Tag 143: Busan
October 23, 2024 in South Korea ⋅ ☁️ 20 °C
Mit dem Schnellzug KTX geht es in 3,5 Stunden die rund 400km von Seoul in den Süden des Landes.
Unkompliziert, eine einfache Fahrt ca. 40 EUR, pünktlich und geräumig sind die Züge - ein bisschen wie die alten EuroCity, die nach Italien fahren.
An uns ziehen grüne Landschaften, große Städte mit riesigen Wohnblöcken und viel landwirtschaftliche Nutzfläche vorbei.
Unsere U-Bahnkarte können wir uns Busan ebenfalls nutzen und fahren ins Hotel, wo wir direkt einchecken können.
Danach gehen wir Kaffee trinken und erstmal was essen. Wir hatten großen Hunger und Lust auf was heißes - nachdem ein Nudelgericht als kalt angeschrieben war, gingen wir davon aus, dass die anderen 2 Gerichte warm sind. Pustekuchen. Kalte Nudeln mit eiskalter scharfer Sauce für mich und scharfem Pesto für Vincent. Eine Spezialität aus Busan wie wir jetzt wissen - Milmyeon - mit den Ursprüngen in einem nordkoreanischen Gericht. Naja wir waren satt danach.
Zum Glück gabs gegenüber einen Stand mit in Fett ausgebackenen Teilen. Süß oder herzhaft, meist als Grundlage sticky Rice (Klebereis oder Klebreismehl). Sehr lecker.
Wir spazieren durch unser Viertel und besuchen dann den Friedhof der gefallenen UN-Soldaten im Korea Krieg. Ein riesiges Areal mit vielen Denkmälern. Die meisten gefallenen Soldaten sind Amerikaner, Briten und Türken. Deutschland hat erst nach dem Waffenstillstand mit medizinischer Hilfe zur UN-Mission beigetragen.
Es werden gerade Vorbereitungen für den morgigen Gedenktag getroffen - alles schick mit frischen Blumen.
Abends fahren wir noch an einen der Strände von Busan mit toller Aussicht auf die beleuchtete Stadt und ihre Brücken.
Busan hat ca. 3,5 Mio. Einwohner und wirkt quirliger, etwas dreckiger und enger auf uns - zumindest auf den ersten Blick. In der Innenstadt am Wasser ist es flach, dahinter geht es steile Straßen und Treppen in die Wohnviertel hinauf.Read more
Tag 144: Bunt & skuril
October 24, 2024 in South Korea ⋅ ☁️ 18 °C
Wir schleusen uns mit zig anderen Touristen durch das Kunstdörfchen Gamcheon, das mit dem Bus aus Busan erreichbar ist.
Gancheon ist ein Stadtteil, der geschaffen wurde, um Arbeiter für den Hafen hier unterzubringen, sodass sie nicht die Grundstücke am Hafen besetzten. Mitte der 50er wurde es aufgewertet und gefördert, dass Familien und Künstler dort hin ziehen.
Es ist uns zu voll und wusselig, trotzdem schön anzuschauen.Bemerkenswert ist, dass die Koreaner es schaffen die Touristenströme zu leiten. Sie bieten einen vorgefertigten Rundgang an, sodass die Bewohner möglichst wenig gestört werden. Den Plan gibt es nur noch gegen Geld in Papierform, sonst als QR-Code (ein kleiner Versuch der Kompensation des Mülls der Wegwerfbecher?!). Es gibt ausreichend Schilder und Touristen werden ermahnt, dass Einheimische Vorrang haben, z.B. bei der Treppenbahn.
Wir spazieren über den endlosen (Fisch-)Markt. Es gibt jeglichen Fisch, Imbisse, jede Menge Kimchi-Stände, Lampenladen und Obst und Gemüse in einer großen Bandbreite.
Danach machen wir uns nochmal auf in einen höher gelegenen Stadtteil, der sich in die Berge Busans zieht und steigen dabei viele Treppen. Da haben sich auch noch nicht viele Touristen hin verirrt. Wir haben super Ausblicke über die Stadt und fahren dann mit dem Bus zurück. Aber erst nachdem wir 10min auf einer erwärmten ❤️🔥 Bushaltestellen-Bank gewartet haben.
Danach gehen wir nochmal in das Tofu-Restaurant bei uns um die Ecke, es war sooo lecker. Die Besitzer erkennen uns wieder und freuen sich.Read more
Tag 145: Entspannt
October 25, 2024 in South Korea ⋅ 🌬 19 °C
Wir machen einen entspannten Tag mit einem Spaziergang am südlichsten Zipfel von Busan und beobachten die aufgeregten Südkoreaner, die aus der umherfahrenden Mini-Eisenbahn Bilder machen.
Danach gibt’s in einem eher schmuddeligen Laden irgendwo im Nirgendwo Dumplings und Suppe (wieder lecker)!
Danach trinken wir Kaffee mit Blick auf den Hafen und abends gibt es Korean Fried Chicken. Lecker!!!
Für Koreaner ist es typisch Fried Chicken mit Bier und Freunden/Arbeitskollegen nach Feierabend zu essen.
Wir kommen auch noch zum kulturellen Hochgenuss: eine Bühne wurde in einer Nebenstraße aufgebaut und ein guter Beat Boxer (soweit ich das beurteilen kann) und eine tanzende K-Pop(?!) Boyband geben alles! Lange können wir es nicht anhören, denn dann werden wir taub.
Irgendwie haben sie in Korea ein Faible für hohe Lautstärken.
Achja und was noch gar nicht zur Sprache kam: Japanische Toiletten.
In Seoul gabs die noch nicht aber anscheinend sind wir nun näher an Japan und nun haben wir eine im Hotelzimmerbad. Vincent ist ein absoluter Fan, ich bin noch nicht so sicher. Klar, die Sitzheizung ist nett.
So schamig, dass ich den „Noise“-Button (der eine dauerhafte Toilettenspülung simuliert) betätigen muss, bin ich nicht.
Der Knopf kommt übrigens aus Japan, wo Frauen während des großen Geschäfts dauerhaft aus Scham die Spülung gedrückt haben. Über 20l Wasser wurden bei einem einzelnen Toilettengang damit verbraucht!!!
Daher gibt es nun den Knopf.
Dann gibt es noch die Option sich vorne und hinten mit einem Wasserstrahl sauber machen zu lassen, zu föhnen und nicht zuletzt: der Deo-Knopf.
Und das ist nur die Basic-Variante! Es gibt Modelle, die deinen Urin analysieren!Read more
Tag 146: Goodbye Südkorea
October 26, 2024 in South Korea ⋅ 🌬 22 °C
Wir schlafen mal aus, gehen dann zum Nudelladen um die Ecke. Er erschien uns schon am Vortag sehr beliebt mit einer langen Schlange.
Dort werden in der Outdoorküche die Nudeln selbst gemacht. Wir stehen mal wieder an, aber es geht schnell.
Mindestens 5 Leute arbeiten für die ca. 20 Zweiertische auf 30qm und jeder hat seine Aufgabe: Nudeln abschöpfen 🍜 in Schüssel, Brühe und Gemüse dazu. Plätze zuweisen, servieren, kassieren, Nudeln machen, spülen.
Faszinierend, sehr effizient und lecker.
Danach besuchen wir noch den Busan Citizen Park, ein ganz normaler Park aber an einem Samstag ist die Hölle los.
Freundesgruppen, Familien, Pärchen strömen mit kleinen Rollwägelchen, Zelten, Taschen und oder Bollerwägen voll gepackt mit Essen in den Park.
Aber das meiste Essen ist nicht in Tupperboxen sondern abgepackt aus dem Markt, Sushi, Asiasuppen etc. Kaffee in Plastikbechern to Go.
Wir sehen kaum jemanden, der eigenes Essen mitgebracht hat. Überhaupt wundern wir uns, ob und wie viel SüdkoreanerInnen zu Hause essen/ trinken. Wir haben den Eindruck nicht viel. Denn auch die Supermarktdichte, wo es Zutaten zum Kochen gibt und nicht nur Fertiggerichte, ist gering. Vielleicht täuschen wir uns auch, leider konnten wir bis über etwas Small Talk hinaus nicht wirklich mit Koreanern in Kontakt treten.
Wir entspannen den Tag in einem sehr hippen Café und essen zum Abschluss nochmal Nudeln mit Bohnenpaste und Zwiebeln.
Danach geht’s nämlich auf die Fähre nach Japan 🇯🇵!
Eigentlich wäre es eine 3-stündige Fährfahrt von Busan nach Fukuoka aber dieser Anbieter hat alle Fährfahrten auf die nächsten Monate storniert, sodass wir noch auf unserer Fahrradreise eine Alternative suchen mussten. Um einen so kurzen Flug zu vermeiden, wollten wir Fähre fahren. Die einzige Möglichkeit war eine Nachtfähre, die natürlich schon weitestgehend ausgebucht war für unser Datum. Also haben wir unsere Hotelbuchungen angepasst und gebucht.
Wir dachten, dass wir ein schuckeliges 2-Bettzimmer gebucht haben mit gutem Schlaf für die Nacht (es war eine japanische Internetseite). Als wir dann jedoch vor unserer Zimmernummer standen haben sich 8 sehr dünne, fleckige Futonmatten aufgetan. Ahhhhjaaaaa. 2 Klasse eben. Upgrade nicht möglich. Mich hat der Zustand des Schiffs (mindestens aus den 80ern) an die 3. Klasse der Titanic erinnert.
Die Koreaner hatten ihren Spaß und mitgebrachtes Essen und jede Menge Alkohol getrunken. Vllt ist das der Mallorca-Ausflug der Koreaner?
In unserem Zimmer waren noch ein kanadisches und ein mexikanisches Pärchen, mit denen wir uns nett unterhalten haben und ein komplett eingeschüchtertes koreanisches Pärchen. Wir haben die Futonmatten etwas auseinander gerückt und mit den Laken bezogen, dann war es eigentlich ganz bequem. Den steinharten Yoga-Block als Kopfstütze konnten wir echt nicht nutzen. Eine zusammengerollte Decke hat es auch getan.
Überraschenderweise haben wir gut geschlafen und waren um 6 Uhr in Fukuoka. Warum wir trotzdem erst um 7:30 vom Schiff durften, ist unklar.Read more
Tag 147: Japan!
October 27, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 25 °C
Wir sind in Japan - genau genommen in der größten Stadt im Süden - Fukuoka.
Erstmal organisieren wir uns - wie immer in einem neuen Land: SIM Karte (Empfehlung: Ubigi für Japan, kann online gekauft werden), Geld abheben, Öffi Karte kaufen (ist praktischerweise gültig für alle japanischen Städte). Dann holen wir noch unsere Erstattung von der anderen Fähre ab (es gab 60 EUR/ Person bar auf die Hand als Kompensation für Zusatzkosten).
Dann Gepäck abstellen im Hotel.
Einschub Vincent zum Thema Verhaltensweisen:
Erster Eindruck: Alle seeeeeeehr höflich - ungewohnt höflich für uns. Sehr höflich, sehr devot und Sprachkenntnisse in Englisch sind oftmals kaum vorhanden. Kostprobe: der Mitarbeiter beim Zoll, bei der Einreise, konnte kein klares NEIN zu unseren Bananen formulieren. Stattdessen hat er ein Schild hochgehalten auf denen durchgestrichene Bananen abgebildet waren. Da wir ungern Lebensmittel wegschmeißen haben wir gefragt ob wir die Bananen noch schnell essen dürfen. Anstatt NEIN zu sagen, begann der arme Kerl zu wimmern. Ganz elendig und geräuschvoll tat es ihm leid, dass wir jetzt leider leider leider unsere Bananen nicht verzehren können. Mein Gott hat der eine Show abgezogen. Von einem Mitarbeiter an einer Landesgrenze hätte ich mir mehr Selbstbewusstsein erwartet. Der tut ja regelrecht so als wären es seine Bananen. Sein Problem ist, dass er uns ein Verbot aussprechen muss. Ein einfaches NEIN hätte auch gereicht und wir hätten die Bananen entsorgt.
Ein anderes Beispiel: Kristina macht einen älteren Herren auf einen freien Sitzplatz in der Bahn aufmerksam. Der Sitz war für mindestens zwei Haltestellen leer und der Typ stand am Gang. Die Situation endet in dem der Mann sagt: "You what me to sit?" und sich setzt. Uns drängt sich der Eindruck auf, der hat sich nur aus Höflichkeit Kristina gegenüber hingesetzt.
Zurück nach Fukuoka:
Ansonsten ist viel Autoverkehr auf den Straßen aber wenige Menschen - außer in den Einkaufsstraßen.
Wir schauen uns unseren ersten Schrein an - komplett aus Holz gebaut und 1400 Jahre alt, kein Nagel, kein Stahlträger.
Gerade finden Rituale(?!) statt, die Kinder sind in traditioneller Kleidung herausgeputzt, die Eltern ebenso. Überall kann man Wunschkärtchen schreiben oder mit einem kleinen Ritual Glück bekommen (eine Münze im Wasser waschen, trocknen und einwerfen).
Interessant ist, dass es eine Jahresaufstellung gibt, für die Jahrgänge, für die es ein besonders schlechtes Jahr wird. Die Übersetzung ist etwas komisch aber die Aussage kommt durch.
Wir suchen das erste Essen in Japan und werden mit Sabu fündig - Buchweizennudeln. Dazu gibt es verschiedene kleine Beilagen und frittiertes Hühnchen.
Von außen ist es sehr unscheinbar, keine Werbung, keine laute Musik wie in Südkorea.
Zum Essen werden wir in ein kleines Separée geführt. Es ist wieder sehr lecker - vor allem die frittierten Hähnchen!
Danach spazieren wir noch durch die Stadt, die an Sehenswürdigkeiten nicht viel zu bieten hat uns uns auch nicht sonderlich begeistert.Read more
Tag 148: Nagasaki
October 28, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 23 °C
Wir reisen nach Nagasaki. Dafür nehmen wir den weltberühmten Shinkansen. Wir steigen pünktlich in den Zug und fahren versehentlich 1 Stunde in die falsche Richtung. Wie uns das passieren konnte ist uns nach wie vor unklar. Wir kommen jedenfalls deutlich später in Nagasaki an - mit einer für die Deutsche Bahn normalen Verspätung.
Die Fahrt und die Organisation ist beeindruckend. Es gibt nur eine Zugangskontrolle zum Shinkansen-Bereich aber keine Ticketkontrolle. Es kommt immer der richtige Zug, d.h. Verspätete Bereitstellung, umgekehrte Wagenreihung gibt es nicht. Verspätungen ebenso wenig. Sollte das Ein- und Aussteigen länger dauern, wird vom Zugführer während der Fahrt, die Geschwindigkeit so kalkuliert, dass man im nächsten Bahnhof wieder pünktlich ist.
Das alles ist aber natürlich nur möglich durch getrennte Trassen. Kein Regional- oder Güterzug fährt auf der Shinkansen Trasse.
Nagasaki erinnert an Bad Kissingen oder einen anderen deutschen Kurort der in den 80er seinen Höhepunkt hatte. Viele Neubauten mit Fassaden in beige/gelb. Da ich einen Schnupfen habe machen wir nicht mehr viel an dem Tag und gehen früh ins Hotel.
Ich nehme ein heißes Bad in der Mini-Badewanne. Im Anschluss liegen wir in unserem Doppelbett. 1,20 Meter für zwei Personen sind hier Standard-Doppelbett-Größe.
Am nächsten Tag werden wir die Gedenkstätte besuchen.
Da Nagasaki außer der Gedenkstätte nicht viel hergibt, hier einige weitere unsortierte Alltagsbeobachtungen.
Immer und überall schlafen Leute. Lt. unserem Reiseführer ist das gesellschaftlich anerkannt und lässt sich unter anderem auf die langen Arbeitstage zurückführen auch „Inemuri“ genannt wird. Schlafen überall ist erlaubt und sogar gesellschaftlich angesehen
https://www.japanwelt.de/blog/inemuri-japanisch….
Da ich oft mal das stille Örtchen aufsuche, gibt es hier exklusive Erkenntnisse meiner Beobachtungen: Es gibt weniger öffentliche Toiletten als in Südkorea. Diese sind bei weitem nicht so herrlich sauber. In den öffentlichen Herrentoiletten waschen sich 2 von 10 Männern die Hände. Es gibt jedoch auch nur in 1 von 10 öffentlichen Herrentoiletten eine Handwaschseife.
Im öffentlichen Raum in Südkorea wie Japan, wird geschnieft und gehustet was das Zeug hält. Weder in die Armbeuge noch in ein Taschentuch und sobald hätte es das große Corona-Thema "Tröpfcheninfektion führt zu Ansteckung" nie gegeben. Ein Beispiel: Am U-Bahnhof in Busan steht eine Dame um die 50 im Kostüm und mit teuerer Handtasche vor uns am Gleis und wartet, so wie wir, auf die U-Bahn. Sie hält sich kurz ein Nasenloch zu und schneuzt einmal kräftig auf den Boden. Ein dicker Flaschen landet am Boden. Die Verwendung von Taschentüchern wird lt. Reiseführer gar nicht gerne gesehen. Lieber hochziehen oder einfach frei niesen statt dezent in ein Taschentuch zu schneuzen. Im Gegensatz dazu steht, dass sehr viele Menschen permanent eine Maske tragen.
Ebenso gewöhnungsbedürftig: Beim Essen im Restaurant wird permanent geschlürft, gerülpst und geschnieft.
Weniger eklige Beobachtungen: war in Südkorea noch der Americano das Kaffee-Getränk der Wahl, so wird in Japan gerne Filterkaffee oder auch Tee getrunken. Es gibt deutlich weniger Cafés als in Südkorea. Grundsätzlich isst und trinkt man auch nicht im Gehen oder im öffentlichen Raum. Wir sehen niemanden der das macht, außer wir selbst und andere Touristen.
Dagegen ist snacken im Shinkansen absolut normal und gehört dazu. Hierfür gibt es ganze Boxen und jede Menge Fertiggerichte zum Mitnehmen.
In den Cafés die es gibt, sitzen junge Leute (über Stunden) und lernen - geschuldet den engen Platzverhältnissen zu Hause. Für manch eine Filiale ein Minusgeschäft, da oftmals nur ein Getränk konsumiert wird. Es gibt Cafés. die zumindest das öffentliche Schlafen verbieten.
Hunde werden in Japan eher in einem Wagen transportiert. In Südkorea werden die Tiere hauptsächlich getragen. Grund unklar.
Und eine weiteres Phänomen - wie schon in Südkorea: im öffentlichen Raum gibt es keine Mülleimer. Es gibt viele Schilder die einen darauf hinweisen, seinen Müll mitzunehmen. Selbst an Hauptbahnhöfen in großen Städten gibt es nur wenige Möglichkeiten seinen Touristenmüll (Bananenschale oder Schokoladenriegelpapier etc.) wegzuwerfen. Warum?Read more
Tag 149: Atombombe
October 29, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 19 °C
Wir besuchen die Gedenkstätte zum Atombomben-Abwurf in Nagasaki. Gegenstände und Zeitzeugenberichte legen dar, wie schrecklich der Angriff gewesen ist. Auch wird die dramatische Funktionsweise einer Atombombe erklärt. Da die japanische Regierung auch nach dem Bombenabwurf auf Hiroshima am 06.08.1945 nicht bedingungslos kapitulierte, entschied sich die US-Regierung für den Abwurf einer zweiten Bombe am 09.08.1945. Zunächst war die Hafenstadt Kokura als Einsatzort vorgesehen. Aufgrund der starken Bewölkung wurde das etwas mehr als 100 Kilometer entfernte Nagasaki angeflogen. In Nagasaki starben unmittelbar zwischen 60.000 und 80.000, bis heute ca. 200.000 Menschen.
Grausam. Schrecklich. Unfassbar.
Heutige Atombomben, so lernen wir, sind um ein Vielfaches stärker als die zwei in Hiroshima und Nagasaki eingesetzten Bomben. Und das Thema leider aktueller als je zuvor.
Der Besuch in der Gedenkstätte verändert meinen Blick und meine Wahrnehmung auf das nach wie vor aktuelle Thema "Atombomben". Wenn heut' in den Nachrichten von Drohungen/Atombomben/autoritären Staaten gesprochen wird, sind die Auswirkungen für mich greifbarer und weit weniger abstrakt.
Hier eine sehr gute Zusammenfassung der Bundeszentrale für politische Bildung, die erklärt wie der historische Vorlauf zum Atombomben-Angriff auf Nagasaki war:
„Mit dem Deutschen Reich schloss Japan im November 1936 den "Antikominternpakt". Darin vereinbarten die beiden Staaten die Bekämpfung der "Kommunistischen Internationalen" (Komintern), weitere Staaten traten in den Folgejahren bei. Ende 1937 begann der Zweite Chinesisch-Japanische Krieg, in dessen Folge Japan große Gebiete in Ostchina besetzte. Dabei gingen die Soldaten oft mit brutaler Gewalt vor: Beim Massaker von Nanking, das am 13. Dezember 1937 begann, wurden unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 40.000 und 200.000 Zivilistinnen und Zivilisten ermordet. Japan beanspruchte die Vormachtstellung in Asien. In der "Großasiatischen Wohlstandszone" sollten die verbliebenen Kolonialmächte vertrieben und die Länder unter japanischer Führung gewaltsam vereint werden.
Als Wendepunkt im japanischen Großmachtstreben gilt der Angriff auf den US-amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii am 7. Dezember 1941, der dazu führte, dass die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten. In den folgenden Jahren wurde die japanische Einflusssphäre im Pazifik zurückgedrängt.
Am 16. Juli 1945, während der Potsdamer Konferenz, schlossen die USA den Test der ersten Kernwaffenexplosion weltweit – der "Trinity"-Bombe – erfolgreich ab. Am 24. Juli befahl US-Präsident Harry S. Truman, die Atombombe über Japan einzusetzen, je nach Wetterlage über einer der Städte Hiroshima, Kokura, Niigata oder Nagasaki. Am gleichen Tag soll Truman auf der Potsdamer Konferenz den sowjetischen Führer Josef Stalin über die Existenz einer „neuen Waffe spezieller zerstörerischer Stärke“ informiert haben. Laut Berichten der sowjetischen Delegation wusste Stalin bereits von dem erfolgreichen Test einer amerikanischen Atombombe und befahl, die Entwicklung einer sowjetischen Atombombe zu intensivieren. Dieser Zeitpunkt gilt daher auch als Beginn des atomaren Rüstungswettlaufs.
Die Stadt Hiroshima war das erste Angriffsziel der US-amerikanischen Streitkräfte. Aufgrund ihrer industriellen und militärischen Anlagen war die Stadt auch von strategischer Bedeutung. Die Bombe mit dem Codenamen "Little Boy" wurde am 6. August 1945 um 8:15 Uhr Ortszeit abgeworfen. In der Stadt mit damals schätzungsweise 300.000 Einwohnerinnen und Einwohner wurden unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 90.000 und 120.000 Menschen sofort getötet oder erlagen in den folgenden Monaten ihren Verletzungen. Etwa 90 Prozent der Häuser wurden zerstört oder stark beschädigt. Am 15. August wandte sich der japanische Kaiser Hirohito in einer Radioansprache an die Öffentlichkeit und sagte, dass Japan nun "das Unvermeidbare erdulden" und den Kampf beenden müsse. Die bedingungslose Kapitulation wurde am 2. September an Bord des US-Schlachtschiffes Missouri unterzeichnet und gilt als Ende des Zweiten Weltkriegs.“Read more

TravelerDanke, dass ihr das Atombombenthema so ausführlich beschreibt, das ist wirklich unfassbar.
Tag 150: Make love in Hiroshima
October 30, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 21 °C
Nagasaki bietet nicht viel und ist eine unspektakuläre Kleinstadt, daher nehmen wir einen früheren Zug. Unser nächstes Ziel: Hiroshima. Mit dem Shinkansen düsen wir diesmal in die richtige Richtung. Und Umsteigezeiten von 7 Minuten sind entspannt, denn alles ist pünktlich und organisiert. Zudem sind alle Durchsagen im Zug auch auf Englisch.
Laut Reiseführer ist die Übernachtung in einem "Liebeshotel" ein Erlebnis, welches sich Rucksackreisende-Touristen nicht entgehen lassen sollten. Die Hotels sind für Paare konzipiert, die noch bei ihrer Familie leben und in den engen kleinen Wohnungen in Japan keine Möglichkeit haben, intim miteinander zu werden (oder Eltern, die ihre Ruhe haben möchten). Daher ist es gesellschaftlich vollkommen anerkannt und okay ab und an ein Liebeshotel zu besuchen. Die Zimmer sind auch geräumiger und bieten mehr Platz als in der für Japaner gewohnten engen Umgebung. Für die Diskretion ist der Kontakt zwischen Rezeptionistin und Gast nur durch ein kleine Lücke möglich. Niemand sieht sich und es wird nur Geld, gegen Zimmerschlüssel getauscht.
Wer mag, kann sich auch noch ein Massageöl und/oder Badeschaum mitnehmen. Dem Liebespiel steht also nichts im Wege.
In der Realität handelt es sich bei unserem Liebeshotel um ein wirklich widerliches Gebäude. Es riecht nach Raumspray, kaltem Zigarettenrauch und im Zimmer gibt es viele klebrige Flecken und Spritzer an Böden und Wänden. Es schimmelt in unserem Zimmer. Unser Bad gleicht einem Schlachthaus. Es gibt sogar einen Notfallknopf. Wir laden unsere Gepäck ab, schütteln uns, da es echt eklig ist und gehen in die Stadt.
Bei herrlichem Wetter besuchen wir die Atombomben-Gedenkstätte in Hiroshima.
Das Gelände ist weitläufiger und moderner als in Nagasaki. Im Museum werden ebenso Zeitzeugenberichte und Gegenstände gezeigt, welche die verheerende Wirkung der Atombombe über Hiroshima, erfahrbar machen.
In Nagasaki haben die umliegenden Berge einen Feuersturm verhindert. In Hiroshima hingegen ist es flach und die Atombombe hat für starke Brände, auch noch Tage nach der Explosion, gesorgt. Neben der Detonation der Bombe, neben der Radioaktivität gab es also auch Brände die für enorme Hitze gesorgt haben. Das Museum zeigt, wie die verbrannten Menschen ihren Durst in den örtlichen Flüssen stillen wollten, dabei ertrunken sind und im Fluss umhertrieben. Es wurde auch gezeigt welche Auswirkungen Radioaktivität auf den menschlichen Körper hat. Unkontrollierter Wachstum einzelner Fingernägel oder Fußnägel, natürlich aber auch Haarausfall und verschiedene Krebsarten über Generationen hinweg.
Atombombenopfer werden auch „Hibskusha“ genannt. Sie erhalten häufig vergünstigte Eintritte und kostenlose Krankenversorgung seitens der Regierung.
Nach der Katastrophe wurden sie dennoch in der Gesellschaft aufgrund ihrer sichtbaren oder psychischen Schädigungen diskriminiert und ausgegrenzt.Read more
Tag 151: UNESCO Weltkulturerbe
October 31, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 22 °C
Wir stehen früh auf und fahren ca. 1,5 Std. auf die kleine Insel: Miyajima. Dort steht der Itsukushima-Schrein. Eines der am meisten fotografieren Objekte in Japan. Entsprechend voll ist es und wir sind ein Teil der Massen die sich die ca. 2 Kilometer lange Promenade entlang zum begehrten Schrein schieben.
Der erste Schrein an dieser Stelle entstand im 6. Jahrhundert. Die Architektur des Schreins, die aus pierartig über die Bucht gebauten Bauwerken besteht, ging auf den heiligen Status der Insel zurück, die einfache Bürger nicht betreten durften. Teil des Schreins ist das Torii-Tor. Ein Zugang war damals nur mit dem Boot durch das Torii möglich. Grundsätzlich sind Torii Elemente der traditionellen japanischen Architektur und als solche reale oder symbolische Eingangstore eines Schreins. Das derzeitige Tor auf Miyajima wurde 1875 aus Campherholz errichtet. Es ist 16 m hoch und hat einen vierbeinigen Stil (yotsu ashi), um zusätzliche Stabilität zu erreichen.
Das Tor ist nur bei Hochwasser von Wasser umgeben, bei Niedrigwasser kann es von der Insel zu Fuß erreicht werden.
Nach den entsprechenden Fotos geht es für uns vorbei am Schrein hinein in einen Wald und auf einen Berg hinauf. Schon sind wir alleine.
Lt. Karte sind wir in einem "Urwald". Als Urwald wird ein von menschlicher Einflussnahme nicht berührter Wald bezeichnet. So geht es entspannt eine Stunde durch den Urwald bergauf und danach haben wir eine tolle Aussicht auf die umliegenden Inseln. Im Anschluss geht es einen anderen Weg bergab.
Wieder im Tourismus zurück, findet Kristina ein Lokal in dem es sehr gute Rahmen-Suppen zu normalen Preisen gibt. Vor der Pandemie besuchten ca. 5 Millionen Menschen pro Jahr die kleine Insel. Entsprechend touristisch und qualitativ durchwachsen ist das Restaurantangebot auf der Insel. Das abgelegene kleine Lokal bietet jedoch noch solide Speisen zu normalen Preisen. Genau etwas für uns! Und extrem lecker war es auch.
Zurück in Hiroshima besuchen wir noch einen traditionellen japanischen Garten und spazieren ein wenig durch die Fußgängerzone.
Im japanischen Garten waren zwei Mitarbeiter nur damit beschäftigt, uns zu erinnern, dass der Park um 17 Uhr schließt. Teilweise sind sie hinter uns und den anderen Besuchern hinterher gesprintet und haben uns ein Schild mit „Stop. Close 5pm“ gezeigt. War leider dadurch nicht sehr meditativ durch den Park zu gehen.Read more
Tag 152: Alltagsbeobachtungen
November 1, 2024 in Japan ⋅ 🌧 19 °C
Es regnet und zwar seit Stunden. Und es soll noch bis Samstagabend weitergehen. Anscheinend ein Zyklon - die wahren Auswirkungen sehen wir dann morgen!
Hiroshima hat leider auch nicht soviel zu bieten. Wir besuchen noch das City Museum of Modern Art. Klein aber fein. Es gibt Kunst von Yoko Ono - entweder von ihr selbst gemacht oder gespendet.
Zudem noch einige andere japanische Künstler, interessant die Schwerpunkte hier zu sehen. Klein aber fein.
Bilder machen war fast überall verboten und die Sicherheitsdamen hatten ein wachsames Auge.
Apropos, wachsam: jeder Fahrgast muss die Tram oder den Bus beim Fahrer verlassen, zahlen oder die Karte zeigen, so ist Schwarzfahren sozial kontrolliert. Währenddessen bedankt er sich bei jedem Fahrgast - jeder hört dies auch, denn er spricht es in sein Headset. Allerdings nicht normal laut, sondern er haucht es eher. Hört sich wie ein erotisches Hörbuch oder der Refrain eines Barry-White-Songs an.
Regeln und Ordnung bzw. Prozesse sind beliebt, z.B. sollte das eigene Gepäck im Zug in der Gepäckablage über dem eigenen Sitz liegen und nicht rechts oder links. Ein anderer Fahrgast war regelrecht empört über unsere Rucksäcke die in "seinen" Bereichen hineinragten.
Wir haben uns dem Busgebäude auf der falschen Seite genähert und stehen vor unserem Bus. Wir fragen die Busfahrerin durch das offene Fahrerfenster in welche Richtung der Bus fährt. Wir bekommen keine Auskunft. Uns wird stattdessen mit wilden Gesten bedeutet, dass wir uns von dieser Seite nicht dem Bus nähern dürfen. Eine alte Dame kommt hinzu und gestikuliert mit. Sekunden später steht ein Hausmeister vor uns und alle drei gestikulieren wild. Nein, nicht einsteigen, wir müssen um das Gebäude/Häuserblock herumgehen, nur um 1 min. später am selben Ort zu stehen. Es gab keine Fahrkartenschranke oder ähnliches. Bezahlt wird im Bus. Wieso wir uns den Bussen nur von vorne nähern durften, bleibt uns ein Rätsel. Die Auskunft, wohin der Bus fährt wurde uns dann auch ohne weiteres erteilt.
Es gibt zu 90% nur kleine 24-Stunden-Supermärkte. Die Ketten heißen Lawson oder 7Eleven. Das Sortiment gleicht dem einer Tankstelle. Es gibt alles für den Alltag. Nachteil ist, es gibt die die Dinge oftmals nur in Reisegröße und zum Tankstellenpreis. Sehr viele Tütensuppen und Fertiggerichte, Süßigkeiten, Getränke, Hygieneartikel etc. Obst und Gemüse gibt es nicht oder nur sehr eingeschränkt. So kosten z.B. 3 einzelne in Folie verpackte Bananen ca. 1,10€ oder ein kleines in Folie eingepacktes süßes Teilchen für ca. 2€. Alles ist immer In Folie verpackt. Brot und Backwaren gibt es auch, nur komplett in Folie verpackt. Eine ernst zunehmende Backkunst gibt es nicht. Es gibt lediglich Produkte aus Weißmehl und dazu ist alles immer sehr sehr fluffig. Ich freue mich schon auf gute Brötchen und deutsches Brot. In den 24-Stunden-Märkten gibt es Wasserkocher und Mikrowellen zur Verwendung. Öfters sehen wir wie Menschen im Eingangsbereich sitzen und das Fertigessen konsumieren. Wo machen Japaner ihren Wochenendeinkauf? Kochen Japaner? Es gibt große Supermärkte, die erscheinen uns jedoch noch teurer als die hochpreisigen 24-Stunden-Märkte. Hier ein Beispiel: Äpfel können oft nur Stückweise erworben werden, so kostet 1x Apfel ca. 1,60€ oder 500 Gramm Haferflocken ca. 6€ Ernähren sich Japaner gesund? Was frühstücken Japaner? Welche Volkskrankheiten gibt es in Japan?Read more
Tag 153: Zyklon
November 2, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 20 °C
Wir erleben etwas einzigartiges: der für seine Pünktlichkeit weltberühmte japanische Zugverkehr ist unpünktlich.
Das japanische äquivalent zum ICE nennt sich "Shinkansen". Der Schinkansen in Japan hat eine durchschnittliche Verspätung von ca. 15 Sekunden aufs Jahr gesehen. Zugführer müss sich beim Betreiber rechtfertigen, wenn ihr Shinkansen länger als 1 Minute für die eingeplante Zeit am Bahnhof benötigt. Alles läuft geschmeidig. Zugfahren in Japan macht Spaß und man kommt problemlos durch das gesamte Land. Die Deutsche Bahn kann von solchen Werten nur träumen. Die Deutsche Bahn ist chronisch zu spät. 2023 lag die Pünktlichkeit im Fernverkehr bei 64%. Die DB definiert den Begriff "Pünktlichkeit" wie folgt: Ein Abzug gilt als "pünktlich" wenn er seine planmäßige Ankunftszeit um weniger als sechs Minuten überschreitet. Zurück zum effektiven und effizienten Zugverkehr in Japan.
Über Japan zieht ein Zyklon vorüber und es regnet und stürmt seit gestern. Wir wollen heute von Hiroshima nach Osaka fahren. Die Fahrt dauert eigentlich nur 1,5 Stunden. Am Ende sind wir 3 Stunden unterwegs und haben auch nicht unseren eigentlich Zug genommen. Gemessen an dem Unwetter und unseren Erfahrungen mit der Deutschen Bahn sind wir vollends zufrieden und freuen uns auf Osaka. Die Japaner bzw. das gut laufende System kommt ins Wanken. Freie Plätze im Zug bleiben unbesetzt und die Leute drängeln sich im Gang. Niemand will unhöflich sein und anderen einen Platz wegnehmen. Am Bahnhof kommt es zu Menschenansammlungen. Die einen warten geduldig in der extrem langen Schlange, die anderen drängeln sich (unangenehm berührt) vor. Uns wird bewusst, wie viele Menschen hier täglich transportiert werden. Wir schieben uns mit unseren riesigen Rucksäcken durch die Massen und haben zeitnah den Bahnhof verlassen.
Wir lassen die Rucksäcke im Hotel und entkommen dem Regen in einem Café. Im Anschluss pilgern wir noch durch ein paar Geschäfte und essen am Ende mal wieder sehr leckere Ramen.
Der Regen lässt am Abend nach. Was uns in Osaka auffällt: Osaka ist für uns die erste richtige japanische Bilderbuch-Großstadt. Unzählige Hochhäuser, endlose Straßenschluchten, riesige (riesige) Einkaufszentren, die verwoben sind mit kilometerlangen Zwischengeschossen die zwischen U-Bahn und Straße liegen. Unendliche Möglichkeiten Geld auszugeben.
Dafür eignen sich auch besonders die Spielsalons bzw. -Automaten. Sie werden viel genutzt. In den Spielsalons sehen wir auch viele Senioren.Read more
Tag 154: Power-Tag in Osaka/Kobe
November 3, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 20 °C
Wir reisen mit dem Zug in das 30 Minuten entfernte Kobe. Wir spazieren am Vormittag Kobe ab. Kobe ist die Kleinstadt bei Osaka mit Japans größtem Hafen und dem weltweit bekannten Rindfleisch. Das Wagyū-Rind besitzt gut marmoriertes Fleisch. In Kombination mit dem seltenen Vorkommen und der langsamen Mast ist das Fleisch der Wagyū-Rinder nicht nur eine Delikatesse, sondern darüber hinaus ein gefragtes Luxusprodukt. Für original Kobe-Rindfleisch aus Japan liegen die Preise zwischen 400 bis 600 € pro Kilogramm. Das Fleisch der Tiere unterliegt einer strengen Herkunftsbezeichnung. Das Wagyū-Rind ist als Kobe-Rind bekannt, d.h. nur das Fleisch der Wagyū-Rinder, die in der japanischen Region Kobe geboren, aufgezogen, gemästet und geschlachtet wurden, dürfen die Bezeichnung Kobe tragen. Entsprechend hoch ist die dichte an Restaurants die mit dem bekannten Rindfleisch werben. Wir essen dennoch mal wieder eine sehr gute Ramen und verzichten auf das exklusive Fleisch.
Nach dem Mittagessen spazieren wir noch weiter durch Kobe und nehmen dann den Zug nach Osaka. Wir spazieren an einem der Flüsse entlang und durch den Burggarten. Da wir kein passendes Café finden, nehmen wir uns einen Kaffee mit. Leider wird in Japan und Südkorea fast immer ein Mitnahmebecher verwendet, auch bei Verzehr im Lokal. Überhaupt wird alles und überall verpackt. Extrem viel Plastikmüll. Das hätten wir von so einem weit entwickelten Land nicht erwartet. Eher ist hier noch Konsum angesagt als Öko-Bewusstsein.
Wir steuern dann noch zwei Viertel an die lt. Reiseführer sehenswert sind. Am Ende gibt es nur Hotels, Restaurants, viele Touristen und so wirklich interessant ist die Gegend nicht. Wir landen mal wieder in einem Einkaufszentrum und geben Geld aus.
Der Tag geht mit einem Spaziergang zum unspektakulären Osaka-Tower zu Ende. Nach mehr als 25 Kilometer Fußmarsch liegen wir erschöpft im Hotelzimmer und gucken noch eine Folge vom Auslandsjournal über die anstehende US-Wahl.
Vielleicht liegt es an den vielen Eindrücken die wir die letzten Monate über gesammelt haben, aber so richtig spektakulär sind die Städte in Japan nicht.
Ja, Osaka ist imposant und größer als Fukuoka, Nagasaki und Hiroshima. So richtig reizen können uns die unzähligen Einkaufsmöglichkeiten leider nicht. Die Möglichkeiten haben wir die letzten Monate oft gehabt. Für Museen ist das Wetter mit 20 Grad und Sonne zu schön. Die Museen, die es gibt, reizen uns nur bedingt.
In Kontakt mit Japanern kommen wir überhaupt nicht. Die Städte sind sehr sehr anonym. Hier findet das Leben offenbar drin statt. Ein Gegensatz zur Fahrradreise und den Ländern, wo wir in jedem Dorf das Tageshighlights der Menschen waren und wo alles draußen stattfand. Ich stelle für mich fest, dass mir Reisen, wo ich in den Kontakt mit Einheimischen komme, sehr viel mehr gefallen.
Wären wir in einem regulären 3-Wochen-Jahresurlaub wäre unser Gefühl jetzt vermutlich anders. Aktuell fühlen wir uns jedoch so, als würden wir etwas verpassen und hier unsere Zeit nicht richtig nutzen.
So viel zu meiner aktuellen Gefühlslage. Vor uns liegt ab Dienstag der Aufenthalt in einem Tempel, ich bin gespannt.Read more

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Das Gefühl, als Tourist etwas isoliert zu sein, und die Bewohner dort nicht Kontakt suchen, könnte vielleicht grundsätzlich an dem System liegen doch viel beobachtet und kontrolliert zu sein. Möglicherweise trauen die sich nicht, Gespräche zu initiieren.
Tag 155: Expo 1970 und 2025
November 4, 2024 in Japan ⋅ ⛅ 17 °C
Fällt in Japan ein Feiertag auf einen Sonntag ist der Montag danach frei. Heute ist Montag und am Vortag war ein Feiertag. Das Wetter ist herrlich und wir fahren raus in den Park der rund um die Weltausstellung 1970 gebaut wurde.
Die Weltausstellung war die erste Weltausstellung in Japan und die erste auf dem asiatischen Kontinent überhaupt. Auf der Ausstellung präsentierten sich 77 Länder, innerhalb von sechs Monaten wurden 64.218.770 Besucher registriert. 1.040 Aussteller waren vertreten. Die Ausstellungsfläche betrug 330 Hektar. Damit war die Expo ’70 eine der größten und bestbesuchten Weltausstellungen jemals. Das Motto der Expo war: "Fortschritt und Harmonie für die Menschheit".
Heute wird das Gelände vielseitig genutzt: Blumengarten, japanischer Garten, Veranstaltungsort, Folklore-Museum etc. Nächstes Jahr wird es wieder eine Weltausstellung in Osaka geben. Wir sehen hier und da schon erste Vorbereitungen.
Am Gelände angekommen spazieren wir los und es wird immer voller. Die 11-köpfige-japanische-Boyband INI hat hier heute ihren Tournee-Abschluss. Das Konzert findet gegen 15:00 Uhr statt und schon gegen 11:00 Uhr schieben sich tausende junge Frauen (zwischen 15 und 25) über das Gelände. Hormone, Emotionen und Puder liegen in der Luft.
Die jungen Männer blicken uns von Postern und T-Shirts aus an. Der Blick ist lüstern und gleichsam unschuldig. Die Jungs sehen butterweich aus. Keiner hat Kanten, Ecken oder gar etwas männliches (Bartwuchs, verwilderte Theo-Weigel-Augenbrauen etc.) Teilweise erkenne ich nicht mal, welches Geschlecht mich da anguckt. Unabhängig von der Band, gibt es in den Städten immer wieder Plakate, von jungen Männern, die in Übergröße von riesigen Werbetafeln herabblicken. Der Blick sagt immer: "Du, ja Du, komm her. Ich will Dich." Teilweise erkennen wir, dass es sich um Werbung für Café, Kosmetik oder Musikgruppen handelt, teilweise sehen wir jedoch nicht, worum es geht. Liebe und Lust generiert Geld. Wir sehen auch des öfteren junge Männer in der Fußgängerzone, die offenbar gerne Popstar werden möchten und daher singend, tanzend und gut aussehend um junge Frauen und neue Fans werben.
Ich habe beim Schreiben dieser Zeilen einen Ohrwurm:
"Sweet dreams are made of this
Who am I to disagree?
I've traveled the world and the seven seas
Everybody's looking for something
Some of them want to use you
Some of them want to get used by you
Some of them want to abuse you
Some of them want to be abuse"
Wir landen in einem Café und nach 20 Minuten anstehen gibt es dann auch endlich etwas. Wir lesen Zeitung und entspannen uns. Der japanische Garten ist mein Highlight. Der Garten strahlt Ruhe ab, trotz der Konzertveranstaltung, die im Hintergrund lärmt.
Am späten Nachmittag fahren wir zurück und gehen Udon-Nudeln essen. Lecker und füllig. Noch ein letzter Stadtteil-Spaziergang in Osaka und dann geht es auch schon ins Hotel: ÖPNV-Verbindungen recherchieren und Sachen packen. Ab morgen geht's weiter nach Koyasan. Wir werden in einem Tempel übernachten.Read more
Tag 156: Buddha und Panasonic
November 5, 2024 in Japan ⋅ ⛅ 12 °C
Die großen Rucksäcke packen wir in die Schließfächer am Bahnhof -es gibt super viele. Teilweise kann man mit Bargeld oder der Öffi-Karte (die wir in ganz Japan benutzen können) zahlen, was es sehr einfach macht.
Danach geht’s mit leichtem Gepäck Richtung Nordosten in die Berge. Genauer gesagt zum heiligen Berg Koya-san. Zuerst mit dem Zug, dann mit einer Zahnradbahn und noch Bus.
Mit uns im Bus sind viele japanische und westliche Touristen. Für die Japaner, die dem Shingon-Buddhismus folgen, ist Koyasan das wichtigste Pilgerziel. Das Gebiet wurde im Jahre 816 von dem buddhistischen Mönch Kūkai alias Kōbō Daishi erschlossen. Die Shingon Schule setzt auf Meditation und betet den kosmischen Buddah Vairocana an, denn der Kosmos bedingt alles.
Die Japaner pilgern Stock und weißer Kleidung und schlafen in einem der unzähligen Tempel. Kobo Daishi wurde 835 auf dem berühmten und sehr schönem Friedhof Okuinon begraben.
Der Friedhof ist der heiligste Ort und beherbergt auch Gräber von Bekannten Firmen z.B. Panasonic. Besonders verdiente MitarbeiterInnen erhalten eine Teilbestattung, d.h ein Teil ihrer Asche wird auf dem Okuinon bestattet, was eine große Ehre ist.
Was allerdings „besonders verdient“ ist, konnten wir nicht herausfinden.
Da es in Japan erstrebenswert ist, lebenslang in der gleichen Firma zu arbeiten, ist es vielleicht eine besonders lange Zugehörigkeit?!
Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ein Teil meiner Asche in einem Siemens-Grab landet…
Doch nun zu unserer Tempel-Übernachtung: Es ist recht komfortabel (im Gegensatz zu einer spanischen Pilgerherberge): wir haben ein Schlaf- und ein Wohnzimmer im japanischen Stil, d.h mit Tatami-Matten ausgekleidet, den typischen Schiebtüren, die nur mit Papier beklebt sind und natürlich Futon Betten. Etwas dickere Matten auf dem Boden mit Kissen, die mit Getreide oder Bohnen gefüllt sind. Recht bequem.
Wir spazieren am Nachmittag durch den Ort, erkunden die Schreine und andere Tempel. Die ersten wunderschönen Herbstfarben durch den Ahorn zeigen sich bereits.
Ab 16 Uhr ist Badezeit, d.h. wir können ins Onsen!
Es handelt sich um ein Gemeinschaftsbad, nach Geschlechtern getrennt. Man duscht sich gründlich (nicht die Haare) und steigt dann sauber und nackt ins warme Becken - bei uns waren es Innenbecken, manchmal gibt es auch Außenbecken. Es hat ca. 40-42 Grad und damit hält man es auch ca. nur 15min aus.
Onsen gibt es häufig an Thermalquellen, ich glaube in Koyasan wird das Wasser nur so erhitzt. Eigentlich ist das Onsen wie die Sauna für uns. Danach wickelt man sich in seinen Yukata (eine Art Bademantel aber hier gibt es auch Vorgaben wie man ihn anzieht und bindet). Mit dem Yukata kam man auch zum Essen gehen und im Ort herumspazieren.
Wichtig ist noch, dass Tatoos verboten sind, denn Menschen mit Tatoos gehören der japanischen Mafia an (Yazuka). Vincent war aber fast alleine und ist trotzdem rein.
Es war herrlich entspannend. Nach dem Essen haben wir noch einen Badegang gemacht.
Achja das Essen. Kurz gesagt, es war vegan, sparsam (hinsichtlich der Menge - eben asketisch, buddhistisch) aber sehr, sehr hochwertig und lecker! Es werden nur saisonale Zutaten verwendet.
Uns hat fast alles geschmeckt. Nur ein Tofu war dabei, der wie ein Schwamm aussah und schmeckte.
Bei der Zubereitung gibt es „fünf Geschmäcker“, „fünf Farben“ und „fünf Art und Weisen der Zubereitung“.
Die „fünf Geschmäcker“ sind sauer, süß, scharf, bitter und salzig.
Als „fünf Farben“ gibt es Grün, Rot, Gelb, Weiß und Schwarz; und die „fünf Zubereitungsweisen“ sind roh zubereitet, gekocht, gedämpft, frittiert und gegrillt. Wenn man diese jeweils fünf Vorgaben in einem ausgewogenen Verhältnis umsetzt, entsteht ein gutes Menü.
Zum Abendessen wird man in andere Räume geführt, wir saßen mit 3 japanischen Pilger- Pärchen zusammen. Leider hatten sie keine Englisch-Kenntnisse, sodass es sich darauf beschränkt hat, über unser Lieblingsessen in Japan zu sprechen und sie haben erzählt, dass sie bereits in Neuschwanstein und auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt gewesen sind.
Danach haben wir in unserem Zimmer erstmal den Heizlüfter angemacht. Wie in vielen japanischen Häusern gibt es natürlich auch in einem Jahrhunderte alten Tempel keine Zentralheizung. Vielleicht geht hierfür auch der hohe Übernachtungsbetrag drauf. Für Halbpension zahlen wir pro Person 93 EUR. Nicht günstig aber ein tolles Erlebnis, das wir sehr weiterempfehlen.Read more

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Vielleicht wäre eine deutsche Abwandlung ein Friedhof für Firmen, die es nicht geschafft haben ;)

TravelerEs handelt sich um Jizo-Statuen. Es gibt verschiedene Bedeutungen - teilweise als „Mutmacher“ für Pilger aber auch als Erinnerung bzw. Beten für ungeborene Kinder. https://japantravel.de/japan-erleben/kultur/jiz…
Tag 157: Meditation & Kyoto
November 6, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 19 °C
Die Nacht war hart und kühl, das dünne Futon nicht sehr bequem. Um 06:30 Uhr finden wir uns mit 10 weiteren Übernachtungsgästen zur Morgenmeditation ein. Ein Mönch leitet die 1-stündige Zeremonie. Er und wir die Touristen befinden uns in einem Tempel und er meditiert. Einige Japaner meditieren mit, westliche Touristen gucken zu. Um 07:30 Uhr gibt es Frühstück. Reis und dazu verschiedenes gedämpftes Gemüse sowie Tofu. Lecker und sättigend - auch wenn es nicht sonderlich viel Essen ist.
Im Anschluss liegen wir noch in unserem Zimmer und werden langsam wach.
Wir checken aus und machen uns auf den Rückweg nach Osaka. Dort holen wir unsere Rucksäcke aus dem Schließfach und reisen weiter nach Kyoto.
In Kyoto fallen uns sofort die vielen Touristen auf. Kyoto ist ein guter Ausgangspunkt für Tagestouren, trotzdem sind wir erst etwas erschlagen.
Kyoto war die alte Kaiser- und Hauptstadt Japans, wird als kulturelles Zentrum angesehen und hat ca. 1,4 Mio. Einwohnern. Wobei Kyoto mit Ōsaka, Kobe und den anderen großen Städten in der Umgebung fast zusammengewachsen ist und nach dem Großraum Tokio (36 Mio. Einwohner) mit 17,6 Mio. Einwohner das zweitgrößte Ballungsgebiet ist.
In Kyoto landen wir am Bahnhof in einem Restaurant wo wir in den folgenden Tagen noch öfters sein werden. Sehr leckere selbst gemachte Udon-Nudeln und Currys für einen guten Preis - und ab 7 Uhr morgens geöffnet.
Wir beziehen unser Mini-Hotelzimmer und waschen unsere Wäsche. Im Anschluss spazieren wir noch etwas umher und besuchen einen Aussichtsturm der einen wunderbaren Blick bis nach Osaka bietet.Read more

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Aha, das erklärt auch warum diese Bevölkerungsgruppe ihren Toilettenbereich, euren erlebten Erfahrungen nach, noch mehr als andere Menschen auf dieser Welt, picobello sauber halten. Wahrscheinlich auch nach dem Motto alles was in den Körper hinein kommt, dient ausschließlich der Gesundheit und das was dann den Körper wieder verlässt, sind die sogenannten "Schlechtigkeiten", also "unreines" Zeugs.
Tag 158: Kyoto
November 7, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 9 °C
Wir erkunden Kyoto und besuchen einen Tempel in der Nähe unseres Hotels. Im Anschluss spazieren wir durch einen japanischen Garten und werden von einer Gruppe Schulmädchen interviewt. Sie haben Fragebögen dabei und wollen wissen was wir in Japan machen, welches Essen wir in Japan mögen und so weiter. Sie sprechen/verstehen kaum Englisch. Das liegt nicht daran, dass sie kein Englisch können. Nur wird in der Schule kaum Wert auf Kommunikation gelegt sondern Grammatik, Lesen und Schreiben. D.h. die Anwendung fehlt.
Überhaupt Schulklassen: sie sind überall, wo auch Touristen sind. Schon in Südkorea wurden sie durch alle Museen geschleust und auch hier werden sie Busse-weise angekarrt. Die Mädchen kamen aus der Region beim Mount Fuji und haben eine 2-tägige Reise nach Kyoto gemacht.
Wir stellen verschiedene Dinge fest: In Japan wird noch sehr sehr oft eine einfache Digitalkamera für Fotos verwendet. Wir sehen täglich Kindergruppen - so wie die jungen Mädels aus der Mount-Fuji-Region - die auf einer Sightseeing-Tour sind. Alle immer in Schuluniform und quirlig, aufgedreht. Das ist mitunter ein wenig anstrengend, da die großen Kindergruppen (20 bis 30 Kinder) durch alle Sehenswürdigkeiten geschleust werden. Dabei dürfen sie nur als Gruppe stehenbleiben. Nachteil: Sie bleiben nicht so oft stehen sondern werden die meiste Zeit von einem erwachsenen Führer vorangetrieben. Das heißt, die Kinder sehen die Sehenswürdigkeiten nicht wirklich und lesen auch keine Informationstafeln, denn dafür müssten sie ab und an mal stehen bleiben. Durch die ständige Bewegung und dem natürlichen Lärm (quasseln und aufgedreht sein, weil Ausflug) einer Kindergruppe ist es immer irgendwie laut und wuselig. Ich glaube die Kinder nehmen nicht wirklich etwas mit von diesen Besuchen. Schade. Wir konnten leider noch nicht herausfinden, wie häufig so etwas stattfindet oder ob es zufällig gerade die Zeit im Jahr ist, wo besonders viele Ausflüge gemacht werden.
Wir frühstücken nach unseren morgendlichen Spaziergängen in dem Lokal am Bahnhof, wo wir auch schon am Vortag waren. Auch hier werden wir die nächsten Tage erneut einkehren. Ein großer Topf Udon-Nudeln mit einer Curry-Rindfleisch-Suppe inkl. Reis für ca. 4,70€. Die Nudeln werden im Lokal frisch hergestellt. Sehr lecker.
Übrigens: vegetarisch essen ist in Japan nicht so einfach. Überall ist Fleisch oder Fisch drin, auch wenn es nicht dabei steht. Zwar nicht unbedingt viel und vermutlich hochwertig aber eben nicht vegetarisch.
Wir fahren anschließend mit dem Bus in den Norden von Kyoto und spazieren verschiedene Schreine und Tempel ab. U.a. Den Philosophenweg, ein Weg zwischen 2 Schreinen.
Die wirken mittlerweile alle sehr gleich auf uns und wir sind gesättigt.
Zudem sind die ausgewiesenen Sehenswürdigkeiten wirklich sehr überlaufen und teilweise echt anstrengend.
Den Nachmittag verbringen wir Zeitung lesend in einem Café. Den späteren Nachmittag besuchen wir noch das Museum of Modern Art Kyoto. Klein und nett. Mit dem Original Kleid der Künstlerin Misia von der Eröffnungsfeier.
Wir beschließen den Tag mit einer weiteren guten Ramen-Suppe (diesmal mit Kohl-Einlage, das hatten wir bisher noch nicht) und gehen zurück ins Hotel.Read more
Tag 159: Hotelwechsel - Love again
November 8, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 17 °C
Wir wechseln heute unsere Unterkunft, denn eigentlich wollten wir bei einer Familie in einer kleinen Stadt wohnen - also in Kontakt mit Einheimischen treten. Wir haben uns dann dagegen entschieden, denn die Kleinstädte waren wirklich öde und die Familie frühestens um 19 Uhr zu Hause. Daher heute ein Hotelwechsel - in unser eigentliches Hotel in Kyoto - unser zweites Love Hotel.
Das Zimmer gleicht einer kleinen Wohnung und hat ca. 45m². Die Ausstattung ist speziell: Im Wohn- und Schlafraum steht ein Bett in Übergröße (ich vermute mehr als 2,50m in der Breite); der Fernseher an der Wand ist riesig, zusätzlich gibt es eine 4-Meter-Leinwand inkl. Beamer die wir herunterlassen können; es gibt explizite Fernsehprogramme und einen Automaten mit Sexspielzeug (neu/unbenutzt) zum Kauf, zusätzlich liegt ein riesiger Vibrator zur freien Verfügung (ein Gebrauchsgegenstand, ähnlich dem Haartrockner oder dem Glätteisen und Lockenstab im Bad) auf dem Nachtschrank; es gibt eine kleine Sitzecke wo wir unser Frühstück (wird durch eine Klappe in das Zimmer gereicht) konsumieren können; Toilette, Waschbecken/Kosmetiktisch sowie Dusche und Blubber-Badewanne (inkl. Spiegel und Haltestangen) sind auf einzelne unterschiedliche Räume verteilt.
Es liegt ein bezogener Topper auf der riesigen Matratze. Die Matratze darunter ist fleckig, nicht bezogen und einfach nur widerlich. Im Bad hängt die Deckenverkleidung herab. Mit 40€ pro Nacht zahlen wir. Ziemlich günstig, tagesaktuelm würde es 90 kosten!
Die Bewertunen bei Google/Booking waren auch durchweg positiv. Die Räume in der kleinen Wohnung sind staubig und nicht wirklich sauber. Es gibt Haare und undefinierbare Spritzer und Flecken überall. Das alles macht es für uns auch ein bisschen eklig. Wäre es sauber, wäre die Ausstattung und das plüschige Liebes-Ambiente kein Problem für uns. Den Reiseführer-Empfehlungen für das amüsante Erlebnis "Liebes-Hotel" können wir nicht folgen. Fazit: Für uns gibt es definitiv kein Liebes-Hotel mehr in Japan. Bäh.
Zudem machen wir eine kleine Umplanungs- und Umbuchungs-Action.
Wir lassen die japanischen Alpen aus und verbringen 2,5 Tage mehr in Tokio.
Rückblickend haben wir einiges umgebucht, weil Japan, die Städte und Gegenden nicht unseren Vorstellungen entsprachen oder wir Lust auf etwas anderes hatten. Das hat zwar Aufwand gemacht aber wussten wir zuvor nicht.
Verwunderlich sind auf jeden Fall die aktuellen Hotel-Preise. Wir haben im März/April für den November gebucht. Aktuell zahlen wir in Abhängigkeit der Stadt und der Unterkunft (Tempel, Business-Hotel, Liebes-Hotel) pro Nacht/Zimmer zwischen 40€ und 90€. Teilweise ist ein kleines Frühstück dabei. In Tokyo zahlen wir 80€ pro Nacht/Zimmer. Würden wir das gleiche Hotel heute für unseren Aufenthalt in Tokyo nächste Woche buchen, so würden wir jetzt zahlen wir 200€ pro Nacht/Zimmer zahlen. Das Hotel ist jedoch ausgebucht und die anderen 4-Sterne-Hotels in der Umgebung kosten ca. 400€ pro Nacht/Zimmer.
Daher: die frühe Buchung lohnt sich und für unseren zusätzlichen Aufenthalt in Tokio haben wir ein Schuhschachtel-großes AirBnb gebucht.
Wir besuchen die Burg Nijō. Sie ist komplett aus Zypressenholz gefertigt und wurde für den damaligen Herrscher gebaut. Die Räume sind mit aufwendigen Malereien an den Schiebetüren aus Gold verziert (Fotos nicht erlaubt). Zudem ist ein s.g. Nachtigall-Boden verlegt. Holzboden, der durch die Klammern quietscht - wie eine Nachtigall. Dadurch konnten der Herrscher oder die Leibwächter immer hören, wenn sich jemand nähert.
Zudem besuchen wir den Garten des ehemaligen Kaiserpalastes, bevor der kaiserliche Sitz nach Tokio verlegt wurde. Besichtigungen sind nur möglich, wenn man sich 3 Monate im Voraus angemeldet. Also laufen wir so umher. Eine der wenigen nicht versiegelten Flächen.
Mittagessen gibt es natürlich am Bahnhof in unserem vertrauten Udon-Lokal. Wir könne davon nicht genug bekommen.
Abends sind wir noch zum Fushimi Inari-Taisha gefahren.
Eines der berühmten Wahrzeichen Kyotos. Tausende Torii (die roten Tore, die den Eingang zu einem Schrein kennzeichnen und das Profane vom Sakralen damit trennen) ziehen sich dem Berg entlang.
Es war einfach nur voll. Komplettes Gedränge, daher gibt es wohl auch ein Wegesystem. Erst weiter oben wurde es ruhiger.
Bisher hat uns Japan noch nicht vom Hocker gerissen. Entweder sehr wenig zu bieten in den kleinen Städten und weil auch wenig los auf den Straßen wirkt es oft verschlafen (anders als in einem 50 Einwohner-Dorf in Spanien). Sehenswürdigkeiten sind auf der anderen Seite heillos überfüllt.Read more
Tag 160: Ausflug nach Amanohashidate
November 9, 2024 in Japan ⋅ 🌙 11 °C
Wir fahren heute nach Amanohashidate. Dafür stehen wir früh auf. Gegen 06:30 Uhr erhalten wir unser 1. Frühstück durch die Essensklappe im Zimmer. Schnelles Frühstück und dann geht's zum Bahnhof. Dort essen wir - mal wieder - in unserem Udon-Lokal. Um 07:30 Uhr ist das Lokal bereits gut besucht. Satt und für den Tag geht’s 2 Stunden Richtung Norden.
Es handelt sich um eine Landzunge mit Strand (heute etwas zu kalt zum Baden) und hat etwas Meer-Feeling. Überraschenderweise sind wenig ausländische Touristen vor Ort und eher Japaner, die ebenfalls ihren Wochenendausflug machen. Wir sitzen viel in der Sonne, genießen die Aussicht und lesen Zeitung.
Auf der Rückfahrt planen wir mal wieder die Reise der nächsten Tage um und buchen kurzfristig eine neue Unterkunft. Wir fahren als nächstes nicht in die japanischen Alpen. Stattdessen werden wir von Kyoto nach Tokyo reisen. Nach ein paar Tagen machen wir einen zweitägigen Ausflug zum Mount Fuji. Nach dem Ausflug geht es wieder zurück nach Tokyo. Uns gefallen die Städte mehr als die ländlichen Gebiete.Read more
Tag 161: Kyoto entspannt
November 10, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 13 °C
Wir lassen uns durch Kyōto treiben, mit viel Zeit und noch mehr Menschen.
Wir besuchen noch einen japanischen Garten mit Zen-Elementen: fein gerächte Stein- und Sandflächen.
Der große Sandhaufen (es gibt einen Begruff dafür, den ich gerade nicht weiß) steht in dem Garten bereits seit Jahrhunderten und wird 1x im Monat repariert, was vom Wetter beschädigt wurde. Ganz vorsichtig und bedächtig natürlich.
Heute probieren wir auch mal was Neues zu essen: Mapo-Tofu.
Die Hoffnung, dass es vegetarisch ist, wird durch Hackfleisch wieder zunichte gemacht.
Es handelt sich eigentlich um ein chinesisches Gericht und ist eine scharfe, rote, ölige Sauce mit weichem Tofu und Hackfleisch. Dazu gibt’s Reis oder Mapo-Nudeln. Letztere haben wir noch nicht probiert.Read more
Tag 162: Sumo
November 11, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 21 °C
Sechs Mal im Jahr gibt es die s.g. Sumo-Tournaments in Japan in unterschiedlichen Städten für jeweils 15 Tage. Wir haben das Glück beim November Tournament in Japan zu sein - zwar in der Mitte Japans und nicht im Süden, in Fukuoka, wo es stattfindet. Aber wofür gibt es den Shinkansen?! Für die Rund 650km benötigt man mit dem Auto ca. 8h, mit dem Shinkansen 3h. D.h. Um nicht mit dem gesamten Gepäck reisen zu müssen, machen wir einen Tagesausflug.
Die Sumo-Tickets sind immer sofort ausverkauft, daher haben wir uns noch während des Fahrradfahrens darum gekümmert, als der Verkauf losging.
Am Bahnhof in Fukuoka haben wir uns noch kurz stärkende Ramen in der Noodle Street gegönnt - wieder mit den leckeren frittierten Chicken.
Wir kommen an der Halle an und es ist viel los - natürlich Essen- aber auch Merchandise-Stände der verschiedenen Sumo-Ställe und der Liga selbst.
Die Sumo-Ringer gehören Sumo-Ställen an. Dort wohnen, essen und trainieren sie. Grundsätzlich ist das Sumo-Ringer Dasein mit viel Prestige verbunden - sie sie hoch angesehen und gelten als Nachfahren der Samurai. Zudem verdient man auch gut - bis zu 25.000 Euro im Monat.
Die Ringer werden durch die Liga bezahlt und bei einzelnen Kämpfen dürfen Preisgelder von Firmen oder Geschäftsleuten gesetzt werden. Hierfür werden vor dem Kampf die aufwändig hergestellte Werbefahnen um den Ring herum getragen. Der Gewinner erhält den Betrag sofort nach dem Kampf in einem weißen Umschlag. Bei den richtig Guten war der Umschlag mehrere Zentimeter dick!
Gleichzeitig verdienen sie aber nach ihrem Ausscheiden aus dem Sport nichts mehr. Nur die wenigsten werden Funktionär oder Trainer. Interessant ist, dass einige in die Altenpflege gehen: https://www.deutschlandfunk.de/sumo-ringer-seni…
Sumo-Ringen muss man sehr früh beginnen, meist so mit 13-15 Jahren, dann zieht man auch in den Sumo-Stall - mehr dazu siehe unten. Sie sind jedoch Untergebene und müssen sich um die Ringer in den höheren Klassen kümmern.
Wir haben z.B. die Großmeister gesehen, die mit einem jungen Sumo, der die Taschen tragen musste, in die Arena eingezogen ist. Zudem hat jeder Sumo sein eigenes Kissen, auf dem er sitzt und neben den Kampfrichtern auf seinen Kampf wartet. Auch diese werden durch die Untergeben ausgetauscht.
Es war extrem spannend die Kämpfe zu sehen - obwohl sie nur wenige Sekunden dauern und ähnlich sind.
Wir haben zum Nachmittag hin, bei den besseren Klassen, deutliche Unterschiede im Kampf gesehen.
Und das schönste: Die Japaner sind richtig aus sich heraus gekommen. Sie haben Handtücher mit den Namen der Sumo-Ringer hochgehalten und gejubelt, die Kampfnamen gerufen. Richtig sympathisch!
Hier eine kleine Einführung mit unseren Ergänzungen ‼️ von https://www.japanwelt.de/blog/sumo-ringen-leitf…
Sumō (相撲, sumō) ist ein japanischer Ringkampf-Stil und Japans unbestrittener Nationalsport. Der Kampfsport Sumo entstand der Legende nach bereits in der Antike zur Unterhaltung und verschiedener Shinto-Gottheiten (Kami). Viele Rituale haben bis heute einen religiösen Hintergrund, wie zum Beispiel die symbolische Reinigung des Rings mit Salz. Traditionell wird der Sport in Japan nur von Männern professionell ausgeübt. Die Sumo-Kämpfer versuchen sich gegenseitig aus dem Ring (Dohyo) zu zwingen. Der Kämpfer, der als erster den Boden berührt (außer mit den Fußsohlen) oder aus dem Ring gezwungen wird, verliert.
Die Sumōringer sind als Rikishi (力士 „Stärke“ und „Krieger“) oder Sumōtori (相撲取, Sumo-Kämpfer) bekannt. Es gibt etwa 650 Rikishi in den sechs Sumo-Divisionen: Maku-uchi, Juryo, Makushita, Sandame, Jonidan und Jonokuchi.
Die Maku-uchi (die höchste Spielklasse mit den 42 besten Rikishi) erhalten naturgemäß die größte mediale Aufmerksamkeit. An der Spitze steht der Yokozuna, der Großmeister. Diese Position wird normalerweise erreicht, indem man zwei Hon-Basho (große Turniere, die die Rangliste bestimmen) in Folge gewinnt.
Bis heute gab es in der Geschichte des Sumō Sports nur 72 Yokozuna (Großmeister), was eine Vorstellung gibt, wie schwierig es ist, diesen Rang zu erreichen. Ein Yokozuna kann niemals degradiert werden. Sobald er die sportlichen Voraussetzungen aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen nicht mehr erfüllen kann, wird vom ihm erwartet, dass er sich zurückzieht.
👘🥋🧢Die Kleidung
Am bekanntesten dürfte der (äußerst spärliche) Gürtel oder Lendenschurz, der Mawashi sein. Der ca. neun Meter lange Gürtel aus Seide wird rückseitig verknotet. Durch die vielen Lagen kann der Mawashi bis zu fünf Kilogramm wiegen. Die Maße sind unabhängig von der Kleidergröße der Sumo Kämpfer immer gleich und müssen eine vorgeschriebene Festigkeit vorweisen.
Der Mawashi spielt beim Sumo Kampf eine wichtige Rolle. Während der Kämpfe greift der Ringer nach dem Mawashi des Gegners, er bietet für viele der 82 Siegtechniken (Kimarite) den besten Angriffspunkt.
Trainings-Mawashi unterscheiden sich nur im Material, diese Mawashi sind aus Baumwolle. Offiziell sind nur schwarze, violette und dunkelblaue Mawashi erlaubt. Nur die Kämpfer der beiden oberen Klassen Sekitori (関取) tragen weiße Gürtel.
‼️Wir haben auch grüne, pinke Mawashis gesehen - anscheinend nicht mehr so streng
Charakteristisch stecken die Sumo Kämpfer ihr Haar in einen Haarknoten oder „Chonmage“. Dazu wird spezielles Wachs täglich von Sumo-Friseuren (Tokoyama) aufgetragen. Sobald ein Wrestler einem Stall beitritt, muss er sein Haar wachsen lassen, um die Chonmage tragen zu können.
Auch außerhalb der Turniere und Trainings tragen Sumoringer im täglichen Leben ausschließlich traditionelle japanische Kleidung.
🥋🧹Die Zeremonie vor dem Kampf
Die überaus aufwändige Zeremonie vor dem eigentlichen Sumō-Kampf kann für den Zuschauer genauso faszinierend sein kann wie der Kampf selbst.
Am Tag vor jedem großen Turnier findet im Dohyō (土俵), eine Plattform mit einem Durchmesser von 4,55 Metern, eine aufwändige Reinigungszeremonie statt, um für die Sicherheit der Rikishi zu bitten. Dazu werden gereinigter Reis, getrocknete Kastanien, Seetang oder Tintenfische und Muskatnüsse als Opfergaben für die Götter in ein kleines Loch in der Mitte des Rings geworfen.
Zu Beginn betreten die Rikishi das Dohyō von Osten und Westen, wobei die östlichen Rikishi zuerst eintreten. Dabei wird das bekannte Shiko-Ritual ausgeführt. Das ist das markante Heben und Stampfen mit den Beinen, das sicherlich jeder kennen dürfte.
Shiko ist aber mehr als nur Aufwärmen. Das Klatschen der Hände soll die Aufmerksamkeit der Götter erregen, das Heben der Arme zum Himmel soll zeigen, dass sie keine Waffen tragen. Das berühmte Heben und Stampfen der Beine dient dazu, alle anwesenden bösen Geister zu zerquetschen.
Nach dem Shiko Ritual verlassen die Rikishi den Kreis und reinigen sich. Das erste Ritual ist das Chikara-mizu („Kraftwasser“). Jeder Rikishi erhält dieses Wasser von dem Gegner, den er zuletzt besiegt hat. Wie beim Reinigungsprozess in Schreinen und Tempeln nimmt jeder Rikishi eine Handvoll Wasser und spült sich damit den Mund.
Als nächstes wirft der Kämpfer eine Handvoll Kiyome-no-Shio (Reinigungssalz) über den Ring, bevor sie den Dohyo betreten.
Der Sumō Kampf
Sobald der Kampfrichter (Shinpan, 勝負審判) das Signal zum Beginn des Kampfes gibt, duckt sich jeder Rikishi hinter einer weißen Startlinie (Shikirisen, 仕切り) auf seiner Hälfte des Rings. Der Kampf beginnt, wenn beide Kämpfer mit geballten Fäusten auf oder hinter ihrer Linie ruhen.
Die Momente vor dem Kampf können unglaublich angespannt sein. Die Rikishi gehen oft für ein paar Sekunden in die Hocke und warten vorsichtig darauf, was ihr Gegner tut, bevor sie wieder aufstehen, um sich noch einmal zu sammeln.
Die ersten paar Sekunden entscheiden oft über den Sieger, darum sind die Aktionen vor dem Kampf oft die intensivsten Momente und voller Hochspannung. Die Kämpfe selbst dauern in der Regel nur einige Sekunden.
Dabei ist die Position der Hocke entscheidend. Nachdem sich die Kämpfer einander gegenübergestellt haben, führen sie eine tiefe Kniebeuge durch. ohne die Füße vom Boden zu nehmen, bewegen sie sich dann nach vorne in eine kopfüber geduckte Position, während sie sich auch auf einer oder zwei Fäusten abstützen.
Diese Position ermöglicht den Kämpfern eine effizientere Haltung einzunehmen und ihre Muskeln aufzuladen und vorzuspannen. Nur so können sie aufzuspringen und den Gegner wirksam angreifen, sobald der Ringrichter (Gyōji) den Beginn des Kampfes signalisiert. Ein erfolgreicher Angriff ist der entscheidende Faktor für den Sieg.
Offiziell gibt es 82 Techniken namens Kimari-te (決まり手entscheidende Hand“), mit denen ein Rikishi den Kampf gewinnen kann (zB Push-out, Neck Throw, etc.).
Die Grundregel lautet: Wenn irgendein Körperteil des Kampfers, außer den Füßen, den Boden berührt oder ein Kämpfer den Ring verlässt, ist das Spiel vorbei und der Gegner wird zum Sieger erklärt.
Sobald ein Gewinner feststeht, gehen die Rikishi zu den beiden Seiten des Rings und verbeugen sich voreinander. Keiner der Kämpfer sollte hierbei Emotionen zeigen. Danach verlässt der besiegte Rikishi den Ring und der Shinpan erklärt offiziell den Gewinner. Jedem Spiel geht ein weiteres aufwändiges zeremonielles Ritual voraus.
Im professionellen Sumō gibt es keine Gewichtsklassen. So kann es vorkommen, dass ein Kämpfer einem Gegner gegenübersteht, der doppelt so schwer ist. Mit besserer Technik können kleinere Kämpfer jedoch auch viel größere Gegner kontrollieren und besiegen.
‼️Es gab auch einen Kämpfer, der nicht die typische Sumo-Masse hatte, sondern eher schlank und sehr trainiert. Er hat den Großen besiegt :)
Zudem ist wichtig, dass das Gewicht auf Bauch und Oberschenkel landet, für den besseren Stand im Ring.
🥘🍲😴🍜🍚Leben der Sumō Kämpfer
Ein Sumō-Ringer führt ein sehr reglementiertes Leben, auch im privaten Bereich. Der japanische Sumō-Verband schreibt das Verhalten seiner Kämpfer bis ins kleinste Detail vor. Ein Verstoß gegen die Regeln kann zu Geldstrafen oder Suspendierungen sowohl für den Ringer als auch für seinen Vorgesetzten (Stallmeister) führen.
Sobald ein Sumōtori in einen Sumo-Stall eintritt, wird von ihm erwartet, dass er sich die Haare lang wachsen lässt, um die traditionelle Frisur Chonmage zu tragen. Ab dann müssen die in der Öffentlichkeit stets ihren Haarknoten und ihre traditionelle japanische Kleidung tragen, damit sie sofort als Sumōtori erkannt werden können. Die Art und Qualität der Kleidung hängt vom Rang des Kämpfers ab.
Die Junior- Rikishi müssen frühestens gegen 5 Uhr morgens zum Training aufstehen, während die höherrangigen (Sekitori) erst gegen 7 Uhr morgens beginnen dürfen. Wenn die anderen Sekitori trainieren, haben die Junior-Kämpfer verschiedene Aufgaben zu erledigen, z. B. Kochen des Mittagessens, Putzen und beim Vorbereiten des Bades zu helfen. Junioren halten sogar das Handtuch eines Sekitori oder wischen ihm den Schweiß ab.
Die Rangordnung wird für die Reihenfolge beim Baden nach dem Training und beim Essen des Mittagessens beibehalten.
‼️Ranghöhere dürfen auch ausziehen und in einer Beziehung leben.
Sumō-Kämpfer dürfen normalerweise nicht frühstücken und es wird erwartet, dass sie nach einem großen Mittagessen ein Siesta-ähnliches Nickerchen machen. Die am häufigsten servierte Art des Mittagessens ist die traditionelle Sumo-Mahlzeit Chankonabe, einem Eintopf mit verschiedenen Fischen, Fleisch und Gemüse, der am Tisch zubereitet wird. Chankonabe wird normalerweise mit Reis gegessen und mit Bier heruntergespült. Dies soll Wrestlern helfen, viel Gewicht zuzunehmen, um einen Kampfvorteil zu erzielen.
‼️Chankonabe wollen wir auch noch probieren!
Am Nachmittag haben die Junioren wieder Putz- oder andere Aufgaben, während ihre Sekitori-Kollegen sich entspannen oder mit der Kommunikation mit ihren Fanclubs befassen können. Jüngere Kämpfer nehmen ebenfalls am Unterricht teil, obwohl sich ihre Ausbildung vom typischen Lehrplan ihrer Nicht-Sumo-Kollegen unterscheidet.
Abends können Sekitori mit ihren Sponsoren ausgehen, während die Junior-Wrestler im Allgemeinen zu Hause im Stall bleiben, es sei denn, sie begleiten den Stallmeister oder einen Sekitori als Tsukebito (付け人).
Ein Tsukebito für ein hochrangiges Mitglied des Stalls zu werden, ist eine typische Pflicht für einen Junioren. Ein Sekitori kann mehrere Tsukebito haben, abhängig von der Größe des Stalls oder in einigen Fällen abhängig von der Ranggröße des Sekitori.
Die Sekitori erhalten ein eigenes Zimmer im Stall oder können wie verheiratete Ringer in eigenen Wohnungen leben. Die Nachwuchs-Kämpfer schlafen in Gemeinschaftsunterkünften.
Die Welt der Sumō-Kämpfer ist weit gespalten zwischen den Junior-Ringern, die dienen, und den Sekitori, die bedient werden. Besonders hart ist das Leben für Neueinsteiger, denen meist die schlechtesten Jobs zugeteilt werden, die Abbrecherquote in dieser Phase ist traditionell hoch.
💰🤑💶💷💴Wie viel verdient ein Sumoringer?
Sumo-Kämpfer bekommen zwischen 1,1 und 3 Millionen Yen (9.500 bis 24.500 Euro) pro Monat bezahlt, wenn sie in einer Rangliste stehen. Top-Sumo-Ringer können jedoch zusätzlich bis zu 10 Millionen Yen (knapp 90.000 Euro) in einem Großtournier gewinnen, zusätzlich zu den sogenannten „Tausend-Doller-Boni“, die sie aufgrund ihrer Leistung in einem Match verdienen können.Read more
Tag 163: Tokio
November 12, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 20 °C
Vorletzte Station: Tokio.
Wir kommen pünktlich mit dem Shinkansen an - der Bahnhof ist übervoll und dabei ist es noch nicht mal Rush Hour. Das Gepäck kurz in Schließfächer, dann spazieren wir los.
Shinjuku und Shibuya, zwei der bekanntesten Viertel und voll mit Flagship-Stores aller Marken saugt uns richtig ein.
Was uns überrascht: die Distanzen sind viel weniger groß als wir dachten.
Abends fahren wir noch in den 45. Stock des Rathauses für einen beeindruckenden Ausblick.
Es ist voll, bunt und teilweise auch laut. Eine Seitenstraße weiter ist es ganz still, kein Verkehr, keine Menschen. Das ist wohl der Gegensatz von Japan, der uns auch in anderen Lebensbereichen auffällt.
Beispiel: überall steht etwas von Nachhaltigkeit, die Sustainable Development Goals (SDG) werden aktiv beworben, in Hotels und Restaurants erwähnt und Leute in der U-Bahn tragen sogar Anstecker. Zudem muss überall Müll getrennt werden (Plastikflaschen, nicht verbrennbares, brennbares, Glas und Dosen). Und jetzt kommt der Gegensatz: Alles ist in Plastik verpackt (frische Handtücher in Hotels, alle Gebäckstücke in Bäckereien werden einzeln verpackt) bzw. überall gibt es Einweg-Artikel (Servietten, Kaffeebecher, Teller, Folie, Plastiktüten). Besonders schlimm sind manche Hotelfrühstücke mit Plastikgeschirr oder all die kleinen Snacks und Mahlzeiten, die im Supermarkt angeboten werden. Genauso ist Obst und Gemüse überall in Plastik verpackt.
Eine Eindämmung des Plastikmülls würde vermutlich einen größeren Einfluss auf Japans Umweltbilanz haben als das Bekenntnis von Hotels nicht jeden Tag die Handtücher zu wechseln bzw. Zimmer zu reinigen.Read more
Tag 164: Mehr Tokio
November 13, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 18 °C
Entdecken von Otsuka und Ikebukuro - tolle, belebte, unaufgeregte Stadtteile.
Tag 165: Wir sehen ihn!
November 15, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 16 °C
User letzter Ausflug führt mit dem Bus 2 Stunden in den Südwesten in das 5-Seen-Land um den höchsten Berg Japans, den Mount Fuji bzw. Fuji-san wie die Japaner sagen. 3.776m ragt er in einer relativ flachen Landschaft heraus, daher kann man ihn bei gutem Wetter auch im 150km entfernten Tokio sehen.
Selten zeigt er sich und hüllt sich meist in eine Wolkendecke. Aber wir haben am 1. Tag und an unserem Abreistag Glück und sehen ihn. Und sogar mit schneebedeckten Gipfel. Dieses Jahr hatte er seit 1894 keinen schneebedeckten Gipfel, was auch auf den sehr heißen Sommer in Japan zurückzuführen ist.
Für Japaner ist es ein Ziel einmal in ihrem Leben den Fuji zu besteigen. Dies geht nur im Juli und August und wird künftig noch stärker reglementiert, weil zuviel Müll hinterlassen wird und regelmäßig Menschen sterben, wenn sie zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel stehen möchten.Read more
Tag 166: Herbstwanderung
November 16, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 12 °C
Heute kein Fuji-Blick, dafür eine schöne Herbstwanderung. Und trotz der vielen Touristen in unserem Hotel ist auf unserer Spazierroute kaum was los.
Bizarrste Begegnung: Ein Wanderführer mit einer Gruppe - er hatte einen Kletterhelm auf. Alle sowieso in voller Montur, bereit für den Fuji aber Helm ist nochmal ne Schippe drauf. Wohlgemerkt war es ein kleiner Waldspaziergang, den wir gemacht haben.
Mittlerweile wissen wir auch die Badewanne in jedem japanischen Badezimmer zu schätzen. Tut gut nach so einem kalten Tag.
Apropos Badezimmer: es handelt sich immer um voll eingebaute Nasszellen, d.h. keine Fliesen oder besonderen Armaturen sondern alles aus Plastik, dafür kann man Wasser wild umher spritzen. Es ist auch entsprechend klein - so klein, dass Badewannen- und Waschbecken-Auslass eins sind und hin und her geschwenkt werden können.Read more
Tag 167: Zurück nach Tokio
November 17, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 23 °C
Wir fahren mit dem Bus zurück nach Tokio. Nochmal mit besten Blick auf den Fuji, der sich heute nochmal zeigt.
Den sonnigen Tag verbringen wir im Osten der Stadt mit all den Japanern, die den Schatten in den Parks genießen und all die Westler sitzen in der Sonne.
Ikebukuro, Takodanobaba gefallen uns richtig gut als Stadtteile. Belebt, kaum Touristen, schöne Straßen und leckeres Essen.
Heute das erste mal Sushi in einer Sushi Bar mit Laufband. Man nimmt sich die Teller, auf die man Lust hat, kann auch zusätzlich von einer Karte bestellen und zahlt am Ende nach der Anzahl und Farbe der Teller.Read more










































































































































































































































































































































































































































































Traveler
❤️