.55Uhr starten.
    Es ist genau 13:55Uhr als wir abheben.
    Ich klebe also beim Start an der Scheibe, in der Hoffnung, dass ich den Seestern von oben zu sehen bekomme. Ich meine, einen Blick auf die Mauer würde ich auch nehmen. Aber wir starten straight nach Süden. Keiner meiner Wünsche wird erfüllt.

    Auf diesem Flug gibt es sogar etwas zu essen. Zur Auswahl stehen chinesische Nudeln oder ein chinesischer Snack. Letzteres kann die Flugbegleiterin aber nicht beschreiben . Eigentlich würde ich darauf verzichten. Aber ich habe keine Ahnung, was uns heute Abend noch erwartet. Schließlich wohnen wir irgendwo in den Bergen.

    Die „chinesischen Nudeln“ entpuppen sich dann allerdings als Spaghetti Bolognese. Ein Gericht, das ich sonst eher nicht bestellen würde. Doch in diesem Moment schmeckt es mir extrem gut. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich nicht ausschließen kann, dass ich in den nächsten Tagen nur noch chinesisches Essen bekommen werde.

    Beim Anflug habe ich auf meiner Seite eine sensationelle Aussicht – inklusive Blick auf den Tianmen Mountain mit seinem riesigen „Loch“ im Felsen. Wirklich beeindruckend.

    In Zhangjiajie empfangen uns dann 30 Grad und strahlender Sonnenschein. So kann es bleiben.

    Doch nun wartet schon das nächste Problem auf uns: Die DiDi-App findet unsere nächste Unterkunft nicht. Also wählen wir kurzerhand eine andere Adresse in derselben Richtung und bitten darum, im
    Hotel anzurufen. Aber alles gestaltet sich deutlich schwieriger als sonst. Der Fahrer ist längst nicht so kooperativ wie die anderen Fahrer bisher.
    Und dann sollen wir plötzlich 60¥ in einen Briefumschlag stecken …
    Für mich ein ziemlich eindeutiges Zeichen, das Auto besser sofort mit all unserem Gepäck zu verlassen. Keine fünf Minuten später steht ein neu georderter Didi vor uns. Inzwischen habe ich per WeChat die Adresse in Chinesisch zugesendet bekommen. Und zwanzig Minuten später erreichen wir endlich das Ziel.

    Unsere Unterkunft entschädigt dafür umso mehr: Nicht nur wunderschön gelegen, sondern auch mit einem spektakulären Ausblick auf die sogenannten „Avatar-Berge“
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  • Zhangjiajie & die Avatarberge

    5月5日〜9日, 中国 ⋅ ☀️ 24 °C

    Mit der Aussprache dieses Ortsnamens haben wir uns ziemlich schwer getan. Wenn man es aber einmal gehört hat, ist es einfach.
    Das ist die phonetische Umschrift: dʒɑːŋ.dʒiː.ɑː.dʒiː.eɪ
    Es sind nur drei Silben.
    Sowohl das „Zh“ als auch das „ji“ werden wie das dsch von Dschungel ausgesprochen. Also in etwa so
    dschang-dschia-dschie.
    Einfach oder?

    Zhangjiajie war lange für den Tourismus eine unentdeckte Oase. Ende der 1970er Jahre veröffentlichte ein chinesischer Maler und zeitgleich ein Fotograf Bilder von den sonderbaren Pfeilern. Dieser Artikel wurde in der People’s Daily nachgedruckt.
    So wurde dieses Gebiet in China bekannt.
    Der internationale Durchbruch kam jedoch erst 2009 mit dem Film Avatar, der die Landschaft von Zhangjiajie National Forest Park weltweit ins Rampenlicht rückte.

    Vier Nächte habe ich im „Flower Valley Hotel“ gebucht. Denn die Gegend hat mehr als „nur“ den Park zu bieten. Und regnen soll es hier auch sehr oft.
    Der Hotelverwalter bietet uns direkt ein Vier-Tages-Ticket an. Enthalten sind der Glasaufzug, die Shuttlebusse im Park und die Seilbahnen. Nur der Zug im östlichen Teil kostet bei Bedarf extra.

    Am ersten Tag ist es mit 27 Grad sehr warm. Die leichte Wolkendecke macht die Luft diesig und dunstig. Etwas wie Waschküche.

    Für Besucher, die möglichst bequem die Highlights sehen wollen, ist alles nahezu perfekt organisiert. Wie so oft in China sind die Tickets an den Ausweis - für uns Ausländer an den Reisepass - gekoppelt. Mit ihm starten wir am Südtor unseren Rundgang. Dort wartet bereits der Bus zum Glasaufzug.

    Alle weiteren Kontrollen laufen anschließend per Gesichtserkennung. Das gefällt uns. Das hat nämlich einen Vorteil: Die Schranken öffnen sich schnell, ohne Ticketsuche oder Diskussionen. Innerhalb von Sekunden ist klar, welche Attraktionen bezahlt wurden und welche nicht. Nachkaufen kann man natürlich jederzeit. Wir haben allerdings schon das Kombiticket.

    Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab: Die etwas „langweiligen“ Teile, die tiefer im Wald gelegen sind, werden wir mit Bus gefahren. Den Rest muss man allein erlaufen.

    Wir wären nicht in China, wenn wir hier allein wären. Aber wie so oft verteilt sich die Menge erstaunlich gut.

    Den Film Avatar haben wir nie gesehen. Die meisten hier offenbar schon. An den bekannten Drehorten bilden sich kleine Staus.
    Genau dort aber sind die Ausblicke auch am spektakulärsten.
    Wie auch immer.
    Wir sind etwa drei Stunden nur am Staunen und Fotografieren. Und selbstverständlich auch am Treppensteigen🤪

    Mein absoluter Höhepunkt aber ist die Fahrt mit der Seilbahn im Nordwesten des Parks.
    Eine weitere Seilbahnfahrt folgt dann auf eine Art Inselfelsen. Die Wanderung hier oben aber lassen wir ausfallen. Denn mittlerweile regnet es. Das ist dann auch nicht ganz so dramatisch. Der Tag und das was wir gesehen haben war spektakulär genug.
    Sechs Stunden kommen am Ende zusammen. Und das nur für die Erkundung des westlichen Parks.

    Am nächsten Tag regnet es durchgehend. Und nicht zu wenig. Wir sind nur mittelmäßig traurig. Der eine Tag Pause steht uns gut zu Gesicht.

    An unserem letzten Tag soll das Wetter endlich umschlagen. Zumindest versprechen das sämtliche Wetter-Apps. In der Realität sieht es allerdings anders aus. Feiner Nieselregen liegt über den Bergen, dazu ist es spürbar kälter geworden. Also packen wir uns regendicht ein und machen uns trotzdem noch einmal auf den Weg in den Ostteil des Parks.

    Die Landschaft wirkt im Regen fast noch mystischer. Die fotogenen Nebelschwaden aber bleiben aber leider aus. Trotz des Wetters hat dieser letzte Tag aber noch einmal eine ganz besondere Stimmung.

    Ganz so lange wie am Vortag bleiben wir allerdings nicht unterwegs. Als der Regen kräftiger wird, machen wir uns auf den Rückweg.

    Am Abend fahren wir in den Ort Zhangjiajie. Dort besuchen wir das berühmte Gebäude mit den 72 Dächern. Eine künstlich geschaffene „Ancient City“, irgendwo zwischen traditioneller Architektur und chinesischem Disneyland. Kitschig ist das Ganze ohne Frage. Halbstündlich gibt es eine Show nebst Lichteffekten. Nichts spektakuläres- aber ganz nett.

    Am Abreisetag hat sich die Regenfront endlich verzogen. Die Sonne und es ist wieder warm.

    Eigentlich wollten wir den frühen Zug in der Business Class nehmen, doch dafür waren keine Tickets mehr verfügbar. Also bleibt nur die Verbindung um 14:38 Uhr.
    Jetzt fühlt sich das fast wie ein Wink des Universums an. Denn dadurch gewinnen wir genug Zeit, um vor der Weiterreise doch noch den Tianmen Mountain zu besuchen.

    Allerdings gibt es noch ein Problem: Wohin mit dem Gepäck, ohne erst zurück zur Unterkunft fahren zu müssen und unnötig Zeit zu verlieren?

    Mit dem Zug zu reisen ist in China total populär und so gibt es für jedes Problem eine erstaunlich praktische Lösung.
    Unser Host ist uns dabei eine riesige Hilfe. Er skizziert uns wie wir dieses kurze Zeitfenster, das uns nur noch zur Verfügung steht, am effektivsten organisieren können um das Maximale des Tianmen Parks sehen zu können.

    Also bringen wir zuerst unsere Koffer zum Bahnhof, wo sich im Untergeschoss ein Reisebüro befindet, das Gepäckaufbewahrung anbietet. Für 150 Yuan, also knapp 19 Euro, geben wir dort insgesamt sechs Gepäckstücke ab.

    Danach geht es mit einem Didi direkt weiter zum Eingang des Tianmenshan National Parks. Dort kaufen wir Tickets für die Seilbahn. Allein die Fahrt nach oben ist bereits ein Erlebnis für sich. In nur acht Minuten schweben wir mehr als 700 Höhenmeter den Berg hinauf mit Blick auf die Landschaft die aussieht wie viele eng aneinandergereihte, grüne Zipfelmützen aussieht.

    Oben angekommen beginnt ein spektakulärer Balkonweg entlang der Felswand. Wirklich atemberaubende Ausblicke brauchen Zeit. Und die ist wirklich knapp bemessen. Tief unter uns schlängelt sich die Tianmen Mountain Road oder auch „99 Bends Road“. Wie der Name schon sagt, gibt es 99 Kurven auf nur etwa 11 Kilometern Länge. Sie gilt als eine der beeindruckendsten Bergstraßen Chinas. Die Zahl 99 hat in China symbolische Bedeutung und steht traditionell für den Himmel und Unendlichkeit. Passend zum „Himmelstor“ des Tianmen Mountain. Bekannt wurde sie durch Motorsportveranstaltungen, Seilartistik sowie Red-Bull-Stunts.

    Am Fuße der Tianmen Cave (mit Cave wird hier das „Loch“ im Berg bezeichnet), angekommen hat man die große Wahl: 999 Stufen hochzusteigen oder die Rolltreppe zu nehmen. Da brauche ich meine Knie gar nicht erst fragen. Wir nehmen die Rolltreppe.

    Fünf extrem steile Rolltreppen bringen uns schließlich bis direkt an den Fuß der gewaltigen Felsenöffnung des Tianmen Mountain. Erst hier wird einem bewusst, wie riesig dieses „Himmelstor“ tatsächlich ist. Wir laufen eine kleine Runde, werfen einen Blick auf die andere Seite des Berges und genießen noch einmal die Aussicht über die Landschaft.

    Danach geht es weiter. Wieder mit Rolltreppen. Sieben weitere, ebenso steile Fahrten führen uns Stück für Stück höher hinauf. Und das kostet Zeit!
    Oben angekommen stehen wir schließlich auf dem Gipfelplateau. Hier könnte man wandern.
    Könnte… Denn leider drängt die Zeit.
    Bis zur Abfahrt unseres Zuges bleiben nur noch zweieinhalb Stunden. Ausgerechnet hier bildet sich eine lange Schlange vor den Rolltreppen nach unten. Schnell wird klar: Für einen kurzen Rundgang auf dem Plateau reicht die Zeit beim besten Willen nicht mehr. Allein die Fahrt mit den Rolltreppen dauert rund eine halbe Stunde.

    Also beginnt der gesamte Ablauf noch einmal von vorne – nur in umgekehrter Richtung. Rolltreppen, Balkonweg, Seilbahn und anschließend die Fahrt zur Zhangjiajiexi Railway Station.
    Alles läuft wie am Schnürchen. Ohne Stress erreichen wir rechtzeitig das Gate unseres Zuges.

    Zum zweiten Mal auf dieser Reise gönnen wir uns eine Fahrt in der Business Class der chinesischen Bahn. Die Sitze sind noch etwas moderner als auf unserer ersten Strecke. Großzügig, bequem und eher wie Flugzeugsessel einer Langstrecke.

    Kaum haben wir uns eingerichtet und die Sitze eingestellt, bemerke ich, dass sich der Zug bereits in Bewegung setzt.
    Rainer meint trocken:
    „Dann wird es jetzt wohl 14:38 Uhr sein.“
    Man kann seine Uhr wirklich nach der CR, der Chinese Railway, stellen. Die Pünktlichkeit ist beeindruckend, besonders wenn man bedenkt, wie riesig dieses Streckennetz ist.

    Nur wenige Minuten später nähern wir uns bereits der 200-km/h-Marke.

    Kurz nach der Abfahrt gibt es ein kleines Extra: Wir bekommen ein Nackenkissen mit integrierter Massagefunktion und dazu eine Augenmaske mit wärmenden Massagepunkten.
    Leider bleibt das Vergnügen nicht dauerhaft. Nach einiger Zeit müssen wir uns von dem schönen Spielzeug verabschieden.
    Zugfahren in China ist eben wirklich eine eigene Liga.

    Später „fliegen“ wir mit 350 km/h durch die Landschaft. Nach 6 Stunden und 38 Minuten erreichen wir schließlich Hangzhou – eine weitere Millionenstadt vor den Toren Shanghais.

    Auch in Hangzhou begegnet uns wieder diese moderne Version einer Didi-Abholstation. Wie gewohnt bestellen wir per App ein Fahrzeug und erhalten sofort das Kennzeichen unseres Fahrers.
    Sobald der Wagen in die Tiefgarage einfährt, erscheint die Nummer auf einem großen Display. Kurz darauf wird sogar angezeigt, an welchem Parkplatz genau das Auto hält. Erst dann setzen wir uns überhaupt in Bewegung. Alles wirkt perfekt und extrem futuristisch.
    Da bleibt uns beiden nur die Frage: Werden wir noch so lange leben bis es so etwas in Deutschland geben wird ????

    Inzwischen bestellen wir grundsätzlich die XL-Variante. Mit unserem stetig wachsenden Gepäck wird es in einem normalen Economy-Wagen langsam schwierig.
    Dafür erwarten uns weich gepolsterte Ledersitze, Wasserflaschen, angenehm klimatisierte Fahrzeuge und eine gefühlt luxuriöse Atmosphäre.
    Und das alles für umgerechnet gerade einmal etwa 11 Euro.

    Vor dem „The Azure Luxury Collection Hotel“ empfängt uns der Bellboy, nimmt uns das Gepäck ab und wir begeben uns in eine sehr luxuriöse Unterkunft. Aber das wird ein neuer Footprint…
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  • Hangzhou

    5月10日, 中国 ⋅ ☁️ 27 °C

    In einem bei uns eher unbekannten Ort vor den Toren Shanghai’s namens Hangzhou machen wir zum vorletzten Mal Halt.
    Das Hotel der Luxury Collection Gruppe war schon mal ne gute Wahl. Schön und elegant ist nicht nur die Lobby sondern auch unser Zimmer. So viel Luxus tut wieder mal gut.
    Der Raum ist riesig. Es gibt einen Ankleideraum und eine vollflächige Fensterseite. Mit 150€ Zimmerrate inklusive Frühstück fast ein Schnäppchen. Das Niveau ist sehr hoch. Man spricht nicht nur Englisch - man weiß im Frühstücksrestaurant in der 22. Stage schon am zweiten Morgen, dass wir gern am Fenster sitzen und welche Getränke wir gestern hatten. Und nein. Wir sind nicht die einzigen Gäste.

    Das heutige Hangzhou ist ein wichtiger Technologie- und Innovationsstandort mit Schwerpunkten in E-Commerce, Cloud Computing und Künstlicher Intelligenz. Das zieht Arbeitskräfte an und ist der Grund für den schnellen Bevölkerungszuwachs. Momentan hat die Stadt 12.5 Millionen.

    Nun. Zum Arbeiten kommen wir nicht her. Wir schauen uns die einstige Hauptstadt des Song-Reiches wegen dem Westlake an, der auf der 1-Yuan-Note abgebildet ist.
    Die Stadt macht auf den ersten Blick einen sehr modernen und jungen Eindruck. Sauber ist es hier sowieso. So ganz nach unserem Geschmack.

    Es ist Sonntag. Nach dem herrlichen Frühstück wollen wir uns auf den Weg Richtung See machen. Der Hotelportier weist uns darauf hin, dass Didis uns an einen stark besuchten Ort nicht bringen werden. Wir sollten auf ein Taxi setzen. Für den gelten andere Regeln.
    Aha. Man lernt ja nie aus.
    Dennoch bekommt unser Taxifahrer zusätzliche Anweisungen von ihm. Den letzten knappen Kilometer müssen wir dennoch zu Fuß laufen.

    Der erste Anlaufpunkt ist die Leifeng Pagode, die auf einem kleinen Hügel direkt am Ufer steht. Der Eintritt für uns beide kostet 40 ¥, was 5€ entspricht.

    Ursprünglich wurde sie 975 n. Chr. während der Wuyue-Dynastie erbaut. Nachdem sie eh schon im Laufe der letzten tausend Jahre in einem vernachlässigten Zustand war, wurden Ziegelsteine einfach für den Selbstbedarf entwendet. 1934 kollaborierte die Pagode dann endgültig. 1999 wurde ein Nachbau beschlossen. Und 2001 war das neue 61.9 Meter hohe, fünfstöckige und sehr schön anzusehende Prachtstück fertig.
    Der Vorteil bei Neubauten liegt klar auf der Hand: Es gibt Rolltreppen und Aufzüge. So bleiben nur noch endlich viele Stufen übrig.

    Wir genießen den Rundumblick.
    Und der ist bei dieser klaren Luft fantastisch.

    Im Anschluss geht’s mit Böötchen zur einer Insel mit dem langen Namen: Three Pools Mirroring the Moon. Für den sich spiegelnden Mond sind wir wohl noch zu früh da, dennoch hat der Spaziergang etwas entspannendes. Wir beobachten Koi‘s und Entenfamilien… und erfreuen uns auch an Seerosen.
    Die Insel verlassen wir dann in der anderen Richtung und landen im wuseligen Norden der Stadt.
    Just for the records: Für beide Boots-Fahrten zahlen wir für uns beide insgesamt 120¥ (etwas 15€)

    Auch hier im Norden der Stadt herrscht sonntägliches Treiben. Erst tangieren wir eine unendlichen Reihe von Ständen und dann stechen wir in das moderne Hangzhou. Alles was wir nun sehen, könnte auch auf Singapore‘s Orchard Road sein.

    Viel mehr passiert heute nicht.
    Auch zum Essengehen können wir uns abends nicht mehr aufraffen und bestellen aus dem Hotelmenü aufs Zimmer. Die Portionen sind riesig für dieses kleine Geld.

    Morgen geht es nun zur letzten Destination unserer Reise - nach Shanghai.
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  • Shanghai

    5月11日〜16日, 中国 ⋅ ☀️ 30 °C

    Unsere letzte Zugfahrt auf dieser Reise durch China bringt uns nach Shanghainan. Trotz 1.Klasse gibt es kein „Geschenk“, also dieses Paket mit den kleinen Häppchen zum naschen nebst Wasser 😐
    Wasser gibt es eh in jedem Hotel zu Genüge. Meist sechs halbe Liter Flaschen. Jederzeit kann man sich etwas nachholen. Jedenfalls haben wir auf der gesamten Reise kein Wasser kaufen müssen.
    Außerdem hatten fast alle Hotels tägliches „free flow“ aus der Minibar. Mindestens aber ein mal. Das heißt, die Softdrinks im Kühli waren kostenlos. Alkoholisches steht eh nie drin. Manchmal ein Bier. Aber das gehört dann auch zum kostenlosen Paket.
    Auch in jedem dieser XL Komforttaxis, mit denen wir vom bzw. zum Bahnhof fahren, stehen stets zwei Flaschen Wasser. Und die „helfen“ jetzt aus.

    Wir steigen im „The Kunlung Jing An Hotel“ ab. Es war eine Empfehlung. Eine von vielen. Aber dieses hier war bezahlbar - Shanghai ist nämlich die teuerste Stadt Chinas und das macht sich unter anderem in den Hotelpreisen bemerkbar .
    Dieses hier hat ne gute Lage UND es gibt Zimmer mit einer durchgehend gebogenen Fensterscheibe. Mit einem Ausblick, das dem von Cpt. Kirk in seinem Raumschiff gleicht. Nur das Bad… das ist so gar nicht China-like. Duschen in der Badewanne mit Vorhang 🙄
    Wo gibt es so was noch? … 🙈 Ach ja… in good old America.

    Shanghai erkunden wir einfach so wie uns ist - criss-cross ohne ausgeklügelten Plan.
    Wie immer habe ich da ein paar Punkte notiert. Tipps meist solche, die ich bei Insta gesehen habe und die mich angesprochen haben. Das sollte reichen. Den Rest der Zeit wollen wir uns einfach auch vom Moment inspirieren lassen.
    „Alles zu sehen“ ist eh eine Illusion.

    Gleich am ersten Nachmittag geht’s zum Bund. Das ist die Promenade von der man DAS Shanghai-Panorama sehen kann. Wir sind begeistert!

    Das Wetter meint es generell gut mit uns. Es scheint die Sonne - bei um die 30 Grad. Eigentlich über die gesamte Zeit unseres Aufenthalts.
    Nur einen Tag schwächelt sie. Dann erleben wir frostige 22 Grad. Interessant, wie schnell man sich doch an die Wärme gewöhnt.

    Die Zeit hier in Shanghai ist deutlich entspannter. Das obwohl hier knapp 25 Millionen wohnen. Wir sind eben Grossstädter. Dazu kommt, dass asiatische Megacities eh immer einen Sonderbonus bekommen. Deshalb schon fühlen wir uns in Shanghai sofort „wie zu Hause“. Internationale Touries gibt es hier zu genüge. Wir werden also nicht mehr fotografiert.

    Ausgefallenes sehen wir in Xintiandi. Ein modernisiertes Gebiet voller Alter und neuer Häuser inklusive Fußgängerzone. Letztere eher etwas auf edel gemacht.
    Hier gibt es das Café 13marzo. Das Besondere: ein niedliches Bärchen klebt am Becher oder hält den Strohhalm - da werden wir doch gleich beide zum Kind und freuen uns genau so.
    By the way - am Ende kommen acht Bärchen mit nach Deutschland. Und ich kämpfe mit mir, ob ich ein einziges an unsere Enkel abtreten kann. Na mal sehen…

    Hier gibt es auch die zwei oder drei Meter hohen Gesichter, die sehr menschliche Mimiken drauf haben. Ein Werbegag der Firma Gently Monster.
    Beim Italiener - Il Teatro - werden wir zu Stammgästen. Gleich an drei Abenden kehren wir ein.
    Ach ja - und nicht zu vergessen die Harmay Filiale. Das ist die mit der Markenkosmetik - nur für wirklich wenig Geld.

    Ein anderes Highlight ist das Schiff „The Louis“ das am Straßenrand des Jing'an-Viertels an der Wujiang Rd. steht. Kostenlos (also fast kostenlos - die haben jetzt meine Email-Adresse) kann man im Bauch des Schiffes den Werdegang Louis Vuittons „Visionery Journeys“ an sich vorbeiziehen lassen.
    Das ist mal Museum - nur anders.

    Ein einziger Tempelbesuch ist dann doch noch drin. Den Jade-Buddha-Tempel hat uns Martin, der Guide aus Beijing ans Herz gelegt. Die große Statue aus Jade ist schon sehenswert. Aber sonst merke ich die Sättigung an besuchten Tempeln. Deshalb bleiben wir nicht lange.

    Interessant dagegen ist das nur ein paar Schritte entfernte 1000-Tree-Building. Für uns sind es aber mehr als nur ein paar Schritte. Denn wir verlaufen uns mehrere Male 🤭
    Das Haus ist ein außergewöhnliches Projekt des britischen Designers und Architekten Heatherwick. Es stellt einen Berg voller Pflanzen dar. Über 1000 Bäume und rund 250.000 Pflanzen wachsen auf den Terrassen und den massiven Betonkübeln auf hohen Stützen.

    Und dann statten wir einem Buchladen in der 52. Etage des Shanghai Towers einen Besuch ab. Zum umlaufenden Bartresen mit Aussicht gelangt man aber nur, wenn man etwas konsumiert. Da reicht ein Kaffe und ein Kuchen. Pro Person muss ein Ding gekauft werden. Letztendlich überzeugt die Aussicht nicht und wir ersparen uns den kostenintensiven Besuch in der 119. Da wo die eigentliche Plattform ist.

    Der Besuch des Outlets in Gestalt einer italienischen Stadt ist enttäuschend. Nun ja. Mit Outlets hatten wir noch nie Glück. In keinem Land der Welt. Vielleicht liegt es auch an uns. Uns macht Gucci-Pucci nicht glücklich.

    Auf dem Rückweg zum Hotel schlagen wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Einen Teil des Rückweges fahren - besser gesagt wir schweben - nur wenige Millimeter über dem Boden - mit der MAGLEV.
    12€ kostet uns diese Erfahrung. Erwartet haben wir eine super schnelle Fahrt bei dem die Wasseroberfläche in der Wasserflasche total glatt bleibt. Nichts davon trifft zu.
    Mit 300 km/h ist die Fahrt nur schnell. Sind wir doch schon 350kmh mit der CR gefahren. Ausserdem ist die Fahrt sehr ruckelig.
    Na ja.

    Was noch?
    Einen Overkill gönnen wir uns dann auch noch. Eigentlich wollen wir in den Yu Garden. Aber der ist irgendwie eingekesselt von einem Shoppingcenter im altchinesischen Stil. Hier ist alles nur noch bunt, laut und kitschig. Die Verkäufer etwas „anhänglich“.

    Am Ende, gerade als wir denken: Puh… überstanden lockt uns eine Angestellte des „3Warehouse“ ein. Dies ist eines der angesagtesten Restaurants in Shanghai und für sein futuristisches Design bekannt. Tatsächlich stand es ursprünglich auf dem Plan. Aber nachdem ich von Wartezeiten gelesen habe, die mal locker zwei bis drei Stunden dauern können, ist dieses Vorhaben von der Wunschliste geflogen.
    Und nun das. Man bittet uns rein. Das Restaurant wirkt wie Science-Fiction. Alles ist verspiegelt. Überall gibt es riesige digitale Installationen.
    Das Besondere hier ist die außergewöhnliche Darreichung der Speisen. So kommt zB das Getränk in einer Glastasche. Und so kommt es, dass es weniger um’s Essen geht sondern nur um das Foto für Social Media.

    Nun. Wir machen eine Runde, schauen es uns an, fotografieren gefühlt jede Ecke und gehen wieder. Denn das Ambiente lädt uns absolut nicht zum Verweilen ein.

    Anschließend fahren wir noch in ein Stadtviertel, wo der Großhandel zu Hause ist.
    Wir brauchen nichts. Aber es ist skurril durch die Gänge zu laufen. Die Frage ob all diese Kleidung jemals einen Besitzer finden wird, stellen wir uns beide nicht. Die Antwort liegt klar auf der Hand: Nein. Niemals. Die Überproduktion hat hier ein Gesicht bekommen.

    Unsere letzte Attraktion am letzten späten Nachmittag ist der NorthBund. Auch hier geht es nur um den Ausblick auf die spektakuläre Skyline von Shanghai. Nur hier ist man gefühlt näher und die Besucher wesentlich weniger. Hier ist das Flair wunderschön.

    Plötzlich erhalte ich eine WhatsApp. Ein von meiner Website begeistertes Ehepaar, stille Follower sozusagen, sind auch gerade hier in Shanghai und fragen, ob wir uns treffen wollen.
    Ja klar!
    Wir treffen uns in Xintandi und haben einen schönen und sehr langen Abend mit so netten Gesprächen.
    Was für ein Abschluss unserer Zeit in Shanghai.

    Am aller-aller-letzten Nachmittag ziehen wir in ein Airport-Hotel. Das Holiday Inn Pudong. Wahnsinnig stylisch ist es.
    Das gefällt uns.
    Unsere Sendung aus Guangzhou mit den Messern ist nicht auffindbar. Sie haben es vermasselt. Es gibt ein Protokoll in dem die Entgegennahme sogar bestätigt wurde. Es ist nicht rekonstruierbar, wo es geblieben ist. Da hilft auch nicht, dass ein Mitarbeiter die Videos sichtet.
    Schade. Denn wir beide waren uns nach den Erfahrungen in China ganz sicher, dass wir die Messer hier in Empfang nehmen werden.
    (Kleiner Nachtrag: Die Messer sind gefunden worden. Das Hotel hat es zum Transportunternehmen zurückgeschickt. Und nun? Ein Versand innerhalb Chinas ist jederzeit möglich. Nur nach Deutschland nicht 😐 )

    Morgen nun werden wir China verlassen. Nach genau 62 Tagen.
    Beim Rückblick mancher Fotos frage ich mich: Wo ist das denn? War das auf dieser Reise? Oder doch in Oman?
    Ein Wink mit dem Zaunpfahl nach Hause zu fliegen, um alles erst einmal setzen zu lassen.
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  • Rückflug

    5月17日, 中国 ⋅ ⛅ 19 °C

    Um Sieben checken wir aus. Noch einmal fragen wir nach unserer Sendung. Noch einmal zeigt man sich überrascht. Noch einmal will man die Nachweise sehen, dass die Sendung das Hotel erreicht hat.
    Der Morgenchef und ich tauschen unsere WeChat-Kontakte und dann gehen wir.
    Er will sich persönlich drum kümmern.

    Das Holiday Inn ist perfekt gelegen. Direkt aus der 2.Etage gibt es eine Verbindung zum Terminal. Hier gibt es eine Sprengstoffkontrolle um überhaupt das Terminal zu betreten. Später noch weitere Kontrollen…
    Am Check-in geben wir unsere Koffer und eine Tasche ab und müssen wie überall auf der Welt die weiteren Kontrollen passieren.

    Die China Airlines Lounge ist riesig. Es gibt verschiedene Sitzgelegenheiten. Leider vergesse ich eine Aufnahme zu machen. Rainer holt noch fix die Mwst für einige Einkäufe ab. Somit haben wir am Ende der Reise zum ersten Mal doch noch chinesisches Bargeld in der Hand. Die Gebühr für den Umtausch ist verhältnismäßig hoch. Deshalb nehmen wir es mit. Vielleicht geht es irgendwann nochmals nach China.

    Das Büffet bietet nichts besonderes. Mir reicht eine letzte Nudelsuppe. Rainer macht eins auf gesund - isst Salat.

    Genau wie schon der Hinflug ist auch der Rückflug ein Awardflug. Gern wären wir beide mit einer 747-8 der LH zurückgeflogen. Aber diese Option stand nicht zur Verfügung. Deshalb gehts mit der Swiss zurück.
    Noch nie sind wir Swiss auf der Langstrecke geflogen und sind schon ganz neugierig auf die Sitze, die auf den Bildern fast schon bequemer als bei der LH aussehen.
    In Natura sieht dann alles etwas ernüchternd aus. Auf dem Sitz liegt schon ein fluffiges Kissen, eine voluminöse Nackenrolle und eine ebensolche Decke.
    Schön. Aber wo soll ich sitzen?
    Alles ist eng. Es gibt keine Ablage für Schuhe. Wir machen es dann den anderen nach und tun sie oben in die Gepäckfächer.

    Es gibt einen Bügel. Wozu? Man könnte etwas aufhängen das maximal 20cm lang ist. Socken?

    Im Amenity Bag gibt es für den über 13 Std langen Flug weder eine Schlafmaske noch Latschen. Natürlich gibt es auch keinen Schlafanzug. Ist ja ein Tagflug.

    Wir starten mit einer halbstündigen Verspätung. Nicht dass wir dadurch mit dem Anschlussflug Probleme bekämen. Aber es verwundert. Denn China Airline ist auf die Minute genau abgehoben.

    Alles fühlt sich beengt an. Insbesondere fehlt mir das Raumgefühl durch die Mittelwand, die nicht versenkbar ist. Wenn ich mein Bett flach mache, fahre ich fast bis zur Hüfte in die Ablage des Vordermanns. Fühlt sich an wie eingeschichtet im Schuhkarton.

    Na ja. Der Award-winning-Service von dem ich gelesen habe, scheint im anderen Flieger unterwegs zu sein. Unser Service spricht nur Englisch und tut nur seinen Pflicht. Nicht mehr.

    Dafür ist die Aussicht zeitweise sensationell. Dabei sind das - so glaube ich - nur die nördlichen Ausläufer des Himalaya. Verzuckertes Gebirge - so weit das Auge reicht. Wir befinden uns über Kasachstan… Auch ein schönes Reiseziel 😉

    Dreizehn Stunden können verdammt lang sein. Nach dem Mehrgängemenü habe ich einen gefühlt ausgedehnten Mittagsschlaf. Beim Blick auf den Schirm sind es dann immer
    noch neun Stunden 🤪

    Der Flug ist zu etwa fünfzig Prozent ruhig. Die andere Zeit eher unruhig. Teils mit Anschnallzeichen.

    In ZRH haben wir knapp drei Stunden Aufenthalt bevor es weiter nach Berlin geht. Natürlich starten wir auch hier mit 30 minütiger Verspätung. Was sonst.
    Aber wir fliegen mal ganz schnell und das müssen wir auch. Knapp bevor der Airport schließt.

    Schwager holt uns ab. Und ich bin froh darüber. So muss Rainer nicht fahren.
    Ich bin total drüber.
    Außer flüchtige Katzenwäsche ist keine weitere Körperpflege mehr drin.
    Es sind genau 25 Stunden her als ich in Shanghai-Pudong aufgestanden bin.
    Kurz vor Eins fallen wir ins Bett. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so fertig nach einem Flug gewesen zu sein. Dabei sind wir das früher in der Eco geflogen und sind am nächsten Tag arbeiten gegangen.
    Ich werd‘ einfach alt 😎
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  • Fazit

    6月8日, ドイツ ⋅ ☁️ 26 °C

    Das war’s also.
    Insgesamt 62 Tage China. Eine wunderbare Rundreise mit einem einzigen „Schönheitsfehler“ in der Planungsfolge.
    Aber insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dieser Zusammenstellung. Würde ich die Reise noch einmal planen, würde ich keinen Ort weglassen. Würde jeden Punkt genauso wieder anfahren. Manches noch intensiver und länger erleben wollen.

    China hat uns vom ersten Moment geflashed. Positiv überrascht.
    Erwartet habe ich eher ein lautes Volk, ein eher ruppiges Volk. Nach all den Berichten im TV habe ich Härte und Disziplin erwartet. Weil es - wie immer betont wird - doch so überwacht wird, die Bürger ihren Score ständig im Sinn haben müssen. Städte mit extremen Smog habe ich erwartet.
    Nun.
    Es war glücklicherweise alles wirklich ganz anders.
    Der enorme Einsatz von E-Mobilität hält den täglichen AQI (Airquality Index) sehr niedrig. Sehr oft habe ich den mit anderen Großstädten verglichen. Weltweit und den in Deutschland. Ich kann sagen: China hat die bessere Luft.
    Auf den Straßen ist die Lärmbelastung dadurch auch deutlich geringer.
    Nicht müde werde ich zu betonen, wie sauber es auf den Straßen ist. Egal ob Klein-oder Großstadt. Auch das haben wir nicht erwartet.

    China hat ein fantastisches Schienensystem. Zugfahren ist verlässlich pünktlich. Die Züge sind sauber. Mehrfach während der Fahrt wird durchgewischt. Liegengelassene Abfälle eingesammelt. Auch die Toiletten im Zug werden gesäubert. Nicht zu vergleichen mit den bei uns.
    Die Tickets für den Zug kann man reservieren. Kaufen kann man sie aber erst vierzehn Tage im Voraus.
    Es war unsere erste Reise und ich hab sie fast alle vorher reserviert. Das würde ich nicht wieder tun. Es gibt so viele Zugverbindungen auf einer einzelnen Strecke, dass man diese getrost auch ein paar Tage bis wenige Stunden ganz bequem online vorher erwerben kann.

    Gefallen hat mir auch, dass man keine Reservierungen, keine monatelang vorher getätigten Permits für den Eintritt zu Nationalparks und zu all den Attraktionen benötigt. Nur der Zugang zur Verbotenen Stadt muss reserviert werden. Letzteres übernimmt aber auch auf Wunsch das Hotel am Tag zuvor.

    Der Reisepass (Chinesen nutzen stets ihre ID) ist das Wichtigste, das man stets griffbereit haben sollte. Alles ist an diesen Ausweis gekoppelt: Egal ob Eintritt zum Museum, zum Bahnhof oder zum Nationalpark. So wird auch blitzschnell entschieden, ob der Eintritt kostenpflichtig oder kostenlos ist. Ab dem 60 Lj. zahlt man oft die Hälfte oder gar nichts mehr. Das hängt mit dem chinesischen Rentensystem zusammen. Chinas Frauen treten mit 55 und Männer ab dem 60.Lj in den Ruhestand ein. Mit einer Ausnahme galten diese Vergünstigungen beim Eintritt auch für uns Ausländer.

    In zweiundzwanzig verschieden Hotels (zwei davon waren in BKK) haben wir genächtigt. Von westlich bis traditionell war alles dabei. Immer waren sie sauber und hatten eine hervorragende Ausstattung.

    Mit zwei, drei Ausnahmen gab es moderne Washlets, es gab aber immer einen Wasserkocher und oft eine Kapselmaschine dazu. Dass die Steuerung des Lichts und der Gardinen per Knopfdruck vom Bett aus möglich ist, ist nichts Ungewöhnliches.
    Vom Trinken des Wassers aus dem Hahn wird abgeraten - damit aber Zähneputzen ist kein Problem. Im Zimmer stand stets genügend Wasser in Flaschen kostenlos zu Verfügung.
    108€ war letztendlich der durchschnittliche Zimmerpreis auf unserer Reise durch China. Ein Wert den man sicher noch senken hätte können. Wenn ich die Hotelkategorie in den touristischen Orten Xi‘an, Beijing und Shanghai niedriger gewählt hätte.
    Bei der Abreise gab es oft zum Abschied ein kleines Geschenk. Oder ein paar Snacks nebst Getränken.

    Als Reisende, die gewöhnlich mit dem Mietwagen unterwegs sind und sich so die absolute Individualität verschaffen, hatte ich etwas Bange um unsere „Freiheit“ ganz ohne eigenes Auto. Aber vor Ort erwies sich diese Befürchtung als vollkommen grundlos. Zum einen gibt es ja den Zug und zum anderen das Taxi. Letzteres ist ungemein preiswert und jederzeit und überall verfügbar. Selbst für Strecken auf der es keine Zugverbindungen gab, haben wir uns gegen den Buss und für ein Taxi entschieden. Für zwei Stunden Fahrt haben wir dann immer noch deutlich weniger gezahlt als für die Entfernung von unserem Zuhause am Rand Berlins bis zum Flughafen.
    Für Fahrten innerhalb der Stadt betrug der Fahrpreis meist um einen Euro. Manchmal auch bis zu fünf. Das hätten wir mit dem eigenen Mietwagen nie so hinbekommen, wenn man bedenkt, dass wir keinen Parkplatz finden mussten.
    Alles in allem haben wir den Transport auf diese Weise sogar als sehr angenehm empfunden.

    Zum Abschluss noch ein paar rein subjektive Aspekte:

    SONDERBARES:

    … Tomaten werden in China meist als Obst definiert und so auch auf dem Obstteller platziert

    … im Aufzug ganz vorn an der Tür stehen und dennoch als letzte zum aussteigen zu kommen. Ohne geschubst zu werden. Chinesen nutzen den Platz einfach „effektiver“😆

    WAS ICH JETZT SCHON VERMISSE:

    … Zugfahren. Ein so verlässlich pünktliches Transportmittel und alles was mit dem Zugfahren zusammenhängt. Angefangen beim Ticketkauf bis zur Info der App, dass wir gleich das Ziel erreichen werden

    … die E-Autos und E-Roller. Die machen den Straßenverkehr so angenehm ruhig.

    … die Nudelsuppe zum frühen Morgen

    … die allgemeine Sicherheit. Wo sonst auf der Welt kann man das Handy als Zeichen für einen reservierten Tisch liegen lassen ohne Sorge zu haben, dass jemand anderes Gefallen an ihm findet?
    Die Tasche bleibt unangetastet - selbst im größten Gedränge

    … die Offenheit der neuen digitalen Welt gegenüber

    … bargeldloses zahlen mit Alipay bzw. WeChat

    … die Sauberkeit auf den Straßen, auf den Bahnhöfen und im Zug. Dabei sind es nicht immer die Chinesen, die so sauber sind. Es gibt tatsächlich noch den Job des Straßenkehrers, der sich unentwegt um das Erscheinungsbild kümmert.

    WAS ICH GAR NICHT MOCHTE:

    … dass überall, wo‘s erlaubt ist, massiv geraucht wird

    … das Rotzen, das Hochziehen des Schleims aus der tiefen Lunge und es direkt vor sich auszuspucken (fast immer nur durch die männliche Welt)

    Zum Abschluss ein paar Zahlen:
    (Inklusive Bangkok)

    Quelle: FindPenguins
    22.500 km ✈️
    5.900 km 🚅
    1.600 km 🚖
    101 km 🚶‍♀️🚶‍♂️
    67 km 🚌
    23 km 🏍️
    5 km 🚠

    Unterkünfte:
    13 x Booking.com
    8 x Trip.com
    2 x Hotels.com

    Davon übernachtet in
    10 klassischen Hotels
    12 Homestays

    Benötigtes Bargeld: Null
    Gelernte chinesische Vokabeln: 9
    Mitbringsel: so viel wie noch nie

    Der Reisebericht auf meiner Website entsteht in Maximalgeschwindigkeit:

    https://born4travel.de/travel/china2026/overvie…
    もっと詳しく

    旅行の終了
    2026年5月17日