• Werner Götz
Şimdiki
  • Werner Götz

Südschweden

Sechs Wochen durch den Süden Schwedens mit dem Wohnmobil, die meiste Zeit außerhalb der Saison. Ein Paradies für Wohnmobilisten. Unsere Fahrt führt uns von Malmö bis nach Stockholm und Upsala und an der Westküste über Göteborg zurück. Okumaya devam et
  • Son görülme
    Bugün

    Hjo - prachtvolle Holzvillen in historischem Park

    Dün, İsveç ⋅ ☁️ 16 °C

    Die schwedische Holzstadt Hjo verzaubert mit ihrem gemütlichen Hafen und den prachtvollen Holzvillen im Schweizer Stil aus dem 19. Jahrhundert. Nach der Ankunft am späteren Vormittag ließ sich der Ort komplett zu Fuß erkunden: ein Spaziergang durch den historischen Stadtpark und dem Wasser entlang, ein Blick auf die alten Holzhäuser, ein Eis am Hafen und ein Bummel durchs Stadtzentrum. Die Stadt überzeugt uns schon eher als Nora, auch wenn heute am Sonntag in der Nachsaison vieles geschlossen ist.
    Zusammen mit Eksjö und Nora gehört Hjo ja zu den „Tre Trästäder", den drei Holzstädten, die für den Erhalt ihrer historischen Holzarchitektur ausgezeichnet wurden – passend zum liebevollen Stadtmotto „I love Hjo". Die Geschichte der Stadt ist eng mit dem Vätternsee verknüpft: Bereits im Mittelalter war Hjo ein bedeutender Hafen- und Handelsplatz zwischen Västergötland und Östergötland. Im Gegensatz zu vielen anderen schwedischen Städten blieb Hjo über die Jahrhunderte weitgehend von Großbränden verschont – nur 1794 brannten die Kirche und einige Nachbarhäuser nieder. Dadurch hat sich das geschlossene Stadtbild aus dem 18. und 19. Jahrhundert bis heute weitgehend erhalten. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zudem zu einem mondänen Kurbad, dem sie ihren herrschaftlichen Glanz verdankt.
    Der historische Stadtpark am Seeufer mit den prachtvolle Holzvillen ist das Prunkstück der Stadt, errichtet um 1870 für die Kurgäste. In der Altstadt rund um den Stora Torget führen kopfsteingepflasterte Gassen vorbei an pastellfarbenen Holzhäusern.
    Am Hafen lohnt der gelbe Holzpavillon Gula Paviljongen einen Stopp, in dem lokal produziertes Bio-Eis verkauft wird – in der Nachsaison im September allerdings nur noch bei schönem Wetter spontan geöffnet. Heute war er offen, die Entscheidung fiel auf belgische Waffeln mit Blaubeeren und Sahne.
    Okumaya devam et

  • Forsvik – ein Industriedenkmal am Göta-Kanal

    12 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 17 °C

    Der Göta-Kanal verbindet seit seiner Fertigstellung 1832 über Seen und Kanalabschnitte die Ostsee mit dem Kattegat und war beim Bau eines der größten Infrastrukturprojekte Schwedens im 19. Jahrhundert – Chefingenieur war derselbe Baltzar von Platen, der auch die Festung Karlsborg initiierte. In Forsvik liegt die 1813 eröffnete älteste Schleuse des Kanals, mit 3,5 Metern Fallhöhe zugleich die höchste Einzelschleuse der gesamten Strecke; direkt daneben steht eine der ältesten gusseisernen Brücken Schwedens aus demselben Jahr, die bis 1956 in Betrieb war. Der Ort selbst blickt auf eine noch viel ältere Industriegeschichte zurück: Bereits 1410 wird eine Mühle in Forsvik urkundlich erwähnt, geschenkt an das Kloster Vadstena – der Beginn von rund 600 Jahren durchgehender industrieller Nutzung der Wasserkraft an der Stelle, wo der Fluss Viken in den Bottensjön mündet. Über die Jahrhunderte wurden hier unter anderem Eisen verarbeitet, Kanonen gegossen, Eisenbahnwagen gebaut und in einem Holzschliff Papierzellstoff hergestellt; Ende der 1970er-Jahre wurde der Betrieb schließlich eingestellt. Seit 1987 bewahrt die Stiftelsen Forsviks Industriminnen das Gelände als Industriemuseum. Zu besichtigen sind unter anderem die alte Kleinschmiede, das Metallgießerei-Gebäude, der Holzschliff sowie eine werkseigene Schmalspurbahn. In einer ehemaligen Blechwerkstatt von 1895 entstand zwischen 1995 und 2011 zudem der Nachbau des Raddampfers Eric Nordevall II – das Original war 1856 im Vättersee gesunken und liegt dort bis heute in 45 Metern Tiefe.Okumaya devam et

  • Die Feste zu Karlsborg – ein Monument seiner Zeit

    12 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 17 °C

    Eines der monumentalsten Militärbauprojekte Europas und ein eindrucksvolles Zeugnis schwedischer Verteidigungsstrategie des 19. Jahrhunderts, das ist die Feste zu Karlsborg. Nachdem Schweden 1809 Finnland an Russland verloren hatte, war Stockholm den russischen Flotten schutzlos ausgesetzt. König Karl XIV. Johann beschloss daher 1819, auf Vorschlag des Göta-Kanal-Baumeisters Baltzar von Platen, ein radikales Konzept: Im Invasionsfall sollten Königsfamilie, Regierung, Reichstag sowie Goldreserve und Kronjuwelen der Reichsbank ins unzugängliche Landesinnere verlegt werden. Karlsborg sollte als autarke Reserve-Hauptstadt einer wochenlangen Belagerung standhalten. Der Bau begann 1819 und dauerte statt der geplanten zehn ganze 90 Jahre – als die Festung 1909 fertig war, hatten gezogene Artilleriegeschütze die dicken Kalksteinmauern längst veraltet gemacht. 1925 gab der Reichstag Karlsborg als Kriegsfestung auf; als Garnisons- und Ausbildungsstandort blieb sie in Betrieb, und im Zweiten Weltkrieg lagerte hier noch einmal die komplette Goldreserve der Reichsbank.
    Die militärische Nutzung ist bis heute spürbar: Die Streitkräfte belegen weiterhin Teile des Geländes, mehrere Bereiche sind abgesperrt. Bei unserem Besuch wirkte dennoch alles wie ausgestorben – nur die Schilder erinnerten daran, dass hier kein reines Freilichtmuseum ist.
    Im Slutvärn, dem 678 Meter langen Hauptverteidigungsbau, sitzt das Fästningsmuseum mit der Geschichte von Reserve-Hauptstadt, Festungsbau und stationierten Truppenteilen. Ein Kirchgewölbe führt mitten durchs Museum hinauf zur Garnisonskyrkan im Obergeschoss, geweiht 1869: eine neugotische Kirche, die im Kriegsfall zugleich als Plenarsaal für Reichstag und Regierung dienen sollte, mit Platz für 700 Personen. Ein Spaziergang auf dem Festungswall lohnt für den Blick über den Vättersee; das Gelände ist rund um die Uhr frei zugänglich. Nur an noch militärisch genutzten Stellen ist der Weg versperrt, mit Schildern zum Fotografierverbot als Schutzobjekt.
    Okumaya devam et

  • Örebro, der Geburtsort des Hauses Bernadotte

    12 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 17 °C

    Wir sind am Schloss Örebro angekommen, einer mächtigen Renaissance-Wasserburg mit vier markanten Rundtürmen, mitten im Zentrum der Stadt auf einer Insel im Fluss Svartån gelegen. Der Ursprung reicht ins 14. Jahrhundert zurück: ein schlichter Verteidigungsturm mit dicker Ringmauer zur Kontrolle der strategisch wichtigen Flussfurt und Handelswege, im Lauf der Jahrhunderte durch Belagerungen mehrfach beschädigt. Ab 1573 ließ Herzog Karl – später König Karl IX. – die mittelalterliche Wehrburg zu einem prachtvollen Renaissanceschloss nach französischem Vorbild umbauen, ein Projekt, das sein Sohn Gustav II. Adolf fortführte und das sich bis in die 1620er Jahre zog. In dieser Zeit fanden auf dem Schloss mehrere Reichstage statt. Nach einem Verfall im 17./18. Jahrhundert – zeitweise diente das Schloss als Gefängnis und Waffenlager – wurde es Mitte des 18. Jahrhunderts klassizistisch umgebaut, die Kuppeldächer der Türme wichen flachen Dächern. Sein heutiges, romantisch-historisierendes Erscheinungsbild mit den charakteristischen Turmhauben erhielt das Schloss erst bei einer Restaurierung Ende des 19. Jahrhunderts, im Geist der Nationalromantik.
    Die bedeutendste Rolle spielte Örebro 1810: Beim Reichstag in der Stadt wählten die Stände den französischen Marschall Jean-Baptiste Bernadotte zum schwedischen Thronfolger. Die Sitzung fand in der Sankt-Nikolai-Kirche am Stortorget statt, König Karl XIII. residierte während dieser Zeit im Schloss und erhielt dort die Nachricht von der Wahl. Als König Karl XIV. Johann begründete Bernadotte das Haus Bernadotte – bis heute das regierende Königshaus Schwedens.
    Ein Rundgang lohnt sich für den Innenhof mit seinen massiven Steinmauern, erreichbar über eine Brücke durchs Haupttor, und für den Spaziergang um den Wassergraben, in dem sich Türme und helle Fassaden im ruhigen Flusswasser spiegeln. Innen lassen sich historische Säle und königliche Gemächer besichtigen. Sehen kann man allerdings nur einen Teil des Schlosses: Große Bereiche dienen bis heute als Sitz der Provinzverwaltung (Landshövding) sowie als Büros und Konferenzräume und sind entsprechend nicht öffentlich zugänglich.
    Besonders sehenswert war die Sonderausstellung „Wonderland" der britischen Künstlerin Kirsty Mitchell im Schloss – rund 40 großformatige Fotografien, einige über zwei Meter hoch. Mitchell, ursprünglich Modedesignerin, verarbeitete darin den Tod ihrer Mutter 2008 zu einer eigenen Bildwelt voller Märchenmotive aus ihrer Kindheit. Die über fünf Jahre entstandene Serie machte international Furore. Das Besondere sind die Bilder selbst: Kostüme, Requisiten und Kulissen fertigt Mitchell komplett von Hand – ein einziges Motiv kann Monate Arbeit kosten. Fotografiert wird anschließend draußen in englischen Wäldern, mit ihr selbst hinter der Kamera. Entstanden sind opulente, farbintensive Fantasiewelten zwischen Traum und Wirklichkeit, ergänzt um neuere Arbeiten zu ihrer eigenen Krebserkrankung. In Örebro sind neben den Fotografien auch einige Original-Kostüme, Requisiten und Filmmaterial zur Entstehung der Bilder zu sehen.
    Okumaya devam et

  • Nora – Trästadt mit Ecken und Kanten

    11 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 16 °C

    Nora bildet zusammen mit Eksjö und Hjo die „Tre Trästäder" und wurde mehrfach mit der Europa-Nostra-Medaille für die Erhaltung seiner historischen Holzbebauung ausgezeichnet. Vom Eisenbergbau der Region geprägt, erhielt die Stadt 1643 ihre Stadtrechte; ein Großbrand vernichtete sie 1731 fast vollständig, nur die – dabei beschädigte – Kirche blieb stehen. Der Wiederaufbau in den folgenden Jahrzehnten schuf das bis heute erhaltene, geschlossene Stadtbild aus Holzhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts.
    Ehrlich gesagt waren wir etwas enttäuscht, denn nach allem, was man über die Trästäder liest, hatten wir uns mehr vorgestellt. Statt einer ruhigen Altstadt zum Schlendern fährt überall Verkehr durch die Gassen, eine Fußgängerzone gibt es nicht, und auch das Ladenangebot ist überschaubar, mit kaum Kunsthandwerk und wenig, das zum Bummeln einlädt. Was bleibt, ist vor allem Ambiente: pastellfarbene Holzhäuser mit begrünten Innenhöfen rund um einen Marktplatz, den die neugotische Backsteinkirche von 1880 als Kontrastpunkt dominiert.
    Am alten Bahnhof warten die Züge und Wagen der Nora Bergslags Veteranjärnväg – die Strecke Nora–Ervalla von 1856 gilt als Schwedens erste normalspurige Eisenbahn für den öffentlichen Verkehr. Das Eisenbahnmuseum selbst hat im September geschlossen, doch das ist kein Beinbruch: Auf dem Freigelände stehen alte Loks und Waggons unrestauriert genau so herum, wie sie eben abgestellt wurden – für alle, die rostiges, unpoliertes altes Eisen einer aufgehübschten Museumsversion vorziehen, ein eigener kleiner Reiz.
    Einen schönen Tagesausklang bietet Nora Glass: Seit 1923 wird hier täglich frisches Speiseeis nach Familienrezept hergestellt, ein reines Naturprodukt ohne Konservierungsstoffe, immer in drei Sorten – Vanille und Haselnuss fest, dazu eine täglich wechselnde dritte. Erhältlich am Kiosk auf dem Glasstorget sowie im Café Strandstugan an der Uferpromenade. Nur war alles leider schon geschlossen. Krimi-Fans finden in Nora zudem die Heimat von Maria Lang, bürgerlich Dagmar Lange, die ihre fiktive Stadt Skoga in über 40 Kriminalromanen eins zu eins nach Nora modellierte.
    Okumaya devam et

  • Eine Eisenhüttensiedlung wird zum Weltkulturerbe

    11 Eylül, İsveç ⋅ ☀️ 15 °C

    Engelsberg Bruk ist die am besten erhaltene Eisenhüttensiedlung des 17./18. Jahrhunderts weltweit, 1993 als Unesco-Weltkulturerbe eingetragen. Die Unesco begründet die Aufnahme damit, dass Schweden in dieser Zeit durch die Produktion hochwertigen Eisens zur führenden Nation dieses Feldes wurde und Engelsberg das vollständigste und am besten erhaltene Beispiel eines solchen Järnbruk (Hüttenguts) darstellt. Gegründet 1681, entwickelte sich Engelsberg rasch zu einer der modernsten Eisenhütten des Landes und blieb bis zur Stilllegung 1919 in Betrieb. Kern des Ensembles ist das Prinzip des Järnbruk: eine autarke, patriarchalisch geführte Werkssiedlung, in der der Gutsherr (Brukspatron) neben der Fabrik auch Wohnhäuser, Schule, Gasthäuser und Landwirtschaft für die Arbeiter unterhielt. Einzigartig ist, dass sowohl die komplette technische Anlage (Hochofen, Schmiede, Erzdarrofen, Wasserräder) als auch die herrschaftlichen Gebäude (barockes Herrenhaus, Parkanlagen) und die Arbeiterkaten im Original erhalten sind.
    So viel zur Theorie – die Praxis sah bei unserem Besuch im September anders aus. Wer sich ein offenes Freilichtmuseum mit Infotafeln und frei zugänglichen Gebäuden vorstellt, wird enttäuscht: Das gesamte Areal ist in Privatbesitz und wird teils als private Forschungs- und Tagungsstätte genutzt. Der Zutritt ist massiv eingeschränkt, überall weisen Schilder auf Privatgelände hin, begehbar sind nur einige wenige Außenwege. Das Herrenhaus ist kaum einsehbar – das Konzept setzt konsequent auf geführte Touren. Genau die aber enden mit der regulären Saison im Sommer: Führungen gibt es im September nicht mehr, außerhalb der Saison werden Touren nur für Gruppen auf Voranmeldung und gegen hohe Pauschalgebühr angeboten – für Individualreisende ein echtes Dilemma.
    Historisch zweifellos bedeutend, als Reiseziel im Herbst für Spontanbesucher aber eine Enttäuschung. Wer im September in der Region unterwegs ist, sollte Engelsberg Bruk dann mitnehmen, wenn er sowieso in der Gegend ist. Einen schönen Spaziergang ist es allemal wert.
    Okumaya devam et

  • Schloss Strömsholm – das Pferdeschloss

    10 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 15 °C

    Ganz allein unterwegs waren wir dann beim Schloss Strömsholm, etwa 30 Kilometer weiter. Die Ursprünge der Anlage reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als König Gustav Wasa hier zunächst eine Befestigung errichten ließ. Das heutige barocke Schloss entstand ab 1669 im Auftrag der Königswitwe Hedvig Eleonora, die den alten Bau abreißen und nach Plänen des berühmten Architekten Nicodemus Tessin d. Ä. neu errichten ließ – fertiggestellt in den 1670er/80er Jahren. Erbaut wurde es auf einer Insel im Fluss Kolbäcksån in der Provinz Västmanland. König Adolf Friedrich und Königin Luise Ulrike erhielten das Schloss später als Hochzeitsgeschenk, woraufhin die Innenräume im prächtigen gustavianischen Stil umgestaltet wurden – dieser Zustand prägt die Räume bis heute, darunter ein "chinesischer Saal" mit entsprechenden Wandmalereien und eine reiche Gemäldesammlung. Nur um diese jahreszeit ist das Schloss natürlich geschlossen, wussten wir aber schon vorher.
    Seine besondere Bedeutung verdankt Strömsholm jedoch dem Pferd: Bereits im 17. Jahrhundert wurde hier eine königliche Pferdezucht zur Versorgung der schwedischen Armee aufgebaut. Von 1868 bis 1968 war die Reit- und Fahrschule der schwedischen Armee im Schloss untergebracht, und bis heute ist Strömsholm mit der Ridskolan Strömsholm das Zentrum der schwedischen Reitausbildung, des Pferdesports und der Zucht – ausgerichtet werden hier weiterhin Reitturniere und Pferderennen, allen voran jährlich im Juni die Strömsholmsveckan.
    Okumaya devam et

  • Von Hügelgräbern und Schiffssetzungen

    10 Eylül, İsveç ⋅ 🌧 13 °C

    Anundshög, ein Grabfeld der Wikingerzeit bei Västerås war unser nächster Halt, etwa 40 Kilometer entfernt. Wenig los war auch hier: Da es noch leicht regnete, marschierten wir erst mal wieder ins Café. Anundshög gilt als eines der bedeutendsten Gräberfelder der Wikingerzeit in Schweden – genutzt von der Völkerwanderungs- bis in die Wikingerzeit, etwa 500 bis 1050 n. Chr. Namensgebend ist der mächtige Anundshög selbst: mit rund 68 Metern Durchmesser und 9 Metern Höhe der größte Grabhügel Schwedens. Der Name wird mit dem legendären König Bröt-Anund aus der Ynglingasaga in Verbindung gebracht, geht aber wohl eher auf einen Runenstein aus dem 11. Jahrhundert am Fuß des Hügels zurück, der einen Anund erwähnt.
    Wer darin bestattet wurde, ist bis heute unbekannt. 1788 versuchten Brennerei-Knechte aus Västerås, den Hügel zu plündern, gruben sich aber nicht bis zum Grab durch. Eine echte archäologische Untersuchung fand erst 1998 statt – allerdings nur in Form von Probebohrungen und einzelnen Suchschnitten am Rand, keine vollständige Ausgrabung. Direkt daneben liegen mehrere Schiffssetzungen: zwei große, 54 und 51 Meter lange Steinreihen in Schiffsform, ausgerichtet auf den Anundshög, dazu drei kleinere. Kein anderer Fundort in Schweden vereint so viele große Schiffssetzungen an einem Platz.
    Das Areal diente bis ins 13. Jahrhundert zusätzlich als Thingplatz, also als Versammlungsort für Rechtsprechung und politische Entscheidungen – ein weiterer Beleg dafür, dass Anundshög über Jahrhunderte ein Zentrum von Macht und Gemeinschaft war.
    Okumaya devam et

  • Schwedens Schatzkammer

    10 Eylül, İsveç ⋅ 🌧 11 °C

    Die Sala Silvergruva, im Volksmund einst "Seva rikes skattkammare" (Schatzkammer des Svea-Reiches) genannt, war über Jahrhunderte die wichtigste Silberquelle Schwedens. Die erste königliche Bergbaukonzession stammt aus dem Jahr 1512, entdeckt wurden die Silberadern aber schon im 15. Jahrhundert. Der Höhepunkt lag in den 1530er- und 1540er-Jahren unter König Gustav Wasa; das gewonnene Silber floss direkt in die schwedische Krone – verarbeitet zu Münzen und kostbarem Hausrat. Bis zur Schließung 1908 war Sala durchgehend in Betrieb, mit einer letzten kurzen Wiederaufnahme 1950/51. Insgesamt wurden rund 450 Tonnen Silber gefördert. Das Grubenareal gilt heute als eines der besterhaltenen Bergwerksmilieus der Welt und beherbergt sogar das tiefste Hotelzimmer der Welt, 155 Meter unter Tage.
    Das weitläufige Gelände umfasst 48 historische Gebäude. Wäre nicht kurz eine Schulklasse aufgetaucht, wir wären die einzigen Besucher gewesen. Für eine Führung unter Tage reichte die Zeit leider nicht: Die erste des Tages wäre erst um 14 Uhr gewesen, für uns zu spät.
    Zum Ausklang kehrten wir im Antikladen Silvergruvans Antik & Kuriosa direkt am Gelände ein – rund 600 m² voller Möbel, Porzellan, Glas und Kuriositäten, dazu ein kleines Café mit Fika. Läden, wie ich sie liebe. Bei einem Kaffee kamen wir mit den Inhaber ins Gespräch und ergatterten schließlich noch einen Mörser mit Stößel aus dem 19. Jahrhundert.
    Okumaya devam et

  • Gamla Uppsala - einst das machtpolitische Zentrum

    9 Eylül, İsveç ⋅ ⛅ 18 °C

    Gamla Uppsala war einst religiöses und machtpolitisches Zentrum Schwedens – von hier aus regierten die ersten schwedischen Könige. Nach der Christianisierung wurde der Ort 1164 sogar Erzbischofssitz, bis nach einem Kirchenbrand 1273 der Bischofssitz ins heutige Uppsala verlegt wurde. Wahrzeichen sind die drei großen Königshügel (Kungshögarna) aus dem 6. Jahrhundert, Brandgräber der Vendelzeit. Bis heute ist nicht geklärt, wer darin bestattet wurde – sicher ist nur, dass es sich um hochrangige Persönlichkeiten handelte. Im Osthügel fanden sich Reste eines Helms und goldene Fragmente, im Westhügel die Überreste eines Habichts, vermutlich eines Jagdvogels der damaligen Elite. Die Hügel liegen inmitten eines weitläufigen Gräberfelds mit rund 3.000 Gräbern. Der Sage nach – überliefert in der isländischen Ynglingasaga – sollen hier die legendären Sveakönige Aun, Egil und Adils bestattet sein, eine Zuordnung, die auf eine Theorie des Archäologen Birger Nerman aus dem Jahr 1913 zurückgeht. Neuere Untersuchungen datierten die Hügel jedoch rund 100 Jahre jünger als die Regierungszeit dieser Könige – die Verbindung bleibt damit wohl eine Legende.
    Wir unternahmen eine kurze Wanderung rund um die Grabhügel, die auch an der kleinen Steinkirche vorbeiführte – einst erste Kathedrale Schwedens, vermutet an der Stelle des sagenumwobenen heidnischen Tempels, den Adam von Bremen beschrieb – sowie zum Freilichtmuseum Disagården. Das 1931 gegründete Museum zeigt rund 26 Holzgebäude aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die aus verschiedenen Teilen Upplands hierher versetzt wurden, und vermittelt einen Eindruck vom bäuerlichen Leben der Region im 19. Jahrhundert – mit Wohnhäusern, Höfen und frei laufenden Tieren.
    Okumaya devam et

  • Grablege der Könige - der Dom zu Uppsala

    9 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 17 °C

    Der Dom zu Uppsala, die größte und höchste Kirche Skandinaviens, beeindruckt bereits von außen durch seine markanten, fast 120 Meter hohen gotischen Türme, die die Silhouette der geschichtsträchtigen Universitätsstadt dominieren. Doch das wahre Herzstück dieses monumentalen Backsteinbaus aus dem 13. Jahrhundert offenbart sich im Inneren, direkt hinter dem Hauptaltar, in Form eines der bedeutendsten historischen Monumente Schwedens: den königlichen Prunksarkophag von König Gustav I. Wasa (1496 bis 1560). Der Begründer der Wasa-Dynastie und Einiger des modernen schwedischen Reiches ruht in einem monumentalen Grabmal aus rotem Marmor und weißen Alabaster. Auf dem Sarkophag thronen die lebensechten Liegefiguren des Königs und seiner ersten beiden Ehefrauen, Katharina von Sachsen-Lauenburg und Margareta Leijonhufvud, während seine dritte Gemahlin, Katharina Stenbock, in der Gruft direkt darunter beigesetzt ist.
    Dieses Areal im hinteren Teil des Doms gleicht einer schwedischen Herrschergalerie. Nur wenige Schritte entfernt, in der ehemaligen Sakristei, zieht das Grabmonument seines Sohnes König Johann III. und dessen polnischer Gattin Katharina Jagiellonica die Blicke auf sich. Unweit davon ruht in einem vergoldeten Schrein der Schutzpatron Schwedens, König Erik der Heilige (Erik IX). Die Legende besagt, dass Erik von Feinden brutal angegriffen und schließlich enthauptet wurde. Die Forscher fanden an den Beinknochen Spuren von heftigen Hieben und – als finalen Beweis – einen tiefen Schnitt am Halswirbel, der die Enthauptung zweifelsfrei belegt.
    Neben den königlichen Ruhestätten birgt der Dom, der über Jahrhunderte hinweg die traditionelle Krönungs- und Grabkirche der schwedischen Monarchen war, noch weitere historische Schätze. So findet man nahe dem Haupteingang die schlichte Grabplatte des weltberühmten Botanikers Carl von Linné und in den barocken Seitenkapellen die Gräber des Universalgelehrten Olof Rudbeck sowie des Friedensnobelpreisträgers Dag Hammarskjöld. Ein Rundgang durch dieses ehrwürdige Gemäuer verbindet auf faszinierende Weise die mittelalterliche Sakralarchitektur mit den prägenden Epochen der schwedischen Nationalgeschichte.
    Okumaya devam et

  • Sigtuna - eine Stadt mit Geschichte

    9 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 15 °C

    Unser erster heutiger Stopp findet in Sigtuna statt. Ein Bummel durch die alte zentrale Gasse, Museumsbesuch und das kleinste Rathaus Schwedens stehen auf dem Programm. Sigtuna wurde um das Jahr 970 von König Erik Segersäll gegründet und gilt damit – neben Lund – als älteste noch bestehende Stadt Schwedens. Bereits um das Jahr 1000 lebten hier etwa 1.000 Menschen – zu jener Zeit eine beachtliche Größe, denn Sigtuna war damals ein bedeutendes Handels-, Kirchen- und Reichszentrum.
    Das Rückgrat der Altstadt bildet die Stora Gatan, die zentrale Fußgängergasse, gesäumt von bunt bemalten Holzhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, kleinen Läden, Galerien und Cafés. Archäologisch spannend: Unter der heutigen Straße liegen mehrere frühere Straßenschichten übereinander, ein Beleg dafür, dass Sigtuna schon in seiner Gründungszeit nach einem geregelten Plan angelegt wurde. Am Stora Torget, dem großen Platz entlang der Straße, steht das kleinste Rathaus Schwedens – ein gelb gestrichenes Holzgebäude mit spitzem Türmchen aus dem Jahr 1744, das einst als Gerichtsgebäude diente.
    Wer mehr über die Geschichte der Stadt erfahren möchte, findet im Sigtuna-Museum mittelalterliche Fundstücke, unter anderem aus der Wikingerzeit. Sehenswert sind zudem die Kirchenruinen von St. Per, St. Lars und St. Olof sowie zahlreiche Runensteine in der Stadt und Umgebung. Eine Pause bietet sich im Café Tant Bruns Kaffestuga an, in einem historischen, roten Holzhaus aus dem 17. Jahrhundert, bekannt für seine Smörgåsar.
    Okumaya devam et

  • Das Museum der Wracks

    8 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 19 °C

    Anschließend besuchten wir noch das nahe gelegene Museum of Wrecks, Thema ist das gesamte Wrackerbe der Ostsee – nirgendwo sonst haben sich so viele hölzerne Schiffswracks so gut erhalten, dank des kalten, salzarmen, schiffswurmfreien Wassers. Der Clou: Die Wracks selbst bleiben auf dem Meeresgrund, wo sie am besten konserviert sind – gezeigt werden sie stattdessen über 3D-Rekonstruktionen, Hologramme, VR-Brillen und immersive Rauminstallationen, u. a. rund um das 1660 gesunkene Schiff "Resande Man". Für 2026 wurde das Museum von Schwedens Museumsverband und ICOM zum "Museum of the Year" gekürt.
    Zu guter Letzt ging es noch zu einem längeren Bummel durch die Altstadt. Die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kostet rund 3,40 € für 75 Minuten, egal ob Bus, U-Bahn oder Fähre und gezahlt wird per Handy in Sekundenschnelle an der Schranke. In den 75 Minuten kann man sooft umsteigen, wie man will.
    Okumaya devam et

  • Das Vasa-Museum - ein Muss in Stockholm

    8 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 16 °C

    Einer der Hauptgründe für den längeren Stopp in Stockholm ist das Vasa-Museum. Es beherbergt ein fast vollständig erhaltenes Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, das am 10. August 1628 auf seiner Jungfernfahrt nach nur etwa 20 Minuten und 1.300 Metern Strecke im Hafen versank. Ursache für das Unglück war eine gravierende Fehlkonstruktion. Auf Drängen von König Gustav II. Adolf wurde nachträglich ein zweites Kanonendeck eingebaut, wodurch das Schiff kopflastig und im Verhältnis zu seiner Höhe zu schmal wurde. Wochen vor der Fahrt hatte ein Stabilitätstest, bei dem 30 Männer auf dem Deck von einer Seite zur anderen rannten, bereits ein bedrohliches Schwanken gezeigt. Aus Angst vor dem Zorn des Königs wurde der Test jedoch abgebrochen und die Fahrt nicht abgesagt. Als das Schiff die schützenden Felsen des Hafens verließ, brachte eine erste Windböe das Schiff in eine bedrohliche Schräglage. Zwar richtete es sich noch einmal auf, aber ein zweite Böe verstärkte die Schräglage, so dass Wasser durch die nur einem Meter oberhalb der Wasserlinie befindlichen offenen Kanonenluken eindrang. Die waren offen wegen der Salutschüsse bei der Ausfahrt. Sehr schnell lief das Schiff voll und sank, riss zwischen 30 und 50 Menschen in den Tod.
    Nach 333 Jahren im sauerstoffarmen Wasser der Ostsee wurde das Wrack wieder entdeckt und im Jahr 1961 geborgen. Für die Vorbereitung mussten Marinetaucher unterhalb des im Tonschlamm feststeckenden Rumpfes sechs Tunnel freispülen. Diese Arbeit war für die Taucher lebensgefährlich, da sie in der eisigen, pechschwarzen Tiefe völlig blind arbeiteten und das Risiko bestand, dass das 1.200 Tonnen schwere Schiff absackt und sie lebendig begräbt. Durch diese Tunnel wurden 5 bis 6 Zentimeter dicke Stahlkabel gezogen. Mithilfe von zwei Bergungspontons wurde das Schiff anschließend schrittweise angehoben und in flacheres Wasser geschleppt. Nachdem die Kanonenluken unter Wasser abgedichtet worden waren, pumpte man den Rumpf leer, bis das Schiff wieder eigenständig schwamm - und das nach 333 Jahren auf Grund. Im Dezember 1988 folgte der Transport auf einem Ponton per Schlepper in ein altes Trockendock, um das herum das heutige Museumsgebäude errichtet wurde.
    Aktuell läuft ein größeres Projekt, um den Rumpf mit neuen Stützen und einem Stahlskelett im Inneren dauerhaft gegen das langsame Absacken durch die Schwerkraft zu stabilisieren. Die Kosten: 18 Millionen Euro. Mithin ist das Vasa-Museum das meistbesuchte in Schweden, jährlich kommen rund 1,5 Millionen Besuchern, der Großteil aus dem Ausland.
    Bei den Ausgrabungen im Rumpf wurden zudem über 40.000 Objekte gesichert. Die geborgenen Skelette von mindestens 15 Personen gaben durch DNA-Analysen Aufschluss über Alter, Geschlecht und den oft mangelhaften Gesundheitszustand der damaligen Menschen. In den Holztruhen der Matrosen fanden sich gut erhaltene Alltagskleidung, Schuhe, Werkzeuge und Kämme, die im Schlamm luftdicht überdauert hatten. Zudem entdeckten Archäologen unter Deck sechs ungenutzte Reserve-Segel aus Leinen und Hanf, Fässer mit eingesalzenem Proviant sowie rund 4.000 Kupfermünzen, die als Sold für die Besatzung gedacht waren.
    Okumaya devam et

  • Kungliga Slottet - das königliche Schloss

    7 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 17 °C

    Nach einer Kaffeepause geht es dann ins königliche Schloss, dem Kungliga Slottet. Direkt in Gamla Stan gelegen ist es die offizielle Residenz des Königs – tatsächlich gewohnt wird aber auf Schloss Drottningholm außerhalb der Stadt, weshalb sich das Schloss unkompliziert besichtigen lässt. Der Barockbau wurde 1697 bis 1770 auf den Grundmauern einer mittelalterlichen Burg errichtet, die abbrannte. Mit 230 x 125 m Fläche und über 600 Räumen ist es eines der größten noch genutzten Schlösser Europas – öffentlich zugänglich ist aber nur ein Teil: die Prunkräume, Schatzkammer mit den Kronjuwelen, Museum sowie die Schlosskirche. Das reicht auch.Okumaya devam et

  • Stockholm - vom Monteliusvägen bis zur Gamla Stan

    7 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 16 °C

    Stockholm verteilt sich auf 14 Inseln, verbunden über rund 50 Brücken. Gegründet wurde die Stadt 1252 – strategisch klug an der Engstelle, wo der Mälarsee in die Ostsee mündet, um den Handel zu kontrollieren. Offizielle Hauptstadt wurde sie aber erst 1634. De facto war sie da politisch längst das Zentrum: Schon 1289 taucht sie in einem Dokument als bevölkerungsreichste Stadt des Königreichs auf.
    Heute leben knapp eine Million Menschen in der Stadtgemeinde selbst und zieht man die ganze Metropolregion dazu, sind es fast 2,5 Millionen – knapp ein Viertel der gesamten schwedischen Bevölkerung ballt sich hier.
    Wir nutzen den Monteliusvägen – den Panoramaweg von unserem Stellplatz aus um die die Altstadt zu kommen. Der schmale, rund 500 m lange Weg bietet eine gute Aussicht auf Stadshuset, Gamla Stan, Riddarholmen und Kungsholmen – einer der bekanntesten Ausblicke der Stadt. Von dort aus geht es in die Gamla Stan, eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte Europas, auf der Insel Stadsholmen. Enge Kopfsteingassen, bunte Giebelhäuser, versteckte Plätze – Stortorget, der älteste Platz der Stadt, gilt als Herzstück. Sehenswert außerdem: die Storkyrkan (Dom und Krönungskirche), Mårten Trotzigs Gränd (mit knapp 90 cm Stockholms schmalste Gasse) sowie die Riddarholmskyrkan, die mittelalterliche Grabkirche der schwedischen Könige auf der Nachbarinsel.
    Okumaya devam et

  • Schlössertour Teil III - Taxinge Slott

    6 Eylül, İsveç ⋅ ⛅ 19 °C

    Zu guter Letzt ging unsere heutige Schlössertour zum Taxinge Slott, ein ehemaliges Rittergut auf einer Landzunge in der Gripsholmsbucht am Mälarsee, unweit von Mariefred. Eine erste Erwähnung des Gutshofs Näsby gab es bereits 1281, das heutige gelbe Hauptgebäude stammt aus den Jahren 1806 bis 1813. Wirklich berühmt ist das Schloss aber nicht wegen seiner Geschichte, sondern als "Kakslottet" – das Kuchenschloss.
    Der Grund: das Slottscafé mit Nordeuropas größtem Kuchenbuffet, garantiert mindestens 65 hausgebackene Sorten, von Smörgåsar über Kleingebäck bis zu aufwendigen Torten – das Angebot wechselt mit der Saison, unterschreitet aber nie diese Marke. Bezahlt wird nicht pauschal, sondern nur das, was tatsächlich auf dem Teller landet, sodass man nach Lust und Laune probieren kann. Genossen wird das Ganze wahlweise in der historischen Bibliothek oder – bei schönem Wetter – im Schlosspark direkt am Wasser. Kein Wunder, dass hier auch "Hela Sverige Bakar" (das schwedische Pendant zu "Das große Backen") gedreht wird.
    Dass heute etwas mehr los war, passt zum Ruf des Ortes – die Warteschlange vor dem Kuchentisch gehört praktisch zum Erlebnis dazu, gerade am Wochenende. Der Aufwand hat sich aber gelohnt: Der Kuchen war es wert.
    Okumaya devam et

  • Schlössertour Teil II - Gripsholm

    6 Eylül, İsveç ⋅ ☀️ 18 °C

    Nach den wenigen Menschen in Tullgarn war Gripsholm ein deutlicher Kontrast – hier waren wir bei Weitem nicht mehr allein unterwegs. Kein Wunder: Gripsholm ist im Unterschied zu Tullgarn auch bis zum 15. September noch täglich geöffnet, liegt zudem direkt am charmanten Städtchen Mariefred und gehört zu den bekannteren der königlichen Schlösser. Trotzdem hielt sich der Andrang heute in Grenzen – gut zu bewältigen. In den Sälen war sogar recht wenig los. Was hier wohl an einem echten Sommer-Sonntag in der Hochsaison los sein muss, will ich lieber gar nicht wissen.
    Das Schloss selbst wurde 1537 von Gustav Wasa auf einer Insel im Mälarsee gegründet, direkt gegenüber von Mariefred, mit den charakteristischen runden Ecktürmen. Es beherbergt die Svenska statens porträttsamling – die älteste nationale Porträtgalerie der Welt, mit Bildnissen bedeutender Schweden von Gustav Wasas Zeit bis heute, darunter auch bekannte Namen wie Greta Garbo oder August Strindberg. Allein im Schloss sind 800 Gemälde ausgestellt, die Sammlung umfasst deutlich über 5000 Portraits. Sie gilt als älteste nationale Porträtsammlung der Welt, geht auf Gustav Wasas Kunstsammlung im 16. Jahrhundert zurück und wurde 1822 offiziell gegründet.
    In der Rustkammer wartet ein ausgestopfter Löwe neben Rüstungen aus der Zeit Gustavs III., dazu winklige Gänge, historische Gemächer und Gustavs III. eigenes kleines Schlosstheater. Man gönnt sich ja sonst nichts: 781 beauftragte Gustav III. – als „Theaterkönig" bekannt für seine Leidenschaft für Schauspiel – den Architekten Erik Palmstedt mit dem Umbau einer kleineren Bühne zu einer vollwertigen Hoftheater-Anlage. Palmstedt nutzte die kreisrunde Form des Turms geschickt, um trotz beengter Platzverhältnisse eine funktionstüchtige Bühne samt Zuschauerraum unterzubringen, und ließ sich dabei von seinen Reisen durch Italiens und Europas Architektur inspirieren. Der Salon war für rund 60 Gäste ausgelegt, inklusive Majestätsloge und Botschafterlogen. Für nicht-adliges Personal gab es zusätzlich Plätze im Kuppelgewölbe, von wo Bedienstete auf königliche Anweisung ebenfalls zuschauen durften. Auch verstellbare Kulissen sind vorhanden, dafür gibt es hinter der Bühne einen speziellen Technikraum.
    Okumaya devam et

  • Sclössertour Teil I - Tullgarns slott

    6 Eylül, İsveç ⋅ ☀️ 15 °C

    Wir machen unseren ersten heutigen Halt bei Tullgarns slott, einem königlichen Sommerschloss an einer Bucht der Ostsee bei Vagnhärad. Erbaut in den 1720er-Jahren, geprägt von Rokoko, Gustavianischem Stil und einer viktorianischen Umgestaltung durch Kronprinzenpaar Gustaf (V) und Victoria Ende des 19. Jahrhunderts – die Innenräume gelten als eine der schönsten Ausstattungen Schwedens. Zu dieser Jahreszeit ist eine Innenbesichtigung jedoch nicht möglich: Das Schloss selbst ist nur im Sommer geöffnet.
    Ein Spaziergang lohnt sich trotzdem – und zwar unabhängig von der Saison, denn die englische Parkanlage ist ganzjährig frei zugänglich. Angelegt ab Ende des 18. Jahrhunderts unter Herzog Fredrik Adolf und vollendet unter Prinzessin Sofia Albertina, mit Kanalsystem, kleinen Brücken und geschwungenen Wegen auf rund 44 Tunnland (etwa 22 Hektar). Ein Spaziergang durch den Park ist praktisch eine Wanderung durch vier Jahrhunderte Gartengeschichte, vom barocken Sternenwäldchen und Laubtheater nahe dem Schloss bis zur weitläufigen englischen Parklandschaft mit altem Baumbestand. Besonders bei Sonnenschein hat der Weg entlang der Bucht Tullgarnsviken seinen Reiz: freier Blick übers Wasser, ein Steg zum Baden/Vogelbeobachten im Sommer, dazu Wasserläufe, alte Laubbäume und ein Vogelturm mit Panoramablick.
    Okumaya devam et

  • Entlang der Küste zum Naturreservat Stendörren

    5 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 16 °C

    Einen Halt und eine kürzere Wanderung machen wir bei Stendörren. Das Naturreservat an der Küste ist seit 1972 geschützt, 923 Hektar groß, davon 738 Hektar offenes Wasser und Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks. Über Hängebrücken und Stege gelangt man ganz ohne Boot direkt vom Festland auf die vorgelagerten Schäreninseln Äspskär und Stora Krokholmen – Land und Meer gehen hier nahtlos ineinander über.
    Rund um den Eingangsbereich bei Aspnäset liegen das Naturum mit Ausstellung zur Ostsee und Kulturgeschichte des Schärengartens. Es ist aber nur im Sommer geöffnet, zudem findet sich ein Aussichtsturm mit Panoramablick über den Sörmland-Schärengarten, mehrere markierte Wanderwege, Grillplätze sowie einfache Ferienhütten auf der Insel Ekholmen. Beliebt sind zudem Naturhäfen für Boote sowie eine Kanuanlegestelle.
    Okumaya devam et

  • Zwischenstopp bei einer Werkstatt

    5 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 14 °C

    Bilder, die wir eigentlich nicht mehr sehen wollten nach dem Reiseabbruch in der Toskana . Der damalige Grund: Motorprobleme und Getriebefehler. Nachdem in Italien keine Fiat-Werkstatt zu finden war, die das Auto vor Ort reparieren wollten musste das Wohnmobil nach Deutschland transportiert werden. Und nun, nach der aufwendigen Reparatur - alles auf Garantie - leuchtet nach rund 2800 km wieder die Motorkontrollleuchte in unserem Wohnmobil. Also am Samstag Morgen eine offene Werkstätte in Norrköping gesucht und auch eine freie gefunden, die den Fehlerspeicher ausgelesen hat und zwischendurch mit unserer Fiat-Werkstatt in Deutschland telefoniert. Zudem reinigten die sehr netten und zuvorkommenden Mitarbeiter den Partikelfilter. Eine ganze Reihe von Fehlermeldungen deutet auf eine defekte AdBlue-Einspritzung hin oder defekte NOx-Sensoren. Insofern Entwarnung, wir können trotzt der Warnleuchte weiterfahren, es reicht die Reparatur wenn wir in Deutschland zurück sind. Nur so eine Aussage bekamen wir auch in Italien, 80 Kilometer weiter war Schluss. Also ein ungutes Gefühl bleibt. Inzwischen haben wir aber problemlos 150 km zurückgelegt und - anders als in Italien - der Motor läuft einwandfrei nur der AdBlue-Verbrauch ist deutlich zu hoch. Das lässt sich aber nachfüllen.Okumaya devam et

  • Der Göta-Kanal und die Carl-Johans-Schleusentreppe

    4 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 16 °C

    Die Carl-Johans-Schleusentreppe bei Berg ist mit sieben direkt hintereinander verbundenen Schleusenkammern die längste ihrer Art am gesamten Göta Kanal. Sie wurde 1815 bis 1818 erbaut und nach König Carl XIV Johan benannt. Zwischen dem See Roxen und dem oberen Hafenbecken überwinden die Boote hier rund 18,9 Höhenmeter. Direkt an die Treppe schließen sich noch zwei Doppelschleusen an, Oscars sluss mit 4,9 m und Bergs sluss mit 5,5 m Fallhöhe, sodass Berg insgesamt elf Schleusen und einen Gesamthöhenunterschied von etwa 28,8 bis 29 Metern umfasst. Für die Passage der kompletten siebenstufigen Treppe braucht ein Boot je nach Verkehr häufig gut eine Stunde.
    Der Göta Kanal selbst wurde zwischen 1810 und 1832 gebaut und verbindet die Ostsee bei Mem mit dem Vänern bei Sjötorp; zusammen mit dem Trollhätte-Kanal stellt er die durchgehende Wasserverbindung zwischen Stockholm und Göteborg her. Mit 190 Kilometern Länge und 58 Schleusen gilt er als eines der größten Bauwerke, die in Schweden je errichtet wurden, und wurde in einer landesweiten Abstimmung zum „Bauwerk des Jahrtausends" gekürt.
    Okumaya devam et

  • Vadstena - eine Renaissance-Festung am Vättern

    4 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 16 °C

    Wir machen einen Stopp am Schloss Vadstena. Die Renaissance-Festung am Vättern wurde erbaut von 1545 bis 1620 im Auftrag von Gustav Wasa zur Grenzsicherung gegen Dänemark. Unter Johan III. wurde die Burg prunkvoll als königliche Residenz eingerichtet, die Einrichtung fiel 1598 einem Brand zum Opfer, Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sie als königliche Burg aufgegeben. Zusammen mit Gripsholm und Kalmar gilt Vadstena als eine der besterhaltenen Wasa-Burgen.
    Was auffällt: die Raumgrößen im Schloss. Sie sind ein Erbe seiner Funktion als königliche Residenz und Repräsentationsbau. Die Säle waren für höfisches Zeremoniell, Empfänge und große Gesellschaften ausgelegt. Genau das macht die Bröllopssalen (Hochzeitssaal) auch für ihre heutige Nutzung interessant: Die Größe und Deckenhöhe bieten die nötige Akustik und den Raum für eine Opernbühne samt Publikum, obwohl der Saal nie als Theater geplant war. Diese Doppelnutzung – historischer Repräsentationsraum und moderne Bühne – ist einer der Gründe, warum die Vadstena-Akademien seit 1964 diesen Saal statt eines klassischen Opernhauses bespielt. Der Schwerpunkt der Akademie liegt auf der Wiederentdeckung alter vergessener Opern sowie der Uraufführung neuer Werke, oft mit jungen Sängern und Musikern am Beginn ihrer Karriere.
    Okumaya devam et

  • Von Loppis, Antik & Kuriosa oder Gårdsbutik

    4 Eylül, İsveç ⋅ ☁️ 15 °C

    Auf dem schwedischen Land begegnet man im Sommer und auch jetzt im schwedischen Herbst immer wieder selbstgemachte Schildern mit der Aufschrift „Loppis“, der liebevollen Kurzform für das Wort loppmarknad (Flohmarkt). Diese Schilder weisen den Weg zu privaten Haus-, Hof- oder Garagenflohmärkten, bei denen Einheimische ihre Scheunen und Keller ausräumen, um von Kleidung über altes Porzellan bis hin zu Werkzeug alles Mögliche zu verkaufen. Steht auf den Schildern hingegen „Antik & Kuriosa“, handelt es sich um gezieltere Antiquitäten- und Sammlermärkte, während eine „Gårdsbutik“ einen Hofladen mit frischen, lokalen Lebensmitteln ankündigt. Gekoppelt sind die Schilder oft mit dem Wort „Öppet“ (Geöffnet) und einer Meterangabe, die Autofahrer über idyllische Schotterwege tief in die Wälder zu den Höfen führt. Ist ein Schild zur Straße hin weggedreht oder umgeklappt, signalisiert dies den Vorbeifahrenden, dass der Flohmarkt für heute geschlossen hat.
    Und auf dem Weg nach Vadstema haben wir auch mal einen Halt bei einem Antik & Kuriosa gemacht. Wunderbar was es da zu finden gibt, uralte Hobelbänke, Werkzeug, Geräte aus der Landwirtschaft, Küchenutensilien und vieles mehr. Das zu Preisen, von denen Sammler in Deutschland kaum zu träumen wagen. Eine uralte Hobelbank keine 200 Euro. Die aber geht leider nicht ins Wohnmobil.
    Okumaya devam et

  • Gränna - die Stadt des Polkagries

    3 Eylül, İsveç ⋅ 🌧 15 °C

    Anschließend sind wir eine längere Strecke durch die dichten schwedischen Wälder, teils kilometerlang auf Schotterpisten nach Gränna gefahren. Gränna ist bekannt für den Polkagris, die die roten-weiß gestreiften Zuckerstangen. Erfunden hat sie Amalia Eriksson. Als Kind verlor sie durch eine Choleraepidemie beide Eltern und ihre Geschwister und arbeitete danach als Dienstmagd. 1855 kam sie nach Gränna, heiratete 1857 den Schneider Anders Eriksson – der aber schon kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Ida starb. Mit 35 Jahren mittellose Witwe, begann sie zuhause Süßigkeiten zu kochen, um sich und ihre Tochter zu ernähren.
    1859 erhielt sie vom Magistrat die Erlaubnis für eine eigene Bäckerei – zu dieser Zeit für eine Frau keine Selbstverständlichkeit. Sie gilt damit als erste Polkagris-Herstellerin Schwedens. Ein Teil des Teigs wurde rot gefärbt und mit Pfefferminzöl aromatisiert, der Rest hell gelassen, beide Stränge dann verdreht – das bis heute typische Muster. Der Name „Polka" bezieht sich vermutlich auf den damals populären Tanz.
    Ihre Tochter Ida führte das Geschäft bis 1945 weiter. Amalia starb 99-jährig als eine der wohlhabendsten und einflussreichsten Frauen Grännas. Heute stellen rund ein Dutzend Betriebe in Gränna Polkagris her, die Stadt zieht dafür jährlich über eine Million Touristen an. So viele waren es um diese Zeit nicht mehr, im Gegenteil. Nahezu alle Polkagries-Läden hatten zu.
    Okumaya devam et