• Marvin van der Grinten
  • Marvin van der Grinten

Transafrika Westroute

Petualangan 335-sehari oleh Marvin Baca selengkapnya
  • Tag 98, 26 Km/14128 Km

    5 Desember 2024, Pantai Gading ⋅ 🌙 24 °C

    Wir brechen am Morgen zu dritt auf in Richtung 'Dent de Man', einem eindrucksvollem Berg direkt vor den Toren der Stadt. Es gibt einen Wanderweg einmal rund um den Berg incl. Gipfeletappe. Schon vorher hatte ich gehört und gelesen, dass das Dorf, von dem die Wanderung startet nicht angenehm für Touristen ist. Wir sind also auf alles vorbereitet. Schon vor der Einfahrt in das Dorf winkt uns ein Typ am Straßenrand heran und fragt uns, ob wir die Rundwanderung machen möchten. Er könnte uns auf den Berg führen, würde uns einen sicheren Parkplatz vor seinem Haus anbieten. Außerdem wäre es im Dorf alleine ohne Führer nicht ungefährlich, also würde er uns begleiten. Für diesen Service möchte er 30€ haben. Wir handeln ihn auf 22€ runter und willigen ein. Er sagt, dass der Dorfchef für die Nutzung der Straßen zu Fuß nochmal pro Person 3€ kassieren wird. Auch damit sind wir einverstanden. So geht es also mit unserem Führer durch das Dorf. Die Stimmung ist leider total unangenehm, jeder fragt nach Geld. Am Dorfplatz sitzen rund 10 Männer, trinken harten selbstgebrannten Alkohol aus Wassergläsern. Es ist ja nunmal auch schon 10:00 Uhr am Donnerstag Morgen und da die Herren keine Kostüme tragen, ist offenbar auch gerade kein Altweiber, wo ich es noch verstanden hätte, wieso am frühen Morgen Alkohol getrunken wird. Keiner der Anwesenden ist freundlich, wir werden mit "Wer Weiß ist, muss hier im Dorf zahlen" begrüßt. Unser Guide ext noch schnell ein Wasserglas voller Schnaps und fragt dann, ob wir ihm ein Wasser kaufen. "Klar, kein Problem. Ziehen wir aber von der vereinbarten Summe ab." Ohne sein Wasser starten wir. Auf dem letzten Stück raus aus dem Dorf steht noch ein weiterer Mann und sagt, wir müssten jeder 2€ zahlen. "Wieso?" frage ich ihn. Er antwortet sofort aggressiv: "Wieso, fragst du mich? Weil du durch mein Dorf läufst!" Ich bin zum ersten Mal etwas angefressen und frage mich, wozu ich eigentlich einen Guide habe, der genau solche Situationen verhindern wollte. Nach einer kurzen Diskussion mit unserem Guide geht es ohne zu zahlen weiter. Die Wanderung dauert laut unserem Profibeschützer eine Stunde, die Zeitangabe im Internet sagt 3-4 Stunden. Es geht rauf auf den Berg, der Weg ist steil und extrem anstrengend, insbesondere mit der noch nicht ganz auskurierten Typhuserkrankung. Auf dem Anstieg frage ich mich, wieso ich mir das überhaupt antue. Ich könnte auch unten in der Stadt irgendwo in einem klimatisierten Café sitzen und mir einen schönen Film von Reinhold Messner ansehen, wie er einen 8000er besteigt. Stattdessen kletter ich hier bei 32 Grad selber irgendeinen Berg hoch und wieder runter und das, obwohl es oben nicht mal eine Hütte mit Weißbier und Würstchen gibt. Wir klettern wieder runter, beenden die Wanderung nach fast 6 Stunden und kommen ins Dorf zurück. Direkt am ersten Haus stehen drei Männer und verlangen 2€ pro Person für die Nutzung des Weges. Davon war bislang nicht die Rede und wir sind nicht bereit, irgendetwas zu zahlen. Die Stimmung kippt, es wird auf beiden Seiten laut. Ich stelle unseren Führer zur Rede, da ich der einzige bin der französisch spricht. Den ganzen Tag hätte er uns davon erzählt, dass wir am Nachmittag noch einmal für den Rückweg zahlen müssen. Nach einer endlosen Diskussion zahlt er schließlich die Summe von seinem vereinbarten Honorar. Als wir schließlich am Auto sind, sein Honorar gezahlt haben und fahren wollen, stellt er sich vor das Auto und sagt zu uns: "Ich bekomme noch 6€ von euch. Hab ich gerade vorgestreckt und euch geliehen." Ich frage mich ernsthaft, ob ich im falschen Film bin. Glücklicherweise steht das Auto schon so, dass ich wegfahren kann, was dann auch ohne Zahlung geschieht. Etwas mulmig ist mir dabei doch. Im Dorf kennt jeder jeden und wer weiß, was am Dorfausgang noch so lauert. Bis auf an der Straße herumlungernde Männer die uns durch das offene Fenster zuschreien, dass wir verschwinden sollen passiert glücklicherweise nichts.
    Natürlich muss es auch solche Erfahrungen geben, trotzdem ist die Erfahrung am ersten Tag in der Elfenbeinküste kein guter Einstieg. Immerhin hatte die Wanderung einen positiven Aspekt. Nach 6 Stunden im Wald wurde ich von keinem einzigen Insekt gestochen.
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  • Tag 99, 11 Km/14139 Km

    6 Desember 2024, Pantai Gading ⋅ ⛅ 33 °C

    Nach vielen Wochen ist es mittlerweile absolut überfällig das Auto zu reinigen. Mittlerweile kann ich auf dem Sitz anhand des Dreckes sehen, in welchen Bereich ich am meisten gesessen habe. Alles, wirklich alles im Auto ist von einer feinen Staubschicht bedeckt. Die Innenraumreinigung dauert 4 Stunden. Ich finde am Mittag ein Restaurant, welches zur Abwechslung nicht nur Reis mit Fisch anbietet. Es gibt auch Fisch mit Pommes. Ich fahre zur Waschanlage, wo das Auto mit Schwamm, Waschpulver und Gartenschlauch von Hand für 2€ 30 Minuten lang geschrubbt wird. Außerdem finde ich einen Supermarkt, dessen Angebot fast eigentlich nur aus Alkohol besteht. Auch wenn ich davon jetzt reichlich habe, hätte ich mir Käse, Fleisch oder Süßigkeiten gewünscht. Immerhin gab es Joghurt, das einzige nicht alkoholische Produkt welches gekühlt wurde. Am Abend reparieren ich die Füllstandssensoren der Bremse. Der Stellplatz in der Ecke des Krankenhauses von Man eignet sich dazu hervorragend und auch wenn immer mal wieder einer der Einwohner am Auto vorbeigeht und guckt, werde ich hier glücklicherweise größtenteils in Ruhe gelassen.Baca selengkapnya

  • Tag 100, 340 Km/14479 Km

    7 Desember 2024, Pantai Gading ⋅ ☁️ 33 °C

    Tag 100. In der Nacht bekomme ich kein Auge zu, es ist Freitag und an der Straße zum Krankenhaus wird getrommelt. Die Vibrationen der Trommeln spüre ich bis auf die Matratze. Als ich um 07:00 aufstehe, ist die Trommelparty noch immer nicht beendet. Übermüdet starte ich in Richtung Yamoussoukro, der Hauptstadt der Elfenbeinküste. Die Straße von Man nach Yamoussoukro ist erstklassig, es gibt kein einziges Schlagloch. Leider hat der Defender heute wieder massiven Leistungsverlust, den Luftfilter hatte ich zwar gereinigt, aber nur mit Wasser statt mit Lösungsmittel. Zwischendrin hab ich immer mal wieder das Gefühl, dass der Motor ausgehen könnte, also muss ich da am Abend noch einmal ran. Kurz hinter Man gibt es zwei berüchtigte Polizeikontrollen und jetzt in der Vorweihnachtszeit besteht das Risiko, aufgrund von fehlendem Geld und notwendigen Geschenken an einem dieser Checkpoints für irgendetwas heftig zahlen zu müssen. An beiden Checkpoints stehen vermummte, schwarz gekleidete Männer mit Maschinengewehren und Nagelbrettern. In den letzten Wochen bin ich bei allen Checkpoints, bei denen kein Fahrzeug bzw. kein Motorrad zu sehen war einfach weitergefahren. Die erhobene Hand als Zeichen zum Stoppen habe ich grüßend ebenfalls mit erhobener Hand erwidert. An den beiden Checkpoints jetzt hier halte ich wohl besser dann mal an. Auch wenn die Kontrollen intensiv sind, sind beide mit etwas Diskussion am Ende problemlos.
    Rund 100 Kilometer vor Yamoussoukro führt die Asphaltstraße durch eine Stadt, in der Wellblechhütten von der Straße nach links und rechts bis zum Horizont zu sehen sind. Städte wie diese gab es bisher zu Hauf auf der Reise. In dem Bereich, wo links und rechts die Straße endet, fällt die Böschung ca. einen Meter sandig ab, dahinter beginnen die besagten Wellblechhütten. Ich sehe von weitem zwei Männer kniend in dem Bereich zur Straße, einer trägt einen Motorradhelm, der zweite einen Schal im Gesicht. Im ersten Moment denke ich, es hätte vielleicht einen Unfall gegeben und die beiden liegen deswegen am Straßenrand. Auf der Gegenspur hält genau in diesem Moment ein moderner Reisebus. Die beiden Männer springen auf, rennen in einer gebückten Haltung auf die andere Straßenseite und ich frage mich noch kurz, was hier gerade vor sich geht, in dem Moment wo ich wenige Sekunden später an dem Bus vorbeifahre wird es mir klar. Die beiden rauben den Bus bzw. die aussteigenden Passagiere aus. Ich kann nur noch im Rückspiegel erkennen, wie die Zwei auf die wenigen Ausgestiegen treffen und sehe auch noch einen weiteren Passanten an der Straße, der in diesem Moment die Szenerie auch etwas ungläubig mit ansieht. Das Überfälle in der Elfenbeinküste passieren, war mir klar, dass dies mitten am Tag auf der Hauptstraße in einer belebten Stadt passiert, hätte ich nicht gedacht. Polizei ist weit und breit nicht zu sehen, die sind alle ein paar Kilometer vorher damit beschäftigt, die Leute im Straßenverkehr mit Nagelbrettern zu drangsalieren.
    Dank der Schnellstraße komme ich immerhin bereits am Mittag in Yamoussoukro an. Der ehemalige Präsident hat hier das Dorf mit ursprünglich 500 Einwohnern, in dem er geboren ist, zur Hauptstadt erklärt. Es gibt 6-spurige Straßen auf denen sporadisch mal ein Auto fährt. Die Einwohnerzahl pro Quadratmeter ist 10-mal weniger als in Düsseldorf. Selbst Nebenstraßen sind 4-spurig und so genieße ich die erste Stadt in Afrika, die freie Fahrt bietet.
    Natürlich darf in der Hauptstadt ein Prunkbau nicht fehlen, also besichtige ich die Kathedrale, welche eine der größten auf der ganzen Welt ist. Die Fenster sind aus französischem Buntglas, im Innenraum gibt es klimatisierten Sitzplätze für insgesamt 11.000 Personen.
    Ich finde am Nachmittag einen Supermarkt, der endlich und nach vielen Wochen als ein solcher bezeichnet werden kann und alles bietet, was Supermärkte in Europa auch anbieten. Endlich ist der Kühlschrank wieder voll!
    Nach der Besichtigung von Kirche und Supermarkt suche ich am Abend einen Übernachtungsplatz, frage an der Kathedrale ob ich auf dem Parkplatz stehen darf. Zuerst heißt es ja, doch der Chef entscheidet anschließend, dass das doch nicht geht. Immerhin treffe ich auf zwei mir bekannte Reisende, die auch einen Schlafplatz suchen. Im Stadtzentrum gibt es ein französisches Restaurant, wir fragen den Besitzer und er willigt ein, dass wir die Nacht auf dem Restaurantparkplatz stehen dürfen, wenn wir im Restaurant essen. Ein guter Deal. Ich reinige noch schnell und gleichzeitig gründlich den Luftfilter, als plötzlich 10 schwarze Limousine auf den Hof fahren. Der Landwirtschaftsminister kommt zum Abendessen. Während er mit seiner Entourage isst, schießen seine Security mit mir Fotos. Noch nie haben sie jemanden gesehen, der mit dem Auto bis in die Elfenbeinküste gefahren ist. Der Minister ist mit vollem Magen weniger beeindruckt. Immerhin grüßt er freundlich.
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  • Tag 101, 287 Km/14776 Km

    8 Desember 2024, Pantai Gading ⋅ ☁️ 28 °C

    Ich verlasse Yamoussoukro am Vormittag in Richtung Abidjan. Zwischen den beiden Städten gibt es durchgehend einen vierspurigen Highway. So etwas hatte ich seit Marokko nicht mehr, wenn auch der Highway hier mit Schlaglöchern durchzogen ist. Auf der gesamten Strecke gibt es immer wieder Personen, die ganze Bananenstauden verkaufen. Ich frage mich, wer die ganzen Bananen essen soll, würde ich eine der Stauden kaufen, wäre das Auto voll.
    Die Motorleistung ist glücklicherweise wieder hergestellt und ich hab das Gefühl als würde ich mittlerweile wieder einen Rennwagen fahren.
    Die Stadt Abidjan taucht auf und es wird hektischer. Auch wenn nicht die Hauptstadt, ist Abidjan das wirtschaftliche Zentrum der Elfenbeinküste. Der Highway gabelt sich an einer Stelle und das Navi schickt mich rechts in einen der Vororte, großer Fehler. Die Straßen sind voller Fahrzeuge, dazwischen Obdachlose und Drogenabhängige. Was ein Drecksloch und ich mit deutschem Kennzeichen mittendrin. Mein Gespür sagt mir: raus hier. Im Stau gibt es eigentlich nur zwei Varianten: aggressiv drängeln und einen Blechschaden riskieren, oder keinen Meter vorankommen. Hupend, spurwechselnd und drängelnd komme ich schnell wieder auf den Highway. Immerhin bekomme ich im Stau bei einem der Händler Bananenchips für 70 Cent.
    Ich habe kein Interesse, die Stadt zu besichtigen oder auch nur eine Minute länger zu bleiben als notwendig, also verlasse ich Abidjan in Richtung Grand-Bassam.
    In Grand-Bassam suche ich einen Stellplatz für die Nacht. Ich frage zunächst bei einem Restaurant am Ortsausgang. Hier lässt man mich übernachten, der Restaurantparkplatz hat jedoch genauso viel Charme wie ein Obdachlosenheim in Indien. Schon beim Aussteigen werde ich von Kindern und Verkäufern belästigt. Das Restaurant schließt um 19 Uhr, ich will gar nicht wissen wie es dann wird. Ich frage bei drei Hotels in der Nähe doch niemand willigt ein. Die Sicherheitslage sei nicht entsprechend, höre ich. Es gab vor 8 Jahren einen schweren Terroranschlag durch Al-Qaïda direkt am Strand dieser kleinen Stadt und ein im Auto schlafender Tourist passt vielleicht auch dadurch nicht ins Bild. Im letzten Hotel, dem 'Place to be' der Stadt, bietet man mir schließlich ein Zimmer an. Mangels Alternative gebe ich auf, es gibt also für mich heute wieder eine warme Dusche und ein richtiges Bett. Schließlich entscheidet es auch ein bisschen der Zapfhahn in der Hotelbar, den ich schon beim Betreten des Hotels entdecke. Bier vom Fass gab es seit der Abreise nicht mehr.
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  • Tag 102, 50 Km/14826 Km

    9 Desember 2024, Pantai Gading ⋅ ☁️ 29 °C

    Nach einer guten Nacht laufe ich am Vormittag durch die Altstadt von Grand-Bassam. Sobald man das schwer bewachte Areal des Hotels verlässt (die Security am Parkplatz tragen Maschinengewehre) beginnt der Kampf. Fliegende Händler mit Armbändern und Kokosnüssen und selbsternannte Touristenführer mit zerrissener Kleidung belagern mich im Minutentakt. Die alten Kolonialgebäude der Stadt sind schön, aber leider total heruntergekommen und kurz davor zu verfallen. Ich laufe am Strand zurück und frage mich ernsthaft, wieso Grand-Bassam als der Hotspot für Tourismus der Elfenbeinküste zählt. Der Strand ist unglaublich dreckig und dazu von Erosion schon soweit abgetragen, dass Sandsäcke aufgestapelt werden mussten. Die Wellen sind heftig, an schwimmen ist nicht zu denken. Dazu die ständige Belästigung der Händler. Die Hotels haben zum Strand hin Seile gespannt, bis dorthin dürfen die Händler gehen. Die einzelnen Touristen, die auf den Liegen hinter der Absperrung liegen und von Sicherheitsleuten bewacht werden, müssen sich der Dauerbeschallung der Händler erwehren. Eigentlich wollte ich ein paar Tage hier verbringen aber ich könnte mir eigentlich fast keinen schlechteren Ort vorstellen. Also versuche ich mein Glück einen Ort weiter in der Stadt Assinie-Mafia. Schon alleine der Name klingt besser. Im ersten Hotel, welches ich ansteuere lässt man mich kostenfrei auf dem von Palmen umgebenen Hof übernachten, wenn ich im Hotelrestaurant zu Abend esse. Der Strand ist sauber und schön, keine Händler und keine Erosion. Gutes Essen runden den Ort ab. Ein paar Tage Erholung werden gut tun.Baca selengkapnya

  • Tag 103, 0 Km/14826 Km

    10 Desember 2024, Pantai Gading ⋅ ☀️ 30 °C

    Ich verbringe den Tag damit, den Strand von Assinie-Mafia zu genießen. Die Wellen sind weiterhin derart hoch, dass an Baden auch heute nicht zu denken ist. Dafür wird man durch einen kilometerlangen weißen Sandstrand entschädigt, der in beide Richtungen soweit geht, wie man schauen kann. Die unzähligen Palmen ziehen sich bis an den menschenleeren Strand. Wäre dieser Strand in Europa, wären hier unzählige Hotels, Restaurants und Touristen. So, bin ich ziemlich alleine (mit Ausnahme meiner beiden Reisebegleiter, die ich am Nachmittag hierher lotse).
    Eigentlich wollte ich ursprünglich morgen weiter nach Ghana reisen, die Grenzen waren aufgrund der Wahl in Ghana in den letzten Tagen geschlossen, die Situation ist allerdings ruhig und die Grenzen wieder geöffnet, also habe ich aktuell keinen Druck und werde somit noch einen weiteren Tag hier verbringen.
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  • Tag 104, 0 Km/14826 Km

    11 Desember 2024, Pantai Gading ⋅ ☀️ 30 °C

    Zweiter Strandtag in Folge. Außer essen und ein Stück am Strand entlang laufen passiert nicht viel. Ich plane die nächsten Wochen, morgen geht es über die Grenze nach Ghana. Da Ghana größtenteils christlich ist, bietet sich ein Zwischenstopp über die Feiertage an. Dies ist mein letzter Tag in der Elfenbeinküste und tatsächlich bin ich ein bisschen froh, das Land morgen zu verlassen. Auch wenn sich die letzten 3 Tage eher wie Südeuropa statt wie Afrika angefühlt haben, hatte ich hier und da schlechte Erfahrungen. Bevor es im neuen Jahr in das zweite von insgesamt drei schwierigen Stücken der Reise geht, werde ich mit dem Stück zwischen Ghana, Togo und vielleicht auch noch Benin vermeintlich einfache und sicherer Reiseländer vor mir haben.Baca selengkapnya

  • Tag 105, 192 Km/15018 Km

    12 Desember 2024, Ghana ⋅ ⛅ 29 °C

    Ein bisschen wehmütig verlasse ich am Morgen Assinie-Mafia, war dieser Ort tatsächlich der vielleicht entspannteste Ort der Reise. Auf dem letzten Stück durch die Elfenbeinküste durchquere ich eine riesige Palmenplantage. Die Datteln, welche zu Öl verarbeitet werden, werden von LKW zu Tausenden aus dem Palmenwald gefahren. Rund eine Stunde dauert es, die Palmenplantage auf einer guten Straße zu durchqueren. Leider musste der Urwald auch hier, wie fast überall in der Elfenbeinküste der Industrie weichen. Ich komme schließlich an der Grenze an, alles andere als ein ruhiger Ort. Zwischen der Elfenbeinküste und Ghana muss ich den Pass wechseln, was mir ein bisschen Sorgen bereitet. Zwei Reisepässe zu haben ist in vielen Ländern illegal und es besteht das Risiko, bei der Einreise in Ghana nach dem Ausreisestempel der Elfenbeinküste gefragt zu werden (welcher dann im anderen Pass ist). Ich betrete das erste Büro, muss direkt Carnet und Reisepass abgeben und denke noch: "Wow, nur ein Büro für beides!" bis ich sehe, dass der Herr keinen Stempel hat. Danach werde ich von oben nach unten, vor und zurück geschickt bis ich an einem Fenster ankomme wo ich endlich einen Stempel sehe. Manchmal betrete ich einen Raum in dem irgendetwas gemacht wird wie z.B. mich nach meiner WhatsApp-Nummer oder nach meinem Beruf zu fragen, am Ende weiß ich dann nicht so richtig welchen Zweck dieses Büro hatte. Die Dame, die meinen Pass ausstempelt steht hinter dickem Panzerglas, es gibt einen winzigen Schlitz - kaum größer als der Pass - in Hüfthöhe. Jedes Mal, wenn einer von uns beiden etwas sagen möchte, müssen sich beide an den Schlitz bücken um zu sprechen. Die Situation hätte Potential für einen Schwarzweiß-Film mit Charly Chaplin. Als ich schließlich beim Zoll ankomme, sehe ich eine riesige Schlange von LKW und Bussen. Die LKW müssen ihre komplette Ladung ausräumen und auf dem Hof aufstapeln, die Passagiere der Busse ihr gesamtes Gepäck öffnen und präsentieren. Ich gehe direkt durch zum 'Chief de Douane', bekomme zügig meinen Stempel und rase über die Brücke und den Fluss nach Ghana, bevor jemand auf die Idee kommt, mein Auto zu durchsuchen.
    Bei der Einreise nach Ghana sehe ich zum ersten Mal statt der sonst üblichen Bücher Computer. Es gibt sogar einen Scanner um den Pass einzuscannen. Bereits jetzt merke ich, wieso Ghana als eine der besten Wirtschaften Afrikas zählt. Leider gerate ich bei der Passkontrolle an einen Pingel. Ich lege den Zweitpass hin, versuche ihn mit Smalltalk abzulenken was auch erst ganz gut gelingt, dann fragt er mich dennoch, wo mein Ausreisestempel aus der Elfenbeinküste ist. "Im Zweitpass. Ich muss den Pass zur deutschen Botschaft bringen und dort abgeben, deswegen habe ich zwei" lüge ich. Er möchte den zweiten Pass sehen, glaubt mir meine schnell erfundene Geschichte und lässt mich einreisen, damit ist der letzte Grenzübertritt im diesem Jahr geschafft.
    Ich kann nicht sagen wieso, aber die ersten Kilometer im Ghana fühlen sich sicherer an als alles andere zwischen Senegal und hier. Nach rund 50 Kilometer kommt der erste Checkpoint, Pass und Carnet werden gesichtet. Nachdem alles geprüft wurde sagt man mir, ich kann weiterfahren, als von der Seite ein zweiter Polizist dazu kommt. "Motor aus, hier parken, aussteigen und rein zum Chef". Der Chef, 50 Kilo zu schwer für seine Größe, schwarze Uniform mit auf der Brust aufgedruckter Blutgruppe, Pistole im Halfter, Kurzhaarschnitt und um die 40 Jahre alt, sitzt an einem Schreibtisch und telefoniert. Während er mit mir spricht schaut er kein einziges Mal von seinem Smartphone nach oben. Er will das Carnet sehen und auch meinen Pass. Fragt mich unfreundlich was ich hier mache und wieso ich nicht geflogen bin. "Was ist in deiner Tasche" will er wissen. Schließlich beendet er das Gespräch mit dem Satz: "What do you have for me?". Ich antworte nüchtern, wie bereits hunderte Male auf dieser Reise: "Oh sorry I don't have anything for you". Der Beamte hebt zum ersten Mal seinen Blick vom Handy und starrt mir wortlos und ernst in die Augen. "Na gut, ich hab Süßigkeiten im Auto. Hole ich eben." Ich gebe ihm eines der kleinen Pakete Gummibärchen, die ich seit Deutschland dabei habe, doch die will er nicht. Ich soll zuerst eins essen, was ich dann auch tue. "Meine Frau ist hier am Telefon." Er dreht sein Smartphone und ich sehe seine Frau, die von der Figur her zu ihm passt. "Wenn ich das esse und tot umfalle hast du ein Problem" sagt er. Er ruft seine beiden Kollegen von der Straße, beide müssen auch zuerst probieren und natürlich fällt keiner tot um. Jetzt ist der Chef dran das Weingummi zu probieren aber eigentlich ist kaum mehr etwas in der Tüte. Ich gehe also zum Auto, schenke ihm noch eine zweite Tüte und darf schließlich endlich weiterfahren. Reisende, die mir ein paar Tage voraus sind lotsen mich zu einem kleinen Restaurant an einem Strandabschnitt. Der Platz ist wirklich traumhaft, ich stehe im Schatten der Kokospalmen direkt am Strand. Auch hier gilt wieder: Abendessen im Restaurant, dafür kostenfrei übernachten. Also gibt es am Abend gegrillten Barracuda mit Kochbananen und Pommes für 12€.
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  • Tag 106, 0 Km/15018 Km

    13 Desember 2024, Ghana ⋅ ⛅ 29 °C

    Am frühen Morgen, ich hab den ersten Kaffee noch nicht ganz fertig, kommen zwei Herren mit Kettensäge zu meinem Auto. "Wir müssen hier eine der Palmen fällen, ok?" "Äh, ja. Ist okay, klar!" Dass die beiden dann die Palme fällen, die 3 Meter neben dem Auto steht war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, immerhin stürzt die Palme 10 Sekunden später zur richtigen Seite. Versichert sind die beiden mit zerrissenen Shirts bestimmt auch, falls die Palme zur Fahrzeugseite gefallen wäre. Während die beiden mit der Kettensäge die Palme direkt vor Ort in Streifen schneiden, bekommen wir immerhin die Kokosnüsse, die noch in der Palmenkrone hängen. Kurze Zeit später kommt Paul der Restaurantbetreiber zu mir, am Strand liegt der Fisch für das Mittag- und Abendessen und ich soll mir einen aussuchen. Einen Barracuda gibt es leider nicht, aber immerhin Hummer und diverse andere Speisefische. Für den unschlagbaren Preis von 8€ nehme ich zwei Hummer und einen Fisch. Ich verbringe den restlichen Tag damit, mich weiter zu erholen, die Anstrengung der letzten Wochen ist noch immer deutlich zu spüren und ich schaffe es nicht, mich zu irgendetwas zu motivieren. Dennoch muss ich mich so langsam in Richtung Accra, der Hauptstadt Ghanas aufbrechen, da hier noch zwei weitere und hoffentlich finale Behördengänge anstehen und rund um Weihnachten und Neujahr sicherlich alles geschlossen hat. Das Sightseeing an der Südküste Ghanas wird somit auf die Feiertage vertagt.
    Die 'Reisegruppe', die sich gestern am Strand verabredet hat wird sich morgen früh wieder auflösen. Somit essen wir in dieser Konstellation vermutlich zum letzten Mal gemeinsam zu Abend.
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  • Tag 107, 159 Km/15177 Km

    14 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 31 °C

    Am Morgen ist die Luftfeuchtigkeit dermaßen hoch, dass das Wasser im Hubdach an der Innenseite die Wände herunterläuft. Eigentlich ist alles im Dach klamm, Matratze, Kissen, Decke. Es wird Zeit, alles zu waschen. Bevor ich aufbreche erhalte ich 'Post' aus Deutschland. Eine wunderschöne Weihnachtskarte (in digitaler Form) einer meiner Leserinnen aus der Heimat.
    Ich fahre am Vormittag in Richtung Accra, die Straße ist die ersten 80 Kilometer super und wird dann zu einer Schlaglochpiste, wie ich sie seit Senegal nicht mehr gesehen habe. Ein Monster-Schlagloch folgt dem Anderen und in dem kurzen Stück wo wie durch ein Wunder mal kein Schlagloch ist, gibt es Hubbel. Ich brauche für die ersten 80 Kilometer eine Stunde, für die zweiten 80 Kilometer fast vier. Die Hitze, der Staub, die unzähligen LKW, der Lärm und die schlechte Straße sorgen dafür, dass ich ziemlich schnell genug habe. Potenziell eignet sich der Vormittag bei mir für einen Amoklauf. Tatsächlich gibt es Tage, an denen ich von 'all dem' genug habe, heute gehört dazu.
    Ich sehe auf dem Weg Einheimische, die eine weiße Masse in Plastiksäcken verpackt aus dem Urwald holen - Kautschuk aus den unzähligen Kautschukplantagen. Die Kautschuk-Masse stinkt unglaublich widerlich, so als hätte man sich vier Wochen die Zähne nicht geputzt. Ich kann oft schon hunderte Meter vorher riechen, dass eines der Tuktuks auf der Straße die Masse geladen hat.
    Als ich durch die Stadt Shama Junction fahre, gerate ich in eine Demonstration. In der letzten Woche gab es Wahlen in Ghana und die unterlegene Opposition hat zum Protest aufgerufen. Glücklicherweise bleibt es friedlich, während ich durch die auf der Straße tanzende Menge fahre.
    Auf einem schlechten Streckenabschnitt sehe ich, wie ein LKW auf die Seite gekippt ist. Der LKW hat Kraftstoff geladen, der jetzt herausläuft. Der Sand, auf dem der Tank liegt ist durch den Kraftstoff bereits hunderte Meter vorher schwarz gefärbt. Es hat sich eine Menschentraube von mehreren hunderten Zivilisten um den LKW gebildet und man versucht den auslaufenden Kraftstoff mit Wasserflaschen, alten Kanistern und allem was es sonst so gibt aufzufangen und zu stehlen. Sicherlich keine ungefährliche Situation, verunfallte Tanklaster fordern in Afrika immer wieder schwere Unfälle mit hunderten Toten, wie vor ein paar Wochen zuletzt in Nigeria. Die 300 Kilometer bis nach Accra sind eigentlich in einem Tag nicht zu schaffen, also mache ich zwei Nächte Pause am Ko-Sa Beach, einem bekannten Treffpunkt für Afrikareisende. Tatsächlich treffe ich zufällig zwei Reisebegleitungen, die ich bereits aus Mauretanien kenne. Der Stellplatz wird von zwei Niederländern betrieben und sieht genauso aus wie ein Campingplatz in Holland. Zumindest, wenn man sich die Palmen wegdenkt. Ich werde in der kommenden Woche hierher zurückkehren, ein toller Ort um Weihnachten zu feiern.
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  • Tag 108, 54 Km/15231 Km

    15 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 29 °C

    Ich bekomme am Abend noch den Tipp, dass es ganz in der Nähe des Stellplatzes die Möglichkeit gibt, mit einer der Einheimischen zusammen zu kochen. Also schreibe ich am Abend noch Isi Nice per WhatsApp an, sie antwortet umgehend und schickt mir den Standort ihres kleines Restaurants. Ich fahre am kommenden Morgen ein kurzes Stück zu ihr, sie hat schon alles vorbereitet und wir starten gemeinsam in ihrer kleinen Küche. Wir kochen zwei Gerichte, zum Einen "Red-Red", das Nationalgericht Ghanas aus frittierten Bananen, Bohnen, Knoblauch, Zwiebeln, Chili. Das ganze wird in einer unfassbaren Menge Palmöl gebraten, fast eine ganze Literflasche Palmöl wird pro Person verarbeitet. Man möchte ja irgendwann auch nicht der Gesündeste auf dem Friedhof sein. Anschließend kochen wir ein zweites Gericht, Palava-Sosse mit Yamswurzeln. Ähnliche Zutaten, ähnlich viel Öl, aber vollkommen anderer Geschmack. Ich lerne einiges von Isi Nice, in jedem Fall aber dass Gemüse, egal welches, mit einem Liter Palmöl essbar gemacht werden kann.
    Tatsächlich sind beide Gerichte, die wir zubereiten eine Geschmacksexplosion, besonders vom Red-Red und der Kombination aus den süßen Bananen und dem herzhaften Bohnen-Chili-Knoblauchmix kann ich nicht genug gekommen. So fahre ich am Nachmittag mit dem Bauch und dem Kühlschrank voller Red-Red zurück zum Camp.
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  • Tag 109, 177 Km/15408 Km

    16 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 31 °C

    Auf geht's nach Accra! Ich bin eigentlich schon einen Tag zu spät dran, muss unbedingt vor Weihnachten noch zwei Botschaften besuchen. Das bereits ausgestellte Visum der Republik Kongo läuft erst ab März, ich bräuchte jedoch ein Visum ab Februar. Außerdem muss ich in die Botschaft der Demokratischen Republik Kongo (nicht zu verwechseln mit der Republik Kongo!) um das letzte noch fehlende Visum der Reise zu organisieren. Für die Demokratische Republik Kongo gibt es zwar ein e-Visum und ich hatte gehofft, dass ich nicht mehr in die Botschaft müsste, das e-Visum gilt allerdings nur für die Einreise per Flugzeug und nicht über Land. Manchmal muss man in Afrika das Gegebene einfach hinnehmen, wie es ist und es nicht hinterfragen... Ich brauche außerdem eine neue Versicherung für Heiner, die aktuelle Versicherung läuft am 31.12. aus. Und ein Ölwechsel steht mal wieder an. Es ist Montag und ich habe bis zum Wochenende Zeit, bevor rund um die Feiertage auch hier alles geschlossen ist.
    So geht es also über eine der schlechtesten Straßen die ich in Afrika bisher gefahren bin in die Hauptstadt Ghanas. Das erste Stück ist zwar geteert, es gibt jedoch alle 200 Meter Hubbel, zum größten Teil direkt 5 Stück in Folge, die eine Geschwindigkeit von 20 Km/h zulassen. Hinzu kommt der Verkehr. Tuktuks, lebensmüde Motorradfahrer, rasende Taxis, Schwertransporte. Da fahre ich lieber eine Urwaldpiste, da weiß man wenigstens was man bekommt! Noch hoffe ich auf einen besseren Straßenabschnitt in der Nähe Accras, doch die Straße wird noch schlechter. Auf total zerstörtem und staubigem Asphalt geht es im Schneckentempo weiter. Im Laufe des Vormittags höre ich ein Klacken von einer der beiden Achsen, welches bislang noch nicht zu hören war. Neben dem Ölwechsel kommt somit der übliche Routinecheck auf die Liste des Wochenprogramms.
    Nach vielen Stunden endlich in Accra angekommen wird die Straße zwar besser, jedoch nicht gut. Fortschritt sieht für mich anders aus. Hinzu kommt jetzt noch der Stau, die Hitze im Auto ist aufgrund von Stop-and-Go unerträglich. Auf einem rund 30x50 Meter großem Schild sehe ich am Stadtrand einen abgebildeten Mann hinter Gittern. Die Überschrift besagt: Wenn man sich als Mann wie eine Frau kleidet ist dies eine 'Grobe Unanständigkeit' und wird mit 3 Jahren Gefängnis bestraft. Auch hier ist Fortschritt für mich etwas anderes. Nach einer endlosen Quälerei durch den Stau komme ich am Ziel an, habe bereits vor einigen Tagen ein Appartement für eine Woche gemietet. Das Appartement hat eine Waschmaschine, die Erste seit 44 Tagen! Waschen ist das Erste was gemacht werden muss, also alles in die Maschine, Pulver rein, Programm auswählen und.....Maschine läuft nicht, Error 7. Ach ja, ich bin ja in Afrika. Auf meiner Bootsreise in Gambia habe ich gelernt, man muss einfach solange Ein- und Ausschalten, bis alles wieder läuft. Tatsächlich tut die Maschine es ein letztes Mal - nach dem 20. Neustart.
    Ich lege mich am Nachmittag unters Auto. Am vorderen linken Stoßdämpfer ist die Dichtung undicht. Das Öl läuft bereits bis auf die Achse herunter. So kann ich sicherlich nicht durch Nigeria, auch wenn die Dämpferwirkung bis auf das Klacken aktuell noch gut ist. Einen Dämpfer habe ich nicht, also muss ich irgendwo einen auftreiben. Ein paar Blocks weiter entdecke ich über's Internet eine kleine Werkstatt und ich hoffe, da einen Stoßdämpfer zu bekommen. Ich fahre noch am Nachmittag hin, einen passenden Stoßdämpfer hat man natürlich nicht. Ich soll morgen Nachmittag wiederkommen, sag der Chef jedoch, vielleicht ist bis dahin ein Stoßdämpfer da. Um in Nigeria möglichst keine Probleme zu bekommen, bestelle ich den zweiten für rechts gleich mit, obwohl dieser noch in Ordnung ist, schließlich haben beide die gleiche Anzahl Schlaglöcher abbekommen. Ich werde zum Schluss noch gefragt, ob ich den Stoßdämpfer in guter oder schlechter Qualität haben möchte und habe mit diesem Satz eigentlich keine Hoffnung mehr, einen Neuen zu bekommen.
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  • Tag 110, 32 Km/15440 Km

    17 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 32 °C

    Der Großkampftag ist gekommen. Es geht am Morgen zuerst in die Botschaft der Republik Kongo. Die Botschaft öffnet um 09:00 Uhr und wie ein typisch Deutscher stehe ich um 5 vor 9 vor der Tür der Botschaft. "Wir öffnen um 9" sagt der Security. Ich warte also vor dem Tor. 5 Minuten, 10 Minuten, 20 Minuten. Nichts tut sich, also frage ich noch einmal nach. "Die Botschafterin ist noch nicht da". Ich darf jetzt immerhin hinterm Tor auf einem Stuhl sitzen und warten. Um 10:00 kommt eine Dame auf den Hof aber ihr Alter und ihre Körpersprache sagen mir: das ist nicht die Botschafterin. Sie verschwindet im Büro, kommt 30 Minuten später wieder. Ich erkläre ihr, dass mein Visum für die Republik Kongo ab März läuft, ich aber schon im Februar einreisen muss. "Ich frage die Botschafterin per Telefon, was wir da machen können" sagt sie und verschwindet wieder im Büro. Eine Stunde tut sich gar nichts. Ich sitze weiterhin draußen in der Hitze vor der Tür. Schließlich werde ich hereingebeten. "Die Botschafterin ist nicht da, kommt aber gleich." "Wann ist denn gleich?" Frage ich. "Gleich".
    Ich warte schon über 2 Stunden, hab noch nichts geschafft und soll erstmal bis 'gleich' warten. Also bitte ich darum die Botschafterin anzurufen. Ich bekomme ihre Nummer und darf sie selber anrufen, erkläre ihr meinen Fall, worauf sie meint, dass das mit dem Einreisedatum an der Grenze eh niemanden interessiert. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass es deutsche Gründlichkeit nicht nur bei der Uhrzeit in der hiesigen Botschaft, sondern auch an der Grenze der Republik Kongo nicht geben wird, also lasse ich es drauf ankommen.
    Weiter geht's zur Station 2: Botschaft der Demokratischen Republik Kongo. Im Vergleich zur Botschaft des Namensvetters geht es fix, ich gebe alle Unterlagen ab, zahle 250$ und bin 15 Minuten später bereits wieder im Auto. Visum gibt es aber erst am kommenden Tag, also muss ich nochmal herkommen.
    Auf geht's zur Station 3: Autowerkstatt. Ich sehe eine Eisdiele auf dem Weg, die Erste der Reise. Also kurzer Eis-Stopp bei Eiscafe Pinocchio, drei Bällchen im Becher bitte. Gegen Mittag erreiche ich die Autowerkstatt. Die Stoßdämpfer sind da, tatsächlich brandneu, allerdings mit 130€ nicht günstig. Fred, der Werkstattbesitzer fährt mit mir durch die ganze Stadt zum Ölhandel, wo ich mir die mir passende Ölqualität aussuchen kann. Öl gibt es tatsächlich überall in Afrika, die Filter sind jedoch ein Problem. Zum Glück habe ich noch einen, also kaufe ich Öl für 90€ und fahre mit Fred zurück zur Werkstatt.
    Er bietet mir an, den Ölwechsel, den Einbau des Stoßdämpfers und das Nachfetten aller Gelenke für 30€ zu erledigen. Für den Preis lasse ich die Arbeiten machen, unterstütze die Herren jedoch. Nach 4 Stunden ist alles erledigt, ich zahle Fred 50€ und bin hochzufrieden mit seiner Leistung.
    Zum Abschluss Station 4, Autoversicherung. Die Versicherung ist in einem Hochhaus, zwei kleine Schreibtische in einem winzigen Büro. 20 Minuten und 8€ ärmer ist alles erledigt und das Fahrzeug jetzt bis Februar und Kamerun versichert.
    Am späten Nachmittag bin ich zurück im Appartement, der Tag lief besser als erwartet und alles ist erledigt. Auf ins Restaurant!
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  • Tag 111, 0 Km/15440 Km

    18 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 31 °C

    Ich werde am Morgen von Paul, einem lokalen Guide am Appartement abgeholt. Wir fahren zusammen nach Agbogbloshie, der größten Müllhalde für Elektroschrott in ganz Afrika. Sein Bruder wartet schon, ich hab mich hier mit vier mir bekannten Reisenden verabredet, die tatsächlich zufällig meinen Reisepass aus der Botschaft der Demokratischen Republik Kongo mitgebracht haben. So läuft das halt in Afrika, da wird der Reisepass einfach 'den anderen Weißen' mitgegeben, ich hab dadurch glücklicherweise einen freien Nachmittag gewonnen und tatsächlich alle Visa der Reise jetzt zusammen! Wir treffen uns mit einem weiteren lokalen Guide, der direkt in dem Viertel wohnt. Ohne den dritten Guide wäre es aus meiner Sicht sehr schwierig, Agbogbloshie zu besichtigen. Der lokale Führer kennt die wichtigen Leute und führt uns ohne Probleme durch sein Viertel. Die Verschmutzung in Agbogbloshie ist unfassbar und schon weit vor der eigentlichen Deponie zu sehen. Der durch den Stadtteil fließende Fluss ist tiefschwarz, der Gestank ist eine Mischung aus faulen Eiern, Kloake und verbranntem Gummi. Wir biegen zu Fuß von der Hauptstraße ab, die Recyclingbereiche beginnen. Es wird hauptsächlich Elektroschrott aus Europa verwertet, dazu wird der Elektroschrott mit Hammer und Meißel aufgebrochen, Kupfer, Aluminium und alle weiteren Metalle von Hand getrennt. So gut wie alle Materialien die nicht aus Metall bestehen werden irgendwie verwertet. Es gibt Haufen aus Plastik und Gummi, Stoffresten und Sperrmüll. Der Boden ist schwarz von den vielen Chemikalien und dem über die Jahre in den Boden ausgelaufenen Betriebsmitteln der Kühlschränke oder der alten Autos. Durch die vielen Brände rund um Agbogbloshie ist die Luftqualität extrem schlecht, 2013 wurde der Ort zu einem der schlimmsten verseuchten Orte der Welt erklärt. Um das Kupfer aus den alten Kabeln zu gewinnen gibt es Bereiche in denen die Kabel von Hand soweit zurechtgeschnitten werden, bis alles wie Stecker oder sonstiger Elektronik verschwunden ist, die Kabel werden dann auf einem Haufen gesammelt, angezündet und somit die Isolierung abgebrannt. Arbeitsschutz ist nicht existent, weder beim Zerteilen der Elektronik, noch beim Abbrennen der Kabel. Viele der Arbeiter haben rote aufgequollene Hände, Narben überall am Körper oder Brandmale.
    Am hinteren Rand von Agbogbloshie gibt es einen Berg aus unverwertbaren Resten, in denen Einzelne noch nach Verwertbarem suchen. Dazwischen Wohnhäuser, Ziegen, Rinder. Eines der übelsten Orte die ich jemals gesehen habe.
    Ich besichtige am Nachmittag das Nationalmuseum von Ghana, welches im Vergleich zum Vormittag langweilig und teuer ist.
    Den freien Nachmittag nutze ich schließlich zum Reinigen des Autos von Innen, unglaublich wie schnell die staubigen Straßen dafür sorgen, dass das Fahrzeug von innen wie von außen dreckig wird.
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  • Tag 112, 5 Km/15445 Km

    19 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 32 °C

    Ich treffe am Morgen Paul wieder, er bringt mich auf den Markt nach Nima. Nima gehört zu einem der schlechteren Viertel der Stadt, aus meiner Sicht kein Slum, jedoch kurz davor. Accra ist im Allgemeinen eine sichere Stadt, als Weißer alleine nach Nima zu gehen ist trotzdem keine gute Idee, also ziehe ich die Begleitung von Paul vor. Links und rechts der Hauptstraße durch Nima gibt es fast ausschließlich aneinandergereihte Wellblechbehausungen, wir parken das Auto in einer der Seitenstraßen und ziehen zu Fuß weiter. Der Markt ist ruhiger und hat eine andere Atmosphäre als die sonst so bunten und vollen Märkte in Westafrika auch wenn es ähnliche Waren gibt. Fleisch, Gewürze, Obst, Gemüse, an einer Stelle sogar getrocknetes Chamäleon - was auch immer man damit wohl machen kann. Da Nima größtenteils muslimisch ist, steht die größte Moschee Westafrikas direkt in diesem Viertel. Schon etwas grotesk, die von Marmor umrahmte Moschee direkt neben den Wellblechhütten zu sehen.
    Am Nachmittag entscheide ich mich noch einmal das Auto zu waschen und mittlerweile ist eine Autowäsche fast spannender als ein Grenzübertritt. Ich biege auf den Hof der Wäscherei ab und rolle noch, da fängt der erste schon an zu waschen, während er neben dem Auto herläuft. So geht das nicht, erstmal muss ich wissen was die Wäsche kostet! Ich frage dreimal nach und höre dreimal als Antwort: "Das machen wir am Ende". Ich bin schon zu lange in Afrika um zu wissen, dass es 'am Ende' teuer wird. "Ich möchte den Preis wissen, sonst fahre ich wieder." Er denkt kurz nach und sagt dann "30 Cedi" - zwei Euro, ein fairer Preis für die Wäsche. Er fragt noch, ob er auch innen reinigen soll aber das hab ich gestern ja erst gemacht also sage ich ihm, dass Außen reicht. Ich erkläre dem ersten Herren mit dem Hochdruckreiniger, er soll nicht von unten den Tank waschen. Ich hab immer noch das Loch in der Tankdichtung und möchte auf keinen Fall, dass Wasser in den Tank kommt. 5 Sekunden nach meiner Erklärung hält der Herr den Hochdruckreiniger genau auf die ihm im Detail erklärte Stelle. Ich kann's nicht fassen und sage ihm deutlich: "Genau da nicht!", in diesem Moment fährt mir einer der anderen Angestellten mit einem der zu waschen Autos beim Rangieren vorne rein. Nicht dramatisch, zumindest nicht bei meinem Fahrzeug. 5 Minuten später, ich passe gerade ein paar Sekunden nicht auf, klettert der Typ mit dem Hochdruckreiniger auf das Dach. Sein Einsatz in allen Ehren, das Dach ist zwar bis 100 Kilo Last zugelassen, eingedrückt wird das 2 mm dicke Aluminium durch die Aktion trotzdem. Aufregen hilft hier nicht, sondern nur schnell abhauen. Beim Einsteigen ins Auto sehe ich, wie der Herr mit dem Hochdruckreiniger nun das Nachbarauto sauber macht. Er öffnet die Beifahrertür und geht mit dem Hochdruckreiniger über die Sitze und von innen über die Tür. Puh, zum Glück habe ich die Innenraumreinigung abgelehnt.
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  • Tag 113, 0 Km/15445 Km

    20 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 31 °C

    Ich treffe erneut Paul, der mich am Morgen in dem Stadtteil Jamestown bringt. Einer der größten Slums Afrikas ist in Accra und Jamestown gehört dazu, ist aber aufgrund der Geschichte und des Hafens touristisch interessant. Paul ist ein angenehmer und guter Guide, macht auch faire Preise, wird jedoch - sobald er in ein Auto einsteigt - zur Furie. Wie auch schon die letzten Tage geht es pöbelnd und schimpfend durch den dichten Verkehr von Accra. An einer Stelle werden zwei Spuren zu Einer und weder Paul noch der Fahrer auf der anderen Spur wollen nachgeben also kommt es wie es kommen muss und beide fahren sich gegenseitig ins Auto. Paul ist außer sich, steigt wutentbrannt aus dem Auto. Auch der andere Kerl ist auf 180 - "Are you trying to kill us???" - "How can you drive like that???" Brüllt man sich gegenseitig einige Minuten um die Ohren bis beide schließlich fertig geschimpft haben, einsteigen und jeder seines Weges geht. In Jamestown angekommen brauchen wir wieder einen lokalen Guide und ich frage mich zuerst wieso, werde später aber froh sein ihn dabei zu haben. Wir besichtigen den Fischereihafen, den alten Leuchtturm, das Fort. Im Kerker des Forts wurden früher Sklaven wochenlang gefangengehalten um deren Gesundheit und deren Wille zu brechen, bevor es auf die Schiffe nach Amerika ging. Die Luft im Kerker ist extrem heiß und feucht und das obwohl hier nur 3 Personen und keine 300 stehen, unvorstellbar was hier vor einigen hundert Jahren abgegangen sein muss. Anschließend laufen wir eine Runde durch die kleinen Seitenstraßen in Jamestown, wo an einer Stelle ein kleiner PKW wendet, offenbar nicht richtig schaut und dabei einen Rollerfahrer fast anfährt. Eigentlich ist nichts passiert aber der Mob des Stadtviertels mischt sich sofort ein, beschimpft den Fahrer der jetzt aussteigt und zurückschimpft. Die Stimmung ist extrem gereizt und die ersten fangen an gegen das Auto zu treten und zu schlagen. Der Griff der Fahrertür fliegt weg, schließlich auch der Spiegel. Der lokale Führer geht dazwischen, schlichtet schließlich und unter lautem Schimpfen fährt der Fahrer schließlich weiter. Unglaublich, wie schnell solche Situationen eskalieren können, ohne dass wirklich etwas passiert ist. Gut ist es dann, die richtigen Leute an den richtigen Stellen dabei zu haben.Baca selengkapnya

  • Tag 114, 38 Km/15483 Km

    21 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 32 °C

    Der letzte Tag in Accra hat begonnen. Am Morgen besichtige ich den Platz der Unabhängigkeit mit dem dazugehörigen Triumphbogen. Ghana gönnt sich mitten in der Innenstadt einen riesigen Platz, auf dem zufällig heute Vormittag die Samstagsmesse verlesen wird. Entsprechend chaotisch ist es, als ich ankomme und bereits 1000de Gläubige auf den Beginn der Messe warten.
    Am Nachmittag fahre ich in die Mall von Accra, die so gut wie keine Geschäfte sondern hauptsächlich einen riesigen Supermarkt bietet. Mit aufgefüllten Vorräten geht es zurück ins Appartement, es ist Samstag und die Straßen wie leergefegt. Zum ersten Mal genieße ich das Autofahren in Accra. Auch wenn Accra keine wirklichen Highlights zu bieten hat, habe ich meine Zeit in der Hauptstadt Ghanas sehr genossen und hatte vor allem entspannte Tage nach der stressigen Reisezeit auch wenn ich weiß, dass noch ein schwieriges Stück vor mir liegt.
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  • Tag 115, 185 Km/15668 Km

    22 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 31 °C

    Wir verlassen Accra am Vormittag und starten in Richtung Westen nach Cape Coast. Es ist Sonntag und die Straßen sind frei, die Strecke nach Cape Coast dauert 3 Stunden, wohingegen die Hinfahrt nach Accra vor einer Woche 5 Stunden gedauert hat. Ich habe Mittagessen bei Isi Nice, wo ich vor einer Woche den Kochkurs gemacht habe für 13:00 Uhr bestellt und pünktlich stehen wir im Restaurant auf der Matte, das Essen ist nur leider noch im Rohzustand. Zuerst heißt es, es dauert noch 20 Minuten, dann 30, dann ist man bei 45. Vermutlich ist eine Stunde realistisch, also geht's drei Blocks weiter zum Cape Coast Castle. Mal wieder ein Ort der Sklavenhistorie und auch wenn sich die Geschichte für mich nach vielen ähnlichen Orten wiederholt, ist Cape Coast Castle trotzdem wunderschön. Leider ist es hier so, wie an vielen Orten in Ghana, vielleicht sogar in Westafrika generell. Steigt man aus dem Auto aus wird man sofort von allen Seiten angesprochen und von diversen Herrschaften belagert, die alle erst einmal abgewimmelt werden müssen. Am Ende möchte jeder Geld, aber nicht bei jedem ist es ersichtlich, welche Leistung er dafür bietet. Und natürlich möchte jeder Zweite das Auto. Am liebsten geschenkt. Selbst im Schloss gibt es in einem Raum jemanden, der sich in einer Ecke aufgebaut hat und eine 'Spende' möchte, wofür auch immer.
    Das Schloss liegt in einem schlechter entwickeltem Teil der Stadt, bietet jedoch trotzdem sehr schöne Ausblicke auf die umliegenden Stadtviertel und den Hafen.
    Anschließend zurück zu Isi Nice, mittlerweile ist das Essen nach 75 Minuten fertig und schließlich zurück zum Ko-Sa Beach, dem Weihnachtsdomizil der kommenden Tage.
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  • Tag 116, 108 Km/15773 Km

    23 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 33 °C

    Am Morgen geht mal wieder was am Auto kaputt, die Zentralverriegelung funktioniert nicht mehr. Auch wenn ich die Türen noch manuell öffnen und schließen kann, kann ich das Auto während der Fahrt nicht mehr abschließen, die Zentralverriegelung muss also dringend repariert werden. Mit nicht verschlossenen Türen geht es zunächst ein Stück nach Norden in den Kakum Nationalpark. Hier soll es Elefanten, Affen und sogar Leoparden geben. Schon am Parkplatz sehe ich: dass wird heute nichts mit den Elefanten und den Leoparden, derart viele Autos stehen bereits hier. Der Eintritt ist mit 13€ für Afrika nicht günstig und der Rundgang nur in einer Gruppe möglich, mit rund 40 weiteren Personen geht es auf den Wanderweg durch den Nationalpark und ich habe eigentlich schon beim Loslaufen keine Lust mehr auf die Massenveranstaltung. Es gibt einen errichteten Pfad auf Hängebrücken durch die Baumkronen, den wir im Gänsemarsch ablaufen. Über einen kleinen Wanderweg geht es zurück zum Ausgangspunkt. Auf dem Rundweg, der immerhin zwei Stunden dauert, sehen wir einen Schmetterling, eine Raupe und eine Wespe. Mit nem Stück Erdbeerkuchen auf der Terrasse wäre es ähnlich wild geworden.
    Ziemlich enttäuscht geht es zurück zum Stellplatz, wo ich mich abends noch an die Zentralverriegelung mache. Glücklicherweise ist die Reparatur erfolgreicher als die Tierbeobachtung am Vormittag und es hat sich nur eine Verbindungsstange zwischen Schloss und Motor der Zentralverriegelung gelöst.
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  • Tag 117, 35 Km/15808 Km

    24 Desember 2024, Ghana ⋅ 🌙 28 °C

    Bevor es in Richtung Weihnachten geht, geht's am Morgen noch in die benachbarte Stadt Elmina. Hier gibt es ein altes Fort der Portugiesen, welches ähnlich interessant wie Cape Coast Castle ist. Am Parkplatz das gewohnte Bild: penetrantes Ansprechen von allen Seiten. Die Herrschaften stehen mit selbstgemalten Bildern, Kokosnüssen und Armbändern schon rund um das Auto, bevor der Motor aus ist. Neben dem Fort gibt es auch einen netten Hafen, beides ist leider in einem Slum eingebettet und lassen weitere Besichtigungen zu Fuß in der Stadt nur im Randbereich zu.
    Am Nachmittag geht es zurück zum Strand und so langsam wird es Zeit, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Zuerst gibt es einen Glühwein mit Rotwein aus dem Supermarkt und Glühweingewürz von zu Hause. Den Glühwein bei 35 Grad im Schatten zu trinken ist ein wahrer Genuss. Ab sofort weiß ich dann auch, dass sich ein Merlot nicht für Glühwein eignet. Viel zu sauer.
    Später stelle ich den kleinen Weihnachtsbaum auf, den ich seit Wochen im Auto herumfahre und ziehe zum ersten Mal das einzige Hemd an, welches ich dabei habe. Es gibt - welche Überraschung - Fisch und schließlich auch Geschenke. Frohe Weihnachten!
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  • Tag 118, 207 Km/16015 Km

    25 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 30 °C

    Am Morgen fahren wir zurück in Richtung Elfenbeinküste, Ziel ist erneut der Strand mit dem kleinen Restaurant von Paul. Im Westen Ghanas gibt es noch einiges zu entdecken und somit muss ich mich leider wieder auf die von der Qualität wirklich unterirdische Straße begeben. Es bestand die Hoffnung, dass es aufgrund der Feiertage weniger Verkehr geben könnte, doch dem ist leider nicht so. LKW und Schlaglöcher geben sich die Klinke in die Hand.
    Auf halber Strecke zweigt in Richtung Meer eine Offroadpiste ab, die zum südlichsten Punkt Westafrikas führt. Die Piste ist im Vergleich zum Highway ein Genuss zu fahren, die Lehmstraße führt durch tiefe Schlammlöcher entlang von scheinbar unendlichen Kautschukplantagen bis in ein kleines Dorf. Hier gibt es einen Leuchtturm und einen schönen Blick auf die Küste, eine tolle Abwechslung zu den vielen Stunden auf der staubigen Highway-Straße. Heiner wird durch die Offroadpiste am Ende des Tages mal wieder vollkommen eingesaut sein.
    Als wir am Nachmittag endlich bei Paul angekommen sind, kommen nach rund zwei Stunden zwei Autos auf den Strand gefahren. Soweit nichts ungewöhnliches, Paul betreibt schließlich ein Restaurant. Einer der Männer spricht mich kurze Zeit später an, fragt zunächst oberflächlich was ich für ein Auto fahre und ob das Hubdach etwa ein Lautsprecher ist. Schließlich zeigt er mir seinen Ausweis, der ihm um den Hals baumelt, auf dem Secret Service Ghana steht. Er wäre von der Geheimpolizei und sorgt dafür, dass kein Tourist ohne seinen Willen für irgendwas Geld bezahlen muss. Wow, das hört sich ja toll an, denke ich noch, bis er mir schließlich sagt, ich solle zu meinem Auto gehen und das Geld holen, was ich dabei habe. Er möchte sich davon einen schönen Abend machen. Ich frage noch zweimal nach, was er meint und denke erst, ich hätte ihn falsch verstanden, doch das habe ich nicht. Als ich ihm schließlich beim dritten Versuch deutlich zu verstehen gebe, dass ich kein Geld dabei habe, bietet er mir an, mir etwas zu trinken auszugeben. Während ich mir sein komisches Angebot anhöre und schließlich entschieden ablehne, übergibt sich einer seiner Gefolgsleute 10 Meter weiter neben meinem Auto. Die Herrschaften setzen sich schließlich, teilen sich eine Flasche Rum und eine Flasche Orangensaft und ziehen kurze Zeit später weiter. Nüchtern ist sicherlich keiner mehr, aber vier betrunkene Männer vom Secret Service werden bestimmt auch nicht von der Polizei angehalten. Somit endet der Tag mal wieder mit einer Situation, von der ich nicht weiß, was ich davon halten soll.
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  • Tag 119, 7 Km/16022 Km

    26 Desember 2024, Ghana ⋅ 🌙 28 °C

    Mit Kaffee und Frühstück beobachten wir am frühen Morgen zwei Männer, die ohne Hilfsmittel in die Palmen von Paul klettern und hier die Kokosnüsse pflücken. Mit der Machete zwischen den Zähnen geht es für die Beiden bis in die Palmenkrone in einer Höhe von rund 50 Meter, dort wird sich mit einer Hand festgehalten und mit der anderen werden die Kokosnüsse gepflückt. Ziemlich beeindruckend, vor allem der Rückweg nach unten, bei dem die beiden innerhalb von Sekunden die Palme herabrutschen. Nachdem alle Nüsse gepflückt sind geht es für uns ins nahegelegene Stelzendorf Nzulezo. Da über 80% der Einwohner Ghanas auch heute noch nicht schwimmen können, wurde die Siedlung rund um das Stelzendorf vor einigen Jahren mitten auf dem See errichtet, um sich vor Feinden zu schützen. Am Parkplatz gibt es ausnahmsweise mal niemanden, der etwas verkaufen möchte doch eine Gruppe Jungs fängt sofort damit an, die geparkten Autos mit einer Bürste, mit der man sonst eher Töpfe reinigt, zu waschen. Auch wenn Heiner eine Wäsche nötig hätte, gebe ich den Jungs zu verstehen, dass das Auto nicht gewaschen werden soll.
    Es ist auch heute unglaublich heiß und um zum Dorf zu gelangen muss erst ein Stück von rund 15 Minuten zu Fuß zurückgelegt werden. Ohne Schatten und bei Temperaturen von um die 35 Grad ist die Strecke eigentlich schon das Maximum, was zu Fuß an einem Tag zurückgelegt werden kann.
    Mit dem Motorboot geht es in weiteren 15 Minuten zum Dorf. Auch wenn etwas heruntergekommen, bietet die Siedlung tolle Fotomotive und ist für mich persönlich eines der Highlights Ghanas. Am Parkplatz sind mittlerweile alle Autos gewaschen, außer meines - zum Glück.
    Zurück bei Paul ist in seinem Restaurant am Nachmittag der Teufel los. Der letzte Weihnachtstag in Kombination mit Karneval, welcher ein paar Dörfer weiter stattfindet sorgt dafür, dass Pauls Restaurant voll ist. Stühle gibt es genug, aber nicht genug Tische also fährt Paul mit seinem kleinen Auto los und kommt schließlich mit weiteren Tischen wieder, die er auf das Fahrzeugdach gelegt hat. Die Tische hält er durch die offene Seitenscheibe fest, so kann dann auch ganz bestimmt nichts passieren. Am Abend kündigt er an, dass es in der kommenden Nacht eine Party im Restaurant gibt. Es wird voll und laut. Auch wenn wir ursprünglich noch einen Tag am Strand verbringen wollten, ist das das Zeichen zum morgigen Aufbruch ins Zentrum Ghanas.
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  • Tag 120, 344 Km/16366 Km

    27 Desember 2024, Ghana ⋅ ☀️ 35 °C

    Es geht früh los, denn ein elendig langer Fahrtag bis in die Stadt Kumasi steht bevor. Kurz nach dem Start bei Paul fahren wir durch eine etwas größere Stadt. Die Straße ist breit, zwei Fahrzeuge passen locker in jede Richtung auf die Fahrbahn, jedoch ist nichts markiert, weder die Spuren, noch die Mitte. Ich überhole ein langsam fahrendes Tuk-Tuk als ich keine 100 Meter später unsanft von der Polizei angehalten werde. Kein Checkpoint, sondern eine Verkehrskontrolle. Officer Joel tritt an mein Fenster, meine Begrüßung und meinen Wunsch, frohe Weihnachten gehabt zu haben werden nicht erwidert. "Tuktuks sind auch Verkehrsteilnehmer! Das Überholen war sehr gefährlich gerade." Ich weiß noch gar nicht so richtig was falsch war, also antworte ich, dass beide Tuktuks langsam waren und die Situation nicht gefährlich war. Keine Gute Idee, Officer Joel möchte wohl lieber, dass ich, was auch immer, eingestehe. Er holt ein Schild mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Km/h aus seiner Mappe und zeigt mir das Schild. "Ich bin nicht schneller als 50 gefahren. Aber okay, das überholen war natürlich gefährlich, mache ich sicherlich nie mehr wieder." Er möchte meinen Führerschein sehen, nimmt das Dokument und sagt mir ich soll rechts am Rand parken. Im Rückspiegel sehe ich, wie er mit meinem Führerschein in der Hand den Verkehr regelt, ab und an auf sein Handy schaut irgendwann ein Papier aus seiner Mappe holt und es ausfüllt. 20 Minuten geht gar nichts mehr, bis es mir reicht und ich aussteige und zu ihm gehe. Den Strafzettel hat er schon ausgefüllt, Tatvorwurf: 'Dangerous Driving'. "Du musst zum Gericht und da verhört werden. Das dauert vermutlich mehrere Tage. Danach erst kannst du weiterfahren." Ich sage ihm, dass ich gerne die Strafe direkt zahle. Er soll den Zettel fertig ausfüllen und dann fahre ich zur nächsten Bank und überweise das Geld. "Das geht nicht." sagt er. Er könnte mir aber aus diesem Dilemma heraushelfen und mir die Strafe erlassen, wenn ich 'etwas für ihn hätte'. Ich bin mittlerweile zu lange in Afrika, um hier diesem billigen Versuch einer Schmiergeldzahlung nachzugeben. "Da gibt es ein Problem. Ich habe nur noch 50 Cedi (3€) dabei. Ich muss zuerst zur Bank." "Da vorne ist eine Bank" antwortet Officer Joel. Shit, da ist wirklich eine Bank ... und nun? "Bei dieser Bank funktioniert meine Karte aus Europa nicht" lüge ich. "Ich muss zu einer Eurobank, die gibt es nur in Accra und in Kumasi." Den Namen der Bank lasse ich mir schnell einfallen und auch wenn Herr Joel komisch guckt, glaubt er mir die Geschichte. "Gut, dann gib mir die 50 Cedi." "Dann habe ich kein Geld mehr bis ich heute Abend ankomme. Und wenn was passiert, oder ich irgendwo Maut zahlen muss?" Natürlich habe ich noch genug Geld dabei...."Okay, dann überweis mir doch einfach heute Abend das Geld. Hier ist meine Telefonnummer, ich habe ein Account bei Western Union." Klar, mache ich. Ganz bestimmt.
    30 Minuten später geht es endlich ohne Zahlung weiter, Marvin 1, Officer Joel 0. Vielleicht hat ja jemand anderes ein Erbarmen mit Officer Joel.
    Die Straße nach Kumasi hat in der Folge alles zu bieten, was Ghanas Straßen so können. Tausende Hubbel, Staub, Schlaglöcher, Stau und diverse Checkpoints die zwischen Durchwinken und der Frage nach einem nachträglichen Weihnachtsgeschenk für den armen Polizisten alles zu bieten haben. Die 350 Kilometer nach Kumasi ziehen sich elendig hin, Stop and Go von Anfang bis zum Ende. In Kumasi gibt es eine Möglichkeit zum Campen direkt in der Stadt, aber nach einem ganzen Tag Lärm und Hektik tut es hier auch das klimatisierte Zimmer für ein paar Euro mehr.
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  • Tag 121, 0 Km/16366 Km

    28 Desember 2024, Ghana ⋅ 🌙 32 °C

    Spät am Abend, die Sonne ist bereits lange untergegangen, gehen wir vom Restaurant zurück zum Hostel. Der Weg führt vorbei am Fußballstadion von Kumasi und tatsächlich läuft zufällig gerade ein Spiel. Ich frage an einer der Kassen, ob es noch Tickets gibt. Die gibt es, kosten umgerechnet 2€. Also sitzen wir 5 Minuten später im Heimblock vom FC Kotoko. Der Zweitplatzierte der Ghanaischen Liga, die 'Gold Stars' sind zu Gast und es steht 1:0 für die Heimmannschaft. Auch wenn das Stadion nur halbvoll ist, ist die Stimmung trotzdem gut, es wird gesungen, gepöbelt und getanzt und als dann auch noch das 2:0 fällt, auch ausgelassen gejubelt. Im ganzen Stadion sind wir die einzigen Weißen.
    Am nächsten Tag geht es ins Stadtzentrum, Ziel ist der Kejetia Markt, angeblich der größte Markt in Westafrika. Es ist schwierig, ein Taxi zu finden welches zum Markt fährt, keiner will sich den Stress und den Stau rund um den Markt antun. Also mit dem Taxi soweit wie es geht, den Rest zu Fuß. Ob der Markt tatsächlich der größte in Westafrika ist kann ich nicht sagen, für mich auf jeden Fall der hektischste. Die dreistöckige Markthalle selbst ist überdacht, das Chaos in der Halle überschaubar, der Weg dorthin und später aus der Halle raus ist purer Wahnsinn. Es ist stellenweise für Fußgänger kein Durchkommen, weil Fahrzeuge aller Art vom Motorrad bis hin zum LKW bis an die Markthalle ranfahren und sich die Händler und die Kunden bereits auf den Straßen rund um den Markt zu Tausenden tummeln. Nach 1.5 Stunden habe ich vom Chaos genug, der Lärm und der Gestank der dieselbetriebenen Fahrzeuge, die zu hunderten im dichten Stau den Motor laufen lassen reicht mir irgendwann. Also zu Fuß im Zeitlupentempo raus aus dem Chaos und rein ins Manhyia Palast Museum. Das Palastmuseum wird durch den lokalen König der Region genutzt und stellt diverse Originale aus dem Königreich der Ashanti aus. Der Museumsführer ist besonders stolz auf den Kühlschrank, der schon 70 Jahre alt ist und noch immer funktioniert! Zum Beweis öffnet er den Kühlschrank und zeigt und das zugefrorene Eisfach. Wenn der König von Kumasi dann mal anwesend ist, ist der Kühlschrank bestimmt voll mit Bier.
    Nachmittags dann weiter mit dem Tuktuk zur Mall (langweilig), zu Fuß zum Restaurant (indisch - teuer und großartig) und schließlich in eine Bar in eine der Seitenstraßen vom Hostel. In der Bar gibt es Bier aus dem Kühlschrank, auch wenn der König gerade nicht zu Gast ist.
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  • Tag 122, 38 Km/16404 Km

    29 Desember 2024, Ghana ⋅ ⛅ 29 °C

    Nachdem es dunkel ist, explodiert die Anzahl an Gästen in dem kleinen Pub. Die Tische reichen schon bald nicht mehr, also werden von allen Seiten neue Tische und Stühle zu den wartenden Gästen getragen. Irgendwann kommt auch ein DJ hinzu und nachdem wir mehrere Stunden den Geruch von gegrilltem Fleisch vom Straßengrill nebenan in der Nase hatten kaufen wir uns Hühnerspieße. Das Fleisch ist ungenießbar und eigentlich nur eine Mischung aus Knorpel und Fett gewürzt mit einem extrem scharfen Gewürzmix. Den Einheimischen scheint es immerhin zu schmecken. Am Ende sorgt die angenehme Atmosphäre im Pub dazu, dass ich viel zu viel trinke und am nächsten Morgen etwas in den Seilen hänge. Genau richtig für einen entspannten Tag am Bosomtwe-See, keine 40 Kilometer von der Stadt Kumasi entfernt. Die Straße ist mal wieder extrem schlecht und die Fahrt dauert mehr als 1.5 Stunden für das kurze Stück. Auf der knüppelharten Wellblechpiste liegt eine Schicht von rund 3-4 cm dichtem Staub, was zur Folge hat, dass das Auto am Ende mal wieder von innen und von außen komplett eingestaubt ist. Der feine Staub kriecht einfach durch alle Ritzen.
    Der See ist ein Meteoritenkrater und am Rand des Kraters gibt es einen Pferdehof, auf dessen Parkplatz wir übernachten dürfen. Der Blick auf den See von der Terrasse ist wunderschön, der Preis ist dafür ein Übernachtungsplatz rund 5 Meter neben der Pferdekoppel bzw. dem 'Stellplatz' der Pferde mit entsprechendem Geruch. Zudem gibt es unzählige fliegende Insekten aller Art. Den Nachmittag am See und auf der Terrasse zu verbringen ist nach dem gestrigen Abend dafür genau passend. Da der See keinen Ablauf hat, ist die Wasserqualität ziemlich mies - das Wasser stinkt. Außerdem ist das Risiko einer Parasitenerkrankung in einem stehenden Gewässer in Afrika nicht zu verachten, also verzichten wir aufs Baden in der dunklen Brühe.
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