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Abenteuer Auto

Heute ging es von der Gonzago Bay weiter mit dem Isuzu zur Bahia de Los Ángeles. Am Morgen wurde das Auto von einem Mechaniker begutachtet, da ich gestern starken Benzingeruch im Innenraum hatte. Leider konnte er das Problem nicht lösen… Læs mere
  • Cholula, PUE, Mexiko

    12. marts 2023, Mexico ⋅ ☁️ 16 °C

    Von der Pyramidenstadt Tehutiacán ging es am Sonntagmittag des 12.März weiter in die etwa 100 km entfernte nächste Pueblo Mágico namens Cholula. Ich war recht überrascht, als ich vorgängig in einem Online-Artikel las, dass sich in der 105 000 Einwohner-Stadt, demzufolge einer Kleinstadt in Mexiko, die größte Pyramide der Welt befinden soll. Es entspricht der Wahrheit, denn dem Umfang nach war die Pyramide von Tepanapa in Cholula tatsächlich überdimensional. Die Seiten waren wohl bis 425 m lang und sie erreichte eine Höhe von rund 60 m. Heute sieht man auf dem Gelände jedoch nur noch Überreste des gewaltigen Bauwerks. Ein Spaziergang am Nachmittag führte mich über das weitläufige Gelände.

    Hoch über der ehemaligen Pyramidenstadt thront auf dem Hügel die Kirche Nuestra Señora de los Remedios, als Zeugnis der spanischen Eroberung und dem Triumph des Christentums über den ursprünglichen indianischen Glauben. In Cholula hat es auffallend viele christliche Gotteshäuser, jedoch weniger als 365, wie es im Volksmund heißt.

    Am Morgen nach meiner Ankunft auf dem Trailer Park Las Americas, begab ich mich auf meine erste Laufrunde und konnte nach wenigen Kilometern bereits eine Rauchwolke über dem noch aktiven Vulkan Popocatepetl erkennen. Ich war begeistert, eine weitere Schönheit der Stadt lag vor mir. Allerdings wollte ich diese erst am nächsten Tag oben von der Kirche aus bestaunen, wie auch den Blick auf den Nachbarvulkan Iztaccihuatl, angeblich sollen die beiden ein unbeschreibliches Bild nebeneinander abgeben. Den Rest des Tages nutzte ich zum Ankommen, Einkaufen und zur Körperpflege, wozu man in Mexiko tatsächlich die richtigen Campingplätze finden muss. Der Las Americas war was die Sauberkeit anbelangt, nicht einer der besten Plätze, auf denen ich bisher war, aber je länger die Reise dauert, desto mehr nehmen die Ansprüche an Luxus ab ;).

    Am 2. Tag nach meiner Ankunft wollte ich mir die Pyramiden anschauen und den Blick von der Kirche auf die beiden Vulkane genießen. Ich hatte Pech, denn eine Schlechtwetterfront zog heran und verweigerte die Sicht für 2 ganze Tage auf Popocatepetl und Iztaccihuatl.
    Am ersten Tag gab ich mich also mit dem Aufstieg zur Kirche, der Besichtigung der Pyramiden und einem Streifzug durch die Stadt zufrieden. Der Campingplatz am Stadtrand bot am Abend die nötige Ruhe.

    Am nächsten Tag fuhr ich mit dem lokalen Bus ins benachbarte Puebla. Von meinem Tag dort werde ich in einem weiteren Footprint berichten.

    Ich kam nachmittags frierend und durchnässt aus der Nachbarstadt zurück und hatte erstmal alle Hände voll zu tun, meine Campingutensilien zum trocknen irgendwo unterzustellen . Ich hatte sie draußen stehen gelassen und es schüttete wie aus Eimern. Am nächsten Tag war aber glücklicherweise wieder alles halbwegs trocken. Es sollte der Tag der Abreise sein. Ich startete am frühen Morgen meinen Lauf und es bot sich endlich wieder der umwerfende Blick auf die beiden Vulkane. Wie heißt es so schön: nach Regen kommt auch wieder Sonnenschein. Wie wahr.

    Ich konnte die beiden Vulkane aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, doch der schönste Blick bot sich mir von der Kirche Nuestra Señora de los Remedios aus. Beide Vulkane nebeneinander gaben einen umwerfenden Anblick ab. Das Warten hatte sich gelohnt. Ich konnte an diesem Morgen noch einige Fotos machen und startete am Vormittag Richtung Oaxaca. Es erwartete mich eine Fahrt von ca. 380 km, die ich vorwiegend auf der Cuota nahm. Ich freute mich auf den Süden Mexikos.
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  • Puebla, PUE, Mexiko

    15. marts 2023, Mexico ⋅ ⛅ 23 °C

    An meinem vorletzten Tag im bezaubernden Cholula nahm ich mir vor, einen Abstecher ins benachbarte Puebla zu machen. Am Vormittag stieg ich für 10 Pesos in ein Collectivo am Straßenrand unweit des Campingplatzes ein. An den Frontscheiben der Fahrzeuge sind jeweils die Orte und Distrikte angeschrieben, in die sich der öffentliche Verkehr bewegt. Mein Ziel war Puebla Centro.

    Die Stadt Puebla ist mit seinen 1.5 Mio Einwohnern die viertgrößte mexikanische Stadt und trägt den Beinamen „Stadt der Engel.“ Sie wurde im Jahr 1531 von den Spaniern gegründet und der Überlieferung zufolge soll ein Engel dem Bischof den Ort für die Stadtgründung gezeigt haben.

    Puebla erstreckt sich sehr weitläufig und obwohl Cholula an der Stadtgrenze liegt, erreichte ich das Zentrum erst nach ca. 40 Minuten. Einer der größten Wirtschaftszweige der Stadt ist die Automobilindustrie. In Puebla ist Volkswagen ansässig und produziert werden Tiguan, Golf und Co und werden von hier aus weltweit exportiert.

    Bevor ich das historische Zentrum Zócalo erreichte, streifte ich lange durch die Geschäftsstraßen, in denen sich wie in allen mexikanischen Grossstädten üblich, Geschäft an Geschäft reiht, in denen lokale Waren verkauft werden. Man kommt an einem Laden mit Stoffen und Kleidern vorbei, gefolgt von Einem mit Spielzeugen, im Nächsten versucht man Chilis an den Mann zu bringen, der Nachbar bietet gekühlte Getränke in allen Variationen an, eine Tür weiter findet man Obst und Gemüse, Tacos oder Fleischwaren. Diese Geschäftsmeilen sind durch Vielfalt nicht zu übertreffen und beeindrucken mich immer wieder aufs Neue. Vor den Läden wird ebenfalls verkauft, auch wenn es nur ein paar Ananas sind.

    Im historischen Zentrum, welches 1987 zum Weltkulturerbe erklärt wurde, angekommen, schlenderte ich vorbei an Dulcerias (Süsswarenläden), die eine ganze Straße für sich beanspruchen, sowie an historischen Gebäuden und Gotteshäusern bis ich schließlich auf dem Plaza de Constitución, dem zentralen Platz ankam. An der Südseite des Platzes steht die imposante Kathedrale, ein markantes Wahrzeichen der Stadt und die zweitgrösste des Landes, nach derjenigen von Mexiko City.

    Leider konnte ich in Pueblas Zentrum nicht mehr allzu lange verweilen. Es zog eine heftige Schlechtwetterfront mit Starkregen, Wind und kühlen Temperaturen auf. Darauf war ich nicht gefasst und hatte das komplett falsche Outfit an. Zuerst begab ich mich in ein nettes, gemütliches Café, wovon es etwas abseits des Zócalo viele gibt und versuchte etwas Zeit totzuschlagen. Als es nicht aufhörte zu regnen, ließ ich mich von einem Taxi zum Busbahnhof fahren. Am späten Nachmittag ging es mit dem Collectivo zurück nach Cholula. Nach der Ankunft auf dem Campingplatz hatte ich damit zu tun, meine Campingmöbel ins Trockene zu bringen. Ein Streifzug durch eine interessante Stadt gepaart von Wetterkapriolen neigte sich dem Ende entgegen.
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  • Santa Maria del Tule

    16. marts 2023, Mexico ⋅ ☀️ 27 °C

    Am Donnerstag, den 16. März führte mich eine ca. 6 stündige Fahrt in den Süden Mexikos. Das Ziel war Oaxaca, eine weitere Stadt, die kulturell viel zu bieten hat. Es befanden sich zudem einige sehenswerte historische Stätten in unmittelbarer Nähe. Die Fahrt war abwechslungsreich und es gab endlich mal wieder Landschaft zu bestaunen, ähnlich wie auf der Baja California. Weiter südlich fuhr ich dann auch durch Dörfer, die auf indigene Völker schließen ließen. Ich fand es interessant und spannend und genoss die Fahrt. Da es in der Stadt Oaxaca selber keinen Campingplatz gab, steuerte ich auf Empfehlung von anderen Campern den Rancho RV Park in Santa Maria del Tule an. Tule befindet sich etwa 10 km in östlicher Richtung Oaxacas. Google Maps brachte mich diesmal leider nicht zum exakten Ort, sondern navigierte mich in die Nachbarstadt Tlalixtac. Da es schon spät war und ich nicht richtig wusste wohin, fragte ich einen Taxifahrer, ob er voraus fahren könne und mich zum Campingplatz bringen könne. Kenntnis über den gesuchten Ort hatte er nicht, aber durch die gemeinsame Recherche auf der Karte und durch seine Ortskenntnis schafften wir es schließlich gemeinsam ans Ziel. Er meinte dann, ich könne ihm das bezahlen, was mir fair erscheine und so gab ich ihm 100 Pesos (€5) für die kurze Fahrt. Damit war er nicht zufrieden und forderte gleich das Doppelte von mir. Eine sehr spezielle Situation und auch die Betreiber vom Campingplatz meinten, dass dies Preistreiberei sei. Naja, die 200 Pesos war ich los, dafür am richtigen Ort und dieser war wunderschön. Im Rancho RV Park steht man auf einer Wiese, es gibt eine Gemeinschaftsküche, saubere Bäder mit warmem Wasser und einen sehr einladenden Pool. Es tat gut, eine Weile hier zu stehen.

    Den nächsten Tag nutzte ich zum Ankommen und streifte ein wenig durch die Stadt, von der ich ein sehr gegensätzliches Bild gewann. Einerseits spaziert man auf einer außergewöhnlich gepflegten Promenade, in deren Zentrum sich der
    Árbol del Tule, zu deutsch der Baum von Tule befand. Er ist ein etwa 1400–1600 Jahre altes Baumexemplar der Art Mexikanische Sumpfzypresse. Mit dem Durchmesser seiner Stämme von 14,05 Metern ist er der dickste bekannte Baum weltweit und gilt als eines der größten Lebewesen der Erde. Die Kirche Santa Maria del Tule befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft und gibt zusammen mit dem Baum und der umliegenden Gartenanlage ein märchenhaftes Bild ab. In den naheliegenden Geschäften versucht man wie so oft im Süden Mexikos die Spirituose Mezcal zu verkaufen. Mezcal ist ein aus der Agave gewonnener Branntwein, ähnlich dem Tequila.

    Abseits der Promenade spielt das lokale Leben von Tule und das ist in der Regel recht bescheiden. Meistens hat die Familie draußen eine Feuerstelle, auf der die Mahlzeiten zubereitet werden. Das Essen ist wie überall in Mexiko recht fleischlastig. Allerdings stieß ich in Tule erstmals auf ein veganes Restaurant namens „Zona Veggie“, welches unbedingt einen Besuch wert ist. Zwei junge Frauen betreiben dieses Lokal sehr kreativ, engagiert und motiviert.

    Von Tule aus wollte ich mich nun in den nächsten Tagen nach Oaxaca, zur Hierve el Agua und zu den archäologischen Stätten Monte Alban und Mitla begeben. Nach Oaxaca fuhr ich am Sonntag für 8 Pesos mit dem Bus. Eine besondere Erfahrung war auch die Benutzung des Kollektivos, welches ein reguläres Taxi ist, in dem Platz für den Fahrer und mindestens 5 Mitfahrer geschaffen wird. Eine enge Angelegenheit, aber für 15 Pesos pro Fahrt ebenfalls sehr günstig.

    Ich verbrachte den Sonntag in Oaxaca und fuhr am Montag, den 20. März zur etwa 60 km entfernten Hierve el Agua. Am Dienstag wollte ich in Oaxaca nochmals einige Dinge besorgen und machte mich mit meinem Auto auf in Richtung Zentrum. Als ich den Isuzu auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz abstellte, sah ich die Batterielampe im Cockpit aufleuchten und bat den Platzwart während meiner Abwesenheit doch mal einen Blick darauf zu werfen. Als ich nach einiger Zeit zurückkam, empfahl er mir, nach der Lichtmaschine schauen zu lassen. Ich verließ das Zentrum und warum auch immer führte mich mein Weg nach Oaxaca Süd, wo ich beim Vorbeifahren rechts und links der mehrspurigen Straße Ausschau nach einer Autowerkstatt hielt. Der Zufall brachte mich mal wieder an den richtigen Ort. Ich landete im 1-Mann-Betrieb von Augustin. Er wollte die Probleme mit einer Reparatur beheben. Ich ließ ihm das Auto da und fuhr mit dem Kollektivo und ein paar Habseligkeiten zurück nach Tule. Zum meinem Glück konnte ich auf dem Campingplatz ein Zimmer, eine sogenannte Cabaña beziehen. Diese entpuppte sich allerdings im Gegensatz zum sauberen und gepflegten Campingplatz als das wahre Gegenteil und ich musste benutzte Bettwäsche abziehen, neue überziehen und mit dem Besen durchgehen. Das war keine besonders schöne Erfahrung. Am nächsten Tag kam ich am frühen Nachmittag bei der Werkstatt an und verbrachte Stunden vor Ort, bis mir Augustin schließlich mitteilte, dass ich eine neue Lichtmaschine benötigte. Wir fuhren zusammen zu einem Autozubehörladen und bestellten das Teil, allerdings war es erst am nächsten Mittag abholbereit. Mittlerweile dunkelte es ein, der Isuzu stand am Straßenrand in Oaxaca, sprang nicht mehr an und ich wollte es an dem Abend noch zurück nach Tule schaffen. Ich war müde und erledigt, ließ mich aber nicht unterkriegen. Ich marschierte die 1.5 km von der Werkstatt zur Straße Richtung Tule, diesmal im Dunkeln und sass nach einiger Zeit zusammengequetscht zwischen anderen Mitfahrern in irgendeinem Kollektivo. Ich kam auf dem Rancho RV Park an, fiel in meiner Cabaña ins Bett und fuhr am nächsten Morgen wieder nach Oaxaca. Augustin war dabei die alte Lichtmaschine auszubauen, da ich für diese bei Autozone, dem Zubehörladen noch umgerechnet €80 bekam und mich die neue Lichtmaschine mit dem Eintausch dann nur noch €120 kostete. Ich lief mit dem Ersatzteil zurück zur Werkstatt und es konnte mit dem Austausch begonnen werden. Während dessen verbrachte ich 3 Stunden im Zentrum. Als ich zu vereinbarter Zeit zurückkam lief der Isuzu wieder und ich war dankbar, froh und erleichtert.

    In den nächsten beiden Tagen brachte mich das Auto zuverlässig zur Pyramidenstätte Monte Alban und in die Pueblo Magico Mitla.

    Am Sonntag, des 26. März trat ich nach 10 Tagen auf dem Campingplatz in Tule endlich die Weiterfahrt an. Mein Ziel war die Pazifikküste. Da es eine lange und beschwerliche Fahrt durch die Berge ist, wollte ich noch einen Zwischenstopp in San José del Pacífico einlegen, ein Ort berühmt für seine Magic Mushrooms. Er lag auf halber Strecke zwischen Oaxaca und Puerto Escondido.
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  • Oaxaca, OAX, Mexiko

    18. marts 2023, Mexico ⋅ ⛅ 27 °C

    Nachdem ich mir von der mehrstündigen Fahrt von Cholula nach El Tule einen Tag Pause auf dem Campingplatz gegönnt hatte, nahm ich mir für den Samstag erstmals Zeit für die Besichtigung der 300 000 Einwohner Stadt Oaxaca. Ich besuchte sie noch an mehreren darauffolgenden Tagen. Am Samstagvormittag nahm ich den lokalen Bus von Tule nach Oaxaca und bezahlte für die Fahrt gerade einmal Pesos 8. Ich wusste nicht so recht, wo ich aussteigen sollte, nachdem ich realisierte, dass der Bus nicht ins historische Zentrum fuhr. Ein ortskundiger Mann schien meine Verwirrung zu bemerken und empfahl mir auszusteigen und die ca. 1.5km ins Centro Histórico zu laufen. Die nächsten Male wusste ich besser, wo ich auszusteigen hatte, aber eine Laufdistanz zum Zentrum von 1.2km ließ sich nicht vermeiden. Es gab mir aber auch die Chance die Nebenstraßen von Oaxaca kennenzulernen, in denen es viel Interessantes zu entdecken gab. Vor allem die Murals, die kreativen Wandmalereien, taten sich hier überall auf. Bei meinem ersten Besuch in der Stadt wollte ich mir erstmal ein Bild verschaffen und streifte gemütlich durchs Centro Histórico, welches 1987 zum Unesco Weltkulturerbe erklärt wurde.

    Ich strandete in Alex’s Hutladen „Sombreros Alberly Premium“, wurde allerdings erst nach einigen Tagen fündig. Der Laden ist für mich einer der lohnenswertesten in der Stadt und Alex ist überaus freundlich, geduldig und kompetent. Weiter ging es durch andere individuelle Geschäfte mit mehrheitlich nicht ganz günstigen Preisen. Ich kam schließlich an einer Bar vorbei, die gerade zu öffnen schien. Hier waren in Regalen an den Wänden unzählige Flaschen Mezcal, der berühmte mexikanische Branntwein, aufgestellt. Ich kam mit der Angestellten ins Gespräch und erhielt eine individuelle Verkostung für ein Trinkgeld. Die Spirituose war mir, wie schon der Tequila zu stark. Ich schätzte es aber sehr, dass ich die Gelegenheit erhielt, verschiedene Jahrgänge zu verkosten. An diesem Nachmittag machte ich noch einen Abstecher ins Museo de Los Pintores Oaxaqueños, eine Galerie in der Werke lokaler Grafikkünstler ausgestellt sind. Vorbei kam ich dann auch an der Kathedrale de Oaxaca, die sich auf dem Zócalo, dem zentralen Platz der Großstadt befindet. Es wurde allmählich später Nachmittag und ich entschied mich für die Rückfahrt. Diesmal ließ ich mich von einem Taxi zur Busstation bringen, das nächste Mal wusste ich, wohin ich zu laufen hatte. Ich machte an diesem Nachmittag meine erste Kolkektivo-Erfahrung: 5 Mitfahrer und der Fahrer in einem gewöhnlichen PKW eng aneinander gepresst ging es in Richtung Tule. Für Pesos 15 (€1.50) hatte ich nichts zu reklamieren.

    Da ich Oaxaca mit seinen farbigen Häusern, den imposanten Kirchen, den charmanten Gassen und Strassen, sowie den einladenden Boutiquen noch nicht ganz gesehen hatte, entschied ich mich am Sonntag nochmals mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Diesmal nahm ich mir nur die Gegend um die Kirche Santo Domingo und das Gebäude selber vor. Ich hielt mich für einige Stunden dort auf und es lohnte sich sehr. Leider war das Museo de las Culturas de Oaxaca , welches sich neben der Kirche Santo Domingo befindet an diesem Tag geschlossen. Dafür gab es aber in der Seitenstraße einen Kunstmarkt und auch in den Gassen wieder viel Neues zu entdecken. Vis a vis der Kirche kam ich in eine traditionelle Eisdiele, in der ich für eine Kugel Schokoeis in einer Waffel Pesos 95 (€5) zahlte. Ich war etwas irritiert und fragte nochmals nach. Der Preis war korrekt. Ich verweilte noch einige Zeit rund um die wunderschöne Kirche und lief später zur Straße Richtung Tule, um den Bus oder das Kollektivo zu bekommen. Es war ein entspannter Tag in der Großstadt.

    Der nächste Besuch stand am Dienstag, den 21. März an. Eigentlich wollte ich nur zur Post, nochmals in den Hutladen, zum Bäcker in der Innenstadt, der die schmackhaftesten Backwaren im Umkreis offeriert und zu Walmart, um ein paar Grundnahrungsmittel zu kaufen. Auf dem Weg in die Innenstadt leuchtete dann allerdings die Batterielampe im Cockpit auf und es kostete mich 3 ganze Tage, bis im Isuzu schließlich eine neue Lichtmaschine eingebaut war. Ich verbrachte demzufolge den Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in der Stadt, jedoch vorwiegend in der Werkstatt von Augustin. Zu dieser Zeit fand ich nicht besonders großen Gefallen an Oaxaca, ich war ungeduldig und nervös und doch war es eine weiteres „Abenteuer Auto.“
    In den nächsten beiden Tagen wollte ich mir die historischen Stätten Monte Alban und Mitla anschauen.

    Am Donnerstagabend des 23. März schlief ich nach 2 Nächten in der Cabaña auf dem Campingplatz wieder im Isuzu. Es tat gut, das Gewohnte zurückzuhaben.
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  • Hierve el Agua

    20. marts 2023, Mexico ⋅ ☁️ 23 °C

    Am Montagvormittag ging es von Tule für einen Tagesausflug mit dem Isuzu Richtung der Ortschaft San Lorenzo Albarradas, in deren Nähe sich eine der Top-Natursehenswürdigken des Staates Oaxaca, die Hierve el Agua befindet. Für die ca. 60km, die mir Google Maps anzeigte, benötigte ich etwa anderthalb Stunden. Auf dem Hinweg fuhr ich zuerst einige Zeit auf einer gebührenfreien Straße, auf der wie so oft in Mexiko ein Reduktor, oder auch Tope genannt, auf den anderen folgte. Das kann ganz schön nervig sein, da man für die plötzlichen Erhebungen auf der Straße jeweils komplett abbremsen muss. Auf der Hinfahrt nahm ich die letzen 20 Kilometer die gebührenpflichtige Cuota. Ich fand sie recht preisintensiv und bezahlte für die paar Kilometer inklusive einem kilometerlangen Baustellenstau ca. €5. Diese Kosten ersparte ich mir auf der Rückfahrt, auf der ich dann die Libre nahm.

    Nach meiner Ankunft entschied ich mich erstmal dafür, mich in San Lorenzo Albarradas umzusehen. Den Blicken der lokalen Bevölkerung nach zu urteilen, macht hier wohl kaum einmal ein Gringo Halt. Ich hatte Interesse am Leben der Menschen vor Ort und spazierte vom Anfang ans Ende des Dorfes und zurück. In San Lorenzo Albarradas hatte ich das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben. Man lebt hier vorwiegend in bescheidenen Verhältnissen, in der Regel von der Landwirtschaft, dem Verkauf des Mezcal und von dem, was der Tourismus abwirft. Wie in allen mexikanischen Ortschaften steht im Ortszentrum die Kirche, diejenige in San Lorenzo Albarradas hat ein wohlklingendes Glockenspiel. Nachdem ich mir ein Bild von der Ortschaft gemacht hatte, fuhr ich durch eine imposante Gebirgslandschaft weiter zur Hierve el Agua.

    Nach einer kurzen Fahrt erreichte ich den Parkplatz und durfte bereits bei der Einfahrt die Pesos 50 Eintritt bezahlen. Dadurch, dass die Tageszeit schon recht fortgeschritten war und an dem Tag zudem ein Feiertag war, was ich nicht wusste, waren sehr viele Touristen vor Ort. Ich ließ mich davon aber nicht beeinflussen und machte mir von oben erst einmal ein Bild vom Gelände, welches sehr weitläufig zu sein schien. Los ging es auf dem Fussweg abwärts und nach etwa 10 Minuten kam ich an natürlichen Pools mit ihrem klaren, türkisfarbenen und mineralhaltigen Wasser an. Einige befanden sich direkt am Abgrund zur Schlucht. An diesem Tag war das Baden darin aufgrund der vielen Touristen kein wirkliches Vergnügen. Ich ließ es bleiben und wanderte stattdessen zu den versteinerten Wasserfällen. Der Blick auf dieses Naturwunder war atemberaubend. Hierve el Agua, das „kochende Wasser“ gehört zu den schönsten Naturbauwerken Mexikos. Die Stalaktiten sind vor Tausenden von Jahren durch den Abfluss von kohlensäurehaltigem Wasser aus natürlichen, kalkhaltigen Quellen entstanden. Als das Wasser über die Klippe rieselte, wurde es durch dicke Mineralablagerungen “eingefroren”. Der Blick auf die Naturschönheit ist atemberaubend und bei der 20 minütigen Wanderung nach unten möchte man die Kamera nicht aus der Hand legen, da sich dem Auge immer wieder ein noch bemerkenswerteres Bild bietet. Der Aufstieg ist etwas anspruchsvoller und nimmt ca. 40 Minuten in Anspruch. Je nach Temperatur sollte man sich genügend Wasser mit auf den Weg nehmen.

    Kurz vor der Rückkehr auf dem Parkplatz erreicht man die Restaurant-und Verkaufszone. Ich gönnte mir nach der intensiven Wanderung einen Becher Mango mit Chili, was in Mexiko gerne als Zwischenmahlzeit gegessen wird und schlenderte danach gemächlich zum Auto. Es war später Nachmittag und mein Vorhaben auf dem Rückweg noch die historische Stätte von Mitla zu besuchen, musste ich verschieben. Ich fuhr geradewegs zurück zum Campingplatz nach Tule. Es war ein eindrucksvoller Tag in der Natur, den ich sehr genossen habe.
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  • Monte Alban

    24. marts 2023, Mexico ⋅ ☀️ 31 °C

    Nachdem der Isuzu wieder fuhr, konnte es mit den Besichtigungen rund um Oaxaca endlich weitergehen. Ich startete am Freitagvormittag des 24. März auf dem Campingplatz in Tule. Heute sollte es zur archäologischen Stätte Monte Albán gehen, die sich etwa 10km entfernt von Oaxaca auf einer Höhe von 2000m befindet. Es war eine kurvenreiche Fahrt auf einer immer schmaler werdenden Straße, die der Isuzu jedoch gut meisterte. Als ich nach einer guten Dreiviertelstunde ankam, war es bereits Mittag und die Hitze schon fast unerträglich. An der Kasse stand ich in einer überschaubaren Reihe an und bezahlte die üblichen Pesos 90 Eintritt.

    Im Eingangsbereich befindet sich ein nicht allzu großes Museum, in dem vorwiegend Fundstücke aus der Anlage ausgestellt sind. Es gibt dort auch Informationstafeln, allerdings nur auf Spanisch.

    Monte Albán war einst das religiöse Zentrum der Zapoteken, später der Mixteken. Seine Blütezeit hatte die historische Stadt zwischen 300 und 900 n. Chr.. Die Anfänge der Besiedlung von Monte Albán gehen jedoch nach bisherigen Erkenntnissen zurück auf die Zeit des 8.Jahrhunderts vor Christus. Im 5. und 6. Jahrhundert erreichte Monte Albán den Höhepunkt seiner Macht. Bis zu 30.000 Menschen lebten an den Hängen des Berges. Ab 700 verlor die Stadt dann radikal an Bedeutung und wurde schließlich um 950 völlig aufgegeben. Danach diente sie nur noch als Begräbnisstätte.

    Ich streifte über das Gelände, welches 1987 zum Unesco Weltkulturerbe erklärt wurde und war überwältigt von derart gut erhaltenem freigelegten Bauwerk. Die Anlage ist riesig und dem Betrachter bieten sich immer wieder neue imposante Perspektiven. Ich verbrachte einige Stunden in der Pyramidenstadt und stieg Treppen hinauf und hinunter. Ich lief zudem über sonnige Plätze, vorbei an architektonischem Wunderwerk. Die Besucher der Anlage wirkten winzig im Gegensatz zur Größe der Bauwerke.

    Auf dem Rückweg kehrte ich für den Kauf von Souvenirs noch im Museumsshop ein und lief anschließend zum Parkplatz zurück.
    Es war später Nachmittag und ich hatte noch ein Stück Weg bis nach Tule vor mir. Nach einem heißen, aber sehr interessanten Tag kam ich am frühen Abend zum Campingplatz zurück und nahm mir für den Samstag die archäologische Stätte in der Pueblo Magico Mitla vor.
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  • Mitla

    25. marts 2023, Mexico ⋅ 🌙 18 °C

    Samstag, der 25. März sollte nun der letzte Tag meines Aufenthaltes nahe der Stadt Oaxaca sein. Am Sonntag wollte ich dann endlich Richtung Pazifikküste weiterfahren. Ich hatte mir für diesen Tag noch die letzte bedeutende archäologische Stätte in der Region, nämlich die Ausgrabungen von Mitla, wie auch die Kleinstadt San Pablo Villa de Mitla, die übrigens auch zu den Pueblo Magicos in Mexico zählt, vorgenommen. Für die 37km vom Campingplatz in Tule bis zum Parkplatz nahe der archäologischen Stätte fuhr ich etwas mehr als eine Stunde. Diese Strecke ist mit Reductoren geradezu übersät und man muss ständig abbremsen. Das kostet Zeit.

    Für meine Verhältnisse brach ich an diesem Morgen recht früh auf und erreichte den Eingang bereits kurz nach 10 Uhr. Es standen schon ein paar wenige andere Touristen an dem verschlossenen Tor, von denen ich erfuhr, dass man nur gruppenweise in die Anlage hineingelassen wird, was mir sehr entsprach. Nach einer Weile wurde uns, wir waren 5 Personen, der Einlass gewährt und wie üblich bezahlte ich die Pesos 90 Eintritt. Gleich nach dem Schalter konnte man durch eine kleine Ausstellungshalle gehen, in der Fundstücke aus der Anlage ausgestellt waren. Die Informationstafeln waren wie bereits in Monte Albán nur auf Spanisch.

    Nach dem kurzen Streifzug durchs Museum ging es in Richtung Ausgrabungsstätte. Das Interessante an der Anlage ist, dass sich am Eingang etwas völlig Untypisches befindet, nämlich eine Kirche. Die Iglesia de San Pablo wurde von spanischen Eroberern gebaut, die viele der Tempel zerstörten und die Steine für den Bau der Kirche benutzten. Ein widersprüchlicher Anblick ist es schon, und doch passen sich Kirche und die antiken Bauten in all ihrer Schönheit und mit den identischen Farben irgendwie an.

    Die archäologische Zone selbst umfasst fünf Hauptgruppen von Bauten, von denen aber nur ein Bruchteil vollständig ausgegraben und restauriert wurde. Die ornamentalen Steinmosaike auf den Gebäuden sind einzigartig in Mexiko.

    Ich habe es sehr genossen, relativ früh am Morgen mit nur wenigen anderen Touristen durch diese überschaubare wundervolle Anlage zu streifen, die zu ihrer Blütezeit Kultstätte und religiöses Zentrum der Zapoteken und später der Mixteken war. Mitla gewann an Bedeutung, nachdem Monte Albán verlassen wurde.

    Nach der Besichtigung der Ausgrabungsstätte spazierte ich in die Kleinstadt, die sich direkt an die Ruinen anschliesst. Die Murals, also die Wandmalereien fand ich in Mitla besonders kunstvoll.
    Vorbei ging es auch wieder an einigen Tiendas, die Waren des täglichen Bedarfs verkauften, an Mezcal-Läden, Geschäften, in denen Handgewebtes und Souvenirs zum Verkauf angeboten wurden und an Restaurants. Es war ein ruhiger Samstag und im Zentrum war nur wenig los. Der Plaza Principal hinterließ bei mir einen sehr gepflegten Eindruck. Wie fast überall in Mexiko sieht es in den Seitenstraßen aber ganz anders aus. Ich bewegte mich diesmal nur etwas abseits der gewöhnlichen Touristenroute und erhielt die Gelegenheit bei der Herstellung von Mole zuzuschauen. Mole ist der Begriff für eine Vielzahl von Saucen auf Basis verschiedener Arten von Chilis und Gewürzen. Diese Saucen sind teilweise sehr unterschiedlich. Um die 35 verschiedene Zutaten, darunter Chilis, Gewürze, Nüsse und ungesüßte Schokolade, bilden die Mole. Je nach Rezept kann sie aber auch aus bis zu 75 verschiedenen Zutaten bestehen. Die Region Oaxaca ist für diese Saucen sehr bekannt. Beim Zuschauen wurde mir klar, wieviel Arbeit die Herstellung der Mole macht und wie man sich vorstellen kann, ist oft die ganze Familie in den Prozess integriert.

    Es war ein sehr interessanter und vielseitiger Tag mit neuen Eindrücken und somit eine gute Entscheidung, auch Mitla mit seiner einzigartigen archäologischen Ausgrabungsstätte und der Kleinstadt auf die To-Visit-Liste genommen zu haben.

    Am nächsten Tag ging es nach 10 Tagen in der Region Oaxaca auf kurvenreichen Strassen weiter Richtung Küste.
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  • San José del Pacífico, OAX, Mexiko

    26. marts 2023, Mexico ⋅ ⛅ 22 °C

    Am Sonntag, den 26. März ging es also von Oaxaca gen Süden. Ich konnte es kaum noch erwarten, die Pazifikküste zu erreichen. Da ich schon von anderen Reisenden gehört hatte, dass vor allem das letzte Stück der Strecke sehr kurvenreich und zeitaufwendig sei, entschied ich mich für einen Zwischenstopp auf etwa halber Strecke im Bergdorf San José del Pacífico.
    Das Dorf mit seinen 350 Einwohnern liegt etwa 2500m über dem Meeresspiegel und auf der Fahrt in die Höhe wurde es bereits merklich kühler. Nach meiner Ankunft strahlte der Himmel noch blau, doch schon nach weniger als 20 Minuten zog starker Nebel auf und verhüllte den Ort im Grau. Das Wetter in San Jose del Pacífico wird von Luftmassen des pazifischen Ozeans bestimmt und kann sich an bestimmten Tagen halbstündlich ändern. Da mir aufgrund der aufgezogenen Nebelwand recht schnell sehr kalt wurde, entschied ich mich, anstatt die Nacht im Auto zu verbringen, ein Zimmer bei Almas Pizza und Cabañas zu nehmen. In Tule wurde mir diese Unterkunft empfohlen, weil man im dazugehörigen Restaurant wohl die beste Steinofenpizza in der Gegend bekommen soll. An diesem Sonntag war das Restaurant allerdings geschlossen und die vegetarischen Optionen im Ort recht spärlich. Anna, die bei Almas Pizza arbeitete war so freundlich, mir eine vegetarische Pizza zuzubereiten. Ich war froh, denn bei den unangenehmen Temperaturen draußen zu stehen, um etwas zu kochen, danach war mir an diesem Abend gar nicht zumute.

    Während Anna die Pizza zubereitete, unterhielten wir uns über die Magic Mushrooms, oder in diesem Sprachraum auch „Hongos“ genannt, für die der Ort berühmt ist. Die Hauptsaison der magischen Pilze ist während der Regenzeit von Juni bis Ende September. Dann wirken sie auch am berauschendsten. Außerhalb dieser Zeit bekommt man sie in getrocknetem Zustand, oder in Honig konserviert, wobei sie dann nur noch etwa ein Viertel ihrer regulären Wirkung zeigen. Die getrockneten Pilze berauschen mehr und eine Möglichkeit sie zu verzehren ist, sie vorher in Tee zu tunken.

    Anna schilderte mir ihre Erfahrungen mit den Pilzen und empfahl mir den Einkauf bei Cabañas La Cumbre, eines sich oberhalb des Ortes befindenden Hostals. Andere Reisende erzählten auch, dass sie bei einem lokalen Schamanen eingekauft hätten und beim Streifzug durchs Dorf wird man sowieso alle paar Meter angesprochen. Wie vertrauenswürdig diese Verkäufer allerdings sind, dazu möchte ich kein Urteil abgeben. Es scheint auf jeden Fall so, als ob die Pilze jeder Ortsansässige hätte. Da mir Anna sagte, dass man die Hongos nur im nüchternem Zustand (leerer Magen) nehmen solle, um die volle Wirkung zu spüren, entschied ich mich, erst am nächsten Tag auf Erkundungstour zu gehen. Ich lief nochmals ins Dorf, wo es ein paar Tiendas, Restaurants und viele Souvenirstände an der Straße gibt, die Hongos in vielen Varianten anbieten, sei es als Kühlschrankmagnet, Schlüsselanhänger, aufgedruckt auf T-Shirts etc.. Die magischen Pilze sind in San José del Pacífico allgegenwärtig.

    Nachdem ich die Nacht in einem richtigen Bett mit Federkissen und -decken verbracht hatte, ging es am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein den Hang hinauf zu La Cumbre. An der Rezeption fragte ich nach den Hongos und einen Moment später hatte ich sie in getrockneter und konservierter Form vor mir. Ich fragte nach dem Preis, der sich auf Pesos 450 belief, was etwa €22.50 entspricht. Ich musste eine Weile überlegen, habe mich dann aber gegen den Kauf entschieden und kann somit nichts über den Rauschzustand berichten. Von Anna wusste ich, dass die Pilze von den Schamanen des Ortes schon früher als Heilmittel eingesetzt wurden und es bis heute werden. Die magischen Pilze sollen wohl auch ins Ungleichgewicht geratene emotionale Zustände wieder korrigieren können.

    Es war ein interessanter und lehrreicher Tag in San José del Pacífico. Am Vormittag des 27. März ging die Reise weiter an die Pazifikküste. Google Maps zeigte für die 176km etwa 4 Stunden reine Fahrtzeit an. Es ging bergauf und bergab und es kam Kurve um Kurve. Mir wurde es zeitweise richtig flau im Magen, aber ich kam am Nachmittag in Puerto Escondido an. Endlich Meer :).
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  • Playa Zicatela, Puerto Escondido

    27. marts 2023, Mexico ⋅ ☀️ 30 °C

    Auch bei der mehrstündigen Fahrt von San José del Pacífico an die Pazifikküste waren die Eindrücke wieder sehr vielseitig. In diesem Gebiet leben noch viele indigene Völker, wie man sich vorstellen kann in sehr bescheidenen Verhältnissen. An der Straße sieht man immer wieder Frauen und auch Kinder, die etwas verkaufen wollen, wie Früchte und Gemüse, oder Lebensmittel jeglicher Art, aber auch Holztische und Stühle aus Handarbeit und verschiedene Kunstwaren. Die Landschaft veränderte sich je südlicher ich kam. Es wurde tropischer und aus Nadelgehölzen wurden Palmen und andere subtropische Gewächse. Ich erreichte den Playa Zicatela, der sich etwas außerhalb der Stadt Puerto Escondido befindet am Montagnachmittag des 27. März und fand den auf der IOverlander App angegeben Campingplatz auf Anhieb. Der sogenannte „Perfect Place in Escondido“ bot gerade mal 2 Plätze für kleinere Vans an und neben mir standen bereits Schweizer, die ich unterwegs schon mehrmals getroffen hatte. Es war ein vertrautes und unterhaltsames Wiedersehen. Zum Campingplatz gehörte eine Bar, in der täglich von 16 - 23 Uhr ohrenbetäubende Musik lief. Für wen war mir nicht klar, da kein Gast in dieser Nebenstraße auftauchte. Außerdem konnte man sich nur mit einem Bucket duschen. Fließendes Wasser war rar, dementsprechend war auch die Funktion der Toilette sehr eingeschränkt. Der erste Abend war noch recht lustig, vor allem als die Besitzer auftauchten und Pulque, ein alkoholisches Getränk, gewonnen aus der Agave, ausschenkten. Trotzdem störten mich auf diesem Campingplatz zu viele Dinge und ich entschied mich am nächsten Tag an einen anderen Platz eine Straße weiter Richtung Strand zu wechseln. Die Punta Paraiso Cabañas boten einfache Zimmer an und im „Garten,“ was eher ein Sandplatz war, befanden sich 2-3 Stellplätze für Camper. Am Dienstagmorgen richtete ich mich dort ein und blieb dort 4 Tage stehen. Ich fand den Campingplatz nicht perfekt und doch gefiel mir die lockere und aufgeschlossene Atmosphäre dort. Direkt nebenan befanden sich die angesagtesten Cafés und Restaurants, sowie Shops und der Strand war nur wenige Meter entfernt. Einziger Störfaktor war der Müll neben dem Campingplatz, der wie überall in Escondido zum Himmel stank. Mit der Zeit fand ich das extrem störend und es war oft nicht möglich, in einem Restaurant zu sitzen, ohne dass der Müllgeruch vorbeizog, mehr oder weniger intensiv.

    Der Playa Zicatela zieht vor allem sehr junge Surfertouristen aus aller Welt an, die mit ihren perfekten Bodys und dem Surfbrett unter dem Arm Richtung Strand flanieren. Hier wird Marihuana bis zum Abwinken geraucht und in der Regel hat man die erste Duftwolke bereits morgens um 7 Uhr in der Nase.
    Am Playa Zicatela können bis zu 10–Meter hohe Wellen aufschlagen. Die Sonnenuntergänge sind magisch und locken am Abend tausende Einheimische und Touristen an den Strand. Hier klatscht man sogar Beifall, nachdem die Sonne untergegangen ist. Diese Tradition hat sich für mich eher ungewöhnlich angefühlt.
    An der Punta Zicatela kann man außerdem sehr gut essen, sei es Fleisch, Fisch, vegetarisch oder vegan. Ich hatte endlich das Gefühl, auch kulinarisch am richtigen Ort zu sein. Zudem gibt es sehr innovative Läden in Escondido und eine Shoppingtour lohnt sich auf jeden Fall. Am Playa Zicatela traf ich auch erstmals Reisende außerhalb des Campingplatzes auf einen Smalltalk.

    An einem Tag fuhr ich für ein paar Besorgungen nach Puerto Escondido. Dies lohnt sich aber wirklich nur dafür. Es ist keine Stadt, die mit Sehenswürdigkeiten aufbieten kann.

    Die meiste Zeit verbrachte ich am Strand. Ich lag im Sand und lauschte dem Klang der Wellen. Am späten Nachmittag genoss ich dann bei den hohen Temperaturen meist die kalte Dusche im Punta Paraiso. Später traf man sich in der Gemeinschaftszone oft noch auf ein Schwätzchen und die Mehrheit rauchte mindestens einen Joint.

    Playa Zicatela tat gut und der Abschied fiel schwer. Mein nächstes Ziel war Mazunte, eine weitere Beach-Destination. Da ich nur etwa eine Stunde Fahrt hatte, startete ich erst gegen 14 Uhr. Es war ein Abschied von einem coolen Ort und von netten Menschen.
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  • Mazunte und San Agustinillo

    1. april 2023, Mexico ⋅ ☀️ 31 °C

    Für die 67km auf der Küstenstraße von Puerto Escondido nach Mazunte benötigte ich etwas mehr als eine Stunde. Den Campingplatz „Tamoancha“ fand ich nach kurzer Suche und richtete mich dort erstmal in Ruhe ein. Da es bereits später Nachmittag war, entschied ich mich nur noch für die Abgabe meiner Wäsche in einer lokalen Lavandaria und verbrachte den Abend auf dem begrünten Stellplatz unweit des Zentrums. Die überschaubar wirkende Pueblo Magico Mazunte wollte ich mir am nächsten Tag anschauen.

    Nachdem ich am Morgen meiner üblichen Routine Joggen-Frühstücken-Duschen nachgegangen bin, packte ich meine Badesachen und machte mich in Richtung Stadt auf. Die Kirche, das Museum zur Erforschung und Rehabilitation von Meeresschildkröten (Centro Mexicano de la Tortuga), die Flaniermeile zum Strand und der Strand selber sind die Hauptattraktionen des Ortes, die man schnell gesehen hat. Deshalb entschied ich mich auch, den Rest des Tages am Wasser zu verbringen. Ich fand ein schönes, ruhiges Plätzchen unter einem Schirm am Ende des Strandes nahe der Felsen und legte mich an den Ozean, da die Sonne mit aller Kraft vom Himmel strahlte. Umspült vom Wasser ließ es sich gut aushalten. Ich beobachtete die paar wenigen Touristen, wie sie das Spielen mit den und Baden in den Wellen genossen. Wie schon in Escondido hatten sie eine beträchtliche Höhe. Nicht ahnend welche Konsequenzen das Eintauchen in die Wellen haben könnte, versuchte ich es den vielen Anderen, nach Abkühlung Suchenden gleichzutun und wurde sofort von der ersten anrollenden Wassermasse erfasst. Ich wusste mir nicht mehr zu helfen und tauchte unter. Ich bekam richtig Angst. Als ich aus der Welle wieder herauskam und mich gerade aufrichten wollte, rollte die Nächste heran und erfasste mich nochmals. Ich strauchelte wieder, konnte mich dann aber an den Strand retten, jedoch war ich von Kopf bis Fuß mit Sand bedeckt und das Salzwasser tropfte aus allen Körperöffnungen. Es war eine wirklich beängstigende Erfahrung und ich hatte von da an großen Respekt vor dem wilden Pazifik. Nachdem ich mich von dem Schock etwas erholt hatte und eine Weile unter meinem Sonnenschirm geschlafen hatte, spazierte ich ein Stück auf den Felsen entlang. Plötzlich lief mir Chi, ein holländischer Masseur mit Wurzeln in Indonesien und China über den Weg und wir genossen eine nette Unterhaltung zusammen. Nach der Erfahrung mit den Wellen, tat die Begegnung richtig gut. Chi bot mir eine heilende Massage auf Spendenbasis für den nächsten Nachmittag an und ich sagte zu.

    Am Vormittag des 3. April wollte ich den Strand des benachbarten San Agustinillo bis zu meinem Massagetermin genießen. Auf meinen morgendlichen Joggingrunden hat dieser Ort bereits einladender auf mich gewirkt als Mazunte. Als ich dort ankam und den ruhigeren Strandteil genießen wollte, rief Chi an und wollte die Massage auf den Mittag verschieben. Ich lief von Agustinillo wieder zurück nach Mazunte und traf mich mit Chi. Ich denke, dass wir für das Gespräch und die Massage etwa 3 Stunden Zeit investierten und es tat richtig gut. Wann bekommt man schon einmal eine 2-stündige Massage auf Spendenbasis? Ich machte mich danach nochmals auf an den Strand von San Agustinillo, doch es war eigentlich schon zu spät. Nach einem Spaziergang kehrte ich in einem netten Strandlokal ein und genoss vegetarische Tacos. Danach lief ich nach Mazunte zurück.

    Nach 3 Nächten auf dem Campingplatz entschied ich mich am Dienstag, den 4. April zur Weiterfahrt nach Zipolite, was nur etwa 15 Minuten entfernt war. Es ging auf Ostern (hier Semana Santa genannt) zu und die Stranddestinationen füllten sich zusehends. In Zipolite herrschte an diesem Dienstag aber noch Ruhe vor dem Sturm.
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  • Playa Zipolite, OAX, Mexiko

    4. april 2023, Mexico ⋅ 🌬 31 °C

    Am Dienstag vor Ostern kam ich nach ca. 15 minütiger Autofahrt aus Mazunte kommend in Zipolite an. Ich hatte mir auf der IOverlander App den Stellplatz bei Cabañas La Habana ausgesucht und nicht zuletzt auch aufgrund eines Reiseberichts eines Deutschen, der ein Foto der Cabañas auf seiner Onlineseite veröffentlicht hat. Irgendwie war ich dadurch schon eine Weile von diesem Ort in den Bann gezogen. Ich wollte dorthin und ich kam genau dort an. Ich war erstmal enttäuscht von der Unfreundlichkeit und Launenhaftigkeit der Tochter des traditionellen Familienunternehmens und wollte mich schon nach einem anderen Campingplatz umsehen. Allerdings registrierte ich einen US-Amerikanischen Van auf dem Platz und ich fragte den Camper, ob er spanisch spreche und mir helfen könne. Er tat Beides. Nach einigem Hin und Her erhielt ich meinen Stellplatz neben Phil’s Wagen und musste mit Pesos 300 über die Ostertage tiefer als gewöhnlich in die Tasche greifen. 100 Pesos verlangte Cabañas La Habana alleine für den Strom pro Tag von mir.
    Naja, es gibt Schlimmeres als für 15 € pro Nacht 30 Meter vom Pazifik entfernt zu stehen und mit dem Klang der Wellen in den Schlaf gewogen zu werden. Es war traumhaft und Phil’s Gesellschaft war auch gerade das, was ich in dem Moment brauchte. Ein Alt- Hippie, der vor über 30 Jahren das erste Mal nach Zipolite kam und seitdem immer wieder und sonst auch mit unzähligen Reisegeschichten aufwarten konnte. Seine Partnerin weilte aus familiären Gründen gerade in New York, aber stattdessen war eine 4-köpfige Familie aus Nezahualcóyotl Phil’s momentaner Partnerersatz. Es wurde gefeiert, gelacht, getrunken was das Zeug hielt und Marihuana geraucht. Die Kinder, 1 und 7-jährig spielten daneben. Was soll ich sagen: Zipolite war bereits vor 40 Jahren eine Hippiedestination und sie ist es noch immer und ich hatte meinen Spaß.

    Als ich am nächsten Morgen vom Joggen zurückkam, realisierte ich erst das ganze Zipolite-Ausmaß. Zipolite ist der einzige Nudistenstrand in ganz Mexiko und besonders beliebt bei männlichen Homosexuellen. Es war der Tag vor Gründonnerstag und Cabañas La Habana füllte sich rapide. Unter den Cabañas wurde Zelt an Zelt aufgebaut. Die Reisenden kamen aus allen Landesteilen an und in der Regel war es so, dass sie ihr Zelt aufbauten, sich auszogen und erst zur Abreise wieder anzogen. Ich trank am Morgen meinen ersten Kaffee während am Strand die Nudisten flanierten. Einige joggten auch vorbei. Im La Habana spazierte man auch bereits frühmorgens splitterfasernackt herum. In Zipolite ist man nackt und man genießt es. Ich begann diese körperliche Freiheit ebenfalls wertzuschätzen und war zumindest die Zeit, die ich am Strand verbrachte ohne zweite Haut unterwegs.

    Strände gibt es in Zipolite einige, angefangen beim Playa del Amor, der in gewissen Kreisen für seine Parties nach Einbruch der Dunkelheit bekannt zu sein scheint. Phil und ich waren abends 1x dort und da schlossen der Strand und die Bars um 21 Uhr, aber interessant war es schon zu sehen, wieviele männliche Strandbesucher hinter den Felsen verschwanden. Ich war nochmals tagsüber am Playa del Amor und fand ihn bezaubernd. Der größte Strand, der sich auch vor dem Cabañas La Habanas befindet, ist der Zipolite Beach und nach den Felsen gelangt man an den „OM Beach.“ Ob der Name allerdings wirklich existiert, weiß ich nicht. Ich denke die Einheimischen nennen ihn so, weil sich viele Spirituelle dorthin begeben, um zu meditieren. Ich hab ihn so sehr genossen und war tagelang mit vielleicht 4-5 anderen Sonnenhungrigen dort und das selbst an Semana Santa.

    Nach den ausgiebigen Stunden am Strand kehrte ich meist noch im Restaurant neben dem La Habana ein. Oft kam Phil spontan dazu und wir teilten uns legendäre Fisch-Tacos. Ich vermisse sie gerade so sehr, denn es waren die Besten seit dem Start meiner Reise in Mexiko. Am Abend herrschte an den Feiertagen eine ausgelassene Stimmung unter den Cabañas. Die Familie war nach wie vor da und unsere Nachbarn aus Veracruz hatten ihren Papagei dabei, der für Stimmung sorgte. Um dem Trubel zu entgehen, musste ich mich nur neben anstatt vor das Auto setzen. Es regelte sich alles wie von selbst und es tat gut.

    Morgens ging es dann meist zum Roca Blanca, dem später entstandenen Zentrum Zipolites, für einen Tageseinkauf. Im Zentrum befinden sich einige Läden, einer speziell für Beach-Accessoires für männliche Homosexuelle, Restaurants, Hostels und Hotels. Auf dem Weg nach Roca Blanca entdeckte ich immer wieder neue paradiesische Seitengassen mit Strandblick. Ich konnte davon nicht genug kriegen.

    Zusammenfassung: Zipolite ist besonders und ich vermisse es. Es ist für mich der Inbegriff von Freiheit, Besonderheit und Einzigartigkeit. Zipolite zählt zu einem der schönsten Orte, die ich bisher bereist habe. Danke auch an die Community, besonders an Phil, dass ich mich dort so wohlfühlen konnte.

    Ich wollte ursprünglich 3 Nächte bleiben und es wurden 7. Am Dienstag, den 11. April fuhren Phil und ich nach San Augustin und verbrachten eine Nacht auf dem Camping „El Capi.“ Ich genoss vor allem den ruhigen Ozean an diesem Ort. Am 12. April machten wir uns für Besorgungen nach Crucecita auf und hier trennten sich unsere Wege. Phil fuhr zurück nach Zipolite und ich weiter an die Concepción Bamba. Es warteten neue Abenteuer auf mich, u.a. auch mal wieder mit dem Auto.
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  • Concepción Bamba, OAX, Mexiko

    12. april 2023, Mexico ⋅ ⛅ 34 °C

    Ich erreichte die Concepción Bamba nach etwa 2 Stunden und 107km auf der MEX 200. Es war eine ruhige Fahrt entlang der Pazifikküste mit teils atemberaubendem Blick auf den wilden Ozean.

    Übernachten wollte ich im La Bamba Surfcamp, welches mir von den Vorbesitzern des Isuzu empfohlen wurde. Der Stellplatz befindet sich auf dem Grundstück einer lokalen 3-köpfigen Familie, die neben dem Camping auch einfach ausgestattete Cabañas sehr preisgünstig vermietet. Ich zahlte pro Nacht Pesos 50 (€2.50) für den Platz, Strom und die Benutzung der sanitären Anlagen, inklusive Dusche. Dies war der günstigste Preis für einen Campingplatz auf meiner gesamten bisherigen Reise. Ich stand in einem gepflegten Garten unter einem Mangobaum, der etwas Schatten bot. Die Temperaturen waren an der Concepción Bamba schweißtreibend.

    Den Sonnenuntergang wollte ich am Abend meiner Ankunft am Strand verbringen, der sich in etwa 10-minütiger Laufdistanz vom Surfcamp befindet. Es war atemberaubend, was sich meinem Auge bot: riesige Steine, die die tosenden Wellen davon abhielten, an den Strand vorzudringen und atemberaubende Sanddünen taten sich linkerhand auf. Es wirkte wie die Ankunft auf einem anderen Planeten auf mich. Faszinierend. Ich hatte eigentlich vor, die Concepción Bamba nach einer Nacht wieder zu verlassen, doch diesen Plan verwarf ich und verlängerte auf unbestimmte Zeit.

    Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich zeitig an den Strand für ein paar Fotos, doch daraus wurde nichts. Ich unterhielt mich länger mit einer deutschen Alleinreisenden und realisierte später, dass sich mein IPhone nicht mehr aufladen ließ. Das Problem bestand schon länger, doch mittlerweile ging gar nichts mehr. Ich entschied mich für eine Fahrt in die nächstgrößere Hafenstadt Salina Cruz. Die Fahrt lohnte sich, denn im Repairshop wurde mein Mobiltelefon umfassend geprüft und man verkaufte mir ein neues Ladekabel, womit ich mein Gerät wieder zuverlässig laden konnte. Die Hitze tat dem IPhone einfach nicht gut, doch es war wieder brauchbar und ich konnte die Rückfahrt antreten.

    Auf dem letzten Drittel der Strecke nach dem Ort Morro de Mazatán erlebte ich dann ein neues „Abenteuer Auto.“ Im Cockpit leuchteten alle Kontrollleuchten auf, die Servolenkung fiel aus und der Motor stellte ab. Ich konnte mich an den Straßenrand manövrieren, stellte die Zündung ab, startete wieder und fuhr weiter. Nach wenigen Kilometern trat das Problem erneut auf und ich blieb wieder stehen. Ich ließ mich von einem Motortaxi zu einem Mechaniker nach Morro de Mazatán fahren. Nach dessen Begutachtung schien wohl ein Defekt am Steuerelement vorzuliegen, aber er meinte, ich solle vorerst weiterfahren und testen. Ich fragte ihn noch, ob er mir einen Ölwechsel machen könne, denn das Material dafür hatte mir Phil bereits in Crucecita gekauft und ich hatte es dabei. Als dann die Frau des Mechanikers gerufen wurde, um mir den Preis für die Serviceleistung ohne eigentliche Reparatur und den Ölwechsel zu nennen versetzte es mich mal wieder in Erstaunen, wie man als „Gringo“ zur Kasse gebeten wird. Ich fuhr ergebnislos, müde und etwas verärgert davon und kam kurz vor Einbruch der Dunkelheit im La BambaSurfcamp an.

    Es war ruhig hier, die Familie außer Haus und in die Cabañas waren keine neuen Gäste eingezogen. Es sah so aus, als ob ich alleine vor Ort war. Ich entschied mich, erst einmal eine Dusche zu nehmen. Nachdem ich aus dieser heraus kam, stand ein vermutlich alkoholisierter Mann vor mir und ging nicht mehr weg. Er machte Geräusche und ich bekam es erstmals in Mexiko mit der Angst zu tun. Ich forderte ihn mehrmals auf zu gehen und irgendwann tat er es glücklicherweise auch. Ich fühlte mich nicht mehr sicher an diesem Ort und fuhr mit dem Auto zum nächsten Restaurant auf dem Weg zum Strand. Von der Familie wurde ich herzlichst aufgenommen, es gab ein Bier zur Beruhigung und ich konnte dort übernachten. Sie erzählten mir, dass der Mann taubstumm und harmlos sei und jeden Abend vom Dorf an den Strand und zurück spaziere. Ich müsse keine Angst haben. Als ich dann am Morgen zum La Bamba Surfcamp zurück kam, bat ich die Familie am Abend das Tor zum Grundstück zu schließen. Der Mann stand nach Einbruch der Dunkelheit wieder da und wollte sich Zugang verschaffen. Nachdem ihm der Grundstücksbesitzer Zeichen gegeben hatte lief er weiter Richtung Dorf und wie jeden Abend schlugen die Hunde an und bellten lautstark und langanhaltend.

    Am dritten Tag an der Concepción Bamba nahm ich es gelassener. Es war mein Strandtag und ich genoss ihn. Ich machte Fotos und schaute den Surfern beim Wellenreiten zu. Die Bucht ist aufgrund ihrer Windverhältnisse und Wellen bei Surfern sehr beliebt. Zum Schwimmen eignet sich das Wasser nicht wirklich. Am Strand gab es dann noch ein ausgezeichnetes Fisch-Ceviche und am Nachmittag ging es weiter ins Dorf, indem es allerdings nichts Nennenswertes zu sehen gibt. An der Concepción Bamba lebt die Bevölkerung sehr ursprünglich und im Einklang mit der Natur und meines Ermessens nach ist diese Region für mehr Tourismus nicht ausgelegt. Ich hoffe es bleibt bei den wenigen Individualtouristen, die hier vorbeikommen.

    Nach 3 Nächten an meiner vorerst letzten Station an der mexikanischen Pazifikküste fuhr ich am Samstag, den 15.April weiter nach Tuxtla Gutiérrez, in die Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas. Da es eine recht weite Fahrt war und die Situation mit dem Auto nicht klar war, startete ich früh am Morgen. Ich erreichte mein Ziel sicher.
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  • Sumidero Canyon und Chiapa de Corzo

    15. april 2023, Mexico ⋅ ☀️ 37 °C

    Tuxtla Gutiérrez, die Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Chiapas ist wahrlich keine Schönheit, oder zumindest konnte ich das Schöne bei meinem Kurzaufenthalt nicht entdecken. Ich kam am Samstag, den 15. April nach einer mehrstündigen Fahrt auf teils windigen Mautstrassen ohne weitere Probleme mit dem Isuzu an. Das war erstmal beruhigend und ich interpretierte es als gutes Zeichen. In Tuxtla ging es zuerst zu Walmart, da der Inhalt meines Kühlschranks nach der langen Zeit am Strand recht geschrumpft war. Nur einen Katzensprung vom Einkaufszentrum entfernt befand sich der zum Hotel La Hacienda gehörende gleichnamige RV-Park. Da es der einzige offizielle Stellplatz in Tuxtla Gutiérrez ist und er noch dazu sehr zentral liegt und viele Annehmlichkeiten bietet, fiel die Entscheidung nicht schwer, dort für eine Nacht zu stehen. Beim Check-In fragte ich, ob ich meine Wäsche im Hotel abgeben könne und wie lange dies dauern würde. Zuerst hieß es, dass es samstags nicht möglich sei, doch plötzlich teilte mir der Rezeptionist mit, dass sich eine Reinigungskraft um meine Wäsche kümmern werde und ich sie am nächsten Morgen um 9 Uhr wieder zurück hätte. Ohne weiter darüber nachzudenken stimmte ich zu und verbrachte den Rest des Abends mit dem Reinigen des Autos und Aufräumarbeiten. Nach einer lauten Nacht in der Hotelanlage, aber einer angenehmen Laufrunde im benachbarten Sportpark am frühen Morgen, erhielt ich meine Kleider zu vereinbarter Zeit zurück. Ich traute meinen Augen nicht, als ich den Wäschesack öffnete. Alles war noch feucht, z.T. schmutzig, nicht zusammengelegt, zerknittert und bei einigen Bikinioberteilen fehlten die Inlays und diese Frau wollte dafür Pesos 200 (€10) von mir. Ich war wirklich entrüstet und reklamierte an der Rezeption. Die Tochter der Reinigungskraft brachte nach einigen Stunden die fehlenden Bikiniteile vorbei und ich bekam den „Wäscheservice“ und die Nacht auf dem Platz gratis. Hotel La Hacienda konnte ich demzufolge erst am Nachmittag zu den Aussichtsplattformen der Sumidero-Schlucht (Cañón del sumidero) verlassen.

    Der Eingang zur Schlucht war vom La Hacienda nur einige Kilometer entfernt und ich erreicht ihn schnell. Ich entschied mich aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit dort zu übernachten und erst am nächsten Morgen zu den 5 Aussichtspunkten zu fahren. Es war ein netter und entspannter Abend. Neben den Isuzu und mich gesellte sich noch ein alter VW-Bully, dessen Besitzer in Argentinien die Panamericana gestartet hat und dessen Mitreisende aus Belgien namens DOREEN :). Nicht besonders ansprechend waren die Toiletten vor Ort, aber für eine Nacht ging es schon. Am Abend zog Regen auf und einige Collectivos stoppten auf dem Weg in indigene Dörfer am Eingang zum Canyon.

    Am nächsten Morgen startete ich bereits kurz nach Öffnung um 8 Uhr zu den Aussichtsplattformen. Es war ein recht bewölkter Morgen und doch war der Blick von oben auf die Schlucht gigantisch.

    Der Cañón del sumidero ist ein tiefer Canyon mit bis zu teils über 1000m hoch aufragenden Felswänden im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Er wird vom Río Grijalva durchflossen. Seine Entstehung begann vor 35 Millionen Jahren, etwa gleichzeitig mit dem Grand Canyon in Arizona.

    Im Nationalpark Cañón del Sumidero befinden sich 5 Wasserfälle. Im Fluss leben auch Krokodile und Flussschildkröten, die sich manchmal auf Felsen oder Sandbänken sonnen. Affen klettern geschäftig auf den Bäumen auf und ab. In den Felsen zu beiden Seiten der Schlucht befinden sich mehrere Höhlen. Durch den 1981 fertiggestellten Chicoasén-Staudamm am nördlichen Ende der Schlucht entstand hier einer der größten Stauseen Mexikos, dessen 261 m hohe Staumauer auch zu den 15 höchsten der Welt gehört.

    Nachdem ich mir die Schlucht von den Aussichtsplattformen aus angesehen hatte, was wirklich lohnenswert und wenig touristisch ist, entschied ich mich zur Weiterfahrt an den Bootsableger nahe der Stadt Chiapa de Corzo. Durch die Schlucht fuhren von dort aus Schnellboote und dieses Highlight wollte ich mir nicht entgehen lassen. Es dauerte ewig bis ich die
    500 000-Einwohner-Stadt Tuxtla in richtiger Richtung verlassen konnte.

    Auf der IOverlander App waren einige Bootsableger eingezeichnet. Ich entschied mich für den am schnellstmöglich Erreichbaren aus Tuxtla Gutiérrez kommend. Es waren von da aus noch etwa 7km bis zur Pueblo Mágico Chiapa del Corso. Als ich gegen Mittag ankam, musste ich mich etwas gedulden. Das Boot legte nur ab, wenn es mit 18 Personen ausgelastet war. Nach ca. 30 Minuten zahlte ich die Pesos 230 Eintritt, 50 Pesos hatte ich bereits an den Miradoren berappt und diese wurden hier von dem regulären Preis von Pesos 280 abgezogen. Die Bootstour startete und obwohl einige internationale Gäste an Board waren, waren wieder alle Erklärungen ausschließlich auf Spanisch. Es war eine rasante Fahrt durch den Canyon, die Sombreros zog man lieber ab und man wurde nass. Der Bootsführer hielt an mehreren Stellen an: bei den Krokodilen und Affen, an der höchsten Stelle der Schlucht, am Wasserfall Arbol de Navidad (Weihnachtsbaum) und am Staudamm gab es für die Durstigen schließlich Micheladas, ein beliebtes alkoholisches Getränk in Mexiko. Danach ging es zurück, in unserem Fall mit Unterbrechung, denn kurz vor dem Bootsanleger war das Benzin leer. Der Bootsführer war nun gar nicht mehr so kommunikativ und erst als ein anderes Boot mit einem Kanister zur Hilfe kam, wussten wir Insassen, was Sache war. Mit Verzögerung kamen wir nach etwa 2.5 h Fahrt durch den Canyon wieder am Bootsanleger an. Mein Resume: die Aussichtsplattformen haben mir besser gefallen.

    Ich fuhr nach der Besichtigung des Cañón del sumidero in die nahegelegene Stadt Chiapa de Corzo. Da ich an diesem Tag schon recht viel gesehen hatte, wollte ich mich hier nicht allzulange aufhalten. Ich entschied mich das Auto im Zentrum auf einen bewachten Parkplatz zu stellen und spazierte für etwas mehr als eine Stunde umher. Von der Stadt aus kann man ebenfalls Bootstouren in den Canyon starten, da sie direkt am Río Grijalva liegt.

    Wahrzeichen der Pueblo Mágico und ein einzigartiges Monument aus der Kolonialzeit ist der im Jahr 1552 aus Ziegelsteinen erbaute La Pila-Brunnen (Durchmesser 52 m, Höhe 12 m). Wegen seiner ungewöhnlichen, an eine Krone erinnernden Form erhielt er auch den volkstümlichen Namen La Corona.
    Nachdem ich mich eine Weile auf dem zentralen Platz umgeschaut hatte, ging ich zurück zum Parkplatz. Ich wollte es noch bis nach San Cristóbal de Las Casas schaffen und wusste bereits, dass ich aufgrund der Höhenlage der Ortschaft eine kurvenreiche Fahrt vor mir hatte. Was ich nicht wusste war die Tatsache, dass es in San Cristóbal an dem Tag Unruhen mit 3 Todesfolgen gab. Auf dem Parkplatz in Chiapa de Corzo teilte man mir mit, unbedingt die Mautstrasse zu nehmen. Ich nahm sie und erreichte den Campingplatz sicher. Es waren noch immer Schüsse zu hören.
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  • San Cristóbal de las Casas, Chiapas

    17. april 2023, Mexico ⋅ ⛅ 20 °C

    Ich verließ die Pueblo Mágico Chiapa de Corzo am späten Nachmittag des 17. April und nahm auf Anraten des Parkplatzpersonals die Mautstrasse nach San Cristóbal de las Casas, welche nicht gebührenpflichtig ist. Es gab Unruhen auf der Carretera Libre und es hieß, dass auf Teilstrecken Feuer gelegt wurde. Ich fuhr die 55km auf der empfohlenen Straße und wurde auf dem Campingplatz San Nicolas von anderen Campern mit großer Erleichterung empfangen. Ich wusste noch immer nicht, was eigentlich vor sich ging, doch ich erfuhr es schnell. In San Cristóbal kam es an jenem Montag zu Krawallen und Schiessereien mit 3-facher Todesfolge. Nach meiner Ankunft waren noch immer Schüsse zu hören. Die Stadt stand still und es wurde Ausgangssperre verhängt. Die Schulen hatten am nächsten Tag noch geschlossen, allerdings konnte man am Morgen die Häuser wieder verlassen. Die Geschäfte öffneten nach und nach. Irgendwie fiel es mir schwer, hier richtig anzukommen, obwohl die Stadt als eine der Schönsten in Nord-und Zentralamerika gilt, als Sicherste aber wohl nicht.

    Anfang 1994 geriet San Cristóbal de las Casas kurzzeitig sogar einmal in den Fokus der Weltöffentlichkeit, als dort die Zapatisten ihren Aufstand begannen, organisiert in der EZLN (deutsch: Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung), die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt und den Folgen der Globalisierung kritisch gegenübersteht. San Cristóbal wurde ab dem 1. Januar drei Tage von den Zapatisten besetzt, bis sie von der mexikanischen Armee verdrängt wurden. Die Zapatisten zogen sich daraufhin ins umliegende Bergland und in die Urwälder an der Grenze zu Guatemala zurück.

    In San Cristóbal herrschte anderes Klima und es war erst einmal Abkühlung angesagt. Die Stadt liegt im zentralen Hochland von Chiapas, dem südlichsten Bundesstaat Mexikos. Sie befindet sich auf einer Höhe von 2100 m und es fiel mir wirklich schwer, mich mit den vor allem sehr tiefen Abend-und Nachttemperaturen von 10-12 Grad Celsius zu arrangieren. Ich begann beide Schlafsäcke und meine langen Hosen und Pullover wieder herauszusuchen und fror trotz alledem noch immer. Ich wollte die Stadt so schnell wie möglich wieder verlassen und mich in wärmere Gefilde begeben. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich aber noch nicht, dass ich in der Pueblo Mágico meinen bisher längsten Aufenthalt an einem Ort in Mexiko von insgesamt 11 Nächten verbringen würde. Deshalb ist dieser Footprint auch etwas umfassender.

    Mit der Stadt und ihrer wundervollen Kolonialarchitektur konnte ich mich noch nicht recht auseinandersetzen, denn ich hatte momentan andere Prioritäten und die hießen: AUTO. Für den Dienstag hatte ich bei einem deutschen Mechaniker, der in San Cris lebt, einen Termin am frühen Nachmittag abgemacht und hoffte, dass er herausfinden könne, warum der Isuzu ab und zu einfach stehenblieb. Nachdem Jürgen den Fehler bei seiner 1-stündigen Analyse nicht finden konnte und ich etwas ratlos wirkte, schlug er mir vor, dass ich das Auto am Samstagmorgen nochmals vorbeibringen könne. Eigentlich wollte ich nicht so lange in der Stadt bleiben, doch ich entschied mich anders, denn ich vertraute auf eine Lösung.

    Mir standen somit 3 Tage für die Besichtigung der Stadt und der näheren Umgebung zur Verfügung. Ich entschied mich am nächsten Tag einige Karsthöhlen zu besuchen und begann mit der Größten und wohl Touristischsten, der Höhle im Parque Ecoturístico Rancho Nuevo, welche mich nicht besonders in ihren Bann gezogen hat. Die Gruta del Mamut war die Zweite und ihr Charme übte Wirkung aus. Hier sind an den Wochentagen nur wenige Touristen und man kann sich, die durch Tropfstein geformten Figuren in Ruhe anschauen. Das Mammut existiert wirklich und schlummert in der Höhle vor sich hin ;). Da es noch nicht allzu spät war, entschied ich mich, die Höhle El Arcotete im gleichnamigen ökotouristischen Park noch als Letzte anzuschauen. Sie hatte zwar bereits geschlossen, aber der Platzwart war so nett, sie für mich und ein Paar aus Spanien wieder zu öffnen. Ich fand diese Höhle sehr besonders und einzigartig und sie hat mir von den Dreien am Besten gefallen. Im Park kann man außerdem Spaziergänge und längere Wanderungen unternehmen.

    Am frühen Abend kam ich auf den Campingplatz zurück. Er hatte sich merklich geleert, da viele Camper an dem Tag abgereist sind. Allerdings kam ein Ehepaar aus Colorado und deren Mops Miles zurück von einem mehrtägigen Ausflug und wir hatten bis zu deren Abreise eine wirklich coole Zeit zusammen. Miles kam morgens immer in den Genuss der Reste meines Yoghurt-Drinks und er liebte es und ich hatte meinen Spaß. Bei den kühlen Temperaturen am Morgen machte auch das Joggen richtig Freude. Ich fuhr dazu kurz nach 6 Uhr jeweils in einen etwa 5 km entfernten Sportpark, wo bereits viele andere Fitnessfreaks trainierten. Im SEDEM schaffte ich auch erstmals meinen morgendlichen 9k.

    Am Donnerstag und Freitag meiner ersten Woche in San Cristóbal erkundete ich das bezaubernde Zentrum. Mit seinen ca. 200 000 Einwohnern und den Touristen, hat die Stadt Einiges zu bieten. Es gibt
    4 Fußgängerzonen mit vielseitiger Gastronomie und abwechslungsreichen Geschäften im Stadtzentrum. Hier gab es dann auch mal wieder einen neuen Hut. Neben den teuren Geschäften in der Stadt, sieht man in San Cristóbal unzählige fliegende Händler. Vor allem die Mayas, die das Bergland um die Stadt bewohnen, kommen für den täglichen Verkauf aus ihren Dörfern ins Zentrum. Angeboten wird in der Regel Handarbeit. Der Mercado de Artesanias befindet sich um die Kirche Santo Domingo herum. Die vielen Plastikplanen lassen den Blick auf das Gotteshaus leider etwas unattraktiv erscheinen. Es war plötzlich spannend und interessant mit Zeit durch die Stadt zu streifen und ich entdeckte immer wieder neue Gassen und Gebäude.

    Nachdem ich während mehrerer Tage in den Straßen dieser interessanten Stadt unterwegs war, hieß es am Samstag, den 22. April, den ersehnten Termin bei Jürgen wahrzunehmen. Ich ließ ihm den Isuzu wie besprochen 4 Stunden da und machte mich mit dem Collectivo für geradeso 8 Pesos, aber total zusammengequetscht zwischen anderen Mitfahrern, ins Zentrum auf. Auch an diesem Samstagmorgen entdeckte ich wieder neue Orte in der Pueblo Mágico, die diese Auszeichnung wirklich verdient. Die Stadt versprühte Charme und zog mich mehr und mehr in ihren Bann.

    Auf dem Campingplatz herrschte wieder Hochbetrieb und gute Stimmung. Ich bekam auf Nachfrage von der Besitzerin Maria sogar eine Gratisnacht angeboten, die ich gerne annahm, denn mit Pesos 300 pro Nacht war San Niclas kein günstiger Ort für Overlander. Noch dazu musste man zum Frust aller Camper, immer seine eigene Rolle Toilettenpapier mit sich umhertragen und die brauchte man in San Cristóbal dringend. Obwohl es im Umland qualitativ ausgezeichnetes Trinkwasser gibt, kommt dies nicht bis in die Haushalte, sondern zu Coca Cola Mexiko, wo das hervorragende Quellwasser für die Getränkeproduktion genutzt wird.
    Aus den Leitungen fließt stattdessen unsauberes Wasser und vor allem Touristen leiden die ersten Tage oft am sogenannten „San Cris belly.“ Wer sauberes Wasser benötigt, muss es in großen Behältern am Wasserfahrzeug kaufen. Paradox.

    Nach 4 Stunden nahm ich mir ein Taxi für Pesos 50 zurück zu Jürgens Werkstatt. Ich war voller Hoffnung, doch als ich dort ankam, meinte er nur, dass er den Fehler nicht gefunden habe. Ein Gefühl von Ratlosigkeit, Enttäuschung und auch Frust machte sich in mir breit. Jürgen meinte dann, es könnte vielleicht der Kurbelwellensensor sein, aber das sei nur eine Vermutung. Ich bestellte diesen jedoch bei AutoZone, musste auf dem Weg zum Autozubehörladen aber wieder 3 Ausfälle des Autos in Kauf nehmen und das nach Stunden in der Werkstatt. Es bedeutete auch, dass ich meinen Aufenthalt nochmals um 2 weitere Nächte verlängern „durfte.“ Den Sensor holte ich am Morgen des 24. April ab und fuhr zur Werkstatt. Ich bat Jürgen nach dem Einbau noch um eine Probefahrt, die er mir aus zeitlichen Gründen absagte und meinte, ich solle sie ohne ihn machen. Da ich nach der „Verdachts-Reparatur“ erstmal keine Ausfälle mehr hatte, entschied ich mich am nächsten Tag für die Weiterfahrt zu den Wasserfällen von El Chiflón.

    In San Niclas packte ich alles zusammen und fuhr etwa 3 km durch die engen Straßen von San Cristóbal, bis das Auto wieder plötzlich abstellte. Zum Glück ließ es sich aber immer wieder neu starten und trotzdem: ich hatte kein gutes Gefühl. Solange ich noch in einer großen Stadt war, gab es mehr Möglichkeiten, als in der „Pampa.“ Ich versuchte nochmals mit Jürgen Kontakt aufzunehmen, doch ich erreichte ihn nicht mehr. Ich wusste , dass er 2 Tage später nach Deutschland fliegen würde.
    Von der Campingplatz-Besitzerin Maria erhielt ich den Tipp, mir Hilfe bei der Motor Tec Garage zu holen. Ich lernte Ivan kennen und bin von seiner Geduld und seinem Know-how noch immer begeistert. Ivan las mit seinem Scanner einen Fehler am Kraftstoffsensor aus, er wollte sich allerdings am nächsten Morgen Sicherheit auf einer Probefahrt verschaffen. Außerdem war dieser Sensor für den Isuzu so schnell nicht lieferbar.

    Ich fuhr wieder zurück auf den Campingplatz und wurde mit Erstaunen, aber mit Freude wieder in die „Community“ aufgenommen. Ben, Sara und Miles waren auch noch da und es tat gut liebgewonnene Menschen um sich rum zu haben.

    Am Mittwochmorgen fuhren Ivan und ich 1.5 Stunden mit dem Auto, ohne dass er sich auch nur 1x von seiner schlechten Seite gezeigt hätte. Es war bereits Mittag und ich schlug vor, noch etwas weiter zu fahren, um zu testen. Ich fuhr nach San Juan Chamula, einem besonderen Ort, der einen eigenen Footprint wert ist. Das Auto lief super.

    Am Donnerstag, den 27. April schaute ich am Vormittag nochmals bei Ivan vorbei. Ich war wieder bereit zur Abreise nach El Chiflón. Ivan bat mich gerade mal um Pesos 300 (€15) für die Serviceleistung, was ich wirklich fair fand. Eine Lösung für das Problem gab es nach wie vor nicht. Ich bewegte mich stadtauswärts und was passierte? Der Isuzu ging aus. Ich startete ihn wieder und er fuhr mich bis zu den Wasserfällen. Ich war ein Stück weiter auf meiner unglaublich eindrücklichen Reise. Ich kann dieses Auto nicht ändern, es ist abenteuerlich und doch hat es mich bisher an Orte gebracht, die ich ohne diesen Wagen wohl kaum bereist hätte. Ich beginne ihn wertzuschätzen, anstatt mich über ihn aufzuregen.

    San Cristóbal de las Casas ließ ich nach 11 Tagen hinter mir. Obwohl ich mich allmählich heimisch fühlte, wollte ich weiter an wundervolle Orte in Mexiko. Ich freute mich auf die Cascadas El Chiflón und auf tropische Gefilde.
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  • San Juan Chamula

    26. april 2023, Mexico ⋅ ☁️ 22 °C

    Am Mittwochvormittag des 26. April entschied ich mich nach der Probefahrt mit Ivan, die erneut nicht aufschlussreich war, den Isuzu am Nachmittag weiter zu testen. Ich verband dies gerade mit der Besichtigung des Ortes Chamula, der sich 10km entfernt von San Cristóbal befindet.

    Auf dem Weg dorthin zeigte sich der Isuzu unauffällig und irgendwie tat es gut, nach so vielen Tagen in der Stadt, mal wieder rauszukommen. Es ging noch etwas höher, nämlich auf 2250m über dem Meeresspiegel. An der Straße taten sich Obst-und Gemüsestände mit einem überdimensionalen Angebot auf.
    Ich hielt erstmal an und kaufte den Einheimischen etwas ab. In Chamula selbst findet man ebenfalls viele
    Frutas y Verduras. Einmal kam ich sogar an einem Laden vorbei, in dem im einen Teil der Tienda Früchte und Gemüse und im Anderen Schuhe verkauft wurden. Eine interessante Kombination. Überhaupt ist Chamula voller Geschäfte und seit einigen Jahren werden hier auch Waren angeboten, die speziell für Touristen gefertigt werden, wie z.B. Decken, Kleider, Taschen etc., recht identisch wie auf dem Mercado Artesanías in San Cristóbal.

    Ich streifte durch die Stadt an den vielen Läden vorbei, doch das war nicht das, was mich an diesem Ort in den Bann zog. Es war die lokale Bevölkerung, ihre Traditionen, sowie der Schamanismus, der in der Iglesia de San Juan betrieben wird.

    Der Ort Chamula hat etwa 3300 Einwohner, die ausschließlich indigen sind und in erster Linie von der eigenen Landwirtschaft leben. Die Einwohner von Chamula gehören dem Volk der Tzotzil an, das sind die Ureinwohner und Nachfahren der Maya. Fast alle sprechen die indigene Tzotzil-Sprache und sehr viele, nämlich etwa 60% sprechen kein Spanisch. Von allen Kindern in Chamula zwischen
    3 und 9 Jahren sprechen fast 100 % ihre indigene Sprache und 90% kein Spanisch. Die Tzotzil von Chamula sind bekannt dafür, ihre traditionelle Kultur und Religion strikt gegen äußere Einflüsse zu verteidigen. Ihr Glaube beinhaltet sowohl die Anbetung christlicher Heiliger als auch traditionelle Rituale bei denen z. B. Krankheiten geheilt werden sollen.
    So beschwört ein Schamane oder eine Schamanin durch Rülpsen schädliche Geister (Dämonen), die z.B. einen Kranken befallen haben. Die Beschwörung findet in ein lebendes Huhn statt, das anschließend getötet wird. Diese Zeremonien werden täglich in der katholischen Kirche ausgeführt. Dabei wird traditionell ein selbstgebrannter Zuckerrohr-Schnaps namens Posch getrunken. Mittlerweile werden auch kohlensäurehaltige Getränke wie Coca-Cola, Sprite und Fanta bei diesen Zeremonien eingesetzt, die dem Schamanen das Rülpsen erleichtern sollen.

    Die Kirche ist eine der wenigen noch erhaltenen Beispiele für die traditionellen Kirchenräume der indigenen Bevölkerung. Es gibt keine Kirchenbänke, der Boden ist mit Kiefernnadeln bedeckt, welches man im Dorfzentrum käuflich erwerben kann. Für den Eintritt in die besondere Kirche darf der Tourist 30 Pesos berappen und er hat striktes Fotografierverbot. Interessant fand ich auch Hunderte brennender Kerzen, natürlich nebst den Beschwörungen, Grüppchenbildungen am Boden, Federvieh und Rülpsgetränken in Plastikflaschen. Es war mal wieder eine von vielen einzigartigen Erfahrungen, die ich in Mexiko machen durfte und noch immer mache. Was für ein Glück.

    Eine spannende Andersartigkeit tat sich mir in Chamula auf. Die Bewohner tragen noch immer täglich ihre traditionelle Kleidung. Bei den Frauen und Mädchen sind es vor allem die Röcke aus schwarzer Schafwolle, die ins Auge stechen. Die Männer tragen ihre Sombreros aufrichtig und voller Stolz.

    Die 1994 von der Guerillabewegung EZLN (Zapatistische Armee der Nationalem Befreiung) eingeleitete indigene Revolution nahm in Chamula ihren Anfang. Seitdem wird die Gemeinde autonom verwaltet.

    Ich verbrachte einen äußerst interessanten und lehrreichen Nachmittag im Chamula und möchte ihn nicht missen. Auf dem Rückweg zur Mototec Garage lief der Isuzu immernoch tadellos. Ich entschied mich deshalb, am nächsten Tag aus der Region San Cristóbal abzureisen. Mal schauen, ob es wirklich möglich war.
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  • Cascada el Chiflon Velo de Novia

    28. april 2023, Mexico ⋅ ☀️ 32 °C

    Ich weiß nicht mehr auf welche Nebenstraßen mich Google Maps auf dem Weg von San Cristóbal nach San Vicente La Mesilla leitete, aber es war abenteuerlich. Der Isuzu stellte zwar letztmals im Zentrum der Großstadt ab, aber das war erst ein paar Stunden her und in der Gegend, durch die ich gerade fuhr, konnte ich sicher nicht auf schnelle Hilfe hoffen. Umso dankbarer war ich mal wieder, dass ich die etwas mehr als 100km in gut 3 Stunden erfolgreich gemeistert hatte. Ich befand mich nun bereits recht nah an der Grenze zu Guatemala.
    Das Klima und die Landschaft hatten sich verändert. Es war grün und üppig, sowie warm gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit. Ich hatte also wieder tropische Gefilde erreicht. Eine schöne Abwechslung zum recht kühlen San Cristóbal. Die warmen Sachen packte ich wieder weg.

    Nach der Ankunft im Dorf galt es eine Entscheidung zu treffen, auf welcher Uferseite des Rio San Vicente ich die nächsten Nächte verbringen wollte. Von Camperbekanntschaften hatte ich bereits die Empfehlung erhalten, das Camping am linken Eingang wohl komfortabler sei und deshalb entschied ich mich auch für diesen Platz. Ich stand auf dem öffentlichen Parkplatz der Cascadas El Chiflón, jedoch hatte ich zudem Toilette, Dusche, einen Stromanschluss, sowie Wifi für $100 (€5) pro Nacht und somit gab es keinen Grund zur Beschwerde. Ich war außerdem für 2 Nächte die einzige Camperin und hatte am Abend und am frühen Morgen einen Ecotouristic Park mit Fluss und Wasserfall für mich alleine. Ein Traum.

    Am Morgen nach meiner Ankunft ging es auf meine morgendliche Joggingrunde. Ich nutze sie gerne, um mir einen Überblick über die Gegend, in der ich mich befinde, zu verschaffen. So kam ich vom Eingang links zur rechten Seite und schaffte es außerdem in das Städtchen San Cristobalito La Cascada, welches ich mir später noch genauer anschauen wollte. Nach meiner Runde bei 24 Grad Außentemperatur um 6 Uhr morgens genoss ich das Schwimmen im eiskalten Fluss. Mir stockte der Atem, aber es tat unwahrscheinlich gut und kühlte ab.

    Nach dem Frühstück brach ich zu Fuß auf. Ich hatte mir für den Tag einiges vorgenommen: nämlich den Spaziergang durch San Cristobalito La Cascada, sowie die rechte und linke Seite am Fluss entlang bis zum Wasserfall „Velo de Novia.“ Links hatte ich bei der Einfahrt bereits meine $50 Eintritt in den Park bezahlt, Rechts durfte ich nochmals $80 berappen.

    Ich begann meinen Besichtigungstag mit einem Streifzug durch San Cristobalito La Cascada. Im 16. und 17. Jahrhundert befand sich das Städtchen auf dem Königsweg von Chiapas nach Guatemala und stach durch seine eigentümliche Kirche hervor, deren schöne und nüchterne Fassade noch erhalten ist. Im Innenraum findet man Informationen zum Königsweg auf Spanisch. Beim weiteren Streifzug durch den Ort stachen mir nur noch die vielen Blüten der Franchipanibäume ins Auge. Weitere Schönheiten konnte ich nicht entdecken. Die lokale Bevölkerung betrachtete mich zwar mit Erstaunen, war aber überaus nett und freundlich.

    Nach dem Rundgang in der Stadt war es nur noch ein Katzensprung bis zum Eingang zum Wasserfall auf der rechten Seite. Es war noch recht früh und somit wenig los und ich konnte den Aufstieg richtig genießen und viele Fotos machen. Wie so oft bei den Attraktionen in Mexiko wird es je weiter man geht immer schöner, obwohl man denkt, dass es nicht mehr imposanter werden kann. Auf der rechten Seite des Flusses befinden sich neben einigen Badestellen bezaubernde kleinere Wasserfälle mit türkisfarbenen Seen davor, bis man schließlich den Wasserfall „Velo de Novia“ erreicht, der aus 120 Metern Höhe in die Tiefe fällt.

    Auf dem Rückweg gönnte ich mir noch eine Mango con Chili und spazierte langsam zur linken Seite zurück. Es war heiss und tropisch, deshalb ließ ich mir Zeit. Links ist deutlich weniger los und da es schon nach 3 Uhr nachmittags war, waren kaum noch Touristen vor Ort. Auch diese Seite des Flusses hat ihren Charme und doch hat mich die Rechte mehr in ihren Bann gezogen. Ich spazierte auf der linken Seite nochmal den gesamten Weg bis zum „Velo de Novia“ hinauf, kam auch wie bereits auf der anderen Seite am Zipline Angebot vorbei und schaffte es schließlich ein zweites Mal, den Wasserfall zu erreichen. Auf dem Rückweg freute ich mich auf ein erfrischendes Bad im Fluss. Es war fantastisch.

    Den Abend verbrachte ich auf dem Parkplatz. Ich beobachtete immer wieder die vielen Tiere, die hier nach Einbruch der Dunkelheit aktiv wurden. Die Fledermäuse mochte ich nicht besonders und der Nachtwart half mir dabei, ein einigermaßen gutes Verhältnis zu ihnen aufzubauen ;).

    Auch wenn es im Süden Chiapas noch sehr viele weitere Naturwunder gibt, entschied ich mich am nächsten Tag, es war Samstag, der 29. April zur Weiterfahrt gen Norden. Google Maps zeigte für die knapp 220 km etwa 5 Stunden Fahrtzeit an. Mein Ziel waren die Wasserfälle Agua Azul in der Nähe der Stadt Palenque. Als ich den Isuzu starten wollte, reagierte er erst einmal nicht. Ich stellte die Zündung nochmal ab und startete neu. Er sprang an und ich fuhr die Strecke durch. Es war die anstrengendste Fahrt bisher. Dazu berichte ich mehr im nächsten Footprint „Agua Azul Waterfalls.“
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  • Agua Azul Waterfalls

    29. april 2023, Mexico ⋅ ☁️ 34 °C

    Ich hatte bereits im vorherigen Footprint erwähnt, dass die Fahrt, die ich mir an diesem Samstag vorgenommen hatte, eine der Anstrengendsten der bisherigen Reise war. Für gerade mal 220km benötigte ich fast 6 Stunden. Ich muss auch zugeben, dass ich mich im Voraus zu wenig mit der Strecke auseinandergesetzt hatte, aber laut Google Maps befand ich mich auf der kürzesten und schnellsten Route, die mich auf der MEX 226 nach Ocosingo führte und von da weiter auf der „berüchtigten“ MEX 199, die Touristen aufgrund von Straßenblockaden bevorzugt meiden. Ich fand vor allem die Strecke auf der 226 nach der Stadt Comitan unheimlich und ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, ob ich wirklich auf dieser oder auf irgendeiner Nebenstraße war. Wie immer war ich gefühlt auch die einzige Person mit einem Auto mit ausländischem Kennzeichen auf mexikanischen Straßen. Ich fuhr durch einsame Gegenden, auf holprigen Pisten und durch Ortschaften, in denen Touristen wohl eher eine Seltenheit sind. Außerdem ermüdeten mich die unzähligen Reduktoren allmählich und meine Konzentration schwand rapide.

    Ich schaffte es aber doch irgendwie bis nach Ocosingo und befuhr dann die MEX 199. Entgegen aller Warnungen habe ich diese Straße extrem genossen. Ich hatte weder eine Strassenblockade, durch die versucht wird, von Reisenden Geld zu erpressen, noch sonstige Auffälligkeiten. Es war eine gut ausgebaute Straße und es fühlte sich geradezu entspannt an verglichen mit den vorherigen anstrengenden Stunden auf dem Weg nach Ocosingo. Noch dazu passierte ich atemberaubende Landschaften auf dieser Strecke. Der Dschungel nahte.

    Ich war erleichtert, dass ich es schließlich bis zu den Cascadas de Agua Azul geschafft hatte. Es waren etwa 6 Stunden seit meiner Abreise von El Chiflón vergangen.

    Bei der Einfahrt zu den Wasserfällen durfte ich 2x $40 bezahlen, wobei die ersten $40 für den Eintritt zu entrichten sind und die Zweiten für die Durchfahrt. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es bei den Wasserfällen leider kaum und auch keine erwähnenswerten Stellplätze für Camper. Deshalb entschied ich mich bei der Posada Agua Azul zu fragen, ob ich vor der einfachen Herberge die Nacht verbringen könne. Der Besitzer José stimmte zu und versprach mir eine sichere Nacht und Wifi für 24h. Ich hatte Beides nicht. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit belästigte mich ein Betrunkener aus der nahegelegenen Ortschaft, der vom Nachtwächter in die Flucht geschlagen wurde und danach herrschte Stromausfall aufgrund eines umgestürzten Baumes irgendwo oben an der Straße. Infolgedessen stieg das Wifi ebenfalls aus. Noch dazu hatte ich wegen des Trunkenbolds meine Seitenscheibe herunter gelassen, anstatt die Tür offen zu lassen und diese ging plötzlich nicht mehr hoch. Ein weiterer Werkstattbesuch stand an. An diesem Abend überbrückte ich aber erst einmal mit Klebeband. Während der Nacht begann es stark zu regnen und es hörte erst am späten Morgen auf. Die Natur war nun zwar üppig, aber die Umgebung nass, rutschig und unwegsam. Ich entschied mich trotzdem den Wasserfall zu erwandern. Badesachen nahm ich nicht mit, da es mir zu kühl war. An diesem Sonntagmorgen kamen die Tagestouristen verhältnismäßig spät an und ich konnte den Aufstieg so richtig genießen. Vorbei ging es an Verkaufsständen und großflächig angelegten Restaurants, in denen in der Regel Empanadas angeboten wurden. Auf meiner Wanderung kam ich aus dem Staunen nicht raus und je höher es ging, desto märchenhafter wurde der Fluss mit seinem klaren, blauen, mineralhaltigen Wasser.

    Etwa am Ende des Fussweges standen ein paar Hütten, die bewohnt waren. Kinder spielten davor oder genossen das kühle Nass, eine Frau wusch Wäsche im Fluss, wieder andere Einheimische betrieben ihre kleine Tienda am Weg oder verkauften Kokosnüsse, Kakaobohnen oder Bananen. Das ganze Gebiet wirkte sehr ursprünglich und natürlich auf mich und gar nicht so touristisch, wie es in Reiseberichten beschrieben oder von anderen Reisenden mündlich überliefert wird. Beim Abstieg entschied ich mich durchs Dorf Arroyo Agua Azul zu laufen, wo es allerdings nichts Nennenswertes zu sehen gab.

    Nach meiner Rückkehr am Nachmittag trat ich mich aufgrund der ungünstigen Wetterverhältnisse die Weiterfahrt in die Stadt Palenque an, die von den Wasserfällen nur noch ca. 1 Stunde entfernt war. Mein Ziel war aber nicht die Stadt selber, sondern die im Dschungel gelegene archäologische Stätte. Es galt nochmals ein Stück auf der MEX 199 zu fahren und ich hatte erneut eine ruhige Fahrt durch magische Landschaften. Der Isuzu lief überraschend gut und brachte mich zu meinem Ziel. Ich war plötzlich etwas reisemüde und spürte den Drang nach Erholung in mir aufkommen. Ich nahm mir die Zeit auf dem wundervollen Stellplatz des MayaBell Hotels unweit der archäologischen Fundstätte.
    Die Schönheit und Einzigartigkeit der Agua Azul Wasserfälle bewegte mich noch längere Zeit.
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  • Palenque

    30. april 2023, Mexico ⋅ ☁️ 28 °C

    Bei der Ankunft an diesem Sonntag in Palenque wusste ich schon, dass ich mich hier ein paar Tage aufhalten wollte. Die vielen Eindrücke der letzten Monate waren immens, es hörte nicht auf und all das durfte verarbeitet werden.

    Da ich diesmal nur etwas mehr als eine Stunde auf der MEX 199 aus Richtung Agua Azul kommend zu fahren hatte, erreichte ich meine neue Destination zügig. Ich fuhr zuerst in die unweit von der archäologischen Zone gelegene moderne Stadt Palenque, da ich bei einem Automechaniker nach der Beifahrerscheibe schauen lassen wollte, die nicht mehr zuging. Auf der IOverlanderApp fand ich eine Werkstatt an der Hauptstraße, die sonntags geöffnet hat und sich sofort um meine Angelegenheit kümmerte. Das schätze ich so sehr an Mexiko. Man sagte mir, dass ich in 30 Minuten wiederkommen solle und das Problem dann gelöst sei. Vis a vis der Werkstatt befindet sich ein Chedraui Supermarkt, den ich während der halbstündigen Wartezeit für einen wirklich notwendigen Einkauf nutzte. Zurück beim Automechaniker bezahlte ich Pesos 200 (€10) für die Reparatur der Scheibenelektronik und fuhr anschließend in Richtung der archäologischen Stätte von Palenque, die sich einige Kilometer außerhalb in einem Tieflanddschungel befindet. Unweit der Ruinen gibt es 2 Campingplätze. Ich entschied mich für die exklusivere Option, nämlich für Maya Bell Hotel und Campground. Mit Pesos 500 (€25) pro Nacht eine teure Angelegenheit, aber der tropische Garten, der Pool, das Restaurant und die gepflegten sanitären Anlagen rechtfertigten den Preis. Einzig wirklicher Störfaktor waren die Ameisen, die sich durch die hohen Temperaturen von nahezu 40 Grad auf der Wiese tummelten und richtig piesackten. Ich bewaffnete mich mit langen Socken. Überhaupt ging es auf dem Maya Bell sehr tierisch zu: Schmetterlinge, Kolibris, mal ein Frosch am Pool und die lautstarke Unterhaltung der Brüllaffen vernahm man tagtäglich. Ich befand mich definitiv im Dschungel.

    Am Tag nach meiner Ankunft lief nicht mehr viel. Ich führte stundenlang Telefonate und kann mich noch erinnern, dass ich am Nachmittag um 14 Uhr noch immer nicht Zähneputzen war. An diesem Tag trafen Reisebekannte aus Deutschland ein, die ich letztmals in San Cristóbal de Las Casas gesehen hatte. Wir verbrachten den Nachmittag und den Abend zusammen. Es herrschte eine besonders schöne Stimmung.

    Am nächsten Morgen machten sich die Ankömmlinge bereits zu den Ruinen auf. Ich hatte die Muse noch nicht und schrieb einen Footprint, brachte Wäsche in die Stadt und kaufte nochmals bei Chedraui ein. Am Abend ging es gemeinsam ins Maya Bell Restaurant, welches vorzügliche Pizza aus dem Holzofen servierte.

    Am vorletzten Tag in Palenque wollte ich nun endlich die archäologische Stätte besichtigen. Die beiden deutschen Paare reisten ab und ich machte mich um 9 Uhr morgens bei noch recht angenehmen Temperaturen von etwas unter 30 Grad zu Fuß auf zur Ruinenstadt. Bis zum Eingang war es weniger als 1 Kilometer. Ich bezahlte die $70 Eintrittsgebühr und nochmals $40 für den Nationalpark.

    In der archäologischen Zone von Palenque befinden sich die Ruinen einer ehemaligen Mayametropole, die 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden. Unweit des Eingangs geht es rechts zum Museum La Reina Roja, in dem überaus interessante Fundstücke aus der Ruinenstadt ausgestellt sind. Ich nahm mir den Besuch auf dem Rückweg vor. Ich ging zum ersten Eingang auf der linken Seite und streifte durchs Gelände mit vielen zerfallenen Ruinen. Bis heute wurden erst circa 5 Prozent der Bauten freigelegt. Der Rest ist überwachsen und mit Moos bedeckt. Die Überreste wirkten märchenhaft auf mich. Ein Fluss fließt durch dieses Gebiet und über eine Hängebrücke ging es vorbei an einem kleinen Wasserfall. Je weiter ich lief, desto größer und erhaltener waren die Bauten. Der Tempel der Inschriften ist das höchste Gebäude in Palenque und in ihm wurde auch der Sarkophag des Herrschers Pakal gefunden, welcher heute im Museum ausgestellt und wirklich sehenswert ist. Pakal regierte im 7. Jahrhundert in Palenque. Er wurde mit 12 Jahren zum König gekrönt und behielt den Thron 68 Jahre lang. Während der Herrschaft von Pakal erlangte die Stadt große Macht.

    Unweit entfernt vom Tempel der Inschriften befindet sich El Palacio. Ein Tempel, der durch seine immensen Ausmaße besticht, aber leider zum Zeitpunkt meiner Anwesenheit wegen Bauarbeiten nicht bestiegen werden konnte. Weiter im Dschungel gelangt man noch auf die Kreuzgruppe mit dem Sonnen-, Kreuz- und Kreuzblatttempel. Nachdem ich mir die eindrucksvollen Ruinen angeschaut hatte, entschied ich mich, die Tour durch den Dschungel mit einem lokalen Guide anzuhängen. Für die ca. 1.5h zahlte ich ihm $150. Es war wirklich interessant, die vielen noch nicht erschlossenen Überreste der Ruinen zu sehen und das war nur ein verschwindend kleiner Teil von dem, was sich auf der gesamten Anlage verbirgt. Auch die Natur ist beeindruckend. Ich sah Tukane, lauschte dem Klang der Brüllaffen, mein Guide zeigte mir von Wasserschnecken ausgefressene Blätter und deren kunstvolle Überreste, einen kleinen Wasserfall und uralte Fikusbäume. Es war eine lohnenswerte Tour zum Abschluss meiner Besichtigung. Den Schatten im Dschungel genoss ich zudem sehr.

    Nach ca. 3h trat ich den Rückweg an.
    Es ging zurück Richtung Eingang, wo ich mir noch das Museum mit den unzähligen Fundstücken aus der Anlage anschaute. Im Maya Bell genoss ich eine kalte Dusche und entspannte den Rest des Tages am Pool. Ich machte mich früh zur Nachtruhe bereit, setzte mich noch mit der Route nach Champotón für den nächsten Morgen auseinander und schlief zügig ein. Ich hatte mich in Palenque bereits etwas erholt und freute mich auf weitere entschleunigende Tage am Golf von Mexiko. Mein Ziel war der Campingplatz Costa del Sol, wo der Isuzu schon einmal war. Gesehen hatte ich dies auf der IOverlander App, auf der die Vorbesitzer des Autos eine Bewertung mit Foto vom Stellplatz hinterließen. Nun ging es für den Wagen ein zweites Mal an diesen Ort. Schaffte er es ohne Aussetzer ?
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  • Champotón, Campeche, Mexiko

    4. maj 2023, Mexico ⋅ ☀️ 33 °C

    Vom heißen Dschungel in Palenque fuhr ich in ca. 4 Stunden an den Golf von Mexiko. Mein Ziel war der Campingplatz Costa del Sol, der sich unweit der Stadt Champotón befindet. Am Ortsausgang von Catazajá, wo die MEX 199 tatsächlich endete, stellte der Isuzu wieder 1x ab, fuhr aber nach Neustart die Strecke bis zum Zielort problemlos weiter. Es blieb weiterhin rätselhaft und nach wie vor wusste ich nicht, ob, wann und wo er mich kurz schwitzen lässt.

    Auf der Strecke zwischen Palenque und Champotón gab es nichts Nennenswertes zu sehen. Ich kam recht zügig voran, da es im Bundesstaat Campeche viel weniger Reduktoren zu haben schien, als in Chiapas. Die Straßen waren wieder breiter und generell in einem besseren Zustand.

    So erreichte ich an diesem sonnigen Donnerstagnachmittag bereits vor
    15 Uhr die traumhaft schöne mexikanische Golfküste. Kilometerlange einsame Pudersandstrände, Palmenhaine und türkisfarbenes Wasser taten sich vor meinem Auge auf. Die Gegend gefiel mir auf Anhieb. Auf dem Campingplatz, der sich direkt am Meer befindet, ging es an diesem Wochentag noch ruhig zu, was sich allerdings am Wochenende ändern sollte. Das Costa del Sol öffnet ausschließlich von Freitag bis Sonntag sein Restaurant und Mexikaner und Mexikanerinnen aus der Gegend verbringen ihren „fin de semana“ gerne an diesem Strand. Obwohl es kein wirklich guter Badestrand ist, besticht er durch sein besonderes Flair.

    Im Costa del Sol traf ich auch wieder auf die Reisebekanntschaften aus Palenque und zudem stand noch ein Camperpaar aus Berlin auf dem Sandplatz. Ein Campingplatz an der mexikanischen Golfküste besetzt von 4 Fahrzeugen mit Reisenden aus Deutschland stellt schon eine interessante Begebenheit dar.
    Am Tag der Ankunft ging es gechillt in den Abend und ich genoss die Seebrise in der Nacht nach den heissen Tagen im Dschungel sehr. Ich schaffte es leider nicht, nach Mitternacht nochmals aufzustehen, um die Schildkröten, die hier an Land kommen, um ihre Eier abzulegen zu beobachten. Eines von den
    3 deutschen Paaren hatte Glück und konnte in der Nacht um ca. 1 Uhr eine Schildkröte bei der Eiablage beobachten.

    Am nächsten Morgen ging ich sehr früh am Strand entlang joggen. Ich kam nach einiger Zeit zu einer großen Hotelanlage, die einen recht verlassenen Eindruck auf mich machte. Jedoch war der Strandabschnitt hier sehr schön und wurde aufgeräumt. Die Anschwemmung der Braunalge, die in den hiesigen Monaten an der gesamten Karibikküste Mexikos ein wahrhaftes Problem darstellt, nimmt leider auch in dieser Region rapide zu und Einheimische waren damit beschäftigt, diese in Schubkarren wegzufahren im Hinblick auf das Geschäft mit Gästen am Wochenende. Ein schöner Anblick ist es nicht und es stinkt fürchterlich.

    Nach dem Frühstück entschied ich mich an diesem 2. Tag zu einem Strandspaziergang. Ich nahm es gemütlich, denn die Hitze war immens und der Wind kam immer erst abends auf. Zurück im Costa del Sol gab es selbstgebackenen Schokoladenkuchen in der deutschen Nachbarschaft. Wer kann da schon NEIN sagen :-). Am späteren Nachmittag war am Strand ein großer Auflauf. Ein Mädchen hatte ihren
    15. Geburtstag und dies wird in Mexiko sehr pompös und traditionell gefeiert, da es als Eintritt ins Erwachsenenalter angesehen wird. Sie ritt hoch zu Ross in einem eleganten Kleid am Strand entlang und sorgte für viel Aufsehen. Ruhiger wurde es an diesem Freitagabend nicht mehr wirklich. Eine mexikanische Großfamilie hatte sich neben mich gesellt und sie schliefen eher weniger als mehr in ihren Hängematten.

    Der 3. Tag war dann auch schon der Tag der Abreise. Eines der deutschen Paare verließ Costa del Sol bereits nach Sonnenaufgang. Ich ließ mir noch etwas Zeit, machte mich aber auch nicht allzu spät auf, da ich mir die Pueblo Mágico Campeche anschauen wollte. Sie befand sich etwa 1.5 Fahrtstunden entfernt von Champotón. Ich kam auf der Weiterfahrt noch einige Male am magisch farbenintensiven Ozean vorbei, bevor ich die Stadt erreichte. Ich war gespannt, was mich in Campeche erwartete.
    Der Isuzu lief gut.
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  • Campeche, Campeche, Mexiko

    6. maj 2023, Mexico ⋅ ⛅ 36 °C

    Am Samstagmorgen des 6. Mai verließ ich Costa del Sol am Golf von Mexiko in Richtung Campeche. Die Großstadt mit dem offiziellen Namen San Francisco de Campeche ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und gehört seit dem Jahr 1999 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Nach einer entspannten Fahrt an der Küste entlang mit traumhaftem Blick auf den türkisfarbenen Ozean, kam ich am späten Vormittag in der ca. 300 000 Einwohner zählenden Stadt an. Es ging erst einmal eine Weile auf der mehrspurigen Hauptachse an der Uferpromenade, am sogenannten Malecón vorbei, bevor ich von Google Maps stadteinwärts navigiert wurde. Im Vergleich zu vielen anderen mexikanischen Städten, durch die ich fuhr, fand ich mich in Campeche sofort gut zurecht und erreichte den im Voraus favorisierten, zentrumsnahen Parkplatz zügig. Ich wollte mir die Stadt lediglich an diesem Samstagnachmittag anschauen und nach einer Nacht auf einem außerhalb gelegenen Campingplatz weiterfahren.

    Campeche ist eine weitere Pueblo Mágico und besticht durch die gepflegte Uferpromenade und das charmante Centro Historico. Am Malecón stößt man auf ein etwa 8 Meter hohes Denkmal, welches an den ersten christlichen Gottesdienst auf amerikanischem Festland, der dort am 22. März 1517 von spanischen Soldaten und Geistlichen gefeiert wurde, erinnern soll. Davor befinden sich die steinernen Buchstaben, die für Touristen ein beliebtes Fotomotiv darstellen.

    Geht man über die mehrspurige Straße und passiert nicht weit davon entfernt eines der ehemaligen Stadttore, flaniert man bereits in einer der vielen Straßen mit den für Campeche berühmten farbigen Häusern im Kolonialstil. Jede Gasse machte einen sehr einladenden Eindruck auf mich und trotz der Hitze konnte ich die Stunden in der Stadt richtig genießen. In den Tiendas im Centro Historico werden qualitativ hochwertige Handarbeiten angeboten, darunter Fächer, Taschen und Hüte aus den geflochtenen Blättern der Jipijapa-Palme, was als typisches Souvenir für diese Region gilt. Was ich mir wohl in Campeche gekauft habe :-) ? Etwas außerhalb kam ich noch am Bazar Artesanal vorbei, wo allerdings nichts anderes als im Zentrum auch zum Verkauf stand.

    Weiter ging es zum Plaza Principal, auf dem die Kathedrale von Campeche, die im Jahre 1650 begonnen wurde und erst 200 Jahre später endgültig fertiggestellt wurde, steht. Eine Stadt wie San Francisco de Campeche tut einfach gut. Sie ist nicht zu stark frequentiert und mit all ihren unterschiedlichen Farben und den kolonialen Bauten versprüht sie ein besonderes Flair. Als ich mir nach einigen Stunden den Malecón und das historische Zentrum angeschaut hatte, ging es noch für einen Einkauf bei Walmart nahe des Stadtausgangs vorbei.

    Für die Nacht hatte ich mir den Campingplatz Palmahia in einem Vorort von Campeche ausgesucht. Viele Optionen gab es nicht. Ich fand den Platz auf Anhieb, wahrscheinlich wegen seiner lautstarken Partymusik. Das Palmahia selber ist ein tropischer Garten mit riesigem Pool. Am Samstag und Sonntag steigt hier immer von 10 Uhr morgens bis 18 Uhr abends eine Wochenendfiesta. Man trudelt mit der gesamten Familie ein, bringt die Verpflegung in Kühlboxen mit und kauft vor Ort noch die bei Mexikanern und Mexikanerinnen beliebten Micheladas (alkoholisches Mixgetränk bestehend aus Bier, Tomatensaft, Limetten und Chilipulver). Im Palmahia genoss man neben dem leiblichen Wohl, den einladenden Pool und die laute Musik sowieso. Nachdem ich mich vor dem Garten auf dem Stellplatz eingerichtet hatte, schlug mir der Besitzer vor, dass ich den Isuzu während der Nacht neben dem Pool parken könne. Als dann die Angestellten und er um ca. 18.30 Uhr mit allen Aufräumarbeiten fertig waren, war ich ganz alleine in diesem tropischen Paradies. Die Mücken waren zwar extrem unangenehm und es hatte wegen des Wassers Unzählige davon und auch die sanitären Anlagen liessen zu wünschen übrig, aber dieser Garten war wirklich schön und er spendete Schatten. Außerdem stand ein großer Mangobaum darin und am nächsten Morgen gab es zum Frühstück wunderbar reife Früchte.

    Nachdem kurz vor 10 Uhr morgens bereits die ersten Sonntagspartygäste im Palmahia auftauchten, hieß es für mich, dass die Zeit für die Weiterfahrt gekommen war. Es ging weiter in den nächsten Bundesstaat, nach Yucatan. Ich sehnte mich schon wieder nach Abkühlung und da es im Nachbarstaat sehr viele Cenoten gibt, d.h. Höhlen mit Wasser darin, entschied ich mich diese zu besuchen. Am Sonntagnachmittag des 7. Mai erreichte ich die Cenote Mani Chan unweit der Ortschaft Chunkanán. Der Isuzu zeigte sich von seiner besten Seite und obwohl die Straßen in Pisten übergingen, meisterte er sie mit Bravour.
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  • Cenote Mani-Chan und Ruinas de Mayapan

    6. maj 2023, Mexico ⋅ ☀️ 39 °C

    Ich kam an diesem Sonntag recht zügig voran und passierte wie bei allen Übertritten in einen anderen Bundesstaat in Mexiko einen Checkpoint, allerdings ohne je an einem solchen angehalten worden zu sein. Ich befand mich mittlerweile in Yucatán und war schon gespannt, was mich hier erwartete. Da sich das hiesige Gebiet, wie bereits der Staat Campeche nicht mehr auf der Panamericana Route befand, begegnete ich auffallend weniger Campingreisenden, eigentlich schon länger keinen mehr. Stattdessen traf ich in Yucatán und später in Quintana Roo auf Pauschaltouristen, die entweder mit dem Mietauto unterwegs waren, oder in Reisebussen zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung gefahren wurden.

    Mein Ziel war an diesem 6.Mai die Cenote Mani Chan, die sich unweit der Ortschaft Chunkanán auf der Strecke zwischen Mérida und Valladolid befindet. Auf der Strecke gab es nichts Bemerkenswertes zu sehen. Es taten sich nach Campeche nur noch kleinere unbedeutende Ortschaften auf, bis ich schließlich Mérida, die Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán passierte. Für einen Stopp konnte ich mich nicht entschließen und so blieb ich auf der Schnellstraße, die mich an der knapp eine Millionen Einwohner zählenden Großstadt vorbeiführte. In Cuzamá, einer kleinen mexikanischen Gemeinde im Bundesstaat Yucatán, standen dann die ersten Tourguides, die Touristen zu den Cenotes begleiten wollten an der Straße, oder eine auffallende Beschilderungen zeigte an, dass sich eine solche unweit entfernt befindet.

    Ein Cenote ist eine Karsthöhle mit Grundwasserzugang, die oft durch Einsturz der Höhlendecke als großes Kalksteinloch vorliegt, das mit Süßwasser gefüllt ist und als Brunnen oder heutzutage als Badestelle dienen kann. Die Bezeichnung Cenote geht auf einen Ausdruck in der Sprache der Maya zurück „ts’ono’ot“ der „Heilige Quell.“ Mehr als tausend Cenotes sind im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo bekannt. Eine deutlich geringere Anzahl im benachbarten Bundesstaat Yucatán, sowie in Belize. Insgesamt wird die Zahl an Cenotes auf der Halbinsel Yucatán auf über sechstausend geschätzt. Sie besitzen im Durchschnitt eine Tiefe von etwa 15 Metern, vereinzelt auch von über 100 Metern.

    Nach der nicht besonders attraktiven Ortschaft Chunkanán drang ich auf Feldwegen zum Campingplatz und zur Cenote Mani Chan vor. Da es ein Sonntag war, war „recht viel“ los und ich entschied mich erst einmal anzukommen. Die Besitzer des Platzes und der beiden Cenoten Mani Chan und Cleotilde, die sich etwa 1km entfernt befand, waren überaus freundlich und zuvorkommend. Für Pesos 200 (€10) verbrachte ich die Nacht als einzige Camperin an der Cenote und hatte den Eintritt inklusive. Das liebevoll angelegte Gelände lud an diesem Sonntagnachmittag zum Entspannen ein. Ein Nap in einer der Hängematten, ein kühles Bier und ein kurzes Bad in der Mani Chan waren alles, was ich an diesem Tag noch machte. Da es vor Ort nur ein schwaches 3G Signal gab, konnte ich auch nicht mehr Online gehen und entschied mich für einen frühen Schlaf. Außer dem Nachtwächter und mir, war hier niemand mehr. An diesem Abend tat sich ein atemberaubender Vollmond auf. Magisch.

    Am nächsten Morgen kam die Familie gegen 8.30 Uhr zur Cenote und ich war um 9 Uhr bereit für eine Abkühlung. Ich hatte zuerst Mani Chan ganz für mich alleine und genoss das Bad im mineralhaltigen stahlblauen Wasser. Danach fuhr mich einer der Mitarbeiter mit einem Mototaxi zu Cleotilde. Auch hier nahm ich ein erfrischendes Bad. Bei diesen enormen Temperaturen von täglich über 35 Grad war es eine Wohltat. Als ich mit dem „Roten Blitz“ wieder bei Mani Chan ankam, sprang ich nochmals ins kühle Nass. Diese Cenote hatte es mir wirklich angetan.

    Am Mittag entschied ich mich zur Weiterfahrt zu den Pyramiden von Mayapan. Da sich diese nur etwa 45km entfernt befanden, war ich nicht lange unterwegs und ehrlich gesagt, war ich froh. Auf der Halbinsel Yucatán tobten gerade Buschbrände und ich passierte mehrere heikle Stellen. Diese Situationen sollten mich auch noch eine Weile weiter begleiten. Wie auch immer, ich kam ohne Brandschäden bei den Ruinen an und ich konnte sie so richtig genießen. Ich bezahlte eine geringe Gebühr für den Eintritt von etwas mehr als $50 und hatte die archäologische Stätte praktisch für mich alleine. Einzige weitere Lebewesen auf diesem Gelände waren unzählige Leguane, die sich in der Sonne aalten oder Schatten unter den alten Bäumen mit ihrem ausladenden Astwerk suchten. Sie waren überall und ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich ihren Lebensraum beanspruchte. Wie lange sie hier wohl schon zu Hause sind ? Mayapan war eine besondere Erfahrung und zum ersten Mal konnte ich die Tempel auch besteigen und den Blick von oben auf die Maya-Stätte genießen. Ich glaube es kamen nach mir noch 3 weitere Touristen in die archäologische Stätte. Mayapan war für mich eines meiner Ruinen-Highlights in Mexiko. Die Stimmung war hier ganz besonders.

    Es war immer noch früh am Tag, also etwa 15.30 Uhr und ich wollte mir in dieser Gegend keinen Campingplatz mehr suchen. Spontan entschied ich mich zur Weiterfahrt bis nach Chichén Itzá, was etwa einer Strecke von 140 km und 2 Stunden Fahrtzeit entsprach. Ich nahm die Autopista und dachte, ich käme schnell voran. Allerdings war diese Schnellstraße eine einzige Baustelle und es wäre wohl besser gewesen, die Landstraße genommen zu haben. Versucht man 1x Google Maps nicht zu folgen, muss man augenblicklich dafür bezahlen ;-). Die Baustellen schienen schier endlos zu sein und da stehen Menschen stundenlang bei 40 Grad im Schatten und schwingen eine Fahne, um dir als FahrerIn die Durchfahrt zu signalisieren. Ein harter Job. Neben der Autobahnbaustelle baut man am Maya-Trail und verlegt Schienen. Als ich die Autobahn in Richtung Chichén Itzá endlich verlassen konnte, bezahlte ich etwas mehr als $100
    Autobahngebühren und fuhr zum Hotel Dolores Alba. Laut IOverlander konnte man auf diesem Parkplatz für $150 (€7.50) übernachten. Ein Schnäppchen für einen Stellplatz in 5-minütiger Entfernung zu einem der 7 Weltwunder und vis a vis befindet sich eine der schönsten Cenoten in Yucatán namens Ik Kil. Es war kein ruhiger Parkplatz, aber ich sah die Dinge von der positiven Seite und auf der To-See-Liste der nächsten Tage standen definitiv Ik Kil und Chichén Itzá.
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  • Cenote Ik Kil und Chichén Itzá

    8. maj 2023, Mexico ⋅ 🌙 33 °C

    Auf der Fahrt nach Chichén Itzá und zu meinem Stellplatz auf dem Hotelparkplatz von Dolores Alba passierte ich die Kleinstadt Pisté, in der es bis auf die gewöhnlichen Einkaufsmöglichkeiten, die ich aus Mexiko kannte, einer Tankstelle und einigen Souvenirläden keinen Grund für einen Halt gab. Die erste Nacht auf dem Parkplatz des Hotels war recht laut, aber da sich mein Standort direkt an einer stark befahrenen Straße in Richtung der Kolonialstadt Valladolid befand, erwartete ich nichts anderes. Ich wachte am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang auf und suchte mir nach dem frühen Aufstehen eine passable Laufstrecke. Ich wurde schnell fündig.

    Ich wollte bereits zur Öffnung, der sich gegenüber vom Hotel befindenden Cenote Ik Kil vor Ort sein. In einigen Bewertungen hatte ich im Voraus gelesen, dass sie ab 11 Uhr sehr stark frequentiert sei, da dann die Reisebusse aus Chichén Itzá kommend hier einen 2. Halt einlegen. Dies wollte ich vermeiden, da die Cenotes eine besondere Stimmung verbreiten, wenn sie weniger stark besucht sind. Ich war kurz nach 9 Uhr morgens am Bezahlterminal und erhielt für $150 (€7.50) mein Ticket. Nachdem ich den Eingang passiert hatte, kam ich zu einem zentralen Ort, wo es Personal, Schließfächer, Umkleidekabinen und weitere Einrichtungen gab, was ich von meinem ersten Cenotenbesuch bei Mani Chan nicht in der Form kannte. Ich hatte das Gefühl, als würde ich ein öffentliches Schwimmbad besuchen. Das Anlegen einer Schwimmweste war Pflicht.

    Ich ging die Treppenstufen hinunter und schon auf halber Strecke konnte ich die Vollkommenheit dieser Cenote bewundern. Sie gilt nicht umsonst als eine der Schönsten in Mexiko. Lianen schlängeln sich neben ganz vielen verschiedenen Schlingpflanzen an den Höhlenwänden hinunter und schaffen es, das saubere türkisfarbene Wasser der Cenote zu erreichen. Es war traumhaft und ich möchte Ik Kil als ein wahrhaftes Naturwunder bezeichnen. Ich genoss das Schwimmen in der Cenote sehr und bis um ca. 10.30 Uhr waren wir eine überschaubare Anzahl Touristen im „Paradies.“ Da es danach tatsächlich immer voller wurde, entschied ich mich diesen wunderschönen Ort in einem gemächlichen Tempo zu verlassen. Auf dem Weg zurück zum Ausgang flatterten auf einmal unzählige Schmetterlinge herum. Es war unglaublich und ich verbrachte nochmals Zeit damit, sie zu beobachten. Den Rest des Tages genoss ich am Hotelpool und schrieb an meinen Footprints.

    Am Dienstag, den 9. Mai besuchte ich dann die archäologische Stätte Chichén Itzá. Der Besuch stand schon lange auf meiner „Places you have to see before you die-Liste.“ Ich fuhr in ca. 5 Minuten mit dem Auto zur Ruinenstadt und stellte es nahe des Eingangs ab. Auch über Chichén Itzá hatte ich im Voraus gelesen, dass man möglichst früh, d.h. morgens um 8 Uhr da sein solle. Dies wird vor allem wegen der starken Sonneneinstrahlung empfohlen und auch, weil dann noch wenige Touristen in der Ruinenstadt sind. Da Chichén Itzá die bedeutendste Sehenswürdigkeit auf der Yucatán Halbinsel ist und sich hier wiederum die meisten Pauschaltouristen tummeln, werden oft große, gut ausgestattete Reisebusse zu den Sehenswürdigkeiten eingesetzt, vorwiegend aus Cancún und der Riviera Maya kommend.

    Ich beeilte mich an diesem Morgen sehr und war kurz nach 8 Uhr zu Fuß Richtung Eingang unterwegs. Am Ticketschalter musste ich „noch“ nicht warten und „durfte“ den stolzen Preis von $614 (€30) berappen, der teuerste Eintrittspreis für eine Sehenswürdigkeit auf meiner gesamten Reise in Mexiko bisher. Aber was macht man nicht alles, um eines der 7 neuen Weltwunder zu sehen. Chichén Itzá wurde 2007 in einer privaten Kampagne von 70 000 000 Menschen zu einem der
    7 neuen Weltwunder ernannt, allerdings war es eine Wahl ohne wissenschaftliche Kriterien und sie ist nicht anerkannt. Die Unesco erklärte den Ort 2007 zum Weltkulturerbe.

    Die Ruinen von Chichén Itzá stammen aus der späten Maya-Zeit. Mit einer Fläche von etwa 15 Quadratkilometern ist die archäologische Stätte eine der ausgedehntesten Fundorte in Yucatán. Das Zentrum wird von zahlreichen monumentalen Bauten eingenommen, aus denen eine große, weitestgehend erhaltene Stufenpyramide, namens Tempel des Kukalkán oder nach der spanischen Eroberung auch El Castillo genannt, herausragt. Ich sah ihn mir immer wieder an und lief ihn Seite für Seite ab. Ich fand ihn atemberaubend und seine Besonderheiten haben mich sehr beeindruckt.

    Stellt man sich z.B. vor eine der vier Treppen des Kukulkántempels und klatscht in die Hände, hört man ein Echo, welches dem Ruf des Quetzal sehr ähnlich ist. Der Akustikexperte David Lubman untersuchte dieses Phänomen und stieß noch auf weitere Besonderheiten: So klingen die Schritte einer Person am oberen Ende der Treppe am unteren Treppenende wie fallende Regentropfen. Da der Vogel Quetzal ein heiliges Tier war und der Regen in Gestalt des Gottes Chaac ebenfalls heilig war, folgerte Lubman daraus, dass diese akustischen Effekte absichtlich bei dem Bau berücksichtigt worden sind.

    Durch Chichén Itzá streifend, passierte ich auch immer wieder fliegende Händler, die sich in den letzen Jahren über die gesamte Ruinenstadt verbreitet haben und von einer mafiösen Gruppierung unterdrückt werden. Der Druck untereinander ist groß. Jeder möchte dir etwas verkaufen und überall gibt es das Selbe. Ein harter Job. Am Morgen um
    8 Uhr werden die Souvenirs übrigens durch einen separaten Eingang in die Ruinenstadt gekarrt und am Abend wieder heraus. Wie geschäftig das morgens zugeht, konnte ich beobachten. Nach einigen Stunden in der Ruinenstadt ging es gegen Mittag zurück zum Hotelparkplatz. Ich war glücklich und dankbar, dass ich diesen wundervollen Ort besichtigen konnte und er wird bei mir mit Sicherheit einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

    Ich verließ die Gegend von Chichén Itzá noch am selben Tag mit dem Ziel Valladolid. Es waren nur 42 km, die mich von der bezaubernden Kolonialstadt trennten. Ich war also nicht in Eile. Nach Ankunft in Valladolid blieb sogar noch Zeit für Einkäufe und Erledigungen, bevor es auf den ökotouristischen Campingplatz Xkopec ging. Mein Aufenthalt dort war etwas ganz Besonderes, doch davon werde ich das nächste Mal ausführlicher berichten.

    Seitdem der Isuzu wieder fährt, kommt mir mein Traveler-Leben richtig langweilig vor 😉.
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  • Valladolid, YUC, Mexiko

    10. maj 2023, Mexico ⋅ ⛅ 36 °C

    Am Mittwochnachmittag des 10. Mai kam ich nach einer kurzen Fahrt aus Chichén Itzá kommend in Valladolid, einer weiteren Pueblo Mágico an. Ich nutzte den Nachmittag für ein paar Erledigungen. Das Auto wurde mal wieder gewaschen, ich benötigte ein neues IPhone Ladekabel, da das vor
    4 Wochen gekaufte Kabel durchgebrannt war, es ging für einen Einkauf bei der Supermarktkette Chedraui vorbei, außerdem bei einer Bäckerei, die Sauerteigbrot verkauft und ich wollte Wäsche abgeben. Da es aber schon nach 3 Uhr nachmittags war und in Mexiko am 10. Mai traditionell Muttertag gefeiert wird, hatten alle Wäschereien bereits geschlossen. Daher musste ich dieses Vorhaben auf den nächsten Tag verschieben. Es wurde allmählich später Nachmittag und ich begab mich auf die Suche nach meinem neuen Übernachtungsdomizil. Wie immer hatte ich mich bei IOverlander im Voraus über die vor Ort bestehenden Campingplätze informiert und entschied mich für den nahe des Zentrums gelegenen ökotouristischen Park Xcotepec. Ich fand ihn nicht auf Anhieb und musste unterwegs mehrmals nachfragen, bis ich schließlich erfolgreich ankam. Es war so ein bezaubernder Ort, irgendwie eine Welt für sich: ein naturbelassenes, dschungelartiges Gelände mit Annehmlichkeiten, wie Duschen, Toiletten, Pool, Restaurant und Cabañas, einem Besucherparkplatz und einem Campingplatz. Noch dazu gehört zum ökotouristischen Park eine offene, vertrocknete Cenote, in der animales Leben herrscht. Es gibt hier Leguane, Eichhörnchen, viele Vogelarten und verschiedene Bienenvölker. Im Park Xcotepec finden daher täglich 2x geführte Bienentouren statt und für Übernachtungsgäste ist die Tour sogar gratis.

    Nach meiner Ankunft stellte ich fest, dass außer mir keine weiteren Camper auf dem etwas abseits gelegenen und sonnigen Campingplatz stehen. Ich fragte den Mitarbeiter, ob ich auch auf dem recht zentralen Besucherparkplatz übernachten könne und nach einigem Hin und Her und Rücksprache mit dem Besitzer war dies schließlich möglich. Für Spontanität kann Mexiko nicht gerade lobgepriesen werden ;-). Aber nichts desto trotz, ich konnte auf meinem Wunschplatz campen und das für insgesamt 3 Nächte. Es kamen immer mal wieder Touristen vorbei, die an den Bienentouren teilnahmen. In der Nebensaison ist hier aber recht wenig los.

    Nach meiner ersten Nacht im Park ließ ich es am nächsten Morgen ruhig angehen und blieb bis zum späten Vormittag in meinem kleinen Paradies. Danach brach ich in Richtung Zentrum auf. Zum Einen wollte ich ja meine Wäsche noch abgeben und danach hatte ich Lust auf einen Besuch einer weiteren Cenote. Nur unweit des historischen Zentrums von Valladolid befindet sich „Zaci,“ die ich für eine Abkühlung von Außentemperaturen von bis zu 38 Grad gerne nutzte. Danach streifte ich noch etwas durch die Stadt, vor allem durch die vielen Souvenirläden, bevor ich mich am späten Nachmittag zu Fuß auf den Rückweg zu Xcotepec machte.

    Meinen zweiten Tag in Valladolid nutzte ich für die Besichtigung der Kolonialstadt. Sie wurde im Jahre 1543 von spanischen Eroberern gegründet und nach der gleichnamigen Hauptstadt Spaniens benannt. In der Stadtgeschichte kam es mehrmals zu Aufständen durch das Maya-Volk, da die Stadt 1545 durch die Kolonialisten vom ursprünglichen Ort an einen neuen Standort verlegt wurde. Sie wurde dort auf einem Mayabauwerk errichtet. Die Gebäude der Ureinwohner wurden abgerissen und die Steine für den Bau der neuen Kolonialstadt verwendet. Die Aufstände des Maya-Volkes wurden immer niedergeschlagen und Valladolid blieb da, wo es sich heute noch befindet. Die Stadt hat etwa 57000 Einwohner. Sie zieht sowohl Individualtouristen, als auch Pauschaltouristen, aus Cancún oder Chichén Itzá kommend an und ist am Nachmittag oft recht stark frequentiert. Ein Besuchermagnet ist sicherlich das ehemalige Kloster und die Kirche San Bernardino de Siena aus der Kolonialzeit, die zwischen 1552 und 1560 von Franziskanermissionaren erbaut wurden. Davor befinden sich die steinernen Stadtbuchstaben, die als beliebtes Fotomotiv dienen. In der Innenstadt von Valladolid stößt man auf die Kathedrale San Servacio mit ihrem Doppelturm. Direkt gegenüber befindet sich der Parque Principal, welcher von Restaurants und Geschäften umgeben ist. Mein besonderes Highlight war aber der Plaza La Purificadora, den man bei einem Besuch von Valladolid nicht missen sollte. Hier befinden sich die wirklich lohnenswerten, individuellen Läden und angesagten Cafés und Restaurants, welche den Touristengaumen verwöhnen. Die schönsten Murals (Wandmalereien) habe ich hier ebenfalls entdeckt und die besten Fotos geschossen. La Purificadora war eines meiner Highlights in Valladolid.

    Ich kam erst gegen Abend wieder zurück in den wunderschönen ökotouristischen Park Xcotepec und entschied, dass ich am nächsten Morgen an der Bienentour teilnehmen wollte. Das hatte ich noch nicht geschafft. Da ich hier weiterhin alleine campte und in den Cabañas keine Gäste waren, bekam ich eine Privattour und diese war sehr interessant und informativ. Am Ende der Tour gab es sogar noch eine Honigverkostung und ich konnte Produkte, die mit Zusätzen von Honig hergestellt wurden testen.

    Nach 3 Nächten in diesem kleinen Paradies fuhr ich gegen Mittag weiter. Es war mal wieder Zeit für STRAND und ich entschied mich für eine eher unbekannte mexikanische Beachdestination namens El Cuyo. Wegen der guten Windverhältnisse ist dieser Ort bei Kitesurfern sehr beliebt. In El Cuyo hatte ich schon länger eine größere Amazon Bestellung liegen. Vorfreude kam auf. Meine Fahrt dauerte etwa 2.5 Stunden und war abenteuerlich.
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  • El Cuyo, YUC, Mexiko

    13. maj 2023, Mexico ⋅ ☀️ 33 °C

    Am Samstag, den 13. Mai ging es von Valladolid via Tizimín nach El Cuyo am Golf von Mexiko. Es war schon wieder eine Weile her, seitdem ich das letzte Mal Strandluft geschnuppert hatte und ich sehnte mich danach. Die Temperaturen auf der Yucatán Halbinsel waren hoch und ich freute mich auf den Wind, der auf El Cuyo, einem Hotspot für Kitesurfer, blies und vermutlich für etwas Abkühlung sorgen würde.

    Für die 150 km bis zu meiner neuen Destination zeigte mir Google Maps etwa 2.5 Stunden Fahrtzeit an und ich hatte wegen der Buschbrände, die vor allem auf der letzten Strecke zwischen Tizimín und El Cuyo wüteten, mal wieder ein flaues Gefühl im Magen. Ich dachte mir aber, solange die Einheimischen durchs „Krisengebiet“ fahren, mache ich das auch und der Isuzu und ich kamen schließlich unbeschadet auf der schmalen Landzunge an. Der Ort versprühte vom ersten Moment an Charme, wohl deshalb weil er noch so ursprünglich auf mich wirkte. Hier gab es keine großen Hotels, sondern nur Ferienhäuser und Zeltplätze. Ich war auf der Suche nach Páach Kan, dem laut IOverlander einzigen Campingplatz für Fahrzeuge vor Ort. Ich fand ihn auf Anhieb und es überraschte mich mittlerweile nicht mehr, dass ich auch hier wieder die einzige Camperin war. Ich checkte bei einer Großfamilie ein, die auf dem kleinen Grundstück lebt. Maria hat 8 Kinder, wovon 6 noch bei ihr wohnen, das Jüngste ist erst etwas älter als 1 Jahr. Der Vater der 7 älteren Kinder verstarb vor 4 Jahren. Einer der erwachsenen Söhne lebt mit Frau und der 4-jährigen Tochter ebenfalls vor Ort und an diesem Wochenende war noch die 4-köpfige Verwandtschaft aus Cancún da.

    Den Nachmittag des Anreisetages nutzte ich erst einmal dafür, mich auf dem Sandplatz einzurichten. Die Söhne von Maria stellten mir einen Sonnenschirm auf und räumten um mich herum etwas auf. Außerdem hatte ich eine größere Amazonbestellung vor Ort, die ich nun in Empfang nehmen wollte. Auf manche Sachen freute ich mich schon länger, wie z.B. auf einen stabilen Campingtisch, Ersatzzahnbürsten für die elektrische Zahnbürste, die es in Mexiko nicht zu kaufen gab und auf neue Laufschuhe. Als mir die Schwiegertochter von Maria dann 2 Pakete in die Hand drückte, wurde ich stutzig. Das konnte nicht sein. Ich ging, die halbe Großfamilie im Schlepptau, zum Zeltplatz nebenan und tatsächlich befand sich dort der Rest meiner Bestellung. Also selbst die Sachen, die aus den USA geliefert wurden, hatten es bis El Cuyo geschafft. Es war ein Segen und noch dazu ein Fest, als es ans Auspacken ging. Ich hatte die ganze Familie am Tisch, die sich genauso freute wie ich, auch wenn für sie am Ende nur ein paar Kartons als Präsente übrig blieben ;-(. Nachdem die Amazon-Aktion abgeschlossen war, schaute ich mir den Strand noch kurz an, an dem der Wind extrem blies und verbrachte danach einen ruhigen Abend auf dem Campingplatz. Trotz meiner neuen 10-köpfige Nachbarschaft war die Lautstärke angenehm.

    Am Sonntagmorgen ging es dafür um 5 Uhr morgens bereits mit der Arbeit los. Erst später realisierte ich, dass sonntags bei Páach Kan gebruncht werden kann und ich zählte etwa 5 Personen, die dieses Angebot nutzten. Außerdem war die 4-köpfige Verwandtschaft vor Ort und die Musik aus der Tube lief lautstark. Die kommenden Tage kam in das sogenannte Restaurant Pàach Kan niemand mehr. Warum wurde mir kurz darauf klar. Ich verbrachte den Sonntag teils auf dem Campingplatz, teils im Ort und teils am Strand, wo es wieder genauso windig war, wie bereits am Tag zuvor. Am Abend saß ich mit der Familie und den Verwandten zusammen. Der Strom war seit dem Morgen ausgefallen und er sollte so schnell nicht wiederkommen. Auf El Cuyo seien diese Ausfälle normal, sagte man mir, als er nach 20 Stunden noch immer nicht wieder zurück war. Kein Strom bedeutete kein Wifi und die mobilen Daten existierten auch nicht. Ich blieb also bei der Familie, auch wenn ich von deren Unterhaltung nicht viel verstand. Mein Spanisch war noch immer “poquito.”

    Am frühen Montagmorgen reiste die Verwandtschaft zurück in die Stadt und danach lief irgendwie nichts mehr bei Pàach Kan. Maria sah ich vor 11 Uhr vormittags weder am Montag, noch am Dienstag und nachdem sie auftauchte, begab sie sich augenblicklich in die Hängematte. Die Kinder waren selbstständig und kümmerten sich rührend um den Nachzügler. Ich habe Maria von Montagvormittag an keinen Finger mehr rühren sehen und den Rest der Familie ebenfalls nicht. Überall lag der Müll rum, im Bad waren Haarbüschel auf dem Boden, auf den Tischen des „Restaurants“ Essensreste, die natürlich wiederum Fliegen anzogen. Es war fürchterlich und kein Familienmitglied schien dieses Chaos zu stören.

    Um der unbefriedigenden Situation zu entfliehen, entschied ich mich am Montagvormittag für einen Streifzug durch den Ort. Ich wollte ein paar Fotos machen und mich den schönen Seiten von El Cuyo widmen. Es war so ein besonderer Ort und ich war mal wieder dankbar dafür, dass mich der Isuzu bis hierhin gebracht hatte. Wäre ich ohne das Auto wohl jemals hierher gekommen? Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Ich genoss während meines Spaziergangs den ruhigen türkisblauen Ozean, den weiten Sandstrand, die kreativen Murals an den Häuserwänden, die wenigen Restaurants mit ihren ansprechenden Menüs und bestaunte die Pelikane am Hafen. In El Cuyo ticken die Uhren noch langsamer und dieser Ort entschleunigt mit größter Sicherheit. Ich hatte ein weiteres Paradies entdeckt.

    Als ich dann wieder zurück zum Campingplatz kam, hatte sich nichts verändert. Maria chillte noch immer in der Hängematte, der Rest der Familie ebenfalls und der Müll lag nach wie vor überall herum. Am schlimmsten fand ich, dass sie keine Ambitionen hatten, mir als Gast einen schönen Platz anbieten zu wollen. Es war ihnen egal und mich begann es zu ärgern.

    Am nächsten Morgen, es war nach meiner dritten Übernachtung bei Páach Kan erlebte ich das Selbe wie am Montagmorgen. Die Kinder gingen noch immer nicht zur Schule, standen zuerst auf, jedoch erst zwischen 9 und 10 Uhr morgens, gefolgt von Maria, die sich sofort in die Hängematte schwang. Ich hatte mich zur Abfahrt entschieden, obwohl ich eigentlich 4 Nächte in El Cuyo bleiben wollte, aber unter diesen Umständen war das für mich nicht mehr möglich. Ich fühlte mich zunehmender unwohl und es schien Maria nicht im Geringsten zu interessieren.

    Nachdem ich durchs Tor gefahren war, spürte ich Erleichterung in mir aufkommen. Ich war wirklich beeindruckt davon, wie sehr mich Páach Kan zuletzt gestresst hatte. Ich erlebte so etwas vorher in Mexiko nie und danach auch nicht mehr. Das Chaos wurde mir wirklich zu viel. Ich verließ El Cuyo auf der gleichen Straße, auf der ich 3 Tage zuvor gekommen war in Richtung Colonia Yucatán. Nachdem ich die nächstgrößere Gemeinde sicher erreicht hatte, denn es herrschten unterwegs wieder verheerende Buschbrände, sollte es nach Cancún weitergehen. Unterwegs realisierte ich, dass mal wieder ein Werkstattbesuch anstand. Ich roch Benzin. Ein Problem, welches ich bereits kannte. In der 700 000 Einwohner Stadt fand ich zügig einen Mechaniker, der einen neuen Dichtungsring an der Benzinleitung anbrachte. Nach 2 Stunden Arbeit war ich $600 (€30) los, hatte gegenüber einen Einkauf bei Walmart gemacht und fuhr mit dem Isuzu Richtung Zentrum. Ich wollte vor einem Hostel übernachten und hatte am nächsten Tag Termine und einige Dinge zu erledigen. Darüber werde ich aber im nächsten Footprint mehr berichten.
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  • Bacalar Pueblo Magico

    19. maj 2023, Mexico ⋅ ☁️ 35 °C

    Nachdem der Dichtungsring an der Benzinleitung in Antonios Werkstatt in Cancún ausgetauscht wurde, lief der Wagen erst einmal wieder zuverlässig und ich entschied mich nach der Reparatur stadteinwärts zu fahren und an der Straße neben Hostalito Mexican Hostel zu campen. Man konnte für $100 (€5) dort stehen und alle Annehmlichkeiten der Herberge nutzen. Der Verkehr in der 700 000 Einwohner zählenden Stadt war stark und ungewohnt und mir fiel es schwer, das Hostel zu finden. Nachdem ich mich mehrmals verfahren hatte, gönnte ich mir ein Taxi, welches vor mir herfuhr und mich nach nur einem Kilometer sicher zum gewünschten Ort brachte. Ich schaute mir den Stellplatz an und entschied mich aus Sicherheitsgründen ein Zimmer im Hostalito zu nehmen und es tat richtig gut, nach so langer Zeit mal wieder in einem Bett zu schlafen. Es war mit Sicherheit nicht die beste Unterkunft in Cancún, aber dafür waren das Personal und die Gäste überaus nett, hilfsbereit und aufgeschlossen. Im Hostalito herrschte eine tolle Stimmung. Ich wollte eigentlich nur einen Tag in Cancún verbringen, um einen Termin wahrzunehmen und um einigen Erledigungen nachzugehen, doch es kam mal wieder anders als geplant. Ich fuhr bereits am Morgen in die Hotelzone auf einer der Stadt vorgelagerten Halbinsel. Der Tag war intensiv und deshalb gönnte ich mir für die kommende Nacht nochmals ein Bett im Hostel. Aus Eins wurde Zwei.

    Am nächsten Tag fuhr ich an der Riviera Maya entlang bis nach Tulum. Einen kurzen Zwischenstopp legte ich am Nachmittag in Playa del Carmen ein. Ich wollte mir lediglich ein Bild von diesem Ort machen und nicht über Nacht bleiben. Im Zentrum reihte sich Laden an Laden mit immer ähnlichem Verkaufsinventar, so dass ich weiter Richtung Strand lief. Die Stimmung hier war deprimierend, denn der gesamte Strandabschnitt war voller Braunalgen und der Geruch war fürchterlich. Mittlerweile besteht dieses Problem an der Karibikküste jährlich von April bis September und diese Umweltkatastrophe wirkt sich natürlich extrem negativ auf einen stabilen, ganzjährigen Tourismus aus.

    Nachdem die Tageszeit fortgeschritten war, fuhr ich weiter nach Tulum. Bis ich hier einen Campingplatz gefunden hatte, wurde es fast Abend. Ich suchte zuerst in der archäologischen Stätte, da ich auf IOverlander gesehen hatte, dass es vor Ort einen passablen Platz geben sollte. Als ich nach längerer Zeit endlich dort ankam und herumgeführt wurde, sagte mir mein Gefühl, dass ich mich lieber weiter umschauen sollte. Der Typ war alkoholisiert und der Mann vom Parkplatz wies mir einen Platz in der prallen Sonne zu. Dazu war ich nicht bereit. Ich fuhr aus der archäologischen Stätte heraus und am Strand entlang bis zum Camping Chávez Tulum. Ich entschied mich aufgrund der einsetzenden Dunkelheit dort zu bleiben, auch wenn der Preis von $600 (€30) unverschämt war. Noch dazu stand ich zwischen parkenden Autos und Motorrollern, die bis nachts um 2 Uhr von hier wegfuhren. Es war zudem heiss, stickig, es ging kein Windhauch und es roch unangenehm nach Braunalgen. Auch in Tulum kamen sie an. Die Nacht ging irgendwie rum, aber ich entschied mich am nächsten Tag zur Abreise. Weder Cancún noch Tulum waren meine Destinationen und ich dachte schon, dass Quintana Roo, der letzte Bundesstaat vor meiner Ausreise, die gute Beziehung, die ich zum Reiseland Mexiko aufbauen konnte, negativ beeinflussen würde. Ich fuhr am Morgen nochmals in die archäologische Stätte, in der Absicht, mir die Ruinen anzuschauen, doch diese wurden während der kommenden 2 Wochen restauriert und in Stand gesetzt. Das war bedauerlich, denn es heißt, dass sie wirklich sehenswert sein sollen. Anschließend ging es noch für einen Einkauf bei dem relativ neu eröffneten Roxy-Store vorbei, bevor es in südlicher Richtung weiter nach Bacalar und an die gleichnamige Lagune ging. Ich checkte auf dem Campingplatz „Jardin de Venus“ ein und erlebte für den Rest meiner Reise durch Mexiko eine unbeschreiblich schöne Zeit mit ganz besonderen Menschen.

    Ich kam am Freitag, den 19. Mai an diesem besonderen Ort an und ich wollte es nicht glauben, aber tatsächlich standen auf dem hiesigen Campingplatz mal wieder Fahrzeuge. Darunter waren Reisende aus Deutschland, den USA und Kanada. Olga, die Besitzerin des Grundstücks vermietete auch Zimmer auf Airbnb und das Besondere daran war, dass es abgestellte, nicht mehr fahrbereite Campingfahrzeuge waren, in denen man schlafen konnte. Eine kreative Idee. Zum Kochen und Zusammensein stand eine offene Küche mit Sitzmöbeln zur Verfügung. Doch das Beste am Jardin de Venus war der direkte Zugang zur Lagune und diese war im Vergleich zur Küste mit ihrem Braunalgen-Problem ein Traum. Klares, sauberes Wasser, in dem man das Schwimmen so richtig genießen konnte. Das tat ich auch. Ich sprang jeden Morgen nach dem Joggen erst einmal in die Lagune, bevor ich so richtig in den Tag startete.

    Am Tag nach meiner Ankunft in Bacalar ging mal wieder etwas von meinen Habseligkeiten kaputt. Jedoch war es diesmal ausnahmsweise nicht das Auto, sondern es hatte sich der Akku der elektrischen Zahnbürste verabschiedet. Da ich ja nun schon seit einiger Zeit Kundin bei Amazon.mx war, entschied ich mich für die Bestellung eines neuen Gerätes, damit ich auch die nach El Cuyo gelieferten Ersatzzahnbürsten verwenden konnte. Auf die Bestellung sollte ich bis am Donnerstag der kommenden Woche warten, was mir aber ganz gelegen kam. Bacalar war der letze Ort, in dem ich mich in Mexiko aufhielt und von hier wollte ich in Ruhe meine Weiterreise nach Belize organisieren.

    Die Zeit, die Amazon und ich mir nun noch geschenkt hatten, nutzte ich wieder für einige Unternehmungen. An einem Tag fuhr ich mit dem Auto nach Salamanca, einem von Mennoniten bewohnten Ort unweit von Bacalar. Eine scheinbar endlose Schotterstrasse führte mich in eine andere Welt. Plötzlich kamen mir Pferdekutschen und unbereifte Traktoren entgegen. Das Land wurde für die Landwirtschaft gerodet, womit sich die Mennoniten vorwiegend ihren Lebensunterhalt verdienen. Männer, Frauen und schon bereits die Kinder tragen die für Mennoniten typische Kleidung, wie lange Kleider, Latzhosen, Hemden und Hüte. Anstelle von Autos stehen Pferdekutschen vor den Häusern. Es wirkt fernab von Mexiko, eher europäisch, aber 150 Jahre zurück.
    Die Mennoniten gehören einer evangelische Freikirche an, welche auf die Täuferbewegung der Reformationszeit zurückgeht. Der Name leitet sich von dem aus Friesland stammenden Theologen Menno Simons (1496–1561) ab. Als Täufer sind die Mennoniten geschichtlich eng mit den Hutterern und Amischen verbunden. Sie leben in meist autarken Gemeinschaften und pflegen ihre Bräuche. Gesprochen wird eine Art Plattdeutsch, die meisten lernen jedoch auch Deutsch in der Schule. So richtig ins Gespräch kam ich in Salamanca nicht mit den Mennoniten. Die Frauen schauten beim Vorbeifahren in den Kutschen scheu zur Seite und die Männer hoben meist nur die Hand leicht zum Gruß an. Nachdem ich mir die „andere Welt“ eine zeitlang angesehen hatte, fuhr ich zurück nach Bacalar und als ich wieder auf der geteerten Straße war, wurde es tropischer und grüner. 2 Welten so eng beieinander zu erleben löste ein besonderes Gefühl in mir aus.

    Am nächsten Tag ging ich am frühen Morgen mit der Kanadierin Vanessa joggen und am Vormittag starteten wir zur Cenote Azul und verbrachten den Nachmittag dort. Als wir ankamen, war es schon recht voll. Wir fanden aber ein schönes Plätzchen, an dem wir unseren Aufenthalt richtig genießen konnten. Für einen Eintrittspreis von $40 (€2) war die Cenote Azul ein wahres Schnäppchen.

    Am nächsten Tag erkundete ich das wundervolle Bacalar, übrigens auch eine Pueblo Mágico und das war sie wirklich. Ich streifte durchs Zentrum und lange am Ufer der Lagune entlang und aß schließlich noch bei Mr. Taco im Zentrum leckere Fisch-Tacos zu vernünftigen Preisen.

    An einem weiteren Tag ging es zu den Stromschnellen Los Rápidos. Sicherlich auch ein Must-Do in und um Bacalar, aber ich fand es vollkommen überteuert. Der Eintritt betrug $200 (€10) und das für 2x kurz den Fluss runter floaten. Naja.

    Der Freitag war der Tag vor der Abreise. Ich verbrachte viel Zeit damit meinen Grenzübertritt nach Belize und die kommenden Ziele zu planen. Ich ging am Abend nur noch für das Abholen einer Pizza in Richtung Zentrum.

    Die Woche in Bacalar verging wie im Fluge und ich war fast ein bisschen wehmütig, diesen Ort verlassen zu müssen. Am Samstag, den 27. Mai startete ich aber wie geplant in Richtung Belize Grenze, die von hier nur etwa 30 Minuten entfernt war. Der Grenzübertritt war recht einfach und nahm nur etwa 1.5 Stunden in Anspruch. Mir und dem Isuzu wurden 30 Tage Einlass gewährt. Nun stellte sich die Frage WOHIN ?
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