• Weltenwandler
  • Lebenswandlerin
okt. 2023 – mar. 2025

Weltenwandel

Annie und Rolf entdecken die Welt ❤️ Læs mere
  • Start på rejsen
    1. oktober 2023

    Letzter gemütlicher Abend vor dem Umzug

    26. september 2023, Østrig ⋅ ☀️ 25 °C

    Wir genießen nochmal die einmalige Atmosphäre.

    Die schöne Wohnung wird uns fehlen.

  • Flughafen Wien
    Sieht flugfähig ausLast Kiss in Europe

    Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

    1. oktober 2023, Østrig ⋅ ⛅ 20 °C

    Es ist soweit.

    Ein Jahr vom Entschluss bis zur Umsetzung.

    Für ein gemeinsames Leben. Für die Liebe. Für die Welt. ❤️🌍

  • Platt...

    Arabische Nächte sind überbewertet

    1. oktober 2023, Forenede Arabiske Emirater ⋅ 🌙 32 °C

    Es gibt Schöneres, als nachts stundenlang am Flughafen in Abu Dhabi zu verbringen.
    Und es gibt schönere Flughäfen als den hier 😅

  • Endlich angekommen!

    2. oktober 2023, Indien ⋅ ⛅ 11 °C

    Todmüde, aber happy!

  • We love Leh ❤️

    2. oktober 2023, Indien ⋅ ☁️ 13 °C

    Auf den Bildern/Videos seht ihr, wie toll es in Leh ist. Wir sind richtig froh, die Himalaya-Region als Startpunkt unserer Reise ausgewählt zu haben. Wir werden mit magischen Aussichten und Einblicken in die tibetisch-buddhistische Kultur belohnt. Fürs gute Karma haben wir schon zahlreiche Gebetsmühlen gedreht.
    Doch auch wenn auf den Bildern alles nach Friede-Freude-Eierkuchen aussieht, der erste Abend war doch etwas herausfordernd. Rolf hatte starke Kopfweh wegen des Höhenunterschieds (Leh liegt auf 3500m) und ich brauchte etwas Zeit, um die lange Anreise und die mit dem Start der Reise mit sich bringenden Veränderungen zu verarbeiten.
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  • Beim Onkel Doktor 🤧

    5. oktober 2023, Indien ⋅ ☀️ 12 °C

    Gestern ist Annie mit Fieber aufgewacht, und heute morgen war es noch nicht besser. Daher inspizieren wir heute das indische Gesundheitswesen.

  • Durchs wilde Baltistan

    8. oktober 2023, Indien ⋅ ☁️ 14 °C

    Wir haben uns entschieden, weiterzuziehen, da sich Annies Genesung durch die kalte Luft einfach zu lange hinzog. Der Weg von Leh nach Srinagar war spannend: Es gab malerische Berglandschaften, alte buddhistische Klöster, bunte LKWs, hohe Pässe, viel Militär und Ziegenherden auf der Straße. Zum Glück hatte unser Fahrer Ahmad den indischen Verkehr unter Kontrolle - und wir haben jetzt die Kontaktdaten eines Pärchens aus Mumbai, die einen Motorradunfall hatten und die wir mit dem Auto mitgenommen haben.Læs mere

  • Im Venedig Indiens

    10. oktober 2023, Indien ⋅ 🌙 17 °C

    Gerade rechtzeitig vor der Sperrung der Pässe wegen Schneefalls haben wir es nach Srinagar geschafft. Hier wohnen wir ganz dekadent auf einem Hausboot im Stil der Maharadschas. Die erste Nacht war trotzdem regnerisch, kalt und zugig, was uns fast zur Verzweiflung brachte. Annie sollte doch endlich gesund werden. Da half auch nicht der Geburtstagskuchen eines amerikanisch-schweizerischen Paars, die mit uns hier wohnten.

    Am Morgen sah es dann besser aus. Wir konnten bei Sonnenschein und malerischer Kulisse auf der Veranda des Hausboots frühstücken. Annies Kräfte reichten sogar für eine kleine Stadtbesichtigung. Die Altstadt ist sehr untouristisch und nicht besonders schön. Wir zogen viele Blicke auf uns.
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  • Auf der Sonnenseite Srinagars

    11. oktober 2023, Indien ⋅ ☀️ 22 °C

    Nachdem wir gestern noch den Shankaracharya Tempel mit Aussichtspunkt erklommen haben (na gut, wir haben ein Tuk Tuk genommen, aber alleine die letzten Stufen haben mir gereicht), sind wir den heutigen Tag gemütlich angegangen und haben eine Shikara-Fahrt (so heißen die kleinen Boote hier) durch den Dal Lake gemacht. Saleem, der Shikara-Fahrer unseres Hausboots, hat uns den Floating Market gezeigt. Auf dem Wasser gibt es alles, was das Herz begehrt, von sämtlichen Speisen und Kleidung bis hin zu Massagen und Friseuren. Wir haben uns für kaschmirische Süßigkeiten und Kawatee (das ist Tee mit Safran) entschieden. Aufgrund des Besuchs der indischen Präsidentin und der damit verbundenen großzügigen Absperrung des Sees haben wir kleinere Pfade mit vielen Seerosen erkundet. Das war sehr idyllisch, und die Ruhe hat uns richtig gut getan. Zum Abschluss des Tages haben wir einen Garten aus der Mughal-Zeit besichtigt. Auch wir waren Foto-Objekt - Srinagar wird vorwiegend von indischen Touristen besichtigt, und wir waren die einzigen Europäer im Garten.
    Dieser Sonnentag hat uns insgesamt richtig gut getan und war Balsam für meine der Genesung entgegenstrebenden Bronchien :)
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  • Im Garten Eden

    12. oktober 2023, Indien ⋅ ☀️ 24 °C

    Frau Präsidentin war heute wieder weg, die Gärten also wieder offen. Und das haben wir intensiv genutzt und drei wirklich wunderschöne Gartenanlagen besucht.

    Annie ging es heute wieder besser; wir hatten die erste ruhige Nacht seit einer Woche. In den Gärten waren wir die einzigen Europäer und mussten alle paar Meter für Fotos bereitstehen, sogar mit dem Militär.

    Insgesamt waren die drei Tage in Kaschmir für uns genau das richtige: Annie konnte endlich wieder gesund werden, und auf dem Boot hatten wir eine tolle Rückzugsmöglichkeit. Morgen geht es dann weiter nach Amritsar.
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  • Manchmal ist alles Gold, was glänzt

    13. oktober 2023, Indien ⋅ 🌙 26 °C

    Herzlichen Willkommen in Amritsar - der Stadt mit dem spektakulären Goldenen Tempel. Das ist die heiligste Stätte im Sikhismus - und die meist besichtigte Sehenswürdigkeit der Welt mit ca. 150000 Besuchern pro Tag. Ihr könnt euch also vorstellen, in welchem Trubel wir unterwegs waren. Reizüberflutung war nach 5 Minuten (zumindest für mich) vorprogrammiert. Gleichzeitig ist es wirklich ein sehr besonderer Ort mit wahnsinnig netten Menschen und einer besonderen spirituellen Energie. Die Menschen verweilen dort meist länger, die Sikhs baden im heiligen Wasser rund um den Tempel. Alles ist kostenlos, sogar das Essen in der Suppenküche, in der pro Tag ca. 100000 Essen ausgegeben werden.
    Vor der Besichtigung gilt es, sich an ein paar Verhaltensregeln zu halten: Schuhe am Shoe Counter abgeben, Tasche beim Baggage Counter, Kopf bedecken (es werden Tücher ausgegeben), Hände waschen, mit den Füßen durch Wasser gehen (ich hoffe wir bleiben vom Fußpilz verschont!). Und schon kann es losgehen.

    Neben dem Goldenen Tempel selbst waren auch wir eine Attraktion. Wir wurden von allen Seiten angesprochen. Bilder von uns sind nun in sämtlichen indischen Handys wiederzufinden, schön retouschiert mit Beautyfiltern oder auch Hundeohren, zusammen mit Menschen aller Altersklassen, inklusive Kleinkindern, die uns auf den Arm gesetzt wurden. Das hört sich jetzt anstrengend an (was es auch war), aber die Menschen waren alle sehr freundlich und die Atmosphäre sehr nett.

    Abgesehen vom Tempel lernen wir in Amritsar nun ungefiltert das indische Goßstadtleben kennen. Es herrscht wahnsinniger Trubel auf den Straßen, die Tuk Tuk-Fahrten sind abenteuerlich, die Basarstraßen kunterbunt und dreckig - alles ist enorm laut und grell und voll. Und schön :-)
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  • Der inneren Balance entgegen

    19. oktober 2023, Indien ⋅ ☀️ 15 °C

    Hier war es in den letzten Tagen still, aus Gründen. Wir haben 1,5 Kranke zu verzeichnen. Die indischen Magen-Darm-Keime haben uns erwischt. Ob die Suppenküche beim Goldenen Tempel oder die Straßenstränden Schuld sind, ist fraglich. Zumindest Rolf hätte vielleicht doch ein bisschen vorsichtiger sein sollen. So hat er ganz groß aufgefahren und ist während unserer Busfahrt nach Dharamsala am Montag (wo der Dalai Lama wohnt) ohnmächtig zusammengebrochen. Stark zitternd hat er es danach mit Hilfe unserer Gastgeber noch gerade so ins Zimmer geschafft, wo er sehr nett mit Heizdecke und sämtlichen dicken Decken versorgt wurde. Hohes Fieber versuchte in der folgenden Nacht vergeblich gegen die Keime anzukämpfen. So war die Nacht für mich eine große emotionale Herausforderung. Nach meinen eigenen Erkrankungen war mein Nervensystem eh noch nicht wieder zur Ruhe gekommen. Glücklicherweise hatte ich Support von Familie/Freunden aus der Heimat und einen stark unterstützenden Freund (dem ich leider nicht ganz glauben konnte ;-) ).

    Wie ihr auf den Bildern seht, geht es jetzt wieder bergauf. Unser Host hat einen befreundeten indischen Arzt ans Telefon zitiert (nach eigenen Angaben auch der Leibarzt des indischen Premierministers) und Rolf ein Antibiotikum verschrieben. So sind wir um einen Krankenhausbesuch im Krankenhaus des Dalai Lama herum gekommen (es hatte tatsächlich sehr gute Bewertungen). Wir sind sehr dankbar darüber, hier so gut versorgt zu sein. An das Airbnb ist ein Café angegliedert, wo uns nach unseren Bedürfnissen Essen gekocht wird. Das Gastgeberpaar diskutiert regelmäßig darüber, welches Essen das Richtige für uns sein könnte.

    Wir verweilen hier also noch ein bisschen und hoffen, in ein paar Tagen endlich ein bisschen die Gegend erkunden zu können.

    PS: Auf den Bildern seht ihr auch noch unseren Besuch im hinduistischen Mata-Tempel. Jede Geisterbahn auf dem Wiener Prater kann hiergegen einpacken. Man wird auf eine Reise durch ein Labyrinth mitgenommen, auf der an jeder Ecke eine neue Gottheit wartet. Wegen des beginnenden Navratri-Fests war der Tempel mehr als gut gefüllt (sehr zu meinem Leidwesen). Rolf hat es super gefallen… aber vielleicht hätte er das mit den Händen ausgegebene Essen lieber nicht nehmen sollen :-)

    Rolfs Sicht: Alles halb so wild, Unkraut vergeht nicht :-D
    Naja, schön war es nicht. Aber heute ist es wieder gut. Dank unermüdlicher, fürsorglicher und liebevoller Pflege <3
    Und jetzt muss Annie ihren Magen auch erstmal wieder in den Griff kriegen ;)

    Morgen früh gehen wir dann mit dem Dalai Lama joggen.
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  • Wir sind dann mal weg…

    23. oktober 2023, Indien ⋅ 🌙 10 °C

    …vielleicht 😉

    In den letzten Tagen haben wir uns gut erholt und verschiedene Mini-Ausflüge gemacht. Rolf musste nämlich auch noch eine Erkältung überstehen (ist jetzt geschafft).

    Morgen hoffen wir, mit einem 10-tägigen Kurs „Introduction to Buddhism“ in einem renommierten Meditationszentrum hier in der Gegend starten zu können. Wegen unserer unsicheren Gesundheitslage hatten wir uns zu spät angemeldet, und der Kurs ist eigentlich schon voll. Wir sollen jedoch einfach morgen kommen, und vielleicht rutschen wir noch nach. Drückt uns also gerne die Daumen.

    Wenn es klappt, dann müssen Handy und co abgegeben werden, und wir 10 Tage schweigen. Wundert euch also nicht, falls kein Post von uns kommen sollte.

    Dafür sehen wir dann am Mittwoch hoffentlich tatsächlich den Dalai Lama 🦙
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  • Auf den Spuren der Erleuchtung

    2. november 2023, Indien ⋅ ☁️ 17 °C

    Danke an alle, die uns die Daumen gedrückt haben! Wir ihr euch vielleicht schon durch die Stille hier gedacht habt, wir haben es in den Buddhismus-Kurs geschafft und sind (auch nach dem Kurs noch) sehr happy darüber.

    Mit uns sind knapp 100 Leute aus aller Welt angetreten, sich mit den Themen Buddhismus, Meditation und dem eigenen Bewusstsein zu beschäftigen. Es folgen Einblicke in unsere jeweiligen Gefühls- uns Erlebniswelten, die doch ein bisschen unterschiedlich aussahen.

    Annies Welt im Rückblick:
    Juhuu, ich freue mich total, den letzten Platz im 12er Dorm ergattert zu haben und schiebe ins Unterbewusstsein, dass die Wand hinter meinem Bett verschimmelt ist. Das Kopfkissen schaue ich mir erst gar nicht an (Anm: Leider mussten wir zum Schluss noch die Betten abziehen. Den Anblick hätte ich mir gerne erspart).

    Das Essen ist mega lecker und wird zum Höhepunkt meines Tages. Es gibt selbst gemachte Erdnussbutter und allerlei Backwaren und frisch gekochtes Essen mit viel Gemüse - alles ohne Knoblauch oder Zwiebeln. Es ist ein Traum! Ich muss mich beherrschen, nicht jedes Mal nach den Kursen direkt zum Essen zu rennen. Ich erkenne, dass ich an meiner Anhaftung an Genuss arbeiten könnte. Aber wehe, ein Affe klaut mir meine Banane!

    Um 6 Uhr aufzustehen und den ganzen Tag ein strukturiertes Programm zu haben, ist eigentlich ganz cool. Ich muss überhaupt keine Entscheidungen treffen und kann mich nach den turbulenten ersten Reisewochen entspannen und diesen friedlichen, ruhigen Ort genießen. Ich bin total berührt davon, wieviel Mühe sich hier alle geben, damit es uns gut geht. Ich fühle mich wohl. Dass wir unser Handy abgegeben haben und schweigen müssen, stört mich eigentlich wenig (über die vorher besorgten Wecker und Taschenlampen bin ich aber durchaus froh). Die ersten 7 Tage besteht der Hauptteil eh aus Teachings über Buddhismus. Wir hören also zu, können Fragen stellen und haben auch Discussion Groups über die bearbeiteten Themen. Wir haben zusätzlich täglich 3 Meditationen - einerseits stabilisierende Meditationen mit Fokus auf den Atem, andererseits analytische Meditationen, in denen man über Themen kontempliert mit dem Ziel, ein korrektes Verständnis davon zu erlangen, wie die Dinge wirklich sind.

    Zu den buddhistischen Teachings: Ich finde es super, mal einen strukturierten Einblick/Überblick in die (tibetisch) buddhistische Philosophie zu bekommen. Auch Themen wie Karma oder Wiedergeburt schaue ich mir interessiert an, ich chante die Mantren mit, entwickle Bodicitta (den Erleuchtungsgeist) und widme die Praxis zum Wohl aller Wesen. Aaaber der arme Rolf - für ihn ist das sicherlich ein bisschen zu viel. Hoffentlich hält er bis zum Ende durch.

    Die letzten zwei Tage sind Meditationstage mit 7 Mediationen à 45 Minuten. Ohjee, da schmerzt der Rücken schon sehr. Ich kann mich teilweise kaum auf die Meditationen konzentrieren. Wie halten Leute bloß Vipassana-Retreats durch?!

    Mein Highlight des Kurses: die Light Offering-Zeremonie: Jede Person bekommt eine Kerze und wir singen zusammen das Mantra Om Mani Padme Hung (Das ist DAS Mitgefühlsmantra. Die Bedeutung ist so in der Art: „Mögen Weisheit und Mitgefühl in dir erwachen.“) und stellen die Kerzen mit unserem persönlichen Wunsch für uns und die Welt an der Stupa ab. Sehr berührend!

    Und nun…
    Rolfs Welt im Rückblick:
    Cool war‘s! Tushita ist schon ein besonderer Ort. Man ist ganz oben auf einem Berg, die Luft ist kalt und klar, aber in der Sonne (wir haben jeden Tag blauen Himmel) ist es schön warm. Man kann ins Tal hinuntersehen, und in den Pausen schaue ich den Affen zu, die sich um Bananen streiten und ein wenig buddhistische Gelassenheit durchaus gebrauchen könnten.

    Ich bin sehr froh, dass wir vorher noch einen 2*1m-Riesenschal gekauft haben, in dem ich schön warm bin. Die Duschen dagegen sind eiskalt. Ich bin selbst erstaunt darüber, wie gut ich damit klarkomme, meinen Duschrhythmus auf zweitägig statt täglich umzustellen. Da man sich kaum bewegt, geht das eigentlich ganz gut. Und die Toiletten sind weniger schlimm, als ich dachte.

    Das Essen auch! Es ist richtig gut. Endlich mal keine Zwiebeln!!! Keine Ahnung, ob mir nach den üblen Magenproblemen jetzt einfach alles schmeckt, aber ich haue richtig rein. Und kämpfe sogar mit den Affen, wenn sie meine Banane klauen wollen.

    Ich brauche dafür lange, bis ich eine bequeme Meditationshaltung gefunen habe. Lotussitz kann ich irgendwie nicht. :-/ Rechtzeitig zu den Meditationstagen am Ende habe ich es dann aber geschafft. Überhaupt ist Meditation hier mein klarer Fokus. Ich habe einen Riesen-Wälzer von Wien aus mitgenommen und lese den hier in den Pausen fleißig durch, um besser zu verstehen, warum es so schwer ist, sich auf den Atem zu konzentrieren. ;-)

    Leider wird viel zu viel geredet. Den halben Tag lang sind Vorlesungen zum Buddhismus, und auch in den Meditationen selbst labern die Meditationsleiter viel zu viel. Insbesondere die „analytischen“ Meditationen bringen mir sehr wenig. Man soll über diverse Themen angeleitet nachdenken… aber wenn ich nicht schon im Vorfeld glaube, dass „jedes Wesen schon einmal meine Mutter war“ oder ähnlichen Unfug, ist es sehr schwer, dabei stillzusitzen. Ich komme zu dem klaren Schluss, dass „analytische Meditationen“ und die „Insights“, die man darin gewinnen soll, a) epistomenologisch vollkommen invalid sind und b) nichts als eine Form der Selbst-Gehirnwäsche darstellen. Das ist schade, da in meinem (sonst sehr guten) Buch der Autor mehrfach betont, die Insights seien absolut notwendig zur Erleuchtung. Anders gesagt: Erleuchtung kann ich wohl vergessen - ich bin nicht bereit, meinen klaren Verstand dafür aufzugeben. Ich werde mich wohl mit den Jhanas begnügen müssen. :-D Die habe ich noch nicht abgeschrieben, aber inzwischen ein deutlich klareres Bild davon, wie lang der Weg dorthin noch ist.

    Die „Einführung in den Buddhismus“ selbst ist sehr gemischt. Den Teil zur Ethik und Lebensführung kann ich noch - einigermaßen - mitgehen. Es ist klar, schon wenn man sich die Leute hier in Tushita ansieht, dass die Buddhisten etwas vom Glücklichsein verstehen. Ist vielleicht auch kein Wunder, wenn man sich damit 2.500 Jahre beschäftigt. Aber die Metaphysik!!! Karma, Wiedergeburt, Götter, Devas, der ganze Kram - was für ein Mist. Am schlimmsten ist, dass unser Teacher, ein amerikanischer Mönch, immer wieder betont, dass im Buddhismus ja Logik und Rationalität so wichtig seien und dann mit den haarsträubendsten Schlussfolgerungen daherkommt. Wenn einfach nur gesagt würde, „wir glauben dies und das“, hätte ich gar keinen Stress, aber so zu tun, als hätte man die Rationalität auf seiner Seite, wenn man Wiedergeburt und Karma „herleitet“, ist eine Beleidigung meiner Intelligenz.

    Bei Tag fünf bin ich deshalb kurz vorm Hinschmeissen, mache es aber Annie zuliebe nicht, und denke mir, Geduld und Langmut bilden ja den Charakter. ;-) Außerdem sind die Sitznachbarn total nett, ich bin froh, mal meine Handysucht ablegen zu können, und wir haben ja einmal am Tag für eine Stunde Diskussionsgruppe, und meine ist wirklich super. Außerdem ist es schon interessant, dass man sich mit Leuten anfreunden kann, mit denen man kein einziges Wort gewechselt hat (die meiste Zeit des Tages ist ja glücklicherweise Schweigen).

    Fazit: Ein Meditations- oder Schweige-Retreat mache ich gern wieder. Gern mit viel mehr Schweigen. Es war schon eine tolle Erfahrung! Nur vom Buddhismus weiß ich jetzt genug. Und es war toll, neue Leute kennenzulernen, und natürlich (an Tag 2) Seine Heiligkeit den 14. Dalai Lama direkt zu sehen. Er wirkt in echt schon seeeeehr gebrechlich und wird mehr geschoben und gehalten, als dass er geht. Aber sympathisch ist er und man wünscht ihm natürlich, dass er noch lange durchhält.

    Und wir begeben uns nun als nächstes auf die Spuren Ihrer Heiligkeiten, den Beatles!
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  • Am heiligen Wasser

    6. november 2023, Indien

    Wir sind seit 3 Tagen in Rishikesh… „Yoga-Hauptstadt der Welt“ 🤷‍♂️🧘🏼‍♀️
    Hier ist sogar ein ganzes Stadtviertel nach den Ashrams benannt.

    Die Busfahrt über Nacht war schrecklich. Annie war es ziemlich schlecht… nur Reisekaugummis haben das Schlimmste verhindert. Danach hat sie dann aber geschlummert wie ein Baby 🥰

    In Rishikesh kommt der Ganges aus dem Himalaya (ist also - noch - ziemlich sauber). Hier ist es wärmer als bisher - wir haben angefangen, die warmen Sachen auszusortieren. Es ist hier, noch mehr als in Dharamshala, sehr westlich geprägt und recht kommerziell. Schuld daran sind wahrscheinlich die Beatles, die in den 60ern hier im Ashram waren.
    Wir waren natürlich auch da - der Dschungel hat vieles zurückgeholt. Das sorgt für eine ganz coole Atmosphäre.

    Toll war auch der „Ganga Aarti“ - eine allabendliche am Ganges stattfindende Zeremonie zur Verehrung des heiligen Flusses. Hier haben wir andächtig ins Hare Krishna eingestimmt. Naja, die Lautsprecher waren so laut, dass ich (Annie) mich mal wieder geärgert habe, meine Ohrenstöpsel zu Hause gelassen zu haben. Es war aber insgesamt schon sehr stimmungsvoll.

    Nachdem wir leider keine Rückmeldung zu einer angefragten Klangmassage bekommen haben, sind wir zu einer Meditationssession im größten Ashram hier gegangen. Wir sind fest entschlossen, eine täglich Meditationsroutine zu etablieren.

    Morgen geht es schon weiter (wohin verraten wir noch nicht), auch wenn der 5-tägige Kurs in „Himalayan Mystic Sound Therapy“ schon spannend geklungen hätte.
    Rolf hätte in der Zeit Didgeridoo lernen können, aber das möchte er dann doch lieber in Australien machen.
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  • Dämmerung mittags
    Ein sonniger Tag in Delhi 🌞Highway in DelhiSchön buntEin Bett im Kornfeld

    Stochern im Nebel

    8. november 2023, Indien ⋅ 🌙 22 °C

    Wieder eine Busfahrt!

    Busfahrten buchen ist hier ein Abenteuer für sich. Deutsche Kreditkarten werden nur in den wenigsten Fällen akzeptiert, und Paypal/Amazon Pay/Google Pay etc gehen auch fast nie. Nach ewigen Versuchen haben wir aber ein Busunternehmen gefunden, das eine unserer Karten akzeptiert. Leider kommt dann eine Stunde vor Abfahrt per Email die Nachricht, der Bus falle aus. 🤦‍♂️

    Immerhin gelingt es uns, bei einem Konkurrenten zwar kein Ticket zu kaufen, aber die letzten beiden Plätze durch wiederholte Kaufversuche so lange zu blockieren, bis der Bus da ist und wir einfach in bar bezahlen können. Heheheh!

    Der erste Bus geht dann nach Delhi. Dort ist die Luft heute unfassbar schlecht: Es stinkt furchtbar, und die Sonne ist nur schemenhaft zu sehen. Eine Stunde, nachdem wir ankommen, berichtet sogar die BBC darüber: https://www.bbc.co.uk/news/world-asia-india-673…

    Zum Glück sind wir nur ca 3h hier… denn dann geht es mit dem Nachtbus weiter. Darin sind wir jetzt. Der Zugang erfolgte über eine Art matschige Müllhalde, und wir sind froh, unsere dreckigen Schuhe jetzt ein paar Stunden nicht anschauen zu müssen, da wir ein Liegeabteil oben haben.

    Langsam sind wir nun auch aus dem Moloch wieder raus, und die Luft wird wieder besser!
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  • Heilig, heiliger, Varanasi

    9. november 2023, Indien ⋅ 🌙 27 °C

    Vom verdreckten Delhi aus reisen wir mit einer 13-stündigen Nachtfahrt im Liegebus weiter nach Varanasi, der heiligsten Stadt Indiens.

    Hier ist Indien so, wie man es sich immer vorstellt. Am Ganges werden Leichen verbrannt, daneben baden Pilger, daneben werden Klamotten gewaschen, daneben schmeißt jemand Abfälle in den Fluss. Abends gibt’s dazu noch Feuerzeremonien zur Verehrung von Mutter Ganges. Ganz schön wild!

    Varanasi ist uralt, die Altstadt hat winzige Gässchen, mal 2m breit, mal einen halben. Im Labyrinth habe ich mich einmal fast verirrt, als ich ohne Annie und Handy zu einem der zahllosen Hindutempel gepilgert bin. Zum Fluss geht es steile Treppen herunter; der Ganges steigt wohl stark an in der Monsunzeit. Wir laufen erstmal das Ufer entlang und staunen herum.

    Morgen beginnt Diwali, das höchste Fest im Hinduismus, 5 Tage lang. Wir haben mit enormen Menschenmassen gerechnet und sind sehr positiv überrascht, dass es zumindest aktuell noch sehr entspannt zugeht.

    Was man vom Verkehr nicht sagen kann. Der ist fürchterlich. Zum Glück ist die Altstadt selbst zu eng für Tuk Tuks.
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  • In Buddhas Fußstapfen

    10. november 2023, Indien ⋅ ☀️ 31 °C

    Tagesausflug nach Sarnath!

    Wir beschließen, vor den Hauptfeierlichkeiten zu Diwali, bei denen es bestimmt sehr voll und bunt und auch anstrengend wird, einen erholsamen Tag einzulegen und in den Norden Varanasis zu fahren.

    Hier hat Buddha vor 2.500 Jahren seine erste Predigt gehalten. Die Buddhisten nennen es lieber Verkündung oder Vortrag, aber der Text ist schon ziemlich predigend. (Annie: Die korrekte Terminologie ist "Hier hat Buddha erstmals die 4 edlen Wahrheiten verkündet".) Damals war es noch ein eigener Ort, Sarnath - inzwischen ist Varanasi längst drum herum gewuchert. Trotzdem hat sich der ruhige Charakter dank vieler schöner Parks und Tempel erhalten.

    Nur die Rückfahrt gerät zur Nervenprobe. Wir brauchen fast 2 Stunden für knapp unter 10km, mit Dauergehupe und Gestank und Abgasen und insgesamt grottenschlechter Luft. Langsam nervt sogar mich der indische Verkehr (anfangs war es einfach spannend) - Annie ist bestimmt noch viel genervter, hält sich aber tapfer.

    Wir beschließen jedenfalls, die nächsten Ziele anzupassen und indische Großstädte und den indischen Norden insgesamt erst einmal hinten anzustellen und uns in Bälde in den Süden aufzumachen. Da ist die Luft hoffentlich besser, und es geht endlich mal ans Meer!
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  • Das Fest der Lichter

    12. november 2023, Indien ⋅ 🌙 24 °C

    Diwali war einer der Gründe, warum wir als nächstes Ziel Varanasi ausgewählt hatten. Das Neujahrsfest der Hindus versprach, hier besonders stimmungsvoll zu sein. Diwali wird auch Lichterfest genannt, und es wird der Triumph des Lichts über die Dunkelheit und des Guten über das Böse gefeiert. Wir hatten uns für das Fest mit drei Isrealis verabredet, die wir in Dharamshala im Meditationszentrum kennengelernt hatten. Das war nach der vielen Zweisamkeit mal richtig schön.

    Ich hatte ehrlich gesagt etwas Bammel vor großen Menschenmassen, viel Geböller und extremen Sinneseindrücken aller Art (von Fekaliengeruch bis hin zum Anblick brennender Leichen). Varanasi sei laut Lonely Planet nichts für „Zartbesaitete“ (TW: Falls ihr zu diesen zählt, könntet ihr den mit TW markierten Absatz dieses Beitrags überspringen). Wie sollte es also dann noch an Diwali sein?

    Der Tag begann um 4.30 Uhr mit einer Sunrise-Bootstour. Den Sunrise hat man aufgrund des Smogs nicht so richtig gesehen, aber irgendwann hat sich die Sonne doch durchgesetzt. Und wir hatten das seltene Glück, einen Delfin zu sehen. Das war schon mal ein guter Start in den Tag.

    Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf ging es abends dann zur Ganga-Aarti-Zeremonie an einem der Hauptghats (Ghats werden hier die Ufertreppen genannt. Es gibt über 80, die sich über mehrere Kilometer strecken). Nach den überraschend ruhigen vorherigen Tagen versammelten sich hier nun viele indische Familien gemischt mit Touris, die vom Land sowie vom Wasser aus die Zeremonie bestaunen wollten. Die Stimmung war schon besonders, und gleichzeitig war es nicht zu voll.

    TW: Ich dachte schon, ich sei nochmal glimpflich davon gekommen. Doch weit gefehlt. Unsere Gruppe entschied sich zu meinem Leidwesen dafür, zu dem Haupt-Leichenverbrennungs-Ghat zu gehen und ein paar Verbrennungsritualen beizuwohnen. Das war natürlich schon auch spannend, muss ich zugeben. Und es ist schwer möglich, nicht in die Diskussion darüber einzusteigen, welche brennenden Leichenteile man im Feuer erkennen kann. Mehrere Minuten lang starrten wir gebannt auf einen brennenden Kopf.

    Richtig schlimm fand ich die wirklich ohrenbetäubenden Böllereien direkt neben den Leichenverbrennungen, die von Druckwellen begleitet waren, die schon krass waren. Irgendwann war ich dann fix und fertig und Rolf ist mit mir zurück ins Guest House gefahren. Auf dem Weg wären mir neben zahlreichen Böllern um ein Haar eine brennende Zeitung auf den Kopf gefallen. Selbst im Bett hatten wir noch mehrere Stunden den Eindruck, in einem Bombenhagel zu stecken.

    Ich bin wirklich froh, dass wir alles unbeschadet überstanden haben und verbuche Diwali als Erfolg. Und ich freue mich aufs nächste Ziel, das Varanasi in Sachen Spiritualität um nichts nachstehen, aber deutlich idyllischer sein soll.
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  • Unterm Feigenbaum

    14. november 2023, Indien ⋅ ☀️ 28 °C

    Wusstet ihr, dass der Bodhibaum, unter dem Buddha die Erleuchtung erlangt hat, ein Feigenbaum ist? Wir bis heute nicht. Ebenso wenig, dass der Originalbaum wegen der eifersüchtigen Ehefrau des Kaisers Ashoka nicht mehr in Bodhgaya - wo Buddhas Erleuchtung war - steht. Diese fand es nämlich doof, dass ihr Mann sich mehr um den Baum sorgte als um sie, und vergiftete ihn deshalb (den Baum, nicht den Kaiser 😬). Glücklicherweise wurde ein Trieb nach Sri Lanka und später wieder zurück nach Bodhgaya gebracht, wo diesen Baumenkel heute Pilger*innen aus aller Welt bestaunen können.

    Der Tempelkomplex um den Baum(enkel) ist schon ein spiritueller Ort mit besonderer Atmosphäre. Mönche aller buddhistischen Traditionen versammeln sich hier nebst Pilger*innen und Touris, machen unzählige Verbeugungen und meditieren. Abends wird alles sehr stimmungsvoll angestrahlt, und die ständig wiederholten Mantras der Pilger erfüllen die Luft. Beeindruckend.

    Neben der Haupttempelanlage haben sämtliche buddhistische Traditionen ihre eigenen Tempel in Bodhgaya errichtet… die wir alle besucht haben. 😁 Da Bodhgaya mehr Dorf als Stadt ist, war das eine recht entspannte Angelegenheit. Uns hat das nach dem Trubel in Varanasi jedenfalls sehr gut getan.

    Gut getan hat auch die ruhige, schöne und saubere Unterkunft und die etwas bessere (aber immer noch sehr schlechte) Luft. Morgen geht es jedenfalls in den Süden, ans Meer!
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  • Bunt, bunter, Indien

    18. november 2023, Indien ⋅ ☀️ 29 °C

    Anderthalb Monate sind wir schon unterwegs! Zeit für ein paar Reflektionen über das bisher Gesehene. Das bietet sich auch deshalb an, weil wir für mindestens eine Woche nach Goa ans Meer gefahren sind und nun Zeit und Muße haben, die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Also macht Euch auf einen - sehr - viel längeren und weniger touristischen Footprint gefasst - einer für unsere Zeit in Goa kommt dann in ein paar Tagen.

    Ihr wisst ja, dass wir die gesamte Zeit im indischen Norden verbracht haben. Natürlich ist das ungefähr so, als würde man sagen, die ganze Zeit im nördlichen Europa gewesen zu sein: London und Norwegen und München und Finnland und Amsterdam und Irland sind ja auch nur schwer unter einen Hut zu bringen.

    Ein paar Gemeinsamkeiten gibt es aber dann doch. Als erstes die Menschen: Ganz egal, ob in Ladakh oder Kashmir oder Amritsar oder Varanasi, die Inder sind durchgehend enorm freundlich und höflich und lieb zu uns. Und neugierig! Wir werden ständig auf der Straße angesprochen, und das Gespräch läuft fast immer nach genau demselben Schema ab, oft wörtlich identisch:

    "Hello, how are you?"
    "Fine, thank you!"
    "Where are you from?"
    "From Germany."
    Optional: "Guten Tag!", aber immer auch: "What's your name?"
    "I'm Annie!"
    "Anja?"
    "Good enough..." - "...and I'm Rolf!"
    "Ölf?"
    "Yeah, sort of..."
    Optional: "Can I/we take a picture?"
    "Sure, go ahead."
    "Thank you! Bye bye!"
    "Goodbye!"

    Wir kommen uns ein bisschen vor wie in einem Computerspiel, in dem alle NPCs dieselbe geskriptete Standardinteraktion haben. Und an Hot Spots wie in großen Städten oder vor berühmten Tempeln müssen wir irgendwann freundlich, aber bestimmt "No, thank you" sagen, sonst stehen wir den ganzen Tag als Fotomodell bereit. Oder jedenfalls stünde Annie als Fotomodell bereit: In 100% der Fälle wird sie gefragt, ob man sie fotografieren darf, nicht ich. Oh well...

    Angesprochen werden wir auch von fast jedem Tuk Tuk-Fahrer, Verkäufer, und natürlich Bettler. Aus Sicht dieser Gruppen sind wir so eine Art wandelnde Geldbörse. Irgendwie verständlich, und ein höfliches, aber bestimmtes "No, thank you" hilft fast immer sofort, außer bei den Bettlern an den Hot Spots. Da können wir uns darauf einstellen, dass besonders die Kinder oft eine Minute neben uns herlaufen und (allerdings sehr sanft) an unseren Armen oder T-Shirts ziehen. Wir sind irgendwann dazu übergegangen, dass Annie immer ein paar 10-Rupien-Scheine (ca. 1 Rupie = 1 Cent) lose in der Hosentasche hat, um sie dann zu verteilen. Das hilft dann meistens, außer wir sind an Stellen mit Dutzenden von Bettlern auf einmal.

    Es ist übrigens gar nicht so einfach, an 10-Rupien-Scheine heranzukommen. Die meisten Tuk Tuk-Fahrer und Restaurants haben kein Wechselgeld. Wir können dann entweder darauf warten (es wird immer versucht, irgendwo in der Umgebung zu wechseln) oder mindestens einen Teil des Rückgelds als Trinkgeld verbuchen. Dann wird es aber natürlich schwierig mit den Bettlern. Glücklicherweise haben wir irgendwann gemerkt, dass "Supermärkte" (sprich: winzigste Tante-Emma-Läden) oft Wechselgeld haben und sorgen inzwischen auf diese Art vor.

    Die Inder selbst zahlen oft kleinste Centbeträge per Smartphone (das ausnahmslos jeder hat). Leider ist es uns ohne indische Kreditkarte unmöglich, uns bei den entsprechenden Apps zu registrieren. Und indische Kreditkarten kriegen wir natürlich nur mit einem Konto bei einer indischen Bank, und dafür wiederum brauchen wir eine indische Adresse und ein anderes Visum. Dasselbe Problem haben wir bei vielen indischen Bus-, Zug-, Taxi- usw. Apps. Accounts erstellen geht immer, aber im letzten Schritt, dem Bezahlen, scheitern wir oft selbst nach Eingabe aller vier verschiedenen Karten. Nicht einmal Paypal (wird nie angeboten) oder Amazon Pay oder Google Pay funktionieren, obwohl die in Europa mit meinen Karten gut klarkommen.

    "Dann also Bargeld", denkt man. Hah, weit gefehlt! Auch an Bargeld muss man zunächst kommen. Es gibt zwar Bankautomaten wie Sand am Meer, aber erstens sind sie immer auf 10.000 Rupien (~100 Euro) beschränkt, und zweitens funktionieren bei den allermeisten unsere Karten nicht. Nur gut, dass wir vier verschiedene haben: Annies ING-Karte funktioniert mit Abstand am häufigsten.

    Wir vermuten, das sind alles Ergebnisse der überbordenden indischen Bürokratie. Nach allem, was wir lesen und hören, ist sie insgesamt in den letzten zehn Jahren deutlich besser geworden - nur Geldbewegungen werden von der Regierung immer schärfer überwacht. Wir haben den Eindruck, die Regierung wüsste am liebsten über jeden einzelnen Kauf Bescheid.

    Und über jede unserer Bewegungen! An jeder Unterkunft, ausnahmslos, müssen wir ca. 20 Fragen beantworten zu Woher, Wohin, Wer, Warum, Wann, Visum- und Passnummer, -Ausstellungs- und -Gültigkeitsdatum etc etc. Wir haben nicht den Eindruck, diese Datensammelwut erfülle irgendeinen Zweck; es ist wahrscheinlich ein bisschen wie bei der Stasi, wo erst einmal alles gesammelt wird und 99,9% davon dann in irgendwelchen Datenbanken verstaubt.

    Trotz Bürokratie fühlt sich das ganze Land enorm dynamisch an - vielleicht ist an besagtem Bürokratieabbau ja doch etwas dran, und wir kriegen nur die Reste (oder die "Antiterror"-maßnahmen) mit. Indien ist - immer noch - sehr arm, aber die Wertschöpfung pro Kopf hat sich in den letzten 20 Jahren verfünffacht (!!! - und in den 20 davor verdoppelt, und davor verdreifacht). Alles natürlich von einer ganz ungeheuer niedrigen Basis aus, aber das bedeutet trotzdem, dass die Masse der Bevölkerung den Sprung von "lebensbedrohlich unterernährt" zu "(nur noch) sehr arm" geschafft hat.

    Und das sieht man! Selbst im Vergleich zu meinem (kurzen) Besuch vor fünf Jahren sind die Straßen viel besser, es gibt viel weniger Menschen ohne Kleidung, bisher hat sich noch niemand direkt auf der Straße entleert, und viel mehr Menschen haben Roller und Hemd statt bloßem Oberkörper und Fahrrad. Das mobile Internet ist im ganzen Land, nicht nur in den Städten, deutlich besser als in Deutschland. Und es liegt ein ganz anderer Optimismus in der Luft. Bisher haben ausnahmslos alle Inder, mit denen wir darüber gesprochen haben, eindeutig gesagt, dass es die letzten 10 Jahre rapide aufwärts ging. Nicht einmal hören wir das ewige "früher war alles besser/alles geht den Bach runter" wie in Deutschland.

    Natürlich waren die letzten 10 Jahre die der Regierung Narendra Modi. Dessen Bild sehen wir zwar nicht ganz an jeder Straßenecke, aber vielleicht an jeder dritten. Man stelle sich das mit Olaf oder Angie vor - schrecklich! Es ist auch zweifellos wahr, dass Modi autoritäre Tendenzen zeigt (der Chef der Opposition, Rahul Gandhi, war vor wenigen Wochen für ein paar Tage im Gefängnis...) und die Medien berichten über die Regierung weniger in kritischem als eher in hagiographischem Ton. Trotzdem ist nach unserer inoffiziellen Umfrage klar, dass die Regierung auch eine völlig freie und faire Wahl hoch gewinnen würde (so wie die letzten auch, die allgemein als frei und fair gelten). Wir können nur hoffen, dass die Demokratie auch die nächste(n) Wahl(en) übersteht und Indien nicht auf den Weg Chinas abrutscht. Als wir in Ladakh waren, war jedenfalls gerade Wahl, und dort hat die Opposition hoch gewonnen (wohl weil die Regierung vor vier Jahren die lokale Autonomie beschränkt hatte und dafür jetzt die Quittung bekam).

    All das Wachstum hat natürlich auch Schattenseiten. Indien ist das mit weitem Abstand schmutzigste Land, das wir je gesehen haben. Das Land ist *dreckig*. Müll aller Art wird einfach auf die Straße geworfen, und dort bleibt er dann. Der Schmutz ist auf einem ganz anderen Level als in anderen, als verdreckt geltenden, Ländern. An manchen Stellen, z.B. Flughäfen, hängen große Plakate, "single use plastic free airport", aber das wirkt wie ein schlechter Witz. Auf den Straßen müssen wir ununterbrochen auf den Boden schauen - entweder Müll oder Kuhmist oder Hundekot oder andere undefinierbare Ausscheidungen liegen überall herum. Zusammen mit dem unglaublichen Gewusel - wir bekommen schnell ein Gefühl dafür, was "1,4 Milliarden Inder" eigentlich heisst: es ist, als wären wir ohne Pause auf dem Heidelberger Herbst - und dem Lärm und Gestank und der grellen Buntheit sind die Städte ein Dauerangriff auf alle Sinne. Besonders Annie hat damit zu kämpfen, aber nach ein paar Wochen geht es auch mir langsam auf den Geist.

    Was natürlich nicht heißt, dass das ganze Chaos nicht auch inspirierend und belebend wirken kann! Wie viele Farben uns auf einer durchschnittlichen indischen Straße (von den Basaren ganz zu schweigen) anblinken, ist phänomenal. Die Inder lieben es bunt, und wir freuen uns jeden Tag daran. Mit dunklen Herbstfarben, wie viele Menschen in Deutschland sie tragen, sehen wir hier nur sehr wenige Leute. Gleiches gilt für die Gerüche - ein Straßenstand reiht sich an den nächsten, und die meisten sehen verlockend aus und riechen auch so. Wir gehen schweren Herzens fast immer vorbei - die Erfahrung aus Amritsar hat uns vorsichtig werden lassen.

    Mitten im Chaos sind die Tiere: Hunde, Affen und natürlich die heiligen Kühe. Kühe stehen meist völlig unbeweglich auf irgendeiner Straße, gerne auch auf großen Hauptstraßen, herum, während links und rechts Tuc Tucs zentimeternah und laut hupend vorbeirasen. Oder man sieht sie auf einem Müllberg irgendwelches Plastik fressen. Wovon sie eigentlich leben und wieso man sie eher in Städten als auf dem Land sieht, ist völlig unklar. Vermutlich fallen bei all den Menschen in den Müllbergen dann doch genügend Essensreste an.

    À propos Verkehr: Der ist auch auf einem ganz anderen Level. Selbst hochgradig chaotische Regionen wie Sizilien oder Marokkko oder sogar Istanbul sind gegen indische Städte gesittet. Die einzige Regel scheint zu sein, niemanden anzufahren (was in fast allen Fällen auch klappt). Anders gesagt, wenn jemand überholt und Gegenverkehr kommt, wird so lange gehupt, bis der Gegenverkehr bremst oder ausweicht. Oder wenn jemand überholt und dann den überholten schneidet, muss letzterer bremsen, um nicht in den Überholer zu fahren. Gehupt wird dabei andauernd; bevor man die Kakophonie selbst erlebt hat, ist das Ausmaß schwer vorstellbar. Auf den meisten Fahrzeugen steht hinten "Horn please" oder "Blow Horn", damit der vordere Fahrer auf den unvermeidlichen Überholversuch des hinteren aufmerksam gemacht wird. Es ist ein reines Wunder, dass nicht innerhalb von fünf Minuten alle ineinanderkrachen. Wir lernen schnell, die haarsträubendsten Verkehrssituationen gelassen zu ertragen - es bleibt uns eh nichts anderes übrig, und im Unfallsfall werden wir ja wiedergeboren ;-)

    Der ganze Verkehr und die hauptsächlich auf Kohle basierende Energieerzeugung und die offenbar ohne Filter arbeitende Industrie sorgen dann für eine alles andere als gesunde Luft. Die Feinstaubbelastung ist hoch genug, dass man nicht sehr weit sehen kann - und sie betrifft fast das ganze Land (hier in Goa ist es besser, aber auch weit jenseits aller europäischen Grenzwerte. Und im Himalaya war die Luft klar). Ein Stück weit ist es so, dass die Inder vor der Wahl "Hunger und Armut" und "Müll und schlechte Luft" standen und sich ganz eindeutig für die zweite Variante entschieden haben.

    Man kann nur hoffen, dass es mit weiter steigendem Reichtum irgendwann besser wird. In manchen Städten sind schon die Hälfte aller Tuk Tuks elektrisch (!), und fast alle unserer Unterkünfe haben Solarkollektoren auf dem Dach. Für diese Theorie spricht, dass es in Goa, dem reichsten indischen Bundesstaat, sehr viel sauberer und gesitteter zugeht als im gesamten Norden - und insbesondere als im ärmsten Bundesstaat, Bihar, aus dem wir hergeflogen sind. Der Kontrast ist heftig - so stark, dass Goa sich fast nicht mehr wie Indien anfühlt. "Reich" und "arm" sind aber auch extrem: Wenn die Menschen in Meck-Pomm 10.000€ im Jahr verdienten und die in Bayern 100.000€, wäre das Verhältnis ähnlich - die echten indischen Werte sind 600€ (im Jahr, im Durchschnitt, d.h. die meisten haben deutlich weniger!) in Bihar, 6.000€ in Goa. Kein Wunder, dass Goa sich eine Müllsammlung leistet und Bihar anscheinend nicht.

    Nach all der Ökonomie ein paar Worte zur Religion und Kultur: Die meisten Inder sind natürlich Hindus. Aber die vier Regionen/Städte im dritten Absatz (ja, ja. Vor drei Lesestunden ;-) ) sind nacheinander mehrheitlich buddhistisch, muslimisch, sikhisch und hinduistisch geprägt (und Goa ist katholisch "dank" der Portugiesen!). Für so ein buntes Gemisch geht es erstaunlich friedfertig zu. Der Grundsatz scheint, ähnlich wie im Verkehr und im persönlichen Umgang, Gewaltfreiheit zu sein. Das funktioniert lange nicht immer: Im Zuge der Teilung Britisch-Indiens in indien und Pakistan gab es viele Tote, Kaschmir ist ein Brennpunkt, in Amritsar hat die Armee in den 80ern den Goldenen Tempel gestürmt, und die aktuelle Regierung ist ganz klar hindu-nationalistisch. Aber für so viel Mischmasch läuft es eigentlich ganz gut.

    In den Städten stehen jedenfalls die Hindutempel nebst Moscheen und die Gurudwars der Sikhs nebst buddhistischen Gompas. Das ist schon beeindruckend. Gleiches gilt für die religiösen Symbole: Selbst die Swastika (das Hakenkreuz: hier ist es ein jahrtausendealtes Glückssymbol, und die Inder denken gar nicht daran, sich das von den Nazis vermiesen zu lassen) fällt uns irgendwann kaum noch auf.

    Indien schafft uns! Und bringt uns an unsere Grenzen. Aber gleichzeitig ist es auch unheimlich vielfältig und spannend und schön. Und die Inder muss man einfach lieben. Wir erholen uns jetzt erst einmal für ein paar Tage am Strand (mit der nächsten Durchfallerkrankung meinerseits) - und wo es danach hingeht, sehen wir dann!
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  • Liebe Grüße aus Mallorca

    21. november 2023, Indien ⋅ ☀️ 33 °C

    In Goa zu sein fühlt sich tatsächlich relativ ähnlich an wie ein „normaler“ Sommerurlaub, wie er z.B. auf Mallorca stattfinden könnte. Nur Kühe wären auf Mallorca wohl eher nicht am Strand zu finden.
    Wir lassen es uns hier jedenfalls gut gehen, wohnen in einer netten Hütte in einer Art Resort, sind jeden Tag am (sauberen) Strand zu finden, essen leckere fototaugliche Smoothie-Bowls oder auch Meeresfrüchte und lassen die Seele baumeln. Sogar den ein oder anderen Cocktail genehmigen wir uns (in Nordindien gab es sowas wie Alkohol nicht!), mit Glück in einer Bar mit Live Musik. Auch toll ist, dass die Luft jeden Tag besser wird und wir mit einer immer klarer werdenden Sicht belohnt werden.

    Palolem Beach, an dem wir wohnen, ist eine wunderbare Kombination aus langem Sandstrand mit klarem, ruhigen Wasser, nicht zu vielen Menschen, aber doch einigen Restaurants direkt am Strand, die wir nacheinander durchtesten. Wobei wir fürs Frühstück unser Lieblingsrestaurant gefunden haben und diese kleine Routine genießen. Auf Reisen täglich so viele (wenn auch kleine) Entscheidungen zu treffen, kann nämlich auch mal anstrengend sein. Nicht umsonst wirbt der ein oder andere Life-Coach für die Etablierung von Routinen, um mehr Energie für das „Wichtige“ im Leben frei zu haben ;)

    Wie lange Goa für Europäer:innen noch so ein schönes ruhiges Reiseziel darstellt, ist für uns ein bisschen ungewiss. Denn Goa als Urlaubsdomizil ist auch bei den Inder:innen sehr beliebt, und jedes Jahr wird die Anzahl derer größer, die sich einen Urlaub hier leisten können. In Varanasi haben wir jedenfalls mit anderen Reisenden gesprochen, die schon mal vor 10, 20 Jahren dort waren und von viel mehr indischen Besucher:innen und einer größeren Kommerzialisierung im Vergleich zu früher berichteten.

    Heute Abend geht es für uns zurück in die indische Realität. Wir begeben uns in einen weiteren Nachtbus. Immerhin haben wir ein Doppelbett ganz vorne im Bus und sparen eine Übernachtung im Hotel. Und wir freuen uns auf unser nächstes Ziel, das uns wieder in die Spiritualität und Geschichte Indiens einzutauchen versprechen lässt.
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  • Am Petersdom

    22. november 2023, Indien ⋅ ⛅ 35 °C

    Wie ihr sehen könnt, sind wir reumütig in den Schoß von Mutter Kirche zurückgekehrt.

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    Haha, reingelegt! 🤓 Ähem. In Wahrheit haben wir nur einen Ausflug nach Europa gemacht. Oder jedenfalls in das, was dem alten Kontinent in Indien am nächsten kommt: Alt-Goa.

    Das ist die erste von Europäern eroberte Stadt Indiens - und da Vasco da Gama, der 1498 den Seeweg nach Indien entdeckte, Portugiese war, von Portugiesen. Und kurz nach 1500 waren diese noch viel katholischer als heute und haben hier nicht nur jede Menge barocker Kirchen hingestellt, sondern auch wie wild missioniert.

    Damals war Alt-Goa noch nur Goa (ohne "Alt") und eine blühende und durch den Handel sehr reiche Stadt. Ziemlich bald ging es aber mit Portugal bergab, und nach diversen Malaria- und Choleraepidemien wurde die Stadt aufgegeben. Weshalb wir heute sehr stimmungsvolle, große, prächtige und gleichzeitig halb oder ganz zerfallene, vom Dschungel überwucherte, neben Palmen völlig deplatziert wirkende Kirchen bewundern können. Was bei fast 100% Luftfeuchtigkeit und 35°C nicht nur aus kulturellen, sondern auch aus klimatischen Gründen seine Reize hat, denn in den Kirchen ist es deutlich kühler.

    Zwei Dutzend große Kirchen sind aber trotz Kühle im Inneren recht anstrengend. Ob wir die 2h hin und 2h zurück dafür nochmal aufwenden würden, ist fraglich. Immerhin haben wir danach noch einen letzten Strandtag, bevor wir unsere Zeit in Goa mit frisch gefischten Hummer und Tintenfisch gebührend beschließen.
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