• Claudia
  • Claudia

Kurs Südost

April 2016 - open end Leggi altro
  • Letzte Zeltnacht

    28 settembre 2022, Turchia ⋅ ⛅ 17 °C

    Abermals erwartet uns ein schöner Morgen, als wir den Reißverschluss unseres Zeltes öffnen. Nach wie vor sind wir allein, wider Erwarten hat sich keine Menschenseele blicken lassen. So können wir hier noch in Ruhe frühstücken und uns startklar machen. Und das Schöne ist: Wer noch am Abend einen Berg hinauffährt, darf ihn am Morgen wieder herunterrollen. Wir beginnen die Etappe entsprechend mit einer entspannten Abfahrt vor weiterhin herrlicher Kulisse. Auch die wenigen Passagen, die wir in der Ebene radeln und mal nicht entweder bergauf oder bergab, genießen wir sehr. Zwischendurch sind die Glocken der Ziegen- oder Schafherden in den Bergen zu hören. In schöner Regelmäßigkeit klingt der Ruf des Muezzins von den Minaretten der Moscheen, der in der islamischen Welt die Zeit zum Gebet ankündigt. Ein Hund, den wir an einem Feldrand sitzen sehen, stimmt jedes Mal, wenn der Muezzin zum Ruf ansetzt, mit ein und heult mit erhobenem Kopf im Chor. Am Ortsausgang von Yeşilyayla legen wir eine Pause ein, bauen unsere Stühle auf und vertilgen die restlichen Obstreserven aus unseren Taschen. Und dann passiert, was in diesem Urlaub schon so oft passiert ist. Ein älterer Herr steuert auf uns zu, in seiner Hand hält er eine prall mit frischen Weintrauben gefüllte Plastiktüte. Er begrüßt uns freundlich und überreicht uns seine Ernte. Nur wenige Minuten später kommt er erneut, diesmal werden wir mit einer Tüte voll Pflaumen beschenkt. Während der Mann noch fragt, woher wir kommen und wohin wir wollen, ruft seine Ehefrau vom gegenüberliegenden Grundstück und bietet uns Kaffee an. Wir nehmen die Einladung gerne an und sitzen kurz darauf am gedeckten Tisch des freundlichen Ehepaares. Neben türkischem Kaffee werden uns selbstgemachte und ausgesprochen köstliche Süßigkeiten serviert. Wir werden schließlich auch noch in die Herstellung der leckeren Naschereien eingeweiht und erhalten eine Führung durch den Garten. Nicht ohne Stolz präsentieren die beiden, was hier alles wächst und fordern uns immer wieder zum Probieren auf: Äpfel, Pflaumen, Wal- und Haselnüsse, Weintrauben, Feigen und einiges mehr. Nach unserer Weiterfahrt erledigen wir im Ort Bozova einen kleinen Einkauf, um dann die Herausforderung des allabendlichen Anstieges zum Abschluss der Etappe anzunehmen. Wie schon in den letzten Tagen rollen wir über den Gipfel, um dann Ausschau nach einem geeigneten Platz für die Nacht zu halten. Die Suche dauert nicht lang, im Schatten eines Baumes bietet sich eine recht ebene Fläche inmitten dieser schönen Berglandschaft an. Es ist sehr frisch, sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, so dass die abendliche warme Mahlzeit in Form von Nudeln mit Fertigsauce sowie der heiße Tee eine echte Wohltat sind. Beim Essen bekommen wir plötzlich Gesellschaft, hinter uns taucht eine riesige Ziegenherde auf und zeigt sich sehr interessiert an uns. Kurz darauf erscheint auch die Ziegenhirtin und verweilt für den Versuch einer Unterhaltung kurz bei uns. Das sprachliche Verständnis auf beiden Seiten ist leider nicht sehr groß, sie ist uns aber auf jeden Fall wohlgesonnen. Die Warnung vor wilden Tieren in dieser Gegend, die sie möglicherweise ausgesprochen hat, lassen wir einfach mal so stehen und gehen von einer friedlichen Nacht aus. Als die Hirtin mit ihrer Herde weiterzieht, leistet ihr Hund uns zunächst noch ein Weilchen Gesellschaft, bevor er dann auch irgendwann von dannen trottet.Leggi altro

  • Egal, hier bleiben wir jetzt...

    27 settembre 2022, Turchia ⋅ ⛅ 16 °C

    Einer sternenklaren Nacht folgt am Morgen ein herrlicher Sonnenaufgang, den wir an diesem wunderbaren Zeltplatz erleben. Nach dem Frühstück steht noch die Reparatur von Claudias Hinterrad an, welches inzwischen dann doch merklich an Luft verloren hat. Im Anschluss räumen wir routiniert unser Lager und schwingen uns wieder in den Sattel. Eine Abfahrt auf staubigem, schotterigem Untergrund liegt vor uns, die Berglandschaft um uns herum ist mal ein Traum. Die einzige Einschränkung sind die doch sehr vielen Eingriffe durch Menschenhand. Überall an den Bergen sind Steinbrüche auszumachen, bisweilen fahren wir auch an den riesigen Marmorblöcken vorbei, die in dieser Gegend abgebaut werden. In einem kleinen, ärmlich und zumindest teilweise verlassen wirkenden Dorf, nutzen wir eine Wasserstelle, um die Löcher in den inzwischen zwei defekten und lediglich durch neue ausgetauschten Fahrradschläuche zu lokalisieren und zu flicken. Nachdem wir in diesem Zuge auch gleich unsere Wasservorräte aufgefüllt haben, geht die Fahrt weiter. Wir radeln gerade auf einer staubigen Piste vor uns hin, als Heiko angehalten und mit reichlich Äpfeln beschenkt wird. Wie es der Zufall will, hatten wir ausgerechnet heute morgen zum Frühstück unsere letzten Äpfel gegessen. Nach gut dreißig zurückgelegten Kilometern suchen wir uns ein Plätzchen im Schatten, um Pause zu machen und reichlich Kekse zu vernichten. Diese kleine Auszeit geht einher mit einem Schreckmoment. Heiko stellt fest, dass sein gutes Messer, welches mittlerweile seit über zwanzig Jahren jede Reise begleitet, nicht an seinem Platz im "Küchensack" ist. Auch die erste Durchsicht der Taschen bleibt erfolglos, so dass sich die Frage stellt: Was tun? Den Verlust hinnehmen? Dreißig Kilometer zurückradeln zum letzten Zeltplatz? Per Anhalter dorthin durchschlagen? Als erste Maßnahme stellen wir alle Taschen auf den Kopf und sind dann seeehr erleichtert, als Heiko feststellt, dass das Messer im "Techniksack" statt im "Küchensack" gelandet ist. Wir atmen auf, denn der Verlust des einstigen Geschenks von Claudia wäre sehr schade gewesen, und setzen unsere Fahrt fort. Etwa zwanzig Kilometer haben wir noch vor uns, die mal wieder bergauf führen. Auf einer von Nadelbäumen gesäumten Straße geht es langsam aber sicher hinauf auf den Gipfel, der bei ca. 1400m erreicht ist. Kurz hinter dem höchsten Punkt bietet sich auch ein Platz zum Zelten an, der allerdings augenscheinlich auf privatem Grund liegt. Die auserkorene Fläche ist umgeben von Obstbäumen, in unmittelbarer Nähe steht ein Wohnhaus. Der Versuch, um Erlaubnis für die Übernachtung zu fragen, klappt leider nicht. An dem betreffenden Haus ist niemand zu sehen und bei Betreten des Grundstückes melden sich lautstark Hunde. Also sagen wir uns: "Egal, hier bleiben wir jetzt...". Und wenn noch jemand auftaucht, wovon wir fest ausgehen, können wir die Situation immer noch klären. Tatsächlich kommt aber niemand mehr, so dass wir nach unserem aus Mantı bestehenden Abendessen im letzten Tageslicht das Zelt aufbauen und Feierabend machen.Leggi altro

  • Verlängerte Pause 2.0

    26 settembre 2022, Turchia ⋅ ☀️ 26 °C

    3,6 Grad zeigt das Thermometer, als heute unser Wecker klingelt. Das Verlassen der wärmenden Schlafsäcke zögern wir so lange wie möglich hinaus, selbst während des Frühstücks verharren wir wie Mumien in unseren Kokons. Als dann aber die ersten Sonnenstrahlen über die Berggipfel kriechen, wird es sofort merklich wärmer und angenehmer. Still ist es noch, in der Ferne sind lediglich die Stimme eines Hirten, das Gebell seines Hundes und das Glockenläuten seiner Ziegen oder Schafe zu hören. Zu unserer Überraschung und gleichzeitig Freude hat der Hinterreifen von Claudia nach der gestrigen Kompressor-Aktion nach wie vor ausreichend Luft, so dass dem Beginn der neuen Etappe nichts im Wege steht. Wir radeln los und genießen einen herrlichen Morgen. Unser Weg führt durch eine traumhaft schöne Landschaft, Greifvögel gleiten über uns durch die Luft, kaum ein Auto ist in dieser Gegend unterwegs. Vorbei am trocken liegenden Akgöl radeln wir voller Euphorie weiter, unterbrochen nur für Foto-, Film- und Drohnenaufnahmen. Es passt zu diesem guten Tag, dass wir ausgerechnet zu einem Zeitpunkt eine Wasserstelle entdecken, als wir gerade den entsprechenden Bedarf thematisiert haben. Und es kommt noch besser. Während wir an der Wasserstelle unsere Flaschen und Wassersäcke auffüllen, kommt zuerst ein Bauer und schenkt uns eine Melone, danach kommt seine Frau dazu und überreicht uns frisch geerntete Tomaten. Stand uns etwa auf der Stirn geschrieben, dass wir erstens sehr gerne Melonen essen und zweitens das einzig fehlende Gemüse für unser heutiges Abendessen Tomaten sind? Wir bedanken uns, verstauen Melone und Tomaten in unseren Taschen und winken dem freundlichen Paar bei unserer Abfahrt zum Abschied. Die Landschaft bleibt weiterhin spektakulär schön, so dass wir schon jetzt einig sind, dass diese Etappe zu den schönsten der diesjährigen Tour zählt. Ein steilerer Anstieg steht uns laut Profil noch bevor und passenderweise erwartet uns kurz vor ebendiesem die nächste Überraschung. Wir fahren wir an einem Feld vorbei, auf dem ein Bauer gerade Melonen erntet. "Yemek yemek" ruft er, gestikuliert wild und winkt uns heran. Er zückt sein Messer und schneidet uns zwei kleine Melonen in mundgerechte Stücke, herrlich. Nach dieser unerwarten, aber sehr willkommenen Pause nehmen wir nun den recht fiesen Anstieg auf einigermaßen grobem Schotter in Angriff. Die steilsten Abschnitte bewältigen wir, indem wir unsere Räder jeweils zu zweit hinaufschieben. Entsprechend lange dauert es, bis wir die vier Restkilometer bis zum höchsten Punkt hinter uns gebracht haben. Im Schatten eines Baumes lassen wir uns am Wegesrand zur Pause nieder, von wo wir eine herrliche Aussicht auf das weite Tal, die umliegenden Berge und den Yarışlı Gölü haben. Und schließlich handhaben wir es wie schon am gestrigen Tag und verlängern die Pause einfach bis morgen. Unseren Standort verlagern wir noch um wenige Meter, nämlich etwas das abfallende Feld auf der anderen Straßenseite hinunter. Hier stellen wir neben einem Baum das Zelt auf, nachdem wir in mühevoller Kleinarbeit die nötige Bodenfläche von kleinen, stacheligen Pflanzenteilen befreit haben. Wir genießen die fantastische Aussicht beim Abendessen und als in den Dörfern im Tal die Lichter angehen, ist es für uns bald an der Zeit, die Nachtruhe einzuläuten.Leggi altro

  • Verlängerte Pause

    25 settembre 2022, Turchia ⋅ 🌙 16 °C

    Wir starten wieder um halb sieben in den Tag und nicht viel später erscheint auch der Bauer wieder, um seine Bäume zu bewässern. Nach einem Gang durch die Plantage zaubert er Walnüsse, Pflaumen sowie Früchte, die wir nicht kennen, aus seinen Taschen und schenkt sie uns. Heiko fragt ihn, wie die uns unbekannten Früchte heißen, aber leider finden wir für das von uns verstandene Wort "Künap" keine passende Übersetzungen. Glücklicherweise isst der Bauer auch selbst eine Frucht, so dass wir zumindest wissen, dass man diese nicht schälen muss, sondern einfach reinbeißen kann. Gegen 9 Uhr verabschieden wir uns und freuen sehr darüber, dass sowohl unser Befinden als auch die uns umgebene Landschaft im Vergleich zu gestern auf dem Wege der Besserung sind. Weiterhin arbeiten wir uns langsam aber stetig bergauf, unser Weg verläuft parallel zur Schnellstraße. Phasenweise müssen wir auch auf der Straße fahren, diese ist aber am heutigen Sonntagvormittag erfreulich wenig befahren. In dem etwas größeren Ort Bozkurt schwenken wir dann von der Straße weg in Richtung der Berge. Wir erledigen einen umfangreichen Einkauf, da wir nicht wissen, wie sich die Versorgungssituation in den kommenden Tagen in eher dünn bis gar nicht besiedelten Gegenden darstellen wird. Fern der großen Straße ist das Radeln gleich deutlich attraktiver, inzwischen haben wir auch deutlich an Höhe gewonnen und bewegen uns auf einem Niveau von etwa 900m. Claudia bemerkt einen Platten am Hinterrad, was auch direkt ein Anwohner des gerade erreichten Dorfes mitbekommt. Er will sofort helfen und präsentiert seinen Kompressor in der Garage. Wir nehmen das Angebot gerne an und der freundliche Herr pumpt den Reifen wieder fahrtauglich, ohne dass die Taschen abgeladen werden müssen. Wir bedanken uns und fahren in der Hoffnung weiter, dass der Reifen eine Weile hält. Nachdem wir beim Radeln auf der sehr langen geraden Straße bereits die schön anzusehenden Berge immer im Blick hatten, bekommen wir sie nun auch zu spüren. Es geht über ca. 4km steil bergauf, bei Erreichen des höchsten Punktes haben wir uns dann die Pause auch verdient. Den Salz- und Flüssigkeitsverlust, den unsere Körper erfahren haben, gleichen wir sehr gerne durch Chips und Melone wieder aus. Die Pause zieht sich in die Länge und nachdem Heiko die Gegend erkundet hat, beschließen wir sogar, sie soweit auszudehnen, dass sie erst morgen endet. An einem Berghang hat Heiko ein ebenes Plätzchen ausgemacht, welches sich als Nachtlager eignet. Und so machen wir heute früh Radel-Feierabend und verbringen des Rest des Tages mit Lesen, Drohne fliegen und Seele baumeln lassen. Am Abend gibt es Gemüse vom Gaskocher, welches heute angesichts erstmalig zugefügter grüner Pepperoni feurig scharf ausfällt. Ausgerechnet heute haben wir uns zudem gegen Nudeln als Beilage entschieden, die das Ganze möglicherweise noch etwas abgemildert hätten, da wir zur Vorspeise bereits gefüllte Weinblätter verputzt haben. Kekse und Tee passen am Ende noch, dann bricht auch schon die Dunkelheit über uns herein und wir verkriechen uns ins Zelt. Nicht unerwähnt bleiben darf abschließend noch der wahrlich atemberaubende Sternenhimmel, der sich über uns aufspannt.Leggi altro

  • Zeltplatz mit Verpflegung

    25 settembre 2022, Turchia ⋅ ☀️ 8 °C

    Am heutigen Morgen ist uns beiden etwas flau im Magen, wir sind nicht wirklich auf der Höhe. Es soll aber heute wieder geradelt werden, also starten wir wie üblich in dem Tag. Das Frühstück im Hotel verbringen wir mit Helene und Malte, die sich nach unserem Tag erkundigen und von ihrem Ausflug nach Denizli berichten. Die beiden werden heute Richtung Griechenland weiterreisen und auf ihrem Weg zu einem Treffen mit Freunden auf unseren Tipp hin noch nach Kalambaka fahren und die Meteora-Klöster besichtigen. Auch wir machen uns fertig für die Weiterreise, vor dem Hotel bittet unser Gastgeber noch um ein Foto, welches er auf der Instagram-Seite des Hotels veröffentlichen möchte. Nach einem kurzen Stop beim Supermarkt folgen wir dann wieder radelnd den Anweisungen unserer Navigationsgeräte. Leider geht es uns weiterhin nicht besonders gut, wir fühlen uns schlapp und auch die Magenprobleme sind eher schlechter als besser geworden. Da es uns beide betrifft, haben wir als ursächlichen Übeltäter ganz stark das seltsam schmeckende Baklava vom gestrigen Tag in Verdacht. Neben unserer mittelprächtigen Verfassung zeigt sich auch die Strecke heute leider alles andere als attraktiv. Die kurzen Passagen auf unbefestigten Wegen durch Obstplantagen sind noch das Beste, was diese Etappe zu bieten hat. Darüber hinaus konnten wir lediglich aussuchen, ob wir durch große Industriegebiete oder auf einer stark befahrenen Schnellstraße radeln. Es ist insgesamt ein eher spaßfreier Tag, schlapp spulen wir unsere Kilometer ab, meistens dezent bergauf. Passend zum Tag und zur Stimmung gestaltet sich dann zu allem Überfluss auch noch die Schlafplatzsuche schwierig. Rechts und links der Straße liegen meist eingezäunte Obstplantagen und die offenen Abschnitte sind weit einsehbar. Schließlich soll der Tag aber doch noch ein gutes Ende nehmen. Heiko sieht einen Bauern auf dessen Obstplantage und fragt, ob wir auf seinem Grundstück übernachten dürfen. Der freundliche Mann willigt ein und beschenkt und darüber hinaus noch mit Walnüssen und reichlich köstlichen Weintrauben, die er extra für uns erntet. Später gesellen sich noch Tomaten dazu. Mit der Bitte, bei unserer Abreise das Tor zu verschließen, verabschiedet sich der Bauer irgendwann und fährt wirkend in seinem Auto von dannen. Wir freuen uns über einen wunderbaren Übernachtungsplatz und eine weitere sehr nette Begegnung.Leggi altro

  • Kalksteinterrassen und Hierapolis

    23 settembre 2022, Turchia ⋅ ☀️ 24 °C

    Nach dem Frühstück im Hotel packen wir direkt unsere Rucksäcke und starten das heutige Sightseeing-Programm. Es sind nur ein paar Schritte bis zum Eingang eines der bekanntesten Naturphänome der Türkei, den berühmten Kalksinterterrassen mit jahrtausende alten Thermalquellen, die auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO stehen. Die Terrassen entstanden durch die Verdunstung des heißen, kalkhaltigen Wassers der Thermalquellen. Aus ihnen fließen immer noch 250 Liter kohlensäurehaltiges und mineralhaltiges Thermalwasser pro Sekunde. Die watteähnlichen Ablagerungen geben der Stadt Pamukkale, was übersetzt "Baumwollburg" heißt, ihren Namen sowie den Terrassen ihren schneeweißen Anblick. Kurz nach Ticketerwerb und Betreten der Anlage geht es barfuß weiter, das Tragen von Schuhen ist auf den Kalkwegen untersagt. Nach wenigen Metern sehen wir dann auch schon das türkisfarbende Wasser in den schneeweißen Becken, die an dieser Stelle allerdings künstlich angelegt sind, schimmern. Neben vielen anderen Menschen waten wir auf den vorgegebenen Pfaden durch das warme Wasser, dass über die weißen Kalkwege fließt, nach oben und blicken immer wieder fasziniert über diese bizarre Landschaft. Auf dem Gipfel des Kalkberges angekommen lassen wir uns auf einer Bank nieder, genießen Snacks und Tee und schauen dabei auf den unterhalb der Terrassen gelegenen Ortsteil Pamukkale Köy und die weite Ebene herab. Oberhalb des Kalkberges liegt die antike griechisch-römische Stadt Hierapolis mit zahlreichen erhaltenen Bauwerken. Da wir keinerlei Zeitdruck haben, erkunden wir in aller Ruhe und sehr ausgiebig das weitläufige Gelände. Als sehr angenehm empfinden wir, dass in diesem Bereich deutlich weniger Menschen unterwegs sind als noch auf den Kalkterassen. Die ältesten Gebäude in den Ruinen sind um die 2.200 Jahre alt. Viele dieser archäologischen Stücke von Pamukkale sind noch sehr gut erhalten, vor allem das große Amphitheater mit Platz für etwa 15.000 Menschen beeindruckt uns sehr. Auf ein Bad im "antiken" Pool (die Recherche ergibt, dass es sich vielmehr um die Reste eines Hotelpools handelt) verzichten wir und machen uns statt dessen zum Sonnenuntergang barfuß auf den Rückweg. Gerade jetzt, wo der Kalk die warmen Farben der Sonne auffängt, bietet sich ein herrliches Naturschauspiel. Zurück im Ort ist es bereits dunkel, im Hotelzimmer gibt es für Heiko eine wärmende Dusche angesichts der doch recht frischen Temperaturen in den letzten Stunden. Im Anschluss besuchen wir ein Restaurant am äußersten Rand des Ortes, wo wir sehr lecker zu Abend essen, Claudia bekommt sogar endlich die ersehnten Mantı. Da dieses Lokal aber keine Nachspeisen im Angebot hat, ziehen wir noch ein paar Schritte weiter in ein Café, dass mit typisch türkischen Süßspeisen wirbt. Auf dem kurzen Weg dorthin treffen wir Ali und seine aus Stuttgart stammende Frau, die wir in Afyonkarahisar kennengelernt haben. Verrückt! Im Café sind wir die einzigen Gäste und werden sehr freundlich in Empfang genommen. Sehr routiniert scheinen die Betreiber allerdings (noch) nicht zu sein. Die Bestellung eines Cappuccino überfordert das Paar, die Benutzung der entsprechenden Maschine stellt die beiden vor Schwierigkeiten. Heikos Tee wird indes vom Nachbargeschäft organisiert und unser geordertes Baklava serviert. Während an der Kaffeemaschine immer noch emsig geübt wird, fällt uns beiden ein unangenehmer Geschmack bei je einem unserer Baklava-Teile auf. Was soll's, denken wir und essen artig weiter. Irgendwann ist dann auch so etwas ähnliches wie ein Cappuccino hergestellt, das Üben mit der Kaffeemaschine geht dennoch im Hintergrund in die nächste Runde. Die gesamte Situation wirkt etwas schräg, was aber das Betreiberpaar durch ihre sehr sympathische Art wieder ausgleicht. Satt, müde und den Kopf voll mit den Eindrücken des Tages steuern wir das Hotel und vor allem unser Bett an.Leggi altro

  • Pamukkale

    22 settembre 2022, Turchia ⋅ ⛅ 20 °C

    Es ist noch sehr kalt draußen, als wir um halb sieben vom Wecker aus dem Schlafsack geklingelt werden. Da kommen die warmen Getränke zum Frühstück gerade recht. Eigentlich war unser Plan, heute zeitig aufzubrechen, da uns eine höhenmeterreiche Etappe bevorsteht. Leider macht ein Platten an Claudias Vorderrad uns einen Strich durch die Rechnung. Wir starten schließlich gegen zehn Uhr, versorgen uns in der Stadt Çal mit Proviant und dann erwartet uns auch direkt der erste Anstieg. 600 Höhenmeter wollen erklommen werden. Angesichts des heutigen Etappenprofils kommt es uns entgegen, dass sich der Himmel etwas bewölkt und das Thermometer eher milde Temperaturen zeigt. Auf einer Höhe von 1038m haben wir die erste Steigung des Tages geschafft und belohnen uns im Schatten eines Baumes mit mit Melone, Yoghurt und Chips. Lediglich fünf Kilometer entspanntes Radeln erwarten uns nach der Pause, bevor es erneut bergauf geht. Trotz der kräftezehrenden Steigungen bereuen wir aber zu keinem Zeitpunkt die Entscheidung gegen die alternative Schnellstraße, denn landschaftlich bekommen wir wieder einiges geboten. Während wir uns langsam aber sicher weiter bergauf arbeiten, eröffnen sich immer wieder schöne und beeindruckende Ausblicke auf z.B. eine Schlucht mit imposanten Felsen, die unglaubliche Weite der Landschaft oder das Panorama der Berge. Den höchsten Punkt haben wir schließlich nach mehr und auch steileren Anstigen als erwartet auf 1340m erreicht. Auf den knapp 20 Restkilometern, die nun noch vor uns liegen, sollen wir den größten Teil der mühsam erarbeiten Höhenmeter wieder verlieren. Meist ziemlich steil und bisweilen serpentibenartig geht es zügig bergab. Wenige Kilometer vor unserem Ziel Pammukkale machen wir noch eine kurze Rast am Straßenrand, genehmigen uns eine Rolle Kekse und verschaffen uns schon mal einen Überblick über potentielle Hotels. Zu unserer Erheiterung tragen zwei ältere Damen bei, die auf einem Quad angebraust kommen und zur Begrüßung einen kurzen Stop bei uns einlegen, bevor sie in flottem Tempo weiterdüsen. Auf der weiteren Abfahrt können wir schon von oben den weißen Kalkberg sehen und die vielen Reisebusse auf dem Parkplatz sind bereits auszumachen. Als wir schließlich unten angekommen sind, erkennen wir dann auch die vielen Menschen, die ameisengleich auf dem Felsen "krabbeln". Wir rollen indes zunächst in den Ort Pammukkale und checken im Hotel Mustafa ein, die Fahrräder dürfen zu unserer Freude in einem abgeschlossenen, leerstehenden Laden nebenan wohnen. Nach einer wohltuenden Dusche, die wir uns nach absolvierten 1145 Höhenmetern verdient haben, machen wir noch einen kurzen Gang durch den kleinen Ort und kehren dann im hoteleigenen Restaurant ein. Hier lernen wir Helene und Malte kennen, die in Würzburg Medizin studieren. Wir verbringen den Abend miteinander, tauschen Erlebnisse aus und berichten von unseren jeweiligen Vorhaben.
    So ist es schließlich schon halb zwölf, als wir uns ins Zimmer zurückziehen und den Tag beschließen.
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  • Ab in die Berge...

    21 settembre 2022, Turchia ⋅ ☀️ 24 °C

    Wir stehen um halb sieben auf, im Haus scheint noch Stille zu herrschen. Durch die Fenster der an unser "Schlafzimmer" angrenzenden Veranda sehen wir dann aber, dass Ahmet sich bereits um seine Hühner kümmert. Kaum dass wir uns blicken lassen und einen guten Morgen wünschen, beginnt Ahmets Frau, an deren Namen wir uns leider nicht erinnern, mit den Vorbereitungen für das Frühstück. Wir versammeln uns erneut auf dem Fußboden um eine Decke und essen gemeinsam, nach mehreren Weckanläufen gesellt sich schließlich auch der jüngere, 16-jährige Sohn dazu. Dieser habe heute Fahrschule, in der Türkei seien wohl ein Tag Schule und fünf Praxiseinheiten für den Erwerb des Führerscheins nötig. Ahmet erzählt von seinen ganzen Tieren und dank des Internet-Übersetzers sowie der Bildersuche wissen wir am Ende, wie sich sein Bestand zusammensetzt: Kühe, Ziegen, Schafe, (Reb-)Hühner, Hunde, Enten und Gänse. Wir erhalten das Angebot, ein Stück unseres Weges mit dem Auto gefahren zu werden, was wir dankend ablehnen. So richtig verstehen können unsere Gastgeber jedoch nicht, warum man freiwillig mit dem Fahhrad durch die Berge fährt, wenn es doch viel einfacher und komfortabler geht. Hudai, der ältere Sohn der Familie verlässt uns recht bald, um die große Herde Ziegen und Schafe auf den Berg zu treiben. Nach dem einen oder anderen weiteren Tee und sehr holpriger Konversation mit Ahmet, möglicherweise angesichts eines Dialekts (?), packen wir unsere Taschen und beladen die Räder. Vor dem Haus noch schnell ein Abschiedsfoto mit der Familie sowie ein herzlicher Dank für die Gastfreundschaft, dann rollen wir vom Hof. Nach anfänglichem Wechsel von sanftem Gefälle und leichten Steigungen folgt eine längere Abfahrt, die uns bis zu einer Hauptstraße führt. Dieser folgen wir kurz und biegen dann auf einen unbefestigten Weg ab, der uns durch große Obstplantagen führt. Die Fahrt zwischen den reich begangenen Apfelbäumen endet schließlich an einer großen Hauptstraße, der wir etwa zehn Kilometer folgen. Wir treffen auf eine Gabelung, an der eine Entscheidung fällig ist. Fahren wir an dieser Schnellstraße ca. 100km bis zum nächsten Ziel Pammukkale weiter oder schwenken wir noch einmal in die Berge und nehmen für die mit Sicherheit schönere Landschaft 1000 zusätzliche Höhenmeter in Kauf. In einem kleinen Laden kaufen wir uns eine kalte Cola, brüten dann auf der Bank einer Bushaltestelle über den Landkarten und Höhenprofilen und wägen ab. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, also wollen wir das Los entscheiden lassen und Heiko zieht blind eine der Optionen. Da wir aber dann doch beide irgendwie von der gezogenen Schnellstraße enttäuscht sind, fahren wir in die Berge. Das hätten wir wohl auch einfacher haben können. Die ersten Kilometer auf der auserkorenen Route führen noch harmlos durch die Ebene, es folgt ein zwar vergleichsweise kurzer, aber steiler und böser Anstieg. Der Rest der Etappe fährt sich dafür fast von selbst, etwa 12 Kilometer dürfen wir uns bergab rollen lassen. Den nächsten bevorstehenden Berg verschieben wir auf morgen und suchen nun nach einem Schlafplatz. Fündig werden wir in einem kleinen Wäldchen nahe der Straße, wo wir eine zeltgoße Fläche zwischen den Bäumen von Steinen, Fallobst und Disteln befreien. Im letzten Tageslicht verspeisen wir unsere Nudeln und dann ist auch schon wieder dunkel. Wir richten das Nachtlager ein und insbesondere Claudia hofft, dass diese Gegend nicht von Kurt bewohnt wird...Leggi altro

  • "Rettung" vor Kurt

    20 settembre 2022, Turchia ⋅ 🌙 19 °C

    Leider hält die Idylle an unserem Platz neben dem kleinen Friedhof nicht lang. Das Zelt ist noch nicht aufgestellt, da kommt ein Mann mit geschultertem Gewehr auf uns zu. Er beginnt ein Gespräch mit uns, dem wir jedoch leider nicht folgen können, auch seinen dazugerufenen Sohn verstehen verstehen wir nicht. Die Botschaft, die er uns vermitteln möchte, scheint ihm aber sehr wichtig zu sein, mit Nachdruck wiedeholt er unermüdlich seine Worte und gestikuliert dabei wild. Irgendwann ist die zentrale Aussage entschlüsselt, es geht um Kurt. Kurt ist das türkische Wort für Wolf und von diesem gäbe es neben weiteren wilden Tieren wohl einige in dieser Gegend. Es sei zu gefährlich, die Nacht draußen zu verbringen, er lädt uns stattdessen in sein Haus ein. Der Mann namens Ahmet zieht weiter, sein Sohn bleibt bei uns, bis wir unsere Sachen wieder verstaut und an den Rädern montiert haben. Gemeinsam mit dem Sohn spazieren wir den kurzen Weg zurück in das Dorf Osmanköy zum Haus der Familie Akbaş. In der kleinen verglasten Veranda wird uns Tee serviert, zudem wird uns das Angebot der Nutzung von WLAN und Fernseher unterbreitet. Im Verlauf stoßen auch der jüngere Sohn und die Mutter zu uns, das erneute Fernsehangebot können wir nicht mehr ausschlagen. Im "Multifunktionsraum" des Hauses bekommt Heiko die Fernbedienung in die Hand gedrückt und zappt durch die Programme, die wir natürlich allesamt nicht verstehen. Ein paar Minuten flimmern die Nachrichten über den Bildschirm, dann schlägt der jüngere Sohn vor, einen Film über unterirdische Monster anzusehen. Wir, die ohnehin nichts verstehen, haben natürlich keine Einwände. Und so sitzen wir kurz darauf auf der Couch einer netten Familie in der türkischen Provinz und sehen "Im Land der Raketenwürmer " in türkischer Sprache..., skurrile Situation. Als schließlich Ahmet zurückkehrt, breitet seine Frau im selben Raum eine Decke auf dem Boden aus und serviert Abendessen. Um die Decke auf dem Boden sitzend werden alle mit dünnem Fladenbrot (Lavaş) versorgt, in der Mitte der Decke stehen Schüsseln mit gebratenen "Kartoffelstiften" sowie Yoghurt und einer Hackfleischsauce, in die das Brot gestippt wird. Im Anschluss gibt es noch eine köstliche Melone aus dem eigenen Garten und schließlich wird ein letztes Mal eine frische Decke ausgebreitet, um eine Schale mit Nüssen und Sonnenblumenkernen, welche die Familie im Gegensatz zu uns sehr schnell und routiniert knackt, zu servieren. Es ist schließlich bereits fast Mitternacht, als ebenfalls im selben Raum für uns zwei Betten hergerichtet werden. Müde, aber dankbar für diesen Abend kriechen wir unter die Decken. İyi geceler!Leggi altro

  • Friedhofsruhe

    20 settembre 2022, Turchia ⋅ ☀️ 22 °C

    Um halb sieben klingelt der Wecker, es ist kalt draußen. Heiko hat schon in der Nacht ordentlich gefroren und mehrmals sein "Setup" den Temperaturen angepasst. Es wird Zeit, dass die Sonne aufgeht und uns wärmt. Da nun endlich unsere Kocher-Sorge behoben ist, gibt es heute nicht nur einen, sondern zwei TassenTee bzw. Kaffee zum Frühstück. Drei Hunde beäugen neugierig unser Zelt, bald darauf zieht etwas oberhalb der Picknickfläche auf einem Waldweg der dazugehörige Hirte mit seiner Ziegenherde vorbei. Es ist ein toller Morgen zum Radeln, die Sonne scheint und es weht ein leichter, frischer Wind. Unsere Route führt weiterhin durch welliges Terrain, nach einer langen Abfahrt zu Beginn folgt direkt wieder ein schweißtreibender Anstieg. Die Landschaft ist wunderschön, während unserer Pause auf einer Anhöhe genießen wir das herrliche Panorama sowie Chips und Kekse, die wir zuvor in einem kleinen Dorf erworben haben. Die Gegend wird immer karger, zudem fühlen wir uns wie von einer Staubschicht überzogen. Meist werden wir von den Menschen ziemlich verwundert angesehen, so auch in der nächsten Ortschaft, die wir durchfahren. Immer wieder werden die gleichen Fragen gestellt: Wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin, habt ihr kein Auto? Ein Mann namens Faruk lädt uns zu einer Cola ein und wird nicht müde, den Leuten auf der Straße zuzurufen, dass er Gäste aus Deutschland hat, die mit dem Fahhrad nach Antalya fahren. Um nicht ein weiteres Mal aufgehalten zu werden, verzichten wir auf einen Einkauf und verlassen zügig den Ort. Die Zeit ist bereits recht fortgeschritten und nach unseren bisherigen Erfahrungen ist es sinnvoll, frühzeitig vor Einbruch der Dunkelheit mit der Suche nach einem Schlafplatz zu beginnen. Tatsächlich gestaltet es sich auch heute wieder nicht einfach. Mal wieder haben auf einen Panorama-Platz gehofft, nachdem wir noch einige Höhenmeter bergauf geradelt sind. Wenn es aber auf der einen Seite des Weges steil bergab und an der anderen steil bergauf geht, wird das Aufstellen eines Zeltes schwierig. Und an den Stellen, wo es potentiell möglich wäre, lässt der Untergrund es nicht zu. So radeln wir also weiter und bekommen es noch einmal mit einem biestigen Anstieg zu tun. Kurz danach, hinter einem winzigen Dorf, entdeckt Heiko eine Fläche abseits der Straße neben einem kleinen Friedhof. Reichlich k.o. vom Tag lassen wir uns hier nieder, das Zelt wollen wir wie immer erst mit Einbruch der Dunkelheit aufstellen. Der Ausblick im Licht der untergehenden Sonne ist toll, was Heiko für einen kurzen Drohnenflug nutzt, bevor es für die müden Radler Nudeln mit einer Büchse Bohnen in Tomatensauce gibt. Damit könnte der Tag dann auch beschlossen werden - eigentlich...Leggi altro

  • Zelten verboten

    19 settembre 2022, Turchia ⋅ ☀️ 20 °C

    Angesichts der Tatsache, dass heute eine anstrengende Etappe auf uns wartet, stehen wir um halb sieben auf und packen unsere Taschen. Nach dem Frühstück erledigen wir noch einen Einkauf und können ein Erfolgserlebnis verzeichnen, dass uns gleichermaßen freut wie erleichtert: Das empfohlene Geschäft hat geöffnet und hat Gaskocher im Angebot! Die warmen Mahlzeiten für den Rest der Reise sind endlich gesichert, unser Tipp-Geber erhält noch einen Dank per WhatsApp. In der Tiefgarage checkt Heiko noch einmal die Fahrräder, danach rollen wir los. Die ersten Kilometer sind noch harmlos und unspektakulär, bereits hier freuen wir uns aber schon über den bewölkten Himmel und die heute nicht ganz so heißem Temperaturen, denn es steht noch der Anstieg auf den bislang höchsten Punkt der gesamten Tour an. Als wir einen Ort passieren, um uns für drei Tage mit Proviant einzudecken, lernen wir vor dem Supermarkt Ali kennen, der gemeinsam mit seiner aus Stuttgart stammenden Ehefrau auf Familienbesuch in der Gegend ist. Kurz darauf stößt dann auch seine Frau dazu, die Unterhaltung in deutscher Sprache wirkt fast etwas ungewohnt. Die Einladung zu Ali und seiner Familie nach Hause zum Tee müssen wir leider ausschlagen, da wir zu diesem Zweck einen Umweg in die entgegengesetzte Richtung unserer Route in Kauf nehmen müssten, was uns wiederum in zeitliche Bedrängnis bringen würde. Ali gibt uns noch seine Telefonnummer, unter der wir uns jederzeit bei Hilfebedarf melden dürfen, dann verabschieden wir uns. Damit beginnt nun auch der anstrengende Teil des Tages. Anfangs auf Asphalt, später auf staubiger Schotterpiste arbeiten wir uns mit unseren Rädern bergauf. Auf einer Höhe von knapp 1700m haben wir es schließlich geschafft, der höchste Punkt ist erreicht, was auch einen neuen Höhenrekord auf dem "Kurs Südost" bedeutet. Gehofft hatten wir als Belohnung für die Mühe auf ein schönes Plätzchen für die Nacht in dieser Höhe mit schöner Aussicht, diese Hoffnung erfüllt sich jedoch nicht. In Ermangelung eines geeigneten Fleckchens für unser Zelt fahren wir weiter, diesmal zunächst auf Schotter und später auf frisch gepflasterter Straße bergab. Einen perfekten Ort entdecken wir nicht mehr, so fällt die Wahl am Ende auf ein beschildertes Picknick-Areal. Laut Schild ist hier das Campieren zwar verboten, aber wir beschließen, dass unsere Sprachkenntnisse für das Verstehen dieser Aussage nicht ausreichen. Außer uns tummelt sich noch ein Hund auf dem Gelände, der aber stets reichlich Abstand zu uns wahrt. Bald köchelt frisches Gemüse auf dem Gaskocher und das Zelt ist aufgebaut und eingerichtet.Leggi altro

  • Afyonkarahisar

    18 settembre 2022, Turchia ⋅ ☀️ 26 °C

    Statt Kaffee und Tee vom Gaskocher gibt es heute mal wieder Hotelfrühstück in Buffetform. Im Anschluss starten wir zu unserem ersten und einzigen festen Programmpunkt für diesen Tag, wir wollen den imposanten Felsen, den wir schon bei der Stadteinfahrt sowie von der Dachterrasse des Hotels bestaunt haben, näher in Augenschein nehmen. Auf dem Weg dorthin gehen wir noch zur empfohlenen Gaskocher-Adresse, am heutigen Sonntag hat die kleine Ladenzeile im Gegensatz zu vielen anderen Geschäften in der Stadt jedoch geschlossen. Wir spazieren etwa einen Kilometer bis zum Fuß des 226m hohen Felsmassivs, bevor es an den steilen Anstieg geht. Über 625 Stufen geht es hinauf bis zur
    Burg von Afyonkarahisar (Afyonkarahisar Kalesi), eine um 1350 vor Chr. erbaute Befestigungsanlage. Wie es der Zufall will, findet an heutigen Tag auch der Phrygian Ultra Marathon statt, an dem auf verschiedenen Strecken ca. 1000 Läufer aus neun Ländern teilnehmen. Wir erleben den Zieleinlauf des 2km langen "Run to the Castle", der zwischen den historischen Häusern der Stadt begonnen hat. Auch Heiko wurde zum Motiv eines Sportfotografen, was wohl an seiner Bekleidung (Laufhose und Schuhe) lag. Der tatsächliche Sieger erreichte jedoch erst wenige Augenblicke nach Heiko den Gipfel. Etwa ein Stündchen halten wir uns auf, bevor es wieder an den Abstieg geht. Zurück in der Stadt versorgen wir uns mit etwas Proviant und steuern das Hotel an. Hier verbringen wir den Nachmittag mit Lesen, Wäsche waschen, Melone essen, Gepäck sortieren und Faulenzen. Am frühen Abend zieht es uns dann erneut an den Fuß des Felsens, allerdings an die andere Seite. Dieses Mal ist auch nicht der Aufstieg das Ziel, sondern die Produktion von schönen Bildern im Abendlicht. Auf unseren Campingstühlen sitzen wir auf einem Kieshügel und beobachten, wie die Sonne untergeht und der Felsen langsam aber sicher in Schatten gehüllt wird. Damit ist dann auch für uns der Zeitpunkt gekommen, ans Abendessen zu denken. Wir kehren in einem kleine Restaurant mit urigem Innenhof ein. Wir werden sofort willkommen geheißen, gerechnet hat man allerdings offensichtlich nicht mit Gästen und schon gar nicht mit Touristen. Alle Anwesenden kümmern sich um uns, mehrmals werden wir verwundert gefragt, was wir ausgerechnet hier wollen. Besonders gesprächig und interessiert zeigen sich die beiden exzellent englisch sprechenden Teenager-Töchter. Wir bestellen das einzig verfügbare und uns wärmstens ans Herz gelegte Gericht und freuen uns über die Wahl dieses netten Lokals. Da die Portion der Hauptspeise unserem Hunger nicht ganz standgehalten hat, gönnen wir uns auf dem Heimweg noch einen leckeren vegetarischen Dürüm auf die Hand und besorgen noch Baklava und Kuchen, was wir beides nebst etwas Melone und Tee zum Abschluss des Tages auf der Dachterasse des Hotels genießen.
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  • Das Zelt hat Pause

    17 settembre 2022, Turchia ⋅ 🌙 23 °C

    Der Wecker klingelt um sieben Uhr und heute ignorieren wir ihn nicht, sondern starten in den Tag. Wie üblich dauert es etwa zwei Stunden, bis wir in Ruhe gefrühstückt, unsere Sachen gepackt, das Zelt abgebaut und alle Vorbereitungen getroffen haben. Es ist folglich 9 Uhr, als mit einer rasanten Abfahrt unsere heutige Etappe beginnt. Wir sind begeistert von der Landschaft und der ausgesprochen ruhigen Straße, alle paar Kilometer passieren wir kleine Dörfer, in denen teilweise die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, manch Ansiedlung mutet gar mittelalterlich an. Hirten sind mit ihren Schaf- und Kuhherden unterwegs, oft begleitet von einem bepackten Esel. Auch die eine oder andere laut gackernde Gänseschar quert unseren Weg. In einem der Dörfer verproviantieren wir uns mit etwas Gebäck und handeln uns eine erneute Absage auf dir Frage nach Gaskartuschen bzw. Kocher ein. Je weiter wir fahren, desto mehr prägen große Felsformationen das Bild. Als wir einen See, den Emre Gölü, erreichen, kehren wir in einer Art Teegarten ein, in welchem man auf kleinen, überdachten und mit Teppich ausgelegten Holzpodesten einen herrlichen Blick auf den See und die Felsen am gegenüberliegenden Ufer genießen kann. Wir freuen uns über diesen Idyllischen Platz, bestellen gefüllte Gözleme sowie den einen oder anderen Tee und lassen die Seele baumeln. Auf unserer weiteren Fahrt präsentiert sich die Landschaft immer spektakulärer, fasziniert halten wir immer wieder an, staunen und machen unzählige Bilder. Heiko fragt sich, ob wir schon in Kappadokien sind und fühlt sich an die Gegend der Meteora-Klöster in Griechenland erinnert. Und es stellt sich heraus, dass diese Gedanken gar nicht so abwegig sind. Wir stellen fest, dass wir zufällig im Phrygischen Tag (Frig Vadisi) gelandet sind, einer zweiten Tuffsteinregion, die vergleichbar zu Kappadokien ist. Die Gegend ist gespickt mit einer Vielzahl von antiken Relikten wie Feenkaminen aus Tuffstein (Peri Bacalari), in die Felsen gehauenen Wohnungen, Felsengräbern und Monumenten der Phryger. Das Radeln ist purer Hochgenuss und die Eindrücke, die wir hier zu sehen bekommen, sind gigantisch. Fast mutet es surreal an, man wähnt sich in einer Filmkulisse oder einer Mondlandschaft. In jedem Fall aber ist es großartig, wir sind schwer begeistert. Nach Verlassen des Phryger-Tals steuern wir geradewegs auf unser heutiges Ziel, die Stadt Afyonkarahisar zu. In jedem Dorf, dass wir durchqueren, halten wir verschiedenen Ladenbesitzern hoffnungsvoll das Foto eines Gaskochers unter die Nase. Wir werden zwar jedes Mal zu einem Getränk eingeladen, einen Kocher haben wir aber weiterhin nicht. Immerhin nennt ein junger Mann uns eine Adresse von einem Geschäft in Afyonkarahisar, das möglicherweise unseren Wunsch endlich erfüllen könnte. Auf einer mäßig befahrenen Hauptstraße radeln wir die letzten Kilometer in die Stadt, schon von weitem kann man den vulkanischen Felsen und die darauf thronende Burg aus dem 14. Jahrhundert ausmachen. Nicht nur, weil wir genau diesen Felsen besuchen möchten, sondern weil es auch an der Zeit ist, etwas Wäsche zu waschen, die elektronischen Geräte aufzuladen und den Radler-Beinen eine Pause zu gönnen, checken wir nicht nur für eine, sondern für zwei Nächte im MCG Marble Hotel ein. Wir gönnen uns noch einen Blick über die Stadt von der Dachterrasse des Hotels, bevor wir frisch geduscht essen gehen und endlich auch das erste Baklava dieser Reise genießen.Leggi altro

  • Zelten, wenn wir oben sind - Part II

    16 settembre 2022, Turchia ⋅ ☀️ 30 °C

    Der Wecker klingelt zwar um sieben, die Schlafsäcke verlassen wir aber dann doch erst gegen acht Uhr. Geschlafen haben wir sehr gut, besonders die Stille an diesem Ort hat dazu beigetragen. Zu Beginn der heutigen Etappe ernten wir die Belohnung dafür, dass wir gestern noch bis auf den Gipfel gefahren sind - es geht bergab! So kommen wir flott voran, teilweise auf kleinen Nebenstraßen, ab und zu auf schotterigem Untergrund und zu unserem Leidwesen lassen sich auch Abschnitte auf einer Schnellstraße nicht vermeiden. Eine Besonderheit erleben wir auf einer Strecke von ca. drei Kilometern. Unglaublich viele Hunde tummeln sich in den Wiesen, Hängen und Sträuchern rechts und links der Straße. An der Straße weist sogar ein Schild auf kreuzende Hunde und Katzen hin. Auffällig ist, dass die Tiere gar nicht so ungepflegt oder gar abgemagert aussehen wie es sonst bei den Straßenhunden oft der Fall ist. Was es aber mit dieser "Hundestraße" auf sich hat, hat sich uns nicht erschlossen. Wir nähern uns bald der Stadt Kütaya, wo wir einerseits einkaufen und andererseits einen neuerlichen Versuch unternehmen wollen, doch noch Gaskartuschen oder einen neuen Kocher zu ergattern. So langsam fährt täglich die Sorge mit, dass unsere Camping-Küche demnächst kalt bleiben muss. Die Suche in einem riesigen Einkaufszentrum, einem empfohlenen Baumarkt sowie einem größeren Supermarkt kostet uns am Ende zwei Stunden Zeit, bleibt aber leider erfolglos. Immerhin konnten wir unseren Einkauf erledigen, so dass wir u.a. auch für unsere Pause, die wir unmittelbar nach Verlassen der Stadt einlegen, gut ausgestattet sind. Bei gefühlt deutlich wärmeren Temperaturen als in den letzten Tagen fahren wir noch weitere 30 Kilometer durch die Sonne, wobei der Weg zum Ende des Tages dann doch nochmal bergauf führt. Es kommt die gleiche Taktik zur Anwendung wie schon am gestrigen Tag. Das heißt, wir fahren bis zum höchsten Punkt, um dort zu campieren und die morgige Etappe mit einer Abfahrt beginnen zu können. Gesagt getan, wir radeln hinauf auf etwa 1200m und lassen uns am erstbesten Ort nieder, der uns für die Nacht geeignet scheint. Einzig lästig sind die Fliegen, die es hier darauf abgesehen haben, uns den letzten Nerv zu rauben. Unser obligatorisches "Abend-Gemüse" genießen wir trotzdem und mit Einbruch der Dunkelheit verschwinden dann irgendwann sogar die Fliegen.Leggi altro

  • Erst die Arbeit, dann der Zeltplatz...

    15 settembre 2022, Turchia ⋅ ☀️ 25 °C

    Als wir um viertel vor acht aufstehen, herrscht bereits reges Treiben in der Wohnung. Yılmaz, Çiğdem und Ayberk erwarten uns bereits in der Küche mit einem Frühstück bestehend aus Sımıt (Sesamkringeln), Pogaca Teigtaschen) mit zweierlei Füllungen, Käse, Wurst, Oliven und natürlich reichlich Çay. Von Çiğdem und Ayberk müssen wir uns bald verabschieden, die beiden müssen zur Arbeit. Schnell noch ein gemeinsames Foto gemacht und schon sind wir mit Yılmaz, der aufgrund einer Herzerkrankung bereits berentet ist, allein. Zwei bis drei Tee später fangen wir an, unsere Sachen für die Abreise zu packen, Yılmaz verstaut uns noch die Reste vom Frühstück als Proviant in einer Tüte. Anschließend begleitet er uns noch nach unten und wartet, bis wir unsere Räder beladen haben, um zum Abschied zu winken. Wir erledigen noch schnell unseren üblichen Einkauf, dann verlassen wir den Ort Bozüyük. Erneut warten heute wieder viele Höhenmeter darauf, von uns bezwungen zu werden. Bei sonnigem Wetter arbeiten wir uns nach oben, eine Wasserquelle am Wegesrand bietet eine willkommene Abkühlung während der ansonsten recht schweißtreibenden Fahrt. Nach gut 25km haben wir den ersten Gipfel des Tages auf etwa 1200m erreicht, 5 weitere Kilometer später lassen wir uns im Schatten eines Baumes neben einer Wasserquelle zur Pause nieder. Inzwischen ist es fast so etwas wie Routine geworden: Nach erklommenem Gipfel belohnen wir uns mit salzigen Chips. Ein älteres Ehepaar hält mit dem Auto an und bedient sich an der Wasserquelle, der Fahrer des Autos begrüßt uns und zaubert sechs Tomaten aus seinem Kofferraum und schenkt sie uns. Zu dem Frühstücksresten, die Yılmaz uns eingepackt hat, passen sie hervorragend, werden also direkt vertilgt. Während unserer Pause entdeckt Heiko ein scheinbar vergessenes Handy an der Wasserquelle, nicht viel später fährt erneut das Auto mit dem älteren Ehepaar vor und der Fahrer freut sich sehr darüber, sein Telefon zu sehen. Die beiden setzen sich kurzerhand zu uns auf den Boden, nehmen unser Keksangebot an und plaudern, so gut es eben geht, mit uns. Wir beschließen, dass wir auch die kommenden beiden Steigungen heute noch in unser Radelprogramm aufnehmen und uns dann einen Schlafplatz suchen. Das bedeutet zwar noch etwas Anstrengung, hat aber den charmanten Nebeneffekt, dass wir morgen fast nur bergab fahren müssen. So strampeln wir also in der immer karger werdenden Landschaft Meter um Meter nach oben. Gegen 18 Uhr haben wir es nach knapp 1000 erradelten Höhenmetern für heute geschafft. Wie geplant erklären wir die nächste geeignete Stelle zu unserem Nachlager. Im letzten Tageslicht gibt es Tee und gekochtes Gemüse mit Nudeln, dann zwingt uns auch bereits die wie immer sehr schnell hereinbrechende Dunkelheit ins Zelt. Gute Nacht!Leggi altro

  • Yılmaz und Çiğdem

    14 settembre 2022, Turchia ⋅ 🌙 13 °C

    Wir lassen uns heute ausnahmsweise mal recht zeitig vom Wecker aus dem Schlaf holen, da wir direkt neben der Zufahrt der Landfahrzeuge zu den Feldern campieren. Mähdrescher, die gestern noch bis weit nach Einbruch der Dunkelheit im Einsatz waren, kommen am heutigen Morgen zwar nicht vorbei, dafür passieren zwei bewaffnete Männer unser Zelt. Da sie aber freundlich grüßen, gehen wir mal davon aus, dass sie eher Enten (oder so...) als zeltende Touristen jagen. Nach dem üblichen Frühstück übernimmt Heiko das Saugen unseres Zeltes, man könnte es auch "Ausschütteln" nennen. Als wir auf den Rädern sitzen, machen wir dort weiter, wo wir gestern aufgehört haben: Wir fahren bergauf! Auf kaum bis gar nicht befahrenen Straßen arbeiten wir uns höher und höher, mal mehr und mal weniger steile Anschnitte sind zu bewältigen. Das Wetter ist herrlich, kaum eine Wolke ist am Himmel zu sehen und die Temperatur lässt sich gut aushalten. Einzig nervig ist unser je ganz privater Fliegenschwarm, der uns um die Köpfe surrt, sobald unsere Fahrgeschwindigkeit einstellig wird (was bergauf quasi immer der Fall ist...). Schneller als erwartet haben wir die Höhe von etwa 1000m erreicht, wo wir uns als Ausgleich zum Schwitzen salzige Chips gönnen. Nach ausgiebiger Pause geht es zunächst auf welligem Terrain weiter, bevor es auf einer Schotterpiste an die Abfahrt geht. Unser Weg führt an einem See vorbei und bietet auch ansonsten eine herrliche Kulisse. Im ersten Ort, den wir durchqueren, besorgen wir uns Proviant für eine weitere Pause, nachdem kurz zuvor der Entschluss gefallen ist, weitere 20km bis nach Bozüyük zu radeln und dort ein Zimmer zu nehmen. Den Ort kaum hinter uns gelassen, bauen wir unsere Campingstühle auf (ja, etwas Luxus muss sein...) und genießen das just gekaufte frische Obst mit Yoghurt. Wir sitzen nach der Pause kaum wieder auf dem Rad, da werden wir von einem Ehepaar angehalten, das mit seinem Motorroller am Straßenrand steht. Mit einem Mix aus Sprache und Gestik machen sie uns verständlich, dass sie uns zum Essen und zum Übernachten einladen möchten. Da Yılmaz und Çiğdem, wie die beiden heißen, zufällig in unserem geplanten Zielort wohnen, nehmen wir das Angebot an. Wir lassen uns die Adresse aufschreiben und sichern zu, dass wir in ca. zwei Stunden da sein werden. Die meisten der noch ausstehenden 20km sind nicht mehr so idyllisch wie wir es heute schon hatten. Auf einer recht stark befahrenen Hauptstraße radeln wir auf dem Seitenstreifen in Richtung Bozüyük, während unzählige LKW links an uns vorbeidonnern. Im Ort angekommen lassen wir uns von Google zur richtigen Adresse lotsen, was auch recht schnell und problemlos klappt. Yılmaz begrüßt uns freundlich, auch sein Sohn Ayberk kommt gerade von der Arbeit als Postbote nach Hause. Wir bekommen unser Zimmer gezeigt und unterziehen uns dann als erstes einer Grundreinigung unter der Dusche. In der Zwischenzeit hat Çiğdem bereits den Tisch reich gedeckt. Beim gemeinsamen Abendessen werden mit Hilfe von Heikos Türkisch und Ayberks dürftigen Englischkenntnissen sowie der Übersetzer-App Fakten zu unseren Familien, Berufen, Interessen etc. ausgetauscht. Ayberk präsentiert uns seine Haustiere: Ein Kaninchen, das auf dem Balkon lebt und einem explodierten Wattebausch ähnelt, ein Kanarienvogel in Anlehnung an den favorisierten Fußballclub Fenerbahçe İstanbul sowie bunte Fische in einem kleinen, schrill leuchtenden Aquarium. Auch Çiğdem führt uns durch die Wohnung und zeigt uns all die Dinge, die sie selbst gemacht hat. An den Wänden hängen verschiedene von ihr gefertigte Reliefbilder und überall verteilt dekorieren selbst gehäkelte Figuren (Puppen, Kakteen, Schmetterlinge, ein Frosch...) die Wohnung. Besonders stolz präsentiert sie ihren kleinen Wintergarten, der tatsächlich mit den vielen Pflanzen wie eine kleine Oase mit toller Aussicht über die Stadt wirkt. Im riesigen Wohnzimmer trinken wir noch einige Gläser Tee, bevor wir die Nachtruhe einläuten.Leggi altro

  • Acker-Camping

    13 settembre 2022, Turchia ⋅ ⛅ 20 °C

    Der erste morgendliche Blick aus dem Zelt offenbart einen ziemlich großen Hund, der auf der Zufahrt zu unserem "Camping-Spot" in der Sonne liegt. Er ist glücklicherweise völlig harmlos und beobachtet uns nur aus der Ferne. Später stellen wir fest, dass der Hund zu einem der älteren Herren gehört, die uns gestern das Übernachten auf diesem Grundstück erlaubt haben. Er begrüßt uns freundlich und schenkt uns einige Walnüsse, danach widmet er sich seiner kleinen Ziegenherde (+ 1 Schaf). Wir genießen derweil unser Frühstück und räumen anschließend unseren Lagerplatz. Ein paar Kilometer radeln wir noch am İznik Gölü entlang, bevor wir uns von diesem abwenden und den ersten Anstieg des Tages in Angriff nehmen. Auf 400m geht es hinauf, unterwegs passieren wir das eine oder andere kleine Dorf. Die Einkaufsmöglichkeiten sind allerdings eher dürftig, in den kleinen Läden gibt es weder Obst noch Gemüse (dafür Chips und Kekse...). Schön ist es, abseits der Stadt auf kleinen Straßen mit kaum Verkehr zu radeln. Je höher wir kommen, desto schöner präsentiert sich die schluchartige Landschaft mit ihren Felsformationen. Am höchsten Punkt angekommen gönnen wir uns eine Pause: Heiko lässt die Drohne für eine Flugrunde aus dem Koffer, Claudia liest, dazu gibt's Tee und Kekse. Die ganze Zeit werden wir dabei neugierig beäugt und umrundet von einem sehr ängstlich und schreckhaft wirkenden Hund. Ein paar Tropfen Regen bekommen wir ab, als wir unsere Pause beenden und die Abfahrt in Angriff nehmen wollen, glücklicherweise hat sich aber das Anziehen der Regenjacken kaum gelohnt, so schnell war es wieder trocken und sonnig. Wir finden im Verlauf des Tages tatsächlich noch einen kleinen Laden, der zumindest Dosenbohnen in Tomatensauce im Regal hat, so dass wir unsere Nudeln heute Abend nicht mit Salz und Olivenöl essen müssen. Weiterhin sieht es aber so aus, dass auf den Feldern unglaublich viel Paprika angebaut wird, käuflich zu erwerben ist sie aber nirgends. Eine kalte Cola und etwas dröges Gebäck können wir noch ergattern, so dass wir für die nächste Pause verpflegt sind. Als würde unser Wunsch nach Obst und Gemüse uns auf der Stirn geschrieben stehen, hält plötzlich ein Auto vor uns an und der Fahrer überreicht uns aus dem Fenster zwei köstlich aussehende Äpfel. Wie nett! Morgen soll es hinauf auf 1000m gehen, mit dem ersten Teil des Anstieges beginnen wir am heutigen späten Nachmittag. Da es stets früh und auch schnell dunkel wird, beginnen wir ab halb sechs damit, nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten. Auf einer Höhe von etwa 430m finden wir schließlich nach 52 Radelkilometern und knapp 700 erklommenen Höhenmetern am Rande eines Ackers ein Plätzchen für die Nacht. Noch vor dem Zeltaufbau gibt es ein 3-Gänge-Menü im Abendlicht: Geschenkte Walnüsse zur Vorspeise, Nudeln mit Dosenbohnen als Hauptgang und Kekse mit Tee zum Nachtisch. Es könnte uns schlechter gehen!Leggi altro

  • Die erste Zeltnacht am İznik Gölü

    12 settembre 2022, Turchia ⋅ ⛅ 19 °C

    Am heutigen Morgen erwartet uns zum Frühstück ein Buffet, was seit Beginn der Corona-Pandemie eher Seltenheitswert hat. Als wir anschließend einkaufen gehen bereitet uns die Tatsache etwas Sorge, dass in sämtlichen Läden vor Ort keine Gaskartuschen für unseren Campingkocher erhältlich sind. Es bleibt also unklar, wie wir am heutigen Abend Gemüse, Nudeln und Teebeutel in einen verzehrfähigen Zustand bekommen. Zu dumm, dass wir uns nicht mit den notwendigen Dingen eingedeckt haben, als wir noch in İstanbul waren. Nun bleibt zu hoffen, dass wir unterwegs noch fündig werden. Als wir zurück im Hotelzimmer unseren Hausstand wieder in den Packtaschen verstaut haben, müssen wir leider feststellen, dass es inzwischen zu regnen angefangen hat. Da es sich auch nicht nur um Nieselregen handelt, vertreiben wir uns noch eine Weile die Zeit auf der Terrasse vor dem Hotel. Tatsächlich reißt am (sehr) späten Vormittag der Himmel auf und wir verlassen den Ort Yalova bei Sonnenschein. An jedem Geschäft halten wir in der Hoffnung an, noch Gaskartuschen zu bekommen, haben jedoch keinen Erfolg. Schon bald lassen wir den Ort hinter uns und es wird ruhiger und landschaftlich schöner. Gleichzeitig wird es aber auch schweißtreibender: Auf den ersten 20km der heutigen Etappe sind 600 Höhenmeter zu bewältigen und die Anstiege sind teilweise biestig steil. In einem kleinen Ort pausieren wir zwischendurch vor einer Moschee und genießen kalte Cola und Sigara Börek. Nach einer steilen Abfahrt erreichen wir schließlich den Ort Orhangazi, der größer und quirliger ist als vermutet. Es keimt direkt wieder die Hoffnung in uns auf, hier vielleicht doch noch die ersehnten Kartuschen zu bekommen. Wir fragen in diversen Geschäften, werden von einem Laden in den nächsten geschickt, ohne Erfolg. Schließlich wird Claudia von einem jungen Mann zu einem kleinen Geschäft geführt, wo zwar keine einzelnen Kartuschen erhältlich sind, wir aber einen kompletten Kocher kaufen können. Juhuuu, wir werden unser Gemüse nicht als Rohkost verzehren müssen und einen Tee wird es auch geben. Nach Verlassen der Stadt führt unser Weg zum İznik Gölü ("İznik-See"), dem fünftgrößten See der Türkei und dem größten in der Marmararegion. Die Dunkelheit naht und so fragt Heiko einen älteren Herrn, der an einem Gebäude, dass vielleicht einmal eine Gaststätte werden möchte, den Rasen mäht, ob wir auf dem Grundstück unser Zelt aufschlagen dürfen. Er und zwei weitere Herren heißen uns willkommen, machen uns vor ihrer Abfahrt noch das Licht am Gebäude an und stellen uns Tisch und Stühle für unser Abendessen zur Verfügung. Um acht Uhr ist es bereits stockfinster, so dass wir uns recht bald im Zelt auf unsere Isomatten begeben.Leggi altro

  • Hotel Beksiti in Yalova

    11 settembre 2022, Turchia ⋅ 🌙 25 °C

    Auf asiatischer Seite radeln wir weiter entlang des Bosporus in südliche Richtung. Einen erfreulich kurzen Abschnitt müssen wir uns in den quirligen Stadtverkehr begeben. Der größte Teil der Strecke lässt sich aber gut radeln, wie ein blaues Band zieht sich ein Radweg am Ufer des Marmara-Meeres entlang. Um kurz vor fünf erreichen wir Pendik, von wo aus wir die Metropole İstanbul verlassen und mit der Fähre nach Yalova übersetzen wollen. Zufällig ist die Uhrzeit unserer Ankunft hier perfekt, nach dem Erwerb der Tickets können wir uns direkt auf die Fähre begeben, die dann auch pünktlich um 17 Uhr ablegt. Nach 45 Minuten Fahrt über das Marmara-Meer kommen wir am Zielort Yalova an, von hier aus radeln wir noch 4km bis zur heutigen Endstation. Zu sehr günstigen Konditionen checken wir im Hotel Beksiti ein, da für das Aufschlagen unseres Zeltes die Gegend nach wie vor deutlich zu städtisch ist. In einem nahegelegenen Lokal essen wir eine Kleinigkeit, dann ist Feierabend...Leggi altro

  • "Kontinent-Hopping"

    11 settembre 2022, Turchia ⋅ ⛅ 28 °C

    Der heutige Morgen beginnt mit einem üppigen Frühstück im Hotel in Gesellschaft einer Katze, die danach aussieht, als wäre nicht selten etwas vom üppigen Frühstück für sie abgefallen. Wir räumen unser Zimmer, Heiko nimmt noch letzte Einstellungen an den Fahrrädern vor und gegen halb elf sitzen wir im Sattel und rollen ostwärts. Unser Weg führt uns durch ein hügeliges Waldgebiet, am heutigen Sonntag gehen viele Familien einer scheinbar äußerst beliebten Beschäftigung nach, dem Picknick. Es sieht oft nach erheblicher logistischer Organisation aus, was die Menschen auf die Beine stellen. Ganze Großfamilien versammeln sich um die mitgebrachten Picknickmöbel und prall gefüllten Kühlboxen.
    Die Straße, die wir entlangradeln ist gesäumt von riesigen Picknickanlagen, laute Musik tönt aus den Lautsprechern und auch für ein Kinderanimationsprogramm ist gesorgt. Gute Plätze für ein reichhaltiges Picknick scheinen sehr gefragt zu sein. Teppiche werden ausgerollt, der Grill angezündet und die Tische mit liebevoll zubereiteten Köstlichkeiten gefüllt. Überall herrscht fröhliche, unbeschwerte Stimmung, wir freuen uns über diesen Anblick gelebter Alltagskultur. Nach einigem Auf und Ab erreichen wir schließlich den Bosporus. An dessen Ufer radeln wir in Richtung des Zentrums von Istanbul. Schön ist es, Abschnitte wiederzuerkennen, die wir im letzten Jahr im Rahmen unseres Yacht-Ausfluges vom Wasser aus gesehen haben. Auch hier herrscht überall buntes Treiben, Angler stehen dicht an dicht und wie sollte es anders sein: Eine Picknickgesellschaft reiht sich an die nächste...! Am letztjährigen Yachtfahrt-Startpunkt begeben wir uns schließlich auch heute wieder an Bord eines Wasserfahrzeuges. Mit der öffentlichen Fähre fahren wir von Beşiktaş nach Üsküdar, was gleichzeitig bedeutet: Wir verlassen Europa und unsere Reise geht fortan in Asien weiter!
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  • Hotel Selini

    10 settembre 2022, Turchia ⋅ 🌙 23 °C

    Zu unserer Freude ist unser Gepäck vollständig in İstanbul angekommen und auch die Fahrräder haben den Flug schadlos überstanden. Ein Stündchen dauert es, bis im Schatten vor dem Flughafengebäude die Räder fahrtauglich hergerichtet und die Packtaschen sortiert sind, aber gegen halb sieben ist es dann endlich soweit: Wir sitzen im Radsattel und rollen los! Für den heutigen Abend stehen 24km auf dem Programm, um unsere vorab gebuchte Unterkunft für die erste Nacht zu erreichen. Es ist bereits dunkel, als wir an dem kleinen Hotel Selini in Kemerburgaz, einem Vorort İstanbuls, ankommen. Sehr freundlich werden wir empfangen, man trägt uns die Taschen ins Zimmer und die Räder erhalten einen sicheren Schlafplatz in einer "Garage". Für heute passiert nicht mehr viel: Dusche, Abendessen, Gepäck sortieren..., freuen auf den morgigen "echten" Urlaubsbeginn!Leggi altro

  • Merhaba İstanbul

    10 settembre 2022, Turchia ⋅ 🌧 18 °C

    Sechs Tage später als ursprünglich geplant machen wir uns auf den Weg nach İstanbul, um unsere Reise fortzusetzen. Früh am Morgen steht unser Flughafen-Shuttle (#DankePapa) vor dem Haus, über die leere A7 erreichen wir entspannt den Flughafen in Hamburg. Wie eigentlich immer gestaltet sich der Eincheck-Marathon etwas nervig, aber irgendwann sind alle Gepäckstücke sowie Fahrräder aufgegeben und wir erfolgreich durchleuchtet. Mit etwas Verspätung startet unser Flug, gegen halb fünf Ortszeit erreichen wir schließlich unser Ziel. Es geht wieder los...Leggi altro

  • Abschied

    19 settembre 2021, Turchia ⋅ ☀️ 24 °C

    Am heutigen Morgen stehen alle Zeichen auf Abschied. Nach dem Früchstück werden die letzten Sachen gepackt und noch ein Abschiedsfoto mit unseren Gastgeberinnen vor dem Eingang des Hotels gemacht. Das vorab bestellte Taxi ist pünktlich vor Ort, deutlich schneller als auf dem Hinweg bringt es uns aus dem Zentrum Istanbuls in Richtung Flughafen. Diese Stadt, die wir nun hinter uns lassen, hat uns nachhaltig in ihren Bann gezogen, uns begeistert und auf eine ganz besondere Art und Weise gefesselt. Die warme Atmosphäre in dieser Metropole am Bosporos, die Einzigartigkeit der Verbindung zweier Kontinente, das bunte Treiben an den Uferpromenaden und auf den Basaren, die monumentale Architektur, die mannigfaltigen Düfte und kulinarischen Köstlichkeiten - all das und noch viel mehr haben wir in den letzten Tagen sehr genossen. Ganz besonders begeistert hat uns das große Herz der Istanbuler für Tiere. Im Reiseführer steht geschrieben: "Tausende herrenlose Hunde und hunderttausende selbstbestimmte Katzen leben in einer einzigartigen Symbiose mit den Meschen Istanbuls." Und tatsächlich haben wir es genauso erlebt. Vor der Hoteltür stehende Katzen werden nicht verscheucht, sondern der eigene Kühlschrank wird geöffnet und das Essen mit ihnen geteilt. An der Uferpromenade wird lachend toleriert, wie die Fellnasen um die Beine der Angler streichen und den einen oder anderen Fisch stiebitzen. Überall scheinen die Vierbeiner willkommen zu sein, wie selbstverständlich dazuzugehören. Vor vielen Häusern steht Wasser und Futter für die Tiere bereit, am Abend treffen wir auf Menschen, die frisches Futter in den Straßen verteilen. Dieses Zusammenleben von Mensch und Tier wirkt so selbstverständlich und dadurch so besonders und gleichzeitig wunderbar. Wir sind uns bereits jetzt sicher, dass wir nicht das letzte Mal in Istanbul waren. Auch unabhängig von unserer Radreise nehmen wir uns vor, wiederzukommen und erneut in das Flair dieses "magischen" Ortes einzutauchen. Für den Moment entfernen wir uns jedoch auf vielspurigen, stark befahrenen Staßen immer weiter vom Puls der Stadt. Am Flughafen angekommen gönnen wir uns ein letztes Mal Baklava und Tee, bevor wir einchecken und unsere Reise beenden bzw. für ein paar Monate unterbrechen...Leggi altro

  • Istanbul VII - Letzter Tag

    18 settembre 2021, Turchia ⋅ ⛅ 26 °C

    Der heutige Tag beginnt getreu dem Motto "Erst die Pflicht und dann die Kür". Nach dem Frühstück steht als erstes die Abholung der Fahrradkartons für die Rückreise auf dem Programm. Einen kurzen Halt legen wir bei der Hagia Sophia ein, damit Heiko noch die gewünschte Besichtigung der Innenräume vornehmen kann. Claudia wartet indes im Schatten eines Baumes vor dem Gebäude und beobachtet das bunte Treiben auf dem Vorplatz. Am Fahrradladen angekommen treffen wir auf Ali, der uns auch direkt erkennt und zwei Kartons präsentiert. Er lädt uns noch zum Tee ein, den er telefonisch bei seinem Bruder ordert. Nur kurze Zeit später erscheint Alis Bruder mit einem Tablett, auf dem er drei Gläser Tee balanciert. Nach einer Plauderei in Tee-Länge schnappen wir unsere Kartons und freuen uns darüber, dass wir sie problemlos in der Bahn transportieren können. Am Hotel angekommen widmet Heiko sich umgehend dem Verpacken der Fahrräder, im Anschluss kaufen wir noch etwas Tee, Gewürze und reichlich köstliche Süßwaren ein. Die letzten Stunden des letzten Tages unserer diesjährigen Reise sollen nun wieder so gestaltet werden, dass sie eines schönen und runden Abschlusses des Istanbul-Besuchs würdig sind. Es zieht uns zunächst hinunter ans Wasser, wo wir an der Uferpromenade des Bosporus entlangschlendern und die entspannte Atmosphäre auf uns wirken lassen. Familien picknicken auf den Wiesenstreifen, Angler stehen dicht an dicht am Ufer, Düfte von Tee und Gegrilltem ziehen vorbei, Katzen toben durch das emsige Treiben, kleine Boote und große Schiffe schaukeln im Abendlicht auf dem Wasser. Wir verlassen schließlich das Ufer und schwenken Richtung Stadt, um unser Vorhaben in die Tat umzusetzen, ein weiteres Mal die Süleymaniye Moschee zu besuchen und hier bei Sonnenuntergang und der einen oder anderen Leckerei den letzten Abend zu genießen. Bereits auf dem Weg zum angepeilten Ziel lässt sich erahnen, dass unser Plan nicht ganz aufgehen wird. Dunkle Wolken ziehen auf, die unsere Vorfreude zunächst etwas trüben. An der Moschee angekommen müssen wir zwar tatsächlich auf kitschiges Abendlicht verzichten, bekommen aber stattdessen ein anderes spektakuläres und extrem stimmungsvolles Naturschauspiel geboten. Eine mächtige, fast bedrohlich wirkende schwarze Wolkenwand schiebt sich über das Goldene Horn, der gleichzeitig auffrischende Wind bei ansonsten milden Temperaturen ist ein weiterer Vorbote des nahenden Sommergewitters. Fasziniert stehen wir auf dem Vorplatz der Moschee und werden Zeugen der dramatischen Szenerie. Grelle Blitze zucken am Himmel, krachend ist der Donnerschlag zu hören, die dunklen Wolkentürme wälzen sich eindrucksvoll vorbei. Während dieses Spektakels ist es die meiste Zeit trocken, nur wenige Minuten ist es erforderlich, unter dem Dach der Moschee Schutz vor dem Regen zu suchen. Euphorisiert von diesem Erlebnis und mit unfassbar vielen Bildern und Videos im Gepäck sowie einem inzwischen ausgewachsenen Hunger steuern wir wie schon bei unseren letzten Besuch das Lokal "Tiffany's Burger" an. Der deutsch sprechende Inhaber kann uns zwar nicht den erhofften Burger anbieten, aber auch das Kuru Fasulye, ein türkischer Bohneneintopf, schmeckt uns hervorragend. Abgerundet wird der Abend mit köstlichem Tiramisu für Heiko und dem bereits getesteten und als ausgesprochen lecker befundenen San Sebastian Cheesecake für Claudia. Zu Fuß geht es schließlich zurück zum Hotel, unterwegs wird noch reichlich Baklava als Wegzehrung für den morgigen Abreisetag erworben. Wir packen noch unsere sieben Sachen, bevor für uns die letzte Nacht in der Türkei anbricht.Leggi altro

  • Istanbul V- Zwischen den Kontinenten

    17 settembre 2021, Turchia ⋅ ☀️ 25 °C

    Wir verlassen das französische Viertel und durchqueren auf unserem Weg zur Hauptstraße am Bosporus die alte und gebrauchte Welt auf der Antiquitätenmeile. Im Stadtteil Tophane angekommen passieren wir die ehemalige Kanonengießerei des Sultans, die heute Ausstellungen der Istanbuler Kunstakademie beherbergt. Ohne Zwischenstop ziehen wir aber weiter in Richtung des Istanbul Modern, dem Museum mit der größten Sammlung türkischer Malerei. Uns Banausen lockt jedoch weniger die Kunst, sondern vielmehr das im Reiseführer beschriebene Café auf der Terrasse des Museums mit einem der angeblich schönsten Blicke auf den Bosporus und die Silhouette der Stadt. Leider müssen wir feststellen, dass das Museum an dieser Stelle nicht mehr existiert und uns entsprechend auch der Terrassenbesuch verwehrt bleibt. Der Ausblick wäre aber ohnehin durch die vielen umliegenden Baustellen getrübt worden. Entlang des Uferstreifens entsteht das sogenannte Galataport-Projekt, das dem historischen Hafengebiet neuen Glanz verleihen und ein neues Kreuzfahrtterminal umfassen soll. In dennoch freudiger Erwartung anderer Ausblicke aus ganz neuer Perspektive steuern wir also nun direkt unser nächstes Ziel an. Quer durch die staubige Baustellenlandschaft bahnen wir uns den Weg zum Schiffsanleger, um eine bereits am gestrigen Tag gebuchte Bosporusfahrt zwischen den Kontinenten Europa und Asien auf einer Yacht anzutreten. Nach der primären Annahme, dass wir früh dran sind und noch einen Kaffee trinken können, merken wir Trottel aber bald, dass wir dummerweise am falschen Anleger stehen...! Die zwei Kilometer zum korrekten Treffpunkt müssen wir nun ziemlich flott marschieren, um rechtzeitig vor Ort zu sein. Gemeinsam mit den weiteren Gästen gehen wir schließlich um 17 Uhr an Bord der Yacht, die uns zunächst entlang des europäischen Ufers von Istanbul in Richtung Schwarzes Meer schippert. Wir sitzen in einer gepolsterten Sitzgruppe der Yacht, der Kellner uns bei seiner ersten Runde mit Knabbereien in Form von Nüssen versorgt. Im Verlauf der Fahrt folgen Baklava, Limonade, Obst, Tee..., etwas dekadent, was wir uns hier und heute gönnen, vor allem aber auch sehr schön! Es geht vorbei an diversen Luxus-Hotels sowie dem Stadtteil Beşiktaş mit seinem bekannten Fußballstadion und dann dauert es auch nicht mehr lange bis wir die Erste Bosporusbrücke (Boğazıçi Köprüsü) erreichen. Während der ganzen Fahrt bekommen wir in äußerst angenehmer und fachkundiger Art und Weise gezeigt und erläutert, was es am vorbeigleitenden Ufer zu sehen und bestaunen gibt. Kurz vor der Zweiten Bosporus-Brücke (Fatih Sultan Mehmet Köprüsü) bietet sich ein toller Blick auf die Mauern und Türme der "Europäischen Burg" (Rumeli Hisarı), der noch eindrucksvoll verstärkt wird durch einen großen, um die Burg kreisenden Vogelschwarm. Wir lassen die Brücke noch hinter uns, kehren aber bald darauf um und fahren nun im Abendlicht entlang des asiatischen Ufers zurück in Richtung Süden. Es geht vorbei an sündhaft teuren Residenzen und Palästen, während wir in entgegengesetzter Richtung unter den Bosporusbrücken entlanggleiten. In der Ferne thront gut sichtbar auf einer Hügelkuppe die 2019 eröffnete gigantische Çamlıca-Moschee, die mit einer Kapazität für 63000 Gläubige als die größte Moschee des Landes und zudem als Prestigeprojekt des Präsidenten Erdogan gilt. Zum Abschluss der Tour wird es dann schließlich noch wunderschön kitschig: In Fahrtrichtung haben wir einen herrlichen Blick auf die Silhouette der Stadt im Sonnenuntergang, das perfekte Motiv für eine Fototapete...! Der Kapitän fährt noch ein gutes Stück stadteinwärts mit uns, so dass wir noch einige bereits landseitig besuchte Sehenswürdigkeiten von der Wasserperspektive aus entdecken können. Es ist bereits dunkel, als wir den Anleger erreichen und sehr zufrieden und mit vielen neuen Eindrücken in Kopf und Kamera "unsere" Yacht verlassen. In einem Fischrestaurant unterhalb der Galata-Brücke am Goldene Horn lassen wir den Abend lecker (und teuer...) ausklingen.Leggi altro