Tag 16 Bis kurz vor Lillehammer
27 Haziran, Norveç
☁️ 21 °C
Irgendwann bin ich durch und komme wieder auf Asphalt. Das war er, der Jotunheimvegen. Vom Schotter und der Fahrbahn hatte ich schon schlimmere Strecken hier in Norwegen. Also: „Easy peasy lemon squeezy“.
Was machen die Norweger gerne? Genau: Skilanglauf. Und was machen sie, wenn kein Schnee liegt im Sommer? Sie sind mit Skirollern auf der Straße unterwegs. Mir wäre das zu gefährlich, aber jedem das seine.
Navi sagt: links weg in den Dalsveg – und zack, wieder Gravelroad. Heute macht es uns vieren richtig Spaß. Auch das Navi macht wieder Spässle mit Headset und Handy und entkoppelt sich mehrmals zwischendurch. Vielleicht liegt es daran, dass ich bei den unbefestigten Strecken immer „Atemlos“ von Helene höre.
Ich kenne ein neues norwegisches Wort: „Gjelder gjennomkjøring“ – Anlieger frei.
Also darf man da eigentlich nicht reinfahren.
Zur rechten Zeit, irgendwann nach halb vier, kommt eine Circle K und erwartet mich mit einem gefüllten Kaffeeautomaten und einem Rosinenboller. Von hier aus ist es nicht mehr weit zum Campingplatz, etwa 20 km nördlich von Lillehammer.
Schnell werden mir 200 Kronen abgenommen, das sind 18 €. Und ich habe freie Platzwahl. Ich sehe Tisch und Bank und sage: 3-2-1 Mainz.
Bei 26 Grad reiße ich mir das Kombi vom Leib und suche die kurze Hose in meiner Gepäckrolle. Ich lerne auch manchmal dazu: Beim nächsten Mal kommt die kurze Hose direkt ins Topcase – da ist sie schneller griffbereit.
Einfallslos darf man nicht sein: Ich gebe meine warme Bierdose einem freundlichen norwegischen Wohnmobilfahrer, der einen Außenkühlschrank hat.
Er versteht mein Englisch nicht so, ich sein Norwegisch erst recht nicht. Aber irgendwie hat er verstanden, was ich wollte.
Ab zum Duschen, extra lange – ist im Preis inbegriffen. Ich hatte schon Campingplätze, die wollten umgerechnet bis zu 2 € für vier Minuten warm duschen.
Vom Gefühl her habe ich jetzt für 6 € geduscht.
Zurück zum Zelt muss ich mich erst mal für eine halbe Stunde verkriechen. Es gab ein Gewitter – so eins mit Blitz und Bumm Bumm.
Nach der halben Stunde kommt die Sonne zurück und ich habe mir ein feines Abendessen gezaubert: zwei Stück Entrecôte, eine Zwiebel, zwei große Knoblauchzehen, Fetakäse, getrocknete Tomaten und ein Kraut-Karotten-Salat.
Mei, lecker. Meine Art zu reisen find ich Supa.
Ich esse immer fein, und ich kann mit ausgeleierter kurzer Hose neben dem Zelt mein Entrecôte auch vom Boden essen. Ich brauche kein Buffet auf einem Kreuzfahrtschiff, wo man nur in feiner Abendgarderobe sich bekleckern darf. Außerdem wäre ich dann gezwungen, das ganze Buffet aufzuessen.
Zur Nachspeise gibt es Abspülen und danach einen Filterkaffee. Auf dem Rückweg vom Abwasch komme ich am Spielplatz vorbei – es gibt leider kein Kettcar.
Danach packe ich mein kleines Stühlchen aus und kümmere mich liebevoll um die Dose Bier. Ich schaue auf den See raus und habe fertig.
Ach noch was: Gegenüber hält ein Zug. Der sieht aus wie eine Schlange, schwarz mit roten Streifen. Ist die giftig?
Klasse 260 Kilometer heute, mit echt viel Offroad-Anteil. Am Schluss aber doch recht warm bei 26 Grad.Okumaya devam et
Tag 17 Bis zum Campingplatz nach Fagernes
28 Haziran, Norveç
⛅ 23 °C
Ich habe geschlafen wie ein Stein. Ich mache die Augen auf und im Zelt sieht es so aus, als ob es draußen schon sehr hell ist.
Ich riskiere mal ein Auge. Saxndi, das ist ja Nebel. Aber die Sonne mag gleich durchkommen. Kurz ins Bad, und als ich zurückkomme, ist der ganze spooky Nebel schon wieder weg.
Es ist warm, um nicht zu sagen: heiß. Gut, momentan erzählt mir Elke von heißen 30 bis 35 Grad in Deutzland. Die 17 Grad hier um 6:30 Uhr langen mir völlig.
Ich packe zusammen und trage alles in den Schatten, um Elise zu beladen. Ich habe noch meine leichte Bieruniform an und ziehe mich dort erst richtig an.
Abflug nach Lillehammer zur Skiflugschanze. Das muss schon sein. Am Fuß der Schanze ist ein netter Stellplatz, gefüllt mit jeder Menge deutscher Wohnies. In irgendeinem Reiseführer, Insta-Post oder einer Facebook-Gruppe steht bestimmt: Da muss man stehen.
Ich stelle Elise hin und mache ein Foto.
Zurück in die Innenstadt von Lillehammer. Die schläft aber noch. Ich laufe kurz auf und ab und entschließe mich, zu einem Sonntags-Supermarkt zu fahren, der unweit entfernt ist.
Ich Hasenhirn habe nur halb gedacht. Gestern noch zwei Dosen Bier für Samstag und Sonntag eingekauft, aber ans Essen habe ich nicht gedacht. Supermärkte sonntags zu. Lehrgeld bezahlt. In dem einzigen Sonntags-Supermarkt wird mit Goldstücken bezahlt.
Ich nehme jetzt immer ein Körbchen und bringe meine Beute damit zu Elise. Alles hat nicht mehr in die Koffer gepasst, weil ich heute auch noch die Fleecejacke ausgezogen und ins Topcase gestopft habe.
Ab zu Circle K. Wenigstens dort einen Kaffee auf Flatrate bekommen.
Ich unterhalte mich mit einer Kanadierin, die ich von ihrem Eis abhalte. Sie sind mit einem Tourbus unterwegs und fahren jeden Tag 450 bis 500 Kilometer. Gestartet in Dänemark und auf dem Weg zum Nordkap.
Ich rede viel und erzähle ihr alles übers Nordkap. Dabei läuft ihr das Eis die Finger runter. Sie will höflich sein und mir zuhören und lässt es einfach laufen.
Sie hat festgestellt, dass es in Norwegen doch glatt aussieht wie in Kanada. Sie heißt Stacy und verabschiedet sich mit Handschlag von mir.
Gut, dass ich an einer Tankstelle bin. Da konnte ich gleich mal die etwas klebenden Finger waschen.
Ich suche mir einen Campingplatz raus, der nicht so weit weg ist. So um die 150 Kilometer sollen heute langen, weil ich so spät losgekommen bin.
Supakurvige Gegend, und am Ende werden es 142 Kilometer.
Ich schlage in Fagernes auf. Das muss echt nobel hier sein. Die rufen glatt 400 Kronen auf. 36 Euro für ein Zelt, ein Motorrad, Tigger, Hildegard und einen alten Mann.
Gut, es gibt hier freies WLAN, Duschflatrate und sogar meine Haare konnte ich föhnen. Was für ein Luxus.
Ich mache noch eine kleine Handwäsche: ein T-Shirt und eine U-Hose.
Ich baue mein Stühlchen auf und sitze den ganzen Nachmittag unter einer Kiefer und gucke aufs Wassi. Zwischendurch knabbere ich mal ein paar Kartoffelchips und rauche eine Elchsalami.
Die warme Bierdose aus dem Topcase habe ich wieder bei einem älteren Ehepaar im Kühlschrank untergebracht. Diesmal ging so gut wie keine Kommunikation – außer deuten.
Ich war am Nachmittag so schläfrig, ich hätte glatt wegratzen können. Aber das Zelt steht in der prallen Sonne und drin waren es 63,5 Grad Celsius.
Das Beste am Tag ist immer das Essenmachen. Ich freue mich jedes Mal drauf. Bekomme ich einen Tisch? Ist eine Bank dabei? Oder geht wieder alles am Boden ab?
Ich habe eine Bank und stelle mein Stühlchen daneben. Champignons, Paprika und Knoblauch anbraten und beiseitelegen. Zwei Lendenstücke in die Pfanne, Fetakäse mit getrockneten Tomaten dazu. Mein Schlemmermenü.
Einen Filterkaffee zur Nachspeise und dann hole ich mir meine Bierdose von dem älteren Pärchen.
Bissi Blog schreiben, bissi abwaschen und früh ins Bett … denke ich.
Tigger hat sich heute gar nicht gemeldet. Dem war es im Topcase zu heiß. Ja, und Hildegard – ich muss sagen, sie macht sich bei Wärme auf der Sitzbank echt gut.Okumaya devam et
Tag 18 Bissi Schotter und bis zum Imingfjell
29 Haziran, Norveç
☀️ 15 °C
5:59 Uhr … und die Äuglein gehen auf. Ich werde ohne Wecker wach und muss dringend im Waschhaus kontrollieren, ob die Toilettenspülung noch funktioniert.
Ich habe nachgemessen: Es sind 222 Meter vom Zelt zum Waschhaus. Also 444 Meter hin und zurück.
In der Nacht musste ich mal für kleine Königstiger und habe ein Foto gemacht. Also dunkel ist anders. Sonnenuntergang ist gegen 23 Uhr und Sonnenaufgang gegen 4 Uhr. Und in den restlichen fünf Stunden ist Dämmerung.
Ich packe geschwind zusammen, da ich vor der großen Hitze am nächsten Campingplatz sein möchte und vielleicht 200 Kilometer inklusive unbefestigter Straße vor mir habe.
Ich rolle gegen 7 Uhr leise vom Campingplatz. Ich will ja die vor Ort lebenden alten Leute hier nicht wecken. Meine Eintrittskarte für den Waschraum und meine Platzkarte werfe ich, wie ausgemacht, in den Briefkasten am Ausgang und düse zur nächsten Tankstelle.
Elise hat einen vollen Ranzen und wir sind unterwegs zur ersten Offroad-Etappe.
Auf der Strecke sehe ich dann den Hintern von einem Elch. Also kein Foto – müsst ihr mir halt einfach glauben. Und dann stehe ich einer Herde wilder Stiere 🐂 gegenüber. Sie blockieren die Straße und lassen mich erst mal nicht durch. Ich steige ab und gehe mit ausgebreiteten Armen auf die Viecherl zu und schreie laut: „Hoi! Hoi! Hoi!“ Ich glaube, das habe ich mal bei Bauer sucht Frau gesehen.
Sie weichen ein wenig zurück, aber die halbstarken Jungs bleiben stehen. Ich probiere dann doch langsam durch die Herde zu fahren. Puuuh, ich habe überlebt. Nicht, dass sie sich für die vielen Entrecôtes rächen wollen, dachte ich mir.
Da sind die Schafe am Wegesrand ganz anders drauf. Die interessiert nix, die bleiben einfach liegen.
Ich sehe ein komisches Schild: Vorsicht Skilangläufer. Heute werde ich wohl keinen sehen.
Mitten im Nirgendwo, im Wald, steht eine Tankstelle. Ein Häuschen, alte Zapfsäulen, alte Ersatzteile und ein paar Sachen zum Naschen, die man per Vipps – sowas Ähnliches wie PayPal – im Häuschen kaufen kann. Da hat sich jemand sein privates Museum aus den flotten Fünfzigern verwirklicht.
Nach einer Stunde bin ich mit Offroad durch und komme an einem Kiwi-Supermarkt vorbei. Ich kaufe kurz was fürs Abendessen ein und sehe ein mariniertes Flintsteak vom Schwein. So groß wie ein Klodeckel. Eine Scheibe vom Schwein, die quer aus der Keule geschnitten ist. Memo an mich: So was brauche ich zu Hause für meinen Weber.
In Uvdal schaue ich mir die Stabkirche an, die ungefähr um 1200 erbaut wurde. Rundherum stehen Gebäude mit einer komischen Fundamentkonstruktion. Sie stehen auf Stelzen. Es sind Futter- und Vorratshütten, die man früher erhöht gebaut hat, damit keine Mäuse und Ratten rankommen und auch Schnee und Wasser fernbleiben.
Ah, schön – mal wieder ein Fjell. Das Imingfjell ist nicht so lang wie andere, die ich gefahren bin, aber dafür sauwindig. Das Café dort macht erst in eineinhalb Stunden auf. Ich fahre weiter. Es kommt gewiss noch ein anderes. Irgendwie kommt heute keine Circle-K-Flatrate-Kaffee-Tankstelle.Okumaya devam et
Tag 18 Tinnsjo Camping
29 Haziran, Norveç
⛅ 17 °C
Wenn es vorne zum Fjell hochgeht, dann geht es hinten wieder runter. Ich mache eine Pause auf einer richtig schönen, saftigen Wiese. Eine Kuh müsste man sein 🐮. Ich würde da gleich eine Schneise reinfressen.
Der Weg runter vom Fjell führt an einem Bachlauf entlang. Aba der ist so richtig schön. Ich mache ein paar Bilder.
Halt, eine Bäckerei … Ich werfe den Anker, lege am Steg an und schon gehört ein Kaffee, ein Stück Kuchen und ein Platz auf der Terrasse mir.
Die letzten Meter zum Campingplatz reiße ich auch noch ab und komme gemütlich um 15 Uhr an.
Frage wie immer: "Do you have a spot for one night for me? One tent, one motorbike and one old man." 🤣 Tigger und Hildegard unterschlage ich immer. Manchmal sind Haustiere nicht erlaubt.
Ich baue auf und bin gegen 15:30 Uhr fertig. Jetzt habe ich ganz viel Me-Time und freue mich aufs Kochen später am Abend.
Ich sitze in meinem Stühlchen und gucke einfach ganz doof in der Gegend rum. Sonst mache ich nichts.
Heute gibt es vier Stück Lachs, Champignons, Paprikaschote, Wokgemüse, Gemüsezwiebel und viel Knoblauch. Als Nachspeise einen Filterkaffee aus der Heimat und später beim Blogschreiben ein Bierchen.
Bei einem kleinen Verdauungsspaziergang sehe ich, dass man sich eine Draisine hätte ausleihen können. Das wäre sicherlich lustig gewesen. Aber jetzt, um 20 Uhr, habe ich keine Lust mehr, zwei Stunden zu strampeln.
Supaschöne 240 Kilometer waren es heute.
Hildegard hat heute das erste Mal gemeckert. Sie möchte gerne waschen, legen und föhnen. Und Tigger hat eine laufende Nase. Er sagt, es kommt vom Proteinshake und nicht von der Zugluft auf dem Imingfjell. Dabei hat er dort in Wirklichkeit bei dem starken Wind einen ordentlichen Zug abbekommen.Okumaya devam et
Tag 19 Viele Kurven nach Evje
30 Haziran, Norveç
☁️ 20 °C
Ich war wieder vor sechs Uhr ohne Wecker wach – trotz Schlafbrille. Ich wälze mich noch ein wenig von links nach rechts und entscheide mich dann fürs Aufstehen.
Gestärkt mit einem Müsli lässt es sich besser einpacken. Zuerst sieht es immer nach Chaos aus, aber dann fügt sich doch alles und verschwindet in den Koffern und Packsäcken.
Abflug zu Circle K. Elise will frühstücken, und ich bekomme nebenbei zwei Cappuccino quasi aufs Haus. Die 30 Euro für den Jahres-Flatrate-Becher habe ich schon nach ein paar Tagen wieder drin gehabt. Ich weiß gar nicht, wie sich das für die Einheimischen rechnet, die 365 Tage im Jahr ihren Kaffee hier holen.
Nach Circle K wollte ich noch schnell schauen, was heute im Kino läuft. Das wäre doch lustig: in einen Film gehen und rein gar nix verstehen. Und am besten immer an den falschen Stellen lachen.
Heute ist Kurvenwedeln angesagt. Ist hier ja eh nicht viel Verkehr, dann ist um 7:00 Uhr in der Früh noch weniger los.
Zwischendurch fahre ich über ein Fjell mit Blick auf die Landschaftsroute Hardangervidda mit ihren schneebedeckten Gipfeln. Auf der anderen Seite der Hardangervidda war ich in diesem Urlaub schon einmal und bin dort von West nach Ost gefahren.
Es gab immer wieder Baustellen, die von einem Flagman oder einer Flagwoman mit der Kelle geregelt wurden. So wie ich früher als Schülerlotse: „Hey, du kommst hier nicht rüber.“ Aber am Ende durften dann doch alle fahren. Manchmal gab es auch ein Vorausfahrzeug, das einen durch die Baustelle geführt hat.
Es gab Kurven über Kurven – fast nicht zum Aushalten. So schön.
Gut, am Fjell geht es mal ein paar Kilometer geradeaus, aber dann geht's auch schon wieder ums Eck.
Ich fahre meinen ausgesuchten Campingplatz an und habe schon so ein komisches Gefühl. An der Rezeption steht „Zu verkaufen“, und überall liegt Müll herum, als hätte ein Tornado gewütet. Ich fahre zu den Zeltplätzen und … alle leer.
Ich fahre noch mal zur Rezeption. Da steht: Help yourself.
Wenn man so ein komisches Gefühl in der Blase hat, sollte man erst mal auf die Toilette gehen und dann weiterfahren. Gesagt, getan.
Es geht zum nächstgrößeren Ort, nach Evje, etwa 60 Kilometer vor Kristiansand. Ich bringe die beiden Orte Kristiansand und Kristiansund immer durcheinander. Der mit dem -sund liegt viel weiter oben Richtung Polarkreis.
Nach 318 kurvigen Kilometern bin ich auf dem Campingplatz Fennefoss in Evje angekommen und habe gleich ein gutes Gefühl. Mit mir kommt noch ein junges holländisches Pärchen an, beide jeweils auf einem eigenen Motorrad. Wir reden über dies und das – und vor allem über Benzin.
Wie ich so mein Abendessen brutzle, kommt der Bua zu mir, weil es so gut riecht. Ich brutzle nämlich gerade Zwiebeln und Knoblauch an. Er ist ganz verblüfft, dass ich eine kleine Pfanne dabeihabe. Darin kann man ja sogar ein Steak braten. Sie haben nur kleine Kochtöpfe, aus denen sie auch gleich essen, und es gibt immer nur Pasta aus der Tüte. Heißes Wasser drauf und … (wegschütten … bääh).
Dann sieht er Hildegard und fragt, ob das was hilft. Ich erzähle ihm natürlich gleich von Hildegard. Ich glaube, das war der Moment, in dem er lieber wieder gegangen wäre.
Bissi später komme ich beim Abspülen mit dem Mädel ins Gespräch. Sie arbeitet bei einem Augenarzt und hat sich sehr für meine Augen-OP interessiert. Irgendwie sind wir nämlich vom Hundertsten ins Tausendste gekommen – und schließlich bei meiner OP gelandet.
Wir haben dann alle beschlossen, nicht länger draußen zu sitzen und zu plaudern, sondern lieber ins Zelt zu gehen. Es waren nämlich jede Menge kleine Fliegen aufgetaucht, die nicht nur in Nase und Ohren gekrochen sind, sondern auch noch gezwickt haben.
Dann trinke ich mein Bier halt im Zelt aus.
Aaah … hört ihr das?
Die Luftmatratze ruft ganz leise: „Christian, komm zu mir.“Okumaya devam et
Tag 20 Besuch bei BMW und zum Südkap
1 Temmuz, Norveç
☀️ 22 °C
Heute ist noch ein Besuch bei BMW in Kristiansand gebucht. Ich hatte gestern dort angerufen und gefragt, ob man mal kurz über die Vorderradbremse schauen könnte. „Für Geld machen wir alles“, haben sie gesagt, aber ich solle nicht vor 9:00 Uhr vorbeikommen.
Also gemütlich aufstehen, müslien und dann packen. Abflug über die kleinen Straßen, alle mit dreistelliger Nummer. Die 403, 405 und 453 – eine supakurvige Strecke. Die 60 Kilometer nach Kristiansand waren im Nu heruntergewedelt. Einfach klasse! Elise liegt mit dem Gepäck wie ein Brett.
Um 9:02 Uhr geht die Tür auf und ich marschiere zielstrebig auf einen Servicemitarbeiter zu. Ich hatte gestern mit Christian von BMW Motor-Teknikk gesprochen. Ich erzähle ihm mein Problem, wir fachsimpeln ein wenig und schließlich stimmt er meiner Vermutung zu. Ich lasse einfach mal die Bremsflüssigkeit wechseln. Irgendwas stimmt da nicht. Nach einer Weile Fahrt verliere ich den Druckpunkt und die Bremse wird knatschig. Ich denke, da hat sie irgendwo ein wenig Luft gezogen.
Nach einer Stunde und zwei Cappuccino bekomme ich Elise wieder. Macht 81 Euro. Bei BMW in der Münchner Niederlassung sagen sie für 81 Euro gerade mal „Grüß Gott“. Elke hat mir neben den zwei Cappuccino mit einem Telefonat die Wartezeit verkürzt. Und ich bin eine Runde mit einem Leihmotorrad gefahren.
Abflug. Kurzer Test mit den Bremsen und siehe da: Sie wirft wieder gescheit den Anker, wenn man am Hebel zieht – genau so, wie es sein soll.
Ich gebe dem Navi die Anweisung: Kurs Südkap und Adventure Mode. Dann geht die Luzzi schon wieder ab. Über die kleinen vierhunderter Straßen rund um Kristiansand, und schon ist der Asphalt wieder zu Ende. Mein Popometer schalte ich auf Offroad-Modus und los geht's quer durch die Walachei auf Schotter.
Macht richtig Spaß hier zu fahren. Die Strecken im Hinterland sind gut geschottert und man kann mit 40 bis 50 km/h entspannt dahingleiten. Ich werde aber jäh eingebremst. Ein Holzlaster kommt genau vor mir auf die Straße – rückwärts aus einer Verladestelle. Da ist erst mal Schluss mit lustig, weil der so viel Staub aufwirbelt, dass man fast nicht hinter ihm fahren kann. Ich mache eine Pause an einem kleinen See und lasse den Staubi mal vorausfahren.
Irgendwann ist auch diese unbefestigte Strecke zu Ende und es geht mit Kurven weiter bis zum Südkap. Man sagt, es ist das Einsteiger-Kap für Norwegen. Danach kommen das Westkap, das Nordkap und die ganz Harten fahren zum Ostkap, wo man nach Russland rübergucken kann.
Apropos gucken, ich guck mal bei Circle K rein auf einen Cappuccino, Kakauli und ein Rosinenboller.
Ach, Baustelle war auch wieder.
Wegen Ostkap, ich schaue mal zu Elise. Sie wippt mit der Gabel, was bedeutet, dass sie dabei ist, falls es wirklich dahin gehen sollte. Hildegard sagt, sie rettet mir bei so einer Tour auch wieder den Hintern. Und Tigger? Der ist eigentlich nur dabei, wenn im Topcase Bierdosen transportiert werden.
Ich mache ein paar Fotos vom alten Leuchtturm und fahre zum nächsten Campingplatz: Solstrand Camping in Lindesnes.Okumaya devam et
Tag 20 Solstrand Camping in Lindesnes
1 Temmuz, Norveç
☀️ 18 °C
Ui, da geht aber ein Wind – für 26 Euro ist er inklusive. Ich könnte beim Aufbau des Zeltes glatt noch ein bisschen Kitesurfen. So pfeift es hier. Trotzdem schaffe ich es, das Zelt fachgerecht aufzustellen.
Kurz Wäsche waschen und Elise hilft beim trocknen.
Nachdem hier fast nur deutsche Wohnmobilfahrer stehen, ist die Verständigung einfach. Ich frage einen Camper aus der Pfalz, ob er meiner Bierdose für zwei Stunden Asyl in seinem Kühlschrank gewährt. Klappt. 👍
Nur das mit dem Kochen ist heute nicht so einfach. Der starke Wind zwingt mich zur Trennkost. Zuerst die Pfanne mit Wokgemüse, Champignons und Knoblauch ... essen. Dann den Lachs in die Pfanne ... brutzeln ... essen. Danach die Scampis in die Pfanne, warm machen ... essen.
Hat alles wunderbar funktioniert.
Abspülen, Bierdose holen, in meinem kleinen Stühlchen sitzen. Die gesalzenen Erdnüsse mit einem Schluck Bier runterspülen und ... doof aufs Wasser gucken.
Mei, herrlich.
Heute waren es 200 Kilometer – kurvig, schotterig und windig.Okumaya devam et
Tag 21 Seetag
2 Temmuz, Danimarka
🌬 16 °C
Ich kenne es ja mittlerweile: Gestern noch schöner Sonnenschein, und der norwegische Wetterbericht yr.no hat für heute Morgen Regen ab 7:00 Uhr angesagt. WetterOnline.de ist eher für Langschläfer und sagt den Regen erst ab 8:00 Uhr voraus.
Ich, live vor Ort, kann berichten, dass es um 5:45 Uhr anfängt zu tröpfeln.
Mittlerweile brauche ich, wenn es schnell gehen soll, keine 20 Minuten mehr zum Einpacken. Gut, ich habe gestern Abend in weiser Voraussicht auch nicht den ganz großen Saustall im Vorzelt produziert.
Kurz nach sechs tuckere ich ganz leise über den Campingplatz zum Waschhaus. Dort gibt es auch eine Küche und einen Aufenthaltsraum. Zähne putzen, Haare schön machen und beim Doo-Doo das Toilettenpapier kontrollieren. Ist schließlich ein 26-€-Campingplatz – mit ganz weichem Toilettenpapier, Zewas und einem Handtrockner mit schwenkbarer Düse zum Haareföhnen. Alles für 26 €. Bin begeistert.
Ich habe meine Jacke und meinen Helm unter ein Vordach gelegt und währenddessen in der Küche herumgewurschtelt. Leider habe ich übersehen, dass das Vordach nicht besonders solide gebaut war, sondern doch richtig viel Regen durchgelassen hat … genau auf meine Jacke.
Supa, denke ich mir. Die Jacke hat ja schließlich eine Membran gegen Regen. Nur lag sie mit dem Futter nach außen da. Gut, dass es nicht so kalt ist. Dann gibt's halt wieder eine Sauna im Strampelanzug.
Abflug. Nach sieben Kilometern wartet die Circle-K-Tankstelle mit einem exzellenten Frühstücksbuffet auf mich, und Elise bekommt auch bleifrei – all you can tank.
Mittlerweile hat der Regen nachgelassen. Die Enten können wieder auf dem Boden laufen und müssen nicht mehr durch die mittlerweile knietiefen Pfützen schwimmen.
Ich mache mich auf den Weg nach Kristiansand und nehme den direkten Weg über Lyngdal. Am Fährterminal tanke ich noch einmal billig für 1,63 € pro Liter, weil seit dem 1. Juli ja der Tankrabatt entfällt. Aber wir brauchen unser Geld in Deutschland ja für die anderen Länder. Themawechsel.
Noch schnell einkaufen für heute Abend. Ich brauche in Dänemark schließlich auch etwas zu essen. Ein kleines Entrecôte, Zwiebeln, Knoblauch, Feta mit Tomaten in Öl, Karotten-Krautsalat und ein kleines Øl. Ich habe mir sogar ein Fatøl gegönnt – mit 4,7 Volt.
Um 13:00 Uhr soll der Check-in am Fährterminal losgehen. Ich bin als braver Deutscher natürlich schon um 12:05 Uhr vor Ort und lege mein Handtuch in Reihe 11 aus.
Vor mir steht ein Pärchen aus den Niederlanden: Er auf einer Boxer-GS, sie auf einer Honda NC750. Ich schlage ein Gespräch vor, aber er will nicht. Na ja, GS halt.
Ein paar Autos hinter mir steht ein Mädel aus Lübeck auf einer Honda CBR650R mit OG am Kennzeichen. Sie ist gesprächiger, und wir kommen ins Quatschen. Beim Einsortieren fahren wir dann auch gemeinsam in den Schiffsbauch.
Wir suchen uns Komfortsessel in einer Vierergruppe und nehmen noch ein dänisches Ehepaar ohne Motorrad in unsere Runde auf. Ole spricht perfektes Deutsch. Wir quatschen fast die ganzen drei Stunden miteinander. Seine Frau versteht Deutsch, spricht es aber nicht. Dafür kann sie hervorragend nicken, wenn man etwas sagt.
Jeder von uns gibt ein bisschen aus seinem Leben preis und, wie ich ja schon gesagt habe, die Zeit verfliegt einfach.
Kaum drei Stunden später wird wieder das Autodeck geöffnet und die Motorräder entfesselt. Wir waren zwölf Motorräder in unserer Ecke, und dann ging es mit viel Brumm-Brumm von der Fähre.
Nur ganz so easy war das nicht. Schon beim Check-in wurde uns gesagt, dass in Hirtshals Sturm herrscht und mit zwei Metern Seegang zu rechnen ist. Das heißt, die Rampe zum Verlassen des Schiffes ging ganz schön hin und her.
Ich hatte das Navi schon vorher mit der Adresse vom Campingplatz gefüttert. Es waren keine zwei Kilometer bis dorthin.
Wegen des angekündigten Sturms mit 80–100 km/h habe ich mich entschlossen, statt des Zelts auf eine Hütte umzubuchen. Christian ich muss doch loben, das war im Nachhinein eine richtig gute Idee.
Angekommen, erst mal duschen. Ich habe irgendwie nach nassem Hund gerochen. Danach Essen machen und die Heizung aufdrehen.
Das Navi sagt für heute 200 Kilometer. Wobei ich vielleicht 60 Kilometer auf eigener Achse gefahren bin und den Rest geschwommenOkumaya devam et
Tag 22 Elvis, Johnny und MC Touring
3 Temmuz, Danimarka
🌬 18 °C
Dänemark, ja hier geht ein Wind. Bei jeder Böe heute Nacht hat die kleine Hütte geknackt und geächzt. Ich dachte schon, dass ich das bin, wenn ich mich im Bett auf die andere Seite gerollt habe.
Ein bisschen überheizt ist der kleine Raum und mein Daunenschlafsack, der für -22 Grad gedacht ist, hat mitgeholfen, eine sehr, ja fast schon zu wohlige Saunawärme zu schaffen.
Ich stehe um kurz vor 7:00 Uhr auf und gucke raus. Aha, das Meer ist noch da. Die Wohnmobile stehen noch. Ein Zelt sehe ich keins. Ui, da fliegt gerade eine Kuh vorbei.
Wir haben draußen Windstärke 29. Auf dem Weg zum Waschhaus ist gleich mal mein Capi weg … vom Winde verweht. Ich hüpfe hinterher und bekomme es wieder zu fassen. Ein köstliches Bild für Außenstehende.
Ich habe mal ein Buidl von WetterOnline.de angepappt, nicht dass ihr meint, ich erzähle hier immer einen Schmarren. Alles die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.
Heute die letzten fünf Löffel Müsli, dann ist das auch leer. Nach den drei Wochen ist so vieles leerer geworden. Eine Gaskartusche ist verbrutzelt, Duschgel und Zahnpasta sind auch schon gut weggegangen. Ich hatte jeweils kleine Reisepackungen vom Drogeriemarkt Müller dabei. Ich finde das besser, denn bis zum Schluss immer die große, fast leere Duschdas-Flasche herumzufahren, ist auch doof. So werden die kleinen Packungen nach und nach aufgebraucht und entsorgt.
Der Lagermeister meldet aber schon: Mindestbestand erreicht bei diversen Reiseutensilien. Für weitere Hacks fragt mich einfach oder folgt mir.
Die Hütte ist mit einer viertel Quadratmeter großen Küche ausgestattet. Das Wichtigste: Eine Kochplatte und eine Kaffeemaschine sind da. Es gibt keinen Flatrate-Kaffee an der Tanke mehr, wie in Norwegen. Ab heute kostet jede Tasse Kaffee an der Tankstelle wieder richtig Geld.
Ich füttere die Kaffeemaschine mit Wasser und Pulver und als sie fertig gegurgelt hat, setze ich mich mit meiner Tasse Kaffee ans Fenster und gucke raus … ihr wisst schon … Kühe beobachten und so.
In die Hütte will ich gar nicht richtig gucken. Wie kann man in ein paar Stunden nur so viel Unordnung machen? Sowas passiert in einem Zelt nicht.
Packen, abspülen, Abflug. Mit Rückenwind.
Soll ich mal was sagen? Ich freue mich richtig aufs Motorradfahren heute.
Hildegard hat heute die ganze Nacht die Haare geföhnt bekommen. Richtig auftoupiert sehen sie aus.
Wir machen heute den Abflug Richtung Randers zum Elvis-Museum. Am Straßenrand sehe ich die nächsten Kühe, die auf ihren Flug warten. Boarding hatten sie schon, der Abflug geht gleich los.
Ich fahre das erste Stück Autobahn. Also, ich versuche es zumindest ordentlich und auf meiner Spur hinzubekommen. Gelingt mir fast immer, aber bei Böen mit 80 km/h von Steuerbord ist das nicht immer einfach.
Ich mache mehrere kleinere Pausen, da das ganz schön Konzentration kostet. Bei einer dieser Pausen google ich auch nach einer Bäckerei. Zwölf Kilometer noch und dann querab, sagt das Navi.
In der Bäckerei bettle ich die junge Verkäuferin an, ob ich auch Butter auf eine Körnersemmel bekommen kann. Der Kaffee und die Semmel mit richtig fett Butter drauf schmecken hervorragend.
Gestärkt schwinge ich mich lässig auf meine 71 Pferde und reite weiter.
In Randers lotst mich das Navi zum Elvis-Presley-Museum in der Graceland Randers Vej 3.
Ich besuche das Elvis-Museum und auf dem gleichen Gelände gibt es seit ein paar Jahren auch noch das Johnny-Cash-Museum.
Es gibt gesammelte Stücke rund um Elvis und sein Leben wird sehr detailliert beschrieben. Als ich dort war, lief gerade eine Führung … leider auf Dänisch. Das Einzige, was ich verstanden habe, waren die Worte: „Elvis Presley.“ 🤣 Ich habe dann nach ein paar Minuten aufgegeben und abgebrochen.
Und der Johnny … es ist das einzige Johnny-Cash-Museum außerhalb der USA. Eine interessante Ausstellung mit viel schriftlicher Information. Ich habe einen Ordner auf Deutsch bekommen und bin damit durch die Ausstellung gelaufen und konnte alles nachlesen.
Von dort aus war es nicht mehr weit zu meinem Campingplatz, dem MC Touring Camp. Ein Campingplatz von Motorradfahrern für Motorradfahrer.
Platz gefunden und das Zelt hinter einer Hecke aufgebaut. Die bremst den Wind ein wenig. Ich bin ja so pfiffig. Rundherum stehen auch Bäume, die helfen, die Böen etwas abzudämpfen.
Elise steht ein paar Meter daneben und Hildegard … ja, Hildegard hat heute Wallenmähne.
Es wird wieder fein gekocht. Ein Lob in die Küche. Abspülen, Küche in den Koffer zurückräumen, bissi Blog schreiben. Doof rumgucken.
Ich glaube, ich höre die Luftmatratze schon rufen.
Das waren supawindige 197 Kilometer, aber es hat supa Spaß gemacht.Okumaya devam et
Tag 23 nach Svendborg
4 Temmuz, Danimarka
☁️ 18 °C
Der Tag beginnt supa. Wie ich aus dem Zelt klettere, lacht mir die Sonne ins Gesicht. Jetzt noch das Müsli mit Eierlikör anrühren und der Tag kann nicht besser werden.
Ab zum Waschhaus. Die haben aber weiches Toilettenpapier. Einzelblatt.
Auf dem Rückweg sehe ich wieder kleine Männerspielzeuge. Ich wäre nicht ich, wenn ich es nicht gleich ausprobieren würde (Bilddokumente sind angehängt).
Hinter meiner Hecke ist eine Familie mit zwei ganz lieben Blagen. Zum Schlafengehen haben sie sich gestern schon eine Stunde lang einschreien müssen und heute Früh waren sie um 5:50 Uhr wach … und machen wieder Theater. Die Vorstellung heißt: Fortsetzung folgt.
Mama, Papa und zwei kleine Kinder in einem riesigen Hauszelt. Wie geht das mit dem Motorrad? Sie fahren ein rollendes Wohnzimmer: eine Honda Gold Wing 1500 mit Beiwagen und Anhänger. Die Kinder sitzen mit Kindersitz und Babyschale im Beiwagen.
Ich packe, dabei will der Größere von den beiden die ganze Zeit mit mir reden. Leider verstehe ich ihn nicht. Ich texte ihn auf Deutsch zu und er guckt nur, bevor er wieder laut wird. Erst als sein Vater ihn abholt, kann ich fertig packen.
Sodalla, Elise ist beladen. Noch schnell an der Rezeption auschecken und dann Abflug Richtung Svendborg, das auf der Insel Fyn liegt. Ich lasse Elise langsam warm werden und nehme dann jede Kurve mit, die kommt. Also so alle 20 Minuten eine, denn Kurven gibt es in Dänemark nicht viele.
Es ist teilweise eine langweilige, manchmal aber auch eine gemütliche Fahrt. Ich fahre Landstraße. Auf der Autobahn gibt es gar keine Kurven, das ist noch langweiliger.
Es gibt Strecken, da kommt eine Ampel nach der anderen und dann wieder ein Kreisverkehr nach dem anderen. Kommt man in einen Ort, sind dort überall flache Bauten. Weitläufig verteilt an breiten Straßen – so wie in Amerika. Ihr wisst schon: Falls mal einer da war, kennt er sich aus.
Pause zwischendurch. Tanken für Elise und bei einer Bäckerei gibt es eine Buttersemmel und einen Cappuccino.
Kleine bis mittlere Holzhäuser und wirklich nur in den ganz großen Städten mal ein vierstöckiges oder noch höheres Haus.
Mittagszeit. Ich kaufe bei SuperBrugsen ein. Wie immer nehme ich so einen kleinen Korb zum Hinterherziehen. Der Helm kommt da nämlich rein, dann muss ich ihn nicht tragen und ich Roller los.
Es geht an den Convenience-Food-Regalen und Theken vorbei und ich kann mir gar nicht vorstellen, schon alles fertig zu kaufen. Zielstrebig geht es zur Fleischtheke. Das ungesunde rote Fleisch, nicht zu dick, weil ich ja nur die kleine Pfanne habe. Heute im Angebot: speckumwickeltes Ochsenfilet. Ein bisschen über einen Zoll dick, das sollte gehen.
Zwei solche Scheiben sind mein, dazu Salat. Portobellos und Knoblauch habe ich noch. Ach, fehlt noch eine Zwiebel. Ein bisschen was zum Trinken und etwas fürs Frühstück morgen gehen auch noch mit.
Und für jetzt: ein riesengroßer Salat mit Scampis und dazu ein Stück Baguette.
Es wird auf dem Motorradkoffer angerichtet. Den Rest, den ich nicht mehr verstauen kann, klemme ich ins Gepäcknetz.
Och, eine Megabrücke … die Ny Lillebæltsbro. Die „Neue-Kleiner-Belt-Brücke“ ist eine 1.700 Meter lange Hängebrücke nach Fyn. Auf der Gegenfahrbahn hat sich nach einem Unfall ein etwa fünf Kilometer langer Stau vor der Brücke gebildet. Habe ich ein Glück. Auf Stau habe ich keine Lust.
Es geht weiter die Straße entlang. Ich sehe ein Schild: „Hafen und Kiosk“ und denke mir: Da könnte doch ein Kaffee auf mich warten.
Irgendwann schaffe ich dann doch die 280 Kilometer und suche mir den Rantzausminde Camping aus.
Die Campingplatzbesitzerin ist vom Typ Hausmeister und Kontrolleur. Sie ist hinter allen her und wuselt überall herum. Beim Zeltaufbauen kommt sie und fragt, ob alles in Ordnung ist. Dann kommt sie wieder und fragt, ob der Seitenständer von Elise nicht ein Loch in den Rasen macht. Kurz darauf erscheint sie erneut – diesmal mit einem Brett.
Ich bin in der Küche und koche. Da kommt sie rein und will sehen, was ich mache. Die anderen Campinggäste hätten sich beschwert, es würde so gut riechen. Ich sage ihr: Zwiebeln und Knoblauch, Fleisch gut anbraten und den Rest mit viel Liebe machen. Sie düst wieder davon. Wahrscheinlich macht sie sich jetzt Notizen in ihrem Rezeptbücherl.
Ich darf den Glaspavillon benutzen, weil ich mit harter Währung gezahlt habe. 15 € kostet die Nacht, einmal Duschen inklusive. Sie nimmt nämlich keine Kreditkarte. Mit Cash bringt man das Geld wohl besser an der Steuer vorbei.
Im Pavillon, der eigentlich ein Gewächshaus ist, residiert eine reizende Statue, die mir beim Essen zuguckt.
Die anderen Camper müssen sich bei dem aufkommenden Wind in ihr Wohni zurückziehen und ich kann gemütlich im Glashaus sitzen und die Gegend bewundern. Die Steine bleiben heute draußen.
Gaaanz leise höre ich die Luftmatratze:
„Christian … komm zu mir ….“Okumaya devam et
Tag 24 nochmal Fähre und dann nach Deutschland
5 Temmuz, Almanya
⛅ 19 °C
Heute Früh werde ich gegen vier Uhr wach. Also, na so was – das geht ja dreimal nicht. Mother Nature is calling. Danach drehe ich mich schnell auf die andere Seite und ratze bis 7:00 Uhr weiter.
Geweckt werde ich durch einen Regenschauer, der auf das Zelt prasselt. Den hätte es aber auch nicht mehr gebraucht.
Ich räume a bissi zusammen, frühstücke und laufe auf dem Campingplatz herum. Es ist eine Gruppe junger Mädchen am Platz, die Segeln lernt. Sie haben ein großes Mannschaftszelt aufgebaut. Wahrscheinlich für die Verpflegung und den Theorieteil beim Segeln. Es sind so zwölf bis fünfzehn Segeljollen im Wasser. Gestern habe ich sie schon segeln sehen. Reschpeckt … bei dem Wind. Gut, sie haben alle gerefft. Ich als Segelprofi habe das natürlich gleich vom Steg aus gesehen. Was sage ich immer? Die besten Segler stehen am Steg.
Nach meiner Runde ist das Zelt durch den Wind und die morgendlichen Sonnenstrahlen schon fast trocken geworden. Hildegard hat auch wieder die Wallemähne gepustet bekommen.
Der Rest wird gepackt. Ich buche noch schnell die Fähre von Bøjden nach Fynshav. Die 17 Kilometer übers Wasser sparen mir den weiten Weg über Land.
Der Campingplatzbesitzerin sage ich noch schnell Ciao-Ciao und bringe ihr das Holzbrett für den Seitenständer zurück. Sie sagt mit dänischem Dialekt „Tschuss“ – also mit u.
Svendborg ist ein nettes kleines Städtchen. Es kann leider nichts dafür, dass Sonntagmorgen um 9:00 Uhr ist und alles zu hat. Außer der Dönerbude. Die hat offen und der Herr Döner steckt gerade den Spieß auf den Grill. Mir ist aber nicht nach Döner.
Ich schlendere so durch die Innenstadt. Was mir auffällt: Überall Schilder mit „Kraftfahrzeuge und Motorräder verboten“ – und die Dänen fahren und parken munter im Sperrgebiet.
Dann entdecke ich an einer Häuserfront den Namen Danske Bank. Erinnerungen kommen hoch. Das war ein Kunde, mit dem ich auch durch diverse Sonderschichten zu tun hatte.
Altes Thema, abhaken.
Ich nehme noch einen Kaffee zum Gehen und suche Elise. Schlau, wie ich bin, habe ich mir ein Bild mit den Standortkoordinaten gemacht.
Ich düse weiter nach Faaborg. Noch ein Spaziergang durch die Innenstadt. Eine sehr kleine Innenstadt.
Dort bleibe ich beim „det blå ishus“ hängen. Das bedeutet auf Deutsch „das blaue Eishaus“.
Ich kaufe mir eine Tüte Eis mit zwei Kugeln. Umgerechnet 6 Euro … also ist das Cristallo in Bardolino mit 5 Euro ein richtiges Schnäppchen.
Ich bin pünktlich an der Fähre, sogar überpünktlich. Die Zeit brauche ich auch, um an der Schranke meinen Reservierungscode über den Touchbildschirm einzugeben. Ich habe kein Papierticket, das ich dort scannen lassen kann, und das Bild auf dem Handy mag er irgendwie nicht.
Hinter mir stehen schon einige Dänen. Gott sei Dank sind die so gemütlich. In Deutschland hätte es wahrscheinlich schon ein Hupkonzert gegeben.
Apropos Dänen, langsam und Autofahren. Die Ampel wird grün. Der Däne guckt erst mal links und rechts. Legt den Gang ein, guckt nochmal links und rechts und fährt langsam los. Manchmal bleibt er auch erst noch mal stehen, weil es mittlerweile schon wieder rot wurde.
Oder du fährst auf einer Landstraße, auf der 80 km/h erlaubt sind. Ein Deutscher fährt 200 km/h … na gut … 100 km/h. Der Däne fährt 65 km/h und hinter ihm vier weitere Dänen – auch mit 65 km/h. Keiner überholt. Nur der Deutsche, der von hinten aufläuft. Also nix gegen Vorsicht und Rücksicht. Das ist schon okay. Aber alles nur mit 50 Prozent zu machen, ist halt auch recht wenig.
Ach ja, ich stehe an der Schranke … irgendwann fahre ich durch und reihe mich als Nummer drei in der Biker Lane ein. Zwei Dänen, eine Moto Guzzi von 1989 und eine BMW 1150 RS, die von 2000 bis 2004 gebaut wurde. Alles betagte Maschinen – und Elise dazwischen als junger Hupfer mit 14 Lenzen.
Wir reden über Benzin, aber auch über Familie. Alle haben graue oder gar keine Haare. Der Guzzi-Fahrer besucht seinen Enkel, der Geburtstag hat. Der BMW-Fahrer macht einen Ausflug nach Hamburg.
Wenn ich mir die Ostsee so ansehe, sehe ich ganz schön hohe Wellolas. Das wird richtig spaßig werden. Es geht auf die Fähre. Wir drei sind vom Bondage-Club und zurren unsere Maschinen sogar doppelt fest.
Die Fähre legt ab und ich gehe hoch in den zweiten Stock. Ui, das geht schon im Hafen ganz schön hin und her. Draußen auf See, nach etwa fünf Minuten, rollt die Fähre – und stampfen tut sie auch.
Ich sehe mir den Kiosk an. Es gibt sogar Bratwurst und Hotdogs, doch bei dem Seegang ist mir nicht danach.
Ich bin ja einiges gewohnt als alter Seebär und Segler. Aber das war schon ordentlich für den Magen. Ich gehe wieder zurück auf das Autodeck, denn je tiefer man im Schiff ist, desto weniger geht es hin und her.
Ich bin dann doch froh, nach 40 Minuten wieder festen Boden unter den Rädern zu haben.
Eine kleine Essenspause mache ich ein paar Kilometer hinter dem Fähranleger.
Ehe ich mich versehe, bin ich wieder in Deutschland. Ah, endlich wieder über 100 km/h auf der Landstraße und rücksichtsloses Fahren erwünscht.
Ich komme durch Schleswig und unterhalte mich bei einer Pause mit zwei norddeutschen Kradfahrern. Auf ihr „Moin Moin“ kontere ich mit „Grieß Eich“. Der eine sagt dann zu dem anderen irgendetwas in der Art von: „Was meint der? Wo kommt der her?“
Wir plaudern ein bisschen aneinander vorbei, jeder in seinem Dialekt. Ich sage dann: „Jungs, ich muss weiter. Der Kaffee wird kalt.“
In Eckernförde ist ein Open-Air-Festival. Habe ich nicht gewusst! Mein Navi schon, weil es mich auf einmal so komisch leitet. Ein bisschen von dem Stau bekomme ich trotzdem ab.
Das muss das Open Air sein, auf dem meine heutigen Gastgeber sind. Norma und Knud habe ich vor zwei Jahren auf meiner Nordkap-Tour kennengelernt. Damals habe ich bei ihnen übernachtet. Sie sind bei Bunk-a-Biker registriert – Motorradfahrer helfen Motorradfahrern.
Sie haben mir vor zwei Jahren ein Sofa angeboten. Und als Norma vor ein paar Wochen meinen Norwegen-WhatsApp-Status gesehen hat, schrieb sie: „Wenn du vorbeikommst, kannst du bei uns schlafen.“
Da sie auf dem Open-Air-Konzert sind und erst später nach Hause kommen, haben sie den Schlüssel an einem sehr geheimen Ort versteckt. Norma meinte: „Du kennst dich ja aus. Kannst schon mal die Wohnung vorheizen. Wir kommen gegen Mitternacht, wenn das Open Air aus ist.“ Und alleine wäre ich auch nicht, weil die Katze ja zu Hause ist.
Gesagt, getan. Ich komme in Preetz an und parke im Hof unweit des Leichenwagens. Norma und Knud haben ein Bestattungsunternehmen.
Norma hat mir zwar angeboten, dass ich den Kühlschrank plündern darf, aber ich habe genug Eigenes dabei, das auch mal weg muss.
Heute bin ich 245 Kilometer gefahren, davon 17 Kilometer mit der Fähre über das Wasser. Ein schöner, abwechslungsreicher Fahrtag – und es gab auch wieder Kurven.Okumaya devam et
Tag 25 Durch den Regen …
6 Temmuz, Almanya
☁️ 21 °C
Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, ich bin so um 0:30 Uhr ins Bett gekommen. Norma und Knud waren auf einem Open Air und als sie heimgekommen sind, hatten wir noch ein Ratscherl. Knud hat sich bald ins Bett verdrückt und Norma die Unterhaltung überlassen. Nebenbei ließ sie auf dem Tablet Fußball laufen. Sie ist ein Megafan und verpasst so gut wie kein Spiel. Sie hat sich gefreut, dass Norwegen gegen Brasilien gewonnen hat. Wenn ich das sagen darf: Mir war's Wurst. Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!
Irgendwann haben wir zwei dann auch beschlossen, dass es für heute langt.
Ich habe heute am längsten geschlafen – vom ganzen Urlaub. Bis 7:30 Uhr.
Ich rolle mich aus dem Bett und geselle mich zu Knud, der schon Kaffee aufgebrüht und die Tageszeitung praktisch auswendig gelernt hat. Er muss heute nur noch zwei Stunden arbeiten und ab morgen haben sie selber Urlaub und düsen mit ihrem Wohni ab. Da hat's gerade noch geklappt mit meiner Übernachtung.
Wir reden über dies und das und irgendwann kommt auch Norma aus ihrer Höhle. Ich quatsch mit ihr weiter und gegen 9:00 Uhr fange ich an, alles zusammenzupacken. Irgendwie wird es immer schwerer, die Packtasche zuzubekommen. Ich wälze mich wieder auf ihr herum, damit die Luft rausgeht. Von außen mag das sehr komisch aussehen. Ich habe ja schon mal gesagt: wie Lumpi, der morgens um halb zehn seinen Spaß hat.
Ich gucke raus zu Elise. Sie steht im Nieselregen. Beim Packen werde ich wieder supanass. Kann gleich wieder Haare föhnen.
Abflug. Grobe Richtung Magdeborg, Quetlinborg ... Nach Norwegen und Dänemark gibt's für mich nur noch "-borg".
Pause beim Tanken. Pause beim Bäcker: Milchkaffee und Butterbreze. Nachmittags Pause beim Bäcker: Kaffee und ein süßes Teil.
Ansonsten gibt's nur Fahren durch Regen. Es läuft super, die Reifen haben Grip. Nur der eine oder andere versetzte Kanaldeckel verzieht das Vorderrad ein wenig. Am späten Nachmittag reißt es etwas auf.
Ich finde den weltbesten Campingplatz – zumindest laut Internetauftritt – und rufe dort an.
„Ein Zelt, ein Motorrad, ein alter Mann ... Habt ihr auf der Zeltwiese was frei?“
„Und wie lange seid ihr da?“
Ich bekomme die Erlaubnis zur Landung und der Tower ist bis 21 Uhr besetzt. Abflug.
Das Navi hat mich gelotst ... aber zu einer komischen Adresse vom Typ Feldweg. Der Rest war querfeldein. Für mich und Elise kein Problem. Tigger kullerte nur wieder mit der Bierflasche im Topcase hin und her. Was macht man da eigentlich mit einem Wohni? 😳
Ich bin angekommen und habe gesehen, dass es auch für die Langweiler einen anderen Weg hierher gibt.
Der Campingplatzbesitzer fragt: „Bist du der alte Mann, mit dem ich telefoniert habe? So siehst du aber gar nicht aus.“
Wir mussten beide lachen.
Ich soll erst mal aufbauen und dann noch mal zu ihm kommen.
Beim zweiten Besuch sagt er: „Ah ja ... jetzt siehst du alt aus.“
Und wir mussten wieder beide lachen.
10 € Rentnertarif inklusive warm duschen, so lange ich will. Das ist mal eine Ansage. Ohne Anmeldung, ohne Namen, ohne Quittung und ohne gar nix.
Mich treibt es ein bisschen Richtung Osten.
Ich will auf dem Heimweg noch durchs Erzgebirge, ein bissi Tschechien und dann raus über die Oberpfalz ... Hallo zu Christine und Erich sagen. Sie wissen aber noch nix davon. 🤫
Schnell ist die Küche aufgebaut und ich brutzel mir mein Abendessen. Wie immer ein Lob an die Küche und den Sternekoch.
Abspülen, duschen, Blog schreiben und darüber schmunzeln, was mir wieder so eingefallen ist. Am Abend den Tag noch mal Revue passieren zu lassen, ist gar nicht so schlecht.
Höre ich da wieder meine Luftmatratze leise wiseln ...
„Christian, komm zu mir.“
Das waren heute 361 Kilometer mit viel, viel flüssigem Sonnenschein.
Aba Motorradfahren macht unheimlich Spaß.Okumaya devam et
Tag 26 Bissi Harz, dann Richtung Zwickau
7 Temmuz, Almanya
☁️ 23 °C
Ich schlafe einfach supa auf meiner dicken Thermarest Luma. Es lohnt sich einfach, die dicke Luma mitzunehmen, auch wenn sie das größte Packmaß hat. Ich habe eh so viel Gelumpe dabei – dieses Mal viel zu viel.
Zum Frühstück gibt es nur einen Proteinshake, den ich mir noch aus Dänemark mitgenommen habe. So richtig will ich dann unterwegs bei einem Bäcker was essen.
Kurz die Karte gecheckt, das Navi gebrieft. Es geht heute bissi durch den Harz. Aha – wenig Tankstellen, wenig Bäckereien. Dann fahre ich eben die erste Tanke nach dem Campingplatz an. Eine Aral. Supa bleifrei für Elise, einen mittleren Kaffee und eine Butterbreze für mich – macht 33 €. Sauba, sage ich.
Es ist ein Mordsspektakel los an der Tankstelle. Ein Kunde hat statt Diesel Supa getankt. Leider passt der Benzinzapfhahn in einen Dieselstutzen rein, weil er dünner ist. Er blockiert eine Zufahrt und läuft wie wild mit seinem Handy herum. Dabei gestikuliert er mit Händen und Füßen. Ich habe mitbekommen, dass der ADAC kommt.
In seiner Haut möchte ich jetzt nicht stecken, und seinen Blutdruck möchte ich auch nicht haben.
Den heißen Kaffee und die Knatschi-Butterbreze im XXL-Format lasse ich mir schmecken. Sodalla, fertig. Alles drin, alles wieder bepackt … es geht in den Harz.
Hui, da sind aber Kurven. Ich suche mir eine ganz besondere Nebenstrecke raus und baller los. 50 km/h sind erlaubt, und manchmal bremse ich in den Kurven sogar auf 50 km/h runter. Ich hoffe, dass nirgendwo ein Blitzer versteckt war. Und falls mich hier jetzt jemand hinhängen will: Ich dementiere alles.
Rauf, runter, linksrum, rechtsrum … Kurven über Kurven. Erinnert mich an die Schwarzwaldtour. Die findet man übrigens auch bei FindPenguins. Müsst mal gucken – unter Chrissiesplace habe ich einige Touren festgehalten.
Übrigens können sich im Harzhotel Güntersberge die älteren Herrschaften E-Bikes und die jüngeren Motorräder ausleihen.
Ich jage eine Weile Kurven und bin ganz hungrig geworden. Ab und zu sehe ich ein Schild mit „Feldküche“. Jetzt düse ich gerade noch mal an einer vorbei. Anker geworfen, Wendolin gemacht und rein auf den Parkplatz.
Ich schau mir die Auslage an. Es gibt alles, was man lange warm halten kann. Also Gulasch und verschiedene dünnere und dickere Suppen. Ich nehm ein Gulasch mit Nudeln und eine Golaa. (Ich versuche, den Dialekt zu lernen.) Es ist so viel, dass ich es nicht mal ganz schaffe. Ich picke alle Fleischstücke raus und ein Teil der Nudeln geht leider zurück. Hoffentlich ändert sich dadurch nicht wieder das Wetter. 🤔
Ich sehe in der Ferne mehrere Abraumhalden und je näher ich komme, auch einen Förderturm. Aha, denke ich mir … Bochum lässt grüßen. Kurz gegoogelt: In Nienstedt wurde früher nach Kupfer und Silber gebuddelt. Again what learned.
Aaaaah, wieder einen Wendolin machen und ein paar Meter zurückfahren. Störche. Muss ich fotografieren.
Ich fahre die ganze Zeit an einer Bahntrasse entlang. Ein Zug überholt mich, und am nächsten Bahnübergang traue ich mich auf die Gleise für ein Foto.
Es ist Kaffee-und-Kuchen-Zeit. Während ich eine kleine Schleuse fotografiere, sehe ich das Wort „Café“ an einem Haus. Ich fahr hin. Ein freundliches Schild am Eingang weist darauf hin: Nur Kartenzahlung ab 50 €. Nettes Restaurant. Ich schau mir die Auslage am Kuchenbuffet an. Es grüßt Coppenrath & Wiese. Neee, nix für uns.
Kurz Tante Google angeworfen. Bäckerei im nächsten Ort. Gebucht.
Netter kleiner Ort mit einer alten Straßenbahn. Den Namen habe ich gerade vergessen. Die nette Omi in der Bäckerei grinst über das ganze Gesicht, als ich zwei Stück Kuchen mit Sahne nehme, dazu einen Kaffee. Die 7 € hätte ich bei ihr übrigens auch mit Karte zahlen können.
Ich google mal wieder nach einem Campingplatz. Klein soll er sein, eine Campingwiese soll er haben. Ich finde den Campingplatz Mannichswalde direkt neben dem Freizeit- und Erlebnisbad. Ich ruf an mit meinem Sprücherl: „Ein Zelt, ein Motorrad und ein alter Mann.“
Am anderen Ende des Telefons hört man jemanden überlegen. Alter Mann? „Ja, wir haben Platz für Sie. Bitte am Schwimmbad melden.“
Die Zufahrt zum Campingplatz war wieder atemberaubend. Mit meinem Wohnwagen wäre ich das nicht lang gefahren.
Angekommen schau ich zum Schwimmbad und stell mich vor. „Hallo, ich bin's, und ich soll mich hier melden.“
Von hinten kommt der Campingplatzbesitzer und fragt: „Ist das der alte Mann?“
Der an der Kasse meint: „Nö, ein Zehntklässler.“
Irgendwie müssen wir drei lachen.
Ich bekomme den zweiten der zwei verfügbaren Zeltplätze zugewiesen. Eine Oma mit Enkelkind hat den ersten belegt. Eigentlich ist es ein Dauercamperplatz. Sonst gibt es keinen freien Stellplatz. Glück gehabt.
Ich bettle einen Dauercamper an, meine warme, durchgeschüttelte Flasche Bier für zwei Stunden in seinem Kühlschrank aufzunehmen. Tigger hat versucht, sie im Topcase festzuhalten, so gut es ging.
Es gibt heute kalt zum Abendessen. Mittags hatte ich ja das Gulasch. Ich sitze auf meinen Stühlen und es gibt wieder adeliges Essen. Vom Boden. Mit Nachspeise rauche ich wieder eine Elchsalami.
Später hole ich das gekühlte Flascherl, sitze auf meiner Zeltveranda, schreibe ein wenig den Blog und schau ganz viel doof in der Gegend rum.
Ich bin schon wieder bettschwer.
Sehr schöne 272 Kilometer mit vielen Kurven. Hildegard unterm Hintern war heute in ihrem Element – Kurven kann sie.Okumaya devam et
Tag 27 Bissi Erzgebirge
8 Temmuz, Almanya
⛅ 17 °C
Ich wache gegen 6:30 Uhr auf. Es regnet. Prinzipiell habe ich nix gegen Regen, nur das Einpacken läuft halt ohne ihn irgendwie geschmeidiger.
Ich muss das Toilettenpapier inspizieren. Dabei läuft mir die Oma über den Weg, die mit ihrer Enkelin neben mir geschlafen hat.
Ich frag frisch und munter: „Guten Morgen. Na? Habt ihr gut geschlafen heute Nacht?“
Es kam nur ein: „NEIN!!!“ (Mit drei Ausrufezeichen.)
Ich war dann still und wollte ihre gute Laune nicht noch durch weitere Fragen heben.
Ich packe im Zelt alles zusammen, was so geht, und lade Elise. Zum Schluss kommt das nasse Zelt in den Packsack.
Jetzt musste ich nur noch zahlen – und keiner weit und breit an der Rezeption. Hmmm. Was machen? An der Tür hängt eine Nummer, die soll man anbimmeln, wenn man Fragen hat.
Gesagt, getan. Aus dem Hörer kommt: „Ja, jetzt habe ich keine Zeit. Ich habe Schwimmunterricht.“
Ich bin nicht ganz sicher, ob ich alles verstanden habe, da ich mit dem Dialekt hier enorme Probleme habe.
Ich frage noch mal nach und wir einigen uns darauf, dass ich beim VEB Schwimmhalle dreizehn Euro fuffzisch zahle. Er holt das Geld dann später und ich kann fahren.
Ja, wenn es denn so sein soll.
Ich habe mein Navi mit Oberwiesenthal gefüttert und fahre dann weiter an der Grenze entlang Richtung Nordosten nach Zinnwald.
Nur fängt es jetzt auf einmal wieder das Duschen an. Ich checke wetteronline.de. Aha, in gut einer Stunde bis 90 Minuten ist der flüssige Sonnenschein durch.
Ich fahre zum August-Horch-Museum nach Zwiggau. (Langsam lebe ich den Dialekt.)
Eine interessante Ausstellung über die Geschichte von Audi, DKW, Horch und Wanderer. Schwupps, gehen 90 Minuten rum und es lacht die Sonne.
Ich fahre Richtung hügeliges, kurviges Erzgebirge. Der Spaß kann beginnen. Alles, was auch nur ein bissi wie Kurve aussieht, wird mit erhöhter Geschwindigkeit genommen. Also, es ist immer noch Luft unter den Fußrasten und man muss ja nicht gleich knieschleifen. Ich höre nur das Poltern im Topcase. Tigger hält sich wieder an einer Flasche Bier fest.
Haaaaalt … vorbeigefahren. Links wäre es zum Fichtelberg hochgegangen. Einmal Wendolin und wieder zurück zur Abzweigung und … aufi aufn Berg muas i.
Oben angekommen pfeift ein ganz schöner Wind. Ich stelle mich auf den Gehsteig, denn am Wendehammer ist absolutes Halteverbot. Foto hier machen, Foto da machen … bissi rumgucken … und ich fahre wieder. Wind genug gehabt.
Das Restaurant wird gerade umgebaut, wahrscheinlich für den Skibetrieb nächsten Winter.
Unten angekommen geht's gleich nach Tschechien rein. Ui, ist der Sprit hier billig. Er wird in Kronen und Euro angezeigt. 1,60 €.
Ich fahre bei Sonnenschein gemütlich über die Straßen mit ihren leichten bis mittleren Kurven. Der Österreicher würde sagen: eine rote Piste.
Ich pendle eine Weile zwischen Deutschland und Tschechien. Irgendwann habe ich auf einmal keine glückliche Hand mehr mit meiner geplanten Route. Eine Straßensperrung nach der anderen zwingt mich, Umwege zu fahren.
Ich rufe beim Campingplatz an und frage, wie lange sie denn da sind, und schütte nebenbei mein Herz aus wegen der Sperrungen und Umleitungen.
Wir einigen uns darauf, dass ich bis sechs Uhr da sein sollte.
Genervt mache ich eine Pause, irgendwo im Erzgebirge an einer kleinen Forststraße. Und ich denke mir: Hier könnte auch die schöne Försterin aus den Erzgebirgskrimis mit ihrem Hund Flocke ums Eck kommen.
Etwa zehn Kilometer vor dem Campingplatz noch mal eine Umleitung. Aber mir ist es jetzt egal. Ich düse einfach durch die Baustelle.
Platz gefunden, gleich das pitschnasse Zelt aufgebaut und dann ein feines Essen gemacht: Hüftsteak mit Knoblauchzwiebeln, Scampis mit Knoblauch, einen großen gemischten Rohkostsalat und das alles zu einem Gustl. Für die, die es nicht kennen: Ein Gustl ist ein Augustiner.
Zur Nachspeise einen feinen Filterkaffee und zur Nach-Nachspeise eine ganze Tafel Ritter Sport Rum-Nuss. Weil wir das Spinnen anfangen in Deutschland, gibt es fast nirgends mehr die Rum-Trauben-Nuss. Sie war mal eine meiner Lieblingsschokoladen. Denn diese Trauben sind im Rum eingelegt. Rum ist Alkohol. Und Alkohol ist böse. Also gibt's nur noch Trauben-Nuss.
Ich sitze nach dem Abspülen noch vor meinem Zelt, warm eingepackt, und genieße den Abend und die gute Luft. Ich habe mal das Thermometer gecheckt. Heute Nacht wird es richtig frisch.
Das Bett, besser gesagt die Luftmatratze, ist schon hergerichtet und ich brauch nur noch sagen: 3-2-1 Mainz.
Es waren heute supaklasse, extrem kurvige 254 Kilometer. Ich musste sogar gegen den Kurvenrausch zwei Bier trinken: eins für die Rechtskurven und eins für die Linkskurven.Okumaya devam et

GezginNa du Christian 🤣 Wenn man so deine Menüs anschaut....... Sehr abwechslungsreich. Ich bin ja ein bisschen eifersüchtig, Peter noch mehr, er bekommt fast nur Gemúse. Ich wünsche dir für die letzten Tage noch viel Spass 🥩

Gezgin
Es ist immerwieder schön deine Berichte zu lesen. Jeden Morgen freue ich mich schon darauf. Das mit der Schokolade ist ja wiedereinmal SUPER. Den gleichen ( oder so ähnlich) hab ich schon als Kimd bei meiner Oma gegessen. Den haben wir immer bekommen, damit sich die Erwachsenen unterhalten können.
Tag 28 Durchs wilde tschechische Kurdistan
9 Temmuz, Çek Cumhuriyeti
☀️ 20 °C
Heute bin ich um kurz vor sechs aufgewacht. Das passt ja ganz gut, denke ich mir, weil ich ja durchs Erzgebirge auf tschechischer Seite und durchs Egerland in die Oberpfalz rüberhüpfen will.
Ich trinke eine Flasche Proteinmilch – das gibt Kraft zum Einpacken – und räume flugs alles zusammen.
Irgendwie habe ich jede Menge Servietten, Einmalhandtücher und noch anderen Müll in meiner Packtasche gefunden. Das brauche ich alles nicht mehr, denn heute packe ich das Zelt und meine sieben Sachen das letzte Mal für diesen Urlaub ein. Aus ist es mit dem Zigeunerleben. Heute Abend schlafe ich in einem Bett, weil ich mich liebevoll bei unseren Bekannten in der Oberpfalz aufgedrängt habe.
Aufgeladen und festgezurrt rolle ich vom Hof. Schnell noch den Zugangschip für die Toiletten in den Briefkasten geworfen und ab zum Frühstück organisieren bei der nächsten Bäckerei.
„Einen Muichkaffee und a Butterbretzn, bitte.“
„Sie können a großes Schälchen Heeßen und a Laugenbrezel haben.“
Ich frage dann noch nach Butter. Die gibt es nicht. Butterbrezen auch nicht. Aber die Kollegin kann mir eine Butterbreze mit Schnittlauch machen, sagt die Dame an der Kasse.
Aha! Muss man nicht verstehen. Außer, dass das Gemisch aus Butter und Schnittlauch aus der Tube kommt.
Elise braucht auch noch was zum Frühstücken und wir rollern die paar Kilometer über die Grenze und tanken billigen tschechischen Sprit. Nur beim Bezahlen wollte die EC-Karte nicht. Die Dame an der Kasse meinte dann: „Ich mache guten Umrechnung in Euro.“
Ja, das kenne ich, und ich glaube ihr auch, dass sie einen guten Wechselkurs gemacht hätte.
Ich krame meine Mastercard raus und füttere den Schlitz vom Terminal damit. Noch kurz den PIN dazu. 1234 kann ich mir eh so gut merken. Passt, schon bin ich wieder unterwegs.
Es geht schlängeln, schlängeln und kurvig, kurvig gleich los und den Berg hinauf. Ich fahre quasi am Kamm entlang und kann rechts noch nach Deutschland und links in die Tschechei reinschauen. Es lässt sich heute übrigens supa fahren und gucken, denn ich fahre von Ost nach West und habe die Sonne im Rücken.
Trotz Navi verfahre ich mich heute gleich mal zu Beginn. Aber mit einem geschickten Wendolin komme ich wieder auf meine Route.
Ich sehe einen richtig guten und informativen Wegweiser nach Abu Dabi. Ich sage zu Hildegard: „Komm, lass uns in diese Richtung reiten.“
Apropos Abu Dabi: Es dauert nicht lange, da schickt mich das Navi schon wieder so was von ins Grüne. Da hilft nur eins: umdrehen. Keine Ahnung, wer hier in Tschechien diesen Feldweg als befahrbare Straße für Navigationssysteme klassifiziert hat.
Bei dem Umweg rausche ich dann auch noch in eine Straßensperre. Kein Umleitungsschild oder dergleichen. Ich halte an, steige ab und schnappe mir mein Navi. Dann trotte ich zu einem Straßenbauarbeiter und texte ihn auf Englisch zu. Sein Gesicht sagt mir nur „Error“ und „Tilt“. Er antwortet in irgendeiner Sprache, vermutlich Tschechisch. Keine Ahnung. Verstanden hat er mich nicht und ich ihn auch nicht.
Zeichensprache war ebenfalls nicht möglich. Also weiter zu einem vorbeilaufenden Passanten. Der konnte mit Englisch auch nichts anfangen, aber es kam so etwas Ähnliches wie „rechts“ und „Brücke“ aus ihm heraus. Dachte ich zumindest.
Versuch macht kluch, denke ich mir, und fahre einfach mal los. Ganz so einfach war es nicht, aber ich wäre nicht ich, wenn ich den Weg nicht gefunden hätte und nach vielleicht 30 Minuten auf der anderen Seite der Baustelle gewesen wäre.
Puuh, geschafft. Ich habe überlebt. Langsam wird es warm und bei der Kurvenhatz bin ich hungrig geworden.
In Krasno nad Teplou mache ich bei dem Bushäusl neben dem bekannten Brunnen eine Pause. Dabei stelle ich fest, dass ich zwar Käse und Salami gekauft hatte, aber keine Sättigungsbeilage wie Brot oder Semmeln.
Okay, dann halt Low-Carb-Diät.
Ich verputze den ganzen Käse und die Packung Salami einfach so, spüle mit koffeinhaltiger, maximal pigmentierter Brause nach und habe fertig.
Bissi später spielt mir das Navi wieder einen Streich und jagt mich durch einen Wald. Klodeckelgroße Schlaglöcher, zehn Zentimeter tief, ein paar Quadratmeter Asphalt, dann wieder Schotter, Fleckerlteppich von irgendwas und a bissi Sandstraße.
Nanana ... also da waren die unpaved roads in Norwegen richtige Highways.
Nach so einer Aktion brauche ich immer eine Pause. Eine Wasserflasche wird leerer gemacht und dabei denke ich mir: Ja ... das nächste Mal fahre ich vielleicht für zwei Wochen nach Tschechien. Das wird lustig, spaßig und vielleicht auch abenteuerlich.
Ich nähere mich der Grenze. Es gibt Läden mit allerlei Sachen, die man nicht gebrauchen kann, Tankstellen und Geschäfte, wo man Spirituosen, Tabak, Zigaretten und schöne Tschechinnen bekommt.
Schlagbäume gibt es ja nicht mehr. Auch Polizei oder Zoll kontrollieren hier keine illegalen Grenzübertritte. So suche ich auch ganz schnell das Weite in Richtung Oberpfalz.
Mit Tigger ohne Ausweis im Topcase und Hildegard versteckt unter meinem Hintern. Ich habe für beide keinen blauen EU-Heimtierausweis und das wird teuer, wenn sie mich erwischen.
Noch 20 Kilometer Kurven genießen, dann bin ich an meinem heutigen Ziel in Gaisthal. Ich besuche Bekannte, die Elke und ich vor vielen Jahren im Kroatien-Urlaub kennengelernt haben.
Es gibt Abendessen, was zum Trinken, ein Ratscherl und ein Bett für mich.
Es waren aufregende, kurvige 277 Kilometer durch Tschechien und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dort die Kurven inspiriert habe.
Und tschechisches Bier muss ich dann auch noch probieren.Okumaya devam et
Tag 29 Der letzte Rutsch nach Hause
10 Temmuz, Almanya
☀️ 25 °C
Ich wache gegen 6 Uhr kurz auf … Puuh, ist das warm in dem Zimmer. Ich war ja in den letzten vier Wochen nur luftiges Zelten gewohnt oder Gartenhäusl, wo der Wind durchpfeift. Hier in dem KfW-40-Haus geht kein Lüftchen.
Ich schau auf die Uhr, denke mir: Näää, und dreh mich nochmal auf die andere Seite. Ich sage mir: A gutes Stünderl geht noch. Und tatsächlich – a Stünderl ging noch.
Irgendwann ist dann doch Aufstehen angesagt. Ich kontrolliere das Toilettenpapier – ui, weich – und fange an zusammenzuräumen. Ich mache wieder den Lumpi und wälze mich auf der Packtasche hin und her, bis die überschüssige Luft draußen ist. Es kommt wieder all das Gepäck auf Elise.
Christine ist schon in der Arbeit, und Erich hat für uns zwei die Kaffeemaschine bereits klargemacht.
Gemütlich bei einem Kaffee gibt es noch ein Ratscherl. Ich gebe meinem Navi noch die letzten Anweisungen: Richtung Heimat, einen Bäcker am Weg, kurvig, wenig Verkehr und … Spannung, Spiel und Schokolade.
Kurz vor 9 Uhr schaffe ich den Abflug Richtung Haimhausen. Die Route habe ich extra kurvig gewählt und komme an einem Stoppelfeld mit Strohballen vorbei. Ha, noch schnell ein Foto. Handy eingeklemmt, Selbstauslöser … nur bin ich immer zu langsam. Ich werde aufgenommen, wie ich gerade hochklettere. Also nochmal. Mit Anlauf und Schwung klappt es. Foto gemacht und weiter geht die wilde Fahrt.
Ein Verkehrsschild weist auf Wackersdorf hin. Bei dem Ortsnamen fällt mir die wilde, große Party von 86/87 ein, die damals hier war. Massenschlägereien zwischen Polizei und Demonstranten.
Ein paar Kilometer weiter gibt es dann eine ganz andere Party: Go-Karts mit Verbrennern. Mmmh, es riecht nach Benzin. Sowas würde ich auch gerne mal wieder machen – den Hintern ein paar Zentimeter über dem Boden und gescheit Gas geben.
Ich komme durch den östlichen Teil vom Altmühltal und halte nach einer Bäckerei Ausschau. Eine hatte ich schon angefahren, die hat aber keinen Kaffee ausgeschenkt. Einen Ort weiter ist eine Bäckerei bei einem Edeka-Supermarkt. Und die gehört jetzt mir.
Eine kleine Pause mit einem Kaffeetscherl und einer Butterbreze – das ist genau das Richtige für Papas Sohn.
Weit ist es nicht mehr heim. Ich freu mich schon, Elke und Thommy wiederzusehen. Gut, wir waren ja über WhatsApp in Kontakt, aber so in natura ist schon besser.
Elise läuft wieder super. Sie hat ja noch den billigen tschechischen Sprit im Bauch und wir nehmen jede Kurve genüsslich. Es sind ja wieder offiziell 100 km/h auf der Landstraße erlaubt. Wobei ich sagen muss: Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h in Norwegen hat auch was. Irgendwie gemütlicher.
Um 13 Uhr bin ich dann nach vier Wochen und vier Stunden heil und mit allen Knochen in Haimhausen angekommen. Es gibt kein Empfangskomitee wie beim Nordkap-Trip. Elke hat sich ja in meiner Abwesenheit einen Bänderriss angelacht und ist eher auf dem Sofa mit hochgelegtem Fuß unterwegs als auf dem Garagenhof.
Das war eine Sause. 7.082 Kilometer habe ich abgespult. 7.082 Kilometer hat Hildegard meinen Hintern ertragen müssen. Und ich weiß nicht, wie viele Kilometer Tigger mit Bierflaschen und Dosen im Topcase herumgekullert ist. Elise als treue Begleiterin freut sich auf eine Dusche und vielleicht auch über einen Ölwechsel.
Die Reise ist zwar vorbei, aber die Erinnerungen bleiben. Auch durch den Blog, den ich nur mit wahren Geschichten gefüllt habe.
Die letzten Meter von Gaisthal hierher waren dann nochmal 207 Kilometer. Irgendwie waren die anders als die vorherigen.
Mittag gab es dann nach dem vielen Entrecôte im Urlaub Spaghetti mit Zwiebeln, Knoblauch und Schinkenspeckwürfeln. Das Ganze mit einer ordentlichen Portion Chiliflocken.
Auf jeden Fall freu ich mich, wieder zu Hause zu sein.
Ähäm … mein ganzes Gepäck ist mittlerweile sortiert und aufgeräumt und wartet nur darauf, für den nächsten Trip wieder komplettiert zu werden.
Meine Wäsche habe ich auch schon gewaschen, gut war ja nicht viel.
Aber ich hatte noch eine jungfräuliche frische Unterhose und 2 ungetragene T-Shirts, ich hätte also noch 2 Wochen unterwegs sein können.
Sodalla, wann geht's wieder los?????Okumaya devam et
Ganz am Schluss
11 Temmuz, Almanya
☀️ 28 °C
Zuhause angekommen habe ich all meine sieben Sachen reingetragen und gewogen. Auf dem ersten Bild fehlen nur noch die Stiefel, der Helm, die Handschuhe und ich halt. Nachdem ich alles ins Haus geschleppt hatte, ging es auf die Waage und ich habe mal grob aufgeschrieben, was so dabei war.
Tankrucksack
2 Powerbanks, Sonnenbrille, Ersatzbrille, 2 Taschenlampen, diverse Ladekabel, Helmkabel, USB-Stecker, Multitool, Göffel, Taschenmesser, iPad und ein paar Kleinteile – macht zusammen mit dem Tankrucksack 3 kg.
Kleiner Packsack
Zelt, Unterlage, Heringe, extra Beutel – 4 kg plus 250 g für den Packsack.
Küchenkoffer
Pfanne, Topf, 2 Teller, leere Coladose, Olivenöl, Spülmittel, Käse in der Tube, 0,7 l Wasser, Gaskartusche, Kaffee, Kaffeefilter, Circle-K-Flatrate-Cup, Schneidebrett, Besteck, Spülschwamm, Tasse, Glas, Gaskocher, Feuerzeug, Pfannenwender, Gewürze, Salz, Kaffeemilch und Geschirrtuch. Macht 3,5 kg plus 2 kg für den Koffer.
Campingkoffer
Flip-Flops, Klappstuhl, Waschbeutel, Föhn, Faltflasche, Sonnencreme, Mückenmittel, Wäscheklammern, Gummihammer, Kettenöl, Ersatzgurte, kleine Schaufel, Biwaksack, Klebeband, Flickzeug für die Luma, Bremsbeläge vo. und hi., Kabelbinder, Plastiktüten, Plastikhandschuhe, 12-Volt-Stromadapter, Schnur, Tempos, Feuerstarter und Kleinzeug. 4,35 kg plus 2 kg für den Koffer.
Topcase
Tigger, 0,8-l-Wasserflasche, warme Jacke, 2 Paar Handschuhe, Stativ, kurze Hose, Medikamente, Schuhe, Regenzeug, extra Beutel, Bauchtasche, weiches Toilettenpapier, Merino-Unterziehhandschuhe, Landkarten, Erste-Hilfe-Beutel, Fahrzeugpapiere und Unterlagen sowie Staub und Blätter. Macht 6,5 kg plus 2,5 kg für das Topcase.
Packtasche
Schlafsack, Luma, Kissen, Fleecejacke, Schlafi, 3 T-Shirts, Abziphose, Schlafsack-Inlay, Handtücher, 2 Langarmshirts, Merino-Unterwäsche, 3 Unterhosen, Merino-Jogginghose und Sweater, 6 Paar Socken, Papiertücher, Spannbettlaken für die Luma und eine Schlafbrille. Macht 10 kg plus 1 kg für die Packtasche.
Jetzt habe ich ja ein paar Sachen verbraucht, wie Gas, Duschgel, Zahnpasta, Müsli, die Beutel von der guten Uncle Ben's Reispfanne und noch einiges anderes. Das waren gut und gerne nochmal 4 kg. Das macht zusammen ungefähr 34 kg netto plus 9 kg für Koffer und Taschen.
Ich habe mit Stiefeln, Kombi, Helm und leerer Blase so um die 90 kg. Komplett waren es ja ungefähr 350 kg. Normalerweise spricht man bei Damen nicht über das Gewicht, aber für Elise bleiben dann – vollgetankt und mit allen zusätzlichen Anbauteilen – 217 kg.
Gestern habe ich Elise schon mal gedampft, aber für die gründliche Wäsche und das Wellnessprogramm muss ich nochmal mit der Wurzlbürschdn ran, um alle Ecken und Kanten richtig sauber zu bekommen. Und die Felgen ... ja, die Felgen. Da ist noch einiges zu tun.
Es waren am Ende 7.068 Kilometer und mit großen und kleinen Fähren, Reifen, Bremsinspektion, Sprit, Campingplatz, Hütten, Essen, Eintritten, Maut und sonstigen Kleinigkeiten bin ich für das vierwöchige Abenteuer etwa 2.400 € losgeworden.
Würde ich es wieder machen? Sofort.
Am Schluss bedanke ich mich bei meiner lieben Frau, die mir die Zeit gegeben hat, für vier Wochen alleine abzuhauen. Insbesondere, weil sie sich drei Tage nach meiner Abfahrt einen Bänderriss zugezogen hat und trotzdem alles humpelnd alleine meistern musste.
Meinem Sohn, der sie tatkräftig unterstützt hat, wo es nur ging, und allen anderen, die der Elke geholfen haben, zum Beispiel mit Fahrdiensten.
Meinem Regenkombi, der mich immer trocken und warm gehalten hat, meinen Spülhandschuhen, die dafür gesorgt haben, dass ich trockene Hände und keine schrumpeligen Finger hatte, und natürlich den Stiefelüberziehern, die ich auch nicht vergessen möchte.
Meinen Begleitern Tigger, der immer seinen Spaß mit den Bierdosen und Bierflaschen im Topcase hatte, aber nie beim Zusammenräumen geholfen hat. Hildegard mit ihrer Wallemähne, die immer für mich da war und sich liebevoll um meinen Hintern gekümmert hat. Und natürlich der blauen Elise. Ohne sie hätte das alles gar nicht funktioniert.Okumaya devam et






































































































































































































































































































































































































GezginHallo Christian Ich lese jeden Tag deinen tollen Reisebericht. Also sozusagen bin ich immer dabei. Tolle Reise, schöne Bilder. Ich bin ja bissi neidig