• Madeleine M
  • Sophie Günther
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  • Sophie Günther

Ecuador

2 Görls.
20 Tage.
mindestens 2 Millionen Abenteuer.
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  • Permulaan perjalanan
    1 Jun 2024

    Adventure-time

    1 Jun 2024, Belanda ⋅ ☁️ 15 °C

    Morgens um halb 2 in Deutschland?
    Ganz klar - den anderen künftig Reisenden und ihren Gesprächen am Flughafen zuhören (und sich ein bisschen zu sehr darüber amüsieren).
    Well.. und warten!
    1. Stopp: Frühstück in Amsterdam
    Goedemorgen!
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  • ¡Hemos aterrizado!

    1 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☀️ 26 °C

    Nach knapp 24 Stunden auf den Beinen und etwas weniger als 10.000 km zurückgelegter Strecke, sind wir gelandet.
    2850m über NN und strahlender Sonnenschein mit Ausblick auf die Anden! Fantastisch!

    Jetzt wollten wir doch aber mehr sehen, als nur unser Hostel. Und so haben Sophie und ich uns auf den Weg gemacht, erste Eindrücke zu sammeln. Und was soll ich sagen? Quito ist laut, wuselig, bunt, voll. Und doch irgendwie ganz schön.
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  • Tagesbericht No.1

    2 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☀️ 20 °C

    Dem Jetlag sei Dank, begann der Tag für uns beide super früh.
    Das Gute daran: wir konnten trotz etwas ausgearteter grober Planung der kommenden Tage immer noch vor der Mittagshitze in den Park Itchimbía aufbrechen. Gefühlte 120 Stufen hat es gedauert, dort anzukommen. Hier spüren wir die Höhe tatsächlich sehr. Man ist super schnell ausser Atem!

    Am Mittag haben wir uns durch die hügeligen Strassen und Gässchen Quitos aufgemacht, die Basílica del Voto Nacional zu bewundern.
    Sonntags.
    In einem katholisch geprägten Land.
    Aber hey - wir durften während der Messe leise die Kirche betreten und konnten so zwischen Weihrauchdämpfen, Glockengeläute und Gebetsgesängen die Atmosphäre noch Mal auf ganz besondere Art aufnehmen. Der kircheneigene Basketballplatz war auch nicht von schlechten Eltern!

    Insgesamt scheint die Stadt heute zwar immer noch turbulentes Leben hervorzurufen, aber Musik, Menschen, die lautstark Nippes auf den Strassen anpreisen und Prozessionszüge haben bei uns in ausgeruhtem Zustand eher Amüsement hervorgebracht. Vielleicht lag es auch an den Käse-Zwiebel Empanadas, die es als Mittagssnack gab?

    Eine Kirche voller Gold? Kennt man ja. Aber vermutlich nicht in dem Ausmaß, in dem die jesuitische Iglesia de la Compañia gehalten ist. Die gesamte Kirche ist in 160 Jahren erbaut und nahezu vollständig von innen vergoldet worden. Fotografieren verboten! (Natürlich wurde versehentlich eine kleine Aufnahme gemacht)
    Mit einem Guide haben wir die Kuppel betreten dürfen und auch sonst sehr viel spannendes über das Gebäude, die Jesuiten und die Geschichte Quitos erfahren.

    Und, weil es immer noch erst früher Nachmittag war und es uns nach weiteren Eindrücken dürstete, gab es noch einen Ausflug in das Museum für Prä-Colombiale Kunst. Eine unfassbar schön gestaltete Ausstellung von Exponaten der ecuadorianisch indigenen Völker (gefühlte 50?!). Erstaunlicherweise waren wir fast die einzigen Personen in diesem Museum.

    Naja. Da ist eine Sache, die müssen wir noch üben: Einen Ort zum Essen gehen finden. Es gibt zwar unfassbar viele kleine Restaurants, jedoch auch eine mindestens genauso große Vorliebe für fleischlastige Gerichte. Corviche ist es geworden. Eine Art Krokette aus Maniok und Kochbanane, gefüllt mit Mais und Käse. Kann ein bisschen was. Aber den Abend werden wir nun doch mit Pasta und selbstgemachter Salsa ausklingen lassen.
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  • Tagesbericht No.2

    3 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 24 °C

    Auch dieser Tag beginnt bereits in der Frühe, denn heute steht einiges auf dem Programm.
    Hostelwechsel und um 8 Uhr den Bus erreichen, der uns (inkl. ein Mal Umsteigen) ins Nationalparkgebiet nach Mindo bringen sollte.

    Das Bus-Netz innerhalb Quitos ist richtig gut ausgebaut und so können wir mitten in der Rush Hour ca. 40 Minuten bis zum größeren Busbahnhof fahren.
    Wilde Spurwechsel, die Polizei, die den Verkehr regulieren soll und dazu laute, vitalisierende Folklore aus den Lautsprechern haben die Fahrt zu einem Erlebnis für sich werden lassen.
    Der Intercity-Bus, den wir von der Estación La Ofelia aus nehmen, hat ein ganz eigenes Ambiente. Alle Sitze sind mit durchsichtigem Plastikschutz überzogen und über einen Flachbildfernseher läuft ‚Rush Hour 2‘ in spanischer Synchronfassung (übrigens auch auf dem Rückweg). Die Musik, die unsere allgegenwärtige Begleitung zu sein scheint, dudelt natürlich trotzdem vor sich hin.

    Auf geht‘s also in den Nebelwald. Eine spezielle Art von Regenwald, die ihre ganz einzigartige Flora und Fauna mit sich bringt.
    Der Bus schlängelt sich entlang einer atemberaubenden Kulisse 2 Stunden lang durch die Serpentinen der Anden. Hierbei werden wir 4 Mal den Äquator kreuzen. Zeit für Sudokus, ein kleines Nickerchen und keine belegten Brote. Denn die liegen noch im Hostel.

    In Mindo steuern wir direkt eine Tourist Información (oder auch: Ausflugsunternehmen) an. Die Frau vor Ort stellt uns in schnellem Spanisch eine Tagestour zusammen, die uns über einen Sessellift und eine Seilbahn zu Wasserfall-Wanderrouten bringen soll. Im Anschluss werden wir noch ein paar Vögel beobachten und Kolibris füttern (ja! Kolibris füttern!).
    Bewaffnet mit Wasser und Gebäck geht‘s also ins Taxi, das uns bei der Teleférico (dem Sessellift) absetzt. Auf dem staubigen Autofenster zeichnet uns Juan, der Fahrer, unsere Wanderroute auf und bittet uns, ihn am Ende anzurufen, damit er uns dort wieder abholen kann. Tja. Den Teil haben wir wohl nicht ganz verstanden, wie wir noch feststellen werden.

    Zunächst aber trägt uns der Lift über die Spitzen der Gummibäume, Palmen und Farnbäume den Berg hinauf in den Nebelwald hinein. Eine Mischung aus Aufregung und ein Hauch Angst schleichen sich ein. Aber allem voran sind wir einfach überwältigt. Jetzt schon.
    Oben angekommen, folgen wir der Wegbeschreibung einer Mitarbeiterin und biegen dann an der nächsten Seilbahn links ab. Immerhin steht da auf einem Schild etwas von ‚Cascadas‘ (Wasserfällen) - und da wollen wir schließlich hin. Knapp 45 Minuten folgen wir einer Schotterstrasse und suchen Vögel und Schmetterlinge zwischen all den tropischen Pflanzen.
    Ein paar Tukane flattern laut meckernd fort; plüschige Raupen sind auf der Jagd nach Blättern und Schmetterlinge mit fast durchsichtigen Flügeln trinken Nektar aus bunten Blüten. Aber kein Wasserfall. Dafür irgendwann eine Lodge, in der uns für 15$ Eintritt ein Blick auf einen angeblichen Wassefall geboten wird. Wir lehnen dankend ab und kehren wieder um.

    Wieder an der Seilbahn angekommen, werfen wir einen Blick auf die riesen Landkarte, auf der sehr eindeutig abgebildet ist, dass die Wasserfälle erst nach der Überfahrt auf uns warten.
    Dann also: ab in den gelben Gitterkasten und schon überqueren wir rasant wieder ein Tal des Nebelwaldes.
    Auf der anderen Seite angekommen, erwarten gleich 3 Routen mit Wasserfall-Aussicht uns.
    Hier ist auch nichts mehr von einer Strasse zu sehen, stattdessen führt uns ein verwunschener (und manchmal nicht ganz dem europäischen Standard von „Sicherheit“ entsprechender) Wanderweg ettliche gewundene Meter den Berg hinab. Und endlich! Dort donnern Wassermassen in ein zum Baden einladendes Becken. (Haben wir nicht gemacht)
    Ein Gebäckteil später müssen wir dank unseres Unweges schon wieder zurück. Und wir realisieren: was runter ging, müssen wir auch wieder hoch. Mist.
    Aber immerhin kommen wir erneut vorbei an Farnen, Moosen, Lianen und wilden Pilzkolonien.

    Der letzte Stopp des Tages ist eine kleine Vogelbeobachtungsstation. Die Tochter des Hauses reißt sich bei unserer Ankunft los von ihren Hausaufgaben und führt uns auf die Aussichtsplattform, auf der zwei Herren auf uns warten und uns mit dem Fernglas bunte Finken, Falken und andere heimische Vögel zeigen. Wenig später sitzen wir beide an einer Balustrade. Auf unseren Handflächen sind zuckerwasserbefüllte Flaschenverschlüsse und die winzigen Füßchen der Kolibris kribbeln auf den Fingerspitzen, wenn sie sich absetzen, um zu trinken. Gleichzeitig verursachen sie einen beeindruckenden Wind, wenn sie sich entschließen, den Nektar in der Luft verharrend zu sich zu nehmen.

    Jetzt fängt es auch an, zu regnen. Was ist schon ein Tag im Feucht-Biotop ohne einen Schauer?
    Also begeben wir uns mit Regenjacken bewaffnet zurück ins Dorf, wo wir den Bus zurück nach Quito nehmen.
    3 Stunden später betreten wir das neue Hostel (‚Casa vista hermosa‘) - und der Blick über die Stadt ist, wie der Name schon sagt, wirklich fantastisch!
    So schmecken die vergessenen Frühstücksbrote doch direkt viel besser!

    In diesem Sinne: gute Nacht!
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  • Tagesbericht No. 3

    4 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 16 °C

    Also ehrlich.
    Den Teil mit dem Ausschlafen müssen wir noch üben. Da haben wir uns extra keinen Wecker gestellt und sind beide dennoch um kurz vor 6 (ca. 13 Uhr nach deutscher Zeit) aufgewacht. Man könnte es nun Jetlag nennen - oder aber behaupten, dass wir beide einfach viel vom Tag haben wollen.

    Was machen wir also am frühen Morgen? Natürlich quatschen und Pläne für den Tag schmieden.
    Die erste große Frage: Wie kommen wir an vegetarisches ecuadorianisches Essen? Menschen hier lieben nämlich ihr Fleisch.
    Die zweite Frage: Was schauen wir uns heute innerhalb der Hauptstadt an?
    Quitos Altstadt haben wir ja bereits auf eigene Faust erkundet und zudem haben wir die Hoffnung, ein bisschen abseits des touristischen Kerns die Stadt kennenlernen zu können. Etwa 40 Gehminuten entfernt liegt das hippere Viertel ‚La Floresta‘, in dem es viel Streetart geben soll, die wir bei einer Tour mit einem Local entdecken wollen.
    Und zufälligerweise gibt‘s hier auch einen Streetfood-Markt.
    Klingt doch nach der perfekten Kombi!

    Der Plan für den Nachmittag steht also.
    Und so begeben wir uns, als es dann endlich 9 Uhr morgens ist, auf die Pirsch nach einem Frühstückslokal. Für ecuadorianisch völlig überteuerte Verhältnisse von 6€ pro Person gibt‘s heute touristisches Continental-Frühstück inklusive Moccaccino (Sophie: Kakao) und 2 Gläsern frischem Saft.
    Man gönnt sich ja sonst nichts.

    Erschöpft vom Essen chillen wir noch eine kleine Runde im Hostel und machen uns dann mittags auf in Richtung Hipster-Viertel.
    14 Uhr. Zeit für unseren Mittagssnack. Pommes mit Salat und scharfer Sauce (und scharf ist hier ernst gemeint). Die Würstchen dazu mussten wir extra abbestellen übrigens.

    Und dann warten wir auch schon auf unseren Guide Jorge, der uns die nächsten 2,5 Stunden durch Gassen und in verschiedene Gebäude führen wird.
    Und, was soll ich sagen? Dieser Nachmittag war einfach die beste Erfahrung! Der Stadtteil ist unfassbar bunt und wir haben extrem viele tolle Kunstwerke gesehen, die Geschichten hinter der KünstlerInnen kennengelernt und mit Jorge auch über das Leben in Ecuador (und Südamerika allgemein) sprechen können.
    Kunst ist politisch.
    Und Kunst ist da, um viele zu erreichen.
    Das wird deutlich.
    Naja und dann machen wir auf ein Mal einen Abstecher in die Gallerie des Kunst-Kollektivs Nudo. Hier wird gerade eine neue Ausstellung aufgebaut und einer der sympathischen Menschen dort führt uns in die Räume, wo Drucke entstehen, Rahmen recyclet werden und die Dachterrasse, auf denen gechillt und die Arbeit mit Sprayfarbe geübt wird. Wir schauen uns ein paar Drucke an, zu denen der Typ uns voller Herzblut Hintergrundinfos gibt und dann wird uns bewusst: dieser Mensch IST der Künstler. Einer der bekannteren, dessen Werke wir den Nachmittag immer mal wieder gesehen haben. Crazy?!
    Als wir wieder gehen müssen, bekommen wir jeweils noch 2 Prints geschenkt und sind hin und weg. (Ich hätte noch Stunden dort verbringen können!)

    Einige Zeit später ist die Tour vorbei. Und wir? Fühlen uns der Stadt fernab der großen Touristenmassen auf ein Mal sehr viel näher.

    Jorge entlässt uns mit der Empfehlung, auf dem Streetfoodmarkt Tortillas zu essen. Das machen wir natürlich! Dazu gibts Spiegelei und Salat. Ausserdem Choclo con Queso (Mais mit Käse - und Bohnen und Kartoffeln und Salz). Die Tortilla lieben wir. Der Mais ist definitiv sättigend aber etwas langweilig, wenn wir ehrlich sind.

    So endet der Tag um 19 Uhr für uns auf der Couch im Hostel. Sehr satt und ein bisschen k.o. - aber definitv super happy!
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  • Tagesbericht No. 4

    5 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 16 °C

    Es wird scheinbar zur Gewohnheit in der Casa Sophie y Madeleine, dass morgens um 6 Uhr die Lichter angehen und das Leben beginnt.
    Gute zwei Stunden später gibt es das mittlerweile wohlbekannte Frühstück mit Ei, frischem Obst und Saft, sowie Weckchen.
    Die Hostelbesitzerin Paulina und ihre Familie haben dies für uns zubereitet. Währenddessen begrüßen uns immer wieder Familienmitglieder und wir realisieren, dass wir die einzigen Gäste sind und das Frühstück im privaten Wohn- und Esszimmer des Mehrgenerationenhauses zu uns nehmen dürfen.
    Das ehrt uns, aber fühlt sich schon auch ein bisschen verrückt an.

    Gestärkt machen wir uns auf, mit dem Bus nach Otavalo zu fahren. Wir sind sehr zuversichtlich, da beim ersten Anlauf ja auch alles wunderbar geklappt hat. Der Bus, den wir an der Strassenecke nehmen, bringt uns zumindest für zirka 10 der 12 Kilometer bis zum überregionalen Bahnhof in die richtige Richtung. Das letzte Stück müssen wir dann jedoch zu Fuß zurücklegen, da wir in der falschen Linie saßen. Wir nehmen‘s mit Humor.
    Das Gute daran, dass wir so offensichtlich Touristinnen sind, ist, dass uns sofort, als wir den Busbahnhof betreten, motivierte Herren „OTAVALO?!“ entgegen brüllen. Innerhalb von 3 Minuten sitzen wir also in dem Bus, der uns in den so hoch angepriesenen Ort bringen wird.
    Damit für unser leibliches Wohl gesorgt ist, steigen immer Mal wieder fliegende HändlerInnen zu, die mehr oder weniger interessant Lebensmittel und Kleinkram unter die Leute bringen wollen.

    Otavalo ist ein (heute nicht mehr ganz so kleiner) Ort im nördlichen Andenhochland. Für die knapp 100km werden wir gut 2 Stunden brauchen.
    Die Landschaft lässt es sich nicht nehmen, sich von ihrer beeindruckendsten Seite zu zeigen.
    Zunächst windet die Strasse sich geschickt durch klassisches südamerikanisches Wüstenland. Sandfarbene Felswände erheben sich und sind gesäumt von wachsblättrigen Aloes, flachwurzelnden Sträuchern und verschiedenen Kakteen gigantisches Ausmaßes. Fast erwartet man, Aasgeier kreisen und eine Wüstenrose über die Strasse wehen zu sehen. Stattdessen finden sich am Strassenrand erstaunlich viele Gedenkkreuze für Verunglückte. Aber hey - die Statistik der Busunglücke ist in den letzten Jahren drastisch zurück gegangen. „Für Ihre Sicherheit: …km/h“, lautet die Anzeige mit der aktuellen Geschwindigkeit in den Gastraum. Soso.
    Die Schnellstraße führt immer weiter die Berge hinauf und als wir in die Gebiete kommen, in denen sich Wolken fangen, verwandelt sich die karge Landschaft in ein fruchtbares, von grünen Wiesen, wilden Blumen und großen Bäumen gewachsenes Land. Hier grasen auf ein Mal auch die ersten Alpakas am Straßenrand.

    Hier, fernab der großen Stadt, zeigt sich Ecuador noch ein Mal von einer ganz anderen Seite.
    Die sich eng aneinanderreihenden Häuserschluchten und das geschäftige Gewusel weichen kleineren Dörfern. Viele der Häuser befinden sich in ganz unterschiedlichen Baustadien. Zwischen Schutt und privaten Maisfeldern hängen Menschen ihre Wäsche auf, spielen Kinder und faulenzen Straßenhunde. Alle paar Meter sitzen Leute aller Altersklassen unter Wellblechständen und preisen eigens hergestellte Waren und Lebensmittel an. Und irgendwie ist alles unaufgeregt und Normalität. Eindrücke, die uns nochmals zeigen, dass wir ein ziemlich privilegiertes Leben führen können.

    Warum wir nach Otavalo wollten? Ein Großteil der Menschen, die hier leben, gehören der indigenen Bevölkerung Ecuadors an und es gibt einen großen Handwerksmarkt, der sehr eindrucksvoll sein soll.
    Nun ja. Rund um den Busbahnhof finden wir in einer Strasse viele Läden mit frischen Lebensmitteln aller Art. Aber, sobald wir uns in Richtung Stadtkern bewegen, wird deutlich, dass dieser Ort vor Allem Touristenattraktion ist. Der Markt ist ganz nett. Wir scheinen quasi die einzigen Kundinnen dort zu sein (es ist aktuell Nebensaison). Es gibt in der Tag einige interessante Stände mit traditionellen spirituellen Holzmasken und Textilien. Diese sind jedoch die Ausnahme. Nach wenigen Minuten haben wir aber genügend „traditionelle“ Ponchos mit Disneymotiven und Kuscheltiermeerschweinchen gesehen.
    Wir schlendern noch eine Runde zu einer Plaza, um dort unsere belegten Brote zu essen und beschließen dann bei einsetzendem Nieselregen, dass dies die möglichen Optionen (Vogel-Auffangstation oder eine weitere Wasserfallwanderung) ausschließt.
    Also ab in den Bus und wieder einer ganze Weile der Natur beim Dasein zusehen, während wir nach Quito zurückkehren.

    Wir sind wieder am Rand von Quito und an dem Busterminal, den wir morgens zu Fuß erreichen mussten. Dann sollte das ja jetzt kein Problem sein, denken wir. Denn in die Innenstadt fährt bestimmt alles. Nunja… Als wir einem der dort Arbeitenden unseren Google Maps-Routenvorschlag zeigen, sieht er sehr verwirrt aus und schickt uns erst ein Mal zu einem Bus, der uns zumindest in die richtige Richtung fährt. Bis nach „El Labrador“. Und ja, diese Bushaltestelle hat definitiv einen Preis für den besten Namen verdient!
    Von hier aus ist alles ganz easy und als wir an unserer Haltestelle ankommen, geraten wir in eine große Straßenparade, bei der Trommelgruppen und Folklore-TänzerInnen ihr Können zum Besten geben. Das war richtig nice!

    Wir haben schon lange nichts mehr über Essen erzählt. Das muss geändert werden also gibts zum Abschluss des Tages Pizza und Gnocci. Sehr typisch, wie sich versteht.
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  • Tagesbericht No. 5

    6 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 17 °C

    Guten Morgen, aufwachendes Quito!
    Zum Frühstück gibt es heute wieder eine neue Saftkreation. Hierfür wird einfach immer gerade verfügbares Obst und Gemüse in den Mixer geschmissen. Und als mittlerweile echte Saft-Connaisseurinnen spekulieren wir jedes Mal wild, welche Zutaten wohl dieses Mal enthalten sind. Den Schritt, nach der Lösung zu fragen, lassen wir dabei gekonnt weg.

    Heute steht wildes aus- und umchecken in Hostels an. Wir packen aus unseren großen Reisebackpacks die Kleidung, die wir vermutlich im Regenwald benötigen werden, in kleinere Rucksäcke und fahren einfach mal in das Hostel, wo wir am Montag Abend nach dem Regenwald übernachten werden. In der Hoffnung, unsere Backpacks hier sicher verwahren zu können. Und der Plan geht auf! Nice!

    Als wir von hier aus aufbrechen wollen, unseren letzten vollständigen Tag in der Hauptstadt zu verbringen (der Nachtbus fährt erst um 23 Uhr), beginnt es, heftig zu regnen. Das wird nicht der einzige unerwartete Wetterwechsel des Tages bleiben.
    Also ab in die Regenjacke und zum Bus, der uns zum Centro de Arte Contemporáneo, einem zeitgenössischen Kunstmuseum, bringen soll. Wir lernen die 4. Art kennen, an ein Ticket zu kommen und steigen routiniert, wie wir mittlerweile sind, in den Bus. Der sogar fast in die richtige Richtung fährt. Also laufen wir das letzte Stück - wir wollten ja Aktiv-Urlaub.

    Wenig später betreten wir das imposante ehemalige Militärkrankenhaus mit seinen mehrere Meter hohen Decken, altem Parkettboden und dem riesigen Atrium. Heutzutage sind die Wände jedoch gesäumt von Kunstwerken.
    Es gibt aktuell drei unterschiedliche Ausstellungen. In einer geht es um die Geschichten einiger innersüdamerikanischer Geflüchteten, derer Erlebnisse in gehäkelten Roben verarbeitet wurden.
    In der zweiten wird HIV und der schlechte Zugang zu Medikamenten und Vorsorge thematisiert. Denn auch heute noch ist das Virus eine zentrales Gesundheitsrisiko für die Menschen hier.
    Und in der dritten Ausstellung haben sich Kunstschaffende aus dem Bereich der Streetart zusammengetan. Besonders cool war hier, dass wir einige von ihnen durch unsere Tour vorgestern wiedererkennen konnten.

    Sonne - Wolken - Nieselregen - Wolken.

    Auf unserer Bucketlist steht noch, die 4.000m-Höhenmarke zu knacken. Haben wir übrigens auch geschafft. Mit der 2,5km-langen Seilbahnfahrt der TelefériQo gehts auf den Vulkan Pinchincha hinauf. Das ist ganz schön steil und oben angekommen, merken wir sehr schnell, was „dünne Luft“ bedeutet. Wir legen mit Kopfschmerzen die ersten 200m des Wanderwegs auf den Gipfel zurück und beschließen dann, dass von hier aus der Blick auf das 24km-lange Quito auch schon schön genug ist. Ausserdem ist es ganz schön bedeckt dort oben.
    Auf unserer 18-minütigen Gondelfahrt zurück, sorgt ein erneuter Regensturz für einen fabelhaften Regenbogen über der Stadt.

    Es ist 16 Uhr und wir müssen noch immer 7 Stunden überbrücken, bis es in den Regenwald geht.
    Also laufen wir die etwas mehr als 4km zurück in Richtung Innenstadt und setzen uns dort in ein niedlich aussehendes Büchercafé.
    Ein sehr motivierter, älterer Herr legt sein Schachspiel auf die Seite, um uns zum Lesen aufzufordern. Wir blättern brav durch ein paar spanische Bücher. Währenddessen unterstützt ein Mann in Army-Weste und klimpernden Ketten des Nunchakus in seiner Hosentasche den Kellner beim bedienen der anderen Gäste. Klar, denken wir. Was auch sonst?
    Das ecuadorianische Gebäck Humita (Maisbrei) und Quimbolito (Kuchen in Bananenblatt gebacken) waren dennoch lecker!

    Wir nutzen unser zukünftiges Hostel, wo wir nachts dann abgeholt werden, als Wartebereich mit einem kurzen Abstecher im ‚Le Maple‘, einem vegetarisch ecuadorianischen Restaurant, in dem eine zuckersüße Katze zu Hause ist. Hier kredenzt man uns einen sehr schmausigen Fleischersatz und etwas salzarme, traditionelle Gemüsebeilagen zu touristischen Preisen. Aber wir sind sehr satt und somit gut gewappnet für die anstehende Busfahrt.

    Uns erwarten 11,5 Stunden Busfahrt und dann mehrere Stunden auf dem Motorkanu ins Innere des nordöstlichen Regenwaldes Ecuadors.
    5 Tage in der Natur und fraglich ohne Verbindung zur Aussenwelt.
    Also: ¡Hasta pronto, amigos! Wir hören uns irgendwann ;)
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  • Cuyabeno-Regenwald: ein Überblick

    6–10 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 23 °C

    Bis Montag werden wir einen von Entdeckungstouren geprägten Aufenthalt im Regenwald am Cuyabeno-River haben.
    Ein paar Infos:
    „Cuyabeno“ heißt: „freundlicher Fluss“ in der Sprache eines der 5 indigenen Völker, die in diesem Gebiet des lateinamerikanischen Regenwalds leben. Er und die zur Regenzeit unter Wasser gelegenen Waldflächen bieten die Lebensader für Mensch und Tier hier. Regnen tut es hier natürlich das ganze Jahr immer wieder. Aber von März bis September eben noch ein bisschen mehr.

    Unsere Lodge liegt 34 Kilometer den Fluss hinunter und ist nur mit dem Motorkanu erreichbar. Die Fahrt wird etwa drei Stunden dauern und uns an vielen Pflanzen und Tieren vorbeibringen.

    Anbei ein kleiner Überblick darüber, was wir hier erleben. Zu den jeweiligen Tagen gibt es noch ausführlichere Berichte im Nachhinein.

    Tag 1: Ankunft
    - am späten Nachmittag fahren wir mit dem Motorkanu an die Laguna Grande, dem sog. gefluteten Wald
    - wir sehen Flussdelfine und Faultiere
    - im Dunkeln auf der Suche nach Tieren geht‘s zurück ins Camp
    - den Kaiman haben wir gefunden

    Tag 2:
    - morgendlicher Spaziergang durch den Regenwald
    - wir besuchen mit dem Paddelboot den Stamm der Siona und verarbeiten Yuca auf traditionelle Art
    - ein Spaziergang in die Dunkelheit hinein. Wir sind vorbereitet und haben UV-Licht mitgebracht

    Tag 3:
    - Paddeltour in der ruhigsten Phase des Tages
    - Spaziergang zum 600 Jahre alten Quepok-Baum
    - stand-Up Paddeling mit Delfinen in der Lagune und ein 3 Meter langer Kaiman auf dem Rückweg

    Tag 4:
    - Ausflug zum Aussichtsturm im Terra firme
    - Lucifer-Springaffeb am Basecamp und damit 7/10 Affenarten auf unserer Checkliste
    - Frühstück
    - 3 Stunden Rückweg mit dem Motorkanu nach El Puente
    - 10 Stunden Rückweg mit dem Bus nach Quito
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  • Tagesbericht No. 6 (Regenwald 1)

    7 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 26 °C

    Etwas antizyklisch beginnt der neue Reiseabschnitt nachts um 11, als wir vom Bus am Hostel abgeholt werden, der uns bis zum Cuyabeno-Nationalpark bringen wird. Die Nacht war für die eine sehr kurz (Madeleine), wohingegen Sophie ihre Sitzplätze zu einem für einen Bus angemessenen Schlafplatz gemacht hat.
    Die 373 km-lange Fahrt fühlt sich nachts schon abenteuerlich an und auf den letzten Kilometern fehlt immer wieder befestigte Strasse.
    Um 10:00 gibt es einen Frühstückssnack und Rom, der Ranger und Reiseführer für unsere 12-köpfige Gruppe bereitet uns auf die ca. 3-stündige Fahrt mit dem Motorkanu den Cuyabeno-River hinunter vor.

    Regenzeit? Ja das merken wir. Ab in die Schlappen, Plastiktüte um die Tasche gewickelt und dann düsen wir auch schon los. Bereits nach wenigen Minuten haben wir in den Baumkronen 2 der hier 10 heimischen Affenarten entdeckt (Kapuziner-Äffchen und Totenkopfäffchen). Es ist dann kurz richtig Aufruhr im Boot, bis alle ganz entzückt dem wilden Getreibe in den Pflanzenriesen zusehen.
    Apropos. Hier im Regenwaldgebiet stehen auch einige der über 400-Jahre alten, als heilig gesehenen Bäume („Kapok“). Die sind riesen groß und Bromelien, Lianen und andere Kletterpflanzen nutzen sie als Fundament.
    Auch sehr interessant ist, wie sich das Wasser verhält. Das White Water ist von hellem braun und geht nach und nach ins Black Water über. Die Nährstoffzusammensetzung ist hier eine andere und man sieht richtig klare Grenzen zwischen den Wassergebieten.

    Auf der Tour halten wir immer wieder an, wenn interessante Vogelarten sich präsentieren oder ein Faultier gut getarnt zwischen den Blättern ruht.
    Bis wir bei der kleinen Lodge ankommen, sehen wir noch südamerikanische Gorillas, rote Brüllaffen, Tukane und sogenannte „stinky Turkeys“ (Vögel, deren Verdauung so langsam ist, dass die Lebensmittel sich in ihnen fermentieren).

    Die Lodge: es gibt hier vielleicht 20 Gäste, es ist super familiär und unsere „Zimmerwände“ bestehen aus Fliegengittern. Es gibt 2 Mal am Tag Strom dank eines großen Generators. Internet und Empfang? Fehlanzeige!

    Zwischen dem Mittagessen und dem Abendessen um 19:30 geht es für uns mit Taschenlampen im Gepäck erneut aufs Motorkanu in Richtung der „Laguna Grande“.
    Wir finden Zwei- und Dreifingerfaultiere, etliche Vogelarten und eine Horde kleiner Totenkopfäffchen, die sich über mehrere Bäume hinweg zu jagen scheinen.
    Ein paar ganz besonders magische Momente haben wir, als aus den winzigen, aufsteigenden Bläschen im Fluss plötzlich Finnen werden und wir immer wieder zwei Flussdelfine auftauchen und um uns herum schwimmen sehen. Vermutlich eine Mutter und ihr Kalb, die in den Seitenarmen des Cuyabeno River auf Essensjagd sind.

    Die große Lagune ist ein in der Regenzeit entstehender See auf einer Lichtung, die gesäumt ist von aufsitzerpflanzenbewachsenen Akazien. Nur, dass wir jetzt halt nur die Spitzen der baumkronen sehen können. Der Rest ist unter der Wasseroberfläche und vollständig vom Regenwasser der letzten Wochen bedeckt.
    Rom wirft ein Stand-Up-Paddelboard auf die Wasseroberfläche und ich ärgere mich etwas, meinen Badeanzug nicht doch angezogen zu haben.
    Was wir aber auch ohne Badekleidung tun können, ist den Blick auf den surreal wirkenden Sonnenuntergang zu genießen, während kleine Fledermäuse anfangen, dicht über der Wasseroberfläche ihr Frühstück zu jagen.

    Wir sollen auf dem Rückweg durch den finsteren Regenwald gemeinsam im flink hin- und her huschenden Lichtkegel der Taschenlampe nach Reflexionen von Augen suchen.
    Rot/ orange sind Schlangen und Kaimane;
    Gelb eher kleinere Säugetiere und Vögel und grünlich wären die der Raubkatzen. Die finden‘s aber gerade in der Ecke des Waldes eher ungemütlich.
    Am Eingang einer anderen Lodge, deren Wege aktuell geflutet sind und die daher keine Gäste hat, ruft Rom plötzlich „Kaiman!!“
    Also fahren wir an den Steg, klettern mit unseren Lampen aus dem Kanu und dürfen aus der offenen Küche einen Blick auf das 1,5m lange Reptil werfen. Als er genug von uns hat, macht es „Platsch“ und er ist weg. Den Gedanken, dass dieser Kumpel ein ziemlich flinker Jäger ist, legen wir besser Mal auf Seite.
    Alle wieder ins Kanu und weiter geht die Suche. Eine Schlange, so klein wie ein Zweig, lauert neben einem Spinnennetz auf größere Insekten und vermutlich kleinere Vögel.
    Und dann, kurz bevor wir unser Base Camp wieder erreichen, erwischt der Lichtkegel eine Zweifinger-Faultiermama, mit ihrem Baby auf der Brust, beim abendlichen Snack in einer Baumkrone.

    Beim gemeinsamen Dinner gibts einen Shot ecuadorianischen Schnapses, da einer der Gäste Geburtstag hat. Ziemlich starkes Zeug. Sophie, die Vernünftige hier, verzichtet.
    Um ca 10 Uhr, mit dem Ende der Elektrizität, fallen wir beide völlig platt aber selig in unsere Betten.

    In der kleinen Kapsel aus Fliegengitter sind das Zirpen der Insekten, die Rufe der Vögel und das Quaken der Frösche genau die richtige Kulisse, um in einen wohligen Schlaf zu fallen.
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  • Tagesbericht No. 7 (Regenwald 2)

    8 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 24 °C

    Konstantes Rauschen vom fallenden Regen, Grashüpfer und Grillen zirpen um die Wette, Nachttiere gehen langsam schlafen und der Tukan begrüßt schon Mal den Tag. 5:30 ist auch ne angemessene Zeit dafür.

    Wir schälen uns aus unserem Fliegengitter-umsäumten Betten und werfen uns in Schale. In diesem Fall: Lange Kleidung, Gummistiefel und Anti-Mückenspray. Unser bester Freund hier.
    Der Regen hört auf und so sammelt Rom noch vor dem ersten Kaffee die Gruppe ein, um einen Spaziergang durch den Regenwald zu machen.
    Wir stoppen hier und da neben Pflanzen und Pilzen, derer Nutzung im Bereich der Naturheilkunde und Medizin wir erläutert bekommen. Einer der Heilpilze setzt in einem wie gelber Rauch aussehendem Dunst gerade seine Poren frei.
    Außerdem bewundern wir das goldene und super robuste Netz der Golden Silk Spider, beobachten eine Bullenameise auf ihrem Weg in die Baumspitze und halten Ausschau nach Affen oder anderen aufwachenden Wirbeltieren.
    Der Boden, der in der Regenzeit auch Mal überschwämmt sein kann, ist der Inbegriff von rutschigem Matsch. Glücklicherweise kommen aber alle wieder ohne Sturz am Camp an, wo bereits frisch gebackenes Brot und Ei auf uns wartet.
    Nach unseren Frühstück, findet auch eine kleine Gruppe schwarzer Turmalin-Äffchen, dass es Zeit für einen Snack ist und schnabuliert lautstark am Rande des Camps eine Banane. Fairerweise muss man sagen, dass Rom sie ihnen gebracht hat, als er die großväterlich aussehenden Äffchen entdeckt hatte.

    „Guys, um 10 brechen wir auf!“. Alles klar. Wir packen die Ponchos ein und sind skeptisch aber gespannt. Denn wir sollen nun den Siona einen Besuch abstatten und mit einer Frau dort Maniok („Yuca“) auf traditionelle Art zubereiten.
    Den Weg zu der Siedlung? Im Kanu. Aber dieses Mal ohne Motor. Jeder der 9 Reisenden bekommt ein Paddel und dann gehts los.
    Auf dem Hinweg können wir uns ganz entspannt von Strom mitnehmen lassen. Wachsam suchen unsere Augen das wilde Grün von der Uferlinie bis zum Himmel ab und plötzlich: eine Harpiye!
    Der Gefürchtetste und Größte unter den heimischen Raubvögeln. Er hat Beute dabei und das ist unser Glück, denn so muss das Männchen eine Weile auf einem Baum rasten und wir können mit weit in den Nacken gelegten Köpfen staunen.
    Wie bei so vielen anderen Tieren auch, erklärt uns Rom, dass die Population immer weiter zurückgeht und diese Art mittlerweile auf der Roten Liste steht.
    Harpyien, Anacondas und Jaguare sind die von Indigenen als heilig ausgesprochenen Tiere.

    Noch ein Stück weiter den Fluss abwärts, tauchen Wellblechhäuser auf Stelzen auf und man hört Menschen reden. Wir haben die Siona-Siedlung erreicht. Wir werden im Kochhaus mit Nathalie, der Vertreterin einer der Familien dort, kochen und ein paar Dinge lernen. Welche Familie das machen darf, wechselt sich immer ab. So gibt es eine faire Chance der Entlohnung für alle.
    Ausserdem erzählt Rom uns, dass es an einigen Stellen Satelliten-Internet gibt und eben Motorkanus. Dass sie halt so heutzutage leben und uns niemand einen traditionellen Tanz in Lendenschurz aufführen wird. Richtig gut, denn so fühlt es sich direkt mehr nach einem realistischen Einblick an.
    Wir queren einen großen Bolzplatz, auf dem Hühner nach Samen picken und erreichen die Gemeinschaftshütte, in der schon ein Feuer brennt und die aus Lehm der großen Lagune selbst hergestellte Pfanne vorheizt.
    Währenddessen begibt sich ein Teil des Dorfes in die Kirche, die heute wegen einiger Taufen ca. 4 Stunden dauern wird. Wir werden immer wieder Gejubel und Gospel-artige Gesänge im Hintergrund hören.
    Das Capybara, das sonst gern zwischen den Menschen dort abhängt, zieht heute scheinbar leider die Abgeschiedenheit vor. Traurig aber wahr.

    Nathalies Familie hat uns ein paar Snacks vorbereitet:
    -Plantain-Chips (Banane)
    -Maniok-Chips
    -Chilli-Salsa
    -Ananas und Orangen
    -Kakao-Frucht
    -Eine lange Frucht, derer fruchtfleisch-umsäumten Kerne an Litschis erinnern
    -Und daumengroße Maden von Skarabäus-Käfern, die gleich aufgespießt und gegrillt werden.
    Letztere rufen eine Bandbreite an Emotionen zwischen Faszination und Ekel hervor.

    Wir sind ja aber gekommen, um zuzusehen, wie die so wichtige Yuca-Wurzel verarbeitet wird.
    Also folgen wir der mit einer Machete bewaffneten Nathalie (sie ist 23) und sehen ihr zu, wie sie lässig den Yuca-Baum kurz und klein haut und nur ein Stückchen Stamm übrig lässt.
    Das dürfen Sophie und eine Frau aus Pennsylvania aus der Erde ziehen. Sieht recht easy aus. Und dann liegt das ca. 5 kg schwere Wurzelwerk vor uns.

    Nach dem Schälen und Waschen versammeln wir uns mit den Wurzelstücken um eine Holzwanne herum und beginnen, diese auf selbstgebauten Reiben zu verarbeiten.
    20 lahme Arme später, ist die Wanne gefüllt mit weißem, triefenden Brei. Die Stärke soll nun herausgepresst werden. Mittels „Anaconda-Technik“. Ein aus einer robusten Baumwurzel gewobenes Band wird mit Yuca-Brei befüllt und dann in sich verdreht.
    Die dabei aufgefangene Stärke dient als Basis für Salsas oder andere breiige Lebensmittel.
    Die gepresste Yuca, die wie Kokosflockenbrocken aussieht, wird nun noch gesiebt und dann in die Pfanne gegeben, wo wir Tortillas aus ihr backen.
    Diese sind bis zu 2 Monate haltbar und sehr nahrhaft. Mit Salat und Linsen sogar auch sehr lecker!

    Als wir uns am frühen Nachmittag wieder auf den Heimweg machen, wissen wir auch, wofür wir die Stärkung brauchten. Eine Stunde flussaufwärts paddeln. Die Stimmung im Boot ist… naja, zeitweise angespannt. Die Sichtung von Delfinen hilft. Und als der Steg der Lodge in Sicht kommt, sind wir alle wieder happy. Die Blasen an den Fingern haben sich gelohnt.
    Wir haben übrigens prallen Sonnenschein und können nun noch etwas entspannen, bevor wir uns um 5 wieder mit Gummistiefeln und Mückenschutz ausstatten und es in den Djungle geht.

    Mosquitos sind Arschlöcher. Trotz Schutz und mehrerer Lagen, wedeln wir alle ununterbrochen mit den Händen und man hört ein wiederkehrendes Klatschen von Händen auf Körperteilen.
    Zum Teil wadentief im Matsch versinkend stapfen wir entlang des Pfades und verharren immer wieder um über Flora und Fauna zu lernen, als Rom auf ein Mal eine Horde Wildschweine hört.
    Bestimmt eine halbe Stunde lang hören wir näher kommendes Getrampel und Unruhe. Verlassen den Pfad und folgen der Spur durchs Gestrüpp. Währenddessen geht die Sonne unter. Schichtwechsel im Regenzeit und damit die lauteste Phase des Tages.
    Voller Spannung sitzen 10 Menschen in der Hocke und sagen kein Wort. Neben mir auf einem Blatt eine kleide Eidechse, die sich sicherlich fragt, was wie für merkwürdige Wesen sind.
    Und dann: wechselt die Horde die Richtung und entfernt sich weiter. Irgendwie sind wir auch froh, nicht auf ihrer geplanten Route gelegen zu haben.

    Wenn es Nacht wird in Regenwald, beginnt eine andere Welt. Große Insekten und Spinnen kommen aus ihren Verstecken. Frösche und Echsen lieben dieses Buffet. Und wir schauen dabei zu.
    Ausserdem im Gepäck: eine UV-Lampe, unter der Pflanzen und einige der Insekten neon leuchten.
    Wir entdecken außerdem eine Tarantel und eine andere Jagdspinne, einen klitzekleinen Baumfrosch und einen babykopfgroßen anderen Frosch. Eine Gottesanbeterin, die gerade einen Partner verspeist und einige Grashüpfer.

    Es fühlt sich an, wie tiefste Nacht. Aber um 19:30 sitzen wir alle am Dinner-Tisch. Davor war sogar Zeit, die Mosquito-Stich-Situation zu sichten. Ernüchternd, denn Sophie war besonders beliebt und hat Stiche im hohen zweistelligen Bereich abbekommen. Ich hatte deutlich mehr Glück. Es sind vielleicht 10.
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  • Tagesbericht No. 8 (Regenwald 3)

    9 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 22 °C

    Buenos díaz del bosque tropical!

    6:30 und Rom steht bereit mit Paddeln für alle. Andersrum als gestern werden wir heute den Fluss gemeinsam ca 40 Minuten raufpaddeln und uns dann gemächlich in Richtung Frühstück wieder zurücktreiben lassen.
    Übers Ufer ragt ein riesiger Ficus. Doch, als wir genauer hinsehen, entdecken wir, dass dieser auf dem Kopf stehende Baum eigentlich aus einem anderen entspringt. Es ist also ein weiteres Beispiel für einen riesigen Epiphyten (Pflanzen, die auf Pflanzen wachsen). Ziemlich cool.
    Uns begegnen ein rotköpfiger Kardinal, ein gelber Specht, einige Fischreiher und Schulboote mit Kindern aus dem Reservat.
    Ansonsten keine Sichtungen. Der Regenwald wacht ja auch gerade erst auf.
    Wir alle schweigen und genießen die Aussicht, während uns der Fluss auf dem Rückweg wieder zum Steg trägt.

    Hier herrscht geschäftiges Treiben, denn Bananenpürree, kleine Brötchen und Saft werden zubereitet. Frühstückszeit!

    Kurze Verschnaufpause und dann treffen wir uns um 10 wieder für einen Spaziergang. Da der Regen frisch gestoppt hat und die Sonne rauskommt, werden im Wald noch Mal mehr Mosquitos sein. Sophie entscheidet sich gegen Stiche und für ein bisschen Entspannung in der Hängematte.
    Für mich sind die nächsten zwei Stunden im Wald ebenfalls ereignisreich. Direkt zu Beginn entdecke ich einen Tausendfüßler, der etwa 15cm lang ist. Als ich ihn über meine Hand krabbeln lasse, kitzeln die Spitzen der gepanzerten Füße mich.
    Einige Bäume gehen Symbiosen mit Feuerameisen ein, um sich zu schützen und Platz zu haben zum Wachsen. Denn durch die Säure können keine der Auflieger-Pflanzen an ihnen wachsen.
    Kleine Tamarin-Äffchen toben um uns herum und immer wieder führen hunderte Meter lange Straßen von Blattschneiderameisen an uns vorbei.
    Ein besonderes Highlight ist der Besuch des über 600 Jahre alten Kapok-Baumes, der Wurzeln hat, so dick als wären sie selbst Baumstämme.

    Wieder im Camp fliegen diverse Arten riesiger Schmetterlinge durch die Sonne und Sophie berichtet von dem Riesen-Otter, der die Ruhe vor Ort für eine Erkundungstour genutzt hat.

    Am Nachmittag ist ein Ausflug mit dem Motorkanu zu einer Aussichtsplattform und zum Schwimmen in der Laguna Grande geplant. Jedoch beginnt kurz vor der geplanten Abfahrt ein immenser Regenguss. Von daher hoffen wir nun, dass das Wetter morgen früh stabiler ist und lösen stattdessen ein Sudoku nach dem anderen.
    Um 16:30 dann werden die Tropfen kleiner, Sophie und ich schmeißen uns in unsere süßesten Badefummel und ein Teil der Gruppe begibt sich zu den Motorkanus.
    Auf dem Weg zur Dämmerung in der Laguna Grande gibt es dieses Mal total viel zu sehen, denn all die Tiere kommen in die Sonne, um Fell und Gefieder vom Regen zu trocknen.
    In einer Baumkrone sitzen zwei große schwarze Fell-Knollen. Die sechste Affenspezies für uns - derer Name ich allerdings vergessen habe.
    Und nur ein kleines Stück weiter schwingen Äste und Zweige wild von oben nach unten, da eine Gruppe Kapuzineräffchen sich ihr Abendessen sucht und dabei wild durch die Gegend hüpft.

    Kingfisher, Herons und Stinky Turkeys säumen den Weg und über unsere Köpfe fliegen zwei rote Papageien, als es auf ein Mal sehr laut wird. Die Brüllaffen brüllen aus vollen Hälsern. Kurzerhand biegen wir in eine bis dahin noch nicht als solche genutzte Wasserstraße ein und lauchen dem Getöse.
    Eine Weile verharren wir hier und lauschen dem mächtigen ‚Sound of the Djungle‘.
    Aber wir haben ja eigentlich ein andes Ziel. Orson, unser geschickter Kanufahrer mit dem Orientierungssinn einer Fledermaus, lenkt uns weiter in Richtung der Grande Laguna. Und schon bald gesellen sich ein paar rosafarbene Delfine zu uns.

    Sophie und ich haben eine Mission. Wir wollen den Sonnenuntergang aus dem kühlen Nass raus erleben. Und nunja, der Kitsch ist perfekt, als die Delfine in der Lagune tollen, am Himmel eine auf dem Rücken liegende Mondsichel und die Kulisse ist atemberaubend.

    Der Weg zurück geht wieder durchs Dunkel. Nur ein kleines Stück von der Badestelle aus hatten Rom und Orson vor einiger Zeit ein Kaiman-Nest gesehen. Wir schauen mal nach und in der Tat. Im Schein der Taschenlampe blinken etliche rote Augen auf und als wir näher kommen, paddelt ein kleiner Krokodil-Kaiman im Treibholz.
    Wir fahren weiter in Richtung Lodge und verfolgen alle super gespannt den Suchkegel der Taschenlampe.
    Wir treffen ein weiteres Jungtier. Dieses Mal einen schwarzen Kaiman. Und nur kurze Zeit danach sehen wir ein riesiges rotes Auge. Dieses Exemplar ist defintiv nicht mehr jung, sondern etwa 3-4 Meter lang. Ziemlich eindrücklich!
    Ja. Und ich hab mir eine Schlange gewünscht und das Schicksal meint es gut mit mir.
    An einem winzigen grünen Zweig, der in den Fluss hineinragt, klammert sich ein noch winzigeres Boa Constrictor-Baby fest und ist augenscheinlich unbeeindruckt von der Horde Menschen um sie herum.
    Dies war das letzte Tier des Tages und die selige Gruppe genießt den eindrucksvollen Sternenhimmel inklusive hervorragender Aussicht auf das Kreuz des Spdens, während wir in Teilen in vollkommener Dunkelheit sicher heim gebracht werden.

    Nach einem weiteren fantastischen Dinner und dem Packen der Taschen für die Abreise, heißt es um 10 ein letztes Mal: Licht aus - Schlafenszeit!
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  • Tagesbericht No. 9 (Regenwald Abreise)

    10 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 22 °C

    Wie macht man die Abreise leichter? Indem man den letzten Ausflug mit einer Startzeit von 6 Uhr ansetzt. Also klingelt um 5:15 unser Wecker. Wir überlegen, ob sich das Aufstehen lohnt, denn noch hören wir es leise regnen und bei Regen fällt die Tour aus.
    Aber, wie in den letzten Tagen fast immer, haben wir Glück und so ziehen wir uns ein letztes Mal unsere Gummistiefel an und stapfen in Richtung Motorkanu.

    Im aufsteigenden Nebel fahren wir den ungewöhnlich stillen Fluss entlang in Richtung Terra firme - eines der fünf unterschiedlichen Ökosysteme des Regenwaldgebiets.
    Hier befinden wir uns ca 250m überm Meeresspiegel, etwa 25 Meter höher, als am Basecamp. Dadurch ist dieses Gebiet quasi nie richtig geflutet und bietet den vielen Säugetieren Unterschlupf.
    Das bedeutet für uns aber auch, dass wir auf dem teils schlammigen und sehr rutschigen Boden die nicht unerhebliche Höhendifferenz überwinden müssen. Der kurze Aufstieg ist anstrengend, aber gut machbar.
    Unser Ziel ist eine Plattform, von der aus man bei klarem Himmel sehr gut viele der 650 Vogelarten beobachten kann.
    Heute, bei dem Nebel, ist die Sicht nicht sonderlich weit. Rom nutzt aber die Zeit, um uns noch etwas über die Besonderheiten der verschiedenen Ökoysyteme des Waldes zu erzählen und nach etwa 30 Minuten kündigt er den Abstieg an.

    Uns rutscht ein bisschen das Herz in die Hose, denn wir können nicht mehr ausblenden, dass wir den halsbrecherischen Pfad erneut beschreiten müssen. Und runter ist irgendwie schlimmer als hoch.
    Erstaunlicherweise packen alle aus unserer Gruppe es ganz gut. Bis auf einen kleinen Stolperer eines Mitreisenden direkt am Kanu. Dank der Gummistiefel kommt er aber mit trockenen Füßen davon.

    Auf dem Wasser passieren wir Vögel, die sich ihr Gefieder wärmen und genießen unsere vorletzte Fahrt. Und am Steg der Lodge erwartet uns eine niedliche Überraschung. Drei Titi-….Äffchen frühstücken die Früchte eines Baumes direkt nebenan. Wir haben damit jetzt sogar 7 der 10 Affenarten entdeckt!

    Ab jetzt haben wir nicht mehr lange Zeit. Ein letztes, sehr leckeres Frühstück, ein Gruppenfoto und dann wird es Zeit.

    Auf der dreistündigen Kanufahrt winken wir allen Tieren, denen wir begegnen, innerlich zum Abschied und machen noch eine grandiose Entdeckung.
    Ein Exemplar des …Kaimans, das sogar noch größer ist, als das von letzter Nacht.
    Als die urzeitliche Echse genug von unserem Staunen hat und durchs flache Wasser verschwindet, können wir noch eine Weile anhand der zitternden Äste und Bäume ihren Weg verfolgen und dann geht‘s auch für uns weiter.

    Ein kleines bisschen Hoffnung habe ich noch, eine Anaconda zu entdecken und so scanne ich mit meinen Augen die Uferlinien ab- leider erfolglos.
    Was allerdings auffällt ist, dass obwohl es in unserem Augen viel und stark geregnet hat, der Fluss immer flacher wird. Zum Teil sogar mehr als einen Meter.
    Das kommt daher, dass er quasi nur aus Regenwasser besteht, was natürlich verdampft und versickert. In der Trockenphase müssen die Kanus sogar über Teilabschnitte geschoben werden. Der aktuelle Wasserstand müsste so bei 7 Metern sein.
    Und schon jetzt muss Orson uns vorbeilenken an plötzlich aufgetauchten Bäumstämmen - oder eben mit Vollgas quer durch.

    In El Punto verabschieden wir uns von Rom und dem Regenwald. Einzig den Mosquitos zeigen wir innerliche Mittelfinger.

    Der Weg zurück in die Zivilisation. Ca 10 Stunden werden wir wieder im mittel-bequemen Bus sitzen. Neben uns: deutsche Touristen
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  • Tagesbericht No. 10

    11–13 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 12 °C

    Wir wollten Abenteuer? Hier ist es!

    Der Plan des Tages war folgender:
    08:00 Frühstück, Waschservice nutzen
    10:00 Laundry abholen
    10:30 Bus nach Quitumbe
    13:00 Bus nach Latacunga
    15:00 Uber nach Quilotoa
    16:00 Ankunft im Hostel Rosalita

    Und so war es wirklich:
    Wir stehen einigermaßen erholt auf und machen uns fertig fürs Frühstück.
    Das Hostel, in dem wir übernachtet haben, bietet einen Express-Service fürs Waschen und Trocknen innerhalb von 2 Stunden.
    Das passt perfekt in unseren Plan, denn mehr als die Hälfte unserer Klamotten ist klamm und riecht nach Mückenschutz und abgestandenem Regenwald.
    Naja. Also das mit der Wäsche würde heute wohl bis 11 Uhr dauern. Wir haben keine Wahl und eigentlich auch genügend Puffer, also nehmen wir das Angebot an.
    Wir haben ein okayes Frühstück und nutzen die Wartezeit um Geld und Snacks für die nächsten Tage zu besorgen.

    Um etwa 11:15 fragen wir, ob unserer Wäsche fertig sei und da wird uns eher unfreundlich mitgeteilt, dass diese noch eine Weile brauchen wird.
    Wir sitzen also bis um 12:18 brav in unserem Zimmer, das wir um 10 hätten räumen sollen und packen in Windeseile unseren Kram.

    Den 13 Uhr-Bus haben wir gedanklich abgehakt. Der nächste soll um 16 Uhr gehen.
    Nichtsdestotrotz fahren wir schon Mal nach Quitumbe und schauen, ob es eine weitere Möglichkeit für uns gibt.
    Und dieses Mal schaffen wir es endlich problemlos, an die erste Zieletappe zu kommen.
    Noch ein bisschen mehr Glück? Klar!
    Der 13-Uhr-Bus nach Latacunga hat einige Minuten Verspätung und so sitzen wir selig um 13:15 in dem Bus, den wir angepeilt hatten.

    Was kann jetzt noch schiefgehen?
    Also. Wir haben unsere Rücksäcke direkt bei uns am Sitz, damit wir sie im Blick haben. War bisher nie ein Problem. Aber auf ein Mal kommt ein junger Mann zu Sophie und fordert sie zunächst unwirsch auf, sich anzuschnallen. Es gibt keine Gurte und niemand der Mitfahrenden ist angeschnallt.
    Danach versucht er, ihren Rucksack zu nehmen und herrscht sie an, es würde Strafe kosten, wenn die Polizei sieht, dass er nicht in der Gepäckablage liegt. Die nebenbei auch zu klein für die Backpacks wäre.
    Erst nach mehrfachem „Nein!“ und als wir ihm sagen, dass es unsicher und zu wenig Platz ist, geht er einfach wieder.
    Die Stimmung ist nun natürlich etwas angespannt, wir werden aber den Rest der Fahrt in Ruhe gelassen.

    In Latacunga angekommen, versuchen wir, ein Uber oder Taxi zur Unterkunft zu finden. Da diese aber in einer Mittelebene zwischen Bergspitze und Tal liegt und auf Google Maps keine durchgehenden Straßen eingezeichnet sind, ist es schwierig, hierüber eine Route zu finden. Der Taxifahrer war aber dennoch motiviert. Wir handeln 40$ für 2 Stunden Fahrt aus und auf gehts.

    Die Landschaft hier ist atemberaubend. Die Berge sind größtenteils weich in ihrer Form und wie bei einer Miniatureisenbahnlandschaft ist alles grün gesäumt. Dazwischen immer wieder Felder an Hängen, auf denen Menschen in traditioneller Kleidung mit Körben auf dem Rücken Güter ernten.
    Und hier sind sie endlich: die Alpakas! Hier und da werden sie als Nutztiere geführt oder grasen am Strassenrand. Wie übrigens auch andere Tiere wie Kühe, Schafe, Schweine und Hunde. Sie alle sind an Leinen befestigt, dafür gibt es kaum Zäune.

    Obwohl es wunderbar aussieht und die Vorfreude steigt, sind wir angespannt. Was, wenn wir das Hostel nicht finden? Und dann ist bald auch der Handyempfang weg.
    Unser Taxifahrer hat ab der Lagune in Quilotoa (eine Sehenswürdigkeit, zu der wir morgen wollen) auch keine Ahnung mehr und fragt immer wieder PassantInnen. Die allermeisten kennen das Hostel nicht - einige andere schicken uns weiter in das nächste Dorf Chucchilán, von wo aus man uns vielleicht weiterhelfen kann.
    Das sind so 20 Minuten weitere Fahrt. Wir erhöhen auf 60$ und fahren einfach weiter.
    Als auch hier niemand helfen kann, bitten wir ihn, beim um die Ecke liegenden Hostel Halt zu machen.
    Wir geben auf und nehmen uns spontan ein Zimmer.

    Und ganz ehrlich? Die Menschen hier haben uns so herzlich und liebevoll empfangen, dass es sich wie Balsam für unsere Seelen anfühlt.

    Das andere Hostel können wir vermutlich zumindest in Teilen stornieren. Aber darum kümmert sich Adelaziz, der Guy von Expedia. (Ein „Danke“ geht raus)

    Für uns gibt‘s jetzt erst Mal Abendessen und dann planen wir unsere morgige Wanderung!
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  • Tagesbericht No. 11

    12 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 12 °C

    Ich möchte direkt schon Mal anmerken, wie krass wir sind.

    Um 06:00 klingelt euphorisch der Wecker, damit wir und entspannt für das um 07:00 geplante Frühstück fertig machen können. Nachdem wir noch ein bisschen gesnoozed haben.

    Dieses Frühstück ist mehr als reichhaltig. Jeweils eine groooße Schale Obst, eine Tasse Joghurt (der kommt hier immer in Shot-Gläsern oder Tassen?), zwei Pancakes so dick wie Finger und ein Spiegelei bieten die Grundlage für unseren Tag.

    Wir haben eine: „recht einfache“ 13 Kilometer lange Wanderung vom Quilotoa-Krater zurück nach Chigchullán geplant. Diese Route soll 4-6 Stunden dauern und geht insgesamt abwärts.
    Der Krater liegt auf ca. 3800m überm Meeresspiegel und unser Hostel auf 3200m.

    Unser Gastgeber zeigt uns eine einlaminierte Karte mit der Route und einer Wegbeschreibung auf englisch.
    Immer wieder betont er, dass wir uns links halten sollen, da rechts die „Routa extrema“ kommt, die wohl sehr gefährlich ist (kaputte Brücken und eine Flussüberquerung).
    Auch seine Telefonnummer haben wir vermerkt. Brächte uns nur nichts. Hier oben gibt es keinerlei Empfang. Wir übersehen das großzügig.
    In Zwiebellook eingepackt wollen wir aufbrechen.
    Unser Gastgeber gibt uns, bevor wir mit einem Auto an den Startpunkt gebracht werden, noch mit auf den Weg, dass wir leider die letzte Stunde komplett bergauf laufen müssen. Wie motivierend!

    Am Ortsrand von Quilotoa werden wir rausgelassen. Dieses Dorf ist komplett auf Tourismus ausgelegt. Dieser ist aufgrund der erst noch beginnenden Saison und der Einreisewarnungen aber gerade kaum existent. Quilotoa liegt also da: bereit für Anreisende aus aller Welt aber die Geschäfte sind zu, die Straßen und Hostels leer. Ein bisschen eine Geisterstadt.
    Wir zahlen, wie angekündigt 2$ Eintritt an einem Registrierungspunkt als Eintritt und stapfen los zum Aussichtspunkt, der auch der Routenstart sein soll.
    Dort möchte man nochmals 2$ haben. Und mit ein bisschen Diskussion wird klar, dass die erste Dame uns alte Tickets verkauft hat. Wir müssen aber nicht ein zweites Mal blechen.

    Also schauen wir mal, was so ein Vulkankrater kann: krass!, denken wir beide. Weit unter uns liegt ein zunächst blauer und im Verlauf türkis scheinender See. Der Rand, auf dessen linkem (weil leichterem) Drittel wir gleich lang laufen werden, geht unregelmäßig auf und ab wie bei einem aufgeknackten Ei. Ich frage mich, ob wir ernsthaft dieser „Bruchkante“ folgen müssen. Spoiler: ja!

    Hier oben ist bekanntermaßen die Luft recht dünn und die Wege sind zumeist recht schmal und zum Teil ziemlich steil. Wir gehen, rutschen und klettern also die ersten 3,5kilometer. Vorbei an Wildblumen und Gräsern und durch kleinere Felsabschnitte.
    Schon jetzt stellen wir fest, dass die Route komplexer ist, als alles, was wir bisher gewandert sind. Unsere Oberschenkel spüren wir schon. Aber das ist ja der „leichte“ Weg.
    Wir sind an unserer ersten Wegmarkierung. Hier nach links, der Schotterstraße begab folgend. Die grüne Strecke. Bloß nicht rechts auf die rot-gelbe. Aber die geht auch geradeaus und unsere in Serpentinen. Das sollte easy sein.
    Es ist bis auf den starken Wind ganz still. Auf den Abhängen rechts uns links von uns sehen wir grasende Kühe und Lamas, Menschen, die mit Spitzhacken routiniert die trockene Erde umgraben und: Lupinen. So weit das Auge reicht wachsen diese, in sattem Lila blühenden, äußerst robusten Blumen.

    Nach einer Weile zeigt das Wanderschild Chigchulán in rot-gelber Route nach links an. Auf der Wegbeschreibung steht: „go straight ahead“. Okay. Das testen wir aus. Aber ein Stück weiter sehen wir den Ort ausgeschildert, der definitiv zur gefährlicheren Route gehört. Also folgen wir dem Wanderschild.
    Ich glaube, das ist der Zeitpunkt, ab dem wir angefangen haben, unsere ganz eigene Routenmischung zu laufen.
    Auf unserer Linken: die Schlucht des Canyons; zu unserer Rechten: Felder und unter unseren Füßen: alles zwischen Trampelpfad und nur einige Zentimeter breiter Gehrinne in mehr oder weniger Bergab.

    Wir sollen entlang der Schlucht runter, bis wir am Fluss (aktuell glücklicherweise eher Flüsschen) ankommen, von wo aus nach rechts die Schotterstraße weitergehen soll.
    So weit, so gut. Nach einem todesmutigen ersten Abschnitt des Abstiegs, den wir auch eher auf dem Po, denn auf unseren Füßen bewältigt haben, sind wir am Fluss und machen Snackpause.

    Wir haben hier etwa 50% des Weges hinter uns. Schauen die Bergkante rauf und sind sehr stolz auf das, was wir da gerade machen.
    Aber als Nächstes bleibt uns nichts übrig, als mit einem gekonnten Hüpfer den schmalen Fluss zu überqueren und der logische Weg ist danach entlang der Schotterstraße nach links. Komisch.
    Wir befinden uns gerade auf ca 3300m Höhe und müssen jetzt ein mächtiges Stück wieder aufwärts laufen.
    Ein Autofahrer bestätigt uns, dass wir auf dem Weg in unser Dorf sind und ab jetzt werden wir also die Wegbeschreibung auf dem Handy ignorieren und den Schildern folgen.
    Einige Kilometer und gefühlt unendliche Höhenmeter später kommt zum Glück das ersehnte Schild, das uns den weiteren Weg weist. Ab jetzt wieder abwärts. Wir glauben nicht mehr dran, dass es nur noch 3km bis zum Ziel sein soll. Denn weit und breit ist es zwar atemberaubend und es gibt vereinzelte Höflein - wie der Ort, aus dem wir kommen, sieht‘s aber bei weitem nicht aus.

    Hin und wieder kreuzt ein Mopedfahrer oder ein Traktor unseren Weg und dann geht ein klitzekleiner, irgendwie von Beginn an recht steiler Weg von der Straße ab. Laut Schild, geht die schwierige Wanderroute hier entlang. Weiter auf der Schotterstraße werden wir sicherlich auch ankommen - wir entscheiden uns dennoch für den Wanderweg. Vorerst, denn etwa hundert Meter später treffen wir auf ein Mädchen mit zwei Wachhunden. Und wir stellen fest: diese nehmen ihren Job hier sehr ernst. Als Sophie sehr dicht an ihr vorbeigeht, zögert einer der Hunde zuerst und beißt ihr dann doch zwei Mal in die Wade. Wir alle sind erschrocken. Aber glücklicherweise wird nur ein blauer Fleck draus.
    Also schnell weg hier. Aber der Weg ist echt eine Nummer zu anspruchsvoll für uns - zumal wir schon ca. 11 Kilometer hinter uns haben.
    Wir zögern. Ich fürchte mich vor dem Weg; Sophie sich vor den Hunden. Wir warten einen Moment aber kehren angespannt und ohne Hundebegegnung zur Sandstraße zurück.
    In Serpentinen geht es sehr weit abwärts. Bis auf 3000m. Der Blick in die Schlucht hinein ist von hier aus einfach unschlagbar. Neben uns mündet nun auch der von uns als zu gefährlich eingestufte Wanderweg in die Straße.

    Unsere Beine sind müde, das Ziel noch fern. Aber wir beginnen zumindest mit einer Steigung. Und unser Gastgeber sagte ja, die letzte Stunde solle bergauf gehen.
    Wir sind also wieder zuversichtlich und auf Google Maps sind wir schon recht dicht am Dorf.
    Wir winken weiteren Anwohnenden, Schweinen, Kühen und ihren Kälbern und machen größere Bögen um die bellenden Hunde.

    „Heute Abend geht‘s in die Sauna!“, treibt mich voran.
    „Aufs Bett schmeißen und liegen!“, ist Sophies erklärtes Ziel.
    Und tatsächlich. Nach vielen Pausen zum Atmen und Puls wieder unter 200 Schläge/Minute kommen lassen, sowie 200m Höhenanstieg auf 2km Länge sind wir in Chigchulán angekommen.

    Wenige Meter vor unserem Hostel und ziemlich genau bei der 17 Kilometer-Marke kommen wir an einem Straßenschild mit eben genau dieser Kilometer-Anzeige vorbei. Das ist absurd witzig.
    Und ja: wir haben 4 Kilometer Umweg gemacht aber sind neben der massiven Erschöpfung auch beide richtig happy!
    Haben hierfür übrigens 6:10 Stunden gebraucht. Gar kein schlechter Schnitt!

    Sophie hat noch nicht genug Abenteuer für heute und entscheidet sich, dass Ausrutschen in der Dusche mit daraus resultierender Platzwunde am einen Ellenbogen und fettem blauen Fleck am anderem Arm den den Tag rund machen.
    Glücklicherweise ist unsere Reiseapotheke mit allem, was das Pflegeherz begehrt, augestattet. Mit Kopflampe,Pflasterstrips, Klebepflaster und normalem Pflaster bewaffnet gibt‘s eine bestimmt fachgerechte aber vor Allem gut geschichtete Wundversorgung.

    Beim Abendessen haben wir noch zwei Touris kennengelernt, die auf einer mehrtägigen Wanderung sind. Die waren tatsächlich ganz nett!
    Die Sauna, die wie bestellt hatten, ist vorgeheizt. Und darum gehe ich trotzdem. Gemeinsam mit einem der beiden.
    Es gibt eine ganz angenehme ca 60 Grad warme Holzofensauna und ein Dampfbad mit einem riesen Eimer Eukalyptus.

    Für Sophie gibts Handyzeit und chillen im Bett.

    Um halb 10 geht hier heute alles Licht aus. Unsere geschundenen Körper brauchen Schlaf!
    Nachti!
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  • Tagesbericht No. 12

    13 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute ist wieder Reisetag. Und zwar für eine riesen Etappe bis nach Cuenca.
    Also bestätigen wir um 05:00 unsere Wecker und stehen auf, um unsere Rucksäcke zu packen.
    Und, wie das immer so ist, passen die Sachen irgendwie mit jedem Mal schlechter in den Rucksack. Zumindest bei mir.

    Die Hauptstraße des aufwachenden Ortes entlang laufen wir ein Stück bis zum Busbahnhof und sogar überpünktlich kündigt der Bus zurück nach Latacunga seine Ankunft an.
    Wir springen rein und verbringen die nächsten 2,5 Stunden mit Menschen, dir zur Arbeit und Schule müssen, in dem Bus.
    Hier ist alles weit auseinander und eher traditionell.

    Am Busbahnhof haben wir nach dem Ticketkauf für unsere Weiterfahrt nach Cuenca noch drei Stunden Zeit und nutzen diese, um uns mit Snacks einzudecken und die Menschen in ihrem Treiben zu begutachten.

    Viele der Frauen tragen traditionell die bekannten Panamahüte, einen Poncho aus mehreren Schichten von bunten Schals und Tüchern, Röcke (oder auch Wolldecken, die gewickelt werden), Kniestrümpfe und recht elegante Schuhe.
    Diese Schals dienen übrigens nicht nur zum Wärmen, sondern auch als Gurt, um verschiedenste Dinge und/oder Kinder zu transportieren.
    Heute ist Viehmarkt in Latacunga. Das wird uns bewusst, nachdem mehrfach Hühner zuhauf an den Beinen gepackt durch das Bahnhofsgebäude getragen werden.
    Die Szenerie wird begleitet von dem alles übertönenden Rufen der Angestellten der Reiseunternehmen, die wie immer lautstark die Zielorte der Busse verkünden. „Quitoooo! Sigchos! Riooooobambaa!!“
    Auf dem Vorhof werden ausgestopfte Ziegen in halb liegender Position verkauft, die aussehen, als hätte der Präparator noch nie eine lebendige Ziege gesehen.

    Um nach Cuenca zu gelangen, muss unser Bus die Panamericana entlangfahren. Diejenige Autobahn, die Alaska mit den Feuerlandinseln verbindet.
    Große Abstecher gibt es nicht. Also müssen wir zur Autobahn. Wir gehen zum Office, um zu fragen, wo genau auf dem mehrspurigen Kreisel der Bus hält und einer der Mitarbeitenden bietet uns an, uns in wenigen Minuten die Viertelstunde Autofahrt dorthin zu bringen, er komme da eh lang.
    Nagut. Also quetschen wir uns zu dritt in den Mini- LKW - unsere Backpacks verschwinden im Laderaum- und los geht‘s.
    Der Verkehr stockt auf ein Mal etwas. Der Grund: eine riesen Sau ist ihrer Familie am Straßenrand entwischt und etwa fünf Menschen versuchen nun, sie wieder einzufangen. Was für ein Spektakel!

    Kurze Zeit später biegen wir in den Kreisel ein, nehmen die dritte Abfahrt und genau dort, wo diese auf die Autobahn trifft, steht ein Pavillon der fliegenden HändlerInnen und zwei Busse.
    Der Fahrer gibt uns noch letzte Instruktionen, wann unser Bus kommen wird und setzt seine Fahrt dann fort.

    Da wir viel zu früh sind und unser Bus 30 Minuten Verspätung haben wird, werden wir also etwas mehr als eine Stunde lang den ankommenden unf abfahrenden Bussen und den Passagierwechseln zusehen. Sophie wird etwa 4 Mal erklären, dass wir schon Tickets haben und keine neuen benötigen. Ein Hund muss in die Gepäckablage eines Busses, um mitfahren zu dürfen.
    Und dann kommt er endlich.
    Unser Transportmittel für die nächsten 7-8 Stunden. Es gibt dankenswerterweise Wlan!

    Wir machen also die Augen zu, während sich Menschen die Eis, Armbänder gegen negative Energien, Parfum und Snacks verkaufen, die Klinke in die Hand geben.

    8 Stunden können ganz schön lang sein. Wie fahren mitten durch die Anden, was die Aussicht zauberhaft macht. Das Bild der Berge ist dem der letzten Tage recht ähnlich. Nur die Bäume sind andere und zeitweise erwarten wir, einer Gruppe Hobbits zu begegnen. Die Berge setzen sich zusammen aus kugelartigen, grasbewachsenen Hügeln und Feldern, die mit einer uns unbekannten, gelblich violetten Pflanze bestellt werden.
    Und nebenbei passieren wir eine kalbende Kuh. Wild!

    Nach der Hälfte der Fahrtzeit gibt es eine Pinkelpause, die auch bitter nötig ist. Und danach folgen wir den Serpentinen weiter in die Höhe. Ab jetzt mitten durch die Wolken. Das war‘s dann wohl mit der Aussicht.
    Kein Thema, denkt sich der Ticketier und schmeißt gleich 3 Filme nacheinander an. Alles sehr sicher Raubkopien. Stört bei der Auswahl aber vermutlich niemanden, denn Kassenschlager waren es bestimmt nicht. (Bello & Sebastien; Megalodon 2; Retribution)
    Die letzte Fahrtstunde zieht sich wie Gummi, wenn wir ehrlich sind.

    Aber nun, um 9, ist es geschafft!
    Das Taxi hält am kitschigsten Hostel der Stadt, das die süßeste Flauschkatze und den süßesten dreibeinigen Chihuahua beherbergt. Und nun auch uns.
    Noch schnell zum Hühnchenladen um die Ecke und skeptisch beäugt werden, dass wir Pommes ohne Huhn bestellen und dann ab in die Falle!
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  • Tagesbericht No. 13

    14 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 20 °C

    „Juhu! Endlich einen Tag ausschlafen!“ - um 06:30 gucken wir uns an und sind so mittel begeistert darüber, wie schlecht dieses Vorhaben funktioniert hat.
    Nun gut, dann ist eben heute ein Tag, in den wir mit zwei sehr ausgeprägten Dusch-Sessions starten.
    Ausserdem ist es in Deutschland ja schon Mittag und da kann man mal ein kleines Lebenszeichen an die ein- oder andere Person senden.

    Zum Frühstücken gehen wir heute wieder aus. In dem Lokal mit dem freundlichen Namen ‚el Tocte‘ (dt.: ‚der Tote‘) läuft auf einem großen Flachbildfernseher ein amerikanischer Thriller, von der Decke hängen Kunstpflanzen, ein Speer mit einem Stück Skalp aus Plastik und eine alte Videokamera. In einem Glaskasten hinter mir schauen Schrumpfköpfe wie aus einem Karnevalsladen uns beim Essen zu. Hier ist alles etwas wild gemixt und morbid - aber irgendwie ist‘s auch ganz gemütlich.

    Nachdem wir uns in erster Instanz gestärkt haben, gibt es eine Mission: eine Apotheke für neuen Insektenschutz, normale Pflaster für Sophies Ellenbogen und Blasenpflaster für ihre wanderungsgeschundenen Füße. (Dafür, diese in die Reise-Apotheke zu packen war ich verantwortlich - ich habe mich vergriffen und wir haben eine große Packung Herpespflaster dabei. Man weiß ja nie!)
    Die ersten beiden Dinge bekommen wir mit viel Hilfe eines Übersetzungsdienstes und aussortieren, was uns gezeigt wird. Aber an Blasenpflaster zu kommen, geben wir nach der dritten Apotheke auf.
    Dafür haben wir ein wenig die direkte Umgebung unseres Hostels kennengelernt.

    Wir ziehen uns noch ein Mal für eine Stunde in genau dieses zurück und telefonieren mit ein paar lieben Menschen. Das tut gut!

    Zur Mittagszeit packen wir die am Morgen bei einer Bäckerei um die Ecke gekauften „deftigen“ Milchbrötchen mit Käse in unsere Tasche und laufen zur nächstgelegenen Bushaltestelle. Hier läuft alles wieder anders. Die Busse bezahlt man mit einer aufgeladenen Karte, die wir natürlich nicht besitzen. Also drücken wir einem anderen Fahrgast 1$ (4 Fahrten) in die Hand und er checkt für uns mit ein.
    Tja. Leider fährt aber auch dieser Bus ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr den auf Google angegebenen Weg. Das Spiel kennen wir ja schon.
    Also steigen wir aus und laufen die etwa 25 Minuten zu Fuß durch einen sehr reichen Stadtteil.
    Wir passieren einen Stand, an dem sich ein Mädchen in Schuluniform ein Airbrush-Tattoo auf die Hand machen lässt. Der Farbzerstäuber wird hier mit einem Blasebalg, auf den der Straßenkünstler tritt, angetrieben.
    Ansonsten sehen wir vor allem Menschen in gehobenerer Kleidung und sind generell erstaunt darüber, wie viel westlicher und sortierter Cuenca im Vergleich zu Quito auf uns wirkt.

    Unser Ziel ist das Museum Pumapungo, in dem wir Ausgrabungsfunde anschauen, die zum Teil auf Zeiten von 1500-600 v.Chr. geschätzt werden. Der zweite Teil der Ausstellung zeigt traditionelle Kleidung und Handwerkszeug verschiedener indigener Völker aus Ecuador. Die allermeisten sind mehr oder weniger durch die Kolonialisierung in ihren Festen und Bräuchen geprägt. Nicht so jedoch das Volk der Shuar, das vor Allem im Peru-nahen Amazonasgebiet lebt und sich gegen Christianisierung zur Wehr gesetzt hat.
    Ihre eigene Spiritualität hat hier noch einen sehr hohen Stellenwert. So war es Brauch, dass im Falle eines geschehenen Mordes ein Kämpfer innerhalb des Stammes gewählt wird, der den Mörder im Namen einer Art Gottheit enthauptet und aus dessen Kopf einen Schrumpfkopf macht. Dieser Prozess besteht aus verschiedenen Riten und ist heutzutage nach Landesrecht verboten.
    Aus Faultierköpfen dürfen für eine Initiierung allerdings weiter Schrumpfköpfe hergestellt werden.
    Die Exponate sind sehr eindrücklich.

    Ich verspüre den Ruf nach Kaffee und so laufen wir, unsere Brötchen kauend, die wirklich hübsche Straße entlang zu einer angepriesenen Rösterei. Es gibt bei lautem amerikanischen Popgesang einen frozen Moccachino und einen Milkshake zu deutschen Preisen. War okay, das mal getestet zu haben.

    Cuenca hat große Markthallen und diejenige, in der Einheimische ihre Lebensmittel kaufen und zu Mittag essen, nennt sich: Mercado 10 de Agosto.
    Wir betreten die Halle und gehen nach rechts. Hier wird in kleinen Fliesennischen frisches Fleisch und Innereien verarbeitet und verkauft. Kaum ein Teil der Tiere scheint hier verworfen zu werden. Vom Kiefer bis zur Haut kann alles gekauft werden.
    Auf der gegenüberliegenden Seite des Marktes fühlen wir uns wohler. Zwischen Ständen voller Obst und Gemüse, das uns zum Teil wohlbekannt ist und zum Teil höchst exotisch aussieht. So z.B. die Guanabaña, eine große, grüne, stachelige Frucht mit weißem Fruchtfleisch.

    Verbunden werden diese beiden Markthälften durch einen Gang, zu dessen rechter und linker Seite Frauen in traditioneller Kleidung zwischen Kräuterbergen und Eimern voller aufgeschlagener Eier sitzen und Menschen mittels eben dieser „Werkzeuge“ ausreinigen. Super viele Einheimische kommen hierher für dieses Ritual, teilweise auch mit ihren kleinen Kindern. Eine Frau weint sogar dabei.
    Sophie und ich zögern kurz aber möchten unsere negativen Energien dann nacheinander doch loswerden.
    Wir bekommen eine stark und scharf riechende Flüssigkeit auf die Hände, die wir verreiben und dann tief inhalieren sollen. Schon allein dies ist sehr intensiv.
    Danach nimmt die Frau ein Bündel aus verschiedenen Heilkräutern und drückt es uns dreimal ins Gesicht. Auch diese Düfte nehmen wir in uns auf. Jeder Teil des Körpers wird nun mit dem Bündel fest abgeklopft. Dabei flüstert sie kontinuierlich „Scht - Scht - Scht“. Kleine Fetzen der Blätter wirbeln durch die Luft und bleiben in unseren Haaren hängen. Immer wieder bedeutet sie uns, aufzustehen und uns wieder hinzusetzen. Nach einiger Zeit nimmt sie ein rohes Ei und rollt dieses über unsere Köpfe, Nacken, Arme bis hinab zu unseren Beinen.
    Danach zerschlägt sie es in einen Becher und erklärt uns, welche negativen Energien dieses Ei aus uns aufgenommen hat, von denen wir nun befreit sind.
    Es kommen nacheinander zwei Flüssigkeiten, die stark nach Kräutern riechen, zunächst auf unsere scheitel und von dort aus an den ganzen Körper. Zack! - Ist das das Shirt oben und der Bauch nass. Und Schwups! - ein Mal mitten ins Gesicht. Es brennt ein wenig in den Augen.
    Zum Schluss steckt sie ihren Daumen in den Mund, um danach drei Punkte aus schwarzer Kohle auf unsere Körper zu malen: an den Scheitel, den Bauchnabel und auf die Wirbelsäule überm Becken.
    Wir sind beide ein bisschen zerrupft aber irgendwie berührt.

    Draußen beginnt es zu regnen. Aber wir möchten noch ein paar mehr Eindrücke sammeln. Also schlendern wir zu einem Marktplatz, der gesäumt ist von prunkvollen Kolonialbauten. Ein Stück die Straße runter bildet sich ein Regenbogen über der reich verzierten und riesigen Cathedrale. Leider können wir diese (vermutlich aufgrund der 18-Uhr-Messe) nicht betreten.
    Ein bisschen unentschlossen suchen wir nach einem Ort für das Abendessen und landen in einem kleinen Restaurant, wo es Kohlsuppe, Reis, Pommes und Gurkensalat gibt.

    Da es draussen mittlerweile ein wenig frisch und dunkel ist und unser Heimweg zu Fuß etwa eine halbe Stunde dauern müsste, nehmen wir win Taxi.
    Der junge Fahrer raucht, summt die Radiolieder mit uns nutzt mein Navi, um uns zurück zu unserem Hostel zu bringen, wo wir den Abend entspannt in unserem Zimmer verbringen.
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  • Tagesbericht No. 14

    15 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 14 °C

    Zu behaupten, unser Hostel sei hellhörig, wäre eine maßlose Untertreibung.
    Die dünnen Spanholzplatten, die unseren Schlafplatz vom Flur abteilen, wackeln des Nachts regelrecht, als immer wieder Gäste ankommen, zur Toilette müssen oder in der Früh abreisen. An einer bestimmten Stelle auf dem Holzboden macht es laut: „Pock-pock!“, sobald man einen Schritt daraus setzt.
    Der Bewegungsmelder taucht über ein Oberlicht über unserer Tür das Zimmer in charmantes Neonlicht.
    Zudem prasselt der Regen in deutlichem Getrommel auf das Wellblechdach.
    Dementsprechend sind wir schon längst wach, als um 07:00 der heutige Wecker klingelt.
    Wir nehmen es mit Humor. Wer wollte denn unbedingt Aktivurlaub machen?

    Aktiv - das ist ein gutes Stichwort. Ganz, wie es der Regenradar voraussagt, ist es ab kurz vor 08:00 trocken und wir, bepackt mit trockenen Brötchen vom Vortag machen uns auf den Weg zum Terminal Terrestre (für außerstädtische Verbindungen), um von dort aus den Bus nach Ingapirca zu nehmen.
    Aber zunächst gibt‘s noch ein schnelles Frühstück auf der Essens-Plaza. Der Nescafé steht bereits auf dem Tisch und es gibt eine Tasse heiße Milch dazu. Voilá! Außerdem einen erstaunlich leckeren Melonensaft zum Rührei und Käsetoast.

    Von der zweieinhalbstündigen Busfahrt zurück Richtung Norden bekommen wir nicht so viel mit. Endlich ein Mal weder Verkaufsstopps, noch laute Musik und wir haben definitiv Schlaf nachzuholen.
    Und dann kommen wir an.

    Ingapirca - das ist Ecuadors größte Inka- und Cañari-Ausgrabungsstätte.
    So ganz ist nicht klar, was alles in Ingapirca geschehen ist. Aber der ovale Tempel (Sonnentempel) war eine wichtige Kultstätte. Auch stehen hier Grundmauern eines Palastes, Lagerhöhlen und ein Grab einer wichtigen Prinzessin ist zu sehen.

    Die Inka, die es übrigens bis ca 1520 n. Chr. gab, haben sich unter anderem hier niedergelassen und das Volk der Cañari, die bereits an diesem Ort gesiedelt hatten, beherrscht. Nichtsdestotrotz haben beide Völker Teile ihrer Autonomie und kulturellen Bräuche beibehalten und so auch nebeneinander her gelebt. Bis die Cañari sich im Rahmen der Kolonialisierung mit Spanien gegen die Inka zusammengetan haben.
    Teile des Volkes der Cañari leben bis heute in dieser ecuadorianischen Provinz.

    Wir kaufen also unsere Tickets und wollen durch die Stätte schlendern, als auf ca. der Hälfte der Geländerunde ein Security-Mitarbeiter auf uns zukommt und uns fragt, wo unser Guide sei, wir dürften uns nicht ohne auf dem Gelände aufhalten. Das war uns neu. Einige Erklärungsversuche später zeigt er auf eine Gruppe, die am Ende der Führung ist und sagt, wir müssen zu dieser dort. Trotz Unmutsbekundungen auf gebrochenem spanisch, geleitet er uns in diese Richtung. Wir dürfen immerhin noch die kurz gehaltenen Infotafeln lesen. Sobald er außer Sichtweite ist, schauen wir uns etwas gehetzt um und verlassen nach 45 Minuten die Ausgrabungsstätte.
    Im Anschluss machen wir noch einen 20-minütigen Spaziergang im anliegenden Gebiet, in dem noch einzelne Steinskulpturen und das „Inka-Gesicht“, ein in den Berg gehauenes Männergesicht, an. Um all die Kunstwerke zu erkennen, benötigt es einiges an Fantasie.
    Überall grasen Lamas auf den Feldern rund um Ingapirca. Das Gras ist super grün und ein Fluss ist im Tal zu hören.
    Spannend ist auch, dass die Aloe Vera-Pflanzen, die hier wild wachsen, offenbar für Liebesbotschaften und „ich war hier“-Bekundungen verwendet werden. Eingeritzt in die Blätter, so wie wir es von Baumrinden kennen.

    Am Mittag nehmen wir die zweite Runde Schlaf im Bus, der uns zurück nach Cuenca bringt, dankend an.
    Um 16:00 ist hier strahlender Sonnenschein und unsere Mägen leer. Also machen wir einen mittelgroßen Spaziergang durch die belebten Straßen bis zum Mercado 10 de Agosto, wo wir heute gut einheimisch zu Abend essen wollen.
    Wir finden Humitas (im Maisblatt gebackener Teig aus Maismehl mit Käse) und O-Saft. Der Rest ist Fleisch. Mist.

    Leicht angesättigt schauen wir noch Mal an den Plätzen vorbei, die wir gestern schon gesehen haben und bewundern Kolonialstil-Gebäude, bis wir in einem sehr hippen und sehr leeren Restaurant jeder eine Bowl bestellen. Mit viel Dressing.

    In sehr satt und zufrieden schlendern wir entlang des beginnenden Nachtlebens die knappe halbe Stunde zurück zu unserem Hostel, wo wir schon Mal Sachen packen und früh ins Bett gehen.
    Denn morgen steht die letzte große Etappe an!
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  • Tagesbericht No. 15

    16 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☀️ 28 °C

    Die letzte große Busreise steht an. Wir werden heute nochmals ca. 430km zurücklegen, um ans Meer zu kommen. Puerto López ist das Ziel.

    Also ist es auch gar nicht schlimm, dass während wir morgens um halb 7 unsere Rucksäcke satteln und uns aufmachen, ein tierischer Regen beginnt.
    Tschüß Cuenca, du wirst über uns hinweg kommen!
    Ein Taxifahrer reagiert auf unser verzweifeltes Häldewinken und so kommen wir verhältnismäßig trocken am Busbahnhof, wo wir den nächsten Bus um 07:00 noch bekommen und freuen uns, dass wir in einem sehr modernen Doppeldeckerbus ohne Fernseher landen.
    Auf geht‘s also in Richtung Nordwesten nach Guayaquil, wo wir heute nur umsteigen werden.

    Da wir mitten in den Anden sind, windet sich der Bus die ersten zwei Stunden durch Serpentinen, bevor wir in einem kleinen Ort halten. Und stehen bleiben. Mehrere Minuten und die Bustür bleibt zu. Von der oberen Etage aus ist auch nicht ganz klar, was los ist. Ein älterer Herr hämmert irgendwann gegen das Fenster in Richtung Busfahrer.
    Einige Minuten später geht die Fahrt weiter. Erstaunlich langsam; nur kurz darauf, direkt vor Beginn der Autobahn halten wir wieder und der Assistent des Fahrers erklärt uns, der Bus sei kaputt und wir müssten etwa 20 Minuten auf den nächsten warten. Naaaa gut, dann machen wir das wohl mal.

    Die Klimaanlage hat eisige 18 Grad gezaubert und, als wir in den immernoch anhaltenden Nieselregen hinaustreten, laufen wir fast wie vor eine Wand. Es müssen über 20 Grad sein - bei einer Luftfeuchtigkeit von satten 75%. Der Himmel ist weiterhin bedeckt und grau.

    Einige Zeit später machen wir es uns in den Ledersesseln des neuen Busses bequem und lassen uns von der wirklich unterirdischen Baywatch-Neuauflage berieseln, während wir das erste Mal wirklich durchs ecuadorianische Flachland fahren.
    Hier reihen sich Bananen- und Zuckerrohrplantagen aneinander. Immer mal wieder durchbrochen von teils gefluteten Wiesen, auf denen Vögel sich ihr spätes Frühstück genehmigen.
    Die Häuser sind auf Stelzen und langsam nähert sich der Rand der Großstadt.

    Von Guayaquil wurde uns von mehreren Seiten bereits abgeraten, da die Kriminalität hier recht hoch sei. Außerdem gebe es nicht so viele schöne Ecken. Und das können wir bestätigen. Die Fahrt vor und nach dem Umsteigen in den Bus zu unserer nächsten Etappe Ólon zeigt ein tristes Bild aus Hochhäusern in der Ferne, Straßenzügen aus viel zu kleinen Hütten, in denen scheinbar auf engem Raum gelebt wird und teuren Wohnvierteln, die an Hochsicherheitsanlagen grenzen.
    Aber beim Busbahnhof fahren auf drei Etagen Fernbusse ab. Das war wild!
    Insgesamt sehen wir super viel Müll an den Straßenrändern. Die Probleme liegen hier an wichtigeren Stellen.

    Nochmals 1,5 Stunden später zeigt die Karte auf dem Handy, dass wir Meer sehen sollen. Und tatsächlich! Zwischen Strandlokalen und Fischläden schlagen die Wellen des Pazifik bei Wind und anhaltendem Regen bis hoch an den Strand! Wie schön!

    Ehrlicherweise sehen auch hier die Orte noch etwas verlassen aus. Aber wir sind weiterhin gespannt.
    Etappe Nummer zwei ist gegen 15:00 geschafft. Von Ólon aus nun nur noch einen lokalen Bus etwa eine Dreiviertelstunde bis nach Puerto López.
    Als er kommt, ist er voll. Wir quetschen uns, jeweils mit einem Rucksack vorn und einem auf dem Rücken, in den Gang und müssen einige Stationen warten, in denen wir zum Nadelöhr der Ein- und Aussteigenden werden, bis wir Sitzplätze ergattern können.

    Puerto López hat es nicht leicht, uns zu gefallen.
    Bei Nebel, Regen und düster grauem Himmel kommen wir an und stapfen erschöpft durch einfache Wohngebiete ohne befestigte Straßen, bis wir von der Hostelbesitzerin mit einem TucTuc zu unserer Ferienwohnung (ein Stück Richtung Zentrum) gebracht werden.
    Die ist klein aber süß. Und klimatisiert.
    Die Nachbarschaft hört spanische Chansons und in den Hauseingängen verweilen Familien und spielen Karten oder ruhen sich aus.

    Für uns geht es nur noch zum Supermarkt, da wir heute kochen wollen. Hierbei erhaschen wir Blicke auf die bunt beleuchtete Strandpromenade.
    Aber die schauen wir uns morgen an.
    Uns reicht Pasta mit Gemüse und angekommen sein.

    Wir haben auch unsere Teller leer gegessen, damit dann morgen wieder die Sonne scheinen kann!
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  • Tagesbericht No. 16

    17 Jun 2024, Ecuador ⋅ ☁️ 24 °C

    Wir schauen bis morgens um halb 2 Bridgerton auf Netflix, da die Nachbarschaft eh eine laute Party feiert, die sogar noch länger geht.

    Das Gute: wir schlafen länger. Der Tag beginnt gegen halb 10 mit einem selbstgemachten Frühstück. Den Saft mixen können wir noch nicht so gut, wie die Einheimischen; das Spiegelei besser.
    Draussen ist es immer noch bedeckt. Und es regnet.

    Ehrlicherweise sind wir gerade sehr ernüchtert und haben uns die letzten Tage am Meer schöner vorgestellt.
    Also geht es zurück in das 1,20m breite Bett und die letzen beiden Folgen der Serie werden geschaut. Und dann, geschätzte 20 Sekunden vor dem Ende der letzten Episode gibt‘s nen kurzen Stromausfall.
    Und danach kein Internet mehr. Mist.

    Aber gut, so müssen wir nun wohl mal vor die Türe luken und die Strandpromenade unter Augenschein nehmen.

    Puerto López ist ein kleiner Ort, der von Fischerei und Tourismus lebt.
    Letzteres gibt es gerade quasi nicht. Daher lungern viele Leute vor ihren Häusern und/oder Läden auf der Strasse rum. Alles sieht etwas trostlos aus und das Wetter macht es nicht besser.
    Wir - aus Prinzip in luftiger Sommerkleidung, denn 23 Grad hat es dennoch - spazieren wenig überzeugt und unter den wachsamen Augen der Menschen hier zwischen Strandbars und Souvenirläden entlang.
    Immerhin kann ich ein bisschen Palo Santos kaufen.

    Eigentlich ist auch Zeit fürs Mittagessen. Und wo, wenn nicht hier, sollten wir Ceviche probieren?
    Eine kalte Salat-Suppenmischung aus rohem Fisch, Tomate, Zwiebeln, Lauch und Limettensaft. Dazu Pommes und frittierte Plátano (Kochbanane). War tatsächlich ganz lecker. Und auch fast das Setting, das wir uns gewünscht hatten.

    Der Regen hört auf und wir haben noch viel Tag vor uns. Also laufen wir den Strandweg entlang Richtung Süden. Der Geruch nach Fisch steigt in unsere Nasen und wir können mit ein bisschen Abstand begutachten, wie kleine Boote vom Strand, wo sie riesen Fische verkauft haben, wieder zu ihren Anlegestellen etwas weiter raus fahren. Uns zieht es zu dem Steg, der in das leicht türkisfarbene Meer ragt. Wir schauen Pelikanen und schwarzen Vögeln beim Treiben auf dem Wasser oder dem Flug über den Fischständen zu. Ihre Gesichter sind geierartig aber ihre Schwänze von gespaltener Schwalbenform. Eine ziemlich wilde Mischung, die sich uns da präsentiert.

    Nun noch ein wirklich teures Eis und einen Brownie in einem Café mit Wlan, bevor wir uns gegen 16:00 bei erneut einsetzendem Nieselregen wieder in Richtung Ferienwohnung begeben. Genug erlebt für heute.

    Das Wlan geht immer noch nicht, aber man wartet auf den Techniker.
    Für und gibt‘s ausgeprägte Duschen, trance-artige Sudoku-Sessions und vor Allem Zeit, um die letzten Tage sacken zu lassen.
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  • Tagesbericht No. 17

    19 Jun 2024, Südsee ⋅ ☁️ 23 °C

    Es ist 07:00 und der Wecker klingelt.
    Wir sind sehr schnell sehr wach, denn heute steht einer der lang ersehnten Programmpunkte an:
    whale watching!

    Zum wieder selbst gemachten Frühstück gibts Rührei, Kaffee, Saft und etwas, das auf der Packung aussieht, wie Croissants mit Käsefüllung.
    Es soll frittiert werden. Wir probieren es erst in der Mikrowelle. Vergeblich. Danach braten wir die Teigrollen in zu viel Öl. Sie schmecken, als hätte man Lasagneplatten aufgerollt und frittiert. Richtig lecker ist das nicht - aber wir sind so was wie satt.

    Draussen ist es warm, aber bewölkt. Hier an der Küste gibt es wieder ein Mal zwei Jahreszeiten. Diejenige, in der es viel regnet, dafür dazwischen aber strahlender Himmel und über 30 Grad ist. Und die jetzige. Viele Wolken, wenig Regen und dafür aber gemäßigtere Temperaturen.
    Ich frage mich, wie viele Klimazonen und Jahreszeiten ein so kleines Land eigentlich haben kann?!

    Und dann, um 09:15 werden wir abgeholt und zum Pier gebracht, wo wir unsere Guides und die Reisegruppe für den Tag treffen.
    Wir sind insgesamt 17 Touris auf der kleinen Motoryacht, mit der wir uns den Tag über auf dem Pazifik bewegen werden.

    Es gibt Schwimmwesten für alle und dann werden wir 42 Kilometer, etwa eine Stunde lang, zur Isla de la Plata fahren. Die Buckelwale kommen in dieses Gebiet, um sich zu paaren und ihre Jungen zu bekommen. Und die Paarungssaison hat gerade begonnen.
    Mit Wind in den Haaren und wachsamen Auges fahren wir durch das türkisfarbene bis dunkelblaue Meer.
    Auf ein Mal: Fontänen aus Wasser, wenn die Luftlöcher gereinigt werden. Freudige Unruhe herrscht auf dem Boot. Die Motoren gehen aus und wir können beobachten, wie die bis zu 16-meter langen Giganten uns ihre Rücken und die ein- oder andere geschwungene Schwanzflosse präsentieren.
    Ein paar Momente können wir dieses Schauspiel beobachten, bevor die Wale sich wieder zurückziehen.

    Am Horizont erscheint eine einzelne Insel im Nebel. Sie ist unser Ziel. Die Isla de la Plata (etwa: silberne Insel) trägt ihren Namen daher, dass auf ihr etliche Blaufußtölpel, Fregatt-Vögel und sogar Albatrosse nisten. Ihr Kot ist sehr weiß und im späteren Jahresverlauf, wenn die Jungtiere groß sind, sind die Felsen unter eben diesem begraben. Dadurch erscheint die Insel, vor Allem nachts, silbern. Lecker, oder?
    Da all diese Vögel aber gerade frisch erst Junge haben und die Trockenzeit noch nicht lang anhält, sehen wir viel sandigen Boden.
    Eine andere Theorie besagt übrigens, dass früher Piraten hier Silberschätze begraben haben.

    So weit das Auge reicht: Palo Santos - Sandelholzbäume, die duften und in ebenfalls silbrigem Schimmer den sogenannten „Trockenwald“ bilden. Im Unterholz hört man es ständig rascheln, wenn Geckos oder Ratten (als invasive Art) über die Zweige flitzen.

    Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und neben den Vögeln, die es sonst auf den Galapagos-Inseln gibt, brüten am Strand auch gerade Meeresschildkröten-Eier einige Zentimeter unter der Erde, während rote Strandkrabben in ganzen Kolonien an der glitzernden Küste entlang laufen.

    Wir machen eine Wanderung von etwa 2 Stunden Dauer, bei der Silvan, unser Guide, uns sehr viele nützliche und interessante Informationen über die Flora und Fauna gibt. Ausserdem bewundern wir viele Tölpel-Eltern. Zum Teil sogar mit Jungtieren.
    Ein sehr großes Gebiet der Insel darf nicht betreten werden, weil dort aktuell ein Paar Albatrosse, von denen es nur noch wenige Exemplare gibt, lebt.

    Am Mittag steigen wir wieder aufs Boot und fahren in Richtung der südöstlichen Klippen der Insel, um dort vom Boot aus zu schnorcheln. Schon durch die Wasseroberfläche können wir handgroße, bunte Fische sehen, die diesen Bereich ihr zu Hause nennen.
    Der Pazifik ist warm und die Sicht unter Wasser klar.
    Wir erkunden eine Weile selbst die zahlreichen Fische, schwimmen über einem Kugelfisch und als Silvan uns eine Meeresschildkröte einige Meter unter uns zeigt, sind wir hin und weg.
    Nichtmal die Nesseln von kleinen Quallen, die unsere Arme streifen und wie Ameisenbrennen sind, können diese Freude nehmen.
    Als wir die Köpfe unter die Wasseroberfläche bringen und die Luft anhalten, können wir sogar das sphärische Rufen einiger Wale hören, das aus bis zu 100km Entfernung kommen kann. Das ist mehr als verrückt!
    Leider viel zu schnell müssen wir wieder an Board.

    Es ist Wind aufgekommen, die Wellen sind verhältnismäßig hoch, es gibt einen Snack und so verdreifacht sich die Zahl der Seekranken im Vergleich zum Hinweg auf drei. Wir hingegen genießen das 1-stündige Achterbahnfahren, bei dem uns immer wieder nicht unerhebliche Mengen Gischt ins Gesicht spritzen. Auch auf dem Rückweg können wir noch Mal Wale sehen, die an die Oberfläche kommen, um durchzuatmen.
    Gefühlt viel zu früh kommt der Hafen von Puerto López in Sichtweite und wir klettern mit noch schwankendem Gefühl im Körper vom Boot.

    Es gibt heute noch Mal Ceviche und gebratenen Oktopus, bevor wir um 18:00 in der untergehenden Sonne unsere Ferienwohnung erreichen.
    Obwohl wir uns brav immer wieder eingecremt haben, haben wir bunt gemusterte Blass- bis Röttöne auf unseren Körpern, die wir nach einer Dusche mit Feuchtigkeit versorgen werden.

    So Deutschlandreif wir gestern auch waren, so gern würden wir jetzt noch ein bisschen mehr solcher Tage vor uns haben.
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