Hamburg ➡️ Göttingen
14 april, Duitsland ⋅ ☀️ 10 °C
Tag 1 - führt uns zuerst nach Göttingen.
Nur ein Haus neben Björns früherer Studenten-Bude, in der sagenumwobenen Südstadt. Es ist irgendwie etwas wie nach Hause kommen und Abschied nehmen. Alte Wegpunkte wurden besucht, Aufkleber geklebt, alte Aufkleber wieder entdeck, gut gegessen und getrunken.
🚗 296 km, 🚶🏻🚶🏻4 km
Der Soundtrack des Abends:
https://open.spotify.com/track/1sz0Isjvr6QwIUPq…Meer informatie
Göttingen ➡️ Garm.-Partenkirchen
15 april, Duitsland ⋅ ☁️ 6 °C
Tag 2 - Nach einer angenehmen Nacht starten wir Richtung Garmisch. Nach einem Zwischenstopp in Friedland sind wir gut durchgekommen.
Friedland kannte ich nur vom Namen her, hier sind sehr viele Kriegsgefangenen, Vertriebene, Flüchtlinge angekommen und erst einmal untergebracht worden. Beeindruckend, unerwartet und etwas verstörend...
Gut durchgekommen, naja. Auf einmal waren wir ohne Mautplakette, auf einer österreichischen Autobahn. Nach der schnellen Abfahrt war die Strecke sehr malerisch. Von jetzt auf gleich, inmitten von beeindruckenden Bergen. Bei einem der vielen Fotostopps dann der Schrecken. Das Auto stinkt und die Motorkontrolllampe ist an. Nach einem Notstop am Straßenrand war der Geruch weg, die Lampe weiter an. Da das Glück mit den Tüchtigen ist, hatte eine Werkstatt noch auf und hat uns den Fehlerspeicher gelöscht. Abgasregelventil... hoffentlich bleibt die Lampe weiterhin aus.
Hier sind wir begeistert von den Hausmalereien und der Landschaft. Respekt an die vielen Radfahrerinen, ja es waren überwiegend Frauen.
🚙 628km, 🚶🏼♂️2Km, ⛪1Meer informatie
Zugspitze & Partnachklamm
16 april, Duitsland ⋅ ☁️ 13 °C
Tag 3 - nach einer erholsamen Nacht war unsere erste Station heute Morgen ein Bahnhof. Dort bestiegen wir die Zugspitzbahn, eine Zahnradbahn, die uns auf ihrem weiten Weg bis auf den gleichnamigen Berg mitnehmen sollte. Die Stimmung war irgendwo zwischen gespannt und skeptisch, denn schon am Vortag hatten wir erfahren, dass die Seilbahnen des höchsten Berg des Landes momentan - zumindest unter der Woche - außer Betrieb sind. Das bedeutete für uns: Wir würden heute nicht bis zum Gipfel kommen. Unser Ziel heute war statt dessen die Zugspitzplatt-Station auf immerhin 2.588 Höhenmetern.
Der Weg nach oben verlief reibungslos. Zuerst durch Ortschaften mit Märchenflair, danach ging es aufwärts an nicht weniger zauberhafter Natur (der Eibsee ist zum Niederknien schön!) bis zu einem Tunnel, der uns durch das Bergmassiv bis zu unserem Zielbahnhof führte. Dort angekommen war die Enttäuschung zunächst groß: Dichter Nebel umgab die Station, sodass wir außer Schnee kaum etwas zu Gesicht bekamen. Immerhin hab es in der Station Kaffee. Davon gestärkt stiefelten wir mehr oder weniger missmutig einen kleinen Abhang hinauf um wenigstens die Kapelle der Station (immerhin die höchstgelegene Kirche der Bundesrepublik!) zu besuchen. Uns empfing ein hübsches Kleinod, das (nachdem eine Gruppe Tourist*innen, die vor und dort war gegangen war) eine tiefe Ruhe ausstrahlte und uns zum Innehalten einlud.
Als wir die Kapelle verließen, war es, als hätte, wie es in einem Adventslied so schön heißt, der Heiland die Himmel aufgerissen: Der Nebel verzog sich und es war sogar etwas vom Himmel und den umliegenden Felswänden und -gipfeln zu sehen. Tief beeindruckt von der Szenerie gingen wir umher, um das Panorama ganz aufzusaugen. Im Außenbereich der ansässigen Gastronomie verbrachten wir unsere Mittagspause, indem wir unsere mitgebrachten Vollkornbrote mit den einheimischen Vögeln teilten und (zumindest einer von uns) ein Bierchen verrückten.
Hinab ging es, wie wir hinaufgefahren sind, diesmal aber mit einem guten Gefühl!
Unser nächstes Ziel war die Partnachklamm, ein kleiner Canyon, den der gleichnamige Fluss durch den Felsen gefressen hat. Bei sonnigem Wetter wanderten wir vom Parkplatz aus ein gutes Stück bis wir an dem Eingang der Klamm angekommen waren. Was uns dahinter erwartete, war Natur hautnah. Ein künstlich befestigter Weg mit Geländer führte uns an der Schlucht entlang, unter uns Stromschnellen, über uns Felsen und vereinzelte Wasserfälle. Ein wunderschönes Spektakel! Nachdem wir nach ungefähr einer halben Stunde das Ende der Klamm erreicht hatten, gingen wir den gleichen Weg zurück.
Auf dem Nach-Hause-Weg zurück in unsere Unterkunft hatten wir noch Zeit für eine klitzekleine Wallfahrt zum Franziskanerkloster St. Anton. An einem Berghang gelegen wurde die Kirche als Dank dafür gestiftet, dass die Ortschaft nicht von Krieg verwüstet worden ist. Zum Glück (auch für uns!) verfehlt die Wallfahrtskirche nicht ihren Zweck. Hoffentlich bleibt es so.
Unser Abend endete - wie sollte es anders sein - in einem typisch bayrischen Gasthaus. Zum Wohl!
🚙 10km, 🚶🏼♂️12km, 🚋 38km, ⛪2Meer informatie
Garm.-Partenkirchen➡️ Wien ➡️ Bratislava
17 april, Slowakije ⋅ 🌙 17 °C
Tag 4 - unser vorerst letzter Morgen in Deutschland! Nach einem kurzen Besuch am Grab des Komponisten Richard Strauss, der 1949 in Garmisch-Partenkirchen gestorben war, brachen wir auf. Flaches Land mit dahinter aufragenden Bergen zog an uns vorbei. Unsere Mittagspause machten wir dann schon jenseits der österreichischen Grenze. Bevor es zu unserem Tagesziel Bratislava weiterging, ließen wir es uns nicht nehmen, unseren Nachmittags-Kaffee im Schlosspark Schönbrunn in Wien zu uns zu nehmen. Natürlich gab es Melange ☕ Von da aus war es nicht mehr weit bis zur slowakischen Hauptstadt. Während die Außenbezirke von Plattenbauten gekennzeichnet sind, begrüßte uns aus der Ferne auch schon die Burg, die sich über das Stadtzentrum erhebt. Nach kurzem Check-In in unserem Hotel starteten wir eine erste Erkundungstour durch die Altstadt von Bratislava und ließen uns treiben. Erster Eindruck: Wunderschön!
(Die Slowakei ist schon etwas weiter. Auf den Verkehrsschildern laufen Väter mit ihren Töchtern spazieren.)
🚙 548 km, 🚶🏼♂️🚶🏻♂️6 kmMeer informatie
Bratislava zu Fuss
18 april, Slowakije ⋅ ⛅ 14 °C
Tag 5 - Bratislava ist eine Stadt mit langer Vergangenheit, aber eine recht kurze als Hauptstadt. Die Stadt erinnert uns etwas an Prag, nur in klein und vor allem in der Altstadt, auch ähnlich schön. Etwas Abseits der Altstadt sieht man die Armut schon etwas mehr. Die Skyline braucht sich nicht vor anderen Städten verstecken.
Wir sind sehr viel gelaufen, tolle Architektur und beeindruckende Kirchen (Katholisch / Orthodox), Gasthäuser gesehen, guten Wein und verschiedene Biere probiert. Unser Favorit war das "Mestansky Pivovar". Das Wetter hat schon etwas von Sommer. Im April in kurzer Hose und ohne Jacke vor die Tür fühlt sich ungewohnt an.
🚶🏻🚶🏻 14 km, ⛪5
Hier etwas slowakischen Flair für euch: https://open.spotify.com/track/52rQDh0Trg58okew…Meer informatie
Bratislava ➡️ Prislop ➡️ Hunedoara
19 april, Roemenië ⋅ ⛅ 12 °C
Tag 6 - heute haben wir Ungarn durchquert. Mitte April und die Rapsfelder sind schon richtig gelb, die Natur ist hier auch viel weiter. Warm ist es heute, Sonne und 23°C, Hamburg Regen und 12°C.
Weil Kraftstoff in Ungarn einen anderen (höheren) Preis für Ausländer als für Einheimische hat, wollten wir sicherheitshalber erst in Rumänien tanken. Allerdings haben wir uns etwas verschätzt wie weit wir mit der Tankfüllung noch kommen. Nachdem wir die Grenze passiert hatten (endlich wieder in Rumänien 🥳) sprang die Leuchte für den Reservetank an. So mussten wir bei nächster Gelegenheit an der Autobahn für umgerechnet 1,65 € tanken. An der Autobahn in Deutschland hatte Super 2,55€ gekostet.
Insgesamt kamen wir aber sehr gut durch und es war für unseren Fahrer weniger anstrengend als gedacht.
Bevor wir nach Hunedoara (/Eisenmarkt) fuhren, wo wir unsere Übernachtungsmöglichkeit haben, besuchten wir noch das rum.-orth. Kloster Prislop. Ein idyllischer Ort im Herzen der transsilvanischen Berge. Ein kleiner Bach führt über das Klostergelände, an dessen Quelle sich viele Besucher*innen in großen Gefäßen (heiliges?) Wasser für Zuhause abfüllen. Generell waren viel mehr Menschen dort, als wir erwartet hätten. Das Kloster verfügt über einige große, neue Gebäude, aber auch über eine hübsche kleine Kirche aus dem 16. Jh. mit Fragmenten einer äußeren Bemalung und wunderschöner Innenbemalung. Von dort führt ein Weg an dem Friedhof des Klosters vorbei eine Anhöhe hoch, hinter der man über einem Trampelpfad eine kleine in den Felsen gehauene Höhle finden kann, in der sich der als Heiliger verehrte Johannes von Prislop als Einsiedler zurückgezogen hatte. Als wir zurück zur Kirche kamen fand dort gerade das Abendgebet der Nonnen statt. Wir lauschten ein wenig der wunderschönen Liturgie und fuhren dann weiter nach Hunedoara.
🚙 592 Km, 🚶🏼♂️🚶🏻♂️ 4 km. ⛪ 1 (Kloster), 🕒 ➡️🕓Meer informatie
Hunedoara ➡️ Alba Iulia ➡️ Sibiu
20 april, Roemenië ⋅ ☁️ 9 °C
Tag 7 - Unser Start in Hunedoara/Eisenmarkt startete nicht gerade wie wir es uns vorgestellt haben. Ein verdrehtes Verkehrsschild wies uns einen großen Umweg zur sehr imposanten Burg. Jens ist einmal sehr schmerzhaft gestürzt und dann war die Burg auch noch geschlossen. Der Tag hätte besser beginnen können. Immerhin von außen war die Burg Corvinilor ein prächtiger Anblick!
Die Fahrt zur Festung Alba Iulia führte uns durch die schönen Landschaften in Siebenbürgen (rum. Transsylvanien). Die Festung geht auf ein altes Castell der Römer zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte um- und ausgebaut. Seit fast 2000 Jahren ist sie ein wichtiger Ort und war zwischenzeitlich das politische Zentrum der Region. Die abwechselnde Nutzung durch Militär, Kirche und Adel drückte von hier aus Siebenbürgen und Rumänien seinen Stempel auf. Weil hier 1918 der Anschluss Transsylvaniens an Rumänien vollzogen und 1922 das Ferdinand I. und Maria zum Königspaar von (Groß-)Rumänien gekrönt worden ist, ist die Festung jedoch auch ein Bezugspunkt für rumänischen Nationalismus, in dessen Fleisch die ungarisch geprägte röm.-kath. Kathedrale steckt, in der ungarische patriotische Symbole präsent sind. An diesem Ort kann man also auch etwas über die spannungsvollen Vergangenheit und Gegenwart in dieser Region lernen.
Und sowohl im Römermuseum "Principia" als auch im neuen Museum im Prinzenpalast wurde sich von unseren Museumsführerinnen viel Zeit für uns genommen und mit Passion die Geschichte dieser Orte erzählt, die von der Antike bis in die jüngere Vergangenheit reicht.
Am Nachmittag die Fahrt nach Sibiu/Herrmannstadt. Es ist wieder ein Ankommen und alles so vertraut. Lecker Pizza und Bierchen, ankommen einrichten und dann kein warmes Wasser.... Trotzdem schön wieder hier zu sein!
🚙 165,5 Km, 🚶🏻♂️🚶🏼♂️7 km, ⛪ 2, 🏰 2Meer informatie
Sibiu #1
21 april, Roemenië ⋅ ☁️ 7 °C
Tag 8 - weil in unserer ursprünglichen Unterkunft der Wasserbeuler nicht funktionierte, wir also kein warmes Wasser hatten, ist uns angeboten worden, für den gleichen Preis in eine andere Ferienwohnung umzubuchen. Das haben wir dankend angenommen. Heute beluden wir also zunächst unser Auto und fuhren in Richtung unseren neuen Domizils in der Unterstadt.
Bevor wir dort ankamen, nutzten wir den Weg allerdings für einen Zwischenhalt an der letzten verbliebenen Synagoge von Sibiu. Während Björn hier vor einigen Jahren noch vor verschlossenen Türen stand, hat das Gebäude inzwischen wieder regelmäßig für Besucher*innen geöffnet. Ein sehr engagierter Mann, der sich als der Gemeindevorsteher vorstellte, schloss uns auf und zeigte uns ein echtes Kleinod. Lebhaft erzählte er uns von der Gemeinde und dem wunderschönen Gebäude selbst, das als zweites der Stadt elektrifiziert wurde (noch vor dem Bahnhof!) und von dem selben Architekten geplant wurde, der auch für die prächtige orthodoxe Kathedrale der Stadt verantwortlich ist. Die jüd. Gemeinde hatte nach dem Zweiten Weltkrieg 2000 Mitglieder, die in der Zeit der SR Rumänien fast vollständig - vor allem nach Israel - ausgewandert sind. Heute hat die Gemeinde wieder 44 Mitglieder und es gibt regelmäßig Gottesdienste in einem Gebetsraum, sowie Kulturveranstaltungen in der Synagoge. Dieser Besuch hat uns beide sehr bewegt und wird uns auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.
Nachdem wir uns in unserer neuen Unterkunft eingerichtet und einige Pläne für unsere weitere Reise geschmiedet haben, besuchten wir das ASTRA-Freilichtmuseum. Zu sehen gibt es dort traditionelle rumänische Häuser aus den verschiedenen Regionen des Landes, sowie Kirchen, Werkstätten, viele Mühlen und auch einige Nutztiere. Gemütlich schlenderten wir durch die Anlage, betraten das ein oder andere Gebäude und gönnten uns ein Eis.
Den Tag ließen wir dann im (für werktags in einer maximal mittelgroßen Stadt überraschend lebhaften) Nachtleben Sibius ausklingen. Im Dunkeln sieht die Stadt noch märchenhafter aus als tagsüber 🌌
🚙 18 km, 🚶🏻🚶🏻 5 km, ⛪ 1, 🕍 1Meer informatie
Sibiu #2
22 april, Roemenië ⋅ ☁️ 5 °C
Tag 9 - ein entspannter Tag in Sibiu. Er beginnt mit einem orthodoxen Gottesdienst in der wunderschönen Kathedrale von Sibiu, einer Runde durch die Altstadt und einem sehr guten rumänischen Mittagessen in dem traditionellen Restaurant "Crama Sibiul Vechi" in einem alten Weinkeller. Dabei teilen wir uns auch als Dessert eine Portion von herrlich süßem Papanași - frittierte Topfenknödel mit Schlagsahne und Blaubeerkompott. Himmlisch!
Nach dem Essen trafen wir uns mit Alexandru in Gușterița (dt.: Hammersdorf). Björn kennt ihn noch aus Ökumenesemester-Zeiten. Er ist Wissenschaftler und Dozent an der Universität von Sibiu, Familienvater und orthodoxer Priester, dessen Kraft, Dinge zu organisieren und Ideen umzusetzen einfach nur unglaublich ist! 2022 waren wir schon einmal gemeinsam bei ihm zu Besuch. Es hat sich so viel positiv verändert und noch viel mehr ist in Planung. Alexandrus wertvolle Arbeit, die er leistet um den vielen Roma in seiner Gemeinde ein besseres Leben zu ermöglichen, sein ökumenisches Engagement, das allen Widerständen trotzt, und seine Fähigkeit, Vielfachbelastungen auszuhalten, sind nach wie vor zu tiefst inspirierend.
Am Nachmittag waren wir mit Anne im Café Wien - hier ist das österreichische Erbe der Stadt noch sehr lebendig! Björn und Anne kennen sich aus Deutschland, sie waren gemeinsam auf verschiedenen Studienreisen des Gustav-Adolf-Werkes, dem Diasporawerk der EKD. Anne studiert Theologie und durchläuft nun (auch auf Björns Anraten hin) das gleiche Studienprogramm, das ihn einst nach Sibiu geführt hat. Bei Wiener Melange und Apfelstrudel hatten sich beide viel zu erzählen.
Später gingen Vater und Sohn erneut zur orth. Kathedrale. Für unsere Fahrt wollten wir etwas geweihtest Wasser mitnehmen. In der orth. Tradition ist es tatsächlich zum Trinken gedacht - eine Art flüssiger Segen also! Und unabhängig davon, ob man daran glaubt - schaden kann es jedenfalls nicht. Zwar war das Wasser leider aus, statt dessen erwartete uns dort eine weitere liturgische Andacht - auch schön!
Unser letzter Tag in Sibiu endete, wie könnte es anders sein, bei der weltbesten Pizza (wirklich wahr!), einer Pizza Porcini der Pizzeria Napolitana. Das Leben ist gut ✨
🚙 9 km, 🚶🏻🚶🏻 10 km, ⛪ 4Meer informatie
Sibiu ➡️ Biertan ➡️ Sighișoara ➡️ Brașov
24 april, Roemenië ⋅ ⛅ 8 °C
Tag 10 - nach einem Cappuccino und Espresso Tonic im Café Lumos und einem letzten Selfie auf dem Piața Mare von Sibiu treten wir unsere Weiterreise nach Brașov an. Anstatt jedoch auf direktem Wege von Ort zu Ort zu fahren, machen wir einen nördlichen Bogen und nehmen uns Zeit für zwei Zwischenstationen.
An uns zieht die hügelige Landschaft vorbei, in der Ferne sehen wir bewaldete Erhebungen und später auch Eis bedeckte Gipfel der südlichen Karpaten. In den Ortschaften sieht die Verkabelung für uns schon sehr abenteuerlich aus. Auf nahezu jedem Mast ist ein Horst von Störchen, in wirklich jedem brütet ein Pärchen.
Unseren ersten Zwischenhalt machen wir bei der Kirchenburg Bierthälm (rum. Biertan), die vom 16. bis zum 19. Jh. die Bischofsburg der Evangelischen Kirche A.B. der deutschen Minderheit, der Siebenbürger Sächs*innen war. Entsprechend beeindruckend ist die Anlage. Neben einem Mausoleumsturm, in dem wir die Grabsteine der Bischöfe sehen, und dem katholischen Turm, den die katholische Bevölkerung des Dorfes nach der Reformation als Kapelle benutzte, gibt es hier ein Ehegefängnis zu sehen. Darin gibt es einen Stuhl, einen Tisch, Bett, Löffel, Schale, Becher... Alles nur ein einziges mal! Bei Streitigkeiten wurden Eheleuten hier eingesperrt, bis diese sich wieder vertragen. Kirchenburgen (oder auch Wehrkirchen genannt) sind sehr typisch für Siebenbürgen. Es gibt davon mehrere Dutzend in der Region. In Kriegszeiten konnten sich die Menschen aus den Dörfern hinter ihre Mauern zurückziehen um sich so vor plündernden Truppen zu schützen.
Als nächstes ging es für uns nach Sighișoara (dt. Schässburg), der Geburtstadt von dem Woiwoden Vlad III Drăculea, der angeblich das historische Vorbild für die Romanfigur Dracula sein soll (wobei das auch inzwischen umstritten ist). Daran erinnern vor allem die Souvenirstände, in denen sich zu allem Überfluss zu dem Tyrann aus dem 15. Jh. auch einer aus dem 20. Jh. gesellt. Viel mehr interessieren uns aber - na klar! - die Kirchen. Zum einen besichtigen wir die ehemalige Dominikanerkirche, der späteren evangelischen Stadtpfarrkirche, ganz in der Nähe des Stadtturmes. Wir bekommen dort eine sehr interessante Führung durch die Kirchenhüterin. Man hat gemerkt, wie viel Freude sie an dieser Aufgabe hat! Danach machten wir uns an den Aufstieg zur in 429 m Höhe gelegenen Bergkirche, die auch zur deutschsprachigen ev. Gemeinde gehört. Zurück gingen wir über den deutschen Friedhof. Nach einer Stärkung (typisch ungarisches Langos) setzen wir die Reise fort und erreichten abends unser Etappenziel: Brașov (dt. Kronstadt) 👑
🚙 271 km,🚶🏻🚶🏻 8 km, ⛪ 3Meer informatie
Brașov
24 april, Roemenië ⋅ ☁️ 11 °C
Tag 11 - Brașov (dt. Kronstadt) gehört zusammen mit Sibiu und Cluj zu den größten Städten Transsilvaniens. Und gleichzeitig ist sie eine der Schönsten.
Wahrzeichen der Stadt ist die mittelalterliche Schwarze Kirche, die ihren Namen erhielt, weil sie im 17. Jh. einmal ausbrannte und vom Ruß eingefärbt worden ist. Heute sieht man dies nur noch an steinernen Figuren in ihrem Inneren. Außerdem beherbergt sie eine große Anzahl osmanischer Teppiche, die siebenbürgische Kaufmannsleute dort ausgestellt haben. Historische Bedeutung hat die Kirche vor allem dadurch, dass im 16. Jh. ihr Pfarrer zum Reformator der deutschsprachigen Bevölkerung von Siebenbürgen wurde. Ganz nebenbei ist die Kirche aber auch sehr hübsch anzusehen. Sie blieb nicht die einzige, die wir heute hier erkundet haben. In Brașov haben wir sogar unseren bisherigen Kirchen-Rekord geknackt: Von insgesamt fünf besuchten Kirchen sind zwei evangelisch und drei orthodox.
Direkt neben unserer wirklich schönen Unterkunft liegt ein weiteres Gotteshaus, eine Synagoge. Obwohl diese einen guten Eindruck machte, reicht sie nicht an die zwar stark renovierungsbedürftige, aber nichtsdestotrotz beeindruckende Synagoge von Sibiu heran.
Unser erster Km Seilbahn führte uns zum Brașov Schriftzug auf der sog. Zinne, hoch über der Stadt. Wir haben beschlossen, Hollywood hat sich hier wohl inspirieren lassen.
Zufällig treffen wir hier auch im Vorbeigehen Daniel! Ihn hat Björn vor Jahren in Sibiu kennengelernt, beide wussten von einander nicht, dass sie in Brașov sein würden - ein schöner Zufall!
Der abendliche Abschluss im Restaurant Casa Hirscher. Ein muss für JEDE*N Brașov Besucher*in. Die warme Pasta wurde im Gastraum vor dem Servieren in einem großem Parmesanrad verrührt. Hier bekommen die Nudeln ihre Veredelung. Für uns bisher nur hier erlebt und für sehr lecker befunden. Es war wohl unser teuerstes Abendessen und es hat sich sehr gelohnt!
🚶🏻🚶🏻 10 km, 🚠 1 km, ⛪ 5, 🕍 1Meer informatie
Brașov ➡️ Peleș ➡️ Snagov ➡️ Bukarest
25 april, Roemenië ⋅ ☀️ 7 °C
Tag 12 - morgens stellen wir fest: Ende April und die Stechmücken sind schon sehr durstig! Jegliche Transsilvanien-Witze verkneifen wir uns an dieser Stelle.
Bei sonnigem Wetter ging es für uns heute von Brașov aus nach Süden. Unseren ersten Zwischenhalt haben wir dabei beim Schloss Peleș, der früheren Sommerresidenz der rumänischen Könige, mitten in den Bergen. Schulklassen begleiten uns auf unserem Weg vom Parkplatz zum Schlossgelände, das sich immer weiter mit Tourist*innen füllt. Peleș ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Rumäniens. Folgerichtig stellen wir am Ticketschalter fest, dass die Eintrittskarten für die Uhrzeit, zu der wir dort waren, bereits ausverkauft sind. Immerhin können wir das kleinere Schloss Pelișor (das bedeutet quasi "Klein-Peleș") besichtigen. Es wurde in direkter Nähe vom Hauptschloss und in einem äußerlich ähnlichem Stil für Ferdinand und Marie errichtet, als diese noch das Kronprinzenpaar waren. Marie von Edinburgh wirkte aktiv an der künstlerischen Ausgestaltung des Inneren mit und sorgte so dafür, das viel im Stile des Art Nouveau gehalten war, den sie als Waffe gegen den zu sterilen Historismus empfand. Das von ihr gestaltete Goldene Zimmer und die vielen schönen Jugendstilmöbel beeindrucken uns besonders. Nach einem Rundgang über das Schlossgelände, bei dem wir auch Peleș in Augenschein genommen haben (eine Mischung aus neorumänischem Stil und der Burg Hohenzollern, wo König Carol, der Erbauer des Schlosses, aufgewachsen ist) und zwei Kaffees im Schlosscafé, fuhren wir weiter.
Unser Weg führte uns die Autobahn entlang und langsam ließen wir die Karpaten hinter uns. Das konnte nur eins bedeuten: Wir sind nun irgendwo mitten in der Walachei - und zwar wortwörtlich! Kurz vor unserem Tagesziel Bukarest biegen wir ab und parken unser treues Gefährt an einem See. Über eine Brücke mit dem Festland verbunden befindet sich darin die Klosterinsel Snagov. Auf dem Weg über das Wasser fallen uns die Villen und im Bau befindlichen Hotels am Ufer auf. Wahrscheinlich ist dies ein beliebter Rückzugsort für betuchte Hauptstädter*innen. Spiegelglatt liegt der See vor uns, Vögel singen und die Sonne scheint, eine innere Ruhe kehrt ein! Auf der Insel sehen wir zu unserem Erstaunen zuerst einen Vogel Strauß in einem, sehr kleinen, Gehege - artgerecht sieht das nicht aus. Hinter einem Torbogen liegt die aus dem 15. Jh. stammende Klosterkirche. Innen verfügt sie über wunderschöne blaue Fresken und Ikonenmalereien, die uns gedanklich in die Moldauklöster versetzen. Wunderschön! Der Überlieferung nach soll in diesem Kloster auch Vlad, der Pfähler, bestattet sein. Unabsichtlich haben wir ihn also von seinem Geburtsort bis zum Grab begleitet. Dass sich sein Grab aber direkt vor der Ikonostase im Hauptraum der Kirche befindet, wie ein rechteckiges Loch im Teppich, das zusätzlich mit marmornen Steinen abgesteckt wurde, suggerieren soll, halten wir für sehr fraglich. Wahrscheinlich ist es einfach unbekannt, wo er tatsächlich liegt.
Später fahren wir dann in die Stadt Bukarest hinein. Zum Glück kreuzten unseren Weg weit weniger dieser furchtbaren mehrspurigen Kreisverkehre, die uns so oft das Leben schwer machen. An unserer Unterkunft angekommen kochen wir uns etwas und machen uns einen entspannten Abend.
🚙 194 km,🚶🏻🚶🏻 5 km, ⛪ 1, 🏰 2Meer informatie

ReizigerEs ist eine große Freude, Eure ausführlichen, informativen, persönlichen Reiseberichte zu lesen und die entsprechenden Fotos zu betrachten. DANKE fürs Teilen 🫶. Habt weiterhin eine gute Zeit und liebe Grüße nach Bukarest.😘.
Bukarest #1
26 april, Roemenië
Tag 13 - unser Sonntagsgottesdienst ist heute eine armenische Liturgie. Auf dem Weg zur Kirche schauen wir kurz in eine rum.-orth. Kirche in unserer direkten Nachbarschaft, in der auch ein Gottesdienst stattfindet. Auch schön! Aber für heute haben wir ein anderes Ziel.
Die armenisch-apostolische Kirche liegt in fußläufiger Entfernung zu uns in dem sog. armenischen Viertel. Dort zeigen viele Wohnhäuser und auch Kaffeeröstereien von der Präsenz einer (zumindest ehemals?) großen armenischen Community. Als Händler*innen, sehr oft aber auch als Vertriebene und Verfolgte, ließen sich Armenier*innen auf der ganzen Welt nieder. Und dabei brachten sie auch ihre Kirche mit. Sie ist ein wichtiger Faktor für Identität und Kultur der armenischen Diaspora. Die arm.-apost. Kirche ist zudem sehr alt: Armenien ist als erstes Land der Welt zum christlichen Glauben übergetreten. Seit dem ist sie einen sehr eigenen Weg gegangen, theologisch (sie ist eine miaphysitische Kirche, also steht nicht mit den byzantinischen orth. Kirchen in Gemeinschaft sondern mit der koptischen, äthiopisch-orth. u.a.), aber auch liturgisch: Die armenische Liturgie verbindet eine östliche Grundform mit westlichen Einflüssen, ganz offensichtlich ist dies z.B. daran, dass der liturgische Chorgesang mit einer Orgel unterlegt ist, und die liturgischen Gewänder sowohl Anleihen bei den byzantinischen, als auch den westlichen Kirchen haben.
Dem entsprechend erleben wir heute einen Gottesdienst, der sehr anders ist als die, die wir anderswo erlebt haben, aber mindestens so anrührend ist. Hinzu kommt, dass es sich um den ersten Gottesdienst nach dem arm. Völkermordgedenktag ist - am 24. April 1915, vor 111 Jahren, wurden Angehörige der arm. Eliten in Konstantinopel verhaftet, was als Beginn des Genozids an den Armenier*innen im osmanischen Reich gilt, der monatelang andauerte und in dem schätzungsweise bis zu 1,5 mio. Menschen ermordet worden sind. Auch Deutsche Offizielle waren Mittäter, die als militärische Verbündete Teil des osm. Militärstabes waren oder als Offiziere osm. Truppen befehligten. Der Aghet, so wird der Genozid von Armenier*innen genannt, hat ein tiefes transgenerationales Trauma hinterlassen, das weiterhin anhält. Nicht zuletzt weil die Opfer des Aghet durch die arm.-apost. Kirche heiliggesprochen wurden, handelt es sich beim Völkermordgedenktag auch um einen religiösen Gedenktag. Und so waren in diesem Gottesdienst nicht nur der arm. Bischof anwesend, der im Ornat eine Ansprache hielt, sondern auch Botschafter*innen aus Armenien, Frankreich, Griechenland und Zypern, sowie Vertreter der rum.-orth. und röm.-kath. Kirche. Sie legten nach dem Gottesdienst Nelken an dem Chatschkar, einem arm. Kreuzstein, ab, der vor der Kirche als Denkmal für die im Aghet Ermordeten dient. Es war sehr bewegend.
Nach einer mittaglichen Stärkung gehen wir zum Parlamentspalast, der hoch über Bukarest aufragt und als eines der größten Gebäude der Welt gilt. Hier reservieren wir uns für morgen zwei Plätze bei einer Führung. Mehr also morgen zu diesem Gebäude, das viel über die jüngere Geschichte des Landes zu sagen hat.
Danach gehen wir zur Nationalkathedrale des Patriachats von Bukarest, das der rum.-orth. Kirche vorsteht. Baubeginn für diese Kirche war 2010, letztes Jahr wurde sie eingeweiht. Das Bauwerk wird sehr kontrovers diskutiert. Einerseits, wegens ihres vorgesehenen Name (eigentlich sollte sie Kathedrale der Erlösung des Volkes heißen, was eine eindeutig völkische Schlagseite hat) und andererseits weil sie obszön groß (absichtlich höher als der Parlamentspalast) und obszön teuer war (270 Milliarden Euro) - und das in einem der ärmsten Länder des Kontinents und in einer Kirche, bei der Priester mehrere Berufe ausüben müssen, um sich über Wasser halten zu können und für wohltätige Projekte auf Spenden angewiesen sind. Man kann der Meinung sein, dass dieser Bau viel gemeinsam hat mit dem "Haus des Volkes" direkt nebenan, wenn die RumOK Geld für ein solch monströses Bauwerk hat, aber nicht für so etwas wie die Kulturscheune in Hammersdorf. Die Kirche selbst war nicht für Besichtigungen zugänglich, sondern lediglich eine Kirchenshop, der den Charme eines Tedis hatte.
Währenddessen stiegen die Temperaturen immer weiter. Die in der Spitze fast 27°C, die es heute hatte, waren uns sehr unangenehm. Während Jens zurück zur Wohnung ging, weil ihm das Klima zu schaffen machte, besuchte Björn noch das Königsschloss, in dem mehrere Museen untergebracht sind. Es liegt direkt gegenüber von dem heutigen Innenministerium, von dem Nicolae Ceaușescu am 21.12.1989 seine letzte öffentliche Rede hielt. Damals ist er zu seinem Erstaunen von der ausgewählten Menge, die ihm zujubeln sollte, ausgebuht worden. Wenige Tage später ist er gemeinsam mit seiner Frau Elena von Soldaten, die sich der Revolution angeschlossen haben, nach einem kurzen Schauprozess hingerichtet worden. Heute steht vor dem Gebäude ein großer Obelisk als Revolutionsdenkmal.
Björn besichtigt im Schloss zum einen die Nationalgalerie, in der rum. Kunst vom Mittelalter bis zu Gegenwart ausgestellt wird, und einige Prunksäle des Königsschlosses. Den Abend lassen wir wieder gemeinsam entspannt ausklingen.
🚶🏼♂️🚶🏻♂️14 km, ⛪ 3, 🏰1Meer informatie
Bukarest #2
27 april, Roemenië ⋅ 🌙 11 °C
Tag 14 - heute hatten wir viel auf dem Zettel und nur die Hälfte geschafft. Wir hätten wohl noch ein paar Tage länger planen sollen. Der letzte Abend in Rumänien und wir sind beide etwas traurig.
Der Parlamentspalast, noch von den Eheleuten Ceaușescu geplant, ist nur mit Gigantomanie und Geschmackbefreitheit zu beschreiben. Gute 40% des damaligen Bruttoinlandsprodukts wurden nur für dieses eine Haus verbraucht. Nach dem Pentagon das zweit größte Gebäude der Welt. Innerhalb einer Stunde wurde uns 6% des Gebäudes gezeigt. Für 16€ die Person auch keine günstiger Eintritt. Wie überall in Rumänien, kommt Jens mit seinem Schwerbehinderten Ausweis umsonst rein. Wir nennen den Ausweis daher "VIP Card". Da könnte sich Deutschland gerne etwas anschauen.
Die Stadt ist reich an Kirchen. Heute haben wir uns eine russische orthodoxe Kirche, eine rumänische orthodoxe Kirche, zwei rumänische orthodoxe Klöster und die alte rumänische orthodoxe Patriarchenkathedrale angeschaut. Darüber hinaus sind wir bestimmt an 10 wunderschönen Kirchen vorbei gelaufen. Man kann ja nicht alles anschauen. Die Gebete gehen ja auch immer an die gleiche Adresse.
Heute schwächelt Björn etwas und so lassen wie den Abend ruhig angehen.
🚶🏻🚶🏻 11 km, ⛪ 5Meer informatie
Richtung Balkan! Bukarest ➡️ Schipka
28 april, Roemenië ⋅ ☀️ 6 °C
Tag 15 - den Tag haben wir in der wunderschönen armenischen Kaffeerösterei "Delicatese Florescu" gestartet. Diese pflegt eine auf das Jahr 1530 zurück gehende Tradition. Inzwischen ist sie allerdings in rumänischer Hand.
Nach einer nervenaufzehrenden Fahrt durch Bukarest sind wir auf dem Weg zu unserem Zielort Schipka in Bulgarien - allerdings erwarten uns auch zwei interessante Zwischenstationen!
Als wir über die "Brücke der Freundschaft" die Donau Richtung Süden überquerten, haben wir nun endlich offiziell die Balkanhalbinsel erreicht! Direkt dahinter,
erwartete uns allerdings der Grenzschutz. Ausweise mussten wir nicht vorzeigen, dafür aber das Auto ausladen und das Verdeck einmal öffnen.
Auf dem weiteren Weg besuchten wir heute "nur" eine Kirche: das Felsenkloster Iwanowo. Es wurde im 12. Jahrhundert von Eremiten (Einsiedlern) gegründet. Diese haben Höhlen in den Berg gehauen und später wunderschön bemalt. Wir konnten die Hauptkirche des Klosters besichtigen. Die vielen anderen Höhlen und Kirchen sind allerdings momentan nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, weil nicht gesichert und daher zu gefährlich. Der Aufstieg durch einen Trampelpfad und Felsentreppen war wunderschön. Da hat sich der kleine Umweg wirklich gelohnt!
Weiter ging es für uns über das zentrale Balkangebirge. Unsere nächste Station: das "Chadschi Dimotar" Monument auf dem gleichnamigen Berg, das auch "Busludscha" genannt wird. 1868 kämpften am Gipfel des Berges bulgarische Aufständische unter der Führung von Chadschi Dimitar gegen die türkisch-osmanischen Besatzer. 33 Jahre später fand, anlässlich der jährlichen Gedenkfeier für die dort gefallenen Freiheitskämpfer, hier der Busludscha-Kongress, die konstituierende Sitzung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Bulgariens statt, die zu einem Vorläufer der Bulgarischen Kommunistischen Partei wurde, die in der Zeit des Kalten Krieges das Land beherrschte und sich mit diesem kolossalen Monument selbst ein Denkmal setzte, das 1981 eingeweiht wurde. Inzwischen ist es dem Verfall preisgegeben und ein beliebter "Lost Place". Wegen der Einsturzgefahr kann es nicht betreten werden. Das Denkmal liegt auf 1441 Meter Höhe, somit über der Baumgrenze. Mit dem Auto, auf dieser Reise, bisher der höchste Punkt. Gleich nach den rumänischen Kreisverkehren mag Jens endlose und steile Serpentinen mit sehr scharfen Kurven, heute hatten wir beides in ausreichender Zahl. Hier haben wir auch die ersten Hamburger auf unserer Reise getroffen.
Unsere Unterkunft ist in Schipka, einer kleinen Ortschaft. Die Häuser wurden aus verschiedensten Baustoffen erbaut und sind liebevoll gepflegt.
Heute sind wir 14 Tage unterwegs und beide schlapp und erschöpft.
🚙 278 Km, 🚶🏻♂️🚶🏼♂️ 3 Km, ⛪1Meer informatie
Schipka ➡️ Sofia
29 april, Bulgarije ⋅ ☁️ 10 °C
Tag 16 - in Schipka besuchten wir morgens vor unserer Abreise noch das am Berghang gelegene Kloster. Es wurde von Zar Alexander II. anlässlich einer Schlacht am nahegelegenen Schipkapass gestiftet und ist entsprechend im russischen Stil gehalten. Sehr prächtig und wunderschön!
Auf unserem Weg zu unserem Zwischenhalt in Plowdiw haben wir für 1,49€ Super 95, getankt, eine willkommene Entlastung unserer Reisekasse. Hier wird für dich getankt und professionell die Scheibe gereinigt.
Plowdiw ist die zweitgrößte Stadt Bulgariens und verfügt über eine wunderschöne Altstadt, in der auch viele Überbleibsel aus der römischen Antike erhalten geblieben sind, wie das Theater und Teile des Forums und Stadions. Außerdem haben wir hier die erste Moschee unserer Reise besucht: Die Dschumaja-Moschee. Sie stammt aus dem 15. Jh. und ist damit die älteste osmanische Freitagsmoschee auf dem Balkan. Generell werden die osmanischen Einflüsse immer deutlicher erkennbar. Hier sehen wir auch zum ersten Mal große Palmen. In der Stadt sehen wir auch eine Büste für einen ehemaligen orth. Metropoliten der Stadt, Kiril von Plowdiw. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges hat er eine bedeutende Rolle beim Schutz bulgarischer Jüd*innen vor Deportation und Vernichtung gespielt. Immer wieder äußerte er sich gegen die NS-Ideologie und bekundete Solidarität mit Jüd*innen. Als 600 von ihnen aus Plowdiw deportiert werden sollten, intervenierte er umgehend, indem er sich bei staatlichen Stellen für diese Menschen einsetzte und ankündigte, sich nötigenfalls auch auf die Gleise zu legen, um die Deportation zu verhindern. Er war damit erfolgreich. Später versteckte er auch Jüd*innen in seinem privaten Wohnsitz. Ein echtes Vorbild gelebter Nächstenliebe und kirchlichen antifaschistischen Widerstandes, der uns auch heute noch inspirieren kann. Später wurde Kiril übrigens, das sei am Rande noch erwähnt, zum Patriarchen der bulgarischen orthodoxen Kirche.
Auf unserer Weiterfahrt nach Sofia sehen wir eine Landschaft, die geprägt ist durch waldreiche Berge, riesige Solarfelder und durch schlechte Straßen.
Sofia selbst ist auf den ersten Blick vor allem eins: Wunderschön! Etwas weniger Chaotisch als Bukarest, aber ebenso vielfältig teilen beide Städte auch den Charme allgegenwärtiger Provisorien. Zwischen verfallenen Altbauten und blankpolierten modernen Glastürmen zeigt sich hier eine Stadt vieler Widersprüche, die wir gern morgen weiter erkunden möchten. Eine unliebsame Begegnung hatten wir allerdings auch: Aus Autos, die gemeinsam mit uns in die Stadt fuhren johlten aus den neben uns fahrenden Autos Fußballfans aus dem Fenster und machten dabei eindeutig faschistische Gesten. Nicht um konkret und zu bedrohen, sondern um der Umgebung ihre menschenfeindliche Grundhaltung offen zur Schau zu stellen. Wir erfuhren, dass heute ein Halbfinale im bulgarischen Fußballpokal stattfand und dabei der ZSKA Sofia (der etwa für seine rechtsextreme Hooliganszene bekannt ist, zu der z.B. eine Gruppe namens "ZSKA SS Front" gehört) gegen Ludogorez Rasgrad (ein Kleinstadtklub, der vor 15 Jahren von einem Oligarchen gekauft wurde und seit dem regelmäßig die Meisterschaft gewinnt) spielte. Auch das ist wohl Balkan...
Trotz unserer schönen Reiseziele heute war die Stimmung bei uns schlechter als üblich. Jens war sehr von dem Verkehr gestresst und hatte Kreislaufbeschwerden und Björn hatte in der Nacht nur wenige Stunden geschlafen und den ganzen Tag über Verdauungsbeschwerden. Hoffentlich legt sich das schnell wieder und wir können unseren Aufenthalt hier genießen.
🚙 254km, 🚶🏻🚶🏻 7 km, ⛪4, 🕌1Meer informatie
Sofia
30 april, Bulgarije ⋅ 🌧 9 °C
Tag 17 - Grüße aus Sofia! Heute haben wir zum ersten mal während unseres Trips richtig Pech mit dem Wetter: Es gießt in Strömen. Das bietet uns die willkommene Gelegenheit, es etwas ruhiger angehen zu lassen und den Vormittag in unserer Ferienwohnung zu bleiben. Wir organisieren uns also weitere Unterkünfte und eine eSim für die Balkanländer, die nicht EU-Mitgliedsstaaren sind. Nach einem Mittagessen in der Wohnung starten wir dann aber doch in die City.
Mit der Metro geht es zu unserer ersten Station, die sich mit der realsozialistischen Vergangenheit des Landes beschäftigt: Das nationale Museum für sozialistische Kunst. Es ist immer interessant zu sehen, wie ein Land des ehemaligen Ostblocks zu seiner jüngeren Vergangenheit verhält. In Rumänien etwa geschieht nur sehr wenig Aufarbeitung, in Bulgarien gibt es immerhin so etwas wie diese Ausstellung. Eine einzelne Texttafel ist dabei dafür zuständig, die Ausstellungsstücke allgemein einzuordnen, die einzelnen Bilder und Skulpturen stehen dann aber ohne Erklärung jeweils für sich selbst. Wir sehen hier neben Kunst auch sehr viel Kitsch, was an den strengen Vorgaben der autoritären Regierung lag. Im Skulpturenpark sehen wir ein paar prominente Ausstellungsstücke wie den roten Stern, der einst an der Spitze des Partei-Hauptquartiers, dem heutigen Parlamentsgebäude Bulgariens, geprangt hat und die Leninstatue, an dessen Stelle im City-Center heute eine Statue der Hl. Sofia, Namensgeberin der Stadt, zu sehen ist. An beiden diesen Orten werden wir später noch vorbeikommen.
Weiter geht es mit dem Bus zur Alexander-Newski-Kathedrale, wahrscheinlich DEM Wahrzeichen der Stadt. Sie ist die Patriarchenkathedrale der bulgarischen orthodoxen Kirche und gehört zu den größten orthodoxen Kirchen der Welt. Der Stil der originalen Ikonen und Malereien weicht ab von den strikten byzantinischen Vorgaben und interpretiert diese im Stil des Fin de Siècle der Jahrhundertwende neu, was ganz hübsch anzusehen ist. Wir finden aber hier eher einen touristischen als einen spirituellen Ort vor.
Angesichts des Regens entscheiden wir uns für ein nahegelegenes nächstes Ziel und besuchen die Sophienkirche, die zweitälteste Kirche der Stadt. Halb aus einem Zufall heraus sind wir hier auf einen echten Schatz gestoßen! Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche in Zeiten des römischen Kaisers Justinians I. (der etwa auch die Hagia Sophia und das Sinaikloster bauen ließ) im 6. Jh. Von den ursprünglichen Innenbemalungen jener Zeit ist aber leider nichts mehr übrig, da die Kirche in osmanischer Zeit als Moschee diente. Im Keller der Kirche kann man dafür aber Überreste der Vorgängerbauten besichtigen. Es gibt eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt und Kirche, bei der man zwischen Fundamenten, Gräbern und ehemaligen Außenmauern entlanggehen kann und alte Mosaiken und Malereien sehen kann. Nebenbei erfahren wir, dass die Kirche einer Legende nach von der Hl. Helena, der Mutter von Konstantin dem Großen gebaut worden sein soll und dass sie Austragungsort einer Reichsynode war, das sich im Nachgang des Konzils von Nizäa (wo die Urfassung des gleichnamige Glaubensbekenntnisses verfasst wurde) mit der Frage der Göttlichkeit Jesu und der Dreieinigkeit Gottes befasste. Man spricht auch von dem "arianischen" oder "trinitarischen" Streit. Es kam hier nicht zu einer Einigung, weswegen die Synode nicht zu einem ökumenischen Konzil wurde - trotzdem waren hier aber einmal berühmte Theologen wie der Kirchenvater Athanasius versammelt. Auf einer Texttafel lesen wir außerdem, dass auch das Toleranzedikt des Galerius von 311, das die Christ*innenverfolgungen im östlichen Teil des röm. Reiches auch hier in Sofia ausgestellt worden sein soll und dass auch Konstantin der Große häufig in dieser Stadt residierte und Dekrete ausstellte. Okay okay, um diesen Crashkurs in Kirchengeschichte nicht noch weiter ausufern zu lassen: Für Interessierte ist diese Ausstellung und die archäologischen Funde wirklich sehr spannend. Untermalt wurde es für uns durch den Gesang eines Hochzeitsgottesdienstes, der inzwischen über uns stattfand. Wirklich schön und ein echter Glücksgriff für uns!
Bei der weiteren Erkundung der Stadt sehen wir noch die sephardische Synagoge, die Markthalle und eine osmanische Moschee, bevor wir dann bei der Rotunde des Heiligen Georg, der ältesten Kirche der Stadt (4. Jh.) mit fantastischen Fresken, die in Mitten weiterer antiker Ruinen steht, unseren Rundgang beenden und mit der Straßenbahn in unsere Unterkunft zurückkehren. Trotz Regen also ein sehr gelungener Tag!
🚶🏻🚶🏻 8 km, 🚇, 🚌 , 🚋, ⛪ 3, 🕍 1, 🕌 1Meer informatie
Sofia ➡️ Skopje
1 mei, Noord-Macedonië ⋅ ☁️ 11 °C
Tag 18. - Das Tag beginnt mit schönen Wetter bei 7°C. Wir starten Richtung Nord Mazedonien.
Als erstes besuchen wir die die Kirche von Bojana, auch Bojana-Kirche (bulgarisch Боянска църква). Sie ist eine mittelalterliche bulgarisch - orthodoxe Kirche, in Sofia. Leider war das nächste freie Zeitfenster erst eine Stunde später. Das Warten hat sich dann aber SEHR gelohnt! Die Kirche ist den Heiligen Nikolaus und Pantaleimon (bulg. Никола и Пантелеймон) geweiht. Das Gebäude weist drei Bauphasen aus dem 10., dem 13. und dem 19. Jahrhundert auf. Ihre weltweite Bekanntheit verdankt die Kirche aber ihren Fresken von 1259. Sie stellen ein sehr gut erhaltenes Beispiel für mittelalterliche osteuropäische Kunst dar. Der Name des*der Maler*in(nen) ist nicht bekannt, sein Stil gehörte sehr wahrscheinlich zur Kunstschule von Tarnowo, die auch in dem Felsenkloster Iwanowo tätig war, das wir zwei Tage zuvor besucht hatten. Wie bei der "Mona Lisa" hat man bei zwei Heiligen das Gefühl, von deren Augen immer verfolgt zu werden. Egal wo man in der Kirche steht, man hat immer Blickkontakt. Das auf den Fresken des 12 Jahrhunderts! Auf einer Plakette am Eingang des Kirchengeländes lesen wir auf einer Plakette der UNESCO, die diese Fresken zum Weltkulturerbe erklärt hat, dass die Malereien des 13. Jh. sogar als Vorläufer der europäischen Renaissance-Kunst gelten können. Wow! Das Warten auf unseren 10 Minuten Slot hat sich also wirklich gelohnt (es wurde Björn auch durch die einheimische Kirchenkatze etwas versüßt!) weswegen wir ihn natürlich komplett ausgeschöpft haben.
Der Weg führt uns später durch herzliche Landschaften nach Nordmazedonien. Bei der Grenze warten wir dann eine Ewigkeit, ca. 1 Stunde, für 500 m. Alle Zöllner waren äußerst höflich.
Nord Mazedonien - ein sehr schönes Land und die guten Straßen überraschten schon sehr. Hier gibt es Mautstationen, eine Durchfahrt kostest 1€. Der € wird hier nahezu überall anerkannt, fast als wäre es die offizielle (Zweit-)Währung. Landschaftlich ist es hier bildschön - grüne Hügel, mediterrane Dörfer mit rot-orangenen Dachschindeln und im Hintergrund massive Berge. Auf den Hügeln um uns herum begrüßen uns immer wieder Kreuze, aus den Ortschaften ragen hier aber auch Dutzende schmale Minarette in den Himmel.
Nahe Skopje führte uns unser Weg zu einer Schlucht. Diese Schlucht war aber auch bei den Einheimischen SEHR beliebt. Als wir die lange Autoschlange sahen (nicht schon wieder 😭) haben wir die Anfahrt abgebrochen und uns auf den Weg zur Unterkunft gemacht. Da wir außerhalb der EU sind, beide Smartphones nutzen, haben wir uns für eine E-Sims mit Hotspot entschieden. Technische Probleme haben uns dann diese Anfahrt wirklich schwierig gemacht. Sehr spät am Abend hat Björn das Problem mit dem technischen Support dann lösen können, ab jetzt sollte es reibungslos funktionieren.
Angekommen in Skopje, der Hauptstadt der kleinen Republik, machten wir uns dann abends auf den Weg in das Stadtzentrum und suchten schließlich auf dem alten Basar nach etwas zu essen. Dieses Viertel scheint sehr albanisch geprägt zu sein - die Wandmalereien sprechen dafür. Dazu gesellen sich alte Moscheen aus osmanischer Zeit. Das Sitzen in einem Café muss hier sehr beliebt sein. Es war uns unverständlich, wie diese vielen Cafés es schaffen, zu überleben, wo viele Restaurants gar nicht geöffnet hatten. Das Essen ist hier ausschließlich fleischlastig mit Beilagen. Als Vegetarier war Björn hier schon sehr gebeutelt.
Die Ferienwohnung hier ist unter unseren Unterkünften unser bisheriges Highlight: sie liegt im 8 Stock mit einem herrlichen Blick auf die Stadt, Berge und hat eine Tiefgarage. Das Parken in den Hauptstädten ist ja immer eine Herausforderung!
🚙 285 Km, 🚶🏼♂️🚶🏻5 km, ⛪1, 🕓➡️🕒Meer informatie
Skopje ➡️ Ohridsee
2 mei, Noord-Macedonië ⋅ ☀️ 6 °C
Tag 19 - nach erholsamen Schlaf starten wir heute weiter Richtung Süden. Bestes Wetter begleitet uns dabei auf unserem Weg. Die Verkehrsbedingungen sind günstig, wir kommen gut voran.
Ungefähr auf der Hälfte der Strecke geht es eine Anhöhe hinauf zum Bergort Kruševo, wo wir das Ilinden-Denkmal, auch "Makedonium" genannt, besuchen möchten. Es wurde dort errichtet, um an den Ilinden-Aufstand 1903, eine Revolte der mazedonischen Bevölkerung der Stadt gegen die osmanische Fremdherrschaft, zu erinnern. Die Aufständischen riefen damals die Republik Kruševo aus (die erste freie Republik des Balkans!) und schafften es, ihren kleinen Staat 10 Tage lang gegen die Angriffe des osmanischen Imperiums zu verteidigen. Auch wenn sie damals keinen langfristigen Erfolg hatte, säte diese Revolte den Keim für die spätere erfolgreiche Befreiung (Nord) Mazedoniens und war auch in der Zeit der Besatzung durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg wichtiger Bezugspunkt und Inspiration für den antifaschistischen Widerstand. Neben der Geschichte hinter diesem Monument interessiert uns die Architektur des Komplexes, die ist nämlich ziemlich abgespaced! Das weiße kugelförmige Betongebäude mit seinen in alle Himmelsrichtungen ragenden Röhren mit Fenstern an ihren Enden erinnert uns zunächst an ein Virus oder ein Ufo (schon wieder!). Tatsächlich soll es wohl eher an eine Explosion oder (viel schöner!) an die Sonne erinnern, die ja schon seit der Antike ein wichtiges Symbol für die Mazedon*innen ist und heute auf Wappen und Flagge ihrer Republik prangt. Über eine Rampe ist das Gebäude sogar begehbar. Es handelt sich bei diesem Monument um ein Spomenik, eines von vielen abstrakten, futuristischen Monumenten, die in den 60ern bis Ende der 80er Jahre in Jugoslawien errichtet worden sind. Man hatte sich damals ganz Bewusst vom Sozialistischen Realismus abgewendet, den wir zum Beispiel im Museum in Sofia gesehen haben, und sich ganz bewusst für Denkmäler im Stil der Moderne entschieden. Damit wollte man sich auch ästhetisch von der UdSSR und dem Ostblock abgrenzen. Ein wirklich interessanter Ort, vielleicht werden wir ja noch mehr Spomeniki auf unserer Reise sehen!
Am späten Nachmittag erreichen wir dann schon unser Tagesziel, den Ohridsee - einer der größten Seen des Balkans und einer der ältesten Seen der Welt (er ist ca. 3 Mio. Jahre alt!). Gespeist wird er durch unterirdische Quellen und hat keinen Abfluss, ist also quasi ein abgeschlossenes System. Daher gibt es hier auch Tiere, die es nirgendwo sonst gibt, wie die Ohridforelle. Von der alten Küstenstadt, die den gleichen Namen wie der See trägt, blicken wir über die weite Fläche von durchdringendem, tiefen Blau und sehen auf der anderen Seite schon Albanien. Auf dem Wasser fahren Schiffe und Boote in allen Größen. Hinter der Küstenlinie erheben sich die grünen Hänge der Berge. Irgendwie kommt uns der Gardasee, nur in schön, in den Sinn. Wir spazieren durch Ohrid, durch das alte Stadttor und an den mittelalterlichen Mauern und dem antiken Theater vorbei. Immer wieder wandert unser Blick auf das Wasser, das auf uns zwei Nordlichter natürlich eine magnetische Wirkung hat - auch wenn uns Meer natürlich lieber ist. An einer Felsspitze erreichen wir die malerisch gelegene Kirche St. Johannes von Kaneo. Wir genießen auch von dort aus den Ausblick, besichtigen die orthodoxe Kirche und fahren danach weiter zu unserer Unterkunft.
Die letzte Station unserer Reise heute ist das ebenfalls am Ohridsee gelegene Kloster des Heiligen Naum. Naum war ein Schüler der Slawenapostel Kyrill und Method und war an der Entwicklung der kyrillischen Schrift beteiligt. Im 9. Jh. gründete er dieses Kloster, in dem er auch bestattet sein soll. Zwischenzeitlich hatte das Kloster leider keinen Konvent mehr, jetzt scheint jedoch wieder ein Mönch hier zu leben, der auch die Gottesdienste leitet. Im Hauptgebäude des Klosters ist heute ein Hotel, in dem wir für diese Nacht ein Zimmer gebucht haben. Wir übernachten heute also in einem Kloster, wie schön! Der Ort ist bei unserer Ankunft sehr überlaufen. Um ans Klostergebäude herabzukommen müssen wir im Schritttempo an den vielen Tourist*innen vorbeifahren, die uns nur widerwillig Platz machen. Das kulinarische Angebot im Hotelrestaurant ist wieder einmal für einen Vegetarier kein großes Vergnügen, aber mit Vorspeisen und Beilagen kommt man auch durch den Abend...
Halbzeit! Auf das wir auch auf der zweiten Hälfte unserer Reise wunderschöne Orte entdecken, unser treues Gefährt weiterhin so zuverlässig durchhält und wir gesund bleiben 🙏🏻
🚙 238 Km, 🚶🏻♂️🚶🏼♂️ 5 km, ⛪ 1Meer informatie
Ohridsee ➡️ Butrint
3 mei, Noord-Macedonië ⋅ ⛅ 6 °C
Tag 20 - der Tag begann mit einer orthodoxen Messe in der kleinen Klosterkirche von Sveti Naum. Trotz der Abgeschiedenheit war der Gottesdienst von einem tollen, kleinen Chor begleitet und brechend voll. Die Besucher, die nach uns gekommen sind, haben den Gottesdienst aus den Vorraum verfolgen müssen. Nach einer Stunde sind wir dann zum Frühstück gegangen und hatten einen wunderbaren Blick auf den See.
Nach dieser Stärkung starteten wir Richtung Albanien. Die Grenzkontrolle war erstaunlich kurz . Dann kamen wir in das Land der 1000 Tankstellen und der 100.000 Serpentinen. An 9 von 10 Tankstellen, aller Marken, hat der Liter Super 95, 184 Lek umgerechnet 1,92€ gekostet. Das fühlt sich doch etwas nach Kartel an. E5 Benzin habe ich das Letzte mal in Österreich gesehen.
Auf dem Weg zu unserem Hotel bei der Ruinenstadt Butrint haben wir uns noch Korca angeschaut. Korca gilt als kulturelles Zentrum mit starkem Fokus auf Musik, Literatur und Bildung. Hier steht die zweit älteste Mosche Albaniens und eine beeindruckende, orthodoxe Kathedrale. Unser erster albanischer Kaffee, er wird in etwas größeren Espresso Tassen serviert und schmeckt etwas milder als dieser, mit einer Mokka Note. Auf dem Rückweg zum Auto sehen wir noch das "Rumänische Haus", das einmal einer wohlhabenden rumänischen Familie gehört hat. Hübsch!
Der Weg nach Butrint war sehr beschwerlich aber entschädigt durch eine wunderschöne Natur! Grüne Hänge, schneebedeckte Gipfel, Flüsse mit türkisfarbenen Wasser. Der Weg war geprägt von wirklich endlosen Serpentinen, in den Höhen hatte unser Auto spürbaren Leistungsverlust. Hier sind die Straßen meist sehr eng aber mit wenig Verkehr.
Bei der späten Ankunft haben wir uns etwas gestärkt. Björn ist wieder glücklich, nach der fleischlastigen Küche in Mazedonien, italienische Küche gefunden zu haben. Die Nähe zu Italien ist hier deutlich zu spüren. Die Nähe ist aber nicht bei den Autofahrern zu spüren. Hier geht es rücksichtsvoller zu, trotz gelegentlichen Ausnahmen.
Wir befinden uns hier auf der Höhe der griechischen Insel Korfu und am südlichsten Punkt unserer Reise, 1700 km Luftline nach Hamburg. Ab jetzt beginnt die Heimreise.
🚙 285 Km, 🚶🏻♂️🚶🏼♂️3, ⛪3, 🕌1Meer informatie
Butrint ➡️ Berat ➡️ Tirana
4 mei, Albanië ⋅ ☀️ 13 °C
Tag 21 - nach einem wirklich guten Frühstück ging es, ohne Auto, mit der Fähre auf die andere Seite des Kanales i Vivarit. Auf der anderen Seite lag eine alte Venezianische Festung. Auf dem Fußweg zurück zur Fähre überholte uns ein Polizei Wagen. Wir haben uns schon gewundert, heißt die Polizei in Albanien auch "Polizei"? Es war dann wirklich ein Streifenwagen der deutschen Bundespolizei. Besetzt mit zwei bewaffneten Bundespolizisten und einem Albanischen Uniformierten. Wir haben gescherzt, dass sie auf den Weg zum Einsatz halt blind auf das Navi vertraut haben... Auf der Fähre standen schon drei deutsche Motorräder, die wurden erst einmal dienstlich angesprochen.
Als nächstes ging es in eine bedeutende archäologische Ausgrabungsstätte, gleich neben unseren Hotel. Die Ruinen liegen in einer Lagune und gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Geschichte von Butrint reicht über 2.500 Jahre zurück. Die Stadt wurde ursprünglich von den Griechen gegründet, später von den Römern ausgebaut und war danach Teil des Byzantinischen Reiches sowie der venezianischen und osmanischen Herrschaft. Besonders beeindruckt hat uns die spätantike Basilika und dee große. Tempelkomplex der Stadt, der einmal viele Pilger*innen angezogen hat. Uns haben hier mit ihrem Geschrei nur die Reiseleiter der deutschen Reisegruppen gestört.
Unser nächstes Ziel war Berat, eine noch bewohnte Burg. In dieser Burg gab es einmal 2 Moscheen und ursprünglich 20 Kirchen. Davon gibt es heute noch 8 Stück und in drei waren wir. Die beiden Moscheen sind leider nur noch Ruinen. Hier zeigt sich auf engsten Raum die Akzeptanz der Religionen.
Gestärkt von einem guten albanischen Kaffee, den ersten frischen Erdbeeren des Jahres und frohen Mutes ging es nach Tirana. Der Verkehr stell ALLES in Schatten was Jens bisher erlebt hat. Dem positiven Eindruck der albanischen Fahrweise muss jetzt aufs schärfste widersprochen werden! Ein Wort beschreibt es ganz gut - ENTSETZT!
Unsere schöne Ferienwohnung liegt in mitten der "Altstadt" und dennoch in einem Hinterhof voller basarähnlicher Geschäfte.
🚙 332 km, 🚶🏻🚶🏼 10 km, 🛳️, ⛪ 4, 🏰 1Meer informatie
Tirana
5 mei, Albanië ⋅ ⛅ 23 °C
Tag 22 - heute erkunden wir die albanische Hauptstadt! Äußerlich eine sehr moderne Metropole mit breiten Straßen, einigen sehr modernen Hochhäusern und viel Plattenbauarchitektur. Wegen der großen Erdbeben von 1967 und 1979 und der Baupolitik in Zeiten der realsozialistischen Diktatur, sind nur wenige alte Gebäude erhalten. Deswegen sind auch die meisten Gebäude, die wir heute sehen und besichtigen, wenige Jahre bis Jahrzehnte alt. Dazu gehören etwa die modernen Hauptkirchen der albanisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche und die Große Moschee von Tirana (die größte Moschee des Balkans und eine der größten der Welt!). Während die ersteren beiden Gotteshäuser eine sehr moderne Formsprache verwenden ist letztere ganz im Stil osmanischer Groß-Moscheen. Ästhetisch zwar gelungener, aber dafür sehr unauthentisch: es soll vortäuschen ein altes Gebäude zu sein, steht dort aber erst seit zwei Jahren - irgendwie hat das etwas von Disneyland. Viel besser gefällt uns da die Et’hem-Bey-Moschee aus dem 18. Jh., die wir später besichtigen. Sie steht direkt am Skanderbeg-Platz, der nach einem albanischen Volkshelden benannt ist, und verfügt über eine wunderschöne innere Ausmalung die Blumen, abstrakte Ornamente, Gebäude und Kalligraphie beinhaltet. Auch die Empore ist historisch und gut erhalten. Als eines von wenigen Gotteshäusern hat es die Hoxha-Diktatur mehr oder weniger überstanden. Hoxha hatte Albanien 1967 zum "ersten atheistischen Staat der Welt" erklärt - Religionsausübung wurde verboten, Kirchen und Moscheen wurden umgenutzt oder gar zerstört. Die Et’hem-Bey-Moschee hingegen blieb zum Glück als Kulturdenkmal erhalten und war dann nach dem Fall des Regimes eines der ersten Gotteshäuser, das seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt wurde.
Doch während wir auf unserer Reise schon viele Kirchen und Moscheen gesehen haben, hielt dieser Tag auch etwas gänzlich Neues für uns bereit: Das Bektaschi Welt Zentrum. Die Bektaschis sind eine Religionsgemeinschaft, die es hauptsächlich in Albanien und in der albanischen Diaspora gibt. Es handelt sich dabei um eine sehr eigenständige Spieltart des Islams: Die strengen Regeln der Sharia findet bei den Bektaschis keine Anwendung - Frauen tragen kein Kopftuch, Alkoholkonsum ist gestattet und statt der fünf täglichen Gebete findet Abends eine Art gemeinsame Meditation statt, in der auch Tanz eine Rolle spielen kann. Statt Moscheen haben die Bektaschis Tekken als Gotteshäuser, in denen ihre Rituale abgehalten werden. Meistens befindet sich darin das Grab einer besonderen Persönlichkeit, eines Derwischs oder Babas zum Beispiel. Leiter des Bektaschi-Ordens ist der sog. Baba Mondi, der im Weltzentrum lebt. Im letzten Jahr gab es viel Aufsehen um die Bektaschis, nachdem Edi Rama vor der Vollversammlung der UN angekündigt habe, den Bektaschis einen eigenen Staat zu gewähren - das Weltzentrum sollte zu einer Art Vatikanstaat der Bektaschis werden und wäre damit zum kleinsten Land der Welt geworden. Als Grund dafür gab er an, dies solle ein Zeichen für die neue religiöse Toleranz in Albanien sein nach der jahrzehntelangen antireligiösen Politik des Hoxha-Regimes. Böse Zungen vermuten eher, dass der Bektaschi-Staat für Geldwäsche genutzt werden soll. Jedenfalls scheinen die Pläne noch nicht umgesetzt worden zu sein: Als wir das Gelände betreten werden zwar unsere Reisepässe einkassiert, aber ein Visum ist noch nicht notwendig und wir bekommen auch keinen Stempel in unsere Pässe - schade eigentlich. Vor Ort ist viel los, Reisegruppen lassen sich mit dem Baba Mondi fotografieren, sein Personenschutz wacht aufmerksam darüber. Wir besichtigen die Tekken(n), schauen uns auf dem Gelände um und sprechen kurz mit einem Bektaschi, der sich über unser Interesse freut. Anders als bei anderen Religionsgemeinschaften sei bei den Bektaschis nicht so wichtig was man glaubt. So lange man an Gott glaubt, seien bei den Bektaschis alle willkommen. Sympathisch irgendwie.
Weiter geht es für uns durch eine Stadt, die sich sichtlich Mühe gibt, etwas aus sich zu machen. Man kann auch sehen, dass der ehemalige langjährige Bürgermeister der Stadt, Edi Rama (inzwischen seit vielen Jahren Ministerpräsident Albaniens) ein Künstler war: Immer wieder sehen wir große Wandgemälde an Plattenbauten, oder kleine Kunstinstallationen, die Brücken und öffentliche Plätze aufhübschen.
Natürlich beschäftigen wir uns auch mit der realsozialistischen Vergangenheit der Stadt. So besuchen wir etwa die berühmte Pyramide von Tirana, die als Museum für Enver Hoxha errichtet worden ist. Die Pläne dafür stammten von seiner Tochter. Nach der Wende gab es viel hin- und her darüber, ob man das Gebäude abreißen sollte. Inzwischen ist sie frisch renoviert und zu einem Kulturzentrum mit Aussichtsplattform, die über Treppen zu erreichen ist, umgebaut worden. Das Innere ist nun lichtdurchflutet und enthält bunte Boxen, in denen verschiedene Räume befinden. Schön! Vor der Pyramide hängt auch die sog. Friedensglocke, die aus Patronenhülsen gegossen worden ist und an den Lottoaufstand 1997 erinnern soll. Besonderen Eindruck hat bei uns aber unser von Bunk'Art 2 hinterlassen. Hoxha hatte in seiner Paranoia ein Bunkerbauprojekt in Auftrag gegeben, das zur Folge hatte, dass im ganzen Land Hunderttausende Betonpilze errichtet worden sind, von denen aus Soldaten und Milizen mögliche Invasoren beschießen sollten. Zu dem Bunkerbauprojekt gehörten aber auch große Bunkeranlagen, die die politische Elite vor chemischen oder atomaren Angriffen schützen sollte. Die zwei in Tirana erbauten Anlagen sind heute Museen, die über die realsozialistische Zeit aufklären und das mit Kunstinstallationen untermalen. Wir haben den Bunker des Innenministeriums besichtigt, der 2015 erst entdeckt worden ist! Dort befindet sich nun eine Ausstellung zur Sigurimi, der albanischen Stasi, und zu den politischen Verfolgungen. Wir gehen also durch enge Betonräume mit Texttafeln und historischen Ausstellungsstücken, lernen etwas über die Spionagemethoden der Sigurimi, die Arbeitslager und den Schießbefehl an der Grenze. Mehrere Tausend Menschen fielen diesem Regime zum Opfer. Ebenso beklemmend ist die Anlage selbst und die Vorstellung, wie es wäre, hier zu leben, während draußen der Weltuntergang herrscht. Auch wenn diese Anlage erst nach Hoxhas Tod fertiggestellt wurde und nie auch nur für eine Übung verwendet wurde, steht sie sinnbildlich für eine brutale Herrscherelite, die, in ihrer Paranoia nur an sich selbst denkt und gigantische Anlagen errichtet, in denen sie sich vor äußeren, aber auch inneren Feinden verstecken kann. Wir sind erleichtert, als wir durch die 240 cm dicke Betonschicht, die den Bunker bedeckte, wieder am Tageslicht ankommen.
Mit vielen Eindrücken bepackt lassen wir in einer sehr ikonischen Gaststätte unseren Abend ausklingen.
🚶🏻🚶🏼9 km, ⛪ 2, 🕌 2, 🏛️ 1, 🏰 1Meer informatie
Tirana ➡️ Kruja ➡️ Ostrog
6 mei, Albanië ⋅ ⛅ 16 °C
Tag 23 - wir starten heute erholt in den Tag und beginnen morgens unsere Weiterreise. Der vormittagliche Stadtverkehr der albanischen Hauptstadt ist erneut eine echte Zumutung - insbesondere für Jens. Als wir Tirana verlassen haben und sich auf der Autobahn der Verkehr sichtlich beruhigte war die Erleichterung entsprechend groß.
Unser Zwischenziel für heute war die Stadt Kruja und die dortige mittelalterliche Burganlage. Kruja war im 15. Jh. das Zentrum des albanischen Widerstandes gegen die osmanischen Besatzer und häufiger Aufenthaltsort des Nationalhelden Skanderbeg. Skanderbeg, dessen Name an Alexander dem Großen angelehnt ist, war Anführer der widerständigen Albaner*innen und verhinderte zwei Jahrzehnte lang die Annektion durch das Osmanische Reich. Deshalb gilt er heute vielen Albaner*innen als wichtige Identifikationsfigur. Das geht so weit, dass sein Familienwappen, der doppelköpfige Adler (von uns liebevoll "Doppeladler" genannt 🇦🇱), nun auf der Nationalflagge zu sehen ist und im Land praktisch allgegenwärtig ist. Auch sein Helm mit Ziegenkopf, dessen Original allerdings in Wien zu besichtigen ist, prangt auf dem Staatswappen. So überrascht es nicht, dass ihm auch ein ganzes Museum in Kurja gewidmet ist. Es handelt sich dabei um ein u.a. von Pranvera Hoxha, der Tochter des Diktators, entworfenes Gebäude, das optisch einer Teurzburg nachempfunden ist und mit allerlei künstlerischen Darstellungen, Texttafeln und wenigen authentischen Ausstellungsstücken gefüllt ist. Schon die Kommunist*innen wollten Skanderbeg als quasi-sakrale Figur und Religionsersatz aufbauen, die der Bevölkerung abverlangt, nötigenfalls das Land "mit ihrem Blut" zu verteidigen, wie es in einem Skanderbeg-Zitat heißt, das an der Wand geschrieben steht. Dieses Museum steht also im Einklang mit der Ideologie, die den Bau der tausenden Bunker im Land veranlaßt hatte. Angesichts der uns präsentierten Ausstellungsräume kommt uns erneut "Disneyland" in den Sinn. Wir lernen hier weniger über Skanderbeg als über den Kult, der um ihn herum gesponnen wurde und bruchlos bis heute gesponnen wird. Eine kritische Aufarbeitung der Instrumentalisierung seiner Person in Realsozialistischen Zeiten sehen wir jedenfalls nicht - ganz im Gegenteil!
Ebenfalls auf dem Burggelände befindet sich eine Ruine einer Moschee und eine wunderschöne alte Bektaschi-Tekke. Dort wächst auch ein ca. 500 Jahre alter Olivenbaum, den Skanderbeg anlässlich seiner Hochzeit gepflanzt haben soll. Heute ruhen unter seiner Krone die Derwische und Babas, die an dieser Tekke ihren Dienst versehen haben. Ein ruhiger, spiritueller Ort!
Später geht es für uns zur Grenze nach Montenegro, wo wir, nachdem wir ungefähr eine Stunde auf unsere Grenzkontrolle warten mussten, Albanien verließen. Hier erwartet uns wenig Verkehr. Aus der Ferne sehen wir den Skutarisee, den größten See des Balkans, und fahren auch durch Podgorica, die etwas verschlafen wirkende Hauptstadt Montenegros. Ohne weitere Vorkommnisse erreichen wir am frühen Abend unsere Unterkunft in direkter Nähe zum Ostrog Kloster, das wir morgen besuchen wollen. Das Abendessen war eher ein Reinfall, die Unterkunft dafür aber sehr solide - wir haben einen kleinen Bungalow ganz für uns allein!
🚙 210 km, 🚶🏻🚶🏼 3 km, 🏛️ 1Meer informatie
Ostrog ➡️ Kotor
7 mei, Montenegro ⋅ ☁️ 12 °C
Tag 24 - unser Tag startet mit einem Mokka-Kaffee im Wohnzimmer unserer Gastgeberin, eine fröhliche, ältere Montenegrinerin. Obwohl wir keine gemeinsame Sprache haben (die gute Frau spricht kein Englisch), können wir uns mit Händen und Füßen verständigen. Der Kaffee und die Laune sind gut!
Von dort aus geht es den Weg weiter zum nahegelegenen Kloster Ostrog - quasi das Nationalheiligtum Montenegros. Jährlich wird es von hunderttausenden Pilger*innen und Tourist*innen aus aller Welt besucht - wir sind ein bisschen beides. Es geht für uns einige Serpentinen hoch, wegen des wenigen Verkehrs aber heute kein großes Problem. Für die letzten Höhenmeter zum unteren Teil des Klosters nutzen wir die Treppen. Dort angekommen, sehen wir das Hauptgebäude des Klosters, in dem die Mönche wohnen und wo sich auch der üppige Souvenirladen befindet. Unser Blick fällt auch auf einige Decken und Kissen, die dort unter einem Unterstand liegen. Tatsächlich gibt es die Möglichkeit, hier auf dem Klostergelände zu übernachten. Oft heißt das aber, draußen unter freiem Himmel zu schlafen... Das Risiko wollten wir dann doch lieber nicht eingehen. Über eine weitere Treppe kommt man zu dem älteren Teil des Klosters, der in den Fels gehauenen Höhlenkirche (streng genommen sind es sogar zwei Kirchen). Es ist eine alte Tradition, die ca. 30 m vom unteren zum oberen Kloster barfuß zu gehen und bevor man die Kirche mit dem Grab des Klostergründers, St. Basilius von Ostrog, betritt, Decken oder Dinge des alltäglichen Bedarfs zu spenden. Beide Traditionen haben wir bei unserem Besuch befolgt. Die Wandmalereien und Mosaike an den Felswänden sind sehr kunstvoll und wirklich schön. Vom Dach des oberen Klosters hat man noch dazu einen guten Blick über die tolle Landschaft.
Unsere nächste Station ist danach die alte Küstenstadt Kotor. Über geschwungene Straßen geht es zu unserer Unterkunft, die direkt am Wasser der Adria gelegen ist. Zum zweiten Mal auf unserer Reise sehen wir also nun das Mittelmeer! Ein Besuch in der sagenhaft schönen Altstadt der venezianisch geprägten Handelsstadt Kotor ist erst für morgen geplant. Heute schlendern wir also vor allem an der Küste entlang, genehmigen uns einen Kaffee in einem Restaurant, schauen Kreuzfahrtschiffen beim Ein- und Auslaufen zu und setzen uns abends mit zwei Pizzakartons und einer Flasche lokalen Rotwein auf einen Pier und starren in das durchsichtige Wasser bis es dafür zu dunkel ist und die Fledermäuse über die Wellen schweben. Hier lässt es sich sehr gut aushalten!
🚙 162km,🚶🏼♂️🚶🏻♂️5 km, ⛪ 2Meer informatie
Kotor ➡️ Dubrovnik
8 mei, Kroatië ⋅ ☁️ 17 °C
Tag 25 - In unserer Unterkunft war die Gemeinschaftsküche wirklich nicht erwähnenswert, daher starteten wir das erste Mal ohne einen Kaffee in den Tag. Bei unserem ersten Tagesziel wird es wohl einen Kaffee geben...
Auf dem Weg lag aber noch die schlimmste Abbiegung unsere bisherigen Reie, 9% Steigung, an der Bergkuppe ein Stoppschild und dann rechts auf die Haupteinfahrtstraße abbiegen. Gleich hinter der Einfahrt ein gut benutzter Zebrastreifen. Da haben die Kupplung, Handbremse und unsere Nerven schon sehr gelitten.
Die Stadt Kotor hat uns aber für alles entschädigt. Eine von den Byzantiner*innen, Venezianer*innen und Osman*innen geprägt Hafenstadt, gelegen in einem wunderschönen Fjord. Damals war der einzige Zugang das Meer. Mit einer mittelalterlichen Festung, die stark an die Gassen von Venedig erinnert. Von der Festung dann der schöne Blick auf den Fjord, Hafen, die Marina und zwei Kreuzfahrtschiffe.
Der erste Schock kam aber schnell, hier wurden 5€ für einen Espresso aufgerufen, danke nein. Vor der ersten Kirche saßen, bei einem Kaffee, Einheimische und unterhielten sich lautstark. Das war ein Zeichen für uns. Einheimische wissen, wo es guten und günstigen Kaffee gibt. Ein Café Americano, ein sehr leckeres Quarkbällchen und ein Glas Wasser für 1,60€, unser Wohlfühlplatz mit einer Katze auf dem Schoß.
Nach dem wir in jeder Gasse zwei Mal waren ging es Richtung Dubrovnik, eine angenehme Fahrt, mit ca 45 Min Grenzkontrolle. Nach der Grenze unsere Mittagspause, das Verdeck wurde geöffnet und wir sind, bei angehen 20°C, offen über die Passstrasse nach Dubrovnik gestartet. Bei der Buchung der Unterkunft hatten wir bemerkt, die Stadt ist ein sehr teures Pflaster. Da wurde bei der Unterkunft geknausert. Wir haben zwar einen schönen Blick auf die Bucht aber eine Stunde und 1000 Treppenstufen in die Stadt. Einen öffentlichen Nahverkehr scheint es hier nicht wirklich zu geben.
Unserer erster Eindruck ist vernichtent, laut, teuer und nicht schön. Wären wir nur in Kotor geblieben. Dort war es doppelt so schön und die Übernachtung halb so teuer, auf den Cent genau. Wir ahnen, dass die Altstadt uns entschädigen wird, aber die besuchen wir erst morgen.
Abends haben wir uns schön bekocht, mit einheimischen Wein auf der Terrasse getrunken und doch noch einen sehr schönen Abend gehabt. Gespannt ob morgen die Stadt Ihren ersten Eindruck verbessern kann.
🚙 101 km, 🚶🏻🚶🏼 5 km, ⛪ 4Meer informatie

























































































































































































































































































































































































































































































ReizigerHoffentlich habt ihr genug Aufkleber mit 😂
ReizigerKeine Sorge, wir haben einen Vorrat 🏴☠️
ReizigerIch wünsche euch eine wunderschöne Reise mit vielen schönen Momenten 😄🙋🏻