bald ist es soweit
15 stycznia 2022, Szwajcaria ⋅ 🌧 4 °C
Lässt sich das Kamerastativ handlich am Velo befestigen? Funktioniert der Wasserfilter noch und haben wir nicht noch irgendwo eine gut dichtende Flasche für's Öl???
Wir sind mitten drin in unseren Reisevorbereitungen. Es wird gepackt, genäht, geschräubelt, gegooglet, gezankt (ah nei, mier diskutiere ja nume ;-)) und vorgefreudet.
Ende Januar gehts los und wir freuen uns, wenn ihr im Kopf oder so ein bisschen mit uns dabei seid. Czytaj więcej
01 España, olé (Teil 1)
17 lutego 2022, Hiszpania ⋅ ☀️ 19 °C
01 España, olé (Teil 2)
17 lutego 2022, Hiszpania ⋅ ☀️ 15 °C
"Der Kluge reist im Zuge" was ein Werbespruch aus dem letzten Jahrhundert besagt, wird für uns Wirklichkeit. Ganz feudal, in der 1. Klasse, lassen wir uns, mit Übernachtungsstopps in Nîmes und Madrid, nach Malaga chauffieren.
Die winterliche Südsonne erwärmt unsere Bleichgesichter und lässt unsere Nasenspitzli rot erglühen. Kein Wunder, entfliehen jedes Jahr Tausende von Rentnern dem nördlichen Klima und Überwintern hier mit Tinto verano und Paella. Unweit des andalusischen Städtchens Malaga, mit seiner entzückenden Altstadt, treffen wir auf unser Transportunternehmen "von Allmen & von Allmen".
Wir hatten das super Privileg, dass Thes Eltern ebenfalls ein paar Wochen auf Entdeckungsreise in Südspanien gehen und unsere Velos samt Gepäck mitgebracht haben. Merci vil mal Muetti und Ätti!
Nach ein paar Tagen "Ankommen" lässt sich das erwartungsfreudige Scharren unserer Stahlrösser, Scotty und Blizzy, nicht mehr ignorieren. Das erste Aufsatteln dauert wie erwartet einige Stunden und geht mit einem hölle Puff einher.
Uns ziehts ostwärts, an der Küste der Morgensonne entgegen und (hoffentlich) den Wind im Rücken. Wir planen eine kleine Zusatzschlaufe und meiden die schneebedeckten Berge im Hinterland noch ein wenig. Der Verkehr auf der geschwungenen Küstenstrasse hält sich in Grenzen und so können wir unsere untrainierten Wädli bei den zahlreichen Auf und Abs langsam wieder in Schwung bringen.
Den Salzduft in der Nase und den Blick aufs tiefblaue Meer gerichtet, lassen wir die letzten Gedanken ans routineerfüllte Arbeitsalltagsleben hinter uns ;-) Die 17-20° C tagsüber bei meist wunderbarem Sonnenschein sowie die hübsche Landschaft helfen uns dabei.
Ab Almuñécar entdecken wir immer wieder weiss abgedeckte Felder in der Ferne. Diese mehren sich je weiter wir fahren, bis unser ganzes Blickfeld links und rechts der Strasse damit erfüllt ist. Die frische Meeresbrise wird angereichert mit säuerlich abwechselnden Duftnoten von Düngemittel und Verrottung. Die meist mit einfachsten Plastikplanen erstellten Gewächshäuser sind eine Folge unserer Konsumwut mit dem Anspruch jederzeit alles zu erhalten.
Der von der Sonne ausgedörrte Plasik der älteren "Gemüsebuden" liegt kilometerweit verstreut in der Landschaft. Diese Plastikfetzen sind auch bei frisch vorbereiteten Feldern überall unter die Erde gemischt. Dies bestärkt uns, in Zukunft noch besser auf Regionalität und Saisonalität zu achten. Dieses Bild begleitet uns nun seit drei Fahrtagen. Es ist schwer das Ausmass dieser "Landschaft" zu beschreiben, schaut euch diese Gegend doch mal auf einem Satellitenbild an.
Wenn wir schon beim Essen sind; unser Stoffwechsel hat schon auf Velofahren umgeschalten. Meist ist schon ab halb 12 Uhr ein grummelndes Knurren von über dem Sattel zu vernehmen und somit ist kurzum ein Futterstopp nötig. Heute fahren wir gerade rechtzeitig in einen kleinen, sehr einfachen Küstenort, wie es sie hier öfter gibt. So einfach der Ort auch ist, die Strandpromenade ist meist herausgepützelt und richtig härzig. Den Mund mit Baguette und Manchego gefüllt sitzen wir also da und lassen unseren Blick über dem blauen Horizont hängen. Da! ein Aufblitzen über der Wasseroberfläche, was war das? Sascha stupst Thes an und behauptet doch tatsächlich einen Delfin gesehen zu haben. Sofort sind die Sinne hellwach und tatsächlich, da ist ein, zwei, zehn … nein, sogar hunderte Delfine, die währed etwa zwanzig Minuten an uns vorbeiziehen. Ein wirklich aussergewöhnliches Erlebnis. Sogar die Kellner des Strandbeizlis sind mit dem Handy am filmen, also auch für sie nichts alltägliches. Mit offenen Mündern geniessen wir diese schönen Tiere.
In Almería beobachten wir einen Swiss Flieger, der im Tiefflug Kreise über die Stadt zieht. Wir befürchten, dass etwas nicht stimmt, denn der Flieger gewinnt nicht an Höhe und landet auch nicht. Einige Zeit später fahren wir am Flughafen vorbei und sehen wie er zwar am Boden aufsetzt, aber dann durchstartet. Da unsere weitere Strecke flach ist, beobachten wir den Flieger wie er dieses Spiel noch oft wiederholt. Hmmmm… sehr schräg. Da ja alle Flüge getrackt sind, können wir es nicht lassen die Flugroute mittels der Flugzeugnummer nachzuschauen. Wow, der Flieger ist sage und schreibe während ca. 5 Stunden über 50 mal durchgestartet. Könnte es sein, dass dies mit den Slots zu tun hat, dass eine Airline so und soviele Male einen Flughafen in einem Land anfliegen muss, damit ihr Landekontingent nicht gekürzt wird?? Wir haben mal bei der Swiss angefragt, die Antwort steht noch aus.
Die Plastikwüste hinter uns lassend, erreichen wir unser Ostziel, den Naturpark Cabo de Gata. An den Salinas (Salzseen) mit seinen Flamingos vorbei fahrend, glitzert in der Ferne eine saftig steil ansteigende Strasse in der Morgensonne. Rund um das Cabo führt unsere für den Autoverkehr gesperrte Schotterstrasse. Der Anstieg hat es ganz schön in sich, bei 14% Steigung ist Schluss mit Pedalen, ab hier wird geschoben… uff… keuch… prust. Bei der gefühlten Kälte durch Wind spricht man jeweils vom Wind-Chill, die gefühlte Steigung nennen wir ab sofort Hill-Chill. Hier war es eine 8 von 10.
Die Spässchen werden zwar mangels verfügbarem Atem weniger, aber die Laune bleibt Dank der wunderschönen Natur trotzdem gut. Hier gefällt es uns, wir lassen uns Zeit und geniessen die Einsamkeit und die aride Landschaft in vollen Zügen. So (!) muss es sein.
Hasta Luego. Czytaj więcej

Hallo ihr Lieben, ❤️lichen Dank für den interessanten Reisebericht und die tollen Fötelis 😘Wir wünschen euch weiterhin viel Spass und Energie auf eurem Drahteseln. Liebs grüessli und knuddel Rosmarie u Hansuele [Rosmarie von Allmen]

PodróżnikHola. Dankeschön. Wir geniessen es in vollen Zügen, erleben so einiges. Apropos Energie: Heute ist Ruhentag, die Beine brauchen DRINGEND eine Verschnaufpause. 😉 Liebe Grüsse

Woaw, Delfine!! Wie schön! Scheinbar hat es Euch nicht nach Salamanca verschlagen... aber dort gibt es auch keine Delfine... Uebrigens ist Euer Reisebericht sehr gut geschrieben, richtig spannend. Wird vielleicht mal ein Buch daraus? Weiterhin alles Gute (Catherine, Lausanne) [Catherine Pahud Kand]

PodróżnikHola. Muchisimas gracias, wir schreiben den Blog gerne, wenn auch nicht sehr oft 😀. Und wir freuen uns natürlich, wenn es dir/euch auch gefällt. Dein Tipp mit Salamanca ist nicht vergessen und wir sind ja noch weit im Süden. Unsere Route wird wahrscheinlich in diese Richtung gehen, es dauert einfach noch eine Weile bis wir nordwärts fahren.... Liebe Grüsse
02 Die Wüste ruft (Teil 1)
28 lutego 2022, Hiszpania ⋅ ⛅ 12 °C
02 Die Wüste ruft (Teil 2)
28 lutego 2022, Hiszpania ⋅ ⛅ 11 °C
Die Erinnerungen an die wunderschöne Baja California sind so tief in uns verankert, dass wir dem Ruf der Wüste nicht widerstehen können.
Wir verlassen die Küste nordwärts in Richtung Berge. Und ja, es gibt sie, die Berge in Spanien….
Gleich hinter der scheebedeckten Sierra Nevada soll sie sein, die Desierto de Tabernas, die einzige echte Wüste Europas.
Der erste Pass raubt uns den Schnauf,
geht es doch so stark bergauf.
Der zweite Pass hält noch viel länger an,
was haben wir uns da bloss angetan?
Unsere Routenwahl entspricht eventuell nicht ganz unserem aktuellen Trainingszustand, doch werden wir dafür mit spärlicher Besiedelung und mehr Natur belohnt. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz wird einfacher. Zwischen duftenden Wüstenfrühlingsblumen und Sträuchern findet sich immer irgendwo ein Plätzen, wo wir unsere Casita aufstellen können. Jetzt noch schnell vor dem Eindunkeln etwas Warmes für den knurrenden Bauch brutzeln und dann bei Kaffee und Tee das funkelnde Sternenmeer bestaunen.
Die Wüste ist dann doch nicht ganz so ohne menschliche Eingriffe. Zwischendurch kommen wir an kilometerlangen Solarparks vorbei, welche auch schon mal mitten über unsere Naturstrasse gebaut wurden, natürlich mit Zaun rund herum. Das gibt unerwartete zusätzliche Trainingskilometer 😉.
Je länger wir in dieser Wüstengegend fahren, je öfter pfeifft es von Saschas Seite her "uauauaaaa dödödö… uauauaaaa dödödö…" (wer's nicht erkannt hat, das sollte die Filmmusik von zwei glorreiche Halunken sein). Es ist wirklich nicht schwer, sich in dieser Landschaft Revolverhelden und Indiander vorzustellen. So geht es auch nicht lange, bis wir am Strassenrand eine kleine Westernstadt entdecken. Der Drehort einiger Italowestern wie z. B. "Spiel mir das Lied vom Tod" und eben "zwei glorreiche Halunken".
Ein paar Tage später erreichen wir die Stadt Granada wo ein Hotelzimmer auf uns wartet. Jupie, endlich mal wieder Duschen und Kleiderwaschen, so sauber waren wir schon lange nicht mehr 😁. In Granada erkunden wir einige maurische Überbleibsel aus der Zeit der arabischen Herrschaft im Süden der iberischen Halbinsel, allen voran die Alhambra (die rote Burg) mit seinen eindrücklichen Palästen (!). Auch kulinarisch lassen wir uns verwöhnen, sei es in einem arabischen Teehaus oder mexikanischen 😳 Restaurant.
25. Februar 2022, Intermezzo Nr.1 :
Von unserem Interrail Pass haben wir noch einen Zugfahrtag übrig, welcher Ende Februar verfällt. Da unser Vorankommen bis jetzt doch wesentlich langsamer war als erwartet, entschliessen wir uns nach längerem Studieren der Interrail-Linienkarte, dass wir den Regiozug von Granada nach Sevilla nehmen. Die Velos können in Spanien ja nur mit den Regiozügen transportiert werden. Da übers Web kein Veloticket gekauft werden kann, machen wir uns auf zum Bahnhof. Freundlich und bestimmt wird uns dort mitgeteilt, dass ab Granada kein Velotransport mehr möglich ist, erst ab dem ca. 120 km westlich gelegenen Antequera wieder. Kennt ihr den ungläubigen Ausdruck von Thes Gesicht, wenn ihr etwas so total nicht verständlich ist? Sascha schon… er konnte sich köstlich darüber amüsieren.
Nun denn, dann nix wie hin nach Antequera, das sollte in zwei Tagen schon zu schaffen sein.
28. Februar 2022, Intermezzo Nr. 2:
Nachdem wir unser Lager gestern kurz vor Antequera aufgeschlagen haben, stehen wir heute früh auf um den Bahnhof rechtzeitig zu erreichen. Diesmal lassen wir uns von Google leiten, damit wir uns sicher nicht verfahren. 30 Minuten vor Zugabfahrt erreichen wir den heruntergekommenen Bahnhof dieser Kleinstadt. Der Schalter ist geschlossen, also geht Thes in die Bahnhofsbar um sich nach dem Ticketkauf zu erkundigen. Stellt euch nun die Augen von Thes vor, als ihr hier mitgeteilt wird, dass dieser Bahnhof stillgelegt wurde und der neue Bahnhof von Antequera nun 18km ausserhalb der Stadt im Nirgendwo liegt…
Nach kurzem tief Durchatmen und "Route wird neu berechnet" fahren wir halt per Bicicleta durch die unendlich erscheinenden Olivenhaine weiter. Nächstes Ziel: Parque National Doñana Czytaj więcej

Danke für den spannenden Bericht! Uff, also Thes ich kann mir Dein Gesicht ganz gut vorstellen...(meins wäre da vermutlich nicht mehr erkennbar gewesen vor Schreikrampf) und bewundere Dich (und Dich, Sascha, natürlich auch :-)), dass Ihr Euch nicht von Eurem Weg abbringen lasst, egal ob noch fast 120 und nochmal 18 km dazwischen liegen. Bravo. [Mary]
03 Bem-vindo a Portugal
18 marca 2022, Portugalia ⋅ ☀️ 16 °C
Porto Covo am 18. März 2022, 11:36h - Swuuschsch... mit Getose brechen die Wellen vor den Klippen, die Sonne lacht seit einer Woche wieder mal auf unsere zufriedenen Gesichter - die Westküste Portugal hat uns in ihren Bann gezogen. Doch halt, wie sind wir überhaupt hierher gekommen?
Nach unserer Zugspleite nutzen wie die Gelegenheit und fahren den via verde zwischen Olvera und Puerto Serrano. Via verdes sind stillgelegte Bahnstrecken, welche zum Velo-/Wanderweg umfunktioniert wurden. So kommen wir doch noch zu einer "Zugfahrt". Das Trasse führt duch ein geschlängeltes Tal, wir geniessen die unberührtere Natur, bestaunen eine ganze Armada von Geiern, welche über einem markanten Felsen kreisen und erfreuen uns am gemütlichen Dahinrollen abseits der Strasse.
Wir umfahren Sevilla und gelangen ein paar Tage später zum Parque National Doñana. Am Parkrand empfängt uns ein spezielles Bild:
Vor uns erstreckt sich eine tiefsandige Strasse durch die weiss getünchten Häuser, die Sonne brennt heiss vom Himmel und es liegt wieder einmal dieser Hauch einer Melodie in der Luft - "uauauaaaa dödödö… uauauaaaa dödödö…" (ihr erinnert euch!). Gemächlich biegt ein Reiter um die Ecke und kommt auf uns zu…
El Rocío, ein Dorf wie aus dem vorletzten Jahrhundert. Es gibt hier keine asphaltierten Strassen, dafür vor jedem Haus einen Anbindezaun für die Pferde, und auch die Restaurantterrassen haben Hochtische draussen platziert, damit gleich vom Pferd aus ein Gläschen (oder zwei) getrunken werden kann.
Jedes Wochenende reisen zahlreiche Gäste mit Sonntagskleidern und Pferden an um sich hier in den Strassen zu präsentieren. Es ist ein grosses Sehen und Gesehen werden.
Unser anfänglich romantisches Bild bekommt Risse, als wir merken, dass je älter der Tag wird, das Ganze in ein grosses Besäufnis mit Halligalli und Feuerwerk ausartet. Die Pferde, welche mit dabei sein müssen, dürften an diese Ausflüge nicht sonderlich gute Erinnerungen haben.
Eigentlich sind wir ja wegen dem Nationalpark hier. Es gibt Bäume voll mit Störchen und auch sonst viiiele Vögel, die hier leben oder den Winter/Sommer verbringen. Ausserdem ist es eines der letzten Habitate des Iberische Luchs. Trotz intensivem Gucken zeigt sich aber kein Pinselohr.
Den Atlantik nun zu unserer Linken steuern wir kilometerlangen Stränden entlang auf Portugal zu. Da es über den Grenzfluss nur eine Autobahnbrücke gibt, lassen wir uns auf einer Uraltfähre rüber schippern. Auf der anderen Seite erwartet uns ein nettes Kleinstädtchen mit viel Charme. Wir fühlen uns wirklich Willkommen. Bem-vindo a Portugal.
Von anderen Radlern haben wir vernommen, dass die Autofahrer in Portugal nicht so rücksichtsvoll wie in Spanien sind. Jedoch habe es sowieso der ganzen Algarve entlang gut ausgebaute Radwege. Anfangs sieht es schon mal vielversprechend aus…
Was uns schon bald auffällt, die südliche Algarve ist viel dichter besiedelt oder besser gesagt, dichter bebaut. Es gibt sehr viele Touristenorte, eigentlich fast ununterbrochen fahren wir durch golfplatzgesäumte "Villenquartiere". Da es zum Meer hin meistens nur Stichstrassen gibt, machen wir uns diese Mühe nicht so oft und sind daher gar nicht so häufig am Meer.
Nun aber zu den Velowegen, kurz nach dem Grenzübertritt finden wir tatsächlisch schon bald so einen Weg. Gemäss dem Schild führt dieser Weg der ganzen Algarve entlang bis ans westliche Ende und sogar noch ein Stück nordwärts, cool. Der Veloweg führt auf kleinen Strässchen und Wegen in vielen Bögen durch die Landschaft. Im ersten Städtchen ist die Beschilderung echt super, ein blauer Streifen führt uns ganz easy durch den Ort, später verlieren wir den Weg leider immer wieder, da Schilder fehlen oder der Weg einfach mitten im Nirgendwo aufhört. Jä nu, nicht so tragisch, wir fahren dann einfach auf der Hauptstrasse bis wir irgendwann mal wieder ein Schild sehen. Hier bewahrheitet es sich aber, dass wir von den spanischen Autofahrern schon recht verwöhnt sind.
Irgendwann haben wir dann genügend Golfplätze gesehen und sind froh, dass wir endlich die Südwestspitze erreichen und gegen Norden stechen. Der ganze Torismusrummel nimmt schlagartig ab, die Dörfchen werden weniger und authentischer und auch der Verkehr lässt nach. Uns gefällts hier und der tägliche Gegenwind lässt uns nachts gut schlafen.
Adeus und bis zum nächsten mal. Czytaj więcej

Hi Thes und Sascha. Hier ganz viele geschriebene "Likes"...ich kann leider nicht auf Gefällt mir drücken, da ich kein Login habe. Also denkt Euch von mir einfach bei jedem eins dazu. Danke für die erneut traumhaften Bilder und den spannenden Reiseblog. Ich sehe, Euch wirds nicht langweilig und Augen, Ohren, Nerven und Wadli bekommen genug "Futter". Ich hoffe, dass Ihr auch einen kulinarischen Teil geniessen könnt und dass Eure jeweiligen Nachtlager grösstenteils angenehm sind. Weiterhin gute Fahrt und häbets guet. [Mary]

PodróżnikHi Mary, merci für deinen Kommentar. Likes sind für uns nicht wichtig, aber es ist auch für uns immer schön etwas von unseren "Kopfmitreisenden" zu lesen :-) Kulinarische Höhenflüge mit der traditionellen spanischen und portugiesischen Küche hatten wir bisher noch nicht, dafür haben wir in Lissabon sensationell gut nepalesisch gegessen ;-) Hug, Sascha & Thes
04 Hommeli em Födli
2 kwietnia 2022, Hiszpania ⋅ 🌧 7 °C
Irgendwie zwickt es uns, die nördliche Mitternachtssonne ruft und wir können diesem Drang nicht mehr widerstehen. Darum planen wir einen erneuten Zugsversuch, um ein bisschen schneller vorwärts zu kommen. Von Lissabon bis an die nördliche Portugiesisch-Spanische Grenze soll uns die Eisenbahn bringen.
Zwei Tage, einen ausgiebigen Stadtbummel, eine unglaublich schlechte Hop-on Hop-off Touribus Rundtour und dafür ein super leckeres Nepalesisches Nachtessen später machen wir uns am Morgen vom 23. März auf zum Lissaboner Bahnhof, gespannt wie die Flitzebogen, wie unser neustes Zugabenteuer wohl laufen wird.
Während Sascha voll konzentriert seiner Aufgabe als Velobodyguard nachkommt, macht sich Thes auf Ticketmission. Und siehe da, 15 Minuten später sind wir stolze Besitzer von zwei Zugtickets inklusive Velomitnahme.
Eine 5 stündige Zugfahrt, mit leicht hektischem Umsteigen in Porto, später erreichen wir Valença. Judihuiii, welch ein erfolgreicher Tag!
Ab Valença pedalen wir in östlicher Richtung und verlassen Portugal somit am nächsten Tag. Unser Portugalfazit: die etwas rauere untere Atlantikküste gefällt uns sehr gut, die Einheimischen begegnen uns eher reserviert und was velofreundliches Autofahren anbelangt gibt es noch viel Luft nach oben. Die traditionelle Küche ist sehr fleisch- und fischlastig; daher nicht so unser Favorit, dafür lieben wir aber die "Tostas" (grillierte warme Sandwiches), welche in den meisten Restaurants als Snack erhältlich sind.
Bis Puebla de Sanabria, unserem nächsten kleinen Zwischenziel ist die Landschaft sehr hügelig. Während rund 240km steigt unsere Route 4000 Höhenmeter über zahlreiche kleinere und grössere Pässe. Zum Glück sind unsere Muckis schon ein bisschen trainiert. Eines schönen Mittags kurbeln wir uns, in Gedanken versunken, Meter für Meter einen Hügel hoch, als uns plötzlich bei einer kleinen Häuseransammlung hinter einer Kurve ein Mann vom Strassenrand zuwinkt und ruft. Er ist gerade auf dem Weg zur Mittagspause an uns vorbeigefahren und bietet uns an, dass wir uns bei ihm zuhause Ausruhen und Duschen dürfen. So ein Angebot, ins Leben der Einheimischen blicken zu dürfen sollte man nie ausschlagen. Das junge Paar mit ihrem kleinen Sohn heisst uns ganz unkompliziert bei sich willkommen. Wir teilen uns ihr Mittagessen und unser Picknick und es ist richtig schön, sich mal wieder mit jemandem etwas länger zu unterhalten. Solche Gesten der Gastfreundschaft zählen zu den wertvollsten Erlebnissen unserer Reisen.
Seit wir von der Küste weg sind, gibt es keine Campingplätze mehr. Die Gegend ist aber nicht ganz so dicht besiedelt und wir finden meist problemlos ein Plätzchen für unser Zelt. Es ist später Nachmittag, wir haben gerade einen Pass überquert und sind schon ziemlich müde. Wir wollen also definitiv vor dem nächsten Anstieg einen Übernachtungsplatz finden. Am Ende der kleinen Stadt im Talboden finden wir eine Waldlichting mit kleinem Pavillon und einer Heilquelle. Noch kommen etliche Spaziergänger vorbei um von der stinkenden Schwefelquelle zu trinken, aber das nimmt bestimmt ab, sobald es dunkel wird. Wenn wir also bis zum Eindunkeln mit dem Zeltaufbau warten, ist das somit ein akzeptabler Platz für unser Nachtlager. Wir nutzen die Zwischenzeit für's Znacht und anschliessend schlendert Thes im langsam schwindenden Tageslicht über die Wiese um den besten Standort für das Zelt zu eruieren. Hmm komisch, auf der ganzen Wiese gibt es frisch umgeackerte Stellen. Bei genauerem inspizieren lassen sich kleinere und grössere Paarhuferspuren entdecken - Wildschweine. Na toll, mit diesen Borstentieren haben wir nicht gerade viel Erfahrung, sie werden aber immer als eher gefährlich angepriesen, vor allem jetzt im Frühling wenn sie Junge haben. Die völlig irrationale Erinnerung an einen kürzlich gelesenen historischen Roman bei welchem ein Mann bei der Jagd von einem Keiler niedergemezelt wird, hilft da gerade überhaupt nicht ;-) Sascha lässt sich von Thes Nervosität anstecken, doch da hilft alles drehen und wenden nichts, Weiterfahren kommt wegen der Dunkelheit und der recht stark befahrenen Strasse nicht in Frage. Ausserdem wissen wir aus Erfahrung, dass es sich Nachts ganz schlecht einen Schlafplatz finden lässt. Wir entscheiden uns also für die gefühlt beste Ecke und hoffen, dass wir den Futtersuchenden nicht in die Quere kommen. Müde genug vom heutigen Tag schläft Sascha die Nacht gemütlich durch, während Thes den mannigfaltigen Geräuschen der Nacht lauscht. Unser Zelt haben wir indes wohl an einem guten Ort aufgebaut, denn wir werden nicht behelligt.
Für die nächsten Tage ist absolut Velounfreundliches Wetter angesagt. Schneeregen mit heftig böigem Gegenwind und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Bäh, wer braucht denn schon so was? Weiter nördlich ist die Voraussage zwar nur ein bisschen besser, aber immerhin. Beflügelt von unserem letzten Zugserfolg wagen wir eine weitere Eisenbahnetappe. Für einmal kommt uns der aktuelle Nordwestwind zugute und schiebt uns kräftig an. Und siehe da, schon wieder klappt es prima. Wir dürfen mit im Zug von Valladolid bis nach San Sebastian/Donostia. Dort verkriechen wir uns für ein paar Tage im schön warmen Hotelzimmer und geniessen den Ausblick auf das tobende Meer. Czytaj więcej
05 Der Frühling ruft
22 kwietnia 2022, Francja ⋅ ☁️ 17 °C
Nach den stürmischen und sehr kalten Tagen ist der Gedanke, das warme Hotelzimmer zu verlassen und wieder aufs Velo zu steigen, eher....die gerümpften Nasen verraten es....ungemütlich. Wir werden jedoch überrascht und das Wetter ist viel besser als vorhergesagt. Die Sonne scheint und der Wind noch zu schwach, um die Zähne zum Klappern zu bringen. FRANTZIA wir kommen!
Kaum über der Grenze stossen wir auf die Eurovelo 1 (Fernradweg), die, ganz nach französischer Manier, hier einen anderen Namen hat -> la Vélodyssée. Wir werden ab sofort auf einem separaten Weg geführt; meist ein ca. 2 m breiter, asphaltierter Weg abseits der Strasse, selten direkt neben der Strasse. Bei der Fahrweise der französischen Autofahrer eine richtige Wohltat.
Wir radeln unbeschwert gen Norden, die schneebedeckten Pyrenäen werden immer
kleiner und wir tauchen in die weitläufigen Pinienwälder von Südwestfrankreich ein. (Kleiner Wissenseinschub: "la Pinhada" wurde im 19. Jahrhundert gepflanzt, um der Versandung entgegenzuwirken. Heutzutage erstreckt sich der Wald auf über 950'000 ha Fläche (1,5 x Kanton Bern), die Bäume sind alle in Reih und Glied)
Der Weg schlängelt sich durch die unendlich scheinenden Baumreihen. Die Autostrasse ist fernab und wir hören nur den Wind durch die Baumwipfel rauschen. Vogelgezwitscher gibt es keines und auch sonst sehen wir keine Tiere, nur ab und zu Wildschweinspuren. Irgenwie bedrückend... wir sind in einem wahnsinnig grossen Waldgebiet, aber ausser den Nadelbäumen sehen wir nur noch Stechginster. Die Monokultur lässt grüssen.
Eines Morgens, das Nasenspitzli kalt aus dem Schlafsack lugend, ist der Elan zum Aufstehen nicht da. Mit einem zusammengekniffenen Auge auf die andere Seite gespäht, versichert einem, dass es beiden gleich geht. "Brr, das ist a....kalt", raunt es aus Saschas Penntüte. Das Gegrummel von gegenüber bestätigt das Gesagte. Irgendwie schaffen wir es doch, uns rauszulümmeln. Ach, siehe da, die Zeltwand ist gefroren. Kein Wunder "heds hert".
Der Gegenwind ist ein ständiger Begleiter, selten sind die Tage ohne. Doch dank den Bäumen ist es meist nicht so schlimm. Trotzdem fühlt sich Sascha nach einem ausgiebiegen Windbreakertag sehr müde und spürt ein leichtes Kratzen im Hals. Die Wetterprognose mit viel Regen und Sturmwind bekräftigt uns, am nächsten Tag ein Mobilheim für zwei Tage zu mieten. Aus zwei Tagen wurde mehr als eine Woche... Corona zwang uns zu einer Pause. Glücklicherweise haben wir es gut überstanden.
Auf unserer endlos scheinenden Fahrt durch die Wälder kommen wir an der berühmten "Dune du Pilat" vorbei. Besser noch, wir schlagen unser Zelt gleich unterhalb dieser "grössten Wanderdüne Europas" auf. Wir erklimmen die ca. 100 m hohe Düne auf der windabgewandten, sehr steilen Seite und erfreuen uns über die sensationelle Aussicht. Wow, vor uns der weite Atlantik und als ob wir es bestellt hätten, segelt ein alter Dreimaster durch die zauberhafte Szenerie mit Sonnenuntergang.
Immer weiter Richtung Norden, immer im Wald, selten ein Blick aufs Meer obwohl wir das Rauschen oft vernehmen - so vergehen einige Tage... Nach einer weiteren Fährfahrt über die Girondemündung, kurz nach Royan, ändert sich die Landschaft grundlegend. Es gibt Landwirtschaft, kleine Laubwälder und bunte Blumenwiesen. Rund um uns summt und brummt es, die Vögel zwitschern um die Wette. Ein durch uns aufgescheuchtes Auerhuhn flattert ins hohe Gras und ist sofort "unsichtbar". Eine riesige Bisamratte knabbert 5 m vor uns genüsslich an den saftigen Grashalmen und lässt sich durch uns nicht aus der Ruhe bringen (und nein, Schübeli, sie hat uns auch nicht angegriffen). Wir sind ob den neuen und vielfältigen Eindrücken ganz entzückt.
In La Rochelle unterbrechen wir unsere Reise. Ein guter Freund von uns ist tödlich verunfallt. Wir möchten uns von ihm verabschieden und reisen dafür in die Schweiz zurück. Chöme, wir tragen dich in
unseren Herzen bei uns. Czytaj więcej
06 Die Reise geht weiter...
1 maja 2022, Francja ⋅ ☁️ 16 °C
Wir sind wieder in Versailles und planen die Weiterreise. Wohin geht es wohl als Nächstes?
Übrigens: Unsere Route kann mit Klick auf die Weltkarte (oberhalb unseres Profilfotos, im Hintergrund) angesehen werden. Czytaj więcej
07 Echte Fritten und belgisches Bier
6 maja 2022, Belgia ⋅ ⛅ 18 °C
Gut eingeschaukelt vom langen Zugfahren in die Schweiz und zurück, schaukeln wir gleich noch ein bisschen weiter bis nach Maubeuge, nahe der belgischen Grenze. Ab da ist zur Abwechslung mal nicht Meeresküste sondern Flüsse und Kanäle angesagt. Gut eingebettet zwischen sanft geschwungenen Hügeln schlängelt sich die Sambre durch das grüne Belgien. Kühe, Laubbäume, Vögel und hübsche kleine Örtchen säumen unseren Uferweg zu Beginn. Einige Kilometer vor Charleroi verziehen sich die Hügel und das Bild ändert drastisch. Stahl- und ehemalige Kohleindustrie dominieren das Gebiet flussabwärts, das grüne Flussufer weicht einem betonierten Bett. Berge von Altmetall und schneeweissem Soda werden mittels Flussfrachtschiffen an- bzw. abtransportiert. Die Blütezeit der hiesigen Industrie ist jedoch seit den 60er Jahren vorbei, wie an den zahlreichen verlassenen Fabriken, der heruntergekommenen Stadtgebäude und den vielen leerstehenden Ladenlokalen unschwer zu erkennen ist. Als Reiseführerlesemuffel trifft uns dieser abrupte Wechsel der Umgebung ziemlich unvorbereitet, wer hätte gedacht, dass wir sogar in Westeuropa einen kleinen Kulturschock erleben können. Fairerweise muss zu Charleroi gesagt werden, dass die Stadt dabei ist, sich wieder zu fangen. Eine Uni und die Erschliessung anderer Wirtschaftszweige bringen sichtbaren Aufschwung. Im Zentrum sind hier und da Bauarbeiten im Gange und gemäss den Einheimischen solle die Erscheinung der Stadt in ein paar Jahren schon eine ganz andere sein.
Szenenwechsel: Es ist kurz nach 17 Uhr, als wir die Stadt Namur hinter uns lassen. Wir haben Wasser gefüllt und wollen in einigen Kilometern wild zelten, denn Campingplätze gibt es keine in der Nähe. "Vous allez où?" schallt es plötzlich von links. Adrien ist mit seinem E-Bike auf dem Nachhauseweg von der Arbeit als er sich durch unser vollbepacktes Erscheinungsbild an seine eigene vergangene Veloreise erinnert. Nach kurzem Plaudern lädt er uns ein, bei ihm Zuhause im Garten zu übernachten. Obwohl sein Heim nicht ganz am Weg liegt, müssen wir nicht zweimal überlegen. An diesem Abend kommen wir in den Genuss von einem leckeren Znacht, netter Unterhaltung und natürlich kommt auch das tolle belgische Bier nicht zu kurz.
Ausgestattet mit neuen Routentipps kehren wir nicht zurück zum industriell genutzten Flussabschnitt, sondern kurven entlang verschlafener Dörfer mit top instand gehaltenen Steinhäusern und unzähligen Schlössern in Richtung Ardennen, dem östlichen Waldgebirge in Wallonien. Diese Gegend ist wunderschön. Czytaj więcej
08 In the dutch mountains
17 maja 2022, Holandia ⋅ ☁️ 21 °C
"Holland ist flach, mit endlosen Wiesen und durchzogen mit einem Netz von schmalen, gerade verlaufenden Kanälen, zwischendurch ist in der weit überschaubaren Ebene eine alte Windmühle zu sehen. Alles in allem recht langweilig.", so sah Holland in unserer Vorstellung aus. Wir wollten es schon fast aussen vor lassen, aber da es direkt auf unserer Route lag, dachten wir: "Nun denn, durchfahren wir es halt kurz."
Jetzt, ein paar Wochen älter und einige Erfahrungen reicher müssen wir unsere Meinung klar revidieren.
Ja, Holland ist flach - Aber es gibt sie die "Dutch mountains", genau wie von The Nits besungen. Die sanft hügeligen Erhebungen liegen zu unserem grossen Amusement in einer Gemeinde mit dem Namen Berg en Dal.
Ja, Holland hat viele Wiesen - Und viele Bäume und Wäldchen und Bächlein und Tümpel und Kühe und das ganze ist richtig abwechslungsreich zum Schauen. Natürlich tragen auch die vielen Pferde mit den langbeinigen, stacksigen Fohlen an ihrer Seite dazu bei, Thes immer wieder ein Lächeln auf's Gesicht zu zaubern.
Ja, Holland hat auch viele Kanäle - Und Flüsse. Oft gesäumt von kleinen und grösseren Siedlungen. Die Backsteinhäuser, gelegentlich mit Rieddächern und oft mit zum neidisch werden viel Umschwung, sind eine wahre Augenweide.
Und ja, wir durften auch ein paar der nostalgischen Windmühlen bewundern (die sich dann meist in IN den Orten befinden).
Zudem sind die Begegnungen mit den wirklich sehr offenen und freundlichen Niederländern erfrischend. Täglich werden wir angesprochen und wir plaudern über dies und jenes. Natürlich sind sie extrem an unserer Reise interessiert, sind wir doch auf einem für sie "normalsten Fortbewegungsmittel" unterwegs. Noch lange werden wir z. B. an das pensionierte Päärchen (Er: 77 Jahre, Sie: nur unwesentlich jünger) denken, die ebenfalls immer noch mit Zelt und Velo unterwegs sind und uns auch gute Tipps auf den Weg mitgegeben haben.
Apropos Velo: In den Niederlanden ist das Velowegsystems (fietsknoop.nl) echt genial. Ob mit der App oder analog unterwegs, du kannst auf einfachstem Wege deine Route planen und gehst nicht verloren. So fährt es sich extrem entspannt durchs ganze Land. Und wenn dein Ziel mal abseits von den ausgeschilderten Veloknotenpunkten liegt? … kein Problem, es wird so oder so einen Veloweg geben. (Sascha würde unsere Politiker gerne mal zu Zwangsveloferien hierhin schicken, damit die mal sehen könnten, was alles, auch bei engen Platzverhältnissen und innerorts, möglich ist)
Und wenn wir denn schon beim Schwärmen sind, nach Frankreich sind die Campingplätze in Holland eine wahre wohltat. Egal ob Minicamping auf dem Bauernhof oder Ferienpark, die Plätze inklusive Sanitäranlagen sind in top Zustand und immer sauber. Sogar Toilettenpapier und Handseife sind vorhanden (etwas das in F nicht zum Standard gehört).
Kurzum, wir sind begeistert von Holland. Czytaj więcej
09 Moin Moin
27 maja 2022, Niemcy ⋅ 🌧 11 °C
Fast wehmütig verlassen wir unser bisheriges Veloreiselieblingsland Holland. Als nächstes liegt Norddeutschland auf dem Weg, für uns schon wieder ein völlig unbekanntes Pflaster. Das tolle Knotenpunktsystem der Niederländer hat sich etwas über die Grenze hinaus ausgebreitet, so dürfen wir dieses „easy riding“ noch zwei weitere Tage geniessen. Obwohl die Häuser nach wie vor aus Backsteinen gebaut und gelegentlich mit Ried gedeckt sind, sehen und fühlen wir den Länderwechsel. Die Häuser sind etwas geradliniger, die Siedlungen ein wenig nüchterner mit weniger Bäumen. Schön ist, dass wir jedes Schild und jede Speisekarte sofort verstehen. Und wie in den Niederlanden wird hier immer gegrüsst. Das „Moin moin“ geht uns schnell ins Blut über.
Wir sind erstaunt, wie sehr die Landschaft über Jahrhunderte durch den Menschen gestaltet wurde. Grob gesagt, zwischen Holland und Hamburg war einmal Sumpf. Über Generationen hinweg wurde dieses Moorgebiet durch Kanäle entwässert und somit landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Entlang dieser Kanäle sind Siedlungen entstanden. Diese sogenannten Fehnkolonien erstrecken sich oft über Kilometer hinweg und je eine Häuserzeile ist dabei wie eine Perlenkette links uns recht vom Fluss aufgereiht.
Da das flache Land ungefähr auf Höhe des Meeresspiegels liegt, ist die gesamte Küste und jeder Fluss mit einem Damm eingefasst um das Land vor Springfluten zu schützen. Die schiere Menge an Material und Arbeitskraft um diese Barrieren zu errichten, ist für uns unvorstellbar.
Und nebst der schönen Landschaft und den angenehmen Menschen wäre da dann auch noch das Nordsee-Wetter, welches uns nicht ganz so freundlich empfängt. Wir lernen so ziemlich alle Facetten kennen, vor allem was den Wind betrifft. Die Windräder winken zwar, zeigen uns aber meist die kalte Schulter oder komplett den Rücken (studier studier... ja, richtig, GEGENwind). Sascha meint dann immer, er müsse den starken Mann markieren und fährt tapfer vorneweg um als geliebter Windbreaker zu agieren. Dies wird auch ohne Zweifel sehr von Thes geschätzt, nur manchmal geht's dann eben nicht ohne Gebrummel von vorne. Dies wiederum kann zu lustigen Situationen führen, da hinten durch das Ohrenrauschen nicht verstanden wird, was vorne gegrrrrt wird... Doch oh wahrhaftig, es geht auch anders: An einem Tag winken uns die Windkraftanlagen zu, zeigen uns ihr freundliches Gesicht und wir rauschen nur so übers flache Land. Das Grinsen ist dabei fast nicht mehr wegzukriegen, fast vergessen sind die etlichen Velotage, wo es anders war. Und der Wind nimmt immer mehr zu, wir werden schneller und schneller. Ist das der Velohimmel? Nein, so dann doch nicht, denn am nächsten Tag..... dreht der Wind um 180°..... Bei Windstärke 6 (um die 45 km/h) und Böenspitzen bis 65 km/h ist ein Vorankommen nicht nur äusserst mühsam, es wird auch noch gefährlich. Wir tragen unsere Stahlrösser ein erstes Mal über einen frisch entwurzelten Baum und suchen uns doch lieber eine Unterkunft (für den morgigen Tag ist Sturm vorausgesagt). Zum Glück werden wir bei einem alten Fährhaus fündig. Mol mol, so in der Wärme mit Ausblick auf einen Fluss sind die Gewitter und Sturmböen schön anzuschauen.
So kommen wir wieder einmal mehr ums Gröbste herum. Aber ein wenig nagt es schon am Gemüt, wenn die Temperaturen nicht über 15° wollen und einem ständig ein frischer Wind entgegenbläst. Jeden Mittag suchen wir uns ein möglichst windgeschütztes Plätzchen um nicht gleich vollends auszukühlen, am Abend wird die heiss geliebte Daunenjacke zum wichtigsten Kleidungsstück. Wenigstens bleibt es meist trocken (oder wir umgehen Gewitter mit einem schier unglaublichen 9. (!) Sinn). Auch hier gibt es die berühmte Ausnahme. Im nördlichsten Eck von Norddeutschland erwischt uns ein Regenguss der übelsten Sorte. Es schifft und chutet in Strömen, die ach so gelobte non-plus-ultra Regenbekleidung kommt arg an ihre Grenzen und der Lätsch im Gesicht spricht Bände. Wir kämpfen uns einen Hügel hinauf, die Strasse ist mehr Bach wie Fahrweg. Nur noch ein paar Kurven und wir sind am heutigen Ziel, einem Bauernhof, der eine kleine Zeltwiese hat. Ah, endlich, da ist er und super, da hat's auch einen Unterstand. Nix wie hin. Der Bauer ist ebenfalls unter dem trockenen Dach und werkelt an seinem Auto rum. Als erstes grinst er uns an und meint, wir hätten uns auch das beste Wetter zum Radeln ausgesucht. Und als zweites? Ha, da bietet er uns doch sofort ein regionales Bierchen an. Der Lätsch von Sascha verwandelt sich in ein dümmliches Grinsen, was Thes auch sofort erheitert. Czytaj więcej
10 Jeg taler ikke dansk*
4 czerwca 2022, Dania ⋅ ⛅ 20 °C
*sagt die Dame in der Übersetzungsapp auf unsere Frage, was denn “Ich spreche kein dänisch“ heisst. Mit grossen Augen schauen wir uns an. „Wie bitte?“ Das müssen wir uns gleich nochmals anhören, und ein drittes Mal, bis wir endlich den einfachen Satz ein wenig nachplappern können. Wir sind es uns gar nicht gewohnt, so überhaupt nichts zu verstehen. Spanien war toll, da konnten wir unsere Sprachkenntnisse aus den Tiefen der Erinnerung hervorholen und sogar anständig kommunizieren. In Portugal lief es mit den Spanischkenntnissen auch ganz ok, jedenfalls haben wir die Leute, wenn sie langsam mit uns sprachen, gut verstanden. Frankreich und Belgien kamen wir mit français sehr gut durch. Holland, nun ja, holländisch können wir auch nicht, doch auch hier kann man einiges verstehen, wenn man gut zuhört. Aber in Dänemark.... in der kurzen Zeit gelingt es uns jedenfalls nicht, ein Gefühl für die Sprache zu entwickeln. Und entgegen der Annahme, in DK könnten alle englisch, werden wir eines besseren belehrt. Liegt es wohl daran, dass wir durchs ländliche und doch sehr hügelige Dänemark fahren und nicht an der touristischen Küste?
Im kleinen Königreich Dänemark ist wild zelten streng verboten und wie uns ein Tourenfahrer bereits vorgewarnt hat, sind die Campingplätze horrend teuer. Doch dafür gibt es hier die Shelter – offizielle Übernachtungsplätze; manchmal ein hölzerner Unterstand, eine „Fyrhytte“ oder ein Platz wo man sein Zelt aufstellen darf. Es gibt dazu auch eine App, die das Planen echt zum Kinderspiel macht. (Jaja, auch wir sind inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen und benutzen das Handy für solche Sachen. Aber hey, wir haben immer noch eine echte Strassenkarte dabei!)
Wir sind richtige Fans der Shelter geworden. Im Holzkabäuschen schläft es sich ziemlich gut, das Feuer wärmt, der stetige Wind wird abgehalten und die friedliche Natur erledigt das Übrige. Was will man mehr? Apropos mehr... Eines kühlen Abends sitzen wir gemütlich am Lagerfeuer vor unserem Shelter. Zufrieden ruht unser Blick, über den leeren Grillrost hinweg, auf den fröhlich tanzenden Flammen. Heute ist es soweit, Thes kann den sehnsüchtigen Schimmer in Saschas Augen und die Söifertropfen an seinem Mundwinkel nicht mehr ignorieren. Für morgen darf endlich ein Stück Grillfleisch auf den Speiseplan. Einzige Bedingung von Thes: "Bio muss es sein".
Gesagt getan, steuern wir also am nächsten Morgen (Sascha bereits mit einem leichten Geschmack der Vorfreude auf der Zunge) einen grösseren Supermarkt an. Beim Durchsehen der zahlreichen Fleischkühltruhen können wir auf Anhieb kein Biosiegel entdecken. So fragt Thes bei einem jungen Mann hinter der Fleischtheke nach. Nach einem Blick aus grossen Augen wendet er sich hilfesuchend an seinen älteren Kollegen. Dieser weiss sofort wo das gewünschte Produkt zu finden ist und wir werden mit etwas Stolz zum einzigen Vegiburger im Geschäft geführt. Als wir dem Verkäufer nun erklären, dass wir Bio-Fleisch und kein Vegiprodukt suchen, werden wir mit völlig verständnislosem Blick gefragt, worin denn da bitte der Unterschied liege! Somit bleibt unser Grillrost auch an diesem Abend wieder leer...
Fairerweise muss noch angefügt werden, dass sich in Dänemark durchaus auch Bio Produkte finden lassen, man muss einfach wissen wo.
Wir sind in den südlichen Ausläufern des Wikingergebietes angelangt. Runensteine, Grabhügel und glückbringende fliegende Modellschiffe in Kirchen zeugen noch von diesen Zeiten. Heutzutage treiben hier aber ganz andere blutrünstige Kreaturen ihn Unwesen. Unser heutiger Zeltplatz liegt irgendwo zwischen Wald und Wiese und wurde lange nicht mehr benutzt. Aber es hat sogar einen gemütlichen Tisch, also Luxus pur. Das hohe Gras ist auch kein Hindernis und so stellen wir unser Zelt auf, essen gemütlich eine Riesenportion Chili, geniessen den windstillen Ort und lauschen den Vögeln bei ihrem abendlichen Konzert. Erschöpft legen wir uns ins Zelt und nach wenigen Seiten Lesen verschwimmen die Buchstaben .... Am Morgen, die Augen noch kaum geöffnet, sieht Thes zwei Zecken am Innenzelt hochkrabbeln. Uh hoppla, da sollten wir uns doch auch kurz abchecken... Insgesamt finden wir sage und schreibe 13 dieser kleinen lästigen Blutsauger die sich an uns gütlich tun. Tia, der Lauf der Natur: „Fressen und gefressen werden“. Da hilft nur ein kleines Bier, das hier im 5 dl Glas serviert wird. Czytaj więcej
11 Endlich in Skandinavien
20 czerwca 2022, Szwecja ⋅ ⛅ 20 °C
Eigentlich steuern wir seit langem den Norden von Dänemark an, um die Fähre Hirtshals- Kristiansand (Nor) zu nehmen. Eigentlich erzählen wir dies auch allen Leuten, die uns die letzten 4 Monate gefragt haben, wohin es denn gehen soll - Norwegen, die Küste hoch, evtl. bis zum Nordkapp und dann irgendwie wieder südwärts.
Eigentlich.....
Eine Tagesetappe vor Hirtshals werfen wir unsere Pläne ganz vondu-like über Bord, biegen "rechts" ab nach Frederikshaven und nehmen die Fähre nach Göteborg. Schweden wir kommen.
Die Fahrt verläuft trotz trübem Wetter ruhig. Kein grosses Geschaukel, keine grünen Gesichter. Wir sitzen im Bordcafé, schlürfen an unseren heissen wie kalten Getränken und beobachten ein wenig die anderen Passagiere. Dem Sing-Sang nach hat es fast nur schwedisch Reisende. Wir wundern uns noch, warum hier soviele Leute mit leeren Sackkarren unterwegs sind. Als dann der Duty-free Laden öffnet, geht uns ein Lämpchen an. Sie kaufen en-gros Alkohol, meist Kistenweise Bier und Wein. Ah ja, da war doch noch was. Alkohol ist doch im Schweden so teuer, oder? Anscheinend gibt es hier viele Passagiere, die schnell mit dem Schiff nach Dänemark schippern um sich auf der Rückfahrt einzudecken. Alles in allem ein Ausflug, der sich in 8 Std. bewältigen lässt (wie sich später herausstellt, ist der Alkohol gar nicht so viel teurer als bei uns. Jedoch ein wenig komplizierter zu bekommen, da alles, was mehr als 3.5% Vol. hat, nur von den staatlichen "Systembolaget" verkauft werden dürfen)
Nach einem Kurzaufenthalt in Göteborg stechen wir nordwärts und tauchen in die Schärenwelt ein. Die Landschaft entlockt uns viele Ahs und Ohs, zwischendurch erschallt auch ein sooo schööön. Die vielen kleinen und grossen Inseln, welche sich sanft aus dem Wasser heben, sind eine wahre Augenweide. Hier eine romantische Bucht, da eine Felsformation, die die Fantasie beflügelt. Und zwischendrin.... eine Segelyacht. Sascha bekommt den sehnsüchtigen Hundeblick und möchte diese Naturschönheiten auf dieselbe Weise entdecken. Die Vernunft siegt (oder mangels genügend Kenntnissen und "Möglichkeiten") und wir bleiben bei unseren edlen und treuen Stahlrössern. Auch so sind wir beide begeistert und können es wieder einmal kaum fassen, was die Natur alles zu bieten hat.
Mit ein wenig Wehmut verlassen wir die Küste und pedalen nordwärts durch Streusiedlungen und Wälder. Langsam erhöhen wir unsere Aufmerksamkeit, spitzen die Ohren besonders, schauen häufiger links und rechts. Die Elchschau kann beginnen. Da, ein Knacken im Gebüsch - eine Elster. Dort, ein dunkler Umriss im düsteren Wald - ein Ameisenhaufen. Das ständige Auf-der-Hut-sein ermüdet zusätzlich und Schlafschwierigkeiten kennen wir beide, auch wenn es nie mehr richtig dunkel wird, keine. Ah ja, und Elche, die haben sich bis jetzt extrem gut vor uns versteckt.
An einem dieser wunderbaren schwedischen Sommertage mit 22° C, Sonnschein und wenig Wind, kommen wir doch tatsächlich wieder mal bei einem kleinen Ort vorbei, wo es sogar ein Café gibt. Ja, die Cafés und Restaurants sind hier wirklich rar. Ist ja auch kein Wunder, das Land ist teilweise wirklich sehr dünn besiedelt. Auf alle Fälle legen wir sofort einen Stopp ein und gönnen uns ein kühles Getränk und Kuchen. Frisch gestärkt radeln wir noch ca. 17 km weiter bis wir an einem See landen, so mit kitschiger Bucht und so (wunderschön). Plötzlich merkt Sascha, dass das Langarmshirt von Thes, welches er beim Café als Sonnenschutz über die Essenstasche gelegt hat, nicht mehr da ist... Hmm, zurückfahren und das teilweise schon löchrige und geflickte Shirt suchen oder einfach "gut sein" lassen und in der nächsten, nur noch 100 km entfernten Kleinstadt einen Ersatz kaufen?
Am nächsten Tag, das Velo von den Taschen befreit, jagt der im Kopf noch immer ein wenig Velokurier/bald-50er über die Strassen zurück und findet das Shirt am Eingang des oben erwähnten Cafés. Voller Stolz über die nur 40 Minuten für die wirklich hügeligen 17km dreht er um und gibt noch einmal alles. Hahaaa, dieses Mal nur 35 Minuten. Mit aufgeplusterter Brust übergibt der (leicht) japsende Sascha das Shirt der wartenden Thes. Czytaj więcej
12 Ferien vom Velofahren
3 lipca 2022, Szwecja ⋅ ⛅ 18 °C
Viele Pläne hatten wir für diese Reise ja nicht. Ausser, dass wir in Skandinavien Kanufahren wollen. Und nun ist es endlich soweit. Nach einigem Suchen entscheiden wir uns für eine einwöchige Kanutour nördlich vom Vänernsee (das ist dieser riesengrosse See auf der Landkarte zwischen Oslo und Stockholm).
Ausstaffiert mit einem robusten Alukanadier, Gepäcktonne, Paddel, Schwimmweste, Kanuwagen und einem Routenbeschrieb sind wir parat für unsere Ferien vom Velofahren. Läck das Puff, bis wir alles, was mit muss, von den Velotaschen in kanutaugliches Gepäck ummodelliert haben. Irgendwann vor dem Mittag hat dann doch alles seinen Platz gefunden und es geht endlich los.
Unsere Tour verläuft mehr oder weniger in einem Kreis über viele kleinere und grössere Seen. Kurz nach dem Start werden wir bereits zum ersten Mal auf die Probe gestellt. Die schmale Passage zwischen dem ersten und zweiten See ist mit schwimmenden Inseln „verstopft“. Vom Kanuverleiher wurden wir vorgewarnt, dass dies je nach Wind der Fall sein kann. Wir sollen dann einfach aussteigen und das Kanu über die Insel ziehen. Was so simpel klingt, ist in Realität eine echte Herausforderung. Die Gras, Moos und Busch bewachsenen Inseln sinken beim Betreten etwas ab (je nach Gewicht des Betreters halt auch ein bisschen tiefer ;-) ). Das Boot ist sehr schwer, die Inseln wabbelig, die Armmuskeln vom Velofahren nicht ganz so stählern und die Kommunikation hat auch noch Verbesserungspotential. Als unser schwimmender Untersatz dann endlich wieder im Wasser treibt, sind wir tropfnass, ziemlich ausgepowert und hatten uns auch schon mal lieber.
Zum Glück ist es heute hochsommerlich warm, die Wassertemperatur lässt mit etwa 22°C an die Karibik erinnern und zum Übernachten finden wir einen traumhaften Platz auf einer einsamen Insel (diesmal eine fixe mit Bäumen drauf). So sind wir schnell wieder versöhnt und geniessen den lauen Abend.
Nach zwei Sonnentagen ist Regen angesagt. Der Wetterumschwung bringt eine kribbelnde Überraschung mit sich. Knott werden sie in Schweden genannt. Angelockt von unserem leckeren Duft und der attraktiven Optik wartet morgens eine ganz Armada von Kriebelmücken vor unserem Zelteingang. Kaum draussen fliegen sie uns in Augen und Ohren und beissen uns an allen Ecken und Enden. Lago mio sind die mühsam. Innert kurzer Zeit machen sie uns ganz wuselig. Wo wir normalerweise morgens viel Zeit brauchen bis wir startklar sind, geht das Abräumen und Einpacken nun plötzlich ganz schnell. Einfach weg vom Ufer und raus auf den See. Aaahhh... hier ist es besser.
Leider verziehen sich die kleinen blutrünstigen Plagegeister nicht mit den Regenwolken, sondern bleiben uns ab da an allen windstillen Orten erhalten.
Oh Wind, der du unser treuer Begleiter schon seit langem bist, endlich lernen wir deinen Segen kennen!
Somit verlegen wir ab sofort alle möglichen Aktivitäten aufs Wasser. Frühstücken, Kaffeekochen, Relaxen und vieles mehr lässt sich mit etwas Übung prima auf dem Kanu durchführen. Wären da nur nicht diese täglichen menschlichen Bedürfnisse. Was rein geht, muss auch wieder raus und das nach anständiger Outdoorregel mindestens 100 Meter vom Wasser entfernt und gut verscharrt. Durch das Umherstreifen auf der Suche nach dem geeigneten ruhigen Örtchen und das anschliessende Lochbuddeln werden jeweils alle im Umkreis schlummernden Blutsauger auf den Plan gerufen und die folgende Erleichterung demzufolge nicht ganz so erfreulich. Mit Wonne zählt Sascha nach einem solchen „Ausflug“ ganze 27 juckende rote Punkte rund um Thes Hintern.
Nach einer intensiven Woche kehren wir zurück ins Kanucamp. Das Kanu hat uns ermöglicht fernab aller Strassen an unbewohnte Seen zu gelangen. Spiegelklares Wasser, traumhafte einsame Übernachtungsplätze und nur den Ruf der Möwen und Seetaucher bleiben uns von unseren „Ferien“ in wunderbarer Erinnerung. Czytaj więcej
13 Hejdå Sverige
26 lipca 2022, Szwecja ⋅ 🌧 14 °C
Frisch frisiert wechseln wir nach der Kanuwoche wieder auf unsere treuen Weggefährten. Das nächstgrössere Etappenziel hat sich automatisch durch unsere Erfahrungen mit der hiesigen Insektenwelt ergeben. Anstatt direkt gegen Norden zu stechen, ist der neue Kurs eher Nordost – ab ans Meer! Dort hat es bekanntlich weniger von den Plagegeistern, die uns zeitweise den letzten Nerv gekostet haben. Ausserdem gibt es an der Küste auch wieder einmal eine Stadt. Nicht dass wir die vielen Menschen und Häuser vermisst hätten. Nein, es ist einfach so, dass uns noch ein wichtiges „Ausrüstungsteil“ fehlt – ein Moskitonetz für den Kopf steht auf der Wunschliste zuoberst. Unglaublich, aber das ist hier in Schweden gar nicht so einfach zu bekommen.
Am bottnischen Meerbusen (wer hat in Geographie aufgepasst?) angekommen, ändern sich unsere Pläne schon wieder. Liegt es an der frischen Seeluft, am sehr tiefen Salzgehalt des Wassers, oder verspüren wir einfach wieder einmal Lust auf....?
Zuggeschichten, Episode 327:
Der hohe Norden ruft unüberhörbar, die Kilometer dahin noch so viele. Was liegt da näher, als einen Teil davon auf Schienen zurückzulegen? Im Internet wurden wir auch fündig; es gibt Zuggesellschaften, die Velos transportieren...auf gewissen Linien...in gewissen Zugkompositionen. Nur welche das genau sind – Fehlanzeige. In Sundsvall, einer Stadt mit immerhin 60'000 Einwohnern, steuern wir voller Vorfreude den Bahnhof an. „Die werden uns sicher DIE Auskunft geben können“, so unser beider Meinung. Doch wie sagt man so schön: „Weisch wer meint?“ Das Bahnhofsgebäude ist sehr schön renoviert, sauber und recht belebt. Schalter gibt es keinen (mehr). Aber da, da ist doch ein Infopoint. Nun ja, entpuppt sich als kleiner Touch-Bildschirm. Und alles in Schwedisch. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Klar, Schweden ist an einem anderen Punkt, was den Gebrauch von Handy & Co. anbelangt, aber in einer Stadt? Tickets online kaufen ist nicht schwierig, aber es gibt doch sicher noch andere Spezialfälle, die eine Auskunft benötigen. Nun denn, es gibt ja noch das Telefon. Also Nummer gewählt, die Bandansage knapp verstanden und die 9 gedrückt für Englisch... es klingelt... oh, wieder eine Bandansage, aber wieder in Schwedisch.....
Bisschen frustriert steuern wir ein Restaurant an. Wenigstens wollen wir die Vorzüge einer Stadt auskosten. Am Eingang werden wir freundlich empfangen und gefragt, ob wir das erste Mal hier seien. Ja ja, ist unsere Antwort. Dann werden wir aufgeklärt, dass wir zuerst eine App herunterladen müssen, dort können wir einen Tisch reservieren und dann muss auch die Bestellung und Bezahlung über die App laufen. „GÅHT'S NO“, hämmert es durch unsere Köpfe. Mit schiefem Lächeln drehen wir auf den Absätzen um, suchen uns ein „normales“ Restaurant und werden dort köstlich verwöhnt!
Kurzerhand beschliessen wir, ein Auto zu mieten. Innerhalb von wenigen Minuten haben wir ein Gefährt gebucht. Dieses beladen wir am nächsten Tag mit unserem ganzen Gerümpel und fahren ab in den hohen Norden, wieder weg vom Meer. Die Kilometer schmelzen nur so dahin. Die Musik schallt aus den Lautsprechern und wir singen voller Inbrunst mit. Ja, auch so kann man unterwegs sein.
In Kiruna, es regnet in Strömen und ist recht frisch, entladen wir voller Motivation unsere Velos aus dem Kombi und verabschieden uns von diesem. Glücklicherweise finden wir nach kurzer Fahrt ein supergemütliches Café. Wir entdecken lokale Spezialitäten wie Lachslasagne und Backed Potatoe mit Rentier (beides sehr lecker) und nachdem der Hunger gestillt, der Durst gelöscht ist, ist die Welt auch wieder in Ordnung.
Die Kleinstadt selbst vermittelt einem einen, sagen wir, komischen Eindruck. Viele Häuser stehen leer, sind nicht gut in Schuss. Einkaufsläden haben grosse Ausverkaufsschilder aufgehängt. Bald erfahren wir auch wieso. In Kiruna ist die grösste Eisenmiene der Welt. Da im Tagbau schon seit den 50er Jahren nichts mehr zu holen ist, buddeln sie immer tiefer. Und die ertragreichsten Vorkommen befinden sich.... unter der Stadt. Es gab auch schon kleine Erdbeben. Der Stadt blieben zwei Möglichkeiten: Miene aufgeben oder die Stadt. Und wen wundert's, die Miene darf bleiben, denn ohne diese gibt es für die Stadtbewohner keine Lebensgrundlage. Die Stadt indes wird um 5 Kilometer „verschoben“. Das nennen wir mal zügeln für Fortgeschrittene. Das neue Stadthaus steht schon am neuen Ort und der Kern mit den Geschäften und Restaurants zieht im September an den neuen Ort. Die Wohnquartiere folgen in den nächsten Jahren.
Von Kiruna bis zur Grenze zu Norwegen sind es nur noch ca. 130km. Die Landschaft hat sich nun definitiv geändert. Links und rechts erheben sich Berge, dazwischen viele Seen und kleinwüchsige Birken säumen die Strasse. Trotz der kalten Temperaturen, dem teils eisigen Wind und dem zwischenzeitlichen Nieseln gefällt es uns ausserordentlich gut. Zur besseren Stimmung tragen sicher auch die kleinen Hütten bei, die es bei einigen Rastplätzen hat. Ideal für ein Zmittag oder Znacht im Windgeschützten und Warmen.
Eigentlich wollten wir in Abisko noch wandern gehen, dort ist der Start-/Endpunkt des berühmten Kungsleden (Königsweg; Weitwanderweg). Doch der Menschenauflauf ist uns doch des Guten zu viel. Das Wandern muss noch warten. Es soll ja im Nachbarland auch sehr schön sein. Aber dazu mehr beim nächsten mal. Czytaj więcej
14 Im Land der Trolle
1 sierpnia 2022, Norwegia ⋅ ☀️ 14 °C
Der Himmel hängt grau und tief über der glatt geschliffenen Felslandschaft. Es ist düster, kühl und nieselt. Wir biegen um einen Steinriesen und sind plötzlich umgeben von diesen trollpatschigen und doch so flinken Wesen. Bei genauer Betrachtung entdeckt man ihre Spuren überall. Hier trollt sich gerade einer zu einem erquickenden Schläfchen zusammen, an der Krete des fernen Berges lassen sich die gezackten Stufen einer Trolltreppe ausmachen und überall liegen versteinerte, überdimensionierte Trollpopel herum. Offensichtlich wandeln diese Kreaturen hier in allen Grössen und Rotzklassen.
Liegt es wohl an der Polarluft oder an den Regen- und Nebelschwaden, welche unsere Sicht verschleiern und Fantasie beflügeln?
Nachdem uns Norwegen erst mal mit der kalten, nassen Schulter begrüsst hat, kommt das Versöhnungsangebot mit drei Tagen Sonne genau richtig. Wir nähern uns den Lofoten via Inselhüpfen von Norden her, so ist unser erstes Eiland Senja. Ooohhh... dunkle, steil aufragende, kantige Berge erheben sich aus dem tiefblauen Ozean. Geschmückt werden sie mit unzähligen Wasserläufen die perlenkettenähnlich über ihre Flanken glitzern.
Jetzt gibt es wirklich keine brauchbare Ausrede mehr um sich vor dem Wandern zu drücken. Roalden, so der Name unseres Zielgipfels. Wir starten direkt am Meer und pflatschen, rutschen, balancieren uns erst mal die ersten paar hundert Höhenmeter durch sumpfigen lichten Birkenwald und weiter über viel Moos und Beerensträucher. Die Vegetation nimmt fortlaufend ab, bis wir etwa drei Stunden später über Geröllfelder den Gipfel auf 820m Höhe erreichen. Wow, welch ein Panorama. Wir sind umgeben von hochalpin anmutenden felsigen Gipfel, geteilt durch kleine Bergseen und umrundet von blauen Buchten mit Sandstränden. Die verschiedenen Vegetationsstufen, welche sich bei uns in den Alpen über mehrere 1000 Höhenmeter erstrecken, werden hier sehr kompakt in ein paar 100 Hm geboten. Wir sind stolz, dass wir den Aufstieg so „locker“ geschafft haben, wo wir doch so gar nicht wandertrainiert sind. Thes zitternde Knie rühren eher von den senkrecht abfallenden Felswänden denn von der Anstrengung.
„What goes up must come down“ dieser Spruch motiviert beim Velofahren immer ungemein. Hier geht der Rückweg jedoch ganz schön in die Beine und wir sind froh, dass sie uns bis ganz nach unten tragen. Nun können wir das Zittern unterhalb der Hüfte wohl nicht mehr auf die furchteinflössende Vertikale schieben 😉
Tags darauf beim Aufstehen und Rumlaufen: “Ooohhh... Aaah...Mmhh... Also hüt fahre mer sicher nid witer!“.
Vor allem jegliche Abwärtsneigungen des Geländes sind besonders schmerzhaft. Die Toilette befindet sich ca. 80Meter und 2 Höhenmeter von unserem Zeltplatz entfernt.
Zweiter Tag danach: „Ömpf, ömpf... Eieiei... Aaauuu... Also höt fahrid mer secher ned witer!“
Wir haben es bereits erwähnt, 200 Höhenzentimeter bis zur Toilette, also ja nicht zu viel trinken!
Dritter Tag danach: „Mmh...!“ Irgendwie sollte es doch langsam möglich sein, beim Gehen nicht mehr wie ein frisch Hüftoperierter mit fehlendem Infusionstropfgestell auszusehen.
Vierter Tag danach .... Czytaj więcej
15 Nass, nass, nass
30 sierpnia 2022, Szwecja ⋅ ☁️ 13 °C
Der Wind rüttelt kräftig am Zeltgestänge, die Himmelsschleusen sind weit geöffnet und die grossen Tropfen trommeln laut auf die dünne Stoffwand, die uns von den ungezähmten Naturgewalten trennen. Aufstehen? Ach nö, da müssen wir jetzt doch wirklich nicht raus. Lieber sich noch ein-, zweimal in der warmen Penntüte drehen und den Gedanken nachhängen. "Das ist der schlechteste Sommer in Norwegen seit 100 Jahren." "Im Juli hatten wir ganze 4 Tage ohne Regen, sonst sind's 20." "Es ist sehr kalt, unglaublich nass und der Wind bläst so kräftig wie sonst nie um diese Jahreszeit." Diese Worte, immer wieder vernommen, hallen nach. Und wir können den Frust der Einheimischen gut nachvollziehen, regnet es draussen noch immer stossweise.
Langsam meldet sich das wölfische Verlangen nach etwas essbarem. Also doch aus dem gemütlichen Sack zwängen. Inzwischen sind wir geübt darin es uns IM Zelt gemütlich einzurichten und zu frühstücken. Das Glück ist uns hold, denn kaum ist der letzte Bissen des Müeslis verschlungen, hört es auf zu regnen. Jetzt aber hü hot. Alles zusammenpacken, Zelt abtrocknen und einpacken. Es reicht sogar noch für Espresso und Tee. So übel startet der Tag ja gar nicht.
Wir fahren in einen der unzähligen Fjorde rein, die imposanten steil abfallenden Felsen sind tief wolkenverhangen. Unser Blick wird immer wieder vom glasklaren, teils türkis schimmernden Wasser angezogen. Doch was ist das da im Wasser? Könnte das eventuell sogar... nein... oder doch? Tatsächlich, nur wenige Meter vom Ufer entfernt schwimmt ein Otter, taucht nach Muscheln und Fischen. Nur kurz können wir den geschickten Jäger beobachten, dann ist er schon wieder fort - das Grinsen auf unseren Gesichtern bleibt da schon länger haften.
Zuhinterst im Fjord begrüsst uns der nächste Schwall von oben. Ganz lieblich sind die ersten Tropfen, ein leichter Sprühregen nur, eigentlich gar nicht wert, die Regenklamotten hervorzuholen. Da kommt aber noch mehr auf uns zu, schwarz und dunkel... Gut eingepackt trotzen wir den unwirtlichen Begebenheiten und sind sogar froh, dass kurz darauf eines dieser langen, dunklen und kalten Tunnels kommt. 3 km ist dieses lang und erfreulicherweise ohne grosse Steigung. Inzwischen erschaudern wir nicht mehr, wenn eines dieser Löcher vor uns ist. Zuviele haben wir durchfahren, eines sogar unter dem Meer hindurch. Die norwegische Küste, das Land der Tunnels und Fähren. Velolicht ist an, einmal tief durchatmen und durch. Dank des spärlichen Verkehrs gar nicht so schlimm. Auf der anderen Seite schüttet es "was es mag". Der Kopf wird noch ein wenig mehr eingezogen, die Nase rümpft schon von alleine und ab durch den nassen Vorhang. "Ist es noch weit bis zur nächsten Fähre? Hoffentlich gibt es dort einen trockenen Unterstand", rauschen die verwaschenen Gedanken durch den Kopf. Nur noch den letzten Hügel erklimmen, dann sollten wir den Hafen bereits sehen können. Oh, die Fähre ist an der Anlegestelle, der Bug weit geöffnet, aber Autos sehen wir keine mehr. Schei..., das schaffen wir nicht mehr, die Fähre legt gleich ab. Trotzdem sausen wir rasant den Hügel hinunter, biegen Richtung Anlegestelle und ein dick vermummter Seebär fuchtelt uns mit den Armen zu. Unglaublich, die Schranke wird für uns nochmals geöffnet, das Schiff wartet. Triefend nass rollen wir in den Bauch des Ungetüms. Tusen tack! Eine Stunde Fährfahrt, im Trockenen und Warmen erhellt unser Gemüt.
So, gut zweieinhalb Monate haben wir nun unserer skandinavischen Entdeckerlust gefröhnt. Langsam erwacht in uns das Bedürfnis auch noch anderen, uns unbekannten Fleckchen etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Ausserdem ertappen wir uns immer mal wieder dabei, wie einer von uns gedankenverloren die Melodie von „Eeh ab in den Süden, der Sonne hinterher...“ vor sich hin trällert.
Zuggeschichten, Episode 328
Anderes Land, neues Glück. Norwegen, auch hier werden Zugtickets online gekauft. Nach ein paar Anläufen sind wir stolze Besitzer von zwei Zugtickets inklusive Velos von Mo i Rana nach Verdal. Tags darauf sind wir natürlich zeitig am Bahnhof. „Wo hält wohl das Zugabteil für die Velos? Müssen wir das Gepäck vom Velo abladen? Wie kriegen wir das am schnellsten hin? Und was wenn der Velotransport doch nicht klappt???“ Jaja, wir sind ein wenig gebrandmarkt, trauen der ganzen Sache noch nicht so wirklich und fabrizieren daher das ein oder andere nervöse Schweisströpfelchen.
Diesen Flüssigkeitsverlust hätten wir uns auch sparen können. Die laute Diesellok rumpumpelt mit fünf Wagons in den Bahnhof, der Kondukteur ist etwas verwirrt über die beiden Velos, da sein schlaues Gerät nichts davon wusste, aber egal, ruck zuck ist alles im Innern des Zuges verstaut und es kann los gehen. 6 Stunden später werden wir rund 400 Kilometer südlich bei untergehender Sonne wieder ausgespuckt. So einfach geht das.
Und da das so wunderbar geklappt hat, machen wir gleich weiter so. Wir haben tatsächlich einen Zug durch Schweden gefunden, welcher mit Velos und online buchbar ist. Für den 1. September haben wir somit den Nachtzug von Östersund nach Malmö reserviert. Süden, wir kommen.
So bleiben uns 8 Tage um nach Östersund zu radeln und den Norden nochmals in vollen Zügen zu geniessen. Bei gut 20°C und strahlendem Sonnenschein will uns das hiesige Wetter wohl noch etwas versöhnlich stimmen. Und als wäre das nicht schon genug, ist es nun soweit. Endlich! Wir fahren durch hügeliges, landwirtschaftlich genutztes Gebiet als Saschas Aura plötzlich aufgeregt zu flimmern beginnt. Er zeigt in Richtung einer Hecke wo soeben ein braunes Hinterteil verschwindet. Wir fahren noch ein paar Meter weiter und spähen um das Gebüsch herum. Zwischen dem Geäst tritt eine wunderschöne Elchkuh hervor. Mit grossen Augen und einem freudigen Gefühl in der Brust beobachten wir, wie das imposante Tier gemütlich über die Wiese trabt, die Strasse quert und dann, erschreckt von einem Auto, durch das nächste Feld davon galoppiert. Mit einem mühelosen Satz springt sie über den Zaun und verschwindet im Wald. Beim Schreiben dieser Zeilen schleicht sich wieder ein glückliches Lächeln auf mein Gesicht.
Die Strasse zum Grenzpass zwischen Norwegen und Schweden schlängelt sich sanft in die Höhe, der angrenzende Fluss glitzert mal spiegelglatt und ruhig vor sich hin um ein paar Meter weiter tosend über Felsen dahin zu rauschen. Wir geniessen nochmals einen wunderschönen, wilden Zeltplatz ganz für uns allein. Auf dem Pass werden wir mit einem Fjäll belohnt. Kilometerweit dürfen wir den Blick über Wollgras, Beerensträucher und teilweise lichten Baumbestand schweifen lassen. Der Herbst hält langsam Einzug und überzieht die ganze Gegend mit warmen Rot- und Goldtönen. Wir können uns kaum sattsehen. So wird uns Skandinavien nochmal in einem sanfteren Licht vorgestellt. Bestimmt wird uns der Ruf des Nordens wieder einmal in diese Gegend ziehen. Czytaj więcej
16 Mit den Kranichen gen Süden
14 września 2022, Polska ⋅ ☁️ 17 °C
Tschgtschgtschgtschg... Das regelmässige Rattern und Schaukeln des Zuges hat uns in unserem Schlafwaggon recht gemütlich durch die Nacht gebracht, bis uns die nette Dame aus dem Lautsprecher um sechs Uhr einen guten Morgen wünscht. Die Lautstärke wurde wohl absichtlich so gewählt, dass auch der hinterst und letzte Siebenschläfer aus seinen Träumen kommt. Eine Stunde später erreichen wir Mälmö in Südschweden bei perfektem Altweibersommerwetter.
Tags darauf machen wir schon den nächsten Gump. In 6 1/2Stunden gehts von Trelleborg (S) mit der Fähre nach Świnoujście in Polen. Haben wir schon in Skandinavien nicht so viel von der Sprache verstanden, so fordern uns die slawischen Sprachen noch bei weitem mehr. Die empathische Distanz zwischen Deutschland und Polen ist noch immer deutlich spürbar, denn obwohl wir uns nur der Grenze entlang bewegen, wird beidseitig fast nur strickte die eigene Sprache gesprochen.
Südwärts folgen wir der Oder. Vor allem das Mündungsgebiet mit dem Stettiner Haff überrascht uns mit wunderschönen Naturschutzgebieten. Seeadler dominieren die Lüfte und in Wäldern und Wiesen werden wir immer wieder von aufmerksamen Rehaugen bespitzelt.
n-ts...n-ts...n-ts schallts durch die Nacht
Wir beide um den Schlaf gebracht
Die Technofreaks lassen's krachen
Uns ist's vergangen, das Lachen.
Wut schnaubend dreht Sascha fast durch, die Ohrenstöpsel helfen einfach nicht gegen das Gewummere. Es dringt durch den ganzen Körper. Dabei wäre doch der Schlaf gerade so dringend nötig nach der heutigen, unerwartet längeren Etappe. Die Toleranzgrenze ist längst überschritten. Gestern hatten wir das Ganze auch schon, an einem anderen Ort, etliche Kilometer weiter nördlich. Und das Wochenende davor auch schon. Gehört das nun einfach dazu, dass man jeden Freitag und Samstag in der Natur die Sau rauslässt und dies mit wirklich verstörendem Bumm-bumm (Melodien sind keine zu erkennen)?
Nun denn, heute haben wir ja extra einen Camping in einem Schutzgebiet ausgesucht, der damit wirbt, dass Musik verboten und die Ruhezeiten ab 22.00 Uhr strikte durchgesetzt werden. Es ist schon nach Mitternacht als sich Sascha doch noch aus dem Schlafsack quält und sich couragiert der Technomeute entgegenstellt. Dazu vorher noch ein paar tiefe Atemzüge genommen (das hilft, die Wut zu zügeln und den Bammel auf die Konfrontation zu dämpfen 😉). Höflich, aber bestimmt sucht er eine verantwortliche Person... niemand von den ca. 30 Leuten fühlt sich angesprochen... Zwar wird versichert, dass die "Musik" leiser gestellt wird, aber das hält ja bekanntlich keine 10 Minuten, der Alkohlpegel ist zu hoch...
Mit gesenktem Haupt (aber ohne blaues Auge) schlendert Sascha zurück zum Zelt und fragt sich dabei noch, ob dies wohl die gerechte Strafe für die eigenen ausschweifenden Partys der Vergangenheit ist.
Zurück im Zelt hilft nur noch eines: Kopfhörer rein, Meeresrauschen auf Spotify auswählen und Lautstärke aufdrehen. Das hilft tatsächlich und es gibt doch noch ein paar Stunden Schlaf.
Am nächsten Morgen ist die unruhige Nacht unser Zmorgengespräch. Nach vielen Wochen in der meist ruhigen Natur von Skandinavien sind uns die Wochenendpartys in Polen und Deutschland ein Greuel. Es wäre ja noch nachvollziehbar, wenn wir in einer Stadt oder der Nähe davon gewesen wären, aber in Naturschutzgebieten? Glücklicherweise wird uns Tschechien diesbezüglich total überraschen.... Ruhe pur 😊 Czytaj więcej
17 Drei Nüsse für....
24 września 2022, Republika Czeska ⋅ ☁️ 18 °C
Tschechien, das Reich der Märchen. Nach ein paar Tagen Spätsommer werden wir hier mit saftigen Anstiegen (für märchenhaft stramme Waden) und heftigen Regengüssen (wie die Tränenbäche vom kleinen Maulwurf) verwöhnt. Nichts desto trotz, Tschechien gefällt uns ausserordentlich gut. Die Landschaft ist abwechslungsreich und die Menschen begegnen uns sehr freundlich und offen. Einziger Wermutstropfen, immer diese Kümmelsamen im Brot 😝.
Wie immer sind unsere Pläne so launenhaft wie das herbstliche Wetter. Kurzerhand schmeissen wir unser mögliches Ziel Wien über Bord, reissen das Ruder rum und stechen mal wieder in den Gegenwind Richtung Südosten (eben doch masochistisch veranlagt???). Hier führen alle Wege nach Prag, also geben wir uns Kulturmuffeln einen Ruck und stellen uns auf einen Tag Sightseeing ein. Viele Stadtbummelkilometer, ein beeindruckendes Schloss, eine alte Steinbrücke, viele imposante historische Gebäude, ein Gulasch im Brottopf und zwei Trdelník (heisses, sehr leckeres Gebäck) später sind wir der Meinung, dass Prag eine wirklich wunderschöne Stadt und alle mal einen Besuch Wert ist.
Fast zu schnell, lassen wir das Märchenland hinter uns und kommen langsam wieder in bekanntere Gefilde. Servus Bayern. Auch hier verstehen wir die Einheimischen nicht immer im ersten Anlauf, aber es ist erstaunlich schön, dass wir mal wieder alle Schilder und Speisekarten lesen können. Czytaj więcej

PodróżnikIch bin immer wieder total begeistert wie großartig ihr beide schreiben könnt… solltet ihr mal ein Buch zu all eure Reisen veröffentlichen, ich werde es lesen… weiterhin viel Spaß …. Herzliche Grüße
18 New horizons
11 października 2022, Szwajcaria ⋅ ☁️ 11 °C
(wird mit englischem Akzent gelesen)
Good Morning
Ihr werdet wohl etwas surprised sein, heute von mir zu lesen. Wer ig bin? Well, ihr kennt mig bis jetzt noch nigt.
Aber wo bleibt nur meine english education! Darf ig mig vorstellen?
My name is Rover.
Lord Land Rover Defender the TD5th
Friends call me "Bäbistuba".
Ig liebe es to be on the road und my favourite gadgets sind Holztütschi and Schüsseli.
Now wurde ig von meinen Partnern/Besitzern auf eine "very adventurous mission" geschickt. Als Bodyguard, Kutsche und mobiles Zuhause darf ig ihre Daughter und Hobbyschwiegersohn nun für gut drei Monate begleiten.
Psst... Unter uns gesagt, glaube ig ihre Drahtesel haben nun nach 8 Monaten, 8'094 Kilometern, 533 Fahrstunden, und 62'434 Höhenmetern schlapp gemacht und wollten in ihren wohl verdienten Winterschlaf entlassen werden.
Nun nehme ig mig den beiden Travellers an und zeige ihnen wie gut es sich auch mit etwas mehr Comfort und PS under the Hintern exploren lässt.
So it was nice to meet you. Ig bin sicher ihr hört wieder mal was von mir.
Good bye Czytaj więcej

Podróżnik… einfach ds Outonumero u ds CH-Schildli nid vergässe ….😉 … alls Gueta u scheeni Reis!

PodróżnikMerci vil mal. Jaja, ds Numeroschild und der CH-Chläber hei mer natirlech im Handschuefach derbie 😉 Äs gfreud is sehr, dass ier geng flissig mitläsed. Grüessli vom Strand

PodróżnikMitläseg habe ich auch, wobei das Schweizerische langsamer ging als das "Englisch -Deutsch"🤣
19 Unbekannte Gefilde
18 października 2022, Słowenia ⋅ ☀️ 20 °C
Von hinter dem Lenkrad schallt es plötzlich: "Müssen wir an der Kreuzung rechts oder links?"
" Hä? Wo?" folgt es aufgeschreckt von der Beifahrerseite.
"Die Richtung zur slowenischen Grenze ist da vorne nicht angeschrieben. Rechts oder links?"
Gerade noch völlig versunken in der schönen Landschaft, bricht nun hektisches Karte konsultieren auf der rechten Kabinenseite aus. Die Kreuzung naht, der Weg ist noch nicht gefunden, also muss vorerst das Bauchgefühl entscheiden. Schliesslich wollen wir hier, mitten auf der Strasse im dichten Verkehr, nicht anhalten und so die "geduldigen" Italiener zum Hupen animieren.
Die geratene Richtung erweist sich dann doch als richtig und wir sind wieder ein Stückchen weiser. Mit der motorisierten Kutsche gehts eben rasanter vorwärts als noch mit den Stahlrössern. Als Navigator, notabene auf der rechten Seite sitzend, hat man auch Pflichten zu erfüllen um ans Ziel zu gelangen. Es braucht einfach noch ein wenig Ein- oder besser Umgewöhnungszeit, die Routinen der letzten acht Monate können nur schlecht angewendet werden.
Eine schmale Strasse schlängelt sich durch herbstliche Wälder in die Höhe. Kaum bewohnte Dörfer säumen den Weg Richtung Grenzpass. Das versteckte italienische Tal mit seinen vielen baufälligen Häusern scheint vergessen worden zu sein. Was erwartet uns wohl auf der anderen Seite? Von Slowenien kennen wir gar nichts, haben nicht mal eine wage Vorstellung. Wir wussten ja bis vor kurzem noch nicht mal, dass wir das Land besuchen werden. Gemäss dem vor einigen Tagen gekauften Reiseführer hat das Land einiges zu bieten. Wir werden nicht enttäuscht.
Türkisblau leuchtend mäandert die Soča ungebändigt durchs Tal. Ein Anblick, der uns irgendwie glücklich stimmt. Die wenigen, sehr kleinen Dörfer entlang des kühlen Nass sind bewohnt, die Häuser gut in Schuss. Wir geniessen die Zeit in "den Bergen" und machen kurze Erkundungstouren.
Apropos Erkundungstouren: Unsere körperliche Ertüchtigung ist nach den langen Velotagen auf ein Minimum geschrumpft (Gaspedal und Bremse betätigen zählt auch bei einem Defender NICHT als sportliche Betätigung!). So müssen Alternativen her, sonst gehen wir auf wie ein Ofenküchlein. Am Liebsten ist uns immer noch das Laufen/Wandern, denn bei Yoga bekommt Sascha Schreikrämpfe, Pilates haben wir schon durch und andere "Workouts" fühlen sich so gezwungen an. Habt ihr Vorschläge?
Slowenien "überrascht" uns mit sehr freundlichen Menschen, hohem Lebensstandart, einigen Naturperlen und historischen Stätten. Die Höhlenburg Predjama zum Beispiel ist wirklich einen Besuch wert. In den 120m hohen Höhleneingang wurden in mehreren Etappen dickwandige Gebäude errichtet. Die Festung galt als uneinnehmbar, hatte sie doch nur einen offensichtlichen Zugang welcher kaum unerlaubt passierbar war. Im weitverzweigten Höhlensystem hinter der Burg gab es jedoch einen Geheimgang, der weit entfernt ans Tageslicht führte. So konnten die Burgbewohner während einer Belagerung immer frische Lebensmittel besorgen.
Beeindruckt von den vielen Erlebnissen des bergigen Sloweniens zieht es uns zum Schluss wieder ans Meer. Das warme Wetter lockt und irgendwie verspüren wir Sommer-Nachholbedarf. Czytaj więcej
20 Smaragdgrün und türkisblau
5 listopada 2022, Chorwacja ⋅ ⛅ 10 °C
Regentropfen trommeln lautstark aufs Dach bevor sie in kleinen Bächen den Fensterscheiben entlang zu Boden rauschen. Windböen zerren stossweise an unseren vier Wänden und lassen unsere Stube auf Rädern schaukeln. Wir kuscheln uns gemütlich in eine Ecke und lassen die letzten sonnenverwöhnten Tage nochmals Revue passieren...
Vom Meer erhebt sich das Land stufenweise, hier und da recht steil, aufwärts zu den Bergen. Karstgestein lugt hellgrau zwischen den grünen und herbstlich rotbraunen Büschen hervor. Das Gestein ist extrem scharf und die oft welligen Formen werfen kunstvolle Linien und Schatten. Rechterhand schweift der Blick über die nackten vorgelagerten Inseln, braun und beige in allen Nuancen. Nur in den wenigen Einschnitten konnte etwas Grün Fuss fassen und unterbricht die öde Fläche. Die Strasse schlängelt sich kurvenreich der kroatischen Küste entlang. In der Bucht unter uns schimmert das Meer türkisfarben während die Sonnenstrahlen durch das klare Wasser dringen und den weissen Steinuntergrund in ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten taucht. Kurve um Kurve umrunden wir die zahlreichen schmucken Buchten und können uns kaum sattsehen.
Es liegt mal wieder eine Melodie in der Luft - kitschig, schnulzig, doch kaum aus dem Kopf zu bringen (https://youtu.be/v-BLqn2-veI). Die Paddel tauchen in das glasklare, sanft dahinfliessende Wasser, die Felswände bieten dem Gedudel im Kopf den passenden Hintergrund. Kein Wunder fand Karl May's Winnetou hier seine Drehkulisse. Da..., da vorne rauscht es ein wenig mehr. Ah, eine kleine Wasserstufe. Nichts Spektakuläres, doch Spass macht es allenthalben. Das offene Gummikayak rauscht mit seinen zwei grinsenden Insassen über die Stelle und lässt diese fröhlich quitschen. Die Vorfreude auf die noch folgenden Stufen steigert sich nur umso mehr, vor allem, da noch ein paar höhere folgen werden. Dazwischen geniessen wir die gemächliche Fahrt durch die kurvenreiche Schlucht des Zrmanja-Flusses und stören uns so gar nicht mehr an der Melodie, die einfach nicht aus dem Kopf will.
Szenenwechsel: Ragusa - nein, nicht die leckeren schweizer Stängeli mit Haselnüssen (mmmhhh... aber die Rede davon weckt gerade leckere Erinnerungen, saber, saber...) sondern der alte Name von Dubrovnik. Sogar für uns Kulturbanausen ist dieser historische ehemalige Stadtstaat eine Besichtigung wert. Das Bollwerk von Stadtmauer wird einerseits von Wellen gepeitscht, während auf der Landseite tiefe Gräben mit steilen Felswänden den Ort vor Angriffen schützte. Wir sind gebührend beeindruckt. Dass der Besichtigungspreis seit dem Eintrag in unserem Reiseführer um mehr als das doppelte gestiegen ist und für ein "normales" Café im Restaurant 6 Euro verlangt wird, beeindruckt uns fast ebenso. Nun denn, dies schmälert unseren Ausflug nicht und die Stadt bekommt definitiv einen Platz auf unserer Favoritenliste. Wer "Game of Thrones" kennt, fühlt sich hier mitten drin und wäre nicht überrascht, wenn plötzlich ein Drache über den Ecktürmen auftauchen würde. Czytaj więcej

Podróżnik
Da meint man auf der Anhöhe gleich eine Schar von Indianern erblickten zu können, während Ihr diesen friedlichen Fluss entlangpaddelt. Wunderschön!
21 Schwarze Berge und Kühlerhaubensterne
12 listopada 2022, Albania ⋅ ☀️ 17 °C
Mit 10-30 km/h arbeiten wir uns langsam Kurve für Kurve die Serpentinenstrasse den steilen Hang hinauf. Immer wieder schweift der Blick abwärts auf die mittelalterliche Hafenstadt Kotor. Um mehrere bergige Felszungen und durch enge Passagen schlängelt sich das Meer, bis es schliesslich, entstürmt und spiegelglatt, sanft an der hintersten Ecke die historische Handelsstadt erreicht. Die Bucht von Kotor, umrahmt von fast 2000 Meter hohen Bergen, sowie auch die befestigte Altstadt selber, mit ihren verwinkelten engen Gassen zwischen den massiven Steingebäuden, gefallen uns ausserordentlich gut. Sogar das im ersten Moment störende, riesige Kreuzfahrtschiff an der winzig wirkenden Mole, dient von oben gesehen als prima Massstab um die Dimensionen der Bucht erfassen zu können.
Montenegro. Vielleicht geht es euch ja wie uns bis anhin und dieser Ländername weckt nicht die allergeringste Assoziation aus. Hmm.. Montenegro... könnte irgendwo in der Karibik liegen? Vielleicht?
Gerne lassen wir euch, nun da ein Live-Geographiestündchen hinter uns liegt, an unserem Schlaumeiertum teilhaben.
Montenegro (schwarzer Berg) war bis 2006 ein Teil des früheren Jugoslawien. Es liegt an der Adriaküste, grob gesagt südlich von Bosnien und Herzegowina und nördlich von Albanien. Es ist etwa ein Drittel so gross wie die Schweiz, hat jedoch nur etwa ein Vierzehntel so viele Einwohner. Die Natur verzaubert mit schroffen Bergen, steilen Schluchten und dichten Wäldern. Leider läuft uns aber keiner der hier lebenden Wölfe, Bären oder Luchse vor die Linse.
Als sich unsere Strasse nach einigen hübschen, urigen Bergdörfern und Bauernhöfen wieder an die Küste runter serpentiniert, staunen wir nicht schlecht über die unzähligen neu gebauten, meist weiss bis eierschalenfarben, hell leuchtenden Ferienanlagen. Die Sandstrände mit dem türkisfarbenen Wasser und die zurzeit wirklich sehr modern und schön aussehenden Hotels lassen sich bestimmt ganz wunderbar für All-Inclusive Strandferien vermarkten. Ob die angebotene Menge auf die Dauer jedoch nachhaltig sein kann, wird sich wohl erst noch zeigen.
Trotz unserer obigen Schlaumeierei waren wir nur ein paar Tage in Montenegro, die Jahreszeit hat uns südwärts gezogen. Vor allem die Natur im Landesinneren lockt später aber bestimmt nochmal für eine ausführlichere Erkundung.
Hinter dem nächsten Pass wartet schon Albanien auf uns. Obwohl wir realistisch betrachtet auch hiervon überhaupt keine Ahnung haben, liegt in unseren Köpfen eine willkürlich zusammengestellte Vorstellung davon. Wir erinnern uns an aufheulende Motoren und laute Auspuffe, die uns in Luzern während der Fussball-EM 2016 so manche Nacht um den Schlaf gebracht haben.
Zumindest was die Liebe zu Autos anbelangt, liegen wir nicht ganz falsch. Mercedes in allen Jahrgängen, ausnahmslos auf Hochglanz poliert, dominieren die Strassen. Die Autos werden mit viel Liebe und Stolz gehegt und gepflegt. „Wer später bremst, ist länger schnell!“ so wird der albanische Fahrstil in unserem Reiseführer beschrieben. Wir sind uns einig, dass wir hier bisher die unvernünftigsten Überholmanöver und Fahrgebahren gesehen haben. Aber wie fast immer trifft auch dies nur auf einen ganz kleinen Teil der Bevölkerung zu.
Abgesehen davon hat uns das Land voll in seine Bann gezogen. Eselskarren auf der Strasse, Kühe werden auf der offenen Pickup Ladefläche transportiert, die uralte Mercedes Limousine wird bei der Ernte bis unters Dach mit Oliven gefüllt und kriecht anschliessend bodennah nach Hause. Die Menschen empfangen uns freundlich und wir werden mit einem strahlenden Lächeln belohnt wann immer wir unsere drei gelernten Worte (Hallo, Danke und Tschüss) in albanisch zum Einsatz bringen. Irgendwie fühlt es sich hier nicht europäisch an, wir wähnen uns schon fast in Süd- oder Mittelamerika, es liegt ein Hauch von Abenteuer in der Luft.
Reiseführer Seite 257 – Die heissen Schwefelquellen in der Lengarica Schlucht. „Juhuiii, da will ich hin! Ich liiiiebe heisse Quellen!“ Thes freut sich schon darauf seit sie das erste Mal die Seite 257 aufgeschlagen hat. Die Schlucht liegt recht abgelegen in den Bergen nahe der Griechischen Grenze. Die Gegend ist ländlich, die Landschaft rau. Graue Felsen und Steine flankieren die Hügelketten, in der Ferne steigt Rauch aus dem Kamin der ländlichen Häuser. Wir folgen wieder mal einem türkisblauen Fluss. Über uns ein grauer Himmel, von vorne zieht ein kräftiger, kühler Wind, dem es ein Leichtes ist, die oft diskutierten undichten Stellen im Land Rover zu finden. Der Tag ist ganz einfach perfekt für ein heisses Bad. Es ist später Nachmittag als wir die letzten regengefüllten Schlaglöcher der schottrigen Zufahrtsstrasse entlang rumpeln. Die Vorfreude steigt! Ruckzuck sind die Badekleider montiert, es kann los gehen. Kaum ausgestiegen rümpft Sascha die Nase. Dass es sich bei den Quellen um „Schwefel“quellen handelt, hat Thes ihm natürlich nicht speziell unter die Nase gerieben. Der Duft von faulen Eiern schleicht sich sofort unüberriechbar die Nasenflügel hoch. Seine Begeisterung hält sich in Grenzen. Thes Prioritätensetzung liegt da ganz klar anders 😁 . Beim Eingang der Schlucht führt eine alte Bogensteinbrücke über den Bach, auf der anderen Seite wurden durch aufgeschichtete Steine zwei Becken errichtet wo sich das warme Wasser sammelt. Der kalte Wind bläst uns über die nackten, weissen, hühnerhäutigen Beine, nichts wie rein ins Nass. Aaaahhh... mit einem wohligen Seufzer strecken wir den ersten Fuss ins Wasser. Aber nein, nix mit „Aaahhhh“ sondern viel eher „Brrrr“. Das Wasser ist maximal leicht temperiert mit vielleicht 25-27°C. Wir schwadern ein kurzes Weilchen im Becken umher um die möglichst wärmste Stelle zu finden wo das Quellwasser direkt aus dem Boden sickert. Die Hühnerhaut breitet sich aber bald über den ganzen Körper aus und Thes Badebedürfnis ist heute ungewöhnlich schnell befriedigt.
Tia, zum Glück ist ja der Weg das Ziel, und dieser hierher war wirklich sehr schön. Czytaj więcej

PodróżnikWow - von solch abgelegenen Winkel, den meisten wahrscheinlich auch äußerst unbekannt, zu lesen und zu sehen, ist faszinierend!! Habt vielen Dank, dass Ihr die Eindrücke aus der Ferne zu uns nach Hause bringt:)
22 Mythen, Götter & andere Geschichte(n)
10 grudnia 2022, Grecja ⋅ ☁️ 15 °C
Die Tanknadel bewegt sich langsam Richtung Null, das rote Lämpchen leuchtet neckisch fröhlich vor sich hin. Zum Glück ist die erste Ortschaft, welche wir nach der abgeschiedenen Grenze Albanien/Griechenland erreichen, nicht mehr weit. Da vorne siehts nach Tankstelle aus, den Blinker setzen, vor die Zapfsäule rollen und blöde aus der Wäsche gucken. Geschlossen. OK, dann eben die nächste.... selbes Spiel.... das darf doch wohl nicht wahr sein. An der dritten sitzen ein paar Männer auf ihren Plastikstühlen und palavern. Sie bestaunen unser Gefährt, wedeln jedoch mit den Händen, ebenfalls geschlossen. Falls wir Sprit bräuchten, gäbe es das im nächsten, 40 km entfernten Ort. Ob es daran liegt, dass heute Sonntag ist?
Nun denn, so weit wollen wir heute gar nicht mehr. Schliesslich wartet die "tiefste Schlucht der Welt" auf unseren Entdeckungsgeist. Doch seien wir mal ehrlich, die ganze Vikos-Schlucht zu durchwandern ist uns dann doch.... zu mühsam. In 8 Stunden soll man es schaffen. Es fehlen jedoch öffentliche Verkehrsmittel und wie sollen wir zurückkommen? Taxi gäbe es in der Hochsaison, und Autostopp ist bei den wenigen Autos, die ausserhalb der Saison in dieser sehr abgelegenen und ursprünglichen Gegend unterwegs sind, reinste Lotterie. So begnügen wir uns eben auf einen kleinen Teil. Der hat's in sich. Zu Beginn begrüssen uns mächtige orientalische Platanen mit ihren weit ausladenden, zum Teil ineinander verwachsenen Ästen. Das schmale mit weissen Steinen überhäufte linke Ufer ist gesprenkelt mit den braunen Herbstblättern. Dahinter ist die senkrechte, sich in unerkannte Höhen auftürmende Steilwand. Und zu unseren Füssen plätschert das kristallklare Wasser sanft vor sich hin. Wir lassen uns von der Magie dieses Ortes einlullen und hüpfen beschwingt über den Weg, immer weiter hinein in die Schlucht.
Eine Tankladung später (jaja, heute am Montag ist der Tankwart wieder im Dienst 😉) bestaunen wir den imposanten, fast 1000 Meter tiefen Canyon von oben. Gestern noch am Grund entlang wuselnd, heute mit grosser Ehrfurcht am Rand des tiefen Einschnitt stehend. Thes muss sich ganz schön zusammennehmen, ihr wird schon ganz anders ob der Schwindel erregenden Höhe. Da hilft es definitiv nicht, wenn sich Sascha noch einen Schritt näher dem Abgrund nähert und dann, zwecks besserem Foto, sogar noch auf das Mäuerchen steigt....
160 Kilometer weiter östlich. Winternebel umwabert seltsam anmutende, freistehende Gesteinsnadeln, die hier wie aus einer Filmkulisse von Avatar bis zu 450 Meter hoch aus dem Boden ragen. Metéora; Unwirklich...fantastisch...unglaublich... um diesem Naturphänomen mit Worten wirklich gerecht zu werden, fehlen uns Adjektive. Und was macht der Mensch? Er setzt noch eins (Kloster, und davon gleich mehrere) obendrauf.
Frei von weltlicher Ablenkung waren die vor hunderten von Jahren entstandenen Einsiedeleien und Klöster auf den steilen Sandsteinfelsen kaum zugänglich. Wie diese religiösen Stätten, die bei dunstigem Wetter beinahe im Himmel zu schweben scheinen, entstanden sind, ist uns ein Rätsel. Liegt hier der Ursprung der Kletterei? Wir umwandern die ungewöhnlichen Felsformationen und besuchen auch eines des heute besser zugänglichen Kloster. Die Luft ist vom schweren Weihrauchduft geschwängert. Vorbei gehts an hübsch verzierten Gewölbebögen zu einem kleinen Gebetsraum. Christlich-Orthodox-typisch ist der Raum recht schwer und voll beladen mit Bildern. Die Mönche selbst verstecken sich in den ihnen vorbehaltenen Bereichen. Da hat man unten in der Kleinstadt Kalambaka, im Supermarkt, mehr Chancen auf eine Begegnung.
Thes ist so fasziniert von der ganzen Umgebung, dass sie es wahrlich fertigbringt, Sascha am nächsten Morgen, lange, unendlich lange vor dem Sonnenaufgang aus dem gemütlich warmen Bett zu jagen, nur um frühzeitig in die Höhe zu fahren um beim ersten Sonnenstrahl auf den Auslöser der Spiegelreflex zu drücken (dass uns einige tiefe Wolken am Horizont einen nicht unerheblichen Strich durch die Rechnung machen, müssen wir hier ja nicht erwähnen)
Nach so viel Natur, auch mal Kultur.... Wir steuern einen Grabhügel an. Klingt recht langweilig, was soll an einer aufgeschütteten, mit Gras bewachsenen Kuppel schon interessant sein? Vielleicht, aber nur vielleicht das darunter gebaute Museum mit den Überresten einiger Grabkammern? In einer davon, der imposantesten, lagen die Überreste von König Philippos II., dem Vater von Alexander dem Grossen. Wem Geschichte so gar nichts sagt, macht nix. Dies waren ein paar machtgeile Typen vor über 2000 Jahren, welche die damalige hellenistische und persische Welt in Angst und Schrecken versetzt haben. Entsprechend pompös wurden die über 2000 Jahre alten Grabkammern und deren Beigaben gestaltet. Geblendet vom vielen Gold zotteln wir weiter.
Wie praktisch wäre es doch, könnte man vor einer wichtigen Entscheidung einen hellseherischen Rat erbitten. Diese "Hilfe" stand der griechischen und römischen Antike in Form vom Orakel von Delphi zur Verfügung.
Stell dir vor du bist ein "alter" Grieche. Nach tagelanger mühseliger Reise erreichst du das in den Bergen liegende Delphi. Ehrfürchtig durchschreitest du den aus weissen Steinsäulen flankierten Eingangsbereich der Tempelanlage. Händler bieten dir eine letzte Möglichkeit symbolische Mitbringsel zu erstehen, welche du später zusammen mit deinen Münzen für deine ersehnte Weissagung eintauschen kannst. Du gehst weiter den Hügel hinauf. Reich verzierte Schatzhäuser mit kostbaren Weihegeschenken und riesige Statuen aus Gold, Silber, Elfenbein und Kupfer lehren dich Ehrfurcht, bis du schliesslich vor dem gewaltigen Tempel stehst. Hier sitzt eine Frau in ekstatischem Dilirium auf einem Sitz über einer Felsspalte (vermutlich sind der Spalte giftige Gase entstiegen). Wie erhofft, beantwortet die in Trance Versunkene deine Frage mit unverständlichen Schreien. Nun ist es an den beistehenden Priestern die Schreie zu deuten und dir die richtungslenkende Vorhersage daraus zu übermitteln.
Von 1500 v. Chr. bis etwa 300 n. Chr. wurden hier die politischen Geschicke der griechischen und römischen Welt beeinflusst, da Herrscher und Heerführer aus der ganzen antiken Welt sich vor wichtigen Entscheidungen die Zukunft weissagen liessen. Ganz schön clever oder?
Ausserdem wurden in Delphi alle vier Jahre die zweitwichtigsten Wettkämpfe nach Olympia veranstaltet. Vor allem die am Schluss der Spiele ausgetragene Disziplin hat vor unserem geistigen Auge eine sehr interessantes Bild hinterlassen; splitterfasernackte Männer, "nur" bedeckt mit Helm, Schild und Schienbeinschützern rennen durchs vollbesetzte Stadion um den schnellsten Läufer zu eruieren. 😁 Czytaj więcej

Gigantisch, ich bin sehr beeindruckt, wie ihr eure Eindrücke in Worte umsetzt, ein riesen Kompliment!!! Ich wünsche euch noch eine gute Weiterreise, lieber Gruss, Chibu [Chibu]

PodróżnikDanke vielmals. Es freut uns, dass dir unsere sprachlichen "Ergüsse" so gefallen 😉. Liebe Grüsse








































































































































































































































































































































































































Katadyn et Tewa, je vois que vous êtes prêt!! Bon voyage! [David Lausanne]
Ich freue mich, euer Abenteuer zu verfolgen :D Gute Reise! [Loucine]
Wir wünschen euch eine gute Reise und selbstverständlich werden wir euer Abenteuer mitverfolgen. Wir fruen uns schon auf eure Berichte und Fotos. Lieber Gruss Rocky & Sandy [Rocky]
Hallo ihr Lieben,wünschen euch eine tolle Reise und vorallem bleibt gesund 😘Liebs grüessli u knuddel Rosmarie u Hansuele [Rosmarie von Allmen]