• Jonas Fuglsang-Petersen
  • Jonas Fuglsang-Petersen

Reise

grobe Richtung Südamerika, gerne unter Segeln Baca selengkapnya
  • Cartagena

    17–19 Mar 2024, Kolombia ⋅ 🌙 29 °C

    Am Samstag fahre ich zurück nach Bogotá. Dort steige ich in einen Reisebus nach Cartagena, weil Swantje für ein paar Tage nach Kolumbien kommt. Die Busfahrt nach Cartagena dauert fast 24 Stunden, dabei steigen unterwegs immer wieder Leute ein und aus, die Arepas, Empanadas und Getränke verkaufen. Ich fange aus einem mir zuerst unerklärlichen Grund auf der Hälfte der Fahrt an zu kotzen, als kurz darauf noch Durchfall dazukommt wird mir klar, dass ich wahrscheinlich eine Lebensmittelvergiftung habe. Das macht den Rest der Fahrt nicht gerade angenehm aber wenigstens kann ich ein bisschen schlafen. In Cartagena angekommen nehme ich ein Uber zum Flughafen und hole Swantje ab. Nach ca. 30 Stunden Reisezeit (pro Person) erreichen wir völlig fertig unser Hostel in Cartagena: La Buleka. Dort schlafe ich erstmal eine Nacht durch, in der Hoffnung, dass sich mein Magen möglichst bald wieder beruhigt.
    Am nächsten Tag schauen wir uns die Altstadt von Cartagena und das Castillo San Felipe de Barajas an. Cartagena ist an sich eine sehr schöne Stadt, allerdings hat Swantje ein bisschen Jetlag und ich fühle mich auch noch krank. Außerdem ist es heiß (was eigentlich ganz schön ist) stinkt nach Müll (nicht so schön) und das Obst der Straßenverkäufer ist viel teurer als in Bogotá (weil hier mehr Touristen sind). Wir haben beide Lust auf mehr Ruhe und Natur und werden daher wohl bald weiterfahren.
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  • Santa Marta

    19–22 Mar 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 29 °C

    Am Dienstag machen wir uns auf den Weg nach Santa Marta, wir wissen zwar noch nicht genau wo wir hinwollen aber der Tayrona Nationalpark soll ganz schön sein und Minc würden wir auch gerne sehen. Beides ist von Santa Marta aus gut erreichbar. Am Busterminal werden wir sofort von zwei wichtig aussehenden Männern vom Busunternehmen Exalpa abgefangen, die uns fragen wo wir hinwollen. Als wir "Santa Marta" sagen, haben wir in wenigen Sekunden zwei Bustickets in der Hand und sitzen im Bus. Die Beiden haben es sichtlich eilig... Die Tickets sind ein wenig günstiger als bei dem beliebten, sicheren Busunternehmen expreso Brasilia. Wir überlegen noch kurz, ob es eine gute Idee war, Exalpa zu vertrauen, entscheiden uns dann aber, sitzenzubleiben. Die Fahrt beginnt unspektakulär, in Barranquilla stehen wir dann allerdings eine halbe Stunde still und werden anschließend alle rausgeschmissen. Dieses Prozedere kenne ich inzwischen: Aus irgendeinem Grund wollen die Fahrer uns doch nicht nach Santa Marta bringen und lassen uns kurzerhand in einen anderen Bus (Firma SuperStar) umsteigen. Im "SuperStar" fahren wir eine kurze Strecke, stehen dann allerdings wieder über eine halbe Stunde still, während eine Familie ihren Umzug in den Gepäckraum lädt. Zwischendurch kommen natürlich immer wieder Händlerinnen und Händler mit Agua, Arepas und Empanadas in den Bus. Wir kaufen so eine Art Milchbrötchen...
    Nach sechs Stunden sind wir endlich in Santa Marta und werden noch in der Tür vom ersten Taxifahrer abgefangen, der uns liebend gerne für den dreifachen Preis zum Hostel fahren würde. Draußen vorm Bus stehen außerdem drei Mototaxis und einige weitere Taxifahrer auf dem Bürgersteig, die uns alle mit "Taxi, Taxi, Santa Marta, Taganga, Minca!" begrüßen. Nachdem wir den ersten drei abgesagt haben, die Anderen aber trotzdem nicht lockerlassen, rutscht mir ein "¡Dejame en paz!" raus, was nicht nett ist, aber wirkt. Als nächstes machen wir uns auf die Suche nach einem Bus ins Centro, nach einigen kurzen Gesprächen mit Einheimischen wissen wir, wo der Bus hält und wie viel er kostet. Für umgerechnet 58 Cent werden wir dann bis in die Nähe des Hostels gefahren, die letzten Meter laufen wir. Ein anstrengender, lehrreicher Reisetag...

    Santa Marta erweist sich als anstrengender Mix aus Hotels, Taxen und Tourunternehmen. Man kann für alles eine geführte Tour buchen, egal ob nach Taganga an den Strand, in den Tayrona Nationalpark oder nach Minca. Wir überlegen kurz, eine Schnorcheltour zu machen, weil wir schon gerne Schnorcheln gehen wollen, aber erstens keine Schnorchel haben und zweitens müssen wir schnell feststellen, dass die guten Schnorchelspots nur per Boot zu erreichen sind. Da ich mir erst noch eine Badehose kaufen muss und die Schnorcheltour in wenigen Minuten losgeht entscheiden wir uns stattdessen für den Strand "Playa Grande" bei Taganga. Der liegt ein bisschen außerhalb und ist angeblich nicht so belebt wie der direkt am Ort.
    Der Strand ist bis zur Wasserlinie gepflastert mit Stühlen, es wimmelt nur so vor lauter Menschen, die Bars versuchen sich gegenseitig mit ihrer Musik zu übertönen und zu allem Überfluß werden wir ab Betreten der Sandfläche von einer Frau begleitet, die uns hartnäckig die Restaurants und Bars am Strand vorstellen möchte. Während wir die ca. 50 Meter Strand entlanglaufen werden wir von 20 Händlern angesprochen, die Bier und Wasser verkaufen. Ich bin total genervt und frage mich schon, ob der Tayronapark und Minca wohl genauso überfüllt und anstrengend sind. Zum Glück finden wir am anderen Ende von Strand einen schmalen Küstenpfad, auf dem gehen wir ein Stück weiter. Nach ca. 100 Metern kommen wir an eine steile Treppe, die runter ans Wasser führt. Dort sind wir erstaunlicherweise alleine, gehen baden, essen Mango und Papaya und beobachten das Getümmel am Strand und auf dem Wasser. Ab und zu fährt ein Jetski vorbei, ein Fischerboot zieht eine riesige aufgeblasene Banane mit johlenden Menschen drauf durch das Wasser. Aus dieser Entfernung sieht es eigentlich ganz schön aus 🙂 Dabei schmieden wir in Ruhe einen Plan für die nächsten Tage. Ziel: Raus aus Santa Marta.
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  • Parque Tayrona

    21 Maret 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 27 °C

    Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in den Tayrona Nationalpark: Ohne geführte Tour, wir steigen einfach am Mercado Público in den Bus und sind kurze Zeit später am Parkeingang in Calabazo. Dort wird uns dringend empfohlen, ein Mototaxi zu nehmen, dass und ein Stück in den Park reinfährt. Wir möchten aber lieber durch den Park wandern, darauf entgegnet die Frau am Eingang, dass wir dann weniger Zeit haben uns am Strand zu entspannen.
    Das mit den Stränden ist hier so eine Sache: Als wir nach Informationen über den Tayrona Nationalpark gesucht haben, sind wir hauptsächlich auf Ratgeber gestoßen, die die Strände im Nationalpark bis ins letzte Detail miteinander vergleichen und unterschiedliche Empfehlungen aussprechen, welcher Strand denn der schönste ist. Dass der Park flächenmäßig zu 99% aus wunderschönem kolumbianischem Regenwald besteht, scheint hier niemanden zu interessieren.
    Wir schaffen es, die Frau davon zu überzeugen, dass wir kein Mototaxi nehmen wollen, müssen dafür aber neben dem Parkeintritt 5.000 Pesos Passiergeld bezahlen. Interessant, aber wenigstens fließt das Geld direkt an die Kogi-Ureinwohner, durch deren Gebiet wir laufen. Außerdem sind 5.000 Pesos umgerechnet nur 1,18€.

    Die Wanderung durch den Park ist wunderschön! Den ersten Teil der Strecke geht es bergauf, was bei der Hitze und Feuchtigkeit ziemlich anstrengend ist. Aber der Ausblick auf die umliegenden Berge ist dafür umso schöner! Am höchsten Punkt kommen wir in ein Kogidorf (El Pueblito), dort gibt es einen Aussichtspunkt mit Hängematten. Der kostet zwar nochmal 5.000 Pesos pro Person, aber wenigstens ist das wieder Geld, was direkt an die Ureinwohner fließt. Bisher sind wir im Nationalpark nur wenigen Leuten begegnet und hier oben in der Hängematte genießen wir die Ruhe und den Ausblick und ich fahre langsam vom Stress der letzten Tage runter. Nach einer etwas längeren Pause wandern wir weiter Richtung Strand, vorbei an weiteren Hütten und einem Schild, das uns erklärt, dass hier Jaguare leben. Als wir kurze Zeit später unheimliche, laute Geräusche hören, die langsam näherkommen, kriegen wir Schiss und drehen lieber um. "Das sind nur Brüllaffen!" erklären uns drei Briten, die aus der Richtung der Geräusche kommen. "Aber ihr seid spät dran, wenn ihr bis zum Strand wandert schafft ihr es nicht zurück zum Eingang bevor der Park schließt! Biegt am Strand rechts ab und nehmt ein Pferd zum El Zaino Eingang." Also versuchen wir es erneut und machen uns wieder auf den Weg. Diesmal bleiben die Geräusche aus, dafür können wir jetzt ab und zu zwischen den Bergen die ersten Blicke aufs Meer erhaschen.
    Nach ca. fünf Stunden Wanderung erreichen wir einen Strand und ich muss zugeben: Der ist wirklich richtig schön. Wir setzen uns hin, ziehen die Schuhe aus und essen und trinken erstmal ein bisschen was von unseren Vorräten. Danach gehen wir in der Brandung baden.
    Jetzt gilt es allerdings, rechtzeitig wieder aus dem Park herauszugelangen. Zu Fuß schaffen wir das nicht mehr, da hatten die Briten recht. Wäre es vielleicht doch besser gewesen, eine Nacht im Park zu bleiben? Es gibt hier mehrere Campingplätze, außerdem kann man sich eine Hängematte mieten. Wir fragen uns am Strand durch, wie wir zum Cabo San Juan kommen und treffen dabei auf eine Polin, die von dort kommt und in die Richtung weitermöchte, aus der wir kommen. So können wir uns gegenseitig den Weg erklären, Karten und Schilder der Wanderwege sind hier nämlich rar gesät und schwer zu interpretieren. Wir gehen los, am Cabo San Juan treffen wir dann auf einen gut gefüllten Strand mit angrenzendem Restaurant und Campingplatz. Hier sind zwar viele Menschen, aber es ist nicht so voll wie in Taganga. Außerdem finden wir hier etwas, das unsere Aussichten auf einen erfolgreichen Rückweg deutlich aufhellt: Es gibt Boote nach Taganga. Kleine, offene Fischerboote mit je zwei 200 PS Außenbordmotoren, die in der Brandung vorm Strand kräftig schaukeln, aber immerhin Boote. Wir fragen kurz, was die Fahrt kostet und lassen uns für die Tour um 16:30 eintragen. Erst später überlegen wir, ob wir wirklich bei anderthalb Meter Welle mit diesen offenen Booten fahren wollen. Bis zur Abfahrt haben wir ja noch ein wenig Zeit. In der Zeit entdecken wir ein kleines Krokodil, liegen faul am Strand und ich renne zweimal aufs Klo, weil sich mein Durchfall zurückmeldet. Auf einem dieser Wege zum Klo treffe ich Luis und Martín wieder, zwei Argentinier die ich aus dem Hostel in Bogotá kenne. Ich muss mich beeilen und als ich vom Klo zurückkomme sind die beiden schon wieder weg. Kolumbien wirkt in diesem Augenblick recht klein.
    Um 16:30 steigen wir dann tatsächlich ins Boot. Die Handys haben wir gut verpackt, weil wir bestimmt nass werden. Beim "ablegen" vom Strand dreht das Boot noch kurz gefährlich auf die Felsen zu, der Fahrer weiß sich mit viel Gas und einer engen Kurve zu helfen. Die Beiden 200 PS Außenborder bringen das fast vollbesetzte Boot mühelos auf ca. 20 Knoten Fahrt. Die Welle kommt schräg von hinten und der Fahrer fährt genau so schnell, dass wir fast die ganze Zeit auf einer Welle entlangsurfen. Nur ab und zu wird er ein bisschen zu schnell und wir krachen in das nächste Wellental. Kurz vor Taganga wird die See ruhiger und jetzt hält den Fahrer nichts mehr zurück: Er legt beide Hebel auf den Tisch und wir rasen in einem wahnsinnigen Tempo auf den Strand zu. Nach einem gekonnten Ankermanöver liegen wir wieder mit dem Heck am Strand und steigen aus. Was für ein wilder Ritt!
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  • Minca

    22–27 Mar 2024, Kolombia ⋅ ⛅ 31 °C

    Eines der ersten Dinge, die wir in Minca entdecken, ist eine sehr gute Eisdiele. Wir beschließen, dass wir uns bis zur Abfahrt durch alle Sorten durchprobieren wollen. Es gibt nur 14 Behälter mit Eis, wenn wir jedes Mal jeweils zwei Kugeln nehmen, sollten wir das schaffen.

    Am nächsten Tag machen wir eine kurze, aber erstaunlich anstrengende Wanderung zur Finca la Candelaria, wo Kaffee und Kakao angebaut und Führungen angeboten werden. Dort machen wir eine Kaffeeführung, bei der wir die Kaffeebäume sehen, Kaffeebohnen schälen, rösten und mahlen und schließlich Kaffee trinken. Ich bin kein großer Kaffeetrinker, würde aber schon sagen, dass der Kaffee nach "mehr" schmeckt als der den ich bisher in Deutschland und in Kolumbien getrunken habe.
    Auf dem Rückweg von der Finca kommen wir unterhalb des Wasserfalls "Cascada la Escondida" an eine sehr schöne Badestelle im Fluss. Nach der ersten Abkühlung folgt die zweite im Dorf: Eis. Leider müssen wir feststellen, dass einige Sorten über Nacht ausgetauscht wurden. Es gibt also deutlich mehr Sorten, als in die 14 Behälter passen. Für unser Experiment bedeutet das: Wir müssen noch mehr Eis essen. Für heute belassen wir es allerdings erstmal bei zwei Kugeln pro Person, dulce de leche und pie de límon entpuppt sich als sehr gute Kombination.

    Sonntag wandern wir auf den Los Pinos, einen Berg ein Stück südlich von Minca. Unsere Route verläuft die meiste Zeit auf einer Straße, wo wir regelmäßig von Mototaxis und Autos mit Allradantrieb überholt werden. Die Aussicht neben der Straße ist trotzdem ganz schön und am Ende geht es noch ein Stück auf einem Wanderweg durch den Dschungel. Oben angekommen ist es leider so diesig, dass wir nicht besonders weit gucken können. Bei besserem Wetter müsste Santa Marta und das Meer von hier oben zu sehen sein. Der Rückweg führt dann eine längere Strecke auf Wanderwegen durch den Dschungel. Teilweise ist der Weg so steil, dass wir mehr runterrutschen als gehen. Bevor wir wieder in Minca ankommen machen wir noch einen Stopp bei den Marinka Wasserfällen. Das sind zwei Wasserfälle in denen man duschen und im Fluss schwimmen kann. Die Wasserfälle an sich sind wunderschön, allerdings sind hier sehr viele Leute und wir müssen einen für Kolumbien extrem teuren Eintrittspreis zahlen (für einen Wasserfall...).
    Nach der Wanderung zum Los Pinos sind wir so fertig, dass wir den nächsten Tag (meinen Geburtstag) fast ausschließlich auf dem Hostelgelände verbringen. Erst in der großen Schaukel am Fluss, dann im Pool und später auf Liegestühlen. Wir schaffen es gerade eben so, nachmittags einmal ins Dorf zu gehen um Geburtstagskuchen (Schokobananenkuchen mit Vanilleeis) zu essen.
    Für den Tag danach haben wir uns eine Vogeltour mit Eduardo von der Kaffeefinca vorgenommen. Es geht schon um 5:30 am Hostel los und während die Sonne aufgeht wandern wir hoch zur Kaffeefinca. Unterwegs bleiben wir immer wieder stehen und Eduardo zeigt uns die Vögel, die hier leben. Er hat Ferngläser mitgebracht, damit können wir sie auch dann sehr gut sehen, wenn sie etwas weiter entfernt im Baum sitzen. An der Finca angekommen, versucht Eduardo Tukane anzulocken. Aus seinem Handy schallen Tukanrufe übers Tal, die Tukane antworten aus der Ferne. Nach etlichen Bemühungen setzt sich ein kleiner Tukan auf einen Baum neben uns, lässt sich fotografieren und ist dann auch gleich wieder weg. Die Anderen fliegen ab und zu mal vorbei, verstecken sich dann aber wieder in den Bäumen, von wo aus sie uns lauthals auslachen. So klingt es zumindest. 😄
    Den Rest des Tages verbringen wir damit, alle Schaukeln am Hostel auszuprobieren (es sind so viele und wir sind so müde, dass wir damit nicht fertig werden), Eis zu essen und mit der kleinen Katze zu spielen, mit der Swantje sich inzwischen gut angefreundet hat. So gut, dass sie in der Nacht versucht in unser Zelt zu kommen (wir haben hier statt eines Zimmers ein großes Zelt mit Bett 😉) und es sich auf dem Innenzelt gemütlich macht. Beim Einschlafen hängt also so eine Art Katzensack mitten im Zelt herum. Morgens ist sie wieder weg, aber beim Frühstück hören wir von unserem Nachbarn, dass sie die zweite Hälfte der Nacht auf seinem Zelt verbracht hat.
    Nach diesem lustigen Abschluss geht es per Bus zurück nach Santa Marta und von dort wieder nach Cartagena, weil Swantje von dort aus wieder zurück nach Deutschland fliegt.
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  • Cartagena - zum zweiten Mal

    27–31 Mar 2024, Kolombia ⋅ 🌙 28 °C

    Jetzt bin ich also wieder in Cartagena. Noch ist Swantje dabei und wir treffen uns abends mit Alicia, die ich in Bogotá kennengelernt habe, in der Bonche Gastrobar (da gibt es sehr gute Margaritas 😉). Am nächsten Morgen schauen Swantje und ich uns noch das Museo Naval del Caribe an, danach fahren wir zum Flughafen.
    Die nächsten Tage bin ich hauptsächlich mit Umziehen beschäftigt: Das erste Hostel (La Antigua Capsula) war viel zu teuer, also ziehe ich auf die andere Seite des Blocks in ein Günstigeres (Pachamama). Als ich da bin erzählt mir Alicia von ihrem Hostel, das noch günstiger und netter ist und außerdem Frühstück hat. Also ziehe ich am dritten Tag wieder um, ins Hostal San Jacinto.

    Als ich an diesem Tag auf dem Weg zum Strand in Bocagrande über eine Brücke laufe, die die Stadtteile Manga und Getsemani verbindet, traue ich meinen Augen kaum: Auf der anderen Straßenseite läuft Ole. Ole ist wie ich als Hitchhiker über den Atlantik gesegelt, kennengelernt habe ich ihn in Las Palmas de Gran Canaria, als er gerade auf der Suche nach einem Boot war. Dann habe ich ihn zwei Monate später zufällig in Mindelo auf den Kap Verden wiedergetroffen und jetzt läuft er in Cartagena an mir vorbei. Ich hatte keine Ahnung ob und wo er auf dieser Seite des Ozeans angekommen ist, aber manchmal muss man das wohl auch nicht wissen um sich wiederzusehen.
    Den Abend verbringe ich dann mit Ole und Alicia am Strand und später am Plaza de la Trinidad in Getsemani mit Bier, arepas con queso (runde Teigfladen, mit Käse gefüllt) und Chocoramo (kleine Kuchen, mit Schokolade überzogen).

    Und am nächsten Tag? Richtig, ich ziehe wieder um. Das San Jacinto ist für die nächste Nacht nämlich schon ausgebucht. Also ziehe ich zu Ole ins Nahimara Hostel. Das ist bisher mit Abstand das günstigste (7€ pro Nacht) und in Cartagena bisher das gemütlichste. In der Küche steht ein einfacher Gasherd und ein Kühlschrank, draußen im Hinterhof ist eine Bar, zwei Tische und Sitzgelegenheiten. Dahinter steht ein lustiger Mix aus Zelten, Holzhütten und Hängematten. Und das mitten in der Stadt!
    Außerdem lasse ich mein Handy reparieren, das auf dem Weg nach Kap Verde eine Salzwasserdusche bekommen hat und wandere mit Ole zum Convento Santa Cruz de la Popa. Das ist eine Kirche auf einem Berg mitten in Cartagena. Bergauf lassen wir uns dazu überreden, ein Mototaxi zu nehmen, weil der Weg angeblich gefährlich ist. Entlang der Straße steht alle paar hundert Meter Polizei, so gefährlich sieht das gar nicht aus. Oben angekommen fragen wir ein paar Händler, ob es eine gute Idee ist, den Rückweg zu gehen, was diese kräftig bejahen. Um ganz sicher zu sein, fragen wir auf dem Rückweg nochmal bei der Polizei nach, die sagen uns, dass der Weg schon gefährlich sein kann. Angeblich soll es ab und zu vorkommen, dass hier Leute ausgeraubt werden. Wir kommen jedenfalls heil unten an, sind uns aber nicht sicher wem wir jetzt glauben sollen.

    Nach einem weiteren Abend in der Innenstadt mache ich mich am nächsten Tag auf den Weg zum nächsten Ort. Ja, das bedeutet: Nochmal umziehen.
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  • Isla Fuerte

    31 Mar–3 Apr 2024, Kolombia ⋅ ⛅ 29 °C

    Die Geschichte, wie ich auf die Isla Fuerte komme, fängt eigentlich schon Anfang März in Bogotá an. Dort war an einem Abend eine Werbeveranstaltung mit Glücksrad und Gewinnspiel vom Hotel "La Playita". Ich war zufällig in der Küche während die Plakate aufgebaut wurden und wurde gleich angesprochen, ob ich nicht am Gewinnspiel teilnehmen möchte. Alles, was ich machen müsste, ist, meinen Namen, E-Mailaddresse und WhatsApp Nummer hinterlassen und um 23 Uhr zum Gewinnspiel wieder in der Küche erscheinen. Gesagt, getan, ich gebe meine Daten ein, darf noch einmal am Glücksrad drehen (gewinne dabei einen 20% Gutschein für einen Aufenthalt im La Playita) und werde entlassen. Ich bin um 23 Uhr nicht zum Gewinnspiel in der Küche erschienen.

    Zwei Tage später bekomme ich eine recht lange WhatsAppnachricht vom Hotel, dass ich den Hauptpreis gewonnen hätte: Ein bis drei Tage Aufenthalt im La Playita für ein bis zwei Personen, inkl. Hin- und Rücktransport per Boot und einer Aktivität (Kajak oder stand-up paddleboard fahren). Jetzt sollte ich doch bitte möglichst schnell sagen, wann ich kommen möchte. Das war gar nicht so einfach: Als klar war, dass Swantje nach Kolumbien kommt, wollten wir natürlich gerne zu zweit auf die Insel. In der Zeit war das Hotel aber leider ausgebucht. Heute, fast einen Monat später sitze ich mit Alicia, die ich in Bogotá im Hostel kennengelernt habe, im Boot von Paso Nuevo auf die Isla Fuerte. Wir hoffen, dass wir nicht gerade auf irgendeinen billigen Trick reinfallen.

    Das Hotel besteht aus mehreren Holzhütten, dessen Wände aus dünnen Bambusstäben gebaut und dessen Dächer mit getrockneten Palmblättern gedeckt sind. Sehr schön sieht es hier aus, es gibt einen Strand, Hängematten und mehrere Hunde und in der Bar wieder einmal die guten kolumbianischen Fruchtsäfte.

    In den drei Tagen auf der Insel gehen wir an verschiedenen Stränden baden, essen mit Einheimischen Mangos und trinken Quatro (Zitronenlimonade). Überraschenderweise ist hier nicht viel los: Meistens sind wir alleine am Strand. Einen Tag besuchen wir die zwei Sehenswürdigkeiten der Insel: Eine Piratenhöhle (cueva de Morgan) und den laufenden Baum (el árbol que camina). Letzterer bildet an den Ästen Hängewurzeln aus, die zum Boden wachsen und einen neuen Stamm bilden. Dadurch nimmt der Baum eine riesige Fläche ein. Unsere kostenlose Aktivität lösen wir natürlich auch ein: Mit durchsichtigen Kajaks aus Plexiglas fahren wir einmal in den Sonnenuntergang und zurück (naja, den Untergang haben wir vor lauter Wolken leider nicht gesehen). Es ist eine geführte Kajaktour und der Guide, Paco, muss uns häufiger mal zurückpfeifen, weil wir versuchen auf eigene Faust loszufahren.

    Beim Auschecken, kurz bevor wir zurück aufs Festland fahren, kommt dann die Abrechnung: 135.000 kolumbianische Pesos (ca. 32€) für Essen. Das stimmt so, wir können es zwar immer noch nicht so ganz glauben, aber wir haben gerade drei Tage für lau auf einer wunderschönen Insel in einem wunderschönen Hotel verbracht.
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  • Necoclí

    4–8 Apr 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 29 °C

    Die erste Nacht nach der Isla Fuerte verbringe ich im nahegelegenen Lorica, die Stadt ist zwar nicht besonders schön, aber es ist schon spät und ich möchte heute nicht mehr weiterfahren. Für 50.000 COP (ca. 11 €) bekomme ich ein großes Doppelzimmer inkl. Bad und Dusche nur für mich. Danach fahre ich weiter nach Necoclí, eine kleine Küstenstadt am Golf von Urabá. Die Fahrt verläuft für kolumbianische Verhältnisse normal: Ein geplanter Umstieg, ein Ungeplanter (der Bus war plötzlich kaputt) und ein paar waghalsige Überholmanöver.

    Am nächsten Morgen bekomme ich erstmal einen Schreck: Es regnet, und das gleich kräftig. Die Regenzeit beginnt. Was heißt das für meine weitere Reise durch Kolumbien? Wie nass wird es?

    Die meiste Zeit verbringe ich hier mit schreiben, planen, wo ich als nächstes hinmöchte und kurzen Wanderungen durch den Ort. Ich brauche mal wieder Zeit für mich, die habe ich hier zur Genüge 😀
    Einen Tag gehe ich erst zum Volcan de lodo¹, der Weg dorthin ist allerdings gesperrt. Also trampe ich zurück in den Ort und mache mich stattdessen auf den Weg zum Flugplatz: Der ist verlassen, hinter dem Flugplatzgebäude stehen Pferde und Rinder im Schatten und grasen. Die Gegend wirkt ein wenig verschlafen!

    Das Hostel, in dem ich unterkomme, ist direkt am Wasser, günstig und sehr gemütlich. Es gibt eine Terrasse mit Meerblick, eine Hängematte und viele bunte Wände. Die Wasserhähne spucken meistens kein Wasser aus und die Klospülung funktioniert auch nicht. Stattdessen spüle ich mit einem Eimer voll Wasser, der schon bereit steht, nach. Habe ich schon erwähnt, dass dieser Ort ein wenig verschlafen wirkt?

    Von Necoclí aus fahren Boote nach Capurganá, das liegt auf der anderen Seite des Golfs von Urabá, kurz vor der Grenze zu Panama. Das ist nicht nur für Touris interessant, sondern auch ein Nadelöhr für Migrierende, die am Darien Gap vorbei nach Panama und weiter Richtung USA auswandern. Ich lasse mir übers Hostel einen Platz auf einem Boot reservieren und fahre am Montag rüber nach Capurganá. Ein paar Sachen lasse ich im Hostel, damit ich nicht so viel schleppen muss. Außerdem komme ich dann nicht auf die Idee, auch nach Panama weiterzufahren, schließlich möchte ich später noch die Kaffeeregion in Kolumbien sehen! Leistungstechnisch gibt es ein kleines Upgrade gegenüber der letzten Fahrt: Diesmal sind 4x 300 PS Außenborder angehängt. Auf dem Wasser habe ich mal geguckt wie schnell wir sind, die Geschwindigkeit schwankt so um die 30 Knoten. Hut festhalten!

    ¹Matschvulkan, da kann man im Matsch baden. Soll heilsam sein
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  • Capurganá

    8–10 Apr 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 29 °C

    Als ich in Capurganá ankomme, weiß ich noch nicht, wo ich die nächste Nacht schlafen werde. Bisher habe ich immer vorher eine Nacht in einem Hostel gebucht, jetzt möchte ich mal ausprobieren, wie das ist, vor Ort zu suchen. Die Besitzerin des letzten Hostels hat mir einige Empfehlungen gegeben und so mache ich mich gleich nach der Ankunft auf die Suche. Die erste Empfehlung, Hector's House, sieht sehr gemütlich aus, soll auch nur 30.000 COP (knapp über 7€) kosten. So günstig komme ich selten irgendwo unter. Dann grinst mich plötzlich Demos, ein Grieche, den ich noch aus Cartagena kenne, aus der Tür heraus an. Schon wieder so eine ungeplante, unwahrscheinliche Begegnung! Als ich mich entschieden habe, hierzubleiben und mein Bett zugewiesen bekommen (mal wieder ein Fünferzimmer für mich alleine), treffe ich Tom und Iris auf dem Flur. Die Beiden habe ich in Necoclí kennengelernt.
    Ich fasse noch einmal zusammen: Da organisiere ich mir ausnahmsweise mal kein Hostel, laufe in das Erste rein, das mir empfohlen wird und kenne schon drei der fünf Leute, die dort aktuell untergebracht sind! Ich habe nach 10 Minuten das Gefühl, angekommen zu sein und kenne inzwischen auch alle Leute, die hier arbeiten.

    Gleich am ersten Tag mache ich noch eine Wanderung in den Dschungel rein. Es ist so schön ruhig hier, ich begegne kaum Leuten, einfach wunderschön mal alleine wandern zu gehen! Ein bisschen Respekt habe ich schon vor den Tieren die es hier vielleicht gibt (so genau weiß ich das noch nicht), aber ich begegne nur Pferden und Echsen. Der Wanderweg kreuzt mehrmals einen Fluss, aber irgendwelche schlauen Menschen haben überall ausreichend viele Steine in angenehmen Abständen hineingelegt, sodass ich meist bequem rüberlaufen kann.

    Mit Demos zusammen wandere ich einen Nachmittag an der Küste entlang nach Süden zur Bahía Aguacate. Am Mittwoch packe ich meinen Rucksack schon wieder zusammen und wir gehen in die andere Richtung los: Richtung Sapzurro. Das liegt dann wirklich dicht an der Grenze. Unterwegs können wir sogar ein klitzekleines Stück Panama sehen. Nie hätte ich gedacht, dass ich hier mal hinkomme...
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  • Sapzurro

    10–17 Apr 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 30 °C

    Mit Dimos zusammen mache ich mich am Mittwoch zu Fuß auf den Weg nach Sapzurro. Schönes Gefühl, alle meine Sachen im Rucksack zu haben und einfach in den nächsten Ort zu wandern, ohne genau zu wissen wo ich heute Nacht schlafen werde. Hostels gibt es dort genug und da gerade Nebensaison ist sind kaum Leute da und ich muss mir keine Sorgen machen, ein freies Bett zu finden.

    Aus anfangs zwei geplanten Tagen werden schnell mehr, die ersten Tage verbringe ich dort mit Dimos. Wir kochen viel zusammen, gehen baden, wandern über die Grenze nach Panama und zurück und er freundet sich mit den lokalen Fischern an, die ihn schließlich mit nach Puerto Obaldía, Panama, nehmen.

    Nun bin ich endlich wieder ein paar Tage für mich alleine und bleibe deshalb gleich noch ein bisschen länger. Zwischen Hängematte, Strand und Dschungel lässt es sich hier sehr gut leben! Zu essen gibt es sehr viele Mangos und Plátanos, die hier überall wachsen, außerdem hole ich mir regelmäßig Empanadas an verschiedenen Straßenecken. Nur Strom, Wasser und Internet sind hier rar: Die Dörfer bekommen abwechselnd Strom nach einem rotierenden Stundenplan, wir sind mal vormittags, mal nachmittags und mal nachts dran. Wasser ist sehr knapp und wird streng rationiert, da es hier seit Monaten nicht mehr geregnet hat. Die Trockenzeit in Kombination mit "el niño" macht den Dörfern ein wenig zu schaffen. Und Internet? Das ging manchmal für undefinierte Zeit, dann wieder nicht. Ich habe nie herausgefunden, was da wirklich der Grund war 😀
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  • La Miel

    11 April 2024, Panama ⋅ ☁️ 30 °C

    Oh, Panama! Nie hätte ich gedacht, dass ich hier einmal hinkomme. Und dann ist es plötzlich so einfach! Von Sapzurro aus kann ich einfach rüberlaufen. Um "wirklich" nach Panama zu kommen, müsste ich allerdings ein bisschen mehr Aufwand betreiben. La Miel ist nämlich auch nur ein Dorf zwischen Dschungel und Meer, von hier aus geht es zu Fuß nicht weiter.Baca selengkapnya

  • Reisetage

    17–19 Apr 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 32 °C

    Montag, 16 Uhr, Sapzurro: Eigentlich wollte ich mich morgen früh auf den langen Weg nach Medellín machen. Ich habe aber noch keine Lust aus diesem wunderschönen Eckchen Kolumbiens wegzufahren und entscheide mich, noch einen Tag länger zu bleiben.

    Dienstag, 19 Uhr, Sapzurro: Morgen frühs stehe ich um 6 Uhr auf, laufe nach Capurganá und nehme das Boot um 8 Uhr nach Necoclí.

    Mittwoch, 9 Uhr, Sapzurro: Ich bin gerade aufgewacht. Es regnet. Ich packe meinen Rucksack und verlagere meinen müden Körper in eine Hängematte mit Meerblick.

    Mittwoch, 13:30 Uhr, Sapzurro: Es ist halbwegs trocken, ich laufe los. 10 Sekunden nachdem ich losgelassen bin fängt es wieder leicht an zu regnen. Diesmal drehe ich nicht wieder um!

    Mittwoch, 14:30, zwischen Sapzurro und Capurganá: Regenpause in einem Unterstand bei einem Aussichtspunkt.

    Mittwoch, 15:30, Capurganá: Ankunft in Hector's House. Hier kennen mich noch alle und ich kann im selben Schlafsaal schlafen wie letztes Mal. Als nächstes gehe ich zum Hafen und kaufe mir ein Bootsticket für morgen um 10 Uhr.

    Donnerstag, 10 Uhr, Capurganá: Ich habe Loran, den ich aus Sapzurro kenne, am Hafen wiedergetroffen, er möchte auch nach Medellín.

    Donnerstag, 11 Uhr, Capurganá: Wir fahren los. Loran hat gerade noch rechtzeitig dafür gesorgt, dass mein Rucksack nicht auf dem Steg liegen bleibt. Danke!

    Donnerstag, 13 Uhr, Necoclí: Es ist alles nass. Alles! Naja, Lorans Rucksack nicht. Der liegt noch in Capurganá. Ich gehe uns Bustickets kaufen während Loran auf das nächste Boot wartet, das seinen Rucksack mitbringt.

    Donnerstag, 15 Uhr, Necoclí
    Ich habe zwei Bustickets für 22 Uhr. Wir gehen für den Tag ins Hostal Mariápolis, wo ich noch ein paar Sachen abhole, die ich eingelagert habe. Außerdem hängen wir alle unsere Sachen zum trocknen auf und fühlen uns ein bisschen schlecht dabei, weil wir das Hostel nutzen aber nichts bezahlen.

    Donnerstag, 17 Uhr, Necoclí
    Loran hat seine Drohne ausgepackt und Videos vom Hostel gemacht. Die Besitzerinnen sind so glücklich, dass wir kostenlos Bier und Kaffee bekommen und abends zum Essen eingeladen werden.

    Donnerstag, 22 Uhr, Necoclí
    Wir sitzen im Bus und schlafen ein. Naja nicht direkt, vorher ziehe ich mir noch 3 Lagen Klamotten an um nicht von der Klimaanlage erfroren zu werden.

    Freitag, 1 Uhr, irgendwo
    Der Bus hält vor einer Panadería. Ich kaufe mir völlig übermüdet ein vollkommen überteuertes Brioche, nur um später festzustellen, dass es mit Käse überbacken ist. Daran werde ich noch eine ganze Weile essen!

    Freitag, 6 Uhr, Medellín
    Der Ausruf: "Medellín, Terminal del Norte!" reißt mich aus dem Schlaf. Schnell raus aus dem Bus und aus den 3 Extralagen Klamotten.

    Freitag, 7 Uhr, Medellín
    Wir nehmen das Abenteuer auf uns, mit dem Bus zum Hostel zu fahren. Als wir umsteigen müssen, haben wir keine Ahnung, mit welchem Bus wir weiterfahren müssen. Zum Glück ist gerade Berufsverkehr und die Busse fahren so langsam, dass wir die Passagiere einfach durchs offene Fenster fragen können, wo sie hinfahren.

    Freitag, 8 Uhr, Medellín
    Wir stehen vorm Hostel und werden nicht reingelassen, weil wir keine Reservierung haben.
    "Und wenn wir jetzt eine Reservierung machen, lässt du uns dann rein?"
    "Ja."
    "Dein Ernst?"
    "Ja."
    Ein wenig verwirrt und genervt reservieren wir jeder zwei Nächte und dürfen daraufhin zumindest unsere Rucksäcke abstellen.

    Kurze Zeit später überlege ich bei einem sehr teuren, aber extrem guten Kaffee, was die letzten 48 Stunden alles passiert ist. Vorgestern war ich noch in Sapzurro, es hätte aber auch genausogut letztes Jahr sein können. Unglaublich, solche Reisetage!
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  • Medellín

    19–29 Apr 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 19 °C

    Eigentlich habe ich nach der schönen Zeit zwischen Dschungel und Strand gar keine Lust auf eine Großstadt. Aber Medellín liegt auf dem Weg in die Kaffeeregion und ich möchte nicht einfach dran vorbeifahren. Den ersten Tag nach der Nachtfahrt im Bus bin ich noch sehr müde, ich mache mich am Nachmittag aber trotzdem auf den Weg zur ersten "free walking tour". Die fand ich schon in Bogotá ganz gut und hier mache ich auch insgesamt drei dieser Touren: Eine im Touriviertel El Poblado, eine in der Innenstadt, bei der ich eine Menge über die Geschichte Kolumbiens und Medellíns erfahre und eine in der Comuna 13. Die Comuna 13 war bis vor ca. 10 Jahren eine der gefährlichsten Ecken Südamerikas, ist aber inzwischen komplett umgekrempelt und ein riesiger Touristenmagnet. Die Geschichte des Viertels ist spannend, die Straßen sind extrem voll.
    Die letzten Tage in Medellín bin ich leider krank, kann daher nicht viel machen. Eigentlich wollte ich auch Donnerstag schon in die Berge fahren, habe mir über workaway wieder eine Farm gesucht auf der ich ein paar Tage leben und mithelfen kann. Das verschiebe ich erstmal ein paar Tage... Ole, den ich jetzt schon zum vierten Mal auf dieser Reise treffe, und ich kochen viel im Hostel und es gibt quasi jeden Tag selbstgemachte Arepas con Queso. Langsam aber sicher nähern wir uns der Originalrezeptur. Einen Nachmittag schaffen wir es noch, mit der Seilbahn einen kurzen Ausflug in den Parque Arví (Naturpark in der Nähe von Medellín) zu machen.
    Natürlich waren wir auch in der einen oder anderen Bar und haben ein paar Clubs ausprobiert. Ole war schon recht erfahren was das angeht, als ich in Medellín angekommen bin war er schon 10 Tage da. "Military Techno" in der Casa de la Luna überzeugt micht nicht, aber die Musik bei Mad Radio ist gut.
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  • Granja ViDar

    29 Apr–13 Mei 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 20 °C

    Ich hatte Lust, mal ein paar Tage länger an einem Ort zu bleiben, nur Spanisch zu sprechen und Leute kennenzulernen, die hier leben. Also habe ich mir auf workaway die Freiwilligenstellen angeguckt und mich auf die Stelle beworben, die am weitesten Weg von jeglicher Zivilisation ist. Die Antwort kam schnell.

    Nun bin ich seit ein paar Tagen hier oben in den Bergen, mal knapp unter den Wolken und mal in den Wolken. Um hier herzukommen bin ich erst mit dem Bus, dann mit einem Jeep gefahren und den letzten Kilometer den Berg hochgewandert. Anders ist es auch nicht möglich, der Wanderweg ist die einzige Verbindung zur Außenwelt. Hier kommen nur Menschen und Tiere hoch, keine Autos, keine Mototaxis... Chris und Aleja wohnen hier mit ihrem kleinen Sohn Evan, vier Hunden, zwei Katzen, zwei Ziegen, einigen Hühnern und einer Ente. Wozu die Ente gut ist weiß ich nicht. Außerdem gibt es hier viele Beete, in denen sie Gemüse, Zwiebeln, Kartoffeln etc. anbauen und mehrere kleine Hütten, die zukünftig mal an Touristen vermietet werden sollen. Die Beete sehen ein wenig anders aus als ich es gewohnt bin: Da hier alles am Hang wächst, sind sie terrassenförmig übereinander angelegt. Die Hütten sind alle aus Holz oder Lehm gebaut, das Klo ist ein Trockenklo und Duschen geht hier nur kalt.

    Morgens stehe ich um Viertel vor acht auf, hole die Schaufel aus der Abstellkammer und sammel Hundescheiße ein. Als nächstes bekommen die Hühner, die Ziegen und die Ente frisches Wasser (bei der Ente ist das auch notwendig, da sie liebend gerne in ihrem Trinkwasser badet). Danach ist der Ziegenstall dran, den mache ich mit einem Besen sauber. Später gibt es Frühstück, meist einen großen Arepa mit Ei, dazu Agua Panela (Wasser mit frischem Rohrzucker). Das schmeckt ziemlich gut, eines Tages finde ich auch heraus wieso: Auf einen Liter Wasser kommt ein ziemlich großer, bestimmt 100g schwerer, Klotz Zucker.

    Nach dem Frühstück geht es an die Arbeit, da mache ich fast jeden Tag was anderes:
    - Unkraut kürzen in den Terrassenbeeten (mit der Machete)
    - Holz für das Dach eines Outdoorbadezimmers vorbereiten
    - Zwiebeln einpflanzen
    - gemähtes Gras zusammenharken und in Tüten stopfen
    - Futter für die Ziegen holen (ebenfalls mit der Machete)

    Nachmittags und am Wochenende habe ich frei. Es ist Regenzeit, daher regnet es fast jeden Nachmittag. Ist aber eigentlich ganz schön, hier oben im Unterstand zu sitzen und über die Berge zu schauen, während um mich herum der Regen niederprasselt. Vorausgesetzt, die Berge sind dann noch zu sehen. Ich hatte anfangs ein wenig Respekt vor der Regenzeit in Kolumbien, aber hier oben lässt sie sich auf jeden Fall aushalten! Sonntag ist es ausnahmsweise mal einen ganzen Tag sonnig, ich nutze die Gelegenheit und wandere ins nächste Dorf um Schokolade nachzukaufen. Klingt einfach, das Dorf ist allerdings 9km entfernt und liegt fast 600m tiefer. Eine wunderschöne Wanderung! Nur von der Schokolade ist leider nicht mehr viel übrig, als ich wieder oben ankomme.

    Nebenbei höre ich ab und zu von Freunden, wie in Rostock die Segelsaison langsam losgeht. Manche Boote sind fertig, andere nicht, und es tut fast ein bisschen weh dort nicht mitmischen zu können. Um mich ein bisschen zu trösten schaue ich mir Boote an und überlege, was für eins ich mir später mal kaufen möchte.
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  • Guatapé

    13–15 Mei 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 20 °C

    Ich sitze im Tuk Tuk (übrigens zum allerersten Mal und es ist großartig), ein weiteres Tuk Tuk fährt auf der Gegenspur neben uns her. Ein Auto kommt uns entgegen, es wird kurz eng auf der Straße, aber die beiden Tuk Tuks passen auch nebeneinander auf eine Spur. Als nächstes überholen wir einen Esel. Warte mal. Einen Esel!?Baca selengkapnya

  • Jericó

    15–17 Mei 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 18 °C

    Ich reise ausnahmsweise mal mit Termin, das habe ich in der letzten Zeit nicht gemacht. Für den 26. Mai habe ich eine Tour im Los Nevados Nationalpark gebucht, ein Aufstieg auf den Nevado Santa Isabel. Vorher möchte ich mir aber noch ein paar hübsche Örtchen angucken, eines davon ist Jericó. So richtig entspannen kann ich mich hier leider nicht, ich überlege die ganze Zeit, welche Orte ich noch sehen möchte und wann ich weiterziehe. Es fällt mir gerade sehr schwer, einfach mal im Jetzt zu leben!Baca selengkapnya

  • Jardín

    17–21 Mei 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 23 °C

    Jardín steht schon länger auf meiner Wunschliste. Einerseits, weil es ein sehr schöner Ort in der Kaffeeregion sein soll, dabei aber nicht so touristisch wie Salento. Andererseits, weil hier der Caminata de 7 cascadas ist, ein Wanderweg, der angeblich an sieben Wasserfällen vorbeiführt.
    Die Fahrt mit der Chiva (sehr bunter, umgebauter LKW, der als Bus genutzt wird) von Jericó nach Jardín war sehr schaukelig und hat, obwohl der Weg echt nicht weit ist, drei Stunden gedauert. Es ging auf roten, lehmigen "Straßen" bergauf und bergab durch die Landschaft, vorbei an Farmhäusern, Kühen und Erdrutschen. An manchen Stellen war die "Straße" nur knapp breiter als der Bus. Das ganze natürlich Open Air, es gibt zwar ein Dach, aber keine Fenster.

    In Jardín angekommen mache ich mich auf dem Weg zum origen Hostel, das mir von meinen beiden Mitbewohnern in Jericó empfohlen wurden. Die Beiden waren zeitgleich dort, sind sich aber anscheinend nicht begegnet, sie haben sich nämlich erst in Jericó kennengelernt. Im origen Hostel angekommen, lerne ich schnell drei Backpacker kennen, die gerade diskutieren, in welches Hostel in Medellín sie gehen wollen. Ich schlage ihnen das Panela vor, in dem ich war, was aber nur für allgemeines Gelächter sorgt. Die Google Bewertungen fürs Panela sind aus irgendeinem Grund katastrophal 😆

    Als nächstes decke ich mich beim D1, einem günstigen Supermarkt, mit ein paar Lebensmitteln ein. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass essen gehen in Jardín teuer ist, daher möchte ich mir mein Abendbrot und Frühstück selber kochen. Als ich ca. anderthalb Stunden später wieder im Hostel bin, gekocht und gegessen habe, sind die drei Backpacker immer noch dabei zu diskutieren, wo sie in Medellín übernachten wollen. Ich bin anscheinend nicht der Einzige, der sich manchmal nicht entscheiden kann...

    Am nächsten Tag mache ich mich auf die Wanderung der sieben Wasserfälle. Nach den ersten zwei Kilometern komme ich an ein geschlossenes Gatter, neben dem Weg ist ein Haus in dem ich eine Passiergebühr bezahlen soll. Ein Mann kommt mir mit einem Kasten voller pinker Papierarmbänder entgegen und möchte 20.000 COP (ca. 4,75 €) von mir haben. Auf den Armbändern steht "MagentaSecure" und eine Telefonnummer, die man im Notfall anrufen kann. Ja, ich bin wieder im Tourigebiet angekommen... Ich schaffe es, ihn auf 15.000 COP (ca. 3,60 €) herunterzuhandeln, bekomme dafür aber kein Armband. Will ich auch gar nicht, auf dem Wanderweg ist eh kein Handyempfang um irgendwelche Notfallnummern anzurufen.
    Der Wanderweg erweist sich als sehr interessant und technischer als gedacht: Zuerst einmal führt er an fünf Wasserfällen vorbei (ja, nur fünf, zumindest laut meiner Zählung), die allesamt sehr schön sind. Das ist aber noch lange nicht alles, mal geht es steil bergauf, sodass ich mich mit Händen und Füßen festhalten muss, mal kreuzt der Weg einen Fluss und mal ist gar nicht zu erkennen wo der Weg weitergeht. Hier ist eine App mit einer guten Offlinekarte Pflicht! Den Teil des Weges, der besonders schwer zu finden ist, konnte ich hinter zwei geführten Gruppen herlaufen, sodass ich mich nicht verlaufen habe. Der einzige Nachteil daran war, dass an den Wasserfällen recht viele Menschen waren... Als die Gruppen Mittagspause gemacht haben, bin ich einfach weitergegangen und hatte die nächsten Wasserfälle ganz für mich alleine. Ich habe mich auch nur einmal kurz verlaufen 🤔
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  • Salamina

    21–23 Mei 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 21 °C

    6:25 Abfahrt in Jardín, zusammen mit Laura, die ich ursprünglich aus Guatapé kenne. Sie will nach Salento, ich fahre nur etwa die halbe Strecke, nach Salamina.
    9:30 Kurz vor dem Ort La Felisa werde ich auf einer Brücke neben der Schnellstraße rausgelassen. Am Straßenrand sind ein paar Sonnenschirme aufgestellt, darunter sitzen ein paar Leute und warten. Eine Frau hält die Busse auf der Schnellstraße an, wenn jemand einsteigen will. Sowas nennt man hier wohl "Bushaltestelle". Die Haltestellenwärterin erzählt mir, dass der Bus nach Salamina gegen 10 Uhr hier vorbeikommen soll.
    10:30 Der Bus nach Salamina ist noch nicht in Sicht.
    11:00 Immer noch kein Bus für mich in Sicht.
    12:00 Die Haltestellenwärterin entscheidet, dass der Bus wohl heute nicht kommt und stellt mir einen Jeepfahrer vor, der mich nach Salamina bringt.
    12:45 Der Jeep fuhr zwar Richtung Salamina, aber nur ca. ein Drittel der Strecke. Ich bin in La Merced, und habe eine Dreiviertelstunde Zeit, bis der nächste Jeep nach Salamina fährt.
    13:10 Ich beobachte am Plaza einen Jeep voll mit Kindern, die wohl gerade von der Schule kommen. Ein paar sitzen drin, ein paar sitzen drauf und ein paar stehen einfach auf einem Trittbrett und halten sich fest. Während der Jeep wegfährt, merke ich, dass ich gerne ein Bild gemacht hätte. Naja...
    13:30 Ich steige auf den Jeep nach Salamina auf. Es ist der mit den Schulkindern! Ich stelle mich hinten zu ihnen auf das Trittbrett. Als sie merken, dass ich Spanisch spreche sind sie sofort begeistert und fangen an mich auszufragen.
    13:45 Nachdem wir noch eine Viertelstunde gewartet haben, während ein Bagger vor uns einen Sandhaufen von der Straße geschaufelt hat, geht es endlich richtig los. Ich muss mich ziemlich gut festhalten, die Straßen hier bestehen nur aus rotem Staub und sind sehr holprig. Der Wind pfeift mir um die Ohren, die Fahrt macht einen Riesenspaß 🥳
    14:30 Inzwischen sind alle Kinder nacheinander aus- bzw. abgestiegen, neben dem Fahrer sitzt lediglich noch ein Kolumbianer im Jeep und ich stehe hinten drauf. Der Jeep hält an, die Fahrt ist hier zu Ende. Salamina ist noch nicht zu sehen. Bevor ich richtig verstehe, wieso, sitze ich schon mit dem Kolumbianer auf der Straße. Der Jeep braust zurück Richtung La Merced. Der Kolumbianer erklärt mir, dass die Jeeps aus beiden Richtungen sich hier treffen. Wir müssen also nur warten, bis ein Jeep aus Salamina kommt, der wird hier umdrehen und uns mitnehmen. Aber er sagt auch, dass wir einfach versuchen sollten, das nächste Auto anzuhalten, das vorbeikommt.
    14:45 Wir sitzen in einem Avocadotransporter auf dem Weg nach Salamina. Der Fahrer erklärt mir, dass das Wort "Gringo" eigentlich nur den Amis gilt. Die deutschen Touris seien die "Panzer".
    15:30 Ich bin in Salamina. Der Kolumbianer, der übrigens Honigverkäufer ist, schafft es, mir noch schnell 250 ml von einem Zeugs, das ich mal als Kräuterhonig bezeichne, zu verkaufen. Mal schauen, was ich damit anfange. Vielleicht kann man daraus Tee machen? Auf dem Weg zum Hotel fängt es kräftig an zu regnen. Als ich denke, dass ich jetzt in der richtigen Straße sein müsste, frage ich einen Mann, der in einer offenen Tür steht, ob in dieser Straße das Hotel Bonsai sei. "Nein", sagt er, "aber komm rein! Es regnet!". Keine Minute später sitze ich schon bei ihm auf dem Sofa. Er heißt Ben Hur, ist Zahntechniker und zeigt mir Bilder von seinen Reisen nach Dubai, Abi Dhabi, in die Türkei, USA etc.
    16:30 Ich bin im Hotel. Nach 10 Stunden. Für eine Strecke von 184 km. Laura ist schon seit 3 Stunden in Salento. 🤔
    Der Ausblick vom Balkon ist gigantisch!
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  • Pereira

    23–26 Mei 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 22 °C

    Nach zwei mehr oder weniger entspannten Tagen in Salamina mache ich mich wieder auf den Weg. Für das Wochenende habe ich eine Tour auf einen Gletscher im Los Nevados Nationalpark geplant, dafür muss ich vorher noch zu Decathlon, warme Klamotten kaufen. Ich fahre erst mit dem Bus von Salamina nach Manizales, eine sehr schaukelige Angelegenheit. Die Bergstraße ist kurvig und an vielen Stellen nicht mehr so breit wie sie sein sollte. Dafür kann man direkt aus dem Fenster weeeeit in die Tiefe gucken... Die Regenzeit und die dazugehörigen Erdrutsche machen der Infrastruktur zu schaffen! Mir wird ein wenig schlecht und ich bin froh, als ich in Manizales ankomme. Dort frage ich mich bis zu Decathlon durch, was ca. eine Stunde dauert. Dabei fahre ich Seilbahn und Bus. Praktisch, dass diese Bergstädte einfach Seilbahnen haben! Ein wenig gestresst komme ich schließlich bei Decathlon und fange an meine Einkaufsliste durchzugehen. Da ich beim Einkaufen häufig große Entscheidungsschwierigkeiten habe, laufe ich in den nächsten anderthalb Stunden sehr oft im Laden (der nicht besonders groß ist und nicht alles hat, was ich brauche) hin und her. Als ich endlich fertig bin, bin ich wirklich gestresst 😮‍💨
    Ähnlich wie vorher frage ich mich wieder bis zum Terminal de Transporte durch, diesmal fahre ich allerdings nur Bus, keine Seilbahn. Dort steige ich in einen Bus nach Pereira. Inzwischen ist es fast 17 Uhr. Auch so kann man einen Tag in Kolumbien verbringen!

    In Pereira fahre ich mal wieder per Stadtbus ohne Reservierung zu einem Hostel, dessen Beschreibung vielversprechend wirkt. Busfahren ist hier deutlich einfacher als in Manizales, da die Busse in der Moovit App zu finden sind. So muss ich mich nicht ganz so viel durchfragen. Das Hostel ist ein wunderschönes Café, in dem ein paar Zimmer vermietet werden. Es gibt auch eine Gemeinschaftsküche. Ich bekomme ein Bett im Viererzimmer, als ich die Tür aufmache, stelle ich fest, dass ich alleine bin. Schon wieder. Das passiert mir irgendwie häufiger, dass ich Vierer-, Fünfer- oder sogar Sechserzimmer komplett für mich alleine habe. Ich hatte mich eigentlich schon darauf gefreut, Leute um mich herum zu haben. Aber das hier ist noch besser: Ich habe ein großes Zimmer mit wunderschönen Hochbetten komplett für mich alleine. Dazu gehört ein Bad mit großer Dusche und ein Balkon mit Hängematte. Wahnsinn!! Ich mache meinen Rucksack auf und richte mich gleich häuslich ein. Der kleine Schrank und das Regal sind schnell gefüllt, die Kleiderhaken auch. Ein bisschen wie ein Kinderzimmer. So lässt es sich ein paar Tage leben! (Zehn Minuten später finde ich heraus, dass das Essen im Café wahnsinnig gut ist. Hier werde ich wohl ein bisschen Geld lassen 😆)

    Drei Nächte verbringe ich erstmal hier. In der Zeit versuche ich, meinen Schlafrhythmus ein wenig umzustellen, weil ich am Montagmorgen auf der Gletschertour um 1 Uhr früh aufstehen muss. Ich habe schon in Salamina angefangen, meinen Wecker jeden Morgen eine halbe Stunde vorzustellen, hier zwinge ich mich jetzt um 4 Uhr aufzustehen. Am Anfang gar nicht so einfach, aber ich gewöhne mich dann doch recht schnell dran. So früh morgens kann ich gut Hörbücher hören und Footprints schreiben 😉

    Am zweiten Tag in Pereira gehe ich übrigens wieder zu Decathlon, da ich in Manizales nicht alles gekriegt habe. Der Laden hier ist viel größer und der Stopp in Manizales war vollkommen überflüssig! Also ein Tag Stress für nichts? Naja, vielleicht für die Erfahrung. Nächstes Mal bin ich bestimmt entspannter.
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  • Parque Nacional Natural Los Nevados

    26–27 Mei 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 6 °C

    Heute beginnt meine Tour in der Parque Nacional Natural Los Nevados. Ziel ist es, morgen auf den Vulkan und Gletscher Nevado Santa Isabel zu steigen. (Der Aufstieg kommt allerdings erst im nächsten Footprint 😉)
    Zuerst einmal fahren wir morgens mit zwei Jeeps aus Pereira los in den Nationalpark. Kurz vorm Parkeingang gibt es Frühstück, danach fahren wir in den Park rein und machen uns auf eine kurze Wanderung, um uns mit dem Gelände und der Höhe vertraut zu machen. Insgesamt sind wir 10 Leute plus zwei Guides, später soll noch ein dritter Guide dazukommen. Ganz schön große Gruppe für einen Gletscheraufstieg, finde ich.
    Wir befinden uns auf 4100 Metern Höhe und das merke ich auch. Schon nach den ersten Metern bekomme ich Kopfschmerzen, dazu kommt noch, dass es erst sehr warm, dann sehr kalt ist und schließlich anfängt zu regnen. Alles nicht schlimm, da ich die richtigen Klamotten dabeihabe, aber ich ziehe mich die erste halbe Stunde mehrmals an und aus, muss jedes Mal den Rucksack absetzen und habe das Gefühl, mich beeilen zu müssen, damit der Rest der Gruppe nicht warten muss. Irgendwie stressig...
    Die Wanderung ist sehr schön, ich bin zum ersten Mal im sogenannten "Paramo"-Ökosystem, hier wächst nicht viel außer der großen Frailejones. Die sehen ein wenig aus wie Baumstämme, die in der Gegend rumstehen, geschmückt mit einem Schopf aus gelblich-grünen, flauschigen Blättern. Manche riechen sehr gut 😉 Angeblich sind die Frailejones dazu in der Lage, Wasser direkt aus den Wolken aufzunehmen. Also quasi genau das Gegenteil von dem, was "normale" Pflanzen machen?
    Wir wandern bis auf ca. 4400 Meter hoch zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir die Laguna Verde sehen können, einen tief-dunkelblauen Bergsee. Die Aussicht ist wunderschön, um uns herum ist kilometerweise karge Berglandschaft, von weißgrauen Wolken verhangen. Mittendrin in einem Tal der kalte, dunkle See. Ich muss an J.R.R. Tolkiens Hobbits denken, die nicht nur einmal durch solche Landschaften wandern. Und die waren dem Wetter bestimmt mehr ausgesetzt als ich! Aber das sind ja nur Geschichten...
    Wir machen alle fleißig Bilder, danach geht es wieder runter. Auf dem Rückweg werden meine Kopfschmerzen ziemlich doll, sodass ich, als wir an der Unterkunft ankommen, als erstes eine Ibu nehme. Nach dem Mittagessen bekommen wir eine Gletschereinweisung, in der der Guide Christiano uns erklärt, wie wir Klettergurt, Steigeisen und Eispickel verwenden sollen. Mehr oder weniger eifrig probieren wir alles aus, ich eher weniger eifrig, mein Kopf fühlt sich trotz Ibu so an als hätte jemand einen sehr großen Luftballon darin aufgeblasen. Christiano gibt uns auch einige Tipps, wie wir mit der Höhenkrankheit umgehen sollen, ich bekomme ein Pulver, das er Suero nennt und das ich in Wasser auflösen und trinken soll. Schmeckt sehr salzig! Außerdem nehme ich eine zweite Ibu. Zwei Stunden später versuche ich was zu Abend zu essen, kotze kurz danach alles wieder aus und lege mich früh ins Bett. Wars das schon mit dem Gletscher? Bin ich morgen früh überhaupt in der Lage, loszulaufen? Ich versuche nicht dran zu denken und schlafe erstmal ein paar Stunden.
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  • Nevado Santa Isabel

    27 Mei 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 3 °C

    Am Montag stehen wir um 1 Uhr morgens auf, essen ein wenig Müsli und trinken agua panela, setzen die Rucksäcke auf und machen uns auf den Weg. Kurz nach 2 Uhr beginnen wir im Dunkeln mit dem Aufstieg. Langsam, ganz langsam geht es im Licht der Stirnlampen vorwärts. Der Weg ist gut zu erkennen, was links und rechts vom Weg ist bleibt im Dunkeln. Ich habe leichte Kopfschmerzen, die schnell stärker werden und konzentriere mich ganz darauf, immer wieder einen Fuß vor den Anderen zu setzen. Ab und zu trinke ich einen Schluck Wasser, der Griff zur Wasserflasche kostet mich ein wenig Überwindung. Juanpa, einer der Guides, erinnert mich daran, tief zu atmen und befestigt meine Wasserflasche mit einem Karabiner am Schultergurt meines Rucksacks, damit ich leichter rankomme. In den Pausen zwinge ich mich dazu, etwas zu essen, danach geht es mir kurz besser.
    Zwischendurch schaue ich manchmal hoch zum Mond und denke, dass es eigentlich ziemlich schön ist, so durch die Nacht zu wandern. Ein bisschen erinnert es mich an die Atlantiküberquerung: Da haben wir uns tagelang langsam Meile für Meile vorwärtstreiben lassen.
    Es hat etwas stoisches, dieses Schritt für Schritt vorwärtsgehen, ohne an das Ziel zu denken. Dafür liegt es noch in viel zu weiter Ferne. Eigentlich mag ich das am Wandern, dieses stoische Voranarbeiten. Wenn bloß die Kopfschmerzen nicht wären!
    Gegen 5:30 wird es langsam heller, das gibt neue Kraft. Es ist ein bisschen wie in einem Computerspiel, wo man unterwegs Energie sammelt: Pro Schluck Wasser ein Energiepunkt. Pro Salzcracker zwei. Und zum Tagesanbruch 5. Nur leider geht diese Energie viel zu schnell wieder verloren... Ob ich wohl bis zum Gipfel durchhalte? Vielleicht. Aber dann weiß ich nicht, wie ich den Rückweg schaffen soll. Diese Gedanken gehen mir kurz durch den Kopf, aber dann konzentriere ich mich schnell wieder darauf, einen Fuß vor den Anderen zu setzen.
    "Ich bin auf 4600 Metern Höhe. Ich bin perfekt vorbereitet. Und ich setze jetzt einfach einen Fuß vor den Anderen." Diesen Spruch wiederhole ich innerlich bestimmt 20 mal.
    (Das Folgende passiert etwa auf Höhe der Bewuchsgrenze)
    Einer aus der Gruppe fängt an, sich zu übergeben und fällt ein bisschen zurück. Ich bin also nicht der Einzige, dem es schlecht geht. Kurze Zeit später dreht er mit Juanpa um. Ich überlege, mitzugehen, drehe mich aber doch um und laufe weiter. "Jetzt hast du dich entschieden, jetzt gehst du hoch. Das war die einzige Gelegenheit umzudrehen, eine weitere wird nicht kommen.", denke ich mir. Hoffentlich gehen wir nur auf den niedrigeren, mittleren Gipfel. Mehr schaffe ich nicht. Der Weg wird jetzt steiler und steiniger und die Kopfschmerzen immer doller. (Einmal bin ich schon getaumelt und wurde überrascht von Vivi, auch Guide, festgehalten.)
    Nach einem sehr steilen Stück Weg öffnet sich vor uns eine leicht buckelige, steinige Einöde. Die Gruppe hat sich ein wenig in die Länge gezogen, die ersten bleiben stehen, jemand beginnt zu weinen, ich versuche einfach nur Schritt zu halten. Erst nach ein paar Momenten verstehe ich, dass das hier der mittlere Gipfel sein muss. Wir bleiben stehen und machen einige Bilder. Im Süden erhebt sich der Südgipfel, im Südwesten steht in einiger Entfernung der Nevado del Tolima, dessen Gipfel in den Wolken verschwindet. Wenn wir hier umdrehen, wenn irgend ein Teil der Gruppe hier kehrt macht, gehe ich mit. Aber es herrscht keine Gipfelstimmung, niemand jubelt, niemand macht Anstalten, sich auf den Rückweg zu machen. Stattdessen richten sich alle Blicke nach Norden: Dort erhebt sich, von einer harten, weißen Haube bedeckt, der Nordgipfel. Langsam setzt sich die Gruppe wieder in Bewegung. Ich frage, was der Plan ist, wir gehen an die Eisgrenze und suchen einen Ort, an dem wir aufsteigen können. Ok, allzu weit sieht es nicht mehr aus, ich möchte da schon gerne hoch. Aber mein Kopf, meine Beine, mein Körper sagen mir: Dreh um. Das schaffst du nicht mehr. Der Rückweg ist jetzt schon hart genug, du kannst nicht noch weiter aufsteigen. Aber ich sage nichts und gehe weiter. Solange alle anderen weitergehen, gehe ich mit.
    An der Eisgrenze sind wir recht schnell, dort angekommen setze ich mich hin und beobachte die Anderen. Niemand sieht so aus, als ob das hier das Ziel ist. Niemand macht Anstalten, umzudrehen. Stattdessen machen alle ihre Rucksäcke auf, holen den Klettergurt und die Crampones raus, legen die Eishacke bereit und beginnen, sich umzuziehen. Ich sitze noch eine Weile still da, atme tief ein und aus, gehe dann ein paar Schritte von der Gruppe weg um Bilder zu machen. Mein Kopf fühlt sich an, als würde er zerbrechen, außerdem habe ich langsam das Gefühl mich übergeben zu müssen. Die Beiden übriggebliebenen Guides wissen, dass ich Kopfschmerzen habe, vielleicht wissen sie sogar, wie doll die sind. Wenn sie mir auch nur für einen Moment vorschlagen würden, umzudrehen, ich würde sofort zustimmen
    Aber das tun sie nicht. Und meine Entscheidung bleibt: So lange alle Anderen weitergehen, gehe ich auch weiter. Langsam gehe ich zurück zu meinem Rucksack und beginne ebenfalls, mich umzuziehen. Der Klettergurt ist schnell angelegt, das habe ich in den letzten Jahren häufig genug gemacht. Die Crampones sind auch nicht besonders schwierig, dauern nur eine Zeit, weil ich mich nicht konzentrieren kann. Als ich mich versuchsweise hinstelle, fällt mir auf, dass ich sie nicht vernünftig festgeschnallt habe. Es kostet mich einige Überwindung, mich wieder hinzusetzen und den Gurt nochmal neu zu fädeln. Doch schließlich habe ich alles angezogen, die Eishacke in der Hand und meinen Rucksack wieder auf dem Rücken. Einatmen, ausatmen. Wir bilden zwei Gruppen, in denen wir uns jeweils mit einem Seil aneinanderbinden. So können wir, sollte eine Person abrutschen, sie gemeinsam sichern. Als wir alle miteinander verbunden sind, beginnen wir langsam mit dem Gletscheraufstieg. Eine Person zur Zeit setzt vorsichtig die spitzen Schuhe auf Eis und geht einfach die schräge Eiswand hoch. Als das Seil sich strafft, geht die nächste Person hinterher. Ich bin als Dritter in der zweiten Gruppe und lasse mich die ersten Meter ein wenig von den Beiden vor mir unterstützen, indem ich mich ganz leicht vom gespannten Seil ziehen lasse. Das Laufen auf dem Eis geht erstaunlich gut und nach wenigen Metern wird die Wand flacher und flacher. Wir laufen vorbei an Mulden, überfrorenen Pfützen und kleinen Gletscherspalten. Ich bin sehr froh, dass ich nur hinterherlaufen muss und die Guides einen sicheren Weg über das Eis aussuchen. Nach ein paar Minuten sind wir oben.
    Oben. Ganz oben. Mir kommen sofort die Tränen. Ich bin tatsächlich oben auf dem Gletscher. Daran habe ich selbst nicht mehr geglaubt. Wir klinken uns aus dem Seil aus. Einige jubeln, einige machen Bilder und Videos. Ich gehe langsam um die Anderen rum und schaue mich um. Ich bin tatsächlich bis auf den Nordgipfel hochgeklettert. Ich kann es gar nicht fassen. Zum Freuen fehlt mir die Kraft, aber ich fühle mich auf eine seltsame Weise erleichtert. Und immer wieder kommen mir die Tränen. Ich möchte auf die Knie fallen, traue mich vor den Anderen aber nicht. Vielleicht hätte ich es gemacht wenn ich alleine wäre, es fällt mir schwer vor anderen Leuten meine Gefühle zu zeigen.
    Ich mache auch ein paar Fotos, wir umarmen uns. Es ist arschkalt hier oben, der Wind weht uns um die Ohren und immer wieder fliegen Wolken durch uns durch und verschleiern die Aussicht.
    Nach ein paar Minuten klinken wir uns wieder in das Seil ein und beginnen langsam mit dem Abstieg. In einem weiten Bogen gehen wir langsam wieder runter, es wirkt fast ein bisschen so als ob wir einen Umweg gehen um das Laufen auf dem Gletscher noch ein bisschen zu genießen. Zurück an der Eisgrenze machen wir eine Pause und ziehen uns um. Einige essen etwas, bieten mir Schokolade an, aber mir ist schlecht. Ich will keine Schokolade (und das passiert mkr äußerst selten). Ich ringe mich schließlich dazu durch, ein paar Erdnüsse zu essen. Mir wird noch schlechter. Der Rückweg führt uns erstmal zurück zum mittleren Gipfel, von dort aus geht es ein Stück steil bergab. Circa auf der Hälfte dieser steilen Strecke übergebe ich mich neben dem Pfad, es kommt alles wieder raus, was ich heute gegessen habe. Zwischen den Steinen liegt ein sehr flüssiger Brei (genug getrunken habe ich offensichtlich), gespickt mit Granadillakernen. Ein unwirklicher Anblick, hier oben, wo keine Pflanzen wachsen und wahrscheinlich auch nichts verrottet. Naja, der nächste Regen wird es wegspülen, mir geht es auf jeden Fall ein bisschen besser.
    Der Rückweg ist echt hart. Mein Kopf tut jetzt ziemlich doll weh, ich fühle mich völlig fertig. Auf dem Hinweg hatte ich wenigstens ein Ziel vor Augen, jetzt geht es nur noch darum, die ganze Strecke zurückzulaufen. Und ich weiß die meiste Zeit nicht mal genau, wie weit es noch ist, weil ich den Weg zum ersten Mal richtig sehe. Auf dem Hinweg war es schließlich noch stockdunkel! Wir machen einige Pausen zusammen, in der Letzten schlafe ich einfach im Sitzen ein. Es wird ein Gruppenfoto gemacht, ich gucke sogar in die Kamera, kann mich aber im Nachhinein kaum noch daran erinnern. Der Weg ist immer noch weit, jetzt beginnt die Gruppe sich langsam auseinanderzuziehen, wer noch schneller laufen kann, läuft vorweg. Ich falle langsam immer weiter zurück und stolper schließlich hundert Meter hinter den Anderen hinterdrein. Irgendwo hinter mir ist noch ein Guide, der anscheinend eine längere Klopause gemacht hat. Ab und zu bleibe ich stehen und stütze mich auf den Wanderstock. Mein Kopf rauscht. Ich habe eine Ibu genommen und mir ist schlecht, ich möchte aber nicht kotzen bevor sie angefangen hat zu wirken. Wie weit es wohl noch ist? Ist das breite Stück Weg da vorne vielleicht schon die Straße? Es ist ein neues, ungewohntes Gefühl, den Weg schonmal gelaufen zu sein aber trotzdem nichts wiederzuerkennen.
    Irgendwann komme auch ich unten an. Irgendwie habe ich noch auf Zwei aufgeholt, sodass wir zu Dritt aus dem Weg auf die Jeeps zustolpern. Uns wird zugejubelt, ich lasse mich auf den Boden fallen und bleibe dort sitzen. Esteban uns Luisa reichen mir Wasser, ein Guide nimmt mir die geliehene Ausrüstung ab. Ich sitze einfach nur da und bin glücklich, die Wanderung geschafft zu haben. Ich war auf dem Gletscher! Ich kann es immer noch nicht glauben. Während wir im Jeep sitzen und die ersten Meter bergab fahren um Mittag zu essen, lassen meine Kopfschmerzen langsam nach. Ich kann wieder essen und nach einer Stunde fühle ich mich zwar geschafft, aber gut. Während wir wieder in dickere Luftschichten fahren, ist es fast so als wolle mein Körper mir sagen: So schlimm war es doch gar nicht!
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  • Salento

    29–31 Mei 2024, Kolombia ⋅ 🌫 21 °C

    Von Pereira mache ich mich am Mittwoch auf den Weg nach Salento. Lange habe ich hin- und herüberlegt, wo ich hinfahre, schließlich habe ich mich aber für Salento entschieden. Ich habe vor allem Lust, mal wieder Leute zu treffen und mehr als einen Tag mit ihnen zu verbringen, das sollte dort gehen. Fast alle Reisenden, die ich getroffen habe, waren entweder in Salento oder wollen noch dorthin: Es ist ein beliebtes Reiseziel.
    Nach einer vergleichsweise kurzen Busfahrt gehe ich in Salento erstmal zum Mahalo Hostel. Laura hat hier vor ein paar Tagen einen Schlüssel mitgehen lassen, ich bezahle die 10.000 COP Strafe und bekomme das Geld von ihr per PayPal zurück. Das ist der günstigste Weg, und da ich eh gerade da bin auch der Einfachste. Danach mache ich mich auf den Weg zum Yambolombia Hostel, das liegt ca. 30 Minuten Fußweg außerhalb von Salento. Dort lerne ich Teni kennen, einen Briten und zusammen machen wir später noch einen Ausflug zu einem Aussichtspunkt. Wir sehen: Nichts. Es ist so neblig, dass wir nichtmal die Dächer der Häuser direkt unter uns sehen können.
    Am nächsten Tag schaue ich mir eine Weile Salento an, lerne beim Mittagessen Sami kennen (Kanadier) und verbringe den Rest des Tages mit Teni und Sami. Dabei gehen wir unter Anderem nochmal zum Aussichtspunkt, von dem aus wir heute den Sonnenuntergang über Salento beobachten können. Danach verbringen wir einen sehr schönen Abend, der in einem Asiarestaurant voller Holländer*innen anfängt und in einem Café mit Livemusik endet. Dabei kommen immer mehr Leute dazu, die wir an dem Tag irgendwo getroffen haben. Es tut sehr gut, sich mal wieder länger mit wem zu unterhalten!
    Eigentlich will ich am nächsten Tag ins Cocora Valley, wo die großen Wachspalmen (palma de cera) stehen. Da Sami uns gestern allerdings zwei Stunden lang von einem Hostel erzählt hat, in das er unbedingt gehen will, entscheide ich mich aber dagegen und breche stattdessen mit Sami und Teni Richtung Filandia auf. Transportmittel: Willy Jeep. Es ist ein bisschen schade, das Cocora Valley auszulassen, aber dafür kann ich mal wieder mit wem zusammen weiterfahren anstatt alleine zu überlegen, wo ich hinmöchte.
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  • Tukawa (Filandia)

    31 Mei–2 Jun 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 25 °C

    Zuerst fahren wir (das sind Teni aus London, Sami aus Montreal und ich) mit dem Jeep von Salento nach Filandia. Sami hat ein Hostel ausgesucht und solange auf uns eingeredet, bis wir entschieden haben mitzukommen. Wir sind sehr gespannt 🤭
    In Filandia haben wir zwei Stunden Zeit, uns das Dorf anzugucken, bevor ins Hostel weiterfahren. Filandia ist sehr schön, noch ein bisschen schöner als Salento und dabei längst nicht so voll. Hier gibt es zwar auch Tourismus, aber nicht so viel wie in Salento.
    Um 17 Uhr fahren wir per Jeep weiter zum Tukawa Hostel, natürlich auf der Ladefläche stehend.
    Das Hostel liegt 30 Minuten Jeepfahrt von Salento entfernt, mitten zwischen Bananenplantagen und Kaffeepflanzen. Es gibt einen großen Schlafsaal, einige Zweierzimmer und Hütten, die man mieten kann. Der Aufenthaltsraum ist groß und gemütlich, außerdem zur Terrasse hin geöffnet. Im Garten ist ein schöner, kleiner Pool und es läuft den ganzen Tag mehr oder weniger entspannte Musik (ich bin kein Fan davon, den ganzen Tag lang Musik hören zu müssen). Teni und ich haben in Filandia eingekauft, um nicht das teure Essen im Hostelrestaurant zu bezahlen. Die Gemeinschaftsküche ist am anderen Ende des Geländes, winzig klein und es gibt einen Elektroherd mit nur zwei Platten, von denen wir nur eine zur Zeit benutzen können, weil sonst eine Sicherung rausfliegt. Das Kabel vom Herd ist kilometerlang, liegt aufgewickelt in der Ecke und wird ordentlich heiß. Als wir das dem Manager zeigen, sieht er nur zu, dass er schnell wieder aus der Küche rauskommt und zurück in die weit entfernten, gemütlichen Gemeinschaftsräume. Hier wird alles getan, um einen dazu zu bewegen, das Restaurantessen zu kaufen!

    Ich kann mich in der aufdringlich-entspannt gestalteten Atmosphäre so gar nicht entspannen, zumal ich gerade große Schwierigkeiten mit einer Flugbuchung habe: Ich habe beschlossen nach Leticia an den Amazonas zu fliegen und möchte den Flug buchen bevor es zu teuer wird. Aber wann? Und von wo aus fliege ich los? Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ich glaube die Reisemüdigkeit hat bei mir eingesetzt. Außerdem funktioniert meine Kreditkarte irgendwie nicht, was die Flugbuchung zusätzlich erschwert. Nach ein paar Stunden und vielen Versuchen ist es dann entschieden: Ich fliege nächsten Dienstag von Bogotá nach Leticia.
    Abends ist im Hostel eine Riesenparty, ich fühle mich aber gar nicht nach feiern und schlafe um 17 Uhr auf meiner Brille ein. Bis 4 Uhr morgens wache ich immer wieder kurz auf, so etwas wie Nachtruhe scheint es hier nicht zu geben: Wer nicht mitfeiert, hat halt Pech gehabt.
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  • Bogotá

    3–4 Jun 2024, Kolombia ⋅ ☁️ 11 °C

    Vom Tukawa Hostel aus geht es für mich über Filandia und Armenia nach Bogotá. In Filandia nehme ich mir nochmal Zeit, das Dorf ein bisschen anzuschauen, als es anfängt zu regnen versinke ich in einem Café, esse viel Kuchen und mache all die Dinge, zu denen ich sonst nicht komme. E-Mails lesen, Footprints schreiben, geteilte Bilder herunterladen... Als es dunkel wird gehe ich zum Busterminal und frage nach einem Bus nach Armenia. Der Busfahrer winkt mich heran, sieht meinen Rucksack und zeigt auf den Kofferraum. Ich stelle mich hinter den Bus und packe kurz um, einige Dinge wie Reisepass und Portemonnaie nehme ich immer mit in den Bus, falls der Rucksack mal verloren geht oder geklaut wird. Während ich so dastehe und meine Sachen sortiere, lässt der Bus plötzlich den Motor an und fährt mit offener Kofferraumklappe davon. Gut, dass ich noch nichts hineingelegt habe! Ich nehme lieber den nächsten Bus, der komischerweise keine 10 Minuten später schon abfährt.
    In dem Moment, in dem ich in Armenia am Busschalter stehe und "Bogotá" sage, ist meine Zeit in Kolumbien für mich zu Ende. Dort hat es angefangen, dort soll es enden. Jetzt kommt ein neues Kapitel, Amazonas. Vorher habe ich aber noch gaaanz viel Zeit: Mein Nachtbus nach Bogotá fährt erst um 23 Uhr ab und der Flug von Bogotá nach Leticia ist erst in zwei Tagen.
    Also fahre ich erstmal mit all meinem Gepäck in die Innenstadt um etwas zu essen. Mit der Hilfe einiger netter Kolumbianer sitze ich nach kurzer Zeit im Stadtbus Richtung Innenstadt, esse dort den wahrscheinlich größten Burger meines Lebens (Teni: "in Armenia, of all places!") und fahre per Uber zurück zum Terminal. Nach dem Essen werde ich auf jeden Fall gut schlafen...
    Am nächsten Morgen bin ich schon um 5 Uhr in Bogotá am Busterminal in Bogotá, warte dort ab, bis es hell wird und fahre dann zum Hostel. Dort kann ich netterweise schon nach kurzer Zeit in mein Bett und schlafe noch ein paar Stunden.
    Am Nachmittag mache ich mich auf eine erfolglose Suche nach Malariamedikamenten, danach freue ich mich darauf wieder eine Nacht in einem Bett zu schlafen. Irgendwie habe ich schon wieder ein Mehrbettzimmer für mich alleine 🤔
    Am nächsten Tag nehme ich mir vor, mich bis zum Flug zu entspannen und nichts weiter zu machen. Dieser Plan wird allerdings schnell zerstört, als mich im Hostelworld Chat folgende Nachricht erreicht: "Hey, is anyone flying from Bogotá to Leticia today? Urgent issue regarding passport. Please reply."
    Ja, ich fliege heute von Bogotá nach Leticia. Ich antworte und werde schnell in folgende Situation eingeweiht: D. aus der Schweiz ist gestern nach Leticia geflogen und hat ihren Reisepass im Flugzeug liegengelassen. Der Pass liegt jetzt in Bogotá und wartet darauf abgeholt zu werden. Ich biete an, den abzuholen, zweifel aber daran, dass ich den Pass dort bekomme. Im Laufe des Vormittags schickt D. mir nach und nach eine Vollmacht, eine Kopie ihres Passes und ihre Bordkarte zu. Ich drucke alles im Hostel aus, unterschreibe die Vollmacht, füge noch eine Kopie meines Passes bei und mache mich dann sehr frühzeitig auf den Weg zum Flughafen, da ich keine Ahnung habe wie lange diese verrückte Aktion dauern wird.
    Nach 10 Minuten halte ich ihren Pass in den Händen, weitere 10 Minuten später habe ich mein Gepäck aufgegeben, eingecheckt, bin durch die Sicherheitskontrolle gelaufen und stehe mit zwei Identitäten am Gate. Häh? Das ging mir jetzt irgendwie zu schnell. Mein Flug geht erst in zwei Stunden!
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  • Leticia

    4–7 Jun 2024, Kolombia ⋅ ⛅ 25 °C

    In Leticia angekommen, holt D. mich am Flughafen ab um ihren Reisepass in Empfang zu nehmen. Sie bringt mich noch zum Hostel, dann verabschieden wir uns wieder. Am nächsten Tag schaue ich mir ein wenig Leticia an, dabei lerne ich ein neues Transportmittel zu lieben: Mototaxi. Einfach eines der vielen Motorräder anhalten, sagen wo ich hin möchte und hoffen, dass der Fahrer halbwegs besonnen ist. Am Ende 3.000 COP (70 ct) bezahlen. Die Mototaxifahrten sind viel schneller als zu Fuß zu gehen, machen Spaß und kosten für mich als Europäer quasi kein Geld.
    Leticia ist nicht sonderlich spannend, aber der Hafen hat es in sich: Hier tummeln sich lauter lange, schmale Holzboote, Einbäume und viele viele Menschen. Hier kommt die Marktware aus den umliegenden Siedlungen an, natürlich alles auf dem Wasserweg. Es werden Plátanos, Zwiebeln, Holzkohle und alles mögliche Andere aus den Booten geladen und über die Straße zum Markt getragen. Die meisten Boote sind motorisiert, die Motoren sehen mir verdächtig nach umgebauten Motorsensen aus: Statt des Mähkopfes wurde einfach ein Propeller angesteckt. Später lerne ich, dass diese Boote "peke peke" heißen, wegen des Geräusches, das die Motoren machen. "Geräusch" ist vorsichtig ausgedrückt, manche Motoren machen so laut "peke peke", dass es in den Ohren wehtut.
    Das Hostel (Nómada) wird von einer indigenen Familie und einem Zuwanderer aus Bogotá betrieben. Die Familie wohnt dort schon länger, die Mutter und der jüngste Sohn sind taubstumm, einer der älteren Söhne, Romel, bietet Kanutouren an. Am Nachmittag mache ich mit Diego, der für einige Zeit im Hostel ist, und Romel ebendiese Kanutour. Wir laufen zuerst durch eine indigene Community, danach fahren wir mit einem langen Holzkanu, ähnlich denen, die ich im Hafen gesehen habe, durch den überschwemmten Wald. Zur Regenzeit im Winter schwillt der Amazonas an und überflutet die umliegenden Wälder Der Wasserstand ist dann bis zu 18 m höher als im Sommer. Die Häuser in der Community, durch die wir laufen, sind aus diesem Grund alle auf Stelzen gebaut. Jetzt stehen sie auf dem Trockenen, aber vor ein paar Wochen konnte man sich hier nur per Boot bewegen. Romel zeigt uns anhand der Verfärbungen an den Bäumen, wie hoch das Wasser steigt. Die Markierung ist fast einen Meter über unseren Köpfen...
    Per Kanu fahren wir dann erst zu einem Baum, wie ich ihn auf der Isla Fuerte schon gesehen habe: Er bildet Hängewurzeln aus, die, wenn sie den Boden berühren, anwachsen und zu neuen Stämmen werden. Zwischen diesen Stämmen spannt Romel Hängematten auf und wir legen uns hinein. So baumel ich am ersten Nachmittag in Leticia mitten im überschwemmten Amazonasregenwald in einer Hängematte, die Füße vorsichtig ins Wasser steckend. Ich habe mich schon wieder viel zu sehr stressen lassen, weil meine Brille kaputt ist, das Mückenspray nur so mäßig funktioniert, ich mich nicht entscheiden konnte ob ich mich erst mit Mückenspray und dann mit Sonnencreme einschmiere oder lieber andersrum, weil ich unbedingt Tiere sehen möchte und und und... Hier in der Hängematte kann ich ein bisschen loslassen und anfangen zu genießen, dass ich im Amazonas bin.
    Nach ca. einer halben Stunde bauen wir unser gemütliches Lager wieder ab und paddeln weiter durch den Wald auf einen See hinaus. Romel fragt uns ob wir baden gehen wollen. "Las pirañas son vegetarianas.", fügt er lächelnd hinzu. Nachdem er reinspringt und nicht gefressen wird ziehe ich mir meine Badehose an und springe hinterher. Das kühle Wasser tut sehr gut nach dem heißen, feuchten Tag. Nur komisch, in Süßwasser zu baden! Das bin ich gar nicht mehr gewohnt!
    Auf dem Rückweg verlaufen wir uns kurz, an einem Fluss, wo Romel eine Brücke erwartet hatte, müssen wir spontan umkehren. Danach verbringen wir einen sehr schönen Abend auf der Terrasse im Hostel, mit viel Bier und ein paar Cocktails.
    Donnerstag fahre ich wieder per Mototaxi zum Hafen, dort kaufe ich ein Bootsticket nach Mocagua für den nächsten Tag. Danach fahre ich noch kurz an die kolumbianisch-brasilianische Grenze, die mitten durch die Stadt verläuft (auf der brasilianischen Seite heißt sie allerdings Tabatinga). Nachmittags esse ich zwei Eis bei Nàì Chì und positioniere mich im Parque Santander. Ca. eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang geht das Spektakel los: Tausende Vögel strömen in verschiedenen Schwärmen in den Park, setzen sich in die Bäume, fliegen aufgeregt hin und her und machen einen Höllenlärm. Gespräche sind jetzt unmöglich, außerdem muss ich aufpassen, nicht vollgeschissen zu werden. Eine Weile schaue ich mir das Schauspiel aus der Nähe an, dann flüchte ich auf den Kirchturm. Hier ist es ein wenig ruhiger und ich kann nicht nur die Vögel im Park beobachten, sondern auch über die ganze Stadt blicken. Am interessantesten ist jedoch die große Kreuzung am Park: Dort einigen sich Motorräder, Tuk-Tuks und Busse scheinbar ohne Verkehrsregeln, aber per Hupe und Handzeichen, wer als nächster weiterfahren darf.
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