• Hottepotte
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Grönland 🇬🇱

Weiße Stille - Schweigende Kultur Read more
  • Trip start
    March 30, 2026

    Via Vatnajökull nach Nuuk

    March 31 in Greenland ⋅ ☁️ -7 °C

    Unser Airbus 330neo ist mit gut 350 Leuten knackevoll. Nach grönländischen Verhältnissen wäre das die Bevölkerung von 3 bis 4 mittelgroßen Dörfern. Wir fliegen über Island und über den Vatnajökull, den größten Gletcher der nördlichen Hemisphäre. Mega. 2022 sind Muri und ich da hochgestiefelt.
    Nuuk ist erwartungsgemäß hässlich. Das Prädikat „hässlichste Hauptstadt der Welt“ ist noch euphemistisch. Schnee und Sonne kaschieren Container-Siedlungen und Bausünden.
    Geht man allerdings einige Schritte weiter ans Meer präsentiert sich eine magische Kulisse. Tiefe Fjorde, steile Bergformationen und der rauhe arktische Wind.
    I love it.
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  • Kein Aprilscherz

    April 1 in Greenland ⋅ ☁️ -22 °C

    Mein Wecker klingelt um vier Uhr. Morgens!
    Air Greenland hatte unseren durchaus angenehmen 12 Uhr Flug auf 7:05 Uhr verlegt. Wir fühlen uns alle müde und platt. Dabei liegt ein langer Tag erst noch vor uns. Sicherlich steckt auch noch die Anreise bis hierhin in den Knochen.
    Unser Taxi war für 5 Uhr bestellt… kam aber nicht. Aprilscherz oder Inuit Humor? Bisher hatten wir die Locals als sehr entgegenkommend und freundlich empfunden. Aber vielleicht änderte sich das gerade in dieser Sekunde. Um 5:05 Uhr wurde die Stimmung leicht nervös, um 5:10 Uhr leicht verzweifelt – die Taxizentrale hatte lediglich einen hochmotivierten Anrufbeantworter.

    Um 5:10 Uhr rollte das Taxi undramatisch an. Der Fahrer kompensierte die Verspätung mit einer Fahrweise, irgendwo zwischen Rallye und Existenzkrise. Die Locals drücken ohnehin gerne mal aufs Gas. Können sie sich auch erlauben bei einem Spritpreis von ca 1€/L
    Jedenfalls waren wir pünktlich am Flughafen.
    Der neue Flughafen präsentiert sich angenehm minimalistisch: vier Check-in-Schalter und ich habe die leise Frage im Hinterkopf, ob hier eher ein Dorf oder ein internationales Drehkreuz geplant war.
    Um 7:05 Uhr hebt die Dash 8 ab. Draußen -11°, klare, trockene Luft – fast schon kuschelig, wenn man bedenkt, was uns in Kangerlussuaq erwartet: sportliche -24°.

    Nach der Landung betreten wir die „Ankunftshalle“, die gleichzeitig auch die Kantine des Ortes ist. Effizienz wird hier gelebt. Ein Gang weiter führt direkt in unser Hotel und zu unserem Zimmer – alles unter einem Dach, alles praktisch, alles im unverwechselbaren Container-Stil: funktional, robust und optisch eher schwierig.

    Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Lake Ferguson. Bei -24° ist der natürlich zugefroren.
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  • Weiße Stille

    April 2 in Greenland ⋅ ☁️ -13 °C

    Heute sind wir mit Neo unterwegs – unserem entspannten Toyota-Fahrer von Arctic Albatros – Richtung Point 660 und Russell Glacier.

    Point 660 ist angeblich der einzige Ort an der Westküste Grönlands, an dem man halbwegs bequem aufs Inlandeis kommt. „Angeblich“ passt ganz gut, denn laut Neo existiert dieser Punkt eigentlich… eher so im Geiste. Vermutlich Marketing. Vielleicht 660 Meter Höhe. Nobody knows.

    Heute läuft jedenfalls alles zu unseren Gunsten: Wir haben Neo – was schon die halbe Miete ist – und dazu Windstille bei entspannten -17 Grad. Grönländische Verhältnisse eben: Wir frieren nicht, sondern loben uns gegenseitig für unsere perfekten Outfits. Echte Männerfreundschaft.

    Für die 32 Kilometer brauchen wir gemütliche zwei Stunden. Das liegt weniger an der Strecke als an Neos Philosophie, seinen betagten Land Cruiser nicht unnötig zu traumatisieren. Mit etwa 15 km/h zuckeln wir über eine Schotterpiste, die eigentlich keine ist – komplett eingeschneit und nur mit viel Fantasie als solche zu erkennen. Besonders spannend sind die Stellen, an denen plötzlich kleine Brücken auftauchen, die man erst sieht, wenn man quasi schon draufsteht. Spätestens hier wird klar: Einfach losfahren ist eine schlechte Idee. Ein Guide ist kein Luxus, sondern Selbsterhaltung.

    Erster Stopp: Point 660. Vor uns breitet sich ein absurdes Weiß in allen Nuancen aus. Noch beeindruckender ist aber die Stille. Diese Art von Stille, bei der man kurz zusammenzuckt, wenn der Schnee unter den eigenen Füßen knirscht – einfach, weil endlich wieder ein Geräusch existiert.

    Zweiter Stopp: der Russell Glacier. Eine massive, grünlich-blaue Eisskulptur, die so aussieht, als hätte sich die Natur gedacht: „Ich kann auch Kunst – nur größer.“

    Und falls jemand denkt, das sei einfach nur hübsch anzusehen: Es ist auch ziemlich gefährlich. Näher als 200 Meter dürfen wir uns dem Eiskoloss nicht nähern.

    Ps
    Zu den dunkelblauen Bildern: Auf dem Rückweg entdecke ich zufällig seltsame Einschlüsse im Eis. Mein erster Gedanke: Methan – irgendwo hatte ich dazu schon einmal spektakuläre Bilder gesehen. Abends nachgeschlagen bestätigt sich mein Verdacht: Laut einer Studie aus 2014 könnte der grönländische Eisschild tatsächlich eine globale Methanquelle sein.
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  • Idyllisches Container-Dorf

    April 3 in Greenland ⋅ ☁️ -17 °C

    Urlaub in Kangerlussuaq fühlt sich ein bisschen an wie Skiurlaub ohne Ski in einem Container-Dorf. Das „Dorf“ besteht aus breiten Straßen, gesäumt von Unterkünften, die aussehen, als hätten sie eine spannende Karriere im Frachtverkehr hinter sich.

    Allein das Anziehen wie im Skiurlaub: Schicht um Schicht kämpft man sich durch, bis man schließlich fertig geschniegelt und leicht überhitzt wieder vor die Tür tritt. Dort merkt man dann sehr schnell, warum man das alles gemacht hat. Es ist klirrend kalt bei ——- 20 Grad. Ohne passende Kleidung wird selbst ein kurzer Spaziergang zur arktischen Mutprobe.

    Heute allerdings zeigt sich Kangerlussuaq von seiner besten Seite: strahlend blauer Himmel, gleißendes Weiß, das fast schon blendet.
    Nach üppigem Frühstück ziehen wir los, quer durch das charmante Containerdorf, bis wir nach etwa vier Kilometern bei den Schlittenhunden ankommen. Zwölf ausgewachsene Hunde und vier Welpen leben hier – und werden gerade von einem Mitarbeiter mit Ochsenknochen versorgt. Unsere Ankunft interessiert sie ungefähr so sehr wie Steuererklärungen, aber das Essen? Das sorgt für absolute Eskalation. Innerhalb von Sekunden wird aus gemütlicher Arktisidylle ein jaulender Wettbewerb um jeden Knochen.

    Nach gut drei Stunden erreichen wir das Hotel, rechtzeitig um zehn Minuten später schon wieder im Bus zu sitzen. Ziel: ein alter Hafen. Die „Sightseeing-Tour“ entpuppt sich als eine Art Minimalismus-Erlebnis – Stopps an bemalten Steinen und verschiedenen Antennenanlagen, die die Amerikaner hier zur Überwachung der nördlichen Hemisphäre aufgestellt haben. Highlights sehen anders aus, aber irgendwie passt alles zusammen. Alte Schneekettenfahrzeuge wie aus einem 70er Jahre James Bond, Inuits auf ATVs und Expats auf dem Weg zum Eisfischen.
    Wir genießen die endlose weiße Tundra unter diesem absurd blauen Himmel.

    Unterm Strich: ein überraschend großartiger Tag in einem Ort, der sich gar nicht erst bemüht, etwas anderes zu sein als genau das, was er ist.
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  • Sehnsuchtsort

    April 4 in Greenland ⋅ ⛅ -23 °C

    Auf meinem Boarding Pass steht nur SFJ >> JAV.
    Dieses JAV ist mehr als ein Zielcode – es ist einer dieser Sehnsuchtsorte, die seit Jahren auf meiner Bucket List stehen. Heute fliege ich endlich hin.
    Von Kangerlussuaq, dem „großen Fjord“, geht es nach Ilulissat – zu den Eisbergen.
    Grönländische Ortsnamen klingen mystisch, sind aber erstaunlich nüchtern. Sie beschreiben, was ist. Kurz, klar, ohne Umwege.

    Es ist 6:15.
    Der Flug geht erst um halb zehn. Genug Zeit für den „leisesten Flughafen der Welt“. Die wenigen Starts und Landungen hört man kaum.
    Das Hotel – eher eine Verlängerung des Ankunftsterminals – ist entsprechend still. Nachts fast unwirklich ruhig. Jetzt ist es früher Morgen. Das große Frühstücksbuffet steht bereit, aber ich bin allein. Mein Caffe Latte dampft, sonst bewegt sich nichts. Genuss auf Grönländisch.
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  • Willi, Willi, Willi

    April 4 in Greenland ⋅ ☀️ -16 °C

    Wir sind in Ilulissat gelandet. Hinter uns ein 40-minütiger Flug – ein außergewöhnlicher.
    Es fühlte sich an, als wären wir durch Land Art geflogen: tiefblaue Bergseen, Senken, Inseln, Erhebungen – alles eingebettet in ein endloses Weiß.
    Immer wieder merke ich, wie unmöglich es ist, diese Eindrücke festzuhalten. Kein Bild, kein Film trifft die Stille, die Kälte, dieses Gefühl, mittendrin zu sein.

    Übrigens war dies meine entspannteste Flugreise überhaupt: vom Frühstückstisch direkt ins Flugzeug, kurzer Flug, das Gepäck war schon da, der Shuttle wartete bereits vor der Tür – und zack, sieben Minuten später standen wir im Hotel. Grönländische Effizienz. Unterm Strich: 55 Minuten vom Frühstückstisch in Kangerlussuaq bis zur Lobby des Arctic Hotels in Ilulissat. So schnell schafft man es sonst nicht mal durch einen deutschen Flughafen.

    Unser erster Weg führt uns ins Inuit Café. Nicht wegen des Kaffees, sondern wegen Willi. Mit ihm hatte ich bereits aus Deutschland korrespondiert, um eine Schiffstour zu buchen. Ich kenne ihn also nicht. Und ich will ihm nicht zu nahe treten – aber was dann passiert ist, fühlte sich übergriffig an.
    Statt einer Bootstour bekamen wir ein Gespräch. Eines, das nach kurzem „Wo-kommt-ihr-her?“ in Richtung Therapiesitzung kippte.
    Ich hatte nämlich die glänzende Idee zu fragen, ob er in drei Sätzen erklären könne, wie ein Mannheimer dazu kommt, eine Ceylonesin zu heiraten und mit ihr ein Café in Grönland zu eröffnen. Rückblickend eine dieser Fragen, bei denen man schon während des Aussprechens merkt: das geht nach hinten los.
    Willi setzte an: Oberschlesien. Ein übermächtiger Vater. Große Gefühle. Diverse Nebenhandlungen und Verschwörungstheorien. Meine Frage hatte er nicht vergessen – sie musste nur warten. Erst kamen die schwierige Kindheit, eine unerfüllte Liebe zu einer Inuit und die Erleichterung darüber, dass sein Vater starb, als er 18 war. Stoff für mindestens 25 Therapiesitzungen.
    Wir nutzten den kurzen Moment, als ihm die Stimme versagte und die ersten Tränen kamen, für unseren Absprung.
    Nach gut zwei Stunden standen wir wieder draußen und mussten erst einmal tief durchatmen. Willi hat sicherlich eine interessante Lebensgeschichte – aber drei unbekannte Touristen nach einer Minute mit all dem zu überrollen, ist nicht mutig oder offen. Es ist einfach übergriffig.

    Szenenwechsel: 15:00 Uhr, wir dürfen unser Zimmer beziehen. Kein gewöhnliches Zimmer, sondern eines mit Discovery Channel.
    Der Blick: Eisberge direkt vor der Tür, dahinter die Diskoinsel, darüber ein strahlend blauer Himmel. Im eiskalten Fjordwasser ziehen Fische ihre Bahnen. Bei -8 Grad fühlt es sich fast wie T-Shirt-Wetter an – zumindest für einen kurzen Moment auf der Terrasse, bevor die Realität wieder einsetzt.
    Der Abschluss des Tages: Fine Danish Dinning in der Stadt. Natürlich mit Blick auf den Fjord.

    Ein großartiger Tag. Mit einer skurrilen Begegnung namens Willi.
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  • Ostermontag in Ilulissat

    April 5 in Greenland ⋅ ⛅ -7 °C

    Sicherlich habt ihr schon in den Footprints von Ino und Stefan gelesen, WAS wir heute gemacht haben.

    Aber wie geht es uns?
    Tief im Innern?

    Konditionell?
    Kältemäßig?
    Kulinarisch?
    Kontrollverlust?

  • Dinner mit weltbesten Ausblick

    April 6 in Greenland ⋅ ⛅ -8 °C

    Heute Abend haben wir in einem Restaurant gegessen, das ich ohne große Übertreibung als das mit dem besten Ausblick überhaupt bezeichnen würde. Unscheinbar in einer Seitengasse gelegen – bis man eintritt und vor einer Fensterfront steht, die eher an Aussichtsplattform erinnert als an Gastronomie.
    Wir sitzen quasi in einer Postkarte, während die Eisberge von Ilulissat vor uns vorbeiziehen. Und wir sitzen da, trinken Bier und bekommen ziemlich gutes Essen serviert, als wäre das alles völlig normal.

    Schon der Tag hatte mit einer wunderschönen Wanderung im Kangia-Fjord vorgelegt: kaum Menschen, viel Weite, dieses leise Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.

    Und dann dieses Abendessen als Abschluss - einfach überwältigend.
    Ach ja, Spaß hatten wir auch jede Menge heute.
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  • Halbzeit

    April 7 in Greenland ⋅ ⛅ -9 °C

    Heute geht es per Boat entlang der Küste nach Oqaatsut (Kormoran), eine kleine Siedlung 21 Kilometer nördlich von Ilulissat. Man denkt: Wird schon ähnlich aussehen wie die bisherigen Küstenabschnitte.
    Denkste: Mit dem Boot über eine leicht zugefrorene See, bei sonnigen minus zehn Grad. Im Fjord sehen wir die ersten Häuser – nur keinen Anleger. Stattdessen fährt unser Skipper bis an die Eiskante. Zwei Leute halten das Boot, wir steigen direkt aufs Eis.
    Der gefrorene „Vorgarten“ wird für die nächste Stunde unser Spielfeld: Eisfischen. Mit Hacke und Bohrer kämpfen wir uns durch. Fangquote = 0. Ein kleiner Eindruck davon, wie hart das Leben hier sein kann, wenn der Fang wirklich zählt.
    Zum Lunch geht es ins H8, ein typisches grönländisches Holzhaus. Die große Nummer auf den Dachziegeln stammt noch aus dem Zweiten Weltkrieg, als die Amerikaner die Siedlungen zur Versorgung aus der Luft durchnummerierten. In diesem zum Restaurant umgebauten Häuschen servieren unsere Guides Sarah und Josefine Musk Stew – im Grunde Gulasch, nur viel leckerer. Für mich bisher das beste Essen in Grönland.
    Nach einem Dorfbesuch und ein paar Drohnenshots über die beeindruckende Bucht geht es zurück.

    Nach acht Stunden Sonne, Kälte und leckerem Lunch kommen wir müde, glücklich und ein gutes Stück beeindruckter in unsere Herberge zurück.
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  • Actionwandern und andere Ausreden

    April 8 in Greenland ⋅ 🌙 -9 °C

    Leider kann ich heute keinen nennenswerten Footprint vorweisen. Unser Tag wurde vollständig in Beschlag genommen von ausgedehntem Frühstück, ambitioniertem Wandern, der fürsorglichen Betreuung von Patient Stefano (Symptome: Halsweh und allgemeine Schwäche), strategisch wichtigem Kaffeekonsum, der kritischen Sichtung von Film- und Fotomaterial sowie einem würdevollen Dinner. Auch in Grönland müssen Prioritäten gesetzt werden.Read more

  • Knackig kalt

    April 9 in Greenland ⋅ ☁️ -9 °C

    Knackig kalt ist ja in unseren Breiten so ein niedlicher Begriff. In Wahrheit war es heute die Kälte, bei der man kurz überlegt, ob man seine Urlaubsentscheidung noch einmal überprüfen sollte. „Ilulissat Sailing“ klingt nach Sonnendeck, leichtem Wellengang und einem Caipirinha mit Schirmchen. Unser „Sailing“ war dann eher Kategorie: selbstverschuldetes Schicksal in arktischer Atmosphäre.
    Zum ersten Mal durften Kleidung und Mützen beweisen, ob sie mehr können, als nur gut auszusehen. Das Thermometer behauptete frech, es seien nur -10 °C. Auf dem Boot fühlte es sich an wie -25 °C, dank Wind und zusätzlichem Fahrtwind. Eine charmante Kombination.

    Und als wäre das Ganze nicht kalt genug, hatte sich auch die Sonne nach sieben Tagen einfach verabschiedet. Komplett zugezogene Wolkendecke, leichter Schneefall, keine Wolkenlücke weit und breit. Ein kleiner Trostpreis: Ohne Sonne wirkte das Eis im diffusen Licht tatsächlich noch spektakulärer, fast schon kunstvoll. Man muss sich ja an irgendetwas festhalten, wenn schon die Finger einfrieren.
    Bisher hatten wir die Eisberge aus sicherer Distanz im Sonnenlicht bewundern dürfen. Heute dann die Eismonster aus nächster Nähe. Riesig, beeindruckend, mit langen Spalten so groß wie Hofeinfahrten.
    Wir versuchten, so viele Aufnahmen wie möglich zu machen, mussten allerdings früh aufgeben, weil die Finger steif wurden und das Gesicht zu vereisen drohte.
    Es war so kalt, dass auch die Wasserflächen zunehmend vereisten. Unser Boot musste mehrfach zurücksetzen, wenn sich Eisplatten übereinandergeschoben hatten und durch Doppelschichten undurchdringlich wurden. Unser kleines Boot hob sich dann an, ohne einen Millimeter weiterzukommen.
    Glücklicherweise blieb unsere Skipperin entspannt. Sehr entspannt. Offenbar hatte sie große Freude daran, auszuprobieren, ob der kleine Kutter nicht doch die extra Portion Eis schafft.

    Nach zwei Stunden erreichten wir schließlich wieder den Hafen von Ilulissat, mit eiskalten Fingern, ziemlich roter Nase und einer fast schon romantischen Sehnsucht nach heißem Kaffee. Den wollten wir bei Willi im Inuit Café trinken – in der stillen Hoffnung, dass er nicht da ist. Er war aber da. Und natürlich sofort bereit, mit uns das wirklich Wesentliche zu besprechen: seine Steuererklärung.
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  • Si Si Sisimiut

    April 10 in Greenland ⋅ 🌙 -7 °C

    Unser Heimweg beginnt heute. Wobei keiner von uns echtes Heimweh hat. Wir fliegen Richtung Süden.
    Ziel: Sisimiut, rund 300 km entfernt.
    Vorher zieht es Ino und mich natürlich noch ein letztes Mal zu unserem Lieblingsspot, dem Kangia Eisfjord. Stefan kommt zwar bis zum Icefjord Centre mit, entscheidet sich dann aber klugerweise fürs Zuschauen. Irgendjemand muss ja dokumentieren, wie zwei vermeintliche Profis erstmal konsequent in die falsche Richtung laufen. Aber gut – wenn der Kopf noch im Standby ist, müssen die Füße halt Überstunden machen.
    Der Tag startet windig, kalt, grau. Kaum gehen wir los, dann plötzlich Bilderbuchwetter – stahlblauer Himmel, Sonne, verdächtig perfekt.
    Die Kulisse bleibt absurd spektakulär. Gestern noch Eisberge aus nächster Nähe vom Boot, heute übernimmt die Drohne den Job. Ino schickt das Ding mal eben 2,5 km Richtung „Eismonster“ – kommt zurück mit Shots, die so aussehen, als hätte jemand ein Naturdoku-Team engagiert.
    Für den Rückweg lassen wir uns Zeit, nehmen alles mit: Luft, Licht, Landschaft. Müde, zufrieden und leicht überfordert von so viel Schönheit erreichen wir das Arctic Hotel.
    Unser Flug nach Sisimiut wird derweil zum x-ten Mal verschoben. Irgendwann – gegen 20 Uhr – fliegen wir dann doch los. Ein entspannter 40-Minuten-Hüpfer. Draußen natürlich taghell, Sonnenuntergang gibt’s erst nach 22 Uhr. Wir fliegen wieder über den Kangia Eisfjord, den wir ein paar Stunden zuvor noch zu Fuß erkundet haben. Air Greenland liefert nebenbei einen kostenlosen Sightseeingflug: Schneeteppiche, Fjorde, Eismassen. Wahnsinn.
    Gegen 21 Uhr sind wir in Sisimiut. Gibt’s noch irgendein Restaurant, dass auf hat. Alles zu. Bis auf unsere Bar. Reicht: Bierchen. Chips. Und jede Menge Spaß.
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  • Nächtliche Exkursion

    April 11 in Greenland ⋅ ☁️ -8 °C

    Erste Nacht in Sisimiut. Neues Zimmer, neuer Grundriss – Orientierung wird hier optional.
    Der Bierkonsum vom Vorabend schickt uns alle drei nachts aufs Klo. Die Toilette zu finden klappt irgendwie noch – vermutlich eine Mischung aus Instinkt und Blasendruck. Aber wieder raus?
    Stefan übernimmt die Hauptrolle in diesem Drama: kein Licht, keine Hilfe, nur er und ein 1,5-Quadratmeter-Bad. Er findet alles – Wände, Wasserhahn, vermutlich auch sich selbst neu – nur den Ausgang nicht. Andere verirren sich im Leben, Stefan bleibt einfach im Bad hängen.

    Eisige Abenteuer zu Boot oder zu Fuß? Kein Problem. An den profanen Dingen scheitert man dann in Grönland.
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  • Sisimiut - Nachmittags-Footprint

    April 11 in Greenland ⋅ ☁️ -7 °C

    Grönland hat gerade einmal 56.000 Einwohner. Neben der Hauptstadt Nuuk ist Sisimiut mit rund 5.500 Einwohnern die zweitgrößte Stadt – und wirkt trotzdem eher wie eine Kleinstadt. Laut Reiseführer die schönste Siedlung der Insel. Wie so oft ist das nur die halbe Wahrheit.
    Verstreute, bunte Häuschen in Postkarten-Idylle, funktionale Wohnblocks mit leichtem Ostblock-Charme eine Straße weiter.

    Geht man jedoch ein, zwei Kilometer aus der Stadt hinaus, beginnt die Wildnis: rau, kalt und auf eine seltsame Weise magisch. Genau dort sind wir heute zufällig auf ein Schlittenhunderennen gestoßen. Keine Touristen. Nur Musher, die Rennleitung und ein paar grönländische Helfer.

    Der Gewinner schaffte die 33 Kilometer lange Strecke in 1:09 Stunden. Macht etwa 30 km/h – auf Eis.
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  • Hunde müssen kacken

    April 12 in Greenland ⋅ ☁️ -6 °C

    Hunde müssen kacken.
    Klar.
    Aber muss das unbedingt während der Fahrt sein, wenn man entspannt auf dem Schlitten sitzt und einfach nur die Landschaft genießen will?

    Heute sind wir mit Hans-Karl Olsen – Inuit mit erstaunlich dänischem Namen – und seinem Rudel Schlittenhunde durch die Wildnis bei Sisimiut unterwegs. 14 Hunde vor dem Schlitten, und die schalten von null auf Eskalation, sobald es losgeht. Über den zugefrorenen See, steile Anstiege, rasante Abfahrten, immer entlang des Arctic Circle Trail bis zu einem Aussichtspunkt, rund 17 Kilometer entfernt.
    Die Landschaft wirkt fast unwirklich: Berge und gefrorene Seen, so weit das Auge reicht, irgendwo zwischen hier und Kangerlussuaq.

    Huskys sehen ja wirklich niedlich aus, besonders hier in Grönland. Was man nicht sieht: der Geruch. Die Hunde erledigen ihr Geschäft während der Fahrt völlig unbeeindruckt und hinterlassen sofort ihre ganz persönliche Duftnote. Wir haben ehrlich gesagt Glück, dass uns bei dem Tempo nichts trifft. Am Geruch führt trotzdem kein Weg vorbei.
    Am Aussichtspunkt gibt es eine Kaffeepause mit Blick auf einen zugefrorenen See und eine spektakuläre Bergkulisse. Ein paar Snowmobil-Fahrer sind auch da, vermutlich auf Sonntagsausflug. Wir lassen noch einmal die Drohne steigen, dann geht es zurück.
    An besonders steilen Stellen werden schwere Seile mit Ketten vorne an den Kufen befestigt, damit der Schlitten nicht zu schnell wird. Unser Musher steht hinten zusätzlich auf einem Gummiteppich und bremst. Vor uns eine kleine, schwarze Buckelpiste. Alle festhalten, Adrenalin hochfahren. In einem Affenzahn schießt der Schlitten den Hang hinunter – trotz grönländischem „ABS“. Hans-Karl hat das Gespann jederzeit im Griff und bringt uns selbst die steilsten Passagen sicher hinunter.
    Nach gut vier Stunden sind wir zurück in Sleddog City – einer endlosen Ansammlung bunter Hundehütten und ihrer jaulenden Bewohner.

    Gegen 18:30 Uhr erreichen wir das Hotel: leicht durchgefroren, aber glücklich. Und ein bisschen stolz, diese raue Wildnis nicht nur überstanden, sondern wirklich genossen zu haben.
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  • Stahlblau. Gleißend Weiß. Still.

    April 13 in Greenland ⋅ ⛅ -5 °C

    Unser letzter Tag in Sisimiut begann unspektakulär. Keine großen Pläne, keine Erwartungen. Frühstück, vielleicht noch etwas durch den Ort schlendern oder ein bisschen zeichnen. Für den Nachmittag hatten wir eine geführte Wanderung mit anschließendem Essen geplant. Mehr sollte es nicht sein.

    Aber es kam natürlich anders.
    Ein stahlblauer Himmel, so klar, dass er uns förmlich nach draußen zog. Selbst ein paar Schritte ums Eck fühlten sich plötzlich nach Abenteuer an. Im Café Ulu nahmen wir noch einen Snack – für Stefan musste der Backofen hochgefahren werden, um die Versorgung mit Schokocroissants sicherzustellen. Gut, dass er ein Rezept wegen akuten Blutzuckermangels vorlegen konnte 😜

    Um 14 Uhr trafen wir Carolin. Sie führte uns durch gleißend weiße Landschaften hinaus ins Backcountry von Sisimiut. Kaum zu glauben, wie schnell die Stadt hinter einem verschwindet und man in diese großartige Bergwelt eintaucht.
    An der Hütte wartete Mette bereits mit dem kulinarischen Teil der Wanderung: Auf dem Grill lagen Kartoffeln, gemischtes Gemüse, Rentiersteaks und Würstchen. Allerdings konnten wir uns zunächst nicht auf das Essen konzentrieren. Vor uns lag ein gefrorener Wasserfall, der – wie in einem Gemälde von Caspar David Friedrich – in Weiß-, Blau- und Grüntönen schimmerte.
    Dazu eine Brücke über einen zugefrorenen Fluss und dieses fast unwirkliche Glasiglu – wie aus einer Filmszene, nur besser, weil echt.
    Es war magisch. Still. Und gleichzeitig überwältigend.
    Noch am Morgen war uns nicht klar, dass wir mit dieser Tour einen echten Volltreffer landen würden. Wir hatten nichts davon erwartet. Weder diese Landschaft noch dieses Essen. Und schon gar nicht diesen Nachtisch, den Stefan geradezu verschlang. Wobei – bei der eher knappen Croissantversorgung am Mittag war das wohl nur konsequent.
    Am frühen Abend wanderten wir mit Carolin zurück – durch eine Landschaft, die wie aus Eis geformte Skulpturen wirkte. -5 Grad, und die Sonne stand immer noch hoch, als hätte sie nicht vor, diesen Tag enden zu lassen.
    Und natürlich musste dieser Tag gekrönt werden. Mit einem Bier in der Hotelbar. Oder vielleicht auch zwei …

    Was in Sisimiut passiert, bleibt in Sisimiut
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  • Ein perfekter Tag – bis Nuuk kam

    April 14 in Greenland ⋅ ☀️ -6 °C

    In Grönland ist Fliegen eher wie Busfahren. Kurz bevor der Flieger kommt, gibt man sein Gepäck ab und besteigt die Maschine – ohne Sicherheitskontrolle. Da geht nicht der ganze Tag drauf. So konnten wir auch heute vor unserem Flug noch einen kurzen Adventure-Trip einschieben. Mit einem All-Kettenfahrzeug ging es hinauf in die Berge. Darf ich sagen „selbstverständlich“ bei perfektem Wetter: nur -6 Grad, kein Wind, strahlend blauer Himmel. Auch diesmal war es wieder Carolin, die uns sicher zu einem Aussichtspunkt fuhr. Hier gab es neben Tee und Cookies eine fantastische Aussicht auf Sisimiut und die umliegenden Berge.

    Wir verlassen Sisimiut voller Wehmut in der leisen Gewissheit, dass wir nun die größte, aber eben auch die hässlichste Stadt Grönlands ansteuern.

    In Nuuk dann erwartungsgemäß Tristesse: -1 Grad verwandeln die Straßen in eine Mischung aus Schneematsch und Enttäuschung. Die weiße Pracht ist zu einer Art grau-brauner Fahrbahn-Dekoration mutiert. Auch der Himmel zeigt sich großzügig. Er gibt alles - außer Sonne. Am Abend sogar Regen, der der ohnehin wenig fotogenen Stadt den letzten ästhetischen Rest nimmt.
    Wir retten den Tag mit einem Süppchen beim Thai gegenüber und sind danach so erschöpft, dass wir alle vor 22 Uhr im Bett liegen – vermutlich die klügste Entscheidung, die man in Nuuk treffen kann.
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  • Erzwungener Stopover mit Adrenalin

    April 15 in Greenland ⋅ ❄️ -5 °C

    Der erzwungene Zwischenstopp in Nuuk – einzige Stadt, die von Kopenhagen aus überhaupt existiert – entwickelt sich heute überraschend zum Adrenalinkick.
    Der frühe Morgen: Alles tief verschneit, und es schneit einfach weiter. Die zentrale Frage: Findet unsere lange im Voraus gebuchte Bootstour heute wirklich statt.
    Also nachgefragt bei „Nuuk Water Taxi“.
    Klingt ja erstmal nach einer entspannten Fjordfahrt, bisschen Panorama, vielleicht Grillwürstchen, dazu ein Bierchen, man kennt das aus Hochglanzprospekten.
    Natürlich fährt das Wassertaxi auch bei Schneesturm. Selbstverständlich auch bei rauer See. Und logisch, warum nicht auch mit einem Boot, das für diese Bedingungen ungefähr so geeignet ist wie eine Kokosnussschale im arktischen Atlantik. Der Name des Kahns setzt dem Ganzen die Krone auf: Ice Force One.
    Der Grönländer hat Humor – nur offensichtlich nicht unseren.
    Am Steuer: Kapitänin Magit, 21 Jahre alt, ein Jahr Erfahrung. Unterstützt von Co-Pilotin Lisa. Also im Grunde genau die Art von Dreamteam, die man sich wünscht, wenn draußen gerade die Natur zeigt, wer hier eigentlich das Sagen hat.
    Schon auf dem Weg in den Fjord werden wir ordentlich durchgeschüttelt. Spätestens als der Sturm richtig aufdreht, ist Schluss mit Angeln und romantischer Naturerfahrung. Stattdessen: Abbruch und die leise Erkenntnis, dass hier gerade niemand mehr so richtig die Kontrolle hat – inklusive Boot und Besatzung.
    Als dann auch noch der Funk ausfällt, wird selbst Ino nervös. Und das will was heißen. Stefan und ich hatten da innerlich schon damit abgeschlossen, trocken zurückzukommen. Erwartungen runtergeschraubt, Überlebensmodus an.
    Irgendwann gelingt es den Mädels dann doch, Hilfe zu organisieren. Ein Kollege taucht auf und eskortiert uns zurück in den Hafen. Kein großes Drama, eher „gut, dass das vorbei ist“.

    Eine Frage wäre da für mich noch offen: Wieviel Selbstgefährdung ist eigentlich noch Freizeitgestaltung?
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  • Unser Grönland in Zahlen

    April 15 in Greenland ⋅ ❄️ -8 °C

    200 km gelaufen macht 12km ø/d
    500.- € für Bier (bei nur 2 Bier am Tag)
    -24° niedrigste Temperatur
    55 min. Hotel SFJ > Hotel JAV inkl.40 min Flug
    5.- € Salatgurke (Supermarktpreis)
    1,5 km Weitester Drohnenflug
    69° 14“ nördlichster Punkt (Oqaatsut)
    40 m/d. Schnellster Gletscher der Welt
    1.100 Hunde leben in Dog City (Sisimiut)
    8,5 t Heilbutt tägl in Disko Bay gefangen
    2 Fische gefangen, 14 gegessen
    22:20 spätester Sonnenuntergang
    15 Kr. Billigster Transport (Bus Ilulissat) 2€
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  • Unerwartet…

    April 16 in Denmark ⋅ ☁️ 8 °C

    … fortschrittlich. Bargeld? Wir konnten wirklich überall mit Karte zahlen – sogar im Bus und in abgelegenen Siedlungen, wo man eher mit einem Eisbären als mit einem Kartenlesegerät rechnet.

    … hoch waren unsere Kosten. Natürlich hatten wir mit „teuer“ gerechnet. Nur nicht mit kurz-vor-Herzstillstand.

    … offen sind jüngere Grönländer. Erst zurückhaltend, dann plötzlich interessiert, mehrsprachig und irgendwie besser ausgebildet als man selbst. Viele haben in Dänemark studiert und sprechen beneidenswert gutes Englisch. Unangenehm kompetent.

    … schön ist die Backcountry. Also diese völlig unberührten, spektakulären Landschaften, die man nur mit Schlitten, zu Fuß oder Snowmobile erreicht. Quasi Natur in ihrer Form von „Wenn du hier einen Fehler machst, war’s das“.

    … exzellent waren Essen und Kaffee. Dänisch halt. Man fährt ans Ende der Welt und wird dort kulinarisch verwöhnt.

    … reibungslos funktionierte unsere 3er-Reisegruppe. Niemand hat jemanden zurückgelassen oder versehentlich im Bad zurückgelassen.

    … pünktlich und zuverlässig waren Flüge, Transfers, Taxen, Ausflüge und öffentliche Verkehrsmittel – sofern vorhanden. Infrastruktur: überraschend vorhanden und funktionierend. Wer hätte das gedacht.

    … rauh und unerbittlich können Kälte und Wetterumschwünge sein. Besser man plant mit dem Schlimmsten und freut sich, wenn man noch alle Finger spürt.

    … sehr gut waren meine neuen Wanderschuhe. Kaum eingelaufen und direkt im Einsatz: keine kalten Füße auf Eis, kein Drama bei steilen, verschneiten Passagen. 5 von 5 Sternen.

    … gutes und sonniges Wetter hatten wir während unserer 19 Tage. Ganze zwei Tage lang war es zeitweise bewölkt oder windig – also perfekte Ausreden für ausgedehnte Café-Aufenthalte.
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  • Tagebuch-Skizzen

    April 17 in Denmark ⋅ ☀️ 9 °C

    Mein Vorhaben ist grandios gescheitert.

    Ich hatte die Idee, die unzähligen grönländischen Begriffe für Schnee und Eis visuell einzufangen. Eine geradezu bescheidene Aufgabe, wie sich herausstellte.
    Leider existieren davon nicht nur ein paar, sondern gefühlt unendlich viele. Und als wäre das nicht genug, sind sie oft so präzise und nuanciert, dass jede Übersetzung hinkt.

    Aber gut. Hier also mein verzweifelter Versuch, mich irgendwo zwischen Natur und Sprache nicht komplett zu verlieren.
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  • Danke. Danke. Danke.

    April 17 in Germany ⋅ ⛅ 13 °C

    (Ein Footprint in eigener Sache)

    Mein Dank geht an meine beiden Leidensgenossen Ino und Stefan, die sich auf dieses ! Achtung Wortwitz ! unberechenbare Abenteuer eingelassen haben.

    Ein besonderer Dank an Ino, der wiederholt meinen absurd schweren Reisesack durch die Gegend geschleppt, in Taxis bugsiert oder über Glatteis getragen hat.
    Jungs, wie seit ihr mit nur 15 Kilo ausgekommen?
    Auch danke Ino, für die gelegentliche Lebensversicherung bei Kletteraktionen.

    Dank an Stefan für seine bemerkenswert entspannte Art, selbst dann, wenn die Ziele… sagen wir mal… weniger entspannt waren. Außerdem danke für das durchgehend hochwertige Unterhaltungsprogramm morgens, mittags und abends. Konstant lustig, Schatz.

    Und ein ganz besonderer Dank an euch beide, dass ihr mich konsequent aus euren nächtlichen Spezialaktionen ausgeschlossen habt. Dazu zählen unter anderem starkes Ausatmen, spontane Bed-Roll-Outs, tiefgründige Diskussionen über Lichtverhältnisse mitten in der Nacht und offenbar auch Fluchtpläne aus dunklen Badezimmern.
    Unsere kleine Reisegruppe funktionierte erschreckend gut. Fast so, als wüsste jeder, was er tut. Perfekt organisiert, effizient und alles mit Humor, die vermutlich Schlimmeres verhindert hat. Ein echtes Premium-Team. Danke.

    Jetzt ist unsere Grönland-Reise vorbei. Tragisch. Kein Schnee mehr, keine Kälte mehr, kein Licht mehr, das uns so viel Power gegeben hat. Wir hätten locker noch weitermachen können. Wir waren im Flow. Eingelaufen. Eingespielt. Erschreckend gut angepasst an diese Eiswelt.

    Und ja, wir haben nicht nur die Touren gefeiert, sondern auch jeden Blick aus Hotelzimmern, Restaurants oder Flugzeugen. Diese weiße Stille. Diese Magie. Schwer zu beschreiben, aber leicht zu vermissen.

    Fazit: Wir wollen mehr davon. Offensichtlich haben wir nichts gelernt.

    Also: Wohin als Nächstes, Jungs?
    Spitzbergen?
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    Trip end
    April 17, 2026