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WELTREISE 2025/26

A 398-day adventure by LKuppers Read more
  • Monte Alban Ruinen

    August 15, 2025 in Mexico ⋅ ☁️ 25 °C

    Am zeiten Tag in Oaxaca, nachdem ich vom Markt zurückkam, sprach mich ein Taxifahrer an. Das passiert natürlich ständig, aber dieser konnte wirklich gutes Englisch. Wir haben uns ein bisschen unterhalten, und obwohl ich wusste, dass ich überbezahle, willigte ich ein, denn die Ruinen über der Stadt wollte noch noch sehen. Er sollte mich auf den Monte Albán fahren und nach zweieinhalb Stunden wieder zurückbringen.

    Der Monte Albán liegt auf rund 400 Metern über dem Talboden von Oaxaca. Von dort oben hat man einen weiten Blick über die gesamte Ebene, und es ist erstaunlich zu sehen, dass die Stadt sich inzwischen in alle Richtungen bis an den Fuß des Berges ausgebreitet hat. Nicht nur Oaxaca selbst, sondern auch die umliegenden Orte scheinen beide Hänge des Tals hinaufzuklettern.

    Die Anlage war einst das Zentrum der Zapoteken-Kultur, die hier über tausend Jahre lang eine bedeutende Hochkultur entwickelte. Zwischen etwa 500 v. Chr. und 800 n. Chr. lebten hier Zehntausende Menschen. Es war nicht nur ein religiöses, sondern auch politisches und militärisches Machtzentrum. Es gibt großen Plattformen, Tempel und Pyramiden, die sternförmig um den Hauptplatz angeordnet sind. Einige der Steine tragen Gravuren mit Darstellungen von gefangenen Kriegern und Götterfiguren. Archäologen deuten sie als Hinweise auf Rituale, Opfer für die Götter und militärische Auseinandersetzungen mit benachbarten Dörfern. Die Details involieren Krastationen oder Enthauptungen von Anführern der Nachbar-, bzw. verfeindeten Dörfer.

    Die Geschichte steckt wort wörtlich in den behauenen und bemalten Steinen, auch wenn die Farben längst verblasst sind. Gleichzeitig war der Zustand der Anlage ernüchternd: Viele Informationstafeln waren stark ausgeblichen, und die englischen Übersetzungen ließen zu wünschen übrig. Oft wurde nur die immer gleiche Geschichte angedeutet – Kriege, Opfer, Götterverehrung – ohne wirklich tiefere Einblicke zu geben. Trotzdem hat es mir gut gefallen - auf einem der wichtigsten heiligen Berge Mittelamerikas zu stehen, mit diesem Blick über das gesamte Tal und sich vorzustellen wie hier Menschen gelebt haben.
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  • Puerto Escondido mit neuen Freunden

    Aug 17–19, 2025 in Mexico ⋅ ☁️ 31 °C

    Mit dem ADO-Fernreisebus in Puerto Escondido angekommen, wurde ich direkt für meine spontane Entscheidung, diesen Umweg einzubauen, mit einem der schönsten Hostels meines Lebens belohnt. Dabei hatte ich es mir nicht einmal selbst ausgesucht, denn ich bin Georg, Frieder, Paul und Emma aus Aachen, Berlin und Köln hinterhergefahren.

    Das Bonita Escondido ist ein Beispiel dafür, wie großartige Hostels es auf dieser Welt gibt: wunderschön gestaltet, modern und mit den besten Annehmlichkeiten. Das Bett war super, es gab Klimaanlage im 6-Bett-Zimmer, ein sauberes privates Badezimmer, eine Außendusche, und einen Pool. Außerdem ein großartiges Wochenprogramm, organisiert von Freiwilligen aus aller Welt, die auch hinter der Rezeption und an der Bar arbeiteten.

    Der Plan sah eigentlich nur Strand und Party vor – und genau das hab ich bekommen. Am Samstag habe ich Frieder und Paul beim Surfen zugesehen und mich dabei kurz von der Strömung mitreißen lassen. Die war hier wirklich heftig, und es hat wenig Spaß gemacht, im Wasser zu sein. Abends waren wir in zwei verschiedenen Restaurants, um Tacos und andere Gerichte zu essen und auszuprobieren. Auf dem Rückweg zum Hostel standen wir ein paar Grundstücke neben unserer Unterkunft auf dem Bürgersteig vor einer fremden Tür, weil wir noch die Dosenbier vom Kiosk austrinken mussten – die Hostels hier erlauben nicht, Alkohol von außen mit hineinzubringen. Und wer kam da plötzlich aus dieser Tür? Zufällig Finn und Em, aus unserem gemeinsamen Hostel in Oaxaca. Wir haben noch ein paar Bier bei uns getrunken, bevor wir in einer Bar UFC geschaut haben. Später in einen Club. Dort sind wir dann auf Zoé und Alice von der Walking Tour in Oaxaca gestoßen. Die Reisende aus Frankreich und der andere Australier tauchten auch noch auf. Es war so witzig, nochmal alle zusammen zu haben.

    Sonntag gab es Katerfrühstück und Pool, abends dann nochmal zwei Clubs. Der erste war am Strand, etwas überfüllt. Der zweite lag wie im Dschungel, mit einem Baum mitten auf der Tanzfläche. Grace, meine Bierpong-Partnerin aus dem Hostel in Oaxaca, lief mir dort wieder über den Weg, und wir konnten unsere Rave-Session ein bisschen fortsetzen. Da wir ohnehin zwei Taxis zurück brauchten, blieb ich noch etwas länger – mit Finn und Em wurde es eine sehr lange Nacht.

    Die südwestliche Pazifikküste des Bundesstaates Oaxaca ist nicht nur für Touristen ein beliebtes Urlaubsziel, sondern auch für viele Einheimische aus den großen Städten und dem Inland. Irgendwie waren fast alle Touristen, eben auch Mexikaner, und das gab dem Ort eine besondere Stimmung.

    Die Partyszene hier hat leider ihre Schattenseiten. Vieles wird von Kartellen kontrolliert – zum Beispiel die Clubs. Beim Reingehen wurde ich so gründlich kontrolliert wie noch nie: Jedes Fach in der Bauchtasche und im Portemonnaie wurde ganz genau inspiziert. Dabei ging es nicht darum, im Inneren nichts Illegales zu konsumieren, sondern darum, nichts mit hineinzubringen – denn da kann man von den Kartellen alles kaufen, was man sich vorstellen kann. Kaum ist drin, wird man von allen Seiten angesprochen, und auch später ließen die Gestalten nicht locker. Ich hätte fast Geld dafür bezahlt, den Rest des Abends nicht permanent angequatscht zu werden. Natürlich ist die Qualität (Reinheit und Inhaltsstoffe) extrem fragwürdig – eben weil es keine Konkurrenz gibt. Mir egal, die Biere werden hier übrigens immer eiskalt serviert, meist Corona mit Limette.
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  • Zecoten in Yucatán

    August 19, 2025 in Mexico ⋅ ☀️ 34 °C

    In Cancún gelandet und mit dem Leihwagen ausgestattet, fuhr ich erst einmal Richtung Westen. Von den Cenoten hatte ich schon gehört. Als ich dann an der gefühlt zehnten vorbeigefahren bin, habe ich spontan den Blinker gesetzt. Irgendwo muss man ja anfangen. Ein schönes kleines Loch im Dungel mit blauem Wasser. Hier habe ich witzigerweise direkt neue Bekanntschaften gemacht: drei Frauen aus Mexico-City: Nathaly, Valeria und ihre Partnerin. Sie sind auf Geschäftsreise für eine Weiterbildung hier. Sie sind auf mich zugekommen, weil ich Brille und Schnorchel dabei hatte, und wollten diese auch mal ausprobieren. Spontan bin ich den dreien zur nächsten Cenote, nur wenige Kilometer entfernt, gefolgt, in der wir auch noch zusammen geschwommen und geschnorchelt sind.

    Die dritte Cenote, die ich mir angeschaut habe, war die beeindruckendste. Das war am nächsten Tag, nachdem ich bis mittags die Maya-Ruinen besichtigt hatte und bevor ich die anderen drei zur Lichtshow in Chichén Itzá erneut treffen sollte.

    Cenoten entstehen durch den Einsturz von Kalksteinhöhlen, die sich über Jahrtausende durch Regenwasser und unterirdische Flüsse gebildet haben. Das Besondere an ihnen ist ihr glasklares, oft tiefblaues Wasser, das aus unterirdischen Süßwasserquellen gespeist wird. In der Region Yucatán gibt es tausende Cenoten, da der Boden hier fast komplett aus Kalkstein besteht und kein Oberflächenwasser wie Flüsse existiert – alles fließt unterirdisch. Viele Cenoten sind zwischen 5 und über 100 Meter tief. In manchen leben kleine Fische wie Guppys oder Welse, und manchmal auch Süßwasserschildkröten. Mit den Jahreszeiten kann sich die Wassertemperatur, Farbe und Sicht leicht verändern. Die Schönheit dieser gelologischen Wunder und des Wassers ist dafür das ganze Jahr über beeindruckend.
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  • Weltwunder Chichén Itzá

    August 20, 2025 in Mexico ⋅ ☀️ 34 °C

    Die Maya-Pyramiden in Chichén Itzá sind für mich der wichtigste Punkt in México, und ich habe mich daher schon lange darauf gefreut.

    Wie so oft wird überall empfohlen, früh da zu sein, um die großen Menschenmengen zu vermeiden und der Mittagssonne zuvorzukommen. Also wollte ich direkt mit dem ersten Schwung Besucher um 8:00 Uhr hineingehen. Allerdings hatte ich die Zeitverschiebung zwischen Cancún (wo ich den Leihwagen ausgeliehen hatte) und dem Rest der Yucatán-Halbinsel übersehen. So war ich aus Versehen schon um 7:00 Uhr dort und habe mich mit einer anderen Gruppe Touristen gewundert gefragt, warum hier noch nichts los sei. Naja – dafür hatte ich den besten Parkplatz direkt vor dem Gelände - kostenlos, weil noch keiner da war, um abzukassieren.

    Ich kann das ganze nicht bis in den Himmel loben, ohne mich hier kurz über die Organisation vor Ort auszulassen. Selten habe ich so etwas Schlechtes erlebt. Ganz klar kommt das hier daher, dass es den Veranstaltern völlig egal ist, wie gut sich der Besuch anfühlt – Hauptsache, viel Geld verdienen. Der Ort ist konkurrenzlos, und die Leute kommen trotzdem.

    Kurz vor 8:00 Uhr luden reihenweise Busse Menschenmassen ab. Es gab mehrere Schlangen beim Einlass, alles sehr unübersichtlich. Am Ticketschalter musste man den Eintritt von 100 Pesos (ca. 5 €) separat von einem Kultur-Beitrag in Höhe von 550 Pesos (ca. 25 €) an zwei verschiedenen Schaltern bezahlen. Man musste sich zwar nicht erneut anstellen, aber eine logische Ordnung gab es nicht. Die Leute drängelten sich kreuz und quer von links nach rechts und zurück. Das Einlassgebäude und Gelände waren zudem schlecht in Schuss. Die Wege waren uneben, mit großen Steinen und reichlich Stolperfallen. Bänke fielen auseinander – wenn es überhaupt welche gab. Dafür stand in jeder abgelegenen Ecke ein Aufpasser, um zu verhindern, dass man isst oder raucht. Gleichzeitig gab es viel zu viele Verkaufsstände mit überteuerten Souvenirs, und man konnte keine zehn Meter gehen, ohne mehrfach angesprochen zu werden. Ich finde das heuchlerisch und dieses Ortes nicht Würdig.

    Abgesehen davon hat es mir aber sehr gefallen. Ich habe mir viel Zeit gelassen. Von einer KI hatte ich mir im Vorfeld einen Text-Guide erstellen lassen, den ich vor Ort Schritt für Schritt abgegangen bin – das hat super funktioniert. Außerdem bin ich der einen oder anderen Gruppe mit englischsprachigem Guide ein Stück gefolgt oder habe im Schatten gewartet, bis die nächste kam, und so vieles mitbekommen.

    Chichén Itzá war die Hauptstadt der Maya-Kultur, die über die gesamte Yucatán-Halbinsel verteilt lebte. Die Anlage diente religiösen, politischen und astronomischen Zwecken. Das El Castillo (Tempelpyramide) beeindruckt nicht nur durch seine Architektur, sondern auch durch seine astronomische Ausrichtung und Funktion als Kalender. Das große Spielfeld (Juego de Pelota, Ballspielplatz) zeugt von einem rituellen Sport, dessen genaue Regeln nur teilweise bekannt sind. Die Cenoten wurden sowohl zur Wasserversorgung als auch für zeremonielle Opfer genutzt. Der Templo de las Mil Columnas (Tempel der tausend Säulen) und das Observatorium (El Caracol) geben Einblicke in die religiösen und wissenschaftlichen Kenntnisse der Maya. Auf der weitläufigen Anlage finden sich noch viele weitere Gebäude, die nicht alle freigelegt und Restauriert wurde, und im umgebenden Dschungel weiß man von Archäologen noch unentdeckte Strukturen.

    Besonders beeindruckend ist, wie Chichén Itzá als Hauptstadt einer Hochkultur es vor knapp 2000 Jahres geschafft hat, religiöse Zeremonien, astronomische Präzision und Machtpräsentation in sich zu vereinen. Der Ort erzählt von komplexen Gesellschaftsstrukturen, Handwerkskunst und tief verwurzelte Spiritualität der Erbauer– und deren Wissen uns noch heute vor Rätsel stellt. Legenden berichten, dass bei der Tag-und-Nacht-Gleiche der Schatten der gefiederten Schlange Kukulkán an der Pyramide El Castillo hinabgleitet und so den Abstieg des Gottes symbolisiert. Man erzählt auch, dass die Verlierer – oder in manchen Überlieferungen die Gewinner – des rituellen Ballspiels (Juego de Pelota) den Göttern geopfert wurden, um ihre Ehre zu vollenden. Die tiefen Cenoten galten als Tore zur Unterwelt Xibalba und wurden für Opfergaben genutzt, die den Göttern im Wasser übergeben wurden. Wer Chichén Itzá besucht, betritt nicht nur eine Touristenattraktion oder archäologische Stätte, sondern eine Brücke in eine Zeit, in der Himmel, Erde und Menschen durch Mythen, Rituale und den Glauben an ein kosmisches Gleichgewicht miteinander verbunden waren.
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  • Kukulkan Nights

    August 20, 2025 in Mexico ⋅ ⛅ 28 °C

    Im Internet hatte ich schon von der Night of Kukulkan gelesen. Zunächst war ich mir unsicher, doch die drei Mexikanerinnen, die ich am Vortag in einer Cenote kennengelernt hatte, wollten sich die Show ansehen und luden mich ein, mitzukommen. Es gab sogar noch freie Plätze in der ersten Reihe neben ihnen. Also verabredeten wir uns um 19:00 Uhr – für mich das zweite Mal an diesem Tag – beim Einlass zu Chichén Itzá. Sie waren etwas spät dran, ich ging schon einmal vor.

    Die erste Stunde konnte man die in Rot beleuchteten Teile des Geländes ablaufen und auf eine ganz andere Weise als im Tageslicht auf sich wirken lassen.

    Die Lichtshow gibt es leider nur auf Spanisch. Es scheint bisher einfach noch keiner auf die Idee gekommen zu sein, auch eine englische Variante für internationales Publikum anzubieten...
    Ich konnte dennoch einigermaßen folgen – ein wenig dank meines zwar noch miesen Spanischs, aber vor allem, weil ich die Themen nun mehrfach in kurzer Zeit gehört hatte. Außerdem half mir Nathaly mit der einen oder anderen geflüsterten Übersetzung.

    Es war sehr eindrucksvoll gemacht, spannend anzusehen, aber mit nur 20 Minuten leider viel zu kurz und inhaltlich eher oberflächlich. Trotzdem hat es sich gelohnt, wie ich finde.
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  • Cancún und Abreise México

    August 21, 2025 in Mexico ⋅ ☀️ 30 °C

    Den Sonnenaufgang in Tulum knapp verpasst, weil es da gar nicht so einfach ist, zum Strand zu kommen – das meiste gehört zu Hotels, geschlossenen Wohngebieten oder macht erst um 8 auf. Am Playa del Carmen war zwei Stunden sonnen und baden. Es sah nach einer netten Gegend aus, aber auch sehr touristisch. Dann ging es nach Cancún.

    Die letzte Nacht im Bett mit Klima gab es in einem sehr schönen Hostel, dem Crazy Mayan Monkey, auf der Landzunge vor Cancún. Viele große Hotels drumherum und zu viel Tourismus für meinen Geschmack. Auch sehr teuer, und man wird in der Gegend leicht über Ohr gehauen. Der Clubeintritt sollte an die 30 € kosten – das war mir einfach zu viel. Den Nachmittag habe ich im Pool verbracht und ein bisschen nach Hause telefoniert.

    Im Hostel habe ich mal wieder einige Leute kennengelernt, darunter Guisella und Carlos, die aus Mexiko kommen, in einem der großen Hotels arbeiten und hier für die Happy Hour vorbeigekommen sind, sowie Sophie aus München, die als Lehrerin an einer deutschen Schule in Mexiko anfängt, und Anna aus Berlin, die ebenfalls allein reist. Beim Karaoke wurde es wieder peinlich bis lustig. Ein würdiger letzter Abend in Mexiko für mich.

    Insgesamt war es eine wahnsinnig intensive Zeit. Die Tage waren anstrengend heiß und schwül, das Essen war richtig super – hier und da mit Durchfallbonus. So viele Eindrücke, so viel Neues gesehen und erlebt, neue Freunde gefunden und jede Menge Party gemacht. Es war auch ein bisschen gehetzt; gerne hätte ich mir mehr Zeit für den einen oder anderen Ort und Umweg genommen. In diesem Tempo halte ich das keine zehn weiteren Monate durch – das ist meine Erkenntnis. Doch noch habe ich große Lust auf Neues und besonders das nächste Land: Brasilien!

    Fotos aus den letzten Tagen und was woanders nicht mehr reingepasst hat.
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  • Brasilien - Bei Marcelos Familie

    August 23, 2025 in Brazil ⋅ ☁️ 32 °C

    Eigentlich hatte ich geplant, ab Mexiko Stück für Stück durch Mittel- und Südamerika zu reisen und erst später in Brasilien vorbeizuschauen. Doch nun ergibt sich eine Gelegenheit, die ich nutzen möchte: Marcello aus São Paulo war vor zwölf Jahren Austauschschüler bei meinem Vater in Deutschland, heute lebt er in Berlin und ist aktuell zurück in der Heimat – hauptsächlich für eine Operation, aber auch, um Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen und zu reisen. Ich wollte also nach Brasilien kommen, während er hier ist, damit wir gemeinsam unterwegs sein können. Beim Umsteigen in Bogotá erfuhr ich, dass die in drei Wochen geplante Operation auf übermorgen vorgezogen werden sollte … na toll … aber das wird schon.

    Mein Flug landete nachts um zwei, und da Marcello noch bei Freunden in Rio de Janeiro war, holte mich sein Vater vom Flughafen ab. Nun bleibe ich ein paar Wochen bei Carlos, seiner Frau Ana mit deren Hündin Gaia, und schaue mal, was sich so ergibt. Ich habe ein paar Sachen, die ich sehen möchte, und ich glaube, sie haben auch Pläne für mich gemacht – Unternehmungen und Dinge, die sie mir zeigen möchten.

    Ana war noch auf einem Familiengeburtstag übers Wochenende, sodass ich die ersten zwei Tage alleine mit Marcellos Vater verbrachte. Carlos ist heute Rentner. In seiner Karriere hat er als Geschichtsprofessor an der Universität Unicamp und FACAMP in Campinas und auch in São Paulo gearbeitet sowie die Direktion der öffentlichen Archive von São Paulo verantwortet und über viele Jahre hinweg deren Digitalisierung vorangetrieben.
    Portugiesisch ist erstaunlich ungleich zu Spanisch, vor allem bei den einfachen Wörtern. Carlos spricht zudem auch Französisch, Italienisch und Spanisch, aber nur wenig Englisch. Weil er mal zwei Jahre in Paris gelebt hat und ich vermute, dass seine Englischkenntnisse größtenteils aus dieser Zeit stammen, mischen sich immer wieder französische Wörter dazu, wenn er versucht, mit mir auf Englisch zu sprechen. Nach meinen ersten Praxiserfahrungen mit Spanisch ist das ein richtiger Hirnverdreher. Mein Spanisch ist bei weitem nicht so gut, dass es ausreichen würde, aber die Kombination aus einfachen Wörtern in den verschiedenen Sprachen zusammen mit Händen und Füßen reicht aus, um uns über grundlegende Dinge zu unterhalten. Für komplexere Gespräche haben wir unsere Übersetzungs-Apps im Handy angeschmissen – und das nicht zu knapp. Den ersten Abend saßen wir viele Stunden auf der Terrasse im Innenhof des wunderschönen Hauses und unterhielten uns über alles Mögliche.

    Ich lernte viel über die Kolonialgeschichte, die Zeit der Diktatur vor gerade einmal 40 Jahren und das heutige Brasilien mit seinen innenpolitischen Spannungen und Entwicklungen. Mit Marcello habe ich auch ein paar Filme zu diesen Themen geschaut und fühle mich schon recht gut informiert, aber auch neugieriger als vorher. Aktuell habt ihr vielleicht auch in den Medien verfolgt, dass der Prozess gegen den Ex-Präsidenten Bolsonaro sich Richtung Urteilsspruch entwickelt. Das ist historisch sehr bedeutend, sagt Carlos, weil die rechtliche Aufarbeitung vergangener politischer Verbrechen und Ungerechtigkeiten in Brasilien leider nie im großen Stil – zum Beispiel für die damalige Diktatur – gemacht wurde.

    Zur Stadt São Paulo mache ich noch einen anderen Post. Hier möchte ich euch noch davon berichten, wie fantastisch das Essen ist. Ganz anders, als ich es erwartet habe, und ein riesiger Kontrast zu Mexiko, aber mir gefällt es super. Es gibt oft Reis mit Bohnen – die Bohnen sind in São Paulo meistens die braunen (in Rio die schwarzen), in einer dünnen Soße mit Wurststücken darin. Dazu Salat, Fleisch- und Gemüsegerichte. Maniok ist eine Wurzel, die schon die indigene Bevölkerung vor der Kolonialisierung sehr geschätzt hat und die man heute auch immer noch überall in der Küche findet. Sie ist sehr ähnlich zur Kartoffel, intensiver im Geschmack und viel fester. Dadurch auch schwieriger zuzubereiten – das geschieht oft mit einem Druckkochtopf. Ob als Püree, gebraten oder frittiert, sehr vielseitig und alles super.
    Tropische Früchte ohne Ende: darunter verschiedenste Bananen-, Mango-, Maracuja- und Ananas-Sorten, Sternfrüchte, Zimtäpfel, Guarana und bestimmt noch weitere, die ich noch nicht entdeckt habe.
    Marcellos Vater will, dass ich alles probiere – ständig gibt es irgendwas: Früchte, Käse, süßes Gebäck, Bier und Schnaps.

    Mit Carlos und Marcellos Bruder Rafael war ich am ersten Tag beim Buffet de Feijoada – einem traditionellen brasilianischen Gericht, das als Nationalgericht gilt. Feijoada ist ein Eintopf aus schwarzen Bohnen, Schweine- oder Rindfleisch. Früher als Sklavenessen, in dem alle Reste der Tiere verarbeitet wurden (z. B. Zunge, Schweineohren und -füße). Heute mit Charque (Trockenfleisch), Räucherwürstchen und Variationen davon. Dazu werden Reis, Farofa (geröstetes und angemachtes Maniokmehl), gedünsteter Grünkohl (Couve mineira), Orangenscheiben und eine pikante Pfeffersauce (Molho da pimenta) serviert. In Zeiten des Zweiten Weltkriegs galt die Feijoada insbesondere als Arme-Leute-Essen sowie aufgrund der farblichen Kombination von weißem Reis und schwarzen Bohnen als kulinarisches Symbol der brasilianischen „Rassendemokratie“.

    Auch zu Hause gibt es tolle Sachen. Unter der Woche kocht die Haushaltshilfe Anna-Paula, und abends oder am Wochenende auch Ana, die sehr gut kochen kann. Carlos hilft, aber mich lässt man hier nichts machen. Es gab schon Gerichte wie Maniok-Auflauf mit getrocknetem Fleisch darin, oft Reis und Bohnen, gegartes Fleisch, Cação-Fisch (Hundshai) und Pastel (gefüllte und frittierte Teigtaschen) vom Markt.

    Ich bin so super aufgenommen worden hier, Marcello hat ganz tolle Eltern, und freue mich, die Zeit zu haben, tiefer in die Stadt São Paulo, das Land und die Kultur einzutauchen.
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  • Drei Tage am Meer

    Aug 25–27, 2025 in Brazil ⋅ ☁️ 18 °C

    Schon die Fahrt fühlte sich wie eine kleine Flucht aus der Großstadt an: raus aus dem endlosen Verkehr São Paulos, vorbei an Küstenregenwald und kleinen Ortschaften, bis plötzlich das Meer zwischen den Hügeln auftauchte. Marcelos Bruder mietet gemeinsam mit vier Freunden eine Ferienvilla in einem Park am Meer, etwa 120 Kilometer von São Paulo entfernt. Am Wochenende sind sie zusammen oder mit Freunden und Familie da, im Sommer (~Januar) wird sie wochenweise nach Absprache reserviert. Aktuell ist zwischen Montag und Donnerstag meistens keiner da – dann kommen Marcelos Eltern ab und zu her.

    Am Montagmorgen bin ich mit Marcelos Vater dorthin gefahren, um die Zeit zu überbrücken, bis Marcelo aus dem Krankenhaus nach Hause kommt. Ein bisschen absurd war der Gedanke, in einer Villa nur zu zweit zu sein, aber ich freute mich auf die Auszeit und mehr Gelegenheiten, mich mit Carlos zu unterhalten. Natürlich, wie so oft, kam dann doch alles anders als geplant...
    Eigentlich sollte Marcelo an diesem Montag seine zweite Meniskus-Operation am Knie haben. Doch im Krankenhaus fehlte leider ein Spezialwerkzeug. Für Marcelo ein ärgerlicher, für mich aber glücklicher Zufall – denn nun haben wir noch ein paar Wochen zusammen, in denen er ohne Krücken mit mir unterwegs sein kann. Am Abend kam er also mit seiner Mutter und der Hündin Gaya in die Ferienvilla nach.

    Aktuell ist es Winter in Brasilien – zumindest das, was man hier Winter nennt: tagsüber angenehme 22–26 °C, nachts etwa 16 °C, dazu relativ viele Wolken und gelegentliche Regenschauer. In São Paulo und an der Küste gibt es oft sehr feinen Nieselregen. Wie auch die Küstenstadt Guarujá in der Nähe liegt die gesamte Region im Atlantischen Regenwald (Mata Atlântica) – oder besser gesagt in dem, was davon noch übrig ist. Dieser zählt zu den artenreichsten Ökosystemen der Welt und beherbergt unzählige Tier- und Pflanzenarten, die es nur hier gibt. Heute sind jedoch weniger als acht Prozent seiner ursprünglichen Fläche erhalten – umso beeindruckender wirkt der Kontrast zwischen dem üppigen, dichten, geschützten Grün und den luxuriösen Häusern des Ferienparks.

    Der Park war wirklich auf einem anderen Level – so etwas habe ich noch nicht erlebt: schöne große Villen mitten im Dschungel, gepflegte Anlagen, Tennisplätze, zwei Restaurants, Spa-Bereich, viele weitere Annehmlichkeiten und vier wunderschöne Strände mit ganz feinem Sand. Unsere Villa hatte sieben Schlafzimmer, einen Pool, eine großzügige Küche sowie Wohn- und Esszimmer mit sehr hohen Decken. Draußen gab es einen Pizzaofen und eine Grillstätte.

    Diese Auszeit habe ich wirklich gebraucht – und aus vollen Zügen genossen. Marcelos Eltern haben großartig gekocht, wir haben gegrillt, und ich habe einen Tag Pizzateig gemacht. Es gab mal wieder neue Früchte zu probieren. Besonders angetan hat es mir Palmito (Palmenherz) – das zarte Innere eines Palmenstamms, mild im Geschmack und leicht nussig, eingelegt richtig gut im Salat. Im Garten stand ein Kakaobaum, der zufällig gerade eine reife Frucht trug. Wir haben sie geöffnet und das süße, weiche Fruchtfleisch um die Kakaobohnen herum gegessen – eine Mischung aus verschiedenen süßen exotischen Früchten mit einer buttrigen Note. Die Kerne wollen wir später noch rösten. Dazu gab es frische Maracujá-Caipirinhas – natürlich mit Cachaça (Zuckerrohrschnaps).

    Wir sind an den verschiedenen Stränden des Parks spazieren gegangen, haben Spiele gespielt, den ganzen Tag gegessen und getrunken und einfach eine richtig schöne Zeit gehabt.
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  • Sãu Paulo

    August 30, 2025 in Brazil ⋅ ☁️ 22 °C

    São Paulo ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates – auf Portugiesisch „capital do estado de São Paulo“ – und mit knapp 12 Millionen Einwohnern innerhalb des Stadtgebietes die größte Stadt Südamerikas. Die gesamte Metropolregion zählt rund 21 Millionen Menschen.

    Ich hatte mir das vorher nicht vorstellen können, aber es ist wirklich gigantisch – nicht nur wegen der zahlreichen Hochhäuser in den verschiedenen Zentren der Stadt, entlang des Rio Tietê (Tietê-Fluss) und im Bankenviertel, sondern auch wegen der endlosen Wohngebiete, darunter auch Favelas, die sich um das Zentrum herum ausbreiten. Der Rio Tietê ist heute leider stark verschmutzt und kann gewaltig stinken.
    São Paulo gilt als wirtschaftliches Herz Brasiliens – hier wird rund ein Drittel des brasilianischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Kein Wunder also, dass das Bankenviertel von modernen Wolkenkratzern geprägt ist.

    Man weiß, dass Südamerika gefährlich sein kann, aber hier erlebe ich dieses Gefühl zum ersten Mal intensiv. Es gibt deutlich mehr Sicherheitspersonal als in Mexiko – vor allem privates, zum Beispiel in den meisten Wohngebieten oder Mehrfamilienhäusern. Zum Glück erklären mir Marcello und seine Eltern, wo ich besonders vorsichtig sein muss. Es gibt Gegenden, in denen vom Roller aus im Vorbeifahren Handys geklaut werden oder in denen man eher Gefahr läuft, ausgeraubt zu werden, als anderswo. Auch kurze Strecken mit dem Auto oder per Uber zurückzulegen, ist hier eine Frage der Sicherheit – besonders nachts.

    Eine Besonderheit im Stadtverkehr ist das „Rodízio Veicular“: An Werktagen dürfen bestimmte Autos je nach Endziffer ihres Kennzeichens zu festgelegten Uhrzeiten nicht in die Innenstadt fahren. Damit soll der chronische Stau gemildert werden – eine Herausforderung in einer Stadt, die als Helikopter-Hauptstadt der Welt gilt (meisten Helikopter pro Einwohner) weil die, die es sich leisten können fliegen, um den Verkehr zu umgehen.

    Im alternativen Viertel Vila Madalena sind wir die Beco do Batman entlanggelaufen. Wörtlich übersetzt heißt es „Balkon des Batman“ – dabei ist ein „beco“ eigentlich eine kleine, enge Gasse. Hier ist jede Wand eine Leinwand: Das gesamte Viertel ist über und über mit beeindruckenden Graffitis bedeckt, oft auch Batman-Motieve, die Street-Art-Künstler aus aller Welt geschaffen haben. Ein lebendiger, urbaner Outdoor-Kunstgarten inmitten dieser extremen Stadt.

    Einen Tag sind wir mit Marcellos Eltern durch die Innenstadt gelaufen. Carlos, der ein wandelndes Geschichtsbuch ist, hat mich auf viele Besonderheiten aufmerksam gemacht: historische Gebäude un Plätze sowie einige interessante Anekdoten aus der Stadtgeschichte. Zum Mercado Municipal de São Paulo (Stadtmarkt von São Paulo) sind wir auch gegangen – dieses große, bunte Marktgebäude ist ein echtes Highlight. Dort haben wir leckere pastéis (gefüllte Teigtaschen) mit Käse oder Fleisch, in diesem Fall mit Fisch, und Mortadella Sandwiches gegessen, begleitet vom Trubel des Markttreibens und dem Aroma frischer Früchte und Gewürze.

    Inzwischen habe ich auch schon einige von Marcellos Freunden kennengelernt. Gemeinsam waren wir in verschiedenen Bars unterwegs – darunter auch die bekannte Baramah (benannt nach dem gleichnamigen Bier). Außerdem waren wir in einem Tanzlokal für Forró, einem aus dem Nordosten Brasiliens stammenden Paartanz. Er wird meist im engen Körperkontakt getanzt, begleitet von Akkordeon, Triangel und Trommel, es wirkt mal schwungvoll und ausgelassen, mal sehr romantisch. Und dann war da noch diese andere Bar – zwar mit Tanzmusik, aber wir standen größtenteils draußen auf der Straße und teilten eiskaltes Bier aus großen Flaschen in kleinen Gläsern. So kalt, dass kleine Kristalle darin schwammen.
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  • Rio de Janeiro - was für eine Stadt

    September 4, 2025 in Brazil ⋅ ☁️ 25 °C

    Der erste Tag in Rio war extrem – ich habe eigentlich schon alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Aber einmal von vorne: Am Mittwoch bin ich mit Marcelo die knapp 450 Kilometer lange Strecke durch hügelige Landschaften und auf nicht allzu großen Straßen von São Paulo nach Rio gefahren. Es gab ein gesperrtes Stück. Mit diesem Umweg und dem katastrophalen Verkehr in São Paulo und Rio haben wir gute neun Stunden gebraucht. Im AirBnB an der Copacabana angekommen, sind wir nur noch ein Stück die Promenade entlang spaziert und haben uns ein kleines Abendessen geteilt. Zu Fuß sind wir auch an den beiden alten Wohnungen von Marcelo vorbei gelaufen, denn er hat hier als Student mehrere Jahre gelebt.

    Der erste ganze Tag hatte es dann in sich. Marcelo hatte mittags einen Online-Deutsch­kurs, und weil er viele der touristischen Hauptspots schon oft gesehen hat, bin ich morgens um sieben allein mit einem Uber zum Fuß des Berges gefahren, auf dem die Christusstatue steht. Die Reservierung für die Zahnradbahn war zwar erst um acht, doch weil ich schon früher da war, ließ man mich mit der zweiten Bahn des Tages um 7:40 Uhr hochfahren. Das Wetter war perfekt. Die Statue ist zwar groß und stielvoll gemacht, aber nicht überwältigend beeindruckend. Generell ist die Sache mit den neuen sieben Weltwundern der NewOpenWorld-Foundation etwas kritisch zu sehen. Das Auswahlverfahren basiert nicht auf einer wissenschaftlichen Vorgehensweise, und damals gab es viel Kritik daran – das habe ich jetzt erst gelernt. Nun ist es aber so, dass diese Liste doch weitgehend Anerkennung findet, und irgendwie habe ich mir in den Kopf gesetzt, dabei zu bleiben. Vielleicht kann ich am Ende meiner Reise eine eigene Liste zusammenstellen.

    Dieses Weltwunder kann auch mehr als Symbol sehen: "Der Erlöser" (Redentor) steht auf dem höchsten Berg und wacht ausgebreiteten Armen übet die Stadt, denn die Aussicht über Rio de Janeiro wirklich atemberaubend. Von da oben kann man alle Stadtteile und viele Favelas, die meisten Strände, jede Menge Inseln nah und fern sowie Hunderte von Hochhäusern und die bekanntesten Merkmale der Stadt (Kirchen, Stadien etc.) sehen. Die Fahrt mit der Zahnradbahn nach oben und unten durch einen uralten Teil des atlantischen Regenwaldes hat sich ebenfalls gelohnt.

    Weiter ging es ins Stadtzentrum – das ist wirklich gefährlich, man muss sehr vorsichtig sein. Im örtlichen Büro meiner Firma trank ich ein paar Kaffees und schrieb die letzten Einträge meines Blogs. Die Aussicht auf die zentrale Kirche und den Cristo-Berg war super. Anschließend habe ich mir noch die Kirche (Catedral Metropolitana de São Sebastião) kurz von innen angesehen und bin durch die Innenstadt zur Königlichen Portugiesischen Bibliothek (Real Gabinete Português de Leitura) gelaufen.

    Mit dem Bus ging es erst mal zurück ins AirBnB. Von dort aus bin ich mit Marcelo direkt wieder zu Fuß aufgebrochen. Wir besuchten seine alte Universität im Stadtteil Urca. Ein schönes historisches Gebäude – leider sieht man die Folgen der Budgetkürzungen der letzten Jahre für öffentliche Universitäten. Die Wände sind voll von Fledermauskot, die unter der Decke hängen, und auch sonst müsste an vielen Stellen etwas getan werden. Irgendwie absurd, denn diese Universität zählt zu den besten nicht privaten des Landes. Nach einem kleinen Abendessen haben wir uns noch die überteuerten Tickets für die Gondelbahnen auf den Zuckerhut (Pão de Açúcar) gegönnt. Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang oben angekommen, konnten wir zusehen, wie sich der Himmel langsam spektakulär verfärbte, immer dunkler wurde und in der ganzen Stadt Millionen von Lichtern die Nacht einleiteten.

    Das sollte noch nicht genug sein für den Tag, denn wir hatten uns Tickets für das WM-Qualifikationsspiel Brasilien gegen Chile gekauft. Im Stadion trafen wir ein paar Freunde von Marcelo – teils noch aus seinen Studienzeiten. Das Spiel war schön anzusehen, mit einem 3:0 vedient gewonnen und die Stimmung dementsprechen ausgelassen. Witzig fand ich, dass hier viele Leute mit den Trikots ihrer eigenen Sportmannschaften ins Stadion gingen (natürlich gab es auch unzählige Brasilien-Trikots), aber besonders war das schon, weil es so große Fußballrivalitäten zwischen den verschiedenen Vereinen, oft der gleichen Stadt, gibt. In São Paulo gibt es zum Beispiel drei Clubs in der ersten Liga und in Rio sogar vier. Teilweise dürfen bei diesen Derby-Spielen nicht beide Fangruppen ins Stadion – und hier war das irgendwie kein Ding. Im Maracanã Stadion, das zu Deutsch „Tempel des Fußballs“ heißt, gibt es deutsches Bier – für mich ein ganz persönliches Highlight dieses unglaublichen ersten Tages.
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  • Strände und Partys in Rio

    September 5, 2025 in Brazil

    Freitag und Samstag haben Marcelo und ich viel Zeit mit seinen Freunden verbracht.
    Am Freitag waren wir am Strand des Stadtteils Ipanema. Die Sonne war richtig heiß und das Atlantikwasser sehr kalt. Der Breite Strand aus super feinem weißen Sand ist heute für lokale Verhältnisse "leer" sagten Marcelos Kumpel. Es wimmelte von Verkäufern aller Art: kalte Getränke, Sonnenbrillen, Souveniers, Kaugummis und kleine Wagen mit Maiskolben oder als Cocktailstand. Lustig fand ich die selbstgebauten tragbaren Mini-Grills, fragwürdig die Kühlkette.
    Leider war es recht viel Kleinteiliger Müll im Sand...

    Abends trafen wir weitere Freunde in einem relativ neu eröffneten Restaurant, dessen Besitzer zum Freundeskreis von Marcelos Studienfreunden gehört. Es gab traditionelles Essen aus dem Norden (leider keine Fotos gemacht), danach Bier begleitet von guten Gesprächen auf der Straße.

    Am Samstag waren wir nur zu zweit am Strand, etwas näher an unserer Unterkunft. Weil das Wetter ungemütlich wurde, verbrachten wir den Nachmittag in der Sauna und am Pool unseres Apartment-Hotels. Abends ging es noch einmal los - mit anderen Freunden in zwei Bars, wo die Musik mal wieder auf der Straße spielte - im wahrsten Sinne des Wortes und sehr laut. Es wurde viel getanzt. Ich hab ganz viele tolle Menschen kennengelernt und viele Reisetipps bekommen.

    Es waren zwei entspannte und erholsame Tage, auch wenn die Nächte lang waren.
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  • Eine Parade in Rio

    September 7, 2025 in Brazil ⋅ ☁️ 22 °C

    Am Sonntag in Rio habe ich etwas Lustiges erlebt. Ich dachte zuerst, es geht um Karneval – hier ist das nämlich nicht nur während der Hauptsaison ein großes Ding, sondern auch davor und danach, also eigentlich das ganze Jahr immer irgendwo in der Stadt. Bei den Sambaschulen, die im Mittelpunkt stehen, dreht sich alles um Tanzwettbewerbe, und diese gibt es auch außerhalb der Hauptsaison, organisiert von einzelnen Tanzschulen, Vereinen oder anderen Gruppen. Am Samstag waren wir leider zu kaputt, um morgens um sieben bei so einem Karnevals-Event mitzumachen. Dafür hatten uns ein paar Freunde von Marcelo am Freitagabend eingeladen, sie am Sonntag zu begleiten. Ich hatte das irgendwie so verstanden, dass es wieder um Karneval geht – am Ende war es dann doch etwas ganz anderes, obwohl die Stimmung dem schon sehr ähnelte, und es hat sich definitiv gelohnt.

    Heute, am 7.9. ist der brasilianische Nationalfeiertag (Dia da Proclamação da República – Tag der Ausrufung der Republik), der an die Absetzung der Monarchie 1889 erinnert. Bolsonaro-Anhängern haben diesen Tag für sich; ich möchte sagen extremisiert – es gab damals z. B. Militär-Paraden. An der Copacabana sind die Bolsonaristen heute mit Brasilien-Trikots und in den Farben Brasiliens in ihrer Parade gelaufen. Natürlich ohne Militär (zumindest in Uniform).
    Mir fällt heute wieder einmal auf, wie politisch gespalten das Land ist... leider nach amerikanischem Vorbild.

    Das Museum der Modernen Künste (Museu de Arte Moderna – MAM) veranstaltete an diesem Tag eine eigene Parade, als eine Art Gegenveranstaltung und Demo für Freiheit, auch der künstlerischen Freiheit. Es gab verkleidete Leute, teils auf Stelzen, Musikgruppen und ganz viele Fahnen. Verschiedene Gruppen stellten Themen dar, wie zum Beispiel Erde oder – in meiner Gruppe – den Ozean. Bia, eine Freundin von Marcelo, ist als Veranstalterin an der Organisation beteiligt.
    Viele Freunde von ihr, die ich auch kennengelernt habe und die dabei sind, haben etwas mit dem Meer zu tun und setzen sich aktivistisch dafür ein. Ein paar sind Meeresbiologen, einer Meeresfotograf. Sie machen Strandreinigungen, Aufklärung zur Nachhaltigkeit der Meere an Schulen und in Form von Dokumentarfilmen. So kommt diese Gruppe zustande.

    Wir trafen uns mittags beim MAM. Irgendwie wurde ich als Fahnenträger für unsere Gruppe auserkoren. Unsere Fahne war etwas abstrakt, von einem Kind gemalt (ich glaube, durch einen Wettbewerb ausgewählt). Unsere Gruppe hatte ein blaues Tuch, das sie zusammen auf- und abwarfen. Und dann ging es auch schon los. Von Musik und Gesang begleitet, durch abgesperrte Straßen, an Schaulustigen und vielen Autos vorbei, über zwei große Plätze der Stadt und zum alten Theater der Stadt. An diesen Stellen gab es kurze Vorführungen oder Kundgebungen.
    Die Stimmung war sehr fröhlich, es waren viele verrückte Menschen dabei, die Lust auf Party hatten – es erinnerte mich etwas an Straßenkarneval und gab mir einen kleinen Einblick, wie das hier sein könnte.
    Der Ablauf war etwas freigeistig, ich habe akustisch (und natürlich auch sprachlich) nichts verstanden, wie die meisten, die dabei waren. Manches wirkte zufällig, künstlerisch frei. Ich hatte meinen Spaß, dabei zu sein, und war motiviert, einen guten Job mit der Fahne zu machen (am Ende wurde ich sogar mehrfach dafür gelobt).

    Die Fahnen wurden in einem Museum eingesammelt, denn sie sollten ausgestellt werden. Auf der Straße davor spielte eine Band, und es wurde getanzt und gefeiert.
    Die Truppe war wirklich gut drauf, und ich habe mich sehr darüber gefreut, noch mehr Zeit mit Marcelos Freunden zu verbringen. Wir gingen noch in eine Bar und dann mit mehreren Taxis zum gleichen Sandwich-Restaurant, in dem wir schon am Vortag waren.

    Zum Abschluss dieses Fußabdrucks geb ich euch eine Beschreibung von Bea zu dieser außergewöhnlichen veranstaltung (aus dem Portugisichen übersetzt):
    Parada 7 ist ein kultureller, politischer und künstlerischer Umzug mit Performances, Kostümen und Interaktionen, der die Straßen in ein lebendiges Spektakel verwandelt. Es besteht aus Künstlern, Kollektiven und Einzelpersonen, die an die Kraft von Kunst und Fantasie glauben.
    In diesem Jahr gab es 100 Flaggen, die von Künstlern aus Brasilien und den BRICS-Staaten gestaltet wurden. Jede Flagge ist ein Traum, der in die Luft gehoben wird, jeder Schritt ist die Erfindung einer neuen Welt.
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  • Arraial do Cabo

    September 8, 2025 in Brazil ⋅ 🌬 23 °C

    Marcello, der Ehrenmann, hat am Sonntag in Rio bei der Parade nichts getrunken und uns abends beide noch nach Cabo de Rio (Unterkunft in Areal do Caro) gefahren. Den ersten Tag dort verbrachten wir am Strand. Sehr weicher, feiner Sand, angenehm warm, kaltes Wasser und ein bisschen windig. Zum Mittag gab es Shrimps im Kürbis in einem Lokal mit guter Aussicht.
    Nachmittags kam Hugo, ein Freund von Marcello, mit dem er im Studium zusammen in Rio gelebt hat, spontan für zwei Nächte dazu.
    Sonnenuntergangsspaziergang am Strand, abends waren wir kurz einkaufen und kochten ein Risotto im Airbnb.
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  • Versteckter Strand

    September 9, 2025 in Brazil ⋅ 🌬 26 °C

    Abenteuerlicher Weg - perfekter Strand

    Im Wasser an diesem paradiesischen Strand passierte etwas Magisches, denn ich sah zum ersten mal in meinem Leben wilde Pinguine (leider keine Fotos). Schon am Vortag, am anderen Strand, erblickte ich für den Bruchteil einer Sekunde eine Art Vogelkopf mit Schnabel im Wasser, bevor das glatte dunkle Geschöpf wieder abtauchte und ich es nicht genauer erkennen konnte. Deswegen war ich mir zuerst unsicher. Doch hier, an diesem Strand, war es klar: Es sind Pinguine im Wasser. Sie tauchten nur ganz kurz auf, um Luft zu holen, und dann wieder ab, um weiter zu jagen.
    Ich habe auf meiner Reise, früher als erwartet, Pinguine gefunden.
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  • Meer Strände

    September 10, 2025 in Brazil ⋅ ☁️ 22 °C

    Wie oft an den Küsten Brasiliens, mit ihren vorgelagerten Halbinseln, kann man manche Strände nur mit dem Boot erreichen.
    Hugo, Marcelo und ich hatten einen Super Tag auf und im Wasser an den schönen Stränden um Arraial de Cabo herum.Read more

  • Geburtstage in São Paulo

    September 13, 2025 in Brazil ⋅ ☀️ 23 °C

    In meiner Zeit in São Paulo durfte ich direkt zwei Geburtstagspartys miterleben.

    Am Samstag, den 13.09., feierte Gabriel, ein Freund von Marcelo, seinen Geburtstag im Pé na Areia Sports (Fuß-im-Sand-Sportclub) mit rund 60 Gästen.
    Um 9 Uhr fuhr ein gecharterter Bus von São Paulo mit dem Großteil der Festgemeinschaft los. Viele machten noch ein Nickerchen, während ich dem Busfahrer zusah, wie es abenteuerlich wurde – ein Riesenbus im engen Verkehr von São Paulo hinaus aufs Land. Viele unübersichtliche, völlig verstopfte Kreuzungen, in denen sich Roller zwischen den Autos durchschlängeln. Und wenn Platz ist, wird ordentlich Gas gegeben. Ich saß ganz vorne und konnte nicht soo entspannt mitfahren, wie die anderen. Am Zielort fuhr der Busfahrer ein paar Mal im Kreis und schaffte es tatsächlich – natürlich die ganze Zeit mit Handy in der Hand –, beim Einparken im Schritttempo den großen rechten Außenspiegel des Reisebusses an einer Laterne glatt abzufahren. Alle im Bus waren sofort wach.

    Die Feier fand im hinteren Teil der Anlage statt. Wir hatten alle Sandplätze und dahinter einen Bereich mit Grill, Kühlschränken voller Getränke, Tischen, Stühlen sowie Dusche und WC. Es wurde Beach-Tennis, Beach-Volleyball und Beach-Football gespielt, die Teams oft durchgemischt, und alle konnten sich den ganzen Tag spaßig verausgaben. Mittags wurde gegrillt: Kartoffelsalat, Tomate-Zwiebel-Salat, Brot, Reis, Gemüse und Spieße – Rindfleisch, Hähnchen und auch Hühnerherzen. Abends gab es Wagyu-Burger und Cocktails.
    Ich war dankbar, dabei sein zu dürfen, und habe mich sehr gut mit vielen der anderen Gäste unterhalten. Es fällt mir immer wieder auf, wie offen, interessiert und einladend die jungen Menschen hier sind. Alle gaben mir ihre besten Tipps, wo es die interessantesten Ziele, die schönsten Urlaubsorte und das beste Essen oder die besten Partys in Brasilien gibt.

    In diesem Post habe ich auch noch Fotos vom Familienessen am Sonntag danach. Carlos’ Schwester und ihr Mann waren das Wochenende in São Paulo zu Besuch. Bruno mit Freundin und Rafael mit Frau waren ebenfalls da.

    Carlos’ Geburtstag stand dann auch noch an. Am Dienstag den 16.09. gingen wir mit der Familie zu seinem Lieblings- und wohl besten Italiener der Stadt. Carlos bestellte drei Runden Pizza-Brot, Calzone und seine Lieblingspizza für alle zum Teilen.
    Die richtige Party stieg am Samstag danach. Rund 30 Gäste waren eingeladen. Carlos bestellte Bier vom Fass und eine Zapfanlage, die geliefert wurden. Bereits zwei Tage vorher machte Ana eine Art Schoko-Mousse, stellte es eine Nacht kalt und formte dann Pralinen daraus, die in Schokostreuseln gewälzt und in kleinen Papierförmchen serviert wurden – ein Klassiker bei brasilianischen Geburtstagsfeiern. Es gab auch eine Variante aus weißer Schokolade. Am Freitag und Samstag kochte sie zusammen mit Anna-Paula, der Haushaltshilfe, die diese Woche ausnahmsweise auch samstags da war, Feijoada (traditioneller Bohneneintopf) mit Würstchen, Rippchen und verschiedenen getrockneten Fleischsorten. Dazu natürlich Reis, gedünsteten Grünkohl, Tomate-Zwiebel-Salat und frittiertes Maniokmehl.
    Die Party im Innenhof des Hauses war lang und ausgelassen. Man aß, saß und unterhielt sich. Die Gäste – sehr viel Familie und alle Freunde von Carlos – kannten sich untereinander. Natürlich, das macht er nicht zum ersten Mal so.

    Die Brasilianer wissen, wie man gute Feste mit den Liebsten feiert.

    Lustig finde ich noch, wie man hier das „Ständchen“ singt.
    Die klassische Strophe geht so:

    Parabéns pra você,
    Nesta data querida,
    Muitas felicidades,
    Muitos anos de vida.

    Herzlichen Glückwunsch für dich,
    an diesem lieben Tag,
    viel Glück und Freude,
    viele Jahre des Lebens.

    Dann folgen Nachrufe, die verschieden sein können, meist aber in etwa so:

    É pique, é pique,
    É hora, é hora,
    É hora, é hora, é hora!

    Es ist Party, es ist Party,
    es ist Zeit, es ist Zeit,
    es ist Zeit, es ist Zeit, es ist Zeit!

    [Name], [Name], [Name]!
    [Name], [Name], [Name]!

    Manchmal hängen die Gäste noch scherzhafte Zeilen an, zum Beispiel:

    Com quem será,
    Com quem será,
    Que o(a) [Name] vai casar?
    Vai depender, vai depender,
    Se [Name] vai querer!**

    Mit wem wohl,
    mit wem wohl,
    wird [Name] wohl heiraten?
    Das wird davon abhängen,
    ob [Name] es auch will!

    Diese spielerischen Zusatzstrophen sorgen immer für viel Gelächter und gehören bei brasilianischen Geburtstagen einfach dazu.
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  • Abreise São Paulo

    September 24, 2025 in Brazil ⋅ ☁️ 17 °C

    Die fünf Wochen in Brasilien haben sich viel länger angefühlt. Ich habe viel erlebt, aber auch Zeit zum Entspannen gebraucht, um die Reise und die Eindrücke aus den USA und México zu verarbeiten. Es tat gut, ein paar Tage nichts Neues zu machen: ausschlafen, im Haus bleiben, mich auf der Terrasse sonnen, Nickerchen auf dem Sofa halten, Filme mit Marcelo schauen, mit Ana oder Carlos und der Hündin spazieren gehen und mich bekochen lassen.

    Trotzdem habe ich in São Paulo noch einiges erlebt. Einen Tag war ich im Accenture-Büro, wo mir die sehr freundliche Office-Managerin eine spannende Tour gegeben hat. Das Büro ist modern und voller Bezüge zur Kultur und Geschichte des Bundesstaates São Paulo. Bei einer Tasse Kaffee und mit toller Aussicht habe ich Fotos sortiert und Texte vorbereitet.

    Einkaufszentren sind die Strände São Paulos, sagt man, – es gibt unglaublich viele davon. Auf der Suche nach Socken in meiner Größe hat es mich durch einige davon getrieben, bis ich endlich fündig geworden bin. Das war schwieriger, als gedacht.

    Ein Abend ging ich mit Marcelo zu einem Futsal-Spiel (Hallenfußball). Das Besondere daran: Die Amateurmannschaft eines Freundes trat gegen die Profis von Corinthians an – einem der großen Fußballvereine in São Paulo, der auch im Futsal ein Profi-Team stellt.

    Mit Ana, Carlos und Marcelo war ich außerdem in einem großen Park. Wir besuchten ein Kunstmuseum, liehen Fahrräder aus und verbrachten den Tag draußen. An einem anderen Tag erkundeten wir die Innenstadt, stiegen auf eine Aussichtsplattform und gingen ins Geschichtsmuseum. Zwar war der Besuch dort kurz, aber Carlos erzählte spannende Details – etwa, dass viele Gemälde aus der Kolonialzeit ungenau sind, Dinge hinzudichteten (zum Beispiel Pferde in einer Schlacht) und die Kolonialisierung oft viel schöner darstellten, als sie in Wirklichkeit war.

    Einmal habe ich mit Ana gekocht, um ein Rezept zu lernen, wenn ich die Zutaten in deutschland finde, werde ich mich daran versuchen.

    Am letzten Tag habe ich Marcelo und seine Eltern ins Cruzeiro's Prime eingeladen, ein typisches Grill-Gestaurant, in dem Fleisch am Tisch von einem Spieß auf den Teller geschnitten wird. In São Paulo merkt man schnell: Gibt man beim Essen nur ein wenig mehr aus, als unbedingt nötig, steigt die Qualität überproportional – und man bekommt Hervorragendes. Hugo war spontan auch dabei, hat aber nicht mitgegessen.

    Mit Marcelo und seinen Freunden bin ich noch ein paar mal ausgegangen – am letzten Abend nochmal in eine Forró-Tanzbar, zusammen mit einer seiner Cousinen.

    Es war eine wahnsinns Zeit hier in Brasilien. Bei Marcelos Familie hab ich mich vpm ersten Tag an wie zu hause gefühlt, das war wirklich besonders.
    Nun ist die schöne Zeit hier vorbei, und es geht für mich ins nächste Land, auf zu neuen Abenteuern. Von Brasilien habe ich noch viel zu wenig gesehen – es gibt soo viel mehr Küste und Stände, andere kulturelle Hauptstädte and der Küste und im Inland und natürlich den Amazonas. Ich werde ganz sicher bald zurückkommen.
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  • Lima - Peru

    Sep 25–28, 2025 in Peru ⋅ ☁️ 19 °C

    Lima – und besonders die Nachbarschaft Miraflores (Minaflores) in der Hauptstadt von Peru – hatte ein richtig schönes, gemütliches Ambiente. Noch immer Großstadt, aber viel kleiner und entspannter als São Paulo, auch sicherer. Nur der Verkehr kann da mithalten.

    Am Ankunftstag war ich erst einmal allein ein bisschen in der Nähe des Hostels unterwegs. Im Kennedy Park, im Zentrum von Miraflores, fand gerade eine Art Blumenfest statt – mit Ausstellungen, Verkaufsständen, exotischen Pflanzen und auch vielen Tulpen. Abends habe ich schon ein paar Leute im Hostel kennengelernt, bin aber lieber früh ins Bett gegangen. Das Wochenende stand bevor, und da könnten die Nächte länger werden.

    Am nächsten Morgen hab ich Roman aus Aachen eingeladen, bei einer Walking Tour mitzukommen. Er brachte drei US-Amerikanerinnen vom Frühstück mit, und die wiederum einen Holländer – so ist unsere kleine Gruppe zusammengekommen. Wir sind ins Centro Histórico (historisches Zentrum) mit dem Bus gefahren und haben dort einige beeindruckende Gebäude gesehen. Besonders schön war die Plaza Mayor mit der Kathedrale von Lima und dem alten Regierungspalast. Überall prächtige Kolonialbauten mit Holzbalkonen und hellen Fassaden, dazwischen Straßenmusiker, Straßenhändler und viel Leben. Auch die San-Francisco-Kirche sah von außen faszinierend aus.

    Am Abend ging es weiter in mehrere Bars. Manche aus der Gruppe sind gegangen, andere dazugekommen – Amis, Belgier, Australier. In einer dieser Bars stießen wir auf eine Geburtstagspartygruppe Peruanerinnen, und später landeten wir noch in einem Club.

    Am nächsten Tag habe ich die gegend weiter zu Fuß erkundet, ein paar gute Sandwiches mit Roman gegessen und abends die Ruinen besucht. In Miraflores gibt es mitten in der Stadt die Ruinen von Huaca Pucllana, eine alte Lehmziegelpyramide der Lima-Kultur. Nebenan gibt es eine Motocross-Strecke, die damals noch auf den Ruinen war - die Ausgrabungen laufen dort schon viele Jahre und man braucht schätzungsweise noch 20 weitere, um die Komplette Struktur freizulegen. Diese Kultur existierte noch vor den Incas und man weiß nicht viel. Die waren Fischer und sehr mit dem Meer verbunden. Man fand Tonkübel und Bestattungsstätten. Die Lehmziegel wurden von Hand geformt und im Bücherregal-Stiel locker gemauert. Das ganze ist erstaunlich Eerdbeeben sicher - mit Absicht, denn davon gibt es in Peru viele.
    Beleuchtet in der Nacht ergab das ein faszinierendes Bild direkt umgeben von modernen Hochhäusern und Verkehr.

    Drei Nächte und drei Tage intensiv, lebendig und super spaßig. Jetzt geht’s mit PeruHop auf Bustour.
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  • Islas Ballestas - Paracas

    Sep 28–29, 2025 in Peru ⋅ ☀️ 20 °C

    Der erste Stopp auf meiner Hop-on-Hop-off-Busfahrt durch Peru sollte Paracas sein – eine Küstenstadt etwa 260 Kilometer südlich von Lima. Ich wusste schon, dass Lima im Jahr weniger als zwei Zentimeter Regen bekommt – es liegt mitten in einer Wüste. Wenn man jedoch in der Stadt landet, bekommt man davon nicht viel mit. Sobald man herausfährt, fällt es einem direkt auf: weitläufige, sandige Landschaften, mit Bergen im fernen Inland und dem Meer auf der anderen Seite.

    Vor der Küstenstadt Paracas liegen die Islas Ballestas (Ballestas-Inseln), eine kleine Inselgruppe, die von unzähligen Vogelarten bewohnt wird. Ab den 1840er-Jahren wurde hier Guano (Vogelkot) abgebaut – ein bahnbrechender natürlicher Dünger für die Landwirtschaft, lange bevor industrielle Düngemittel erfunden wurden. Auf manchen Inseln lagen die Guano-Schichten bis zu 40 Meter hoch. Sie wurden per Hand abgetragen und auf Schiffen nach Europa gebracht. Später konnte man alle fünf bis sieben Jahre rund zwei Meter neuen Guano abbauen – bis die Vogelgrippe im Jahr 2022 einen großen Teil der Seevogelpopulation hier auslöschte.

    Wir sind also mit dem Boot entlang der Küste gefahren – vorbei an einem kleinen Hafen für den Export von Blaubeeren und anderen Agrarprodukten, weiter vorbei an bizarren Steinformationen und felsigen Küstenabschnitten – bis wir uns schließlich vom Festland trennten und aufs offene Meer hinausfuhren. In der Ferne tauchte die zerklüftete Inselgruppe der Ballestas auf, geprägt von hohen Felsbögen, durch die man hindurchsehen kann.

    Auf den Inseln sahen wir zahlreiche Vogelarten: Peruanische Pelikane, Tölpel, Inka-Seeschwalben und direkt am Anfang auch eine kleine Gruppe von vier Humboldt-Pinguinen, die hier an der nördlichsten Grenze ihres Lebensraums leben. Auch Seelöwen waren dort. Einer ruhte majestätisch auf einer Klippe, während ein anderer versuchte, diesen hervorragenden Platz anzufechten – ohne Erfolg. Das Schreien und Schlagen endete schließlich damit, dass der Herausforderer zurück ins Meer sprang. Auf anderen Felsen lagen Weibchen, oft mit jüngeren Tieren.

    Am Abend habe ich mir den Sonnenuntergang von der Küste aus angeschaut. Der Strand war leider erstaunlich verschmutzt, dennoch tummelten sich dort viele interessante Vogelarten.

    Im Zentrum von Paracas aß ich frisch gegrillten Tintenfisch und die größten Jakobsmuscheln, die ich je gesehen habe – leider kein Foto gemacht.

    Paracas war ein sehenswerter Ort an der Pazifikküste von Peru – rau, windig, aber voller Leben, wo man es vielleicht nicht erwartet.
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  • Huacachina Oase

    Sep 29–30, 2025 in Peru ⋅ ☀️ 28 °C

    In Paracas fiel abends der Strom aus – und kam auch erstmal nicht wieder. Ich saß noch in der Bar im Hostel und schaute eine Bundesliga-Wiederholung, die hier aus irgendeinem Grund im Fernsehen lief. Dann freute ich mich aber über ein frühes Bett.

    In Paracas sowie in den nächsten Orten meiner Busreise bleibe ich jeweils nur eine Nacht. Es gibt zwar einiges zu sehen, aber dann doch auch wieder nicht so viel – und in den Anden wartet später noch deutlich mehr.

    Weiter ging es natürlich mit dem Peru Hop-Bus. Das Coole daran: Man bekommt wirklich guten Service. Es gibt immer einen Reiseguide an Bord, der einen hervorragend betreut, zwischendurch Informationen gibt und für Fragen da ist. Der Bus fährt auch nicht einfach nur von Stadt zu Stadt, sondern steuert direkt die touristischen Ziele an und hält unterwegs an Aussichtspunkten. In größeren Städten wird man entweder direkt bei der Unterkunft abgesetzt oder bekommt einen Shuttle-Transfer in einem kleineren Bus dazu. Auch der Whatsapp-Service zur spontanen Umbuchung einzelner Fahrten oder allgemein Anfragen ist sehr sehr gut, denn ich Idiot habe direkt auf meiner ersten Fahrt eine Plastiktüte mit meiner Jogginghose und einer Jacke im Bus vergessen... die sollte ich aber später wiederbekommen.

    Von Paracas aus nach Süden schauten wir uns zunächst noch die Halbinsel und den Playa Roja (Roter Strand) vor Paracas an (eines der Natur-Wunder Südamerikas). Diese Region hatte ich am Vortag nur vom Wasser aus und von der anderen Seite gesehen. Es waren beeindruckende Wüstenlandschaften – aber seht selbst auf den Bildern und Videos.

    Ziel des Tages war Huacachina, eine Oase neben der Stadt Ica, die erstaunlich groß ist – auch wenn wir auf dem Weg dorthin kaum etwas von ihr mitbekamen. Unterwegs machten wir Mittagspause in einem Vorort auf einem der vielen Weingüter, umgeben von vielen großen Plantagen, die Teile dieser Wüstenlandschaft südlich von Lima prägen. Die meisten saßen dort im Restaurant. Ich hatte keine Lust darauf, kaufte stattdessen zehn Bananen für umgerechnet 50 Cent von einem Straßenhändler, der zufällig vorbeikam. Ich hatte für 2 Sol bestellt und mit weniger gerechnet, so aß ich einige und verschenkte ein paar an andere aus dem Bus.

    In Huacachina angekommen, checkte ich nur kurz im Hostel ein, denn zusammen mit anderen aus dem Bus hatte ich eine Wüsten-Tour mit einem Buggy Wüstenfahrzeug gebucht. Ja, man lässt sich von der Busgesellschaft dann auch das eine oder andere Extra andrehen – wie z. B. Mittagessen, zusätzliche Ausflüge etc. – und zahlt dabei meist mehr, als wenn man sich vor Ort selbst etwas sucht. Aber es kann auch ganz lustig sein, mit Reisenden aus der gleichen Gruppe mehrere Dinge zu unternehmen.

    Die Fahrt in die Wüste von Huacachina hinein war es auf jeden Fall wert. Gerne wäre ich selbst gefahren, doch das ist hier nicht so einfach möglich, da alle Ausflüge nur mit diesen riesigen Buggys gemacht werden. Wir bretterten über Dünen hoch und runter, verloren manchmal kurz den Bodenkontakt und drifteten seitlich durch den Sand. Zwischen diesen Adrenalinschüben gab es immer wieder ruhige Momente mit fantastischen Aussichten – einfach großartig. Außerdem hatten wir Sand-Bretter an Bord, mit denen wir mehrere Dünen hinuntergerutscht sind – ein ziemlich spaßiges Erlebnis, das ich so auch noch nie hatte.

    Am Abend entschied ich mich, beim gemeinsamen Abendessen der Reisegruppe mitzumachen, das zufällig in meinem Hostel stattfand. Es sollte gegrillt werden, inklusive einer Stunde Getränke-Flatrate. Daraus wurde ein eher mageres Gericht, kein Buffet, sondern ein Teller pro Person, ein Stückchen Hähnchen, eine trockene Bulette, ein sehr dünn geschnittenes Stück Rind, ein Viertel Maiskolben und ein Klecks Salat. Zu trinken gab es stark durch viel Eis verwässerte Sangria, mit Orangensaft gestreckt und nur langsam wieder nachgefüllt. Da bin ich in die klassische Touri-Falle getappt – nicht billig und ziemlich enttäuschend. Ein Amerikaner aus der Gruppe beschrieb es ganz gut: Man entschied sich hier nicht wegen des Essens, sondern wegen der Stimmung – „for the vibes“. Und er hatte Recht, die leute waren alle sehr cool drauf, der Guide war auch dabei und beim anschließenden Bar-Quiz im Hostel wurde noch richtig lustig.

    Den Abend ließ ich mit einem Bier vom Kiosk an der beleuchteten Oase ausklingen. Ein faszinierender Ort – nicht nur wegen der vielen Bäume und Pflanzen, die mir sehr exotisch vorkamen, sondern auch wegen der unzähligen Vögel, die sich hier im Dunkeln eine Gesangsschlacht lieferten in Tönen und Geräuschen, wie ich sie noch nie gehört hatte.
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  • Nasca - nicht nur Linien

    Sep 30–Oct 1, 2025 in Peru ⋅ ⛅ 23 °C

    Die Wüstenstadt Nasca ist vor allem für die alte Nasca-Kultur und ihre berühmten Nasca-Linien bekannt.

    Etwa eine Stunde vor der Stadt hielt unser Bus bereits an zwei Aussichtspunkten mit Türmen, auf die man hinaufsteigen konnte, um einen besseren Blick auf einige Linien in der näheren Umgebung zu bekommen. Diese stellen für die Nasca-Kultur wichtige Symbole dar – etwa bestimmte Bäume, Tiere, Vögel, Hände und mehr.

    Die meisten, die hier eine Nacht verbringen und nicht direkt weiterfahren, buchen einen Flug, um die in den Wüstenboden gescharrten Linien aus der Luft zu sehen. Eigentlich ein faszinierender Gedanke – denn die Vor-Inka-Kultur, die diese Linien schuf, konnte sich wohl kaum vorstellen, dass Menschen eines Tages aus der Luft auf ihre Werke blicken würden. Mir war der Flug allerdings etwas zu teuer, und es gab auch genug, was man vom Boden aus unternehmen konnte. Ein Ausflug mit Guide zu den noch nicht vollständig archäologisch erforschten Pyramiden sollte 30 Euro kosten – das war mir auch zu viel und ich dachte mir, da würde ich auch alleine hinkommen, wenn ich mir nur ein Fahrzeug ausleihen könnte. Also entschied ich mich für ein Motorrad – was sich als absolutes Highlight meiner bisherigen Reise herausstellen sollte.

    Die nette Dame in meinem einfachen Hostel vermittelte mich an ein Reisebüro, bei dem ich am nächsten Morgen um acht Uhr meine Maschine abholen sollte. Angekommen stellte ich fest: Das Motorrad sah zwar gut aus, aber die Batterie war tot. Zusammen mit dem Verleiher traten wir gefühlt hundertmal den Kickstarter und versuchten, die Maschine durch Anschieben zum Starten zu bringen. Endlich geschafft – nur damit ich sie beim ersten Anfahrversuch gleich wieder abwürgen konnte. Beim zweiten Mal klappte es einfacher, doch tanken mussten wir auch noch. Also fuhr ich mit dem Verleiher zur Tankstelle, wo er den Tank auffüllte – ohne Aufpreis.

    Ganz wohl fühlte ich mich trotzdem noch nicht. Mein Ziel – die Pirámides de Cahuachi (Nasca-Pyramiden) – lag einige Kilometer außerhalb, mitten in der Wüste. Voher sollte die Batterie aufgeladen und das Starten nochmal versucht werden! Und meinen kleinen Rucksack mit Wasser hatte ich auch noch im Hostel liegen. Also fuhr ich erstmal etwa 30 Minuten aus der Stadt heraus, dann wieder zurück. Die Straße war übrigens kein geringerer als der berühmte Panamerikanische Highway, der fast durchgehend von Alaska bis Chile an der Westküste Amerikas entlangführt - ein toller Bonus für mein Motorradabentuer an diesem Tag.

    Zurück im Hostel schnappte ich mir den Rucksack und ein paar Wasserflaschen. Jetzt hatte die Batterie immerhin genug Saft, und der Kickstarter war nicht mehr nötig. Dann ging es wirklich los zu den Pyramiden. Ich hatte schon damit gerechnet, dass es keine befestigten Straßen geben würde, aber ich war bisher kaum länger als ein paar Meter auf Schotter mit dem Motorrad gefahren – das war eine echte Herausforderung. Ich konnte es trotzdem richtig genießen, auch wenn ich ordentlich durchgeschüttelt wurde.
    Hier und da wagte ich mich in den Wüstensand – eine ganz andere Erfahrung, denn sobald man den Lenker nur leicht bewegt, beginnt das Vorderrad zu rutschen. Ganz normal im Sand, aber man muss es können. Von den rund 120 Kilometern, die ich an diesem Tag fuhr, waren etwa 50 Km unbefestigt.

    Die Pyramidenanlage, die noch nicht vollständig archäologisch erforscht ist, war ein tolles Ziel – auch ohne Guide. Es gab keinen Eintritt, kein Museum, keine Wächter. Ich lief die Wege entlang und ließ meiner Fantasie freien Lauf, wie das Leben hier wohl damals war … Auf dem Rückweg fuhr ich an mehreren kleinen Dörfern entlang, einer langen Oase vorbei und durchquerte vorsichtig mit dem Motorrad einen kleinen Fluss, der mitten hindurchfloss.

    Da der normale 50-Personen-Peru-Hop-Bus am Vortag gegen einen kleineren getauscht worden war (was für mich eigentlich ein Vorteil war, denn ich fand es gemütlicher und konnte sogar vorne sitzen), gab es als Entschädigung am nächsten Tag eine kostenlose Tour zu den acueductos de Nasca (Nasca-Aquädukten). Ich wusste, dass sich mehrere Leute aus der Gruppe dafür angemeldet hatten – unter anderem die nette Familie aus Schottland, mit der ich seit einigen Tagen von Stadt zu Stadt reise. Entsprechend überrascht war ich, als am Treffpunkt niemand außer mir erschien. Nach kurzem Warten fuhren wir schließlich zu dritt – der Guide, der Fahrer und ich – los. Eine private Tour also!

    Die Nasca als Wüstenkultur waren stark vom Bedürfnis geprägt, das ganze Jahr über Wasser verfügbar zu haben. In den Bergen sammelten sie das Wasser aus Quellen oder leiteten es von Flüssen ab, um es über kilometerlange Aquädukt-Systeme – teils unterirdisch – in das Tal und die Wüste zu führen. Einige dieser Bauwerke sind bis heute erhalten und das Wasser fließt noch. Wir besuchten eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten, und der Guide erklärte mir mehr über die Kultur und wie sie das Wasser beherrschten.
    Er zeigte mir außerdem Pflanzen, die damals wie heute eine wichtige Rolle spieltem, darunter: Kakteen, auf denen cochinillas (Schildläuse) leben. Zerreibt man sie, entsteht der intensive rote Farbstoff Karmin, der in der Antike so wertvoll war wie Gold und bis vor wenigen Jahren noch häufig in Kosmetik, etwa für Lippenstifte, verwendet wurde.

    Das Örtchen Nasca selbst war teilweise recht heruntergekommen, hatte aber einen schönen zentralen Platz mit einem Brunnen – leider habe ich davon kein Foto gemacht. In dem Straßen gab es Verkaufer vieler Agraprodukte, darunter Früchte, die ich noch micht kannte. In den kleinen einheimischen Restaurants gibt es hier in Peru meist nur ein Menü des Tages: immer eine andere Suppe zum Start, danach einen Teller mit Reis, Kartoffeln oder und Mais, etwas Gemüse und Fleisch – dazu ein kaltes Tee-Getränk. Das Ganze für erstaunlich wenig Geld.

    Abends um 18:00 an diesem Tag ging es dann mit dem Bus weiter, diesmal als Nachfahrt bis zur nächsten Stadt: Arequipa.
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  • Arequipa – die Weiße Stadt

    Oct 2–4, 2025 in Peru ⋅ ☀️ 23 °C

    Arequipa wird so genannt wegen der vielen Gebäude aus hellem, vulkanischem Sillar-Stein, der der Stadt ihr charakteristisches Erscheinungsbild verleiht.

    Mit rund 1,1 Millionen Einwohnern und auf etwa 2.300 Metern über dem Meeresspiegel zieht sich Arequipa an den Hängen mehrerer schneebedeckter Vulkane hinauf – allen voran dem El Misti (5.822 m), dem Chachani (6.075 m) und dem Pichu Pichu (5.669 m). Ein beeindruckendes Panorama – bei Tag wie bei Nacht.

    Die PeruHop-Nachtfahrt von Nasca aus kam morgens um 5 Uhr an. Mit einem kleineren Shuttlebus wurden wir in unsere Unterkünfte gebracht. Sidney aus Kansas war zufällig im gleichen Hostel wie ich, und da wir (natürlich) noch nicht einchecken konnten, schliefen wir zwei Stündchen auf den Sofas im Aufenthaltsraum des Viajero Hostels.

    Um 8:30 Uhr trafen wir uns mit Juan Carlos, unserem Guide aus dem Bus, der auch als Stadtführer in Arequipa zertifiziert ist. Zuerst ging es über den größten Markt der Stadt – den Mercado San Camilo, wo wir einiges lernten und ich mal wieder neue Früchte entdeckte und probierte. Anschließend folgte eine Walking Tour durch das historische Zentrum, das seit 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Alte Kirchen und Gebäude in einer von Erdbeeben gepeinigten Stadt. Einige Alpaca-Kleidungsgeschäfte, eines mit echten Tieren und einer Austellung zu Herstellungstechniken und Geschichte dieses Handwerks.
    Nach der Tour schlich ich mich ins Rathaus, um eine bessere perspektive vom Balkon aus auf den Hauptplatz zu bekommen. Im Obergeschoss waren Handwerker an der Arbeit. Der eine, der mich zuerst sah, wollte mich rauswerfen, ließ mich dann aber doch kurz ein paar Fotos knipsen.

    Abends lernte ich im Hostel beim Willkommensgetränk andere Reisende kennen – darunter Ben aus Wales, der unbedingt noch einmal den gleichen Burger essen wollte wie am Vorabend. Ich begleitete ihn, und tatsächlich war der Burger richtig gut.

    Am nächsten Tag buchte ich eine zweitägige Wanderung im Colca Canyon, dem dritt tiefsten Canyon der Welt - an vielen Stellen sind über 1000 Meter zwischen Oberkante und Fluss. Dafür besorgte ich mir ein paar Dinge: Mückenspray (hätte ich nicht gebraucht), Wasser, Snacks und Toilettenpapier – das sollte man auf jeden Fall mitnehmen, hieß es. Danach schlenderte ich noch etwas durch die Stadt und ging erneut auf den Markt, um chicharrón (frittierte Schweinefleischstücke) zu essen. Außerdem wollte ich mir das Museo Santuarios Andinos anschauen.

    1995 wurde auf dem Vulkan Ampato (6.288 m) in der Nähe von Arequipa eine Mumie entdeckt – durch den Schmelz einer Lawine freigelegt, aber noch vollständig gefroren. Es ist eines der am besten erhaltenen Kinderopfer der Anden: „Juanita“, die sogenannte „Eiskönigin“ (*La Dama de Ampato*). Durch den Frost blieb sogar ein Teil ihres Blutes konserviert. Bei späteren Expeditionen fand man noch weitere mumifizierte Kinder, jedoch nicht so gut erhalten wie sie.

    Die Inka opferten in Zeiten großer Not – etwa bei Dürren – das gesündeste Kind aus adligen Familien den Göttern. Dafür nahmen die Kinder und Priester lange Pilgerwege von teils mehreren Monaten auf sich, um die Opfer auf heiligen Bergen zu erbringen. Die Körper wurden nicht aktiv mumifiziert; der Permafrost sorgte in großen Höhen für ihre Erhaltung. Beigesetzt wurden Tongefäße, besondere Kleidung und Schmuckstücke, Federkronen sowie Figuren aus Bronze, Silber und Gold. All diese Funde und eine Replik der Mumie von Juanita kann man heute in diesem Museum sehen (die echte ist im Keller eingefroren) – Fotografieren ist dort jedoch nicht erlaubt.

    Bei meiner Tour durch das Museum war neben mir nur eine weitere Person: Anna aus Mainz. Wir genossen die quasi private Führung und kamen danach ins Gespräch. Am zentralen Plaza de Armas saßen wir fast zwei Stunden – abwechselnd im Schatten und in der Sonne, weil es im einen zu frisch und im anderen zu heiß war – und erzählten uns von unseren Auslandsjahren. Anna war vor rund zehn Jahren als Rotary-Austauschschülerin hier in Arequipa.
    „An diesem Platz haben wir manchmal die Schule geschwänzt“, erzählte sie lachend. Sie berichtete mir von ihrer Gastfamilie und den Erlebnissen aus dieser Zeit – ein spannender Einblick für mich, weil ich die Situation gut nachvollziehen konnte und dadurch noch mehr über die Menschen in Arequipa und ihre Kultur lernte.

    Abends packte ich nur meine Sachen und ging früh ins Bett – denn um 3 Uhr in der Nacht sollte es losgehen Richtung Colca Canyon.
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  • Wandern im Colca Canyon - der Abstieg

    October 4, 2025 in Peru ⋅ ☁️ 14 °C

    Ein beliebtes Ausflugsziel von Arequipa aus ist der Cañón del Colca, auch zum Wandern. Ein paar Busstunden entfernt, gilt er als der dritttiefste Canyon der Welt – mit einer Tiefe von bis zu 3.270 Metern (an der tiefsten Stelle zwischen den Orten Canco und Tapay). Das ist schon außergewöhnlich viel, an den meisten Stellen ist er immernoch entspannte 1000 Meter tief. Als ich davon erfuhr, sah ich mir die verschiedenen Angebote an: Die Eintages-Tour führte nur mit dem Bus zu ein paar Aussichtspunkten und beinhaltete kein Wandern – das war mir zu wenig.
    Die Drei-Tages-Tour erschien mir als eher unerfahrenem Wanderer zu viel, also entschied ich mich für die Zwei-Tages-Wandertour – das sollte doch machbar sein.

    Vom Hostel aus gebucht (und dabei etwas überbezahlt) wurde ich zusammen mit anderen Wanderlustigen morgens um 3 Uhr von einem kleinen Bus abgeholt. Während der Fahrt schliefen die meisten zunächst, bis wir irgendwann entlang des Canyons fuhren – und es ordentlich etwas zu sehen gab: beeindruckende Berglandschaften, geprägt von unzähligen Terrassen, die die Inka vor mehr als 600 Jahren an die teils steilen Hänge des Canyons bauten, um hier Landwirtschaft zu betreiben.

    An der Oberkante steht man auf gut 3.400 Metern. In dieser Höhe wachsen besonders Mais, Kartoffeln, Bohnen und Kürbis gut. Weiter unten im Canyon herrscht ein ganz anderes Klima – hier gedeihen Avocados, Papayas, Trauben und andere tropische Früchte.
    Die namensgebenden colcas (Lagerhöhlen) sind kleine Kammern, die von den Inka in die Felswände gegraben wurden, um Agrarprodukte zu lagern. Durch die Kälte in der Höhe wirkten sie wie natürliche Kühlschränke – daher der Name des Flusses Río Colca und des gesamten Canyons.

    Am Aussichtspunkt Cruz del Cóndor war es ziemlich voll, doch wir sahen tatsächlich einige der majestätischen Andenkondore – wenn auch aus so großer Entfernung, dass man ihre bis zu 3,2 Meter Spannweite kaum erahnen konnte.

    In der Nähe des Dorfes Cabanaconde begann schließlich unsere Wanderung. Auf Empfehlung unseres Guides kaufte ich mir für 5 soles (≈ 1,25 €) einen Bambusstab – denn ich hatte keinen Wanderstock – und dann ging es los.
    Ich wusste zwar, wie viele Kilometer es ungefähr werden sollten, unterschätzte aber völlig die Steigung und die Höhenmeter. Irgendwie dachte ich, wir würden gemütlich entlang der Seiten auf ordentlichen Wegen wandern … nix da!
    Am Rand des Canyons wurde mir klar, dass wir das Ding komplett hinunter und irgendwann auch wieder hinauf müssen.

    Die erste Etappe führte rund 5 Kilometer bergab – über 1.000 Höhenmeter bis zur Brücke über den Fluss. Der Weg hatte alles: halb in den Fels geschlagene Stufen, Geröll, Steine, Kies, Sand und Staub – kaum ein Stück war gerade oder eben. Irgendwann begannen meine Beine zu zittern, was in Kombination mit dem losen Untergrund zu einer rutschigen Angelegenheit wurde. Die Konzentration war permanent gefordert.

    Ellen aus London hatte zusätzlich mit ihrer Höhenangst zu kämpfen – an den teils steilen Abhängen keine angenehme Sache. Man wäre vermutlich nicht weit gestürzt, weil einen die Kakteen aufgefangen hätten – aber ob das wirklich besser gewesen wäre?
    Wir nahmen uns die Zeit, die wir brauchten, und bildeten zusammen das Schlusslicht unserer Gruppe.

    Unten, an der Brücke, gab es die erste längere Trinkpause – zehn Minuten. Ich trank zu schnell zu viel Wasser, was mein Magen beim anschließenden Aufstieg auf der anderen Seite prompt reklamierte …
    Nur wenige Minuten später erreichten wir ein kleines Dorf mit einem Restaurant für unsere Mittagspause. Ich bekam kaum etwas herunter, obwohl die frische Avocado und die Kartoffelsuppe wirklich lecker waren. Nach einem kurzen Nickerchen im Schatten war ich einigermaßen bereit für die acht Kilometer lange Nachmittagsetappe.

    Durch kleine Dörfer an den Seiten des Canyons ging es mal hoch, mal runter, mal gerade. Richtige Wege oder gar Straßen gab es keine. Alles, was es hier im Canyon gibt, wird entweder angebaut oder mit Eseln und Maultieren hierher transportiert. Größere Gegenstände – wie Kühlschränke – müssen von Männergruppen getragen werden, weil sie zu schwer und unhandlich für Nutztiere sind.
    Wir liefen die meiste Zeit zwischen den Gärten der Bauern hindurch, entlang kleiner Bewässerungskanäle. Diese ausgeklügelten Systeme verteilen Quellwasser gerecht auf die einzelnen Felder der Bauernfamilien– eine Technik, die schon auf die Inka zurückgeht.

    Hier und da hielten wir an, und unser Guide – diesmal Jan Carlos – erzählte uns über die Landwirtschaft, das Leben der Dorfbewohner und die besonderen Heilpflanzen der Region, die hier seit Jahrhunderten genutzt werden.

    Landschaftlich war es ein absoluter Traum, den ich leider immer weniger genießen konnte. Ich war erschöpft, hatte zu viele unnötige Dinge in meinem viel zu großen Rucksack dabei, und der Gedanke an den bevorstehenden Aufstieg am nächsten Morgen um 4 Uhr jagte mir echte Angst ein. Wie sollte ich das bloß schaffen?
    Doch dann kam mir eine Idee, die mich hoffen ließ. Zuerst musste ich aber unser Ziel erreichen: die Oase Sangalle, tief unten im Canyon. Dort gab es leider schon um 17 Uhr keine Sonne mehr, der Pool war kalt, und auch in der Dusche gab es kein warmes Wasser.

    Beim Abendessen fragte ich unseren Guide, wann die nächste Gruppe dieselbe Tour machen würde – ob ich also eine zusätzliche Nacht und einen Erholungstag in der Oase verbringen und mich dann dieser Gruppe für den Aufstieg anschließen könnte.
    Das ging!

    Ich fiel um 20 Uhr wie ein Stein ins Bett und störte mich kein bisschen daran, dass um 4 Uhr das Licht anging, als meine Zimmerkollegen sich auf den Weg machten – ich durfte ausschlafen!
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  • Ein Tag im Canyon und der Aufstieg

    Oct 5–6, 2025 in Peru ⋅ ☁️ 17 °C

    Der erste Tag und Abstieg in den Canyon war einfach zu viel für mich gewesen. Am Nachmittag konnte ich es kaum noch genießen, und der Gedanke, um 4 Uhr aufzustehen und dann über 3,5 Stunden oder mehr nur bergauf zu gehen, quälte mich. So zog ich zum ersten Mal auf meiner Reise ganz bewusst den Zeitjoker – davon habe ich ja wirklich genug. Ich musste mich hier nicht früh aus dem Canyon quälen, sondern konnte mir einen Tag Erholung gönnen und diese spektakuläre Kulisse inklusive Pool genießen. Alles andere wäre eigentlich auch eine Schande gewesen.

    Als die Sonne über den Rand des Canyons blickte, wurde es in der kleinen Oase, die aus mehreren Bauernhöfen und Wanderunterkünften besteht, sehr angenehm warm. Morgens ging ich im eiskalten Fluss baden, den Rest des Tages verbrachte ich am Pool und im Schatten. Ich hatte noch genug Nüsse und Früchte dabei – am ersten Tag war ich gar nicht dazu gekommen, etwas davon zu essen. Der Handyempfang war schlecht, aber zum Glück gab es erschwingliches WLAN für 5 Sol (1,25€), und so konnte ich ein bisschen nach Hause telefonieren.

    Zur Mittagszeit tauchten ein paar spannenden Wanderern auf, mit denen ich mich unterhielt. Ein älterer israelischer Mann erzählte mir, dass er zum ersten Mal in seinem Leben alleine reist – er war erstaunlich fit. Ein etwa 70-jähriger Deutscher meinte, dass er bisher eher unterfordert sei und sich schon auf den Aufstieg am gleichen Tag freue. Jonas und Lukas aus Bayern steckten das Ganze auch ziemlich locker weg, obwohl sie zur Mittagspause sowie auf dem Weg reichlich Bier getrunken hatten und entsprechend beschwipst am Nachmittag ankamen. Alles spannende Leute – für mich teils unfassbar und gleichzeitig inspirierend.

    Zum Abendessen tauchte meine neue Gruppe mit Guide auf. Wir saßen und aßen zusammen. Es gab das gleiche wie am Vortag: Quinoasuppe und einen Teller Spaghetti mit Kürbis-Hackfleisch-Soße – ich fand es nochmal ziemlich gut.

    Wieder ging es früh ins Bett, denn um 4 Uhr morgens starteten wir den über 1.000 Meter hohen Aufstieg aus dem Canyon - diesmal wirklich. Noch in der Dunkelheit, manche mit Stirnlampe, ich mit Handylicht. Das erste Stück verzweigte sich etwas, daher ging der Guide voraus und wartete hier und da auf manche Nachzügler aus der Gruppe ... und mich. Später gab es nur noch einen Weg, und jeder konnte sein eigenes Tempo finden. Bei mir lief es eigentlich ganz gut – ich war zwar langsam, aber machte kaum Pausen, zumindest die ersten 500 Höhenmeter.

    Als mich eine Gruppe Maultiere spielend leicht überholte, bot mir der Reiter an, meinen Rucksack für umgerechnet 6€ mit nach oben zu nehmen. Das konnte ich einfach nicht ablehnen – sehr gut investierte 25 Sol! Ohne das Gewicht auf meinen vom Vortag noch verspannten Schultern konnte ich mich voll und ganz auf jeden Schritt und jede Stufe konzentrieren. Das gab mir neue Motivation und Kraft. Es machte wieder mehr Spaß, und ich konnte den Aufstieg fast ein bisschen genießen.

    Es hieß, der Aufstieg dauere zwischen drei und dreieinhalb Stunden – mit meinen 3:45 h war ich wirklich zufrieden und sogar schneller, als ich mich selbst eingeschätzt hatte.

    Oben, wieder bei der Gruppe angekommen, gab es ein kleines Frühstück: Ei, Brötchen, den klassischen weichen Käse, den es hier überall gibt, und Mate de Coca (Tee aus Cocablättern).

    Ich war gut erschöpft, aber zufrieden mit mir – doch das sollte es für diesen Tag noch nicht gewesen sein.
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  • Heiße Quellen, Lamas und Vulkane

    October 6, 2025 in Peru ⋅ ☁️ 19 °C

    Nach dem Aufstieg aus dem Canyon und dem Frühstück war es gerade einmal 9 Uhr. Auf dem Rückweg nach Arequipa standen noch einige Stopps auf dem Programm.

    Zuerst ging es zum Baden in heißem Quellwasser und im Fluss, an einen Ort etwa 30 Minuten entfernt. Dort traf ich wieder auf Jonas und Lukas aus Bayern. Diesmal stimmte ich in den Spaß ein, und wir tranken je ein großes Bier – das erste seit Tagen, denn im Canyon hatte ich mich das nicht getraut. Der Kontrast zwischen dem wirklich heißen, schwefelig riechenden Wasser, das in kleine Becken geleitet wurde, und dem eiskalten Fluss direkt daneben tat unglaublich gut.

    In einem kleinen Ort irgendwo in den peruanischen Anden wurde der ganze Bus für eine Stunde zum Mittagessen an einem Restaurant ausgeladen. Das Buffet sah zwar gut aus, war mit rund 12 € aber viel zu teuer für lokale Verhältnisse, und ich hatte ohnehin keinen Hunger. Stattdessen ging ich mit zwei Mitreisenden eine Runde zum Hauptplatz spazieren. Die beiden fanden ein Restaurant mit Tagesmenü (3€) - ich setze mich auf eine Bank und genoss die Atmosphäre. Egal, in welche Richtung man hier blickt – überall ragen Berge am Horizont empor.

    Weiter ging es in den Nationalpark Reserva Nacional de Salinas y Aguada Blanca, eine von Bergen und Vulkanen geprägte Hochlandschaft. Wir hielten an einem Hirtenhaus und konnten Lamas und Alpakas aus nächster Nähe betrachten und auch eim bisschen streicheln, aber sie waren eher scheu. Der Aussichtspunkt auf 4900 Metern über die Vulkanlandschaft war beeindruckend – aber auch ziemlich frisch.

    Der Bus war voll, wie immer hier und die Plätze eng mit wenig Beinfreiheit, wie immer hier. Auf der Rückfahrt durfte ich ganz vorne auf den Stufen sitzen – nicht wirklich bequemer, aber mit der besten Sicht, und ich konnte wunderbar filmen.

    Zurück in Arequipa sollte dies mein letzter Abend hier sein, also wollte ich Anna noch einmal treffen.
    Wir spazierten ein Stück außerhalb des Zentrums, und sie zeigte mir einen interessanten Aussichtspunkt. Schließlich landeten wir in einem Restaurant und bestellten typisch peruanische Gerichte: zur Vorspeise ein Stück Maiskolben mit dem typischen weichen Käse. Sie hatte Kartoffeln mit Soße, und ich die berühmte, leicht scharfe gefüllte Paprika mit Kartoffelgratin dazu. Zum Nachtisch wollten wir im Anschkuss eigentlich in einem Straßenlokal in der Nähe irgendwelchen frittierten Teigringe aus Süßkartoffel oder Kürbis holen, das kannte ich noch nicht – aber wir hatten uns im Restaurant zu lange und zu gut unterhalten.

    Ein langer Wahnsinnstag voller Peru, mit soo vielen Eindrücken, Strapazen und Entspannung.... wenn man bedenkt, dass ich um vier Uhr morgens aus dem Canyon herausgekraxelt bin – und was danach noch alles passiert ist. Arequipa ist einen Besuch wert!
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