• tewejunge
Jun 2023 – Jan 2024

Meine Reise

Warum reise ich durch Südostasien? Und warum alleine? Hier seht ihr, was ich erlebt habe, und manchmal auch, was ich denke. Read more
  • Trip start
    June 15, 2023

    Der Anfang

    June 15, 2023 in Germany ⋅ ☁️ 23 °C

    Warum mache ich das hier? Ich sitze im Hostel in Jakarta und denke darüber nach. Eigentlich hätte ich nach meinem Volontariat direkt als Redakteur weitermachen können. Gehaltssprung. Sicherheit. Karriereplan. Ich will versuchen, es zu erklären - auch mir selbst. Es ging mir gut, könnte man sagen. Genug Geld, schöne Wohnung, eine stetig wachsende Freundesgruppe. Ich hatte mich aufgerafft, meinen Körper durch gute Ernährung und Krafttraining gründlich zu verändern.

    Doch der Alltag zehrte an meinen Nerven. Ich machte mir zu viele Gedanken, zu viel Stress. Mit Sicherheit spielten die Arbeit und mein Umgang damit eine Rolle. Dann bemerkte ich, dass mein Kiefer wehtat. Irgendwas stimmt mit meinen Zähnen nicht, glaubte ich. Bis der Zahnarzt feststellte, dass bloß meine Muskeln verspannt waren. Ich hatte vor Stress angefangen, mit den Zähnen zu knirschen. Und dann gab es noch die Tage, an denen ich mich anstrengen musste, die simpelsten Dinge zu tun.

    Und auf der anderen Seite war da dieser Traum. Von einer Welt, in der Affen und Elefanten leben. Wo Männer und Frauen an der Straße stehen und Essen kochen, das ich mir noch nicht mal vorstellen kann. Wo die Natur manchmal aussieht, als wäre das hier ein ganz anderer Planet.

    Mitte Juni war das Volo geschafft. Und es konnte losgehen.
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  • Camping in Norwegen

    June 27, 2023 in Norway ⋅ ☁️ 16 °C

    Der Flug nach Bangkok war schon gebucht, aber als erstes war Norwegen an der Reihe. Mit meinen Freunden Leon und Jannis verbrachte ich zwei Wochen damit, mit einem gemieteten Camper durch die traumhaft-bergige Landschaft voller Wasserfälle, Seen und Fjorde zu düsen und nach den schönsten Wanderrouten Ausschau zu halten. Von Hamburg fuhren wir über Dänemark und Schweden immer weiter nach Norden. Bis nach Jotunheimen („Heimat der Riesen“) fuhren wir. Dort gibt es die höchsten Berge des Landes. Anschließend ging es wieder nach Südwesten und von der Südküste mit der Fähre zurück nach Dänemark.

    Es regnete beinahe ständig und wir sind das ein oder andere Mal klitschnass geworden. Das war es aber allemal wert - kaum zu fassen wie schön dieses Land ist.
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  • Deichbrand Festival

    July 6, 2023 in Germany ⋅ ☀️ 19 °C

    Nur zwei Leute in meinem Camp kannte ich vor dem Deichbrand Festival bei Cuxhaven. Das machte aber gar nichts, weil ich sofort aufgenommen wurde. Dank Würfelspielen und Musik war das ne mehr als runde Sache. Im Prinzip ging es um Essen, Trinken und Tanzen - damit komme ich zurecht. Auch wenn jemand vor Euphorie in die Kühlbox springt und sie somit vernichtet, oder jemandem die Kniescheibe rausspringt, gehts immer irgendwie weiter.Read more

  • Bangkok macht mich sprachlos

    August 11, 2023 in Thailand ⋅ ⛅ 34 °C

    Mir fehlen die Worte. Gut möglich, dass das hier meine neue Lieblingsstadt wird. Aber eins nach dem anderen.
    Auf dem elfstündigen Flug konnte ich zumindest ein paar Stunden schlafen, und mit essen von zuhause sowie aus dem Flugzeug war ich super versorgt.

    Im Hostel traf ich meine Zimmergenossen - einer aus Pakistan, einer aus New York - und wir freundeten uns direkt an. Die Jungs kannten sich schon ganz gut aus und ich trank meinen ersten Mango-Kokos-Smoothie. Wahnsinns-Teil.

    Bei einem meiner langen abendlichen Spaziergänge landete ich bei einem Markt voller Street-Food, wo ich als Europäer der absolute Einzelfall war. Hier flambierte jemand einen Schweinefuß, dort lagen alle möglichen Meeresfrüchte und Fische, und Einheimische kauften ihr Gemüse ein. Ich ging mit gebratenem Reis erstmal auf Nummer sicher.

    Nachts waren wir dann jeweils unterwegs, um uns das Nachtleben mal anzusehen - Es ist zu viel passiert um alles aufzuschreiben, aber: die können schon was, die Bangkoker.

    An den letzten zwei Tagen ließ ich mich von Bekanntschaft aus Bangkok rumführen. Ich sah weitere Märkte. Dazu einen riesigen Park, der mich schon an Dschungel erinnerte, aber mit Hochhäusern am Horizont. Und ich probierte mich durch das Street Food, das super günstig ist. Ein kleiner Oktopus musste dran glauben, genauso wie ein kleiner Käfer und frittierter Teig mit Sirup und frischer Mango. Mein Highlight war ein Eimer voller Meeresfrüchte in scharfer Sauce, der vom Kellner auf unseren Tisch ausgeschüttet wurde. Mit Plastikhandschuhen bewaffnet wurde mit den Händen direkt vom Tisch gegessen. Geschmacklich weltklasse.

    Nach einer Woche gings schweren Herzens weiter nach Jakarta, Hauptstadt von Indonesien. Ich möchte einen Monat im Land bleiben, um Vulkane zu besteigen, mich am Strand zu entspannen und Leute kennenzulernen.
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  • West-Java: Jakarta und Yogyakarta

    August 12, 2023 in Indonesia ⋅ ⛅ 30 °C

    Durch das milchige Dachfenster über der Dusche fällt Sonnenlicht. Wenn ich das Wasser in einem bestimmten Winkel von meiner Schulter abprallen lasse, entsteht ein Regenbogen im Badezimmer. Normalerweise fallen mir solche Kleinigkeiten im Alltag kaum auf, aber hier bin ich achtsamer.

    Ich schreibe das hier aus Yogyakarta, in der Mitte der Insel Java. Vorher war ich ein paar Tage in der Hauptstadt Jakarta. Unglaublich viele Leute wohnen da. An einem Abend habe ich mir das Ganze von einer Dachterasse im 54. Stockwerk angesehen - schon ordentlich. Dazu spielte eine richtig gute Band. Wahnsinns-Typen.
    Das Kontrastprogramm am nächsten Morgen war eine Mall, in dessen Untergeschoss ein kleiner Markt mit Essen war, und mittags völlig aus dem Kontext Karaoke gesungen wurde. Ansonsten war die Stadt nicht so toll - ziemlich schmutzig, wenig Grünes oder auch nur schöne Cafés - nur Lärm, Abgase und aggressive Klimaanlagen.

    Anders sieht’s in Yogyakarta (Jogja) aus. Hier habe mit Immerhin hab ich mit Jan - einem Informatiker aus Coburg, und drei Franzosen aus seinem Hostel eine Bar mit toller Livemusik, und einen riesigen buddhistischen Tempel angeschaut. Zum ersten Mal habe ich auch ein bisschen Wald gesehen - mega.

    Der 17. August ist der indonesische Unabhängigkeitstag - da soll ordentlich was abgehen. Anschließend gehts nach Malang, um dort auf den Vulkan Bromo zu wandern.

    Ich möchte mein Visum um weitere 30 Tage verlängern lassen, spätestens wenn ich in Bali bin. Und wenn ich das recht verstehe, darf man seit gestern auch wieder 45 anstatt nur 14 Tage visafrei durch Vietnam fahren - Träumchen.

    Sieht aus als würden Indonesien, Thailand und Vietnam meine nächsten Monate bestimmen, und dann checke ich mal, was der Geldbeutel sagt. Aber meine Pläne ändern sich ständig.
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  • Yogyakarta pt.2

    August 22, 2023 in Indonesia ⋅ ☀️ 30 °C

    Ich liege im Hotelzimmer in Ubud, den Magen voller Nudelsuppe und Kokossaft. Eine Nudelsuppe pro Tag ist mein Durchschnitt - ich liebe das Zeug. Die Sonne geht unter und der Wald rings um die Stadt zirpt krasser als jedes Spotify-Hörspiel zum Einschlafen es einen glauben ließe. Gleich werden die Mücken losfliegen und ich muss die Balkontür zumachen.

    Seit drei Tagen bin ich auf Bali. Davor habe ich mich noch eine ganze Weile in Yogyakarta aufgehalten - eine der kulturellen Hauptstädte Indonesiens und wegen seiner Lage im Inland von weniger Touristen berücksichtigt als die Nachbarinsel voller Influencer, die glauben, es sei ein Beruf, am Strand den Hintern in eine Kamera zu halten.

    Bei Yogya habe ich den Vulkan Merapi besucht, zusammen mit drei Freunden aus dem Hostel. Unser Fahrer war sich nicht zu schade, mit dem Jeep durch Wasserlöcher zu brettern, und uns von den Vulkanausbrüchen 2006 und 2010 zu erzählen. Außerdem wurde ich wieder ein bisschen herumgeführt und war zum ersten Mal richtig im Wald. Im Fluss habe ich eine kleine Schlange gesehen, ansonsten super ungefährlich😂

    Leider habe ich mich von der Erkältung immer noch nicht richtig erholt - wohl verschleppt. Also gibt es jetzt anstatt Surfen und Tauchen auf Bali „nur“ Yoga, Massagen und Strandtage ohne Action. Und vielleicht gehe ich Montag mal zum Arzt in Kuta, meiner nächsten Station am Strand.

    Übrigens haben mir schon mehrere verschiedene Thailänder und Indonesier gesagt, sie würden gern in Europa studieren oder arbeiten. Viele machen sich glaube ich gar keine Vorstellung, wie es bei uns wirklich ist. Auch wenn sie tendenziell weniger besitzen als wir, habe ich doch den Eindruck, dass viele entspannt und fröhlich drauf sind. Vielleicht ist es das Essen, das Wetter, die Arbeit an der frischen Luft. Vielleicht ist es auch nur so, weil es hier nicht die Bild-Zeitung gibt.

    Ich habe mich gegen eine Visa-Verlängerung entschieden und fliege am 6. September nach Singapur. Wohin es von dort weitergeht, überlege ich mir in den nächsten Tagen. Viele Grüße gehen raus an meine treuen Leser 💕
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  • Bali - Paradies (für Touris)

    September 6, 2023 in Indonesia ⋅ ☀️ 28 °C

    Ich habe ein Buch über das Glücklichsein gekauft. Noch war ich nicht in der Stimmung viel darin zu lesen - ich brauche keine Hilfe damit, dachte ich. Um das Buch mit Inhalt zu füllen hat der Autor Howard C. Cutler viele Male mit dem Dalai Lama gesprochen. Einen Blick habe ich schon reingeworfen - die Jungs haben bestimmt was zu sagen. Gleich zu Beginn geht es um ein Phänomen, das Cutler “Der vergleichende Verstand” nennt. Cutler: “Unsere Zufriedenheit mit dem Leben hängt oft damit zusammen, mit wem wir uns vergleichen. Natürlich vergleichen wir nicht nur unser Einkommen. Andauernder Vergleich mit denen, die schlauer, schöner oder erfolgreicher sind, kann Neid, Frustration und Unglücklichsein hervorrufen. Das gleiche Prinzip lässt sich aber auch auf positive Weise anwenden: Die Zufriedenheit mit dem Leben kann sich erhöhen, wenn wir uns mit denen Vergleichen, die weniger Glück hatten als wir, und indem wir darüber reflektieren, was wir haben.”

    Daran muss ich denken, während ich die Straßen von Kuta entlanglaufe. Angesprochen werde ich von Fahrern, Masseurinnen und Surflehrern. Gemeinsam haben sie, dass sie den Großteil des Geldes an ihr Unternehmen oder den Besitzer des Ladens abdrücken müssen. Einige haben mehr oder weniger kaputte Zähne - ich nehme an, dass viele sich die Zahnarztkosten nicht leisten können. Trotzdem sehe ich unumstößliches Lächeln in den Gesichtern der Bewohner. Die Touristen, sagen die, mit denen ich spreche, stören sie nicht, solange sie nett sind. Und doch habe ich ein schlechtes Gefühl wenn ich sehe, wie die Indonesier Dienstleistungen für die zahllosen Touris erbringen. Im Gegensatz zu Java sind hier nicht nur Backpacker, sondern auch Familien, Pärchen und Sauftouristen am Start.

    Auf Bali angekommen, bin ich als erstes bin ich nach Ubud gefahren. Dort war ich mit Jan, den ich noch aus Jakarta kannte, im berühmten Monkey Forrest. Beeindruckend wie die klettern können, und wie sehr manche Bewegungen denen der Menschen ähneln. Man sollte nur den Augenkontakt zu den Affen vermeiden, um sie nicht zu provozieren, und auf die Wertsachen aufpassen. Es soll vorkommen, dass sich Affen Sonnenbrillen oder Portemonnaies klauen. Davon abgesehen war es in Ubud Zeit für Yoga, Massagen, ein Kochkurs und gesundes Essen, um gesund zu werden.

    Als ich wieder fit war, bin ich nach Kuta gefahren, weil die Wellen dort angenehm für Surf-Anfänger sind. Vier Stunden habe ich innerhalb der Woche im Meer verbracht, und mein Lehrer Rio musste mir immer weniger helfen, beim Paddeln und beim Aufstehen. Rio hat mich gleich nach unserer ersten Stunde eingeladen, mit ihm bei einem Bierpong-Turnier teilzunehmen. So leicht gewinnt man mich als Freund. In meinem Hostel gab es außerdem an einem Abend ein Konzert. Am Anfang saßen alle noch ruhig am Tisch und hörten zu, doch schließlich wurden alle mitgerissen und das Konzert endete erst nach dreieinhalb Stunden. Herrlich. Außerdem habe ich mir neben einem großen Club über drei Etagen auch einen lokalen Fischmarkt in Jimbaran zeigen lassen. Die Auswahl aus Muscheln, Garnelen, Fischen und allen anderen denkbaren Meeresbewohnern war unglaublich, und die Fische ragten mitunter weit in die schmalen Gänge hinein. Die frisch gefischten und gekauften Meeresfrüchte haben wir mit in ein nahegelegenes Restaurant genommen, wo sie gewürzt und gegrillt oder gekocht wurden. Anschließend konnten wir uns wie jeden Abend einen perfekten Sonnenuntergang ansehen. Herrlich.

    Jetzt bin ich wieder nach Thailand geflogen, und werde nach einem Wochenende mit Freunden in Bangkok den Nachtzug nach Chiang Mai nehmen. Im Norden Thailands will ich mir die Berge und Wälder ansehen, und herausfinden, wie die Einwohner und Reisenden so drauf sind. Die pralle Sonne in Indonesien hat mir erstmal gereicht, und ich freue mich sogar, mal wieder Wolken und Regen zu erleben. 30 Tage darf ich höchstens in Thailand bleiben. Anschließend wird es wahrscheinlich nach Vietnam gehen.

    Ich genieße die Reise mehr als ich sagen kann. Wahrscheinlich ist es die beste Zeit die ich jemals hatte. Meine Dankbarkeit für diese Gelegenheit wächst sogar noch, wenn ich mit Rio darüber spreche, dass er gerne in Europa leben würde, es aber nicht kann. Wenn ich höre, wie viel er verdient oder wenn ich das kleine Zimmer sehe in dem ein anderer Freund aus Kuta seit fünf Jahren lebt. Ich habe mir vorgenommen, das meiste daraus zu machen und will mich noch mehr auf mein eigenes Wohlbefinden konzentrieren. Vielleicht ist das Buch dafür doch nicht schlecht. Ich fange jetzt an zu lesen.
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  • Bangkok Teil 2

    September 6, 2023 in Thailand ⋅ ☁️ 32 °C

    Was waren das für intensive Tage in der Hauptstadt? In meiner Brust hat sich ein mulmig-angenehmes Gefühl breitgemacht. Ich fühle mich, als wäre ich wieder ein Kind und müsste mir um nichts Sorgen machen. Ein groß geratenes Kind mit Bart und Rucksack. Naja, ich denke, der Gedanke ist klar geworden.

    Wieder war es Bangkok - zu Beginn sogar das selbe Zimmer - und wieder hatte ich Glück mit meinem Mitbewohner. Ein sympathischer Belgier, intelligent, witzig, offen. Wir gingen zusammen zu einem Markt, wo Obst, Gemüse und Gerichte verkauft wurden, die wir noch nie geschmeckt oder auch nur gesehen hatten. Wir lachten die ganze Zeit. Er erzählte mir vom Handeln mit Krypto-Währungen und Parfum, von seinem Job in der Logistik, und seiner Zufriedenheit mit dem Leben. Er ist schon weitergezogen und wartet in Chiang Mai auf mich. Ich werde beim Reisen nicht einsam sein. Wieder eine Angst weniger.

    Freunde, die schon meinem ersten Besuch in Bangkok prägten, nahmen mich in den folgenden Tagen wieder mit durch die wilde Stadt. Sie nahmen sich unsagbar viel Zeit für mich und zeigten echtes Interesse, mich kennenzulernen. Was für ein Kompliment. Ein Büro im 17. Stock, wo jeden Freitag nach Feierabend noch etwas los ist. Ein Kino, in dem vor dem Film man zunächst aus Respekt vor dem König aufstehen sollte. Ein Tempel mit goldener Kuppel. Traumhaftes Essen. Ein Park mit Hochhaus-Panorama. Sonnenuntergang. Und schließlich das Stadion, wo wir ein kleiner Teil der Menge wurden, die den Muay Thai-Kämpfern zujubelte. Eine Bar. Live-Musik. Euphorie.

    Obwohl es so eine kurze Zeit war, will sich ein großer Teil von mir an diesen Ort klammern. Vielleicht komme ich nochmal zurück, vielleicht nicht. Es ist meine Entscheidung. Wie sehr ich diese kindliche Unbeschwertheit vermisst habe.
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  • Chiang Mai und Elefanten

    September 11, 2023 in Thailand ⋅ 🌧 30 °C

    Der Elefant vor mir sieht so sehr aus wie ein Elefant, dass es mir surreal vorkommt. Kann doch nicht sein. Ist aber so. Als Vierergruppe sind wir angereist, um sie zu besuchen.
    Zuerst probierten wir, die Sympathien der Elefanten zu gewinnen, indem wir ihnen Bananen anreichten, die sie sich mit ihrem Rüssel schnappten und in den Mund beförderten. Dann gingen wir mit ihnen und den Mitarbeitern im Regenwald spazieren - ohne Reiten, Haken oder Leine. Krass, dass die Elefanten mit den steilen und matschigen Hügel besser klarkamen als ich. Im Gegensatz zu mir landete nämlich keiner von denen auf dem Arsch oder verlor fast einen Schuh.
    Als letztes ging es ins sogenannte Spa, ein großes Becken mit bräunlichem Wasser, in dem sich die Tiere so wohlfühlten, dass sich manche auf die Seite legten und streicheln und waschen ließen.
    Der Besitzer unseres Hostels - ein anscheinend kompetenter, netter Mann, hatte gesagt, dass es wohl kaum ethisch einwandfreie Touren mit Elefanten für Touris gebe, dieses Dorf die Tiere aber gut behandle und öfters ehemalige Zootiere aus ihrer Misere hole. Ich hatte den Eindruck, dass es sich dort für sie gut leben lässt.

    Beeindruckender waren für mich aber noch die Erzählungen eines der Mitarbeiter, der hier im Dorf mit Elefanten aufgewachsen ist. Schon als Kind hat er angefangen zu rauchen, um Mücken loszuwerden. Drogen vom goldenen Dreieck mit Myanmar und Laos halfen ihm manchmal durchzuhalten, wenn er im Wald Nahrung besorgte. In der Schule schlief er meistens erschöpft ein. Jetzt ist er Anfang dreißig, clean, und hat sich selbst ordentliches Englisch über Youtube beigebracht. Er studiert und will sein Leben ganz auf den Kopf stellen. Viele in diesem Alter scheinen hier diesen Wunsch zu haben.

    Ansonsten nutzte ich die Zeit in der größten Stadt Nordthailands, indem ich wanderte, lokales Essen probierte, und Tempel sowie Muay Thai-Kämpfe ansah. Außerdem saß ich einen Vormittag lang beim Immigrantion Office, wo ich mein Visum bis zum 4. November verlängerte. Ich werde also als nächstes auch noch den Süden Thailands ansehen und endlich Tauchen ausprobieren.

    Außerdem habe ich einen echt netten Engländer kennengelernt, der hier seit fünf Jahren lebt. Leider hat er Schwierigkeiten mit Alkohol, Autoritäten und Aggressionen, sagt er selbst. Aber sympathisch. Er wollte mir dann noch zeigen, wie das mit den thailändischen Hahnenkämpfen abläuft. Das ist dann aber ausgefallen - ich schätze das Ganze war nicht angemeldet.

    Und dann war da noch der Abend, als ich im Auto mit suspekten Locals von einer Bar zur anderen fuhr und wir mit einem Roller zusammenstießen. Der konnte sich zum Glück auf den Rädern halten. Als die Diskussion, von der ich kein Wort verstand, auch nach fünf Minuten kein Ende fand, bin ich einfach nach Hause gegangen. In so nem Fall echt die beste Idee.
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  • Chang Dao und die Berge im Norden

    September 17, 2023 in Thailand ⋅ 🌧 28 °C

    Sechserzimmer gebucht und stattdessen im eigenen Bambus-Stelzen-Haus übernachten - kannst du keinem erzählen. Aber wie die Besitzerin des Hostels sagt, sind in der Regenzeit sowieso kaum Gäste hier und das “Baumhaus” ist frei. Ich muss noch nicht mal mehr bezahlen - undenkbar für einen Deutschen, aber so ist das. Abends sehe ich von hier die Sonne hinter dem großen Berg verschwinden, nachts höre ich zum Einschlafen dem Fluss und dem Wald zu.

    Der ist verdammt laut, wenn man durchgeht. Manchmal ist man sich nicht sicher: Zahnarztbohrer oder Insekt? Man weiß es eigentlich nur, weil es kaum Zahnärzte im Wald gibt. Nach sieben Kilometern auf und ab bei diesem Klima war ich froh, die geführte Wanderung geschafft zu haben. Weil mein Begleiter kein Englisch spricht, haben wir fast die ganzen zweieinhalb Stunden geschwiegen - wunderbar meditativ. Zur Belohnung durfte ich in einer der privaten heißen Quellen mit Schwefelgeruch baden. Als ich zum Hostel zurückkehre, begrüßt mich stürmisch der Hund, der hier wohnt. Fühlt sich an wie nach Hause kommen.

    Am zweiten Tag sehe ich mir die Höhlen an, die das Wasser vor Tausenden Jahren in den Berg gegraben hat. Die buddhistischen Bewohner der Region waren sich nicht zu schade, um auch hier Buddha-Statuen zu platzieren und die Höhlen zu einer Art Tempel zu machen - wenn auch voller Fledermäuse. Der höchste Berg hier ist wegen der Regenzeit leider dicht für Wanderer. Ist wohl zu gefährlich, dort im Fall von Starkregen hochzustiefeln. Allerdings regnet es im Moment vielleicht ein bis zwei Stunden am Tag.

    Der dritte Tag beginnt mit einer Überraschung. Um 10 sollte mich ein “Taxi” abholen und auf den Berg fahren, wo ich ein Zelt gemietet habe. Um 9.15 Uhr fährt die Fahrerin aufs Grundstück und lässt den Motor laufen. Natürlich bin ich längst noch nicht fertig und packe eilig mein Zeug. Erst als ich einsteige, sehe ich, dass sie Eier, Salat und vier Säcke Eis geladen hat. Kein Wunder, dass sie es eilig hat. Wir fahren die Serpentinen hoch und zum ersten Mal sehe ich den Regenwald von oben. Ein dunkelgrünes Meer, das sich am Berg entlang zu einer Welle auftürmt.
    Ganz weit oben erreichen wir ein Dorf. Vielleicht 100 Häuser, drei Restaurants, bekannt bei Ausflüglern aus Chiang Mai. Mein Zelt lässt sich zu beiden Seiten öffnen und der Ausblick schmeckt, egal wohin man blickt. Was auch schmeckt, ist der Avocado-Shake mit Honig im Café nebenan. Wahnsinn. Danach erstmal ein Nickerchen.

    Gekrönt wird die Aussicht vom Sonnenuntergang, der um 18 Uhr losgeht. Und dann vom Sternenhimmel. Ich kann die schwarze Silhouette des Berges sehen, die sich vor dem dunkelblauen Nachthimmel abzeichnet. Ein guter Ort um darüber nachzudenken, was ich eigentlich will. Wie möchte ich leben? Was möchte ich lernen? Was muss ich dafür machen? Ausnahmsweise stresst mich das kein Stück. Im Gegenteil, es inspiriert mich. Der Blick auf den Berg erzeugt in mir einen optimistischen Blick nach vorn.
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  • Tempel von Chiang Rai

    October 4, 2023 in Thailand ⋅ 🌧 29 °C

    Von Chiang Mai nach Chiang Rai kommt man eigentlich mit dem Bus. Der sollte aber erst in vier Stunden kommen, weshalb ich mich einem zunächst merkwürdig wirkendem Sammeltaxi anschloss. Als ich mich aber erstmal mit dem Fahrer und einem mexikanischen Mitreisenden angefreundet hatte, lief doe Fahrt super geschmeidig.

    In der großen Stadt nahe der Grenze zu Laos holten mich die Auswirkungen der Hitze der vergangenen Tage ein. Sieben Nächte in zu warmen Zelten machten sich bemerkbar. Ich nahm mir also zwei Tage, um mich einfach nur auszuruhen und eine Serie zu schauen. Außerdem entdeckte ich den Night Bazaar, einen großen Markt mit einem viereckigen Platz voller Street Food und Livemusik.

    Als ich wieder fit war, nutzte ich meinen dritten Tag für eine Tour zu den berühmten Tempeln (weiß und blau) sowie zu einer riesigen Statue auf einem Berg. Die Bilder sprechen für sich - total beeindruckende Architektur und unzählige glitzernde Elemente.

    Einen Tag hatte ich noch, an dem ich von morgens bis nachmittags aufschrieb, wie ich mir mein Leben nach der Reise idealerweise vorstelle. Beispielsweise in den Kategorien Gesundheit, Wohnung, Job, Freizeit und so weiter. Da kam ordentlich was zusammen, und es lässt sich unmöglich alles miteinander vereinbaren. Das ist schon mal eine wichtige Erkenntnis. Es gilt also, zu priorisieren, Gelegenheiten zu ergreifen und die Zeit so gut wie möglich zu nutzen.

    Und dann war es an der Zeit, gen Süden zu reisen, den Inseln und Tauchern entgegen. Meine erste Station wird ab Samstag Koh Tao sein. Allerdings ließ ich es mir auf dem Weg nicht nehmen, noch einmal in der geliebten Hauptstadt Bangkok reinzuschauen. 🌏
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  • Bangkok Teil 3

    October 4, 2023 in Thailand ⋅ 🌧 31 °C

    Vier Koreaner, ein Malaysier und ein Deutscher: Klassische Kombi für einen Kochkurs in Bangkok. Auf einem lokalen Markt kauften wir unter Anleitung des Kursleiters einige Zutaten ein. Dutzende Stände mit exotischem Obst, Meeresfrüchten, Fleisch, Gemüse, Kräutern und Gewürzen. Ein bisschen überrascht waren wir als ein Fisch aus seiner kleinen Wanne hopste und auf dem Boden herumzappelte bis ihn der Verkäufer einsammelte und zurück ins Wasser gleiten ließ. Vier Gerichte haben wir gekocht: Tom Yum mit Shrimps, Pad Thai, ein rotes Curry mit Hähnchen und Aubergine und Klebereis mit Mango. Dabei haben wir als Grundlagen selbst die Kokosmilch und die Currypaste hergestellt. Gleichzeitig lernte ich die anderen Kursteilnehmer kennen. Wie sich herausstellte, war der junge Malaysier beruflich Koch und war mit seinen Eltern im Urlaub. Mit einem koreanischen Pärchen verstand ich mich besonders gut. Wir haben unsere Kontakte ausgetauscht und ich will sie in ihrer Heimatstadt Seoul besuchen. Es sind genau solche Erfahrungen, die ich suche: Der Austausch und die Freundschaft mit Leuten aus der ganzen Welt.

    Die nächste Gelegenheit dazu hatte ich beim Muay Thai-Kurs. Eineinhalb Stunden lang schloss ich mich einer Trainingsgruppe an, die aus zehn Schülern und vier Lehrern bestand. Nach dem Aufwärmen prügelte man abwechselnd mit Fäusten, Ellbogen, Knien und Füßen auf Boxsäcke oder die Polster der Trainer ein, zwischendurch waren Liegestütze und Sit-Ups dran. Trinkpausen waren nicht wirklich vorgesehen, aber die Schüler brauchten sie doch. Zum Abschluss wurden dann mit jeweils einem Partner Kampfsituationen simuliert, ohne aber wirklich durchzuziehen. Es war toll mal wieder richtig Sport zu machen und ich könnte mir vorstellen, nochmal woanders eine Stunde mitzumachen. Im Kurs kam ich mit Urlaubern aus Texas uns einem Münchener ins Gespräch, der gerade nach Bangkok gezogen ist.

    Dann fühlte ich mich in Bangkok auch noch dazu berufen, einen Rückwärts-Salto zu lernen und ging in einen Trampolin-Park. Dort quatschte ich das Personal an, um mir den Trick beibringen zu lassen. Hochspringen, zurücklehnen, Beine anziehen, landen. Koordination ist eine meiner Schwächen, also war es kein Wunder, dass es eine Weile dauerte. Schnell wurde mir schwindlig und das blieb auch so. Mit genug Pausen und dem Zuspruch der Mitarbeiter bekam ich es dann doch hin und landete einen Sprung nur mit meinen Beinen. Herrlich, aber leider nicht auf Video. Ich will bald nochmal in einen Trampolinpark, um an der Technik zu arbeiten.

    Unter Anleitung meiner Freunde gab es scharfe Meeresfrüchte auf einem Streetfood-Markt. Da gab es ein kleines Fußballfeld und wir haben dem Spiel zugeschaut. An einem anderen Abend habe ich Thai-Style-BBQ ausprobiert. Dabei kann man sich selbst Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte von einem Buffet holen und es auf einem gasbetriebenen Grill auf dem eigenen Tisch braten. Um das Bratfeld herum wird ein Ring mit Gemüsebrühe gefüllt, in der man Gemüse kochen kann sodass eine Suppe entsteht. Frisches Obst gab es auch bis zum Abwinken.

    Dann habe ich mir noch ein Freilichtmuseum angesehen, in der alle möglichen Sehenswürdigkeiten und mythologische/religiöse Figuren nachgebaut waren. Mit dem Fahrrad konnte man von einer Attraktion zur anderen fahren, Thai-Restaurants und ein Markt waren auch dazwischen.

    Und schließlich habe ich mir auch mal einige der eigentlichen Touristenattraktionen angeschaut: Die drei berühmtesten Tempel, einer schöner als der andere. In Erinnerung bleiben mir vor allem eine riesige goldfarbene Statue sowie weiß-gräuliche Gestein eines Tempels und die Bootsfahrt über den Fluss, die pro Strecke nur fünf Baht kostet.

    Wieder mal habe ich innerhalb weniger Tage schier unendlich viele Eindrücke gesammelt und manche Sachen zum ersten Mal gemacht. Nachdem ich noch einen langen Spaziergang durch einen der großen Parks in der Stadt gemacht hatte, ging es mit Nachtbus und Fähre nach Koh Tao, auf die “Schildkröteninsel”. Nach drei Tagen im Tauchkurs habe ich meinen ersten Tauchschein in der Tasche. Aber dazu später Meer 🌊
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  • Tauchschein in Ko Tao

    October 16, 2023 in Thailand ⋅ ☁️ 30 °C

    Das Leben unter Wasser kannte ich nur aus dem Fernsehen, aus kleinen Teichen und Aquarien. Dabei ist unser Planet blau. Unvorstellbare Arten leben hier, und einige der schönsten gibt es in Südostasien. Ko Tao ist berühmt für günstige Tauchkurse und bunte Unterwasserwelten. Also hin da. 9000 Baht ist mir das Tauchen lernen allemal wert.

    Eigentlich dürften wir gar nicht da unten sein, sagt mein Tauchlehrer. Deshalb sind wir auf unsere Ausrüstung angewiesen. Maske, Atemregler, Luftflasche, Weste, Flossen und mehr lernten mein australischer Tauch-Buddy und ich am ersten Tag kennen. Wir lernten, wie man unter der Oberfläche atmet, umherschwebt, den Druck auf den Ohren ausgleicht und in verschiedenen Situationen reagiert. Im Theorieteil werden einige Schreckensszenarien detailliert beschrieben, darunter die Dekompressionskrankheit und vier verschiedene Lungenverletzungen. Wenn man sich nicht blöd anstellt, geht aber alles gut.

    Es ist viel zu verarbeiten, was in dem dreitägigen Kurs passiert. Außer dem theoretischen Teil und den Übungen im Pool sind vier Tauchgänge vorgesehen. Glücklicherweise verstehe ich mich fantastisch mit meinem Tauch-Buddy und unserem Kursleiter. Beide sind sehr hilfsbereit, geduldig und geben mir ein sicheres Gefühl.

    Am zweiten Tag hüpfen wir zum ersten Mal ins türkis-blaue Wasser und schon der Blick von der Oberfläche nach unten verrät mir, wie schön es gleich wird. Erstmal geht es abwärts, zunächst an einem für Anfänger vorgesehenen Tau. Ich habe noch mit der Ausrüstung und dem Druckausgleich zu kämpfen, doch schaffe ich es auf die vorgesehene Tiefe von zwölf Metern. Ich wusste, dass Fische alle möglichen Farben und Größen haben können. Theoretisch wusste ich auch, wie Korallen und Seesterne aussehen. Aber all das mit eigenen Augen zu sehen, übersteigt jede Vorstellungskraft. Wie ein Astronaut fühlte ich mich, isoliert von der Menschheit und ihren Sorgen, bloß auf meinen Atem, meine Begleiter und unsere direkte Umwelt konzentriert. Zu hören ist nur mein Atem, der in schimmernden Blasen über mir verschwindet, und ab und zu ein weit entfernter Schiffsmotor. Ein Schwarm kleiner bunter Fische schwimmt unbeirrt direkt an uns vorbei. Sehen so Aliens aus? Ich hoffe es, dann können wir alle Ufos reinlassen und in Frieden mit ihnen leben. Als ich glücklich an die Oberfläche zurückkehre, denke ich an den Fischmarkt in Bali zurück. Irgendwie seltsam, aber gleichzeitig auch logisch, denke ich.

    Auch beim zweiten, dritten und vierten Tauchgang ist uns das Glück gewogen. Die Sicht durch das Salzwasser ist glasklar und ein Schwarm kleiner Barracudas schwimmt uns über den Weg. Von den Seeigeln, Muscheln und Clownfischen mal abgesehen. Nach drei vollgepackten Tagen hatten wir uns das Zertifikat “Open Water Diver” verdient. Überall darf ich nun bis zu 18 Meter tief tauchen, und das Zertifikat gilt sogar für immer. Euphorisiert wanderte ich noch am selben Nachmittag einen steilen Berg zu einem Aussichtspunkt hoch und gönnte mir einen Mango-Shake. Oben lernte ich ein nettes Pärchen kennen und zusammen beobachten wir, wie die Sonne blutrot wurde, bevor sie ins Meer eintauchte.

    Seekrank war ich bisher überhaupt nicht geworden, doch hatte ich selbst am Tag nach dem letzten Tauchgang das Gefühl, dass sich die Welt in Wellen auf und ab bewegt. Als das vorbei war, kamen fiese Magenprobleme auf, die eine Woche anhielten. Zusätzlich gab’s auch noch Schnupfen. Hatte ich etwas falsches gegessen? Hatte ich meinen Körper mit dem Tauchkurs überfordert? Vielleicht beides? Jedenfalls war ich kurz davor, zum Arzt zu gehen, als es endlich besser wurde. An meinem letzten Abend auf Ko Tao ging es mir wieder so gut, dass ich mir einen langen Strandspaziergang unter Palmen im Sonnenuntergang zutraute. So konnte ich gar nicht anders, als doch noch Frieden mit der Insel zu schließen.
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  • Khao Sok Nationalpark

    October 18, 2023 in Thailand ⋅ ☁️ 28 °C

    Außer dem Tauchschein habe ich in Ko Tao auch noch einen neuen Freund im Hostelzimmer aufgegabelt: Moritz, genannt Moe. Der Junge prägte meine nächste Woche.

    Wir hatten nämlich beschlossen vom Meer in den Dschungel zu wechseln. Mit zwei großen Rucksäcken und zwei noch größeren Jungs bretterten wir an einem Tag von der Ost- zur Westseite im Süden Thailands. Die Streetfood-Dame im Landesinneren konnte es gar nicht glauben, dass zwei Deutsche bei ihr essen, und nahm uns für Selfies in Anspruch. Stolz zeigte sie uns, dass hier schon einmal ein Weißer gegessen hatte. Totmüde kamen wir im Hostel an, allerdings nicht, ohne einen Franzosen namens Adrian aus unserem Zimmer für unsere Wanderung am nächsten Morgen zu gewinnen.

    Im Dschungel gab es einen geebneten Weg, und einen etwas steinigeren am
    Fluss entlang. Wir wechselten hin und her, und gelangten zu einem kraftvollen Wasserfall. Um hinzukommen, mussten wir erstmal den Fluss durchqueren, der mit ordentlicher Strömung durch den Wald schepperte. Anschließend wollten wir zu einem weiteren Wasserfall wandern, wurden aber von Rangern aufgehalten, denn dieser Weg ist nur mit Wanderführer zu begehen. Auf dem Weg hielten wir zweimal für Fotoshootings mit Affen an und lernten schon wieder Deutsche kennen: Wilhelm und Vivien. Nach der Wanderung gönnte ich mir einen ruhigen Nachmittag und versorgte die klitzekleine Wunde, die ein Blutegel in meinen Knöchel gebissen haben musste. Wir wechselten außerdem die Unterkunft und entschieden uns für ein Bungalow in einem Camp am Rand des Dschungels. Da gab es auch leckeres Abendessen, bei dessen Zubereitung die Gäste mithalfen.

    Früh am nächsten Morgen setzten wir uns auf unsere Motorräder und fuhren zum nahegelegenen See. Zu fünft organisierten wir uns einen Bootsfahrer und ließen uns umherschiffen.

    So eine Landschaft habe ich noch nie gesehen. Im türkisen Wasser stehen dutzende bewaldete Felsen, als hätte sie ein Riese dort zur Dekoration aufgestellt Auf unsere Bitte hin hielt der Fahrer auf dem Hin- und Rückweg jeweils einmal an, damit wir vom Boot hopsen konnten. Hier und da sprang jemand von einem Felsen oder versuchte, mit einer Taucherbrille nach Fischen zu suchen.

    Als wir den Rückweg antraten, war schon klar, dass wir nass werden. Die dunklen Wolken am Horizont versprachen eine anstrengende Rückfahrt. Den heftigen Regen ins Gesicht zu bekommen und die Blitze in der Entfernung zu sehen, war auch echt unangenehm. Dennoch war es wieder mal eine neue Erfahrung und irgendwie auch spaßig, denn Moe ist immer sehr sicher gefahren. Ala nächstes fuhr ich mit Wilhelm und Vivien nach Krabi.
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  • Krabi und Rai Leh Beach

    October 23, 2023 in Thailand ⋅ ☁️ 29 °C

    Unzählige Böller explodieren und in weiß gekleidete Thailänder springen wild darin herum. So ganz verstanden habe ich es nicht, aber irgendwie essen hier viele seit einer Weile kein Fleisch. Das hat wohl damit zu tun, dass dadurch gewissermaßen zu reinigen. Und der Abschluss dieser Zeit wurde im ganzen Land ordentlich abgefeiert. Dass da ein Krankenwagen nach Krabi kommen musste, war auch irgendwie klar - da ist wohl nicht jedes Trommelfell heile geblieben.

    Wir wussten von der Feierlichkeit gar nichts, wollten einfach beim Foodmarket zuschlagen und taten das auch. Gegrillte Meeresfrüchte, Würstchen, Sushi, Roti und Fruchtshakes waren angesagt. Morgens ging es dann zum morning market, wo ich mir von einem Buffet einen Teller mit Reis und verschiedenen Gerichten aussuchte. Hier gab es super gute, günstige Gerichte, die Einheimischen bekommen hier aber
    auch frische Meeresfrüchte, Obst, Gemüse, Gewürze, Reis, Nudeln und Fleisch für die eigene Küche. Es war einer der Orte, wo man der einzige Europäer ist - das fühlt sich immer am ehrlichsten an.

    Mit Wilhelm und Vivien nahm ich dann ein Boot zum Rai Leh Beach. Da ging es eine steile Felswand hinauf zu einem Aussichtspunkt und dann weiter in Richtung Lagune. Vivien und ich kletterten nicht bis ganz runter, doch trotzdem war es den Aufstieg wert. Dunkelgrüner Dschungel mit rötlicher Erde sieht wahnsinnig schön aus. Und mittendrin ein riesiger alter Baum zum Staunen. Anschließend sind wir zum Strand gefahren, wo die Felsformationen auch Kletterer anlocken. Ich begnügte mich mit Schwimmen und entspannen. Am Strand schloss Moe auch wieder zu uns auf. Als ich da so stand und mich mit Musik auf den Ohren umsah, ergriff mich wieder mal einer dieser Momente, in denen ich Gänsehaut bekomme, wenn ich darüber nachdenke, wie glücklich mich das alles macht.
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  • Ko Phiphi

    October 27, 2023 in Thailand ⋅ ☁️ 28 °C

    Moe hat sich Ko Phiphi für seinen letzten Tauchgang vor seiner Heimfahrt ausgesucht und ich begleite ihn. Dass die Insel vom Touri-Aufkommen stark an Bali erinnert und der Boden in weiten Teilen versiegelt ist, versuche ich auszublenden. Einen doppelten Tauchgang am Morgen haben wir gebucht, also müssen wir um 6.45 Uhr da sein.

    Wir tauchen zu einem wunderschönen Korallenriff, sehen Fischschwärme und sogar große Muränen. Beim zweiten Tauchgang schwimmen wir in den Eingang einer dunklen Höhle und können von dort die vom Sonnenlicht beleuchtete Unterwasserwelt bewundern. Leider nimmt dann die Sichtweite stark ab, ich habe etwas Probleme mit dem Druckausgleich, und es gibt eine leichte Strömung. Deshalb bleibe ich direkt hinter unserer Divemasterin. Die hat gegen Ende allerdings zwei ihrer Teilnehmer aus den Augen verloren, weshalb diese eigenständig auftauchen müssen und entsprechend sauer sind.

    Anschließend aßen Moe und ich eine letzte gemeinsame Nudelsuppe erster Güte und er verabschiede sich in Richtung Deutschland. Ich bleibe hier noch über Nacht und nehme morgen früh eine Fähre zu einer der hoffentlich ruhigeren Inseln.
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  • Phuket und Abschied aus Thailand

    November 2, 2023 in Thailand ⋅ ☁️ 29 °C

    Nachdem ich mich auf Phuket drei Tage im Hotelzimmer abgekühlt und vor den Touri-Massen versteckt habe, tut der Ortswechsel nach Vietnam super gut und bringt neuen Schwung. Immerhin habe ich die Zeit in Phuket genutzt, um mich über die Möglichkeiten für Freiwilligendienste in den kommenden Reiseländern zu informieren (passt wahrscheinlich nicht) und meine ersten paar Worte japanisch zu lernen. Und ich hatte die thailändischste Busfahrt überhaupt. Außer mir und dem Busfahrer war eine Frau an Bord, die ihr Baby stillte. Dazu ein Mann in Ranger-Uniform, der sich Reis und Fleisch essend mit dem Fahrer unterhielt, und eine Frau mit drei Plastiktüten voller Einkäufe vom Markt, die die Fahrt für ein Nickerchen nutzte. Manchmal braucht man gar kein Riesen-Abenteuer zu unternehmen. Denn wenn man die Augen aufmacht, kann auch so eine Busfahrt wahnsinnig spannend sein. Schließlich gings zum Flughafen und rüber nach Ho Chi Minh. Das Foto ist übrigens das einzige, das ich in Phuket gemacht habe. Der Titel lautet “Traditioneller Kabelsalat”.Read more

  • Ho Chi Minh

    November 3, 2023 in Vietnam ⋅ ☁️ 32 °C

    So viel ist passiert seit ich in Vietnam bin! Dabei waren es erst drei Tage. Im Bus vom Flughafen in die Stadt hatte ich noch kein Kleingeld, also hat eine alte vietnamesische Dame das Ticket für mich übernommen. So ein herzliches Willkommen 🥰
    Am ersten Tag haben ich und ein holländisches Mädchen aus dem Hostel die Tunnel von Cu Chi besichtigt, die während des Krieges ein hart umkämpftes Gebiet waren. Wir hatten großes Glück mit unserem Führer. Sein Name ist Tuan, er ist 74 Jahre alt und hat selbst in Cu Chi gekämpft. Als er 18 Jahre alt war, wurde er vom US-Militär ausgebildet, bevor er Offizier in der südvietnamesischen Armee wurde und 200 Soldaten anführte. Er wurde im Krieg dreimal verwundet, und sein Kopf wird von einer Vielzahl von Metallplatten und Schrauben zusammengehalten. Er forderte sogar einige Besucher auf, mit einem Finger sein Gesicht zu berühren. Er war sehr offen und erklärte alles mit größter Leidenschaft. "Die Amerikaner kamen jeden Tag hierher", sagte er. "Ich möchte, dass jeder versteht, wie es während des Krieges war." Tuan beantwortete alle möglichen Fragen, außer als ich ihn fragte, wo er aufgewachsen sei. Er wollte es nicht sagen - er sagte, es würde ihn wütend machen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was er durchgemacht hat. Was für eine großartige Gelegenheit, mit diesem tapferen, weisen Mann zu sprechen.

    Danach ging ich spazieren, aß wunderbare Pho und kaufte ein Souvenir für einen Freund aus der Heimat.
    Gestern bin ich frühmorgens losgegangen um etwas Geld zu wechseln und habe zum ersten Mal Banh mi gegessen. So gut! Und sogar mit Brot, das kein Toast ist! Ich wollte mir als nächstes das Kriegsmuseum ansehen, aber zuerst habe ich ein Fußballfeld am Wegesrand gesehen. Da spielten gerade zwei Highschool-Mannschaften mit 16-Jährigen Jungs, und ich schaute mir das Spiel an. Da hätte ich als Mittelstürmer einigen Schaden anrichten können, denn auch die Verteidiger waren kaum mal 1,70 groß.

    Ich sprach mit einem der Schüler auf der Tribüne und erzählte ihm Geschichten über die deutsche Fußballkultur. Als ich ihm erklärte, dass ich selbst aufgehört habe zu spielen, weil meine Mannschaftskameraden schlechte Spieler furchtbar gemobbt haben, gab er zu, dass er selbst gerade gemobbt wird, weil er so klein ist. Und ich gab ihm Ratschläge und munterte ihn auf. Ich bin mir sogar sicher, dass ich ihm ein bisschen helfen konnte.

    Danach ging es weiter zum Kriegsmuseum, und darauf war ich nicht vorbereitet. In der Schule lernen wir meistens nur Grundlagen über deutsche und vielleicht europäische Geschichte, nie über den Vietnamkrieg. Ich war also schockiert, als ich von den Gründen für den Krieg und den schrecklichen, schrecklichen Kriegsverbrechen hörte. Ich wusste nichts über T-52-Bomben oder Agent Orange. Jetzt weiß ich es. Es gab viele beeindruckende Bilder, die von Kriegsfotografen gemacht wurden, die selbst ihr Leben riskiert und zum Teil verloren haben. Als ich die Fotos sah und die Geschichten über Soldaten las, die gnadenlos Zivilisten abschlachteten, folterten und vergewaltigten, überkam mich Gänsehaut und mir war mulmig als ich das Museum verließ. In der Stadt hatte ich schon viele alte Männer im Rollstuhl, ohne Arme oder ohne Beine gesehen. Ich dachte an die Jungs vom Fußballfeld zurück und war so froh, dass der Krieg vorbei ist. Denn sonst müssten sie stattdessen um ihr Leben kämpfen.

    Als nächstes besuchte ich die nahgelegene Bücherstraße. Es ist eine niedliche kleine Gasse mit etwa 20 Bibliotheken und Cafés links und rechts. In einem Café sah ich eine kanadische junge Frau und erinnerte mich daran, sie vorhin im Museum gesehen zu haben. Ich hatte den Mut, sie anzusprechen, und ich durfte mich dazusetzen. Wir hatten ein super tolles Gespräch, fast euphorisch, bis ihre Freunde nach etwa einer Stunde kamen und die Situation irgendwie versauten 😂 Trotzdem sind sowas immer Erfahrungen, an die ich gern zurückdenke. Ich ging weiter, um ein Buch zu kaufen, und fand sofort eines, auf das ich richtig Lust habe.

    Danach bin ich zurück zum Hostel gegangen, wo ich ein tolles Gespräch mit der super knuffigen Rezeptionistin hatte. Sie empfahl mir, ihre Heimatstadt zu besuchen, die überhaupt nicht touristisch sei. Dort ist es kühler, es gibt Berge und Wälder und weniger Leute. Das Gleiche gilt für Da Lat, wo ich gerade hinfahre. Acht Stunden mit dem Bus, der an sich zwar super komfortabel ist, dafür aber über kein Klo verfügt. Zwei Deutsche aus meinem Hostel werden auch bald dorthin kommen. Ich hatte großes Glück mit den Leuten, die ich hier getroffen habe. Und im Vergleich zu meinen Anfängen fühle ich mich viel wohler damit, neue Freunde zu finden und mich einfach mit Fremden zu unterhalten.
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  • Da Lat und Buon Ma Thuot

    November 8, 2023 in Vietnam ⋅ ☁️ 30 °C

    Von Ho Chi Minh nahm ich einen Bus nach Da Lat - die Fahrt dauerte etwa 9 Stunden. Zum Glück bieten "Sleeper Busses" etwas Platz, auch wenn ich nen Ticken zu groß bin. 😂 Auf dem Weg nach Da Lat fuhren wir an unzähligen Dörfern, Bergen und dunkelgrünen Wäldern vorbei. Meine Herberge lag auf einem Hügel, so dass ich den schönsten Sonnenuntergang beobachten konnte, während ich einen Freund von zu Hause per Video anrief. Die Jugendherberge war mit 30 internationalen Gästen überfüllt, was einen Abend lang Spaß machte, und ich spielte ein Bierpong-Turnier mit einem Franzosen. Abgesehen davon trinke ich übrigens echt selten.

    Am nächsten Tag wollten mich die Angestellten des Hostels dazu drängen, eine Tour zu einem absurden Preis zu buchen, und ich fühlte mich mit so vielen Leuten nicht wohl. Also fuhr ich weiter nach Buon Ma Thuot, der Heimatstadt meiner Rezeptionistin aus Ho Chi Minh.

    Mein Hostel war leer als ich ankam, also machte ich einen Spaziergang. Ich sah zahlreiche Familien oder Freundesgruppen, die vor ihren Häusern Karaoke sangen. Sogar Leute, die nicht singen können, haben sich ausgetobt 😂 Ich kam zu einem Straßenimbiss, wo ich eine Art Shrimps bestellte, aber etwas größere mit einer wahnsinnig harten Schale. Ich hatte große Mühe, die Schale mit dem mitgelieferten Spezialwerkzeug zu knacken 😂 Die anderen Gäste und das Personal schienen überrascht, einen Weißen zu sehen, und halfen mir gerne. Niemand sprach in dieser Stadt Englisch, und das gefiel mir irgendwie. Ein paar Kinder setzten sich zu mir an den Tisch, sagten Hallo und fragten nach meinem Namen. Diese Art von Begegnungen mag ich am liebsten.

    Als ich zum Hostel zurückkehrte, traf ich Huan, den nettesten Typen, den man finden kann. Er ist Freiberufler, irgendwas mit Software, und hat dort an einem Projekt gearbeitet. Wir unterhielten uns stundenlang über unsere Kulturen und Politik und er bot mir an, dass wir am nächsten Tag zusammen zu einem Wasserfall fahren könnten.

    Wir aßen Nudelsuppe zum Frühstück und wurden von ein Typ, der an der Straße Kokosnüsse verkaufte, setzte sich interessiert dazu. Wir fuhren dann etwa eine Stunde zu dem Wasserfall, vorbei an Kaffeeplantagen und Kuhherden. Es stellte sich heraus, dass es sich um ein riesiges Gebiet mit mehreren Wegen um die Flüsse und Wälder herum handelte, die zu einem langen Spaziergang einluden. Unterwegs trafen wir eine Familie, die uns frisch gegrillten Fisch anbot - nur weil ich weiß und somit interessant bin 😂. In Buon Ma Thuot boten mir Fremde auch Reiswein an und ein 86-jähriger ehemaliger Mönch lud mich zu sich nach Hause ein (bei besserem Timing hätte ich sicher zugesagt).

    Wir spazierten weiter, machten hunderte von Fotos. Wir trafen drei vietnamesische Frauen in unserem Alter und ich dachte, eine von ihnen mag Huan, die 38 Jahre alt und alleinstehend ist, Kinder will, aber zu schüchtern ist, um den ersten Schritt zu machen 😅 Alle haben mich aufgemuntert, die kleine wackelige Brücke zu gehen, die ohne Handläufe über dem Wasser hängt.

    Auf dem Rückweg sahen wir die Familie vom Fluss, die jetzt schöne traditionelle Kleider trug und Fotos machte. Sie wollten auch Fotos mit mir machen, und ich war gerne dazu bereit.😅 Als wir zur Gastfamilie zurückkehrten, ermutigte mich Huan, einige Kilometer mit seinem Motorrad zu fahren, was ich auch tat. Meine bisher längste Fahrt. Er gab mir Ratschläge und sagte immer wieder, dass ich es gut machen würde.

    Wir aßen in einem kleinen Streetfood-Laden zu Abend und saßen mit einer Gruppe von 10 vietnamesischen Männern bei einem Bier und viel Spaß zusammen. Wieder waren sie neugierig auf mich und haben mich auf Instagram hinzugefügt.

    Am nächsten Tag fuhren Huan und ich zu einem See, der weniger spektakulär war, als wir dachten, aber ich konnte etwas Fahrpraxis sammeln und wir fanden eine schöne Farm voller Babyziegen und Strauße. Ein Mann reparierte dort ein Boot, und wir bezahlten ihm etwas Geld, damit er uns auf eine kleine Tour mitnahm. Nachdem wir uns mit Kaffee in Hängematten entspannt hatten, fuhr Huan zurück nach Haiphong, während ich nach Da Nang fuhr.
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  • Da Nang

    November 12, 2023 in Vietnam ⋅ ⛅ 30 °C

    In Da Nang übernachtete ich in einer der schönsten Herbergen, die ich bisher hatte. Es gab größere, superbequeme Betten als üblich. Als ich nach einer 13-stündigen nächtlichen Busfahrt ankam und fast keinen Schlaf bekam, blieb ich daher eine ganze Weile im Bett und gönnte mir auch eine tolle Massage mit heißen Steinen.

    Wir hatten eine Bar auf dem Dach, wo gekocht wurde, und einen Pool gab. Die geführten Touren sind super teuer, also habe ich mir einen Roller gemietet und bin auf eigene Faust losgezogen. Meine erste eigene Tour! Ich wählte den Hai-Van-Pass, den höchsten Punkt der Straße durch die Berge zwischen Da Nang und Hue. Ich hatte gelesen, dass die Straße nicht ganz einfach zu fahren ist, aber die Jungs aus meiner Herberge meinten, sie sei in Ordnung.

    Als ich auf meinen automatischen Roller stieg, klopfte mein Herz heftig und ich war sauer, als ich feststellte, dass es fast kein Benzin mehr gab. Anstatt also den einfachen Weg durch die Landschaft zu fahren, musste ich in die Stadt fahren, einen Geldautomaten und eine Tankstelle finden. Es dauerte lange, bis ich dort wieder herauskam. Dann fuhr ich zurück zur Straße, die am Meer entlang und hinauf auf den Berg führt. Zum Glück war es sonnig und der Roller war leicht zu steuern. Nachdem ich die Berge hinauf und hinunter gefahren war und die schönsten Aussichten genossen hatte, kam ein Lastwagen in Sicht, der in einer Kurve festhing und die Straße blockierte. Ich machte eine Pause, um auf einen Turm direkt nebenan zu steigen und eine Cola zu trinken. Es gab einen kleinen versteckten Pfad, dem ich bis hinunter zum Meer folgte, wo ich ganz allein war, abgesehen von zwei Fischern in der Ferne. Ich ging wieder hinauf und drehte um, um nach Da Nang zurückzukehren.

    Wenig später entdeckte ich ein kleines Schild mit einem Bild eines Wasserfalls darauf und hielt an. Es war ein kleiner Bauernhof mit zwei Hunden und ein paar Hühnern. Ein Mann, der dort wohnt, ermunterte mich mit Zeichensprache, um das Haus herumzugehen, und nachdem ich dem Weg ein Stück gefolgt war, kamen eine winzige Holzbrücke und ein großer Wasserfall in Sicht. Nachdem ich eine halbe Stunde allein dort herumgelaufen war, kam ich zurück zum Haus und wollte den Jungs etwas Geld für die Einladung geben. Es war klar, dass sie nicht unter den besten Bedingungen lebten, das Haus war ziemlich schmutzig. Aber sie wollten kein Geld von mir annehmen. Stattdessen halfen sie mir aus, indem sie mir eine Flasche Wasser schenkten. Ein herzerwärmender Ort, herzerwärmende Menschen.

    Nachdem ich den Rückweg gemeistert hatte, war ich stolz auf mich und gönnte mir eine Pause. Erst dann merkte ich, dass die Sonne 6 Stunden lang auf mich herabgestrahlt hatte, was eine Menge ist. Ich bin also wieder lange im Bett geblieben und habe es langsam angehen lassen. Ich habe nur meine Wäsche gewaschen, meinen Rucksack umgeräumt, japanische Wörter gelernt, einen Podcast gehört... Am Abend darauf fühlte ich mich wieder viel besser und habe mir den Sonnenuntergang am Strand angesehen. Da konnte man beobachten, wie einige Fischer von ihrer Ausfahrt zurückkehrten, und ich schwamm im lauwarmen Wasser. Anschließend habe ich ein paar vietnamesische Jungs gesehen, die Fußball spielten und konnte es mir nicht nehmen lassen, ein bisschen zu bolzen. Die Knie machen ganz gut mit.

    Abends war ich dann noch auf der Dachterasse, hatte spannende Gespräche und habe Leute kennengelernt, die ich in Hoi An wahrscheinlich wieder treffen möchte. Dort bin ich eben angekommen.
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  • Hoi An

    November 13, 2023 in Vietnam ⋅ 🌧 28 °C

    Von Da Nang ist es ganz nah bis Hoi An. Dort habe ich zwei Nächte verbracht. In Erinnerung bleiben wird mir der Anblick der zahllosen Lampions, die in den Abendstunden die Straßen, Gassen und den Fluss erhellen. Ich verbrachte viel Zeit damit, mit einem Freund im Hostel Billiard zu spielen. Leider regnete es viel. Obwohl das auch seinen Charme hat, schränkt es die Möglichkeiten schon ein. Am letzten Tag schlenderte ich mit meinem Kumpel stundenlang umher, saß in Cafés, aß Bahn Mi und entspannte ein wenig. Absolutes Highlight war der Coconut Coffee. Ohne große Erwartungen bestellte ich ihn und ließ mich von Espresso, Kokosnusseis und -flocken in den Essens-Himmel katapultieren. Abends stieg ich dann in den Nachtbus nach Ninh Binh.Read more

  • Ninh Binh

    November 14, 2023 in Vietnam ⋅ ☁️ 22 °C

    Nach einer ruckeligen 12-Stunden-Busfahrt durch die Nacht setzte uns der Fahrer um 5 Uhr morgens an einer Schnellstraße aus, wo ich und zwei andere Backpacker von Taxifahrern bedrängt wurden, die uns zum Hostel bringen wollten. Wir taten uns aber zusammen und konnten uns soweit durchsetzen, dass wir einen guten Preis bekamen. Völlig erschöpft dackelte ich dann auch 1,5 Kilometer noch zum falschen Hostel. Bei dem Spaziergang bemerkte ich aber schon, dass dies einer der schönsten Orte überhaupt ist. Ein Fluss, der den Ort durchzieht, ringsherum weite Reisfelder. Hunde rennen spielend umher, es werden Gänse und Ziegen laufen hier und dort entlang. Das richtige Hostel lockte mit einem Pool, Billiardtisch und tollen Zimmerkollegen.
    Am zweiten Tag mietete ich mir einen Roller und fuhr den ganzen Tag damit durch die Wälder und Dörfer. Das allein macht schon mega Spaß. Dazu gibt es dann auch noch weite Felder, blühende Blumen und tolle Felsformationen anzusehen. Dass die Geschwindigkeitsanzeige uns das Licht am Roller nicht funktionieren, habe ich hinterher dem Personal erzählt, es wurde aber kein Handlungsbedarf gesehen 😅
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  • Hanoi

    November 15, 2023 in Vietnam

    In der Hauptstadt bringt mich ein Fahrer zum Hostel. 14 Stunden am Tag fährt er durch den Verkehr von Hanoi, der zu den chaotischsten überhaupt gehört. Auf diese Weise, erzählt er, will er Geld verdienen, um seine Familie zu finanzieren. Er hat gerade geheiratet. Sein erster Sohn ist fünf Monate alt. Kind und Frau leben nicht in Hanoi, sie können sich die Miete nicht leisten.

    In einem zufällig ausgewählten Café hängen auf drei Etagen tausende bunte Klebezettel mit Botschaften, Witzen, Zitaten, Liebesgeständnissen, Entschuldigungen, Ermunterungen und den Namen der Verfasser. Wie berauscht lese ich sie mir durch. Seit fast zehn Jahren beklebe ich jeweils eine Wand mit Klebezetteln voller Zitate, die mich inspirieren, deprimieren, aufmuntern oder sonst irgendwie berühren. Haben sie das Café so gestaltet und in Hanoi platziert, damit ich es finden kann? Ich schicke ein Bild vom Café an einen meiner besten Freunde. “Du bist zuhause.” Schreibt er. Mir schießen Tränen in die Augen. Dann unterhalte ich mich im Café auch noch mit tollen Reisenden aus Südafrika und Dänemark.

    Am kleinen See stehen Menschen in ihren Schönsten Klamotten und fotografieren sich gegenseitig. Ich spaziere mit Musik auf den Ohren um den See herum und beobachte sie einfach. Es ist Wochenende, die Sonne scheint. Ein Vater wirft sich seinen lachenden Sohn mit sonnenblumengelbem T-Shirt über die Schulter. Kleine Jungs sprechen mich an - sie wollen mir nichts verkaufen, sondern einfach Englisch üben. Auf einer offenen Bühne wird ein Showkampf mit Stöckern aufgeführt. Ich sehe lächelnde Mädchen, sich küssende Pärchen und feixende Freunde. Das Leben ist gut, denke ich. Noch besser wird es, als ich ein Schälchen mit Joghurt, Kondensmilch, frischer Jackfruit, Blaubeerbällchen, Basilikumsamen und Marmelade esse - nicht zu fassen wie gut das ist. Am nächsten Tag fahre ich mit Huan durch die Stadt, der wieder an seinem normalen Arbeitsplatz in Hanoi ist. Er hilft mir, einen Bus nach Ba Be zu buchen.
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  • Ba Be

    November 18, 2023 in Vietnam ⋅ ☀️ 23 °C

    Der Bus nach Ba Be transportiert Menschen, aber auch Pakete und zwischendurch Lebensmittel in ie Region. Alle paar Minuten hält er an, es wird Geld gegen Paket gewechselt und weiter gehts. Wir erhaschen Blicke auf die Häuser und Geschäfte der Dorfbewohner. Im Bus treffe ich ein reisendes Pärchen und wir sind sogar im gleichen Homestay. In dem Dorf gibt es weder Geldautomaten, noch Geschäfte oder Restaurants. Dafür versorgt uns die Familie, in deren Gästezimmern wir schlafen, mit leckerem lokalen Essen. Morgens sind Hähne zu hören, abends Insekten und hin und wieder meldet sich ein Schwein zu Wort, das hier irgendwo leben muss. Unten schlafen außer der Familie auch mehrere Bauarbeiter. Die sind damit beschäftigt, eine Straße durch das Dorf zu bauen, wo bisher nur ein huckeliger Weg existiert. Die meiste Zeit verbringe ich mit Schlafen. Zum ersten Mal seit Wochen habe ich mein eigenes Zimmer, das auch noch schön abgedunkelt ist. Zudem ist es im Norden schön kühl, so kann ich mich richtig einkuscheln. Ich mache einen kleinen Spaziergang zum See. Ich werde von Jugendlichen mit Schulranzen überholt, die auf ihren Rollern nach Hause fahren. Abends schenkt uns der Gastgeber nach dem Essen fleißig den selbstgebrannten Maiswein ein, wir spielen Karten und wir lernen einen vietnamesischen Trinkspruch. Mit dem Pärchen lässt es sich super reden. Charlotte kommt aus Frankreich und ist Tattoo-Künstlerin, Ryan kommt aus Kanada und studiert in Nizza Physik. Wir bitten unseren Gastgeber, uns eine Fahrt nach Ha Giang zu organisieren. Der führt ein Telefonat und alles scheint in trockenen Tüchern. Erst nach einer halben Stunde im Bus fällt uns auf, dass wir in die falsche Richtung fahren. Dass wir zuerst zweieinhalb Stunden nach Süden düsen, dort umsteigen und erst von dort nach Ha Giang fahren, wäre gut zu wissen gewesen, aber so isses nunmal. Immer locker bleiben, das lernt man auf Reisen.Read more