• Landcruisers Horizon
  • Landcruisers Horizon

Ausfahrt Amerika

~ 150.000km
Halifax (Kanada) bis Ushuaia (Argentinien) und wieder zurück ... war der Plan
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  • "Fetter grüne, du Laub ... "

    Sep 14–18, 2023 in Canada ⋅ ☀️ 16 °C

    Unser Gefühl täuscht. Manitoulin läutet nicht den eintönigen, öden Teil Kanadas ein! Meine Aufforderung - Goethe hat sie wahrscheinlich so nicht gemeint - wurde erhört: Die Bruce Peninsula bietet noch einmal das volle Schönheitsspektrum: Bestes Wetter! Ein schöner Bootsausflug zu Flowerpots ... diesmal aus Kalkstein! Eine Wanderung zu einer Grotte mit türkisfarbenem Wasser! Einzigartige Tiere und Pflanzen und zu Jörgs Geburtstag wieder außergewöhnlich offene, herzliche Kanadier - Sheila und John - , die uns zum Kaffee einladen und uns in einem langen Gespräch die Besonderheiten des kanadischen politischen Systems und die Unterschiede zu Deutschland erklären. Wir werden zu Fragen aufgefordert und bekommen Antworten. Die meisten Kanadier schließen wir sofort ins Herz!Read more

  • Einblicke

    September 21, 2023 in Canada ⋅ ☀️ 24 °C

    Die letzten Tage in Kanada vergehen wie im Fluge!
    Wir besuchen einen riesigen Famersmarkt in St. Jacobs, nördlich von Kitchener, dass für seine große Mennonitengemeinde bekannt ist. Wir sehen Kutschen und schlichte Trachten der Gemeinschaft, die wie selbstverständlich zwischen unserer modernen Welt ihre Waren anbieten. Auf dem Markt gibt es alles, was ein Farmer anbauen und produzieren kann. Wirklich alles und zwar buchstäblich körbeweise! Wir kaufen so viel Trockenfleisch, Wurst, Pfirsiche, Bohnen und Tomaten, dass wir bis zur Grenze zu den USA nur noch Hafermilch nachkaufen müssen. Leider ist der Stauraum in Grobi begrenzt, so dass jetzt der Mittelgang voll Gemüse liegt.
    Unsere nächste Station ist der Eriesee, an dem wir eine besondere Bekanntschaft machen: Kathryn und David! Er spricht uns in fließendem, akzentfreiem Deutsch an und wir sind vollkommen überrascht: Er ist kanadischer Germanistikprofessor mit dem Schwerpunkt unserer Klassiker! Auch Kathryn spricht Deutsch und so verbringen wir einen gemütlichen, informativen Abend bei einem Glas Wein am Lagerfeuer. Nur hin und wieder bin ich irritiert: Der wortgewandte Mann fragt im Laufe des Abends immer die gleichen Fragen noch einmal. Tief in der Nacht erzählt er es: Er hat "brain issues", so nannten sie es, sein Kurzzeitgedächtnis lässt ihn im Stich. Wir hören von ihrem Umgang mit der Erkrankung und verlieben uns in dieses besondere Ehepaar! Den nächsten Vormittag verbringen wir mit ihnen am Strand. Der Abschied fällt uns schwer. Wir werden demütig angesichts der persönlichen schweren Entwicklungen überall, hier, zu Hause.
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  • Letzte Ausblicke

    September 24, 2023 in Canada ⋅ ☁️ 18 °C

    Kanada gibt sich alle Mühe uns einen fulminanten Abschied zu bereiten.
    Wir besuchen Flat Rock, eines der vielen Weingüter der Niagararegion, das durch nachhaltigen, ressourcenschonenden Anbau hervorsticht. Wir haben Glück! Ted, der Sommelier des Hauses, hat Zeit und gibt uns eine exklusive Führung mit Weinverkostung durch einen Teil des Anbaugebietes, die Weinkeller und den Herstellungsbereich, obwohl wir ihm verdeutlichen, dass wir auf der Durchreise sind und keinen Wein erwerben werden. Als wir mit immerhin 2 Flaschen in der Hand das Gebäude verlassen, kippt gerade der erste Bus eine Ladung von 30 Weintouristen aus. Noch bevor wir unseren Wein verstaut haben, ist ihre "Führung" beendet. Sie dauerte keine 10 Minuten. Wir fühlen uns privilegiert.
    Einen Tag später gibt es nach dem Gaumen - den Augenschmaus: Die Niagarafälle! Wir spazieren in Schneckengeschwindigkeit die lange Promenade entlang und freuen uns über jeden neuen Ausblick auf die Horseshoefalls bevor sie herabstürzen, auf das fallende Wasser, die Gischt, die Boote, die so dicht wie möglich an die Fälle heranfahren, und später die Bridal Veils und American Falls. Obwohl wir durch Island wirklich wasserfallverwöhnt sind, können uns die Niagarafälle begeistern.
    Doch es wird inzwischen Nachts empfindlich kalt. Es hilft nichts, wir müssen uns von Kanada trennen.

    Jetzt müsste eigentlich ein Fazit zum ersten Land unserer Reise folgen, doch das sparen wir uns auf. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen in 3 Jahren!
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  • Grenzerfahrung

    Sep 26–Oct 1, 2023 in the United States ⋅ 🌙 15 °C

    Heute ist Grenzübertritt und wir sind aufgeregt. Der junge Grenzer, an den wir geraten, ist noch in der Ausbildung und auch aufgeregt. Wir lächeln einander an. "Don't smile at her!", klingt es aus dem Off und der Ausbilder tritt in Erscheinung! Er sagt etwas, das nach Waschlappen im Mund klingt und der Auszubildende geht hinter unsere Wagen. Ich denke, dass der gute Junge hinten Hilfe braucht, um den Wagen zu inspizieren. Also schnalle ich mich ab - hilfsbereit wie ich bin - und ernte "Don'tgetoutofthecar!", vom Ausbilder. Ich falle durch die Prüfung: 2 Fehler in kürzester Zeit! Wir werden herausgewunken: Door 2 to the interview: Do you have any fruits? Vegetables? Drugs? Alcohol? ...
    Nach 1,5 Stunden inclusive Wartezeit sind wir 3 Stempel reicher - selbst Grobi hat einen - und in den USA angekommen. Nach Waffen haben sie nicht gefragt und auch der Wagen wurde keines weiteren Blickes gewürdigt. Erste Challenge gemeistert!
    Jetzt fehlt zu unserem Glück nur noch die Verbindung zum Internet, nicht nur, um den Kontakt zur Heimat zu halten, nein, wir sind darauf angewiesen, um Übernachtungsplätze, Campingplätze und Straßenkarten, etc. zu haben. Da es erst 16:00 Uhr ist, begeben wir uns frohgemut zum t-online Shop. Innerhalb kurzer Zeit steht fest, dass unser Nighthawk von Netgear - das ist unser mobiler Router - in den USA nicht funktioniert. Wir müssen einen neuen Router erwerben, der allerdings in Buffalo nicht auf Lager ist. Wir fahren nach Amhurst. Der junge Mann, der uns bedient, wirkt kundig: Ja, das Gerät ist vorhanden und Ja, 3 Monate Prepaidcard sind kein Problem. Wir zahlen 250 US-Dollar und bitten um Installation. "Uuups! Wieso funktioniert es nicht?! Zahlen Sie noch weitere 10 Dollar, dann läuft es." Wir sind brav und zahlen - es bleibt uns ja nichts anderes übrig. "Hmmm, läuft immer noch nicht. Ich muss mal telefonieren!" Wir warten geduldig ... ... ... Es endet mit einem verzweifelten t-online Mitarbeiter, der uns unsere Erwerbungen einpackt und sagt, dass wir morgen wieder kommen sollen. Er könne uns heute nicht helfen, morgen sei ein Kollege von ihm für uns da. Wir finden uns bei Dunkelheit, da es schon 19:00 Uhr ist, vor dem Geschäft ohne Netz und nur mit einem schnell im Laden ergoogelten Schlafplatz wieder. Dort fahren wir hin. Es macht den Anschein, als wären wir im Ligusterweg im Harry Potter Film gelandet: Alle Häuser und Vorgärten sind identisch. Wir stellen Grobi an einem Wendehammer vor dem Haus der Dursleys ab und schlupfen ins Bett. Morgens um 7:00 Uhr werden wir von einer Miniaturausgabe von Vernon geweckt: Pöbel, Motz, Schimpf! Es werden Fotos von unserem Wagen gemacht, die wohl kaum für das Familienalbum gedachtsind! Wir sind eindeutig unerwünscht!
    Schnell sind wir angezogen und abfahrbereit, als uns eine junge Frau anspricht und sich für das Betragen ihres Landsmannes entschuldigt und uns empfiehlt, doch "Eternal flame" zu besuchen. Bevor wir uns in Ruhe noch einmal mit den Netzproblemen beschäftigen - sie lösen sich später mit Hilfe eines Vorgesetzten -, besuchen wir diesen kleinen, magischen Ort.
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  • Grusel

    Sep 28–30, 2023 in the United States ⋅ ⛅ 21 °C

    Bei einer so langen Reise ist die Planung anders, als wenn nur 2 oder 3 Wochen Urlaub anstehen. Die grobe Richtung steht und wir wissen auch, dass wir den Skyline Drive durch die Appalachen südwärts fahren wollen, aber was sollten wir zwischen Buffalo und dem Beginn der Appalachenfahrt sehen? Den "Grand Canyon Pensylvenias"? New York? Centralia? Philadelphia? Amish County? Washington? Bis auf die Hauptstadt werfen wir die großen Städte aus dem Programm, auch wenn es mir um New York leid tut - uns ist zu oft abgeraten worden. Der Leonard Harrison State Park, der nicht nur im Lonley Planet der USA vollmundig angekündigt wird, ist unser nächstes Ziel. Wir hören "Hotel California" und "Brothers in Arms", während wir durch das Hinterland des Bundesstaates New York und dann südöstlich durch Pennsylvania kurven: Das Bild, dass sich uns zeigt ist so düster wie die Stimmung in den Liedern: Ein Drittel der Häuser sind mit meterhohen Gerippen, aufblasbaren Gespenstern, Spinnen in weißen Gespinsten und schwarzgewandeten Sensenmännern dekoriert, als ob schon Halloween wäre. An den Laternenmasten finden sich Plakate mit den Bildern und Namen der in den verschiedenen Kriegen verstorbenen Soldaten und - nicht minder gruselig - vor vielen Häusern stehen Plakate mit Aufschriften wie "Impeach Biden - Trump for Pesident 2024". Die Ortschaften wirken heruntergekommen und vernachlässigt. Dazu passt, dass der "Grand Canyon von Pennsylvania" zwar schön ist, aber keineswegs mit den tatsächlichen Schluchten des GC konkurrieren kann und als Hauptattraktion einen Geier für uns bereithält.
    Der Tiefpunkt ist in Centralia - unserem nächsten Ziel - erreicht: 1962 zündete die freiwillige Feuerwehr des Kohlebergbauortes ein Mülllager neben einem Friedhof an. Dieses Feuer grub sich in die Tiefe des unter dem Dorf befindlichen Kohleflözes und brennt dort seit her, voraussichtlich auch noch 250 Jahre. Löschversuche schlugen fehl und der Boden begann an verschiedenenStellen heiß zu werden oder einzubrechen. Aus Sicherheitsgründen wurde der Ort evakuiert, die Gebäude mit nur wenigen Ausnahmen abgerissen. Selbst der Highway wurde verlagert, denn der Asphalt der alten Straße riß auf und dampfte an vielen Stellen. Grafittisprayer begannen, die gesperrte Straße zu verzieren. Dieses Szenario weckt unsere Neugierde und auch wenn wir kein Highlight erwarten, wollen wir diese Staße sehen. Was uns erwartet, ist umwerfend trostlos: Die ehemaligen Wege zu den Häusern holt sich die Natur sehr mühsam zurück, die Straßenkunst ist jedoch in ihrer gesamten Länge vom jetzigen Besitzer mit Schuttbergen belegt worden, so dass weiterer Tourismus förderhin unterbleiben wird. Der Sinn erschließt sich uns nicht, denn Leben kann man an diesem Ort nicht.
    Wir fahren weiter zu unserem Übernachtungsplatz, einen im Wald auf einer Anhöhe gelegenen Parkplatz, der von Wanderern auf dem Appalachian Trail genutzt wird. Da wir uns in der Zeit verschätzt haben, erreichen wir den Ort bei Einbruch der Dunkelheit. Wir sind nicht allein: Zwei Wanderer fragen uns, ob wir vielleicht noch weiter Richtung Jonestown fahren würden, sie hätten dort ein Zimmer gebucht. Eigentlich ja nicht, aber wie sollen die Männer zu ihrem Schlafplatz kommen, wenn nicht durch uns? Wir bringen sie zum 20km entfernten Hotel und kehren dann zu "unserem" Schlafplatz zurück. Am nächsten Morgen haben wir es nicht eilig und so kommt es, dass wir die beiden vom vorigen Abend wiedersehen, denn sie wollen ihre Wanderung noch weitere Tage fortsetzen. Monty und Blake sind überschwänglich glücklich, wir tauschen Kontaktdaten und bekommen 3 Wanderrationen Essen geschenkt, dass ihnen - so sagen sie - zu schwer wäre. Wir nehmen herzlich voneinander Abschied.
    Unser heutiges Ziel ist Amish County um Lancaster. Die ursprünglich aus Deutschland stammende hier lebende Religionsgemeinschaft lehnt den technischen Fortschritt ab. Elektrizität macht sie abhängig, deswegen benutzen sie keine. Außer, na ja, Batterien zur Beleuchtung ihrer Kutschen. Und da das Leben ohne Elektrizität auch bedeutet, keine herkömmliche Waschmaschine, keinen Kühlschrank oder keine Melkmaschine nutzen zu können, greifen sie zu einem Trick: Sie nutzen Propangas. Ein Hersteller der Gegend hat sich auf Kühlschränke etc. mit Propangasantrieb spezialisiert. Dass sie damit unabhängig sind, können wir nicht erkennen. Menschen sind merkwürdig.
    Wir verschätzen uns schon wieder in der Zeit. Es ist schon Dunkel, als wir sehen, was für ein "lauschiges Plätzchen" wir diesmal zur Übernachtung mit Hilfe von IOverlander gefunden haben. Zum Glück haben wir das Trockenfleisch aus der Wandererration, denn zum Kochen ist uns nicht zumute.
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  • Großartig!

    Oct 1–3, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 27 °C

    Wir sind in der Hauptstadt der USA! Ich meine: Wir! Jörg und ich! Ja, natürlich ist da auch Biden und sehr viele andere Menschen, aber wir auch! Wir spazieren die Mall herauf und herunter! 1000 Mal in den Medien, auf Fotos, auf Bildern gesehen, sind wir überwältigt von der Wirklichkeit: Lincoln Memorial, hier stand Martin Luther King!, Washington Monument (169 m!), das Capitol, das weiße Haus! Und Museen: Fliegerei und Raumfahrt, Kunst und First Nation picken wir uns aus dem Angebot heraus. Die unzähligen anderen, darunter moderne Kunst, Bildhauer, African American, selbst ein Spionmuseum (alle gratis) bekommen nur einen Blick von außen. Für diese Stadt müssten wir uns viel mehr Zeit nehmen, aber die herbstlichen Appalachen rufen.Read more

  • Skyline Drive

    Oct 3–7, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 27 °C

    Der Skyline Drive führt auf dem Hauptkamm der Appalachen über 169 km südwärts. Beginn ist in Front Royal, das Ende geht nahtlos in den Blue Ridge Mountain Parkway über. Die nächsten Tage schlängelt sich Grobi durch das mit Laubwald rötlich grüngelb gefärbte Blättermeer. Alle paar Kilometer eröffnen sich neue Blicke von Aussichtsparkplätzen nach Osten oder nach Westen. Trotzdem kommt unsere Bewegung nicht zu kurz: Wir erwandern uns 2 Gipfel und laufen zum Rapidan Camp - das "Camp David" von Präsident Hoover, der es 1929 bauen ließ, um der Hitze Washingtons zu entkommen. Unser Führer durch das Haus (wir sind nur 2 Pärchen) betont, dass der Präsident alles aus seiner Privatschatulle bezahlt hat und ein Segen für die umliegenden Orte war, da durch ihn nicht nur Elektrizität sondern auch Schulen in diesen abgelegenen Ort der Welt kamen. Frau Hoover hat die Kinder unterrichtet. Es scheint uns, als wolle der Guide den Gegensatz zu heutigen Präsidenten hervorheben, ohne diesen explizit zu benennen.
    Nicht weit von der Höhenstraße befindet sich der kleine Ort Luray, der mit einer Tropfsteinhöhle versucht, Besucher anzuziehen. Wir sind fast allein auf dem riesigen Parkplatz vor dem Eingang und erwarten einen Besuchernap, werden jedoch von 2 km Pfad durch traumhafte Stalaktiten und -mitenformationen überrascht, die mich an das Kinderbuch "Kleiner König Kalle Wirsch" erinnern. Ein unterirdischer See ruft durch seine Spiegelung der Decke die perfekte Illusion einer riesigen Halle hervor. In einem anderen Höhlenabschnitt, der in seiner Höhe einer Kathedrale gleicht, befindet sich das größte Musikinstrument der Welt, eine Stalaktitenorgel. Die Vibration, die durch den Schlag eines Gummihammers an den unterschiedlich langen und dicken Steinen erzeugt wird, ergibt einen mystischen Klang, den das Handy in seinem Gesamtspektrum nicht einzufangen vermag. Ein paar Meter weiter hängen die Steine wie gefaltete, lichtdurchlässig Tücher von der Decke. Wir können uns kaum sattsehen, freuen uns, dass wir diese Traumhöhle ohne Menschenmassen erleben dürfen und bleiben über 2 Stunden im unter 15°C kalten Gewölbe.
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  • OBX

    Oct 8–14, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 18 °C

    Eine Tagesfahrt Richtung Osten von den Appalachen entfernt liegen die Outer Banks. Da der Herbst den Farbwechsel der Blätter noch nicht in seinem vollen Ausmaß vollzogen hat, das Wetter schlechter wird und wir Florida aus dem Reiseprogramm geworfen haben, wollen wir den Atlantik in OBX - so die hiesige Abkürzung - besuchen ... und sind einmal mehr überrascht! Schließt die Augen und träumt Euch an die Westküste Dänemarks und ihr könntet genauso gut auf Hatteras oder Ocracoke sein ... okay, noch Braunpelikane an den Himmel malen und Wale ins Wasser setzten, schon seid ihr hier!
    Bevor wir die langgezogenen Sanddüneninseln erreichen, sehen wir unsere ersten Baumwollfelder und fahren mehrere Stunden auf Pisten durch ein Sumpfgebiet auf Roanoke Island, in dem es Alligatoren geben soll. Wir bekommen keinen zu Gesicht, erfreuen uns aber dafür an sich sonnenden Schildkröten und einer traumhaften Strecke. Über langezogene Brücken, die die einzelnen Inseln miteinander verbinden, erreichen wir die Sandkiste Washingtons und liegen ein paar Tage faul am Strand.

    Fun fact für Serienliebhaber:
    Die Drehorte für die gleichnamige Netflixreihe sind nicht die Outer Banks, sondern u.a. Charleston in South Carolina. Das Gesetz in North Carolina schreibt vor, dass Menschen bei der Benutzung von öffentlichen Toiletten die dem Geburtsgeschlecht zugeordneten Örtlichkeiten aufsuchen müssen. Das ist laut Netflix LGBTQ - feindlich, so dass das Team entschied, den Dreh im Nachbarstaat umzusetzen.
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  • Sammelsurium: Autofahren

    October 14, 2023 in the United States ⋅ ☁️ 19 °C

    Viele Dinge sehen oder erleben wir, die in keinen Footprint passen, da sie zu klein sind oder den Ablauf der Handlung unübersichtlich und unrund machen würden. Deswegen folgt ab jetzt in ungeordneter Reihenfolge hin und wieder ein Sammelsurium von Details, die Jörg und ich nicht vergessen wollen.
    Heutiges Thema: Autofahren
    - Wir sehen ungeheuer viele tote Tiere am Straßenrand, nicht nur kleine, wie Waschbären, Stachelschweine, Hörnchen, Greifvögel und Haustiere, sondern auch große Weißwedelhirsche.
    - Die Aggressivität auf den Straßen der USA ist erschreckend. Es wird dicht aufgefahren, gehupt und permanent die erlaubte Geschwindigkeit überschritten.
    Wir sind z.B. nur knapp um einen Unfall herum gekommen, weil Jörg den Abbiegevorgang nach links (natürlich mit Blinken!) abbrach und den Wagen nach rechts zog, damit der hinter ihm Fahrende, der mit überhöhter Geschwindigkeit um die Kurve kam, ihn mit quietschenden Bremsen links überholen konnte und nicht in uns hineinfuhr.
    - Unser Auto verliert Öl. Wir suchen und finden das Leck an einer Schlauchschelle mit Gewinde, die nicht fest angezogen war. Heureka!
    - Wir sind schon 13000 km ohne Ölwechsel gefahren. An einer Wäschewaschstation hält Kyle , weil er Grobi sieht und Toyotas liebt. Wir unterhalten uns und kommen auf das Thema Ölwechsel. Den sollten wir aber schleunigst ... . Er hilft: Fährt extra nach Hause, um seine Ölauffangwanne, Trichter, etc. zu holen, begleitet uns zum Autoteilehändler, diskutiert, bis klar ist, dass es doch keinen passenden Ölfilter gibt. Gleichzeitig hilft uns unser deutscher Toyotachat mit Angaben über die Teilenummer des Filters, welches Öl für Grobi gut ist und welcher Ersatzfilter auch geht. Hilfe von Überall, wie wunderbar!
    Kyle, unser Travelangel, leitet Jörg an. Perfekt!
    Travelangel! So hat man uns auch schon genannt, z.B.
    - als wir zwei Männern helfen können, ihr eigenes Auto aufzubrechen. (Es war tatsächlich ihr Auto, wir hatten sie auf den Parkplatz fahren sehen.)
    - Wir sehen in den USA Autos auf den Straßen fahren, die bei uns nicht einmal ein Schrotthändler mehr annehmen würde: Vom Rost zusammengehalten, dafür aber ohne Stoßstangen, Scheibenwischer oder Licht. So ein Auto fährt keiner freiwillig: sichtbare Armut.
    - Andererseits fährt hier jeder vierte ein Geländefahrzeug in bestem Zustand, was nicht heißt, daß sie damit umgehen können. Ein Überholvorgang an der Wasserseite am Strand von Ocracoke führte zum absoluten Festfahren.
    - Die Ampelanlagen sind gewöhnungsbedürftig: Die für uns bestimmte Anzeige hängt an Schnüren hinter der Kreuzung oder mitten auf ihr. Sagt keine Anzeige das Gegenteil, darf auch bei Rot rechts abgebogen werden.
    - Kommt man an eine Kreuzung mit 4 Stoppschildern, an jeder einmündenden Straße eins, halten alle Fahrzeuge an. Jetzt gilt: First come, first go! Prima geregelt!
    - Im Übrigen: Blinken wird überbewertet.
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  • Blue Ridge Parkway

    Oct 16–19, 2023 in the United States ⋅ ☁️ 10 °C

    Manchmal macht man alles richtig: Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das haben wir dem Abstecher zu den Outer Banks zu verdanken, denn nur dadurch ist genug Zeit vergangen, in der die Blätter auch im Süden erröten konnten. So fahren wir den außergewöhnlich schönen Parkweg in den und am Rande der Appalachen südwärts. Die Straße scheint mit den Rhododendren und dem sorgfältig gemähten Seitenbankett wirklich durch einen angelegten Park zu führen, doch es umgibt den Weg Wildnis. Auch die Rhododendren sind nicht angepflanzt.
    Es ist Hochherbst - wenn es den Hochsommer gibt, warum nicht auch dasselbe für die 3. Jahreszeit - und der Farbwechsel der Blätter in all seiner Pracht vollzogen. Wir erleben einen Farbrausch: Wir sehen nicht nur die blau gefalteten Berge in der Ferne, so wie der Name der Straße es verspricht, sondern das gesamte warme Farbspektrum des Laubes im Herbst. Manchmal wirkt die Szenerie wie Kitsch, aber hier ist nichts arrangiert.
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  • Smokey Mountain

    Oct 20–23, 2023 in the United States ⋅ ☁️ 7 °C

    Der Blue Ridge Parkway endet in den Smokey Mountains im Ort Cherokee, in dem die gleichnamigen First Nations einen Souvenirladen neben dem anderen betreiben, alle mit demselben Kitsch: Zutaten für Halloween und alles, was "der Indianer" nach dem Klischee herstellt (Traumfänger, Körbe, Pfeil und Bogen, Friedenspfeife, Federschmuck und Totempfahl). Wir wollen den Ort jedoch nicht über den Parkway, sondern über eine Offroadstrecke, die uns durch den südöstlichen Teil der Smokies führt, erreichen. Der Einstieg in den Treck liegt gespenstisch im Dunst; ein Pickupfahrer warnt uns: Auswaschungen, Nebel, evtl. Schnee auf der Strecke. Wir würden für die 28 km etwa 3 Stunden brauchen und wir hätten keine Winde dabei ... . Er wäre den Treck schon 2× gefahren, aber heute bestimmt nicht. Wir beratschlagen uns kurz (der Greifzug ersetzt uns die Winde) und fahren mit gemischten Gefühlen und von einem "Good luck!" begleitet in den Treck. Ich darf fahren und freue mich insgeheim auf die "fahrerisch anspruchsvoll" angekündigte Piste, die sich auf ebener Strecke wie auf einem Weg durch unser Altenholzer Waldgebiet dahinzieht: Sehr schön, hin und wieder schmal, aber von jedem, der lenken kann, problemlos zu meistern. Wir lassen uns Zeit und sind nach 1,5 Stunden in Cherokee. War die Warnung als Scherz gemeint? Nichts ist unmöglich ... .
    Der nächste Tag, ein Samstag und bestes Wetter, soll uns auf den Clingmansdom (2030m), die höchste Erhebung in den Smokies bringen. Mit dieser Idee stehen wir nicht alleine im Stau. Ich steige aus und laufe zu Fuß zum Parkplatz und dann den 1 km langen, asphaltierten, aber steilen Fußweg bis zum Aussichtsturm. Als ich zurück zum Auto komme, hat sich Jörg bis kurz vor den Parkplatz vorgearbeitet. Wir tauschen die Position: Ich fahre, Jörg läuft. Es nützt ja nichts, wir werden nie wieder hier sein, da müssen wir wohl durch. Wir sparen durch diese Aktion Zeit ein und lachen darüber, weil "Zeit sparen" eigentlich nicht auf unserer to-do Liste steht.
    Die Nacht wollen wir auf dem einzigen Campingplatz innerhalb des Nationalparks verbringen, denn frei Stehen ist hier nicht erlaubt. Die Straße windet sich malerisch durch die bewaldeten Berge und nach entspanntem Kolonnefahren bis zur Abzweigung nach Cades Cove, einem Hochplateau mit Wiesen, Weiden und besagtem Campingplatz, erreichen wir um 17:00 Uhr in der Dämmerung die Rangerstation zum Einchecken. Dort wird gerade das Empfangshäuschen abgeschlossen: Für heute sei Feierabend, der Platz sei voll. Ich gucke erschrocken - das kann ich gut - erkläre unsere Erschöpfung, wir würden auch auf dem Parkplatz ... wir brauchen nur eine Toilette und einen Stellplatz. Er überlegt: Nein! Das sei verboten! Eine Rangerin kommt hinzu: Platz B45, aber nur eine Nacht, Bezahlung morgen, kein Problem. Also bitte, geht doch. Nur 5 Minuten später hätten wir ein Problem gehabt, da dann kein Verantwortlicher mehr vor Ort gewesen wäre.
    Den nächsten Tag stehen wir bei Morgendämmerung auf, um die Autorunde um die Wiesen von Cades Cove im zarten Morgenlicht zu erleben. Wir sehen balzende Truthähne, malerische Nebelschwaden und ... tatsächlich ... einen Bären. Wir sind beide überrascht, dass dieses Tier, dem das Attribut "gemütlich" zugeordnet ist, derartig hektisch nach Futter suchen kann. Bevor Jörg ihn noch gut vor die Linse kriegt, ist der Schwarzbär auch schon im Wald verschwunden.
    Um die Smoky Mountains zu verlassen, wählen wir wieder einen Offroad Pfad. Wir haben zwei Möglichkeiten und wählen die Strecke, von der uns die Rangerin abrät: Zu "rough", vor allem im unteren Teil kaum befahrbar. Sie hat recht, für einen Porsche 911 ist die Strecke tatsächlich nichts. Wir erreichen ohne Mühe die nächste Asphaltstraße. Diese entpuppt sich als kurvige Rennstrecke für Motorradfahrer und Sportwagen mit Heckspoiler. In den besonders spektakulären Kurven haben sich professionelle Fotografen positioniert. Hier unfallfrei zu bleiben, fordert mich wesentlich mehr als kurz vorher im Treck. Ich bin ordentlich durchgeschwitzt - ein Unfall mit Verletzten setzt mir zu - und freue mich auf einen Stellplatz am Tennessee River mit Aussicht auf ein Bad im Fluss, doch die Enttäuschung ist gewaltig: Der Fluss ist dreckig trüb, die Nachbarschaft des Stellplatzes nicht vertrauenserweckend. Wir finden kurze Zeit später einen anderen Platz.
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  • "Da hinten ist was!"

    Oct 23–27, 2023 in the United States ⋅ 🌬 23 °C

    Tennessee, Arkansas, Oklahoma: Das ist die kürzeste Strecke, um Richtung Westen nach Colorado und Utah zu kommen. Uns macht der anstehende Winter Beine und so verlassen wir Chattanooga nach einem Besuch der Ruby Falls, dem höchsten Wasserfall in einer Höhle - nach Disneyart illuminiert.
    In Tennessee folgen wir dem "Trail of tears": Zwischen 1831 und 1839 wurden die Stämme der Cherokee, Muskogee, Seminolen, Chickasaw und Choctaw aus den fruchtbaren und waldreichen Südstaaten in vom Militär begleiteten Trecks nach Oklahoma deportiert. Ein Viertel der First Nation starben schon auf dem Weg an Hunger und Kälte, die Übrigen - kulturell entwurzelt und geschwächt - mussten sich mit den in der Prärie heimischen Stämmen auseinander setzen. Später wurden die letzten Reste wegen des steigenden Siedlungsdrucks der Europäer auch aus den neuen Reservaten vertrieben.
    Die Siedlungen an der Strecke geben auch Grund zum Weinen und wir beginnen die Wut und Verzweiflung der Menschen zu verstehen. Ein Trump verspricht einfache Lösungen.

    Wir fahren und fahren. In Memphis werfen wir einen Blick auf den Mississippi und werden mit dem Hinweis auf Grobi gewarnt: Bleibt nicht in der Stadt, sie ist berüchtigt für Carjacking. Habt ihr die Vermummten mit den halbautomatischen Waffen nicht gesehen? Hatten wir nicht ...
    Aus dem leicht hügeligen Land mit Baumwoll- und Maisfeldern wird flaches Grasland mit einer unbeschreiblichen Weite. Einzige Erhebungen sind schwarze Rinder und hin und wieder niedrige Bäume. Tage vergehen. Wir wechseln uns beim Fahren ab, Jörg hat gerade "Dienst". Ich döse vor mich hin, das Radio dudelt Countrymusik. Plötzlich reißt mich Jörg aus den Tagträumen: "Du! Da hinten ist was!" Ich werde ganz hibbelig, hektisch. Nach tagelangem Nichts erhebt sich in der Ferne etwas Größeres, das weder Baum noch Rind ist. Ein Berg! Capulin Volcano, erloschen vor 60000 Jahren, ragt mit seinen 2494m Höhe stattliche 300m über die Prärie empor. Damit wird klar, dass wir im Auto unmerklich fast 2200m Höhe erreicht haben. Wir umrunden den Krater zu Fuß und genießen den Rückblick auf die Ebene der Prärie und in entgegen gesetzter Richtung den Ausblick auf die Rocky Mountains.
    Die Nacht wird kalt und windig. Wir klappen das Dach nicht auf.
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  • Dünen

    Oct 28–29, 2023 in the United States ⋅ 🌬 9 °C

    Und hinein geht es in die Rocky Mountains! Ich habe meine Vorstellung von Gebirgen aus den Alpen, die Rockies sind aber nur schwer mit ihnen zu vergleichen: Hier wachsen noch Birken auf 2100m Höhe. Die Nadelbaumgrenze liegt über 3500m. Wir überfahren Pässe, die höher als 3000m liegen und erreichen eine riesige Hochebene, die rundum von Bergen eingefasst ist. Selbst auf dieser Höhe wird Ackerbau betrieben. Wir sehen kreisrunde Felder, die durch die Bewässerungsweise entstehen. Mittelpunkt des Ackers ist ein Brunnen oder eine Wasserleitung, an den ein Bewässerungsarm von 200-300m Länge angeschlossen ist. Dieser fährt im Kreis um diese mittlere Wasserquelle herum, so dass schießlich eine Fläche mit einem Durchmesser von 400-600m Wasser bekommt. Die Satellitenaufnahme, auf dem unseren Weg aufgezeichnet wird, zeigt diese Kreise sehr deutlich.
    Wir fahren zum Great Sand Dunes National Park. Der Wind pfeift ununterbrochen aus Südwesten über die Hochebene und bringt seit über 100000 Jahren Sand aus den ausgetrockneten Seen und dem Rio Grande Tal an den Fuß der Bergriesen der Sangre de Cristo. Dort bleibt der Sand in einer 100 km² großen Sandkiste liegen. Die Dünen wirken, wenn man auf sie zufährt, durch die sich hinter ihnen auftürmenden 3-4Tausender unscheinbar klein. Als wir jedoch vor dem Sand stehen, verspüren wir, wer hier wirklich klein ist. Wir verzichten auf die Sandbergbesteigung.
    Angesichts der Kälte verzichten wir auch auf eine weitere Nacht im Auto und nehmen uns ein Hotelzimmer in Alamosa. Im Ort wehen klischeehaft Tumbleweeds (Steppenhexen) über die Straßen und es laufen überall gruselig verkleidete Menschen herum. Wir sind froh, ein warmes Hotelzimmer mit Dusche zu haben und erinnern uns: Halloween steht vor der Tür.
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  • Mesa Verde

    Oct 29–31, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 9 °C

    Im Nachhinein haben Jörg und ich Schwierigkeiten nachzuvollziehen, warum wir uns dazu entschieden haben, noch einmal im Auto zu übernachten. Wir haben die klirrende Kälte komplett unterschätzt. Bei -10° C kriechen wir morgens aus dem Schlafsack und unter den Decken hervor. Heißen Kaffee gibt es heute nicht, denn die Wasserleitung ist eingefroren. Selbst der sonst gutmütige Grobi scheint beim Anlassen einen Schluckauf zu bekommen. Es braucht einige Zeit bis der Motor rund läuft.
    Wir besuchen Mesa Verde, einen Tafelberg, der unvermittelt 600m aus dem Colorado-Hochplateau emporsteigt. Der von vielen Canyons durchzogene Berg war bis vor ca. 700 Jahren das Siedlungsgebiet der Pueblo-Indianer. Lebten die Menschen zuerst in Rundhäusern, die in den Boden eingelassenen wurden, bauten sie später ganze Dörfer unter den Überhängen der Canyons. Um 1300 n.Chr. wurden die Siedlungen wahrscheinlich wegen einer Dürreperiode aufgegeben. Mich erstaunen neben den Bauten die sowohl in Form als auch in der Ornamentik geradezu modernen Becher.
    Wir kehren zurück nach Durango und besuchen den örtlichen Toyotahändler, bei dem wir vor über einer Woche 3 Ölfilter bestellt haben. Es folgt ein Lehrstück an zugewandter Hilfsbereitschaft: Erst wird uns der Steinschlag in der Scheibe repariert, danach der Ölfilter gewechselt. Gratis! Wir wollen die Kaffeekasse bereichern, doch der Werkstattleiter umarmt uns: "Nein, nein! Spart das Geld für die Reise! Großartig, dass Ihr mit so einem phantastischen Auto bei uns vorbei gekommen seid!"
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  • Million Dollar Highway

    Oct 31–Nov 1, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 2 °C

    Es geht trotz Kälte - aber mit Hotelreservierung - nordwärts. Erst geht es ein bisschen Offroad durch die Berge und dann fahren wir von Silverton nach Ouray den "Million Dollar Highway". Es gibt zwei Legenden, wie diese Straße zu ihrem Namen kam. Die eine unspektakuläre Version sagt, dass der Bau der Straße 1883 so teuer gewesen sein soll. Die andere Erzählung bezieht sich auf einen Autofahrer, der nach der Fahrt über den Pass gesagt haben soll, dass er diese Strecke nicht für eine Millionen Dollar noch einmal hinter sich bringen würde. Tatsächlich ist die Trasse wegen unangepasster, überhöhter Geschwindigkeit ziemlich unfallträchtig. Für amerikanische Verhältnisse sehr schmal windet sie sich ohne Leitplanken erst auf- und dann wieder abwärts. Wir kurven gemütlich zum Pass auf 3358m Höhe und genießen die Ausblicke.
    In Ouray angekommen lernen wir die fröhliche Seite von Halloween kennen: Bei hellstem Sonnenschein ist die ganze Stadt in den unterschiedlichsten Kostümen auf den Beinen. Feuerwehr, Polizei, Rathaus und Geschäftinhaber stehen vor Bergen von Süßigkeiten, um sie an alle zu verteilen, die vorbei kommen. Uns kommt es nicht annähernd gruselig vor, eher wie beim Karneval in Köln, eine lustige Veranstaltung!
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  • Sammelsurium: Alltag

    Nov 1–6, 2023 in the United States ⋅ ⛅ 14 °C

    Um sich besser vorstellen zu können, wie wir leben, habe ich einmal unser fahrendes Haus in Bildern zusammengestellt und, nicht lachen, Essen fotografiert.
    Morgens gibt es Kaffee und Müsli mit Obst. Danach steht auch die genaue Route des Tages, an die wir uns aber nicht immer halten, entweder, weil wir eine Empfehlung für eine andere Strecke oder Sehenswürdigkeit erhalten oder weil wir den Tag mit Aktivitäten überladen haben. Ab etwa 16:00 Uhr versuchen wir den Schlafplatz aufzusuchen, damit wir noch genug Zeit zum Kochen bei Tageslicht haben. Durch Zeitumstellungen in den verschiedenen Bundesstaaten und überqueren der Zeitzonen springt jedoch der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs hin und her: gestern ging die Sonne um 18:00 Uhr unter, vorgestern um 19:00. Da unser Zentralgestirn in diesen Breiten sehr schnell verschwindet, ist es etwa 15 Minuten nach Sonnenuntergang absolut dunkel. Die Scheinwerfer von Grobi sind zur Beleuchtung entlegener Schlafplätze unterdimensioniert.
    Während des Tages wandern wir, fahren die nächste Etappe, waschen Wäsche, unterhalten uns nicht nur mit uns selbst, sondern mit Fremden gern auch über Politik! und - leidiges Thema - gehen einkaufen. Da wir wenig Stauraum haben, müssen wir dies alle drei Tage tun. Supermärkte sind prinzipiell überall gleich, trotzdem suchen wir uns zu Tode. Ein Beispiel: Haferflocken. Manchmal stehen sie bei den Backwaren, manchmal bei der immensen Auswahl von bunten Frühstücksflocken. Haben wir sie gefunden, müssen wir genau hinsehen, denn sie müssen eine Kochzeit von mindestens 5 Minuten auf dem Aufdruck haben, sonst haben wir keine kernigen, sondern zarteste Flöckchen. Haben wir Pech, gibt es "unsere" Flockengröße nur im 2kg Paket - das gibt Stauprobleme - also weitersuchen. Die Packungsgrößen sind dem Land angepasst XXL. Ich müsste ein neues Duschmittel kaufen, aber die Größe passt nicht in unser Badfach im Auto - weitersuchen. Und wie heißt Sahne, die nicht gesüßt in einer Sprühflasche ist? Cream! Aber das scheint es hier nicht zu geben ... ah, doch: "non whipped" und nicht bei der Milch, sondern bei den Eiern, die es in diesem Laden nur in 20iger Packungen gibt. Einkauf ohne Routine ....
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  • Black Canyon

    Nov 1–2, 2023 in the United States

    Nach der Fahrt über den Million Dollar Highway übernachten wir in einem Hotel in Montrose und freuen uns sehr, dass es vom Standard deutlich besser ist als unser erstes in Alamosa. Wir lernen: Der Preis sagt nicht unbedingt etwas über Ausstattung, Service und vor allem das Frühstück aus.
    Heute steht der Black Canyon im Programm. Er ist mit 686m Tiefe und einer Breite von nur 12m am Boden, aber ca. 330m am obere Rand der steilste Canyon im Bundesstaat Colorado. Er besteht in erster Linie aus fast schwarzem Gneis und rosafarben eingelagertem Pegmatit. Es bereitet uns sehr viel Vergnügen, Schildkröten, Blitze oder gar Angriffe von Aliens in den Linien zu erkennen.
    Weiter geht es über eine vierspurige Interstate. Diese Straßen sind unseren Autobahnen ähnlich, jedoch viel breiter angelegt. Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei 80 Meilen (80 + 80:2 = 120 km/h). Grobi fängt ab 90 km/h an, etwa 15l zu verbrauchen, also fahren wir langsamer und werden ununterbrochen von LKWs überholt. Das ist an sich nicht schlimm, aber unangenehm, wenn die Fahrer zu früh wieder auf die rechte Spur wechseln. Um diesem Stress zu entgehen, findet Jörg eine Nebenstraße, die in unsere Richtung führt und mit schönen Überraschungen aufwartet: Wir kommen durch Cisco, eine Geisterstadt, hindurch, die durch Scenen aus Thelma und Luise bekannt ist und fahren schließlich in der Dämmerung (Achtung! Hirsche in Mengen!) parallel zum Colorado durch einen rotsandsteinfarbenen Canyon. Erst in der Dunkelheit erreichen wir unser Hotel in Moab.
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  • Arches

    Nov 2–6, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 15 °C

    Der Arches Nationalpark in Utah ist bisher der landschaftlich atemberaubendste Teil unserer Reise.
    Wir bleiben mehrere Tage und übernachten auch wieder in Grobi, damit wir die Milchstraße über den Bögen sehen, unter freiem Himmel frühstücken können und auch, um die Anreise aus Moab zu vermeiden.
    Unsere erste Wanderung führt uns wegen fehlender Wegmarkierung in die Irre: Überall meinen wir Wege und Fußspuren zu sehen, folgen diesen und kommen immer weiter vom richtigen Weg ab. Nach einigen nervenaufreibenden Klettereien über Felsvorsprünge und durch Kamine erreichen wir schließlich den Kamm, auf dem wir dann den Rückweg finden. Belohnt wird jede Wanderung mit unzähligen natürlichen Felsbögen und grandiosen Ausblicken.
    Auf dem Campingplatz im Park treffen wir zufällig Maik und Lisa wieder, die wir in Halifax beim Abholen unseres Wagens kennengelernt hatten, und verbringen einen gemütlichen Abend mit selbstgebackenem Kuchen (Dank an Lisa) am Lagerfeuer. Mit Pauline und Alex freunden wir uns bei einem spontanen Tee an ... wir hoffen die Verbindung bleibt bestehen.
    Und dann unterhalten wir uns angeregt mit 4 ausgesprochen aufgeschlossenen, zugewandten Amerikanern über Politik, das Thema, das die Nation spaltet und uns so sehr interessiert. Wir drücken die Daumen wegen der nächsten Wahlen!
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  • Artgerechte Haltung

    Nov 7–9, 2023 in the United States ⋅ 🌬 21 °C

    Nicht weit vom Arches Nationalpark liegt Canyonland, ebenfalls ein NP, der 3 Bereiche hat: Im Osten liegt "Maze" - wegen der Jahreszeit geschlossen. Offen sind "Islands in the Sky" und "Needles". Beide Teile wollen wir besuchen, auch weil es dort fantastische Offroadstrecken gibt. Grobi soll wenigstens hin und wieder artgerecht gehalten werden. Trotz eines Geräuschs, das mit einem Hauch von Versetzen gepaart ist, wenn wir "sportlich" um Kurven fahren, machen wir uns auf den Weg, denn dieses "Gnuggen" begleitet uns schon eine Weile und ist auch nicht immer hörbar. Noch versuchen wir zu glauben, dass es schwappender Diesel oder Wasser ist - oder eine winzige Bodenwelle.
    Wir kurven vergnügt durch den nördlichen Parkteil und folgen mit viel Spaß dem Offroadtreck, den eine Rangerin uns mit Blick auf Grobi empfiehlt. Die Nacht verbringen wir in Moab, waschen morgens Wäsche und unterhalten uns lange mit Thorsten, den wir an einer Tankstelle kennenlernen. So müssen wir uns schließlich beeilen, damit wir am Ende des südlichen Nationalparkbereichs noch einen Campingstellplatz bekommen. Gnug! Und Versetzen! Nicht wegzudiskutieren! Wir beschließen, am nächsten Tag - denn es ist inzwischen Dunkel - einen genauen Blick darauf zu werfen.
    Vor dem Visitorcenter (weil wir dort Netz haben, um YouTube zu befragen und Wärme, denn es wir tagsüber nur 10°C kalt) prüfen wir das Radlagerspiel, haben aber zu wenig Erfahrung, um etwas festzustellen. Das linke Hinterrad, das möglicherweise auslösend ist, wird abgebaut. Wir stellen nichts Ungewöhnliches fest. Beim erneuten Montieren erhöhen wir jedoch den Anpressdruck um 30 Nm. Das Geräusch ist weg, wir fahren fröhlich in den Dreck. In bester Laune folgen wir dem rumpeligen Pfad und werden mit einem wunderschönen Blick auf den Colorado belohnt.
    Abends beratschlagen wir und kommen zu dem Schluss, dass jemand, der sich damit auskennt, die Radlager doch noch einmal prüfen sollte.
    Einen weiteren Abend später steht Grobi beim Mechaniker und wir sind im Hotel. An dieser Stelle ein Dank an Björn, der uns nicht kennt, aber wieder einmal mit Teilenummern hilft.
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  • Warten auf Grobi

    Nov 9–14, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 6 °C

    Ist er fertig? Können wir heute weiterfahren?
    Nichts zu machen! Vielleicht morgen, da ist Samstag.
    Wir frühstücken und amüsieren uns über das Waffeleisen und den Pfannkuchenmacher, der uns hin und wieder die Zunge rauszustrecken scheint. Monticello ist ein kleiner Ort. Die Wanderung um den unbedeutenden Stausee füllt den Tag. Wir gehen Essen.
    Und? Wie geht es voran? Ahh, Ersatzteile müssen bestellt werden und sind nicht zu bekommen. Nichts zu machen. Montag, vielleicht.
    Wir machen nichts: Bilder sortieren, Spanisch lernen, lesen. Glaubst du, Grobi kommt Montag? Wir warten. Monticello ist ein kleiner, kalter Ort.
    Wie sieht es aus? Ist er fertig? Es erscheint uns so. Die Ersatzteile ... Nichts zu machen! Und nun? Reparatur so gut es geht ohne Ersatz? Morgen ... also Dienstag. Wann? Vielleicht gegen 15:00 Uhr.
    Wir warten. Wir haben Zeit. Wir telefonieren mit den erwachsenen Kindern. Das tut gut. Monticello klingt italienisch, ist aber ein seltsam kahler, kleiner, kalter Ort. Vor dem Hotel steht seit Januar ein abgebrannter LKW.
    Sollen wir Essen gehen? Vielleicht später ... . Wir warten. Nichts zu machen.
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  • On the road again

    Nov 14–17, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 13 °C

    Wir haben ihn wieder! Er ist repariert und wir dürfen weiter! Unsere Freude ist unermesslich! Der Schrauber verabschiedet sich genauso wie die Hotelrezeption mit Umarmungen und guten Wünschen für die Weiterreise.
    Da es schon mittags ist, nehmen wir uns nicht so viel vor: Wir besuchen einen kleinen Nationalpark (Natural Bridges National Monument), in dem wir fast allein sind. Mir wird jetzt erst der Unterschied zwischen den natürlichen Felsbögen, wie wir sie im Arches Nationalpark gesehen haben, und Felsbrücken klar: Die Bögen entstehen durch Winderosion, Brücken durch Flüsse.
    Für unsere erste Übernachtung in Grobi finden wir einen besonders hübschen Platz mir vielen kleinen Hoodoos - Felssäulen mit Wasserkopf - und haben Glück, weil die Nachttemperatur über 0°C bleibt.

    Die nächsten beiden Tage stürzen uns von einem "Ohhh" in das nächste! Wir durchfahren das Capital Reef auf einer Offroadstrecke, die sich in engen Serpentinen die Felswand hinaufschlängelt und übernachten als nächstes in einem Kiefernwald an einem Bachlauf (2500 Höhenmeter). Das ist nicht wegen der Höhe bemerkenswert, sondern vor allem, weil die wüstenähnlichen Felsformationen aus den vorangegangenen Tagen Wald weichen!
    Es folgt eine Schotterstraße über einen Pass, die sich "Hells Backbone" nennt. Von oben haben wir einen fantastischen Blick auf die Felsen, die tatsächlich Ähnlichkeiten mit einem riesigen steinernen Rückgrat haben.
    Ich hatte geplant, die dritte Nacht nach dem langen Hotelaufenthalt im Bryce Canyon zu verbringen, aber nicht bedacht, dass der Campingplatz des Nationalparks ebenso wie der letzte Schlafplatz über 2100 Höhenmeter liegt. Das gibt Nachtfrost, teilte uns die Rangerin im Visitorcenter fröhlich mit und lacht. Für uns bedeutet es, dass wir für diesen Canyon (der gar keiner ist, weil er nicht durch Wasser, sondern durch Winderosion ... ihr wisst schon) nur wenig Zeit haben, denn bis 16:30 Uhr sollten wir einen Platz auf ca. 1500m Höhe gefunden haben - um 17:00 Uhr ist Sonnenuntergang. Wir hetzen also ein bisschen und besuchen nur den schönsten Aussichtsplatz, atemberaubend! Die Wanderung muss leider ausfallen.
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  • Zion

    Nov 17–19, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 14 °C

    Der nächste Nationalpark trägt denselben Namen wie das gelobte Land, weil es den ersten Siedlern nach endlosen Planwagenkilometern durch wüstengleiche Wildnis wie der Himmel auf Erden vorkam: Es gibt den Virgin River - also Wasser - , es gibt fruchtbaren Boden, es gibt Schatten vor der sengenden Sonne und ehrfurchterregende Felsformationen, die auch gleich biblische Namen bekommen: Abraham, Isaac und Jacob Peak, sowie Angels Landing, das seinen Namen aus der Annahme speist, dass nur Engel dorthin gelangen könnten, so steil sind die Abhänge des Berges.
    Wir wandern nur eine kleine Strecke am Ende des Tals bis zu dem Punkt, an dem nur noch mit Trockenanzug und gegen die Strömung des Virgin Rivers weitergewandert werden kann. Das Abenteuer überlassen wir heute anderen, um unsere Kräfte zu schonen, denn wir haben in der Wanderlotterie gewonnen und dürfen morgen ab 12:00 Uhr Angels Landing besteigen.
    Die erste Stunde geht es in Serpentinen steil bergauf, dann eine halbe Stunde durch eine enge Schlucht, anschließend noch einmal fast eine Stunde in noch engeren Windungen aufwärts. Erst danach haben wir den Kontrollpunkt der Ranger erreicht, ab hier geht es nur noch mit "permit" weiter. Uns wird schnell deutlich, warum: Der Pfad ist zwar gut durch Ketten gesichert, aber extrem steil, teilweise ausgesetzt und verläuft immer am Abgrund. Hier können die Wanderer nur an wenigen Stellen sicher aneinander vorbei.
    Nach einer Stunde Klettern stehen wir endorphinüberschüttet oben! Angels Landing! Wir haben es tatsächlich bis ganz nach oben geschafft! Und da ihr das hier lesen könnt, haben wir auch den Rückweg bewältigt.
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  • 3 × Canyon

    Nov 20–23, 2023 in the United States ⋅ ☀️ 14 °C

    Die Hygiene auf einer längeren Reise in einem Wagen wie Grobi ist eine Sache für sich. Jörg und ich mögen uns - das hilft - aber nach knapp einer Woche ohne Dusche, jedoch mit anstrengender Wanderung, wird es Zeit, einen Campingplatz mit warmem Wasser aufzusuchen. Da wir in der absoluten Nebensaison unterwegs sind, sind die meisten Plätze geschlossen, in Kanab aber scheint es einen geöffneten zu geben. Wir werden ihn nie erreichen ... .
    Es dämmert bereits, als wir noch schnell den örtlichen Supermarkt aufsuchen wollen. "Schnell" ist aber nicht möglich, wenn man so auffällig ist wie wir: Entweder werden wir auf Grobi angesprochen oder auf unsere Herkunft. Diesmal ist es letzteres: Ed spricht sehr gut Deutsch, weil er in jungen Jahren in Deutschland missionarisch für die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" tätig war. Heute wird er für uns tätig, damit wir ein antibakterielles Schuhspray finden. Innerhalb kurzer Zeit sind wir so sehr in das Gespräch vertieft, dass wir nicht einmal mitbekommen, dass die freundliche Verkäuferin unseren Einkaufswagen in den Kühlraum geschoben hat. Es folgt eine Einladung zum Duschen und zu einer Hühnersuppe in Eds Domizil!

    Die nächsten Tage widmen wir uns dem Thema Canyon: Erst geht es zum North Rim des Grand Canyon: Wir erleben ihn im Schnee bei eisiger Kälte. Dann schauen wir uns eine Coloradoschleife namens Horseshoe-bend etwa 1000 Höhenmeter niedriger an und haben dann auch noch das Glück, 2 Karten für den Antelope-Canyon zu ergattern, der eigentlich kein Canyon ist, weil er nicht durch einen Fluss ... Ihr wisst schon.
    Und dann ein drittes und letztes Mal Canyon: der South Rim des Schluchtengewirrs, das der Colorado gebildet hat, gibt - anders als der Nordzugang - den Blick auf den Fluss aus unterschiedlichsten Perspektiven frei.
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  • Route 66

    Nov 23–27, 2023 in the United States ⋅ ⛅ 17 °C

    Wir verspüren auf unserer Reise eine fantastische Freiheit, da darf ein Stückchen Fahrt auf der Route 66, die diese für mich verkörpert, nicht fehlen. Es geht von Selig- über King- nach Oatman.
    In meiner Phantasie bevölkerten Motorrad- und Sportwagenfahrer der 50er und 60er Jahre aus grenzenlosem Vergnügen die "Mutter aller Straßen". Welch' Irrtum!
    In den Anfängen im 19. Jahrhundert wurden die Pfade der First Nation von Trappern, Abenteurern und Familien mit Planwagen genutzt, die sich auf den beschwerlichen Weg gen Westen machten, weil der Osten ihnen keine Lebensgrundlage bot. Die Folgen für die im Westen lebende Urbevölkerung sind bekannt.
    Eine zweite Welle von Glücksuchenden machte sich in Folge der Weltwirtschaftskrise und jahrelangen, menschengemachten Dürren auf den Weg. Es waren verarmte Bauern aus Oklahoma und Kansas (dem Dust-bowl), die mit schrottreifen Lastwagen flohen, um in Kalifornien ein besseres Leben zu beginnen. Aber schon damals waren Flüchtlinge unerwünscht. Auf der Strecke ausgebeutet, weil sie jede Arbeit annehmen mussten, um die nächste Benzinfüllung zu bezahlen, ließ Kalifornien sie entweder nicht über die Grenze oder steckte sie in Lager. Das ist knapp 100 Jahre her, die Flüchtlinge kommen jetzt aus dem Süden ... wann wird man je verstehen?
    Alles was danach folgte, ist die romantische Verklärung, denn mit dem Bau der Interstate-Autobahnen ab 1956 und dem zunehmenden Flugverkehr verlor die Motherroad allmählich an Bedeutung und die Ortschaften an der Strecke ihre Lebensgrundlage. Die Früchte des Zorns über die Lebensumstände erntet Donald Trump.
    Wir sind Touristen auf der Nostalgiewelle - alles für uns aufgehübscht.
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  • Sammelsurium: Wörter

    November 27, 2023 in the United States ⋅ ⛅ 18 °C

    Es gibt Wörter im Englischen, für die es keine direkte Übersetzung gibt. Dazu gehört z.B. das Verb "to idle" - den Wagen im Leerlauf laufen lassen. Ich kenne diese ökologische Untat von Menschen in Deutschland, die meinen, ihr Auto im Winter im Stand warmlaufen lassen zu müssen, während sie die Scheiben freikratzen. In den USA ist es durchaus üblich zu idlen - verzeiht das Denglisch - wenn man einkauft, mit seiner Familie im Hotel frühstückt oder wenn man an einem Aussichtspunkt anhält. CO2, was ist das?
    Ein weiteres Wort ist "litter" - damit ist Unrat in der Natur, vor allem links und rechts am Straßenrand gemeint. "Do not litter" auf einem Schild heißt also: Wirf deinen Dreck nicht einfach aus dem Auto. Es werden bis zu 1000$ Strafe angedroht, doch wer soll dies Gesetz durchsetzen? Mehr Erfolg gegen "litter" scheint das "Adopt a highway"-Programm zu haben: Eine Person, Institution oder Gruppe fühlt sich für einen Straßenabschnitt verantwortlich und räumt regelmäßig den Ramsch weg. Jörg und ich betreiben "Take five" - jeden Tag nehmen wir jeder 5 Teile Plastik- oder Aluminiummüll aus der Natur in unseren Müllrucksack. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber vielleicht bleiben wir ja nicht allein.
    Phänomenal ist die Begrüßungsformel [Haudjaduin] - in eckigen Klammern, denn es handelt sich um Lautschrift - die genausowenig eine echte Frage ist, wie "Moin" "guten Morgen" heißt. Der Tankwart, der auf seinen Gruß hin von mir gesagt bekam, dass es von ihm abhänge, ob es mir gut gehe, weil ich dringend eine Toilette bräuchte, guckte erst erschrocken und musste dann so lachen, dass ich fast ein Problem bekam, bis er mir sagte, wo ich meine Notdurft verrichten konnte.
    Apropos Toiletten: In Kanada fragt man nach dem "washroom", in den USA ist es der "restroom"! Soll mir das etwas sagen?
    Auch das Wort "church" kann eigentlich nicht durch "Kirche" übersetzt werden, denn dafür stecken zu viele unterschiedliche Institutionen dahinter. In Page, das hier nur pars pro toto steht, reihen sich am South Lake Powell Boulevard neun christliche Kirchen wie an einer Perlenschnur aneinander: Katholische, Adventisten, Episcopale, Lutheraner, Mormonen, Methodisten, First Assembly of God, Church of Nazarene und Baptisten - Zeugen Jehovas auch, aber die gelten ja als Sekte. Viel hilft viel?
    Und noch etwas zum Thema Kirche: Utah wollte gerne mit im vereinten Staatenbund dabei sein, wurde aber nicht als Mitglied akzeptiert, weil die Mormonen glaubten, die Bibel erlaube einem Mann mehrere Frauen. Daraufhin hatte der Anführer der Kirche der Heiligen der letzten Tage eine göttliche Vision, die den Mormonen die "Vielweiberei" verbot. Unverzüglich wurde Utah ein weiterer Bundesstaat der USA und viele Männer wanderten mit ihren Familien nach Mexiko aus oder gingen ins Gefängnis, weil sie keine ihrer Frauen (mit Kindern) verstoßen wollten. Noch Fragen?
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