San Diego, CA
December 29, 2022 in the United States ⋅ ⛅ 15 °C
Der Start meiner Abenteuer-Auto-Reise sollte San Diego/ CA sein. Mein Flug ging mit British Airways von Frankfurt via London Heathrow nach San Diego. Es waren zwei angenehme Flüge ohne besondere Vorkommnisse. Erst am Zielflughafen wurde es ungemütlicher, als am Gepäckband mein Name ausgerufen wurde mit der Information, dass mein Gepäck nicht angekommen sei.
Noch dazu hatte ich meinen Kindle im Flieger vergessen und es gab keine Möglichkeit mehr, an diesem Tag noch an mein elektronisches Lesegerät heranzukommen.
Was blieb mir anderes übrig, als den Kopf nicht in den Sand zu stecken und die Passkontrolle als „Visitor“ zu passieren.
Danach ging es mit dem Uber in die 8th Avenue, also nach San Diego Downtown. Ich hatte mich eine zeitlang vorher schon mit den Hostel-bzw. Hotelpreisen der Stadt auseinandergesetzt und aufgrund der überdimensionalen Preise nach einer Alternative gesucht, die mein Portemonnaie schonen würde. Dank Couchsurfing wurde ich fündig und konnte 5 unbeschwerte und sehr lustige Tage mit meinem Gastgeber Igor in seinem Studio im Zentrum San Diegos verbringen. Er hat sich zudem Zeit genommen, mich am Folgetag der Landung zurück zum Flughafen zu fahren, wo ich meinen Kindle und auch mein Gepäck in Empfang nehmen konnte. Mit Igor war ich auch im berühmten Gaslamp Quarter und in den Beachtowns von San Diego.
Leider hatte ich mit dem Wetter etwas Pech, so dass die Tage in der Metropole meist kühl, regnerisch und windig waren. Umso mehr Zeit blieb für gemeinsame Abende in der Wohnung bei gutem Essen, Wein und deutschen Netflix-Serien. Ruhig und gemütlich verlief auch der Rutsch ins Neue Jahr.
An einem Tag streifte ich nochmals alleine durch San Diego und konnte das Leben in den Straßen so richtig spüren. Vor allem hat mich die 2-Klassen-Gesellschaft bewegt. Das Bild, welches die unzähligen Homeless-People in den Straßen abgaben, kannte ich bisher nur aus dem TV.
Am 03.01.2023 fuhr mich Igor dann zum AAAA Storage in San Diego, um mein dort geparktes Auto abzuholen, mit dem ich die Weiterreise nach Yuma/ AZ antreten wollte.Read more
Yuma
January 3, 2023 in the United States ⋅ ⛅ 20 °C
Nachdem ich 5 Nächte in San Diego verbrachte, fuhr ich am 03.01.2023 mit dem Isuzu nach Yuma/ Arizona und wollte dort 2 Tage ausschließlich wegen der Registrierung des Autos bleiben. Da der Wagen keinen Katalysator hat, war eine Anmeldung in Kalifornien nicht möglich. Auch sind die Preise für eine Fahrzeugregistrierung in Arizona sehr günstig und die Prozesse einfacher. Dies wusste ich aus der Panamerican Association Facebook Gruppe. Am Folgetag meiner Ankunft ging ich also zum sogenannten DMV (Zulassungsstelle), um den Isuzu auf meinen Namen anzumelden. Die Anmeldung, ich entschied mich für 1 Jahr, verlief wirklich unkompliziert und kostete mich USD 119. Ich erhielt das temporäre Nummernschild in Papierform, welches ich mir in die Rückscheibe des Autos klebte. Das dauerhafte Nummernschild soll laut Behörde innerhalb von 14-31 Tagen an der Adresse ankommen, die ich in den USA angab. In meinem Fall war es die Adresse des Administrators der FB-Gruppe, der es mir auch nach Mexiko weitersenden würde.
Aber zurück nach Yuma:
Ich hatte mir hier ein sehr schickes AirBnB für 2 Nächte gebucht und meinen Aufenthalt sehr genossen. Aufgrund der vielen Erledigungen war es mir leider nicht möglich, mich in Yuma genauer umzusehen. Das, was ich mit dem Auto im Vorbeifahren gesehen habe, ist allerdings nicht erwähnenswert.
Eine Wüstenstadt mit milden Wintertemperaturen, die vor allem Kanadier als ihr temporäres Domizil nutzen, um zeitweilig der Kälte im eigenen Land zu entfliehen.
Der Isuzu machte auf der Fahrt nach Yuma rechte Probleme. Ich merkte schon bei der Einfahrt auf den Highway in San Diego, dass ich das Auto nicht recht unter Kontrolle hatte und es mit mir machte, was es wollte. Die Lenkbewegungen waren skurril. Ich ließ sogar noch einen Mechaniker kommen, der mit dem Auto fuhr und mir versicherte, dass das Fahrzeug in einem „guten“ Zustand sei.
Was dann tatsächlich mit dem Isuzu gar nicht „gut“ war, werde ich euch im Footprint von Ensenada berichten.
Am 05.01.2023 ging es dann von Yuma zur mexikanischen Grenze nach Tecate. Wie der Grenzübertritt verlief und wohin es mich als Nächstes führte, erzähle ich gerne im kommenden Beitrag.Read more
Tecate, Baja California, Mexiko
January 5, 2023 in Mexico ⋅ 🌧 12 °C
Am 5.Januar 2023 sollte es nun über die Grenze nach Mexiko gehen. Ich fuhr von Yuma/AZ zurück in Richtung San Diego.
Der Grenzübergang in Tecate wurde in den Panamericana-Gruppen als einer der unkompliziertesten beschrieben und nicht zuletzt deshalb nahm ich auch den längeren Weg auf mich. Ausserdem wollte ich mich mit dem Besitzer, der in der Nähe gelegenen Rancho La Bellota treffen, um den Ausbau des Isuzus zu besprechen.
Der Grenzübertritt verlief aufgrund eines gröberen Fehlers meinerseits und aufgrund weiterer ungünstiger Bedingungen leider gar nicht einfach. So fuhr ich an die Grenze heran und meinte, dass wie in Europa zuerst der Grenzposten des Ausreiselandes passiert werden müsse und man anschließend die Grenze ins Einreiseland erreichen würde. Das ich keinen Posten der USA sehen konnte verunsicherte mich dermaßen, dass ich vor der mexikanischen Grenze, also im Grenzgebiet, kehrt machte und wieder auf amerikanisches Terrain fuhr. Sofort fuhr die US-Border Control auf mich zu und drohte mir die Festnahme an. Ich konnte meine Unschuld bzw. mein Unwissen so kundtun, dass ich mit einer Verwarnung davonkam und die Grenze nach Mexiko schließlich passieren durfte. Ich fuhr durch die unbesetzte elektronische Schranke und erhielt dann Anweisung, rechts ranzufahren. Mein Fahrzeug wurde von mehreren Zollbeamten durchsucht. Anschließend musste ich den Isuzu aus dem Grenzgebiet herausfahren, in der Stadt parken und für die Formalitäten zurückkommen. Ich bekam das Touristenvisum für 180 Tage und bezahlte dafür ca. USD 70. Der schwierigste und zeitaufwendigste Prozess war allerdings die Registrierung des Autos. Dabei hat das temporäre Nummernschild den Prozess nicht gerade vereinfacht. Nachdem ich mit meinem Touristenvisum zum sogenannten Banjercito ging, hieß es erstmal, dass ich verschiedenste Unterlagen, wie Visum, Reisepass, Fahrzeugversicherung für Mexiko, Fahrzeugpapiere und in meinem Fall auch noch den Kaufvertrag als Kopie bringen solle. Bei strömendem Regen lief ich in Tecate herum und ließ für einige Pesos kopieren. Die Versicherung hatte ich nur als pdf-Anhang auf meinem Mobiltelefon und musste sie an eine externe e-Mail Adresse zum ausdrucken senden. Als ich dann vollkommen durchnässt wieder zum Banjercito zurückkam, nahm das Procedere nochmals Zeit in Anspruch. Für die Einfuhr des Autos waren USD 55 und für das Deposito USD 300 zu entrichten, welche ich nach Ausreise allerdings wieder zurück erhalte. Alles in allem hat mich der Grenzübertritt 3 Stunden und jede Menge Nerven gekostet. Kein Ein-und Ausreisestempel im Pass, welche wohl auch nicht mehr notwendig sind, der Isuzu fuhr sich noch immer nicht besser, aber ich war in Mexiko 🇲🇽!
In Tecate kaufte ich mir gleich eine Telcel-SIM und meinte, ich sei nun immer und überall online. Schon am selben Tag und auch auf der weiteren Reise auf der Baja California wurde ich oftmals eines Besseren belehrt.
Es war bereits Nachmittag und ich wollte die Ranch noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, also stürzte ich mich in den mexikanischen Verkehr. Ich fuhr eine Weile auf einer asphaltierten Straße und dachte, dass würde nun immer so weitergehen, doch aus Asphalt wurde Offroad, die Dämmerung brach herein und das Handysignal erlosch. Es war abenteuerlich. Auf dem letzten Drittel der Strecke wartete zum Glück Raúl, der Rancher der Rancho La Bellota auf mich und fuhr das letzte Stück Voraus. Nach einem guten Tequila sah die Welt einige Zeit später schon wieder besser aus, auch wenn der Tag recht an meine Substanz ging. Es war kalt in den Bergen und ich musste meinen kleinen Ofen im Zimmer anheizen, um während der Nacht nicht zu frieren. Am Morgen hatte sich Raureif über die Landschaft gelegt.
Nach dem Frühstück sollte es in das Dorf Francisco Zarco im Valle de Guadalupe gehen, wo wir mit dem Schreiner José Martínez den Ausbau des Isuzu besprechen wollten.Read more
Francisco Zarco, Baja California, Mexiko
January 6, 2023 in Mexico ⋅ ⛅ 16 °C
Am Morgen des 6. Januar 2023 fuhr ich mit Raúl nach dem Frühstück ins nahe gelegene Dorf Francisco Zarco, da wir uns mit dem Carpintero José Martínez für den Ausbau des Autos treffen wollten.
Raúl meinte noch, ich solle schon einmal voraus fahren, er werde mir folgen. Ich stand plötzlich vor einer Weggabelung. Links ging ein Weg ab und vor mir war ein geschlossenes Gatter, an welches ich mich nicht mehr erinnern konnte. Ich wurde unsicher, Raúl kam nicht nach und so entschied ich mich für Links. Es war natürlich falsch und es war noch schlimmer, als alles was ich am Tag zuvor gefahren bin. Ich brachte den Isuzu gerade noch so nach unten, wo der Weg auch endete. Da ich mir nicht zutraute, wieder nach oben zu fahren, schloss ich den Wagen ab und lief zurück zum Gatter. Endlich kam auch Raúl. Er durfte dann mit mir zum Auto laufen und es auf den rechten Weg bringen. Da hatte sogar er etwas Mühe. Anschließend fuhren wir ohne weitere Abstecher ins Dorf.
Der Schreiner José sah sich den Wagen an und konnte gut auf meine Bedürfnisse eingehen. Ich brachte den Isuzu am Freitagmorgen vorbei und konnte ihn nach 2 Tagen am Sonntagnachmittag bereits wieder abholen. Zwei Nächte verbrachte ich nochmal auf der Rancho La Bellota.
Im Auto befindet sich nach Josés Umbau nun eine große Liegefläche, darunter 2 Schubladen zum Ausziehen, wovon ich eine für meine Kleidung nutze und die andere für Geschirr. Diese fungiert bei Bedarf auch als Tisch. Im Wagen befindet sich noch ein kleiner Schrank, der sich sehr gut für die Aufbewahrung von Lebensmitteln eignet. Die Zweitbatterie konnte José auch optimal einbauen und nebenan sogar noch mit einem weiteren Kasten ergänzen, den ich für das Verstauen von Kosmetikartikeln nutze. Ausreichend Platz hat es nach dem Ausbau auch für den Kühlschrank, der bereits zum Inventar gehörte. In Ensenada liess ich dann noch eine Matratze maßanfertigen und beziehen und habe für den kompletten Umbau gesamthaft USD 750 bezahlt. Der Nutzen ist groß und ich bin allen Leuten, die mich dabei unterstützt haben unendlich dankbar.Read more
Ensenada, Baja California, Mexiko
January 8, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 17 °C
Wenn ich an meine Tage in Ensenada denke, dann denke ich vor allem an Geschäftigkeit und an unvorhergesehene Vorkommnisse mit dem Isuzu.
Nachdem ich mein ausgebautes Auto am Sonntagnachmittag des 8. Januar 2023 in Francisco Zarco abgeholt hatte, sollte es nach dem Befüllen des Tanks nach Ensenada gehen. Ensenada ist mit ca. 280 000 Einwohnern die größte Stadt auf der Baja California Norte. Ich hatte mir für 2 Nächte ein Zimmer im zentrumsnahen Capital O Hotel Rose gebucht, da ich mich noch um die Matratze und die Teppichauslagen in den Schubkästen kümmern musste. Außerdem wollte ich beim Auto die Spur einstellen lassen und ein Reifen sollte überprüft werden, da er Luft verlor.
Die Matratze, die Teppichauslagen und der geflickte Reifen waren am Montag im Laufe des Tages erledigt. Der Mechaniker bestellte mich für den Dienstagmorgen um 9 Uhr. Ohne große Bedenken fuhr ich am Morgen vor und das Auto kam auf die Hebebühne. Sergio, der Mechaniker fand sofort die Ursache für die instabilen Lenkbewegungen, die ich schon in San Diego auf der Auffahrt auf den Highway bemerkt hatte. Er empfahl mir, die Kugellager zu wechseln und meinte, dass die Zahnstangenbuchsen=bujes de la cremallera total hinüber seien und unbedingt ausgetauscht werden müssten. Ich fuhr zu etwa fünf verschiedenen Autoteileläden in Ensenada und erhielt immer wieder die selbe ernüchternde Antwort. Es brachte wohl kein US-Autoteilezulieferer mehr diese Teile für Isuzu nach Mexiko. Ich war erstmal verzweifelt und wandte mich an Freunde und Bekannte, um Ratschläge zu erhalten, bis ich mich schließlich entschied, zu Sergios Werkstatt zurückzufahren. Ein Freund hatte mir empfohlen, es doch einmal auf dem Autofriedhof zu probieren. In der Werkstatt traf ich auf Octavio, einen Kunden von Sergio. Dieser verbrachte zwei ganze Tage mit mir. Wir bekamen die Buchsen auf dem Autofriedhof und die Kugellager bei Autozones in Ensenada. Ich war überglücklich und am nächsten Tag sollte die Reparatur definitiv stattfinden.
Da ich meine Matratze nun im Auto hatte, entschied ich mich, die erste Nacht auf einem Campingplatz südlich der Stadt am Pazifik zu verbringen. Es war keine angenehme Erfahrung, da ich aufgrund einer Straßenblockade auf einen Platz ausweichen musste, der meinen Vorstellungen gar nicht entsprach. Ich fuhr am nächsten Morgen zeitig zurück nach Ensenada.
Das Auto blieb zur Reparatur bei Sergio und da mich Octavio beim Finden und Kaufen der Teile so sehr unterstützt hatte, lud ich ihn zum Frühstück ein. Zwischenzeitlich erhielt er einen Anruf von Sergio, dass eine der Buchsen nicht passen würde. Wir brachen erneut zum Autofriedhof auf und Octavio fand eine zweite passende Zahnstangenbuchse. Am späten Mittwochnachmittag des 11. Januar 2023 war die Reparatur inklusive der Spureinstellung vollzogen. Was für ein Moment ! Mir fiel ein Stein vom Herzen und die Anspannung der letzten Tage löste sich in Luft auf. Für die Arbeit und alle Ersatzteile zahlte ich nicht mehr als USD 200.
Am 12. Januar 2023 wollte ich mich auf meine erste längere Fahrt in Mexiko nach San Felipe am Golf von Kalifornien aufmachen. Es stand noch ein Einkauf bei Walmart an und dann sollte ich startklar sein. Beim Verstauen der Einkäufe hielt ich auf einmal die Blende des einen Schubkastens in der Hand. Wie froh war ich, dass es gerade vis a vis von Walmart einen lokalen Schreiner gab, der mir die Blende gut verschraubte. Nun konnte die Fahrt endlich losgehen. Die Hilfsbereitschaft der Mexikaner wirkte noch lange in mir nach.Read more
San Felipe, Baja California, Mexiko
January 12, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 19 °C
Von Ensenada sollte es nun endlich an den Golf von Kalifornien in die überschaubare Küstenstadt San Felipe gehen. Den Isuzu konnte ich nach der Reparatur mit einem guten Gefühl fahren. Es ging auf die Schnellstraße MEX 3, auf der ich bis zu meinem Ziel bleiben würde. Kurz nach Ensenada kam ich in meine erste Polizeikontrolle, die wie viele weitere auf der Baja äußerst freundlich und sachlich verlief.
Bereits nach Verlassen der Stadt tat sich eine bemerkenswerte Abgeschiedenheit auf. Es fuhr kaum noch ein Auto auf der Straße und die Landschaft begann sich zu verändern. Zuerst war es eine imposante Steinwüste, die mich zum Staunen brachte und bald darauf ein kahle Bergwelt, gefolgt vom sich am Horizont auftuenden Golf von Kalifornien. Dazu strahlend blauer Himmel bei eher kühleren Temperaturen zwischen 17 und 20 Grad Celsius. Auf der Baja ist aktuell Winter.
Die Entfernung von Ensenada nach San Felipe beträgt ca. 245 km. Mir kam die Strecke endlos vor, da ich immer wieder anhielt, die atemberaubende Landschaft bestaunte und Fotos schoss. Als ich endlich ankam, entschied ich mich für einen Campingplatz am Meer namens Victor‘s RV Park, in dem ich mich nur eine Nacht aufhielt. Am Morgen des 13. Januar 2023 begann ich das erste Mal während meiner Reise zu joggen und tue es seitdem täglich. Ich erreichte nach dem Run den Nachbarcampingplatz „Club de Pesca“, den ich für meine zweite Nacht in San Felipe wählte. Ein guter Entscheid, denn dort lernte ich Victoria und Neil kennen, Langzeitreisende aus den Staaten, die mich noch oft auf meiner Weiterreise mit nützlichen Tipps und Ratschlägen unterstützt haben.
San Felipe ist ein besonderer Ort. Das Städtchen, welches wohl vorwiegend von Campern aus den Vereinigten Staaten lebt, wirkte zwar etwas verwaist, aber was kümmert die Stadt, wenn die Natur den Atem raubt. Die Sonnenaufgänge von San Felipe sind magisch.Read more
Papá Fernández, Baja California, Mexiko
January 14, 2023 in Mexico ⋅ ☁️ 21 °C
Es war der Samstagmittag des 14. Januar 2023 an dem ich erneut aufbrach und die MEX 5 am Golf von Kalifornien in südlicher Richtung fuhr. Mein Ziel war die 156 km entfernte gewaltige Gonzaga Bay. Für einen Campingplatz hatte ich mich noch nicht entschieden, da unterschiedliche Meinungen über den Ort kursierten. So meinte zum Beispiel Victoria, dass die Bucht unter Umständen extrem windig sein könne, und dass man es dann egal wo, nicht länger als eine Nacht „aushalten“ würde. Ein Handysignal hatte ich seit dem Verlassen von San Felipe nicht mehr, was bedeutete, dass ich mir vor Ort ein Bild machen musste.
Die Landschaft zeigte sich auf dem Weg zur Bucht erneut sehr facettenreich. Die ersten riesigen Kakteen taten sich auf, ich kam an verlassenen Hütten vorbei und blickte fassungslos auf die imposante Bucht und die atemberaubenden Felsformationen, die aus dem Meer emporstiegen. Auch auf dieser Fahrt war hopp-on hopp off angesagt.
Als ich die Bucht nach einigen Stunden Autofahrt erreichte, entschied ich mich für den Gonzaga Bay Rancho Grande Campground. Im Minimarkt rechts vom Highway meldete ich meinen Stellplatz mit Palapa (windgeschützter Unterschlupf) an und bezahlte zu den Pesos 250 pro Nacht noch Pesos 30 für eine halbe Stunde Wifi. Andere Annehmlichkeiten gab es nicht vor Ort. Eine Waschgelegenheit existierte lediglich beim Minimarkt. Am Strand standen Trockentoiletten.
Kurze Zeit nach dem Eintreffen am Strand kam ein heftiger Wind auf. Ich musste an Victorias Worte denken. Es trat genau das ein, was sie mir bereits prophezeit hatte. Ich konnte mir auf meinem Einflammen-Gaskocher windgeschützt in der Palapa gerade noch eine warme Mahlzeit zubereiten, bevor ich in mein Auto zur Nachtruhe flüchten musste. Der Wind blies so heftig, dass es mich während des Schlafes ganz schön durchschüttelte. Trotz der Schönheit wollte ich die Gonzaga Bay am nächsten Morgen Richtung Bahia de Los Angeles verlassen.
Als ich das Auto anließ, strömte plötzlich ein starker Benzingeruch in den Innenraum, der außen gleichermaßen wahrnehmbar war. Hinter dem Laden gab es eine Hebebühne und wie fast überall in Mexiko, war auch sofort ein Mechaniker vor Ort. Dieser säuberte mir ein Ventil, welches zum Motor führte und empfahl mir den Austausch in der nächst größeren Stadt. Auch den Benzinfilter sollte ich wechseln. Die ersten 20 km nach der Rancho Grande war der Geruch erstmal weg, kam aber dann wieder. Für mich hieß das, dass ich spätestens in Guerrero Negro (übernächster Stop) einen versierten Mechaniker aufsuchen musste.
Doch nun ging es erstmal mit Benzingeruch zur Bucht der Engel.Read more
Campo Archelon
January 15, 2023 in Mexico ⋅ ☁️ 17 °C
Von der Gonzago Bay fuhr ich mit dem Isuzu weiter zur Bahia de Los Ángeles. Wie ich bereits geschildert habe, wurde das Auto von einem Mechaniker wegen starken Benzingeruchs begutachtet. Da er das Problem nicht nachhaltig lösen konnte, werde ich bei meinem übernächsten Stop in Guerrero Negro nochmals in eine Werkstatt gehen.
Die Fahrt über die Berge war wieder sehr beeindruckend. 200 km kein Handysignal und kaum ein Fahrzeug auf der Straße. Schon fast unheimlich. Das Wetter war regnerisch und sehr windig. Vorbei ging es an endlosen Kakteenwäldern und einer aus Filmen bekannten Wild-Western-Kulisse. Ich komme landschaftlich aus dem Staunen nicht heraus. Hier am Meer geht es sehr ruhig zu. Vor mir erheben sich einige aus dem Wasser ragende immense Felsen. Das Meer ist ruhig. Der Campo de Archelon ist ein sehr friedlicher Ort mit einem kleinen Restaurant, in dem das WiFi gut funktioniert. Vor dem Restaurant surft man im Internet und gönnt sich einen Drink. Die Nacht beginnt wie auf anderen Campingplätzen auch, sehr früh.
Ich bin schon gespannt, welchen Sonnenaufgang ich morgen aus der Heckscheibe meines Autos bestaunen darf.Read more
Guerrero Negro, BCS, Mexiko
January 16, 2023, Nordpazifik ⋅ 🌧 15 °C
Die Sonnenaufgänge an der Bahia de Los Angeles waren wirklich unglaublich und trotzdem wollte gutes Wetter nicht so recht aufkommen. Am zweiten Tag wurde es richtig ungemütlich, der Wind wehte gnadenlos über den Campo Archelon. Ich entschied mich spontan zur Weiterfahrt in die nächst größere Stadt namens Guerrero Negro. Ich ließ den Golf von Kalifornien hinter mir und fuhr in westlicher Richtung an die Pazifikküste. Auf dem Campingplatz hatte ich ein deutsches Ehepaar kennengelernt, die in ihrem umgebauten Unimog unterwegs waren. Sie empfohlen mir wegen des Benzingeruchs im Auto doch noch einen langzeitreisenden deutschen Automechaniker zu kontaktieren. Vielleicht könne er mir ja helfen.
Zufälligerweise traf ich diesen dann vor einem Supermarkt in Guerrero Negro, wo er eine Fehleranalyse machte. Mit der Information, dass der mexikanische Mechaniker nach der Benzinleitung schauen sollte, fuhr ich nach einem schnellen Einkauf auf Empfehlung von Victoria zu „Zihuls Campground.“ In Guerrero Negro ging die Zeit wieder eine Stunde vor, was für mich bedeutete, dass ich vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr all zu lange Zeit hatte. Zihul selber war nicht zu Hause, aber sein ältester Sohn Damian, der auch im väterlichen Kunstbetrieb „Zihul knives“ mitarbeitet, fuhr mit mir in die Stadt, um einen Mechaniker zu finden.
Es war eine recht knifflige Reparatur, da sich der Automechaniker mit der Marke Isuzu nicht wirklich auskannte. Er schraubte den Motordeckel ab und zeigte mir die Dichtungsringe. Sie waren porös und kaputt und mussten ausgetauscht werden. Zihul und Damian wollten mich schon mitnehmen und mir ein Zimmer im Haus zur Verfügung stellen, als der Mechaniker nach ca. 3 Stunden anrief und mitteilte, dass das Auto abholbereit sei. Ich zahlte USD 45 und war sehr erleichtert. Am nächsten Morgen wollte ich zur Sicherheit nochmals in den Motorraum schauen und versuchte dazu die Motorhaube zu öffnen. Alle Versuche scheiterten und ich fuhr erneut in eine Werkstatt. Es war nur eine kleine Sache, die mit einem Spray behoben werden konnte. Das Auto hielt mich bis dato ganz schön auf Trab.
Am Morgen des 18. Januar 2023 herrschte in der Dusche des Campingplatzes Wasserknappheit. Ich hatte mich so auf warmes Wasser gefreut und hatte vor, nach längerer Zeit meine Haare mal wieder zu waschen. Ich stand schon unter der Dusche, doch es tröpfelte nur eiskalt von oben herab. Freundlicherweise boten mir Zihul und seine Frau Perla das private Badezimmer im Haus an. Ich bin Zihul für seine Unterstützung wirklich sehr dankbar und wünsche ihm, dass er seine Messerunikate in Zukunft zahlreich verkauft.
Gegen Mittag machte ich mich auf den ca. 25 km langen Weg an die Laguna de Ojo Liebre, in der Hoffnung dort die gigantischen Grauwale beobachten zu können, die gerade aus nördlichen Gefilden kommend, hier vorbei schwimmen.Read more
Laguna Ojo de Liebre
January 19, 2023, Nordpazifik ⋅ ☀️ 18 °C
Heute Morgen ging es um 9 Uhr mit anderen deutschen Individualtouristen Richtung Pier, um ein Boot für eine Walbeobachtung anzuheuern. Der Preis pro Person betrug USD 55 oder Pesos 1040. Die Boote fahren in der Saison von Ende Dezember bis Ende März stündlich von 8-15 Uhr.
Nachdem die Schwimmwesten angezogen waren, fuhren wir bei ruhigem Seegang nicht mehr als 10 Minuten in die Bucht hinaus. Die ersten Giganten der Meere zeigten sich schon bald und sie schwammen ruhig an uns vorbei. Es war ein Schauspiel und es wurden immer mehr. Wohin das Auge reichte, taten sich die immensen Rücken der Grauwale und ihre Walfontänen auf. Das Highlight war sicherlich, dass eine Walkuh mit ihrem Kalb bis an unser Boot heran kam. Was für ein bewegender Moment.
Die Grauwale haben erst begonnen die Pazifikküste der Baja California zu kreuzen.Ich hoffe, dass ich weiter südlich an 2 anderen Buchten nochmals auf Beobachtungstour gehen kann.
Die Rückkehr an Land verlief sehr ruhig und die Pelikane schienen sich nicht weiter an uns zu stören. Es war ein ereignisreicher Tag, der stimmungsvoll zu Ende ging. Ich freue mich morgen auf ein neues Abenteuer auf der Weiterfahrt gen Süden nach San Ignacio.Read more
San Ignacio, BCS, Mexiko
January 20, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 22 °C
Am Tag nach der beeindruckenden Wahlbeobachtung an der Laguna Ojo de Liebre verliess ich die Pazifikküste auf der MEX 1 und stoppte auf halber Strecke zwischen Pazifik und Golf von Kalifornien in San Ignacio.
Nach den vielen Tagen in der Wüste tat das Ankommen in diesem Kolonialstädtchen, welches eingebettet ist in eine Palmenoase, richtig gut. Dem Auge bot sich mal wieder ein anderer, farbenfroher Anblick.
Sehenswert in San Ignacio ist die im Jahre 1728 erbaute Missionskirche, die sich rechterhand des Plaza befindet und öffentlich zugänglich ist. Ein Museum ist in unmittelbarer Nachbarschaft.
Auf dem Plaza gibt es einige einladende Cafés und Restaurants. Das Artesanías J&J offeriert Kaffee und Kunst, während man im Restaurant Rancho Grande wohl die besten Margeritas auf der Baja California bekommt. Ich habe sowohl Kaffee, als auch Margerita probiert und Zweiter hat mich ganz schön umgehauen.
Wie gut, dass ich mich für einen Campingplatz nahe des Zentrums entschieden hatte. Für Pesos 150 pro Nacht stand ich auf dem „Paraiso Misional“, einem sehr familiären Platz. Da die Duschen noch im Bau sind, muss man mit Toilette und Waschbecken auskommen. Dafür steht abends von 18 - 20 Uhr Strom zur Verfügung.
Ich hatte ursprünglich vor, zwei Nächte in San Ignacio zu bleiben. Die erste Nacht waren Schweizer und Deutsche auf dem Campingplatz, die ich schon aus der Laguna Ojo de Liebre kannte. Mit Dieter und Beate aus Moers verbrachte ich einen netten Abend in deren umgebauten Unimog, bevor sie am nächsten Morgen abreisten.
Ich stand nach wie vor mit Raúl von der Rancho La Bellota im Kontakt, der gerade mit einer amerikanischen Reisegruppe an der Laguna San Ignacio war. Auf meiner To-Do-Wunschliste stand, dass ich an dieser Lagune nochmals bei einer Wahlbeobachtung dabei sein wollte. Allerdings war es an diesem Tag so stürmisch, dass alle Touren abgesagt wurden. Der Weg von 60 km zurück an die Pazifikküste lohnte sich somit nicht und das Wiedersehen mit Raùl kam leider auch nicht mehr zu Stande.
In San Ignacio blies der Wind am Morgen des 21. Januar 2023 unverhältnismäßig stark. Das Handysignal brach ab und auf dem Campingplatz ging alles was nicht niet- und nagelfest war zu Bruch. Spontan entschied ich mich zur Weiterfahrt. Ich hatte noch kein konkretes Ziel, schaffte es aber nach 125 km die Kleinstadt Mulegé am Golf und von Kalifornien zu erreichen. Hier blieb ich länger.Read more
Mulegé, BCS, Mexiko
January 21, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 17 °C
Beim Ankommen in Mulegé war ich zuerst etwas desorientiert. Ich suchte nach einem Campingplatz, den mir Raúl von der Rancho La Bellota empfohlen hatte. Dieser existierte aber gar nicht. Unterdessen hatte ich einen Mexikaner an meiner Seite, der zwar sehr hilfsbereit war, aber auch liebend gerne eine Tour zu den bekannten Höhlenmalereien der Sierra de Guadelupe verkauft hätte. Ich habe ihm die Tour abgesagt, da es mir recht preisintensiv erschien und ich auch noch nicht genau wusste, was ich in den nächsten Tagen vor hatte. Ich fuhr erstmal aus dem netten Städtchen mit seinen knapp 4000 Einwohnern, übrigens ohne Geldautomat, heraus, um zum einen eine Wäscherei und zum anderen einen guten Campingplatz zu finden. Die Wäsche hatte ich abgegeben und der Campingplatz „Don Chan“ vis à vis des Rio Santa Rosalía war auch gefunden. Der Platz bot im Vergleich zu allen Campingplätzen bisher richtigen Luxus mit W-LAN, Strom, warmer Dusche, einem Restaurant und netten Nachbarn für gerade mal Pesos 250. Ich blieb 3 Nächte an diesem schönen Ort.
Verließ man den Campingplatz linkerhand konnte man am Fluss entlang spazieren, bis dieser in den Golf von Kalifornien mündete.
Rechterhand ging es ins Zentrum von Mulegé. Das Flussufer ist von Palmen gesäumt und erinnert an einen tropischen Ort. Im Zentrum gibt es ein paar nette Bars und Tiendas, in denen man Dinge des täglichen Bedarfs erwerben kann. Auf der Plaza findet man den besten Fischtaco-Imbiss in Mulegé.
Sonntags ist das Städtchen wie ausgestorben. Die Läden und die meisten Restaurants sind geschlossen. Nur die im Wind flatternden bunten Wimpelketten sorgen für etwas Stimmung. Viele mexikanische Familien verbringen den Tag gemeinsam. Dabei wird der Grill für ein Barbecue angeheizt.
Ich konnte den Sonntag nutzen, um in Ruhe durch Mulegé zu streifen. Die wichtigsten Gebäude sind mehrere Kirchen, darunter auch die bekannte Mission Santa Rosalía.
Die schönsten Erinnerungen habe ich jedoch an die unbeschreibliche Natur in dieser Oase und an meine netten Campingnachbarn Mary & Mark aus Washington State.Read more
Bahía Concepción
January 24, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 9 °C
Nachdem ich Mulegé verlassen hatte, ging es in südlicher Richtung etwa 30 km weiter an die Bahía Concepción, die größte Bucht der Baja California.
Überwältigt von der Schönheit und Besonderheit, die jeder Strand zu bieten hat, fiel es mir schwer, mich für einen zu entscheiden. Ich fuhr erstmal einige an, wie z.B. den Playa Santispac, den Playa Los Cocos und den Playa El Coyote, damit ich mir ein Bild machen konnte. Alle Strände sind momentan von kanadischen und US-amerikanischen Langzeitcampern gut gefüllt und die Palapas grösstenteils besetzt und ausgestattet.
Die erste Nacht wollte ich am Playa El Coyote verbringen und dachte, ich frage ein Camperehepaar, ob wir uns die Palapa möglicherweise teilen könnten. Die Camper waren Nicole und Jeff aus Texas, die ich auf dem Campo Archelon an der Bahía de Los Angeles bereits gesehen, aber noch nicht kennengelernt hatte. Wir kamen ins Gespräch, ich bekam die Palapa und Jeff lud mich für den nächsten Tag in eine Bar ein, in der er singen und Gitarre spielen würde. Ich sagte sofort zu.
An diesem Tag lief am Strand nicht mehr viel. Zum Baden war es zu kalt. Ich spazierte nochmal am Ufer entlang, unterhielt mich mit einigen Campern, inspizierte die Trockentoiletten (etwas anderes gab es hier nicht) und machte es mir dann im Isuzu bei einem Glas Rotwein gemütlich. Für den nächsten Tag überlegte ich mir, an den Playa Escondida zu wechseln, da dieser in einer windgeschützten Bucht liegt und mir von den Vorbesitzern des Isuzus wegen seiner Schönheit und Abgeschiedenheit empfohlen wurde. An allen Stränden hatte man kein Handysignal. Was sollte man an der Bahía Concepción also anderes machen als NICHTS. Es tat gut.
Am nächsten Tag fuhr ich gegen Mittag an den Playa Escondida. Dieser war wirklich atemberaubend schön. Wie schon am El Coyote war das Wasser glasklar und türkisfarben. Am Escondida traf ich Michael aus Berlin wieder, der mit mir eine Wanderung, die steil bergauf ging, machte. Der Blick von oben auf die Bucht war überwältigend. Michael entschied sich dann auch spontan, mit an Jeffs Auftritt am Playa El Burro zu kommen.
Die kleine Bar hatten wir schnell gefunden und es waren noch ca. 10 weitere Gäste da. Jeff, einst ein professioneller Musiker, tourte auch durch Deutschland und Schweden. Seit 4 Jahren lebt er Vollzeit mit seiner Frau Nicole und der gemeinsamen Hündin in einem ausgebauten Ford Transit und spielt nur noch vor kleinerem Publikum. Es war ein wundervoller Abend und Jeffs Musik ging unter die Haut. Der Margerita mundete auch sehr. Dass ich nochmals in den Genuss eines solchen Konzerts kommen sollte, ahnte ich nicht.
Als ich mit Michael wieder zurück an den Playa Escondida kam, war es schon dunkel und ich legte mich in meinem rollenden Tiny house schlafen. Das funktioniert übrigens ziemlich gut.
Wie schon so oft an der Baja California, galt es am nächsten Morgen einen gewaltigen Sonnenaufgang und weitere Strände, wie den Playa El Requeson auf der Weiterfahrt zu bestaunen. Ziel sollte die bei Amerikanern und Kanadiern beliebte Stadt Loreto am Golf von Kalifornien sein.Read more
Loreto, BCS, Mexiko
January 26, 2023 in Mexico ⋅ 🌬 16 °C
Loreto ist wunderschön und so bunt. Ein echtes Juwel auf der Baja California Sur, dessen Besuch lohnenswert ist.
Ich verließ die Bahía Concepción am frühen Vormittag, da ich schon von einigen Reisenden gehört hatte, dass der Romanita R.V. Park, der sich fussläufig zum Zentrum befindet, immer sehr frequentiert sei. Meine Reisebekanntschaften Dieter und Beate waren allerdings schon einen Tag auf dem Platz und hatten am Vormittag bereits eine Reservierung für mich vorgenommen. Also beeilen musste ich mich nicht wirklich.
Als ich am Nachmittag in Loreto ankam, machte ich noch einige Besorgungen. Es war schön, mal wieder in einer Stadt zu sein. Danach fuhr ich zum Campingplatz und konnte mich direkt vor den Unimog der beiden Deutschen stellen. Der Empfang vom Platzwart war sehr herzlich und durch seine humorvolle Art hatten wir die kommenden beiden Tage richtig Spaß.
Im Romanitas kam auch erstmals meine Machete zum Einsatz, die der Platzwart nutzte, um eine Palme zu stutzen. Erst dann konnte ein amerikanischer Truck ausfahren. Seitdem schlummert die Machete wieder im Wagen.
Nachdem der Unimog ebenfalls den Platz verlassen hatte, konnte ich mich richtig ausdehnen.
Mein Plan für den Nachmittag war es, die Stadt zu erkunden. Loreto zählt heute etwa 12 000 Einwohner. Die Stadt wurde im Jahre 1697 als Mission gegründet und gilt als die erste und älteste spanische Siedlung in Kalifornien. Loreto war sogar bis 1777 Hauptstadt Kaliforniens. Die Missionskirche zählt seit fast 30 Jahren zum UNESCO Weltkulturerbe. Der Streifzug durch Loreto vermittelt ein fast herrschaftliches Gefühl. Interessant ist auch die farbliche Vielfalt der Innenstadt. Angefangen vom Souvenirladen bis hin zum steinerneren Stadtschriftzug ist alles sehr bunt.
Ein paar Schritte raus aus dem Zentrum und schon befindet man sich am Hafen und an der Strandpromenade. Ab ca. Mitte März lohnt sich eine Walbeobachtungstour. Dann tummeln sich nämlich Blauwale im Golf von Kalifornien. Bedauerlich, dass ich zu früh vor Ort war.
Als ich am Nachmittag nach meinem Streifzug durch Loreto zum Campingplatz zurückkam, erlebte ich eine Überraschung. Jeff und Nicole aus Texas waren ebenfalls in der Stadt und Jeff würde ein weiteres Konzert am Abend in einer Bar um die Ecke geben. Wie toll. Ich sagte natürlich zu und mobilisierte noch weitere Camper zum Mitkommen. Es war ein familiärer Abend, der bei einem mexikanischen Abendessen und 1-2 Pacífico (stylische mexikanische Biersorte) enden sollte.
Am nächsten Morgen verließ ich Loreto schweren Herzens. Es sollte ein hastiger Abschied werden. Da an diesem Abend ein Streetfestival stattfand, begann man schon zeitig mit dem Aufbau der Stände, praktisch vor Romanitas Einfahrt. Im Nachhinein habe ich es bereut, nicht noch eine Nacht länger in der Stadt gewesen zu sein. Loreto ist für mich die bisher schönste Stadt auf der Baja California.
Der Isuzu lief übrigens gut und ich habe ihn bis anhin nicht gegen einen VW Käfer eingetauscht. Noch weniger Platz würde wahrscheinlich nicht funktionieren. In Loreto kam ich auch erstmals auf den Gedanken, meine hinteren Scheiben abdunkeln zu lassen, da ich gefühlt kaum noch Privatsphäre habe. Mal schauen, ob ich diese Idee umsetzen kann. Doch vorher sollte es erst einmal an die Bahía Magdalena zur 2. Walbeobachtung gehen.Read more
Adolfo López Mateos, BCS, Mexiko
January 28, 2023 in Mexico
Für die 2. Wahlbeobachtung standen an der Bahía Magdalena zwei Orte zur Auswahl: der weiter nördlich gelegene Ort Adolfo López Mateos oder der im Süden der Bucht gelegene Ort San Carlos. Auf Anraten des Platzwartes des Romanita Campingplatzes in Loreto und nicht zuletzt auch aufgrund der Wetterverhältnisse, entschied ich mich für den erstgenannten. Die 159 km ließen sich bequem in 2 Stunden fahren und ich passierte auch diesmal wieder beeindruckende Landschaften. Gewaltige Höhenzüge wurden von flachem Kakteenland bis hin zur Küsten- und Dünenlandschaft abgelöst.
Adolfo López Mateos ist ein überschaubarer Ort an der Pazifikküste, der während der Walsaison von Januar bis Ende März vom Tourismus und sonst vom Fischfang lebt. Der Hafen, von welchem aus die Walbeobachtungen stattfinden, ist vor allem am Wochenende von Einheimischen gut besucht. Mir persönlich war es hier zu touristisch.
Oberhalb der Düne stand ich mit dem Rodeo für die Nacht, zusammen mit einem Ehepaar aus Deutschland in deren Unimog. Weitere Camper waren nicht da. An diesem Abend war ein besonderer Sonnenuntergang zu bestaunen.
In der Nacht zog ungewöhnlich dichter Nebel auf und am nächsten Morgen konnte man die Hand nicht vor den Augen sehen. Aus der Tour, die wir um 8 Uhr starten wollten, wurde 9 Uhr und der Nebel lag noch immer bleiern über dem Pazifik. Ich ließ mich mitreißen, glaubte aber nicht wirklich, dass sich das dichte Grau schnell auflösen würde.
Für gerade mal Pesos 500 pro Person, was etwa €25 entspricht bot uns der Bootsführer die 2-stündige Walbeobachtung an. Das Boot startete und durch die sich ganz langsam hochziehenden Nebelschwaden tat sich linkerhand von unserem Boot die Isla Magdalena mit ihren formschönen Dünen auf. Ein Wal wollte sich uns noch nicht zeigen. Zwischenzeitlich schwammen aber einige Delphine vorüber.
Als dann weit nach 10 Uhr endlich der Himmel in blau erstrahlte, kam auch der Grauwal zum Vorschein. Leider nur Einer und er wollte sich unserem Boot nicht recht nähern.
Nach ca. 2 Stunden ging es dann zurück in den Hafen. Da es ein Sonntag war, herrschte reges touristisches Treiben. Ich entschied mich noch am selben Tag bis zur nächsten größeren Stadt namens Ciudad Constitución zu fahren. Alle 3 Campingplätze waren verwaist und ich fühlte mich nicht recht wohl. Spontan fuhr ich weiter und schaffte es, an diesem Tag die Hauptstadt der Baja California La Paz zu erreichen.Read more
La Paz, BCS, Mexiko
January 29, 2023, Nordpazifik
In La Paz weilte ich während meiner Zeit auf der Baja California insgesamt drei Mal.
Part1:
Am 29. Januar erreichte ich die Hauptstadt der Baja California zum ersten Mal. Da es schon recht spät am Nachmittag war, entschied ich mich, nicht mehr bis in die Innenstadt zu fahren, sondern machte im Vorort El Centenario auf dem Carlita‘s Casitas and Campground halt. Auf dem Gelände waren neben Wohnmobilen auch einige AirBnB‘s angelegt. Die gesamte Anlage machte einen äußerst gepflegten Eindruck, worauf der kanadische Besitzer auch sehr großen Wert legte. Schwierigkeiten bereiteten mir in dieser Gegend allerdings die Straßenhunde. Ich versuchte am frühen Abend noch zu joggen, was leider nicht möglich war, da die Hunde immer wieder auf mich zu rannten und mich anbellten. Am nächsten Morgen verließ ich den Vorort in Richtung Zentrum, wo ich ins Peace Center einchecken wollte. Hier sollte ich dann auch endlich mein Nummernschild in Empfang nehmen, welches aus den Staaten vor einigen Tagen versandt wurde und bereits eingetroffen war. Ich stand mit der Betreiberin des Platzes seit längerer Zeit im Kontakt. Als ich am Morgen das Peace Center erreichte, war Anna nicht da und Camper öffneten mir das Tor zum Einfahren. Einige kannte ich bereits von anderen Orten auf der Baja. Das Peace Center war früher ein Hostel, bietet die Zimmer aber mittlerweile via AirBnB an. Auf dem Platz zwischen den beiden Gebäuden drängen sich die Camper dicht an dicht. Bis zu 10 Fahrzeuge habe ich an manchen Abenden auf dem wirklich nicht sehr großen Platz gezählt.
Das tolle am Peace Center ist die großzügige Palapa mit Küche, wo man sich eigentlich den ganzen Tag auf ein Schwätzchen trifft. Ich fuhr nach meiner Ankunft an einen freien Platz und merkte sehr schnell, dass es Hunde bevorzugen, dort ihr großes Geschäft zu verrichten. Ich entschied mich für einen Wechsel des Stellplatzes. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch Auswahl. Ich verließ den Campground wieder, da ich in der Stadt einiges zu erledigen hatte. Plötzlich kontaktierte mich Anna, die Betreiberin und teilte mir mit, dass ich den neuen Platz wieder räumen müsse, da sie ein höheres Fahrzeug dort unterbringen werde. Ich war enttäuscht und wütend und wollte auf keinen Fall mehr auf den unsauberen Stellplatz zurück. Ich fuhr zum Peace Center und wollte schauen, was sich machen liesse. Als ich dort eintraf, waren es Jeff und Nicole aus Texas, die sich mit ihrem Ford Sprinter meinen Platz ergattert hatten. Die Freude des Wiedersehens war so groß, dass der restliche Ärger verflogen war. Und letzten Endes bekam ich noch einen besseren Stellplatz als die beiden, die ich davor hatte. In den beiden nächsten Tagen machte ich eigentlich nicht viel mehr, als das Nummernschild anzubringen, zu joggen, was an der Uferpromenade hervorragend ging, zu spazieren und meinen Erledigungen nachzugehen. Ich ließ auch meine Autoscheiben polarisieren, da ich mir schon länger mehr Privatsphäre wünschte. Eine gewinnbringende Investition.
Im Peace Center redete man unterdessen schon sehr viel über das bevorstehende Campertreffen ESCAPAR, welches vom 1. Februar bis zum 6. Februar am nahegelegenen Tecolote Beach stattfinden sollte. Ich war noch unschlüssig, ob ich dort auch hinfahren sollte, aber Jeff und Nicole haben mich schließlich überzeugt. Am Mittwoch verließ ich das Peace Center und La Paz in Richtung Tecolote Beach, über den ich noch einen separaten Beitrag verfassen werde.
Part2:
Nachdem ich nach 2 Tagen von ESCAPAR genug hatte, verschlug es mich an die Südwestküste nach Todos Santos. Todos Santos und der nahegelegene Cerritos Beach sind vor allem für Surfer ein Hotspot auf der Baja. Da sich mein Campground an etwas erhöhter Lage mit Blick auf den Ozean befand, konnte man Walfontänen sehen, soweit das Auge reicht. Einfach nur atemberaubend. Ich blieb 2 Nächte und fuhr wieder zurück nach La Paz, mit dem Ziel, allmählich die Fähre aufs Festland zu nehmen. Die Nacht verbrachte ich noch einmal im Peace Center. Am nächsten Mittag entschied ich mich recht spontan, nördlich auf der MEX1 nach Loreto zurück zu fahren und blieb dort insgesamt 3 Nächte für ein wundervolles Wiedersehen.
Part3:
Am Donnerstag, den 9. Februar trat ich die Rückfahrt von Loreto nach La Paz an. Ich hatte wieder 360 km zu bestreiten und mit dem Isuzu lief es bis auf Kleinigkeiten super. Doch an diesem Tag zeigte er mal wieder sein wahres Gesicht. In Loreto tankte ich voll und wunderte mich, dass der Tank schon nach ca. 45km ein Viertel seines Inhaltes verloren hatte. Noch dazu wusste ich unterdessen ja, dass auf der Baja California A: das Handysignal Überland nicht existiert und B: nicht an jeder Ecke eine Tankstelle vorzufinden ist. Bis zur Ciudad Insurgentes waren es noch 23km und die Tanknadel beim letzen Viertel. Als ich an der Tankstelle eintraf, war der Tank leer. Ich sah, dass Benzin aus dem Unterboden tropfte und rief nur noch „cuatrocientos y donde esta un taller“ was soviel bedeutet wie: für Pesos 400 Benzin auffüllen und wo ist die nächste Werkstatt. Er betankte den Isuzu und zeigte über die Straße. 25m weiter stand ich auf dem Platz eines Automechanikers, der mir die Benzinleitung in einer Stunde reparierte und mir versprach, dass diese jetzt für immer halten solle ;). Übrigens nahm er mir unverschämt viel Geld ab, aber ich war einfach nur froh, dass ich weiterfahren konnte. Zudem hatte ich seit einigen Tagen eine rechte Erkältung. Ich erreichte das Peace Center in La Paz am späten Nachmittag und blieb nochmals 4 Nächte. Diesmal ging es vorwiegend darum, meine Erkältung auszukurieren. Am Sonntag konsultierte ich einen Arzt, da sich mein Zustand nicht verbessern wollte. Die Medikamente zeigten Wirkung und so konnte ich noch einmal an der Uferpromenade spazieren, durch die Altstadt von La Paz schlendern und in lokalen Seafood Restaurants schlemmen. Am Montag, den 13. Februar sollte es endlich auf die Fähre aufs Festland gehen. Ich fuhr am frühen Vormittag zum Fährhafen, der sich etwa 15km außerhalb von La Paz befindet und konnte um 15 Uhr einchecken. Die Fähre fuhr um 19.30 Uhr ab und sollte etwa 14 Stunden auf See sein. Es war eine ruhige Überfahrt und da ich mit der TMC (kommerzielle Fähre) fuhr, konnte ich wie gewohnt in meinem Isuzu schlafen. Der Ticketpreis belief sich auf Pesos 5000 + Pesos 200 Hafengebühren, was etwa €260 entspricht. Am Valentinstagmorgen erreichte ich die Stadt Mazatlán auf dem Mexikanischen Festland.Read more
Playa El Tecolote (Tecolote Beach)
February 1, 2023 in Mexico
Am Mittwochvormittag des 1. Februar brach ich meine Segel im Peace Center ab und machte mich gemächlich an den von La Paz etwa 20km entfernten Tecolote Beach auf, wo an diesem Tag das größte, alljährlich stattfindende Campertreffen auf der Baja California starten sollte. Zum ESCAPAR, wie es sich nennt, wurden mehrere hundert, wenn nicht sogar mehr Wohnmobile erwartet. Ich war schon sehr gespannt, was da auf mich zukam.
Bevor ich den Tecolote Beach erreichte, machte ich noch einen Halt am Fährhafen, der sich in Pichilingue befindet. Ich wollte mich wegen der Fähre aufs Festland erkundigen und bereits reservieren. Das Büro der TMC (kommerzielle Fähre) war einfach zu finden und auch das Reservieren vollkommen unkompliziert. Als ich dann aber die Fähre tatsächlich an einem anderen Tag, als dem reservierten nahm, realisierte ich, dass eine Reservierung für ein Auto gar nicht unbedingt notwendig ist, da die Fähre sehr viel Platz bietet.
Ich fuhr gegen 14 Uhr weiter zum Strand, wo sich schon sehr viele Camper positioniert hatten. Als ich etwa im Zentrum des Partygeländes war, klopfte es an meine Seitenscheibe. Nicole hatte mich entdeckt und ich blieb eine Weile an deren Standort. Mein Auto ließ ich erst einmal stehen und erkundete den Rest des Strandes zu Fuß. Fast am Ende, windgeschützt hinter den Dünen standen die „Jungs vom Peace Center“, zu denen ich mich dann dazu gesellte. Etwas abseits konnte nicht schaden, da es bis anhin auf dem Gelände nur vorne bei den Schnellrestaurants Toiletten gab, die zudem nachts abgeschlossen wurden. An diesem Mittwoch passierte nichts Spannendes mehr, außer dass Jeff ein weiteres Konzert gab, mein Drittes und Letztes. Es war eine besondere Stimmung an diesem Abend am Strand.
Da der Startschuss wie angekündigt an jenem Mittwoch nicht gefallen war und es am Donnerstagmorgen äußerst windig war, entschied ich mich zur Abreise. Ich wollte den Süden der Baja noch etwas erkunden. Ich fuhr an der Kreuzung in Richtung La Paz geradeaus, anstatt links abzubiegen und kam an ein Tor, durch welches ich gelassen wurde. Erst später registrierte ich, das ich am Playa Balandra war, einem der schönsten Strände weltweit, wo üblicherweise Anstehen für den Einlass angesagt ist. An diesem Tag war es anders. Es war zwar nicht menschenleer, aber ich fand auf Anhieb einen Parkplatz und erklomm den nächstgelegenen Hügel. Mir bot sich ein atemberaubender Blick auf den Ozean. Das Wasser war türkis, am Strand lag feiner Pulversand. Magisch.
Um 12.00 Uhr heulte dann eine Sirene laut auf, was mich sehr verwunderte. Ein französischer Tourist erklärte mir, dass der Strand mittags für eine halbe Stunde schließe und um 12.30 wieder öffne. Ich kam natürlich zurück und dadurch, dass Ebbe war, konnte ich die beeindruckenden Felsen entlanglaufen und wunderschöne, bleibende Eindrücke sammeln. Playa Balandra ist ein wahres Juwel.
Es war mittlerweile Nachmittag geworden und eine Weiterfahrt Richtung südliche Baja lohnte sich nicht mehr wirklich. Ich fuhr die ca. 4km zurück an den Partystrand und stellte mich wieder hinter die Dünen. Mittlerweile waren auch einige bekannte deutsche Camper da, sowie Jeff und Nicole und die Jungs vom Peace Center. Es wurde nicht langweilig.
Am Freitagmorgen fuhr ich dann aber doch los, nachdem ich noch eine Einweisung in die Zubereitung von „Camper-Espresso“ von Tony bekam und mich Jeff, der unterdessen Covid hatte, mit einer seiner CD‘s beschenkte. Ein bewegender Abschied von lieben Menschen.
Die Party startete erst an diesem Freitagabend so richtig und dauerte das Wochenende an. Ich verpasste sie :).Read more
Mazatlán, SIN, Mexiko
February 14, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 16 °C
Ich erreichte die 550 000-Einwohner -Metropole Mazatlán, die sich im berüchtigten Bundesstaat Sinaloa befindet, am frühen Dienstagmorgen des 16. Februar 2023 kommend mit der Fähre aus La Paz. Es war ein kühler, aber sonniger Morgen, an dem ich mit dem Isuzu den Hafen Richtung Zentrum verließ. Leider gab es in und um die Stadt Mazatlán keinen Campingplatz und ich wollte mich auch nicht zu weit außerhalb begeben. Streetcamping war für mich deshalb eine gute, wenn auch neue Alternative.
Da ich mich an die vielen Einbahnstraßen in der Stadt erst einmal gewöhnen musste, und mich Google Maps ständig in die falsche Richtung navigierte, fuhr ich 1x verkehrt in die Straße hinein und hatte prompt die Policia Municipal am Hals. Ich stellte mich blond und kam nochmals ohne das gefürchtete „Ticket“ aus der Sache heraus. Trotzdem viel es mir schwer, die informellen Campsites, die auf der IOverlander App markiert waren, zu finden. Glücklicherweise konnte ich dann aber in der Calle Mariano Escobedo, die sich mitten im historischen Viertel befindet, einen Parkpkatz ergattern. An der Ecke befand sich die Cafeteria El Faro, wo es noch zu mexikanischen Preisen (Pesos 22) sehr köstlichen Kaffee gibt. In der Gegend bewegt man sich normalerweise im europäischen Preisniveau und darüber. Nachdem ich die umliegenden Straßen etwas ausgekundschaftet hatte, versuchte ich im Hotel um die Ecke, die Gästetoilette für mich zu nutzen. Es klappte super. So konnte ich mich morgens und abends abseits der belebten Straße waschen und meine Zähne putzen. Es war ein kostengünstiger Aufenthalt in der sonst recht preisintensiven Hafenstadt.
Am Tag der Ankunft spazierte ich noch eine Zeit durchs historische Viertel, traf mich mit deutschen Reisenden und ging früh zu Bett. Die Erkältung hatte mich noch sehr im Griff. Leider war an Schlaf nicht wirklich zu denken. Im Viertel herrschte Hochbetrieb, zum einen wegen dem heutigen Valentinstag, zum anderen weil der berühmte Carnaval de Mazatlán 2 Tage später starten sollte, übrigens der weltweit 3.größte Karneval. Die Stadt war im Partyfieber und ich lag müde in meinem Auto. Wenn ich auf die Nächte an der Straße zurück blicke denke ich nur eines: der Isuzu ist wirklich unscheinbar und niemand ahnt, dass möglicherweise Leben darin herrschen könnte. Wirklich sehr vorteilhaft in einer Drogen-Hochburg wie Mazatlán.
Am zweiten Tag ging es nach einem feinen Kaffee bei El Faro auf Stadterkundungstour. Morgens ist es in mexikanischen Städten immer am angenehmsten und fast menschenleer. Ich begab mich auf den Weg zur Uferpromenade und wollte die Steinschrift der Stadt finden. Diese war recht weit außerhalb und deshalb genoss ich auch auf dem Rückweg in einem lokalen Seafood-Restaurant noch ein gutes Mittagessen. Danach ging’s ins historische Zentrum Mazatlàns, wo ein Mix aus restaurierten Gebäuden, vor allem auf dem zentralen Platz, und vom Verfall bedrohten Anwesen zu bestaunen ist. Die Markthalle der Stadt ist ebenfalls einen Besuch wert und wartet auf der zweiten Etage mit verschiedenen Schnellrestaurants auf. Es war ein interessanter Tag mit bleibenden Eindrücken.
Die Nacht war wieder recht schlaflos und ich freute mich auf die Weiterfahrt am nächsten Tag. Für den Karneval hätte ich meinen Parkplatz in der ersten Reihe sowieso räumen müssen und so hielt mich nichts mehr in der Stadt. Mein Ziel war das ca. 180 km entfernte Tepic.Read more
Tepic, NAY, Mexiko
February 16, 2023 in Mexico ⋅ ☁️ 15 °C
Es dauerte noch eine ganze Weile bis ich Mazatlán am Donnerstag, den 16. Februar hinter mir ließ. Die Ausdehnung der Stadt bis in die Vororte hinein war riesig. An diesem Vormittag befuhr ich nun erstmals mexikanisches Festland und musste mich für gewisse Straßen entscheiden. Neben der Carretera libre, für deren Benutzung man nichts zahlen muss, existiert in der Regel immer das Pendant die Carretera cuota, die gebührenpflichtig ist und einer europäischen Autobahn gleicht. Die Gebühren sind von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich. Da ich mit meinen Ersparnissen reise und Zeit habe, entschied ich mich, die gebührenfreie Straße von Mazatlán nach Tepic zu nutzen. Für die 265 km musste ich etwa 5 Stunden aufbringen. Erst auf dem Campingplatz hörte ich dann von kanadischen Reisenden, dass sie aufgrund von Warnungen wegen Drogenkriminalität im Bundesstaat Sinaloa die sicherere Autobahn nahmen. Bezahlt haben sie für die paar Kilometer ca. Pesos 1200, was etwa €60 entspricht. Ich dachte mir dann, dass ich gratis auch „recht“ sicher ans Ziel kam.
Am frühen Nachmittag erreichte ich die lebhafte Stadt Tepic im Bundesstaat Nayarit und damit auch den zentrumsnahen Campingplatz „Los Pinos“, der sich nach den turbulenten Tagen in Mazatlán wie eine Oase der Ruhe anfühlte. Er befindet sich zwar neben einer stark befahrenen Stadtautobahn unweit vom Vorort Xalisco, aber davon merkt man auf dem Platz kaum etwas. Schatten spenden die unzähligen Bäume, von denen der Besitzer auch Früchte erntet und mit etwas Glück an Camper verschenkt. Es ist wirklich ein sehr schöner Ort, den ich am Ankunftstag erst einmal zur Erholung nutzte.
Am zweiten Tag begab ich mich dann auf Erkundungstour durch die Stadt. Laut Google sollte sich ein Besuch im Stadtpark „La Loma“ lohnen. Mein Feedback: wohl eher für Familien mit Kindern. Aber an diesem Freitagmorgen war wenig los und ich konnte entspannt hindurch spazieren und die Ruhe genießen. An Wochenenden ist dies in Mexiko schlichtweg nicht möglich, da man dann als Großfamilie unterwegs ist. Nach dem Park erkundete ich das typisch mexikanische Stadtzentrum, wo sich Geschäft an Geschäft reiht. Für mich waren eher die fliegenden Stände, wie der des Obst-und Gemüsehändlers, oder der mobile Tacostand ein Highlight. An der Catedral de Tepic fand ich dann auch wieder die Steinschrift und einen schattigen, sehr belebten Stadtwald vor. Nach dem ausgiebigen Streifzug ging es zurück zum Campingplatz.
Am nächsten Morgen fuhr ich gut erholt in die Stadt Tequila, ohne zu ahnen, welch buntes Treiben mich dort erwarten würde. Es war Wochenende.Read more
Tequila
February 18, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 17 °C
Am Samstag, den 18. Februar fuhr ich erneut auf der Carretera libre, diesmal jedoch mit dem Ziel Tequila, der Stadt, in der der weltberühmte Agaven-Brand
seinen Ursprung hat. Tequila befindet sich im Bundesstaat Jalisco und zählt etwa 40 000 Einwohner.
Ich erreichte meine Destination am frühen Nachmittag und wusste bereits aus der Recherche, dass es im Stadtgebiet keinen Campingplatz gab. Viele Overlander nutzen deshalb die städtischen Parkplätze. Ich fuhr auch auf einen, jedoch war die Betreiberin dermaßen unfreundlich, dass ich den Platz wieder verließ und weiter suchte. Als ich nicht fündig wurde, nahm ich mit meinen Schweizer Reisebekannten Kontakt auf, da ich wusste, dass sie bereits in Tequila waren. Von ihnen bekam ich den Tipp, den etwa 2km außerhalb gelegenen informellen Campground „Destiladora Puntual“ anzufahren. Sie wussten, dass dort auch Degustationen und Touren möglich seien. Ich wollte mein Glück versuchen und machte mich auf den Weg zur privaten Destillerie, um nach einem Stellplatz zu fragen.
Ich war froh, dass ich das Zentrum verlassen konnte. Es herrschte Partyhochbetrieb. Die Mexikaner ließen sich in den fahrenden Bariques bei überdurchschnittlich lauter Musik durch die Stadt kutschieren und tranken was das Zeug hielt.
Als ich bei der Destiladora Puntual ankam, waren zu meiner großen Freude die Kanadier Nicole und Tony, die ich bereits in Tepic kennengelernt hatte, ebenfalls vor Ort. Sie machten sich gerade bereit für die Tequila-Tour. Ich entschied mich erst einmal für einen Einkauf im Supermarkt und wollte die Führung auf den Sonntag verschieben. Mein Gastgeber José war einverstanden. Ich ließ den Tag ruhig ausklingen.
Am Sonntagmorgen machte ich mich frühzeitig auf den Weg ins Zentrum. Ich wollte die großen Touristenströme vermeiden, was allerdings eine Illusion war. Das turbulente Treiben startete schon am frühen Morgen.
Tequila ist vom berühmten Agaven-Brand stark geprägt. Er ist auf Häuserwände gemalt und wird eigentlich in fast allen Läden in irgendeiner Form zum Verkauf angeboten. Auf dem Plaza Principal wird den ganzen Tag für Unterhaltung gesorgt, sei es in Form von Livemusik oder durch andere Attraktionen, wie z.B. der der Valodores, mit ihrer atemberaubenden Flugshow. Langweile kommt in der Stadt sicher nicht auf. Rechts vom Plaza Principal befindet sich die Parroquia Santiago Apostol, eine imposante katholische Kirche aus dem 17. Jahrhundert.
Nachdem ich Tequila einige Stunden zu Fuß erkundet hatte, wollte ich noch etwas Nahrhaftes zu mir nehmen, damit ich der späteren Degustation stand hielt. Meine vegetarischen Essgewohnheiten entsprachen allerdings so gar nicht dem einheimischen Gaumen. Eine Spezialität im Ort ist gegrilltes und geschnittenes Fleisch und Sonstiges vom Schwein, was man an vielen Straßenständen findet. Leider nichts für meinen Geschmack. Es blieb mir nichts anderes übrig, als auf den Inhalt meines Camperkühlschrankes zurückzugreifen.
Um 17.30 Uhr startete schließlich meine private Tequila-Tour. José nahm mich zuerst mit auf die Agavenplantagen, die seit Generationen in Familienbesitz sind. Hier erklärte er mir sehr viel über die Geschichte, den Anbau und die Ernte der Agave. Der Anbau und die Verarbeitung der Agave geht bereits auf die mexikanischen Ureinwohner, die Indígenas zurück. Allerdings begannen erst die Spanier im 16. Jahrhundert, als sie Mexiko kolonialisierten, den Agavensaft zu destillieren und stellten ihre eigene Spirituose daraus her. Es waren auch die Kolonialherren, die der Stadt ihren heutigen Namen gaben.
Die Agaven auf der Plantage Puntual sind unterschiedlich groß und alt. Erst eine 9-jährigen Pflanze ist erntefähig. Auf der Agavenplantage wird strengstens auf biologischen Anbau geachtet. Die Destiladora Puntual produziert jährlich 30 000 Liter Tequila. Zum Vergleich: in einer Grossdestillerie werden täglich 500 000 Liter Agavenbrand abgefüllt.
Nachdem mich José durch die Plantage geführt hatte und mir die Destillerie gezeigt und den Prozess erklärt hatte, startete die Degustation.
Ich konnte 4 verschiedene Agavenbrände unterschiedlichen Alters mit unterschiedlicher Farbgebung, von weiss bis dunkelbraun probieren. Dabei ist weiss der aktuelle Jahrgang und wird je nach Farbintensität älter und weicher im Geschmack. José erklärte mir auch, dass man die Spirituose in Mexiko 3x von Backentasche zu Backentasche bewegt, bevor man sie langsam herunterschluckt. Nachdem ich alle 4 Tequilas der Marke „Tequila Puntual“ degustiert hatte, durfte ich mir noch den berühmten „Cantarito“ mixen. Dazu gibt man:
+ 4 Eiswürfel in einen Keramikbecher
+ 1 Shot Tequila
+ 4 Hälften ausgepresste Limon de Cantarito (diese wachsen nur im Februar in der Region Tequila)
+ man befeuchtet den Becherrand innen mit Limonensaft und bestreicht den Rand dann mit Chilipulver und Salz
+ man füllt bis zum Rand mit trüber Zitronenlimonade auf.
Ein wahrhaft süffiges Mixgetränk.
Die 3 stündige Privattour war wirklich ein Erlebnis und ich kann diesen Ort nur weiterempfehlen.
Für Interessierte gibt es auch eine Website:
https://casapuntual.com/
Cheers 🥃.Read more
Lago de Chapala
February 20, 2023 in Mexico ⋅ 🌙 21 °C
Am Montagmorgen, des 20. Februar verließ ich Tequila in Richtung Chapalasee. Der See gilt als das grösste Binnengewässer Mexikos und erstreckt sich über die Bundesstaaten Jalisco und zum kleineren Teil über den Staat Michoacán. Ich hatte mich für einen Campingplatz am Westufer des Sees nahe der Stadt Jocotepec entschieden, vor allem weil es nur 96km entfernt von Tequila und damit eine recht überschaubare Autofahrt war. Zum anderen hatte ich nach den spartanischen Duschmöglichkeiten in der Agavenbrand-Metropole mal wieder das Bedürfnis nach warmem Wasser für die Körperpflege.
Ich kam gegen Mittag auf dem Roca Azul RV Park an, auf dem vor allem Langzeitcamper aus den Staaten und aus Kanada überwintern. Im Nachhinein war ich enttäuscht von diesem Campingplatz, da er mit Pesos 420 ziemlich überteuert war, sich der große Pool in Restauration befand und der Seezugang abgesperrt war. Die einzige Attraktion schien der nahe gelegene Leuchtturm zu bieten. Ich wusste sofort, dass ich hier nicht länger als eine Nacht und für eine warme Dusche bleiben würde.
Am nächsten Morgen wollte ich weiter, am Südufer des Sees entlang nach Guanajuato. Ich startete früh, da ich mindestens 5 Stunden Fahrtzeit einrechnen musste. Ich ließ den Motor an und da war er wieder: der bekannte Benzingeruch. So wollte ich die kommenden 360 km nicht auf mich nehmen und fuhr nach Jocotepec, um einen Mechaniker zu finden. Für Pesos 350, was etwa €17 entspricht, wurde in etwa einer Stunde ein neuer Dichtungsring im Motorraum eingebaut. Ein fairer Preis im Vergleich zu den horrenden Preisen auf der Baja California. Danach konnte ich endlich starten.
Die Städte und Dörfer, an denen ich am Südufer des Chapalasees vorbeikam, waren malerisch. Meist am Hang angelegt, gesäumt von Pinien, eine Kirche im Zentrum, prägen das Bild. Leider ist der See seit Jahren so stark verschmutzt, dass er sich nicht mehr zum Baden eignet. Gewisse Fischarten sind unterdessen ausgestorben und doch sieht man Fischerboote auf dem See, deren Besitzer sich mit dem Fang ihren Lebensunterhalt verdienen. Ein weiterer Wirtschaftszweig scheint der Weinanbau zu sein.
Ich fuhr bis nach Petatan weiter, welches sich bereits im Bundesstaat Michoacán befindet. Am Ufer konnte ich zu meiner Freude die berühmten Nashorn-Pelikane, oder auch White Pelicans genannt, bestaunen, die seit Jahrzehnten zu hunderttausenden auf dem See überwintern. Ein Junge wollte mir einen Eimer mit Fischen zum Füttern verkaufen, was ich in der Hoffnung ablehnte, dass die Pelikane auch in Zukunft auf natürliche Art und Weise ihre Nahrung finden.
Nach nicht allzu langer Zeit verließ ich Petatan wieder und hielt am Ortsrand nochmals an, um den Schalter meiner Zweitbatterie zum Laden während der Fahrt umzustellen. Ich merkte, dass ich nur die Fahrertür entriegelt hatte und kam nicht an die Batterie ran. Anstatt alle Türen des Isuzu zu entriegeln, verriegelte ich sie und schmiss unbedacht die Tür der Fahrerseite zu. Ich lief ums Auto, wollte die Seitentür öffnen, doch sie war nebst allen anderen Türen verschlossen. Der Motor lief. Der Schlüssel steckte im Zündschloss. Mist. Nach kurzer Zeit hielt ein Auto mit einem in Iowa/US wohnhaften Mexikaner darin, der im Ort Hilfe holen wollte. Es dauerte keine 5 Minuten bis jemand kam und mir das Auto für ein Trinkgeld öffnete. Ich fuhr anschließend weiter, ohne nochmals anzuhalten und kam noch vor der Dunkelheit in Guanajuato an. Auf dieser Fahrt nahm ich erstmals für einige Kilometer die gebührenpflichtige Cuota. Der Tag ging mal wieder ereignisreich zu Ende.Read more
Guanajuato, Guanajuato, Mexiko
February 21, 2023 in Mexico ⋅ ⛅ 18 °C
Nach einer langen Autofahrt, grösstenteils auf der Carretera libre, zum Teil aber auch auf der gebührenpflichtigen Cuota, kam ich kurz vor Einbruch der Dunkelheit in Guanajuato an und wollte es noch schaffen, den Morill RV Park, den einzigen Campingplatz in der Stadt zu erreichen. Entgegen den Feedbacks auf der IOverlander App, dass der Platz schwierig zu finden sei, kam ich recht zügig an. Ich war begeistert von der Lage hoch über den Dächern der Stadt mit ihren farbigen Häusern und unzähligen Kirchtürmen. Wie es der Zufall wollte, waren meine kanadischen Bekannten Nicole und Tony auch vor Ort. Ich ergatterte für die erste Nacht einen Stellplatz neben ihnen und das für gerade mal Pesos 170 pro Nacht, was etwa €8 entspricht. Ein Schnäppchen für einen Schlafplatz an solch exponierter Lage. Einzig störend war manchmal das laute Hundegebell, welches in der Stadt 24h andauert. Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an vieles. Ich wusste auf Anhieb, dass ich mir für diese Stadt etwas mehr Zeit nehmen wollte und blieb 4 Nächte.
Den kommenden Tag nutzte ich für Erledigungen und einen späten Spaziergang, um den Sonnenuntergang über der Stadt zu bestaunen. Als ich auf den Campingplatz zurückkam, war es bereits dunkel. Ich machte mich nochmals auf, um auf dem nächstgelegenen zentralen Platz etwas Essbares zu finden, doch auch in dieser 200 000 Einwohner Metropole standen vegetarische Menüs nicht auf den Speisekarten. Ich kehrte schließlich in einem Seafood-Restaurant ein, war aber sehr enttäuscht vom Gericht und entschied mich für den Rest meines Aufenthaltes wieder selber zu kochen.
Guanajuato wird auch als Silberstadt bezeichnet. Bereits um das Jahr 1550 entdeckte man hier die ersten Silbervorkommen. Ende des 18. Jahrhunderts war die Stadt der weltgrößte Silbererzeuger und steuerte ein Sechstel des Silbers der gesamten Produktion in der neuen Welt bei. Aus der Zeit des Silberbergbaus zeugen heute noch die zahlreichen Tunnel, auf denen der Großteil der Stadt gebaut ist. Genutzt werden sie mittlerweile als Verkehrsverbindungen, Parkplätze und Gehwege. Guanajuato ist eine verwinkelte Stadt, in der keine Straße geradeaus führt. Die farbig bemalten Häuser, die größtenteils auf Hügel gebaut sind, lassen anhand von ihren alten Gemäuern auf die lange Stadtgeschichte schließen. Interessant fand ich auch, dass sich in den Gebäuden immer irgendeine Geschäftsidee, wie eine kleine Tienda, eine Taqueria, eine Lavanderia, eine Caneteria, eine Pescaderia, eine Fruteria etc. befindet. War mal nichts im Gebäude, so stand ein Verkaufswagen mit entsprechendem Inhalt davor. Auch kann man in Guanajato für relativ wenig Geld qualitativ hochwertige Lederwaren kaufen. Die Gelegenheit nutzte ich natürlich aus.
Beim Streifzug durch die alte Kolonialstadt kommt man an vielen Kirchen, Basiliken und Kathedralen vorbei. Mit etwas Glück stößt man im Zentrum auch auf die Callejón del Beso, die sogenannte Kussgasse, die nur eine Breite von 68cm hat. Einem Aberglauben zu Folge, soll die Liebe ein Leben lang halten, wenn sich das Liebespaar über die beiden eng benachbarten Balkone küsst.
Ein weiteres Highlight ist der Besuch des Mumienmuseums, welches sich unweit vom Stadtfriedhof „Panteon Muncipial" befindet. Als 1865 auf dem Friedhof neue Gräber benötigt wurden und man dafür alte ausräumen wollte, entdeckte man nicht verweste Leichen. Sie waren durch die trockene und mineralsalzhaltige Erde gut konserviert worden. Statt nun die Toten woanders beizusetzen, stellte man sie aus. Weltweit einmalig ist ein 7 Monate alter mumifizierter Fötus. Ich ging mit gemischten Gefühlen durch dieses Museum, da die Mumien alles andere als ein optisch bezauberndes Bild abgeben. Es sind Babies, Kleinkinder, Erwachsene, Erhängte, Ertrunkene, Ermordete, Menschen mit aufgeplatzen Bäuchen, offenen Mündern, nackt oder teilweise bekleidet zu sehen. Interessiert beobachtete ich, wie mexikanische Familien mit Kindern durch dieses Museum streifen, als sei es das Normalste der Welt. Der Eintrittspreis für eine erwachsene Person beträgt Pesos 97, was etwa €5 entspricht. Warum ich nur Pesos 28 bezahlte, erzähle ich guten Freunden gerne auf Anfrage ;).
Da die Stadt wirklich sehr viel zu bieten hat und das Stadtbild von vielseitiger Architektur, Museen, Tunneln, Läden und Restaurants geprägt ist, nahm ich mir für die Erkundung 2 ganze Tage Zeit und es gibt sicherlich noch weitaus mehr zu entdecken.
Die Weiterfahrt nach San Miguel de Allende fiel aufgrund der Schönheit der Silberstadt nicht leicht und doch freute ich mich darauf, einen weiteren Ort zu erkunden. Es waren gerade mal 1.5 h Fahrtzeit, die mich von meinem neuen Ziel trennten.Read more
San Miguel de Allende, Mexiko
February 25, 2023 in Mexico ⋅ ⛅ 26 °C
Ich fuhr die knapp 100 km von Guanajuato nach San Miguel de Allende gemächlich über Land. Landschaftlich gab es außer einer kargen trockenen Wüstenlandschaft nichts zu bestaunen. Ich durchquerte einige typisch mexikanische Kleinstädte, plante aber für einen Halt keine Zeit ein. In San Miguel de Allende war ich zuerst einmal überrascht vom massiven Verkehr an diesem frühen Samstagnachmittag. Die Straßen wirkten geschäftig auf mich und ich sah wieder vermehrt „Gringos“, wie in diesen Breitengraden Touristen im Volksmund genannt werden, auf den Gehwegen flanieren. In San Miguel de Allende sind etwa 10-15% der ca. 80 000 Einwohner Ausländer, vorwiegend Rentner aus Nordamerika. Es gibt auch eine größere Anzahl an Künstlern aus den USA, die sich in dieser inspirierenden Stadt niedergelassen haben. Zudem existieren hier vegane, vegetarische, organische Restaurants und Läden, westliche Supermärkte, Boutiquen, Galerien, Sprachschulen, Beautysalons, Ärzte, Yogastudios etc.. In San Miguel fehlt es dem Touristenherz an Nichts.
Nach etwa einer Stunde im Stau hatte ich mein Vorhaben, noch einen Waschsalon zu finden, aufgegeben und verschob die Suche auf den Montagmorgen. Stattdessen machte ich mich nun auf den Weg zum San Miguel RV Park, indem ich mit meinem Isuzu ein paar Nächte stehen wollte. Auf Empfehlung einer Reisebekannten aus den Staaten hatte ich im Voraus reserviert und das war schlau, da der Campground wirklich sehr stark frequentiert ist, u.a. auch mit Langzeitcampern aus den USA und Kanada, den sogenannten Snowbirds. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis ich diesen Ort gefunden hatte und ich war schließlich froh, endlich angekommen zu sein. Es waren mal wieder 2h nur mit der Suche nach der Wäscherei und des Campingplatzes vergangen.
Der Platz ist eine Oase der Ruhe, verglichen mit dem quirligen Zentrum von San Miguel de Allende. Links und rechts vom Stellplatz befinden sich Tennisplätze in Familienbesitz, die 7 Tage pro Woche belegt sind. Auch ich habe mir mal eine Stunde Tennisunterricht gegönnt und mich gar nicht so dumm angestellt. Ab und zu kann eine neue Erfahrung nicht schaden ;).
Der Campingplatz ist ein sehr sozialer Ort und man kommt sofort mit anderen Campern in Kontakt. Ich habe so etwas vorher auf meiner Reise noch nicht erlebt, es geschätzt und es sind Freundschaften entstanden. Im San Miguel RV Park wird man immer in ein Schwätzchen verwickelt, man geht gemeinsam Essen, einige Camper besuchen die Sprachschule zusammen und man trifft sich nach Sonnenuntergang oft noch auf einen Drink. Ich habe es so sehr genossen, dass ich meine Weiterreise von Tag zu Tag verschob und letztendlich ganze 7 Tage und Nächte in San Miguel de Allende blieb. Die 7. Nacht ist im RV Park übrigens gratis, während die anderen mit Pesos 450, was etwa €22 entspricht, für einen Campingplatz eher hochpreisig sind. Naja, Frau lebt nur einmal.
Nachdem ich mir also erstmal viel Zeit für das soziale Miteinander genommen hatte und die wirklich exklusiven Supermärkte der Stadt erkundet hatte, ging es nach einigen Tagen ins historische Zentrum, welches sehenswert ist. Die Stadt San Miguel de Allende wurde am 7. Juli 2008 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Besondere Sehenswürdigkeiten sind der Plaza de Allende, sowie die
Parroquia de San Miguel Arcángel (Kathedrale), die in rosafarbenem Stein und gotischem Stil im 17. Jahrhundert erbaut und 1880 nach Vorlage des Ulmer Münsters umgebaut wurde. Viele weitere Kirchen prägen das Stadtbild. Lohnenswert fand ich auch den Aufstieg zum Mirador (Aussichtspunkt), der dem Besucher ein gigantisches Bild auf die Stadt und ihr Umland bietet. Jede Gasse, jeder Straßenzug, sowie jede Häuserzeile in San Miguel de Allende wirkten einzigartig auf mich. Ich machte mich am nächsten Tag nochmals zu einem Streifzug durch die Stadt auf und es war wieder zauberhaft. Dieser Ort berührt und hat ein besonderes Flair.
An einem Abend unterhielt ich mich mit einer deutschen Langzeitcamperin auf dem Campingplatz, die übrigens schon 13 Jahre mit ihrem Mann in einem MAN auf dem Platz lebt, was ich nach einigen Tagen begann zu verstehen. Sie empfahl mir, unbedingt bei den Feierlichkeiten „El Señor de la Conquista", die am Freitag in der Stadt starten sollten, dabei zu sein. Dabei tanzen indigene Völker aus der Gegend mit ihren farbenfrohen Outfits im prähispanischen Stil den ganzen Tag vor der Parroquia mit 33 Schritten auf ein Kreuz zu (einer für jedes Lebensjahr Christi) und dann 33 Schritte zurück.
Ich blieb für den Auftakt der Feierlichkeiten und es lohnte sich wirklich. Diese Tänze gingen unter die Haut.
Am Samstag, den 4. März verließ ich die Stadt. Es war ein Abschied von einem besonderen Ort und von Freunden. Es ging ca. 300 km weiter südöstlich zu den Pyramiden von Teotihuacán unweit der Metropole Mexiko City.
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Teotihuacán, Mexiko, Mexiko
March 4, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 28 °C
Mein nächstes Ziel nach dem etwas längeren Aufenthalt in San Miguel de Allende war die Stadt Teotihuacán, die sich etwa 280 km in südöstlicher Richtung, unweit der Metropole Mexiko City befindet. Ich plante für die Fahrt gute 4 Stunden Zeit ein und nahm vorwiegend die Cuota, welche mich gesamthaft etwa Pesos 300 kostete, was etwa €15 entspricht. Die Route hatte mir eine Amerikanerin auf dem Campingplatz in San Miguel de Allende zusammengestellt, die die Strecke schon mehrmals zusammen mit ihrem Mann schon gefahren ist. Die Fahrt verlief problemlos und ich fand den RV Park Teotihuacán, der zentrumsnah liegt, auf Anhieb. Leider war die Besitzerin Mina zum Zeitpunkt meiner Ankunft nicht vor Ort. Zuerst wollte ich warten, doch dann meinten Schweizer Camper, ich solle doch einfahren, wovon ich mich schliesslich überzeugen ließ. Mina sah ich erst am nächsten Morgen und wir hatten ein besonders lustiges erstes Zusammentreffen. Ich wollte bereits vor 7 Uhr auf meine Joggingrunde gehen und die zum Sonnenaufgang aufsteigenden Heißluftballone, die Touristen den Blick von oben auf die Pyramiden gewähren, auf meinem Run fotografieren. Leider war das Tor zur Straße komplett verriegelt und obwohl es mir peinlich war, so früh schon zu stören, klopfte ich ein paar Mal an Minas Haustüre. Es regte sich nichts. Es war Sonntag und der wird in Mexiko behandelt wie ein Feiertag. Ich entschied mich über den Zaun zu steigen und gerade als ich ansetzen wollte, sagte Mina mit ruhiger Stimme hinter mir: „not necessary.” Sie hielt den Schlüssel für beide Torschlösser in der Hand und verschaffte mir Zugang zur Straße. Bis zu meinem Abschied amüsierten wir uns über diese erste Begegnung.
An diesem Sonntag ließ ich es ruhig angehen, streifte etwas durch die typisch mexikanische Stadt mit ihrem lokalen Markt und bestaunte die farbig bemalten Gebäude im Zentrum. „Gringos“ sieht man in Teotihuacán fast ausschließlich bei den Pyramiden. In die Stadt verirrt sich kaum jemand, obwohl sie sehr sehenswert ist und das lokale Leben extrem spürbar ist. In Teotihuacán findet man am Straßenrand u.a. gegrillte Insektensnacks, was ich so in Mexiko zum ersten Mal entdeckte. Wer’s mag.
Von Mina erfuhr ich, dass sonntags für die MexikanerInnen Sehenswürdigkeiten und Museen kostenlos sind und dies der Grund für die extremen Menschenansammlungen am siebten Wochentag sei. Ich ließ den Tag auf dem Campingplatz ruhig ausklingen.
Am Montag, den 6. März sollte es dann zu den Pyramiden gehen. Wie so oft, gelang es mir nicht zielstrebig dorthin zu gelangen. Ich streifte mal wieder durch die Stadt und machte die ein oder andere Begegnung mit Einheimischen. Am späten Mittag erreichte ich die Puerta 2, eine von 5 Eingängen auf dem archäologischen Gelände bei praller Sonne endlich und bezahlte Pesos 90 Eintritt. Ich lief direkt auf die berühmte Sonnenpyramide zu. Meinem Auge bot sich ein atemberaubender Anblick. Ein vergleichbar gigantisches Bauwerk hatte ich noch nicht oft auf meinen Reisen bestaunen dürfen. Die Sonnenpyramide gilt als eines der grössten Bauwerke der Antike und ist die top Attraktion im mexikanischen Hochland. Die Stadt Teotihuacán entstand etwa 200 v. Chr. als eine der imposantesten antiken Städte aller mesoamerikanischen Völker. Der Name bedeuted »der Ort wo der Mensch zu Gott wird«, frei übersetzt aus der altertümlichen Sprache Náhuatl.
Nachdem ich mir die Sonnenpyramide angeschaut hatte, die übrigens heute als drittgrößte Pyramide der Welt gilt, ging es auf der 40 m breiten »Calzada de los Muertos« (Strasse der Toten) zu der am nördlichen Ende gelegenen Mondpyramide. Sie ist etwas kleiner als die Sonnenpyramide, aber dank ihres Stufenbaus ebenfalls ästhetisch sehr ansprechend. Etwas abseits steigt man einige Treppenstufen nach oben und genießt eine fantastische Aussicht auf die gesamte Anlage. Die Stadt Teotihuacán trägt den Titel einer „Puebla Magico“ zurecht und die archäologische Stätte wurde bereits 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Die meisten Touristen kommen als Tagestouristen aus dem nur 39 km entfernten Mexiko City, davon viele bereits zum Sonnenaufgang für die Fahrt im Heißluftballon, für die man USD 120 berappen darf.
Ich war froh, dass ich Teotihuacán und die Pyramiden in meinem Tempo erkunden konnte. Am späten Nachmittag des 6. März ging es zu Fuß wieder zurück zum Campingplatz. Ich hatte mich an dem Tag recht überschätzt und fiel todmüde auf meine Matratze. Die vielen Eindrücke, die gelaufenen Kilometer und die Hitze hatten mir recht zugesetzt. Gesehen hatte ich auf dem riesigen archäologischen Gelände längst nicht alles.
Da ich am nächsten Tag mit dem Bus für ein paar Tage in die Metropole Mexiko City wollte, ließ ich es aber gut sein und verschob eine Eventuell-Besichtigung auf den Tag nach meiner Rückkehr aus der Hauptstadt. Das Auto konnte ich für die Hälfte vom regulären Preis für den Campingplatz, d.h. für Pesos 150 pro Nacht bei Mina stehen lassen.
Am Dienstag, den 7. März kaufte ich mir in Teotihuacán ein Busticket für Pesos 40, was etwas €2 entspricht und fuhr mit dem lokalen Bus in die Hauptstadt. Zurück kam ich am Samstag, den 11. März und blieb noch bis Sonntag auf Minas RV Park. Ins sonntägliche Getümmel bei den Pyramiden stürzte ich mich nicht mehr. Stattdessen fuhr ich südlich nach Cholula weiter.Read more
Mexiko-Stadt, Mexiko-Stadt, Mexiko
March 7, 2023 in Mexico ⋅ ☀️ 25 °C
Nachdem ich in Teotihuacán 3 Nächte auf Minas Campingplatz verbracht hatte, wollte ich am Dienstagmorgen des 7. März mit dem öffentlichen Bus in das 39 km entfernte Mexico City reisen. Das Auto konnte ich während meiner Abwesenheit bewacht und für die Hälfte des regulären Preises im RV Park stehen lassen. Gegen Mittag stieg ich im Zentrum von Teotihuacán für Pesos 40 (€2) in den Bus in die Hauptstadt ein. Es war eine angenehme und stimmungsvolle Fahrt. 2 Straßenmusiker spielten für einige Kilometer im Bus auf und sangen romantische mexikanische Lieder. Ein Trinkgeld gab es dafür natürlich auch.
Ich kam nach etwa 45 Minuten am Busbahnhof Terminal Central del Norte an. Die Fahrt stadteinwärts übte bereits eine gigantische Wirkung auf mich aus. Die Randbezirke erstreckten sich schier endlos die Hügel hinauf und hinunter. Neben Bussen werden die Bewohner unter anderem auch mit einer Seilbahn von der Megacity in die umliegenden Kommunen befördert. Über der Stadt hing eine bleierne Smogglocke.
Für mich galt es nun einen Weg ins Zentrum zu finden und mir standen verschiedene Optionen zur Verfügung: Bus, U-Bahn oder Taxi? Ich entschied mich fürs Taxi, da ich mich nicht auskannte und gerne direkt bei meinem Hostel abgesetzt werden wollte. Die Fahrt kostete Zeit, da neben den 8 Millionen Einwohnern in der City 15 Millionen Autos existieren. Obwohl die Straßen zum Teil 10-spurig und mehr verlaufen, steht man in der Hauptstadt eigentlich immer im Stau. Für die einstündige Fahrt im Taxi zahlte ich schließlich Pesos 150, was etwa €8 entspricht. Zum Vergleich: Bus und U-Bahn kosten gerade einmal Pesos 5.
Der Taxifahrer setzte mich an meinem Hostel Mundo Joven, was sich direkt im Centro Histórico oder wie das Stadtzentrum in mexikanischen Großstädten auch oft genannt wird: in Zócalo ab. Für €34 übernachtete ich in einem Einzelzimmer vis a vis von der Kathedrale, unweit des Templo Mayor und unzähliger weiterer historischer Gebäude und Sehenswürdigkeiten. Ich war begeistert und noch mehr freute es mich, dass das Hostel eine Dachterrasse mit Roofbar besaß, auf der man einen atemberaubenden Sonnenuntergang bestaunen konnte. Frühstück war im Preis ebenfalls inbegriffen. Das Zimmer konnte ich leider nicht behalten, da am 8. März, dem Internationalen Frauentag die Megacity stark frequentiert war. Ich zog ins City Hostel um die Ecke ein, was mit €23 pro Nacht für ein Einzelzimmer noch günstiger und auch ganz akzeptabel war. Ich blieb noch weitere 3 Nächte in México City. Ich begann es zu genießen und doch war ich abends immer extrem müde von den vielen verschiedenen Eindrücken, die sich mir während des Tages boten. Die Ciudad de México kurz CDMX ist eine Stadt mit so vielen Gegensätzen: bettelarm neben extrem wohlhabend prägen das Grossstadtbild.
Am Tag meiner Ankunft wurde ich im Hostel und auch im historischen Viertel informiert, dass am morgigen internationalen Frauentag eine Ausnahmesituation in der Stadt herrsche. Schon Tage vorher wurden um die historischen Gebäude Stellwände errichtet, um Schmierereien an den Fassaden zu vermeiden. Am 8. März begannen dann gegen Mittag Demonstrationen von Frauen für die Rechte von Frauen, die bis in die Nacht andauerten und wirklich spektakulär und emotional aufgeladen waren. Ich hatte mir für diesen Tag vorgenommen, nicht im Zentrum zu bleiben und schon am Vorabend über einen Mitarbeiter vom Hostel einen Kontakt zu einem Taxifahrer hergestellt, der im Randbezirk NEZA aufgewachsen war und mit mir dort eine Tour machen wollte. Arturo holte mich am Morgen um 9.30 Uhr ab und brachte mich in die Nachbarstädte Nezahualcòyotl und nach Chimalhuacán. Neza gilt als die ärmste Millionenstadt Mexikos und es ist dort nicht ungefährlich. Mein Ziel war es, mir ein Bild vom Leben der Bevölkerung im Speckgürtel zu verschaffen. Arturo machte seinem Job als Guide alle Ehre und brachte mich genau dahin, wohin ich wollte. In Neza, wie auch in Chimalhuacán, aber auch in vielen anderen mexikanischen Großstädten versucht sich die arme Bevölkerungsschicht mit dem Verkauf von Müll ein paar Pesos zu verdienen. Dafür werden Müllsäcke geöffnet und es wird getrennt. Je nach Material, wie PET, Plastik, Alu etc. erhält man nach Abgabe in einem Recyclinghof dann einen niedrigen Betrag von etwa 5 bis 7 Pesos pro Kilo. Eine wahre Schinderei. Der Dreck und der Gestank waren schrecklich und ich bewundere die Menschen, die sich dieser Arbeit täglich aussetzen. An dieser Stelle: einfach mal DANKE !!!
Dank auch an Arturo, denn so kam ich mit den Menschen ins Gespräch und konnte ihre Arbeit fotografieren. Ich war an diesem Tag eine „Reporterin aus Deutschland“, die von den Menschen in den Vororten anfangs zwar mit Skepsis und dann doch sehr freundlich und interessiert akzeptiert wurde. Arturo und ich kamen auch an mobilen Essensständen vorbei, wo wir köstlich versorgt wurden. Am Nachmittag fuhren wir zurück nach Zócalo, was wegen der Demonstrationen und der vielen Absperrungen schwierig zu erreichen war. Ich ließ mich etwas außerhalb absetzen und spazierte noch eine Weile durch die ruhigeren Gassen. Auch hier im Zentrum leben arm und reich nah beieinander. Obdachlosigkeit, Drogenkonsum und Kriminalität sieht man hier gleichermassen wie Wolkenkratzer, die schöne Kathedrale und das teure Café. Nach einem authentischer Tag fiel ich todmüde in mein Bett, diesmal im City Hostel.
Am nächsten Tag, es war bereits der 9. März, wollte ich mir nun endlich ein paar klassische Sehenswürdigkeiten in Mexico City ansehen und setzte mich in den Turibus, in dem man wie in vielen anderen Städten auch, rein und raus kann, um sich im jeweiligen Stadtviertel umzuschauen. Vom Nationalmuseum ging es zum Monumento a la Revolución und weiter zum Monumento a la Independencia, wo ich immer etwas Zeit verbrachte. Länger verweilte ich dann auf dem Schloss von Chapultepec und besuchte dort das Historische Museum. Am Abend blieb noch etwas Zeit für einen Streifzug durch Zócalo, wo ich mir für den Templo Mayor, den wichtigsten und größten Tempel der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán, also der heutigen Stadt Mexico, welches heute nur noch eine Ruine mit Museum ist, Zeit nahm. Den Sonnenuntergang genoss ich an diesem Abend mal wieder auf dem Rooftop des Mundo Joven. Er war an diesem Tag atemberaubend.
Am nächsten Morgen gönnte ich mir im Maison Kayser, einem exklusiven Café im Zentrum ein gutes Frühstück inklusive eines exzellenten Kaffees. Danach ging es wieder in den Turibus, der mich nochmals nach Chapultepec brachte. Zuerst schlenderte ich um die gigantischen Wolkenkratzer herum. Ich hatte mich schon am Tag zuvor gewundert, warum es an einem begrünten Platz eine derartige Ansammlung von Menschen gab. Ich wollte es wissen und lief direkt dorthin. Ich war noch weit entfernt und vernahm bereits den intensiven Cannabisgeruch. Hier durfte man also legal Marihuana rauchen. Ich wollte ein paar Fotos machen, was aber nicht erwünscht war und so verließ ich die Gegend wieder und spazierte durch den Park weiter bis zum Anthropologischen Museum. Ich kam erst gegen Mittag an und dies war bereits viel zu spät für ein Museum von solch einer Größe. Es war faszinierend, interessant und beeindruckend zugleich hier durch verschiedene Epochen in verschiedenen Gegenden Mexikos zu streifen und all die imposanten Ausstellungsstücke zu bewundern. Ich musste mir dann aber eingestehen, dass ich eigentlich 2-3 Tage nur für dieses Museum hätte einplanen sollen.
An diesem Freitagabend bot sich mir zurück in Zócalo noch ein buntes Treiben von Straßenkünstlern. Es tat gut nach dem intensiven Tag noch etwas Unterhaltung geboten zu bekommen.
Am Samstag, den 11. März sollte es zurück nach Teotihuacán gehen. Ich war bereits 4 Nächte in der Hauptstadt und entschied mich zur Abreise. An diesem Morgen ging ich zum Frühstück in die berühmte Churreria El Moro, in der man die berühmten Churros vorzugsweise mit einer heißen Schokolade serviert bekommt. Die Lokalität ist sehr authentisch und man kann den Bäckern von außen sogar beim backen des legendären Branntteiggebäcks zuschauen. Ein absolutes Highlight in der Megacity. Nach El Moro checkte ich aus, marschierte zur nächsten Bushaltestelle und fuhr für Pesos 5 an den Terminal Central del Norte. Am Ausgang 8 stand bereits der Bus, der mich zurück in die Pyramidenstadt brachte. Von Mina wurde ich herzlich empfangen. Auf dem Campingplatz herrschte reges Treiben und ich traf „alte“ Bekannte wieder. Irgendwie entschleunigte das übersichtliche Teotihuacán augenblicklich. Ich ging zum Markt, kaufte Obst, Gemüse und Brot und kochte mir eine warme Mahlzeit. Zurück in einer vertrauten Umgebung tat gut und mal wieder im Isuzu schlafen zu können ebenfalls. Ich hatte mich bereits sehr an das Leben im Camper gewöhnt.Read more

























































































































































































































































