• Rhythmik, Tanz und Improvisation

    16 novembre 2024, Malawi ⋅ ☁️ 26 °C

    Der Vollständigkeit halber sind hier noch zwei Workshops erwähnt, die uns viel Freude gemacht haben, weil hier der Schwerpunkt auf Bewegung/Tanz lag und wir in beiden Fällen sehr schöne Verläufe und Ergebnisse hatten.
    Der erste dieser Art fand schon an drei Tagen Anfang Oktober statt. Wir hatten gehofft, am Ende unserer Zeit noch eine Fortsetzung haben zu können, aber räumliche Probleme haben es nicht zugelassen. Mit einer bunt gemischten Gruppe von Profitänzern, Profi-traditionellen TänzerInnen und tanzbegeisterten jungen Erwachsenen haben wir uns an das Thema "musikalische Bewegung" gemacht. Die Energie und Tanzfreude war kaum zu bremsen, aber auch das Interesse an den musikalischen Aspekten war hoch.
    Der zweite Workshop war recht spontan geplant, hier reichte es, sich am Dienstag zu entscheiden, schnell einen Raum zu organisieren (diesmal ohne Probleme), online ein Plakat zu entwerfen und schon standen am Samstag 16 motivierte Mädchen zwischen 8 und 20 Jahren um 9 Uhr bereit, um den Vormittag mit unseren Boomwhackern, mit klassischen Musikstücken und kurzweiligen Gruppenaufgaben zu verbringen. Toll!
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  • Bye bye, Blantyre

    25 nov–2 dic 2024, Malawi ⋅ ☁️ 27 °C

    Ein allerletzter kleiner Fußabdruck, weil die letzte Blantyrewoche große Spuren in uns hinterlässt.
    Es war wunderbar ein wenig sesshaft zu werden und nun ist es Zeit, weiterzureisen. Du siehst also lauter Abschieds-Selfies, Erinnerungen die für uns hier mit hineingehören.

    Wenn du mehr zu den schon beschriebenen Projektdurchführungen sehen und hören möchtest, dann klick hier:
    https://c.1und1.de/@520252255622928071/o3EwwvxX…

    Die Tasche und Schürze im letzten Bild mit Menschen ist ein genähtes Abschiedsgeschenk des Hauses an uns und es kullern in Kabula Hill ein paar Tränen als wir nach fast 3 Monaten ins Flughafentaxi steigen. Schon heben wir ab nach Südafrika, der Blick zurück zeigt typisch Malawi, sobald Blantyre verlassen ist. In diesen Dörfern gibt es wirklich viele Menschen, die heute genau ein Ziel haben: morgen irgendwie über die Runden zu kommen. So arm und reich zugleich.
    Wir sind sehr dankbar für all die zurückliegenden Erfahrungen.

    Von oben winken wir dem "Mulanje Mountain" zu (siehe Footprint dazu) - krass zu sehen, dass ohne Naturparkgrenze mit schützenden Rangern kein Baum stehen bleibt.

    Alle hier gehen davon aus, dass wir wiederkommen nach "Malawi, the warm heart of Africa", wir auch.
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  • Joburg

    3–7 dic 2024, Sud Africa ⋅ ☀️ 31 °C

    Der Abschied von den lieben Menschen in Blantyre fällt uns doch recht schwer. Aber einmal in Johannesburg angekommen, genießen wir heile Straßen, Museen, Galerien, Shopping Malls, Theater und eine Vielfalt an leckeren Restaurants. 2 Tage lang kurven wir mit dem Touri- Doppeldeckerbus durch die große City und hoppen bei allen Sehenswürdigkeiten on und off. Die Historie der Apartheid und des Befreiungskampfes zieht uns in ihren Bann. Hat man ja alles schonmal gehört, aber wenn man dann direkt an den Schauplätzen steht, ist es viel intensiver.
    Die Rundfahrt durch Soweto endete mit einer traditionellen Darbietung der Zulu. In unserem Viertel Melville treffen wir gleich am ersten Tag auf einen sehr auskunftsfreudigen Künstler. Auf seinen Bildern gab es viel auch zum Thema Musik zu entdecken. Die bildende Kunst begleitete uns die ganzen Tage über und hatte ihr Finale kurz vor unserem Abflug im Wits Arts Museum in dem bunten BMW von 1991.
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  • Hà Nôi

    7–11 dic 2024, Vietnam ⋅ 🌙 19 °C

    Kontinentwechsel! Der Flug von Joburg über Doha (Qatar) zur Hauptstadt Viêt Nams dauert 2x 6 Stunden. Die nächsten Tage kämpfen wir morgens mit dem halben Tag Vorverlegung und wundern uns, dass der Tag so schnell vorbei ist.

    Hanoi ist quirlig-geschäftig, hupend, blinkend aus allen LED's und trotzdem voller anmutender Tempel und Pagoden, wo zwar auch viel los ist, aber immerhin kein Straßenverkehr. Rot symbolisiert Glück, entsprechend dominant ist die Deko. Zu Neujahr (29.1.) in 2025 wird das ganz andere Dimensionen haben.

    Es ist herrlich 3x täglich warm und günstig zu essen, alles so leckerschmecker und -neben Fleisch und Fisch, mit viel Gemüse. Das haben wir vermisst!
    Und noch was anderes: sich im Dunkeln frei und zu Fuß risikolos zu bewegen. Wir latschen uns in der Innenstadt die Füße platt, gewöhnen uns gern an den kräftigen Kaffee mit Kondensmilchsirup und haben schon am ersten Tag Nudelsuppe, Shopping, Tempel und trad. Ganzkörpermassage abgehakt.

    Neugierig folgen wir Bahngleisen und Glitzerlicht, doch plötzlich sind die Kellner ganz aufgeregt, weisen mit den hier üblichen, autoritär wirkenden Gesten die Passanten und Cafêgäste an, sich zu setzen und die Knie anzuziehen. Der Zug käme gleich. Ha, ha, denken wir, Touristenverarsche, damit wir was bestellen. Aber denkste, siehe Video.

    Es ist dunstig und grau, sobald man sich dem künstlichen Lichtermeer abwendet.
    In der Confuzius oder auch Literatur-Pagode hinter dem Tor zur Weisheit steht ein Altar: ein Kranich, der auf einer Schildkröte steht, symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde, dazwischen ist der Mensch mit seinen Taten, also Du. Im Buddhismus ist jede für das eigene und das Glück der Nächsten Verantwortlich, so ist für alle gesorgt, ohne Märtyrerverehrung. Schuld abladen verboten. Wir haben auch Glück, denn jährlich (und zwar heute) werden die Examinant*innen zeremoniell geehrt. Natürlich nur die der teuren Privatschulen.

    Gegen seinen letzten Wille gibt es aber doch Märtyrerverehrung: Ho, ho, Hó Chí Minh ihm sein Leichnam lockt täglich tausende Besucher an, im Dezember macht er immer Kur in Russland, damit er zu Neujahr hübsch aufbereitet ist. Das hatte er sich anders vorgestellt, aber wir schreiben hier ja keinen Reiseführer...

    Wir bleiben im Modus des Kulturnachholens und genießen abends spitzen Modernjazz, fast Hannover-Niveau oder das Wasserpuppentheater, was es sonst nirgends auf der Welt gibt, nicht einmal Hannover. Die Geschichten sind einfach, der Sinn dieser Technik tief, das Wasser flach und die neun Musiker*innen, insbesondere der Glissando-Monochord, fantastisch.

    Wir gönnen uns zwischendurch einen voll durchorganisierten Trip zur bedeutensten Pagode des Landes, das gibt 'n Extrafußabdruck...
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  • Hu'o'ng Tích "Parfüm" Pagode

    9 dicembre 2024, Vietnam ⋅ ⛅ 17 °C

    Unser Kulturschock zeigt sich in der Begeisterung der zahlreichen Anbetungsstätten. Das wird sich legen, doch heute wohnt der Zauber inne und wir lassen uns perfekt durchorganisiert 70 km südlich von Hanoi zu Vietnams bedeutenster Pagode bringen, per Taxi, Bus, Elektrowagen, Ruderboot, Seilbahn und Treppensteigen - der Weg ist Teil des Ziel, mindestens.

    Der Guide betont, dass wir zu den 1% touristischen Besuchern gehören, alle anderen pilgern dorthin, stehen tagelang Schlange, beten. Einmal im Jahr zwischen Januar und März versucht jeder gläubige Vietnamese hier zu sein, das Glück genügt dann bis zum nächsten Mal. Ein paar der Bilder zeugen von dem Happening. Am Wegrand, vor allem der 4km langen Treppen, kann überall geschlafen und gegessen werden. Das ist Spaß, Sport und Spiritualität für die Großfamilie - der saloppe Ton soll nicht über die Bewunderung hinwegtäuschen, dass seit Jahrhunderten dieses religiöses Ritual lebendig und absolut angesagt ist. Auch übrigens für Fotoshootings, es ist völlig normal sich dafür ständig umzuziehen. Dafür sind wir wirklich schlecht vorbereitet. 😉

    Die Geschichte um die sich nicht ins Patriarchat einfügende Kaisertochter lohnt sich nachzulesen. Vater fackelte die Tempel ab, Tochter kommt erst recht nicht zurück, verschwindet in der Grotte, wird dort vom Volk verehrt, bis heute.
    Die Gaben für Buddha sind nah am Menschen: neben den symbolischen Gaben (lebende Schildkröten, Fische, Eichörnchen) und Räucherstäben gibt es pragmatisch Kekse, Obst, Bierdosen, Wurst, Schokolade, Bargeld, Knoblauch oder sehr gern auch Secherträger mit Wasser - von Millionen Pilgernden!
    Vieles geht an arme Menschen aber es wird wohl auch eingesammelt und wiederverkauft. Pssst!

    Wir besuchen nur das Highlight, für alle Stationen, siehe Karte, würden 4-5 Tage benötigt. Der Zugang ist ausschließlich über Flüsse und anspruchsvolle Wanderwege möglich, entsprechend wunderschön ist der Weg und wesentlicher Teil der Erfahrung.
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  • Sa Pa/Fan Si Pan

    12–16 dic 2024, Vietnam ⋅ ☀️ 9 °C

    Wir fahren in die Berge! Mit den tollen Liegebussen, jede hat eine Kabine für sich (warum gibt es das nicht bei uns?), überstehen wir die 6 Stunden locker. Leider ist es die ganzen Tage über trüb und neblig, wir haben keine Ausblicke, nur drunter oder drüber wird es besser. Trotzdem machen wir unsere Ausflüge, nach Cat Cat zu einem Dorf im Flusstal, das aber sehr touristisch hergemacht wurde. He, den Bambusstocktanz haben wir doch schon vor ewigen Zeiten mal gelernt!
    Abends treffen wir in der Stadt die H'mong-Frauen, die uns nicht nur ihre Handarbeiten feilbieten (mit Erfolg bei Moritz, er hat seinen Schal im Bus liegen gelassen), sondern auch eine Tagestour zu ihrem Dorf im Tal anbieten. Der Ausflug wird die ganze Zeit von ihrem fröhlichen Gekicher begleitet, aber wir erfahren auch eine ganze Menge über ihr Leben hier.
    Am nächsten Tag wandern wir auf eigene Faust über den matschigen Hausberg ohne jegliche Ausblicke. Aber ein Ausblick ist, immer was Leckeres zu Essen zu finden und so verabreden wir uns mit einem Pärchen aus unserem Hotel zum Hot Pot Essen. Das ist ein bisschen wie Fleischfondue, aber mit mehr Zutaten. In den Restaurants wird leider nicht geheizt geschweige denn die Tür zugemacht, also bleiben die Jacken an!
    Am letzten Tag kommt dann unser Highlight: per österreichischer Gondel hoch auf den höchsten Berg Indochinas! Und oben: Sonne!
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  • Cát Bà & Hą Long

    17–21 dic 2024, Vietnam ⋅ ☁️ 19 °C

    Das nächste Highlight und Weltnaturerbe sind die 2000 Inseln und Kalksteintürme, die bizarr aus dem Ozean ragen. Dafür nehmen wir einen Übernachtbus aus Sa Pa, die Nacht endet ungeplant schon um 4. 😬
    Wir buchen 2 Nächte auf der größten dieser Inseln, Cat Ba, die mit Fähre und Seilbahn zugänglich ist und fürchterlich verbaut wird. Alle kleinen Inseln stehen unter Schutz, z.B. für die letzten Goldkopflanguren dieses Planeten, es schippern aber tausende Touristen täglich drum herum, wir dann auch.
    Die Verkarstung in Kombi mit der Überflutung zum Ende der letzten Eiszeit hat hier Wunderwerke vollbracht. Mehr dazu: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/w…

    Die Wanderung auf Cat Ba ist anspruchsvoll, wir endecken Höhlen, zig Schmetterlingsarten, nur keinen dieser Affen. Den Rückweg organisieren wir uns selbst mit Boot und Öffis, das ist eher ungewöhnlich und wir sind die einzigen im Bus - das glaubt uns in Malawi niemand!

    Wir sind Teil einer kleinen Reisegruppe, fahren in die Bucht hinaus an einem Hausbootdorf (600 Menschen) vorbei, inklusive Supermarkt und Bildungseinrichtung. Kaum mit Kaffee auf dem Sonnendeck gemütlich geworden, legen wir an, dürfen nach 5 monatiger Abstinenz endlich wieder fahrradfahren, ins Dorf Viet Hai, das nur über den Seeweg angeschlossen ist.
    Die sogenannte Fischmassage dort ist pure Selbstbeherrschung, es kitzelt irre und ist für Fisch und Fuß klassisch win-win.

    Zurück auf dem Boot werden wir nicht müde, die regenwaldbewachsenen Felsen zu bestaunen und falls doch, gibt es Schwimmen, Turmspringen und Kanufahren zwischendurch. Die Höhlen - teilweise mit Stalaktiten - per Kanu zu durchqueren ist aufregend; einmal sind wir abends im Dunkeln unterwegs, um fluoreszierendes Plankton zu finden.
    Durch die Übernachtung an Bord erleben wir schönstes Licht in den beiden Dämmerstunden, ein Genuss nach dem vielen Nebel in den Bergen.
    Die Anschlussorga klappt, wie wohl immer in Vietnam, reibungslos (auch das unvorstellbar in Malawi) und so geht es per Bus weiter in die "trockene Ha Long Bucht".
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  • Cuc Phuong Nationalpark

    23–26 dic 2024, Vietnam ⋅ ☀️ 22 °C

    "Was macht Ihr denn über Weihnachten?" Wir finden ein sehr ruhiges Plätzchen im ältesten staatlich geführten Nationalpark (seit 1962), in dem man sogar in gar nicht so schlechten Bungalows übernachten kann. Entgegen den Voraussagen aus den Reisebüros in Tam Coc, dort würde es kein Strom und Internet aber viele Mücken geben, sind wir positiv überrascht, da nichts davon zutrifft. Es ist sehr wenig los, die Restaurants gähnend leer, aber wir werden gut versorgt. Mit geliehenen Mountainbikes fahren wir früh die 20 km in den Park hinein, um dort mit dem Guide (ohne geht es nicht) eine Wanderung zur höchsten Erhebung zu machen, mit viel Klettern auf den letzten Metern.
    Ansonsten gucken wir uns noch die Auffang- und Zuchtstation für bedrohte Affenarten an, die auch vom Frankfurter und Leipziger Zoo unterstützt wird. Am letzten Tag erkunden wir noch kleinere Wege und entdecken einen Aussichtsturm. Und dann ist Weihnachten auch schon vorbei.
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  • Hôi An, Zentralvietnam

    27 dic 2024–1 gen 2025, Vietnam ⋅ 🌧 23 °C

    Wir sind nun schon länger im Norden Vietnams als die grobe Planung war und das schnarchig-schöne Cuc Phuong über Weihnachten haben wir aufgrund von Sturm und Starkregen an der Küste Zentralvietnams etwas ausgedehnt. Trotzdem- als wir mit dem Übernachtbus 700km südlich in Hoi An einfahren, regnet es noch immer in Strömen, immerhin bei 24°. Ungewöhnlich, denn Regenzeit hat noch Zeit, Klimawandel überall spürbar.

    Hotel Mavina klettet mit Angeboten, die wir unbedingt buchen sollen, es wird genug zu tun geben: Hoi An, einst Handelszentrum bis der Hafen versandete, ist weiterhin Zentrum für Kunsthandwerk, das man nicht nur kaufen, sondern auch selbst machen kann. Seidenlampions bauen, Holzschnitzereien, Kochkurs, Schmuckwerkstatt. Auf dem Bild siehst du den Arbeitsplatz von Annettes Ohrringen (s. Pfeil)
    Besonders hat uns die Ausstellung des franz. Fotografen Réhahn gefallen, der meist ältere Menschen zahlreicher ethnischer Minderheiten porträtiert und neben die Fotos die jeweils originale Tracht stellt.
    So mäandern wir in der Stadt zwischen Kunst und Kommerz bis wir die Tempelstadt Mŷ Soʻn besuchen: rund 1500 Jahren standen die Backsteintempel, gebaut mit einer Kompetenz, die bis heute unerreicht ist. Dann zerbomten 50 der 70 Tempel '69 die Amis. Die buddhistische Chamkultur fiel im Kampf gegen den Kommunismus - finde den Fehler.
    Auf dem Bild mit dem "Poller" kannst du die Herstellung von heiligem Wasser nachvollziehen: einfaches Wasser über den Pimmel (roter Pfeil) gießen und unter der Scheide (selbstklärend) wieder auffangen - zack heilig, wenn man, wie wir, die Spiritualität (noch) nicht versteht. Und das in völliger Dunkelheit, denn dieser eigentlich geschlossene Tempel (nur für Mönche) ist fensterlos. Die Anlage ist faszinierend, die Krater durch B52 Bomben bleiben mahnend erhalten und die Qualität der fugenlosen, also mörtelfreien Mauern gegenüber den vermosten Nachbauten verblüffend. Wir wissen nun die 3 Tricks aber bauen ja lieber mit Holz. In einer Liveperformance mit lebenden Chamtänzerinnen entdecken wir die Gottheiten wieder.
    Statt Regen nun Wind und wir
    radeln mit ollen Tretmühlen zum Strand, leider besonders vermüllt durch den Taifun vor ein paar Tagen, tolles Wellenbad trotzdem!

    Sylvester gönnen wir uns ein Spektakel mit 100 Darstellenden über die Geschichte Hoi An.

    Es ist schön, den Jahreswechsel als Anlass zu nehmen, über diese Reise (wir nennen sie seit der Planung "unserer Zeit") glücklich zu reflektieren, Stolz und Dankbarkeit zu empfinden und gespannt auf die 2. Hälfte in 2025 zu blicken.
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  • Phu Quoc

    1–7 gen 2025, Vietnam ⋅ ☀️ 30 °C

    Kaum ist der Rauch der Silvesterraketen verweht, startet unser Flugzeug in Richtung Süden. Auf der Insel Phu Quoc im Golf von Thailand sind 30 Grad und Sonne garantiert, allerdings schätzen das auch viele andere Touristen, z.B. aus China und Russland. Wir genießen mal wieder das Meer und die Wärme und versuchen, ein paar ruhigere Ausflugsziele zu finden, um nicht die geführten Touren mitmachen zu müssen. Das ist allerdings auch ein Mehraufwand, der sich aber lohnt.
    Ein kostenloser öffentlicher Busverkehr (!) bringt uns in den Norden der Insel, dort wollen wir auf einem Fluss paddeln. Da wir an der falschen Uferseite stehen und nicht wissen, wo Kajaks auszuleihen sind, winken wir kurzerhand ein vorbeifahrendes Boot heran und machen uns per google-Übersetzer verständlich, und werden prompt zur Ausleihstation gefahren. Abends landen wir noch in einem sehr schön restaurierten Homestay/Restaurant mit angeschlossener Galerie, wo wir auch noch eine private Führung eines Kunststudenten genießen dürfen. In privaten Kontakt zu den VietnamesInnen zu treten ist selten, aber immer lohnenswert. Das meiste spielt sich ja doch in nicht so persönlichen Dienstleistungen ab.
    Am Sonntagabend konnten wir allerdings beim Endspiel vom Asien-Cup mitfiebern und Vietnam hat 2:1 gegen Thailand gewonnen! Der anschließende Auto/Moped-Korso mit Hupkonzert ging noch bis spät!
    Ein weiterer Ausflug führte uns in einem "veganen Zoo", Hauptsache Beton, aber hübsch angelegt. Die Naturerfahrungen, die die asiatischen Touristen machen möchten, sollen immer künstlich arrangiert sein. Aber hinter dem Park kann man in 20 min zu einem Wasserfall gehen.
    Und endlich! (Moritz) leihen wir uns für einem Tag ein Moped und fahren zu abgelegenen Stränden (den angepriesenen Strand mit Seesternen lassen wir aus, Tierquälerei im Naturschutzpark ist nicht so unsers). Wo keine touristische Attraktion stattfindet, sind die Strandabschnitte vermüllt, viele Bereiche sind gesperrt und Baustelle. Oder sie werden zu Vergnügungsparks umgebaut wie am Südzipfel der Insel, wo man für viel Geld per Gondel zu den vorgelagerten Inseln fahren kann, auf denen sich dann ein Mega-Freizeit-Wasserpark befindet. Diese Attraktion haben wir ausgelassen. Fazit: Es gibt viele verschiedene Arten, Urlaub zu verbringen....
    Wir entscheiden uns, eine Woche Kambodscha einzuschieben, jetzt wo wir schon so nah dran sind und sind zwischendurch immer wieder gut mit Recherche und Planung beschäftigt.
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  • Reisen durch Kambodscha

    7–10 gen 2025, Cambogia ⋅ ☁️ 21 °C

    Eine leichte Entscheidung: nachdem wir bei der Bikertour im Norden Phú Quôc nach Kambodscha herüberwinken konnten, wollen wir Vietnam für eine Woche zur Abwechslung verlassen.
    40km per Boot unter strahlend blauem Himmel zum Festland Hà Thiên und per Bus an die Grenze Kambodschas, die dann zu Fuß überquert wird, Visa on arrival per Hand geschrieben in den Pass getackert (!), alles umständlich irgendwie aber es läuft (wörtlich bei 33°C).

    Leider klemmt das Leica-Objektiv unserer kompakten Kamera, mit der fast alle Bilder dieser Footprints entstanden sind. Ab nun also Telefonfotos 😐.

    In der Kolonialstadt Kampot finden wir ein paar km außerhalb ein schnuckeliges Hütten-Hostel mit Hippie-Atmo direkt am Flussufer des Tuek Chhu. Wir sind unschlüssig, ob sich ein Tagesausflug von hier in die Berge lohnt, die Stadt gibt wenig her, Moritz quetscht sich den Zeh, es ist heißer als wir es je hatten und sowieso staubig. Tapfer leihen wir uns Räder, finden mitten in der City Bauruinen, denn Abriss ist zu kostenaufwändig. Aufwändig wird das Stadtsymbol der Durianfrucht dargestellt und wir schauen fast ungläubig zu, wie hart die Leute in der Saline in praller Mittagshitze arbeiten.

    Hingegen keine leichte Entscheidung war es, Ankor Wat im Reiseplan zu streichen, für diese Tempelstadt kommen schließlich aus aller Welt Millionen jährlich nach Kambodscha! Es sind vor allem die schlechten Transport- und Straßenbedingungen, durch die ein paar hundert km per Bus zu einem holprigen Ganzreisetag werden. Wir wollen stattdessen ein ökotouristisches Dorf im Dschungel besuchen!
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  • Chi Phat/Kardamom-Gebirge

    10–13 gen 2025, Cambogia ⋅ ☀️ 32 °C

    Ein kleines Dorf, das sich kollektiv um Tourismus kümmert, das klingt doch toll. Allein dorthin zu kommen ist schon ein Abenteuer. Der Morgenbus aus Sihanoukville ist leider ausgebucht, aber die Damen im Busbüro versichern uns, dass man auch mit einem Schnellboot fahren kann, leider ist es etwas teurer. Morgens am Anleger angekommen stellt sich heraus, dass das Boot ganz woanders hinfährt. Ähhh? Wir bekommen unser Geld zurück, der nächste Bus fährt allerdings erst mittags. Gegen 15 Uhr werden wir an der Straße rausgelassen, wo wir uns selber Moped-Taxis organisieren, die uns über Staubpisten ins 20 km entfernte Chi Phat bringen. Dort können wir noch eine Tour in den Dschungel mit einer Übernachtung in der Hängematte buchen und bekommen ein Zimmerchen bei einer Familie zugewiesen. Die Frau kocht für uns Abendessen, der Sohn zeigt uns tolle Videos aus der Natur und später wird uns noch ein Bier angeboten, es ist schließlich Freitag!
    Am nächsten Morgen starten wir um kurz nach 5, um zuerst 2 Stunden mit dem Boot auf Vogelbeobachtung zu fahren. Es ist kühl und windig, es sind nur wenige Vögel zu sehen. Ein Affe tobt durch die Bäume, außer Spinnen, Ameisen und den Hinterlassenschaften von Elefanten sehen wir aber keine weiteren Tiere. Der Wanderweg schlängelt sich eben durch den dichten Dschungel. Immer wieder erklärt unser junger Guide etwas am Wegesrand. Mit Marie und Juliette aus Paris und Anna und Michelle aus Berlin (sie arbeitet bei der Heinz-Sielmann-Stiftung), alle Anfang 30, sind wir eine nette Gruppe. Nachmittags am Lager angekommen, werden wir gleich vom Chef (Koch) mit Dosenbier in Empfang genommen, später wird noch der Selbstgebrannte rausgeholt. Entsprechend ist es zum frühen Dinner sehr lustig, aber um 7 liegen alle in den Hängematten, lesen und schlafen alsbald, denn am nächsten Morgen soll es um 6 Uhr mit Nudeln zum Frühstück starten. Wir wandern bis 12 Uhr und lassen die Tour am Fluss in der Nähe des Dorfes wieder mit Bier ausklingen.
    Nachmittags machen wir noch einen Kochkurs, der aber keine neuen Erkenntnisse bringt. Am nächsten Morgen reisen wir mit einem entspannten Gefühl wieder ab, die etwas umständliche Anfahrt hat sich auf jeden Fall gelohnt. Schön zu sehen, dass Tourismus auch anders funktionieren kann!
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  • Phnom Penh

    14–16 gen 2025, Cambogia ⋅ ☁️ 30 °C

    Go Cambodia! Die Megahauptstadt Phnom Penh gefällt uns, alles entwickelt sich gerade rasant, auch der Tourismus. Wenn man der französischen Kolonialzeit irgendwas Positives abgewinnen möchte, dann städtplanerisch. Zwischen den mehrspurigen Straßen im Citybereich gibt es GRÜNSTREIFEN, mit Platz für FUSSGÄNGER*INNEN!

    Wir reisen per Bus aus dem Jungle an, verabschieden uns von den Französinnen und schlendern am Fluß in den Mondaufgang hinein. Ein paar Eindrücke siehst du auf den ersten 6 Fotos, der Verlust der Kamera schmerzt beim Handyzoomen!
    Wo die überladenen Fähren ablegen, vereinigt sich der Fluss "Tonle Sap" (jener vom Hippie-Hostel in Kampot) mit dem Mekong.
    Tonle Sap gehört zu weltweit wenigen Flüssen, die ihre Strömungsrichtung mehrmals jährlich umkehren. Am Ufer besuchen überwiegend Einheimische im Sekundentakt Buddha, jeden Abend ein Volksauflauf mit Opfergaben, entsprechend presto spielen die Musiker.
    Die traditionellen Gebäude und Anbetungsstätten werden von protzigen Hochhäusern überragt, häufig gebaut von chinesischen Investor*innen, wodurch die Marktpreise für Wohnen und Restaurants zu hoch getrieben werden.
    Es ist soooviel zerstört worden: Menschen, Kulturgüter, Vertrauen.

    Nach 90-jähriger französischer Kolonialherrschaft, 5 Jahre Indochinakrieg und 4 Jahren brutalstes kommunistischen Regime der "Roten Khmer" mit 2 Mio. Opfern, wurde erst 1989 mit Hilfe der UN eine staatliche Monarchie eingeführt.

    Unser Besuch des Foltergefängnisses S-21 und vielleicht auch der folgende Text darüber ist wichtig, um das Weltgedächtnis solcher Gräueltaten zu erhalten und vor Widerholung zu zu schützen. Wenn du unsere erdrückenden Eindrücke von der Gedenkstätte nicht lesen möchtest, endet dieser Footprint jetzt, betrifft auch die letzten 3 Bilder. Es sind persönliche Ausschnitte ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

    Wir haben in den Vietnamberichten wenig Faktenwissen über die Besetzungen und Gräueltaten beschrieben, niemand hat "Agent Orange" in der Schule verpasst. Dass die USA jedoch auch auf Kambodscha mehr Bomben abgeworfen hat als im gesamten 2. Weltkrieg, war uns zumindest nicht klar. Und welche kruden Bauernstaatfantasien das Regime der "Roten Khmer" 1974 bis 79 hatte und welche bestialischen Methoden zu dessen Durchsetzung angewendet wurden, ist erstaunlich unpräsent.

    Wir nehmen uns also einen halben Tag, um exemplarisch die Verbrechen im S-21 zu verstehen. Es ist mitten in Phnom Penh und war das größte von 167 sogenannten "Sicherheitszentren" im Land, errichtet in einem Schulgelände. Es wurde im direkten Auftrag des "Zentralkommittees der kommunistischen Partei Kamputscheas" geführt unter absoluter Geheimhaltung. Obwohl fast alle Einwohner bereits aus der Hauptstadt vertrieben waren, galt striktes Verbot für die Gefangenen, bei der Folter zu schreien, um nichts nach Außen dringen zu lassen. Wir haben unzählige Orte und Originalfotos von brutalsten Misshandlungen, sowie die Zellen (Schlafplätze mit Ketten auf nacktem Steinboden) und Folterwerkzeuge gesehen und schwer ertragen.
    Ankar (= 'die Organisation') selbst nannte S-21 "Der Ort, den Menschen betreten und ihn nicht mehr verlassen".

    Sie alle galten als Feinde der Revolution: Regierungsmitglieder, Diplomaten, Intellektuelle... sie wurden ermordet. Sogar Stadtmenschen allgemein und Mönche zählten zum "neuen Volk", das zugunsten des "alten Volkes", vernichtet werden sollte. Kein Terrorstaat hat prozentual mehr Menschen im eigenen Land auf dem Gewissen: ein unfassbares Viertel! Tatsächlich sehen wir heute, 45 Jahre später, in Kambodscha wenige Senioren: die Hälfte der Bevölkerung ist derzeit unter 25 Jahre - klingt nach einem Rententraum, aber leider bleibt nur Trauma. Die vertriebenen Stadtmenschen mussten Zwangsarbeit auf dem Feld bis zu 19 Std. pro Tag leisten, ca. 3 Mio. starben dabei.

    Die oben benannten "Feinde" bzw. das "neues Volk" wurden in "Sicherheitszentren" mit genau einem Ziel verschleppt: 3x täglich Folter, bis der Gefangene eine "Schuld", meist Landesverrat, gestanden und unterschrieben hatte, um die Verhafteten dann konsequent zu ermorden, indem "Rote Khmer" Soldaten sie außerhalb der Stadt niederschlugen und in den Gruben direkt ihre Kehlen durchtrennten. Erschießen wäre zu laut... In bisher entdeckten 343 Massengräbern werden Opfer noch bis heute gefunden.
    Allein in dem S-21 wurden über 20.000 Menschen verhört, gefoltert und getötet. Auch wurden Gefangenen das gesamte Blut als "Spende" für Kämpfer entnommen, es gab Extrafolter (Elektroschocks, Abkneifen von Fingern/Brustwarzen) wenn sich im Schlaf bewegt wurde und so die Kette hörbar war, und Fäkalien mussten als "Strafe" vom Boden geleckt werden, um einige Beispiele der Entmenschlichung zu benennen.
    Dieser Terror dauerte an, bis 1979 die vietnamesische Armee einrückte.
    Im Jahr 2012 wurde der S-21 Gefängnisdirektor Deuch nach 3-jährigem Prozess endlich zu lebenslänglich Haft verurteilt.

    "Danke, dass du dies gehört hast, du bist damit Teil des Weltgedächtnis" - so endete die Audio-Führung in der ehemaligen Schule und heutiger Gedenkstätte.
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  • My Tho Mekongdelta

    15–17 gen 2025, Vietnam ⋅ ☁️ 31 °C

    Unsere letzten 4 Tage in Vietnam wollen wir nicht komplett in Ho-Chi-Minh-Stadt verbringen, deshalb machen wir noch einen Abstecher ins Mekong-Delta und schauen uns die fruchtbare Gegend dort an. Auf den Inseln in diesem riesigen Fluss wachsen und gedeihen Obstbäume, Gemüse, Kokospalmen und Blumen. Auf unserer geführten Tour probieren wir frisches Obst, Schokolade aus hiesigen Kakaobohnen, Bonbons aus Kokosmilch, den üblichen Schlangenschnaps, Tee mit Pollen, Limette und Honig und Kokoswasser. Außerdem fahren wir mit den kleinen Bötchen und bekommen eine Vorführung von traditioneller Musik und Gesang. Das Monochord ist wirklich ein faszinierendes Instrument und auch die Gesangtechniken sind sehr speziell.
    Das Örtchen My Tho bietet sonst nicht so viel. Wir besichtigen noch eine Pagode. Hübsches Detail: an den Gebäuden aus dem 19. Jhd sind portugiesische Fliesen verbaut.
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  • Ho-Chi-Minh-Stadt/Saigon

    18–20 gen 2025, Vietnam ⋅ ☁️ 31 °C

    HCMStadt empfängt uns mit seinem Verkehrschaos. Nachdem wir fast 2 Stunden in My Tho auf den Bus gewartet haben (trotz netter Unterhaltung mit einer jungen polnischen Familie über diverse Reiseziele wurde die Wartezeit lang!) quält er sich nun im Schrittempo durch den Nachmittagsverkehr. Auch der Verkäufer im Reisebüro nervt, er versucht, unsere Unwissenheit zu Geld zu machen, indem er uns nicht gewollte Transfers andreht. Die knapp 2 Tage hier füllen wir mit Museumsbesuchen und einer Aufführung im Opernhaus. Danach schlendern wir noch ein letztes Mal durch dieses bunte Vietnam mit doch grauem Alltag für viele der hier lebenden Menschen. Vergessen wir nicht die hohe Staatskontrolle und die geringe Meinungsfreiheit (im unteren Sechstel weltweit!), es ist nur so ein Gefühl, dass die ver(b)rauchten Gesichter auch den Kampf um Kunden und das Kommen über die Runden widerspiegeln. Die Repressionen und strikten Regulationen gelten scheinbar nicht für Arbeitsschutz und dergleichen und wir sehen die Hässlichkeit eines unregulierten Marktes in einem doch eigentlich kommunistischen Land.

    Mit uns als Touristen meinen es natürlich alle gut, solange wir brav folgen. Es wird erwartet, dass der Weg genauso gegangen wird, wie mit klaren Gesten gezeigt, dass bestimmte Produkte konsumiert werden und der Kaffee in bestimmter Art getrunken. Klar- wir sind neugierig und entspannt und doch bringt der Umgang etwas distanzloses, unflexibles und teilweise übergriffiges mit sich.
    Die herzlichen Begegnungen hier flogen uns also nicht so zu wie in Malawi, aber es gab sie natürlich, wir mussten nur etwas aktiver sein.
    Schön, dass wir uns für Vietnam über 6 Wochen Zeit genommen haben!
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  • Taiwan per Fahrrad

    20–27 gen 2025, Taiwan ⋅ ☁️ 17 °C

    Radfahren an der Ostküste Taiwans - eines der wenigen Dinge, die wir schon vor Beginn unseres Auszeitjahres entschieden hatten, jetzt freuen wir uns darauf und haben einiges zu organisieren. Nach den Hauptstädten in Kambodscha und Vietnam, Phnom Penh und Saigon, nutzen wir die Megametropole Taipeh im Norden Taiwans nur zum Landen und Weiterreisen.

    Wir müssen uns an das hohe Niveau der Kommunikationstechnologie anpassen, ohne Web geht hier nix, in 2 Std. Taiwan nutzen wir so viele mobile Daten wie in den letzten 2 Wochen. Auch am Hoteltresen oder im Bus läuft alles digital, ein Papierticket oder ein physischer Schlüssel wären uns teilweise lieber, so alt sind wir schon. 🙃

    Nach einer kalten Nacht (Draußen und im Hotelzimmer 15°C) reisen wir per Bus im Tunnel nach Luodong, bestellen und zahlen - im Radladen sitzend! - online die Räder, um sie leider erst am nächsten Morgen abholen zu können. Die Weltmarke Giant ist taiwanesisch, es gibt Mietstationen auf der ganzen Insel und wir bekommen an die Gravelbikes sogar Gepäckträger und Satteltaschen, lassen gut die Hälfte unserer Klamotten im Laden, zu dem wir später per Zug zurückfahren werden. Auch die Camera geben wir, trotz Feiertage, zur Reparatur in Luodong.

    Jaaa und dann endlich mal wieder auf dem Sattel sein! Auch die Taiwaner*innen lieben Radeln, Volkssport ist einmal um die Insel in 2 Wochen. Wir fahren nur von Nord nach Süd in 8 Tagen, anfangs teilweise auf großen Straßen an der Steilküste, es geht nicht anders. Die berühmte Tarokoschlucht lassen wir links liegen, das Erdbeben (Richtskala 7,2!) vom letzten April hat viel zerstört und natürlich hat die Wiederherstellung der Infrastruktur Vorrang vor der Reparatur von Wanderwegen im Nationalpark.
    Also nehmen wir eine einsame Nebenstraße durch die Berge, doch- trotz anderslautender Textur der Karte - teilweise ohne Asphalt. Ja, lächel ruhig darüber Schwesterherz! 😉 Die schicken Räder und wir halten gerade so durch aber in Hualin holt sich Moritz eine neue Hinterachse. Ab hier fahren wir im Rift die ruhige 193er bis Ruisui mit Höhenketten beiderseits des Tals und heißen Quellen - Dank an eurasisch und philippinisches Plattendrücken dafür.

    Das morgendliche 42°C Eisenbad macht die Beine etwas müde und wir benötigen viel Wille wieder die Ostküste zu erreichen: die Berge sind so steil, dass die Hänge an der Straße absurd aufwändig zubetoniert werden und es regnet in Strömen, glücklicherweise nur diesen halben Tag in der Weise.

    Es bleibt muckelig bei 18° die nächsten Tage, wir nehmen diverse Tourispots mit, Höhlen mit aggressiven Affen (OK, wir hatten Bananenschalen), Wasser, das bergan fließt, Felseninsel und natürlich diverse Tempel.
    Ein Beben im Bett ist weniger romantisch als beunruhigend, das Warnsystem funktioniert tadellos und alle bleiben entspannt. Apropos Naturgewalt: Bürger sind aufgerufen, die Strände vom Treibholz des letzten Taifuns vor 6 Wochen zu befreien, eine Künstlergruppe nutzt das Material kreativ für Skulpturen, die meterhohe Eule gefällt uns am besten.

    Überall stehen die Zeichen auf TET, üblich ist für 3 Tage vorzukochen, damit wirklich alle in Neujahresfeierstimmung kommen. Wir denken statt ans große Fressen, wie gut uns die Leibesübungen tun, denn durch dauernde Hotels und Restaurants waren wir etwas träge geworden - um mal auf hohem Niveau zu klagen.

    Taiwan ist vorbildlich inklusiv aufgestellt: Stillräume, Rampen, Wickelplätze (auch in den Herren-WC!) der meisten öffentlichen Plätze, Notfallknöpfe und QR-Codes, über die Bürger Reparaturbedarf melden können, aufmerksames Personal, Blindenschrift etc. ist Standard und wir sehen häufig öffentliche Werbung für sexuelle Selbstbestimmung und Gewaltfreiheit gegen Frauen. Möge diese Demokratie halten, die Menschen sind, anders als es gerade in Deutschland scheint, stolz auf diese Werte.

    Es gibt nur selten nichtasiatische Touristen und manchmal wünschen wir uns englische Untertitel, denn Nachfragen ist schwierig. In den Dörfern sprechen die allerwenigsten Englisch und Googleübersetzungen aus dem Chinesischen sind echte Glückssache! Hier mal ein Bsp. vom Hotelbuchen:
    "Bevor Sie eine Reservierung vornehmen, bestätigen Sie bitte, dass Ihre Familie damit einverstanden ist. Bitte schämen Sie sich nicht, die Reisestimmung Ihrer mitreisenden Mitglieder zu beeinträchtigen." OK!

    Nur selten werden die chinesischen Schriftzeichen in Pidgin-Mandarin, also vereinfachtes Chinesisch mit lateinischen Buchstaben geschrieben, so dass wir zumindest die Ortsnamen im Kartenmaterial oder eine Haltestelle oder eine Speisekarte oder Bedienknöpfe der Klimaanlage erahnen könnten - englische Übersetzung schon gar nicht. Das ist meist lustig, manchmal nervig, führt zu Missverständnissen aber auch zu besonderen, z.B. kulinarischen Erfahrungen, und auch immer zu Kommunikation mit den echten Menschen statt mit virtueller Assistenz.
    Und anders als in Vietnam, ist die Hilfsbereitschaft selbstverständlich, wir sind überall sehr willkommen und für "we come from Germany" gibt's immer einen Daumen hoch oder wildes Händschütteln - nicht selbstverständlich, finden wir!

    Am Zielort Taitung radeln wir durch einen Park mit Eintritt und auf einer alten Gleisstrecke durch den Nieselregen zum Hotelzimmer, das quasi ein Snoozelraum ist 🤩.
    Mit etwas Wehmut geben wir Räder und leere Satteltaschen ab, natürlich per Scan. Schön war das und damit beginnt Taiwan Teil 2, per Bus und Bahn.
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  • Taiwan 2. Teil

    28 gen–6 feb 2025, Taiwan ⋅ ☁️ 16 °C

    Von Taitung aus geht es den Weg an der Ostküste mit neuen Stopps wieder zurück. Zugfahren funktioniert hervorragend, auch trotz der chin. Feiertage. In Yuli haben wir ein besonders schönes Zimmer mitten im Grünen bei einer sehr freundlichen buddhistischen Familie. Wir machen zwei schöne Wanderungen, trinken mit der Familie Tee und ruhen uns aus. Auch beim nächsten Stop Hualien bleiben wir im Schongang und vor allem die langfristige Reiseplanung ist angesagt.
    In Luodong bekommen wir die reparierte Kamera wieder und reisen gleich weiter nach Fulong an die Nordostküste. Der Strand ist schön, aber das Wetter wird wieder schlechter, eine weitere als Taiwanhighlight angekündigte Wanderung über einen treppenreichen Kammweg versinkt im Nebel und Nieselregen. Moritz kleine Extrarunde wird unfreiwillig zu über 1000 Höhenmetern im Laufschritt, um der Dunkelheit zu entkommen, denn der geplante Weg ist abgerutscht. Da halten sich Stolz und Schmerz am nächsten Tag die Waage.

    Jiufen, eine ehemalige Goldgräberstadt, damals unter japanischer Herrschaft, liegt malerisch am Hang. Durch die engen Gassen (verkehrsberuhigt!) schieben sich trotz des Regens erstaunlich viele Touristen und shoppen viel buntes Zeug. Überhaupt scheinen viele TaiwanerInnen einen recht infantilen Geschmack zu haben: alles ist plüschig, tierisch mit Öhrchen und Näschen und soooo niedlich! Wir kaufen nichts. Aber das Goldmuseum auf dem ehemaligen Minenareal ist interessant und informativ.

    Zurück in Taipei haben wir noch Zeit für das Contemporary Arts Museum, wo gerade eine Sonderausstellung eines deutschen Künstlers zu sehen ist, den wir noch gar nicht kennen. Thomas Demands Spezialität ist es, konkrete historisch wichtige Ereignisse in Foto oder Video abstrahiert nachzustellen und sie dadurch zu etwas Allgemeingültigem zu machen. In diesem Video ist es z.B. ein Schiffsunglück, wo ein Kreuzfahrtschiff auf einen Eisberg fährt. Es war aber auch die Barschelbadewanne und ein Gedenkort der Loveparadeopfer dabei...
    Und dann geht es mit dem Hochgeschwindigkeitszug zum Flughafen und ab in die Sonne!
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  • Panglao-Beach, Philippinen

    6–9 feb 2025, Filippine ⋅ 🌧 28 °C

    Wir freuen uns auf Neues und auf Wärme, 17° in Taiwan ist auf Dauer einfach zu kalt im Winter 😉.
    Transportorga, Bording, eSIM... einiges geht uns inzwischen leicht von der Hand. Das "do it yourself online-Visa on arrival" für die Philippinen jedoch nicht. Fragen sind unklar, Antworten münden im Error und alles nochmal von vorn. App zum Abgewöhnen. Außerdem ist es schwül (OK, haben wir so gebucht), Hunger, Pippi, Eile. Der Anschlussflug aus Manila nach Panglao wird nicht warten. Dann lieber das analoge doppelte Durchschlagsdrama mit Stempelschikanen in Kambodscha.

    Auf ein paar Tage in Manila mit 13 Mio. Menschen verzichten wir, die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts beziehen sich auf die hohe Kriminalität in eben diesem Großraum und im Süden auf den Mindanao-Konflikt, der trotz 10 jähriges Friedensabkommen weiter schwelt. Aus westlichen Medien haben wir nur "islamistische Terroranschläge und Geiselnahmen" im Hinterkopf, tatsächlich sind die brutalen Vertreibungen und Ressourcenausbeutungen durch internationale Großmächte und Manila seit den 70igern wesentliche Ursache.

    Wir also reisen zu Inseln, die nördlich von Mindanao liegen, auf Höhe Saigon oder auch Ghana/Venezuela.
    Das Klima ist jedoch ungewohnt für uns: draußen empfängt uns eine Wand aus wassergeschwängerter Heißluft, wir werden einige Tage brauchen, bis uns das nicht stets auf's Neue überrascht.

    Ab in den Ozean bei 28°C (also die Wassertemperatur!), der Strandabschnitt Dumaluan auf der Südseite der Insel Panglao ist ruhig, es gibt mehr Einheimische als Touris, denn die tummeln sich an der Alona-Beach. Weißer Korallensand und türkisfarbenes Wasser... warum triggert uns alle das so sehr?

    Das Riff zieht sich fast um die gesamte Insel, Schnorcheln und Tauchen ist hier angesagt. Moritz nutzt seine Lizenz zum Scubadiving und taucht, natürlich mit einem Profibuddy, an der senkrechten Wand ab. Diese fragile Welt in leuchtenden Farben ist atemberaubend (oder besser nicht), zahlreiche Fische sind neugierig und zum Greifen nah. Im Riff sind aber strenge Regeln (nur angucken, nicht anfassen), im Restaurant ist das anders, im Bild ein "sizzling fish", also Brutzelfisch - Röstaromen stehen hoch im Kurs.

    Sonnenaufgangsfotosession um 5:50 und Schwimmen, dann bringt uns der engagierte Vermieter zur übersichtlichen Hauptstadt Tagbilaran und schon sind wir auf der größeren Insel Bohol, wo es per Bus und Boot in den Urwald geht.

    Kleiner Exkurs:
    Musikalisch stehen wir ja eher auf Sound of Silence statt auf ungefragte Beschallung. Wir bekommen bisher nur 3 Richtungen mit: wie schon in Taiwan alle Popschnulzen der 80/90er und die Phillipinos/as lieben Reggea. Nur leider weder die alten Originale, noch hören wir lokale Eigenkompositionen, so wie in Malawi. Jeder Song geht leider auch als Reggae, sogar "Dancing Queen".
    3. Richtung ist Bossa/Tumbao, auch hier wird gecovert bis der Arzt kommen sollte, gerade hören wir beim Frühstück "Smells like teen spirit" als Softie-Rumba. Autsch.
    Das südamerikanische Feeling ist durchaus stimmig und, dank spanischer Kolonialgeschichte, klingt Philppinisch sehr spanisch. Mitunter ganz praktisch, so können wir Ortsnamen, Essen etc. verstehen oder benennen.
    Außerdem sprechen die meisten Englisch, sehr praktisch das.
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  • Bohol, Dschungelhütte

    9–13 feb 2025, Filippine ⋅ ☁️ 27 °C

    Was für eine Traumunterkunft auf Bohol! Natürlich hat sich wieder Annette durch die Reisebücher gelesen und das Nuts Huts entdeckt. Zu erreichen am besten per Boot auf dem grünen Lobocfluss, in dessen tief eingeschnittenes Tal uns die Hütten auf Stelzen entgegenblicken. Weit ab von Straßenlärm setzt sofort eine tiefe Entspannung ein. Wenn nachmittags das letzte Ausflugsboot verschwunden ist, gibt es nur noch den Sound des Dschungels.

    Wir gehen stromaufwärts und müssen die letzten 200m zu kleinen Wasserfällen schwimmen, ist ja kein Problem.
    Oh, doch ein Problem! Die Strömung ist so stark wie im Duderstädter Pool und völlig erschöpft kommen wir an. Zurück easy floating. Per Kajak kommt man noch etwas weiter gegen die Strömung und vorher an einer schwimmenden Bühne vorbei, wo mindestens das ganze Dorf mit Gesang und Ukulelen von den Touribooten profitieren möchte.
    Wir lassen uns von der guten Küche des Nuts Huts verwöhnen und starten verschiedene Tagetouren von hier.

    Eine Berühmtheit auf Bohol sind die "Chocolate-Hills", genau 1773 Minivulkane, die mit Cogongras bewachsen sind, das sich zum Ende der Trockenzeit braun färbt, jetzt also grün ist.
    Hier war mal Ozean und wahrscheinlich rührt ihre geschmeidige Form vom Ausbruch unter Wasser her, ist unklar. Oder es stimmt die Sage dazu, dass ein Riese weinen musste aus Liebeskummer... Alte Geschichte das... aber noch heute jammern in jedem zweiten Popsong Männer wegen unerwiderter Gefühle. (Immerhin ist es besser einfältige Lieder zu schreiben, als die unwilligen Frauen zu ermorden, was bekanntlich jeden 3. Tag in Deutschland passiert)
    Die Touribusse entladen sich alle auf einem Schokohügel, doch wir finden einen alternativen Pfad und haben 3km weiter einen Hügel für uns.

    Per Scooter besuchen wir 3 Wasserfälle, auch kleine Straßen sind überwiegend mit Asphalt, so dass wir sicher unterwegs sind; Moritz (das ist der von uns ohne Motorradführerschein) darf hier aber auch die 125er fahren. Viele Treppenstufen, natürliche Schwallduschen und Pools!

    Das Nuts Huts verlassen wir wieder auf dem Loboc-River und bevor aus der übersichtlichen Hauptstadt Tagbilaran das Boot von Bohol nach Siquijor ablegt, besuchen wir Koboldmakis, (Familie der Primaten) eine endemische Art, kurz vorm Aussterben. Der Guide entdeckt 3 von ca. 200 Exemplaren, die hier in einem 1996 eröffneten Schutzgebiet offen leben und unglaubliche Dinge können, z.B. 5 Meter springen mit 100g Körpergewicht. Das liegt u.a. am Tarsus (=Fußwurzel), siehe Sklettfoto. Daher heißen die Tiere offiziell Tarsier.

    Unser Verkehrsmittelmix zur nächsten Insel gefällt uns:
    Boot, Tuktuk, Fähre, Pedicab (auch Tricycal), Jeepneys (Danke Amerika).

    Exkurs "Essen":
    Es war Philipp, der so etwas sagte wie: "kennt ihr ein philippinisches Restaurant in Hannover? Nein? Das hat seinen Grund."
    In den Garküchen gibt es tatsächlich viel grobes Fleisch, gern etwas zu schwarz vom Grill, Soßen haben etwas Säuerliches und Nudeln wären schöner aldente, so wie das Gemüse ist.
    Zum Frühstück Fisch und Reis ist OK, es gibt aber immer Alternativen. Insgesamt sind wir jedoch angenehm überrascht, was nach Taiwan leicht fällt.
    Nur die Stäbchen vermissen wir - wie soll man denn Nudelsuppe ohne essen? Das hatten wir gerade so gut drauf.
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  • Siquijor

    17–24 feb 2025, Filippine ⋅ ⛅ 28 °C

    Eine ruhige Insel, nicht zu touristisch, so war sie im Reiseführer angekündigt. Die portugiesischen "Entdecker" haben sie "Feuerinsel" genannt. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass das nur Sonnenuntergänge sein könnten...
    Beim Suchen einer Unterkunft wirkt es so, als ob schon fast alles ausgebucht sei, aber als wir im Norden der Insel ankommen, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Viele Strandresorts sind baufällig, nicht mehr bewohnt oder gar nicht erst zu Ende gebaut. Auch in unserer Unterkunft sind nur noch ein paar Hütten vermietet, alles ist renovierungsbedürftig, und die deutsche Besitzerin, die vor 30 Jahren hier angefangen hat, will alles verkaufen.
    Wir genießen jedenfalls die Ruhe, sind mit Strandspaziergängen, Schwimmen und Schnorcheln, Restaurants und Sonnenuntergänge gucken vollauf ausgefüllt.
    Zumindest für 3 Tage, dann zieht es uns in den Süden der Insel. Dort leihen wir uns einen Scooter und fahren alle Wasserfälle, Höhlen, Aussichtstürme, heilige Bäume und Korallenriffs ab! Bei dem Klima schon wieder fast zu anstrengend.
    Um zum nächsten Flughafen in Dumaguete zu kommen, reisen wir nochmal mit Jeepney und Fähre zur Nachbarinsel Negros und haben dort den letzten Tag auf den Philippinen.
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  • Singapore

    20–24 feb 2025, Singapore ⋅ ☁️ 31 °C

    Eine Landung zwischen den Phillipinen und Indonesien muss sein? OK, dann machen wir daraus 4 Übernachtungen Singapur.
    Uupsi, für normale Hotelpreise gibt es nur Container im gemischten 12er Zimmer, aber wir finden eine Absteige im Stadtteil "Little India".
    Singapur zählt nicht nur zu den reichsten Städten weltweit, sondern hat auch höchste Lebenskosten (sowie Lebenserwartung!) vorzuweisen.

    Experte Holger (7 Jahre Singapur) versorgt uns mit Insidertipps, die wir, neben den üblichen Highlights, selbstredend abarbeiten, Danke!
    Wir staunen über die Kulisse gewagter Architektur, genießen das Kulturangebot und nutzen die zahlreichen öffentlichen Angebote durchgestylter Naturanlagen, insbesondere den Botanischen Garten, der Seinesgleichen sucht. Der darin integrierte Orchideenpark übertrifft alles, was botanisch vorstellbar ist - wer Blütenbilder liebt, schaut in den folgenden Footprint. Die nicht unumstrittene Politik Singapurs führt zumindest einen erheblichen Teil des Wohlstandes in Form von Sauberkeit, Sicherheit, Pflege öffentlicher Plätze und Parks an die Bürger- und Tourist*innen zurück. Die unzähligen Garküchen, geballt als Hawker zu finden, werden beispielsweise hygienisch kontrolliert und gut sichtbar bewertet. Unvorstellbar in den 7 von uns zuletzt bereisten Ländern - leckerer wird das Essen dadurch aber nicht!
    Trotz unseres Öffi-Dauertickets latschen wir uns die Füße platt und sind von Wärme, Eindrücken und Treppenstufen begeistert wie erschöpft.

    Little India haben wir mit den bunten Häuserfassaden, dem leckeren Essen und dem quirligen Gewühl liebgewonnen. Es wohnen zwar nur 8% indischstämmige gegenüber 77% chinesischstämmigen Bürger*innen in Singapur (und 14% Malaien) - aber es fühlt sich trotzdem an, als hätten wir nun auch Indien besucht.

    Das tolle Öffisystem bringt uns am 5. Tag zurück zum Flughafen der Superlative inklusive indoor-waterfall. Trend ist, alles an Terminals selbst zu erledigen (Bordkarte, Gepäckaufgabe...), angepriesen als "fast Check-In", fragt sich nur wessen Zeitressource da gespart wird.
    Im Rückblick haben wir die Hälfte der Singapurzeit unterirdisch, in Hallen, Museen und Metro etc. verbracht - alles vollklimatisiert. Es gilt als schick, die Außentemperatur von 32° zu halbieren - so ein Irrsinn, gesundheitlich wie ökologisch.
    Nachdem der Hinflug wirklich tiefgekühlt war, ist die kleine Machine nach West-Sumatra jedoch angenehm. Nach 2 min. Flug haben wir den Stadtstaat schon verlassen und befinden uns im Luftraum Indonesiens.
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  • Orchideengarten in Singapur

    23 febbraio 2025, Singapore ⋅ 🌧 29 °C

    Am letzten Tag machen wir uns auf zum Botanischen Garten und zu der hochgelobten Orchideensammlung dort. Trotz Tropenhitze und Regen nehmen wir uns Zeit, die ganze Pracht und Vielfalt der Orchideen ausgiebig zu bestaunen und zu fotografieren. Ein Garten der Superlativen! 1000 Arten sind hier aus den unterschiedlichsten Regionen zusammengetragen worden und sehr ästhetisch arrangiert.Leggi altro

  • Indonesien-Bukittinggi&Maninjau

    24 feb–4 mar 2025, Indonesia ⋅ ☁️ 26 °C

    Von dem riesigen Gebiet, das Indonesien mit 280 Mio. Einwohnenden umfasst, haben wir uns West-Sumatra ausgesucht und kommen aus Singapur direkt nach Padang. Das Unken des Taxifahrers, es gäbe hier keine Busse, ignorieren wir geübt und lassen uns an einer Hauptstraße absetzen, essen dort für unfassbare 65.000 indonesische Rupien (keine 4€) und stehen mal wieder ungewollt im Mittelpunkt - weiße Touris zu Besuch, alle sehr interessiert und supernett, (auch ohne Verkaufsinteressen!) und - anders als in Philippinen sichtbar - alle rauchen.
    OK, es heißt nicht Bus sondern Travex, ausgediente und mit längs-Sitzbänken ausgebaute Transporter, nix Neues für uns, Hauptsache fährt und so kommen wir 80km nördlich nach Bukittinggi, eine mittelgroße Stadt umgeben von Vulkanen, tiefen Tälern und Urwald.

    Wir befinden uns quasi auf dem Äquator, doch hier, auf knapp 1000m Höhe, ist es angenehme 25°C, es regnet zwar fast jeden Tag, aber gemäßigt zum Beginn der Trockenzeit. (Dieser Begriff hat hier eine völlig andere Bedeutung als in Malawi!)
    Wir haben eine nette Terrasse mit Blick und Hörweite auf mind. 15 Moscheen. Die sich daraus ergebene Kakophonie ist spannend, denn die einzelnen Muezzini (?) hören nicht - wie wir - den Kontext, daher entstehen die Intervalle und Cluster zufällig, verbunden durch ähnliche Skalen und Wortlaute.

    Die Zeit wirkt ein wenig stehengeblieben, Vieles ist dem Verfall nahe, privat wie öffentlich, für den Müll am Straßenrand und in den Buchten fühlt sich niemand zuständig.

    Wir erkunden den Canyon, eingezeichnet Wege existieren nur manchmal, selbst touristische Ecken schimmeln vor sich hin, wir hören Hoffnung in Gesprächen mit Einheimischen, dass der neue Präsident wieder mehr in öffentliche Strukturen investiert.
    Märkte im Innenstadtbereich bieten überraschende Vielfalt, ständig werden wir für Selfies gefragt, Kinder starren unverholen, Ältere versuchen uns unauffällig zu beobachten, die westliche Welt scheint hier besonders fern. Eine Studentin ist erstaunt, dass in Europa verschieden Sprachen existieren oder dass der Islam auch ein Teil Deutschlands ist und bei Moritz im Unterricht das Tragen eines Hijab niemanden erstaunt.

    Bukittinggi war nur Zwischestopp, Ziel ist Maninjau, gelegen an einem gleichnamigen 170m tiefen Vulkansee. Den Übergang dorthin gestalten wir mit Guide Rahmat, so dass wir unterwegs ein paar Aussichtspunkte anfahren, Highlights der Region sehen und über die matrilineare
    Kultur der Minankabao erfahren.
    Ob hier im gelebten (islamisch geprägten) Alltag tatsächlich Frauen über den Männern stehen, können wir nicht wahrnehmen, aber die häuslichen Finanzen regeln wohl Frauen. Aber es fahren alle gleichberechtigt Motorrad, immerhin!

    Steile Matschpfade kreuzdiequer durch den Urwald führen uns zur Riesenblüte Rafflesia Arnoldi, die nur einmal für 5 Tage blüht, wir sind ein paar Stunden zu früh, Rafflesia hat erst ab diesem Nachmittag geöffnet, wie das letzte Bild mit unserem Guide zeigt. Dafür konnten wir dem Morgengespäch der Gibbons lauschen - Hammer!
    Die im Darm der Luwak-Wildkatze natürlich und schonend fermentierte Kaffeebohne ist aufwändig, (Katzen kacken im Urwald frei herum), schmeckt hervorragend und der Vortrag der Cheffin ist anregend.

    70 Haarnadelkurven später sind wir über den Kraterrand und wieder runter am ca. 10km langen Vulkansee.
    Die Hütte vermietet eine sympathische junge Familie, die jedoch mit dem Renovierungsbedarf kaum hinterherkommt - dafür eine hervorragende Küche bietet und so probieren wir uns während der Tage überwiegend durch die heimischen Gerichte, z.B. Gado-Gado. Anders als lokal üblich, müssen wir jedoch nicht 3x täglich Reis und Tier mit Soße essen!

    Die Tage verbringen wir sehr entspannt mit Schwimmen, kleinen Ausflügen, Faulenzen, mittelfristige Weiterreise organisieren, Reisedoku und Mieterwechsel in Krähenwinkel vertraglichen.

    Zum Start des Ramadans fängt die Dauerbeschallung aus den Moschee-Megaphoneb dann doch an zu nerven - zu laut, zu oft, zu lang. Dieses Level ist neu und die Begeisterung, siehe Textbeginn, schwindet. Natürlich können auch Kirchenglocken nerven und es singt auch nicht jede*r Pastor*in schön, aber immerhin nur IN der Anbetungsstätte. Sorry.

    Durch die Offenheit in der Planung lernen wir die selbstbenannte Legende Mr. Stachelschwein kennen, Heiler, Guide, Koch und personifiziertes Sendungsbewusstsein. Wir wertschätzen geduldig alte Geschichten, kosten bittere Baumrinde, die gegen fast alles hilft und finden mit einigen Umwegen und 3 Guidegesprächen weiter unser nächstes Ziel: indigene Stämme auf der Insel Siberut, ca. 180km vor der Küste gelegen. Also auf ins Dschungelcamp - aber das echte!
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  • Siberut Mentawai Island

    4–8 mar 2025, Indonesia ⋅ 🌧 29 °C

    Früh am Morgen startet die Schnellfähre, die uns mittags im Süden der Insel Siberut absetzt. Trotz Platzregen fahren wir zum Bootsanleger und steigen in die traditionellen Einbäume mit Außenborder, die uns auf dem Fluss in einer Stunde Fahrt tief in den Dschungel bringen. Dann beginnt das Vergnügen: Die nächste Stunde stapfen wir in Gummistiefeln durch tiefen Matsch, balancieren über ausgelegte Stämme und versuchen nicht steckenzubleiben. Wieder eine neue Erfahrung!
    Auf drei Inseln gibt es noch 17 Clans des indigenen Volkes Mentawai, die im Urwald und nicht an der Küste der Insel leben. Es ist unklar, wie lange diese Kultur noch existieren wird und wir sind dankbar, diese für uns einmalige Erfahrung auf unserer Reise mitzunehmen.
    Mit "Aloita" begrüßen wir die Familie in ihrem Stelzenhaus (Uma), die für die nächsten 3 Tage unsere Gastgeber sein werden. Wir haben luxuriöser Weise ein eigenes Schlafzimmer, aber alles andere findet gemeinsam statt.
    Raul, unser Guide, und Rurtan, der Koch und Zweitguide, sind als Mentawai aufgewachsen, das ist zur Verständigung und Akzeptanz wichtig. Wir sind willkommen, auch als indirekte Importeure schöner Dinge wie Kaffee, Tabak, Metallwerkzeuge,Treibstoff, Reis - denn im ansonsten autarken Leben würde das alles fehlen. Und auf den ganzen Rest von Schuhen oder Geld bis Internet oder das Wissen über den Geburtstag kann und will verzichtet werden. Die Guides erklären Historie, Rituale, Gesetze und Glauben, aber es ist besonders interessant, Amanta Karado, dem Schamanen und Oberhaupt der Familie, und den anderen im Uma über die Schulter zu gucken.
    Wir besuchen ein paar der anderen Umas, insgesamt gehören 8 zum Clan. Dort sehen wir Jagdwerkzeuge, Küchen, Hühner- und Schweinezucht. Tiere sind auch Opfergaben und Zahlungsmittel, z.B. um eine Ehefrau aus dem Haus des Vaters zum Gatten zu kaufen. Krass. Ein Uma wird gerade neu errichtet, die Holzständertechnik ist ausgereift und wird, wie alles, durch's Tun an die nächste Generation weitergegeben und verbessert. Erst wenn die Affenschädel, Federn und weitere Symbole per Ritual und Opfergabe im Haus hängen, ist es möglich dort einzuziehen. Wir erfahren auch viel über die Bedeutung des Körperschmucks, Tattoos, Tracht zum Fischen, Jagen, Handwerk wie Körbe, Lendenschurz und Schmuck. Die Mentawai pflegen nach wie vor ihren animistischen Glauben und ihre traditionelle Lebensweise mit eigenen Gesetzen und ohne Schule, Steuern etc, das ist der Regierung ein Dorn im Auge. Sie möchte, dass sie in die Dörfer ziehen und katholisch oder muslimisch werden. Da sie aber keine Berufe ausüben können, haben sie dort auch keine Perspektiven und weigern sich entsprechend vehement, ihre Siedlungen aufzugeben.

    Der Sago-Baum ist universell: Grundnahrungsmittel (Baummehl geröstet), zum Madensammeln, Rinde für Schnüre und Korbflechten, Blätter zum Dachdecken.

    Das Leben hier ist einfach und langsam, es gibt nicht viel zu tun, wir sitzen viel und trinken Kaffee, alle Einheimischen rauchen ununterbrochen. Abends wird geschwiegen oder Domino gespielt, zu Viert in 2 Teams, richtig mit Taktik und Punkte zählen. Kannten wir gar nicht...
    Trotz des gemütlichen Grundtempos beobachten wir bei allen Tätigkeiten Kraft, Schnelligkeit und eine faszinierende Fokussiertheit - aber eben nur, wenn nötig. Die Menschen erleben wir glücklich und ausgefüllt trotz oder wegen der Lebensumstände (mit ungeheuer kleinem energetischen Fußabdruck!) - Was für eine Erfahrung für uns!
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