• Sirius.
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NST - Norden, Mitte und Süden

3 Teilabschnitte des NST. Einer im Norden von Flensburg bis Hamburg, in der Mitte von Siegen bis Bingen und im Süden vom Westweg zum Haldenwanger Eck. 10 Wochen Zeit. Mal sehen, was kommt. Читать далее
  • Schwein gehabt!

    5 июня, Германия ☁️ 18 °C

    05.06.26
    Von ca. Erpel bis Leutesdorf

    Heute morgen um 5 Uhr aufgestanden und sofort das Zelt in der Hütte abgebaut. Gefrühstückt wird nicht. Ich muss erstmal warm werden.
    In einem Waldstück sehe ich auf einmal ein paar kleine Wildschweine, die weglaufen. Meine ich zunächst. Aber sie laufen nicht weg. Sie laufen nur ein bisschen weiter und suchen dann weiter Futter. Und dann sehe ich mindestens 20 Frischlinge. Sie spielen miteinander, jagen sich gegenseitig, wühlen im Waldboden und kommen mir schon wieder näher. Sie lassen sich durch meine Anwesenheit gar nicht stören. Sie bemerken das "Kunstwerk" 😉 gar nicht. Es ist eine unglaublich faszinierende Situation. Ich schaue erst nur zu und kann dann noch Fotos zwei Videos aufnehmen. Irgendwann gibt doch irgendeines von den Kleinen das Signal für Gefahr. Und alle stürmen davon. Zuletzt auch eine Bache, nachdem sie sich überzeugt hat, dass alle in Sicherheit sind. Dieses Erlebnis verfolgt mich den Rest des Tages.
    In Linz suche ich eine Bäckerei und frage eine Frau, die mit ihrem Kind unterwegs ist. Sie sagt gleich, dass sie sich nicht auskenne. Ich frage also Herrn Google und finde ein Kaffeehaus mit Bäckerei. Und da sitzt diese eben Frau mit ihrem Kind. War das Absicht? Eigentlich war sie ganz nett.
    Entgegen dem Vorsatz: "Vor dem Stuhlgang, nach dem Essen, Händewaschen nicht vergessen. " suche ich erstmal den Sanitärbereich, um mir die Hände zu waschen. Ich wundere mich über die Konsistenz der Seife aus dem Spender. Beim Waschen fühlt sich das Ganze auch ein bisschen komisch an. Ich stelle dann fest, dass es sich bei dem Spenderinhalt um Körpermilch handelt. Sachen gibt's!
    Beim Frühstück beschäftige ich mich mit der heutigen Tour. Ich frage beim Campingplatz in Leutesdorf an und erhalte die Auskunft, dass man noch bis 22 Uhr einchecken könnte. Dann brauche ich mich ja nicht zu beeilen. Aber: Der Platz hat ein Restaurant, wo es Fassbier und Wein gibt. Die Küche schließt aber um 19:30 Uhr. Das heißt: Ich bin so ein bisschen unter Druck. Zeitdruck. Am besten gefallen mir ja die Touren, bei denen ich nachmittags noch nicht weiß, wo ich abends schlafen werde. Wenn ich mir erstmal irgendwas gebucht habe, entsteht Druck. Jetzt habe ich noch nichts gebucht, aber ich möchte unbedingt in diesem Restaurant essen und einen schönen Wein oder ein Bier vom Fass trinken. Oder vielleicht auch zwei. Es besteht ein gewisser Druck. Und es sind über 30 km bis dorthin.
    Der Weg führt viel am Rhein entlang. Schöne Ausblicke und nur mäßige Anstiege. Das Ganze bei bestem Wetter. Bis irgendwann doch dunkle Wolken aufziehen. Und irgendwann fängt es dann auch an zu regnen. Als die ersten Tropfen fallen, hoffe ich noch ein nahes Waldstück zu erreichen. Doch die Tropfen werden mehr und dicker. So begnüge ich mich erstmal mit einem Baum. Der Regen wird stärker. Und der Baum hat oben Löcher. Ich suche nach meiner Regenjacke und es kommt Wind auf. Und zwar richtiger Wind, der mir das Anziehen der Jacke und der Rocks erschwert. Bis ich sie anhabe, bin ich innen und außen nass.
    Trotz des Zeitdrucks muss ich am Schloss Arenfels einen Kaffee und natürlich einen Kuchen essen. So viel Zeit muss sein. Es ist gerade Brückentag. Demnächst ist wieder Montag. Und dann hat nichts mehr auf.
    Der Regen hört auf. Die Sonne scheint. Es wird warm. Marscherleichterung. Weg mit Jacke und Rock.
    Ich mache jetzt gar keine Sitzpausen mehr. Ich möchte heute Abend was Vernünftiges essen und was trinken. Während die Strecke bislang nur leichte Anstiege aufwies, wird es beim Aufstieg zur Rheinbrohler Ley noch einmal heftig. Auch hier verzichte ich auf eine Sitzpazuse und schaue einfach nur mal. Der Weg runter führt durch manchmal schulterhohes Gras und durch sehr schöne Waldstücke. Doch es fängt wieder an zu regnen. Ich rüste wieder auf an Regenklamotten. Und schauere mich unter einem Baum. Doch das kann noch dauern. Also ziehe ich trotzdem los. Und der Regen hört auf. Und die Sonne scheint. Und es wird warm.
    Als ich unten in Hammerstein bin, denke ich, es könne ja nicht mehr viel passieren. Aber dann führt der Weg wieder in den Wald. Und es geht steil nach oben. Und immer weiter nach oben. Und immer wenn man denkt, jetzt hat man den Höhepunkt erreicht, geht es doch noch weiter nach oben. In dieser Phase habe ich die Macher des Rheinsteigs verflucht und übelst beschimpft. Dafür möchte ich mich jetzt entschuldigen. Aber es war einfach ätzend. Ich wollte rechtzeitig ins Restaurant.
    Und irgendwann war ich dann auf dem Campingplatz. Die Zeltwiese war schon sehr eingegrenzt. Zum ersten Mal musste ich mir einen Platz zwischen mehreren Einzelzelten suchen. Aber ich habe einen gefunden und ganz schnell geduscht und ganz schnell das Restaurant aufgesucht. Schnitzel, schweizerische Art, mit Speck Zwiebeln und Käse überbacken. Dazu Grauburgunder. Mir geht's gut.
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  • Spontantag

    6 июня, Германия ☁️ 20 °C

    06.06.26
    Von Leutesdorf nach Rengsdorf

    Morgens um 6 Uhr bin ich der Erste auf der Zeltwiese, der mit seinen Reißverschlüssen seine Nachbarn aus dem Schlaf holt . Wahrscheinlich . Ein paar Bikepacker folgen. Ich verstaue das nasse  Zelt in einer Mülltüte im Rucksack und ziehe ohne Frühstück los . Wie zu erwarten war, führte Weg nach einer Weile steil nach oben . Es ist noch neblig . Die Ausblicke auf den Rhein müssen sich gedulden . An einer Hütte im Nebel hole ich dann mein Frühstück nach. Es wird dann etwas seichter und ich komme an dem Gedenkkreuz für Radusel vorbei , einen Thru-Hiker, der 2021 mit 34 Jahren auf dem NST an dieser Stelle gestorben ist. Obwohl ich ihn nicht gekannt habe und auch die näheren Umstände bei seines Todes nicht kenne , berührt mich das noch eine Weile.

    Dann muss ich mich entscheiden. An einem Abzweig kann ich wählen zwischen einer Kletterpassage und einer alternativen, einfachen Route. Normalerweise würde ich nicht darüber nachdenken. Aber mein Rucksackgewicht gibt mir zu denken. Aber irgendwann kommen schwierige Abschnitte, wo es keine Alternativen gibt. Also wähle ich das Klettern. Ich muss nach unten klettern. Ein Drahtseil gibt Hilfe. Es ist eigentlich gar nicht der Rede wert. Aber ich tue mich ziemlich schwer. So ein Problem hatte ich gestern auch schon, als ich unter einem querliegenden Baum fast kriechen musste. Nun gut! Das war zumindest ein Vorgeschmack. 

    An der Edmund-Hütte genieße ich den Ausblick auf Leutesdorf und Andernach. Die Häuser sehen aus wie Spielzeug. Und durch die Eisenbahn wirkt das Ganze wie im Miniatur-Wunderland.

    Als ich später an einem anderen Aussichtspunkt mein Zelt trockne, muss ich jedes Mal nach unten schauen, wenn ein Zug durch die Stadt fährt. Wohnen möchte ich da nicht. Aber von oben wirkt es toll. 

    In Wollendorf mache ich einen Abstecher zu einem Dönerlokal und kaufe mir auf dem Rückweg noch ein leckeres Eis.

    Unterwegs stoße ich auf ein Paar aus Stuttgart, die ebenfalls den Rheinsteig wandern. Allerdings Wochenende für Wochenende zwei Etappen. Wir gehen 2 km zusammen bis ich nach einem Anstieg wieder mal eine Pause brauche.

    Heute ist wieder Spontantag. Das heißt, ich weiß am Nachmittag noch nicht, wo ich schlafen werde. In jedem Fall muss ich noch zum Rewe in Rengsdorf, weil morgen Sonntag ist. Ist noch eine Weile hin. Bei Wanderfreund entdecke ich im Stadtplan von Rengsdorf eine Pension "Wolke 7 ". Ich rufe dort ohne Erfolg an und schreibe eine Mail über das Kontaktformular. Aber nichts passiert. Ich sondiere die Hütten, die demnächst auf meinem Weg liegen. Da könnte was bei sein. Aber auch nicht so richtig. Es ist Wochenende und so manche Hütte könnte auch von der Dorfjugend besetzt sein. 

    Ich kaufe beim Rewe ein und begebe mich zurück auf den Trail. Gegen 20 Uhr meldet sich dann doch jemand von der Pension. Sie machen es trotz der Kurzfristigkeit noch möglich und machen mir ein Zimmer fertig. Die Navigation über Google war dann ein Desaster. Irgendwie wusste Google auch nicht wie es mich leiten sollte. Es führte mich zurück in den Wald, wo Google sich überhaupt nicht auskennt. Und natürlich ging es immer bergauf. Aber irgendwann bin ich doch angekommen. Und ich bin doch ein bisschen froh, nicht in einer Hütte übernachten zu müssen.
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  • Genesungstour

    7 июня, Германия ☁️ 20 °C

    07.06.26
    Von Rengsdorf nach Sayn

    Bin gestern Abend todmüde ins Bett gefallen. Gut geschlafen, aber beim Aufwachen habe ich einen tierischen Durst. Und schlimmer: Ich verspüre ganz leichte Halsschmerzen. Das kann doch nicht sein. Auf einem Trail wird man nicht krank. Vielleicht waren die letzten beiden Tage zu viel. Vorgestern 33 und gestern 30 km. Und das bei – bei Garmin – jeweils um die 1000 Höhenmeter. Wobei das sicherlich etwas übertrieben ist. Besser ist es wohl, etwas kürzer zu treten. Ich checke mal die Strecke ab und buche mir ein Zimmer im Gästehaus der Abtei Sayn. Ca. 15 km entfernt. Das kann ich entspannt angehen. Wobei ich heute erst spät los komme. Ich chille noch eine Weile und mach mir mein Frühstück mit dem Wasserkocher auf dem Zimmer.
    Es fühlt sich an, als sei ein bisschen die Luft raus. Ich habe irgendwie gar keine Lust, jetzt wandern zu gehen. Oder womöglich noch mal im Zelt zu schlafen. Oder in einer Hütte. Oder auf einer Bank. Dabei konnte ich mir gestern morgen keine schönere Unterkunft als mein Zelt vorstellen. Ich glaube es ist gut, etwas kürzer zu treten. Ich bin ja bald in Koblenz. Da könnte ich mal wieder einen Zero-Day einlegen.
    Ich breche erst um 10 Uhr auf, und stelle fest, dass die Pension nur 130 m vom Trail entfernt liegt. Ab und zu sollte man eben ein bisschen mehr Forschungsarbeit betreiben, bevor man sich auf Google verlässt. Der Weg führt erstmal eine ganze Zeit seicht bergab. Das kommt mir in meinem Zustand ganz entgegen. Und die Höhenmeter habe ich mir gestern ja auch schwer erkämpft. Ich gehe sehr langsam und bei den Anstiegen lege ich immer wieder Guckpausen ein. Ich hätte Lust auf ein Stück Obst. Gestern hatte ich mich im Supermarkt zu entscheiden ob ein Bier oder eine Banane in den Rucksack kommt. Falsch entschieden!
    Der Weg führt ohne nennenswerte Anstiege seicht bergab durch den Wald. Die Sonne scheint durch das Blätterdach. Die Temperatur ist angenehm. In einem Biergarten trinke ich eine Apfelschorle. Nach 7 km habe ich 200 Höhenmeter verloren. Ich bin dankbar für diesen Abschnitt. Aber jetzt ist Schluss damit. Es geht links hoch, aber nicht sonderlich steil, alles moderat.
    In Heimbach gibt es eine Streckensperrung wegen drohendem Astbruch und querliegenden Bäumen. So kürze ich notgedrungen etwas ab, aber nützt ja nix.
    Ich steige hoch zur Burg Sayn und freue mich auf das Café, das sonntags auch geöffnet hat. Ein voller Parkplatz und Partymusik lassen mich Böses erahnen. Und richtig. Auf der Burg feiert eine geschlossene Gesellschaft. 😕
    Mein Zimmer im Gästehaus der Abtei ist in Ordnung. Es gibt eine kleine Küche, wo Kaffee und Tee zu freien Verfügung stehen. Dort treffe ich ein Paar aus Buxtehude, das den Rheinsteig von Koblenz nach Bonn wandert.
    Ich esse lecker im 300 m entfernten Restaurant und werde heute früh meine Koje aufsuchen. Die Halsschmerzen sind nicht stärker geworden, aber sie sind noch da. Schlaf soll ja helfen. 😴
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  • Pausenfreund

    8 июня, Германия ☁️ 21 °C

    08.06.26
    Von Sayn nach Koblenz

    Ich bin ein Freund der Pausen. Es gibt ja viele Arten von Pausen. Zum einen Pflichtpausen wie Trinkpausen, Esspausen, Navigationspausen, Pausen um sich einzucremen, Pausen um Anti-Zeckenmittel aufzutragen, Pausen um Wasser zu filtern, Pausen um sich um die Unterkunft zu kümmern, Pausen um das Zelt zu trocknen, Pausen um die Regenjacke anzuziehen, Pausen um die Regenjacke wieder auszuziehen, Pausen um die Stöcke herauszuholen und natürlich wieder einzupacken.

    Zum anderen gibt es auch Kürpausen z. B. um die Aussicht zu genießen, um sich irgendetwas Interessantes anzugucken, um mal länger die Beine hochzulegen, um mit anderen mal zu schnacken, um mal zu gucken, wer was auf WhatsApp geschrieben hat oder um selbst mal etwas auf WhatsApp zu schreiben. Oder einen Tagebucheintrag.

    Ich kann Pausen machen. Kürzere und längere. Auch mal längere kurz nach kürzeren und umgekehrt. Ein Grund dafür, dass ich nicht so richtig schnell vorankomme,  ist nicht nur mein schwerer Rucksack, sondern auch meine Pausenaffinität. Ich kann Pausen machen. Heute besonders. 

    Heute morgen waren die Halsschmerzen noch etwas stärker geworden und ich fühlte mich ziemlich schlapp. Gibt es Grund zur Sorge? Abwarten. Da das Lokal, wo das Frühstück stattfindet, 300 m von der Abtei entfernt näher am Trail liegt, packe ich schon meine Sachen und gehe mit Sack und Pack zum Frühstück. Es gibt kein Frühstückbuffet. Der Tisch ist gedeckt. Aber es fehlt gar nichts. Vier Brötchen liegen bereit. Darunter ein Croissant. Ein echtes, großes. Kein kleines zum Aufbacken. Lachs, Tomate, Mozzarella, Falafel, Obstsalat, Orangensaft, Schinken, Käse, Marmelade, Kuchen und drei Schokoküsse. Dazu ein guter Kaffee. Das reicht für drei. Aus lauter Gewohnheit hatte ich auf Nachfrage noch ein Spiegelei mit Bacon bestellt und bekomme zwei. Hätte gar nicht Not getan. Und das Ganze für acht Euronen. Ich darf mir auch noch ein Brötchen für unterwegs mitnehmen. 

    Ich habe noch ein paar nette Unterhaltungen, unter anderem mit dem Pärchen aus Buxtehude und mit einem anderen Paar, das einen Wochenendtrip unternimmt und die Frau demnächst die Alpen überqueren wird.

    Als ich aufbreche und die ersten Schritte im Wald mache, fühle ich mich nicht nur frisch gestärkt sondern auch allgemein viel besser. Der Weg beginnt gleich mit einer langen Steigung, die ich ruhig und bedächtig angehe und gut meistere. Dabei nutze ich schon jede Sitzgelegenheit, um den Beinen etwas Ruhe zu gönnen. 

    Als es schon wieder abwärts geht, komme ich an einer liebevoll gestalteten Hütte vorbei. Mit Tisch, Sitzkissen, Bildern und etwas Dekoration. Obwohl ich die Pause nicht brauche, möchte ich an diesem schönen Platz doch etwas verweilen. Ich mache einen Eintrag in das Hüttenbuch. Da kommt eine Wanderin, der ich vorhin schon begegnet war und wir kommen ins Gespräch. Und sie fragt mich dann, ob ich nicht Lust hätte, einen Kaffee mit ihr zu trinken. Sie wohne 10 Minuten entfernt.  Sie habe zwar gerade Handwerker im Haus, weil sie eine Wärmepumpe bekäme, aber wenn ich Lust auf einen Kaffee hätte, könnte ich einen bekommen. Das kann ich natürlich nicht ausschlagen. So gehe ich 10 Minuten um von einem Pausenplatz zum nächsten zu gelangen. Wir unterhalten uns eine Weile, auch mit ihrem Mann, der dazukommt. Und dann muss ich leider wieder aufbrechen natürlich die 10 Minuten wieder zurück. Oder etwas mehr, weil es jetzt bergauf geht. 

    Ich bin also wieder auf Tour. So langsam steht aber mal eine Esspause an. Denn zu essen gab es bei der netten Dame nichts. Da läuft mir wieder eine Hütte über den Weg. Mit einem kleinen Korbsessel drin. Da kann ich nicht dran vorbei gehen. Zu gemütlich. Also sitze ich jetzt, um 14 Uhr, immer noch hier. Aber es geht mir immer besser. 

    Ich gehe weiter und höre mir währenddessen die zweite Folge des Podcasts "Zeltgespräche" über die zweiten 500 km auf dem NST an.

    45 Minuten später komme ich wieder an eine schöne Hütte. Die Gaststätte Wüstenhof mit ihrem supertollen Ausblick war ja natürlich zu. Ist ja Montag . Also kann ich zum Ausgleich diese Hütte nutzen . Nur ganz kurz. 10 Minuten werden es dann doch. 

    In Vallendar beginnen nun die Pausen, die ich nicht so gerne mag. Es fängt an zu regnen. Aber nur ganz leicht. Eigentlich zu wenig für die Regenklamotten. Angesichts meines Gesundheitszustandes sollte ich vielleicht aber doch aufrüsten. Während ich mich antüdele, hört es auf zu regnen. Oder doch nicht? Den Regenrock habe ich schon an und der Rucksack ist schon unter der Frischhaltefolie. Die Jacke bleibt erstmal aus. Rucksack auf. Losmarschieren. Jetzt wird der Regen doch etwas stärker. Wieder Pause. Regenjacke an. Weitergehen. Die Jacke bleibt von außen trocken. Nur von innen schwitze ich sie nass. Pause. Ausziehen. Weitergehen.

    Ich wandere nach Koblenz rein und genieße auf dem Gelände der Bundesgartenschau 2010 den Ausblick vom Rhein-Mosel-Blick einem aufwändig konstruierten Aussichtspunkt. Zur Festung Ehrenbreitstein geht es noch mal knackig hoch und auch wieder runter. Der Weg führt den Rhein entlang, wo ich an einem Außenlokal ein alkoholfreies Bier mit Passionsfrucht trinke. Ich wollte auf meiner Reise ja mal neue Erfahrungen sammeln.

    Dann komme ich zu meiner Ferienwohnung, die ich für zwei Tage gemietet habe, um mich morgen ein bisschen erholen zu können. Die Kochnische direkt hinter der Eingangstür ist zwar mit allen Gerätschaften ausgestattet. Nur nicht mit Platz. Auf der Herdplatte steht ein kleines Regal. Das muss da weg. Denn morgen will ich mal kochen. Und zwar gesund. Für heute Abend tut es der Wasserkocher, mit dem ich meine selbstgemachte Trekkingnahrung zubereite.

    Heute Abend gehe ich nicht mehr raus. Ich mache jetzt mal Pause.
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  • Es wird wieder

    10 июня, Германия ☁️ 16 °C

    10.06.26, Mittwoch 

    Von Koblenz nach Lahnstein 

    Was war das für ein Kaxxtag gestern! Die Tage zuvor ging es mir morgens nicht so dolle, wurde dann aber besser. Gestern  lang geschlafen, lustlos mit dem Bus in die Stadt gefahren, eingekauft und wieder zurück in die Wohnung. Ich wollte zumindest ans Deutsche Eck und mir vielleicht noch die Festung Ehrenbreitstein näher anschauen. Aber ich hatte einfach keinen Bock und stand total neben mir. Nach der Rückkehr habe ich mich erstmal hingelegt und darüber sinniert, wie es weitergeht. Noch einen Ruhetag einlegen? Oder doch ein kurzes Stück wandern? Nach einem Telefonat mit der besten Wanderin von allen habe ich mir dann ein Hotel in Lahnstein für heute gebucht. 15 km entfernt und nah am Trail. Das muss irgendwie zu schaffen sein. Ich kann ja auch mal eine Pause machen.😉

    Zunächst war aber noch Kochen angesagt. Dazu musste ich erstmal in meinem Hiker-Trash-Wohn-Schlafzimmer Platz schaffen, um die Sachen aus der kleinen und vollgestellten Kitchen-Trash-Nische dort zwischenzulagern. Ich zauberte mir ein Festmahl zurecht, aber als ich den Tisch in HTWS-Zimmer deckte - bzw. einfach nur Platz schaffte – brannte mir ein Teil an. War nicht schlimm. Hat trotzdem geschmeckt. Nur der Abwasch dauerte etwas länger. Und dann musste ich ja noch die Kochnische wieder vollstellen.

    Heute morgen dann lang geschlafen und das hat gut getan. Die Erkältungsbeschwerden sind weg. Etwas maddelig fühle ich mich noch, aber heute steht ja nicht so viel an. Um 10 Uhr kaufe ich mir beim Bäcker ein Brötchen als Wegzehrung und dann bin ich auf der Piste. Diese führt zunächst stetig hoch, aber immer seicht, so dass es für einen alten kranken Mann noch zu schaffen ist. Eine Zeitlang führt der Weg einen kleinen Bach entlang, der mit lauter winzig kleinen "Stromschnellen" bestückt ist. Ich mag Stromschnellen, egal in welcher Größe.

    Unterwegs treffe ich dann tatsächlich eine NST-Wanderin, Hörnchen76, die den Trail von Nord nach Süd der Reihe nach abwandert und schon mehr als die Hälfte absolviert hat. War eine nette Begegnung. 

    Der Höhepunkt der Tour war dann der Abschnitt durch die Ruppertsklamm, die mir einen kleinen Vorgeschmack auf den Schluchtensteig gibt. Ich mag Schluchten. 

    Mein Hotel Waldhaus liegt nur 50 m ab vom Trail. Das tolle ist: Es hat eine Terrasse und es gibt dort Kuchen. Ein Stück Birnenkuchen genehmige ich mir, bevor ich auf's Zimmer gehe.

    Auch wenn ich von Koblenz nicht viel gesehen habe, so hat der Pausentag wohl doch positiv gewirkt. Ich komme wieder in die Spur.
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  • Im Flow

    12 июня, Германия ☁️ 17 °C

    11.06.26, Donnerstag
    Von Lahnstein nach irgendwo bei Kamp-Bornhofen

    Im Hotel gab es Frühstück erst ab 8 Uhr. Aus verschiedenen Gründen schaffe ich es mal wieder, erst gegen 10 Uhr aufzubrechen. Heute ist mal wieder ein Spontantag, das heißt, ich weiß noch nicht, wo ich abends schlafen werde. Von der Wegstrecke her wäre Kamp-Bornhofen ein gutes Ziel. Damit ich aber nicht 200 m vom Trail absteigen muss, hatte ich bei einer Ferienwohnung/Wanderhütte per Mail nachgefragt und im Laufe des Tages auch mehrfach angerufen. Ohne Reaktion. Nach den vielen festen Unterkünften der letzten Tage könnte jetzt aber auch mal wieder eine Campingnacht anstehen. Campingplätze gibt's hier aber nicht, es stehen aber einige Hütten entlang des Weges. Schaun mer mal.

    Ich komme früh ins Rollen. Die Beine machen gut mit. Und irgendwas ist anders. Ich mache gar keine Pausen. Eine weitere Besonderheit dann in Braubach. Da hat ein Café geöffnet. Und ich gehe vorbei. Wo ich doch sonst aufgrund der vielen geschlossenen Biergärten und Lokale eigentlich jede Gelegenheit nutze, irgendwo einzukehren. 

    Vielleicht liegt es daran, dass die Hütten, mit denen ich liebäugele, weiter weg sind und ich deshalb Kilometer machen muss. Aber es liegt eher an dem Flow, indem ich mich befinde. Der Weg ist auch dafür gemacht. Ein ständiges Auf und Ab. Immer nur kurz, so dass die Muskeln ihre Abwechslung haben. Ich spüre auch das Rucksackgewicht nicht mehr. 

    Auf der Marksburg ist gut was los. Mehrere Schulklassen, auch englische, hatten oder warten auf eine Führung. Ohne Führung kann man die Burg nicht besichtigen. Sie hat aber eine Burgschänke. Die ich ebenfalls auslasse! Und meinen Pausensnack in aller Ruhe in einem Bereich einiger Picknickbänke einnehme. Ich weiß nicht warum. Irgendwas ist anders. 

    Der Weg führt eine Weile oberhalb des Rheins entlang. Nahezu ohne Ab-und Anstiege. Und immer wieder tolle Aussichten auf den Rhein , auf Spay auf Osterspay und später auf Boppach. Ich komme gut voran, vertrödele aber zu viel Zeit mit Fotos, von denen ich weiß, dass ich die meisten sowieso wieder lösche. 

    In Filsen soll dann die Entscheidung fallen. Hotel oder Hütte. Ich suche das Restaurant Rheinblick auf und hoffe, dass es nicht so edel ist. Der erste Blick nimmt mir die Sorge Der Blick auf die Speisekarte auch. Kein Gericht dass man nicht mit Pommes serviert bekommt. Auf der Terrasse sitzen fünf Männer beim Bier. Drinnen sitzt auch eine Männergesellschaft zu zehnt. Da werden auch schon die ersten Schnäpse eingeschenkt. Vielleicht noch nicht mal die ersten. 

    Ich frage die Wirtin, ob man schon was zu essen kriegt. Sie sagt, das würde gehen. Sie hätten aber heute den ersten Tag geöffnet und nicht alle Speisen wären verfügbar. Aber alles an Fleisch hätte sie da und Pommes auch. Gut, denke ich, dann ist das Frittenfett wenigstens frisch. 

    Jetzt entscheide ich mich für die Hüttenübernachtung. Die Hütten liegen weit oben und es geht eine ganze Weile stetig bergauf aber ich bin immer noch im Flow trotz eines fettigen Essens, das ich jetzt mit mir rumschleppe.. Für 8 Uhr ist Regen angekündigt, der dann anhalten soll. Ich nehme die letzte Hütte 301. Die hat breite Bänke. Da brauche ich mein Zelt nicht aufzubauen. Ich koche mir noch einen Tee , knabbere ein paar gesalzene Nüsse. Dann setzt Regen ein. Ich bleibe noch ein bisschen vor der Hütte sitzen, bis ich mich dann in meinen Schlafsack verziehe. Und dann schüttet es wie aus Kübeln.
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  • Von der Hütte ins Zelt

    12 июня, Германия ☁️ 18 °C

    12.06.26, Freitag
    Von Irgendwo bei Kamp-Bornhofen bis Camping Loreleystadt

    Die Nacht über habe ich kaum ein Auge zugemacht. In der Hütte war es erst zu kalt, so dass ich um 1 Uhr noch einmal aufstehen musste um mir mehr anzuziehen. Und danach hielt mich der ständig prasselnde Regen wach. Es ist ja unheimlich gemütlich. Aber irgendwie bin ich nicht eingeschlafen.
    Ursprünglich wollte ich um 5 Uhr aufstehen und um 6 Uhr auf die Piste. Um 7:30 Uhr platterte es noch immer. Dann frühstücke ich eben hier.
    Ich filtere mir noch etwas Wasser aus dem Rinnsal vom Hüttendach. Aber nur für den Notfall. Es ist etwas trüb. Vielleicht grün vom Moos oder grau von der Dachpappe.
    Um 9:30 Uhr lässt der Regen nach und ich starte. Der Flow von gestern will sich erstmal nicht einstellen. Eigentlich dachte ich auch ich sei von ziemlich hoch oben gestartet. Aber es geht noch höher und die Anstiege fallen schwer.
    Am Wanderkiosk alte Schule muss ich eine Enttäuschung hinnehmen. Er ist geschlossen. Als es wärmer wird, ziehe ich Regenjacke und Rock aus. Ein Fehler. Kurze Zeit später komme ich an einen Weg, der hüfthoch überwuchert ist von Gebüsch und Gras. Ich ahne, was für meine Hose bedeutet. Sie wird klatschnass. Und sie wird tatsächlich klatschnass.
    Uschis Wanderstation ist ein Highlight. Ich esse eine Erbsensuppe mit Würstchen. Ein alkoholfreies Weizen dazu. Und danach gibt's noch Käsekuchen mit einem Kaffee.
    An der Kuhtränke 1895 ersetze ich mein grün/graues Wasser gegen klares. Gibt doch ein besseres Gefühl.
    Nach der schlaflosen Nacht stand mir ursprünglich der Sinn nach einer Hotelübernachtung. Aber dann entscheide ich mich doch für den Campingplatz Loreleystadt. Beste Wahl. Nette Betreiber. Und ein kleines Restaurant, das mehr bietet, als Schnitzel und Pommes. Gönne mir noch ein Nudelgericht und zwei Grauburgunder und bin zufrieden.
    😊
    P.S. Auf der Loreley findet morgen ein Konzert von Patrick Kelly statt. An der Rezeption herrscht jetzt , 21.00 Uhr, geradeHochbetrieb. Neuanmeldungen vorwiegend von weiblichen Gästen.
    Und es werden (wahrscheinlich) gerade Lieder der Kelly Family gesungen und mit der Gitarre begleitet.
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  • Nichts gegen Patrick Kelly, aber...

    13 июня, Германия ☁️ 16 °C

    13.06.26, Samstag
    Von Camping Loreley bis irgendwo bei Kaub (Hütte)

    Die Nacht in vorwiegend weiblicher Umgebung endete um 6:30 Uhr. Kurz nach 7 Uhr verlasse ich den Campingplatz und stolpere über eine Bäckerei mit einem nett eingerichteten Gastraum. Gut, denke ich, dann dann nutze ich die Gelegenheit und frühstücke hier. Die Bäckerei ist voller Leute. Vorwiegend junge Frauen, vermutlich Kelly-Fans. Die meisten wollen nur Brötchen holen. Ich hätte jetzt gehen können, stelle mich aber trotzdem an. Das Angebot ist nicht überwältigend. So etwas wie belegte Brötchen gibt es nicht. Ich begnüge mich mit einem Croissant und Kaffee. 

    Weiter zum Rewe. Vorräte auffüllen. Als ich den Kassenbereich verlassen will, um beim dortigen Bäcker noch etwas Wegzehrung zu ergattern, komme ich gar nicht weiter. Alles verstopft. Vorwiegend mit jungen Frauen, bestimmt Kelly-Fans. Also muss ich ohne extra Ration gehen. 

    Nichts gegen Patrick Kelly, aber warum muss er ausgerechnet hier und heute ein Konzert geben? Die Kelly-Fans haben auch sämtliche Hotels und Herbergen in der Umgebung belegt. Da es im nächsten Streckenabschnitt auch keine Zeltplätze gibt, muss ich heute mal wieder gucken, wie der Tag so läuft.

    Am ersten Aussichtspunkt nutze ich die Gelegenheit, das Zelt zu trocknen. Dort treffe ich zwei NST-Hiker, Blasenfee und Wanderterminator. Sie laufen heute nur eine Etappe bis Kaub mit Tagesgepäck. Wir werden uns im Laufe des Tages noch häufiger treffen.

    An einer anderen Pausenbank kommt ein junges Pärchen dazu und besetzt die Bank nebenan. Er baut ein kleines Stativ auf und ich halte ihn für einen passionierten Hobbyfotografen, der jetzt eine tolle Kamera herausholt und richtig schöne Bilder vom Rhein machen will und auch kann. Aber er braucht das Stativ nur für sein Smartphone, mit dem er ein Selfie machen möchte. Das Stativ hält nicht und fällt mehrfach um. Ich frage, ob ich nicht vielleicht ein Foto von ihnen machen soll. Das scheint doch einfacher zu sein. Tatsächlich ist es das. 😆

    Als ich eine Hügelkuppe kurz vor der Loreley überquere, trifft mich der Schlag. Ein riesiger Parkplatz ist vollgestellt mit Autos. Und eine unendliche Menschenschlange steht in Reih und Glied und wartet darauf, auf das Konzertgelände zu kommen. Der Kontrast ist irre. Auf der Loreley ist ebenfalls jede Menge los, vor allem im Biergarten, den ich nur mal durchkreuze. Normalerweise hätte ich was getrunken, zumal es ein sonniger, warmer Tag ist, aber ich habe keine Lust anzustehen.

    Ein paar Kilometer später komme ich an die Rheinsteig Rast, wo es Kaffee, Kuchen und ein alkoholfreies Bier gibt. Da treffe ich neben Blasenfee und Wanderterminator auch zwei junge Frauen, die ebenfalls auf das Konzert wollen. Sie verbringen die Wartezeit aber nicht in der Schlange, sondern unternehmen stattdessen eine kleine Wanderung. Clever! Aber gut, dass das nicht alle machen. Dann wären die Wege überfüllt. 

    Ich habe mir inzwischen eine Hütte ausgeguckt, die noch 4 km hinter Kaub steht. Ist noch weit. Und die heutige Etappe ist wirklich ein ständiges Auf und Ab. Ziemlich anstrengend. 

    In Kaub esse ich in der Jugendherberge eine Tiefkühlpizza mit einem alkoholfreien Weizen und nutze die Gelegenheit um mein Wasser aufzufüllen und zu einer kleinen Katzenwäsche. Danach geht der Weg innerorts auf Asphalt steil bergauf. An einer Straußenwirtschaft, wo ordentlich was los ist, komme ich dann nicht vorbei. Der Weg war so steil. Ein Wein und ein Spundekäse gehen noch. Ich scheine aufzufallen. Als eine ü80 Gesellschaft aufbricht, fragt mich eine Dame ob ich den Eremiten kenne. Ich weiß nicht was sie meint. Roman? Bild? Nein, meint sie. Weil ich hier so alleine sitze. Verstehe ich nicht. Von einer anderen Gesellschaft erfahre ich, dass nächste Woche Roland Kaiser auf der Freilichtbühne auftritt. Na dann bin ich doch am richtigen Wochenende hier.

    Ich starte wieder und es geht hoch und hoch und hoch. Es ist aber ein sehr angenehmes Wandern. Die Luft ist kühl. Und eigentlich könnte ich auch in die Nacht reinlaufen. Aber um 21:30 Uhr erreiche ich die Hütte. Ich baue mein Zelt auf und lasse die Nacht kommen.
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  • Teilziel in Sicht

    14 июня, Германия ☁️ 18 °C

    14.06.26, Sonntag
    Von Irgendwo bei Kaub zum Campingplatz Suleika

    Habe gut geschlafen. Die Einrichtung der Hütte mit Stühlen und Tisch überzeugen mich, dort noch zu frühstücken. Beim Blick in die Wanderfreund-App wird mir bewusst, dass ich ja schon auf der Zielgeraden des Rheinsteigs bin. Bis Bingen werde ich es heute nicht schaffen. So habe ich die Auswahl zwischen einer festen Unterkunft in Lorch oder dem Campingplatz Suleika, 8 km weiter. Lorch kommt zu früh. Der Campingplatz scheint sehr schön und naturnah zu sein. Außerdem bieten sie sonntags ein Kuchenbuffet an. Und heute ist: Sonntag! 😊 Die Frage hat sich also erledigt.

    Um 9 Uhr starte ich und laufe einfach drauf los. Es geht bergan. Wie kann es auf dem Rheinsteig anders sein? Aber das macht nichts. Die Luft ist kühl die Beine locker und ich mache meine Meter. Irgendwann fällt mir auf, dass ich schon lange keine Wegkennzeichen mehr gesehen habe. Zeit für eine Kontrolle. Und siehe da. Ich habe den total falschen Weg gewählt. Mindestens 800 m und dazu 50 Höhenmeter. Tja, wer keine Höhenmeter hat, der macht sich welche.

    An einem schön bepflanzten Aussichtspavillon treffe ich zwei Wanderinnen, die den Rheinsteig in Gegenrichtung gehen. Sie haben schon mehrere Jakobswege in Sektionen absolviert. Unter anderem von Lüneburg über die Schweiz nach Santiago. Das toppt sogar den NST. 

    Der Weg führt in Teilen zwischen Weinbergen den Rhein entlang. Das hatte ich mir häufiger so vorgestellt. In Lorch kehre ich in einem kleinen Café ein und bekomme einen unglaublich leckeren Apfelkuchen und den besten Kaffee auf meiner bisherigen Tour. In der öffentlichen Toilette am Museumsplatz fülle ich meine kleine Wasserflasche auf. Das wird reichen. Das Höhenprofil ist weitgehend flach, die Temperaturen angenehm. 

    Die Tour endet, wie sie begonnen hat. Ich folge zu lange der gespeicherten Tour und verpasse den Abzweig zum Campingplatz. Das bringt einen extra Kilometer. 

    Der Campingplatz ist wirklich sehr schön. Ich habe ein ganzes Areal für mich alleine. Es ist am Sonntag Nachmittag sehr wenig los. In Lorch hatte ich vergessen, dass es hier auch Kuchen gibt. Aber was macht das? Der Käsekuchen ist lecker und der Kaffee auch wirklich gut. Die Terrasse liegt schön geschützt. Kochen muss ich heute selbst. Aber für heute Abend habe ich ein Craft Beer in Aussicht. Fühlt sich an wie Urlaub. 😊
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  • Rheinsteig-Blues und Ende Teil 2

    15 июня, Германия ⛅ 20 °C

    15.06.26, Montag
    Vom Campingplatz Suleika nach Bingen

    Gestern nach meinem Käsekuchen bot mir die Betreiberin des Campingplatzes noch ein Stück Erdbeerkuchen für den Abend an. Eigentlich bin ich... aber ja. Das Craft Beer zum Abendessen war nicht so ganz mein Fall. Aber ich konnte noch den ganzen Abend auf der Terrasse sitzen. Zwar spielte die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes WM-Spiel, aber irgendwie fehlte mir das Interesse. Das Turnier wird wohl ohne mich stattfinden. 

    Im Laufe des Abends sind noch einige Bikepacker angereist. Unter anderem eine junge Holländerin, die von der Schweiz aus nach Dänemark will.

    Die Nacht über habe ich wenig geschlafen. War wohl gestern doch zu viel Kaffee. Morgens ist es noch kalt und ich breche um 8 Uhr ohne Frühstück auf. 

    Der Anstieg zum Trail ist recht heftig und auch danach geht es erstmal steil bergauf. Ich treffe eine Hundehalterin, die sich mit dem Rheinsteig ganz gut auskennt und für die auch der NST nicht unbekannt ist. An der ersten Hütte gibt's Frühstück.

    Der Weg führt durch Wald und Weinberge nach Assmannshausen. Meine Hoffnung auf einen Kaffee stirbt zuletzt, aber sie stirbt. Vor 12 Uhr gibt es hier nichts. Es ist das letzte Mal, dass der Rheinsteig mich verarxxxt. Dass er mich aus unvorstellbaren Höhen an den Rhein runter schickt, nur damit ich feststelle, dass es da nichts gibt. Und mich anschließend 250 m wieder hochtreibt.

    Zum Glück gibt es am Jagdschloss Niederwald nicht nur ein Wildgehege , wo eine Schulklasse mit viel Enthusiasmus Rehe füttert, sondern auch ein nettes Lokal, wo ich mir eine Apfelschorle gönne.

    Ich habe jetzt zum Abschluss irgendwie den Rheinsteig-Blues. Ich habe keinen Bock mehr auf dieses ständige Auf und Ab, wobei es gefühlt im Zweifelsfall immer bergauf geht und falls es immer noch Zweifel gibt, steil bergauf. Ich möchte einfach mal wieder ebene Strecken laufen. Als hätte der Steig meine Gedanken gelesen, startet er eine immense Überzeugungskampagne. Noch im Oststeinschen Niederwald mit seiner Zauberhöhle. Und dann mit gigantischen Ausblicken, die bei strahlendem Sonnenschein alle anderen Aussichten der letzten Tage in den Schatten stellen. Als Höhepunkt dann das Niederwalddenkmal, das mit seiner Größe und Gestaltung trotz seiner zweifelhaften Botschaft einfach nur beeindruckend ist.

    Beim Abstieg nach Rüdesheim schwebt über mir die Seilbahn hinweg. Da kommt mir ein Gedanke. Hatte nicht Soulboy bei seinem NST eben diese Bahn genutzt? Egal. Bin schon zu weit unten.

    Mit der Fähre setze ich von Rüdesheim nach Bingen über und gehe die Rheinpromenade entlang, überquere die Nahe und komme dann zu meinem Zielpunkt, dem Trailhead des Soonwaldsteigs, den ich irgendwann auch mal in Angriff nehmen werde.

    Der zweite - und wahrscheinlich anspruchsvollste - Teil meiner Reise ist damit abgeschlossen. Ich hatte großen Respekt davor und bin froh, es geschafft zu haben. 

    Zur Belohnung habe ich heute Abend die beste Unterkunft überhaupt. Bei lieben Freunden, die nicht nur ein richtiges Bett und eine warme Dusche für mich haben, sondern auch ein leckeres - und gesundes - Abendessen, ein neues, köstliches alkoholfreies Bier, einen Komplettwäscheservice und einen Shuttleservice. Vielen, vielen Dank dafür.
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  • Schon wieder Patrick Kelly?

    16 июня, Германия ☁️ 29 °C

    16.06.26, Dienstag
    Von Ingelheim nach Bad Bellingen

    Heute also Ruhe- und Reisetag. Mit dem Zug soll es von Ingelheim nach Weil am Rhein gehen. Die Suche nach einem Hotel in Weil gestaltet sich aber schwierig. Es ist keines aufzutreiben. Auch nebenan in Lörrach nicht. Gibt Patrick Kelly etwa wieder ein Konzert? Nein, diesmal ist in Basel eine Kunstmesse. Für 200 € plus könnte ich natürlich ein Zimmer kriegen. Aber nö. Ich plane um und buche mir ein Zimmer in Bad Bellingen. Da wollte ich schon immer mal hin.
    Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Zugfahrt mit Verspätung. Dabei musste ich in einer voll besetzten Regionalbahn meinen Rucksack auf meinem Schoß lagern. Ich nehme alles zurück. Gerne trage ich meinen Rucksack auf dem Rücken.
    Abends Nudeln mit Lachs beim Italiener. Das Frühstück im Hotel habe ich abgestellt. Morgen wird's warm. Da will ich früh raus. Mal sehen, ob's klappt.
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  • Main-Neckar-Rhein-Weg

    17 июня, Германия ☀️ 29 °C

    17.06.26, Mittwoch
    Von Haltingen nach Wehr
    Main-Neckar-Rhein-Weg

    Gestern Abend auf dem Rückweg vom Italiener ist mir noch ein alter Mann mit einem abgewrackten, schmutzigen Rollkoffer begegnet. Er fragte mich mit österreichischen Akzent, ob ich eine Unterkunft wüsste. Ich sagte, dass ich mich nicht auskenne und konnte nur auf die umliegenden Hotels verweisen. Das schien für ihn aber keine Option. Und es war schon 21:30 Uhr. Nachdem ich am Geldautomaten noch etwas Bares gezogen hatte, sah ich ihn mit seinem Koffer noch suchend in anderer Richtung umherziehen. Diese Begebenheit lies mich etwas nachdenklich zurück. 

    Heute morgen habe ich es dann geschafft, um 5 Uhr das Bett verlassen. Ich war noch deutlich zu früh am Bad Bellinger Bahnhof und nahm den Zug um 6:02 Uhr. Eine Viertelstunde später war ich in Haltingen. Dort gibt es einen Bäcker, der um diese Zeit schon auf hat. Nur Kaffee gibt's da keinen. Es ist halt eine einfache Bäckerei. Es war im Internet nicht so ganz ersichtlich. Also musste ich zum Rewe-Bäcker. Dort noch 20 Minuten gewartet, aber ein Frühstück und einen guten Kaffee bekommen. 

    Um 7:30 Uhr geht's dann endlich los. Wie alle Orte liegt auch Haltingen irgendwo unten. Aso muss ich erstmal rauf.

    Und dann komme ich an einen Punkt, wo ich schon mal gewesen sein muss, auch wenn ich mich nicht daran erinnere. Ich bin auf dem Westweg und nehme jetzt die Abzweigung auf den Main-Neckar-Rhein-Weg Der erste Blick auf Lörrach offenbart auch die Vielfältigkeit des Nord-Süd-Trails. Man sieht jetzt keine Bänke vor Seen mehr, keine Bäume im See, keine Burgen am Rhein, dafür aber die ersten Bergpanoramen.

    Ich habe etwas Sorge um meinen Wasservorrat. Es wird heute und auch die nächsten Tage sehr heiß. An einer Quelle fülle ich zusätzlich meinen Wasserfilter auf, so dass ich jetzt mit 2,5 Litern unterwegs bin. 

    Runter nach Lörrach, zum Teil über Treppen, kurz zu dm rein, raus aus Lörrach, zum Teil über Treppen. Danach geht's moderat bergauf über schöne Single trails. Bänke sind hier rar. Darum nehme ich diese hier, auf der ich gerade sitze und mache Pause.

    Es geht dann erstmal weiter auf Waldautobahnen und als der Wald endet auf Asphaltwegen zwischen Wiesen. Ein bisschen viel Asphalt zwischen Wiesen. Habe ich schon geschrieben, wie toll es auf dem Rheinsteig war? 

    Bei einer Pause quatscht mich ein Motorradfahrer voll. Hat fürs Wandern nicht unbedingt Verständnis. Und Marathonläufer sind sowieso bekloppt. Wenn der wüsste... Bei einem Brunnen filtere ich noch etwas Wasser und weiche meinen Buff ein. Zur Kühlung für den Schädel. In praller Sonne geht es hoch zur hohen Flum. Auf den Turm muss ich natürlich rauf. Der weitere Weg bietet schöne Aussichten und ist aufgrund des flachen Profils gut zu gehen. So habe ich es mir an meinem letzten Rheinsteig-Tag ja gewünscht. Die Beine machen nach dem Ruhetag auch gut mit und so schaffe ich es tatsächlich bis Wehr. 

    Hier scheint es viele Verkehrsidioten zu geben. Ein Motorradfahrer fährt an mir vorbei, nur auf dem Hinterrad fahrend. Mehrere Autos setzen immer wieder zu Zwischenspurts an.

    Es ist 18 Uhr. Die Geschäfte und Eisdielen machen dicht. Mein Hotel ist 5 km außerhalb. Weil es dort kein Restaurant gibt, gehe ich hier noch schnell zum Griechen. Rinderleber und Bier. Sehr gut zubereitet und nicht so massig. 

    An der Bushaltestelle treffe ich dann noch einen Wanderer, der gerade den Schluchtensteig absolviert hat. Mit Gepäcktransport. Jetzt will er nur sein Auto aus Stühlingen abholen.

    Morgen geht's für mich auf den Schluchtensteig. Vielleicht einer der Höhepunkte der Tour. Ich lass' mich überraschen.
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  • Schluchtensteig - Es fängt gut an

    18 июня, Германия ☀️ 28 °C

    18.06.26, Donnerstag
    Von Wehr nach Todtmoos

    Gestern hatte ich mich nach dem Duschen einfach nur aufs Bett geworfen. Und bin eingeschlafen. Die gestrige Wanderung hatte mir wohl doch einiges abgefordert. In den 32 km waren auch noch 700 Höhenmeter versteckt. Das verlangte nach Schlaf.

    Heute Morgen um 7 Uhr ist der Frühstücksraum schon von einigen Arbeitern belegt. Erst später kommen auch andere Gäste dazu. Da ich noch mit dem Bus zum Startpunkt des Schluchtensteigs fahren muss, komme ich erst um 9 Uhr auf den Trail. Das Schild am Trailhead kündigt für mich heute 925 Höhenmeter bis Todtmoos an. Und es sollen heute 33° C werden. Ich habe wieder zweieinhalb Liter Wasser im Gepäck. Ziemlich am Anfang meiner heutigen Tour ist eine Brücke über die Wehra gesperrt. Wegen Einsturzgefahr. Ich darf wieder zurückgehen. Eine Ausschilderung gibt es zwar, aber nur für die Normalwanderer. Ich gehe den Weg ja in Gegenrichtung. Warum soll man mich auch darauf hinweisen? Ich habe ja nur über 1000 km in den Beinen und 925 Höhenmeter vor mir. Da kommt es auf den Extra-Kilometer nicht an. Die Normalos, die sich auf der heutigen Etappe von der Schwerkraft runtertragen lassen können, die muss man natürlich auf die Umleitung hinweisen. Aber was rege ich mich auf? Von Einheimischen erfahre ich noch, dass die Brücke wohl gar nicht mehr instandgesetzt wird, weil es sich um eine private Brücke handelt. 

    Nach drei Kilometern treffe ich ein Paar, das auf dem Endspurt des Schluchtensteigs ist. Sie sind mit Hängematten unterwegs und meinten , dass es mit dem Zelten schwierig werden würde. Ich habe allerdings schon in der zweiten Hälfte einige Campingplätze im Blick. 

    Dann treffe ich mal wieder einen NST-Hiker. WhiteWanderer, der den Nord-Süd-Trail auch häppchenweise erobert und auch schon am Haldenwanger Eck war. Nette Begegnung. Er nimmt mir auch meine Sorge ums Wasser, weil wohl unterwegs jede Menge Bachläufe folgen, wo man wieder auftanken kann. Und so ist es auch. Ich nutze diese Punkte um T-Shirt und Buff mal auszuspülen und am Körper trocknen zu lassen. Auch die Füße danken für einen kleines Bad.

    Die Höhenmeter sind gut zu bewältigen. Es geht ständig rauf und runter. Das macht Spaß. Außerdem ist der Weg hauptsächlich bewaldet und es ist daher nicht so warm. In der Kernzone des Biosphärengebiets gehe ich einen traumhaften Single Trail. Kilometerlang führt er auf engen Wald- und Wurzelwegen durch einen dunklen Bannwald. Teilweise an einem Bach entlang, an Moos überwucherten Felsen vorbei, dabei geht's immer auf und ab. Ich bin soweit, dass ich die heutige Tour zur bislang schönsten meiner ganzen Reise küren möchte. Aber leider können die letzten 8 km dieses Niveau nicht halten. Es geht auf breiten Forststraßen und teilweise auf Asphalt hoch nach Todtmoos. Das Ganze auch mehr und mehr in praller Sonne und voller Hitze. 

    Eine Großbaustelle vor meinem Hotel verschafft mir zum Einchecken wohl noch einen weiteren halben Kilometer. Die Einrichtung scheint aus den 80ern zu stammen. Auch der Röhrenfernseher. Aber ich habe auf meiner Tour ohnehin noch kein Fernsehen geguckt. Und bei 44 € für die Nacht will ich nicht klagen.

    Essen beim Vietnamesen. Und anschließend in den Kurpark, wo ich gerade sitze und mein Tagebuch führe.🙂
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  • Wo sind die Schluchten?

    19 июня, Германия ⛅ 30 °C

    19.06.26, Freitag
    Von Todtmoos nach St. Blasien

    Heute morgen bin ich um 6 Uhr raus aus dem Hotel. Es wird heute wieder heiß und der Weg aus Todtmoos beginnt gleich mit 300 Höhenmetern. Die möchte ich hinter mich bringen solange es noch kühl ist. Ich nehme auch nur wenig Wasser mit, denn nach 3 km und den 300 Höhenmetern komme ich an die Wehra-Quelle. Der Weg dahin ist angenehm, die Steigung moderat und das Gefühl absoluter Zufriedenheit, das ich jeden Tag morgens habe, verstärkt sich noch je früher ich losgehe. 

    An der Quelle mache ich mir erstmal ein Frühstück und fülle Wasser auf. Danach wird der Weg breiter und ich komme ins Freie. Jetzt steht die Sonne schon höher und ich merke die kommende Hitze. Aber heute habe ich nicht so viel vor. In St. Blasien soll heute Schluss sein.

    Als ich eine Kuhweide überquere, überkommt mich doch ein etwas mulmiges Gefühl. Denn die Mutterkühe schützen ihre Kälber. Und tatsächlich beäugen mich zwei von ihnen misstrauisch.  Also einfach ruhig weitergehen, nicht hingucken, aber das Holzauge wachsam sein lassen. Komisch. Bei meinem Erlebnis mit den Wildschweinen war ich gelassener. 

    An einer anderen Kuhweide mache ich eine weitere kleine Rast. Viel zu früh. Viel zu lang. Da kommt der Pausenfreund in mir wieder durch. Aber ich habe heute ja Zeit.

    An der Kreuzfelsenhütte ist viel los. Die ganze Zeit bin ich niemanden begegnet und jetzt habe ich die Hütte für mich alleine, aber jede Menge Wanderer kommen vorbei, vorwiegend aus der Gegenrichtung. Keiner möchte in der Hütte Pause machen. Als ich anschließend weitergehe, weiß ich auch wieso. Nach kurzem Weg komme ich zum Klosterweiherhof. Mit Terrasse an einem kleinen See. Und vor allem: Geöffnet. Also Zeit für eine Pause. Nach der ganzen mediterranen und asiatischen Küche der letzten Tage muss jetzt mal etwas regionales auf dem Tisch. Ein Schwarzwälder Schinkenbrett. Ist gut. Und ein Schwarzwälder Kirschwasser ist auch noch dabei. Hatte ich auf der Karte irgendwie übersehen. Ob das gut ist? Bei sengender Hitze? Aber ich will ja neue Erfahrungen sammeln.

    Am Lehenkopfturm überlege ich. Will ich da rauf? Der ist doch bestimmt barrierefrei. Ist er nicht. Aber ich steige trotzdem hoch. Hat sich gelohnt.

    Der Weg nach St. Blasien ist über weite Teile schattenlos. Hin und wieder mal ein schöner Single Trail, aber ich vermisse die Schluchten. Vermutlich ist es gut, dass ich den Weg entgegen der Hauptroute laufe. So erlebe ich vermutlich das Beste zum Schluss.😊

    In St. Blasien gehe ich erst einmal am Dom vorbei. Zunächst gibt's Eis und Kaffee. Dann einchecken, duschen und dann noch mal raus. Zwischenzeitlich hat es anscheinend geregnet. Davon habe ich nichts mitbekommen. Dadurch ist das etwas kühler geworden. Angenehm.

    Es geht zuerst in den Dom. Und das ist ergreifend. Obwohl der weiße Marmor und die weiße Bestuhlung das Ganze etwas steril wirken lassen, ist es imponierend. Ich setze mich in die Mitte und lasse alles auf mich wirken. Immer wieder muss ich gerade nach oben auf das Deckengewölbe mitsamt seinem Gemälde schauen. Irgendwann kriege ich eine Genickstarre.

    Wieder draußen muss ich mich um ein Problem kümmern. Meine Girocard ist anscheinend nicht mehr funktionsfähig. Am Automaten der Sparkasse bestätigt sich das trotz vorheriger intensiver Reinigung. Dann muss jetzt wohl die Kreditkarte herhalten oder das gute alte Bargeld. Das wird hier ohnehin viel lieber genommen.

    Am Rathaus setze ich mich auf ein Lounge-Sofa eines Restaurants, bestelle mir ein Bier und führe ein wenig Tagebuch. Hinter mir plätschert einen Springbrunnen. 

    I feel good. Auch ohne Schluchten.
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  • Ja, wo sind sie nur?

    20 июня, Германия ☀️ 29 °C

    20.06.26, Samstag
    Von St. Blasien nach Lenzkirch

    Um 5:45 Uhr bin ich heute  auf der Piste. Auf das Hotelfrühstück verzichte ich, obwohl es im Preis eingeschlossen ist. Aber Beginn wäre erst um 7:30 Uhr. Das hieße, ich käme erst um 8:30 Uhr los. Dann wäre es schon viel zu warm. Auch heute stehen zu Beginn wieder über 300 Höhenmeter an. Die absolviere ich lieber in der Morgenkühle.

    Die Tour beginnt vielversprechend. Als ich aus St. Blasien rauskomme, geht es gleich durch einen Bannwald auf einem wunderschönen dunklen Single Trail, einem schnellen Bachlauf mit vielen kleinen Stromschnellen entgegen. Ich bin begeistert. 

    Diese Gedanken hat der Steig wohl aufgenommen und sich gesagt: "Okay, Sirius ist erstmal zufrieden. Dann brauche ich mich nicht mehr anzustrengen." Und dann geht es kilometerweit nur auf breiten Forststraßen weiter. Zunächst lang und beständig bergauf. Danach abwärts. Ich lege mir Musik auf die Ohren , was ich grundsätzlich nie in schöner Natur mache. Aber jetzt pusht es und ich komme sehr gut voran. 

    Am Pfaffenbrünnele frühstücke ich und fülle Wasser auf. Der Weg geht unverändert weiter. Die Vesperstube am Anfang des Schluchsees hat offiziell noch nicht geöffnet. aber ich bekomme trotzdem eine Apfelschorle. Außerdem spare ich einen Schaufeleinsatz. Weiter geht's um den Schluchsee rum. Viele Radfahrer sind unterwegs. Zum Teil auf Tagestour, zum Teil auf der Suche nach einer Badestelle. Vom Weg aus führen kleine Abzweigungen zum See. Eine kleine Abkühlung könnte ich auch gebrauchen. Meine Badehose hatte ich zwar aus Gewichtsgründen nach Hause geschickt, aber an einer entlegenen Stelle... Eine solche Stelle finde ich aber nicht mehr. Chance verpasst. Am Seglerhaus gibt's noch ein Stück Käsekuchen und dann geht's weiter. Der Weg führt weg vom Schluchsee und ist auf einmal voller Wanderer, Tageswanderer. Sogar welche ganz ohne Rucksack oder Trinkflasche. Bemerkenswert finde ich Vater und Sohn beim Trailrunning in der Mittagshitze. Der Weg führt steinig nach unten und der ca. zehnjährige Junge meistert ihn mit Bravour. Vater folgt mit kurzem Abstand. Es sieht sehr leicht aus. Und irgendwie sind sie den Berg ja auch mal hochgekommen. Chapeau!

    In Lenzkirch kaufe ich kurz was ein und dann geht es in praller Sonne und ohne Luftzug weiter zum Campingplatz Kreuzhof. Liegt ein bisschen abgelegen, sodass heute wieder 30 km voll gemacht werden. 

    Das Rheinsteig-Training scheint sich auszuzahlen. Ich komme jetzt sehr gut voran und erreiche die Wandergeschwindigkeit, die ich mir vorgestellt habe.

    Auf einem Schild entlang des Wegs habe ich über die heutige Etappe gelesen, dass sie weitgehend schluchtenfrei verliefe. Das war sie. Wie die beiden vorhergehenden auch. Ich verstehe noch nicht ganz, wie der Schluchtensteig zu seinem Namen kam. Was wäre denn der Rheinsteig ohne den Rhein? Oder der Natursteig Sieg ohne die Sieg? Ich habe schon mehr als die Hälfte des Steigs durchwandert und habe da ein bisschen mehr erwartet.

    Aber gut. Hier auf dem Campingplatz laufen die Vorbereitungen für das Public Viewing des Deutschland-Spiels um 22.00 Uhr. Ich möchte morgen ja wieder um 6 Uhr los. Mal gucken, ob ich gucke.
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  • Netzlos

    21 июня, Германия ⛅ 32 °C

    21.06.26, Sonntag
    Von Lenzkirch zur Hütte 525

    Abends war ich noch in der anliegenden Brauerei essen. Leckeres Bierbrot als Vorspeise und ein gutes Dunkles. Schnitzel, wie man es erwarten kann.

    Fußball habe ich nicht geguckt. Die Zeltwiese ist überwiegend mit Wohnmobilen besetzt und gegenüber läuft der Fernseher. Als ich im Zelt liege, höre ich die Geräusche. Ab und an klingt es nach vergebenen Torchancen. Einen Torschrei höre ich nicht. Und irgendwann schlafe ich ein.

    Heute Morgen werde ich um 5.00 Uhr durch drei Böllerschüsse aus der Ferne geweckt. Anschließend setzt Marschmusik ein, die nach einem Stück zunächst verstummt und eine Viertelstunde später wieder einsetzt. Hä? Mich interessiert's ja nicht. Ich will sowieso los, aber was ist denn mit der Nachtruhe? Auf dem anliegenden Pferdehof ist auch schon Betrieb und da erfahre ich, dass heute wohl ein ganztägiges Event mit großer Reiterprozession mit Hunderten von Pferden in der Gegend stattfindet. Bis zum Abend. Und die Blaskapelle hat nicht nur geprobt. Sie ist schon unterwegs.

    Mit dem Beginn der Wutachschlucht beginnt der Schluchtensteig für mich erst richtig. Es ist ein traumhafter Weg mit vielen kleinen An- und Abstiegen. Teilweise führt er auch auf ebener Strecke dem Fluss entlang. An der Schattenmühle ist Zeit für eine ausgiebige Pause. Jetzt fängt es an Gewittern und es folgt ein heftiger Regenschauer. Ich scheine ein Talent dafür zu haben, Regen auszuweichen und sitze trocken auf der überdachten Terrasse. Ich hätte jetzt vielleicht nach einem Zimmer fragen und meine Tour unterbrechen sollen, denn es wird mir bewusst, dass ja heute Sonntag ist. Und das ist gut, weil dann Lokale wie die Schattenmühle geöffnet sind. Und auch, weil viele Menschen dann unterwegs sind, auch viele Familien mit Kindern, die die Natur entdecken wollen. ABER... Ja, genau. Als ich um 14.00 Uhr wieder aufbreche, herrscht auf dem Weg ein reger Verkehr, vorwiegend Gegenverkehr. Da der Weg an allen Stellen eng ist, sind bei allen Begegnungen stillschweigende Abmachungen zu treffen. Ich will gar nicht den Genervten spielen. Ich nerve die anderen ja auch mit meiner Anwesenheit. Aber achöner wäre es am Montag.

    Am Diethfurter Wasserfall, einem der Top-Spots meiner gesamten Reise, sind gerade mehrere Familien. Die Kinder spielen unter und hinter der Regenwand. Teenager brauchen 5 Minuten, um ihre Haare zu befeuchten. Und ein Mann, der mich mit seinem Hund zuvor überholt hatte, turnt in Badehose herum. Aber ich gehe nicht ohne ein Foto vom menschenleeren Wasserfall.

    Der Tag ist nun schon etwas vorangeschritten. Ich wollte eigentlich bis Blumberg kommen. Allerdings habe ich etwas Probleme mit meiner Schienbeinmuskulatur. Die möchte ich nicht weiter überanstrengen. An der NST-Hütte 525 versuche ich meine Möglichkeiten zu sondieren. Eventuell "Schlafen im Stroh" kurz vor Blumberg? Aber ich habe hier weder Internet noch ein Mobilfunknetz. Die Hütte ist ganz schön, aber ich habe nicht genug Wasser und an die Wutach komme ich hier nicht dran. 500 m weiter sehe ich einen Trampelpfad zum Fluss. Den nutze ich ohne weitere Pflanzen zu zertrampeln mache mich ausgiebig frisch, filtere meine Flaschen voll und gehe wieder zurück zur Hütte. 

    Es ist jetzt 17 Uhr und es fängt an zu gewittern und als heftiger Regenschauer niedergeht, erscheint ein junges Pärchen und sucht Schutz. Sie wollen noch zur Schattenmühle fragen mich wo ich denn noch hinwolle. Mit meiner Antwort, dass ich hier bleibe, können Sie nicht so viel anfangen.

    Um 19 Uhr kommt noch ein weiterer Wanderer an. Seine Bekleidung deutet zunächst auf Super-ultraleicht-Wanderer hin. Ärmelloses Unterhemd, eine Art dünne, kurze Schlafanzughose mit mehreren Löchern und Sandalen. Sein Rucksack ist aber so groß wie meiner und 14 kg schwer. Dazu trägt er vor dem Bauch einen weiteren Rucksack mit vier Kilo Nahrung. Unter anderem hat er auch einen kleinen Holzofenkocher und eine Kaffeemühle mit. Er ist, wie ich, seit sieben Wochen unterwegs. Seine Tour umfasste das Jura, die Vogesen und ein bisschen Alpen. Jetzt will er noch zum Titisee und dann nach Hause fahren. Er erzählt mir von seinen Touren in Europa, unter anderem von einer Radtour in der Ukraine vor zwei Jahren. Am NST ist er nicht so interessiert, empfiehlt mir aber, den Bodensee südlich entlang zu laufen. Aber: Was nicht geht, geht nicht. Er bleibt auch über Nacht und so muss ich zum ersten Mal nach sieben Wochen nicht alleine schlafen.
    Aber wie Deutschland nun bei der WM gespielt hat, weiß ich immer noch nicht.
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  • Die Reste von gestern

    22 июня, Германия ☀️ 31 °C

    22.06.26, Montag
    Von Hütte 525 nach Blumberg

    Um 5:15 Uhr baue ich mein Innenzelt in der Hütte ab. Mein Hüttengenosse richtet sich nicht nach Uhrzeiten. Er steht auf, wenn er fit ist. So ziehe ich los und der Weg macht da weiter, wo er gestern aufgehört hat. Nur ohne Gegenverkehr. Einfach nur fantastisch. Es ist schade, dass man die Atmosphäre nicht auf Fotos oder anderweitig bannen kann.
    Der Kiosk Wutachmühle hat geschlossen. Das WC ist aber offen. Und es gibt nicht nur wieder Internetz, sondern sogar ein freies WLAN. Aber es wird jetzt richtig heiß. Die Strecke wird wieder öde bis es nach Blumberg raufgeht. Dann wird es noch mal schön, aber anstrengend als es zu den Schleifenbachfällen geht. Ich bin ziemlich fertig, als ich oben an einer Schattenbank rauskomme. Mein Schienbeinmuskel macht mir jetzt doch erheblich zu schaffen und ich buche mir ein Hotel in Blumberg. Ich darf sogar um 13 Uhr einchecken und nutze die Zeit für meinen ersten Nachmittagsschlaf seit sieben Wochen. Die beste Wanderin von allen gibt mir noch eine Anleitung zum Schienbeinmuskeltapen und ein paar Tipps zum Dehnen. Dann nur noch kurz einkaufen und eine Pizza und ein kühles Bier rausholen. Ich habe einen kleinen Balkon mit Tisch und Stühlen. Das passt!
    Wie hat Deutschland eigentlich gespielt?
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  • Ich weiß es jetzt!

    23 июня, Германия ☁️ 30 °C

    23.06.26, Dienstag 
    Von Blumberg zum Campingplatz Hegau 

    Heute morgen im Hotel ein stilles Frühstück eingenommen. Obwohl schon einige Gäste um 7 Uhr am Tisch saßen, habe ich noch nie beim Frühstück eine solche Stille erlebt.

    Beim Auschecken habe ich noch eine sehr nette Begegnung mit Alexej, einem jungen lettischen Fahrstuhlmonteur, der gerade im Hotel einen Auftrag erledigt. Er wandert selbst gerne in der Schweiz und sehr an meiner Tour interessiert. Es ist interessant, wie solche Begegnungen die Stimmung heben können.

    Als ich aufbreche, ist es schon sehr warm. Beim Auslauf aus Blumberg schaffe ich es, eine alte Dame mit Rollator am Berg zu überholen. Wir wechseln ein paar Worte und sie wünscht mir eine schöne Wanderung.

    Der Weg führt dann wie erwartet erstmal bergauf. Ich bin dankbar dafür, dass dieser Abschnitt ausschließlich im Schatten verläuft. Meinen Schienbeinmuskel merke ich dabei gar nicht. Oben angekommen ist der Ausblick an der Buchberghütte traumhaft. Ich hatte sie ursprünglich mal als Übernachtungsmöglichkeit in Erwägung gezogen. Aber gestern wäre es noch zu früh gewesen. Und heute sowieso. Aber ich bleibe eine Weile hier sitzen und schreibe diese Zeilen. Nur sollte ich langsam mal aufbrechen, sonst trinke ich hier oben noch meinen Wasservorrat leer.

    Als ich aus dem Wald heraustrete, habe ich Glück. Eine Wolke ☁️ hat sich vor die Sonne geschoben und ich habe es auf dem freien Teilstück nicht so warm. Auch bei einer weiteren Pause auf einer Bankliege ist es gerade sehr angenehm. Imposant ist der Blaue Stein, ein bewachsener Felsen, der quasi eine Baumkrone trägt. 

    In Randen und Riedöschingen fülle ich meine Wasservorräte auf. Irgendwann wird es doch heiß, aber es ziehen Gewitterwolken auf. Für den Fall der Fälle ist meine Taktik klar. Der Rucksack kriegt seine Frischhaltefolie. Dann kommt der Regenschirm zum Einsatz. Und sonst nichts. Ein bisschen Abkühlung tut mal ganz gut. Ich verlasse den Trail Richtung Campingplatz Hegau und dann geht's schnell. Donner, Blitze, erste Regentropfen. Frischhaltefolie, Schirm, gerade noch geschafft. Aber dann kriege ich die volle Breitseite. Starke Sturmböen von der Seite, starker Regen. Der Schirm hält stand. Ich erreiche eine Baumreihe. Da stelle ich mich unter. Aber das Schutz ist minimal. Vor allem weil der Wind noch in die ungünstigste Richtung dreht, ich die Breitseite nun von vorne kriege und der Regen noch teilweise in Hagel übergeht. Ich ziehe mich vollends ins Gebüsch zurück. Das bringt etwas Schutz, trotzdem ist mein Wunsch nach Abkühlung mittlerweile befriedigt. 

    Als der Regen nachlässt, gehe ich das letzte Stück zum Campingplatz, wo die Software abgestürzt ist und es etwas dauert, bis ich einchecken kann. Es ist ein 5-Sterne-Campingplatz für einen 5-Sterne-Preis. Was die nicht alles haben: Hallen-Erlebnisbad, Badesee, Beachvolleyball, Beach Soccer Feld, Tennishalle, Tretkart-Verleih, Hundedusche, Tennishalle, Fußballgolf, Alpaka-Gehege. Kurz: Alles, was ein Wanderer braucht. Den Badesee habe ich tatsächlich genutzt. Das Restaurant auch. Das war aber nur mäßig.

    Dennoch bin ich am überlegen, hier einen Ruhetag einzulegen. Meine Schienbeinmuskulatur hat sich ab Mitte der Wanderung wieder gemeldet, obwohl die heutige Tour weder lang noch anstrengend war. 

    Mittlerweile weiß ich auch, wie Deutschland gespielt hat. Es wird nicht mehr mein Turnier.
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  • Von Tengen nach Engen

    24 июня, Германия ☀️ 31 °C

    24.06.26, Mittwoch
    Von Tengen nach Engen

    Heute wird es doch kein Zero-day. Keiner will mit mir Beachsoccer spielen, meinen Tennisschläger hatte ich vergessen und die Alpakas würden meinen Rucksack nicht zum nächsten Etappenziel tragen. Ich nehme mir aber bewusst nur eine kurze Tour zum nächsten Campingplatz vor. Vielleicht kann ich meine muskulären Probleme dort auskurieren.
    Heute sind keine Wolken da, um der Sonne ein bisschen Einhalt zu gebieten. Und der Weg verläuft bis jetzt vorwiegend schattenlos. An der ersten Hütte nehmen zwei Wanderinnen, die auf dem Querweg unterwegs sind, die letzten Schattenplätze vor der Hütte ein. Sie bieten mir an, mich dazu zu setzen, aber ich verzichte auf die nette Gesellschaft und ziehe doch lieber den Schatten in der Hütte vor. Der Weg führt weitgehend in praller Sonne weiter. Er bietet aber die ganze Zeit ein imposantes Panorama. Der Querweg gefällt mir bis jetzt ausgesprochen gut. Für die Hitze kann er nichts.
    Mittags schon komme ich am Campingplatz Sonnental in Engen an. Der Betreiber weist mir einen Platz außerhalb der Zeltwiese im Schatten zu. Thanx! Den Nachmittag verbringe ich lesend auf der Terrasse des "Restaurants".
    Das Thema Ruhetag ist noch nicht durch. In der zweiten Tourhälfte hatte ich wieder Probleme und mein Fuß ist jetzt etwas angeschwollen. Aber ein Ruhetag hier? Der Platz gibt nicht so viel her. Ich entscheide morgen früh.
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  • Kopf runter und Beine nach vorne

    25 июня, Германия ☀️ 35 °C

    25.06.26, Donnerstag
    Von Engen nach Singen

    Gestern Abend fühlte es sich schon so an, dass sich am heutigen Tag etwas entscheidet. Fest steht, dass ich einen Ruhetag brauche . Ich muss irgendwo hin, wo ich meinen Fuß hochlegen kann. Der Campingplatz scheidet aus. Ich muss weiter. Und zwar nach Singen. Da steht das nächste Hotel. Das sind 28 km bei bis zu 35 Grad. Also wird heute nur gewandert. Keine langen Pausen. Keine Pflanzenbestimmungen. Kein Warten auf Schmetterlinge, dass sie sich perfekt auf einer Blüte drapieren. Am besten gar keine Fotos. Nach unten gucken, Beine nach vorne und hoffen, dass die Muskulatur hält.
    Aufstehen um 4:30 Uhr. Frühstück beim Bäcker in Engen, der schon um 5:30 Uhr (!) auf hat 👍.
    Und so geht's los. Erst noch bei angenehmen Temperaturen. Aber schon ab 8 Uhr wird es warm. Die Sonnencreme, die ich auftrage, wird schon mit Schweiß vermischt. Halbiert sich jetzt der Lichtschutzfaktor?
    Ansonsten gibt es nichts zu berichten. Ich gucke ja nach unten. Nur einmal blicke ich hoch und sehe einen Rotmilan, den einzigen Raubvogel, den ich sicher identifizieren kann. Ohne Flügelschlag kreist er minutenlang über sein Jagdgebiet. Faszinierende Vögel.
    Der Weg führt fast nur durch pralle Sonne und hat ein paar heftige Anstiege. Das kommt mir heute gelegen, denn wenn es runter geht, meldet sich das Schienbein. 5 km vor dem Ziel wird das ganz heftig und ich versuche, die Belastung mit den Stöcken abzumildern. Ich schenke mir auch die Burgruine Hohenkrähen. Hole ich mal nach, wenn ich mal wieder in der Nähe bin.
    Glück habe ich in einem Lokal, wo ich 5 Minuten bevor sie schließen noch eine Apfelschorle bestellen kann. Danach komme ich gut runter nach Singen. Unterwegs ist noch Zeit für ein Eis aus der Waffel und einen Kaffee.
    Als ich im Hotel ankomme, ist der Fuß noch dick. Aber ich bin guter Dinge, dass ich nach dem Ruhetag weitergehen kann. Ich weiß nur noch nicht, was ich morgen bei 35 Grad in Singen machen kann.
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  • Ruhe in Singen

    26 июня, Германия ⛅ 35 °C

    26.06.26, Freitag
    Ruhetag in Singen

    Gestern Abend hatte ich noch ein paar Tapas in einem spanischen Lokal um die Ecke verzehrt. War sehr gut. Da gehe ich heute Abend noch mal hin. Das Iberico-Schwein testen.
    Der heutige Vormittag stand voll und ganz im Zeichen der Rekonvaleszenz. Lang geschlafen, spät gefrühstückt. Ausgiebige Faszienbehandlung (wie gut, dass ich meinen Korkball dabei habe). Und Tape erneuern. Das ist ohne scharfe Schere nicht so einfach.
    Anschließend geht's dahin, wo es kühl und schattig ist. Nicht in den Supermarkt. Besser ins Museum MAC 2 Arts & Cars. Da werden auf fünf Etagen einige Oldtimer und Nobelkarossen ausgestellt, verbunden mit künstlerischen Werken und Lichtinstallationen. Ich bin ja nicht so der Autofreak. War aber ganz nett, aber am faszinierendsten fand ich eine Foto-Serie über Marilyn Monroe.
    Beim Rausgehen werde ich noch auf ein anstehendes Blues Konzert am Abend im Museumsgarten aufmerksam. Das wäre natürlich klasse. Allerdings würde es spät werden. Und ich habe morgen Besonderes vor. Werde doch eher zum Spanier gehen.
    Anschließend schaue ich mir noch ein bisschen die Innenstadt von Singen an. Für einen längeren Aufenthalt ist es aber zu heiß.
    Essen war gut. Und morgen wird es interessant und etwas kühler.
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  • Frühstart

    27 июня, Германия ☀️ 35 °C

    27.06.26, Samstag 
    Von Singen nach Bodman 

    Heute übertreffe ich mich selbst. Start um 2.40 Uhr.  Ich will der Hitze unbedingt ausweichen. Außerdem steht sowieso noch eine Nachtwanderung aus. Die hatte ich mir ja vorgenommen. In Singen ist nichts los. Nur ein paar junge Autofahrer sind auch früh aufgestanden und diskutieren wichtige Sachen an einer Tankstelle. Als ich Singen verlasse, geht es zunächst über einen frisch geschotterten Forstweg, der im Schein der Stirnlampe gut erkennbar ist. Kurz darauf geht's aber auf einen schmalen Pfad, der durch Pflanzenbewuchs sehr verengt wird. Das ist irgendwie richtig spannend. Meine Hoffnung auf ein besonderes Wildtier-Erlebnis erfüllt sich aber nicht. Es gibt auch keine besonderen Geräusche, die mich aufschrecken lassen. Da bin ich ein ganz kleines bisschen enttäuscht.

    Um 4.30 Uhr komme ich an einer Grillhütte vorbei. Hunger habe ich nicht, aber es ist trotzdem die beste Gelegenheit für ein Frühstück. Es fängt jetzt auch an zu dämmern. Um 5 Uhr komme ich durch Steißlingen und eine Frau ist dort schon bei der Gartenarbeit. Warum wohl? 

    Auf der Burgruine Homburg habe ich zum ersten Mal einen Blick auf den Bodensee. Auf der Burgruine Alt-Bodman bin ich noch näher dran. 

    Als ich in Bodman einlaufe, ist es schon wieder richtig heiß. Ich bleibe ein bisschen am Wasser, hole noch ein Paket an der Packstation ab und gehe dann noch einen schönen Weg zum Campingplatz. Der ist proppevoll. Ich kriege aber noch einen Platz im Schatten. 😊

    Zelt aufbauen. Ab ins Wasser, das im Uferbereich teilweise Badewannentemperatur hat und keine Erfrischung bietet. Und ich bin hundemüde. Es fehlt die Gelegenheit, den Schlaf der letzten Nacht nachzuholen.

    Am Abend spielt eine Blues Band. Die wird jetzt im 2. Teil richtig gut.
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  • Überlingen

    28 июня, Германия ☀️ 33 °C

    28.06.26,  Sonntag 
    Von Bodman nach Überlingen 

    Um 4 Uhr wurde ich von einem Schwachmaten geweckt, der zunächst äußerst lautstark mit irgendwem redet, um dann lauthals zu verkünden, dass er aufs Klo müsste. Vielen Dank! Dann brauche ich meinen Wecker nicht zu bemühen. Ich stehe auf, baue ab und gehe los. 

    Auf dem Weg von Bodman nach Ludwigshafen bemerke ich, dass ich mich mitten in einem Touristenzentrum befinde. Alle Mülltonnen überfüllt. Hochachtung vor denen , die sie wieder entleeren müssen. Und mancher Müll liegt noch nicht mal in der Nähe einer Tonne. Auch Schwachmaten! 

    Der Weg nach Überlingen verläuft zum Glück viel durch den Wald. Zwischen den Bäumen schimmert ab und zu der Bodensee durch. Ist schön. Mit dem Einlauf in Überlingen komme ich auch wieder unter Menschen. Viele Menschen. Und alle suchen einen Schattenplatz an einem der vielen Badestrände. Das wird die nächsten beiden Tage wohl so anhalten. Irgendwie habe ich da keine Lust drauf. Aber wat mutt, dat mutt. Immerhin macht mein Schienbeinmuskel keine großen Probleme mehr. Es tut zwar jetzt zum Ende der Tour an anderen Stellen weh. Aber alles in normalem Rahmen.

    Mit dem Campingplatz habe ich Glück. Sehr klein und übersichtlich und ein Platz im Schatten! 😊
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  • Besuch

    29 июня, Германия ☁️ 29 °C

    29.06.26, Montag 
    Von Überlingen nach Immenstaad 

    Heute morgen hatte ich Besuch. Als ich meinen Rucksack aus der Abside zog, kroch darunter eine Maus hervor. Ich hatte vorher schon etwas rascheln gehört, dem aber keine Bedeutung geschenkt. War noch zu früh. An meine Essensvorräte ist sie aber nicht gelangt. 

    Heute habe ich nicht so viel auf dem Plan. Bis zum Campingplatz vor Immenstadt sind es nur 17 km. Dabei ist der Himmel teilweise bedeckt, was die Tour ganz angenehm macht. Sie führt auch nicht stumpf am Wasser entlang. Ab zu geht's auch mal etwas hoch und führt durch Naturschutzgebiete. Besonders schön ist der Abschnitt um die Seefelder Aachmündung. Meersburg gucke ich mir etwas näher an.

    Am Campingplatz muss ich auf die Öffnung der Rezeption warten. Vertreibe mir die Zeit mit einer Apfelschorle im dazugehörigen indischen Restaurant. Ist auch was für heute Abend. Bei der Anmeldung bekomme ich noch ein Begrüßungsbier. Ist noch kalt. Muss jetzt getrunken werden.

    Das Bad im Bodensee ist zum ersten Mal angenehm. Nicht ganz so warm wie die beiden Male zuvor.

    So! Gerade mit dem Essen beim Inder fertig. Heute Abend läuft hier noch im Public Viewing das Deutschlandspiel. Ich weiß nicht. Ist ja nicht mein Turnier. Aber auf die nächsten vier Tage freue ich mich.
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