• Marvin van der Grinten
  • Marvin van der Grinten

Transafrika Westroute

Pengembaraan 335hari oleh Marvin Baca lagi
  • Tag 298, 46 Km/43450 Km

    23 Jun 2025, Afrika Selatan ⋅ ⛅ 15 °C

    Es regnet am Morgen wieder einmal und der Plan, den Lions Head, einen der markanten Berge im Zentrum von Kapstadt zu besteigen, ist beim Blick aus dem Fenster eigentlich schon verworfen. Schon vor einigen Tagen habe ich neuen Zeltstoff für das Hubdach bestellt, immerhin zu nur rund einem Drittel des Preises wie in Deutschland. Nach insgesamt rund 500 Nächten im Hubdach ist der Stoff mittlerweile an zwei Stellen verschlissen, die Löcher sind nicht dramatisch aber eine neue Zeltaußenwand schadet sicherlich auch nicht. Also fahren wir am Vormittag erstmal in einen der Vororte von Kapstadt und holen die bestellte Ware ab. Wie soll es auch anders sein, der Zeltstoff ist der Falsche und passt nicht. Da ich Kapstadt übermorgen verlassen und erst in rund 6 Wochen zurückkehren werde, gibt es also noch einen zweiten Versuch, dann wird ganz bestimmt das richtige Schnittmuster geliefert. Die Aktion dauert so lange, dass es mittlerweile Nachmittag ist und es auf dem Rückweg aufhört zu regnen, also geht es auf den Lions Head. Der Weg nach oben ist anspruchsvoll aber technisch nicht sehr schwierig, wir haben Glück und es bleibt die ganze Zeit trocken, Nebel und Wolken ziehen immer wieder durch die Gipfel von Tafelberg und den Nachbargipfeln, der 'Zwölf Apostel'. Viel schöner kann es eigentlich kaum sein, sicherlich kann kein blauer Himmel diese Atmosphäre erzeugen. Als wir schließlich am Nachmittag wieder unten ankommen, fängt es 100 Meter vor dem Parkplatz an zu regnen, die Sicht vom Lions Head ist jetzt nicht mehr vorhanden. Wenn schon nicht beim Zeltstoff am Vormittag, haben wir wenigstens bei der Gipfelbesteigung am Nachmittag maximales Glück.Baca lagi

  • Tag 299, 42 Km/43492 Km

    24 Jun 2025, Afrika Selatan ⋅ ☁️ 16 °C

    Der vorerst letzte Tag in Kapstadt ist gekommen. Am letzten 'richtigen' Tag geht es ins historische Zentrum der Stadt, das einzige Viertel der Innenstadt in der wir noch nicht waren. Kolonialgebäude, Imbissstände und Historie gibt es hier zu besichtigen, klassisches Touri-Programm. Am Nachmittag geht es ins Café Mozart, ältestes Restaurant der Stadt und damals Schauplatz für Untergrundparteien, die sich hier heimlich über Maßnahmen gegen die Regierung abgestimmt haben. Das Essen im Café schmeckt so, als wäre es im Gründungsjahr des Cafés eingefroren und jetzt aus der Tiefkühltruhe geholt worden, aufgepeppt mit Fleisch von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben ist.
    Am Nachmittag stehen bei mir diverse Erledigungen an, um für die kommenden Tage und Wochen gerüstet zu sein. Nach den letzten Wochen, die man schon eigentlich als Urlaub bezeichnen könnte, geht der Roadtrip durch Afrika ab morgen noch in eine finale Runde. Ein bisschen schade ist es schon, Kapstadt jetzt zu verlassen, acht ganze Tage war ich in Summe hier. Die Stadt ist so vielseitig, dass es tatsächlich Programm für mindestens eine ganze Woche gibt und auch wenn Kapstadt nicht zu meinen Top-3 aller Orte dieser Welt gehört, ist es in meinen Augen ein Ort, den man einmal im Leben besucht haben muss.
    Baca lagi

  • Tag 300, 548 Km/44040 Km

    25 Jun 2025, Afrika Selatan ⋅ 🌬 19 °C

    Tag 300. So früh wie möglich mache ich mich auf den langen Weg in Richtung Lesotho. 1300 Kilometer, in zwei Tagen kaum zu schaffen. Als ich das Auto in der Garage des Appartements noch im Dunkeln packe sehe ich einen platten Reifen hinten links. Erst gestern Abend hab ich aufgepumpt, der Reifen hatte da schon wenig Luft. Ich pumpe den Reifen noch einmal auf, es zischt wenn ich das Ventil berühre, der Ventilkegel ist gerissen. Zum Glück hier und nicht irgendwo unterwegs. Im strömenden Regen suche ich eine Werkstatt, die das passende Ventil und das passende Werkzeug hat, der Reifen muss von der Felge. Das Internet führt mich in einen der schäbigsten Vororte der Stadt, noch kein Ghetto aber kurz davor. 5€ möchte man angemessen der Umgebung für das neue Ventil haben, incl. Einbau. Bei dem Preis und den vielen schlechten Erfahrungen in Afrikas Werkstätten bleibe ich neben der Hebebühne stehen. Noch nicht einmal angehoben und keine 30 Sekunden in der Werkstatt schaffen es die zwei Helden die Schutzkappe vom Felgenschloss abzubrechen. Immerhin klappt danach alles reibungslos, das Ventil ist nach rund einer Stunde neu in das Gummi eingezogen.
    Viel später als geplant geht es also raus aus Kapstadt, Wasser tropft durch den Wolkenbruch, der über Stunden anhält, mittlerweile mal wieder in den Fußraum, trotz mehrfachem Abdichten der gerissenen Frontscheibendichtung. Immerhin ist die Dichtung der Fahrertür mittlerweile auch kaputt, so läuft das Regenwasser unten einfach wieder raus.
    Ich verlasse das Ballungszentrum von Kapstadt, fahre durch einen Tunnel, der Erste in ganz Afrika. Die Berge im Hinterland von Kapstadt halten die Regenwolken zurück, jedoch nicht den Wind. Bei blauem Himmel stürmt es wie noch nie auf dieser Reise, eine Nacht im Auto ist kaum vorstellbar. Ich schaffe es kaum Heiner auf der Spur zu halten, immer wieder drückt mich der Wind auf den Standstreifen. Immerhin sind jetzt die Füße nicht mehr nass, die kalte Luft zieht jetzt nur noch durch die kaputte Türdichtung.
    Es ist schon später Nachmittag, als ich eine Farm mit Gästehaus mitten im Nirgendwo finde. Die Zimmer sind gut und preiswert, nur ein kleines bisschen teurer als eine Nacht im Auto. In der Hoffnung, in den hohen Bergen von Lesotho weniger Regen und weniger Sturm zu haben schaue ich am Abend in den Wetterbericht. Die Temperatur wird in den kommenden Tagen auf unter -10 Grad fallen.
    Baca lagi

  • Tag 301, 658 Km/44698 Km

    26 Jun 2025, Afrika Selatan ⋅ 🌬 14 °C

    Ein weiterer langer Fahrtag steht heute an, ich möchte versuchen bis kurz vor die Grenze nach Lesotho in einem Rutsch zu kommen. Das Wetter bleibt eine Herausforderung, Sturm und Regen wechseln sich ab. Auch ist es eine Herausforderung, auf diesem Stück trostloser Einsamkeit irgendwie die Zeit tot zuschlagen. Es gibt kaum Abwechslung außer die vielen LKW die es zu überholen gilt, stundenlang geht es mit konstanter Geschwindigkeit geradeaus. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke merke ich, dass die Lenkung Spiel hat. Irgendwann kann ich das Lenkrad fast eine viertel Umdrehung nach links und rechts bewegen ohne dass sich auf der Fahrbahn etwas tut. Es geht ja sowieso nur geradeaus, also fahre ich weiter bis nach Bloemfontein, der fünftgrößten Stadt Südafrikas. Die Stadt ist schäbig, vielleicht sogar noch mehr als das. Müll, kaputte Fahrzeuge, Obdachlose auf den Straßen, viele wärmen sich an brennenden Mülltonnen am Straßenrand auf. Eine solche Stadt habe ich seit der Demokratischen Republik Kongo nicht mehr gesehen. Ich suche in einem der hässlichen Vororte eine kleine Werkstatt auf und lasse die Lenkung prüfen. Ersatzteile habe ich dafür keine dabei. Jaco, der Chef, kommt mit öligen Händen zu mir und ist unglaublich freundlich. Ich glaube noch niemals jemanden getroffen zu haben, der solche Kenntnis von einem Defender hat wie er. Seine Werkstatt gleicht einem Schrottplatz, sein Fahrzeug steht irgendwo zwischen dem Schrott und dem alten Tannenbaum vom letzten Weihnachten, den er vorübergehend auf der Motorhaube abgelegt hat. Er tauscht zunächst zwei Bolzen vom Panhardstab, einem Teil der Lenkung, findet dann im zweiten Versuch aber die eigentliche Ursache. Das Gummi der Lenksäule, also der Verbindung zwischen Lenkrad und Servolenkung ist gebrochen. Die Reparatur ist optionsfrei, reißt das Gummi in Gänze kann ich nicht mehr lenken. Im besten Fall passiert das beim Ausparken, im schlechtesten Fall beim Ausweichen. Da es die nächsten Tage sehr kalt werden wird, bekommt Heiner in diesem Zuge neuen Frostschutz für den Kühler. Bei der Reparatur geht nichts kaputt, alle wissen was sie tun und am Ende möchte man 50€ incl. Material. Für mich die beste Werkstatt zwischen Marokko und Südafrika.
    Es ist mittlerweile schon spät und ich habe keinerlei Ambitionen hier in Bloemfontein zu übernachten, also quäle ich mich noch 150 Kilometer weiter, komme erst nach Sonnenuntergang an einem schäbigen aber alternativlosen Stellplatz direkt an der stark befahrenen Hauptstraße an. Auch wenn ich heute eigentlich noch ein Stück weiter kommen wollte bin ich froh, die Probleme mit der Lenkung so schnell in den Griff bekommen zu haben.
    Baca lagi

  • Tag 302, 142 Km/44832 Km

    27 Jun 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 8 °C

    Die Nacht läuft wie erwartet, es ist laut und eisig. Das Grundrauschen der stark befahrenen Straße wird von Hundegebell und Hahnengeschrei unterbrochen, die Temperatur fällt in der Nacht unter -10 Grad. Die Standheizung kommt an ihre Grenzen und selbst am Morgen, als die Sonne dann endlich aufgegangen ist liegt die Temperatur noch immer bei -5 Grad. Das Kaff, in welchem ich irgendwo im Hinterhof schlafe, ist in der Top-3 der Städte Südafrikas mit den meisten Fahrzeugaufbrüchen. Die Nacht gehört somit auch zu einer Top-3, nämlich derer der schlechtesten dieser Reise. Ich fahre ein kurzes Stück weiter bis zum Golden-Gate-Highland Nationalpark. Die Umgebung wird Stück für Stück immer schöner, hohe Berge tauchen auf und sind eingerahmt von braunem Gras. Im Nationalpark gibt es eine tolle Wanderung zum 'Echo Ravine', eine tiefe und enge Scharte mitten im Bergmassiv. Ich spüre die Höhe, bin auf 2100 Meter und bin beim Aufstieg ziemlich aus der Puste. Die Scharte, die ich nach rund einer Stunde erreiche, wölbt sich an beiden Seiten oben zusammen, was zu einem beeindruckenden Echo führt, steht man erst darin. Es ist niemand sonst da, weder auf dem Weg noch in der Scharte selbst, also kann ich dem Echo freien Lauf lassen.
    Von einer Einheimischen bekomme ich am Parkplatz den Tipp, dass direkt in der Nähe ein neues Museum erst vor wenigen Tagen eröffnet wurde. Im Nationalpark hat man Dinosaurierknochen und Eier gefunden, diese sind in dem brandneuen Museum ausgestellt. Es gibt ein Kino mit einem Film zur Erdgeschichte und erstklassige Exponate bis hin zum vollständig erhaltenen Saurierskelett. Niemals hätte ich einen solchen Ort hier in den Bergen vermutet.
    Ich finde am Nachmittag einen Stellplatz nicht weit entfernt vom Eingangstor des Parks mit hervorragendem Bergblick und werde damit für die letzte Nacht entschädigt. Die Laune ist direkt wieder oben. Nur leider die Temperaturen nicht. Direkt nach Sonnenuntergang fällt das Thermometer wieder deutlich unter den Gefrierpunkt.
    Baca lagi

  • Tag 303, 68 Km/44900 Km

    28 Jun 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 12 °C

    Ich koche am Morgen Kaffee, eigentlich alles wie immer. Das Gas für den Kocher wird noch bis zum Ende der Reise reichen, da bin ich ziemlich sicher. Voraussetzung dafür ist, am Kocher nicht nur die Flamme auszuschalten, sondern auch das Gas abzudrehen. 302 Tage ist mir das gelungen, heute verflüchtigt sich das letzte Kilo Gas dann ungenutzt in die Berge des Nationalparks. Ich muss also unbedingt irgendwo eine neue Gasflasche oder neues Gas auftreiben, also fahre ich am Vormittag ins nächste Dorf. 750 Einwohner, eine Tankstelle, ein Supermarkt, ein Gemischtwarenhandel. Sollte es kein Gas geben, muss ich entweder Brennholz kaufen oder mindestens 3 Tage Salat und Brot essen. Hinter der Theke zwei ältere Herrschaften, der Mann mit weißem langen Bart und genauso langen Haaren studiert lange die europäische Gasflasche und sagt mir dann, er könne irgendwie einen Adapter basteln und Gas in die Flasche füllen. "Kostet aber 100 Rand für die Füllung" ... 5€. 20 Minuten bastelt er aus alten Metallteilen die im Hof rumfliegen und Dichtband einen Adapter, der vom südafrikanischen Gewinde auf die europäische Gasflasche passt. Ich kann's kaum glauben, dass ihm das am Ende tatsächlich gelingt.
    Auch wenn der Nationalpark noch weitere reizvolle Wanderungen im Repertoire hätte, möchte ich heute keine Strecke laufen die länger als mein Auto ist. Also fahre ich die Panorama-Straße die mitten durch den Nationalpark führt. Die Straße führt steil entlang der hohen Berge, führt durch braunes Gras, auf dem Gnus grasen. Man spürt und sieht die Drakensberge, mein Ziel für morgen und immerhin das höchste Gebirge im südlichen Afrika.
    Seit einigen Tagen funktioniert die Handbremse am Defender nicht mehr und bei jedem Fotostopp an den steilen Hängen an der Straße habe ich Angst, dass das Fahrzeug trotz eingelegtem Gang losrollen könnte. Also mache ich am Nachmittag das, was seit Wochen überfällig ist: ich ziehe die Bremsbeläge der Handbremse nach.
    Baca lagi

  • Tag 304, 134 Km/45034 Km

    29 Jun 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 15 °C

    Ich durchquere den Nationalpark der Golden Gates und fahre in Richtung der Drakensberge. Immer wieder gibt es grandiose Ausblicke von der Straße in die Täler und auch wenn die Drakensberge das höchste Gebirge im ganzen südlichen Afrikas sind, halte ich mich zunächst im Tal der Berge auf. Die Durchquerung des Gebirges folgt voraussichtlich erst am Ende der Woche. Von 2100 Höhenmeter fahre ich stetig abwärts auf 1400 Meter, was in den nächsten Nächten vermutlich angenehmere Temperaturen rund um den Gefrierpunkt anstatt deutlich darunter bedeuten wird.
    Auf der Zufahrtsstraße zum Royal Natal Nationalpark, dem Highlight der gesamten Region, sehe ich in weiter Ferne schon die großen Berge steil emporragen. Es gibt viele Highlights, die alle auf mehr oder weniger anspruchsvollen Wegen besichtigt werden können, aufgrund der Zeit und der Schneeverhältnisse am Berg werde ich mich für zwei davon entscheiden müssen.
    Baca lagi

  • Tag 305, 22 Km/45046 Km

    30 Jun 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 15 °C

    Mit dem Amphitheater und dem Tugela Falls hat der Royal-Natal Nationalpark gleich zwei erstklassige Highlights der Bergregion zu bieten und wenn man sich anstrengt schafft man es, beides in nur einem Tag zu sehen. Man muss dafür lediglich zwischen 5 und 7 Stunden wandern, je nach Tempo. Das Wetter ist hier unberechenbar, vor allem im Winter der Südhalbkugel, man kann alle vier Jahreszeiten an nur einem einzigen Tag erleben. Um das Risiko auf der recht anspruchsvollen Route zu minimieren, zahle ich einem der lokalen Wanderführer aus dem kleinen Dorf, Cesar, ein paar Euro, damit dieser mit mir läuft. Cesar ist diese Strecke schon über 100 Mal gegangen und hier aufgewachsen, kennt die Gegend und die Berge sehr gut. Es ist am Morgen frühlingshaft und frisch, wird dann aber schnell warm. Ich kann seit Wochen endlich mal wieder im T-Shirt laufen, das ging zuletzt im Norden Namibias. Das Amphitheater, so nennt sich die hohe U-förmige Bergkette, ist nach zwei Stunden zu sehen. Dann wird es schwieriger und deutlich einsamer. Cesar erzählt mir viel über Flora und Fauna und ich bin froh ihn dabei zu haben, als wir in den 'Tunnel' laufen. Die Bergkette ist hier vom Fluss des Tungela-Wasserfalls in einer Schlucht durchbrochen und um bis zum Endpunkt zu gelangen, muss diese durchquert werden. Alleine für diesen Abschnitt lohnt es sich, den ganzen Weg auf sich zu nehmen. Schließlich kommen wir an einen Ort, von dem man den Wasserfall gut sehen kann. Der Tungela-Fall ist seit 2021, wo es eine Flut im Tal gegeben hat, der höchste Wasserfall der Welt, hat sogar den Angel Falls in Venezuela abgelöst und ist seitdem angeblich vier Meter höher. Leider ist es Winter und der Wasserfall komplett trocken. "Im Sommer" so Cesar "ist er zwar zu sehen, dann kann man aber nicht durch das Flussbett. Das Wasser steht zu hoch." Auch wenn der höchste Wasserfall der Welt gerade gar keiner ist, war es die Mühe wert.
    Als ich am Nachmittag zurück an der Campsite bin, schlägt dann das Wetter um - gerade rechtzeitig. Ein Sturm zieht auf und es wird kalt, der Herbst ist da. Fehlt jetzt nur noch der Winter und ich habe keine Hoffnung, von diesem in der Nacht verschont zu bleiben.
    Baca lagi

  • Tag 306, 185 Km/45231 Km

    1 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 16 °C

    Ich wandere am Vormittag noch eine Runde alleine durch den Nationalpark. Knappe drei Stunden dauert die Runde über die Berge bis hin zum Gudu-Wasserfall, der einzige Wasserfall der Region der auch im Winter Wasser führt. Der Rückweg führt über einen Bergrücken, von dem man immer wieder seitlich einen Blick auf das Amphitheater hat. Gerne würde ich noch länger bleiben, es gäbe hier noch vieles zu entdecken. Das Wetter treibt mich jedoch am Nachmittag schon weiter. Für Übermorgen ist für die Berge von Lesotho Neuschnee angekündigt. Ich muss über zwei anspruchsvolle Passstraßen um auf die südliche Seite der Drakensberge zu gelangen, beide Pässe sind bei Schnee unbefahrbar. Also mache ich mich am Nachmittag schon auf zur Grenze, möchte mir die Option offen halten, Lesotho im Zweifelsfall auch in einem Tag zu durchfahren. Ich finde einen Übernachtungsplatz direkt an der Grenze auf südafrikanischer Seite, kann den Grenzposten und das Hochland von Lesotho vom Stellplatz aus sehen. Die für mich vorletzte Grenze der Reise.
    Die hohen Berge verhindern hier wieder, dass die warme Luft vom indischen Ozean nach Norden gelangt, also wird es mit Einbruch der Dunkelheit wieder extrem kalt. Zwischen T-Shirt und Pulli plus Winterjacke liegen nach Sonnenuntergang 5 Minuten, wenn überhaupt. Für morgen drohen noch kältere Temperaturen. Die höchste Stelle der Passstraße liegt auf über 3200 Meter.
    Baca lagi

  • Tag 307, 230 Km/45461 Km

    2 Julai 2025, Lesotho ⋅ ☀️ 11 °C

    Ich fahre am Morgen zur Grenze. Beide Seiten laufen problemlos, auch wenn man auf der Seite von Südafrika noch nie ein Carnet de Passage gesehen hat und niemand eine Ahnung hat, was damit zu tun ist, nicht mal die Zollchefin. Nachdem ich den Zöllnern erkläre, wie ich das Fahrzeug legal wieder ausführen kann, darf ich ausreisen und schließlich in Lesotho einreisen. 500 Meter hinter der Grenze halte ich an um mich nach einer SIM-Karte für Lesotho umzusehen. Eigentlich sind alle Grenzen zwischen Marokko und Südafrika mehr oder weniger verrucht, überall lungern komische Typen rum von denen man keine Ahnung hat, was diese wollen. So auch hier. Ich sitze noch im Auto und orientiere mich, da kommt ein komplett vermummter Mann zur Fahrertür, versucht diese zu öffnen und schreit durch die verschlossene Tür "Give me your Passport!" Ich gebe ihn zu verstehen, dass er verschwinden soll nur benutze ich dafür nicht ganz so höfliche Worte wie jetzt hier. Zu meiner Überraschung geht er tatsächlich, ich kann also 2 Minuten später aussteigen und eine SIM kaufen.
    Ich fahre schließlich weiter rein nach Lesotho, deutlich ärmer als alle anderen Ländern des südlichen Afrikas. Es gibt hier keine Slums mehr wie in Südafrika, hier sind einfach gefühlt alle arm. Die Straße ist mal wieder kaputt, es gibt Checkpoints die eher der Korruption als der Sicherheit der Bevölkerung dienen, Menschen leben in Lehmrundhütten an den Berghängen. Es gibt eigentlich nur zwei Arten von Menschen, die mir auf der Straße begegnen: diejenigen die winken und die, die ihre Hand aufhalten, fast alle sind in Decken gekleidet um sich gegen die schneidende Kälte zu schützen.
    Dann unterziehe ich Heiner dem ultimativen Test, über den Mahasela Pass geht es auf über 3200 Meter Höhe, höher als die Zugspitze. Es liegt Schnee, schon weit vor dem Gipfel. Die Landschaft ist eine der Schönsten der letzten Wochen, schöner als alles was ich in Südafrika bislang gesehen habe.
    Kurz hinter dem Gipfel gibt es eine Skipiste und ein Luxus-Resort, zumindest was den Preis und die Arroganz der Mitarbeiter angeht. Ich hätte mir vorstellen können hier zu übernachten, entscheide mich aber schnell aus besagten Gründen dagegen und investiere mein Geld lieber in einem der kleinen lokalen Restaurants als hier.
    Es ist zugegeben nicht einfach, auf dem weiteren Stück einen Übernachtungsplatz zu finden. Überall sind kleine Dörfer, links und rechts neben der Straße liegt Schnee. In einem weiteren Anstieg fahre ich hoch bis auf den Gipfel vom Sani-Pass wieder auf über 3200 Meter Höhe. Der Sani-Pass führt in einer steilen und unbefestigten 4x4-Strecke über hunderte Kurven runter nach Südafrika und ich habe eigentlich am Nachmittag keine Lust mehr mich auf dieses Stück einzulassen. Also frage ich kurz vor der Grenze bei den dort wohnenden Einheimischen, ob ich die Nacht hinter den Rundhütten des kleinen Dorfs verbringen kann. Es wäre auch möglich, in einer der Hütten zu schlafen, aber ich bevorzuge das Auto mit Standheizung. Ich bin mir sicher, die kälteste Nacht der Reise vor mir zu haben, mitten im Winter auf fast 3000 Metern Höhe. Wenn alles klappt und ich die Nacht nicht einfriere, verlasse ich morgen Vormittag Lesotho wieder.
    Baca lagi

  • Tag 308, 225 Km/45686 Km

    3 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 25 °C

    Es wird Zeit für eine wärmere Gegend, also breche ich am Morgen irgendwann auf, fahre das kurze Stück bis zur Grenze. Heiner möchte bei -8 Grad am Morgen nicht anspringen und als er dann irgendwann doch will geht der Motor nach 10 Sekunden wieder aus. Er weiß wohl schon, was da heute auf ihn wartet. Die Ausreise dauert 5 Minuten und 10 Sekunden. Die 10 Sekunden dauert es den Pass zu stempeln, die 5 Minuten dauert die Debatte über Fortuna Düsseldorf und wer wirklich die beste Fußballmannschaft der Welt ist.
    Dann fahre ich auf den Sani Pass bis runter nach Südafrika. Die Passstraße zählt als eine der gefährlichsten Straßen Afrikas, unbefestigt geht es unglaublich steil nach unten. Auf beiden Seiten der Grenze lassen einen die Grenzbeamten nur mit Geländefahrzeug passieren, ganz egal für welchen Fußballverein man hält. Auch wenn ich in den scharfen Kurven bei der Steigung manchmal glaube, das Fahrzeug würde umkippen, ist die Straße besser als ich dachte. Fährt man langsam, passiert auch nichts. Manch einer kannte diese Regel wohl nicht und hat hier mit dem Leben bezahlt, Zeuge davon sind die kaputten Schrottreste die im Tal neben der Strecke 150 Meter tiefer liegen. Auch die Einreise in Südafrika im Tal geht schnell, leider gibt es auf dieser Seite der Grenze keinen Zoll, ich hätte das Fahrzeug gestern nicht mit dem Carnet de Passage ausführen dürfen. Ohne Stempel in den Papieren geht es weiter, ich hoffe das sich dies bei der finalen Ausreise im Hafen von Kapstadt nicht zu einem Problem entwickelt. Vorbei an ärmlichen Dörfern geht es schließlich bis zur Küste, die Strecke zieht sich ziemlich und ist nicht besonders ansprechend. Ich erreiche am späten Nachmittag Rocky Bay, wo es einen riesigen Campingplatz gibt, 150 Einheiten stehen dicht an dicht nebeneinander. Auf der ganzen Reise habe ich solch einen Platz in dieser Dimension noch nicht gesehen, südafrikanische Rentner-Dauercamper sitzen vor den Vorzelten und trinken am Nachmittag schon Bier. Fühlt sich trotzdem gut an, eine Nacht hier zu verbringen, auch wenn es komisch ist, an einem Tag von fast 3000 Meter auf 0 Meter Höhe gefahren zu sein.
    Baca lagi

  • Tag 309, 286 Km/45972 Km

    4 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 17 °C

    Schon vor Wochen habe ich die Entscheidung getroffen, den Osten von Südafrika mit Swaziland und Mosambik nicht mehr zu bereisen und nach der Durchquerung von Lesotho wieder langsam zurück nach Kapstadt zu fahren. Das Stück, was nun also folgt, zählt leider nicht zu den besten Gegenden von Südafrika. Möchte man von Durban nach Port Elizabeth fahren, muss man einmal durch die Transkei, einer der ärmsten Regionen des Landes. Es gibt leider keine sinnvolle Alternativroute, also fahre ich am Morgen zunächst auf einem gut ausgebauten Highway in Richtung Westen. Die Gegend wird nach und nach einfacher und ärmer, die Straße immer schmaler, schließlich bin ich in der Transkei. Weiße sehe ich keine mehr, Touristen sowieso nicht, die sind alle schon vor Kilometern an einer der letzten Ausfahrten abgefahren. Die Gegend ist total unterentwickelt, einzelne Häuser stehen an den Berghängen, häufig ohne Fensterscheiben. Müll wird in den Straßen und auf den Feldern verbrannt, Rinder direkt an der Straße geschlachtet, Ziegen werden im Kofferraum mitgenommen. Eigentlich würde ich so eine Gegend eher in Zentral- oder Westafrika vermuten, jedoch nicht im südlichen Teil des Kontinents. Auf den Straßen lungern unzählige Leute rum, bei vielen habe ich keine Ahnung was diese genau tun, vermutlich gar nichts. Entdeckt man mich, brüllt man mir in der Regel irgendetwas zu, das ich nicht verstehe. Ist bestimmt etwas nettes.
    Ich fahre durch die Stadt Flagstaff, ein chaotisches, dreckiges Loch mit riesigem Verkehrschaos. Man hat mich vorher gewarnt, in Flagstaff auf keinen Fall anzuhalten, die Stadt ist bekannt dafür, dass den stehenden Fahrzeugen die Scheiben eingeschlagen und Wertsachen entwendet werden, vollkommen egal ob noch jemand darin sitzt. Ich stehe mitten im Stau, es geht weder vor noch zurück, zum Glück bleiben die Scheiben ganz. Ein Stück hinter Flagstaff verlasse ich die Hauptstraße, fahre eine unbefestigte Piste durch kleine Dörfer bis zu einem Hochplateau kurz vor den Magwa-Wasserfällen. Erwachsene bleiben am Straßenrand stehen und schauen mir hinterher, als ich vorbeifahre, Kinder winken freundlich. Das gab es schon lange nicht mehr, Touristen scheint es hier offenbar nicht allzu häufig zu geben. Kurz vor den Wasserfällen wohnt Louis, ein weißer Südafrikaner, der am Rande des Hochplateaus in einer der Rundhütten lebt.
    Ich habe mit Louis seit einigen Tagen bereits Kontakt über WhatsApp, er lässt mich für drei Nächte auf seinem Grundstück übernachten und wird mir so die Möglichkeit geben, diese Region der 'Wild Coast' zu besichtigen, eine der wenigen von Südafrika in die sich scheinbar nur ganz selten ein Tourist verirrt.
    Baca lagi

  • Tag 310, 0 Km/45972 Km

    5 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 20 °C

    Ich lasse das Auto heute nach langer Zeit endlich mal wieder stehen und mache mich zu Fuß auf den Weg zum Magwa-Wasserfall. Louis erklärt mir, wo ich langgehen muss und welche Ecken ich eher meiden soll, die größte Gefahr sind die Hunde im Dorf, die mich natürlich nicht kennen und schonmal aggressiv sein können. Also laufe ich die Stunde bis zum Wasserfall alleine, immer direkt an der Abbruchkante entlang und so gut es geht ums Dorf herum. Am Ende der tiefen Schlucht fällt der Wasserfall mit fast 150 Metern Höhe in die Tiefe der Schlucht. Die Regierung hat irgendwann einmal einen Picknickplatz hier errichtet, der von niemandem genutzt wird. Der Wasserfall ist zu schwierig zu erreichen, die Gegend nicht die beste, große Städte liegen eine Tagesreise entfernt, allein für die letzten 20 Kilometer braucht man eine Stunde. Also verkommt der Picknickplatz mit bester Sicht auf den Wasserfall mittlerweile, ist nur noch eine überwucherte Ruine, ein Lost Place. Ich treffe am Wasserfall auf einen Hirten aus dem Dorf, plaudere kurz mit ihm, schließlich zeigt er mir einen Weg über den Fluss auf die andere Seite der Schlucht. Er erklärt mir, dass vor vielen Jahren plötzlich ein Fahrzeug in die Schlucht gefallen ist, die Überreste sind noch gut zu sehen. Niemand weiß, wer das Fahrzeug gefahren hat oder wer genau hinterm Steuer gesessen hat, vor allem aber nicht wie derjenige es geschafft hat, über wegloses, anspruchsvolles Terrain bis zur Abbruchkante zu fahren und dann auch noch herunterzufallen. Selbst zu Fuß war das schon nicht ohne.
    Ich bin später wieder zurück bei Louis, der am Nachmittag seine Freunde eingeladen hat. Südafrika ist bekannt für seine 'Braai-Kultur', man lädt Freunde zum Grillen ein, am liebsten jeden Tag. Ein Campingplatz ohne Braai-Platz ist eigentlich unvermietbar. Natürlich besteht Louis darauf, dass sein deutscher Gast beim Braai dabei ist. Einer der Gäste bringt frisch geschlachtetes Schwein von seinem Hof mit, es gibt Maisbrot und in Speck eingewickelte Kirschen. Ich habe noch Kohl und Möhren im Kühlschrank, steuere einen deutschen Krautsalat bei. Authentischer könnte man die südafrikanische Kultur kaum erleben. Als irgendwann alle satt und auf dem Heimweg sind, lädt mich Louis noch auf einen Kaffee in seine Hütte ein. Es gibt hier, wie so häufig schon, keinem Strom und kein fließendes Wasser. Kerzen und eine kleine Solarleuchte, ein selbst geschmiedeter Ofen, drumherum ein paar Bänke, eine kleine Küche, fertig. Seit 17 Jahren wohnen Louis und seine Mutter hier in dieser einfachen Rundhütte, er träumt von einer Dusche, die solarbeheizt ist, damit er nicht jedes Mal die 10 Liter Wasser vom Feuer in die Duschkabine tragen muss.
    Louis bietet mir an, morgen mit ihm zusammen etwas aus Leder zu fertigen. Mit der Fertigung von Lederprodukten kommt er ganz gut über die Runden und da ich zwar schon mit vielen Materialien, aber noch nie mit Leder gearbeitet habe, kann ich mir das natürlich nicht entgehen lassen und bleibe noch einen weiteren Tag in den Bergen der Transkei.
    Baca lagi

  • Tag 311, 0 Km/45972 Km

    6 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☁️ 17 °C

    Gemeinsam mit Louis fange ich am morgen an etwas aus Leder zu fertigen. Louis hat diverse Schnittmuster, ich suche mir eines davon aus, dann beginnt die Arbeit. Der schwierigste Teil ist die Auswahl von Leder- und Nahtfarbe. Eine Tasche aus dunkelbraunem, südafrikanischem Rindsleder aus mit hellen Nähten soll es werden, in drei Stunden bin ich sicherlich fertig. Nach 8 Stunden ist es dann tatsächlich soweit, die Tasche ist fertig. Passend regnet es den ganzen Tag. Der Tag war eine Wohltat und eine tolle Abwechslung zu den Fahr- und Wandertagen der letzten Wochen.Baca lagi

  • Tag 312, 356 Km/46328 Km

    7 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 16 °C

    Ich verlasse den Hof von Louis früh, möchte den Tag so schnell wie möglich hinter mich bringen. Vollkommen egal, mit wie vielen Einheimischen ich in den letzten Tagen gesprochen habe, alle sagen eigentlich das gleiche: die westliche Region der Transkei ist nicht sicher. Das Stück zwischen Port St. Roberts und der Stadt Mthatha ist ein Hotspot für Entführungen von Weißen, die letzte war vor 6 Monaten. Mthatha gilt als die gefährlichste Stadt von ganz Südafrika, zumindest was die Statistik angeht und hat mit organisierter Kriminalität zu kämpfen. Ich komme um beide Teile von Südafrika nicht herum, Louis sagt mir vor der Abreise, ich solle niemals anhalten, auch nicht bei roten Ampeln. Ich hatte eigentlich gehofft, von ihm eine andere Meinung zu bekommen, aber er bläst ins gleiche Horn.
    Auf der Straße ist dann alles wie immer, die Gegend ärmlich und langweilig, keine Abwechslung, keine Vegetation. Im Gesamten kann ich der ganzen Region nicht viel abgewinnen, also gucke ich dass ich zügig in schönere Ecken komme. Kurz hinter Port St. Johns stehen zwei Männer auf der Straße, beide in Warnwesten und mitten auf der Straße, ich soll anhalten. Die Straße ist zu schmal, um hier einfach durchzufahren, ich kann also nur stoppen oder einen der beiden überfahren. Also halte ich an, öffne das Fenster 2 Zentimeter, Gang bleibt drin. Ich sehe kein Polizeifahrzeug, einer der beiden hat aber "Police" auf der Warnweste eingestickt. In ganz Südafrika gab es noch keinen einzigen Checkpoint und genau hier, im 'Hotspot' für Entführungen soll nun einer sein.
    Die Weste kann ja eigentlich nicht lügen, also bekommt er meinen Führerschein. Der Polizist bemängelt, dass ich auf dem Führerschein nicht unterschrieben habe und tatsächlich, es gibt ein Feld wo eine Unterschrift hätte hingehört. Über 1000 Kontrollen in Afrika und niemandem ist das bisher aufgefallen, nicht einmal mir selbst. Er ermahnt mich, ahndet dieses Schwerverbrechen jedoch nicht. Ich frage ihn, wie die Lage auf dem Stück wirklich ist und spreche ihn auf die Raubüberfalle und Entführungen an. "Not today, the roads are clear!" sagt er. Heute also nicht, Glück gehabt!
    Schließlich geht es weiter nach Mthatha. Die Stadt ist schon schmuddelig aber weit entfernt von den Horror-Geschichten die ich vorher gehört habe. Da habe ich viel schlimmeres in Kamerun oder der Elfenbeinküste gesehen. Ich komme problemlos durch dieses Stück. Als ich den Grenzfluss der Transkei überquere, beginnt schlagartig wieder die Vegetation, es gibt Bäume und Sträucher. Man könnte meinen, die Einwohner der Transkei hätten über die Jahrzehnte alles was wächst in den Kaminen verbrannt. Ich fahre noch ein Stück weiter, finde an der Küste einen schönen Stellplatz. Ich bin der einzige der hier übernachtet und weil sonst niemand da ist haben die Affen die Campsite übernommen. Ich muss in der Küche und den Waschräumen erstmal für Ordnung sorgen und die Affen von überall vertreiben. Niedlich und nervig gleichzeitig, jedes Mal wenn ich eine der Türen vom Auto aufmache muss ich darauf achten, dass keiner der Affen hereinspringt.
    Baca lagi

  • Tag 313, 0 Km/46322 Km

    8 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ⛅ 21 °C

    Die Gegend rund um die westliche Wild Coast ist zu schön, um nach einem Tag direkt weiter zu fahren. Also entscheide ich mich am Morgen noch einen Tag zu bleiben. Ich drehe eine Runde zu Fuß durch die Bucht, die Dünen fallen hier steil zur Küste hin ab und bei Ebbe kann man den schmalen Küstenstreifen entlanglaufen. Der Strand wird immer wieder durch riesige Muschelbänke und Steine durchbrochen, Rinder stehen hin und wieder an der Küste, eines der Markenzeichen der Wild Coast. An baden im Meer ist nicht zu denken, zum einen wird es tagsüber nicht wärmer als 15 Grad, zum anderen ist die Strömung viel zu stark. Außerdem ist die Küste von Südafrika bekannt für seine Haipopulation, also bleibe ich an Land.
    Den Nachmittag nutze ich endlich mal wieder um das Auto zu checken. Die Standheizung hat in den letzten Nächten immer mal wieder eine Störung angezeigt und aufgehört zu heizen, ich finde ein gebrochenes Kabel an der Fernbedienung, welches ich repariere. Davon abgesehen scheint optisch bei Heiner derzeit alles in Ordnung. Je weiter ich gefahren bin, umso besser wurde er. Könnte natürlich auch an den besseren Straßen liegen. Oder vielleicht auch einfach daran, dass schon alles kaputt ist und kaum mehr Neues dazukommen kann.
    Baca lagi

  • Tag 314, 340 Km/46662 Km

    9 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ⛅ 25 °C

    Es muss langsam zurück nach Kapstadt gehen, also versuche ich heute das relativ langweilige Stück zwischen East London und Port Elizabeth zügig hinter mich zu bringen um mehr Zeit an der Garden Route verbringen zu können, dem Touristenhotspot von Südafrika. Ich fahre durch das Zentrum von East London, welches wie viele Städte Südafrikas daherkommt. Nettes Stadtzentrum, schäbige Vororte. Zwischen Drogenabhängigen, die sich am Straßenrand Heroin spritzen und gepflegten Boulevards liegen weniger als 5 Kilometer. Außer Kapstadt ist für mich keine Stadt in Südafrika reizvoll, also fahre ich nur durch. Auf dem Weg nach Port Elizabeth wechseln sich Villenviertel und Slums ab, die Küste wird hier immer wieder durch die vielen Flüsse aufgebrochen, die sich als 'Mouth', als breites Schwemmland ins Meer ergießen.
    Kurz vor Port Elizabeth liegt der Addo-Elefanten-Nationalpark und ich möchte die letzte, wenn auch geringe Chance auf einen Leoparden oder einen Geparden nutzen. Es ist schon spät und ich muss zügig zum Campingplatz im Park kommen, bevor sich hier zum Sonnenuntergang die Tore schließen. Eigentlich möchte ich nur Transit durch den Park fahren und morgen alles in Ruhe ansehen, aber im Park ist einfach der Teufel los. Elefanten, Gnus und Antilopen stehen auf den grünen Hängen der Hügel oder trinken aus den Wasserlöchern. Schon kurz vor Erreichen der Campsite liegen dann auch noch zwei weibliche Löwen im Gras. Wo ich in anderen Nationalparks im südlichen Afrika tagelang nach gesucht habe, ist hier schon auf der asphaltierten Transitroute zu sehen.
    Auch wenn ich weiterhin wenig Hoffnung habe, in den kommenden zwei Tagen noch andere Raubkatzen zu sehen, bin ich gespannt was tatsächlich auf mich wartet.
    Baca lagi

  • Tag 315, 98 Km/46760 Km

    10 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 20 °C

    Ich drehe am Vormittag eine lange Runde durch den Nationalpark aber außer den 'üblichen Verdächtigen' wie Elefant, Zebra und co. ist nichts besonderes dabei. Es gibt einen Löwen für mich, der im Gras liegt und kaum zu sehen ist. Trotzdem ist der Addo ein toller Nationalpark mit wirklich vielen Tieren und toller Natur. Ich bin am Nachmittag schon auf dem Weg nach draußen, als ca. 150 Meter weiter im Gebüsch ein Elefantenbulle steht. Ich mache den Motor aus und beobachte ihn, zunächst beim Fressen der Blätter. Schließlich fängt er an, mit dem Rüssel rundherum alles zu zerschlagen, morsche Äste brechen von den Bäumen ab. Dann sollen Heiner und ich dran glauben. Er schaut mich auf einmal an, rennt wie von Sinnen auf mich zu. Ich schaffe es zum Glück das Auto im ersten Versuch zu starten und rase ein Stück die Straße davon. Der Elefant rennt noch kurz hinter mir her, wendet sich dann aber wieder den Bäumen zu, die weniger gegen seine Aggressionen tun können als ich im Auto. Gerade nochmal gut gegangen, vielleicht sollte ich zukünftig den Motor nicht mehr ausstellen. Der volle und enge Campingplatz im Nationalpark war nicht mein Fall, also suche ich mir am Nachmittag eine Alternative außerhalb des Parks. Es gibt einen Fluss, der auch hier zu einem breiten Schwemmland wird und ins Meer fließt. Rund um das Schwemmland stehen Sanddünen, die ich schon von Nationalpark aus gesehen habe. Ich verbringe die Nacht direkt am Wasser, kurz bevor der Fluss das Meer erreicht und habe einen schönen Blick auf die Dünen auf der anderen Flussseite. Ich bin mir sicher, morgen noch eine Runde durch die Dünen drehen zu wollen, bevor es auf den letzten Safaritag dieser Reise zurück in den Addo gehen wird.Baca lagi

  • Tag 316, 70 Km/46830 Km

    11 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ 🌬 18 °C

    Ich wache tief in der Nacht auf, als das Licht im Hubdach angeht. Es ist 3 Uhr und ich brauche erstmal einen Augenblick um zu kapieren, was passiert ist. Durch die Feuchtigkeit der Meeresluft hat der Lichtschalter der Innenraumbeleuchtung einen Kurzschluss, die Lampen lassen sich nicht mehr ausschalten, ganz egal wie oft ich den Schalter betätige. Hilft also nur Sicherung ziehen, den Schalter muss ich zeitnah reparieren, ohne Licht im Auto geht es eigentlich nicht.
    Am Morgen drehe ich eine Runde durch die Dünen. Die gesamte Gegend ist mega schön, fast schon schöner als der Addo-Nationalpark selbst. Der Fluss fließt hier breit und flach ins Meer, links vom Fluss die hohen Dünen, rechts davon der dichte Wald, der sich vom Nationalpark bis hierher runterzieht. Ich glaube noch nie an einem Ort gewesen zu sein, wo man Wald, Dünen und Meer gleichzeitig sehen kann. Ich könnte noch einen Tag hier verweilen, aber ich muss weiter, zurück durch den Addo und bis an das nördliche Ausfahrtstor, damit der Weg morgen nicht ganz so lang ist. Für das kurze Stück durch den Nationalpark braucht man fast 2 Stunden, Stopps nicht inbegriffen. Der Leopard bleibt mir auch am letzten Tag verwehrt, wäre ich direkt morgens in den Nationalpark gefahren, hätte ich bestimmt einen gesehen. Auch wenn sich die Tierwelt, insbesondere mit den Elefanten wiederholt, ist es für mich eine schöne Abschlussrunde, es wird auf dieser Reise keinen weiteren Safaritag mehr für mich geben. Fast schon ein wenig schade.
    Baca lagi

  • Tag 317, 237 Km/47067 Km

    12 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 16 °C

    Ich verlasse den Addo-Nationalpark und fahre nach Norden. Vorbei an riesigen Orangenplantagen, die mich bestimmt über eine Stunde lang links und rechts der Straße begleiten geht es in einen dünn besiedelten Teil von Südafrika. Die Dörfer werden kleiner und ärmer, viele sind von der Entwicklung nicht weit von Wellblechsiedlungen entfernt. Die Region lebt fast ausschließlich von der Orangenernte und ein Kilo Orangen kostet im Supermarkt keine 50 Cent, da ist kein großer Reichtum möglich. In den wenigen Städten, die besser entwickelt sind und in denen es Geschäfte und Banken gibt, stehen die Leute zu hunderten am Geldautomat an um Bargeld zu bekommen. Zuletzt habe ich so etwas im Kongo gesehen.
    Es wird wieder windiger, kälter und einsamer, irgendwann erreiche ich die Stadt Graff-Reinert, eine kleine und nette Stadt, die nach Kapstadt die zweitälteste des Landes ist und eine tolle niederländische Kirche im Stadtzentrum aufweist. Der Ort passt überhaupt nicht in die sonst so verlassene und triste Gegend. Direkt außerhalb der Stadt liegt das 'Valley of Desolation', das 'Tal der Trostlosigkeit' mit Wanderwegen, Bergen und Felsspalten. Zwei Tage werde ich in der kleinen Stadt verbringen und morgen zu Fuß in die 'Trostlosigkeit' aufbrechen.
    Baca lagi

  • Tag 318, 8 Km/47075 Km

    13 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 23 °C

    Ich fahre am Morgen ein kurzes Stück zum Ausgangspunkt einer Tageswanderung durch den Nationalpark. Hört sich easy an, ist es aber nicht. Die Runde soll fast 6 Stunden dauern. Als ich das Auto am einsamen Parkplatz außerhalb der Stadt abstelle, sehe ich hinten links einen platten Reifen - mal wieder. Der gleiche Reifen hatte vor rund drei Wochen ein gerissenes Ventil. Ich lasse erstmal alles so wie es ist, kümmere mich später um die Luft und laufe los. Die ersten 1.5 Stunden sind okay, immer wieder stehen Aloe-Vera Bäume mit roten Blättern am Wegesrand. Der Spandau Kop, ein Gipfel der ein wenig aussieht wie die Mine eines Kugelschreibers und das Wahrzeichen von Graaff-Reinert ist, ist von verschiedenen Seiten zu sehen und bietet immer wieder wunderschöne Motive. Dann endet der Weg plötzlich im dichten Gestrüpp des Nationalparks. Niemand ist sonst unterwegs, ich habe weder auf dem Parkplatz ein anderes Auto stehen sehen, noch sonst jemanden auf dem Weg getroffen. Es ist unglaublich einsam. Ich versuche rund 30 Minuten mit Hilfe von GPS einen ungefähren Weg durch das Gestrüpp zu finden und bin mir sicher, wenn hier irgendwas passiert, ist das richtig schlecht. Es gibt Schlangen wie die Kap-Kobra in diesem Gebiet und auch wenn ich einen Giftsauger dabei habe bin ich mir sicher, dass ein Schlangenbiss hier im dichten Gestrüpp und fast zwei Stunden vom Auto entfernt tödlich wäre. Dann plötzlich schreit ein Tier. Der Schrei ist ziemlich nah, kommt irgendwo von den Felsen die rechts sind. Ein einzelnes Hundegebell welches hintenraus zu einem Jaulen wird. Noch nie im Leben habe ich so ein Geräusch gehört. Der Schrei geht mir durch Mark und Bein. Es gibt hier zwar keine Löwen, aber hier auf Schakale, Erdwölfe oder gar eine Hyäne zu treffen, darauf kann ich gut verzichten, auch wenn ich ein Tierabwehrspray dabei habe. Ich drehe um. Die Schreie sind immer wieder zu hören, das Tier folgt mir ein ganzes Stück, immer wieder blicke ich mich um, auch als ich zurück auf dem Pfad bin. Sehen tue ich bis zum Schluss nichts, das Geschrei wird irgendwann leiser und ist weiter weg, verstummt dann.
    Der Pfad gabelt sich nach einem guten Stück, also nehme ich die zweite Option zurück. Ich sehe Strauße in der Ferne, immer mal wieder springt irgendwas großes wie von Sinnen dicht neben mir aus dem Gebüsch und rennt davon, vermutlich Antilopen. Auch hier sehe ich nichts. An einer Stelle treffe ich auf eine Leopardenschildkröte, welche im dichten Gras kaum zu sehen ist. Eher selten zu sehen gehört die Schildkröte zu den 'Little Five' des südlichen Afrikas.
    Ich bin nach 5 Stunden zurück am Auto, pumpe den Reifen auf und mache mich auf den Rückweg ins Stadtzentrum. Heute ist Sonntag und alles hat geschlossen, also muss ich die Reifenreparatur auf morgen vertagen. Sollte ich in der kleinen Stadt niemanden finden, der den Reifen flicken kann, kommt bis Kapstadt notfalls der Ersatzreifen drauf.
    Baca lagi

  • Tag 319, 55 Km/47130 Km

    14 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 13 °C

    Es geht am Morgen zuerst zum Reifenservice. Die Werkstatt ist unglaublich professionell, man schafft es im ersten Versuch den Wagenheber richtig zu bedienen und keine zwei Minuten später ist der Reifen runter. Es gibt sogar ein kleines Körbchen, in dem die abgeschraubten Radmuttern gesammelt werden. Bei so viel Professionalität kann nichts mehr schief gehen. Insgesamt hat der Reifen vier Löcher und einen großen Riss an der Innenseite, der zum Glück noch nicht ganz durch ist. Keine Ahnung, was ich da gemacht habe bzw. wo ich da wohl durchgefahren bin. Der Reifen ist reparabel und nach einer Stunde wieder drauf. Kostenpunkt für zwei Personen, jeweils eine Stunde: 8€ incl. Flickzeug. Die zweite Werkstatt von Marokko bis hierher mit dessen Leistung ich uneingeschränkt zufrieden bin.
    Mit knüppelhart aufgepumpten Reifen fahre ich ins Valley of Desolation. Die Straße führt steil hoch auf die Bergkuppe, es gibt einen Fußweg von rund einer Stunde direkt an der Abbruchkante entlang. Der Fels fällt hier mehrere hunderte Meter steil bergab. Es gibt kein Geländer, einen Schritt zu weit und man ist unten. Der Blick von oben auf die Tiefebene, die Felsnadeln und die Abbruchkante ist unglaublich toll.
    Am Nachmittag fahre ich zurück, der Nationalpark rund um das Valley of Desolation hat mehrere Offroadpisten zur Auswahl um zurück zur Hauptstraße zu kommen. Es gibt einen großen Staudamm in der Nähe und da dieser gerade übervoll ist, sind ziemlich viele Straßen überspült und nicht befahrbar. Die Runde durch den Nationalpark ist trotzdem super, Strauße, Antilopen und Gnus grasen im Flachland, rennen sofort weg, wenn sie mich entdecken.
    Der Reifen bleibt bis zum Ende des Tages dicht, also kann es morgen langsam wieder zurück zur Küste gehen. Ein wenig schade ist es schon, die Gegend rund um Graff-Reinert ist für mich bislang die schönste Region von Südafrika.
    Baca lagi

  • Tag 320, 377 Km/47507 Km

    15 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 13 °C

    Es geht wieder zurück an die Küste. Um in den Tsitsikamma Nationalpark zu kommen habe ich zwei Optionen. Entweder ich nehme die kürzere und langweilige Strecke über Port Elizabeth, oder ich fahre eine einsame und ungeteerte Passstraße. Ich entscheide mich für den Pass. Zunächst geht es für mehr als 100 Kilometer wie mit dem Lineal gezogen geradeaus. Immer wieder stehen Aloe-Vera Bäume und Kakteen am Straßenrand, die Pflanzen wachsen so weit man schauen kann die Hügel hinauf. Die Sonne scheint und es ist eisig kalt, knapp über 0 Grad Celsius, auch noch mittags. Die Wetterlage sorgt dafür, dass die Wolken in den Tälern so tief hängen, dass man fast hindurchfahren kann.
    Dann kommt die Passtrasse, die sich von 1000 Metern Höhe bis zum Meeresspiegel herabwindet. Eine Kurve nach der Nächsten zieht sich durch den dichten Nadelwald. Macht man die Augen zu, könnte man meinen, man sei in Österreich oder in Bayern, kurz darauf würde man dann aber auch von der Straße abkommen und mehrere hundert Meter tief nach unten fallen, es gibt keine Leitplanke. Die Straße ist ziemlich schmal, zum Glück gibt es fast keinen Gegenverkehr und wenn doch, ist es immer sehr spannend nur wenige Zentimeter von der Kanten entfernt entlang zu fahren.
    Ich erreiche die Küste und später auch den Nationalpark. Es gibt einen Campingplatz direkt am Meer, keine 5 Meter von den hohen Wellen entfernt, die hier auf die rauhe Küste treffen. Das wird eine super ruhige Nacht, die Wellen schlucken jedes Geräusch. Zur Hauptsaison sicherlich ein unglaublich voller Platz, es gibt immerhin fast 250 Stellplätze. Jetzt mitten im Winter bin ich glücklicherweise fast alleine. Zwei Nächte werde ich bleiben und morgen eine der beiden Routen zu Fuß durch den Nationalpark nehmen.
    Baca lagi

  • Tag 321, 0 Km/47507 Km

    16 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ☀️ 17 °C

    Ich bin mal wieder vor Sonnenaufgang wach, sitze ein wenig vor dem Auto. Es ist eisig, das Meer ist so unruhig, dass die umherwirbelnde Brandung die Temperatur nochmal um ein paar Grad nach unten zieht. Die Wellen sind locker 10 Meter hoch, treffen sie auf die Küste spritzt das Wasser so hoch wie ein Mehrfamilienhaus. Kurz nach Sonnenaufgang zieht eine Gruppe Delfine an der Küste vorbei. Immer wieder sehe ich die Rückenflossen auf- und abtauchen. Dann plötzlich, springt ein Wal nach oben, landet heftig wieder im Wasser. Leider bin ich zu langsam, um ihn zu fotografieren, sehe aber noch lange seinem Atem, der immer wieder meterhoch ausgestoßen wird.
    Nachdem die Hände irgendwann nicht mehr an Kaffeetasse und Armlehne festgefroren sind, geht es zu Fuß zum Tsitsikamma-Wasserfall. Die Strecke ist ziemlich anspruchsvoll, mehr als die Hälfte des Weges muss über die rauhen Klippen direkt an der Küste zurückgelegt werden. Es ist super rutschig und ich habe immer wieder Angst zu stürzen, also muss ich oft auf allen Vieren laufen. Noch mehr Angst habe ich jedoch, dass mich eine der hohen Wellen von den Steinen spült, die den Küstenstreifen komplett in weißer Gischt hinterlassen. Ich erreiche nach fast zwei Stunden den Wasserfall, ohne zu stürzen und ohne weggespült zu werden. Das Wasser läuft die lila gefärbten Steine runter, in ein tiefschwarzes Becken und von dort in die meterhohen, weißen Wellen. Unglaublich, was man hier geboten bekommt! Der Rückweg ist nach langer Pause der Gleiche wie der Hinweg, nur mit mehr innerlichem Gejammer. Als ich zurück bin, bin ich von dem langen Klettern über die Steine total k.o..
    Eigentlich wollte ich morgen weiterfahren, aber die Küste ist zu schön, um hier nur einen Tag zu bleiben. Also entscheide ich mich am Abend noch dazu, einen weiteren Tag im Nationalpark dranzuhängen.
    Baca lagi

  • Tag 322, 0 Km/47507 Km

    17 Julai 2025, Afrika Selatan ⋅ ⛅ 18 °C

    Neben dem Weg über die rauhen Steine an der Küste gibt es ein weiteres Highlight von Tsitsikamma. Es gibt einen Pfad hoch in die Berge, tief durch den Wald, der bis auf den schmalen Küstenstreifen den ganzen Nationalpark bedeckt. Nicht ganz so spektakulär wie der Pfad entlang der Küste, trotzdem wunderschön. Es gibt einen Aussichtspunkt hoch oben auf einem der Gipfel, ich sitze keine 10 Sekunden da geht das Spektakel los. Erst von oben ist so richtig gut zu sehen, wie viele Wale hier in der Bucht schwimmen. Blauwal, Glattwal, Buckelwal, an bestimmt 15 Stellen gleichzeitig. Immer wieder schießt der Sprühnebel der Blauwale beim Luftholen nach oben, die Glattwale tauchen ab und zeigen ihre Heckflosse. Die Buckelwale sind am besten zu sehen, springen immer wieder hoch aus dem Wasser und schlagen mit der Seite ins rauhe Meer. Ich weiß manchmal gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll.
    Es geht irgendwann weiter, Tsitsikamma ist bekannt für eine lange Hängebrücke, die gleich mehrere Buchten überspannt. Mit der Sonne und dem hellblauen Meer sehen die Strände rund um die Hängebrücke aus wie in der Karibik, erinnern mich an Curacao oder Antigua.
    Der Nationalpark ist für mich eines der großen Highlights von Südafrika, die berühmte Garden Route, auf der sich so gut wie alle Touristen aufhalten startet hier und führt nach Westen. Auch wenn ich Tsitsikamma morgen leider schon verlassen muss, bleibt ich noch ein paar Tage auf dieser berühmten Route, die mich in den nächsten Tagen wieder zurück nach Kapstadt führen wird.
    Baca lagi