Quer durch Polen
5月9日〜10日, ポーランド ⋅ ☁️ 9 °C
Heute Früh hieß es endlich: Rucksack auf, Schuhe geschnürt und ab zum Bahnsteig! Meine Route für Tag eins liest sich eher wie ein echter Roadtrip auf Schienen: Von Dresden über Berlin und einmal quer durch Polen bis nach Warschau.
Schon hinter Berlin zieht sich die Strecke wie ein roter Faden schnurgerade durchs Land. Die Landschaft fließt am Zugfenster vorbei wie ein warmer, leicht nostalgischer Filmstreifen – vorbei an unendlichen Weiten, saftig grünen Ebenen und dichten Wäldern.
Schon beim ersten Zwischenstopp bekam die Reise ihre erste persönliche Geschichte. Im Abteil traf ich auf Adam und seine Großeltern, die auf dem Weg zu einer riesigen Familienhochzeit in Posen (Poznań) waren.
Die Vorfreude der drei war merklich riesig. Während die Großeltern mit leuchtenden Augen von legendären polnischen Festen, Bergen von gutem Essen und durchtanzten Nächten erzählten, hat mich Adam direkt mit ein paar genialen Insider-Tipps für Warschau versorgt. Da war ich gedanklich schon fast mit auf der Tanzfläche!
Polen fühlt sich auf dieser Fahrt wie die perfekte Brücke an: irgendwie vertraut und doch spürbar anders, aufregend und neu. In der weiten Region vor Warschau zeigt sich das Land von seiner absolut tiefenentspannten Seite. Immer wieder blitzen spitze Kirchtürme über den Baumkronen auf und alte Bahnhofsfassaden erzählen stumme Geschichten von früher.もっと詳しく
Warschau
5月9日〜10日, ポーランド ⋅ ☁️ 14 °C
Der Zug rollt im Bahnhof Warszawa Centralna ein, die Türen springen auf, und zack – Willkommen im absoluten Kontrastprogramm! Nach stundenlangem Zen-Modus im Zug katapultiert einen die polnische Hauptstadt direkt in ein Meer aus Bewegung, Lichtern und monumentaler Architektur. Warschau ist groß, laut, verdammt geschäftig und vor allem ein absolut intensives, lebendiges Geschichtsbuch.... achja und eine Partnerstadt von Dresden.
Man kann diese Stadt nicht verstehen, wenn man ihre Narben nicht kennt, sagte ein älterer Herr, den ich in einem Cafe traf. Keine europäische Metropole wurde im Zweiten Weltkrieg so systematisch zerstört wie Warschau – nach 1944 lagen über 80 Prozent der Gebäude sprichwörtlich in Schutt und Asche. Aber die Warschauer haben der Zerstörung den Mittelfinger gezeigt und ein echtes Wunder vollbracht: Sie haben ihre Stadt wie ein Phönix aus der Asche wieder aufgebaut.
Wenn man heute durch die wunderschönen, kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt (Stare Miasto) spaziert, vergisst man sofort, dass diese historischen Fassaden eigentlich jünger sind als meine Großeltern. Die Einwohner haben ihr historisches Zentrum in den Nachkriegsjahren anhand alter Gemälde, Fotos und Skizzen Stein für Stein originalgetreu rekonstruiert. Ein Wahnsinns-Kraftakt, der heute völlig zurecht zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Maximaler Respekt!
Auf der anderen Seite steht da dieser unübersehbare, gigantische Riese mitten im Zentrum: der Kulturpalast (Pałac Kultury i Nauki). Das Teil ist ein monumentales „Geschenk“ von Stalin aus den 1950er-Jahren im feinsten sozialistischen Klassizismus. Jahrzehntelang als Symbol der Unterdrückung verhasst, gehört der steinerne Koloss heute fest zur Skyline.
Er liefert sich einen genialen optischen Dialog mit den hypermodernen Glaswolkenkratzern, die in den letzten Jahren wie Pilze um ihn herum in den Himmel geschossen sind.
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Von Warschau nach Vilnius
5月10日, ポーランド ⋅ ☀️ 12 °C
Dzień dobry und Labas rytas! Um Punkt 8:50 Uhr hieß es Abschied nehmen von Warschau. Es geht weiter Richtung Nord-Osten, dem Baltikum entgegen – auf einer Route, die ein echter Ritt durch die europäische Geschichte und Bahninfrastruktur ist.
Je weiter der Zug Warschau hinter sich lässt, desto unaufgeregter und grüner wird die Kulisse. Vorbei an Białystok und Suwałki fliegen ausgedehnte Felder, tiefe Wälder und winzige Bahnhöfe am Fenster vorbei. Historisch reist man hier durch eine absolute Schmelztiegel- und Grenzregion: Über Jahrhunderte waren Polen und Litauen eng miteinander verwoben, gleichzeitig war diese Gegend immer ein hart umkämpfter Raum zwischen Imperien.
Dass Grenzregionen ihre ganz eigenen Dynamiken haben, durfte ich kurz vor der Grenze im polnischen Ort Trakiszki live miterleben. Ein Passagier weigerte sich standhaft, ein Ticket nachzulösen, dachte aber gar nicht daran, auszusteigen. Nach endlosen, lautstarken Diskussionen wurde das Problem bemerkenswert konsequent gelöst: Es rückte das Militär (oder eine sehr martialische Polizei) an. Die Jungs fackelten nicht lange, packten den uneinsichtigen Herrn an den Armen und trugen ihn kurzerhand aus dem Zug. Problem gelöst! 👮♂️🤷♂️
Kurz hinter der Grenze erreichten wir schließlich Mockava auf der litauischen Seite. Ein kleiner, unscheinbarer Bahnhof, an dem die alte Eisenbahngeschichte spürbare Grenzen setzt:
Polen: Europäische Normalspur (1.435 mm)
Litauen & Lettland: Historisch bedingte, breitere Breitspur (1.520 mm)
Das bedeutete für alle - Umsteigen wegen Spurwechsel! Ansonsten bekommt man vom Grenzübertritt absolut nichts mit, aber hier wird die Grenze greifbar, weil die Schienen das System diktieren. Genau dieses Nadelöhr ist jedoch die Wiege der Zukunft: Mit dem Riesenprojekt Rail Baltica soll das Baltikum bald komplett an das europäische Normalspurnetz angebunden werden.
Über Kaunas ging die Fahrt schließlich weiter, bis am Abend die Lichter von Vilnius am Horizont auftauchten. Nach einem langen Tag, viel Landschaft und einem Hauch von militärischer Konsequenz hat mich das Baltikum offiziell willkommen geheißen! 🎒🇱🇹✨もっと詳しく
Labas Litauen!
5月10日〜15日, リトアニア ⋅ ☁️ 10 °C
Es gibt Länder, die schreien laut um Aufmerksamkeit. Und dann gibt es Litauen. Litauen steht eher leise neben dir, stellt dir einen knallrosa Teller Suppe (Šaltibarščiai) auf den Tisch und sagt unaufgeregt: „Guck mal genauer hin.“ Und ich sag’s euch: Wer das tut, wird sofort verzaubert von unfassbar viel Geschichte, wilder Natur und einem unbändigen Stolz. 🥣❤️
Kurz die Basics für den Rucksack: Wir sind im südlichsten der drei baltischen Staaten. Bezahlt wird in Euro, Grenzen gibt es dank Schengen nur auf dem Papier. Nur eins darf man beim Aussteigen nicht verpeilen: Die Uhren müssen eine Stunde vorgestellt werden – ich bin euch ab jetzt also eine Stunde voraus! ⏰
Um Litauen zu verstehen, muss man auf Zeitreise gehen. Wer heute durch die weiten Landschaften fährt, vergisst leicht, dass das Großfürstentum Litauen vom 14. bis 16. Jahrhundert eine echte europäische Großmacht war. Zeitweise erstreckte sich das Reich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer! Später verschmolz das Land mit Polen zu einer mächtigen Adelsrepublik, bevor es Ende des 18. Jahrhunderts vom russischen Zarenreich geschluckt wurde.
Das 20. Jahrhundert war ein schmerzhaftes Auf und Ab: Auf die Unabhängigkeit 1918 folgten die sowjetische und die brutale deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Doch am 11. März 1990 schrieb das Land Weltgeschichte: Litauen erklärte als allererste Sowjetrepublik mutig seine Unabhängigkeit und brachte den eisernen Vorhang ins Wanken.
Heute ist das Land modern, dynamisch und digital – aber direkt unter der Oberfläche spürt man an jeder Ecke die verschiedenen historischen Schichten.
Die Hauptstadt Vilnius ist mit ihrer barocken, verwinkelten Altstadt der perfekte Einstieg. Insgesamt hat Litauen stolze fünf UNESCO-Welterbestätten zu bieten. Mein innerer Monk will sie am liebsten alle sehen – drei davon werde ich auf dieser Reise abhaken:
✅ Die barocke Altstadt von Vilnius (wunderschön verwinkelt)
✅ Die modernistische Architektur in Kaunas (frisch ausgezeichnet!)
✅ Die magische Kurische Nehrung (Wanderdünen, ich komme!)
⬜ Die archäologische Stätte Kernavė (das litauische Troja)
⬜ Der historische Struve-Bogen (ein riesiges Vermessungsnetz)もっと詳しく
Vilnius und seine Kirchen
5月11日, リトアニア ⋅ ⛅ 7 °C
Dass Vilnius heute die unbestrittene Hauptstadt des Barocks in Osteuropa ist, verdankt sie einer ziemlich feurigen Vergangenheit. Im 17. und 18. Jahrhundert fegten verheerende Großbrände durch die damals noch hölzerne Stadt. Was damals eine Katastrophe war, wurde zur Geburtsstunde des heutigen Stadtbilds: Italienische und litauische Baumeister bauten Vilnius aus Stein neu auf – und tobten sich im damals brandneuen, dramatischen Barockstil so richtig aus.
Das Geniale hier ist die absolute Ehrlichkeit der Architektur. Hier ist nichts für die Postkarte steril zurechtgeputzt. Neben frisch gestrichenen, schneeweißen Fassaden blättert an anderen Ecken ungeniert der Putz. Diese Mauern verstecken ihre Narben nicht. Sie erzählen dir ganz offen von Kriegen, sowjetischer Zweckentfremdung als Lagerhalle und Jahrzehnten der Vernachlässigung.
Ein ganz bestimmter Ort hat mich auf meiner Tour besonders berührt: die Marienkirche – genauer gesagt die Kirche der Tröstenden Muttergottes. Wer hier ein stilles, staubiges Kirchenschiff erwartet, wird komplett überrascht.
Im Erdgeschoss dieses historischen Raums befindet sich heute das Restaurant Pirmas Blynas. Der Name bedeutet übersetzt „Der erste Pfannkuchen“ (ihr wisst schon, der, der in der Pfanne meistens erst mal schiefgeht). Das Besondere ist hier aber nicht nur die spektakuläre Kulisse, sondern die Crew: Das Restaurant ist ein Gastronomieprojekt mit einer wunderbaren sozialen Mission, bei dem Menschen mit Behinderung Hand in Hand im Service und in der Küche arbeiten. 🤝❤️
Auf der Karte stehen fantastische, frisch gebackene süße und herzhafte Blinys (die osteuropäische Antwort auf Pfannkuchen) – absolutes Wohlfühlessen! Das Projekt nutzt die alte Kirche nicht als hippe Kulisse aus, sondern bricht ganz konkret Barrieren in den Köpfen ab.
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Die Republik Užupis
5月11日, リトアニア ⋅ ⛅ 9 °C
Manchmal reicht ein einziger Schritt über eine Brücke, und man befindet sich schlagartig in einer völlig anderen Galaxie. Genau so fühlt es sich an, wenn man die Vilnelė überquert und nach Užupis eintaucht. Nur wenige Gehminuten von der barocken Altstadt entfernt liegt dieses kleine, herrlich schräge Künstlerviertel, das sich selbst zur eigenen Republik ernannt hat.
Užupis bedeutet übersetzt „Hinter dem Fluss“ und ist gerade einmal 0,6 km² groß. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Gegend brach und mutierte in den frühen 1990ern zum berüchtigtsten, kriminellsten Pflaster von ganz Vilnius. Doch wo die Mieten billig sind, kommen die Kreativen: Mitte der 90er besetzten Künstler, Freigeister und Punks die alten Ruinen. Am 1. April 1997 erklärten sie schließlich die Unabhängigkeit. Was als genialer Aprilscherz begann, wird bis heute mit einer herrlichen Ernsthaftigkeit zelebriert.
Um den bürokratischen Ernst der restlichen Welt durch den Kakao zu ziehen, hat die Republik alles parat, was ein echter Staat eben so braucht:
Die Flagge mit Loch: Sie zeigt eine offene Hand mit einem Loch in der Mitte. Das Symbol bedeutet: Wir sind offen für jeden, aber wir können nichts festhalten (und man kann uns nicht bestechen).
Die Armee: Zeitweise besaß Užupis eine eigene Armee mit einer Gesamtstärke von stolzen elf Mann (inzwischen pazifistisch aufgelöst).
Das Wahrzeichen: Mitten auf dem zentralen Platz thront der Engel von Užupis auf seiner Säule und symbolisiert die wiedergeborene, kreative Freiheit.
Das absolute Highlight hängt in der Paupio-Straße. Hier reihen sich Metalltafeln aneinander, auf denen die Verfassung von Užupis in unzähligen Sprachen eingraviert ist. Spätestens hier merkt man, dass Užupis viel mehr ist als nur ein Touri-Gag. Es ist eine wunderschöne Liebeserklärung an das Menschsein und die Toleranz.
Hier sind meine Lieblingsparagraphen:
Paragraph 5: Jeder Mensch hat das Recht, einzigartig zu sein.
Paragraph 12: Ein Hund hat das Recht, ein Hund zu sein.
Paragraph 16: Jeder Mensch hat das Recht zu sterben, aber das ist keine Pflicht.
Paragraph 37: Jeder Mensch hat das Recht, unglücklich zu sein.
Beim Weiterziehen durch die Straßen fühlt man sich wie in einer Mischung aus Pariser Montmartre und gemütlicher WG-Küche. Direkt unter der Hauptbrücke versteckt sich in einer steinernen Nische zudem die Meerjungfrau von Užupis.
Die Einheimischen raunen sich eine dringende Reisewarnung zu: Wer ihren Blick fängt und sie zu lange anschaut, verfällt ihrem Zauber. Man verliebt sich unsterblich in das Viertel und wird Užupis nie wieder verlassen wollen. Ich habe vorsichtshalber nur ganz kurz hingeguckt… aber ich fürchte, es ist eh schon zu spät! 🎒🎨🧜♀️✨もっと詳しく
Gediminas-Turm
5月11日, リトアニア ⋅ ☁️ 12 °C
Es gibt Orte, die man bei einer Städtereise einfach nicht auslassen darf – weil man erst dort oben die Stadt so richtig versteht. Der Gediminas-Turm (Gedimino pilies bokštas) ist genau so ein Ort. Der markante, achteckige rote Backsteinturm thront auf dem Gediminas-Hügel direkt über der schneeweißen Kathedrale. Als letzter Überrest der Oberen Burg aus dem 14. Jahrhundert ist er heute das unbestrittene Nationalsymbol Litauens.
Dass der Turm genau hier steht, verdanken wir einer der coolsten Gründungsmythen überhaupt: Die Legende besagt, dass Großfürst Gediminas hier nach der Jagd einschlief und von einem riesigen, eisernen Wolf träumte, der auf der Hügelspitze so laut jaulte wie ein ganzes Rudel. Ein heidnischer Priester deutete den Traum: „Gründe hier eine Stadt, deren Ruhm bis an die Enden der Welt hallen wird!“ Gediminas fackelte nicht lange – und zack, Vilnius war geboren. 🐺⚔️
Der Weg nach oben führt über historisches, recht steiles Kopfsteinpflaster. Nach stundenlangem Altstadt-Schlendern brennen die Beine hier ordentlich.
Dieser Hügel ist aber nicht nur Aussichtspunkt, sondern ein Ort mit unschätzbarem historischen Wert. Genau hier nahm am 23. August 1989 ein echtes Weltwunder seinen Anfang: der Baltische Weg. Um friedlich gegen die sowjetische Besatzung zu protestieren, bildeten über zwei Millionen Menschen eine lückenlose Menschenkette, die sich von genau diesem Turm über Riga bis nach Tallinn in Estland zog – über 600 Kilometer weit! Bei dem Gedanken bekommt man hier oben direkt Gänsehaut. 🤝🕊️
Oben angekommen, ist das Beine-Brennen sofort vergessen. Die Rundumsicht ist phänomenal: Auf der einen Seite blickt man auf das epische Meer aus roten Ziegeldächern und barocken Kirchtürmen der Altstadt. Dreht man sich um, ragen auf der anderen Seite des Neris-Flusses die hypermodernen Glasfassaden des neuen Geschäftsviertels in den Himmel. Und man merkt erst mal, wie unfassbar grün Vilnius eigentlich ist, da sich die Stadt perfekt in dichte Wälder und Parks schmiegt.もっと詳しく
Die Drei Kreuze und der Kalnai Park
5月11日, リトアニア ⋅ ☁️ 13 °C
Mein Weg führte mich noch weiter hinauf zu den Drei Kreuzen (Trijų Kryžių paminklas), die hoch über der Stadt im dichten Grün des Kalnai-Parks thronen. Schon vom Kathedralenplatz aus sieht man sie schlicht, aber unheimlich eindrucksvoll über der Skyline aufragen.
Der Weg dorthin ist fast genauso stimmungsvoll wie der Blick von oben. Los geht es im idyllischen Bernhardinergarten (Bernardinų sodas), vorbei an bunten Beeten und dem Plätschern der Vilnelė. Doch dann ändert sich die Kulisse schlagartig: Über steile Holztreppen und verschlungene Waldpfade geht es knackig hinauf in den Kalnai-Park („Hügelpark“).
Der abrupte Wechsel ist absolut faszinierend - Eben steht man noch zwischen hippen Cafés und barocken Kirchen – und nur wenige Minuten später läuft man über schattige Waldwege und hört die Vögel zwitschern. Der Park ist sozusagen die ungezähmte, grüne Rückseite der Stadt.
Hinter der friedlichen Kulisse steckt allerdings eine Geschichte voller Tragik und Widerstand. Der Legende nach wurden hier im 14. Jahrhundert sieben Franziskanermönche von Heiden hingerichtet. Zum Gedenken standen hier jahrhundertelang Kreuze.
Das spätere Beton-Denkmal von 1916 war den sowjetischen Machthabern jedoch ein Dorn im Auge: 1950 wurden die Kreuze in einer Nacht-und-Nebel-Aktion heimlich gesprengt und vergraben, um die Erinnerung auszuradieren. Aber die Sowjets hatten die Rechnung ohne den langen Atem der Einwohner gemacht. 1989, mitten im Aufkeimen der Unabhängigkeitsbewegung, bauten die Bürger die Drei Kreuze in einer Rekordzeit von nur zwei Wochen als Zeichen des Protests exakt wieder auf. Die Bruchstücke des alten, gesprengten Denkmals liegen heute noch als Mahnmal direkt daneben.
Die Aussicht von der Plattform direkt vor den Kreuzen liefert die perfekte Postkarten-Perspektive auf die Altstadt, den benachbarten Gediminas-Turm und das schier unendliche Grün der Stadt.
Nach der Fotopause ging es für mich noch weiter quer durch das Areal, wo es skurrile Entdeckungen wie den Table Hill (Stalo kalnas) gibt – ein absolut flaches Plateau, das aussieht wie ein umgedrehter Tisch. Im Sommer verwandelt sich das Tal hier übrigens in ein riesiges Amphitheater für Konzerte und die traditionellen Liederfeste.もっと詳しく
Essen in Litauen
5月11日, リトアニア ⋅ ☁️ 15 °C
Wer ein Land verstehen will, muss es essen. Litauen schmeckt nach Kartoffeln, Dill, Sauerrahm und deftigem, dunklem Brot. Es ist eine ehrliche, herrlich bodenständige Küche ohne viel Chichi, die Seele und Magen wärmt. Hier wird mit Tradition gekocht – und das schmeckt man! 🧡
Der absolute Star ist Cepelinai. Die riesigen Kartoffelklöße verdanken ihren Namen ihrer Form, die stark an die alten Zeppeline erinnert. Sie bestehen aus einer Mischung aus rohen und gekochten Kartoffeln, sind meist mit Hackfleisch oder Pilzen gefüllt und werden mit einem riesigen Klecks Sauerrahm (Grietinė) und Speck-Zwiebel-Soße serviert. Definitiv kein Diätgericht, aber nach einem Teller ist man für die nächsten Stunden wunschlos glücklich!
Das optische Highlight ist Šaltibarščiai – die berühmte kalte Rote-Bete-Suppe. Sie ist so leuchtend pink, dass man an einen Aprilscherz glaubt. Zubereitet wird sie eiskalt mit Kefir, Gurken, Ei und tonnenweise Dill. Der Clou: Dazu gibt es eine Schale kochend heiße Salzkartoffeln. Der Wechsel aus eiskalter Suppe und heißer Kartoffel schmeckt besonders an warmen Tagen genial erfrischend! 🥣
Die litauische Küche hat noch einiges mehr im Köcher:
Kibinai: Goldgelbe, halbmondförmige Teigtaschen mit saftiger Fleischfüllung. Sie stammen von den Karaimen (einer turksprachigen Minderheit) und sind besonders in Trakai Kult.
Kugelis: Ein extrem gemütlicher, schwerer Kartoffelauflauf mit Speck und Zwiebeln.
Šakotis: Das süße Finale! Ein traditioneller Baumkuchen, der am Spieß über offenem Feuer gedreht wird. Durch den tropfenden Teig entstehen Zacken, sodass er aussieht wie eine kleine Tanne. 🌲
Besonders spannend wird es in den Straßen von Vilnius, wenn man nach den jüdischen Wurzeln der Stadt sucht – sie war vor dem Zweiten Weltkrieg als „Jerusalem des Nordens“ bekannt. Hättet ihr gewusst, dass die Wiege des weltberühmten Bagels genau hier liegt?
Das kreisrunde Hefegebäck war in den jüdischen Gemeinden Osteuropas ein alltäglicher Begleiter. Heute greifen junge Cafés in Vilnius diese Tradition wieder auf. Wenn man morgens in einen frischen Bagel beißt, ist das nicht nur ein verdammt gutes Frühstück, sondern auch ein schmeckbares Stück Geschichte.
In diesem Sinne: Skanaus! (Guten Appetit!) 🍽️🇱🇹✨もっと詳しく
Nationale Bibliothek u. Lukiškės-Gefängnis
5月11日, リトアニア ⋅ ☁️ 15 °C
Vilnius versteht es meisterhaft, alten Gemäuern ein unverschämtes Upgrade zu verpassen. Auf meinem Zettel standen noch zwei weitere Orte, die gegensätzlicher kaum sein könnten: Der eine hell und zukunftsgewandt, der andere düster und geschichtsträchtig. Beide zeigen, wie lebendig das Vilnius von heute tickt.
Mein erster Stopp führte mich an die prachtvolle Gediminas-Allee zur Nationalbibliothek Martynas Mažvydas – benannt nach dem Verfasser des ersten gedruckten litauischen Buches (1547). Wer hier an ein verstaubtes, andächtig schweigendes Archiv denkt, liegt meilenweit daneben.
Hinter der imposanten Säulenfront verbirgt sich ein hochmodernes, lichtdurchflutetes Wissenszentrum. In stylischen Co-Working-Spaces und riesigen Lesesälen sitzen Studenten neben Start-up-Gründern.
Vom hellen Ort des Wissens ging es weiter zu einer Kulisse, die Gänsehaut verpasst: dem ehemaligen Lukiškės-Gefängnis (Lukiškių kalėjimas).
Seit 1904 war dieser gigantische Backsteinkomplex mitten im Zentrum ein berüchtigter Ort. Hinter den dicken Mauern saßen Kriminelle und unzählige politische Gefangene – unter den Zaren, den Nazis und den Sowjets. Erst 2019 wurde der Knast endgültig geschlossen. Anstatt den Komplex abzureißen, hat Vilnius die Schlüssel an die Kreativen übergeben. Das Ergebnis ist das Lukiškės Prison 2.0:
Über 250 Künstler, Musiker und Designer nutzen die ehemaligen Zellen heute als Ateliers und Proberäume. Wo früher Wärter patrouillierten, gibt es heute coole Bars, Kunstausstellungen und eine lebendige Bar-Szene und der ehemalige Gefängnishof verwandelt sich im Sommer in eine der angesagtesten Konzertlocations der Stadt.
Die düstere Kulisse fiel auch Hollywood auf. Das Gefängnis diente als Drehort für die vierte Staffel der Netflix-Erfolgsserie Stranger Things (Stichwort: Hoppers Gefangenschaft in Russland)!
Man kann das Gelände tagsüber einfach besuchen, ein Bier im Innenhof trinken oder an einer packenden Führung durch die engen, original erhaltenen Zellentrakte teilnehmen.もっと詳しく
Jerusalem des Nordens
5月11日, リトアニア ⋅ ☁️ 16 °C
Wer durch die barocken Straßen von Vilnius spaziert, vergisst leicht, dass diese Stadt über Jahrhunderte noch eine ganz andere, tief verwurzelte Seele hatte: Vilnius war eines der bedeutendsten Zentren jüdischen Lebens weltweit. In der jüdischen Tradition liebevoll Vilna genannt, galt die Stadt als das unbestrittene „Jerusalem des Nordens“ – ein weltweiter Fixstern für Kultur, Thora-Forschung und Wissenschaft. 🌍📖
Vor dem Zweiten Weltkrieg war das jüdische Leben hier keine Randerscheinung: Fast die Hälfte der Bevölkerung war jüdisch. Überall gab es Synagogen, jiddische Theater, Schulen und Verlage.
Untrennbar mit dieser Blütezeit verbunden ist der Vilna Gaon (Elijahu Ben Salomon Zalman). Der weltberühmte Rabbiner machte die Stadt im 18. Jahrhundert zum Zentrum der jüdischen Gelehrsamkeit. Zudem wurde hier 1925 das YIVO-Institut gegründet – bis heute die weltweit wichtigste Einrichtung zur Erforschung der jiddischen Sprache.
Heute springt einen diese reiche Geschichte nicht sofort an. Viele Orte wurden im Krieg und in der Sowjetzeit brutal zerstört. Genau das macht einen Spaziergang durch Straßen wie die Žydų gatvė (Judenstraße) oder die Gaono gatvė aber so intensiv: Du schlenderst vorbei an hippen Cafés und realisierst erst beim genauen Hinsehen die Tragik des Ortes – durch zweisprachige Schilder (Litauisch/Jiddisch), verblasste Inschriften an Hauswänden und Denkmäler, die die Grenzen des ehemaligen Großen und Kleinen Ghettos markieren.
Mit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde diese einzigartige Kultur systematisch vernichtet. Der traurigste Endpunkt liegt nur wenige Kilometer außerhalb: Im Wald von Paneriai (Ponary) wurden zehntausende jüdische Frauen, Männer und Kinder aus Vilnius erschossen und in riesigen Gruben verscharrt. Ein tiefer, unheilbarer Einschnitt.
Und doch ist das jüdische Vilnius heute nicht nur eine Geschichte des Verlustes. Die Kultur kehrt leise, aber selbstbewusst in den Alltag zurück:
Ehrliche Erinnerung: Das Vilna Gaon Museum leistet wichtige Aufklärungsarbeit.
Lebendiger Glaube: Die wunderschöne Choral-Synagoge hat als einziges jüdisches Gotteshaus die Zerstörung überstanden und ist bis heute aktiv.
Kulinarisches Erbe: Überall in den Altstadt-Cafés gehören frisch gebackene, traditionelle Bagels wieder ganz selbstverständlich zum Frühstücksprogramm.もっと詳しく
30 Km durch Vilnius
5月11日, リトアニア ⋅ ☁️ 15 °C
...jetzt heißt es Füße hochlegen.
Nach meiner heutigen Tour durch Vilnius heißt es jetzt die letzten Sonnenstrahlen genießen und Füße hochlegen.
Bevor morgen ein neues Abenteuer startet.
Trakai
5月12日, リトアニア ⋅ ☁️ 17 °C
Heute ging es raus aus der Hauptstadt und hinein in das Postkartenmotiv Nummer eins Litauens: Trakai.
Schon die kurze Anreise fühlte sich nach echtem „Litauen außerhalb der Großstadt“ an – vorbei an charmanten Holzhäusern, dichten Wäldern und glitzernden Seen.
Obwohl der Himmel kräftige Schauer brachte, war das Wetter ein echter Glücksfall: Vor der Kulisse dramatisch dunkler Wolken wirkte die berühmte Burg fast noch majestätischer, wehrhafter und mystischer als bei purem Sonnenschein. Und als Bonus waren kaum Touri-Gruppen unterwegs! ⛈️🏰
Das absolute Highlight liegt mitten im Wasser: die Inselburg von Trakai (Trakų salos pilis). Man erreicht diese mächtige Festung über eine lange, hölzerne Fußgängerbrücke, die über den tiefen Galvė-See führt. Mit ihren leuchtend roten Backsteintürmen gehört sie völlig zurecht zu den bekanntesten Wahrzeichen des Baltikums.
Die Geschichte der Burg reicht tief in die Glanzzeit des Großfürstentums Litauen zurück und ist untrennbar mit Vytautas dem Großen verbunden. Im 14. und 15. Jahrhundert war Trakai zeitweise die Residenz der Großfürsten und ein zentrales politisches Machtzentrum Osteuropas. Das umgebende Wasser bot damals den perfekten natürlichen Schutz gegen Kreuzritter – und liefert heute eine phänomenale Kulisse zum Schlendern.
Wer durch Trakai läuft, entdeckt sofort eine architektonische Besonderheit: die traditionellen, bunten Holzhäuser der Karaimen, einer winzigen Gemeinschaft mit turksprachigen Wurzeln. Großfürst Vytautas brachte sie Ende des 14. Jahrhunderts von der Krim mit nach Litauen, wo sie über Jahrhunderte als seine treue Leibwache dienten.
Ihre alten Holzhäuser stehen fast alle mit der schmalen Giebelseite zur Straße und haben dort exakt drei Fenster. Die Einheimischen erzählen sich dazu eine wunderschöne Tradition:
Das erste Fenster gehört Gott,
Das zweite Fenster gehört dem Großfürsten Vytautas,
Das dritte Fenster gehört der Familie selbst.
Nach so viel Geschichte, Wind und Regen auf den Holzstegen gab es für mich nur eine logische Konsequenz: Ich musste endlich Kibinai testen! (das wurde mir ja schließlich auch emphohlen)
Diese traditionellen, halbmondförmigen Teigtaschen stammen direkt aus der karaimischen Küche. Klassisch besteht der Snack aus feinem Mürbeteig, gefüllt mit gehacktem Fleisch (heute auch vegetarisch mit Quark oder Pilzen erhältlich). Kochend heiß serviert zusammen mit einer Tasse kräftiger Brühe gibt es kein besseres Wohlfühlessen. Wenn man durchgefroren vom stürmischen See kommt und in die knusprige Tasche beißt, ist die Welt sofort wieder im Lot!もっと詳しく
Kaunas -Litauens zweite Hauptstadt
5月13日, リトアニア ⋅ ☁️ 8 °C
Wer nach all dem barocken Zauber aus Vilnius erwartet, in Kaunas einfach nur eine ruhigere Version der Hauptstadt zu finden, liegt komplett falsch. Die zweitgrößte Stadt Litauens hat einen völlig eigenen Charakter: Sie wirkt geradliniger, kantiger und strotzt nur so vor architektonischem Selbstbewusstsein.
Frisch am Bahnhof ausgespuckt, ging es auch direkt auf das pulsierende Rückgrat der Stadt: die Laisvės alėja (Freiheitsallee). Diese schnurgerade, fast zwei Kilometer lange Fußgängerzone ist eine der längsten Alleen Europas. Gesäumt von alten Linden, hippen Cafés und Prachtbauten der Moderne lässt es sich hier stundenlang flanieren, ohne auch nur einmal auf den Autoverkehr achten zu müssen. 🌳☕
Die faszinierende Epoche, die man beim Gang über die Allee an jeder Ecke sieht, verdankt die Stadt einer historischen Kuriosität: Als Vilnius zwischen den Weltkriegen (1920–1939) plötzlich zu Polen gehörte, wurde Kaunas kurzerhand zur provisorischen Hauptstadt Litauens ernannt.
Über Nacht musste aus einer russischen Festungsstadt eine glanzvolle Metropole werden. Es folgte ein beispielloser Bauboom. Die litauischen Architekten brachten den neuesten Schrei aus Paris oder Berlin mit: Funktionalismus und Art déco, gemixt mit nationalen Mustern. Das Ergebnis ist ein weltweit einzigartiges modernistisches Ensemble, das seit September 2023 zum UNESCO-Welterbe gehört! Man fühlt sich hier wie in einer super schicken Zeitkapsel der 1930er-Jahre.
Am westlichen Ende der Allee geht die Neustadt schließlich fließend in die historische Altstadt mit ihrer Hanse-Architektur über. Mitten auf dem zentralen Platz thront das barocke, strahlend weiße Rathaus. Die Einheimischen nennen es wegen seiner grazilen Form und des 53 Meter hohen Turms liebevoll den „weißen Schwan“ (Baltoji gulbė). Wo früher mit Wachs und Seide gehandelt wurde, werden heute im Sekundentakt Ehen geschlossen.
Ganz am Ende des Spaziergangs, direkt am malerischen Zusammenfluss von Nemunas (Memel) und Neris, wartet schließlich die Burg von Kaunas (Kauno pilis). Die steinerne Verteidigungsburg aus dem 14. Jahrhundert trotzte einst den Kreuzrittern und setzt der historischen Kulisse die Krone auf. 🌊
Kaunas hat auch schwere Kapitel, wie das Neunte Fort am Stadtrand – ein Mahnmal an die Gräuel der Nazis und Sowjets. Aus Zeitgründen habe ich mich heute aber lieber durch die Gassen treiben lassen und die unheimlich kreative, junge Seite der Stadt entdeckt. Überall an alten Brandmauern findet man riesige Street-Art-Murals, wie den berühmten „Wise Old Man“, der lässig seine Pfeife raucht. 🕵️♂️
Und wer es richtig skurril mag, besucht das weltweit einzigartige Teufelsmuseum (Velnių muziejus). Hier warten über 3.000 Teufelsfiguren aus aller Welt – mal lustig, mal gruselig, mal als politische Satire inklusive Sowjet-Diktatoren.もっと詳しく
Medizin und Pharmazie Museum
5月13日, リトアニア ⋅ ☁️ 8 °C
Um neben all der Architektur auch den medizinischen Bildungsauftrag dieser Reise zu erfüllen, gab es in Kaunas einen Zwischenstopp: das Museum für Geschichte der Medizin und Pharmazie (Lietuvos medicinos ir farmacijos istorijos muziejus). Es versteckt sich in einem wunderschönen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert direkt am Rathausplatz.
Schon beim Eintreten schlägt einem ein krautiger Geruch entgegen – nix mit steriler, weißer Plastik-Praxis von heute! Das Herzstück ist eine originalgetreue, voll funktionierende Stadtapotheke aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, aufgeteilt in ihre historischen Räume:
Die Ofizina: Der elegante Verkaufsraum mit schweren Holztresen.
Das Laboratorium: Das chemische Allerheiligste, in dem Pillen gedreht und Säfte gekocht wurden.
Die Vorratsräume: Kühle Keller, in denen die Rohstoffe lagerten.
Die riesigen Apothekenschränke sind vollgepackt mit filigranen Waagen, Porzellangefäßen und Rezeptbüchern. Dazwischen liegen ziemlich furchteinflößende chirurgische Instrumente – beim Anblick mancher Knochensägen und Zahnzangen ist man schlagartig froh, im 21. Jahrhundert zu leben! 🪚🦷
Medizin-Fact: Im 19. Jahrhundert war die Grenze zwischen Chemie und Volksmedizin noch fließend. In den Regalen standen neben westeuropäischen Arzneien ganz selbstverständlich getrocknete Kröten, Hirschhorn-Pulver und lebende Blutegel. Pharmazie war damals zu gleichen Teilen Wissenschaft und das geheime Kräuterwissen aus den tiefen litauischen Wäldern. 🌲🦅
Da Kaunas in seiner Zeit als Zwischenkriegs-Hauptstadt das Epizentrum der litauischen Wissenschaft war, zeigt das Museum auch perfekt den rasanten Aufstieg der modernen Medizin im Land.もっと詳しく
Die Burg von Kaunas
5月13日, リトアニア ⋅ ☁️ 8 °C
Vom Duft alter Kräuter ging es direkt dorthin, wo die Geschichte von Kaunas ihren Anfang nahm: zur Burg von Kaunas (Kauno pilis). Sie ist eine der ältesten erhaltenen Steinburgen Litauens und besetzt einen echten Logenplatz – direkt am strategischen Zusammenfluss der Flüsse Nemunas (Memel) und Neris. Wer diesen Punkt im Mittelalter kontrollierte, hatte die Hand am Kanzlerdrücker der gesamten Region.
Die Burg entstand im 14. Jahrhundert als Bollwerk gegen den Deutschen Orden. Die Kreuzritter wollten das damals noch heidnische Litauen mit dem Schwert unterwerfen.
Historischer Hardcore-Fact: 1362 rückte der Orden mit einer riesigen Streitmacht zur legendären Belagerung an. Die litauischen Verteidiger kämpften wie die Löwen, doch die Burg fiel und wurde dem Erdboden gleichgemacht. Aber die Litauer wären nicht die Litauer, wenn sie das Ding nicht wenig später trotzig, noch fetter und wehrhafter wieder aufgebaut hätten!
Heute ist nur noch ein Teil der einst gewaltigen Wehranlage erhalten – am markantesten sind der mächtige Rundturm und dicke Mauerabschnitte.
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Am Zusammenfluss von Neris und Nemunas
5月13日, リトアニア ⋅ 🌧 8 °C
Nach der Burg bin ich einfach immer weiter die grüne Landzunge vorgelaufen, bis zum Punkt Santaka (übersetzt schlicht „Zusammenfluss“). Das ist so ein Ort, an dem man automatisch stehen bleibt, die Hände in die Taschen steckt und tief durchatmet.
Genau hier knallen nämlich zwei der wichtigsten Flüsse des Landes zusammen: Die Neris, die ich schon aus Vilnius kenne, trifft auf den mächtigen Nemunas (Memel). Ab diesem exakten Punkt verschmelzen beide und fließen gemeinsam als Nemunas weiter in Richtung Ostsee. 🌊
Hier an der äußersten Spitze versteht man sofort, warum die Menschen im Mittelalter genau hier die erste Hütte bauten. Wasser war damals alles: Autobahn, Schutzschild und Supermarkt in einem. Das Spannende an der Santaka ist die Nähe: Dreht man sich um die eigene Achse, sieht man weites Wasser, saftige Wiesen, die rauen Backsteine der Burg und die Spitzen der Altstadtkirchen. Natur und Geschichte laufen hier Hand in Hand.
Natürlich hat so ein magischer Ort auch seine Mythen. Die schönste Legende besagt, dass genau hier an der Flussgabelung früher ein heiliger Hain für die Göttin Milda stand – im alten, heidnischen Glauben der Litauer die Göttin für Liebe, Freundschaft und Freiheit. An ihren heiligen Feuern opferten die Menschen für das Liebesglück.
Vielleicht ist das der Grund, warum die Santaka bis heute der unangefochtene Date-Spot Nummer eins in ganz Kaunas ist. Trotz des nasskalten Wetters saßen auch heute wieder Pärchen eng aneinandergekuschelt auf den dicken Steinen am Ufer und starrten Hand in Hand aufs Wasser. Da hat Milda wohl nach Jahrhunderten immer noch ihre Finger im Spiel!もっと詳しく
Christi-Auferstehungskirche
5月13日, リトアニア ⋅ ☁️ 10 °C
Bevor es zurück zum Bahnhof ging, stand noch ein heftiger Kontrastpunkt auf dem Zettel: Es ging hoch in den Stadtteil Žaliakalnis zur Christi-Auferstehungskirche (Kauno Kristaus Prisikėlimo bazilika).
Mein allererster Gedanke beim Näherkommen: Puh, schön ist irgendwie anders… 😅 Das Ding ist riesig, super streng und erinnert eher an einen Wolkenkratzer oder ein gigantisches Fabriksilo als an ein Gotteshaus. Die Kirche ist das radikale Vorzeigeobjekt der Zwischenkriegs-Moderne. Geplant ab 1934, sollte sie als monumentales Beton-Statement das stolze Symbol für die wiedererlangte Unabhängigkeit Litauens werden.
Völlig verrückt ist die Lebensgeschichte dieses Gebäudes: Bevor die Kirche fertig war, marschierten die Sowjets ein. Da diese für Religion nichts übrig hatten, entweihten sie den stabilen Betonbau kurzerhand und verwandelten ihn in eine Radiofabrik!
Wo heute wieder gebetet wird, wurden jahrzehntelang unter dem Fabriknamen „Bangis“ im Akkord Schaltkreise gelötet und Radiogehäuse montiert. Der riesige Innenraum wurde dafür sogar mit Zwischendecken in mehrere Stockwerke unterteilt. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bekam die Gemeinde ihr Gebäude zurück. Nach über 70 Jahren Bauzeit wurde das Jahrhundertprojekt schließlich 2005 endgültig fertiggestellt.
Auch wenn man mit der strengen Architektur erst warm werden muss: Der Weg lohnt sich. Man kann nämlich mit einem Aufzug oder über Stufen rauf auf die gigantische Dachterrasse fahren.
Da oben vergisst man die Betonoptik sofort: Der Rundumblick über Kaunas ist der absolute Wahnsinn! Man schaut über die grünen Stadtteile, die roten Dächer der Altstadt und bis weit hinaus zu den Flüssen der Santaka-Landzunge.
Aber jetzt: Beine in die Hand nehmen, ab zum Bahnhof und zurück in den Zug!もっと詳しく
Labas rytas um 4:15 Uhr: Einmal quer durch Litauen
5月14日〜17日, リトアニア ⋅ 🌙 3 °C
Es ist unchristlich früh. Draußen ist es stockdunkel, die Sonne geht gerade auf, die Stadt schläft und in einer halben Stunde startet mein Zug von Vilnius nach Klaipėda. Abfahrt um 4:45 Uhr — eine Uhrzeit, bei der selbst der Kaffee noch nicht ganz versteht, was hier passiert. 😴☕
Die Strecke führt einmal quer durch Litauen: von der Hauptstadt im Osten bis an die raue Ostsee im Westen. Das Ziel ist Klaipėda, Litauens wichtigste Hafenstadt und das Tor zur Kurischen Nehrung. Die Stadt hieß früher Memel und hat eine spannende, stark deutsch-preußisch geprägte Geschichte. Anders als Vilnius oder Kaunas wirkt Klaipėda durch und durch maritim — mit alten Speicherhäusern, Fachwerk, Wind und einer Brise Ostseeluft.
Bis zum Meeresrauschen liegt eine lange Fahrt vor mir. Die Route rattert durch Orte, die wie kleine Kapitel der litauischen Geschichte wirken:
Kėdainiai: Eine der ältesten Städte des Landes und ein einstiges Multikulti-Zentrum, in dem Litauer, Juden und sogar schottische Einwanderer ihre Spuren hinterließen.
Radviliškis & Šiauliai: Der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt führt uns vorbei an der viertgrößten Stadt des Landes. Ganz in der Nähe liegt der berühmte Berg der Kreuze (Kryžių kalnas) — einer der mystischsten Pilgerorte des Baltikums.
Telšiai: Der Zug erreicht Žemaitija (Niederlitauen). Die Region hat eine extrem starke kulturelle Identität, eigene Dialekte und gilt traditionell als besonders eigensinnig und stolz.
Nach Stopps in Plungė und Kretinga wartet am Ende der Schienen endlich Klaipėda. Strategisch genial am Kurischen Haff gelegen, legen hier die Fähren hinüber zur Kurischen Nehrung nach Smiltynė und Nida ab, wo riesige Dünen und Kiefernwälder warten.
Aber Klaipėda selbst ist viel mehr als nur ein Durchgangsort für Strandurlauber: Es ist eine lebendige Hafenstadt mit einer charmanten Altstadt voller Fachwerkhäuser, dem berühmten Theaterplatz, skurrilen Skulpturen und dieser etwas raueren, ehrlichen Atmosphäre, die man an Küstenstädten einfach liebt.
Jetzt heißt es aber erst einmal: einsteigen, Augen noch für ein Stündchen zudrücken und Litauen beim Hellwerden aus dem Fenster beobachten.もっと詳しく
Klaipėda – angekommen am Meer
5月14日〜17日, リトアニア ⋅ ☀️ 11 °C
Die extrem frühe Tour hat sich gelohnt: Nach der langen Zugfahrt quer durch das Land bin ich endlich in Klaipėda angekommen. Wer hier durch die Straßen läuft, merkt sofort, dass die Uhren anders ticken als in Vilnius oder Kaunas. Über Jahrhunderte war die Stadt als Memel tief durch die deutsche und preußische Geschichte geprägt. Das spiegelt sich auch in der Architektur wider: weniger verschnörkelt, dafür viel maritimer, rauer und verdammt charmant.
Nach der Ankunft ging es zuerst zum Hafen, von wo aus man einen genialen Blick hinüber zur schmalen Landzunge der Kurischen Nehrung hat. Weil das Wetter am Vormittag noch mitspielte, habe ich mir direkt ein Fahrrad geschnappt und bin die Küste hoch nach Melnragė gedüst. Und genau dort war es plötzlich da, das echte Ostseegefühl: feiner Sand, eine steife Brise im Gesicht, das rhythmische Rauschen der Wellen und dieser unendliche, weite Horizont! 🌊
Das schöne Wetter war allerdings ein kurzes Vergnügen. Inzwischen hat der Himmel wieder die Schleusen geöffnet und es regnet sich gemütlich ein. Also hieß es: Rückzug antreten und ab in ein gemütliches Lokal zum Trocknen.
Langweilig wird es hier drinnen zum Glück nicht, denn das unfreiwillige Unterhaltungsprogramm ist absolut großartig: Am Nebentisch sitzen zwei deutsche Touristen. Sie löffeln gemütlich ihre Suppe und trinken Bier – und haben dabei seit einer halben Stunde ihre klobigen Fahrradhelme auf dem Kopf. Fest festgezurrt unter dem Kinn. Sie setzen sie einfach nicht ab! Naja – Sicherheit geht vor, man weiß ja nie, ob drinnen gleich ein Balken runterbricht oder die Suppe spritzt! 🪖🍲
Ich trinke jetzt erst mal meinen Kaffee aus, beobachte das Helm-Spektakel weiter und hoffe, dass Petrus ein Einsehen hat.もっと詳しく
"Kleine" Radtour auf der Kurischen Nehrung
5月15日, リトアニア ⋅ ⛅ 9 °C
Wer mich kennt, weiß: Wenn ich mir was vornehme, dann richtig. Heute ging es mit dem Fahrrad einmal komplett über die Kurische Nehrung – herunter bis kurz vor die russische Grenze und wieder zurück. Am Ende des Tages spuckte Komoot stolze 102 Kilometer aus. Die Oberschenkel brennen, im Gesicht klebt Salz und im Kopf ist jede Menge Weite.
Von Klaipėda setzt man für 2,70 € mit der Fähre nach Smiltynė über und steht in einer völlig anderen Welt: Auf der einen Seite peitscht die offene Ostsee, auf der anderen ruht das Kurische Haff. Dazwischen liegt ein schmaler, magischer UNESCO-Welterbestreifen aus endlosen Kiefernwäldern und Sand. 🌊
Die Nehrung war schon immer ein raues Pflaster. Im 16. und 17. Jahrhundert begingen die Menschen hier jedoch einen fatalen Fehler: Sie holzten die schützenden Wälder radikal ab. Ohne die Wurzeln verlor der Sand jeglichen Halt. Der Wind peitschte die Dünen auf, und es passierte, was passieren musste: Riesige Wanderdünen fraßen sich durch das Land und begruben über ein Dutzend ganze Fischerdörfer komplett unter sich! 🏜️💨
Erst im 19. Jahrhundert zog man die Notbremse und zähmte den Sand in einer Mammutaufgabe durch die gezielte Wiederanpflanzung von Millionen von Kiefern.
Nach etlichen Kilometern im Sattel erreicht man den bekanntesten Ort der Landzunge: Nida. Das Dorf zog schon früh Prominenz an. Der deutsche Schriftsteller Thomas Mann war so verliebt in die Kulisse, dass er sich hier ein typisch kurisches Sommerhaus baute und mit seiner Familie die Sommer 1930 bis 1932 hier verbrachte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kehrte er dem Land den Rücken und sah sein Ostsee-Idyll nie wieder. Heute ist das Haus ein Kulturzentrum.
Wer so viel strampelt, braucht ordentlich Treibstoff. Kulinarisch gibt es hier nur eine logische Wahl: frisch geräucherten Fisch. Einfach, salzig, oft noch warm aus dem Rauch – er schmeckt genau so, wie man es sich an der Küste erhofft.
Am südlichsten Wendepunkt, kurz vor der Grenze, wurde mir beim Blick über die gigantischen Dünen erst klar, wie tief mich dieser Ort beeindruckt hat. Die Kurische Nehrung ist ein extrem schmaler Streifen Land – aber mit unendlich viel Weite. Jetzt fallen mir im Hotel in Klaipėda gleich die Augen zu, aber das war jeden einzelnen Kilometer wert!もっと詳しく
Tiere und Pflanzen der Kurischen Nehrung
5月15日, リトアニア ⋅ ⛅ 11 °C
Die Kurische Nehrung ist bei Weitem nicht nur Postkarten-Strand. Auf dem schmalen Streifen zwischen Ostsee und Haff hat sich ein faszinierender, aber extrem empfindlicher Lebensraum eingezwängt, in dem die Natur die Regeln diktiert.
Prägend sind die dichten, oft schnurgeraden Kiefernwälder, die vor über hundert Jahren von Menschenhand gepflanzt wurden, um die Wanderdünen zu stoppen. Verlässt man den schützenden Wald Richtung Düne, verändert sich die Flora schlagartig: Nur robuster Strandhafer, zähe Gräser und Flechten trotzen der extremen Trockenheit und dem gnadenlosen Wind. Richtige kleine Überlebenskünstler!
Ein echtes Naturschauspiel wartet bei Juodkrantė. Dort befindet sich eine der größten Kormoran-Kolonien Europas. Und eins vorweg: Man riecht und hört sie, lange bevor man sie sieht!
Tausende dieser schwarzen Vögel nisten dicht an dicht in den Wipfeln. Durch ihren aggressiven, ätzenden Kot sind unzählige Bäume komplett weiß verfärbt, abgestorben und ragen wie skelettierte Finger in den Himmel – ein absolut gespenstischer Vibe.
Survival-Tipp für die Durchfahrt: Wer hier anhält und nach oben schaut, sollte den Mund definitiv geschlossen halten und die Kapuze aufsetzen. Sonst kacken dir die Jungs schneller auf den Kopf, als du „Naturwunder“ sagen kannst! 🦅💩
Abseits der Vögel ist die Nehrung erstaunlich wild: Wer leise ist, sieht Hasen, Rehe oder Füchse am Wegrand. Zudem ist die Halbinsel eine der wichtigsten Autobahnen für Millionen Zugvögel in Europa.
Manchmal kommt einem die Tierwelt aber auch etwas zu nah: Heute haben mich die Mücken – oder extrem angriffslustige Verwandte von ihnen – als Buffet entdeckt. Das Ergebnis sind ein paar ordentliche Flatschen an Armen und Beinen. Natur pur eben, mit allem, was dazugehört! 🎒🦟🌲✨もっと詳しく
Klaipėda setzt die Segel in den Sommer
5月16日, リトアニア ⋅ ☁️ 10 °C
In Klaipėda hieß es heute offiziell: „Keliame bures į vasarą“ – Wir setzen die Segel in den Sommer! Das bunte Fest markiert den Startschuss für die Sommersaison an der Küste, vollgepackt mit Hafen-Vibes, Live-Musik und Straßenkultur.
Das Wetter hatte von dem sommerlichen Motto allerdings nur semi-viel gehört: Der Tag war grau, kühl und extrem neblig. Die Stadt wirkte eher nach der Kategorie „Die Ostsee überlegt noch, ob sie dieses Jahr überhaupt mitmacht“.
Schön war es trotzdem, denn die Altstadt pulsierte trotz der Nebelsuppe. Die Menschen strömten zwischen dem Theaterplatz und dem alten Segelschiff Meridianas hin und her.
Ein echtes Highlight war der Auftritt von Vėlunga, dem traditionellen Tanzensemble aus Klaipėda. Die Gruppe bekam heute sogar einen prestigeträchtigen Preis verliehen: den „Goldenen Vogel“ (Aukso paukštė). Die Performance war super, der Vogel ging also absolut zurecht an die Truppe!
Beendet wird das Fest heute Abend mit einer Schiffsparade auf dem Haff – was im aktuellen Nebel bestimmt einen extrem mystischen, geisterhaften Vibe hat. Für die Wetterfesten gibt es danach noch Public Viewing zum ESC-Schauen direkt auf dem Theaterplatz.
Ich gucke wohl nur kurz, wie die Schiffe im Nebel verschwinden, und verziehe mich dann ins warme Bett. Denn morgen startet das nächste große Kapitel: Ich verlasse Litauen nach einer fantastischen Zeit und fahre mit dem Zug in ein komplett neues Land. Nächster Halt: Riga in Lettland!もっと詳しく
Weiter geht’s: Klaipėda → Riga
5月17日, リトアニア ⋅ ☁️ 5 °C
Es heißt Abschied nehmen: von Klaipėda, vom Hafen und generell von Litauen. Um Punkt 7:27 Uhr rollt mein Zug los — erst noch mal durch den litauischen Westen bis nach Šiauliai. Dort bleibt genug Zeit für den Umstieg, bevor der Kompass endgültig auf Norden ausgerichtet wird.
Ab Šiauliai wird es offiziell international: Der Zug überquert die lettische Grenze, rattert über Jelgava und läuft gegen 11:34 Uhr im Hauptbahnhof von Riga ein. Neues Land, neue Sprache, neues Kapitel!
Diese Strecke ist durchaus etwas Besonderes: Es ist noch gar nicht so lange her, da war internationales Bahnreisen zwischen den baltischen Nachbarn ein echtes Geduldsspiel. Inzwischen gibt es zum Glück wieder die tägliche Direktverbindung der litauischen Bahn auf der Achse Vilnius–Riga.
Trotzdem hat das Bahnfahren hier sein ganz eigenes, wunderbares Tempo. Nix mit 300 km/h durch Lärmschutzwände. Hier bedeutet Zugfahren noch echte Weite, unberührte Landschaft, dichte Wälder und kleine Bahnhöfe. In ein paar Jahren soll das Riesenprojekt Rail Baltica die Staaten im großen Stil an das europäische Normalspur-Netz anbinden – meine heutige Fahrt ist quasi die charmante Retro-Version davon. 🌾
Ein fettes Lob geht an den Service der litauischen Bahn LTG Link. Ich habe mir für die Fahrt ein Ticket in der 1. Klasse gegönnt (Klaipėda–Riga für unschlagbare 18 Euro!) und war absolut baff: Es gibt ein Freigetränk, einen Kaffee nach Wahl und frisches Gebäck direkt an den Platz geliefert.
Auch die 2. Klasse ist extrem komfortabel, es gibt eine gute Menükarte, funktionierendes WLAN und alles läuft absolut pünktlich ab. Zu solchen Preisen reibt man sich als Mitteleuropäer beim Ticketkauf erst mal ungläubig die Augen.
Die Grenze ist überquert, das Labas wird im Kopf gegen Sveiki getauscht.もっと詳しく
Sveika, Rīga!
5月17日, ラトビア ⋅ ☁️ 13 °C
Riga drückt sofort aufs Gas: Im Vergleich zum weichen, barocken Vilnius wirkt die lettische Hauptstadt geradliniger, wuchtiger und viel mehr nach „richtiger Großstadt“. An manchen Ecken schimmert noch die sozialistische Ära durch, doch biegt man einmal ab, steht man mitten im puren Prunk: zwischen monumentalen Jugendstilhäusern, breiten Boulevards und echtem Metropolen-Vibe. 😎
Dass Riga so selbstbewusst auftritt, liegt an ihrer Geografie. Die Stadt schmiegt sich an die mächtige Daugava (Düna), kurz vor deren Mündung in die Ostsee. Als stolzes Mitglied der Hanse war sie die perfekte Brücke zwischen Ost und West.
Hier liegt die Geschichte Schicht auf Schicht wie ein architektonischer Blätterteig: deutsche Kaufmannstradition, skandinavische Nüchternheit und russischer Einfluss verschmelzen zu etwas völlig Eigenem. Während Vilnius das Herz des Großfürstentums war, ging es in Riga ums Geschäft, um Schiffe, tonnenweise Waren und mächtige Zünfte wie die Schwarzhäupter.
Wer durch die Straßen Rigas läuft, wandelt übrigens auch auf den Spuren einer absoluten deutschen Humor-Legende: Heinz Erhardt wurde 1909 genau hier in Riga geboren!
Der König des Wortwitzes verbrachte seine Kindheit und Jugend in der Stadt, wuchs bei seinen Großeltern auf (sein Großvater besaß das damals führende Musikaliengeschäft im Baltikum) und machte im heutigen Rigaer Staatlichen Gymnasium seine ersten musikalischen und komödiantischen Schritte. Später arbeitete er sogar als Angestellter in der Musikalienhandlung, bevor es ihn endgültig auf die großen Bühnen zog.もっと詳しく



































































































































































































































































































































































