• Josephin Dahlenburg
  • Josephin Dahlenburg

Welcome to India

A 253-day adventure by Josephin Read more
  • Trip start
    December 17, 2022

    Zu Gast bei Shweta in Karnataka

    December 20, 2022 in India ⋅ ⛅ 31 °C

    Warum eigentlich Indien???

    Shweta und Bikash kennen wir aus Halle 🤪 Ja ganz genau aus Halle an der Saale. Das kommt mir selber ziemlich verrückt vor, jetzt wo wir hier sind. Vor ein paar Jahren lernten wir uns in Halle kennen während wir uns beide freiwillig bei unicef engagierten. Nach ihrem ein jährigen weltwärts Kulturaustauschprogramm ging sie zurück nach Indien. Hier arbeitet sie als Sozialarbeiterin und unterstützt mit einer Familienstiftung Straßenkinder.

    Nun aber lebt sie mit ihrem Mann in Halle und arbeitet an ihrer Doktorarbeit im Bereich Bildung. Außerdem interessiert sie sich für Yoga und alternative Medizin - wir haben also immer viele Gesprächsanlässe 🤪❤️😄 ( Shweta: I love you darling 😉)

    Als wir uns im Herbst 2022 auf einen Spaziergang trafen, sagte sie so ganz nebenbei: "I have good news, my brother is getting married in december, you can come! 😄'

    Das war der Startschuss für die Planung. Jetzt oder nie - nach Indien wollte ich sowieso. Ich spielte schon länger mit dem Gedanken mir eine Auszeit zu nehmen und mich entweder in einem Ashram einzuschließen oder irgendwo in einer Gemeinschaft oder gemeinnützigen Organisationen zu engagieren in der Hoffnung auf ganz unkonventionelle und natürliche Weise neues dazuzulernen...zum Beispiel wie Ayurveda funktioniert, wie man eine Gemeinschaft aufbaut oder autark leben kann. Dafür gibt es verschiedene Netzwerke (workaway oder worldpackers) mit deren Hilfe man mit unterschiedlichen Gastgebern in Verbindung treten kann.

    Nun also, der Samen war im Kopf gepflanzt und nach ein paar Tagen buchten wir den Flug. Auch wenn ein Auge feucht wird, bei dem Gedanken an Weihnachten fern von Familie und Freunden zu sein. Die Erfahrung "Weihnachten im Ausland" hatte ich bereits in China und den USA und ich erinnere mich daran wie ich mir selber damals sagte das das irgendwie doof ist und ich das auf jeden Fall in Zukunft vermeiden werde. Aber wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es, dass Gelegenheiten kommen wann sie kommen und man muss einfach bereit sein sie zu greifen auch wenn es scheinbar ein "ungünstiger" Augenblick ist.

    Jetzt sind wir hier und ich bin froh über diese Aufbruchsstimmung. Eine bessere Schule als das Eintauchen in eine andere Kultur gibt es für mich nicht. Das ist das Leben. Die Welt ist mein und dein zuhause und manchmal kommt mir meine Heimat in Deutschland einfach ganz klein vor. Dann fühle ich mich wie eine Pflanze die frisches Wasser braucht. Dann weiß ich, es ist Zeit sich auf den Weg zu machen.
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  • The Indian Wedding

    December 21, 2022 in India ⋅ ☁️ 24 °C

    Mantren, Priester und Kurkuma..

    Eine traditionelle Hochzeit dauert 3-4 Tage, wenn man die vorbereitenden Rituale mitzählt. Am ersten Tag bleiben Braut und Bräutigam voneinander getrennt in ihrem Familienhaus. Hier durchlaufen beide Reinigungszeremonien die von geschulten Priestern auf Sanskrit durchgeführt werden (10 Jahre dauert übrigens diese Ausbildung 😳) Außerdem wird der Bräutigam von weiblichen Familienmitgliedern und Freunden mit Kurkuma eingerieben bis er ganz gelb ist 🙂 (Fun fact: Kurkuma wirkt entzündungshemmend und antibakteriell und wird wegen der medizinische Wirkkraft in der indischen Medizin viel verwendet)

    Am zweiten Tag der Hochzeitszeremonie fährt die Familie des Bräutigams in das Heimatdorf der Braut ( s. Video 🥳) . Hier findet eine ellenlange Zeremonie statt zu der das ganze Dorf eingeladen wird. Ja wirklich, das ganze Dorf und noch mehr. Übrigens wurden die Einladung alle per Hand übergeben und es ist so üblich, dass man sich Zeit nimmt und mit jedem Nachbar ein Schwätzchen hält und Tee trinkt ☕🍪😬. Deshalb teilt sich die Familie auch das Austeilen der Einladungskarten auf. 600 Tees sind auch aufgeteilt auf ein paar Wochen zu viel 😄🫡.

    Am dritten Tag begrüßt man dann die Familie der Braut ins Haus des Bräutigams. Da ich nur für einen Tag Klamotten mit hatte 🥴, kümmerten sich die Damen aus der Familie mit viiiiiiiiiel Freude um mein Aussehen inkl. Schmuck und Sari 😅 Ich hatte kein Mitspracherecht. Wie auch? Ich spreche ja kein Cannada (das ist die lokale Sprache hier in dem Bundesstaat) und habe keine Ahnung wie man 6 Meter langen Stoff um die Hüften und Schultern wickelt ☺️. Das war spannend.. nichts zu verstehen und einfach mal abzuwarten was am Ende dabei rauskommt 😊 Ich wurde jedenfalls schön indisch geschmückt 🤪.
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  • Gokarna Beach

    December 25, 2022 in India ⋅ ☀️ 28 °C

    Selfies, Delphine und Kühe

    "Fahrt nicht nach Goa. Lieber nach Gokarna, da ist es ruhiger"

    - so wurde uns von Einheimischen empfohlen 😄.

    Ihr ahnt es... nope - nix ruhig.
    Der Blick von der absolut überteuerten Unterkunft, lässt nicht ahnen, dass rechts davon ein Zugang zur Stadt liegt. Das heißt, dass Hinz und Kunz genau hier den Stand besuchen. Es ist genau der Platz für die einheimischen Touristen, um in einem engen überwachten Strandabschnitt mit Alltagskleidung ins heilige Wasser zu springen🌊 🌅🌊
    Wir nannten diesen Abschnitt dann liebevoll den "Selfie Area" weil wir erstens immer da durch mussten, um den Rest des Strandes zu sehen und zweitens, weil wir auf dem Weg immer angehalten wurden mit den Worten:

    "Hello, one selfie please" 😳😄

    ..dann folgte ein Gruppenfoto mit der ganzen Familie oder dem gesamten Freundeskreis, der gerade hier unterwegs war und anschließend positionierten sich alle Reisemitglieder einzeln zwischen oder neben uns für weitere Fotos
    Das kann dann schonmal eine Weile dauern... 🤳 🤳 🤳
    Mit der Zeit lernten wir dann durch das Selfie Gefahrengebiet zu kommen ohne angehalten zu werden - man muss nur entschlossen sein 😎 (So fühlen sich also Stars 🤭)

    Felix wollte unbedingt surfen und tatsächlich wurden wir fündig. Einen Tag bei mäßigen Wellen hatten wir das Wasser für uns. Surfen gleicht hier Bali in den 60ern heißt es. Der Hype ist hier also noch nicht angekommen. Damit dies auch so bleibt, gibts von der Surfschule auch keinen Werbung und keine Hinweisschilder. Nur eine Webseite, die wir durch Zufall gefunden haben. Nachdem wir in der Hitze mehrmals falsch gelaufen sind, haben wir sie dann gefunden. Und siehe da der Mann sprach Deutsch 😳😄

    🏄🏄🏄🏄🏄

    Trotzdem irgendwie komisch zu wissen, dass in ein paar hundert Meter Luftlinie von der Brandung entfernt, die Menschen in kompletter Kleidung baden, Kühe am Strand liegen und von der Stadt Müll ins Wasser fließt..... 😬🤔
    Haie gibt auch irgendwie aber wohl nicht hier. 🦈🦈🦈 Dafür aber Delphine und wo Delphine sind, gibt es keine Haie - so die Logik.🐬🐬🐬

    🤔🫣😄

    So ein Luxus habe ich noch nie erlebt. Wir sitzen Mittags in einem Cafe mit Blick aufs Wasser und trauen unseren Augen nicht. Delphine springen ( ja wirklich, sie springen!) aus dem Wasser ganz nah am Strand. Wir schlürfen unseren Fruchtlassi und sind begeistert von der Gratisshow die sich uns darbietet. Dabei steht davon nichts im Reiseführer und es gibt auch keine "Dolphin watching Touranbieter" oder sowas. Wir erfahren, dass die Tiere sich hier oft aufhalten "Yes, its the season" hört man die Einheimischen unbeeindruckt sagen". Nun sind die bezahlten und erfolglosen Dolphin Watching Touren aus der Vergangenheit kompensiert - ich bin zufrieden 😄.
    🐬🐬🐬🐬🐬 🐬🐬🐬🐬🐬🐬🐬🐬🐬🐬
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  • Fort Kochi - das Erbe der Kolonialzeit

    December 28, 2022 in India ⋅ ⛅ 31 °C

    Nächste Haltestelle: Kochi

    Nachdem wir die Kühe vom Bahnsteig in Gokarna irgendwie davon überzeugen konnten unsere Rucksäcke und unser Reiseproviant in Ruhe zu lassen, stiegen wir mit unserem Holzklasse Ticket in den Zug. Auf gut Glück und in der Hoffnung einen Platz in AC 1, 2 oder 3 zu bekommen - so heißen die mit Klimaanlage ausgestatteten und bequemeren Abteile in denen man die Sitzplätze zu Liegeflächen ausklappen kann. Alles andere wäre wahrscheinlich der absolute Horror, wie wir von einem italienisch-indischen Pärchen mit Baby später erfahren. Denn mit dem "General Ticket" - also der Holzklasse - hat man nicht mal einen Sitzplatz d.h. es drängen sich Mann und Frau in alle Ecken, während ständig Leute ein- und aussteigen. Keine gute Option für die 10 stündige Nachtfahrt, die vor uns lag 😅. Aber wie so oft, wurden wir von netten Menschen an die Hand genommen und durften uns ein Upgrade in AC 2 erkaufen, wo wir tatsächlich jeder eine Schlafliege hatten und Ruhe finden konnten. Felix war zwischendurch so aufgeregt, dass er kein Auge zumachen konnte, denn ein Kindheitstraum würde ihm erfüllt: einmal mit dem Nachtzug fahren.

    Morgens um 6 kamen wir in Kochi an. Mit einer Autoriksha selbst organisiert mit der App "UBER" fuhren wir direkt zu unserem Homestay wo wir schon angemeldet hatten, dass wir viel früher als zur üblichen Check-in Zeit ankommen würden. "No Problem, No Problem" - wir wurden herzlich empfangen, wurden gefüttert und durften bei der netten Nachbarin duschen, die wie sie selber sagt mehr Engländerin sei als Inderin. Dies sei sehr typisch für die Menschen in Kochi, hier gibt es eine große Community, die sich sehr dem europäischen Lebensstil angenommen hat. Kein Wunder, denn hier herrschten lange die Holländer und Portugiesen, was noch immer am Stadtbild zu erkennen ist, auch wenn sich dies mit Hindutempel und indischem Flair stark vermischt 😊. Sehr spannend und wundervoll zu Fuß zu erkunden.

    In unserer Unterkunft machten wir bald Bekanntschaft mit dem indischen Pärchen Amal und seiner Freundin und verbrachten einen wundervollen Abend und den nächsten Tag miteinander.

    Am 31.12 liefen wir die Straßen entlang und waren verblüfft von der Menschenmenge, die sich durch die Gassen schub. Schnell suchten wir uns eine Bar, die wir nur durch das Nachbargeschäft betreten konnten, da alle Tore mit Schlösser verriegelt wurden um nur ausgewählt Gäste hinein zu lassen - Pärchen und Ausländer 🫣😄. Hier trafen wir auf zwei Engländer, die uns an den Tisch gesetzt wurden und nachdem wir die Verlegenheit überwunden hatten, folgten ein paar tolle Stunden mit wundervollen Gesprächen. Natürlich mit Parallelen.. Ein Sozialarbeiter, den die Sehnsucht nach einer Pause nach Indien trieb, der bald ein Vipassana Meditationsretreat macht und einfach mal nur sein will - wahrscheinlich um etwas zu finden, ohne zu wissen was er sucht - wie wir alle irgendwie und irgendwann mal. Wir verstanden uns ohne große Worte. Naja und sein budenständiger Kumpel, der ihn besuchte 😄. Es ist schön zu wissen, dass man nie alleine ist mit seinen Fragen 🙏 😌🙏. Wir sprachen über Gott und die Welt, über die indischen Verkehrsregeln und über die Heldenreise, lachten und teilten ein paar Getränke miteinander.

    Auf das große Event, den riesigen brennenden Santa Claus auf einer Fußballfeld großen Festwiese zu sehen während DJs Musik für tausende von Menschen auflegten, haben wir dann doch dankend verzichtet und haben stattdessen auf der Straße vor der Unterkunft, dankbar mit Wasser und liebevollen Blicken angestoßen. Froh darüber fern vom Getümmel zu sein 🥰❤️.
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  • Meine neue Gastfamilie

    January 6, 2023 in India ⋅ 🌙 21 °C

    Nun da Felix mich am 6.01 verlässt und das indische Leben wieder gegen das deutsche eintauscht, habe ich mich entschieden bei der Familie von Unikrishnan, den wir letztens bei einem Spaziergang kennengelernt haben, zu bleiben 🥹🙏.

    Ich bin dankbar dafür, dass sie mich aufnehmen, mich füttern und mir einen Schlafplatz bieten 😌🙏 . So habe ich Zeit mich an das Leben hier zu gewöhnen und mein Touristendasein langsam loszulassen, denn die weitere Reise wird weniger luxuriös werden 😬. Es fühlt sich ein bisschen an wie damals als ich in den USA als Au-Pair lebte... nur anders 😅.

    Sobald ich mich einigermaßen aklimatisiert habe, engagiere ich mich ehrenamtlich (gegen Kost und Logis) in einer gemeinnützigen Organisationen hier in der Nähe. Witzigerweise bin ich erst seit dem wir hier in diesem Ort sind darauf aufmerksam geworden. Der Ort ist übrigens super klein. Es ist fast ein Wunder, dass wir genau hier gelandet sind. Unikrishnan bot uns direkt an dort vorbeizuschauen, was wir auch gemacht haben. So funktioniert das hier. Nix Plan - einfach vertrauen und es wird sich eine Lösung finden 😄!

    Verrückte Welt 🙏☺️🙏
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  • Little Flower Mercy Home

    January 8, 2023 in India ⋅ ⛅ 20 °C

    Meine erste Station als Freiwillige: ein psycho-soziales Rehabilitationszentrum und Zufluchtsort für obdachlose oder kranke Menschen um die sich niemand kümmern kann oder möchte. Gegründet von Molly und Mathew - ein katholisches, indisches Ehepaar. Beide haben in den 80ern an der Seite von Mutter Theresa in Kalkutta gearbeitet... bis sie selbst ihrer Berufung gefolgt sind und in ihrer Heimat (im Bundesstaat Kerala) ein eigens Gnadenhaus aufbauten. Anfangs nur mit einem kleinen Lehmhaus auf einem Hügel ganz hier in der Nähe. Heute ist daraus ein Zentrum mit 300 Menschen entstanden. Hier leben geistig und körperlich behinderte Menschen, Obdachlose, Kinder aus armen Familien und Menschen die von zuhause aufgrund von mentalen oder psychischen Beeinträchtigungen verstoßen wurden. Es ist wie eine große Familie in der jede*r das macht was körperlich oder geistig möglich ist. Das gemeinsame Singen und Beten gehört täglich dazu und sorgt für positive Stimmung und Gemeinschaftsgefühl.Read more

  • Munnar

    February 5, 2023 in India ⋅ 🌙 17 °C

    Sonntagsausflug nach Munnar

    ... mit dem Bus :)

    und anschließendem sunset watching Ausflug bei uns um die Ecke.

    Munnar - bekannt für was? Tee. Die grünen Büsche sind Teeplantagen. Eigentlich handelt es sich um Teebäume. Man lässt sie nur nicht so groß wachsen. Aus irgendeinem Grund ist das sogar hier verboten (Ich finde noch heraus warum 🧐). Die Briten haben hier vor Jahren gehaust und es sich in Munnar, mit dem frischen und sonnigen Klima, gemütlich gemacht. Wie ihr wisst, trinken die Inder inflationär schwarzen Tee und Masala Tee bzw. Chai (mit Milch und tonnenweise Zucker 🤭). Theoretisch ist das auch gesund, wenn man den Zucker weglassen und nur ein kleines Tässchen Biotee nach dem Essen zippen würde. Besser wäre es allerdings so wie es die Chinesen machen: ein Schlückchen grünen Tee nach jeder Mahlzeit oder nach jedem Snack - hilft bei der Verdauung und bringt wichtige Nährstoffe in den Körper. Das kann man alles genauer im Teemuseum erfahren, welches Felix und ich während unserer gemeinsamen Tage hier, besucht haben.

    Heute aber steht das kulturelle Leben im Mittelpunkt, denn ohne es zu wissen sind wir direkt in ein Hindu-Fest gepoltert: "Ravidass Jayantee" - gefeiert wird Guru Ravi Dass. Anhänger*innen gehen am frühen Morgen in den Fluss um sich zu reinigen und vollziehen Rituale und Gebete um die großen Taten zu ehren (wie bei fast allen Hinduritualen). Ravi Dass wird als Sozialreformer gefeiert wegen seines Einsatzes gegen das Kastensystem. Außerdem zählt er als Spiritueller der Bhakti Bewegung (der Weg der Hingabe und Liebe). Schön, oder? Bunt, laut, fröhlich und einfach göttlich ❤️😊❤️.

    PS: Ich hab jetzt übrigens Verstärkung im Little Flower Mercy Home: Adriana aus Brasilien und Juan Jose aus Chile 🙏☺️🙏
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  • Zwischen Allopathie und Ayurveda

    February 25, 2023 in India ⋅ ☀️ 37 °C

    Meine "Gastmutter" hat seit längerem starke Schmerzen im Bein und im unteren Rücken und kann nicht laufen. Da die lokale Klinik nicht weiterhelfen kann, fährt das Ehepaar 2 Stunden mit dem Auto zu einem Spezialisten - in einem kirchlichen Krankenhaus. Ich fahre mit, weil ich sehen will wie das hier funktioniert und es nett ist mal raus zukommen. Nach 30 min. Fahrt ist mir kotzübel denn ich hatte ganz vergessen wie kurvig die Straßen hier sind und wieviel Andrenalin man aushalten muss bei dem Fahrstil 🫣. Ich darf den Platz wechseln und vorne sitzen. Es wird besser. Zum Glück fährt Gott "Shiva" auf dem Armaturenbrett mit.

    Wir sitzen und warten bis wir dran aind. Unikrishnan hält mir den zweiseitigen MRT Befund unter die Nase: "cervical and dorsal spondylosis with degenerative disk disease" - auf Englisch. Der hat ca. 50€ gekostet was bei jemanden der als Alleinverdiener ca 100-200 € im Monat verdient ordentlich reinhaut. Auch die Konsultation wird in bar bezahlt, denn die beiden sind nicht versichert. Zu teuer meinte er - ca. 200€ im Jahr. Mittlerweile hätte es sich gelohnt, sieht er ein.

    Leider spricht der indische Otto-Normal-Verbraucher auch hier kein Englisch, es sei denn er oder sie ( meistens er) war ein paar Jahre im Ausland arbeiten. Oft in Israel, Bharain oder Saudi-Arabien als Krankenpfleger*in oder Fachkraft im Bereich Handwerk oder Sicherheit.
    Unikrishnan gehört dazu aber bei der medizinischen Fachsprache muss auch er passen. Der Neurologe soll nun die Auswertung vornehmen. Dank meiner Yogatherapie Ausbildung glaube ich zu verstehen worum es geht. Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule und Bandscheiben mit Druck auf umliegende Nerven, die den Schmerz verursachen 🧐🤔🤷😊.

    Sie bekommt entzündungshemmende Medikamente und auf meine Frage nach der Ursache des Problems, antwortete der nette Neurologe, dass das viele Treppensteigen ein Grund sein könnte. Ich wundere mich, denn zuhause gibt es zwar eine Treppe aber die ist nicht besonders schwer zu begehen 🤔 . Therapie oder andere Vorschläge zur Verbesserung der Situation oder zur Prävention von weiteren Problemen gibt es keine. Sie soll einfach die Medikamente nehmen.

    Das sind Ratschläge der westlichen Medizin - hier auch als Allopathie bekannt. Bekannt für die vielen Medikamente zur Behandlung der Symptome und chirurgische Eingriffe für eine schnelle Linderung der Schmerzen.

    Ayurveda widerum ist das ursprüngliche indische Heilsystem, welches den Menschen ganzheitlich betrachtet (also Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Sozialleben, mentale Verfassung etc.) in die Behandlung miteinbezieht.

    Leider haben viele Menschen den Bezug zur traditionellen Heilkunst verloren und wollen - wie so viele Menschen - eine schnelle Linderung Ihrer Beschwerden ohne etwas dafür tun oder verändern zu müssen. Die zugrundeliegenden Ursachen werden nicht ergründet und dementsprechend auch keine Lebensstilanzupassung. So bleibt auch hier die Endlosschleife: Medikamente, Medikamente, Medikamente... Mit allen Nebenwirkungen für Leber und Niere.

    Subjektive Observation:
    In dieser Familie leben Schwiegertochter und Schwiegereltern im Haus der Schwiegereltern. Der Tagesablauf bei den Frauen dreht sich um den Haushalt und ums Essen. Die Schwiegertochter nimmt dabei eine aktive Rolle ein und ist eigentlich wie eine freundliche Servicekraft, die das Essen zubereitet und serviert. Fehlt etwas, steht sie auf und holt es. Sie selbst isst als letztes. Gelegentlich führt sie kosmetische Behandlungen in dem kleinen Studio unten im Haus durch oder frisiert die Damen des Dorfes. Eine regelmäßige Arbeitstätigkeit - so wie wir es kennen - gehen beide Frauen nicht nach.

    Natur, Sport oder sonstige Bewegung draußen an der Luft gibt es nicht. Mir ist damals nach vier Tagen langsam die Decke auf den Kopf gefallen, denn insbesondere die beiden Damen gehen so gut wie nie aus dem Haus. Maximal um den Sohn von der Schule abzuholen oder drei Schritte vom Auto zum Tempel oder zum Markt zu denen der Mann sie fährt. Es wird viel telefoniert mit Verwandten oder Freunden. Die erwachsenen Kinder arbeiten irgendwo, sind mit ihrem Leben beschäftigt und kommen wenig zu Besuch. Der Fernseher ist oft an, es laufen indische TV Serien a la "Gute Zeiten schlechte Zeiten" und es wird viel gesessen oder gelegen nach den regelmäßigen Mahlzeiten:

    1. Vor-Frühstück - Kaffee mit Milch und Zucker, fritiertes Knabberzeug 🍮☕
    2. Frühstück - Reis, Tapioka, Porota oder Dosa und schwarzer Tee mit Zucker ☕🍛
    3. Mittagessen - eine riesen Portion Reis mit Curry (Gemüsesoße) und gelegentlich mit Fisch oder Hühnchen versehen.🍛
    4. Nachmittag - Chai mit Zucker und indische Süßigkeiten (oft voller Zucker und Fett 😅)🍡🍪🍢🫖
    5. Abendessen - wie Mittag 🍛

    Natürlich braucht hier alles viel länger. Man wäscht die Wäsche draußen mit der Hand und gekocht wird mit Feuer und Gas.

    Trotzdem ist das ziemlich viel Nahrung für Menschen, die sich kaum bewegen. Vielleicht liegt es an der hügeligen Landschaft, vielleicht daran, dass es nicht üblich oder diese Familie speziell ist - keine Ahnung🤷.

    Asthma, Nierensteine, Übergewicht und starke körperliche Einschränkungen sind die Folgen - darüber wird auch gerne mit leidenden Gesichtsausdruck gesprochen 🤷😅. Man verlässt sich wie auch bei uns allzu gerne auf den "Experten" im weißen Kittel und weiß nicht um die Verbindung zwischen Gesundheit und den eigenen Verhaltensweisen, die die gesundheitsschädigende Situation befördern oder heilen könnten.

    Die Beobachtung bestätigt sich hier im Little Flower Mercy Home. Das Gründerpaar leidet an Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. Andere Angestellte haben Asthma, Nierensteine, und Zucker 🫣😯. Ganz zu schweigen von den Problemen der Bewohner*innen, für die es aus finanziellen Gründen auch nur eine eingeschränkte medikamentöse Behandlungen gibt. Ihr seht ein paar Fotos von dem sogenannten "Medical Camp": Eine Allgemeinärztin kommt mit ihrem Assistenten und misst den Blutdruck. Falls jemand besondere Beschwerden hat (neben den mentalen) ist hier die Möglichkeit diese anzusprechen. Die Gespräche gehen schnell. Vor allem weil man nicht immer dieselbe Sprache spricht. Allgemeine Medikamente gegen die üblichen Unanehmlichkeiten wie Pilzinfektion oder Schmerzen hat sie schon mitgebracht. Abgesehen von den einmal im Monat stattfindenden Medical Camps ist eine medizinische Fachangestellte für die Tablettenausgabe zuständig. Einen eigenen Arzt oder Therapeuten gibt es hier leider nicht. Für Psychiatrie betreffende Themen inkl. Medikamentenanpassung soll wohl auch mal ein Arzt kommen - den habe ich in fast zwei Monaten allerdings nocht nicht gesehen. Es ist ein langer weg bis Mercy Home wirklich eine Klinik ist. Aber immernoch besser als die öffentlichen psychiatrischen Einrichtungen. Diese "Aufbewahrungsorte" erinnern an Zustände in den 30er Jahren, hat mir jemand geflüstert. So gesehen ist Mercy Home also top ausgestattet. Lasst uns hoffen, dass es weiter geht!

    Auf Ayurveda wird hier allerdings nicht gesetzt. Der Gesundheitszustand ist gleichbleibend. Die Lebensgewohnheiten bei vielen genau wie oben beschrieben.

    🌱🌅🌸🌳In den nächsten Wochen möchte ich das andere Indien kennenlernen. Das Indien, welches das Wissen über das Leben (=Ayurveda) noch kennt und praktiziert. Es ist nicht einfach, das zu finden aber ich mache mich auf den Weg um diesen Schatz zu ergründen 🌳🌷☀️🌱🌅🌸🏞️

    Wünscht mir viel Glück bei meiner Suche!! 😊

    Währenddessen mache ich jetzt erstmal ein dreitägiges Leber-Detox-Programm mit viel klarer Suppe und wichtigen Vitaminen. Das sollte man laut Naturheilkunde, Ayurveda und Co. einmal im Monat machen, um alle angesammelten Schadstoffe v.a. in der Leber ( z.B Pestizidrückstände etc.) auszuwaschen, aber auch um in den Zellen, wo sich durch unsere " moderne" Lebensweise und den dazugehörigen Essgewohnheiten, unverarbeitete Eiweiße ablagern (was übrigens zu chronischen Krankheiten führt) wieder Freiraum zu schaffen.
    😃✌️🌿🍵

    Peace
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  • Ayurvedakurs in Kerala, Indien

    March 2, 2023 in India ⋅ ⛅ 37 °C

    Meine Zeit im Little Flower Mercy Home neigt sich dem Ende zu. Zum einen weil mein Visum für Indien nur 90 Tage am Stück den Aufenthalt erlaubt, was eine Ausreise in ein anderes Nachbarland notwendig macht. Zum anderen, weil ich Lust habe mehr von Indien zu sehen. Ich buche also erstmal einen Flug von Kochi, Indien nach Kathmandu, Nepal.

    Ich erfahre, dass man Ayurvedakurse belegen kann und entscheide mich für eine Empfehlung von Amal, dem Yoga Therapeuten aus Bangalore: eine ayurvedische Klinik in der Nähe vom Flughafen in Kochi mit der Möglichkeit einen praktisch orientierten Basiskurs in ayurvedische Massage zu belegen. Passt wunderbar in die Planung!

    Die Gründerfamilie vom Mercy Home fährt mich mit dem Auto fast bis zum Ziel
    Sie müssen auch in die Stadt um ihren Reisepass zu erneuern. Wir haben Spaß unterwegs. Ich höre wilde Geschichten aus vergangenen Zeiten und genieße Tee vom Straßenverkäufer der definitiv Barrista Qualitäten aufweist. Fast 4 Stunden sind wir unterwegs. Wir verabschieden uns. Ich bin berührt. Der Abschied im Little Flower Mercy Home noch am selben Morgen war für mich schon sehr sentimental.

    Das letzte Stück zur Klinik fahre ich mit einem Uber. Der Fahrer ist Doktorand für Übersetzungen religiöser Texte aus Maliyalam in Hindi und Englisch. Sehr speziell. Wir unterhalten uns die ganze Fahrt über angeregt.

    In der Klinik angekommen, werde ich warm begrüßt. Alles ist individuell ausgerichtet. Es gibt keine Gruppe und keinen offiziellen Lehrplan. Ich bekomme selber täglich zwei Stunden unterschiedliche Massageanwendungen und jeweils eine tägliche private Konsultation mit der ayurvedischen Ärztin. Sie ist fabelhaft!

    Wir reden über Sinn und Ziel von Ayurveda, über die Ursache von Krankheiten und die ayurvedische Sichtweise, über die Kräfte die in uns wirken und über Balance im Leben. Ich fühle mich mit meinen Fragen über das "gute Leben" verstanden und gesehen. Wir philosophieren über den Sinn des Lebens und warum es uns heutzutage nicht gut geht, warum viele unglücklich sind oder leiden.

    Sie sagt: alles was deine Seele sucht, ist diesen bestimmten Moment der Balance. Der Verstand kommt dann mit dem wildesten Vorschlägen. Bei manchen ist es der Drang im Job erfolgreich zu sein, bei anderen die Sehnsucht nach dem perfekten Partner oder wie bei mir das Gefühl irgendwas machen zu müssen und mich dabei zu überladen. Sie sagt: du willst zu viel. Gib dir mehr Zeit für Entspannung. Relax! Du bist immer in der Zukunft. Sei hier, rede mit den Menschen die hier sind, sei im Moment.

    Sie hat recht. Die Rastlosigkeit die so viele Menschen auf unterschiedliche Weise plagt, führt nur dazu, dass wir immer mehr im Außen nach Zufriedenheit suchen, dabei ist es so einfach wie sie sagt, denn alles was deine Seele will, ist diese Ruhe und Zufriedenheit. "Du kannst ihn spüren, wenn du atmest, wenn du in dich hinein hörst und in Stille mit dir bist. Das ist alles. Du musst dich selber finden. Aber nicht im außen sondern im Innern." sagt sie mit geschlossenen Augen und starker Präsenz. Meditation ist ein Stichwort und Balance.

    Ich lese viel in den Büchern, die mir zur Verfügung gestellt werden, sammle Fragen, genieße die Massagen und die Gespräche.

    Dann bin ich an der Reihe. Ich lerne und übe die ayurvedische Ganzkörpermassage, Kopfmassage und wie man Mithilfe von Öl oder medizinischem Wasser verschiedene Anwendungen vorbereitet und durchführt. Es macht mir Freude.

    "Massagen zu geben, bringt dich selber in Balance" wie Jijo, der Chef der Klinik, sagt. Er sagt auch: "Massage ist eine Kunst." Wenn ich ihm zuschaue, kann ich nur zustimmen. Seine Hände fliegen förmlich über den Körper. Es wirkt als würde er den Körper wie feuchten Ton formen.

    Jijo hat viel Erfahrung. Er hat 5. Jahre lang in England in einem Luxusresort gearbeitet und Menschen mit verschieden Problemen therapeutisch behandelt.

    Ich bin froh über diese Erfahrung. Ich fühle mich gestärkt und bin glücklich über die zwei Wochen, die ich hier verbringen darf. Das Essen ist übrigens hervorragend. Ich treffe nette Menschen aus Holland, Iran, Singapur und Sri Lanka. Witzigerweise sind wir so gut wie nie mehr als zwei Gäste zugleich, sodass ich immer einen neuen Gesprächspartner beim Essen habe. Alle haben ihre Problemchen und finden Entspannung in den ayurvedischen Behandlungen. Ich genieße die unterschiedlichen Geschichten der Menschen.

    Den Abend vor meinem Geburtstag verbringe ich gemeinsam am Abendbrotstisch mit einem Iraner. Wir haben in den letzten Tagen immer beim Essen zusammengesessen und uns viel über das Leben ausgetauscht. Er hat Ferienhäuser in Armenien und auf Bali, die er vermietet, was ihm das Reisen ermöglicht. Seine Kinder leben bei seiner Ex-Frau in Australien. Er pflegt guten Kontakt. Über seine Mutter redet er liebevoll: "Sie sei verrückt. Sie sagt zu mir ich solle aufhören zu kiffen aber selber raucht sie Opium." Wir lachen viel. Das tut gut. Er reist mit einem Koffer voller Tee und Steinen - das ist sein Tick, wie er sagt. Sein ganzes Hab und Gut passt jetzt in zwei Koffer. Er schenkt mir zum Geburtstag Cookies, Bergtee aus Armenien und einen Anhänger aus Bali. Happy Birthday 🥳 🎉
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  • Happy Birthday Charity Aktion

    March 15, 2023 in India ⋅ 🌧 29 °C

    Hallo zusammen,

    ich habe Geburtstag und ich will Gutes tun!
    Denn es gibt ja bekanntlich nichts Gutes außer man tut es 😁😆

    Ich teile in diesem Link ein von mir gedrehtes Video (😆💪) 12 min. lang Impressionen aus meiner freiwilligen Arbeit in dem Heim für Kinder, für Menschen die kein zuhause haben und/oder die physisch bzw. psychisch erkrankt sind - dem Little Flower Mercy Home.

    Link https://youtu.be/yyXegkNZZqk

    Ich habe hier mit diesen Menschen fast 2 Monate gelebt und viel fürs Leben gelernt wofür ich sehr dankbar bin🙏🌸.

    Ein indisches Ehepaar - Molly and Mathew - hat in den 80ern mit Mutter Teresa in Kalkutta zusammengearbeitet. Von ihr inspiriert bauten sie Schritt für Schritt dieses Heim: Little Flower Mercy Home. Die Bilder zeigen was sie schon erreicht haben.

    Wenn du magst (und wirklich nur wenn du magst) kannst auch du unterstützen:

    Zum Beispiel so: anstelle eines Geburtstagsgeschenkes würde ich mich über eine Spende für das neue Projekt an dem wir arbeiten freuen ☺️❤️

    Damit ermöglichen wir kranken Menschen eine bessere Pflege und den Kindern eine gesünderes Zuhause.

    Ich weiß, dass sich ja eigentlich die Regierung kümmern sollte etc. und überhaupt...aber sie tut es nicht und da fällt mir nur der christliche Satz ein: Nächstenliebe kennt keine Grenzen..oder wie Mutter Teresa einst sagte: warte nicht auf die Leute da oben bis sich etwas ändert, nimm die Dinge selbst in die Hand - Mensch für Mensch.

    In diesem Sinne seid herzlichst gegrüßt!
    -----

    Spendenlink und weitere Infos zum Projekt:

    Homepage
    https://www.mercyhome88.org/
    ❤️
    Spendenlink (auch über Homepage erreichbar)
    https://payu.in/pay/2CA790DBAA18547E080B06A268D…
    ❤️
    Instagram
    https://www.instagram.com/little_flower_mercy_h…

    🌸🙏🌸
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  • Impressionen aus Kathmandu

    March 17, 2023 in Nepal ⋅ ☁️ 20 °C

    Welcome to Nepal! 🤩

    Ich hatte schon am ersten Tag meiner Ankunft das Glück auf Denize in meiner neuen Unterkunft zu treffen. Mit ihr war ich zwei Tage lang unterwegs. Gemeinsam erkundeten wir ziellos die Umgebung, besuchten ein Musikfestival im historischen Stadtzentrum, gingen auf abenteuerlichen Pfaden in Hinterhöfen spazieren, schauten uns Yogastudios an, teilten uns Pizza und quatschten über Männer und Beziehungen 🤪😁.

    Nach meinem Vipassana Kurs traf ich auf Steve aus England in derselben Unterkunft. Grinsend saß er auf der Terrasse als ich mein Zimmer bezog. Zu Fuß durchstreiften wir den Randbezirk Kathmandus und wanderten zu unterschiedlichen buddhistischen Klöstern. Vielleicht gehen wir bald auch gemeinsam auf eine längere Trekkingtour.

    Prakruti, ein nepalesisches Mädchen das ich während ( bzw. nach) dem Vipassana Kurs kennenlernte, nahm mich einen Tag lang auf ihrem Moped mit. Ich probierte wahnsinnig viel authentisches streetfood, besuchte den Monkey Tempel und wir fuhren quer durch alle Gassen bis ans andere Ende der Stadt. Abenteuerlich!

    Ich danke allen Menschen die ich in so kurzer Zeit kennenlernen durfte und bin mal wieder erstaunt wie wenig man tatsächlich alleine ist wenn man alleine auf Reisen unterwegs ist.

    Die Welt ist eine große Familie ❤️
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  • Vipassana - 10 Tage sitzen und schweigen

    March 21, 2023 in Nepal ⋅ ☁️ 18 °C

    "Bitte komme mit der Einstellung: egal was passiert, du ziehst es durch!'

    Mit der Anmeldung zum Vipassana Meditationskurs bekommt man neben dem Zeitplan genau diese Aufforderung zu geschickt.

    Ich sitze in meinem schönen Hotelzimmer in Angamaly, Indien und schaue mir die Internetseite der Anmeldung an. Ich zögere. Dann die Entscheidung: egal, ich mach das jetzt einfach.

    Mein 1-jähriges Visum für Indien lässt mich nur 90 Tage am Stück in Indien sein. Ich muss also in ein paar Tagen das Land mal eben verlassen. Ich entscheide mich für Nepal und verbinde die Reise mit einem "Vipassana Retreat".

    Nach meiner Ankunft in Kathmandu bleibe ich zwei Tage in einem Homestay "Mums Home" bei Mira und Sudarashan, die ich über booking.com gefunden habe. Man schläft praktisch bei einer Familie, die ein paar Zimmer für Gäste freigeräumt hat. Hier treffe ich die gleichaltrige Denize aus der Türkei mit der ich zwei coole Tage in Kathmandu verbringe.

    Danach geht es ins Dhamma Kiti Mediatationszentrum etwas außerhalb von Kathmandu. Absoluter Szenenwechsel. Ab jetzt gilt Stille ("noble silence" wie man sagt). Mit mir gibt es etwa 40 andere Menschen, die sich auf die innere Reise begeben wollen. 8 Stunden meditieren. Zwischendurch gibt es kleine und größere Pausen. Während ich sitze, spüre ich alles mögliche. Feuer - brennender Schmerz, Luft - Druck im Oberkörper, Erde - Schwere und Langeweile, Wasser - fließende Vibrationen am ganzen Körper. Einmal frage ich mich wie lange ich das noch schaffe ohne ohnmächtig zu werden. Wenn ich aufstehe ist alles weg. Komisch.

    Nichts ist für immer da, alles ist in Bewegung. Beobachte nur und
    bewerte nicht. Die Wertung und Einteilung in angenehm und unangenehm und die damit verbundene Anhaftung und Ablehnung dessen was ist, lässt uns leiden. Das ist die Lehre von Buddha. Guru S.N. Goenka, der Buddhas Meditation wieder unters Volk bringen wollte, lehrt uns die Vipassana Meditationstechnik. Im Vipassana hat man 10 Tage zeit um sich zu beobachten und zu bemerken wie Gefühle, Körperempfindungen und Gedanken kommen und gehen. Sie nicht zu bewerten sondern einfach zu erfahren wie es ist wenn Dinge kommen und gehen, das ist der erste Schritt zur Glückseligkeit.

    Die Gruppe ist geteilt in Männer und Frauen, die jeweils ihren Bereich im Zentrum haben. Zwei Lehrer*innen stehen uns zur Seite. Es gibt spezielle Zeiten für individuelle Fragen. Die Antworten auf meine Fragen kann ich mir bald selber geben. Denn wenn ich zu ihren Lotusfüßen auf dem Kissen vor ihr sitze und meine Fragen stelle, kommen meistens liebevoll und mit Leichtigkeit gesprochene Sätze wie: " just accept it", "just relax" oder "yesterday was yesterday, leave it. Today is new". Mein Verstand ruft innerlich "Aber...!" und verstummt dann mit der Akzeptanz.

    In der Halle wird gepupst, gerülpst und geschnarcht. Hinter mir fällt eine Deutsche seitlich um weil sie eingeschlafen ist. Neben mir sitzt ein Belgier der die ganze Zeit raschelt. Draußen um 5 Uhr morgens dröhnt Technomusik und gejubel. Später erfahre ich, dass dies ein öffentlicher Aerobic Kurs in der Nachbarschaft ist. Ein Hund läuft übers Dach. Nix mit Ruhe.

    Die Zeit vergeht schneller als gedacht. Nach den ersten Tagen habe ich Gedanken wie "oh nur noch 3 Stunden und dann ist Mittagspause" - es fällt mir leichter zu sitzen und meine Empfindungen zu beobachten. Am letzen Tag wird das Schweigen gebrochen und ein reger Austausch findet statt. Wir haben es geschafft. Wir lachen über die individuellen Erfahrungen und verbringen den Tag mit aufräumen und putzen. Danach gehe ich, gemeinsam mit ein paar anderen Mädels, die Region um das Zentrum herum entdecken. (Für alle Astro Interessierten: witzigerweise sind wir drei Fische- und eine Wassermann Frau...passt also gut ☺️)

    Die eigentliche Arbeit fängt allerdings erst an, denn jetzt heißt es dranbleiben. Morgens und abends jeweils eine Stunde Meditation soll in dem Tagesplan aufgenommen werden um wirklich Veränderungen im Geist zu bewirken. Wünscht mir Kraft und Durchhaltevermögen 😁🙏 😌

    May we all be healthy and happy, may we all be free from illwill, hatred, sadness and suffering, may we all be full of joy, compassion, harmony and love!
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  • Besuch bei einer Schamanin

    April 14, 2023 in Nepal ⋅ ☁️ 28 °C

    Ihr Lieben,

    ich lese aktuell ein Buch mit dem Titel
    "Sieben Häuser der Angst" von der Psychotherapeutin Delia Müller. Ich habe es von ihr geschenkt bekommen nachdem ich an ihrem Kurs zur Entspannungstherapeutin in Berlin teilgenommen habe. Was soll ich sagen, sie ist eine coole Socke!

    Delia hat uns damals von ihren Erfahrungen mit Schamanismus erzählt und mir empfohlen, dass wenn ich schon nach Indien fliege, ich doch auch gleich nach Nepal beim shamanic research institute in Kathmandu vorbeischauen könne. "Das wäre bestimmt was für dich", sagt sie zu mir.

    Ich liege im Bett und lese ihr Buch. Sie erwähnt das Institut. Ich suche nach der Nummer und rufe an. Ich spreche auf Deutsch mit Dirk. Ich erzähle ihm von der Begegnungen mit Delia und der Empfehlung. Er fragt mich ob ich Probleme habe. Ich antworte belustigt: "die haben wir doch alle." Er stimmt zu: "Ja, jeder auf seine Weise."

    Ich vereinbare einen Termin zu einer schamanischen Diagnose für morgen zwischen 11 und 12 Uhr und bin mir unsicher darüber was mich erwartet. Er gibt mir die Nummer seines Kollegen Subin der vor Ort sein wird.

    Ich organisiere mir ein Moped Taxi über die App "Indrive" und sause in ein mir bereits bekannten Stadtteil von Kathmandu. Google führt mich zu einem orangefarbenen Tor und ich bin mir unsicher ob ich richtig bin. Ich rufe Subin an. Subin ist Nepalese und Sohn des Gründer des Institutes und des Schamanen Mohan. Er scheint ungefähr mein Alter zu sein. Lange schwarze Haare und ein ruhiges Wesen. Wir setzen uns auf den Hof und reden ein bisschen über dies und das.

    Er führt mich in den Raum, wo ich auf Parvati - die älteste Schamanin in der Familie treffe. Sie ist seine Tante. Eine kleine, rundliche und faltige Frau in nepalesischer Kleidung steht vor mir. Ich sitze auf einem Kissen auf dem Boden. Sie spricht kein Englisch. Subin übersetzt.

    Er fragt ob es etwas bestimmtes gibt. Ich sage, dass ich mich manchmal wie blockiert fühle und oft eine große Traurigkeit spüre, die ich nicht zuordnen kann. Er nickte und übersetzt. Wir beginnen mit der Diagnose.

    Parvati nimmt meinen Arm und hält mich an der Hand und fühlt meinen Puls. Sie murmelt etwas. Plötzlich schreit sie und schüttelt meinen Arm. Sie spricht mit Subin. Subin sagt ganz ruhig:

    "Deine Vorfahren sind nicht zufrieden mit dir. Es kann sein, dass sie traurig sind, darüber dass du sie nicht beachtest.
    ...und Mutter Natur ist auch nicht glücklich. Wir müssen schätzen und dankbar sein für das was Mutter Natur uns gegeben hat. Das was wir haben."

    Okaaaaay denke ich etwas beunruhigt und höre weiter zu.

    "Da ist noch was. Eine Kinderseele besetzt dich. Hat jemand in deiner Familie ein Kind verloren? Auf natürliche Weise oder durch einen Abtreibung?"

    Mir fällt auf die schnelle nichts ein. Erst später erinnere ich mich an meine Cousine mütterlicherseits.

    "Ein Teil deiner Seele fehlt. Das kann passieren wenn man etwas traumatisches erlebt hat oder etwas nicht verarbeitet hat. Wir müssen ihn zurückholen."

    Boah denke ich wieder und frage mich was noch alles nicht bei mir stimmt ..

    "Da ist auch ein Vorfall von schwarzer Magie aufgrund von Neid. Das passierte vor drei Jahren."

    Ich schluchse und antworte mit einem ironischen Lachen "Na toll". Das ist ein Haufen Zeug denke ich ohne alles genau zu verstehen.

    "Wir müssen ein Ritual durchführen. Aber nicht jetzt. Es ist 12 Uhr, da führen wir keine Rituale durch. Du kannst hier warten oder rausgehen. Fühl dich wie zuhause. Wir beginnen um 13:00 Uhr."

    Ich bleibe im Raum und heule. Das tut gut.
    Dann beruhigt sich mein Gemüt und ich schaue mich im Raum um. Vor mir verschiedene Skulpturen, Trommeln, Fotos ...

    Draußen isst die Familie Mittag.

    Dann geht es los. Ich schließe meine Augen. Sie trommelt, schüttelt sich, hüpft, schüttelt mich, singt und murmelt in einem besonderen Ton der mich an Indianerfilme erinnert, sie benutzt Räucherwerk und andere Dinge. Ich soll mich zur offenen Tür hin drehen. Ich blicke in die Küche wo Gäste sitzen und essen. Sie sind unbeeindruckt von dem was passiert. Ich glaube sie sind Schamanismus Lernende. Irgendwann gehen wir nach draußen. Ich muss mich auf Zuruf umdrehen und in eine andere Richtung laufen.

    Ich weiß nicht wie lange das alles gedauert hat. Am Ende schaue ich sie an. Sie lächelt und ist völlig verschwitzt und außer Atem. Sie sagt: "Jetzt ist alles gut.'

    Subin und ich trinken Tee. Er erzählt mir von der Familie und dem Schamanismus, zeigt mir Fotos. Er zeigt mir ein Foto wo er als 17 jähriger in einer Höhle 6 Stunden im Stehen meditiert. Aus Delias Buch weiß ich, dass die Jhankri Schamanen Prüfungen ablegen müssen, in denen sie ihre Geistesstärke beweisen. Das krasseste ist wohl in einem Sarg unter der Erde verbuddelt zu liegen mit einem Strohhalm im Mund der an die Oberfläche reicht und als einzige Luftzufuhr für die nächsten 8 Stunden dient. Das erfordert einen enorm starken Geist.

    Ich erzähle ihm, dass ich morgen mein Trekking beginne und er sagt, dass mein Etappenziel der Gosaikunda See ein heiliger Ort sei zu dem er auch mit anderen Schamanismus interessierten reise. Er wanderte dorthin schon barfuß.

    Parvati sitzt draußen und raucht. Sie lächelt als ich mit dem Hundewelpen spiele. Ich bleibe eine Weile auf dem Hof. Es ist schön hier. Subin ist in der Nähe.

    Ich frage ihn noch recht unsortiert wie es kommt das Mutter Natur und die Vorfahren unzufrieden mit mir seien. Auch was schwarze Magie in diesem Sinne bedeute und wie ich mich schützen kann.

    Er hört mir ruhig zu. Dann antwortet er klar und mit authentischer Präsenz:

    "Unsere Vorfahren der Vergangenheit und der Zukunft - wir müssen sie ehren. Sieben Generationen der Vergangenheit und sieben Generationen der Zukunft. Sonst werden sie unglücklich oder traurig. Es kann sein, dass wir diese Unzufriedenheit und Trauer dann selber spüren. Wir müssen ihnen Rituale oder Gaben widmen. Es ist egal wie wir das machen. Du kannst einfach deiner Intuition folgen."

    "Mutter Natur. Sie ist auch ein Wesen. Wir müssen sie achten. Die meisten Menschen vergessen das. Wir müssen dankbar dafür sein, dass sie uns schon alles gegeben hat."

    "Schwarze Magie, ja sie kann auch durch die eigene Gedanken entstehen. Wenn man selber Neid oder andere negative Gedanken hegt. In deinem Fall kam sie aber von außen. Du kannst dich schützen indem du deine Spiritualität weiter entwickelst."

    Wir schweigen. Irgendwann finde ich die Muße mich zu verabschieden. Wir umarmen uns. Parvati drückt mich und lacht. Alles wird gut.

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    Ich fühle mich leer und ohne Gedanken. Es geht mir gut. Ich weiß nicht ob sich was verändert hat. Dennoch: die Präsenz und das Gespräch mit Subin hat etwas in mir angeregt. Irgendwie macht es Sinn. Dankbar zu sein für das was ist und seine Vorfahren der Vergangenheit dafür zu danken, dass man existiert. Welch ein Wunder ist das überhaupt wenn man sich das mal bewusst macht. Ich muss gestehen ich kennen gerade mal zwei Generationen und die nicht mal komplett. Ich nehme es einfach für selbstverständlich, dass ich hier bin. Ist es aber nicht.

    Ich fühle mich inspiriert und nehme die Dankesrituale mit in meine tägliche Meditationspraxis mit auf. Meine Vorfahren der Vergangenheit schenken mir Schutz, Vertrauen und Geborgenheit, die der Zukunft führen mich auf meinem weiteren Weg und geben mir die Inspirationen und Visionen für die Zukunft.

    Mutter Natur danke ich von nun an für all das was ich als Kind erfahren durfte, für all die Menschen die mich auf meinem Weg begleitet haben, für meine Erlebnisse und die Herzensmenschen, die um mich herum da sind und mich lieben - das berührt mich und öffnet mein Herz und damit zeigt es schon seine Wirkung.

    Danke für diese Erinnerung an die Dankbarkeit und Wertschätzung dessen was war und ist. Für den Weckruf zu vertrauen in das was kommt.

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    FOTOS: außer von dem Hund der mir den Weg gezeigt hat, habe an dem Tag keine Fotos gemacht. Es hat einfach nicht zur besonderen Situation gepasst.

    Für diejenigen die mehr über sie Arbeit und über Schamanismus wissen wollen, poste ich hier den Link zur Webseite: https://www.himalayanshamans.com/studies-in-nepal/
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  • Himalaya Trekking (Teil 1) - Langtang

    April 15, 2023 in Nepal ⋅ ☁️ 11 °C

    ...eigentlich wollte ich ganz gemütlich die Natur und Dorfkultur erkunden - nur nix anstrengendes... eher pilgern oder so. Man empfahl mir einen 10 -Tagestrek im Langtang Nationalpark. Es ist eine Tour gelabelt als "easy" für Anfänger geeignet. Was soll ich sagen... außer dass die Nepalesen irre sind 😅.

    Von Kathmandu aus startet unsere Tour mit dem Bus. Wenn ich "uns" sage dann meine ich meinen nepalesischen Bergführer und meinen neuen Kumpanen Steve aus England den ich in meiner Unterkunft kennengelernt habe.

    Die Fahrt ist 112km lang und dauert 8,5 Stunden 😅. Nein, dass ist keine Besonderheit, sondern tatsächlich Teil des realistischen Zeitplans, den uns die Trekking Agentur gegeben hat. Grund dafür sind die Straßenverhältnisse, die Kurven und Berge und die unbestimmten Stops die gemacht werden um Menschen im nirgendwo einzuladen und raus zu lassen. Man lässt sich eben Zeit 😅.

    Sudarashan unser Gastgeber in Kathmandu und Tour Organisator sagt über die Fahrtzeiten in Nepal folgendes: "Ich kann euch nicht sagen wie lange es dauern wird. Normalerweise würde ich sagen 6-8 Stunden...vorausgesetzt es passiert nichts. Aber in Nepal passiert meistens irgendetwas."

    Nepalesische Musikvideos laufen auf dem Flachbildschirm über der Busfahrerkabine und zeigen Szenen in denen Mädchen- und Jungsgruppen - wie in den neunzigern Take That oder die Spice Girls - eifrig tanzen. Es dreht sich immer um die Eroberung schoner Mädchen durch machohafte Rosenkavaliere.
    Die ohrenbetäubende Musik dröhnt aus den Boxen über uns und wir hüpfen unweigerlich im Takt der Musik auf und ab weil die Löcher in den Straßen so unfassbar groß sind. Irgendwann geht's bergauf - auch auf unbefestigten Straßen.

    Mir wird übel als ich aus dem Fenster in die Tiefe schaue und den Straßenrand nicht mehr sehe weil wir so nah an der Kante fahren. Der Bus überholt einen anderen Bus mit viel Gehupe in einer Kurve. "Muss das denn sein?" denke ich laut und fasse mir nervös an die Stirn. So ist das eben. Naja, irgendwann habe ich mich an die Fahrweise gewöhnt, schaue begeistert auf Wasserfälle und Berge und
    denke "Hut ab" wenn der Busfahrer wieder 20 cm vom Abgrund entfernt auf einer sandigen Straße um die Kurve rauscht.

    Wir sind da. Meine Ohren schmerzen, ich fühle mich durchgeschüttelt und habe noch das leidende Geräusch eines Passagiers im Kopf, der sich die Hälfte der Fahrt übergeben hat. Morgen geht es los. Die erste Etappe. Ich sitze am Tisch esse Dal Bat (nepalesisches Gericht aus Reis, Linsensuppe und Gemüse - man sagt hier: "Dal Bat Power 24 hour" 😃💪) und frage mich wie ich die nächsten 10 Tage überstehen werde. Vielleicht hätte die 7 Tages Tour auch gereicht.. ich schüttle die Gedanken von mir und meditiere in meinem Zimmer. Wird schon.

    Die ersten Tage geht es bergauf. Wir starten bei 1600m und sind am Tag drei auf 3800m! Ab 2500m tauchen bei manchen erste Symptome von Höhenkrankheit auf. In den Gasthäusern treffen wir interessante Menschen aus aller Welt und jeder Altersgruppe. Inspirierende Gespräche und je höher wir kommen desto mehr wächst das Gemeinschaftsgefühl.

    Ich lerne Shai und Didi aus Israel kennen. Zwei fröhliche Männer um die 60. Shai erzählt mir von seinem Leben, welches er beruflich bedingt viel in Südostasien verbracht hat. Seine Frau ist Yogalehrerin und mag Trekking nicht
    Er sagt sie beide seien sehr verschieden aber beide lassen den anderen seinen Freiraum. Er sagt wehmütig, dass er wenig zuhause war, als seine Kinder heran wuchsen, während seine Frau es liebte zuhause zu sein. Seine Frau macht ihm keine Vorwürfe. Im Gegenteil, er erzählt mir, dass sie ihm entgegnet: "Du wolltest ein Wow und Abenteuer und du hast ein Wow und Abenteuer Leben bekommen.
    Wärst du dem nicht gefolgt, dann wärst du nicht der Mensch, den ich kenne und den ich liebe."

    Ich bin berührt und inspiriert von seinen Erzählungen. Wir reden über Berufe, Sinn, glücklich sein, Familie und Reisen. Seine Mutter ist Holocaust überlebende. Er meinte sie und ihr Mann könnten mehr aus ihrem Leben machen als sie es tun. Ich fühle mich menschlich verbunden.

    Wir ziehen weiter. Tibet ist nur ein paar Minuten entfernt. Die Kultur ist hier überall vertreten. In jedem Gasthaus steht ein buddhistischer Altar mit Fotos vom Dalai Lama.

    Wir passieren unterschiedliche Vegetationszonen und ab 3400m wird es karger und kälter. Von buddhistischen Stupas schauen die gemalten Augen Buddhas auf uns herab. Ich erinnere mich an die Lehren der Vipassana Meditationstechnik: "Beobachten, einfach nur beobachten".

    Es macht Sinn. Die Landschaft ist schwer. Es ist windig. Wir laufen bergauf. Im Schatten der massigen Berge um uns herum fühle ich mich wie ein Spielball der Natur. Unfähig gegen die Gegebenheiten etwas anzurichten. Hier muss man akzeptieren was kommt.

    Die Leute leben in einfach ausgestatteten Häusern. Viele -aber nicht alle- haben einen Ofen im Haus. Nicht ohne Grund sagt man den Menschen aus dieser Region nach, sie seien besonders stark -körperlich aber vor allem auch geistig. Die Gorkhas - ein nepalesisches Regime von besonders harten Kämpfern- werden hier rekrutiert. Sie sind von internationalen Militäreinheiten gefürchtet. Die Briten besitzen übrigens das größte Gorkha Regime. Man kann die Gorkhas sozusagen für die Verteidigung seines Landes und der Interessen kaufen.

    Die Wege ins nächste Dorf sind beschwerlich, die harten Kanten der massigen Berge umschließen das Tal in dem wir ankommen komplett. In der Unterkunft treffen wir wieder auf Didi und Shai. Es geht den beiden nicht besonders gut. Sie meinen es sei die Höhe die ihnen zu schaffen macht. Sie bleiben noch einen Tag länger. Morgen ist Didis Geburtstag. Im Dorf Langtang gibt es eine Bäckerei bei der er eine Torte besorgen will.

    Wir ziehen weiter. Auf dem Weg fällt mir ein, dass ich Didis Geburtstag vergessen habe. Dabei hatte ich ihn noch am morgen gesehen. Es tut mir irgendwie leid. Wahrscheinlich werden wir uns nicht nochmal wiedersehen.

    Wir kommen im nächsten Dorf an und besteigen den ersten Berg zum Sonnenuntergang. Der Pfad ist schmal, der Wind stark und unser Guide hat auf halber Strecke leine Lust mehr. Ich zögere. Mir ist mulmig. Es ist steil und sandig. Der Abstieg wird eine Rutschpartie.
    Steve und ich laufen dennoch weiter. Mir begegnet die Angst. Ich schaue einfach nicht mehr nach unten, sondern konzentriere mich auf den nächsten Schritt. Oben angekommen: Wahnsinn! Ein Gefühl von Ruhe und Leichtigkeit überkommt mich. Ich fühle mich wie eine Feder, dennoch stabil. Der Abstieg ist leichter als gedacht. Ich bin froh die Angst überwunden zu haben und dies erleben zu dürfen.

    Am nächsten morgen wird es ernst
    Wir besteigen Tserko-Ri (4985m)
    Ich beobachte mich während des Aufstiegs. Er zieht sich.... Die Qualität meiner Gedanken und Gefühle verändern sich alle paar Kilometer. Die Berglandschaft hier oben scheint ein Abbild der Ewigkeit zu sein. Das triggert irgendwie.

    "Beobachten was ist und zu Wissen dass auch das vergehen wird" - ist meine Aufgabe in diesen Tagen. Ich beobachte Freude, Langeweile, Lustlosigkeit, Ängste, Euphorie, Demut, Dankbarkeit und Wut. Je steiler der Berg, desto stärker spüre ich meinen eigenen Widerstand. Solange bis die Akzeptanz ihn endlich auflöst und Demut und Hingabe an seine Stelle treten.
    Dann wechselt es wieder.

    Mir fließen Tränen der Erleichterung nachdem ich auf 4985m ankomme 🥲. Fünf Stunden lang lief ich in Mini-Schritten steil bergauf, kletterte über schneebedeckte Felsbrocken und mir wird klar, dass weitere 4 Stunden Abstieg auf mich warten 😪. Ich will nach Hause 😭!

    Die Landschaft bleibt so gut wie unverändert. Karg, massig und weit. Es fühlt sich endlos an. Auch mein Widerstand kann daran nichts ändern. Der Blick von oben ist dennoch faszinierend. 6000er und 7000er umgeben uns mit schneebedeckten Dächern und Gletschern. Gleichzeitig habe ich Kopfschmerzen aufgrund der Höhe. Beim Abstieg nehme ich mir vor den Moment zu genießen.

    "Ich glaube, ich mag Bergsteigen doch nicht und überhaupt...". Engstirnige Gedanken lassen mich zwischendurch wieder leiden. Mir wird bewusst, dass weitere Aufstiege im Programm enthalten sind und ich überlege mir, wie ich dies umgehen kann😁😆. Unten angekommen falle ich ins Bett 😴.

    Am nächsten Tag fühle ich mich unerwartet fit. Wir ziehen weiter. Beim Mittagessen schaue ich auf das Bergdorf und sehe Yaks. Ich telefoniere mit Mama und schicke eine Sprachnachricht an Felix. Alles Leiden ist vergessen. Ich bin dankbar, dass ich hier sein darf und finde alles faszinierend. Ich freue mich plötzlich auf die nächsten 4 Tage und bin tatsächlich neugierig auf den nächsten Berg 💪😃. Ich freue mich aber auch auf zuhause und auf meine Lieblingsmenschen ❤️.

    Ihr seht, viele Gedanken und Gefühle sind hier im Wandel. Eine spannende Erfahrung so ein mehrtägiges Trekking!
    😎 😵‍💫☺️🤩💪😪😴🥰🤪🥴☺️😌🥲🤔🙄😤😓😯🥶🥵😫🙏
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  • Himalaya Trekking (Teil 2) - Gosaikunda

    April 23, 2023 in Nepal ⋅ ☁️ -7 °C

    Auf zum heiligen See Gosaikunda (4380m)

    Nachdem wir gestern den Tserko-Ri (4985m) erklummen und eine Nacht in Kyangjin verbracht haben (3880m) geht es heute wieder runter ins Tal. Die Vegetation verändert sich alle halbe Stunde. Die Kargheit wird von grünen Bäumen, blühenden Rohdedendron, Bienensummen, Vogelgezwitscher, Bächen und Wasserfällen abgelöst. Die Stimmung ändert sich. Es fühlt sich lebendig an.

    Wir schlafen eine Nacht im Lama Hotel - eine dunkle Bude aus Holz. Wärme gibt es wie bei allen Teehäusern (so heißen die einfachen Unterkünfte die man unterwegs trifft) nur am Ofen im Gemeinschaftsraum. Die handgroße Spinne, die plötzlich hinter mir auftaucht, als ich auf meinem Bett sitze, lässt mich - trotzdem ich sie aus dem Fenster in die Freiheit setzen konnte- nicht mehr so ganz entspannen 😅. Es gibt aufgrund der undichten Fenster, Wände und Böden einfach zu viele Rückkehrmöglichkeiten 🤪.
    Ich schlafe so lala. Wenigstens ist es in dieser Höhe nicht so kalt. Die Wärme steigt vom Ofen im Gemeinschaftsraum auf und hilft zusätzlich.

    Am nächsten Tag gehts wieder bergauf. Unser Ziel ist das Dorf Thulo Syabru (2200m). Kurz vor dem Ziel gewittert es. Komisches Gefühl bergauf zu laufen wenn der Himmel brennt. Es hagelt plötzlich. Wir finden einen Unterschlupf im Dorf. Unser Gasthaus ist ein echtes Gasthaus und ich genieße ein schönes Zimmer mit Blick auf die Berge. Die Zimmertemperatur ist zum ersten Mal perfekt ☺️. Ich schlafe wie ein Baby. Wir frühstücken auf der Terrasse und genießen den Blick. Heute geht es weiter bis nach Laurebina (3900m). Hier ist es wieder kalt. Als wir ankommen sitzen die Gäste, Guides und Porter um den Ofen herum und wir setzen uns dazu.

    Zum Schlafen ziehe ich mir 3 Jogginghosen, Hemd, Longsleve, ein T- Shirt, ein Fleecepulli und eine dicke Fleece Jacke an. Ich krabble in meinen Sommerschlafsack und lege zwei dicke Decken und zwei Kuscheldecken über mich. Es dauert bis es warm wird in meinem Fuchsbau. Ich höre die Nachbarn quatschen, pupsen und schnarchen weil uns nur eine Presspappenwand trennt. Es knistern im Raum. Ich schalte meine Stirnlampe an und finde in der Ecke des Zimmers eine kleine Maus. Sie zittert als ich sie anleuchte. Irgendwie schaffe ich es dass sie in den Flur entflieht. Ich schalfe. Nach 2 Stunden wache ich auf und habe das Gefühl wenig Luft zu bekommen. Hier oben sind nur 60 Prozent des Sauerstoffes verfügbar. Ich kenne das unangenehme Gefühl vom letzten Mal. Der Körper muss sich wieder dran gewöhnen. Ich gehe aufs Klo welches am anderen Ende des Ganges ist und kühle sofort aus. Ich bin froh als um 5 Uhr die Nacht vorbei ist.

    Heute gehts zum Gosaikunda See auf 4380m. Der Weg ist schön. Ich genieße die Ruhe, den leichten Wind und die kühle Luft die mir hier in die Nase weht. Ich lasse die anderen hinter mir und gehe alleine voran.

    Diesmal ist es anders als beim letzten Aufstieg. Ich fühle mich stärker und mehr in Balance. Kindheitsgefühle begleiten mich und ich freue mich über dieses natürliche Sein. Ich begrüße Buddha der kurz vor dem Ziel als Statur vor mir auftaucht und spüre diese besondere Ruhe. Die letzen Meter zum Bergdorf und See laufe ich mit Leichtigkeit. Wir finden uns als Dreiergespann wieder zusammen und laufen um den See.

    Madan - unser Guide - erzählt mir die Legende vom See und dass hier Gott Shiva verehrt wird. Brahman, Vishnu und Shiva sind die drei Gottheiten im Hinduismus. Sie stehen für die Qualitäten des erschaffenden, des erhaltenen und des zerstörenden Prinzips. Shiva ist der Zerstörer. Man könnte auf sagen er steht für die Vergänglichkeit, die notwendig ist um Neues zu erschaffen. Es erklärt den Kreislauf des Lebens.

    Gläubige pilgern hierher, beten, läuten Glocken und tauchen kurz in den See. Die hinduistischen Rituale sind mir befremdlich. Ich halte mich zurück. Dann merke ich, dass es egal ist welche Religion hier praktiziert wird. Es ist ein heiliger Ort für Menschen. Ich entscheide mich für eine kleine Kopftaufe und tropfe mir das Wasser auf die Stirn und verbinde mich mit der Idee der natürlichen Vergänglichkeit.

    Beim Mittagessen treffen wir wieder auf die Gruppe Potsdamer. Sie amüsieren sich über meine Erzählungen der vergangen Nacht. Wir verabschieden uns und wünschen einander eine gute Reise. Ich freue mich über die Begegnung.
    Auf dem Rückweg gewittert und hagelt es. Gleichzeitig weht der Wind und die Sonne scheint.

    Eine weitere kalte Nacht in Laurebina. Ich schlafe erstaunlich gut. Am Abend sitzen wir wieder um den Ofen herum. Diesmal mit einer Gruppe Franzosen und Israelis. Die Franzosen sind zwischen 60 und möglicherweise sogar über 70 Jahre alt. Ich habe Respekt. Sie haben auch eine Dolmetscherin dabei und bekommen zum Abendbrot ein drei Gänge Menü 😁.

    Draußen schneit es jetzt. Die ersten sind besorgt, dass sie den Pass morgen nicht überqueren können. Wir sind davon nicht betroffen da wir eine andere Richtung einschlagen.

    Am Morgen sitze ich neben einem älteren französischen Herren am Ofen und frage ihn ob er gut geschlafen hat. Er schaut mich nicht an und antwort etwas mürrisch "No, not well". Er hat außerdem Husten sagt er. Ich verschwinde in meinem Zimmer packe alles zusammen und lege dem Herren zum Abschied ein paar Hustenbonbons auf den Tisch bevor ich gehe. Er freut und bedankt sich. Ich freue mich auch und wünsche eine "Bon voyage"! Die Gruppe lächelt und winkt mir zu. Ich freue mich über die kurze Begegnung und verschwinde nach draußen in den Schnee.

    Vorletzte Station auf dieser Reise ist der Ort Chandanbari (2400m). Auf dem Weg nach unten laufen wir durch Nadelwälder
    Ich fühle mich wie zuhause. Es kommen uns zwei Herren entgegen. Ich erkenne sie und rufe laut "nooo way". Wie schön! Wir treffen auf Shai und Didi aus Israel, die wir das letzte Mal in Langtang gesehen haben. Keiner hätte gedacht, dass wir uns nochmal über den Weg laufen würden. Wir fallen uns in die Arme und tauschen uns aus. Ein Erinnerungsfoto entsteht. Beschwingt laufe ich weiter und freue mich erneut über diese Begegnung.

    Ich bin wirklich zufrieden und glücklich. Was für eine wundervolle Reise! Am Ende ist auch jede Anstrengung und Unannehmlichkeit ein wichtiger Bestandteil der Reise. Ich lache über meine leidvollen Momente und bin berührt über die vielen Begegnungen. Ich bin auch ein bisschen stolz auf mich es geschafft zu haben 💪😌🙏☺️!
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  • Osho Ashram in Rishikesh

    May 2, 2023 in India ⋅ ☁️ 23 °C

    Ich will in den größten Yoga Ashram der Welt! Aber der ist bis Juli ausgebucht. Was nun? Heute geht mein Flug nach Rishikesh und ich habe keine Unterkunft. Ich erinnere mich an meine Begegnung mit Samitha in Sri Lanka vor zwei Jahren. Sie ist Deutsche und hat in der Hippiezeit in der Osho Gemeinschaft in Pune, Indien und später in den USA gelebt. Sie ist jetzt in ihren siebzigern und fährt immer noch auf Sri Lanka mit dem Moped durch die Gegend. Oshos Einfluss kann nicht verkehrt gewesen sein 😄! Ich verlasse Nepal und buche also am selben Tag kurz vor knapp meinen Aufenthalt im Osho Ashram in Rishikesh. Ich werde es nicht bereuen.

    Mein Flug geht über Dheli nach Dehradun Airport. Nachdem alle Passagiere an Bord sind verspätet sich unser Flug um eine Stunde weil es eine laute Auseinandersetzung zwischen einem Nepalesen und einem Inder gibt 😅. Der betrunkene Nepalese wird aus dem Flugzeug entfernt und alle klatschen. Neben mir sitzt ein Inder der für das internationale Unternehmen PwC arbeitet. Er evaluiert Projekte der Entwicklungshilfe und wir unterhalten uns natürlich angeregt. Ich frage ihn ob er mein Handy mit Guthaben aufladen könnte sobald wir ankommen, denn ich brauche ja die UBER App um mir bei der Ankunft ein Taxi zu organisieren. Wir landen.

    Am Flughafen in Delhi treffe ich dann auf Mateo einen Italiener dessen Heimat Italien und Belgien ist, wie er sagt. Ich habe ihn bereits in Kathmandu am Flughafen gesehen, denn westliche Ausländer fallen in Indien immer noch auf. Dann steht er in Dheli zur selben Zeit am Immigration Counter und ruft mir rüber dass wir im gleichen Flugzeug sitzen werden. Ich verliere ihn aus den Augen und treffe ihn erst bei unserer Ankunft wieder. Er ist schon mind. 3 Monate in Rishikesh und nimmt an einem Yoga Training oder Retreat oder sowas teil und war schon öfter hier.

    Wir wollen uns ein Taxi teilen, denn zufälligerweise wollen wir in die gleiche Richtung - außerhalb von Rishikesh. Wir stehen am Gepäckband unseres Zielflughafens. Plötzlich taucht mein Sitznachbar wieder auf und erinnert mich daran, dass ich mein Handy aufladen wollte. Ah, da war ja was! Wie nett von ihm mich an dieses essentielle Vorhaben zu erinnern 🫣😊🙏. Er lädt schell Guthaben von seinem Konto auf mein Handy und winkt das Bargeld was ich ihm dafür hinhalte ab. "No, no. I invite you. You are the guest! Have a save trip!".
    Danke! ☺️

    Mein Koffer kommt nicht... Ich hätte es in Delhi aus- und wieder einchecken müssen 😅🙄🙃. Nun gut. Mateo ist gut organisiert. Ich fühle mich behütet weil wir gemeinsam ankommen und er mir von Rishikesh erzählt. Er hat schon einen Fahrer der auf ihn wartet und Menschen an seinem Zielort die gemeinsam mit ihm essen wollen. Und überhaupt sieht er sehr gepflegt und sortiert aus, während ich eher die Aussage "Ich habe eine Wassermelone getragen" verkörpere 😄. Er sagt, er kommt hier nie an ohne einen Fahrer organisiert zu haben. Mmm naja, ich setze auf die App UBER und schicke ihn los um ihn nicht wegen der Koffer Formalitäten warten zu lassen.

    UBER funktioniert nicht sagen mir verschiedene Taxifahrer.....Es stimmt. Ich stehe nun im Dunkeln am Flughafen und spreche mit einem Taxifahrer dem ich schließlich mein Vertrauen schenke. So ganz geheuer ist es mir dennoch nicht alleine ins Taxi zu steigen. Mein Geist denkt sich die schönsten Krimis aus, während wir los düsen. Naja ich hab ja Mateos Nummer, beruhige ich mich und kann meinen Standort im Notfall schnell teilen - Irgendwer wird mich dann schon finden ...😅😱🤪🫣.

    Um mich aus den verrückten Gedanken zu holen, fange ich ein Gespräch mit dem Fahrer an und entspanne mich schnell wieder. Kapil heißt er, ist extrem nett und bringt mich für die Hälfte des Preises ans Ziel als Mateos organisierter Fahrer. 💪👍 Wir fahren durch Rishikesh und ich sehe die leuchtenden Ashrams die sich im Ganges spiegeln - toll 🤩🥰🤩🥰🤩.

    Das Osho Zentrum liegt ca. 4km außerhalb - direkt am Ganges!!!! Mateo sagte, dass es ein besonderer Ort sein soll.
    Ich bin gespannt! ☺️😌

    Ich komme an und darf erstmal was gutes und gesundes essen. Es finden sich auch gleich andere Gäste, die mich in die Abläufe einweisen und mir zeigen wo alles wichtige und mein Schlafplatz ist.

    Natürlich habe ich das günstigste Bett gebucht und so bin vorerst das einzige weibliche und westliche Wesen in einem 15 Personen Zimmer 😅🫣. Eine kleine Aufruhr startet weil einige Leute sagen, das es doch bessere Räume für mich gäbe. Ich bin verwirrt und bekomme das erste Bett am Eingang. Ich schlafe so lala und bin noch etwas skeptisch ob ich im Schlafsaal bei den Jungs bleiben soll. Mein Bild ändert sich nach ein paar Tagen und ich lerne dieselben Jungs als offene, wundervolle, coole und herzliche Menschen kennen - kein Unterschied or whatsoever zu meinen männlichen Freunden daheim 🙏. Wieder was dazugelernt.

    Morgens um 6:15 Uhr gibt es einen Tee und danach beginnt meine erste dynamische Meditation. Ich weiß, dass wir tanzen und schreien werden 😅🤪. Der Saal füllt sich. Alle, inklusive ich, tragen die obligatorischen weinroten Gewänder. Der Swami (Lehrer) auch. Mit seinen langen weißgrauen Haaren und dem passenden Bart, den Knopfaugen und in seiner rundlichen Gestalt erinnert er mich an einen lustigen Weihnachtsmann. Insbesondere als er beim warm up Lach Yoga einfließen lässt 🎅 😄😂.

    Dann erläutert er in gebrochenem Englisch kurz was zu tun ist: "first stair: fast breathing, second: katharsis, third: huh and jump, then stop, last: dance!"

    Alles klar? 🤔😄

    Seine Mimik und Gestik untermalt das Ganze so dass ich tatsächlich verstehe was zu tun ist. Es geht los. Die Musik dröhnt durch die Halle. 10 min. lang wird nun kräftig ein- und ausgeatmet, jede*r für sich, im Stehen und auf seine*r Matte - die Arme bewegt man zur Unterstützung auf und ab. Das sieht übrigens sehr lustig aus wenn der Swami das vor macht 😄.

    Warum macht man das? Sauerstoff wird durch die Zellen gepumpt und hilft diese zu reinigen (Zellablagerungen können schneller abtransportiert werden und der Körper wird alkalisch - übrigens nutzt Wim Hof - the Ice Man- diese Atemform auch). Das heißt, danach fühlst du dich körperlich freier. Durch die schnelle Atmung und die laute Musik steigt das Adrenalin im Blut was für den nächsten Schritt hilfreich ist : nämlich 15 min. Lebenszeit um seine Dämonen freizulassen 😃. Sprich: alle Emotionen die wir aufgrund gesellschaftlicher Etikette höflich unterdrückt haben, finden jetzt einen Ausgang. Schreien, weinen, lachen und sonstige Geräusche sind ausdrücklich erwünscht! Denn es geht darum die aufgestaute Energie - also die unterdrückten und im Körper gespeicherten Gefühle - aus dem Körper zu entlassen. Geben wir dem Körper Raum um sich auszudrücken, kann die aufgestaute Energie (Wut, Trauer, Euphorie, Lust) -die längerfristig zu Blockaden im Körper führt- frei gelassen werden. Der Körper kann sich dann wieder um die wichtigen Funktionen kümmern wie Verdauung, Zellversorgung und Heilung und wird nicht mehr von den herum irrenden Emotionen okkupiert. Macht Sinn, oder?

    Menschen die nicht still sitzen können, sich ständig unbewusst bewegen, oder emotional leicht gereizt oder aggressiv reagieren haben also einfach zu viel Energie im Körper, d.h. die unterdrückten und nicht gelebten Emotionen stauen sich im Körper an und können zu mentalen, physischen oder psychosomatischen Problemen oder sogar Krankheiten führen. Die unbewusste Agilität der Menschen dient also lediglich als Ventil.

    Wir leiden also an zu viel Energie im Körper wenn wir plötzlich einen Putzfimmel kriegen, ständig zu Kühlschrank laufen oder unserem Gegenüber am liebsten bei der kleinsten Kleinigkeit an die Kehle springen wollen 😃😁. Wer kennt dieses Gefühl nicht?🙉

    Um mich herum beginnt ein Konzert aus hohen, tiefen, kurzen und langen Tönen, Schreien, Kreischen, Jammern, Lachen und Jubeln. So kann man sich wohl die nordische Unterwelt vorstellen!!
    👻😈🤡🥸🤓👹☠️😭🥳😂😠😱🙉🧟.

    Die ersten Tage kommen Weinen, jugendliche Frustration, Lachen und irgendwelche Vokaltöne aus mir heraus. Später überrasche ich mich selber mit Brüllern aus dem Bauch, hohem Gekreische und Jippie Rufen und fühle mich stolz und verlegen zugleich 😂😁😆.

    Dazu bewegt man sich natürlich so wie der Körper es will. Die laute Musik und die anderen Stimmen animieren zusätzlich.
    Ja, es ist wie im Irrenhaus und das ist auch gut so 😄💪! Raus mit dem ganzen Zeug!!!

    Ganz ehrlich, ich dachte ich brauche das eigentlich nicht oder da ist gerade nichts da (schon gar nicht um 6:30 morgens 😄😴) aber das ist alles unfug! Man wird immer besser je öfter man das macht. Es ist nur eine Frage der Zeit bis man die Verlegenheit und den Wiederstand in Form von "ich finde das lustig" beiseite legen kann und den Mut findet mal so richtig nach innen zu schauen und das dann nach außen zu holen. Die Inder sind übrigens richtig gut darin - hätte ich nie gedacht 😄😂👍.

    Im nächsten Schritt wird auf der Stelle gehüpft und gleichzeitig das Mantra "HUH" aus dem Bauch heraus gerufen. Zusätzlich wirft man mit jedem Sprung die Arme in die Luft. Das sieht auch lustig aus aber aktiviert das zweite Chakra (=energetisches Zentrum welches für die Lebensenergie steht). Wenn Leute nicht "ihren Mann" oder "ihre Frau stehen" und die kreative Lebenskraft nicht leben sondern nur tun was alle anderen tun, dann ist das Zentrum meist zu schwach ausgeprägt oder es besteht ein Ungleichgewicht.

    Dafür hüpfe ich doch gerne 😀.

    Nach 15 min. ruft der Swami laut "Stop", die Musik ist aus und alle bleiben wie versteinert stehen. Weitere 15 min. verweilt man so wie man im Stop Moment ist. Arme oben heißt Arme oben lassen. Es werden keine willentlichen Bewegungen ausgeführt - du darfst nur noch beobachten und nach Innen schauen. Das ist die eigentliche Meditation🤸🧎🧘.

    Anschließend spielt sanfte Musik zu der man den Körper bewegen lässt (ohne zu denken wie man jetzt am besten tanzt oder so was - einfach Ego frei und aus dem Körpergefühl heraus)💃. Dann ein paar Minuten liegen und alles wirken lassen. Fertig 😃.

    Ich mache das jetzt schon ein paar Tage und merke wie die Scham verschwindet und das "Kind-ich" wieder Raum bekommt. - gemeinsam mit all den anderen Kindern hier ❤️. Das ist befreiend und wunderschön 🥰🙏.

    Nach den ersten Tagen reist eine Gruppe Inder*innen an, die an einem 4-tägigen Meditations Camp teilnehmen. Ich lerne wieder spannende Menschen kennen und werde vom neuen Swami eingeladen gemeinsam mit der Gruppe auf einen 4-tägigen Trip zu heiligen Orten entlang des Ganges mitzufahren. Aber dazu mehr im nächsten Blogeintrag 🙂🤗😘.
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  • Sannyasin Initiation und Pilgerreise

    May 12, 2023 in India ⋅ ⛅ 35 °C

    Leute? Was soll ich sagen... Das Leben ist verrückt 😄. Lasst mich das genauer erläutern...

    Im Osho Ashram treffe ich Bhupendra einen ü60 Inder, der mit Anfang 20 im Osho Ashram in Pune lebte. Er wurde von Osho persönlich als Sannyasin getauft und sozusagen "neugeboren". Wir kommen ins Gespräch und nach dem üblichen woher kommst du und so weiter, kommt er direkt zum Thema:

    "I see you. I see that you are running. Thats why I want to tell you, you become a Sannyasin now. Don't wait. You know, I had everthing in this moment when I looked into Oshos eyes, but I went on looking for happiness in the outside...in marriage and jobs...now I am old, I wasted so much time. I don't have much time left. I only want to die as a happy man. I tell you this because you don't make the same mistake."

    Der bärtige Mann hat mehere Stants im Herzen und sein Arzt meinte er müsste eigentlich nur noch im Bett liegen können. Er selbst sagt, dass sein materieller Körper zwar schwach sei er aber auf einer anderen energetischen Ebene stark sei - er meditiert, schläft, isst und macht was er will - das hält ihn fit. Immerhin plant er mit einer Gruppe entlang des Ganges zu reisen und nach Nepal zu fliegen 😄.

    Auf meine Frage was Sannyasin sein für ihn bedeutet, antwortet er energisch: "YOU STOP RUNNING AND STAY HOME - HOME INSIDE... WITHIN YOU. You can do anything, you go on doing your Yoga and so on. But when you become a Sannyasin something will change."

    Ich wusste nicht, dass es eine Option ist, sich von diesem Swami einweihen zu lassen und denke darüber nach..

    Der Swami der mit der Gruppe weiterziehen wird, ruft mich zu sich und fragt mich ob ich mit auf die 4-tägige Reise entlang des Ganges mitkommen möchte. Ich muss nichts bezahlen und sage ja 😄.

    Ich denke über die Worte Bhupendras nach und rede mit anderen Osho Sannyasins. Ursprünglich bedeutete es Sannyasin zu sein, der materiellen Welt zu entsagen und sich ganz dem spirituellen Weg zu widmen. Menschen verließen Familie, Haus und Hof und lebten im Freien, verzichten auf jeglichen Besitz, meditierten in der Natur, pilgerten zu heiligen Plätzen und ernährten sich von den Gaben der Mitmenschen, die den spirituellen Weg bewunderten aber selber den Schritt nicht wagen. Sannyasin konnte nicht jeder werden nur diejenigen die wirklich den Drang nach Erleuchtung und Selbstverwirklichung zeigen. Erst dann wurde man vom Guru eingeweiht.

    Osho hat das ganze neu erfunden. Seine Vision war the new man "Zobra the Bhudda" - ein ganzheitlich lebender Mensch, der sich nicht der materiellen Welt entzieht sondern sie genießt aber eben nicht dort stehen bleibt und dem Hedonismus verfällt sondern spirituell wächst. Beides - ohne wählen zu müssen.

    Das Meditationscamp endet und ich bitte den Swami mich einzuweihen. Die Feier ist zauberhaft. Man tanzt zusammen, heißt mich willkommen im Kreis der Lebenskünstler und teilt Umarmungen oder Namaste gesten. Eine tolle Erfahrung.

    Jetzt habe ich endlich offiziell die Erlaubnis für das was sowieso schon immer in mir war - Freiheit 😄. Ich habe mich so oft im Leben gefragt warum Karriere, Haus, Kind und Hof für mich irgendwie nie große Lebensziele waren und die Antwort ist, das dies keine Frage ist die man sich überhaupt stellen muss. Es ist egal. Oder mit den Worten die auf dem T-Shirt des Ashram Managers stehen: just do what you like!
    😄 🙏🥰🤩🙉🤸💃😁

    Das ist unsere Lebensaufgabe: seine kreative Einzigartigkeit zu leben - ohne Angst und voller Vertrauen, sich frei zu machen von den gesellschaftlichen und familiären Konditionierungen, die der eigene Geist aufgenommen hat. Dem Herzen vertrauen und ein Leben zu leben was sich "echt" anfühlt. Leichter gesagt als getan, was? 🙉 Es ist ja auch eine Lebensaufgabe 😄.

    Gemeinsam mit einer gemischten Gruppe indischer Osho Sannyasins und Otto-Normal-Verbraucher*innen fahre ich nun entlang des Ganges bis nach Uttarkashi und Gangotri - 18km von der Quelle des Ganges entfernt. Hier ist der Fluss schmal und Bergbachklar 🤩. Der Ort ist bekannt bei Babas, Sadhus ( Sannyasins und Heilige) und Hinz und Kunz 😃😂. Auf dem Weg sehen wir sie zu Fuß pilgern. Menschen in organge gekleidet (Farbe der Lebensfreude und Kreativität, der Lebenskraft) mit natürlichen Rastalocken und das ganze Hab und Gut an einem Stock gebündelt. Beeindruckend!!

    Auf der Reise lerne ich auch David aus Deutschland kennen. Er war mit Mitte zwanzig ein Jahr lang in Indien und hat mit Babas für fast 3 Monate auf der Straße gelebt. In Rishikesh am Ganges haben sie gemeinsam meditiert und auf einer Matte unter freien Himmel übernachtet. Ein einfaches Essen gibt es umsonst in jeglichen Ashrams, die diese Lebensweise unterstützen, erzählt er. Mit David verbringe ich dann noch zwei zusätzliche Tage in Haridwar - einer ebenso heiligen Stadt wie Rishikesh nur weniger touristisch. Danach fahren wir gemeinsam wieder nach Rishikesh in unsere "Base" - Osho Ashram. Von ihm lerne ich viel, vor allem durch gemeinsames Schweigen. Nach einem Bad im Ganges sitzen wir inmitten der Massen der Ganga Aarti Veranstaltung im Stillen und meditieren oder rauchen Ganja (ich nicht) mit "halb echten" Babas im Schatten unter Bäumen. Wenn wir gemeinsam durch die Straßen gehen grüßen uns Menschen mit dem hier gängigen "Hari Om" - "Werde eins mit der Einheit" und bezeichnen uns als Hindu Götter Shiva und Parvati... Wir müssen viele Fotos mit unbekannten Menschen machen 😂😅...

    Gemeinsam machen wir uns am Abend auf die Suche nach echten Babas, denn bereits im Beisein der Menschen kann man viel lernen, sagt David. Wir laufen am ersten Abend die Straße hinunter Richtung Ganges und David sagt plötzlich: "Oh das ist mal ein richtiger Baba." Ich drehe mich um und blicke in die strahlendsten Augen die ich je gesehen habe. Der Mann ist hager -sein Gesicht wunderschön auf eine ganz besondere Weise. Ich habe noch nie jemanden gesehen der so viel Liebe und Mitgefühl ausstrahlt...so sehr dass es im ganzen Körper gekribbelt hat.

    Ich verstehe nun warum die Menschen vor Jesus auf die Knie fielen ohne ihn zu kennen. Es muss etwas ähnliches gewesen sein...im Kontakt mit diesem Menschen fühle ich mich plötzlich wie "zuhause" - damit meine ich nicht das materielle sonder das seelische zuhause. Alles ist plötzlich unwichtig und gleichzeitig ist der Moment so schön. Wahnsinn.

    Indien hat sie also noch...die Heiligen, pure Seelen, frei von Leid und voller Liebe. Mystisch... fantastisch. Das ist ein Schritt hin zur Wahrheit, auf dessen Spur ich mich befinde. Danke David, Danke Baba, Danke Indien!
    🙏🥰😌🧘🕉️
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  • Auf nach Leh, Ladakh - Himalaya

    June 5, 2023 in India ⋅ ☁️ 10 °C

    Nach der Pilgerreise mit der Gruppe stellt sich ein Gefühl von "Nichts" ein. Erst recht als David alleine nach Himachal Pradesh aufbricht um seine vor 7 Jahren begonnene spirituelle Reise zu einem abgelegenen Shiva Tempel zu vollenden und auch die anderen Menschen -an die ich mich schleichend gewöhnt habe- ihres Weges gehen. Neue Menschen kommen in den Ashram, alles verändert sich. Ich bin noch nicht bereit mich auf Neues einzulassen und beschließe dieses "Nichts" zu beobachten und der Auflösung dessen was sich hier entwickelt hat, Raum zu geben. Es ist ein komisches Gefühl wenn alles was sich etabliert hat plötzlich wieder auf Null steht. Ein weißes Blatt. Ich kenne niemanden, ich weiß nicht was ich als nächstes machen werde. Ich merke wie ich mich für Unruhe und Reisepläne schmieden entscheiden kann oder dafür, die Leere willkommen zu heißen und zu bleiben wo ich bin. Es wechselt eine gewisse Unsicherheit, wenn ich den Gedanken nachgehe und eine Ruhe wenn ich im Herzen bleibe. Spannend.

    Ich entscheide mich dafür nicht aufzubrechen sondern mir Zeit zu nehmen, das neue Gefühl und das neue Umfeld zu beobachten und zwar so lange wie es braucht. Es wechselt Freude und Berührtheit über das was war mit der Trauer der Vergänglichkeit, insbesondere wenn ich Orte sehe oder einfache Aktivitäten nachgehe, die wir geteilt haben. Loslassen, akzeptieren und lieben was ist und im Hier und Jetzt zu sein - das ist nun meine Aufgabe. Auch diese Phase hat seine Schönheit.

    Ich bleibe fast zwei weitere Wochen im Ashram bevor ich den Impuls spüre durch eine neue Tür zu gehen...

    Der Ashram Manager erzählt mir nach dem Essen, dass er eine WhatsApp Nachricht bekommen hätte von jemanden dessen Nummer er nicht mehr zuordnen könne. "Sie hat gefragt ob Josephin noch im Ashram ist. Vielleicht deine belgische Freundin?" fragt er.

    Vor fast zwei Wochen begegnete ich Marjerie hier im Ashram. Während der Frühstückszeit tauschten wir nur einen präsenten Blick und ein warmes Lächeln miteinander. Als wir nebeneinander in Richtung Zimmer laufen, kommt es zu einem kurzen Gespräch. Sie erzählte, dass sie heute in den Norden, nach Leh im Bundesstaat Ladakh fährt. Wenn man von den Anden eine Linie durch die Erde ziehen würde, käme man nämlich genau dort raus, sagt sie. Letzes Jahr war sie in Peru. Es gibt viele Gemeinsamkeiten und es sei spannend hinsichtlich der Kosmologie, dem Schamanismus und der Erdfrequenz - das möchte sie nun selbst erleben. Das Gespräch dauert höchstens 2 Minuten als sich unsere Wege in unsere Zimmer trennen. Doch war es sehr eindrücklich und authentisch - kein bla bla Small Talk... 🤔

    Ich erinnere mich plötzlich daran, dass ich auch eine "Mission" habe und bekomme einen inneren Energieschub. Es reist mich wie aus einem Traum 😱🙏.

    Manchmal trifft man Menschen, die man nicht kennt, die einem aber doch irgendwie nahe erscheinen...aus welchen Gründen auch inmer, scheint es etwas zu geben, das wir teilen. Etwas in mir sagt mir, dass diese Begegnung mehr als nur ein kurzer Moment war und ich entscheide mich dafür diesem unerklärlichen Impuls nachzugehen ❤️✨😌 (und nicht wie so oft der logischen "ach Quatsch"-Stimme des Kopfes 🤓🧐🥸)

    Ich renne nach oben und bevor sie mit ihrem Rucksack in Richtung Ausgang läuft, fange ich sie ab. Ich sage ihr, dass ich das Gefühl habe, dass wir uns auf einem ähnlichen Weg befinden und frage sie, ob sie Lust hat, in Kontakt zu bleiben. Sie gibt mir ihre WhatsApp Nummer und wir verabschieden uns. Seit dem habe ich mich noch nicht bei ihr gemeldet.

    Ein Zeichen, dass es Zeit ist Kontakt aufzunehmen... Ich schreibe ihr und wir stellen fest, dass wir ein ähnliches Gefühl seit der Begegnung teilen. Ich warte noch 2 Tage, dann ist er da - der finale Impuls. Ich fliege übermorgen nach Leh 😄 !!!
    Sie lädt mich ein ihr Zimmer mit mir zu teilen (es werden immer Doppelzimmer vermietet) und so lande ich am 5. Juni in Leh auf 3500m, finde die Unterkunft und bekomme vom Besitzer den Schlüssel für ihr Zimmer. Absolutes Vertrauen nennt man das. Wir kennen uns nicht, gleich werden wir uns sehen und die nächsten 3 Tage miteinander verbringen bevor sie wieder nach Belgien fliegt...

    Was soll ich sagen, alles richtig. Logisch ist sowas nicht aber dem Gefühl zu folgen ohne zu wissen was kommt, macht das Leben lebendig und verleiht ihm einen Zauber 🥰🧚🌸. Es ist eine weitere bereichernde Begegnung, die mich viel lehrt.

    Ich bin berührt und ganz nebenbei durch eine neue Tür gegangen, die sich geöffnet hat... LADAKH - in seiner Höhe und Landschaft ein Ort der Stille und Meditation. Hier liegt das Industal, hier überwiegt die tibetische Kultur, hier tönen Gebete durch die Luft, hier gibt es buddhistische Klöster, beeindruckende und mächtige Natur, hier zogen Menschen über die Seidenstraße - hier ist das Land der Heiligen und der Heilung 🙏😌.
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  • Durchs Industal mit dem Motorrad

    June 7, 2023 in India ⋅ ☁️ 6 °C

    Marjerie ist Motorrad erfahren und so beschließen wir gemeinsam einen Tagesausflug durchs Industal zu machen und ca. 100km zu einer heißen Quelle zu fahren. Wir durchstreifen unterschiedliche Landschaften auf meist weiten und leeren Straßen - alles auf 3500m Höhe 🥰. Wahnsinn! (Keine Filter - die Farben sind echt). 🤩🤩🤩

    Wir hatten auch die Idee nach Nubra Valley (dem eigentlichen Teil der Seidenstraße - hier gibt es sogar noch Kamele) über den höchsten befahrbaren Bergpass der Welt (ca. 5600m) zu fahren. Das Wetter und der Fakt, dass Marjerie übermorgen nach Hause fliegt, sprachen dagegen. Gute Wahl - der Pass war sowieso geschlossen, wie wir später erfuhren. Zwei Jungs aus unserer Unterkunft die eigentlich hätten dort sein sollen, saßen bei unserer Rückkehr im Guesthouse bei Kippe vor ihrem Zimmer. Einer der beiden hat einen verbundenen Arm. Sie erzählen uns von der schmalen Spur und den vielen blinden Kurven... Glück im Unglück hatte der Italiener, der schon seit einem Jahr auf Weltreise ist.

    Wie ich so hinter Marjerie auf dem Motorrad sitze, mir der Wind um die Nase weht und ich die vorbeiziehende Landschaft beobachte, wird mir bewusst wo auf der Welt ich mich gerade befinde 😃🙉🙏🤩....kaum zu glauben!

    Manchmal ist es, als würde ich mich selbst beobachten und mich fragen: "Ist das wirklich gerade wahr, was jetzt passiert?" 🙈🙉🙊. Absolute Freude... oder Liebe? Bliss würde Sadhguru wohl dazu sagen.
    Noch vor zwei Tagen war ich in Rishikesh, im warmen Klima im Ashram und nun düse ich mit einer gleichaltrigen Belgierin auf dem Motorrad durch das Industal in Nordindien am Rande des Himalaya 😄😄😄.

    Seinem Impuls zu folgen, kann also großes bewirken... Ereignisse die nicht zu erwarten und gleichzeitig unbezahlbar sind, könnten auf dich warten!!! Den immer wiederkehrenden Sprung ins Unbekannte und den damit einhergehenden Kampf mit dem Kopf, der sich gerne Stories wie die des Italieners merkt, muss sich jeder selber stellen. Die Flügel ausweiten und fliegen lernen oder im gemütlichen Nest sitzen bleiben? Die Segel hissen, sich den Stürmen stellen, die schönsten Sonnenuntergänge und Inseln treffen oder im sicheren Hafen verweilen?

    "Wer wagt gewinnt", heißt es doch so schön 😄! Ein Sprung ins Unbekannte macht das Leben mystisch, zauberhaft und lebendig ✨🧚🦄🌸. Dann ist alles ein bisschen wie verliebt sein - nur anders 🥰.

    Danke Universum...

    Danke an den Mut,
    auf die innere Stimme zu warten,
    sie zu hören...
    und ihr zu folgen 🙏❤️✨.

    PS: Marjerie und ich verstehen uns übrigens hervorragend - falls euch die Frage noch auf der Zunge brennt 😉. Wir teilen alles, sogar das Doppelbett 😆.
    Wir haben viele Gemeinsamkeiten und sind dennoch sehr unterschiedlich.

    Aber wisst ihr, am Ende kommt es nicht auf auf Worte an oder ob man die gleichen Vorlieben hat. Vielmehr kommt es daruf an ob man über die Lebensenergie miteinander in Kontakt tritt. Das habe ich bei den vielen kurzen aber intensiven Begegnungen gelernt. Sadhguru beschreibt das in seinem Buch "relationships" übrigens super gut ( ja, das ist eine Buchempfehlung an euch ☺️ Spannend für alle Art von Beziehungen.. Familie, Partnerschaft, Kollegen, Freunde..). Witzigerweise habe ich es am Flughafen in einem Buchladen entdeckt, nachdem ich es wirklich bewusst Ashram erlebt habe. Das hat mal wieder gut zusammengepasst!

    Bei einer Begegnung mit einem Menschen nicht im Kopf, sondern offen und im Herzen zu bleiben - das möchte ich immer wieder üben. Der Kopf analysiert meist automatisch und will Menschen in Schubladen stecken, die er schon kennt..."ah das ist so einer" oder "ah die ist so und so.." Das ist uns manchmal gar nicht bewusst 😅. Wenn du drauf achtest und im spüren bleibst, dann hast du auch die Chance, die Einzigartigkeit und Schönheit im Gegenüber zu erkennen - selbst wenn dir der Mensch anfangs noch so kauzig, abgedreht oder nervig vorkommen mag.

    The truth is humans are just wonderful 🥰☺️. Aber das merkt man meist nur wenn man bei sich - also in der Liebe - ist.

    Amen 🙏😁
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  • Im Land der Heiligen - Zanskar, Indien

    June 20, 2023 in India ⋅ 🌙 7 °C

    Nachdem Marjerie und ich uns voneinander verabschieden, bin ich wieder auf mich alleine gestellt. Am besten suche ich mir ein Kloster - so wie ursprünglich geplant - während Marjerie nun auf dem Weg nach Belgien ist. So erstmal die Idee.

    Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... am nächsten Morgen steht sie vor der Tür. Einmal Delhi und zurück bitte 😄! Ihr Visum wird verlängert und nun heißt es wieder Planänderung. Sie will nach Zanskar mit dem Motorrad und ich soll mit. Mmm... ich zögere. Zanskar ist eine extrem ländliche Region mit nahezu unberührten Dörfern und in einfachen Verhältnissen lebenden Menschen - was fantastisch klingt! Das heißt aber auch, dass lange, einsame, sandige und bergige Straßen auf uns warten würden... 🤔😅

    Einen Tag vor dem Abfahrtstermin entscheide ich mich für das Abenteuer. Wir treffen uns in Lamayuru - bekannt für sein altes buddhistisches Kloster und die bergige Mondlandschaft. Ich nehme den öffentlichen Bus um auch mal was alleine zu unternehmen und spare mir gleichzeitig die Strecke auf dem Motorrad, die wir bereits vor ein paar Tagen gemeinsam gefahren sind.

    In Lamayuru finden wir ein Zimmer für 9€ inkl. Abendessen und Frühstück - direkt an der Monastry. Wir haben Glück: das jährliche Kloster Festival findet in den nächsten Tagen statt und wir können uns die Probetänze der Mönche ansehen. Beeindruckend!

    Am nächsten Tag fahren wir ins Dorf Wangla, übernachten dort und nehmen an dem zweistündigen buddhistischen Gebet, in einem auf einem Berg gelegenen Kloster, um 5 Uhr morgens teil. Ein Mönch lebt hier oben alleine. Das Koster ist klein. Wir sind zu dritt. Er rezitiert buddhistische Texte, schlägt die Trommel und läutet Glocken, während wir vor dem Buddha des Mitgefühls sitzen und meditieren.
    Danach Frühstück und los geht's. Jetzt soll es erst werden... denn ab hier endet die asphaltierte Straße. Bereits nach ein paar Minuten gibt es die erste Überraschung: eine steile, sandige Straße, die von Baggern blockiert ist. Wir fragen uns ob es dahinter genauso weitergehen wird 🤔🫣. Der Baggerfahrer glättet uns die nächsten paar Meter bevor er Platz macht. Danke 😁.

    Wir erreichen das erste Dorf Hanupata ( nicht nach 5 min. wie uns ein Straßenarbeiter sagte, sondern nach einer guten Stunde!). Hier gibt es ein, zwei Familien die einen Homestay - also einen Aufenthalt bei sich zuhause - anbieten. Wir finden eine Familie mit Oma, Opa, Papa Mama und zwei Kindern. Die Oma erinnert mit ihren langen Haaren, dem von der Sonne und dem rauen Wetter gezeichnetem Gesicht an eine alte Schamanin. Tatsächlich ist Schamanismus hier verbreitet. Sie sitzt auf der Erde und sortiert das geerntete Blattgemüse gemeinsam mit ihren Mann. Ich setze mich dazu und helfe mit. Wir kommunizieren durch Blicke und ab und zu säuftst sie das buddhistische Mantra "om mane padme hum". Idyllisch. Ich erinnere mich an meine Kindheit und Jugend auf dem Dorf. Wir belieben gleich zwei Tage hier. Der Fluss, die Berge, die heiligen Stätten und die freundlichen und bodenständigen Menschen - es ist zu schön hier.

    Dann gehts weiter. Wir überqueren zwei Bergpässe. Von 2 bis 7 Stunden Fahrtzeit haben wir unterschiedliche Meinungen gehört. Wir entscheiden uns früh los zu fahren. Es ist fast 10:30 Uhr bei der Abfahrt. Ich bin leicht nervös. Wir wissen ja nicht was auf uns zu kommt. Einen Rat, den wir uns von einem Mitarbeiter einer Reiseagentur eingeholt hatten, lautete: "fahrt früh los, sodass ihr nicht alleine auf der Strecke seid - falls ihr liegen bleibt."

    Wir sind die einzigen. Unterwegs sehen wir ein paar Straßenbauer - sonst niemanden. Auch auf dem ersten Pass sind wir alleine - auf gut 4600m. Nachdem wir diesen gut gemeistert haben, genießen wir die Ruhe hier oben und sind etwas erleichtert. Kuschelig aussehende Murmeltiere erscheinen auf den kargen Bergen links und rechts neben uns, als wir wieder in Richtung Tal fahren.

    Dann der zweiten Pass. Die Schneegipfel kommen näher und wir lassen uns Zeit. Wir spielen im Schnee und meditieren auf dem Pass. Jetzt sind auch andere Menschen in sicht. Indische Touristen, Jeeps und Motorräder. Die Straßen bis hier waren erstaunlich gut zu befahren.

    Der späte Nachmittag kehrt ein. Wir sind plötzlich die einzigen auf dem Pass und merken, dass wir weiterfahren sollten um rechtzeitig in Lingshead anzukommen. Mit erschrecken stellen wir dann aber fest, dass die Straßenverhältnisse deutlich schlechter werden. Wir müssen durch Schmelzwasser Rinnsale und über lockere und mit Steinen bedeckte Wege. Es dauert ewig!

    Es dämmert langsam. Ein Straßenarbeiter sagt uns, dass es bis zu unserem eigentlichen Ziel noch 27 km sind, sobald wir die Abzweigung erreichen. Nach einer weiteren halben Stunde dann die Abzweigung. Ein Schild: rechts 27 bis Lingshead, links 5km Yulchung.

    Wir entscheiden uns für das uns unbekannte Dorf. Die 5 km sind äußerst lang. Von oben sieht das Dorf aus als hätte es nur drei Häuser. Wir zweifeln an der Möglichkeit hier übernachten zu können und bekommen ein mulmiges Gefühl als uns ein Mann auf der Straße dies bestätigt. Er meint allerdings wir müssten bis Padum fahren - also noch ca 50km - um eine Unterkunft zu finden 🤔. Wir bedanken uns und fahren ins Dorf, sprechen Leute an und finden eine Familie, die uns aufnimmt.

    Einfache ländliche Verhältnisse... gewaschen wird sich draußen, das Klo ist eine ladakhi Komposttoilette und statt Spülung gibt es einen Spaten und Sand. Das Essen ist gut. Die Familie bemüht sich. Am nächsten Tag erkennen wir welchen Schatz wir hier entdeckt haben. Die Landschaft ist unglaublich! Ich habe noch nie so eine Landschaft gesehen. Wir bleiben wieder zwei Tage.

    Am zwieten Tag entdecke ich einen kleinen Wasserfall und wir ergreifen die Chance uns endlich mal wieder richtig zu duschen 😁. Die Sonne ist heiß und oben auf den Bergen liegt Schnee - wunderbares Panorama!!! Außerdem lerne ich die Oma kennen und darf ihr zuhause betrachten. Eine dunkle Hütte. Sie zeigt mir zwei alte und etwas mitgenommene Fotos. Eins zeigt sie in jungen Jahren als buddhistische Nonne in Daramshala. Auf dem anderen ist sie in typischer ladakhi Tracht als junge Frau zu sehen. Auch heute trägt sie verschiedene Edelsteine an einer Kette - das ist der hier übliche Halsschmuck. Die 10 jährige Enkeltochter übersetzt so gut sie kann und nimmt mich an die Hand als es Zeit ist zu gehen. Es wartet tibetischer Buttertee oder Yakmilch auf uns.

    Die Winter hier müssen unglaublich hart sein, denn die Zimmer sind natürlich nicht mit Heizung und warmen Wasser ausgestattet..einen Supermarkt gibt es natürlich auch nicht. Alles was die Familie braucht wird selber abgebaut oder rechtzeitig irgendwie aus der nächsten Stadt besorgt.

    Wir fahren weiter zu unserem ursprünglichen Etappenziel Lingshead. Hier steht die wohl älteste Monastry in ganz Ladakh. Nach einiger Zeit in Stille, werden wir von den Mönchen zum Mittagessen eingeladen und dürfen die hier übliche Kost probieren. Sehr lecker! Dann gehts weiter. Wir verpassen das eigentliche Ziel und landen in Zangla. Hier gibt es ein recht modernes Homestay - sogar mit echtem Klo und Dusche 😁! Wir bleiben auch zwei Tage. Einen ganzen Tag verbringe ich in der Nunnery. Einem kleinen buddhistischen Nonnenkloster. Hier leben ca. 30 Frauen und Mädchen. Die Atmosphäre ist sehr angenehm, locker und heimisch. Wir trinken frischen Minztee. Meine Aufmerksamkeit fällt direkt auf eine alte Frau die unter einem Baum am Rinnsal der Wasserquelle sitzt. Sie klopft auf den Boden neben sich und bittet mich zu ihr. Sie nimmt ihr Mandala zwischen die Finger und bedeutet mir es ihr nach zu machen. Kugel für Kugel rollt sie zwischen Daumen und Zeigefinger während sie das hier bedeutsame Mantra "om mame padme hum" summt. Sie sieht, dass mein Mandala Oshos Abbild trägt und ist erstaunt. Sie sagt etwas zu mir und ich verstehe nur "Dalai Lama" (der ist hier überall hoch präsent und der Guru überhaupt) Ich frage mich ob sie mein Hindu Sannyasin Mandala erkennt. Egal. Wir sitzen nebeneinander und meditieren - jede auf ihre Weise, während um uns herum andere Nonnen das Gemüse im Flusslauf waschen. Dann klopft es auf meinem Oberschenkel: Mittagszeit. Die Kinder kommen nun aus der Schule und alle essen gemeinsam zu Mittag. Die kleinen buddhistischen Mädchen sind genauso gelangweilt von manchen Schulaufgaben wie die Kids in einer gewöhnlichen deutschen Schule 😄. Allerdings ist der Stundenplan viel lockerer... Die Lehrerin ist eine freiwillige Helferin aus Delhi. Auf dem Programm steht Erlebnispädagogik, buddhistische Lehre und Naturwissenschaften. Heute werden Steine mit dem Mantra bemalt. Einige Kids haben keine Lust 😄.

    Wir ziehen weiter nach Padum. Hier soll es wieder moderner werden, sagt man. Unterwegs sehen wir spannende Dörfer auf der anderen Seite des Zanskar Flusses und nach einem missglückten Versuch dorthin zu gelangen und vielleicht doch nochmal in das ländliche und unberührte einzutauchen, landen wir in Padum. Tatsächlich erinnert das Dorf an ein Mini Städtchen. Hier gibt es mehreren Unterkünfte, Bäckereien und Restaurants. Wir schlafen in einem netten Hotel für 15 Euro das Zimmer. Am nächsten Tag ziehen wir in eine Homestay einer, wie wir später erfahren, muslimischen Familie. Die Unterkunft kostet 5€ pro Zimmer. Die Menschen sind extrem freundlich und offen. Von hier aus werden wir in den nächsten Tagen ein paar Ausflüge unternehmen bevor Marjerie wirklich nach Hause fliegt und ich ...mmm...und ich vielleicht wirklich eine Solozeit in einem abgelegenen Kloster verbringe. Bis dahin ✌️🫶
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  • Zu Fuß unterwegs (1) - Dorf Pibcha

    June 27, 2023 in India ⋅ ☁️ 11 °C

    Stell dir vor du bist alleine auf einem lokalen Pfad im Himalaya unterwegs - zu Fuß. An deinem ersten Tag jeweils ca. 2 Stunden vom vorherigen und vom nächsten Dorf entfernt, siehst plötzlich eine Fußspur die entweder vom Yeti oder definitiv von einem Bären stammt. Was sind in diesem Moment wohl deine Gedanken?

    Meine waren folgende:

    Zu erst:
    😅😱😅😱😅😱😅

    ..dann: Welche Verteilungs- bzw. Abschreckungsmittel habe ich eigentlich?

    ... Wanderstöcke! 😄

    ...und wieder:
    😅😱😅😱😅😱😅😱😅

    Naja, ich habs überlebt. Nicht weil ich eine besonders gute Bärenflüsterin bin, sondern weil die lieben Tiere angeblich nur abends "runter" und in richtig Dorf kommen. Am Tage halten sich die Riesen wohl lieber in den höheren Gegenden auf - wie ich später erfahre.

    Nichtsdestotrotz einmal Ausflug in die Panikzone bitte 😜. Ohnmacht ist wohl das unangenehmste Gefühl überhaupt.

    Ich bin die nächsten Tage zu Fuß unterwegs. Mir ist klar das man es leichter und angenehmer haben könnte. Zum Beispiel indem man mit dem Taxi zu dem Pilgerziel Phugtal Monastery fährt, zwei Tage da bleibt und zurück in die Zivilisation fährt.

    Ich will mich bewusst dem Unbekannten und damit auch den Ängsten stellen. Warum? Weil ein zu langer Aufenthalt in der Komfortzone Ängste wachsen lässt, wie ich selber an mir beobachte, wenn ich mich mit meinem 10 Jahre jüngeren ich vergleiche. Also los. Mein homestay Familie in Padum gibt mir gute Tips für die Route an die Hand. Ziel ist Phugtal Gompa - ein Felsenkloster mit Meditationshöhle, die von dem berühmten Guru Rinproche besetzt gewesen sein soll.

    Nach der oben geschilderten Erfahrungen und einigen vorausgegangenen Zweifeln an meinem Vorhaben, erreiche ich erleichtert das erste Dorf 💪. Ich frage nach einem Platz zum Schlafen und werde von einer Familie aufgenommen. Die Tochter ist 14 Jahre alt und spricht etwas Englisch. Ihr Vater, der von der Arme pensioniert ist, auch. Die Familie hat 5 Kinder - 3 Jungs in den zwanzigern und noch ein 3 jährige Nachzüglerin. Die Mutter ist drei Jahre älter als ich. Sie haben Ziegen, Schafe und Kühe und bauen das Gemüse selber an.

    Ich entscheide mich mehr als nur einen Tag zu bleiben. In den nächsten Tagen findet hier eine buddhistische Hochzeit statt. Außerdem habe ich Lust mir das Kloster auf der anderen Seite des Flusses abzusehen und mir Zeit zu nehmen um auf die umliegenden Berge zu klettern. Die Gompa (Kloster) ist auf einem riesigen Felsen gebaut. Als ich ankomme, feiert man des Gurus Geburtstag mit Gesängen und ich nutze die Zeit für die innere Einkehr. Danach darf ich mit den Mönchen Mittagessen und wir tauschen ein paar lockere Worte.

    Auf der anderen Seite der Gompa ist eine Höhle zu sehen, die mit einer Menschen gemachten aber ungemauerten Steinwand zu einem Einsiedlerhäuschen umfunktioniert wurde. Hier verbrachten Mönche (Lamas), unterschiedlich viel Zeit in Solitud. Mein Gesprächspartner fügt hinzu: "Nobody is living there right now
    You can stay there for a few days and practise. No problem." Ich erinnere mich an die Bärenspur und frage: "and what about the bears?" Er winkt ab und sagt: "they are only on the other side of the river". 🤨

    Naja jeder erzählt hier eben was anderes. Ob das mit dem "die kommen nur am Abend hier runter" auch anzuzweifeln ist?🤔 Ich entscheide mich dafür es zu glauben um meinen Reise beruhigt weiter führen zu können 😁 🫣. Darüber hinaus hat meine Gastfamilie noch nie einen gesehen.

    Ich bleibe drei Tage. An zwei davon findet die buddhistische Hochzeit statt. Die Rituale, Gesänge und Zeremonien sind total anders als bei den Hindus. Mich erinnern vor allem die Gesänge und das Auftreten der Menschen an Schamanen. Die Bön Kultur die hier verbreitet war, bevor der Buddhismus einzog, ist ja auch eine schamanistische Kultur. Viele der Bräuche und Praktiken würden vom tibetischen Buddhismus in gewisserweise übernommen. Mein Gastvater in Padum hat mir dazu ein gutes Buch empfohlen: von der ersten und einzigen europäischen Frau die als Lama gekürt wurde und die höchstpersönlich von "seiner Heiligkeit" - dem Dalai Lamah gelernt hat. (Titel: Magic and Mystics in Tibet).

    Die Braut hat übrigens die ganze Zeit laut geweint, weil sie nun ins 14 km entfernte Dorf ziehen wird, wo ihr Ehemann zuhause ist. Auch die alten Dorfdamen haben so die eine oder andere Träne vergossen, denn der Abschied fällt vielen schwer. Vielleicht ist es auch die Erinnerung an die eigene Hochzeit und dem Verlassen des gewohnten Heimatortes und der Familie. Man darf nicht vergessen, dass die meisten Leute hier nicht so mobil unterwegs sind und 14km können schon eine Entfernung hier in den Bergen sein. Interessant ist auch, dass man die Braut gar nicht richtig sieht. Die Gäste geben Geschenke zusammen mit Segnungen in Form von weißen Tüchern, die man ihr dann umhängt. Somit entsteht der Eindruck, dass die Dame ein wandelnder haufen weißer Wäsche ist ☺️.

    Während der Hochzeit waren auch die Mönche der Gompa von Bardan, die ich am Tag zuvor besucht habe, anwesend. Ich habe jetzt neben dem von Muddi und Vaddi bei meiner Geburt gegebenen (christlichen) Namen und dem in Rishikesh während der Sannyasin Zeremonie verliehenen Hindu Namen auch einen buddhistischen Namen ☺️. Letzterer wurde mir von "Head Lama" (also vom Obermönch) der Gompa gegeben nachdem ich einige Zeit mit ihnen in innerer Einkehr verbracht habe. .

    Das ist doch eine schöne Aussage des Universums oder? Am Ende gehören wir eben alle zusammen. Ich bin also Christ, Hindu, Buddhist und habe in Padum meine muslimische Gastfamilie 😄🧡🌍. Aham brahmasmi - alles ist eins. Ich bin alles und alles ist ich, sagen schon die uralten vedischen Texte (...das ist Yoga).

    Die Mönchgesänge (tibetische Gebetsrezitationen) und die dazugehörigen Trommel-, Glocken- und Zimbeltöne sind übrigens sehr Trance fördernd. Eine Meditation in dieser Atmosphäre kann schon etwas besonderes sein.

    Auf ins nächste Dorf!
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  • Zu Fuß unterwegs (2) - Dorf Ichar

    July 1, 2023 in India ⋅ ☀️ 8 °C

    Ich begebe mich auf die Weiterreise... laufe viel zu spät los und es ist heiß 😪. Der Weg führt heute auf einer Straße entlang und so entscheide ich mich nach einer Stunde per Anhalter bis nach Raru zu fahren. Von dort aus soll es einen "Wanderpfad" geben. In Raru gibt es auch eine - von einem Deutschen gesponserte - Schule von der viele Menschen aus den umliegenden Dörfern mir achtungsvoll erzählen.

    Wie es sich herausstellt, hat sich der Trekking Pfad auch schon zu einer sandigen befahrbaren Jeep Piste verwandelt. Ich laufe los und begegne die erste Zeit niemanden. Es ist nett. Ich laufe unter hervorstehenden Felsen am Fluss entlang. Ein tolles Panorama.

    Dann die erste "Baustelle". D.h. viele Männer u.a. auch aus anderen indischen Staaten (meist aus ärmeren Verhältnissen) stehen am Straßenrand mit Spaten in der Hand. In den Sommermonaten gibt es regelrechte Straßenarbeiter Camps hier in den Bergen. Die Menschen übernachten mehrere Monate in Zelten und sorgen dafür, dass die sandigen Straßen befahrbar bleiben. Die ersten Menschen, die ich - nun zu Fuß unterwegs - treffe, sind vom freudigen Schlag und ich muss für ein paar Selfies herhalten 😄. Aber bei so vielen Männern ist mir doch mulmig zumute... Nicht alle sind super aufgeschlossen und rufen freudestrahlend "jolley" ("Hallo" auf Ladakhi).

    Ich bin froh endlich das Dorf in der Ferne zu sehen. Es ist grün ein kleiner Bach lädt zu einer Pause ein. Ich suche im Dorfkern nach einer Unterkunft. Mit der Kommunikation ist das manchmal gar nicht so einfach. Manche Menschen sind entweder zu schüchtern (oder vielleicht auch beschämt?) mit mir zu sprechen und so verlaufen die ersten Gesprächsversuche im Nichts 🤷. Man geht dann einfach seiner Tätigkeit nach und sagt vielleicht noch "No"🤔😄. Diese Verhaltensweise ist für mich natürlich erstmal irritierend und hinterlässt Fragezeichen in meinem Kopf. In Situationen in denen ich nach dem Weg fragen muss ( und gefühlt mein Leben von dem richtigen Pfad abhängt 😄) ist das besonders frustrierend. Akzeptanz der Umstände ohne sie zu verstehen, kann ich hier jedenfalls gut üben 😅. Das ist schließlich auch Meditation 🙂😉.

    Dann treffe ich auf einen netten Herren der mir eine Familie empfiehlt, die neuerdings einen Homestay anbietet. Die zwei Mädels und ein kleiner Junge laden mich zu sich ins Wohn- und Esszimmer (das vielleicht auch als Schafzimmer dient) ein und bieten mir Tee an. Die Mutter ist gerade nicht da. Der Vater spricht kaum Englisch und demnach grüßt er mich auch nicht zurück. Er verzieht keine Miene als er mich sieht, obwohl ich auf Ladakhi grüße. So kann eine Begegnung hier auch schon öfter mal vorkommen. Das darf man nicht persönlich nehmen. Später treffe ich ihn zusammen mit einem Englisch sprechenden jungen Mann. Wir sprechen kurz über dies und dass und dann erkenne ich auch sein freundliches Gesicht. Die Mädels müssen raus die Felder bewässern und ich schaue mir währenddessen das Dorf an und spreche mit dem zahnlosen Nachbarn der im selbstgebauten Webstuhl sitzt und an einer Decke arbeitet. Er bietet mir Tee an und reicht mir seine benutzte Tasse.

    Das Zuhause der Familie ist sehr basal. Zum Duschen gehen die Schwestern zu einer benachbarten Freundin, weil sie selber keinen Raum dafür haben. Ein Kanister und eine Schüssel stehen auf der Terrasse. Fließendes Wasser gibt es im Dorfzentrum an einer kleinen Quelle, die direkt in einen Teich mündet (durch den die Yaks am Abend getrieben werden und in dem so manche(r) seine Wäsche wäscht). Man schleppt Kanister hin und her und schwatzt an der Wasserstelle, während man wartet bis man an der Reihe ist, seine Kanister zu füllen.

    Hygiene scheint mir ein Thema...😅.

    Mir ist immer noch ein Rätsel wie der Ablauf des Toilettegangs hier ist... eine Trockentoilette bedeutet kein Wasser (und übrigens für die meisten kein Klopapier oder besser gesagt Zeitungspapier). Gleichzeitig ist die einzige Möglichkeit sich die Hände zu säubern oben im Haus am Kanister, der mal voll und mal leer ist. Der Hintern kann also nur mit der trockenen Hand gesäubert werden, denn Wasser, wie in anderen indischen Badezimmern gibt es hier ja nicht 🤔. Danach muss man dann eben schauen..😁🫣

    Gekocht wird in einem dunklen Raum - hier gibt es auch kein Wasser - abgewaschen wird an der oben genannten Stelle auf der Terrasse. Abendbrot gibt es meist nach 22:00 Uhr. Der witzige Großvater, der öfter mal vorbei schaut, hat schon ein wenig Chang (lokales alkoholisches Getränk) intus als er zum Essen kommt. Er schläft im Wohn-Schlaf-Esszimmer ein. Der Vater, so glaube ich, ist dem Chang nicht abgeneigt. Die große Schwester kocht und versorgt alle. Alkohol wird in den Dörfern oft getrunken. Man sieht mal hier mal da eine leere indische Whisky Flasche auf so manchen Fensterbrettern stehen. Ob das Deko ist oder ob man die Flaschen einfach vegisst, weiß ich nicht.

    Ichar wirkt etwas verschlafen - als würde etwas am alten Spirit fehlen. Die jüngere Schwester sitzt, wie unsere Jugendlichen viel am Handy. Es gibt eine recht neu gebaute Schule und ein "Hostel" (so nennt man hier die Unterkünfte für die Schülerinnen, die aus den umliegenden Dörfern kommen). Die Gompa ist unaufgeräumt und leicht verfallen. Hier und da wird was neu gebaut.

    Ich entschließe mich, trotz des schönen Ausblicks auf das Dorf, der reizvollen Natur und der bezaubernden Buddha Statue, am nächsten Tag weiter zu ziehen.

    Nächster Stop das Dorf Enmu! (So zumindest der Plan...)
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  • Zu Fuß unterwegs (3) - Dorf Cha

    July 2, 2023 in India ⋅ ☀️ 9 °C

    Ok. Enmu ist mittlerweile zu einem Straßenarbeiter Camp mutiert und ich denke nicht einmal daran hier halt zu machen. Ich trampe heute zwei Mal um mir die staubige Straße zu sparen und lande schließlich im Dorf Cha. Meine letzte Mitfahrgelegenheit fragt, ob ich Tee trinken möchte und ich nehme das Angebot gerne an. Schwupps finde ich mich auf dem Boden sitzend zusammen mit vielen anderen Dorfleuten wieder, denn auch hier wurde geheiratet... Heute ist der letzte Tag und alle EinwohnerInnen kommen zum Essen. Ich bekomme Tee, Kekse und Ladakhi Tsampa Suppe und bin glücklich nach der doch anstrengenden und sonnigen Reise im kühlen Haus versorgt zu werden. Das Dorf sprudelt eine angenehme Atmosphäre aus und ich frage meinen Platznachbarn ob ich hier irgendwo eine Nacht schlafen kann.

    Ich wasche meine Haare mit dem kalten Quellwasser. Am nächsten Tag bin ich krank. Ich bleibe also länger hier... Mein eifriger Gastgeber ist extrem besorgt und will mir ständig etwas zu Essen bringen. Ich bleibe den ganzen Tag im Bett. In unterschiedlichen Abständen kommen Mutter, Sohn Nummer 9, der Schwiegersohn und einmal auch eine fremde Frau in mein Zimmer. Diejenigen die Englisch sprechen fragen ob ich etwas essen will, die anderen starren mich nur an. 😄😅. Es scheint auch Unstimmigkeiten zwischen den Parteien zu geben und man erzählt mir über die Person dieses und über diese jenes... Die gebrochene Kommunikation kostet Kraft und ich bin froh wenn ich alleine im Haus bin. Ich muss mit dem Schwiegersohn kämpfen um ihm klarzumachen das ich kein Abendbrot brauche und er sich keine Sorgen machen muss. Um 22:30 als ich schon schlafe kopft es an meiner Tür. Es ist der 9. Sohn meiner Gastgeberin. Ich: "ja?" Er: "Dinner!".🥴😓😵

    Es hat sich gelohnt, den Tag über zu ruhen - ich bin wieder fit und will so schnell wie möglich aus dieser uneinigen Familienverstrickung raus und weiter nach Phugtal reisen! 😅. Ich stehe gut gelaunt auf und wasche mein Gesicht an der Pumpe draußen im Dorf, als die Mutter mich zu sich ruft. Eigentlich war ich ja mit dem Schwiegersohn zum Frühstück im Haus verabredet, ob er davon weiß, dass sie mich zu sich holt? Die Sprachbarriere macht eine klare Kommunikation unmöglich. Ich sitze in ihrem Haus und soll Momos (gefüllte Teigtaschen) essen, die im besten Fall von Vorabend sind. Ich stopfe mir 4 Stück rein und verabschiede mich danked. Der Schwiegersohn wartet ungeduldig vor dem Haus und macht mir leichte Vorwürfe warum ich nicht da bin..wir waren doch verabredet 🤯😫. Ich fühle mich von der Uneinigkeit in der Familie überfordert. Er versucht mir dies und jenes zu erklären aber mir reicht es jetzt. Zu viel Wirrwarr. Ich drücke jeder Partei 500 Rupies (6€) in die Hand und bereite meine Abreise vor. Ich will vor 10 Uhr los - wegen der Hitze. Der Schwiegersohn will trotzdem noch Roties (rundes Brot) für mich machen... Ich muss mich fast losreißen 😄😅.

    Aber dann ist es geschafft und er wünscht mir eine gute Reise "Bye Joseph! Have a save journey". Mein Herz erweicht und ich freue mich. Um kurz nach zehn begebe ich mich auf den Weg und folge den Anweisungen: "Links halten und dann kommt ein Pfad den du gehen kannst h einfach den Fußspuren folgen"

    ... 💪😁
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  • Zu Fuß unterwegs (4) - Phugtal Monastery

    July 4, 2023 in India ⋅ ⛅ 4 °C

    Ich laufe fröhlich den einsamen Pfad entlang und glaube daran, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Zumal ist vor mir ja der Amerikaner, den ich in homestay in Padum kennengelernt habe, hier zusammen mit einem Mönch langgelaufen. Er ist kein Trekkingexperte. Muss also für mich passen.

    Kurz vor meinem Ziel - also nach 2 Stunden - wird der Pfad schlechter. Zudem sehe ich die Mönche auf der anderen Seite des Flusses laufen. Ich frage mich ob ich hier wirklich richtig bin. Nachdem ich drei kleinere "Landslides" (Erdrutsche ?) überwunden habe und am vierten angstvoll gescheitert bin, reicht es mir. Es leuchtet mir ein... Ich muss zurück und auf die andere Seite des Flusses. Zurück nach Cha? Oh nein, bitte nicht! 😅

    Jetzt wo ich weiß, dass dies nicht der reguläre Pfad ist, wirken die Hindernisse auf dem Weg - die ich vorher selbstverständlich überwunden habe - viel gefährlicher.

    Nach einiger Zeit schaue ich vom Pfad aus nach unten wo die staubige Straße wieder beginnt. Ich sehe drei Starßenarbeiter. Einen erkenne ich vom Hinweg: er: "you are back?", ich: "Yes, I had to come back because the path is blocked." Er:" You have to go on the other side, this way is dangerous 😅".

    Ja, danke, das habe ich jetzt auch bemerkt. Sie winken mich zum Essen runter. Ich antworte, dass ich keine Zeit habe und laufe weiter - es ist bereits Nachmittag. Ich beschließe es trotzdem noch heute bis nach Phugtal zu schaffen. Zurück nach Cha wäre...mmm naja ... nur die Notlösung 🫣😅.

    Nach ein paar Minuten hupt es und ich erkenne den einen Straßenarbeiter im Auto wieder. Ich klettere hinunter auf die sandige befahrbare Straße und bin dankbar, dass ich nicht den ganzen Weg wieder zurück laufen muss. Er kommt aus Dheli, hat ein 9 Monate altes Baby und ist Muslim. Er fragt nach einem Selfie und ich verhandle, dass er mich dafür bis zur Brücke fährt 😄. Hier treffe ich auf einen Jeep und bekomme eine Mitfahrgelegenheit für einen weiteren Kilometer. Ich spare mindestens 8 km. Danach muss ich nochmal 2 Stunden laufen. Diesmal ist der Pfad einfach, mir kommen Menschen entgegen und es läuft sich viel gelassener. Von hier aus schaue ich auf die andere Seite und sehe die vielen weiteren Stellen an denen mein vorheriger Pfad regelrecht zerstört ist. Ich pausieren und bin froh jetzt auf dieser Seite zu sein und nicht aus Ehrgeiz heraus den schwierigen Pfad weitergegangen zu sein. Der weitere Abschnitt wäre noch gefährlicher geworden. Irgendwann will man dann aus Angst wahrscheinlich weder vor noch zurück. Ich male mir aus was hätte passieren können und bin dankbar für die innere Stimme, die mir heute gutmütig gesonnene Natur und meine Schutzengel.

    Erleichtert und etwas erschöpft komme ich in Phugtal an. Ein Mönch sitzt vor dem Guesthouse und ich setze mich zu ihm. Wir tauschen ein paar Blicke und atmen gemeinsam. Er kann hellsehen und fragt ob ich aus Deutschland komme 😄. Ich bekomme Mittagessen und ein tolles Zimmer mit echtem Klo und fließendes Wasser - welch Luxus! Ich realisieren das ich mich schon mehrere Tage nicht richtig waschen konnte. Ein paar komische Stiche finde ich auch an meinem Körper... Als ich mich wasche fallen drei kleine schwarze hüpfende Tierchen von mir ab 😅.

    5€ am Tag inkl. Vollverpflegung in einer angenehmen Atmosphäre. Ich freue mich wirklich jetzt hier zu sein und bin erleichtert. Am selben Abend bekomme ich noch ein Energieschub und laufe einen Pfad oberhalb des Klosters entlang. Welch ein faszinierender Ausblick - Berge und Täler in der Abendsonne ! Glücksgefühle am Leben zu sein, erfüllen mein Herz. Passend ist auch der Spruch, den ich im Guesthouse auf einem gemalten Bild lese: "Because you are alive everything is possible!" 🧡☺️🧡

    In der Unterkunft treffe ich auf Jose, einen Franzosen, der mit einem Guide unterwegs ist und wir tauschen spannende Infos über Zanskar aus. Am Morgen gehen wir gemeinsam ins Kloster in der Hoffnung die Mönchgesänge zu erleben. Aber das findet hier nicht statt. Auch die besagte heilige Höhle die vom Guru Padmasambava als Einsiedlerei genutzt wurde, dient heute eher als Lagerort für Holz und Co. Mm, schade! Der Guide erzählt mir, dass die Tradition dieses Klosters nicht sehr bekannt für Meditation ist (es gibt verschiedene buddhistische Traditionen und Praktiken).

    Hier fühlt es sich alles sehr locker, etwas touristisch und offen an. Dennoch das Felsenkloster und die umliegende Landschaft sind beeindruckend. Ich frage mich nur wo wohl die "echten" Mönche - Tantriker - zu finden sind. Wahrscheinlich irgendwo in den Bergen in solitude..

    Wir gehen zurück und essen Frühstück. Es gibt Honig und Marmelade 😋. Dann geht es für Jose weiter. Ich bleibe ein paar Tage hier und will die umliegende Natur erkunden, über Brücken laufen, auf die Anhöhungen klettern und die besondere natürliche Atmosphäre hier für die innere Einkehr nutzen. Auf den von hier aus 10-stündigen Trek in ein abgelegenes Dorf, verzichte ich jetzt lieber ✌️😉.

    Danach möchte ich auf direkten Weg per Anhalter zurück nach Padum und zu meiner muslimischen Gastfamilie ☺️🫶. Der Vater hat mir schließlich den gemeinsamen Ausflug nach Dzongkhul - ein wirkliches Meditationskloster - versprochen. Meinen buddhischen Namen habe ich übrigens von genau dieser Tradition erhalten, wie ich nun erfahren habe. Es ist also ein "Muss", diesen Ort noch zu besuchen 🧡☺️✨🫶🌍🌺🕉️✌️.
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  • Einblicke in die Tibetische Medizin

    July 14, 2023 in India ⋅ ⛅ 13 °C

    So - jetzt bin ich krank... 🥵🤧

    Eine schöne Erkältung habe ich mir unterwegs weggeholt...jetzt heißt es Pause einlegen und erholen. Ich bin froh das ich mich wieder in Padum bei der muslimischen Familie befinde. Hier bleibe ich eine ganze Woche.

    Nun da ich huste und mir die Nase läuft, habe ich auch die Gelegenheit das regionale Medizinsystem genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich besuche eine Amchi - so heißen die Naturheiler*innen die die traditionelle Tibetische Medizin praktizieren. Fast jedes Dorf hat eine*n Amchi. Der Dalai Lama auch. Die Menschen können kostenlos Konsultationen und Medikamente bekommen, denn die Zentren werden vom Dalai Lama gefördert.

    Neben dem Naturheiler gibt es auch:

    *Lhamo - Schamanen,
    *Onpo - Astrologen,
    *Duba Lamas, Ngakpas und Kandomas - Mönche und spirituelle die die tantrischen (Heil -)Praktiken beherrschen.

    ... und bestimmt noch weitere. Es ist nicht einfach diese Infos herauszufiltern, denn Sprachen und Verständnis sowie Kenntnisstand und Interessen sind sehr unterschiedlich hier in der Region.

    Ich besuche die Amchi in Padum. Das Haus ist groß und gleich am Eingang gibt es zwei Apotheken - eine Amchi Apotheke und eine Allopathie (westliche Medizin) Apotheke. Von Flur aus erkenne ich Zeichen auf denen Labor, Umkleide und X-ray zu sehen ist. Das Zentrum scheint gut ausgestattet zu sein. Nur die Menschen inkl. Personal fehlen 😄.

    Ich treffe auf eine Nonne, die Arzthelferin ist und die Amchi. Eine modern gekleidete junge Frau. Sie spricht Englisch. Ich erkläre ihr was mir fehlt und sie fühlt meinen Puls. Dann fragt sie mich ob ich tibetische Medizin oder westliche Medizin möchte. Ich bekomme loses Pulver und festes Pulver in Form von Kugeln. Die Inhaltsstoffe sind Pflanzen aus dem Himalaya. Diese sollen übrigens eine ganz besondere Wirkkraft haben aufgrund der Höhe auf der sie zu finden sind. Später erfahre ich, dass die Frauen des Dorfes die Gräser und Pflanzen sammeln wenn sie ihre Yaks oder Kühe zum Weiden in die Berge bringen. Hier im Zentrum werden sie dann zu Medikamente verarbeitet. An den Wänden im Flur hängen Grafiken alter Zeichnungen die das Medizinsystem beschreiben: von Chakren, Traumdeutung, Mineral-und Energiesystemen bis hin zu konkreten Beschreibungen für chirurgische Eingriffe.

    Ähnlich wie im Ayurveda lernt ein*e Amchi mehrere Jahre - entweder direkt von der Familie oder in einer Amchi Schule. In Phugtal traf ich auf einen Franzosen der mir von einer Einrichtung erzählte, die den Austausch zwischen westlicher und östlicher Medizin fördert und westliche Ärzte hier in Zanskar dazulernen können.

    Leider ist meine Amchi nicht besonders gesprächig als ich nach den Details zur Art der Diagnose und zu meinem Energiesystem frage. Sie meint nur, dass man viel lesen muss wenn man das verstehen möchte...
    Ich werde sie definitiv noch nach den Büchern fragen 😁. Der Besuch und die Medikamente sind übrigens kostenlos - auch für mich. Ich hinterlasse trotzdem eine kleine Spende.

    Nach ein paar Tagen schneit es unverhofft - das ist auch in dieser Gegend im Juli ungewöhnlich. Die Straßen sind gesperrt und in in den Bundesstaaten Himachal Pradesh und Utrakand (südlich unter Ladakh) gibt es starke Überschwemmungen. Die Hauptader, die uns mit ihnen verbindet führt über Manali und ist komplett gesperrt. Die Stadt steht unter Wasser und Straßen sind weggeschwemmt. Der Pass nach Leh ist gesperrt. Ich kann also erstmal sowieso nicht weg. Ein komisches Gefühl. Die Natur hat hier so viel Macht und man spürt sie so viel mehr als in den von uns erbauten und kontrollierten Städten.

    Nach ein paar Tagen bin ich gesundheitlich bereit mich in Richtung Leh zu begeben - hier liegt ja noch Gepäck von mir im Guesthouse.. der Bus fährt einmal pro Woche - das wäre morgen und die Tickets sollen bereits ausverkauft sein. Ich frage also fremde Menschen auf der Straße nach Mitfahrgelegenheiten 😁. So macht man das hier. Man wird von A nach B geschickt, C telefoniert dann und irgendwann landet man am richtigen Ort oder hat den richtigen Kontakt. Das kann schonmal einen ganzen Tag dauern. Ich sitze in einem Geschäft und bekomme Chai, dann lande ich bei einem Handwerkszeug Verkäufer der früher europäische Touristen als Guide durch die Berge geführt hat und sich scheinbar sehr verbunden mit der Region fühlt. Ende vom Lied: ich kann umsonst bis nach Kargil bei einem Bekannten mitfahren, so erfahre ich um 21:00 Uhr über einen Dritten am Telefon 😄😄😄.

    Früh um 4:30 geht es los. Die Karre ist anders als erhofft kein Jeep sondern ähnelt vom Aussehen eher meinem alten Renault Twingo 😅😳😭. Außerdem geht nur ein Licht. Mir wird etwas flau im Magen.

    Dennoch, es stellt sich heraus, dass der Herr Lehrer ist und gebürtig und wohnhaft aus Zanskar stammt - das heißt er kennt sich aus! Er sagt, dass dieses Auto das beste sei und meint es käme vor allem auf den Fahrer an. Viele Leute kommen aus Delhi nach Zanskar mit dicken Karren um Offroad zu fahren und auf social Media zu prahlen..und dann stecken sie bei der ersten Hürde fest. Er sagt dazu: "Ich kenne nichts anderes als Offroad fahren 😄." Definitiv ist er ein Genie! Ob dicker Schlamm, enge sandige Straßen mit Abgrund oder Flusslauf - er schafft alle Hindernisse 🙏😄🙏😜. Wir überqueren einen fast 5000m hohen Pass und passieren Gletscher - wahnsinn, die Aussicht! Unterwegs spendiere ich ihm sein Mittagessen - Maggie ( ja die fünf Minuten Tütensuppe - die wird hier überall verkauft und die Leute fahren total darauf ab. Ich habe sogar schon Leute gesehen die das Zeug wie Chips knabbern )

    In Kargil angekommen fahre ich dann mit dem "shared Taxi" weiter bis nach Leh und komme spät abends in der Stadt und in meinem gebuchtem Hostel an. Hier unterhält man sich über Treks und Reiseerfahrungen. Ich treffe Inder die aus der Stadt und von ihrem stressigen Job (oder Familie) geflohen sind und sich in Ladakh vom Motorradwind auf andere Gedanken bringen lassen wollen. Sie leiden also auch an der "westlichen Zivilisationskrankheit..." - Gedanken, Stress und Druck.

    Komisch ist es jetzt hier zu sein - alles ist plötzlich verfügbar. Die Gespräche haben sich verändert - von mystischen und spirituellen zu weltlichen Themen.

    Die Berge scheinen zwischen den Cafés und Restaurants weit weg, doch wenn ich nach oben schaue wird mir klar das ich immer noch in der Hochwüste bin...
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