Bolivia
Potosí

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Top 10 Travel Destinations Potosí

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147 travelers at this place

  • Day86

    Potosí

    June 3, 2019 in Bolivia ⋅ 🌫 10 °C

    Ich mache einen kurzen Zwischenstopp in der Minenstadt Potosí auf meinem Weg von Sucre nach La Paz. Die Stadt liegt auf 4.000m und beim erkunden merkt man die Höhe deutlich. Die Hauptindustrie ist hier seit Jahrhunderten der Bergbau mit den vielen Silberminen im Cerro Rico, der die Stadt überschattet. Die Arbeitsbedingungen auf dieser Höhe sind hart und die technologischen Mittel begrenzt. Viele der Minenarbeiter fangen schon als Kinder an hier zu Arbeiten und die Lebenserwartungen sind entsprechend gering. Als Tourist kann man hier eine der Minen besuchen um eine Vorstellung zu bekommen wie der Arbeitsalltag für die Arbeiter ist. Man bringt dabei Geschenke für die Arbeiter mit (hauptsächlich Kokablätter, süße Getränke und Dynamit).

    On my way from Sucre to La Paz I stop in Potosí. Potosí is a mining town at 4.000m (which you can definitely feel when you explore it). The mountain in the backdrop, Cerro Rico, has been mined for silver for centuries. Working conditions at this height are hart and new mining technologies virtually nonexistent. Many miners start working here as kids and and have repository issues when they grow up. As a tourist it is possible to visit the mines on a tour to get a first hand picture of the working conditions. On these tours it is customary to bring gifts for the working miners, mostly coca leaves, sweet drinks or dynamite.
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  • Day4

    Potosí, eine hochgelegene Stadt

    June 4, 2019 in Bolivia ⋅ ☀️ 10 °C

    Unsere erste Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln umgeben von Bolivianern, die fast alle schliefen, verlief problemlos. Sogar für die Verpflegung während der Busfahrt ist gesorgt. Entweder schreien bolivianische Frauen von aussen was sie anzubieten haben oder sie steigen direkt bei der einen Haltestelle in den Bus, verkaufen ihre selbstgemachten Gebäcke und steigen bei der nächsten Haltestelle wieder aus. Am späteren Vormittag erreichen wir Potosí, auf 4060 Höhenmeter. Die Stadt war früher eine der reichsten Boliviens, hier wurde in den Minen Silber abgebaut, welches die Spanier für sich nutzten.
    Wir erkunden die Stadt zu Fuss und sind froh, dass wir nicht zu sehr ausser Atem kommen. Vielleicht bringt wandern in den Schweizer Bergen ja doch was...
    Abends machen wir die ersten Bekanntschaften, was es heisst, in Südamerika einfacher zu reisen. Warm Wasser konnten wir vergessen. Also wird die Körperhygiene mal auf französisch erledigt.
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  • Day31

    Potosi - der Silberberg

    December 1, 2018 in Bolivia ⋅ ☀️ 18 °C

    Potosí war die Quelle des spanischen Reichtums im 16. und 17. Jahrhundert. Über 200.000 Tonnen Silber wurden aus dem Silberberg gewonnen (unter ca. 8 Millionen Opfern - überwiegend indegen). Auch heute arbeiten noch ca 15.000 Bergleute unter sehr schwierigen Bedingungen unter Tage. Ich habe sie besucht, und ihnen Fanta und Kokablätter als Gastgeschenk mitgebracht. Nach auf dem Berg, in den Berg...Read more

  • Day125

    Potosí

    February 9 in Bolivia ⋅ ☁️ 11 °C

    The city of Potosí is located 3.900 meter above sea level. The main attraction is to visit the Silver Mines where about 4.500 people work under very hard conditions. Around 5 people die every month due to accidents with dynamite or toxic gases. Potosí is the only place in the world where you can buy dynamite on the market.Read more

  • Day195

    Minentour in Potosí

    December 7, 2019 in Bolivia ⋅ ☀️ 17 °C

    Wir wollten unbedingt nach Potosí und eine Tour durch die Silbermine dort mitmachen. Potosí, den Namen kannten wir aus dem Buch ‚Die offenen Adern Lateinamerikas’.

    Laut Reiseführer sei Potosí die Stadt, die der Welt am meisten gegeben habe: satte 60.000 Tonnen Silber. „Vale un Potosí - das kostet ein Potosí” sei in Spanien bis heute eine Redewendung, wenn man sagen möchte, dass etwas ein Vermögen kostet. Denn Potosí war über Jahrhunderte die reichste Stadt der Welt dank des 4.800m hohen Cerro Rico (der Reiche Berg), der einst voller Silberadern war. Das Silber aus der bolivianischen Mine ist damals allerdings nicht in Potosí geblieben sondern auf direktem Wege in spanische Staatskassen, und danach Kassen weiterer europäischer Länder geflossen. Unter grauenhaften Arbeitsbedingungen haben damals alleine in der Silbermine Potosí 8 Millionen (M-i-l-l-i-o-n-e-n!) Menschen ihren Tod gefunden. Also ein krasser, saudunkler Ort. Erst als wir von Silberadern sprechen wird mir die Doppeldeutigkeit des Buchtitels „Die offenen Adern Lateinamerikas“ bewusst.

    Die Zeiten, in denen Potosí die Schatzkammer Lateinamerikas ist, sind jedoch lange vorbei. In den Minen ist nur noch wenig, niedrig konzentriertes Silbererz, stattdessen wird eher Zinn abgebaut, was längst nicht so viel abwirft. Beides wird dem Berg auch heute noch abgerungen - in Handarbeit und mit ähnlichen Mitteln wie vor hunderten Jahren.

    Wir werden von unserem Guide am Hostel abgeholt, wo wir die Tour gestern Abend bei Ankunft direkt gebucht hatten. Sprich keinen Griff auf die Wahl des Tour Operators, sondern blindes Vertrauen, dass das Hostel mit wem cooles zusammenarbeitet. Kommt n heruntergekommen aussehender Mann mit abgenutzter Plastiktüte in der Hand ins Hostel. Stellt sich heraus: Das ist unser Tourguide, Antonio. 😑 Wir gehen nach draußen und stellen uns an die Straße. Dann wird deutlich: Antonio hat getrunken, hat mega die Fahne, vermutlich Alkoholiker. „Wollen wir die Tour abbrechen?“ fragt Micha. Hätten wir 2 Tage in Potosí hätten wir das auf jeden Fall gemacht. Wir haben aber nur einen Tag, sind hier extra hingefahren, war voll der Umweg. Also war ich eher für bleiben. „Antonio, wie kommen wir denn zur Mine?“ frage ich. Soll aber eigentlich heißen: ‚Fährst du? Weil dann fahren wir nicht mit.‘ Antonio fährt nicht selbst, wir nehmen erst einen öffentlichen Bus zum Office, danach gehts mit nem privaten Chauffeur zur Mine. Okay, wir machen die Tour.

    Es geht zum „Office“ des Tour Operators. Spilunke trifft es eher. Bevor wir den kleinen Kellerraum aus unverputztem Stein betreten dürfen, macht Antonio noch derbe Technomukke an und rot, grün, blau wechselndes Partylicht. Es ist 10 Uhr morgens, und das hier hart skurril. Zusammen mit seiner Fahne übergibt er mir den Sicherheitshelm. Ich ekel mich und will das Teil ums Verrecken nicht aufsetzen. Meine schönen, frisch gewaschenen, läusefreien Haare! 😫 Es führt kein Weg dran vorbei, ich muss den Helm aufsetzen. Stiefel, n roten Zweiteiler und n Kartoffelsack mit Rucksackträgern zum Mitnehmen einer Wasserflasche gibts auch noch. Unsere Wertsachen könnten wir hierlassen, hier seis sicher. Ja genau. Ich nehm alles in dem Kartoffelsack mit. Wir machen ein Foto für seine Facebookseite. Anstatt “cheese” sollen wir “Fuck sexy Lamaaas!” rufen. Dieser Typ ist einfach so drüber. Er rät uns nochmal auf Toilette zu gehen, in der Mine gäbs nämlich keine. Ich mach die eine Toilettentür auf. Zugeschissen. Okay ich nehm die andere. Schimmeliges Pipi in der Schüssel. 😑 Micha guckt mich mitleidig an, als ich die Toilettentür schließe. Das Wasser zum Runterspülen holt man sich aus einem Regentrog außerhalb der Toilette. Ich will hier eigentlich gar nichts anpacken. Stattdessen muss ich den dreckigen Toiletteneimer anpacken, um mein Pipi und das meiner gefühlt zwanzig Vorgänger runterzuspülen. Der Bolivianer aus unserer Truppe, der neben mir auf die zugeschissene Toilette gegangen ist, spült nicht mit Wasser durch. So kommen also die ekeligen Toiletten zustande.

    Wir sind abfahrbereit. Bevor wir jedoch zur Mine fahren halten wir an einem Kiosk, um für die Minenmitarbeiter Cola, Kekse, Cocablätter und Dynamit zu kaufen. Ja. Dynamit. Ausm Kiosk. Potosí sei die einzige Stadt, in der man Dynamit im Kiosk kaufen könne. Antonio hält die Stange in der Hand, macht ein Streichholz an, und steckt das Feuer in sekundenschnelle, ohne Vorwarnung, hahaha-guckt-mal!-mäßig, IN DIE DYNAMITSTANGE! ALTER, YOU CRAZY?! Dieser Typ! „Hahaha“, er findets witzig, Dynamit explodiere nur bei 70°C. Waaaaas machen wir mit dem Alkoholiker in dieser Tour? Nebenbei demonstriert er uns noch, wie die Minenarbeiter auf Kokablättern kauen. Er hält eine Silberschüssel in der Hand, auf der Kokablätter, Kalzium und andere Dinge anschaulich platziert sind, greift rein, stopft sich viele Kolablätter auf einmal in den Mund, stopft mit dem Finger im Mund nach. Einige Blätter fallen zurück in die Silberschüssel. Ob wir auch wollten? Hm....Nein, danke. Der Bolivianer aus unserer Truppe muss ihm die Schüssel wieder richtig richten, denn Antonio hält die Schüssel so schief, dass einige Kokablätter auf den Boden fallen. Als nächstes nimmt Antonio eine kleine rot-durchsichtige Flasche in die Hand. Die brauch man für die Rituale in der Mine. Ist 96%iger Alkohol drin. Antonio nimmt einen Schluck aus der Kappe. Aha. Micha und der Bolivianer nehmen ebenfalls, ich überlege, finde Antonio ekelig und will keine Flaschenkappe mit ihm teilen, denke aber, dass der Alkohol eh alles desinfiziert hat, sage dann ja, aber entscheide mich doch schnell wieder dagegen. Desinfektion hin oder her, ich finde Antonio einfach ekelig. 🙈 Bevor wir gehen kommt ein strahlig guckender Mann auf uns zu getorkelt. Er arbeite auch in der Mine! Potosí, was für ein krasser Clash der Kulturen zu Chile!

    Antonio ist Minenarbeiter in 3ter Generation. Sein Großvater und Vater haben beide in der Mine in Potosí gearbeitet und dort auch ihren frühen Tod gefunden. Antonio selbst hat mit 14 Jahren angefangen in der Mine zu arbeiten. Als sein Vater mit 40 Jahren an den Folgen der Minenarbeit gestorben ist, hat Antonio aufgehört. Damals war er 19. Aufgrund des Staubs in der Mine durch die Sprengungen und folglich in der Lunge werden die Arbeiter durchschnittlich bloß 39 Jahre alt. Total krass, und trotzdem arbeiten die Männer aus Potosí nach wie vor dort. Er sei der Erste in seiner Familie, der außerhalb der Miene arbeitet. Erst kann ich nicht deuten, ob er stolz darauf ist oder beschämt, die Familientradition gebrochen zu haben, denn so wie er da vor uns steht, mit Alkoholfahne, runtergekommenen Klamotten, nur noch 3 faule Zähne in der unteren Kauleiste, und die Worte nuschelt, ist er schwer zu lesen. Nach einer Minute in der Mine wird mir klar, dass er unfassbar erleichtert und stolz sein muss, diesem Arbeitsplatz entkommen zu sein.

    Die Mine wird nicht von einem Arbeitgeber gemanaged, sondern die Minenarbeiter sind alle selbstständig, und schließen sich Kooperationen an, um sich die notwendigen Investitionen in Infrastruktur für den Abtransport des Silbers und Zinns zu teilen. Insgesamt gibt es 39 Kooperationen, alle arbeiten gegeneinander. Weil das ganze so unkoordiniert abläuft gibt es haufenweise Anwälte in Potosí. „In der Straße eures Hostels gibts alleine 20 Anwälte“ stößt Antonio hervor. Denn wenn zwei Männer aus unterschiedlichen Kooperationen gleichzeitig auf eine Silberader treffen wird darum gekämpft, wem diese gehört und wer das Silber verkaufen darf. Neben Anwälten gibt es in Potosí überdurchschnittlich viele Zahn- und Augenärzte. Zahnärzte, weil die Männer den ganzen Tag auf Kokablättern rumkauen. Dazu wird ein wenig Kalzium, meist in Form von Paste in den Mund gesteckt. Das beschleunigt die Wirkung der Kokablätter. Doch offensichtlich ist das schlecht, Antonio hat selbst kaum noch Zähne im Mund. Augenärzte, weil die Männer den ganzen Tag stundenlang nur im Flackern ihrer Kopflampe arbeiten, die Mine ist sonst stockdunkel. Das Fehlen von natürlichem Licht führt zum Sehverlust.

    Die Arbeiter kaufen das Dynamit zum Sprengen des Bergs selber, gibt ja keinen Arbeitgeber. Weil das Dynamit teuer ist wird es gedrittelt und mit einer möglichst kurzen Zündschnur, da ebenfalls teuer, angezündet. Was für eine sau gefährliche Angelegenheit. Jeder sprengt so vor sich hin, ohne Plan, ob die Stelle in der Mine eine tragende Funktion hat. Wir kommen an einigen Stellen vorbei, wo Löcher in den Berg gemeißelt und dann ohne Sprengung dort gelassen wurden. Antonio meint, dass hier der Berg offensichtlich im Nachgang als zu porös empfunden worden sei, und die Person wegen Einsturzgefahr hier lieber nicht gesprengt habe. An einer anderen Stelle werden wir angehalten, uns dort beim nach oben gehen nicht abzustützen, denn es sei ebenfalls eine tragende Stelle, um die alles herum weggesprengt wurde. Krass, dass das Leben der Minenarbeiter (und in diesem Moment auch meins!) vom Grips eines jeden Arbeiters abhängt! 😳 Wir sind allerdings nur in der ersten und zweiten Etage von den 14 Etagen der Mine. Und an einem Samstag dort, wo die meisten Männer nicht arbeiten da Wochenende. In den unteren Etagen arbeiten nur die erfahrenen Männer, denn dort sei es viel gefährlicher und nochmal deutlich enger. Ich finde es hier oben schon krass eng. Nicht unhäufig muss man krabbeln oder sich irgendwo hochschlängeln. „Nichts für Dicke, hahaha“ witzelt Antonio. Wir treffen auf einen Minenarbeiter, der gerade mit einem Steinhammer ein Dynamitloch in die Wand schlägt. Mit der Hand. Früher habe er mit Drillgerät gearbeitet, aber wegen des dadurch entstehenden Staubs arbeite er wieder mit der Hand. Der Arbeiter ist 57 Jahre, fast 20 Jahre älter als das durchschnittliche Alter eines Minenarbeiters. 2 Löcher schaffe er am Tag. Zwei! Das sind Arbeitsumstände hier.

    Überall in der Mine sind Statuen des Gotts der Unterwelt verteilt, „Tio“, der die Minenarbeiter beschützt. 2x im Monat wird er gehuldigt mit Alkohol, Zigaretten und Kokablättern, die man erst über seine Hände, seine Füße und dann über den überdimensional großen Penis schüttet. Der Penis steht für Fertilität, im weiteren Sinne dem Finden von Silber. Wir kommen an zwei Tios vorbei, beide werden von Antonio gehuldigt mit einer angesteckten Zigarette, Kokablättern und Alkohol, den Antonio vorher erneut selber köstigt. „Ich liebe meinen Job! Mein Arbeitgeber bringt mich dazu zu trinken!“ sagt Antonio, als er das Ritual an Tio ausführt. Dann sollen wir alle unsere Lampen ausmachen, er bete jetzt laut in Quechua das Gebet der Minenarbeiter zu Tio. Wir machen unsere Lampen aus. Auf einmal ist es stockdunkel. Was für ein Arbeitsplatz. Antonio betet laut, röchelt, er hat nochmal einen großen Schluck des 96%igen Alkohols genommen, bevor der Rest an Tio geht. Wir machen die Lampen wieder an. Antonio erzählt, dass er für seine Freunde bete, die immer noch hier arbeiten. Er habe viele Freunde in der Mine sterben sehen. Stand am Sterbebett seines Vaters. Es scheinen viele traumatische Erinnerungen zu sein. Er sei dankbar, dass er einen Job außerhalb der Mine gefunden habe. Wahrscheinlich kann man es ihm nicht übel nehmen, dass er Alkoholiker ist.

    Ich möchte jetzt am liebsten raus. Ich hab genug gesehen und finde es schrecklich. Das Ganze ist viel krasser als ich es mir vorgestellt habe. Kein Museum sondern noch tatsächlicher Arbeitsort. Kurz nachdem wir die Mine verlassen, das ganze Gelände ist übersäht mit Barracken, in denen die Arbeiterfamilien wohl wohnen, treffen wir das kleine Mädchen, vielleicht 10 Jahre alt, welches das Eintrittsgeld für die Mine von uns kassiert hat. Sie führt ihren Vater am Arm. Der Vater hat eine schwarze, die Augen komplett einschließende Spezialsonnenbrille auf. In der freien Hand hält er einen Blindenstock. Er ist vielleicht Mitte dreißig.

    Die Tour ist vorbei, Micha und ich setzen uns ins Restaurant um Mittag zu essen. Die Einrücke sitzen tief und schwer. Ich muss an das Buch von Ken Follet aus der Jahrhundert-Triologie denken. Das erste Buch fängt an mit einem kleinen Jungen, der heute 14 Jahre wird und damit seinen Vater begleitet, um seinen ersten Tag als Arbeiter in der Mine zu verbringen. Ihm wird eine Lampe gegeben, die kurze Zeit später ausgeht, sodass er alleine und stundenlang dort unten im Stockdunkeln arbeitet. Er hat Angst, und singt in seiner Angst zu Gott. Das Brot und das Stück Kuchen, dass ihm seine Mama für den Tag mitgegeben hat, muss er in eins verschlingen, denn an seinen Füßen und an seinem Bein hoch krabbeln hungrige Ratten. Bislang war diese Geschichte nur Fiktion. Ein Buch. Aber auf einmal wird diese fiktive Geschichte Realität. Die Männer und kleinen Jungen aus dem Buch leben hier in Potosí wirklich. Wir sitzen in dem Restaurant und mir kullern die Tränen über das Gesicht. Träne für Träne für Träne.

    Als wir im Hostel sind lese ich einen Reiseführer über Bolivien. In der Sektion über Potosí steht ein zweiseitiger, hervorgehobener Text über Kinderarbeit in den Minen von Potosí. Obwohl das gesetzliche Mindestalter mittlerweile 18 Jahre alt ist, gibt es Kinderarbeit. Die kleinen Jungen müssen die Familie ernähren, wenn der Vater aufgrund den Folgen der Minenarbeit ausfällt, weil blind, verletzt, oder tot. Das Gesetz bewirke lediglich, dass Kinder nachts arbeiten, wenn nicht kontrolliert wird.

    Ich glaube, das krasseste und sicherlich mein Leben verändernste, was ich von dieser Reise mitnehmen werde, ist, selbst wenn es ein wenig kitschig klingt, Dankbarkeit. Dankbar, Deutsche zu sein und in Deutschland aufgewachsen zu sein. Einem Land, in dem man so behütet und beschützt aufwächst, dass einen die Realität in anderen Ländern schockiert. Deutsch zu sein ist ein Geschenk. Jetzt muss ich nur noch für mich rausfinden, wie ich dieses Geschenk am besten teilen kann.
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  • Aug18

    Zwischenstop Potosi

    August 18, 2019 in Bolivia ⋅ ⛅ 16 °C

    In Potosí waren wir nur einen Nachmittag - ein kurzer Stop auf dem Weg von Sucre nach Uyuni.

    Es gibt dort eigentlich nur eine riesige Silbermiene, die kollektiv genutzt wird bis sie wahrscheinlich irgendwann einstürzt. Touristentouren durch diese Miene sind begehrt. Wir haben uns dagegen entschieden, weil die Arbeiter (auch Kinder) dort unter katastrophalen Bedingungen malochen und wir keine Lust auf Voyeurismus hatten. Zudem wollten wir nicht freiwillig Asbest und andere Dinge einatmen, der Berg und die Miene von außen haben gereicht.
    Auf dem Weg haben wir immer wieder riesige Müllberge und auch sehr alte Busse entdeckt und wollen euch auch diese Seite des Landes nicht vorenthalten.
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  • Day148

    Potosí

    January 28 in Bolivia ⋅ ☀️ 16 °C

    Potosí ist mit 4.000 m eine der höchstgelegenen Städte der Welt und wurde durch dessen Silberreichtum im 17. Jahrhundert zu einer der größten Städte der Welt. Hier habe ich die Möglichkeit eine aktiv betriebene Mine zu besichtigen und die brutalen Arbeitsbedingungen hautnah zu erleben.
    Unser Touristenführer erzählt uns, dass man für umgerechnet 3 Euro problemlos Dynamit kaufen kann 😅
    Nachdem wir Geschenke bestehend aus Wasser, Kokablätter und Zigarette für die Minenarbeiter gekauft haben geht es in die Mine. Je tiefer wir in den Berg vordringen, desto stickiger und staubiger wird die Luft. Des Öfteren habe ich mir auch meinen Kopf angehauen. Bei der Vorstellung jeden Tag hier für mehrere Stunden zu arbeiten wird mir deutlich welches Glück wir in Deutschland haben. Aufgrund der Menge an Staub, welches die Arbeiter täglich einatmen liegt die Lebenserwartung bei durchschnittlich 50 Jahren.
    Das war ein sehr beeindruckende Erfahrung.
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  • Day15

    Potosi - Minentour

    July 23, 2019 in Bolivia ⋅ ⛅ 1 °C

    Gestern habe ich mit Big Deal Tour einen Ausflug zu den Minen in Potosi gebucht. Nachdem ich einiges über die Minen, die Sicherheitsvorkehrungen darin (es gibt keine) und die Bedingungen, in denen heute noch darin gearbeitet wird, gelesen habe, war ich ja lange im Zwiespalt ob ich so eine Tour wagen soll oder nicht.
    Da die Silberminen aber die eigentlich Hauptsehenswürdigkeit von Potosí sind, habe ich mich doch entschlossen, diesen Schritt zu gehen, auch wenn ich den Touranbieter, bei dem ich noch eine Einverständniserklärung unterzeichnen musste, die auf die Gefahren hinweist, die beim Betreten einer Mine entstehen können, mit mulmigen Gefühl verlassen habe.

    Um 8.45 treffe ich beim Büro von Big Deal Tours ein und staune nicht schlecht, dass relativ viele Leute die Tour heute machen wollen. Irgendwie beruhigt mich die Tatsache ein wenig, dass auch so viele andere die Mine besichtigen wollen und sogar eine Familie mit Kind ist dabei.
    Wir werden in 2 Gruppen geteilt (Englisch und Spanischsprachig), unser Guide ist Wilson, ein Mineur, der immer wieder, wenn er keine Touren hat, zum Arbeiten in die Mine zurückkehren muss (er arbeitet seit seinem 9. Lebensjahr in einer der Minen). Er hat einen guten Humor und ich bin mir sicher, die Tour mit ihm wird richtig interessant!

    Um 9.00 fahren wir los Richtung Mercado de Mineros. Dieser befindet sich am Fuße des Cerro Rico, von hier ist es nicht mehr weit bis zum Bergwerk und zu den Wellblechbaracken der Bergarbeiter und der Sereñas, Frauen, meist Witwen der Bergarbeiter, die sich das Leben in der Stadt nicht leisten können und so vor den Minen leben und die Eingänge gegen Strom, Wasser und Gas Tag und Nacht bewachen, da sonst Plünderer kommen würden und Gestein aus dem Stollen rausholen würden.
    Wilson führt uns zu einem Stand, wo es Dinge zu kaufen gibt, die für jeden Minenarbeiter wichtig sind. Es gibt Getränke, Coca-Blätter, Zigaretten, Schnaps und Dynamit zu kaufen. Potosi ist der einzige Ort weltweit, wo man einfach so, völlig legal Dynamit erwerben kann (um 20 Bolivianos pro Stange inklusive Zündschnur).

    Weiters erzählt uns Wilson einiges über die Geschichte der Mine, die aktuellen Arbeitsbedingungen und welche Rituale die Mineure haben: freitags nach Arbeitsschluß z.B. trinken die Mineure 96% Zuckerrohrschnaps. Ein Liter dieses Getränks kostet weniger als ein Liter Bier und so betrinken sich die Minenarbeiter nach einer anstrengenden Arbeitswoche lieber mit Hochprozentigem als gepflegt auf ein paar Bierchen zu gehen.
    Bevor es weiter zu einer gesteinsverabeitenden Fabrik geht, bittet Wilson uns, doch noch ein Geschenk für die Mineros zu kaufen: Alkohol für die Reinigung von Wunden, Coca-Blätter um das Hungergefühl zu unterdrücken (Mineros essen kein Mittagessen) und mehr Energie zu erhalten, Getränke (diese sind für die Mineros oft zu teuer und trotz der schweißtreibenden Arbeit in der Mine haben sie oft stundenlang nichts zu trinken) oder auch etwas Dynamit für Sprengungen (da der Staat die Minen nicht mehr betreibt, sondern verschiedenste Kooperativen, muss jeder Mineur seine Arbeitsgeräte selbst kaufen und mitbringen um in der Mine arbeiten zu können).

    Ich selbst entscheide mich für zwei Sackerl Coca-Blätter um je 5 Bolivianos und eine 2 Liter Flasche Saft für 10 Bolivianos. Ein paar der Cocablätter kaue ich selbst, denn Wilson empfiehlt uns während der gesamten Tour Cocablätter in unseren Wangen zu lassen, da diese gegen die Höhenkrankheit helfen.
    Die Bergarbeiter kauen sehr viele Cocablätter, jeder hat eine "dicke" Wange, vollgestopft mit diesen Blättern. Die Cocablätter helfen allerdings nicht nur körperlich, für die Mineure ist es auch quasi eine Uhr. Cocablätter geben 4 Stunden lang Geschmack ab, schmecken sie nach nichts mehr, gönnen sich die Arbeiter nach bereits vier Stunden härterster Arbeit eine kurze Pause.

    Nach diesem kurzen Briefing geht es wieder zurück zum Bus. In der Zwischenzeit hat es begonnen zu schneien und es ist wirklich a....kalt. Da es in den Minen staubig und dreckig ist, bekommen wir alle ein "Minenarbeiteroutfit" (obwohl die Mineure selbst keine Schutzkleidung tragen) bestehend aus Overall, Gummistifel, Helm und Stirnlampe. So gekleidet geht es zur Extrahierungsanlage der Steine. Hier wird das gesamte aus der Mine geholte Gestein verarbeitet. Wilson erklärt uns, dass hier jede Menge Chemikalien zum Einsatz kommen, die benötigt werden, um die Mineralien aus dem Gestein extrahieren zu können, und wir bitte nichts anfassen sollen. Die Arbeiter hier arbeiten alle ohne Schutzkleidung, man kann sich also vorstellen wie gesund die Arbeit hier ist.
    Die Maschinen sehen alle veraltet aus, ohne jegliche Sicherheitvorkehrungen und es ist furchtbar laut! Hier mehr als 8 Stunden arbeiten zu müssen ist echt Horror!!
    Aber in Potosi, mit fast 180.000 Einwohner, gibt es kaum Jobs und so sind etwa 30% der Bevölkerung (allerdings nur Männer) auf die Arbeit in den Minen und was so dazugehört, angewiesen.
    Wilson erklärt uns die einzelnen Schritte der Gesteinsbearbeitung, zeigt uns die verschiedenen Stationen und etwa 20 Minuten später sitzen wir wieder im Bus und fahren die letzten Höhenmeter zur auf 4400 m gelegenen Mine, die der Kooperative gehört, für die auch Wilson immer noch arbeitet (und das bereits seit 21 Jahren).

    Bevor wir dann in die Mine reingehen, bekommen wir noch ein paar Sicherheitshinweise und während Wilson noch redet, kommt schon der erste Mineur mit einer mit Gestein gefüllten Scheibtruhe gebückt aus der Mine raus (die Kooperative ist ziemlich arm und kann sich daher keine Loren (= Minenwagen auf Gleisen) leisten. Die Arbeiter müssen daher alles mit einer Scheibtruhe, die gefüllt bis zu 200 kg hat, aus den Minen befördern - und das so oft wie möglich pro Tag, denn die Bergarbeiter bekommen nach brauchbarem Gestein und nicht pro Stunde bezahlt- ein Knochenjob).

    Nachdem die wichtigsten Minenregeln geklärt sind (immer zusammenbleiben, auf den Boden schauen, denn es können überall Löcher sein, die einen, sollte man hineinfallen, unsanft in ein anderes Stockwerk der Mine befördern, unter Löchern in der Decke nie stehenbleiben, es könnte Gestein runtergeschüttet werden etc.) schalten wir unsere Stirnlampe ein und treten in gebückter Haltung in eine der Silberminen Potosis ein.
    Der erste Teil ist sehr niedrig und eng, es ist bereits stockfinster, nur das Licht der Stirnlampe erhellt den Weg. Bereits nach wenigen Minuten können wir wieder aufrecht gehen und es erfolgt auch gleich der erste Stopp bei einer Art Grotte vor einem Abbild des Teufels (El Tio).

    Die spanischen Eroberer versuchten natürlich, das Christentum mit Gewalt durchzusetzen. Im Cerro Rico aber arbeiten die Mineros unter der Erde und so befinden sie sich im Reich des Teufels. Deswegen befindet sich an jedem Eingang des Berges eine Teufels-Figur, welcher Opfergaben gebracht werden können – Coca-Blätter, Zigaretten und Alkohol. Wilson zeigt uns das gesamte Ritual, El Tio zu huldigen, immerhin soll er Glück über die Arbeiter und die Mine bringen. Wilson hat eine Flasche 96% Schnapses dabei. Den ersten "Schluck" bekommt El Tio, anschließend dürfen wir alle auch probieren. Ich nehme nur ein winziges Schlückchen des nicht sehr gut schmeckenden Alkohols und kann mir gar nicht vorstellen, wie die Mineros das freiwillig jede Woche trinken können.

    Wilson hat durch seine langjährige Erfahrung wirklich viele Geschichten über die Arbeit in der Mine zu erzählen und es ist wirklich interessant seinen Ausführungen zu lauschen. Während wir hier so stehen, kommen mindestens 3 Arbeiter mit ihren gefüllten Scheibtruhen vorbei. Man sieht ihnen deutlich an, wie schwer die Scheibtruhen sind und wie unangenehm es ist, diese durch die dunklen, engen Tunnel zu schieben, größtenteils gebückt.

    Neben mir ist eine kleine Nische, wo ein Häufchen und eine Linie mit Kieselsteinchen liegen. Ich beobachte einen der Mineure, wie er ein Steinchen von dem Haufen nimmt und es an die Linie anlegt. Als ich später Wilson frage, was das bedeutet, erklärt er mir, dass die Mineure für jede Scheibtruhe, die sie nach draußen fahren, ein Kieselsteinchen in eine Linie legen um am Ende der Schicht zu wissen, wieviele Scheibtruhen sie an dem Tag geschafft haben.

    Nach einem etwas längeren Aufenthalt vor El Tio und den vielen interessanten Geschichten von Wilson, gehen wir immer weiter hinein in den Berg. Wir kommen an verschiedenste Stellen, wo wir den Arbeitern zusehen können, wie sie in der Mine Gestein abbauen. Es wird alles per Hand aus dem Berg geklopft, Maschinen gibt es kaum. Wir geben den Arbeitern unsere mitgebrachten Geschenke, über die sie sich sehr freuen. Auch können wir kurze Gespräche mit den Mineuren führen (Wilson übersetzt hierfür vom Englischen in Quechua, die Sprache, die die meisten Mineure sprechen) und erfahren von einem, dass er heute bereits seit 3 Uhr morgens in der Mine arbeitet. Von einem anderen erfahren wir, dass er gestern einige Sprengungen vorgenommen hat. Er wirkt noch sehr jung. Obwohl es offiziell nicht erlaubt ist, dass Kinder in der Mine arbeiten, sind etwa 10% aller Mineros minderjährig. Da es niemand kontrolliert, wir auch kein Geheimnis daraus gemacht!
    Die meisten der Arbeiter bekommen mit Ende 30 schwere Lungenprobleme, kein Wunder, wenn man bedenkt wie staubig es hier ist. Zuerst äußert sich das in schwerem Husten, der schon wenige Wochen später von Blutspucken begleitet wird. Die meisten Arbeiter hier drinnen werden nicht älter als 45.

    Die Arbeitsbedingungen in der Mine sind echt katastrophal, dennoch haben die Leute, die hier ihr Geld verdienen, keine andere Wahl! Das Abbild des Teufels im Eingangsbereich verwundert mich nicht mehr. Nach 8-12 Stunden Arbeit muss man sich hier tatsächlich vorkommen wie im Schlund der Hölle. Es herrschen Temperaturen von mehr als 30 °C und ich schwitze schon, wenn ich nur gebückt durch die Tunnel gehen muss. Bei 4.400 Metern Höhe und jeder Menge Staub fällt das Atmen schwer, wir haben einen Mundschutz bekommen, die Mineure tragen keinen. Zu schlecht könnten sie darunter atmen, so heißt es.

    Für mich ist es schwierig, sich in der Silbermine zu orientieren. Die Gänge scheinen sich überallhin zu verzweigen, aber Wilson kennt seine Mine in und auswendig, bei ihm fühle ich mich sehr gut aufgehoben.
    Obwohl ich vor der Tour (aufgrund des Gelesenen) mehrmals gedacht habe, dass der gesamte Berg, der innen aussehen muss wie ein schweizer Käse (nicht wenige bezeichnen die Silbermine von Potosi als das gefährlichste Bergwerk der Welt) irgendwann in sich zusammenbrechen muss, hatte ich die gesamten 2 Stunden, die wir unter Tage verbracht haben, nie ein unsicheres Gefühl. Nichtsdestotrotz war ich auch wieder froh, so beeindruckend und augenöffnend der Besuch der Mine auch war, als ich wieder durch den gleichen Tunnel, durch den wir die Mine betreten hatten, gebückt nach draußen gehen konnte und frische Luft zum Atmen hatten und Sonnenlicht auf der Haut spüren konnte. Ich war nur zwei Stunden in dieser beengten Dunkelheit, die Arbeiter verbringen etwa 70-80 Stunden wöchentlich in dieser Abgeschiedenheit (die Mineure arbeiten immer alleine, treffen sich manchmal nur, wenn sie das Gestein nach draußen befördern und sind daher über Touristen ganz froh, denn die bringen etwas Abwechslung in die monotone Arbeit im Berg).

    Abschließend stellt sich mir natürlich trotz allem die Frage wofür das Ganze?
    Einst war die Silbermine in Potosi die reichste der Welt, sie hat der Stadt Reichtum und Einfluss gebracht. Reichtum, von dem aber vor allem die spanischen Kolonialherren profitiert haben. Schätzungen zufolge soll hier zwischen 1556 und 1783 rund 45.000 Tonnen reines Silber gefördert worden sein (so viel, dass man eine Brücke von Potosi bis nach Madrid aus reinem Silber hätte bauen können) . Heute ist der Berg nicht mehr reich, denn die Vorkommen sind fast erschöpft. Es werden vorrangig Zink und Zinn gewonnen. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der größte Teil des Silbers ausgebeutet.
    Es arbeiten noch ungefähr 10.000 Männer im Cerro Rico. Männer, die sicher nicht reich sind und mit denen ich nicht tauschen möchte. Für die Bewohner ist die Mine wohl Fluch und Segen zugleich. Die Silbermine ernährt fast die gesamte Stadt und das seit rund 500 Jahren. Für viele Männer gibt es keine andere Möglichkeit, als unter flackerndem Licht in der Mine den Lebensunterhalt zu verdienen.

    Wer Potosí besucht, der sollte sich definitiv auch die Silbermine anschauen. Für mich war der Besuch der Mine ein interessantes und zugleich sehr bedrückendes Erlebnis.
    Man erhält einen Eindruck vom Bergwerk, erfährt sehr viel über die regionale Geschichte von Potosi. Außerdem kommt man hautnah mit dem Schicksal der Bergarbeiter in Berührung. Dabei wurde mir zum x-Mal bewusst, wie gut es mir doch geht und wie dankbar ich sein kann, in einem Land wie Österreich leben zu dürfen!

    Nach Beendigung der Tour gehe ich zurück in mein Hotel, wo ich erstmal eine Pause einlegen muss. Ich brauche etwas Zeit, die Eindrücke in der Mine zu verarbeiten. Darüber zu lesen oder es mit eigenen Augen zu sehen sind zwei Paar Schuhe. Es schwirren mir viele Gedanken durch den Kopf.

    Nachdem ich das Erlebte einigermaßen sacken lassen konnte, mache ich mich nochmal auf um Potosi zu erkunden. Ich statte der Kathedrale einen Besuch ab und genieße den Ausblick von einem der Türme. Es ist ziemlich windig da oben und wieder begleitet mich der Cerro Rico, auf den ich diesesmal aber einen wunderschönen Ausblick habe. Wenn man ihn so sieht den Berg, kann man sich gar nicht vorstellen, welch Schicksale sich in ihm abspielen.

    Anschließend gehe ich zum Mercado Central. Da es aber bereits nach 16.00 ist, haben schon fast alle Stände geschlossen. Zufällig treffe ich auf Wilson, der mich ein Stück durch den Markt begleitet. Ich kaufe mir noch ein Sackerl mit Cocablättern, Wilson rät mir, welche auf die Salar de Uyuni Tour mitzunehmen, dann verlasse ich den Markt wieder und statte noch der Kirche San Lorenzo de Carangas einen Besuch ab. Das Portal dieser Kirche ist umwerfend schön und auch hier habe ich nochmal die Möglichkeit, den Turm zu besteigen und den tollen Ausblick zu genießen. Bevor ich zurück ins Hotel gehe, gönne ich mir noch eine heiße Schokolade und einen Pie de Limon im Cherry's Coffee. Am Heimweg zieht ein heftiges Gewitter auf. Graupelschauer und Wind machen es unwirtlich in der Stadt. So bin ich froh, als ich in mein warmes Hotelzimmer komme.

     
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  • Day57

    Potosí

    January 29 in Bolivia ⋅ ☀️ 17 °C

    Potosí ist eine echt schöne Stadt! Viele schöne Koloniale Bauwerke im Zentrum, aber auch ein paar schöne Restaurants und Geschäfte und einem Markt!
    Der Anteil der indigenen Bevölkerung ist hier sehr hoch und es sind alle sehr nett!
    Die Stadt liegt sehr hoch auf knapp über 4000m und ihre Haupteinnahme Quelle liegt in den Silberminen. (siehe anderer Footprint)Read more

  • Day57

    Silvermines - Potosí

    January 29 in Bolivia ⋅ ☀️ 17 °C

    Was soll ich dazu sagen...wir leben in 2020 in einer globalisierten Welt und trotzdem gibt es noch eine solche eigentlich Menschenunwürdige Arbeit, aber auf Anfang.

    Die Stadt Potosí hat eigentlich nur einen Wirtschaftszweig und zwar die Silberminen! Es gibt Touren um sich diese anzuschauen und um zu sehen wie die Miner dort arbeiten. Also Schutzanzug, Gummistiefel und Helm mit Lampe, was auch Standartausrüstung bei den Arbeiten ist, an und dann durch ein kleines Loch in den Berg, immer und immer tiefer.

    Ein paar kleine Fakten zur Arbeit in den Minen: Die Arbeiterzahl sowie die Arbeitszeiten variieren je nach dem wie hoch die Nachfrage nach Silber auf dem internationalen Markt ist. Zu Hochzeiten arbeiten rund 15‘000-16‘000 in den Minen. Der normal Arbeitstag dauert circa 10-12 Stunden, es kann aber schon mal vorkommen, dass die Arbeiter 24-36 Stunden am Stück in der Mine arbeiten, dh. kein Essen und keine wirklich erholsame Pause. Die Lebenserwartung liegt bei circa 40-50 Jahren.

    Der Weg am Anfang war noch relativ in Ordnung, ich musste zwar ein bisschen gebückt laufen, aber das muss ich in Südamerika in Gebäuden fast überall, aber dann ging es weiter durch ein kleines Loch im Boden und ich dachte mir das kann doch unmöglich der Weg sein doch genau das war er uns es ging immer tiefer nach unten! Je weiter wir gingen desto schwerer fiel es mir zu atmen obwohl ich einen Atemschutz anhatte und die Orientierung war auch schon komplett verloren, an manchen Stellen kam man ohne kriechen einfach nicht weiter. Es war dunkel, eng, kalt und feucht!
    Die Arbeiter kauen viel Kokablätter um einfach das entstehende Hungergefühl zu unterdrücken, außerdem wird sehr harter Alkohol (96%) mit Saft getrunken und auch der Pacha Mama geopfert für deren Sicherheit!
    Die Schächte gehen oft über 100 Meter in die Tiefe und das muss man alles runterkriechen, es gibt zwar einen Seilzug, der ist aber nur für die Mineralien. Diese werden dann über ein Schienensystem in Wagons über ein Schienensystem nach draußen befördert. Diese wiegen rund eine Tonne und werden von einer Person geschoben. Das ist saumäßig anstrengend nicht nur weil es echt mega schwer ist sondern auch weil die Mine auf über 4000m liegt. Ich habe diesen Wagon auch ein Stück geschoben. Ich war noch nie so froh wieder den Himmel und Tageslicht zu sehen als wir die Mine verlassen haben!

    Dies ist wahrscheinlich einer der schlimmsten Jobs der Welt, aber leider durch unsere Konsumgesellschaft immer noch notwendig. Diese Mine zu besichtigen hat mir nochmals sehr deutlich gezeigt wie viel Glück ich im Leben habe um so einen Job nie ausüben zu müssen!
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You might also know this place by the following names:

Potosí, Potosi, بوتوسي, Putusi, Потоси, Ποτοσί, پوتوسی, פוטוסי, पोतोसी, Պոտոսի, ポトシ, პოტოსი, 포토시, โปโตซี, Потосі, 波托西

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