Tag 70: Gücünkaya bis Ihlara
28. April 2023 in Türkei ⋅ 🌧 8 °C
Es gibt wieder ein leckeres Frückstück mit in Wraps eingewickeltem Käse, eine Menge Salat, der trocken zu allem dazu gegessen wird, Eiern, Kartoffeln, Ekmek, Oliven und Frühlingszwiebeln. All das essen wir heute auf dem Wohnzimmerboden nach alter Tradition. Das heißt auch, auf den Knien hockend oder im Schneidersitz. Die Ungelenken, also Abdullah und Lukas, bekommen zur Unterstützung noch ein Kissen.
Im Gespräch mit Abdullah erfahren wir, dass seine Eltern beide nicht bzw. nur kaum lesen und schreiben können, es aber um alles in der Welt gerne könnten.
Wir packen unsere Sachen und verabschieden uns dann herzlich von Abdullah und seinen Eltern.
Das Wetter könnte echt besser sein. Immer wieder regnet es leicht.
Wir fahren tiefer in das Tal hinein und so langsam tauchen immer mehr in Fels gehauene Höhlenräume und kegelförmige Felsen auf.
In Selime fahren wir, immer den Blick Richtung Felshöhlen, an einer Grundschule vorbei, bei der gerade große Pause ist. Der Rektor spricht uns an und fragt woher wir kommen. Als er dann hört, dass wir beide Lehrer sind, bittet er uns in die Schule hinein.
Die Kinder sind hochauf begeistert und packen alles Englisch aus, was sie gelernt haben. Die Klassenzimmer sehen aus wie in Deutschland, die Einmaleinsreihen hängen an den Wänden, ein Geburtstagskalender und ein paar Plakate.
Mit dem Handy erklären wir, was wir vorhaben bzw wie weit wir schon gekommen sind. Die Kinder stehen aufgeregt dicht gedrängt um uns und lauschen jedem Wort, das aus dem Übersetzer kommt.
Plötzlich wird es etwas unruhiger und die Kinder beginnen sich zu verabschieden. "Wir haben Mittagessen, also 'Tschüss'!". Zumindest eines haben doch alle Kinder gemeinsam: Wenn es um die Pause oder das Essen geht, sind die gerade noch allzu spannenden Fremden nicht mehr ganz so interessant. :D
Während die Kinder mit dem Rektor in den Ort laufen, werden wir noch zu einem Kaffee eingeladen. Für Lukas und mich ist dies der erste Kaffee im Lehrerzimmer und das in der Türkei! :)
Wir erfahren, dass an der Schule 50 Kinder sind, 5 Lehrerinnen und Lehrer arbeiten, sie quasi die selben Fächer haben und sie vier Jahre studiert haben, um unterrichten zu dürfen.
Als Abschluss machen wir mit den zurückgebliebenen Kindern und Lehrkräften noch ein Bild. Dann geht es in immer stärker werdendem Regen zu einer in den Fels gehauenen Kirche, bzw. angrenzenden ehemaligen Wohnräumen.
Zu unserem Glück werden wir in ein Touri-Café mit Souvenierverkauf gebeten, um uns am Ofen wieder zu trocknen und aufzuwärmen.
Dort treffen wir zum einen auf einen Amerikaner, der Backpacking macht und auf zwei Holländer. Sie arbeitet im Konsulat in Ankara und gemeinsam sind sie auf einer kleinen Urlaubstour über das Wochenende.
Wir warten noch eine gute Weile und besichtigen dann die Höhlenräume. Wahnsinn, was Menschen früher schon geschaffen haben!
Wir fahren weiter Richtung Ihlara, wo wir uns noch ein Tal anschauen wollen. Das Problem: Es gibt nur ein Kombiticket für die Höhlenkirche und das Tal und das Ticket ist nur einen Tag gültig. Damit wir nicht nochmal zahlen müssen, wollen wir also heute noch ins Tal.
Wir kommen, ein wenig nass, kurz vor 18 Uhr in Ihlara an und nehmen uns dort ein Zimmer, weil wir keine Lust haben nass ins Zelt zu gehen. Wir stellen schnell unsere Taschen ab und fahren dann zum Eingang des Tals.
Das Tal haben wir quasi für uns alleine, was zum einen an der Uhrzeit, zum anderen aber auch an dem stetig stärker werdenden Regen liegen könnte. Im Tal finden sich erneut Höhlenräume und einige Kirchen, in denen noch alte Wandzeichnungen zu sehen sind.
Im Dunkeln geht es schließlich durch das Tal zurück zu unseren Rädern und dann zum Hotel, wo wir noch gemütlich ein bisschen Brot essen.Weiterlesen
Tag 69: Gücünkaya
27. April 2023 in Türkei ⋅ 🌧 15 °C
Frühstück mit Abdullah und seinen Eltern. Es gibt Ekmek, eine Art Wrap, Eier, selbstgemachte Marmelade, Honig vom Nachbarn, Kopfsalat und Petersilie aus dem Garten, Käse, Butter aus dem Dorf, Pommes mit Fleisch und natürlich Cay. Es ist wieder köstlich und Lukas bekommt Nachhilfe in Dürüm (Yufka) rollen.
Den ganzen Morgen hat es schon geregnet und es scheint sich auch nicht zu bessern. Außerdem ist noch Gewitter gemeldet. Abdullah lädt uns ein noch eine Nacht zu bleiben, was wir gerne annehmen. Er möchte uns ein bisschen was aus der Gegend zeigen und sich weiter austauschen.
Zunächst muss Abdullah nach Aksaray zum Zahnarzt. Wir machen uns nach einer kurzen Pause auf den Weg zu einem kleinen Spaziergang, als mal kurz die Sonne heraus kommt. Sein Vater möchte uns begleiten, ob deshalb, um uns die Gegend zu zeigen oder um die Touris zu beschützen, wir wissen es nicht.
Also läuft der 76 Jährige munter voraus und ebnet uns sogar noch den Weg, indem er ein paar kleinere Steine zur Seite kickt und größere weg hebt.
Wir kommen an Felsen mit alten Felswohnungen vorbei und treffen sogar eine Schildkröte an, die nicht kleiner als ein DIN A4 Blatt ist.
Auf dem Rückweg kommt uns Abdullahs Mutter entgegen. Sie sammelt Pilze (vermute ich mal).
Es geht zurück ins Haus, es fangt wieder an zu regnen und wir werden von den beiden mit Baklava, Süßigkeiten, Kürbis, Keksen, Cay und Yaprak Sarmasi (in Weinblätter gerollter Reis) versorgt. Wir versuchen es immer wieder mit dem Handy ein Gespräch zu generieren, aber lange hält es nicht an. Dennoch ist es schön beisammen zu sitzen.
Nach einer Weile verabschieden wir uns nach oben, um uns auszuruhen und um den beiden nicht das Gefühl zu geben, sich um uns kümmern zu müssen.
Gegen halb 6 kommt Abdullah (auch Abu genannt) vom Zahnarzt zurück. Wir fahren mit dem Auto los in Richtung eines Stausees, von dem er uns oft erzählt hat. Es ist bedrückend zu sehen, wie traurig er bei dem Anblick wird, als er sieht, dass die ganzen grünen Flächen neben dem Flusslauf zerstört und für riesige Wasserleitungen aufgebaggert wurden.
Anschließend fahren wir zu einem Restaurant. Abdullah kennt hier noch viele, auch wenn er nur etwa zwei Wochen im Jahr in seinen Heimatort zurück kommen kann.
Wir essen gemeinsam (ich esse Pommes, Salat, Fladenbrot und gegrillte Pilze; Lukas isst Kotlett) und unterhalten uns lange über verschiedene Themen wie Schule, Gastronomie, Reisen und das allgemeine Leben auch während der Pandemie und erfahren, wie schwer es generell für Abdullah ist, ein Restaurant zu leiten, welche Bestimmungen in Deutschland alle vorliegen und was alles zu beachten ist. Es ist super interessant und gibt dem Tag einen schönen Abschluss.Weiterlesen
Tag 68: Akbas bis Gücünkaya
26. April 2023 in Türkei ⋅ ☁️ 19 °C
Nach angenehmer Nacht (wenn sie auch ein bisschen laut war, wegen der vorbeifahrenden Autos auf der nahegelegenen Schnellstraße) geht es weiter. Unser Zelt konnten wir nach der ewigen Hochebene auf ein paar Hügeln aufbauen, die dann doch noch aufgetaucht sind.
Zunächst geht es noch einige Meter hoch, dann wieder hinunter. Und danach folgen nochmal knapp 80 km auf einer weiteren Hochebene. Zum Glück wird diese bei der Hälfte durch den Ort Sultanhani unterbrochen.
In diesem Ort stehen noch heute die Überreste einer alten Karavanenstadt. Früher kamen hier Reisende für bis zu drei Tage kostenlos unter und bekamen neben Tee und Kaffee auch Nahrungsmittel gestellt. Im großen Innenhof gab es damals außerdem einen Schmied, einen Medicus und weitere kleine Geschäfte, um den Reisebedarf zu decken.
Wir gehen nochmal Essen, weil es auch nicht mehr kostet, als sich im Supermarkt für ein Mittagessen einzudecken, und für mich gibt es mal wieder "Etliekmek".
Dann geht es weitere 40 km in der Hochebene entlang, bis wir die Stadt Aksaray erreichen. Von da an geht es von der Hauptstraße ab und auf einer Nebenstraße ein wenig die Berge hoch. Komisch, nach so einer langen Zeit im flachen. Aber endlich ändert sich die Landschaft. Aus den umliegenden Feldern werden leicht rötlich bzw gelbliche Berge. Herrlich! Allerdings fahren hier manche Autofahrer wie die Gestörten. Ein französisches Wohnmobil fährt langsam an uns vorbei und sie winken freundlich. Die restlichen Autofahrer fahren entweder einfach vorbei, hupen, weil aus Freundlichkeit, aber so, dass wir erschrecken, oder hupen, damit wir ihnen Platz machen. Diese Straße gefällt uns nicht so sehr.
Auf einer weiteren, etwas hügeligeren hnd deutlich interessanteren Hochebene angekommen müssen wir uns so langsam einen Zeltplatz suchen. Leider gibt es hier direkt nicht wirklich geeignete Orte. Wir haben uns ein etwas höhergelegenes Plateau ausgeguckt und fahren zwischen den Häusern dort hin.
Hundegebell und zwei Hunde die sich uns nähern. Aus einem Haus kommen ein paar Leute auf uns zu und, täuschen wir uns oder ruft uns einer ein "Hallo" entgegen.
Tatsächlich! In fast aktenzfreiem Deutsch spricht er uns an, fragt ob eir Deutsche sind und erzählt dann, dass er auf Heimaturlaub ist, aber eigentlich in Coburg wohnt.
Wir fragen ihn, ob wir etwas oberhalb unser Zelt aufschlagen dürfen. Dem wird direkt zugestimmt, in einem zweiten Satz wird uns allerdings angeboten, dass wir auch im Haus schlafen können.
Wir zögern erst (wir wollen ja niemandem Umstände machen), dann stimmen wir zu und werden von Abdullah gleich ins Haus gebeten. Er zeigt uns, wo wir schlafen können und fragt ob wir mit zum Essen dazu kommen wollen.
Dann folgt ein Abend, den man sich so nicht vorstellen kann. Wir beide sitzen mit (in der Reihenfolge auf dem Bild, von links nach rechts:) Abdullahs Mutter, seinem Cousin (und dessen Sohn, der das Bild macht), einem Nachbarn, seinem Vater, Abdullah und seinem Bruder zusammen. Es gibt alle möglichen Gemüsesorten aus dem Garten (Frühlingszwiebeln, Tomaten, Gurke, Petersilie, Paprika) als Salat und Fisch dazu. Natürlich darf auch das Ekmek (typisches Brot) nicht fehlen. Es schmeckt lecker und wegen des Nachbarn komme ich auch nicht drum herum ebenfalls Fisch zu essen. Er, etwas aufgedreht, steckt uns einfach ein Stück in den Mund.
Da ich neben dem Vater sitze, werde ich von ihm während des gesamten Abends durchgehend versorgt. Ist ein Gurkenstück leer, wird mir das nächste auf den Teller gelegt. Alle paar Minuten bekomme ich noch etwas Petersilie und Frühlingszwibeln, Brot und Fisch auf den Teller. Der Fisch wird auch nach und nach immer wieder mit Zitrone beträufelt.
Zum Nachtisch gibt es noch Kompott aus dem Garten und natürlich Cay.
Mit Abdullah können wir uns super über alles unterhalten, wodurch wir auch an so manche Abläufe herangeführt werden.
In einem Augenblick taucht Abdullah dann noch mit einem Schoko-Osterhasen auf, als "Trostgeschenk", weil wir ja Ostern ein wenig verpasst hatten.
Wir erfahren noch einiges über Abdullahs Job als selbstständiger Restaurantbesitzer eines italienischen Restaurants in Coburg und lachen viel gemeinsam. Auch wenn wir nicht alles verstehen, manche Gesten sind dann doch sehr eindeutig.
Nach den heutigen 116 km und einem sehr netten, traditionelleren und völlig unverhofften Abend gehen wir dann etwas später als sonst ins Bett.Weiterlesen
Tag 67: Bükce bis Akbas
25. April 2023 in Türkei ⋅ ☁️ 19 °C
Auf der Weiterfahrt bekommen wir immer wieder Cay (Tee) von der anderen Seite der Autobahn angeboten. Etwas schwierig durch den Verkehr und über die Mittelleitplanke zu kommen, also lehnen wir ab.
In Konya, einer der größten Städte der Türkei, beginnt direkt mal ein ausgebauter Fahrradweg. Perfekt, denken wir. Nur um kurz darauf festzustellen, dass er schon wieder aufhört.
Konya ist eine ordentliche, recht moderne Stadt. Kleine Gässchen ziehen sich im Stadtkern durch die Häuser. Als wir an einer Moschee die außenstehende öffentliche Toilette nutzen, werden wir von ein paar älteren Männern angesprochen. Mit ein paar Worten Englisch ihrerseits und ein paar Worten Türkisch von uns können wir immerhin erzählen, dass wir Stahlräder haben und dass Lukas' Fahrrad knapp 60 kg wiegt. Der Rest sind Daumen hoch und unsererseits eine Geste von schmerzenden Beinen. Damit ist alles gesagt.
Ein anderer Mann erklärt uns auf Hölländisch ein bisschen etwas über sich. Er hat dort eine Zeit lang gelebt und kann daher die Sprache ein wenig. Wir verstehen ihn zwar nicht allzu gut, aber ein bisschen was können wir uns zusammenreimen.
Wir schieben etwas weiter und werden von einem Mann in quasi perfektem Englisch angesprochen. Er ist Teppichhändler und lädt uns zum Tee ein. Auch seine Tochter setzt sich dazu, die gerne ein bisschen Englisch lernen will und auf Grundschullehramt studiert. Wir erzählen über die Türkei und können einiges fragen.
Vor einer Moschee fragen wir kurzerhand zwei auf uns zukommende Polizisten, ob sie von uns ein Bild machen können. Während der eine gleich ein Selfie mit uns macht, zeigt uns der andere ein Bild aus Facebook. Zwei Europäer sitzen in einem Wohnzimmer auf der Couch. Moment, das sind wir! Auf der Seite von Beysehir veröffentlicht und direkt erkannt in einer Stadt knapp 90 km von dort entfernt.
Lukas schaut noch in die Moschee rein, dann geht es weiter. Wir gehen noch eine Kleinigkeit essen, was wieder auf "Etliekmek" (türkische Pizza, in etwa wie Flammkuchen) hinausläuft. Dann fahren wir aus der Stadt hinaus und auf eine Hochebene. Und wenn ich sage "Ebene", dann meine ich das auch. Soweit das Auge reicht kein einziger Hügel, nichts, nur flach und eine Straße, die kerzengerade vor uns liegt. Um nicht ganz verrückt zu werden, hören wir beide ein Hörbuch auf dem Handy.
Um 19:30 Uhr bauen wir dann unser Zelt zwischen ein paar Bäumen auf. Heute haben wir 104 km zurückgelegt.Weiterlesen
Tag 66: Beysehir bis Bükce
24. April 2023 in Türkei ⋅ ☀️ 15 °C
Mustafa hat uns die Lage eines Fahrradladens zugeschickt und wir machen uns gleich auf den Weg. Ehrlich gesagt glauben wir nicht so recht daran, dass ein Fahrradladen das richten kann. In welchem Fahrradladen wird schon geschweißt. Wir schieben Lukas' Rad durch ein paar kleinere Gässchen durch und finden dann tatsächlich den Laden. Beim Betreten haben wir schon ein besseres Gefühl. Während rechts einige Fahrräder zum Verkauf stehen und ein Regal mit vielen Ersatzteilen, ist die linke Seite eine Werkstatt mit Werkbank und allem drum und dran. Ismail kommt auf uns zu und Lukas erklärt mit dem Übersetzer das Problem.
Dann geht alles recht schnell. Das Fahrrad ist umgedreht und das Schweißgerät angeschaltet. Ohne Probleme wird der Rahmen geschweißt. Da wir schonmal da sind, fragt Lukas gleich noch nach dem Fahrradständer. Weil an seinem Fahrrad nötige Anbringungsmöglichkeiten fehlen, scheitern auch die Standard-Fahrradständer. Also bleibt nur eine Möglichkeit: Den alten irgendwie reparieren.
Daraufhin folgt eine etwa eineinhalbstündige Szene, die schon fast filmreif wäre: Zunächst probiert Ismail (den wir unter uns als Fahrrad-Frank bezeichnen, weil er zu allem eine Lösung und dazu das nötige Werkzeug zu haben scheint) ein wenig herum. Dann kommt ein anderer Mann (für uns der Fahrrad-Olli) neugierig herein. Beide überlegen eine Weile. Nach und nach kommen immer mehr Türken aus der Nachbarschaft herein, grübeln, geben ihre Ideen preis und beteiligen sich mehr oder weniger an der Reperatur. Zwischenzeitlich stehen mal 5 Türken um das Rad herum, sehr interessiert, wie es ausgeht. Letztendlich können Fahrrad-Frank und Fahrrad-Olli den alten Fahrradständer etwas verlängern, die alte, abgebrochene Schraube aus dem Gepäckträger herausboren und den Ständer recht stabil anbringen. Natürlich gibt es zum Abschluss noch einen Cay (Tee) für jeden. 5 € möchte Ismail danach für seine Arbeit haben. Wir geben ihm diese und noch ausreichend Trinkgeld dazu. In Deutschland wäre so eine Aktion unbezahlbar gewesen und zudem auf diese Weise nie vorgekommen.
Guter Dinge packen wir unsere Sachen und fahren noch zu Mustafas Office. Dort treffen wir auch Durmus wieder. Wie erfahren, dass sein Heiratsantrag, den er gestern seiner Freundin (eventuell auch nur Bekannten) gemacht hat, abgelehnt wurde. Außerdem wollte er, dass ich mal mit ihr (die ich nicht kenne und die 600 km entfernt wohnt) spreche und sie davon überzeuge, zu ihm zu ziehen. Wir hätten nie gedacht, dass wir so tief in private Dinge einbezogen werden würden. Besonders hat mich auch verwundert, dass er dies mir so offen dargelegt hat.
Nach unserer Verabschiedung fahren wir noch etwa 30 km und schlagen dann unser Zelt oberhalb einiger Wiesen auf.Weiterlesen
Tag 65: Beysehir
23. April 2023 in Türkei ⋅ ☁️ 16 °C
Heute haben wegen des Ramadans keine Fahrradläden offen, deshalb gehen wir den Tag gemütlich an. Wir schlafen aus, essen und nutzen den Tag um mein Fahrrad in Gang zu bringen. Ich ändere die Griffposition, weil meine rechte Hand immer wieder einschläft, wechsle die Bremsbeläge und verstelle den Sattel etwas. Während ich an meinen Bremsen verzweifle (diese wieder richtig einzustellen vermag einer Meisterleistung) geht Lukas schonmal etwas für unser Mittagessen einkaufen. Im Bim, quasi dem türkischen Aldi, passiert gleich mehreres. Während er alles Nötige zusammen sucht, wird er stetig von einem Verkäufer umschwärmt, der ihm alle möglichen Rabatte andrehen will und schon fast sauer wird, als Lukas ablehnt. Draußen trifft er noch zwei belgische Radfahrer (die ersten Tourenradler in der Türkei), die von der albanisch-griechischen Grenze gestartet sind und bis nach Kirgisistan wollen. Lukas erzählt ihnen von unserer Unterkunft.
Gegen Nachmittag kommen Mustafa, seine Tochter Sude (die perfektes Englisch spricht) und ihre Mutter von ihrer Tour in die Heimat zurück. Wir schildern ihnen unser Problem mit dem Fahrrad. Generell sind sie sehr freundlich und hilfsbereit. Sie kennen schon einen passenden Mann, der uns morgen helfen kann.
Bald darauf setzt Regen und kurz danach sogar Hagel ein. Wir sind zum Glück gut unter.
Dann taucht plötzlich Mustafa nochmal auf und zeigt ins eine Mail der Belgier, die Mustafa wegen des Regens über WarmShowers kontaktierten. Während wir noch nicht ganz die Situation begriffen hatten, winkt Mustafa einen Radfahrer von der Straße rein, Alex aus Manchester. Auch er hat Mustafa scheinbar kontaktiert.
Verrückt! Da trifft man wochenlang niemanden und dann gleich drei an einem Tag!
Es werden noch ein paar Bilder mit Alex im Fahrrad-Trikot gemacht, dann verabschiedet sich Alex zu dem Hotel, das auch ihm eine Nacht gezahlt wird.
Am Abend gehen wir dann noch mit Alex "Etliekmek" (die türkische Pizza) und Baklava (eine Süßigkeit) essen und wir erfahren, dass er von Israel gestartet und über Jordanien gefahren ist und noch bis in die Schweiz will, eventuell auch weiter bis England oder ans Nordkap. Je nachdem, ob das Schengen-Visum reicht, etwas worüber wir uns keine Gedanken machen mussten.
Von den Belgiern hören wir nichts mehr.Weiterlesen
Tag 64: Beysehir
22. April 2023 in Türkei ⋅ ☁️ 16 °C
Heute wird es spannend! Mustafa, unser WarmShowers Host, der uns in das Hotel eingeladen hat, hat ebenfalls einen Kollegen beauftragt uns die Traditionen des Ramadan Eid zu erklären und zu zeigen. Außerdem sollen wir Fahrraduniformen bekommen und damit Bilder machen. Mal schauen was das wird.
Erstmal geht es runter zum Frühstück. Dort wird uns ein Büffet serviert mit Ekmek, dem typisch länglichen Weisbrot hier, verschiedenen Aufstrichen, Tomaten, Gurke, Salat, Schafskäse mit unterschiedlichen Kräutern und Gewürzen, Oliven, Peperoni, Eiern, Pommes, Kaffee und Tee.
Um 11 Uhr checken wir aus, fahren in den 100 m entfernten Park und machen dort erstmal noch ein wenig "Büroarbeit", wie wir unsere medialen Pflichten liebevoll nennen.
Um 13 Uhr sind wir am "Ofisi", einer Außenstelle des Touristen-Office, in dem Mustafa arbeitet und in dem wir die nächste Nacht schlafen werden. Dort treffen wir Durmus, den Kollegen unseres Hosts und Melike, eine Freundin von ihm. Durmus ist 28 Jahre alt und Melike 23 und studiert in Polen soziale Arbeit. Sie holen direkt Trikots des Beysehirer Fahrrad-Vereins heraus und schenken uns zusätzlich noch ein Headtuch. Verglichen zu den Kopfkissenbezügen zwei sehr nützliche Dinge auf so einer Tour.
Dann werden erstmal Bilder gemacht.
Anschließend fahren wir mit den Rädern zu Durmus' Familie. Wir denken uns immer wieder, wenn wir das hier überleben, dann kann uns nichts mehr schocken. Rote Ampeln, Fahren auf der Gegenfahrbahn und einige Kollisionen der beiden mit dem Bürgersteig sind ganz normal.
Bei seiner Familie angekommen lernen wir seine beiden Tanten, seinen Onkel, seine Cousins und Cousine kennen.
Dank des Übersetzers fragen wir einiges über die Religion, deren Traditionen, natürlich auch Fußball und die Lebensweise. Sehr freundlich werden wir hier empfangen!
Danach geht es weiter (wieder riskant durch den Verkehr) zu einer ca 800 Jahre alten Moschee, die wir betreten dürfen.
Anschließend fahren wir beim Hauptquartier des Touri-Offices vorbei und geben dort die Fahrräder der beiden ab, die sie nur ausgeliehen hatten. Zufälligerweise treffen wir eine Freundin von Melike. Gemeinsam gehen wir im Café nebenan Tee trinken. Wir sprechen dank des Übersetzers viel über unsere Familien, unsere Reise, Traditionen und was sonst noch so anfällt.
Weil wir dann doch etwas länger sitzen bekommen wir Hunger und gehen noch Pide (türkische Pizza) essen. Wieder wird abgelehnt, dass wir bezahlen und wir werden fast schon gekränkt angeschaut bei dem Vorschlag. Mit etwas schlechtem Gewissen gehen wir zurück zu unserer Unterkunft, dem Office.
Leider mussten wir noch etwas feststellen: Lukas' Fahrradrahmen ist unterhalb des Gepäckträgers gebrochen. Vermutlich durch das schwere Gepäck. Also müssen wir erstmal einen Schweißer aufsuchen. Wegen des Ramadan könnte sich das aber auch noch etwas ziehen. Zum Glück können wir problemlos bei Mustafa weiter unterkommen und er ist außerdem sehr gut vernetzt und kann uns wahrscheinlich jemanden organisieren.Weiterlesen
Tag 63: Yenisarbademli bis Beysehir
21. April 2023 in Türkei ⋅ ⛅ 15 °C
Nach gemütlichem Frühstück auf dem Zimmer machen wir uns auf, die letzten 55 km bis Beysehir zu fahren. Weil wir die letzten Tage jeweils mehr als 80 km gefahren sind ist es heute nicht mehr viel.
Mit deutlich weniger Höhenmetern (es geht zwischendurch mal 200 Hm hoch, was für einen Karlsruher schon enorm ist :D) geht es durch herrliche Landschaft.
Kurz vor unserem Ziel legen wir noch eine kurze Pause ein, dann sind wir auch schon in der Stadt. Da unser Host und seine Familie leider über die Feiertage nicht da sind (was wir ja eigentlich gehofft hatten), werden wir von ihnen zu einer Nacht im Hotel eingeladen. Alle Einwände dagegen werden abgewiesen, wir sind ja schließlich Gäste. Da wir das Hotel nicht gleich finden, frage ich einen jüngeren Mann (in der Hoffnung, dass er etwas Englisch kann), der mit seinem Vater gerade ein Haus betritt. Bei ihm, Hakan, einem Englischstudenten, bin ich an der richtigen Adresse gelandet. Er deutet uns den Weg zum Hotel an und kommt uns anschließend sogar noch nachgelaufen, um uns zu fragen, ob wir irgend etwas benötigen bzw. ob wir uns vielleicht mal treffen wollen, um zu reden und weil er gerne sein Englisch verbessern will. Kurz darauf sprechen zwei zehnjährige Jungen auf Türkisch auf uns ein. Sie wollen wissen woher wir kommen und wo wir schlafen, dann werden wir in das Hotel gebeten. Die Fahrräder dürfen wir im ungenutzten Treppenhaus abstellen. Aus irgendeinem Grund haben wir zwei Zimmer bekommen mit insgesamt 5 Betten. Irgendwo ist da wohl ein Fehler aufgetreten.
Wir duschen, geben für 2,50€ unsere Wäsche ab und machen dann ein kleines Mittagsschläfchen, wir sind schließlich schon um 14 Uhr angekommen.
Danach machen wir uns auf und gehen noch etwas einkaufen. Mir ist etwas schwindelig, weshalb wir uns nicht mehr mit Hakan treffen, sondern stattdessen noch auf dem Balkon mit unserem Gaskocher etwas kochen.Weiterlesen
Tag 62: Agilköy bis Yenisarbademli
20. April 2023 in Türkei ⋅ ⛅ 14 °C
Heute haben wir einige Höhenmeter vor uns. Genauer gesagt über 1000.
Ein Stück des Weges verfolgt uns eine neugierige Hundefamilie. Die vier Welpen sind zum knuddeln süß. Mutter und Vater sind erstaunlich entspannt, obwohl die Kleinen mehrfach die Straße wechseln und uns ziemlich nahe kommen. Diese Art der Hundebegegnungen sind doch schön.
Der Weg ist traumhaft! Grüne Berglandschaften, im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel. Obwohl es sehr anstrengend ist, lohnt sich jeder Höhenmeter. Um den Kopf etwas frei zu bekommen hören wir beide Hörbücher an. Auch gestern haben wir bei heftigem Gegenwind mal ab und an etwas gehört, damit wir uns nicht zu sehr darauf konzentrieren, wie man gefühlt nicht voran kommt.
Der Gipfel ist erreicht! 1830 m, ganz schön frisch hier oben.
Jetzt geht es runter. Wir nehmen uns nach 60 km eine Unterkunft, die für uns mithilfe des halben Dorfes organisiert wird. Einer kann Deutsch, weil er eine Weile in Krefeld gewohnt hat, der sagt dem nächsten Bescheid jemand dritten anzurufen. Wir haben zwar keine Ahnung was vor sich geht, aber kurz darauf hält ein Auto neben uns und wir bekommen die Unterkunft aufgeschlossen. Ein Zimmer wie in einer Jugendherberge für 15 € zu zweit. Wir können uns nicht beschweren.
Durch die Kilometer und Höhenmeter der letzten Tage merken wir beide wieder ziemlich unsere Muskeln und Knie. Gut, dass wir ab morgen keinen Zeitdruck mehr haben, wenn wir erstmal Beysehir erreicht haben.Weiterlesen
Tag 61: Beltarla bis Agilköy
19. April 2023 in Türkei ⋅ ☀️ 17 °C
Erstmal geht es hoch. Die Landschaft sieht aus als wären es die Alpen, nur eben in der Türkei. Wir kommen über den bisher höchsten Punkt unserer Tour mit 1470m.
Immer wieder bellt es von Höfen her. Wo kommt es her? Sind sie angeleint? Wie viele sind es? In der Nähe von Ortschaften ist es mit Hunden immer etwas schwierig. Straßenhunde sind ein kleineres Problem. Schlimmer sind die Hofhunde.
Unsere Mittagspause machen wir bei einer Tankstelle. Auch hier sind wieder Hunde, aber diese sitzen eher flehend daneben und hoffen etwas ab zu bekommen.
Das Wetter ist zunächst gut, dann wird es regnerisch. Wir kommen an einen See und blicken hinunter auf eine Halbinsel. Nach dem See kommt erneut ein kurzer Anstieg mit schönem Blick zurück. Wir finden wieder ein geeignetes Plätzchen im Wald und schlagen um 19:30 Uhr unser Zelt auf.Weiterlesen
Tag 60: Gürleyik bis Beltarla
18. April 2023 in Türkei ⋅ 🌩️ 15 °C
Schafsglocken. Sie kommen näher. Es ist 6 Uhr, unser Wecker klingelt und tatsächlich zieht eine Herde an uns vorbei, mit im Gepäck der Schäfer mit seinen zwei Hunden. Einer davon kläfft uns unaufhörlich an. Im Nu sind wir wach. Die Herde zieht weiter.
Heute haben wir noch eine Attraktion auf dem Programm. Unser Weg führt uns zunächst eine Hauptstraße entlang und Komoot sein Dank tiefer und tiefer in einen Steinbruch hinein, aus dem massenweise LKWs Steinblöcke abtransportieren. In Deutschland wären wir spätestens am Anfang des Steinbruches gestoppt worden. Hier wird uns freudig zugewunken. Einer bleibt sogar stehen und macht ein Bild mit uns. Wieder zwei andere halten an und versichern uns, dass man auf diesem Weg auch zu der Höhle kommt, zu der wir wollen.
Immer wieder setzt leichter Regen ein, wie auch den Rest des Tages.
Die Kaklik Caves, die wir besichtigen sind eine Art kleines Pamukkale. Innerhalb der Höhle befinden sich Miniaturterrassen, über die das Wasser plätschert. Mir hat das "Original" besser gefallen, Lukas ist dagegen hochauf begeistert. Wie könnte er auch nicht als Miniaturmodell-Entwickler.
Wir fahren anschließend auf eine Hochebene hoch und kaufen unterwegs an einem Stand bei Mutter und Tochter Brot und Wasser. Die beiden sind sehr interessiert an uns und durch den Übersetzer können wir uns auch verständigen.
An einem Stand etwas weiter kaufen wir Früchte ein. Plötzlich kommt ein Mann mit zwei Fladen, quasi gefüllte Pfannkuchen. Sehr lecker! Als wir die Verpackung näher betrachten sehen wir, dass sie in Erstklässler-Aufgaben eingepackt sind. Ich muss direkt an meine ehemaligen Schüler denken. In Deutschland würde ich von hygienischer Seite her nicht die Aufgaben meiner Schüler benutzen, um Essen einzuwickeln. Dann kam mir ein anderer Gedanke:
Liebe Kinder der Grundschule Longkamp, ich hoffe, dass meine Arbeitsblätter nicht auf die selbe Weise enden! :D
Nach leckerem Essen (von dem Standbesitzer wurden wir noch mit Tee und getrockneten Kirschen versorgt) geht es noch etwas den Berg hoch, lange über eine Hochebene und dann finden wir einen Platz für das Zelt. Nachdem einige Steine weggeräumt sind, können wir nach rund 97 km unser Zelt aufbauen.Weiterlesen
Tag 59: Pamukkale bis Gürleyik
17. April 2023 in Türkei ⋅ ☁️ 23 °C
Nach leckerem Frühstück für knapp 3 Euro pro Person, geht Lukas erstmal sein "Problem" mit seiner Isomatte an. Praktischerweise darf er den Pool des Hotels benutzen, um zu testen, ob er ein Loch in der Matte hat oder doch schlimmstenfalls das Ventil kaputt ist. Zum Glück findet er kurz danach ein kleines Loch, dass er mit einem Fahrradflicken repariert.
Dann geht es los. Kurz hinter dem Eingang müssen wir erstmal die Schuhe ausziehen, damit man mit den Schuhen den weißen Kalksandstein nicht verfärbt.
Dann geht es über zahlreiche Terrassen nach oben. Wahnsinn was es für Naturwunder gibt, auch wenn sie ein wenig vom Menschen gelenkt werden. Hier gibt es auch Bereiche, die quasi vom Wasser abgeschnitten sind, damit sie nicht weiter wachsen.
In den Becken baden immer wieder einzelne Personen. Nicht wirklich heiß, aber teils angenehm warm ist das Wasser darin. Auf dem Rückweg gehen wir darin noch kurz baden.
Oberhalb der Terrassen besuchen wir ein weiteres Theater, eine alte Gräberstadt und viele Ruinen. Sehr interessant und schön, aber so direkt nach Ephesus nicht mehr ganz so spektakulär. So langsam werden es zu viele herausstechende Eindrücke.
Nach Pamukkale, in dem wir bis 17 Uhr abends bleiben, fahren wir noch ein Stück weiter und stehen irgendwann vor einer noch nicht fertiggestellten Autobahn. Ein Arbeiter spricht uns auf Türkisch an. Wir verstehen natürlich mal wieder kein Wort. Mit dem Handy finden wir dann aber heraus, dass wir auf der Autobahn weiter fahren sollen. Anstelle des sandigen Schotterwegs nehmen wid natürlich gerne die geteerte Autobahn und finden kurze Zeit später auch einen schönen Platz.
Bevor wir schlafen gehen fassen wir den Entschluss: Zu Ramadan Eid, bei uns besser bekannt als das Zuckerfest, möchten wir in Beysehir sein. Warum gerade Beysehir? In Beysehir ist der nächste WarmShowers Host. Wir hoffen, dass wir durch ihn näher an die Traditionen herangeführt werden. Das bedeutet allerdings, dass wir jeden Tag 80 km schaffen müssen, damit wir rechtzeitig zum Freitag dort ankommen. Ein bisschen Respekt haben wir schon, denn es liegen nicht nur die Kilometer, sondern auch einige Höhenmeter vor uns.Weiterlesen
Tag 58: Atca bis Pamukkale
16. April 2023 in Türkei ⋅ ⛅ 23 °C
Wieder eine ruhige Nacht. Es geht noch eine Weile entlang an Olivenbaum- und Erdbeerfeldern. Teilweise sind schon Leute darauf beschäftigt.
Immer wieder führt uns der Weg über die Autobahn, auf der fast nichts los ist. Wir halten uns größtenteils an den sehr großzügig geplanten Seitenstreifen. Nach Kroatien kann uns nichts mehr abschrecken!
Wir wollen gerade an einer Bushaltestelle Rast einlegen, als ein Mann uns anspricht. Mit dem Übersetzer können wir uns ein wenig verständigen. Er lädt uns auf der anderen Straßenseite zum Tee ein. Obwohl das Übersetzen mit dem Handy nicht ganz so gut klappt (die Anwendung des Übersetzers funktioniert nach unserer Erklärung auch nicht besser) lernen wir eine Weisheit von dem Herrn im Anzug: "Ungesüßter Tee verursacht Anämie." Als ich dann antworte, dass wir in Deutschland sagen: "Zu viel Zucker verursacht Diabetes." schüttelt er nur den Kopf und meint, er sei 70 Jahre alt uns hätte noch kein Diabetes.
Gegen Mittag kommen wir den heißen Quellen, die es auch in Pamukkale gibt, näher. Wir kommen an einer Badestelle vorbei, bleiben aber dem Wasser fern, weil durch dieses leckende Rohre laufen. Wir wollen ja nichts riskieren.
Am Abend kommen wir dann nach Pamukkale. Wir checken in einem Hotel ein, weil wir hier zum einen unsere Räder sicher abstellen können während wir die Terrassen besuchen und zum anderen haben wir mal wieder eine Dusche nötig. Unser Hotel hat sogar noch einen Pool, in den wir kurz reinspringen, bevor wir uns auf den Weg machen. Weil schon spät ist gehen wir nur an deren Rand und bewundern deren Größe von unten.
Danach wollen wir noch etwas Essen gehen. Gar nicht so leicht, wenn man den Touriströmen entgehen will.
Tatsächlich finden wir ein kleines Restaurant in dem wir ganz alleine sind und das türkisches Essen serviert. Genau was wir wollen. Wir essen wieder den Tomaten-Ei-Eintopf, den wir schon von Alpu kennen, Weisbrot, in Weinblätter eingerollter Reis mit einem Dip und einen süßen Käse. Zusätzlich bekommen wir noch Kartoffeln und Tee serviert, als die Besitzerin erfährt, dass wir mit dem Fahrrad unterwegs sind. Wieder mit dem Online-Übersetzer tauschen wir uns etwas aus und fragen, ob man als Tourist eine Moschee fotographieren und auch besuchen darf. Dies wird nicht nur bejaht, wir werden auch kurzerhand mit in eine Moschee hinein genommen. Lukas darf sich sogar zu den betenden Männern dazu stellen.
Auf dem Rückweg laufen wir dann nochmal durch den Ort.Weiterlesen
Tag 57: Üzümlü bis Atca
15. April 2023 in Türkei ⋅ ☁️ 21 °C
Trommeln! Moment, Trommeln?
Es ist noch dunkel und tatsächlich, wir hören Trommeln. Etwas weiter weg, aber es klingt wie ein Menschenzug, der durch die Straßen zieht. Ist es wegen des orthodoxen Ostern?
Erst Tage später lesen wir, dass zu Ramadan morgens Trommeln gespielt werden, damit die Gläubigen zum Gebet kommen. Quasi ein Wecker für alle.
Wir frühstücken wie immer im Zelt, weil es immer noch zu kalt ist. Während Lukas schon sein Brot streicht, wasche ich mir Obst für die Haferflocken. Plötzlich hubt ein auf der nahen Straße vorbeifahrender Autofahrer mehrfach. Als mein Blick nach draußen fällt, sehen ich tatsächlich zwei Wildschweine, die kurz geradewegs auf das Zelt zulaufen, bei unserem Anblick dann aber die Richtung ändern. Unser Zelt steht auf einem Olivenbaumfeld und da gibt es für die Wildschweine sicher viel zu holen. Beim nächsten Blick nach draußen sehe ich noch einen Fuchs, der nur wenige Meter vom Zelt entfernt steht.
Weil mir die Schuhe durch die von der Wärme anschwellenden Füße an den Zehen schon seit Tagen drücken und ich mir bereits leichte Wunden gelaufen habe, möchte ich heute in Aydin bei einem Laden vorbei. Das erste "Kaufhaus", das wir ansteuern stellt sich als überdachter Marktplatz heraus, auf dem heute allerdings außer ein paar parkender Autos nichts los ist.
In dem Moment hält neben uns ein Auto und die Beifahrerin und der Fahrer fragen uns, wo wir denn schlafen und ob wir bleiben wollen. Etwas vorschnell antworte ich, dass wir noch weiter möchten, weil erst 10 Uhr ist. Im Nachhinein haben wir dann etwas bereut das Angebot nicht angenommen zu haben.
Wir kommen an einem überdachten Markt vorbei und ich schaue mich bei verschiedenen Händlern um, während Lukas bei den Fahrrädern wartet. Mit Englisch kommt man hier nicht durch. Meistens wird dann einer herbei gewunken, der ein paar Brocken sprechen kann und dann übersetzen soll. Als ich von einem Händler zurück komme, sitzt Lukas auf einem Hocker, den ihm ein Ladenbesitzer von nebenan gebracht hat. Kurze Zeit später wird er noch mit zwei kleinen Flaschen Wasser versorgt. Als wir gerade wieder gehen wollen kommt der Mann auf mich zu, drückt mir einen Stoff in die Hand, sagt ein paar Worte auf Türkisch und macht ein paar Gesten dazu, die wir versuchen zu deuten. Vergeblich! Den Stoff nehme ich dankend an. Ein Kopftuch wird es sein, nehme ich an.
Als letzte Option fahren wir ein Einkaufszentrum an. Dort finde ich dann tatsächlich auch passende Schuhe. Ohne gemeinsame Sprache ist es aber auch hier wieder schwierig sich zu verständigen. Vergeblich versuche ich zu verstehen, was die Verkäufer im Laden sagt und genauso vergeblich versucht er mich zu verstehen. Nach einer Weile gibt er auf und ruft jemanden an, der dann übersetzt.
Etwas außerhalb von Aydin machen wir Mittagspause. Jetzt bin ich doch gespannt, wie das Kopftuch aussieht. Ich packe es aus, bin erstmal etwas verwirrt und fange dann an zu lachen. Der nette Mann von Aydin hat uns kein Kopftuch sondern zwei Kopfkissenbezüge geschenkt. Auch nett, aber etwas unpraktisch auf so einer Tour :D.
Auf dem weiteren Weg schauen wir uns nochmal ein Theater und eine alte Bibliothek an. Danach finden wir wieder einen Platz zwischen ein paar Olivenbäumen.Weiterlesen
Tag 56: Selcuk bis Üzümlü
14. April 2023 in Türkei ⋅ ☁️ 23 °C
Zuerst machen wir uns mit dem gleichen Ticket wie gestern auf den Weg zu einem der 7 Weltwunder der Antike: Der Artemistempel. Viel übrig ist davon nicht mehr, weil er von einem "Verrückten", wie es auf den Tafeln heißt, abgebrannt wurde.
Wir haben ein wenig Mühe die Verkäufer am Straßenrand abzuhalten. Unser Argument: Wir sind mit dem Fahrrad da und können nichts mitnehmen. Stimmt auch und es überzeugt.
Wir gehen weiter zur St. John Basilika, die auch in Selcuk stand. An den Eingängen (wie auch schon in Ephesus) stehen zwar Metaldetektoren wie am Flughafen, aber aus irgend einem Grund, sind wir immer die einzigen, die nicht hindurch gehen müssen. Auch unser Rucksack wird nicht überprüft.
Auf der Burg treffen wir einen Mann, der konzentriert den Boden absucht. Er sucht Münzen aus der alten Zeit, die er dann verkaufen will.
Als letzter Programmpunkt steht das Museum auf der Liste. Hier sind noch ein paar Figuren und Funde aus der Bronzezeit ausgestellt.
Als wir wieder zurück zu unserem Zelt kommen, treffen wir Adnan, den Besitzer des Gartens, in dem wir geschlafen hatten. Adnan ist zwischen 50 und 60 Jahre alt und im Fahrradclub von Selcuk. Er und seine Familie erledigen alles mit dem Fahrrad. Immer wieder finden in seinem Garten, da wo wir geschlafen haben, Fahrrad-Partys statt. Aus allen möglichen Städten im Umkreis kommen Leute mit dem Fahrrad angefahren, grillen bei ihm,tanzen, singen und fahren danach mit dem Fahrrad auch gerne mal 20-30 km wieder heim.
Als wir gehen ist er etwas traurig darüber, weil wir nicht viel Zeit hatten uns näher kennen zu lernen.
Etwas außerhalb von Selcuk kommen wir noch an einem Stadion vorbei, dass ebenfalls aus griechisch-römischer Zeit stammt und noch sehr gut erhalten ist.
Danach suchen wir uns einen Zeltplatz auf einem entlegenen Olivenbaumfeld.Weiterlesen
Exkurs: Ephesus
13. April 2023 in Türkei ⋅ ☀️ 17 °C
Hier lasse ich die Bilder einfach für sich sprechen. Nähere Erklärungen gibt es bald auf Youtube (über unsere Website radlust.jimdosite.com).

Tolle Reise. Wir freuen uns für Euch und sind schon gespannt auf einen eventuellen Lichtbildervortrag. Kommt gesund wieder nachhause. [Ludwig Heim]
Tag 55: Ahmetbeyli bis Selcuk
13. April 2023 in Türkei ⋅ ☀️ 12 °C
Alles zusammengepackt fahren wir die letzten 23 km nach Selcuk. Dabei werfen wir einen letzten Blick auf das Mittelmeer, das wir eine Weile erstmal nicht mehr sehen werden.
In Selcuk angekommen geht es direkt nach Ephesus, der alten griechisch-römischen Stadt, von der noch sehr viel erhalten ist. Die Fahrräder dürfen wir mit hinein nehmen, sodass das Sicherheitspersonal ein Auge auf sie haben kann. Generell sind alle sehr zuvorkommend.
Am Eingang treffen wir noch einen Österreicher mit dem Motorrad. Er möchte noch in den Nordirak und dann nach Aserbaidschan, was ebenfalls auf unserer Route liegen könnte. Im Moment kommt man nur mit dem Flugzeug hinein, aber wir erfahren von ihm, dass eine Einreise über den Landweg ab dem 5. Mai wieder möglich sein soll. Das gibt uns Hoffnung.
Ephesus begeistert uns voll und ganz. Aus diesem Grund gibt es einen weiteren "Footprint" mit mehr Bildern dazu.
Nach 5 Stunden kommen wir aus Ephesus heraus und machen uns auf den Weg Richtung Unterkunft oder Campingplatz, so genau wissen wir das noch nicht. Es geht ganz schön holprig über kleinere Straßen. Im Ort angekommen blicke ich hinunter auf meine Sattelfederung und sehe zu meinem Schreck, dass diese leicht angebrochen ist. Die letzten Meter lege ich deshalb im Stehen zurück.
An einer Straßenkreuzung werden wir von einem Mann mit Fahrrad angesprochen. Ob wir zum WarmShowers wollen?
Das hatten wir gar nicht auf dem Schirm. Wir verneinen, er lässt nicht locker und meint, ein paar Meter weiter ist ein Garten, dort gehen alle Fahrradfahrer hin und zelten. Übereifrig versucht er in den Garten zu kommen. Als das Tor nicht nachgibt, bittet er uns außenrum zum Haus. Wir sind noch etwas zögerlich, schließlich kennen wir ihn nicht und sehen auch keinen Besitzer.
Im Hof steht dann eine ältere Frau mit kleinem Kind. Wie wir erfahren ist sie die Schwester der Besitzers Adnan. Als sie nach kurzem Gespräch mit Mehmet (dem Mann mit dem Fahrrad) zu einem anderen Tor zeigt, damit wir leichter in den Garten kommen, sind wir zuversichtlicher. Wir werden an den angeketteten Hunden vorbeigeführt, von denen uns der eine (Bernd haben wir ihn getauft) am liebsten zerfleischt hätte. Danach verabschiedet sich Mehmet. Wir finden eine Küche vor, eine Toilette und viele Sitzmöglichkeiten, alles etwas von Wind und Wetter gezeichnet, aber sehr schön. Die Wände sind voll mit Fahnen und Zeitungsartikeln von Fahrradfahrern. Überall hängen alte Fahrräder. Jetzt haben wir keine Bedenken mehr, dass wir abgelehnt werden könnten.
Wir bauen das Zelt auf und gehen dann noch in die Stadt. Dort essen wir in einem Restaurant türkische Pizza und bekommen türkischen Tee zusätzlich angeboten. Während wir noch dort sind bekommen wir mit, wie die Preise geändert werden. Die Wirtschaftskrise zeigt sich wieder.Weiterlesen
Tag 54: Irgendwo bis Ahmetbeyli
12. April 2023 in Türkei ⋅ ☀️ 18 °C
Wir machen uns auf und fahren wieder Richtung Küste. Bei einer Apotheke halten wir an, um noch Sonnencreme zu holen. Ich grüße mit "Merhaba" (Hallo) und bekomme auch, was ich benötige. Der Apotheker stellt mir dann noch ein paar Fragen über meine Herkunft und die Reise. Als ich sage, dass ich aus Karlsruhe bin, werde ich von einem Mann hinter mir angesprochen. "Madam! This woman also live in Karlsruhe.", bringt er in gebrochenem Englisch heraus. Er deutet auf eine Frau ihm gegenüber. Tatsächlich stellt sich heraus, dass sie in Karlsruhe, genauer gesagt Bretten, geboren ist, aber als kleines Kind schon in die Türkei ausgewandert, bzw. wieder zurück zum Rest der Familie gezogen ist.
Nach abwechslungsreicher Tour kommen wir an unsere erste Ausgrabungsstätte in der Türkei, Claros. Dort spricht uns ein Türke auf Deutsch an. Wo wir schlafen? Hier im Ort gibt es einen Stellplatz direkt am Meer, der nichts kostet. Wir sollten doch dort hin. Da erst 16 Uhr ist und der Tag sehr schön wollten wir eigentlich noch etwas weiter.
Letztendlich lassen wir uns doch überreden und bauen dort unser Zelt auf. Recht bald kommen auch schon zwei Hunde, die es sich bei uns gemütlich machen.
Im nahen Markt und der Bäckerei gehen wir einkaufen. Die Fladenbrote sind noch warm und da wir wie immer Hunger haben, essen wir sie kurzerhand auf. Danach holen wir uns nochmal welche für das Frühstück.
Abends im Zelt stellen wir leider fest, dass Lukas Isomatte etwas Luft verloren hat. Wir hoffen darauf, dass sich durch die Kälte der Nacht die Luft nur zusammengezogen hat.Weiterlesen
Tag 53: Cesme bis Irgendwo
11. April 2023 in Türkei ⋅ ☀️ 16 °C
Erstmal ausschlafen. Alpu hat uns schon ein Frühstück zubereitet: Für mich nochmal der Tomaten-Ei-Eintopf, für Lukas Spiegelei mit Würsten.
Jetzt geht es in die Stadt Cesme zurück. Wir brauchen noch Essen und vor allem Geld. Wir fahren die erste Bank an. 23 € Wechselgebühren von Euro auf TL (Türkische Lira). Das ist uns doch etwas zu hoch, also weiter zum nächsten Automaten: 19 € Wechselgebühren. Wir klappern noch ein paar Banken ab. Letztendlich müssen wir uns mit diesen hohen Gebühren abfinden. Durch die Wirtschaftskrise sind hier alle Preise stark angestiegen.
Als nächster Punkt: Eine Sim-Karte. 38€ kostet sie uns, inklusive 20 GB Internet und ein paar Anrufe und SMS.
Es geht aus der Stadt heraus. Wir fahren viel auf der Schnellstraße, aber es ist quasi nichts los. Aber natürlich fahren die Deutschen mit dem Wohnmobil wieder an uns vorbei.
Die Landschaft überrascht uns immer wieder auf Neue. Alles glänzt in grün, teilweise liegt eine quasi unberührte Weite vor uns.
In diesem Teil der Türkei verläuft noch der EuroVelo 8, dem wir auch schon in Europa gefolgt sind.
Wir fahren häufig an Neubausiedlungen mit sehr modernen Einfamilienhäusern vorbei, jeweils eingezäunt und teilweise mut Pförtner. Bei den vielen Hunden, die hier unterwegs sind zurecht. Im Vergleich zu Griechenland sind diese uns gegenüber allerdings deutlich weniger aggressiv.
Am Abend schlafen wir auf einem Hügel am Ende eines Tals und hören nichts außer den Wind und ein wenig türkische Musik, die in der Nähe gespielt wird.Weiterlesen
Tag 52: Chios bis Cesme
10. April 2023 in Türkei ⋅ ⛅ 16 °C
Wir kommen um 3:30 Uhr mit der Fähre an. Etwas verschlafen packen wir alles zusammen und schieben dann unsere Fahrräder von der Fähre hinunter. Alles ist etwas hektisch und unstrukturiert. Auf dem Hafengelände ziehen wir Warnwesten an und befestigen unsere Lichter. Mit uns fährt noch ein deutsches Wohnmobil von der Fähre ab.
Wir sind mit der Fähre auf der westlichen Seite von Chios angekommen und müssen auf die 40 km entfernte östliche Seite, um dort die Fähre nach Cesme zu nehmen.
Da aber noch stockdunkel ist machen wir uns auf die Suche nach einem Zeltplatz, um noch 2 Stunden zu schlafen.
Wir fahren ein Stück, müssen dann unsere Jacken ausziehen und dann passiert es. Ich sehe gerade noch wie sich Lukas' abgestelltes Fahrrad in Bewegung setzt und dann ist es auch schon zu spät. Sein Fahrrad fällt auf die Seite und der neue, mühsam ausgewählte Fahrradständer bricht ab. Irreparabel!
Der Zeltplatz ist dann kurz danach gefunden. Etwas schwierig bei Dunkelheit, aber mit unseren Taschenlampen ist das Zelt schnell aufgebaut.
Knapp zwei Stunden lang ist unsere Nacht. Dann brechen wir wieder auf und suchen uns einen Platz zum Frühstücken.
Diese Seite der Insel ist fast unberührt. Es lohnt sich wirklich die Strecke noch auf sich zu nehmen. Eine Fähre am nächsten Tag wäre direkt nach Chios (Ort) gefahren, aber das war uns zu spät.
In Chios geht es erstmal zum Hafen. An der ersten Fährgesellschaft möchten wir die Fähre buchen. Zuerst soll ich einen Augenblick warten, dann kommt die Nachricht: Nächste Fähre in 2 Tagen. Was? Ok, wir hatten schon gehört, dass es etwas schwierig ist im Winter nach Cesme zu kommen, aber jetzt ist immerhin schon April.
Also auf zur nächsten Fährgesellschaft. Dort bekomme ich die gleiche Nachricht. Bei der 3 Fährgesellschaft gehe ich es anders an: "Gibt es heute irgendeine Fähre, die in die Türkei fährt. Bevorzugterweise nach Cesme?".
Hier werde ich fündig.
In 3 Stunden fährt die Fähre. Wir nutzen die Zeit und essen. Wieder fährt das deutsche Wohnmobil an uns vorbei. Wir schauen uns noch Chios an, mit der Stadtmauer, dem türkischen Bad und den kleinen Gässchen. Hier sind die Leute deutlich aufmerksamer, schauen uns vermehrt nach und winken.
Kurz bevor die Fähre abfährt lernen wir noch den 20 jährigen Jonah aus London kennen, der als Backpacker nach Indien und dann um die Welt will. Die Fahrräder schieben wir auf das Schiff, dann werden wir von einem von der Fährgesellschaft ins Innere des Schiffes gebeten. Als wir die Fahrräder dann über die Schwelle hiefen, entscheidet er sich doch um und wir sollen die Räder, zur Belustigung der mexikanischen Reisegruppe, die mit uns fährt, einmal quer durch und auf der anderen Seite wieder hinaus schieben, nur um wieder an dem selben Platz zu stehen, wie am Anfang. Wegen des Wellengangs fürchten wir ein wenig um unsere Fahrräder.
In der Türkei angekommen sind wir überrascht von der reichen Vegetation. Zuerst geht es durch die Kontrolle. Wie so oft stehen alle in Schlangenlinie um die aufgestellten Bänder außenrum. Natürlich müssen wir mit den Rädern auch jede Kurve mitnehmen, zur Belustigung der mexikanischen Reisegruppe.
Bei der Einreise werden wir von dem jüngsten Mitarbeiter der Behörde bedient. Der etwa 6 jährige Junge stempelt fleißig mit seinem Vater die Pässe ab.
Wir verabschieden uns von Jonah und fahren nach Cesme rein. Das hätten wir nicht erwartet. Der Ort, der vor uns liegt begeistert uns mit seiner Schönheit!
Nach 5 km kommen wir bei Alpu, unserem WarmShowers Host, an. Die Räder sind schnell verstaut und wir gehen gemeinsam einkaufen, weil er uns anbietet ein typisch türkisches Essen zuzubereiten.
Es gibt eine Art Eintopf aus Tomaten, Karotten und Ei, mit Parmesan, dazu Weißbrot. Lukas bekommt zusätzlich noch marinierten Fisch.
Ich nutze die Gelegenheit und nehme Türkischstunden bei Alpu, um ein wenig sprachgewandter in das neue Land zu starten.
Bis hier her haben wir knapp 3000 km zurückgelegt. Wir lassen einen Kontinent mit vielen Ländern hinter uns, die uns begeistert, aber auch überrascht haben. Wir sind durch außergewöhnliche Tropfsteinhöhlen gelaufen, haben quasi verlassene Küstenabschnitte mit glasklarem Wasser erradelt und regionale Eigenheiten kennengelernt (z.B. seit Griechenland wird das Toilettenpapier nicht mehr in die Toilette geworfen).
Für uns beginnt ab hier ein noch völlig unbekannter Teil auf einem neuen Kontinent.Weiterlesen
Tag 51: Athen bis Chios
9. April 2023 in Griechenland ⋅ ☀️ 17 °C
Ausnahmsweise gehen wir mal getrennte Wege heute morgen. Während ich nochmal ausschlafe und Kraft für die nächsten Tage tanke, gehen Linda und Lukas um 8 Uhr in die Kirche. Bei den orthodoxen Christen findet am Sonntag vor Ostern (das ist ja um eine Woche verschoben) die Übergabe der Kerzen an die Patenkinder statt. Auch in der Kirche ist der Gottesdienst bereits auf Ostern gerichtet.
Als die beiden dann wieder zurück kommen frühstücken wir gemeinsam. Es gibt Rühreier, Obstsalat, Brot und ein Salat aus angeröstetem Brot, Tomaten, Feta und Kapern. Dazu gibt es noch ein Glas frisch gepressten Orangensaft. Wirklich lecker!
Wir räumen etwas auf und packen schonmal ein paar Taschen.
Mittags kocht Linda für uns eine Art Eintopf aus Kartoffeln, Tomaten, Feta und weiteren Zutaten. Dazu gibt es grünen Salat mit Karotten. Wir werden echt durchgefüttert!
Wir packen noch unsere letzten Taschen und fahren dann gegen 17 Uhr los. Heute geht es auf die Fähre nach Chios und dann weiter in die Türkei.
Auf dem Weg schauen wir uns noch den Wechsel der Wachen vor einem Gebäude unterwegs an, die in unseren Augen etwas ulkig aussehen.
Auf der Fähre angekommen (viel Zeit blieb nicht mehr) suchen wir uns dann einen Sitzplatz und werden zu einer Art Flugzeugsitzen weitergeleitet, die eigentlich eine Klasse bzw etwas teurer sind.
Wir essen ein wenig Brot, putzen dann noch die Zähne und versuchen etwas zur Ruhe zu kommen. Lukas gelingt das ganz gut, ich kann immerhin ein bisschen schlafen.Weiterlesen
Tag 50: Athen
8. April 2023 in Griechenland ⋅ ☁️ 17 °C
Erstmal ausschlafen!
Nach gemütlichem Start in den Tag gehen wir mit Linda auf den Straßenmarkt, der immer in einer anderen Straße ist. Auf dem Weg holen wir uns noch griechische Blätterteigtaschen, die mit Spinat gefüllt sind. Mit Linda durchleben wir einen griechischen Tag in Athen, so wie sie ihn jeden Samstag mit ihren Freunden erlebt. Wir gehen in ein Café und danach auf den Markt, bei dem wir noch Obst und Gemüse holen. Praktisch, jemanden dabei zu haben, der etwas griechisch kann.
Linda ist aus der Schweiz und vor ein paar Jahren von London nach Athen geradelt und einfach hier geblieben. Als jemand, der viele Kulturen kennt, bekommen wir nochmal einen ganz anderen Blick auf Griechenland, als wir das vielleicht von Einheimischen bekommen hätten.
Nach dem Markt folgt dann noch ein kleiner Touriteil. Wir gehen zur Akropolis. Allerdings entscheiden wir uns aus verschiedenen Gründen (unter anderem wegen eines Baugerüsts) gegen die 20€ Eintrittsgeld und bewundern sie lieber vom Nachbarberg aus. Natürlich darf auch dann ein Eis nicht fehlen! :D
Abends gehen wir mit Linda noch auf eine Ausstellung moderner Kunst in einem alten Industriegebiet in Meeresnähe.Weiterlesen
Tag 49: Steno bis Athen
7. April 2023 in Griechenland ⋅ ⛅ 16 °C
Athen liegt zum greifen nahe und ausgerechnet jetzt bricht bei Lukas' Gepäckträger die Schraube im Gewinde ab. Vielleicht war sie auch schon vorher abgebrochen und wir hatten es nur nicht gemerkt. Mit Panzertape können wir den Gepäckträger erstmal wieder sichern, damit er die letzten Kilometer noch aushält.
Nach 11 Km kommen wir dann an den Fährhafen Richtung Perama, einem Vorort oder Stadtteil von Athen.
Dieses Mal müssen wir ganze 2,40€ zahlen, damit wir beide die 10 Minuten übersetzen dürfen. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt, bei den vielen kostenlosen Fähren, die wir bisher hatten.
Langsam kommen wir auf das Festland zu. Die Fähre legt an und dann geht der Wettkampf darum los, welches Auto als erstes abfahren wird. Wir warten das geduldig ab und fahren dann in Ruhe von der Fähre.
Die Straße vom Hafen weg ist hektisch und chaotisch. Es wird überholt wo nur geht und auch, wo es eigentlich schon nicht mehr geht. Wir entscheiden uns etwas oberhalb der Straße entlang zu fahren.
Unser erstes Ziel ist der Hafen im Stadtteil Piräus. Wir wollen uns noch über die Fähre in die Türkei informieren, die wir von dort aus nehmen werden. Weil wir ein besseres Angebot online gefunden haben, entscheiden wir uns dagegen die Fähre jetzt schon zu buchen.
Durch den Tipp eines Automechanikers, den Lukas wegen seines Gepäckträgers anspricht, finden wir einen Fahrradladen. Hier bekommen wir eine Schelle, durch die wir den Gepäckträger erstmal sichern können. Wir fahren zum nächsten Fahrradladen weiter und dann zum nächsten.
Lukas hat Probleme mit seinem Fahrradständer, der das Gewicht der Taschen nicht aushält.
Am dritten Fahrradladen werden wir fündig. Der Besitzer oder Mitarbeiter nimmt sich viel Zeit und probiert unterschiedliche Fahrradständer aus.
Am Fahrradladen sind wir nicht die einzigen. Ein Däne mit Liegerad muss seine Bremse reparieren und ist schon eifrig am Werk, als wir dazu kommen. Wir tauschen uns lange über unsere jeweiligen zurückgelegten und geplanten Touren aus und geben uns gegenseitig Tipps zu Strecke und Wildzeltplätzen. Bjarke ist in Istanbul gestartet und möchte über Athen, Ost- und Mitteleuropa, Finnland und Schweden zurück nach Dänemark reisen.
Mit neuem Fahrradständer und Bremsglötzen für mich fahren wir dann unser Mittagspausenplätzchen an, schrauben da noch ein bisschen an den Rädern und fahren dann noch das letzte Stück zu Linda, unserem WarmShowers Host für 2 Nächte. Dabei erhaschen wir schon den ersten Blick auf die Akropolis.
Gemeinsam mit Linda und einem amerikanischen Fahrradfahrer (der kurz nach uns angefragt hat, aber dann nur noch in einem Hostel unterkam) gehen wir abends noch Essen und erfahren viel über die griechische Kultur, Küche und auch über die Erfahrungen des Amerikaners in der Türkei.
In Griechenland gibt es 4 verschiedene Begrüßungen für morgens, mittags, abends und nachts. Griechen lieben das Essen und wenn sie ausgehen teilen sie dieses. In einem Restaurant mit einheimischer Küche werden sie niemals jeweils ein eigenes Gericht haben, sondern viele Kleinigkeiten teilen. Außerdem wird noch sehr viel auf dem Markt eingekauft.Und etwas ganz wichtiges: Griechen nehmen alles etwas lockerer! Ob das eine rote Ampel ist, ein auf dem Gehweg geparktes Auto, die Pünktlichkeit oder die eigene finanzielle Lage.
Das Lebensmotto (wie wir herausgehört haben): Alles nicht so schlimm.Weiterlesen
Tag 48: Melissi bis Steno
6. April 2023 in Griechenland ⋅ ⛅ 17 °C
Die Wohnung, in der wir übernachtet haben, ist für unsere Verhältnisse sehr luxuriös. Direkt am Meer, ein riesiges Wohnzimmer mit Küche, ein Bad und ein gemütliches Bett.
Wir fahren zunächst weiter auf der Halbinsel Peloponnes weiter mit leichtem Rückenwind. Bald schon treffen wir einen Radreisenden aus Deutschland (der Erste!). Er möchte von Athen bis München fahren.
Generell "wimmelt" es hier an Radreisenden. Jetzt treffen wir fast täglich welche. Wenig später begegnet uns noch eine Frau, bereits die zweite, die alleine unterwegs ist.
In Korinth, der Stadt in der die Halbinsel mit dem Festland verbunden ist, verläuft ein Kanal, der die Bucht von Athen mit dem Golf von Korinth verbindet.
Der Kanal wurde von 1881 bis 1893 in den Fels geschlagen, dient aber heute nur noch als Touristenattraktion. Von denen treffen wir auf einer Brücke gleich einen Haufen an.
Wir fahren weiter und der Himmel hinter uns wird immer dunkler. Wieder einmal kündigt sich Regen an.
Wir gehen vorsorglich schonmal einkaufen und tatsächlich beginnt es genau dann zu regnen. Zum Glück können wir uns bei einer Bäckerei trocken unter ein Dach setzen.
Eine Stunde und ein herrlicher Regenbogen später geht es weiter.
Wir treffen noch zwei Wiener, eine weitere Frau und einen Mann mit Gepäcktaschen am Rad. Damit sind es heute schon 6 Bikepacker, denen wir begegnen!
Kurz nach Megara setzen wir wieder einmal mit einer Fähre über. Der Deutsche hatte uns von guten Möglichkeiten fürs Wildzelten auf der Insel direkt neben Athen erzählt. Also haben wir die Uhrzeit mehr oder weniger außer Acht gelassen und haben die Fähre gegen 18:30 Uhr genommen und tatsächlich in einem Wald ein schönes Fleckchen gefunden.
Wir essen gemütlich Nudeln mit Pesto und Tomaten und gehen ins Zelt.Weiterlesen
Tag 47: Aigio bis Melissi
5. April 2023 in Griechenland
Nach angenehmer Nacht frühstücken wir mal wieder nicht gerade wenig und packen wieder einmal unsere Sachen.
Wir kaufen noch schnell im Lidl nebenan ein und machen uns dann auf den Weg. Heute haben wir 64 km vor uns, absolut flach (Höhenunterschied 60 m) und Rückenwind. Wir fliegen also quasi die Küste entlang. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm.
Wir fahren eine kleinere Straße entlang, die mündet in einen Feldweg und der wiederum in einem Haufen an Zweigen und ein wenig Müll. Mist! Hier geht es nicht weiter. Während die Frau von Komoot uns penetrant dazu auffordert bitte gerade weiterzufahren (Ihre Worte: "Jetzt geradeaus.") kehren wir dem Fluss, über den es hier keine Brücke gibt, den Rücken und suchen uns eine andere Brücke etwas weiter im Inland.
Ansonsten verläuft die Fahrt ohne nennenswerte Ereignisse.
Ein wenig vor der Unterkunft, die wir wegen der engen Bebauung mal wieder nehmen müssen, gehen wir noch einkaufen.
Kurz darauf kommt ein etwa zehnjähriger Junge auf uns zu. Er trägt einen Pullover mit Löchern, sein Gesicht ist schmal und seine Lippen aufgeplatzt. Er führt seine Hand zu seinem Mund und deutet an, als würde er essen. Danach reibt er sich über den Bauch. Kurz danach macht er die Geste für "Geld". Es zerbricht uns das Herz ihm nicht helfen zu können. Auch wenn der erste Instinkt uns dazu treiben würde ihm Essen oder Geld zu geben, wird immer wieder davon berichtet, dass man das tunlichst unterlassen soll, weil man das Problem dadurch nur weiter verstärkt und die Kinder dadurch vom Betteln abhängig macht. Stattdessen sollen eher Projekte unterstützt werden, die gezielt die Regionen unterstützen und sich für die Bildung und Versorgung der Bevölkerung einsetzen.
An dieser Stelle möchte ich nochmal auf unsere Spendenaktion hinweisen. Mit unserer Reise möchten wir durch die Leserinnen und Leser unseres Blogs und die Betrachter der Videos und Bilder Spenden für Kinder in Tansania, eine Krankenstation in Uganda und ein allgemeines Spendenkonto von Unicef sammeln, dessen Einnahmen beispielsweise auch den Kindern hier in Griechenland zugute kommen können. Die Spendenkonten der Projekte finden sich auf unserer Internetseite radlust.jimdosite.com. Dort finden sich auch weitere Informationen zu den Projekten.
Durch unsere Reise wird uns immer wieder bewusst gemacht, welches Glück wir hatten, in einem solchen Land wie Deutschland geboren worden zu sein und wie priviligiert wir aufwachsen konnten. Viele Kinder dieser Welt haben diese Chance nicht und müssen sich täglich durchkämpfen, leiden und können nicht einfach den Kühlschrank öffnen oder zum Arzt gehen, wenn es ihnen danach ist.
Um dies möglichst nachhaltig zu verbessern unterstützen wir die drei Projekte und hoffen, dass wir damit nicht die einzigen bleiben.Weiterlesen







































































































































































































































