Tag 141: Bukhara bis Todakul See
8 juli 2023, Oezbekistan ⋅ 🌬 36 °C
Gleich am Morgen werden wir mit leckerem Frühstück aus den Resten des Baqalajon, Eiern, Brot, Melone und selbstgemachter Aprikosenmarmelade versorgt. Wir räumen unser Zimmer und packen die Räder. Ohne Probleme dürfen wir sie und das ganze Gepäck im Hotel stehen lassen, bis wir von einem Rundgang durch die Stadt mit weiteren Sehenswürdigkeiten und einem Mittagessen im Restaurant (außer fettigen Kartoffeln, Salat und Brot gibt es wieder mal nichts Vegetarisches) zurück kommen.
Wir verabschieden uns von unseren sehr herzlichen Gastgebern und fahren dann am Mittag los. Es geht aus der Stadt raus und an Feldern vorbei. Unser Glück der letzten Tage ist vorbei, denn jetzt haben wir wieder Gegenwind und das nicht zu wenig!
Wir kämpfen uns voran, ständig dem Wind ausgesetzt. Erst bei Dämmerung erreichen wir das Ufer des Sees, zu dem wir heute kommen wollten.
Immer mal wieder in Kontakt mit unseren "Geschwistern" haben wir von Vincent erfahren, dass es hier schöne Möglichkeiten gibt zu zelten. Bei zunehmendem Schnakenaufkommen finden wir ein recht nettes Plätzchen, stellen die Fahrräder ab und holen das Zelt.
In diesem Moment kommt ein Auto und hält direkt neben uns an. Ein Mann steigt aus und beginnt zu telefonieren, ein anderer spricht uns an. Lukas geht näher zum Wagen und versucht dem Gesagten zu folgen.
Zu dem See kommen wohl oft Betrunkene vor denen uns die beiden warnen wollten. Sie meinen, sie hätten ein Haus etwas am Ufer zurück und wir sollten ihnen doch gerne folgen, da es dort sicherer sei. Nicht einmal einen Kilometer soll ihr Haus entfernt sein.
Die Möglichkeiten abwägend, entscheiden wir uns schließlich ihnen zu folgen. Nach ein paar Minuten kommen wir ein paar Unterständen näher neben denen ein paar Autos parken. Zwischen einigen dort Feiernden finden wir die beiden Männer wieder, die schon etwas vorgefahren waren.
Direkt kommen sie uns entgegen und zeigen uns einen Unterstand, unter dem wir schlafen dürfen. Normalerweise werden diese vermietet, wir dürfen hier umsonst übernachten.
Nach einer Weile ziehen die Feiernden ab und am See wird es leiser. Unsere Gastgeber versorgen uns sogar noch mit Matten und Kissen und deuten an, dass wir auf der Holzpritsche unter dem Unterstand problemlos schlafen können. Sogar eine Autobatterie wird uns gebracht, damit wir auch genug Licht haben.
Weil auch hier eine Menge Schnaken herum schwirren entscheiden wir uns dazu, statt frei auf der Pritsche zu übernachten, doch noch das Zelt aufzubauen.
Während Lukas noch etwas kocht baue ich das Zelt auf, wir essen und gehen dann so schnell es geht ins Zelt. Zum Glück jucken die Stiche nicht so lange, weil hier die Schnaken nicht ständig irgendwelchen Pestiziden ausgesetzt sind.
Durch den Wind, der hier ziemlich stark bläst, ist es zum Glück nicht allzu warm im Zelt. Tatsächlich schlafen wir auch bald ein.
Nachts werden wir allerdings immer mal wieder wach, weil doch noch ein paar Autos an den Strand oder von ihm weg fahren.Meer informatie
Tag 142: Todakul See bis Navoiy
9 juli 2023, Oezbekistan ⋅ 🌬 37 °C
Wir werden wieder früh wach. Die Gegend wirkt noch verschlafen. Einige der Männer laufen schon herum und bewässern den Boden, damit es weniger staubt. Eine unendliche Beschäftigung, denn das Wasser verdunstet hier unfassbar schnell.
Ich ringe noch mit mir. Soll ich heute Morgen noch in den See? Jetzt wo wir schonmal da sind. Allerdings habe ich das Problem, dass ich mit dem Bikini hier nicht so einfach ins Wasser kann. Da wir noch nie Mädchen oder Frauen in Usbekistan im Wasser gesehen haben, möchte ich hier nicht den Anfang machen, nicht wissend, wie das ankommt.
Wir entscheiden uns letztendlich nur mit den Füßen ein bisschen ins Wasser zu gehen und sind dann auch froh drum, denn so gut der See von außen auch aussieht, aus nächster Nähe müssen wir uns wirklich fragen, ob unsere Füße nicht vor dem Bad sauberer waren als danach.
Das kühle Wasser ist trotzdem sehr angenehm. Wir waten durch den flachen See und machen uns dann zur Weiterfahrt bereit. Heute haben wir noch stärkeren Gegenwind als gestern. Leider entfernen wir uns heute wieder von der Oase und fahren durch Steppenlandschaft. Demnach werden wir dem Wind die ganze Zeit ausgesetzt sein.
Wir haben den See noch eine Weile im Blick, bevor sich die Straße von ihm abwendet und tiefer ins Nichts hineinführt. In der Ferne können wir schon die ersten wirklichen Berge seit einer Ewigkeit sehen. Es ist kaum vorzustellen was für eine Wirkung dieser ferne Anblick auf uns hat. Direkt sind wir motivierter und wären es vermutlich auch geblieben, wenn die enorme Hitze und der pausenlose Gegenwind nicht gewesen wären.
Am Mittag entdecken wir dann tatsächlich ein Kieswerk in der Nähe der Straße und seit längerer Zeit die ersten Häuser. Wir biegen ab, um ein Schattenplätzchen für unsere Mittagspause zu finden. Wir peilen ein Haus an. Ein junger Mann kommt uns entgegen, wir fragen erschöpft, ob wir hier Pause machen dürfen und wieder einmal zeigt sich die Gastfreundschaft. Natürlich dürfen wir es uns im Schatten gemütlich machen. Die jungen Männer, die hier im Kieswerk arbeiten, bieten uns auch an im etwa 20 Grad klimatisierten Aufenthaltsraum Pause zu machen. Natürlich hätten wir uns über kühlere Temperaturen gefreut, allerdings wäre dann die Weiterfahrt unerträglich.
Wir fragen, ob wir das Wasser für die chinesischen Nudeln, die wir nun immer mittags essen, im Wasserkocher warm machen dürfen. Natürlich ist das kein Problem und die Männer schenken uns sogar noch ein ganzes Fladenbrot, das vermutlich das beste Brot ist, dass wir bisher in Zentralasien gegessen haben.
Wir ruhen uns noch ein bisschen aus. Dann geht es zurück in die Sonne und zurück in den starken Gegenwind. So langsam steigt die Straße an und trotz der Anstrengung ist die Tatsache, dass sich die Landschaft endlich mal geändert hat, sehr motivierend. Statt bisherige Fragen wie: "Ist das dort hinten am Horizont etwa ein Felsen?", nur um die Gedanken von der Einöde abzulenken, stellen wir uns jetzt eher die Frage, was hinter dem nächsten Hügel wohl liegen mag.
Am höchsten Punkt angekommen geht es neben Zementfabriken entlang und dann nach Navoiy, einer doch recht modernen Stadt.
Schon über den Tag haben wir uns entschieden hier eine Unterkunft zu nehmen, da wir jetzt wieder an die Hauptstraße kommen und es dort vermutlich sehr schwer sein wird ein ruhiges Plätzchen fürs Zelt zu finden.
Duech ein paar Gässchen fahrend peilen wir ein Hotel an, um dort nach dem Preis zu fragen. Dabei treffen wir auf einen jungen Mann, der uns auf Englisch anspricht und fragt, was genau wir suchen. Als wir sagen, dass wir ein Hotel suchen, meint er wir könnten zu ihm kommen. Er hätte ein Haus und eine Wohnung, wir könnten zusammen essen und bei ihm schlafen. Wie immer, wenn wir ein solches Angebot erhalten, schauen wir uns gegenseitig an, um zu sehen, was der andere darüber denkt. Da wir beide ein gutes Gefühl haben, machen wir uns mit ihm auf den Weg. Wir erfahren, dass er Polizist ist, zwei Kinder hat und er vor Jahren schonmal zwei Frauen aus Amerika zu seiner Familie eingeladen hat.
Bei seiner Familie angekommen, nimmt er sein Auto und wir folgen ihm bis zu seinem Haus. Dort lernen wir seine Eltern und Brüder kennen. Sein Haus (bzw. das Haus seines Großvaters) ist sehr groß mit Innenhof, in dem vielerlei Obst- und Gemüsesorten angebaut sind.
Lukas und ich duschen uns und parken die Räder, während Asim, der Polizist, seine Familie holt. In sauberer Kleidung steigen wir dann in Asims Auto. Mit dabei Asim, seine beiden Söhne und Asims Eltern. Seine Frau bleibt im Elternhaus zurück.
Im Auto geht es aus der Stadt heraus und dann in einen Vorort. Unterwegs halten wir an einer Tankstelle. Da hier die große Mehrheit mit Gas tankt, muss jeder das Auto verlassen und im Abstand zu den Zapfsäulen warten, bis das Auto geladen ist.
Im Vorort angekommen halten wir an einem Haus mit Innenhof an, den wir betreten. Gleich werden wir herzlich empfangen, der bereits gedeckte Tisch wird geräumt und für uns neu gedeckt.
Aber wo befinden wir uns überhaupt? Von Asim wurden wir mitgenommen auf einen Krankenbesuch der Mutter seines Chefs. Was hier völlig normal ist, wäre in Deutschland undenkbar gewesen. Die Vorstellung, mit meinen Eltern zur Mutter meines Chefs zu gehen, ihr einen Krankenbesuch abzustatten und dazu noch gerade von der Straße aufgelesene, wildfremde Fahrradfahrer mitzubringen, ist wirklich absurd.
Am Tisch werden wir mit leckerem Brot, saftiger Melone, Tomatensalat und Tee versorgt. Süßigkeiten gibt es natürlich auch wieder. Am Ende kommt Lukas tatsächlich auch nicht drum herum, mit dem Vater des Chefs und Asims Vater aus den Teetässchen Schnaps zu trinken. Auch einen Toast muss er aussprechen, während Asim für den Rest, die kein Englisch sprechen, übersetzt.
Wissend, dass Asims Frau im Elternhaus ebenfalls Abendessen zubereitet, esse ich nicht so viel. Bei Dunkelheit fahren wir wieder zurück und essen dann im Innenhof des Elternhauses erneut mit Asim, seiner Frau, den beiden Kindeen, den Eltern und Brüdern. Asims Frau (deren Namen ich leider mal wieder nicht weiß) ist Buchhalterin (usbekisch: Buxgalter, witzigerweise "Buchalter" ausgesprochen). Sie spricht fast einwandfrei Englisch und ist ihrem Mann quasi gleichgestellt. In Usbekistan darf der Mann noch immer entscheiden, ob die Frau arbeiten darf. In dieser jungen Familie ist das kein Problem. Während die Kinder im Kindergarten oder bei der Oma sind, gehen die Eltern beide arbeiten. Von einem der Brüder erfahren wir, dass er Jura studiert und nach Amerika auswandern will. Zu Essen gibt es Brot, Tee und Kartoffeln mit Fleisch.
Nach dem Essen fahren wir mit Asims Familie in deren Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Sehr modern ist sie eingerichtet. Die etwa 80 Quadratmeter große Wohnung haben die beiden für umgerechnet knapp 40000 Euro erworben. Als wir den beiden erzählen, wie viel wir in Deutschland für eine solche, sehr zentral gelegene Wohnung zahlen würden und was Versicherungen, Steuern und anderen alltägliche Dinge kosten, können sie es gar nicht fassen. Die Vorstellung ist oft, dass wir in Deutschland das Geld bloß von der Straße aufheben müssen. Was oft nicht bekannt ist, sind die Kosten, die alle zu zahlen sind.
Bei der Rechnung dürfen wir als Europäer allerdings nicht vergessen, dass wir trotz der teils hohen Preise in einem Luxus leben, der in vielen Regionen der Welt undenkbar ist. Der Luxus und der Überfluss den wir in Deutschland tagtäglich erfahren, zeigt sich uns gerade in diesen Ländern, durch die wir im Moment reisen. Während wir in Deutschland teilweise schon unruhig werden, wenn im Supermarkt das Nudelregal um die Hälfte geleert ist oder bei der Gemüsetheke nur noch Gemüse zu kaufen ist, das nicht mehr direkt der deutschen Norm entspricht, sind wir hier in Usbekistan übermäßig glücklich, wenn wir überhaupt Gemüse oder Nudeln bekommen.
In der Wohnung angekommen zeigt Asim Lukas dann seinen Schlafplatz. Sie beide schlafen in einem Zimmer. Als ich dann nach einer Weile nachfrage, wo ich schlafen kann, heißt es, ich schlafe bei seiner Frau und den Kindern. Als seine Frau das mitbekommt muss sie grinsen. Zu ihrem Mann sagt sie: "No. We sleep together in our room and they can sleep there." Das zeigt uns wieder einmal, dass sie eine modernere Familie sind. Ayxan (Elmurats Frau) hätte das nie entscheiden dürfen.
Während ich mit dem kleineren Sohn noch ein bisschen Wenn-ich-dich-fange,-kitzel-ich-dich spiele, unterhält sich Lukas noch mit Asim. Danach gehen wir schlafen. Als Matratzen gibt es die hier typischen Matten, auf denen wir bereits in Kasachstan und auch bei Elmurat geschlafen haben.
(Bilder der Familie zeigen wir hier nicht. Da Asim Polizist ist, soll seine Familie geschützt werden und nicht im Internet sichtbar sein.)Meer informatie
Tag 143: Navoiy bis Katta-Kurgan
10 juli 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 38 °C
Am Morgen frühstücken wir gemeinsam mit Asim (30), seiner Frau (30) und den beiden Jungs (etwa 2 und 5 Jahre). Wie auch am Abend zuvor darf das Tischgebet danach, beziehungsweise die Wünsche, die wir für die jeweils anderen haben, nicht fehlen. Asim wünscht uns, eigentlich wie alle anderen zuvor auch, eine gute Reise und danach viele Kinder und ein glückliches Leben.
Es erinnert an viele Momente zuvor, an denen wir gefragt wurden, ob wir verheiratet sind und Kinder haben. Das Erste haben wir in den muslimischen Ländern immer bejaht um Schwierigkeiten zu vermeiden, das Zweite haben wir verneint. Immer wieder wurde uns geraten doch endlich die Reise abzubrechen, nach Hause zurück zu kehren und ganz viele Kinder zu bekommen. Für viele ist das noch immer ein Zeichen eines glücklichen Lebens, das nicht früh genug begonnen werden kann.
Wir machen uns startklar. Dann fahren wir zum Kindergarten des älteren Sohns. Da er aber bitterlich weint und es sein kleiner Bruder schon seit einer Weile nicht im Kindergarten aushält, fahren wir zu Asims Mutter, die selbstverständlich auf beide aufpasst. Dann verabschieden sich Asim und seine Frau, die beide zur Arbeit müssen.
Wir packen unsere Räder, ziehen uns die Fahrradklamotten an und verabschieden uns dann von den Kleinen und Asims Eltern. Wir sollen doch bald wieder kommen, sagt die Mutter.
Für uns geht es jetzt aber erstmal weiter Richtung Osten. Wir verlassen bald Navoiy und folgen der Hauptstraße. Nun ist es nicht mehr so öde um uns herum. Auf beiden Seiten der Straße werden Felder bewirtschaftet, Bäume wachsen und immer wieder kommen wir durch kleine Orte bestehend aus ein paar Häusern.
Auch die Versorgung wird hier deutlich besser. Allerhöchstens 10 km liegen zwischen den kleinen Lädchen, in denen wir Wasser kaufen können. Um weitere Lebensmittel zu kaufen, müssen wir größere Läden anfahren, die es allerdings nicht so häufig gibt. Auch wenn wir an einem solchen Laden ankommen ist noch nicht sicher, ob es Essen zu kaufen gibt, das wir auf dem Fahrrad auch mitnehmen können.
Was es in Hülle und Fülle gibt sind Melonen. Aufgestapelt auf große Haufen oder noch gelagert in Transportern sind sie am Straßenrand zu kaufen, unter ihnen Wasser- und Honigmelonen. Für weniger als einen Euro (pro Stück) sind die großen Früchte zu genießen.
Am Mittag kaufen wir uns eine Honigmelone und teilen sie mit einem Schweizer, der uns am Melonenstand einholt. Erst im Mai in seiner Heimat gestartet, legt er knapp 120 km am Tag zurück, will zum Pamir Highway und dann wenn möglich bis Ende November über China, Mexico und Westeuropa zurück in die Schweiz fahren. Interessant, wie jeder doch anders reist. Während wir uns mehr Zeit lassen und auch kleine Begegnungen mit Einheimischen mitnehmen, verbringt er die Zeit hauptsächlich auf dem Fahrrad, Einladungen verpassend oder ablehnend.
Wir fahren noch ein Stück, nachdem wir uns von ihm verabschiedet haben und essen dann unsere Nudeln.
In Katta-Kurgan nehmen wir uns dann am Nachmittag ein Zimmer, da wir von den letzten zwei unruhigen beziehungsweise kurzen Nächten doch sehr erschöpft sind. Nach einer angenehmen Dusche genießen wir auf dem Bett unser Abendessen, das aus Früchten, Brot und Aufstrich besteht, den wir sonst wegen der Hitze nicht mitnehmen können. Dazu schauen wir uns noch einen Tatort an - für ein bisschen Heimatgefühl!Meer informatie
Tag 144: Katta-Kurgan bis Samarqand
11 juli 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 39 °C
Wir frühstücken im Hotel. Das Frühstück wird im Keller serviert, der wirklich mehr wie ein Abstellraum, als ein Essenssaal aussieht. Wir bekommen Brot, Spiegeleier, Pommes, Tomaten, Gurke und verschiedene Würste. Das Fleisch trete ich liebend gerne an Lukas ab. Generell sind wir etwas vorsichtig, das Essen ist doch sehr fettig und weitere Magen-Darm-Beschwerden wollen wir umgehen.
Wir fahren noch die fehlenden 75 km bis Samarqand, der bekannten Stadt an der ehemaligen Seidenstraße. Nachmittags kommen wir an, besichtigen noch das Mausoläum von Amir Timur, dem ehemaligen mongolischen Herrscher dieser Region, und suchen uns dann ein Hotel. Wir finden eins mit Innenhof für unsere Fahrräder, beziehen unser Zimmer und bekommen direkt einen Kirschsaft angeboten, den wir noch trinken.
Nachdem wir uns geduscht und ein wenig ausgeruht haben gehen wir in die Stadt, deren Zentrum nur 200 m vom Hotel entfernt liegt. Wir machen uns auf zum Registan Platz, dem bekanntesten Ort Usbekistans. Völlig unwissend dachten wir, das wir kostenlos auf den Platz laufen können. Das ist allerdings schon seit einer ganzen Weile nicht mehr der Fall, denn zu bekannt ist er unter den Touristen. Also gehen wir auf die Aussichtsstufen, die kostenlos zu erreichen und von Menschen überfüllt sind. Hier haben wir uns mit Noel verabredet, der zufällig auch in Samarqand ist. Wir machen einige Bilder vom in der Dämmerung angestrahlten Registan Platz und sehen ihn dann.
Die Familie ist (zum Teil) wieder vereint! Seit er mit Vincent auf dem Grund des Aralsees in einen Truck gestiegen ist, hat auch er einiges erlebt. Nachdem sie wegfuhren ging es zunächst in einen Arbeiterort und nächsten Tag nach Muynaq und danach nach Nukus. Mit neuem Schlauch fuhr er dann über einige Kalas nach Khiva. Da er immer wieder Platten hatte, entschied er sich schließlich den Zug nach Tashkent zu nehmen, um dort bessere Fahrradersatzteile zu bekommen. Von der Hauptstadt ging es dann in die Berge und dann nach Samarqand. Hier wird er seine Freundin treffen, mit ihr Bukhara besuchen und anschließend wieder alleine ins Pamirgebirge aufbrechen.
Wir essen zusammen in einem Fastfoodrestaurant zu Abend, weil es hier immerhin etwas Vegetarisches (Dönerbrötchen mit Karotten und einer Menge Mayo) gibt. Danach gehen wir wieder getrennte Wege, eventuell mit der Aussicht uns in China wieder zu sehen.Meer informatie
Tag 145: Samarqand bis Saray
12 juli 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 39 °C
Auch hier bekommen wir wieder ein Frühstück. Dieses ist allerdings deutlich abwechslungsreicher als das letzte und sättigt gut.
Wir lassen wieder die Fahrräder stehen und machen uns nochmal auf zum Registan Platz, um nun die Medresen anschauen zu können. Für etwa 8 € pro Person (ein stolzer Preis hier) dürfen wir uns alles anschauen. Das linke der drei Gebäude ist die Ulugbek Medrese. Ulughbek war ein bekannter Astronom und Mathematiker des 15. Jahrhunderts und zudem ein Timuriden-Fürst. Als einer der Enkel des Amir Timur war er maßgeblich an der Kalkulation des Jahres auf knapp 365 Tage und der Dokumentation der Positionen von knapp 1000 Sternen beteiligt. Sogar ein Saurier, der in Usbekistan entdeckt wurde, ist seit wenigen Jahren nach ihm benannt.
Es ist sehr beeindruckend, wie prächtig die Gebäude vor uns liegen. Immer wieder wurden sie zum Teil zerstört und wieder aufgebaut.
Nach dem Registan Platz holen wir unsere Räder wieder ab und fahren noch zum Ulughbek-Observatorium im Norden der Stadt. Während immer einer von uns herum läuft, nutzt der andere die Zeit Mittagspause zu machen. Wir haben Bananen, eine Art Nutella (sie wird seit Wochen nicht schlecht) und Samarqand Naan. Das Lembasbrot von Herr der Ringe ist nichts im Vergleich dazu, so sehr sättigt es. Ich hatte zur Sicherheit mal drei Brote geholt, da Weißbrot bei uns normalerweise schneller gegessen als gekauft ist. Von diesem packen wir allerdings zu zweit gerade mal ein halbes Brot.
Auf dem Weg aus der Stadt heraus fahren wir noch an einer weiteren Medrese vorbei, bevor es dann an der Hauptstraße entlang weiter geht.
50 km kommen wir heute weit, dann schlagen wir unser Zelt in einem kleinen Wäldchen auf.
Weil die Straße so nahe ist und der Verkehr so laut, bleibt uns nichts anderes übrig, als Ohrstöpsel zu benutzen. Dann haben wir zumindest nicht mehr das Gefühl, dass die Straße durch unser Zelt verläuft.Meer informatie
Tag 146: Saray bis Uzbekistan
13 juli 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 43 °C
Bedeckt von den Bäumen können wir es heute etwas länger im Zelt aushalten. Für das Frühstück suchen wir uns ebenfalls einen Schattenplatz, ein paar Meter vom Zelt entfernt.
Dann geht es zuerst einmal 40 km stetig leicht bergab, danach wieder flach wie eh und je.
Obwohl wir Gegenwind haben kommen wir schnell voran. Am Mittag haben wir schon über 80 km zurückgelegt.
Wir essen wieder unsere Nudeln zu Mittag und fahren dann noch ein gutes Stück. Gegen Abend fahren wir an einigen Feldern vorbei, die immer mal wieder entlang der Straße liegen. Wegen der noch andauernden Hitze und der hier hohen Bewässerung, fühlt es sich an, als würden wir gegen eine Wand fahren, so schwül ist es.
Wir finden einen Zeltplatz neben einem Kanal und nutzen das Wasser, das daraus elektrisch herauf gepumpt wird, als kurze Dusche.
Essen müssen wir im Zelt, um nicht von den Schnaken verstochen zu werden. Nach 158 gefahrenen Kilometern versuchen wir dann zu schlafen. Trotz des nahen Kanals ist es mal wieder sehr warm und wir finden erst spät Schlaf.Meer informatie
Tag 147: Uzbekistan bis Olmaliq
14 juli 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 36 °C
Die vielen Kilometer vom Vortag holen uns ein. Mit müden Beinen werden wir wach, frühstücken im Zelt, um vor den Schnaken geschützt zu sein, und machen uns auf den Weg.
Wir entscheiden uns dazu, heute nicht mehr allzu weit zu fahren, lieber früher ein Zimmer zu nehmen und uns etwas auszuruhen.
Genau das tun wir dann auch am Mittag. Wir beziehen das Zimmer und nutzen die Möglichkeit uns mithilfe der Klimaanlage auszuruhen.Meer informatie
Tag 148: Olmaliq bis Tashkent
15 juli 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 38 °C
Das Frühstück ist abwechslungsreich und lecker. Entgegen unseres ursprünglichen Plans, entscheiden wir uns dafür in die Hauptstadt Tashkent zu fahren, die weiter im Norden liegt.
Knapp 60 km fehlen uns noch bis dahin.
Wir wenden uns also zunächst einmal von unserem Kurs ab und entfernen uns wieder von den Bergen, die wir allerdings sowieso nicht wirklich zu Gesicht bekommen haben, da sie in einer Art Sandschleier verschwunden sind. Statt also zu sehen, wie wir den Bergen immer näher kommen, haben wir die letzten Tage auch nicht mehr von diesen gesehen als in der Wüste.
Die 60 km in die Hauptstadt sind recht schnell zurück gelegt. Zu unserer Vergnügung stellen wir fest, dass hier viele Bete am Straßenrand als Deko mit Basilikum bepflanzt sind, weshalb es hier an vielen Stellen danach riecht.
Auf dem Weg treffen wir noch zwei Franzosen, die bereits im Pamirgebirge waren und nun Richtung Kirgisistan aufbrechen. Ihr Ziel ist Bischkek, das sie aber erst im September erreichen müssen.
In Tashkent angekommen suchen wir uns ausnahmsweise ein Hostel, das tatsächlich schon sehr ausgebucht ist, weshalb wir in einem 7-Bett-Zimmer schlafen, von dem jedes Bett belegt ist.Meer informatie
Tag 149 & 150: Tashkent
16 juli 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 37 °C
Im Hostel ist das Frühstück ebenfalls inbegriffen. Es gibt Pfannkuchen, Gemüse, Melonen, Brot, Marmelade, Nüsse und Kuchen. Natürlich darf auch Tee nicht fehlen.
Da wir die nächsten drei Wochen ohne unsere Fahrräder verbringen werden, müssen wir heute einen Platz suchen, an dem wir sie und den Großteil des Gepäcks lagern können.
Im Hostel haben wir zwar eine Zusage zur möglichen Lagerung bekommen, allerdings ständen unsere Räder dann im quasi öffentlich zugänglichen Innenhof und unser Gepäck im Aufenthaltsraum. Das ist uns dann doch etwas zu unsicher.
Also machen wir uns auf den Weg und klappern ein paar Hotels ab. Im ersten können wir uns zwar einen abschließbaren Abstellraum anschauen, allerdings ist dieser viel zu klein für all unsere Sachen. Im zweiten Hotel werden wir allerdings fündig. Wir können unsere Sachen für drei Wochen hier lassen und übernachten im Gegenzug eine Nacht jetzt und eine Nacht bei Rückkehr im Hotel.
Genau dies tun wir auch und nutzen am Mittag noch den Pool im Innenhof, den wir für uns alleine haben.Meer informatie
Tag 151: Tashkent bis Vorort Yangiabad
8 augustus 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 33 °C
Wir sind wieder zurück und hatten eine gute Nacht im Hotel. Wir gehen runter in den Keller, wo uns schon ein reichhaltiges Frühstück aus Pfannkuchen, Kuchen, Obst, Tomaten, Gurken, Brot, Käse, gekochte und Spiegeleier, Tee, Saft und Milchreis erwartet.
Nachdem wir ausgecheckt haben, machen wir uns daran unsere Fahrräder etwas auf Vordermann zu bringen, indem wir neue Fahrradteile verbauen. Dazu bauen wir unser Lager im Schatten des Hotels auf. Ich wechsle den vorderen Schlauch (der in den drei Wochen platt wurde), montiere einen kleinen Rückspiegel, wechsle die Kette und das Öl meiner Rohloff, da wir jetzt doch schon einige Kilometer hinter uns haben. Lukas wechselt ebenfalls die Kette, montiert einen neuen Schlauch (bei seinem ist das Ventil kaputt) und eine neue Bremsscheibe (die sich durch die Hitze verbogen hat), einen neuen Frontgepäckträger (der alte ist gebrochen) und zieht ein paar neue Schrauben fest. Außerdem repariert er noch eine seiner Taschen, da dort ein Teil vermutlich irgendwo in der Wüste liegen geblieben ist.
Ein Mitarbeiter des Hotels versorgt und nach einer Weile sogar noch mit zwei kleinen Flaschen Wasser und zeigt uns direkt zum Wiedereinstieg erneut die Gastfreundschaft der Einheimischen.
Als wir auschecken werden wir gebeten wegen der langen Lagerung 300000 Som zu zahlen was nicht ausgemacht war. Umgerechnet sind das etwa 25 Euro. Wäre das ursprünglich abgesprochen, hätten wir natürlich kein Problem damit gehabt für die Lagerung der Räder über drei Wochen auch zu zahlen, aber so war das nicht ausgemacht. Als ich der Dame an der Rezeption das erkläre, meint sie freundlich, dass es wohl ein Missverständnis gewesen sein muss, da sie dachten wir kämen nach einer Woche wieder. Wir müssen also nicht zahlen und machen uns auf den Weg.
Leider springt bei Lukas die neue Kette immer wieder zwischen den Kettenblättern hin uns der, weshalb wir nach zwei Kilometern wieder anhalten. Ich gehe im Supermarkt einkaufen und Lukas schraubt an der Schaltung herum.
Natürlich werden wieder um uns herumstehende Leute auf uns aufmerksam und wir werden angesprochen. Da die Kommunikation etwas schwierig ist, wird kurzerhand der Sohn angerufen, der sehr gut Englisch spricht. Er übersetzt und erklärt, dass sein Vater gesehen hat dass wir Probleme haben und dass wir herzlich eingeladen sind.
Mit unserem Gastgeber machen wir einen Treffpunkt bei einem Supermarkt aus, den er uns auf der Karte markiert. In der Nähe soll dann sein Haus liegen.
Wir packen also zusammen und machen uns auf den Weg. Noch immer spielt die Kette verrückt und wir fahren langsam, um nicht die neue Kette oder die Kettenblätter kaputt zu machen.
An der auf der Karte angegebenen Stelle bleiben wir stehen. Ein kleiner Markt ist hier, aber wie hier typisch ohne Namen. Ich gehe also rein. An der Theke stehen zwei Jungen, vielleicht im Alter von 12 und 14 Jahren. Ich fragen sie mithilfe des Handys, ob dies hier der Zarina-Markt ist. Sie bejahen das, ich bedanke mich und gehe und sie schauen mir verwundert nach. Erst im Nachhinein werde ich mir der Absurdität bewusst. Man stelle sich vor, in Deutschland käme jemand in einen Aldi, fragt ob das der Aldi ist, bedankt sich und geht ohne etwas zu kaufen wieder heraus. In diesem Moment kommt es mir sehr komisch vor.
Gegenüber des Marktes kommt dann tatsächlich unser Gastgeber aus seinem Haus und winkt uns herüber. Wir fahren in den Innenhof und direkt werden wir zu Tisch gebeten, bekommen Brot, Trauben Wurst, Wasser, Tee und Süßes. Wir unterhalten uns mit unserem Gastgeber über das Handy, lernen seine Frau kennen und kurze Zeit später den englischsprechenden Sohn mit seinem Bruder und deren Familien.
Wir unterhalten uns eine Weile und erfahren, dass unser Gastgeber ein Logistikunternehmen hat und teils auch Europa beliefert, dass seine Frau Biologielehrerin war und seine Söhne Finanzwesen und Marketing studiert haben. Der englischsprechende hat sogar in Riga studiert und Erasmus in Paris und La Rochelle gemacht.
Wir bekommen gerade neuen Tee eingeschenkt, als wir zu den Cousins der Söhne eingeladen werden, da diese die Verlobung des einen Feiern.
Wir steigen alle in zwei Autos und fahren zur Schwester unseres Gastgebers, die Ärztin ist. Generell also eine sehr gebildete Familie.
Direkt werden wir wieder an einen der niedrigen Tische gebeten und bewirtet. Die Biologielehrerin neben mir versorgt mich mit allerlei Essen, ob ich will oder nicht und immer wieder werden wir dazu aufgefordert zuzugreifen. Wieder einmal stellen wir fest, dass die Gastfreundschaft hierzulande über die eigenen Bedürfnisse geht. Statt die Verlobung zu feiern und sich mit dem Paar zu freuen, dreht sich alles um uns und wir kommen auch um ein abschließendes Foto mit der Familie nicht herum.
Mit unserem Gastgeber und seiner Frau fahren wir bald darauf wieder zurück und kurze Zeit später kommen auch die Söhne und ihre Familien hinterher.
Wir werden gefragt, wo wir schlafen, woraufhin wir erklären, dass wir es noch nicht wissen. Die Familie beschreibt uns ein Hotel, das in der Nähe liegt und das sie uns mit dem Auto zeigen wollen. Dem wiedersprechen wir nicht, da es schon dunkel ist und wir nicht in der Nacht durch die Stadt fahren wollen. Im weiteren Gespräch bekommen wir allerdings mit, dass sie uns in das Hotel einladen wollen. Diese Geste wollen wir natürlich nicht so einfach hinnehmen und erklären, dass wir auch gerne im Hof auf den hier typischen Matten übernachten können. Daraufhin erklären sie uns, dass das nicht gut genug für uns sei und es ihre Tradition sei uns zu versorgen und einzuladen.
Um keinen Konflikt loszutreten nehmen wir die Einladung dankend an. Daraufhin fahren Lukas, der englischsprechende Sohn und sein Vater mit dem Auto zum Hotel, damit wir den Weg finden und bezahlen das Zimmer. Ich bleibe derweil zurück und unterhalte mich mithilfe des Handys mit den Frauen und dem anderen Sohn.
Als Lukas wieder zurück kommt, bekomme ich von der Frau des Gastgebers noch eine Tasche mit Geldbeutel geschenkt, die gekauft und handgemacht ist. Das Geschenk nehme ich dankend an und frage mich im gleichen Moment, wie ich diese am besten über Monate hinweg transportieren kann.
Wir bedanken uns für den Abend, fahren daraufhin in das Hotel und legen uns hin. Entgegen unserer Erwartungen brauchen wir im Zimmer nicht einmal eine Klimaanlage. Entweder sind wir mitlerweise abgehärtet oder die Temperaturen sind doch um ein paar Grad gesunken.Meer informatie
Tag 152: Vorort Yangiabad bis Dustlik
9 augustus 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 36 °C
Das Frühstück ist zwar etwas spährlich, aber "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul", wie man so schön sagt.
Da Lukas' Schaltung immer noch nicht zuverlässig funktioniert, heißt es heute morgen erstmal wieder Schrauben.
Dann brechen wir nach Süden auf. Oder eben nicht.... Was für vielleicht zwei Stunden angedacht war, dauert Stunden über Stunden. Immer wieder rutscht die neue Kette durch. Mit den vorhandenen Verstellschrauben versucht Lukas das Problem zu lösen, was teils funktioniert, uns teils aber auch zum Verzweifeln bringt, da eine Lösung nicht in Sicht ist.
Um 15:30 Uhr machen wir dann mal Mittagspause und wägen die nächsten Schritte ab. Sollen wir noch hier im Hotel bleiben? Oder zum 20 km entfernten Fahrradladen fahren? Können die uns dort helfen?
Während ich koche unternimmt Lukas noch einen letzten Versuch und tauscht die bereits 8000 km gefahrene, aber noch sehr gute Kassette gegen die alte, abgenutztere, die er noch dabei hat. Ich kann es gar nicht glauben, aber tatsächlich funtioniert es mit der älteren Kassette wieder problemlos.
Nach unserem Mittagessen packen wir also alle Werkzeuge zusammen und fahren dann um 17 Uhr und nur etwa 5 Stunden später als ich gedacht hätte los.
Damit beginnt unser erster wirklicher Fahrradreisetag seit ein paar Wochen. Zum Glück ist es schon nicht mehr allzu heiß, trotzdem fangen wir wieder an unfassbar viel zu trinken. Und gleich sind wir wieder voll im Geschehen. Von allen Seiten wird überholt (auch wenn wir ganz am Straßenrand fahren), Busfahrgäste stehen mitten auf der Straße und auch Autos halten, wo es nur irgend möglich ist, auch wenn das eigentlich noch Teil der Straße ist.
Heute ist es ein wenig klarer als vor drei Wochen und so können wir endlich die Berge sehen. Rechts und links der Straße liegen viele Felder, hier besonders mit Getreide. Aber auch Obstbäume bedecken das Land. Tatsächlich hat sich auch etwas in den drei Wochen geändert, das uns direkt auffällt. Neben den zahlreichen Melonen, die am Straßenrand günstig verkauft werden gesellen sich jetzt auch Tomaten dazu. Also ist wohl die Tomatenzeit angebrochen.
Unseren Zeltplatz finden wir am Rand eines bereits abgemähten Feldes. Als wir gerade mit dem Zeltaufbauen fertig sind, kommt ein Schafhirte vorbei und spricht uns an. Wieder versuchen wir mit dem Handy zu kommunizieren, da ansonsten keine Kommunikation möglich wäre. Aber auch hier sehen wir wieder das Problem, dass unser Gegenüber nicht flüssig lesen und schreiben kann und wir deshalb nicht viel verstehen.
Was wir aber verstehen ist, dass auch er uns wieder zu sich nach Hause einlädt. Da allerdings schon die Dämmerung hereingebrochen ist bedanken wir uns bei ihm und erklären, dass wir auch gerne im Zelt schlafen und es für uns keinerlei Problem darstellt.
Mit einer Geste macht er uns klar, dass er später nochmal zurück kommen wird, jetzt allerdings zu seinen Schafen muss.
Wir essen noch im Zelt, damit wir bei der Dunkelheit zum einen sehen, was wir essen und zum anderen nicht verstochen werden. Dann machen wir uns bettfertig. Doch bevor wir eingeschlafen sind kommt unser Schafhirte erneut zu uns, bringt uns Brot, eine ganze Wassermelone und den Kopf einer Sonnenblume. Damit wäre dann klar, was wir zum Frühstück essen.
Vielmals bedanken wir uns erneut bei ihm und sind wieder einmal begeistert und zugleich erstaunt über diese unfassbare Zuvorkommenheit und Gastfreundschaft hierzulande. Wieder ist ein Moment gekommen, an dem wir uns beide sagen, dass wir im Gegenzug diese Gastfreundschaft unterwegs und zu Hause übernehmen wollen. Wir wollen uns ein Beispiel an denen nehmen, die viel weniger besitzen als wir und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb das Teilen nicht verlernt haben.Meer informatie
Tag 153: Dustlik bis Chinor
10 augustus 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 32 °C
Morgens weckt uns wieder einmal die Sonne, sodass wir aus dem Zelt flüchten müssen. Wir frühstücken und natürlich ist auch das Brot und die Wassermelone mit dabei.
Bevor wir gehen ist unser Hirte wieder da. Diesmal treibt er und sein Partner die Tiere auf die Felder hinaus. Er lädt uns zu sich ein und meint direkt, es würde dann Schaschlik geben. Mit Freude hätte er für uns noch eines seiner Schafe geschlachtet. Wir erklären ihm allerdings, dass wir weiter müssen, tauschen mit Ihm aber noch Kontakte aus und machen ein paar Abschlussfotos.
Dann brechen wir auf und kommen kurz danach an einer Schlafpritsche vorbei, die vermutlich unser Hirte nutzt. Ob und wo sein Haus ist, wissen wir nicht.
Es geht wieder an Feldern vorbei, auf denen fleißig gearbeitet wird. Alles ist relativ flach und wenn wir nicht wüssten, dass wir bald in die Berge kommen, hätten wir es nicht geglaubt.
Doch dann tauchen sie auf. Langsam aber immer deutlicher sind die Bergketten erkennbar. Endlich gibt es etwas zu sehen fürs Auge. Eine Ewigkeit habe ich schon darauf gewartet, dass am Horizont endlich mal etwas zu sehen ist. Nach knapp 6 Wochen in denen sich landschaftlich recht wenig getan hat, tut dieser Anblick wahrlich gut.Die Anstrengungen, die nötig sind, um hoch zu strampeln sind vergessen, so einmalig sind die doch kahlen Berge.
An einer Stelle machen wir halt, um eine öffentliche Toilette zu benutzen, da es am Straßenrand doch recht schwer wird ohne jeglichen Sichtschutz. Neben der Toilette ist ein kleines Café und als wir aufeinander warten kommt aus diesem ein Junge und eine junge Frau. Sie fragen uns mit ein paar Worten Englisch und Handzeichen, ob wir einen Tee trinken wollen. Gerne nehmen wir die kurze Pause von der doch unangenehmen Hitze an. Im heruntergekühlten Raum trinken wir Tee und bekommen noch eine Schüssel Joghurt spendiert. Immer wieder lächelt uns die junge Frau zu und der Junge ist stolz ein paar Worte auf Englisch anwenden zu können.
Wir haben auf der Karte schon nach einem Möglichen Zeltplatz geschaut, wissen aber natürlich, ob das Terrain ein Zelten zulässt. Gespannt fahren wir also unserem möglichen Zeltplatz entgegen und kommen dabei an einem der zahlreichen Melonenstände vorbei. An diesem parkt ein Auto und der Fahrer stoppt uns direkt. Er fragt woher wir kommen und lädt uns dann zu ein paar Schnitzen Melone ein. Obwohl wir unsere Melone von dem Hirten noch nicht gegessen haben, nehmen wir das Angebot an, um nicht ablehnend zu wirken.
Wir versuchen uns ein wenig zu unterhalten, was mal mehr, mal weniger funktioniert. Als er uns fragt, wo wir übernachten und wir mit dem Zeltplatz antworten lädt er uns kurzerhand zu sich nach Hause ein. Sein Haus liegt 5 km weiter in die Richtung, in die wir sowieso fahren müssen. Auf der Karte im Handy zeigt er uns den ungefähren Ort. Dann machen wir aus, uns dort zu treffen.
Während er ins Auto steigt, folgen wir also der Straße mit den Rädern und bestaunen weiterhin die Berge um uns herum. Verrückt, was dieser Anblick nach wochenlangem Entzug auswirken kann.
An dem markierten Ort angekommen halten wir an der Straße an und sehen auf der anderen Seite schon unseren Gastgeber. Zwei Jungen auf dem Fahrrad fahren uns voraus und führen uns zu dem Haus, das weiter im Ort liegt.
Wir parken die Räder im Hof und werden direkt ins Haus gebeten. Zwei Mädels von 11 und 13 Jahren erwarten uns ebenfalls. Sie winken uns herein. Direkt bekommen wir Handtücher in die Hand gedrückt, uns wird die Toilette und Dusche gezeigt und dass wir unsere Wäsche in die Waschmaschine tun sollen. Wir duschen also zunächst einmal und nehmen dann im Wohnzimmer Platz. Während auf dem Fernsehbildschirm die amerikanische UFC läuft, lernen wir unsere Gastgeber besser kennen. Das ältere Mädchen kann recht gut Englisch und kann uns teilweise übersetzen.
Uns wird Melone, Sonnenblumenkerne, Süßes und Tee gereicht und später noch Plov, das hier typische Gericht aus Reis, Karotten und Fleischwürfeln als Topping. Zum Glück kann ich es gut heraus fischen und so leeren wir zusammen zwei große Teller. Clever eingefädelt von einer der Mädchen gibt es noch ein Eis. Sie hat einfach Lukas gefragt, ob er gerne Eis mag und dann ihrem Vater Bescheid gesagt, dass doch die "Touris" gerne Eis essen und ob sie nicht welches kaufen kann.
Relativ früh wird dann schon unser Bett im Wohnzimmer zurecht gelegt und wir können bei offenem Fenster und tatsächlich auch mit leichter Decke gut schlafen.Meer informatie
Tag 154: Chinor bis Am Berg
11 augustus 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 24 °C
Wir schlafen aus ohne von unseren Gastgebern geweckt zu werden. Das tut gut!
Dann gibt es Frühstück, das wir allerdings alleine in der Küche essen. Nachdem wir noch ein bisschen im Wohnzimmer gesessen sind, brechen wir auf, aber nicht ohne noch ein Bild mit den Kindern und deren Freunden zu machen.
Herrlich, wie die Berge vor uns liegen! Dennoch fehlen nach meinem Geschmack ein paar Farben.
Der Anstieg auf den 2200 m hohen Pass ist anstrengend, aber er lohnt sich.
Leider finden wir auf dem Gipfel direkt keinen guten Zeltplatz, weil die Region vom Militär bewacht wird, da die Grenzregionen des Dreiländerecks nicht immer so stabil waren wie heute. Also müssen wir noch ein Stück vom Berg herab fahren und finden dann ein etwas schiefes Plätzchen, von dem aus die Autos leider viel zu gut zu hören sind.
Dafür wird es hier aber schon ganz schön kühl abends. Eine kühle Temperatur, so haben wir festgestellt, ist ein Zustand, der ohne Klimaanlage erreicht wird. In diesem Zustand schwitzt man nicht und muss sich sogar noch etwas drüber ziehen. Etwas ganz absurdes, nach wochenlanger Hitze.
Wir kochen Reis und gehen dann ins Zelt. Wir müsssen sogar beide unsere Schlafsäcke als Decken benutzen, so kühl ist es. Verrückt!Meer informatie
Tag 155: Am Berg bis Mehnatobod
12 augustus 2023, Oezbekistan ⋅ 🌬 36 °C
So kühl es am Abend noch war, so warm weckt uns die Sonne am Morgen. Zum Glück halten wir es etwas länger im Zelt aus, indem wir die Reisverschlüsse ein wenig öffnen und die doch noch kühle Luft herein lassen.
Wir frühstücken im Schatten eines Baumes und stellen fest, dass es gar nicht so warm ist. Zurück auf den Rädern und besonders mit jedem Meter, den wir tiefer kommen, wird es allerdings schnell wärmer. So werden die Berge um uns herum immer kleiner, verwandeln sich in Hügel und sind dann ebenso schnell wie sie gekommen sind wieder weg, sodass eine weitere ewige Fläche vor uns liegt: Das Fergana-Tal.
Das Tal, das schon oft Zentrum einiger internationaler Konflikte mit Tadjikistan und Kirgistan war, ist die am dichtest besiedelte Region Usbekistans und Anbaugebiet von zahlreichen Obstsorten und Baumwolle.
Wir fahren vorbei an vielen Ständen, einer Einkaufsstraße mit allem was das Herz begehrt (wenn dies hauptsächlich Brot, Süßes und Spielzeug ist) und wieder an einigen Melonenstapeln, von denen wir uns noch eine Honigmelone mitnehmen. Außerdem kaufen wir auch zwei Brote, ein dünnes und ein dickes Non (wie es hier genannt wird). Beim dünnen stellen wir in der Mittagspause dann fest, dass es mit Fleischstückchen gefüllt ist. Da hat man einmal etwas, von dem man ausgeht es sei auf jeden Fall vegetarisch und schon wird es auch mit Fleisch gefüllt!
Wir folgen der Hauptstraße, die keine merkliche Steigung hat, und sehen von Weitem, dass der Seitenstreifen von etwas bedeckt ist. Etwas Rotem. Als wir näher kommen erkennen wir, was genau das Rote ist: Paprika. Die Usbeken nutzen also den Seitenstreifen der Schnellstraße, um Paprika zu trocknen. Ab und an fährt auch mal ein Auto drüber, aber das ist ja gar kein Problem, dann wird er vielleicht auch neu durchmischt. :D
Bei der Vorstellung, auf dem Seitenstreifen der A5 würde Paprika getrocknet werden, muss ich lächeln.
An einer Stelle halten wir an, um ein Bild zu machen und werden mit einer Tüte Somsas beschenkt. Tatsächlich stellen wir entgegen unserer Erwartungen fest, dass drei davon mit Kürbis und ausnahmsweise nicht mit Fleisch gefüllt sind. Diese sind sehr lecker!
Wieder kurze Zeit später steigen aus einem Damas (einem der Kleinbusse, die hier privat oder als Großraumtaxi verwendet werden) vor uns zwei Frauen und ein Mann aus, die mit uns Bilder machen und uns ein Non und einige Trauben schenken. Wir wissen gar nicht mehr wohin mit den ganzen Geschenken, die wir auf der Straße bekommen haben.
Den Nachmittag fahren wir ohne große Vorkommnisse (außer, dass wir noch eine Flasche Wasser geschenkt bekommen haben, was ich aber gar nicht mehr dazu zähle) weiter.
Unser Plan war eigentlich, uns heute ein Hotel zu suchen, mal wieder zu duschen und uns eine Touristenregistrierung zu besorgen, die man scheinbar alle drei Tage benötigt und an der Grenze abgeben soll. Allerdings gibt es auf der Strecke keine Unterkünfte.
Als wir an einem Ort vorbei kommen, entdecken wir dann doch ein Schild eines Motels. Wir biegen also in den Ort ab und wollen gerade jemanden fragen, als wir von einem Mann herbei gewunken werden. Die Kommunikation ist zwar etwas schwierig, aber mit dem Handy geht es dann doch. Allerdings nicht so einfach wie gedacht. Denn bevor unser Gegenüber mit dem Handy übersetzen kann (unseres wollte er irgendwie nicht benutzen), lädt er sich zunächst noch einen Übersetzeer herunter. Dafür muss er allerdings noch sein Guthaben aufladen, was auch noch kurz dauert. Dann ist er aber auch schon bereit. Er erklärt uns nach einem kurzen Anruf bei den Motelbesitzern, dass diese wohl "busy" sind und uns nicht aufnehmen können. Dann lädt er uns kurzerhand ein bei ihm im Laden zu schlafen. Wir sind etwas unsicher, nehmen das Angebot dann allerdings, auch wegen fehlender Alternativen, an.
Wir betreten also Kuvvatalis Laden und werden direkt hinter einen Vorhang geführt, hinter dem schon eine der typischen Holzpritschen steht, auf denen Tee getrunken wird. Uns wird gestikuliert, dass wir uns setzen sollen, dann haben wir auch schon ein Eis in der Hand, bevor wir recht wissen, was los ist. Weil ich den Tag über schon etwas Bauchweh habe, ruhe ich mich aus während Lukas unsere Fahrräder herein holt und neben uns abstellt.
Auf der Holzpritsche und neben der laufenden Klimaanlage lässt es sich ganz gut aushalten. Direkt lernen wir auch die drei Jungen von Kuvvatali kennen, Abdullah, Husanboy und Hasanboy (ja, zwei der Jungen heißen tatsächlich fast gleich). Sie sind sehr aufgeweckt und besonders fasziniert von der GoPro, die Lukas dabei hat. Damit nehmen sie fleißig Videos auf, während uns Kuvvatalis Vater nicht nur Tee einschenkt, sondern auch eine Wassermelone aufschneidet und Brot anbietet.
Wir sind gerade fertig geworden, als Kuvvatali, der zum Markt gegangen war, zurück kommt und uns noch Nudelsuppe serviert. Dabei lernen wir Kuvvatalis Bruder kennen, der ebenfalls im Landen arbeitet.
Bevor wir schlafen unterhalten wir uns noch mit Kuvvatali, seinem Bruder, seinem Vater und den Jungs und zeigen ihnen, wo wir schon überall waren. Ganz begeistert und interessiert beschäftigt sich Husanboy aber lieber mit meiner Lenkertasche und den komischen Dingen, die ich darin habe, wie der Taschenlampe oder Fahrradpumpe. Im Laden werden sogar Fahrradersatzteile verkauft, aber alle nicht geeignet für uns.
Spät legen wir uns hin, nachdem Kuvvatali und seine Söhne nach Hause gefahren sind. Sein Vater bleibt im Laden, der rund um die Uhr geöffnet ist.
Nur schwer finden wir Schlaf, da wir von den Moskitos im Laden wach gehalten werden. Um sie etwas im Zaum zu halten zündet Kuvvatalis Vater noch ein Räucherstäbchen an. Jetzt da es etwas besser ist, kratzen wir uns in den Schlaf.Meer informatie
Tag 156: Mehnatobod bis Andijan
13 augustus 2023, Oezbekistan ⋅ ☀️ 33 °C
Um 5:17 Uhr werden wir lautstark durch Rufe geweckt. Kuvvatalis Vater steht vor der Holzpritsche und sorgt dafür, dass auch wir so langsam mal aufstehen. Wie wir schon das ein oder andere Mal festgestellt haben, gilt hier wohl das Motto: Der Letzte hält abends die anderen wach und der Erste der aufsteht, weckt auch die anderen auf. Andere schlafen oder ausschlafen zu lassen ist hier eher selten.
Wir bekommen ein Frühstück aus Brot, Butter, Tee, russichem Käse und Wurst. Dann machen wir uns zur Abfahrt bereit. Aber nicht, bevor Kuvvatali noch unsere Registrierung erstellt hat. Am Abend davor haben wir uns schon gefragt, ob er das wirklich machen kann. Da wir ihn jetzt so am Werk sehen, wissen wir, dass er es nicht kann. Mit seinem Computer und Word ist er dabei, eine unserer Registrierungen Buchstabe für Buchstabe abzutippen. Dass die offiziellen Registrierungen allerdings den QR Code der Unterkunft beeinhalten, ist eher unbedeutend. Nach einer Weile übernehme ich und er kümmert sich wieder um neue Kunden.
Bevor wir gehen, bekommen wir von Kuvvatalis Vater noch einen der typischen Brotstempel geschenkt, die auch hier im Laden verkauft werden. Während wir so langsam den Aufbruch antreten, wird eine Kundin auf uns aufmerksam. Sie deutet auf das Wasser, das im Laden verkauft wird und sagt etwas zu uns. Unsere Vermutung ist, dass sie vielleicht nicht genug Geld hat und uns bittet etwas für sie und die Kinder bei ihr zu kaufen. Als wir schon unser Geld herausholen wollen, um uns endlich auch einmal kenntlich zeigen zu können, schüttelt sie nur den Kopf und deutet erneut auf die Getränke. Dann wird uns erst klar, dass sie uns etwas schenken will. Wir lehnen höflich ab, was nicht ganz so gut gelingt, denn bevor wir es richtig merken, haben wir schon jeweils eine Flasche Mangosaft in den Händen. Es ist doch wieder einmal unglaublich! Wildfremde Menschen, die definitiv weniger besitzen als wir, beschenken uns und sind einfach nur glücklich, uns eine Freude machen zu können.
Bevor wir noch den ganzen Laden geschenkt bekommen (mit den Mangosäften wollte sie sich nicjt ganz zufrieden geben), bedanken wir uns noch einmal und verabschieden uns nun.
Wir brechen also auf, was dank der frühen Weckaktion gar nicht so spät ist, und folgen weiter der Straße. Wieder kommen wir an einigen getrockneten Paprika vorbei.
Dann hält vor uns ein Damas. Und wieder einmal werden wir beschenkt. Diesmal bekommen wir Brot. Einfach so! Es ist wirklich verrückt!
In Andijan angekommen suchen wir die erste Unterkunft auf die wir über Maps me finden können. Leider befinden sich an dieser Stelle nur Wohnhäuser. Also geht es weiter zur nächsten. Auch hier haben wir kein Glück. Und so geht es im Zickzack durch die Stadt. Doch überall dort, wo uns Unterkünfte angezeigt werden, befindet sich nichts.
Also erkundigen wir uns schließlich bei Einheimischen, die uns zu einem Hotel bringen. Mit 80$ überschreitet dieses allerdings ein wenig unser Budget. Nach langer Suche entscheiden wir uns dann für eines, das zwar nicht mehr ganz so neu ist, allerdings eher uns entspricht.Meer informatie
Tag 157: Andijan bis Osh
14 augustus 2023, Kirgizië ⋅ ☀️ 27 °C
Das Hotel ist ganz ok, allerdings ist das Frühstück, das es hier ja immer mit dazu gibt, recht eintönig. Es gibt Weißbrot, Spiegeleier und Würste, dazu Tee. Wir essen und machen uns dann auf den Weg.
Aus der Stadt heraus schauen wir uns noch eine Festung an, von der allerdings nur noch die Mauer wirklich steht. Lukas darf sich sogar noch das Museum anschauen, in dem es um den 2. Weltkrieg geht.
Von Andijan geht es Richtung Osh mit leichter Steigung aufwärts. Am Horizont werden die Berge immer deutlicher und ragen imposant in die Höhe. Normalerweise würden wir die Erhöhungen eher als Hügel bezeichnen, aber nach der endlosen Ebene zwischen Aktau und Tashkent gleichen sie eher Bergen.
Statt dem Paprika, sehen wir heute Maiskolben, die auf dem Seitenstreifen der Straße getrocknet werden. Wieder denke ich an die A5 und muss grinsen.
An einem kleinen Laden halten wir an, um Wasser einzukaufen. Dort gönnen wir uns auch ein Eis, welches wir direkt vor Ort essen. Dabei wird eine Gruppe Jungs auf uns aufmerksam und setzt sich mit ihren Fahrrädern ein paar Meter weiter in den Schatten einer Hecke. Als wir mit dem Eisessen und Wasserumfüllen fertig sind, merken wir, dass sie sich auch für die Weiterfahrt bereit machen. Und tatsächlich!
Sobald wir auf die Räder steigen und losfahren, folgen sie uns zunächst mit leichtem Abstand und holen dann aber gleich auf. Obwohl sie doch so offen und entgegenkommend sind, sobald wir versuchen ein Foto zu machen, drehen sie sich weg.
Kurz bevor wir dann die Grenze ins Land Nummer 12 erreichen, lassen sie von uns ab und wir fahren wieder alleine weiter.
Die Landschaft ist in unseren Augen hier sehr schön. Endlich bekommen wir mal etwas anderes zu sehen und endlich kommen die Berge näher, die mit kühleren Temperaturen locken.
Wir erreichen die Grenze und bekommen sofort ein Tor geöffnet, während die Autos in der Schlange warten müssen. Dann kommt die Durchsage, dass wir doch durch die Personenkontrolle schieben sollen.
Also fahren wir ein kurzes Stück zurück und schieben die Räder zum ersten Tor. Die Pässe werden kontrolliert und wir dürfen durch. Im ersten Gebäude stellen wir uns an einem Schalter an. Dort wird der Pass nochmal eingehend kontrolliert und wir werden "ausgestempelt". Dann dürfen wir die Räder umständlich durch die sehr engen Gänge schieben. Aus dem Gebäude heraus geht es dann über einen Parkplatz zum Tor nach Kirgisistan. Dort geht es schnell. Nachdem der Pass angeschaut wurde, geht es über einen langen Steg in Richtung nächstes Gebäude. Bevor wir dieses erreichen werden wir schon zur Seite gewunken. An einem kleinen Häuschen werden wir lächelnd empfangen, wir bekommen den kirgisischen Stempel und sind im Land. Ohne Gepäckkontrolle oder lange Fragen!
In Osh fahren wir zunächst ein ATM an und heben Geld ab. Dann fahren wir zu einem Guest House, das wir auf Booking gefunden haben. Es ist erstmal ein bisschen schwer zu zu finden. Mithilfe eines Einheimischen wurden wir dann alerdings auf die richtige Tür hingewiesen.
Die Besitzerin kommt uns schon freudestrahlend entgegen. Nach kurzem Austausch mit dem Handy, bestätigt sie uns, dass noch ein Zimmer frei ist. Lukas wirft einen Blick darauf und letztendlich entscheiden wir uns für die 15€ (für beide zusammen) zu bleiben. Wir haben ein kleines Doppelzimmer mit Bad und eine öffentliche Küche können wir ebenfalls mit benutzen.
Also machen wir uns gleich auf den Weg, kaufen Kartoffeln und Gemüse und machen uns seit langer Zeit mal wieder eine leckere Gemüsepfanne.
Eigentlich war der Plan, die Reste für den nächsten Tag mitzunehmen, jetzt, da es dank zunehmender Höhe wieder kühler ist und das Essen nicht mehr so schnell schlecht wird, aber weil es so lecker war ist nichts übrig geblieben.Meer informatie
Tag 158: Osh bis Langar
15 augustus 2023, Kirgizië ⋅ ☀️ 20 °C
Wie schon gestern gedacht, hat sich das Guest House als wirklich schön herausgestellt. Wir frühstücken gemütlich in der Küche und machen uns dann auf den Weg.
Vorbei an verschiedenen Parks, der Lenin Statue, der Staatlichen Universität und einigen Mosaiken geht es in die Berge. Rechts und links der Straße befindet sich ein Supermarkt und eine Apotheke nach der anderen, in Größen, wie wir sie aus Usbekistan nur vereinzelt kennen.
Wir machen Mittagspause unter einem großen Baum im Schatten, bisher auch eine Seltenheit. Als wir so unsere Nudeln kochen und essen, kommt von oben Noel angefahren. Wir standen schon vorher in Kontakt und wussten, dass wir ihn heute auf der Strecke sehen würden.
Wie schön doch das Wiedersehen ist! Hastig verabschiedet am Grunde des Aralsees, sehen wir ihn jetzt nach vielen Wochen wieder. So viel haben wir bisher unabhängig voneinander erlebt! Wir erfahren, dass er den Pamirhighway in Tadjikistan gefahren ist und natürlich auch einmal krank wurde. Unter den Fahrradfahrern besteht ein stilles Einvernehmen, dass man nicht wirklich auf dem Pamirhighway war, wenn man nicht mindestens einmal Magen-Darm hatte. Außerdem macht er uns die weiteren Kilometer in den Bergen Kirgisistans sehr schmackhaft.
Nach bestimmt einer Stunde gehen wir wieder getrennte Wege. Wer weiß, ob wir uns nicht doch nochmal wieder sehen werden.
Beim nächsten Supermarkt machen wir halt und kaufen Wasser ein. Der Ladenbesitzer ist so glücklich uns zu sehen, dass er uns kurzerhand den 5-Literkanister Wasser schenkt. Als wir diesen gerade in unsere handlicheren Flaschen umfüllen, kommt er mit zwei weiteren 500 ml Flaschen und zwei in Plastik verpackten Stücken Pizza heraus, drückt sie uns in die Hand und lächelt.
Der Wahnsinn! Es geht gerade so weiter mit der Gastfreundschaft!
Auf dem Weg weiter nach oben (das Tal steigt nur unmerklich an) werden wir noch von ein paar Jungs angehalten, die begeistert mit uns reden. Verstehen tun wir zwar nichts, aber ihnen reicht auch schon ein Handschlag von uns aus, um uns strahlend hinterher zu winken.
Entlang der Straße sehen wir immer wieder Pferde vorbei streifen oder cowboyartige Hirten ihre Herden treiben.
Wir finden oberhalb eines Flusses einen für uns passenden Zeltplatz, waschen uns grob im Fluss und genießen dann die Aussicht auf das Tal und das Treiben um uns herum.
Zu Essen gibt es dann Reistopf und die Pizzastücke, die allerdings natürlich mal wieder mit Fleisch sind.Meer informatie
Tag 159: Langar bis Kyzyl-Korgon
16 augustus 2023, Kirgizië ⋅ ⛅ 20 °C
Wir frühstücken und fahren dann zurück zur Straße. Direkt treffen wir einen Fahrradfahrer aus Russland, mit dem wir uns kurz unterhalten. Dann geht es weiter bergauf.
Heute haben wir einige Höhenmeter vor uns. Es ist herrlich, wie sich der Fluss im Tal entlang schlängelt, wie die Berge um uns liegen und ganz in der Ferne die wirklich hohen Gipfel aufragen.
Immer wieder kommen kleine Kinder aus ihren Häusern angerannt, winken uns begeistert nach, liefern sich mit uns ein kleines Wettrennen auf ihren Fahrrädern oder strahlen einfach nur vor Freude.
Für mich ist Kirgisistan seither das Land der unfassbar schönen Täler und der strahlenden Kinder! Ein sehr schönes Fleckchen, zu dem wir gerne wieder zurück kehren.
Vor uns liegt nun ein steilerer Anstieg. Aber auch hier kommen wir nicht um ein Gastgeschenk herum. Beim Vorbeifahren an einem Stand bekommen wir eine große Schale der berüchtigten Kymys zu trinken. Kymys ist die Stutenmilch, die hier viel und gerne getrunken wird. Sie soll sehr reichhaltig sein und sehr gesund. Trotz der guten Eigenschaften haben wir schwer dit zu kämpfen auch nur den kleinsten Schluck herunter zu bekommen. Ähnlich des gegorenen Kamelkäses aus Kasachstan, schmeckt auch die Stutenmilch sehr bitter und sehr streng. Nach wenigen Schlucken müssen wir den Rest zurück geben, denn Magen-Darm wäre jetzt eher ungünstig.
Also geht es noch die letzten Meter auf den Pass und danach in einer langen Abfahrt ins Tal. In Gulcha kaufen wir nochmal ein, essen wieder ein Eis und machen uns dann auf den Weg durch die imposantem Bergformationen. Um uns herum ragen Berge auf, die nochmal rund 2000m höher sind als die Straße, auf der wir uns befinden.
Neben einem Fluss, der durch dieses Tal verläuft, schlagen wir etwas versteckt das Zelt auf. Dann wagen wir es und baden im Wasser. Baden ist eigentlich zu viel gesagt, dann das Wasser, das mehr oder weniger direkt von den Gletschern hier hinunter ins Tals fließt, ist eiskalt. Also stehen wir nur bis zu den Knien drin, werfen uns das Wasser an den Körper und Lukas wagt sogar, sich kurz hinein zu setzen.
Dann siehen wir uns schnell warm an, denn hier auf knapp 1600 m Höhe wird es schon recht kalt am Abend. Immerhin um die 12 Grad wird es hier schon nachts, verglichen mit den knapp 28 Grad im Tal also ein ziemlicher Temperatursturz für uns.
Müde legen wir uns in unsere Schlafsäcke und können sie endlich mal wieder wirklich benutzen. Es ist ein gutes Gefühl, nicht im Zelt schwitzen zu müssen!Meer informatie
Tag 160: Kyzyl-Korgon bis Archat
17 augustus 2023, Kirgizië ⋅ ⛅ 16 °C
Nach unserem Frückstück neben dem Fluss geht es stetig bergauf. Wir können gar nicht davon ablassen Bilder zu machen, so begeistert sind wir. In einer Kurve stößt ein Reiter zu uns auf die Straße. Zunächst überholen wir ihn bei einer kurzen Abfahrt. Als es dann allerdings wieder berauf geht, holt er uns doch wieder ein. Wir fahren/reiten ein wenig zusammen und tauschen ein paar Worte aus. Zum Spaß deute ich ihm an, dass wir ja gerne mal tauschen könnten - sein Pferd gegen mein Fahrrad. Was ich als Scherz gemeint hatte, wird von unserem Reiter allerdings Ernst genommen. Direkt bringt er sein Pferd zum stehen und lässt mich aufsitzen. Es ist völlig absurd im ersten Moment. Da sitze ich auf einem Pferd in Kirgisistan und reite entlang der Straße zwischen den Bergen. Als ich mich umschaue, sehe ich, dass der Reiter mein Fahrrad genommen hat und mit Lukas mit hinterher fährt. So ungefähr 50 m reite ich und werde von dem Kirgisen und Lukas auf dem Fahrrad begleitet. Dann steige ich ab, tausche mein Rad wieder gegen das Pferd ein und bedanke mich. Schade eigentlich. Komfortabler war es auf jeden Fall :D
Wieder streifen Pferdeherden an uns vorbei und beäugen uns misstrauisch.
Wir kommen immer mal wieder in sehr kleine Orte, in denen oft frisch geerntete Mirabellen in Eimern verkauft werden.
An einem Stand entscheiden wir und dazu, eine kleine Tüte mitzunehmen. Klein ist allerdings relativ, dann der Junge, der sie uns füllt, macht sie erst randvoll und nimmt dann nur zögerlich ein paar wieder raus. Als wir bezahlen wollen, schüttelt er nur den Kopf, drückt uns die Tüte in die Hand, lächelt freundlich und geht wieder ins Haus.
Am nächsten Supermarkt holen wir noch ein bisschen Wasser und etwas Brot. Kurzerhand bekommen wir eine weitere Tüte Mirabellen in die Hand gedrückt. Dann läuft der Ladenmitbesitzer weg, deutet uns an kurz zu warten und kommt anschließend wieder mit einem T-Shirt, das er Lukas hin hält. Das T-Shirt ist ein kirgisisches Fahrradtrikot, zwar etwas zu eng, aber es reicht für ein weiteres strahlendes Gesicht.
Wir bedanken uns herzlich und fahren weiter, wieder einmal einige Meter begleitet von ein paar Kindern.
Die Landschaft begeistert uns immer wieder, während wir stetig auf die immer höher werdenden Berge zufahren.
Am Abend kommt uns wieder einmal ein Fahrradfahrer entgegen (zwischendurch waren es nochmal zwei, also nach unserer Gewohnheit ist es hier völlig überlaufen). Diesmal ist es tatsächlich ein Deutscher. David, der mitlerweile in Australien wohnt, kommt ebenfalls vom Pamirhighway, ist vielleicht um die 50 und war mit dem Fahrrad gefühlt schon überall. Da es nicht viele Optionen gibt und es auch mal wieder nett ist, sich mit einem Landsmann auszutauschen, zelten wir gemeinsam in einem Nebental.Meer informatie
Tag 161: Archat bis Sary-Tash
18 augustus 2023, Kirgizië ⋅ ☀️ 18 °C
Am Morgen lassen wir es etwas entspannter angehen und tauschen uns noch etwas mit David aus, bevor dieser dann nach Osh aufbricht.
Vereinzelt kommen wir jetzt nur noch in Orte. Was uns häufig auffällt, sind die aufgestapelten Türme aus getrocknetem Tierdung. Da es abends hier schon sehr kalt wird und nur gering Holz zur Verfügung steht, dient der Dung als Wärmequelle in den Öfen und auch zum Kochen.Je weiter wir kommen, desto eher stehen einzelne Yurten oder Bauwägen verteilt auf den wenigen ebenen Flächen. Teilweise spielen Kinder dazwischen oder Erwachsene erledigen Kleinigkeiten, wie das Melken der Tiere.
Nun liegt der vorerst höchste Pass vor uns. Die letzten Höhenmeter des 3615 m hohen Passes müssen in Serpentinen erklommen werden. Als wir gerade an einem Bauwagen vorbeifahren, der am Rand der Straße liegt, kommt eine etwa 14 Jährige heraus und bringt und eine Tasse Wasser. Dankend nehmen wir einen Schluck, allerdings auch nicht zu viel, da das Wasser ungefiltert aus dem vorbeifließenden Bach kommt und es hier nicht unbedingt immer ganz sauber ist. Interessiert kommt direkt ein anderes Mädchen heraus, das ähnlich alt aussieht. Sie bitten uns in ihren Bauwagen, den wir liebend gerne mal genauer anschauen wollen. Also schieben wir die Räder über die Straße und betreten dann den Bauwagen. Direkt gegenüber der Türe steht ein alter Ofen, auf dem in einer großen Schale (wir würden sie Vok nennen) etwas brät. Daneben liegt ein Teppich auf dem Boden. Durch eine dünne Wand getrennt, befindet sich daneben noch ein weiterer Raum, der ebenfalls mit Teppichen ausgelegt ist.
Direkt werden wir eingeladen uns zu setzen. Wir bekommen Tee, Brot und eine riesige Schale mit Nudeln hingestellt. Diese sind mit Kernen und Zwiebeln angebraten. Der Geschmack ist zwar kein neuer, aber vielleicht gerade durch das Bekannte schmeckt es mir recht gut.
Dann bringt eine der Mädchen einen Eimer des getrockneten Dungs herein, greift die Fladen mit bloßen Händen an befeuert den Ofen und greift kurze Zeit später an das vor uns liegende Brot.
Was hier keine ungewöhnliche Handlung ist, verleiht mir doch ein bisschen Unbehagen und so lecker das Essen auch ist, aber für eine solche Vielzahl an Bakterien sind unsere Mägen dann doch nicht ausgestattet. Also halte ich mich ab jetzt eher zurück. Da wir kurz zuvor zu Mittag gegessen hatten, ist das auch nicht so schwer.
Während wir so da sitzen, unterhalten wir uns mithilfe mehrerer Handys, was ganz gut funktioniert. Die beiden älteren Mädels, die kleine Schwester und die Mutter sind so interessiert an uns, dass die Fragen schier kein Ende mehr nehmen.
Natürlich bekomme ich auch direkt den kleinen Bruder auf den Arm, der vielleicht gerade 7 Monate alt sein mag. Als er in einer hölzernen Wiege schlafen gelegt wird sehe ich, dass über seinem Kopf ein Wirbel eines Schafes oder eventuell eines Kalbes baumelt. Wie bei uns über den Kinderbetten irgendwelche flauschigen Kuscheltiere herabhängen, wird hier einfach das genutzt, was am Ende des Tages als Abfall übrig bleibt.
Auch von dieser Familie werden wir wieder zu einer Übernachtung eingeladen. So wohl wir uns hier auch fühlen (da wir allerdings mit dem Essen lieber vorsichtiger sein wollen, um hier in den Bergen kein Magen-Darm zu riskieren), lehnen wir dann doch ab.
Nach dem Essen zeigen uns die Mädels noch ihren Esel und beginnen dann ein kurzes Volleyballspiel. Wie uns scheint, ist Volleyball hier in Kirgisistan ein Nationalsport. Bevor wir weiter fahren, zeigen sie uns noch ihre Schlafyurte, die etwas oberhalb der Straße liegt. Weil ich hier in 3200 m Höhe bei dem kleinen Spaziergang doch recht ordentlich schnaufe, schiebt mich Mayramkan bis auf den Berg hinauf :).
Wir tauschen die Nummern aus und verabschieden uns dann von ihnen. Dann geht es weiter hinauf. Jede Serpentine bringt uns ein gutes Stück höher und eröffnet uns einen immer beeindruckenderen Blick hinunter ins Tal. Oben müssen wir erstmal einen Pulli anziehen, weil es gegen Abend doch schon sehr kalt wird. Es geht ein kurzes Stück ins Tal und danach nochmal über einen Pass von 3550 m Höhe. Als wir von diesem wieder bergab rollen, muss ich mir sogar noch die Daunenjacke drüber ziehen.
Was uns auf dieser Seite des Tals allerdings erwartet, übersteigt all unsere Erwartungen. Dass wir vereiste Berge sehen würden, darauf sind wir vorbereitet aber wie gewaltig diese vor uns liegen, das haut uns dann doch um.
Leicht bergab führt die Straße in den kleinen Ort Sary-Tash. Dieser liegt am Rande einer schier endlosen Hochebene auf 3000m Höhe. Am Rande dieser Hochebene, an der Grenze zu Tadjikistan, ragen die vergletscherten Gipfel, unter anderem der Peak Lenin mit über 7000 m Höhe auf. Bisher habe ich noch nie solch hohe Berge gesehen. Wir können unsere Augen gar nicht davon losreisen, so sehr fasziniert uns diese Bergkette.
Wir kaufen im Supermarkt seit langem mal wieder Joghurts und einiges anderes ein und fahren dann noch auf die Hochebene hinaus. Um uns herum stehen vereinzelt Yurten und Pferdeherden ziehen an unserem Zelt vorbei. Der Blick von diesem bisher beeindruckendsten Zeltplatz ist unfassbar und nur die Kälte treibt uns nach und nach ins Zelt.Meer informatie
Ergänzung: Sary-Tash
18 augustus 2023, Kirgizië ⋅ 🌙 8 °C
Tag 162: Sary-Tash bis Yurte
19 augustus 2023, Kirgizië ⋅ ☀️ 17 °C
Am Morgen ist es leider etwas nebelig, aber dennoch sind die Berge beeindruckend. Wir frühstücken, machen Bilder und fahren dann noch ein wenig weiter Richtung tadjikische Grenze, um einen noch besseren Blick auf die Berge zu bekommen.
Autos sind hier nicht viele unterwegs, dafür jedoch kleinere Jungen mit ihrem Reittier und ihrer Schafherde.
Die Landschaft ist wirklich unbeschreiblich und wirkt wie aus einem Bilderbuch!
Nachdem wir uns doch irgendwann loseisen können, fahren wir wieder Richtung Sary-Tash, kaufen noch etwas Wasser nach und brechen dann endgültig auf die letzten Etappe Richtung chinesischer Grenze auf.
Wir sind gerade auf der Suche nach einem guten, vielleicht schattigen Platz (es ist zwar nicht so heiß, aber dafür brennt die Sonne auf der Haut) für das Mittagessen, als wir von einem Mann auf einem Esel angesprochen werden. Direkt lädt er uns zu sich ein, muss allerdings noch seine Tiere vom der Hochebene wieder nach Hause holen.
Da wir (vor allem Lukas) die abgelehnte Einladung bei den Mädels im Bauwagen doch bereut haben, sagen wir hier zu. Allerdings nutzen wir noch die Zeit, um unsere Nudeln und Brot zu essen, damit wir möglichst wenig dort essen müssen, falls die Hygiene nicht so gut sein sollte.
Wir kochen schnell unseren Nudeln, werden dann von unserem Hirten eingeholt (er sieht im ersten Moment etwas enttäuscht aus, dass wir unser eigenes Essen essen) und fahren ihm dann bald hinterher. Zunächst ist es etwas schwierig die richtige Yurte zu finden. Als er uns dann allerdings herbei winkt, sind wir direkt da.
Seine vielleicht 7-jährige Tochter fällt uns direkt auf, da sie, auf einem Esel reitend ein paar Pferde nach Hause zur Yurte bringt.
Direkt werden wir hinein gebeten, bekommen Tee und Brot, Butter und Honig. Wir essen ein wenig, wollen es aber nicht direkt übertreiben.
Wir freunden uns mehr und mehr mit dem Mädchen und der kleineren Schwester (Fatima, 5 Monate) an.
Am späteren Abend bekommen wir gezeigt, wie die Stuten gemolken werden (ein Bein wird hoch gebunden, damit sie nicht austreten kann), wie die Kuhe gemolken werden (beide beine werden zusammen gebunden) und wie danach die Milch in einem Beutel aus Tierhaut gestampft wird. Lukas kommt natürlich auch mal zum Einsatz. Melken dürfen wir allerdings nicht, da das für uns zu gefährlich wäre.
Zum Essen gibt es abends dann leckeren Plov, also das Reis-Gemüse-Fleisch-Gericht, das es schon seit Usbekistan gibt.
Danach darf Lukas dann noch auf dem für ihn viel zu kleinen Esel reiten und auch ich darf wieder einmal aufsitzen.
Geschlafen wir dann nebeneinander in der Yurte auf ein paar Matten. Innen ist es nachts vollkommen dunkel, so abgedichtet ist sie. Das Baby wird entgegen unserer Erwartungen nicht mit einer Windel ausgestattet und dann schlafen gelegt. Wieder einmal kommt eine Wiege zum Einsatz. In dieser ist am Boden ein Loch mit einem Eimer befestigt, der als Windelersatz dient. Das Kind wird dann unterkörperfrei ausgestreckt auf die Wiege gebunden (tatsächlich mit mehreren Riemen), zugedeckt und das ganze mit Decken abgedunkelt. Danach wird es so geschaukelt, dass Lukas und mir alleine vom Hinsehen beinahe schon schlecht wird.
Verrückt, wie das in verschiedenen Kulturen unterschiedlich gehandhabt wird.Meer informatie
Tag 163: Yurte bis Irkeschtam
20 augustus 2023, China ⋅ ☀️ 22 °C
Morgens, als es noch dunkel ist, werde ich wach. Mein Bauch ist aufgebläht und mir ist schlecht. Ein paar Mal rolle ich mich von einer auf die andere Seite. Dann stehe ich doch irgendwann auf und trete ins Freie. Draußen ist es noch sehr kalt. Ich suche die Toilette auf. Wobei, Toilette ist eigentlich nicht das richtige Wort. Es ist eher ein viel zu niedriges Loch im Boden mit vier Pfählen außenrum, die von einer zu niedrigen LKW-Plane als Sichtschutz umgeben sind. Diese Plane deckt gerade mal den Bereich bis zu meinen Schultern ab, wenn ich daneben stehe. Jeder LKW Fahrer oder Bewohner einer anderen Yurte sieht also definitiv, wer gerade die Toilette benutzt.
Leider geht es mir auch nicht besser, als ich wieder in die Yurte gehe. Beim Frühstück lehne ich alles ab, nur an einer Tasse Tee trinke ich ein bisschen. Allerdings nicht sehr viel, denn schon muss ich mich übergeben.
So gut der Reis am Vorabend auch war, scheinbar ist mein Magen dafür nicht gemacht. Aber wie heißt es unter den Fahrradfahrern: "Wer auf dem Pamirhighway nicht krank wird, ist nicht tief genug eingetaucht." Und da der Weg ein Teil des Pamirhighways ist, würde das ja zutreffen.
Nach und nach machen wir uns startklar, da ich nicht den Tag krank zwischen Yurte und LKW-Planen-Toilette verbingen will.
Wir verabschieden uns, fahren los und kommen durch weitere schöne Landschaften durch. Wieder geht es bergauf und, was wir vorher nicht wussten, auf den nun tatsächlich höchten Punkt der Reise, auf über 3700 m Höhe. Es ist wieder einmal unglaublich!
Danach fahren wir zunächst über eine lange Abfahrt ins Tal und müssen dann nochmal einige Höhenmeter über einen kleinen Berg, bevor es dann endgültig ins Tal geht.
Wir kommen zunächst in einen kleineren Ort und dann nach Irkeschtam. Dort, so haben wir gehört, soll es eine Unterkunft geben. Da es davor mit dem Zelten wegen der Nähe zur Grenze nicht möglich ist, ist diese unser Ziel.
Dort angekommen merken wir, dass die Unterkunft eher schlechter ist, nehmen sie allerdings wegen fehlender Alternativen trotzdem.
Wir bekommen ein Zimmer mit vier Betten (für 5 € zusammen!), das wir aber alleine haben dürfen, da es mir nicht so gut geht. Eine Dusche gibt es nicht, was aber auch nicht weiter tragisch ist, da es auch nicht sehr heiß ist.
Ich legen mich direkt um 17 Uhr hin, döse ein bisschen und schlafe dann auch bis zum nächsten Morgen, ohne den Tag über etwas gegessen zu haben.
Lukas geht noch im Restaurant unten etwas essen und legt sich dann auch bald hin.Meer informatie
Tag 164: Irkeschtam bis Uluqat
21 augustus 2023, China ⋅ ☀️ 27 °C
[-> Ich lade bewusst nur Blogbeiträge mit Text und ohne Bilder von Westchina hoch. Dies hat den Grund, dass die kleine Auswahl der Bilder China in einem zu positiven Licht darstellt und dadurch in keinem Fall unsere Sicht, Erlebnisse und vor allem Emotionen widerspiegeln können.]
Ich kann schon wieder ein bisschen frühstücken, Lukas isst wie gewohnt. Dann fahren wir zur Grenzkontrolle, aber nicht, bevor wir nicht noch ein paar Trauben von der Vermieterin geschenkt bekommen haben.
An der Kontrolle werden wir direkt an den LKWs vorbei gewunken. Der Pass wird kontrolliert, dann sollen wir zu einem Gebäude fahren. Wir stellen die Fahrräder außen ab und betreten die Kontrollstelle. Als wir uns in die Reihe stellen wollen, wird einer der Beamten direkt auf uns aufmerksam, fragt interessiert, woher wir kommen und winkt uns an den Wartenden vorbei. Etwas widerwillig (wir wollen ja nicht drängeln) gehen wir nach vorne. Interessiert begutachtet er unsere Namen, lächelt freundlich, gibt uns den nötigen Stempel und wir gehen wieder nach draußen.
Dann fahren wir ins Niemandsland, nicht mehr Kirgisistan, aber auch noch nicht China. An einer weiteren kleinen Kontrolle werden wir wieder freudig empfangen, zeigen unseren Pass und werden weitergewunken.
Dann fahren wir auch schon unter einer sich gerade im Bau befindenden Brücke hindurch, auf der einige Chinesen herum turnen. Oben am Berg die prachtvoll wehenden Flaggen des Landes.
Nach einem kurzen Anstieg kommen wir an eine Kontrollstelle. Der Soldat trägt eine FFP2-Maske und ein Visier und läuft uns entgegen. Er lächelt, nimmt die Pässe, geht kurz weg und gibt sie uns nach kurzer Zeit wieder.
Dann kommen wir nach kurzer Fahrt entlang mehrerer Stacheldrahtzäune zu einer Halle. Dort werden wir zunächst vorbei gewunken. Da wir allerdings über einen erlaubten Punkt heraus gefahren sind, müssen sie uns zurück rufen. Dort begutachten sie unsere Pässe und fragen uns, woher wir kommen. Einer der Beamten ist recht interessiert und freundlich, die anderen eher streng.
Wir erfahren, dass wir von hier aus ein Taxi nehmen müssen, worauf wir bereits vorbereitet sind.
Ehe wir uns versehen steht schon ein Taxi wartend da. Wir bringen unsere Fahrräder hin, laden sie und das Gepäck ein und dann geht es etwa 5 km zu einer weiteren, noch größeren Halle. Dort laden wir alles wieder aus und bringen es hinein. Wir werden direkt von zwei Polizisten empfangen und sollen uns zunächst in einen Warteraum setzen. An dessen Wand hängt ein großes Plakat, das auf Chinesisch und Englisch informiert. Dort heißt es unter anderem, dass Fahrräder in ein Taxi geladen werden müssen, um zur nächsten Stadt zu kommen. Ihr Grund hierfür ist, dass die Straße zu kompliziert ist und wir uns ansonsten natürlich verfahren würden.
Als nächstes sollen wir eine Ankunftskarte ausfüllen, unsere Passdaten, welche Länder wir bereist haben und wo es für uns hin geht. Dann setzen wir uns wieder in den Raum. Kurze Zeit später bekommen wir noch Fragen von einem höheren Beamten gestellt. Wohin wir genau gehen? Ob Aksu unser Ziel ist? Wie wir genau wieder von der Mongolei zurück kommen? Wir antworten darauf, dann warten wir wieder eine Weile.
Dann dürfen wir irgendwann unsere Taschen auf einen Tisch stellen. Nach und nach sollen wir eine Tasche nach der anderen öffnen. Einer von uns bleibt dabei und öffnet die Taschen für die Beamten, der andere geht derweil schonmal zur direkten "Anmeldung". Dort werden alle Fingerabdrücke genommen, ein Bild gemacht und anschließend wieder genaue Fragen gestellt.
Nach diesem Prozedere dürfen wir die Räder vorbei schieben und alle Taschen an uns nehmen. Entgegen unserer Erwartungen wimmelt es draußen nicht von Taxifahrern, die darauf warten Reisende mitzunehmen. Vor uns liegt ein riesiger Platz, auf dem ein Kamerateam steht und irgendein Image-Video mit einem Backpacking-Amerikaner dreht, der völlig überfordert mitmacht. Vermutlich ist einer der Teilnehmer so etwas wie ein Bürgermeister, der durch das Begrüßen von Reisenden vor der Kamera und das Tragen des Gepäcks des Amerikaners sein Image aufbessern will.
Wir bauen gemütlich im Hintergrund unsere Räder zusammen und versuchen dann ein Taxi zu finden. Allerdings finden wir zunächst keines. Erst als nach einer guten Weile unser Taxifahrer von vorher kommt, haben wir unsere Mitfahrgelegenheit. Fiese müssen wir aber mit allen Mitteln verteidigen, denn sobald eine Gruppe Reisender aus China erkennt, dass dies ein Taxi ist, stürmen sie mit ihren Koffern herbei. Wir werden gar nicht beachtet und halb zur Seite geschoben. Durch unsere Platzverteidigung und die Ehrlichkeit unseres Taxifahrers bekommen wir die Fahrt.
Es geht auf einer gut ausgebauten Straße immer weiter abwärts. Wir fahren an ein paar kleinen Orten vorbei, die wie abgeschieden wirken. Teilweise gibt es nur eine Straße in den Ort und diese ist mit einer Unmenge an Kameras überwacht. Alle alten Seitenstraßen sind verschanzt, sodass jede Person, die den Ort betritt, genau überwacht werden kann.
Zwei Mal kommen wir in eine Kontrolle, bei der unser Taxifahrer einen Zettel bekommt mit der Uhrzeit, wann er dort angekommen ist und welche durchschnittliche Geschwindigkeit er hatte. So besteht erst gar nicht die Möglichkeit zwischendurch mit den hier Wohnenden zu lange in Kontakt zu kommen.
Wir kommen auch einmal in eine Kontrolle, bei der wir aussteigen müssen und in einem Gebäude bestimmt 10 Minuten unser Pass inspiziert wird. Dann geht es weiter.
In Uluqat angekommen geht es direkt wieder in eine Kontrolle. Allerdings müssen wir nun wieder alles Gepäck und die Räder ausladen. Da wir nicht die Einzigen sind, gibt es ein Gedränge. Unsere Reisegruppe, die uns das Taxi streitig machen wollte, ist auch wieder mit dabei. Es gilt nicht "Wer zuerst ankommt, darf zuerst durch.", sondern "Wer zuerst ankommt hat Pech gehabt, außer er kämpft unerbitterlich um seinen Platz."
Wir lernen dort einen Engländer mit indischen Wurzeln kennen, der mit dem eigenen Auto in 55 Tagen von England nach Indien fährt, um Geld für Kinder mit Krebs zu sammeln. Er wird begleitet von einem Chinesen, da er alleine nicht mit dem Auto durchs Land reisen darf. Zu unserem Glück haben wir ihn getroffen, denn hier an dieser Kontrolle müssen wir online ein Formular ausfüllen, in dem wir bestätigen, dass wir kein Corona haben. Niemand will den Impfpass sehen, doch das Ausfüllen ist schon Schikane genug. Das Formular muss über einen QR-Code abgerufen werden, welchen unsere Handys allerdings nicht laden. Also dürfen wir es an seinem Handy ausfüllen. Zusätzlich muss er uns auch das Formular übersetzen, denn alles ist in chinesischen Schriftzeichen. Bis das geschafft ist, dauert es eine Weile, in der unser armer Taxifahrer nervös wartet.
Dann dürfen wir unsere Fahrräder zu X-Ray Scanner schieben. Warum sie unser Gepäck nicht gleich beim ersten Mal schon scannen könnten, fragen wir uns in diesem Moment. Vermutlich dient es der Kontrolle. Es ware ja möglich, dass wir die beiden Beamten, die per Hand unsere Taschen durchsucht haben, bezahlt haben und sie uns deshalb einiges haben durchgehen lassen.
Nach dem Scanner laden wir unsere Fahrräder und die Taschen dann ein weiteres Mal in das Taxi und er fährt uns zuerst du einer Bank, in der wir Yuan abheben und dann zu einem Hotel.
Während wir dort alles wieder ausladen, meldet er uns im Hotel an. Dann bezahlen wir ihn und Lukas führt die eigentliche Anmeldung mit dem Pass durch, während ich unten beim Gepäck warte. Direkt werden einige Vorbeilaufende auf uns aufmerksam. Besonders Kinder bleiben stehen. Und so bin ich kurze Zeit später von einer Scharr an Kindern umzingelt, die mich auf Chinesisch zuquasseln. Einer der Jungen kann ein paar Worte Englisch und so versuche ich mich mit ihnen mit Händen und Füßen ein bisschen zu unterhalten. Sie sind so begeistert, dass sie uns auch gerne helfen wollen, die Taschen die Treppe hoch zu tragen.
Im Zimmer angekommen, stellen wir alles ab und fragen dann im Hotel nach, wie viel eine Wäsche kostet, weil wir es dringend mal wieder nötig haben.
Dann ziehen wir los, um eine SIM-Karte zu kaufen. Der Laden ist direkt mit einem Bodyscanner und zwei Sicherheitskräften gesichert. Die Anmeldung der SIM-Karte verläuft problemlos und bietet uns für 6,50€ einen Monat 40 GB Internet und ein paar Anrufe, die uns allerdings wegen der Sprachprobleme hier nichts bringen.
Nachdem wir in einem Laden und einem kleineren Shop ein bisschen Gemüse und Obst eingekauft haben, machen wir uns im Zimmer daran uns durch die teils unbekannten Früchte durch zu probieren.
Das Internet funktioniert gut, allerdings werden bei Lukas alles Google-Dienste geblockt, unter anderem auch Whatsapp, Instagram und seine Mails. Bei mir funktioniert es zunächst schleppend, dann kann ich allerdings auch Anrufe tätigen. Bilder und Sprachnachrichten werden generell geblockt.Meer informatie
Tag 165: Uluqat bis Kashgar
23 augustus 2023, China ⋅ ⛅ 34 °C
[-> Ich lade bewusst nur Blogbeiträge mit Text und ohne Bilder von Westchina hoch. Dies hat den Grund, dass die kleine Auswahl der Bilder China in einem zu positiven Licht darstellt und dadurch in keinem Fall unsere Sicht, Erlebnisse und vor allem Emotionen widerspiegeln können.]
Nach einem Frühstück auf unserem Zimmer fahren wir die ersten wirklichen Meter in China. Es ist ein ganz neues Gefühl durch die riesigen Prachtstraßen zu fahren, die von Laternen und Reihen an Blumen umgeben sind. Alles wirkt groß und extravagant.
Jetzt sind wir gespannt, ob unsere Erwartungen an China erfüllt werden. Wir hoffen, dass die Straßen gut sind, weniger gehupt wird und es besseres Essen gibt. Mal schauen, was wir nach ein paar Tagen empfinden werden.
Die Straßen innerorts und aus der Stadt heraus sind schonmal vielversprechend. Bevor wir uns versehen, werden wir von einem Polizeiauto mit einiger Entfernung verfolgt. Wir wissen schon, dass das passieren kann, aber ein komisches Gefühl ist es doch schon. Nach einer Weile lassen sie dann ab. Vermutlich haben sie erkannt, in welche Richtung wir fahren. Nicht weit und wir werden von einem Mann an einer sonst verlassenen Polizeistation angehalten. Er will unsere Pässe sehen. Dann dürfen wir weiter. Kurze Zeit später kommen wir in eine genaue Kontrolle. Dort werden wir auf die Seite gewunken und sollen ein Gebäude betreten. Die Beamten wollen wissen, woher wir kommen, wann wir eingereist sind und wohin wir heute fahren. Wir müssen unsere Telefonnummern angeben und dann noch einige Zeit warten, bis alles händisch in den Computer getippt ist. Im Pass stehende Infos müssen wir ihnen auch liefern, denn mit der lateinischen Schrift können sie nichts anfangen.
Nach der Kontrolle, die mehr als 20 Minuten gedauert hat, fahren wir weiter.
Kurz darauf biegen wir von der Straße ab und folgen dem Weg, der uns auf Komoot angezeigt wird. Der Weg wird immer schmaler, weshalb wir sicherheitshalber eine Frau fragen die uns etwas misstrauisch anschaut. Sie bestätigt uns, dass der Weg der richtige ist. Also folgen wir ihm weiter und kommen durch fast vegetationslose Landschaften. Die Berge um uns herum sehen mit ihren Gesteinsschichten sehr interessant aus. Wir fahren immer weiter und fahren schließlich auch durch ein offenes Tor durch, das mit Stacheldraht geschmückt ist.
Wir begegnen ab und an LKW Fahrern, die uns teils nett, teils mürrisch begegnen.
Wir kommen in einen kleinen Ort. Teilweise werden wir dort von den Einheimischen begrüßt, zum Großteil aber misstrauisch beäugt. Später denken wir an diese Situation zurück und gehen davon aus, dass hier vermutlich nie Ausländer herkommen und durch die starken Einschränkungen der hier uigurischen Bevölkerung sie auch von uns nichrs positives erwarten.
Bald kommen wir wieder auf eine feste Straße, auf der allerdings nicjt kontrolliert wird. Dafür kommen wir an Gebäuden vorbei, die auf eine Weise verschanzt und gesicherr sind, wie ich es noch nie gesehen habe. Trotz der kleinen Straße sind teils Panzerabwehrvorrichtungen an den Einfahrten angebracht und alles ist strengstens mit Kameras bewacht.
In Kashgar, unserem Ziel des Tages, angekommen, werden wir auch wieder Zeuge extremsten Polizeiaufkommens. An jeder Straßenecke stehen Polizisten und überwachen die Kreuzung. Bei Rot über die Ampel fahren ist allerdings nicht im Fokus der Uniformierten. Nach was genau Ausschsu gehalten wird, können wir nicht erkennen.
Wir fahren einen Outdoorladen an, da wir uns für die Mongolei und die kommende Kälte noch etwas ausrüsten wollen. Der Laden bietet allerdings nichts für uns passendes, weshalb wir noch ein paar Sehenswürdigkeiten anfahren, wie eine alte uigurische Moschee. Wie wir schon zuvor gelesen haben, wurde diese (eine der bedeutendsten Moscheen der Region) vor ein paar Jahren von der Regierung abgerissen. Tatsächlich ist noch ein Teil einer Moschee zu sehen, allerdings ist gleich zu erkennen, dass diese neu errichtet wurde. Etwas verwirrt sind wir deshalb. Wurde die Moschee nicht abgerissen, um die Uiguren zu verleumden? Als Lukas die Moschee allerdings betreten will, um sich ein genaueres Bild deren zu machen, wird ihm der Eingang verweigert. Es seien gerade Gebetszeiten. Interessant finden wir, dass dies für die 20 anderen (definitiv nicht Muslime), die zuvor die Moschee betreten haben, nicht gilt.
Wir machen uns also auf und suchen das erste Hotel. Nach einer Weile der Hin- und Herübersetzung erfahren wir, dass dieses schon voll ist. Also fahren wir das nächste an. Ausländer sind hier nicht erlaubt, wir müssten weiter fahren. Wir fahren zum nächsten. Auch hier haben wir kein Glück. So langsam werden wir genervt. Hotel für Hotel klappern wir ab, aber keine Chance. Ausländer dürfen nicht aufgenommen werden. So etwas wäre in Europa undenkbar!
Es wird bald schon dunkel und wir werden immer unruhiger. Glücklicherweise haben wir zu Hause einen Kontakt mit dem wir hier telefonieren, über den wir die Sprachbarrieren umgehen können. Leider ändert das an der Situation auch nichts.
In einem Hotel bekommen wir Hilfe von ein paar Chinesen, die für uns in einem Hotel anrufen und fragen, ob sie Ausländer aufnehmen. Tatsächlich stellen wir aber fest, dass der Preis pro Nacht von über 160€ unser Budget weit überschreitet.
Am gleichen Ort werden wir kurz danach auf Englisch angesprochen. Ob wir auch Probleme hätten ein Hotel zu finden? Vor uns steht ein Mann, der für uns zunächst wie ein Chinese aussieht, sich allerdings als ein Kanadier mit chinesischen Wurzeln herausstellt. Er ist mit Freunden unterwegs, die alle außer er selbst in dem Hotel einchecken dürfen, vor dem wir stehen. Mit deren Hilfe finden wir ein für uns noch immer recht teures Hotel, was allerdings deutlich annehmbarer ist, als das zuvor Vorgeschlagene.
Wir fahren also durch die nun bereits dunkle Stadt und werden tatsächlich ohne Weiteres im Hotel aufgenommen. Wir beziehen das Zimmer und entscheiden und dann, uns von der 5-stündigen Hotelsuche und Schikane nicht unterkriegen zu lassen und in der interessanten Altstadt noch etwas Essen zu gehen. Um Halb 3 Uhr nachts fallen wir dann müde ins Bett.Meer informatie

































































































































































































