Doris Jäger
Bis 2022 selbständige Ärztin in Halle. Facharzt für Pneumologie, Schlafmedizin, innere medizin Read more🇩🇪Deutschland
  • 2 Tage auf Guadeloupe unterwegs…

    March 19, 2024 in Guadeloupe ⋅ ☀️ 29 °C

    Einen Leihwagen auf Guadeloupe zu bekommen gestaltet sich schwieriger als gedacht… Man hätte sich ein paar Tage früher drum kümmern müssen. Die Anbieter konzentrieren sich auf die Hauptstadt Pointe-a-Pitre und verlangen Zusatzgebühren, wenn der Wagen z.B. an die Ostküste gebracht werden soll. Aber trotzdem ist alles ausgebucht. Als wir es schon beinahe aufgegeben haben entdeckt Uwe einen Werbeaushang am Carrefour Markt in Bouillante, offenbar ein ganz lokaler Verleih, nicht sonst im Internet zu finden. Manuelle von „rent a car in Malendure“ verspricht uns ein Auto schon für übermorgen, 80,- Euro für 2 Tage. Und es läuft wirklich alles problemlos, Rückgabe flexibel, da sie ganz in der Nähe wohnt. Sehr zu empfehlen (Tel.:+33618242891).
    Da Guadeloupe ein fast europäisches Niveau hat an Einkaufsmöglichkeiten fahren wir zuerst zu einem netten Tauchshop im Städtchen, um einen neuen Anzug für mich zu kaufen. Auch eine neue Taucherbrille mit Schnorchel (bei der alten war die Halterung abgebrochen) und 2 Ersatzteile für unsere Atemregler bekommen wir tatsächlich dort. Guter Start in den Tag!
    Zur Besichtigung haben wir uns das äußerste Kap im Westen der Schmetterlingsinsel ausgesucht, den „Pointe des Châteaux“. Danach soll es noch zur altehrwürdigen Rumdestillerie Damoiseau gehen.
    Bis wir zum ersten Aussichtspunkt kommen, dauert es allerdings noch…. Wir holen im Baumarkt zwei Haltegriffe für die Abgänge zu den Schlafbereichen und einiges mehr. Ein kurzer Stopp im Bioladen bringt uns 3 Päckchen Cocktailtomaten ein. So ganz können wir uns noch nicht daran gewöhnen, ohne diese zum Frühstück auszukommen. Im Supermarkt gibt es sonst gar keine oder nur minderwertige überreife Tomaten in der Kühlung.
    Nach einer Kaffee- und Kuchenpause auf dem letzten Wegstück bringt uns ein halbstündiger Fußweg ganz vor zum Kap und zum Aussichtspunkt der „3 Kolibris“. Die Aussicht lohnt den kurzen Aufstieg trotz Hitze auf jeden Fall.
    Um noch vor der Schließung zur Destille zu kommen geben wir Gas. Diese Rumbrennerei enttäuscht uns allerdings komplett! Wir können frei über das Gelände laufen, von Führung keine Spur. Alles etwas heruntergekommen. Es wird zwar Zuckerrohr gerade auf dem Fließband zerkleinert, aber beim genauen Ansehen der Maschinen möchte man hier lieber keine Flasche Rum kaufen. Der Stern dieser Traditionsfabrik ist schon stark am Sinken.
    Wir fahren rasch weiter und schaffen es noch in einen großen Laden für Bürozubehör: Unser Druckerpapier geht bedrohlich zur Neige…. Bingo, das klappt auch!
    Auf dem Rückweg zu unserer Ankerbucht kehren wir in einer kleinen Pizzeria am Strassenrand ein (La Pate a Pizza). Sie ist wahrlich eine Entdeckung, ausgehungert wie wir sind hätten wir es schwerlich bis zum Boot geschafft. Eine Offenbarung ist auch das vom Fass gezapfte belgische Bier „Affligem a Fruits Rouge“. Erinnert etwas an Berliner Weisse, nur etwas weniger süß. Ich verrate es schon jetzt: auch am nächsten Abend essen wir hier. 28,- Euro komplett für 2 Personen ist doch prima.
    Das Inselhighlight hält allerdings der nächste Tag bereit: Die „Cascades Paradis“ im Bereich der Habitation de la Griveliere. Die Habilitation selbst ist allerdings verlassen. Beinahe wäre der Wanderplan allerdings noch geplatzt: Auf den letzten 1,5 km der engen steilen Strasse zu unserem Startpunkt sind Strassenarbeiten am Laufen und eine Teermaschine ist unterwegs, die 85 % der Strassenbreite einnimmt, sowie 2 etwas kleinere Walzen. Wir parken kurzerhand seitlich der Strasse, müssen jetzt allerdings 1,5 km mehr die einfache Strecke gehen, und das die Strasse meist bergauf. Ein Stück nach Abgang von der Strasse endet der planierte Weg am Fluss auch noch und ist mit Gittern und Straßenmaschinen abgesperrt. Wir halten uns aber nicht an die Absperrung sondern an unsere Wanderapp. Sie führt uns jetzt hier durch den Fluß, ich barfuß, da ich nur Turnschuhe dabeihabe. Irgendwie geht es, und die zweiten eineinhalb Stunden des Hinweges zu den Kaskaden mit Schwimmbassin davor geht es teilweise auf Waldpfaden, teilweise über sehr große runde Steine balancierend den Fluß entlang. Man hält sich mit der Vorfreude auf das Baden aufrecht. Kurz vorm Ende steht nochmals eine Flußdurchquerung bevor, auf die sich meine Fußsohlen schon gefreut haben. Scherzhaft sage ich zu Uwe: „ Wie schön, dass wir auf einem Rundweg sind und nicht wieder zurück müssen!“ Ich kenne aber die Wegbeschreibung von der Wanderapp, es ist natürlich das Gegenteil der Fall. Endlich erreichen wir das Wasserbecken und die zwei Wasserkaskaden…. Und das Baden darin ist herrlich! Kein Mensch ist weit und breit und wir können uns mit dem Erfrischen und der kleinen Jause so richtig Zeit lassen. Leider hält die Erfrischung nicht über den ganzen Rückweg an, an dessen Ende ja noch die eineinhalb Kilometer jetzt frisch geteerte Strasse stehen. Sie dampft noch warm. Wie toll, ist uns doch inzwischen beim Gehen so kalt geworden bei 28 Grad Lufttemperatur 🤣.
    Trotzdem sind wir auf jeden Fall froh, diese „Nebenattraktion“ gewählt zu haben anstelle der Wasserfälle, die auch immer auf dem Programm der Kreuzfahrtschiffe stehen. Wenn man Pech hat läuft man hier im Gänsemarsch vom Parkplatz zur Wasserattraktion.
    Danach folgt ein Abstecher nach Basse Terre zum Ausklarieren. Das Hafenbüro wo der PC steht hat aber Mittwoch nachmittags geschlossen. Ein Mitarbeiter, der uns vor der Tür ratlos stehen sieht, lässt uns aber gnädig rein und aktiviert den PC nochmal. Die Menschen hier sind richtig nett!
    Eine andere Rumdestillerie, die von „Papa Rouyo“, schaffen wir noch kurz vor Schließung, natürlich haben die Leiter der Führungen längst Feierabend …. Wie hat es auch anders sein können. Irgendwie haben wir bisher kein Glück mit den Destillen gehabt, und wissen immer noch nicht Recht, wie der Rum entsteht….. 😏. Trotzdem darf man sich am Geschmack des Ergebnisses doch erfreuen, oder?
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  • Guadeloupe - Tauchen

    March 15, 2024 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 27 °C

    Nach einer entspannten Überfahrt von Terre-de-Haut sind wir zielstrebig die Westküste von Guadeloupe entlang zum Naturreservat Jaques Cousteau gesegelt. Dort wollen wir das erste Mal in der Karibik alleine Tauchen, alleine, d.h. ohne zu einer Tauchbasis zu gehen und dann natürlich auch ohne Tauchguide. Den Kompressor zum Füllen der Tauchtanks mit Pressluft haben wir dabei.
    Das Tauchgebiet um die Insel „Îslet de Pigeon“ wurde tatsächlich vor Jahrzehnten von dem Meeresforscher und durch seine bekannten Unterwasserfilme auch Förderer des Freizeittauchens weltweit, Jaques Custeau, entdeckt.
    Weiträumig besteht um das Inselchen Ankerverbot (Anker demolieren Korallen) und wir halten uns beim Ankerwerfen strikt an diese Ausschlusskriterien.
    Der erste Landgang ist uns zunächst nicht so wichtig. Am nächsten Vormittag steht nämlich unser „Checkdive“ an. So machen es die Tauchbasen weltweit mit neuangekommenen Sporttauchern, um sie bezüglich ihrer Fertigkeiten und Fitness einzuordnen. So machen wir es mit uns selbst nach einer Tauchpause seit März 2023. Wir haben uns neue 7 Liter Tauchflaschen gekauft und unsere Atemregler (das technische Herzstück des Tauchens mit Pressluft) sind revisioniert.
    Um das Taubeninselchen herum soll es laut Nutzer-Angaben in der sehr informativen Seglerapp „Navily“ 2 weiße Bojen für Privattaucher geben. Die rosanen sind für die „professionals“ reserviert.
    Das Zusammenbauen der gesamten Ausrüstung an Bord sowie das Verbringen all des Zubehörs in unser Dinghi ist eine kleine Herausforderung… aber von Uwe super gemeistert. Was fehlt noch beim Ceck? richtig, die Tauchcomputer sind noch nicht da. Sie zeigen dem Taucher stets die Tauchtiefe, seine Tauchzeit sowie die Notwendigkeit von Deko-Stopps beim Auftauchen an, um den im Körper angesammelten Stickstoff loszuwerden. Sie werden noch aus der Schublade geholt.
    Leider zeigt sich beim Auspacken meines seit Jahren nicht benutzten 3mm-Tauchanzuges, dass er sich an einem Fuß und am Kragen in seine Bestandteile aufgelöst hat. Na toll. geht aber vorerst noch zu benutzen…
    Wir finden eine weiße Boje und machen unser Dinghi fest. Ich ziehe zuerst die gesamte Ausrüstung an und mache die Rückwärtsrolle ins Wasser. Uwe kommt gleich nach. Alles funktioniert, bis auf meine Taucherbrille: wohl nach dem Präparieren mit Spüli zu lange ausgespült: sie beschlägt unentwegt, und ich sehe beim 1. Tauchgang so gut wie nichts…. halt, doch, ich entdecke die zu Cousteaus Ehren gefertigte und im Sand in etwa 8 m Tiefe aufgestellte Büste des Meisters. Ein paar Photos später geht es wieder nach oben. Checkdive bestanden…😉.
    Am nächsten Tag die Steigerung: Die Unterwasser Scooter wollen endlich getestet werden. Auf 16% Leistung eingestellt wird man bei kaum Strömung ausreichend vorwärtsbewegt. Uwe ist zufrieden mit dem Test und steckt sich den „Torpedo“, wie ich die Dinger gern nenne, vorne ins Jacket mit rein. Bei mir ist jedoch keine solche Hilfsschlaufe vorbereitet, so dass ich meinen Scooter die ganze Zeit waagrecht festhalte. Trotz des Auftriebes ist der Scooter immer noch gewichtig. Nach unten hängen lassen ist auch schlecht, kann man ja Korallen beschädigen. Am Ende dieses Tauchganges bin ich auch ziemlich erschöpft. Aber immerhin, die Sicht war heute gut, tropische Fische zuhauf, leider keine Schildkröten.
    Am besten gefällt uns der dritte Tauchtag: wir starten heute von der weißen Boje hinter dem Inselchen. Es ist relativ wenig Betrieb, nur ein Glasbodenboot dreht seine Kreise und entlässt gelegentlich Schnorchler ins Wasser. Das Riff beginnt hier 2 Meter unter der Oberfläche, so bekommen auch die Schnorchler viel zu sehen.
    Die Scooter haben wir heute nur im Standby, und auch meiner ist jetzt am Jacket „geparkt“. Bei recht guter Sicht genießen wir entspannt die Unterwasserwelt. Typisch für die Karibik sind bis mannshohe Schwämme, die gel. bewohnt sind. Die Korallen sind leider auch nicht in einwandfreiem Zustand. Nächstes Mal nehmen wir 2 Kameras und das Unterwasserlicht mit. Heute waren wir nur bis um 11 Meter tief, da reicht der Sonnenschein gut aus zum Photografieren.
    Was uns später stört, sind 3-4 Segelschiffe, die direkt im Reservat vor dem Inselchen ihren Anker werfen. Unerhört! Passt die Küstenwache nicht auf?? Das Gebiet ist in der Seekarte eindeutig als Sperrbereich gekennzeichnet. Irgendwann werden sie dann wohl zum Wegfahren aufgefordert, aber es dauert leider ziemlich lange. 😢
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  • Überfahrt von Dominica nach Guadeloupe

    March 14, 2024 in Guadeloupe ⋅ 🌙 27 °C

    Nach einigen ereignisreichen Tagen verlassen wir Dominica. Es ist noch eine sehr ursprüngliche Insel mit überaus netten Menschen. Da die Insel keinen Int. Flughafen hat, ist der Tourismus noch nicht sehr ausgeprägt. Gern wären wir länger geblieben, aber die Zeit drängt, da wir am 09.04. auf den BVIs sein müssen. So segeln wir am Morgen des 14.03. weiter Richtung Guadeloupe. Bereits um 8:30 heißt es Anker auf. Anfangs noch mit wenig Wind geht es nach Verlassen der Landabdeckung flott Richtung Port des Saintes voran. Um 13:00 Uhr sind wir schon in der Bucht von Terre-de-Haut. Wir können uns anfangs nicht entscheiden, ob wir eine Boje belegen oder den Anker werfen. Wir entscheiden uns für den Anker. Wir bekommen gleich guten Halt in dem sandigen Boden. Nachdem ich den Anker kontrolliert habe, ruhen wir uns etwas aus und trinken anschließend Kaffee. Dann geht es zum Einklarieren an Land. Schnell ist das kleine Lokal mit dem Computer gefunden. Es läuft alles reibungslos ab.
    Zum Abendessen haben wir in einem Restaurant Plätze reserviert. Leider habe ich mich aber bei der Wahl total verpeilt, da das Dinghidock in einer ganz anderen Richtung zu finden ist. Da ich mein Telefon an Bord vergessen habe, fahren wir noch einmal zum Boot und versuchen etwas näher am Lokal einen Platz für das Dinghi zu finden. dies gelingt uns auch, ein kleiner Fußmarsch bleibt uns dennoch nicht erspart. Es lohnt sich aber. Die Tapasbar Les Balancoires hat einen tollen Ausblick und das Essen schmeckt wirklich gut. Der Nachtisch ist der Hammer. Doris genießt ein Tiramisu und ich ein Pana Cotta, sehr zu empfehlen.
    Am nächsten Tag geht es gleich weiter Richtung Bouilliante auf die Hauptinsel Guadeloupe. Ziel ist das Reserve Cousteau. Bei gutem Wind starten wir um 8:40 und erreichen um 10:00 Uhr den Leuchturm von Vieux-Fort. Hinter der Insel ist mit einem Mal der Wind weg und ich muss den Motor starten. Nach einer Stunde meldet sich der Wind zurück, diesmal aber aus einer ganz anderen Richtung. Es ist der sogenannte Seewind. Er entsteht durch die Erwärmung des Landes (Insel) und weht von der See zum Land. So kommen wir noch gut voran, bis kurz vorm Ziel der Wind genau auf die Nase dreht. Gegen ein Uhr Mittags fällt der Anker und wir freuen uns schon auf Tauchgänge in dem Naturschutzgebiet rund um Pigeon Island.
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  • Wanderung durch den Dschungel

    March 12, 2024 in Dominica ⋅ ☀️ 28 °C

    Heute soll nun mal wieder etwas für die müden Knochen getan werden. Anja hat eine schöne Wanderung entlang des Indian River geplant, und ich habe mich gern dieser Exkursion angeschlossen. Start ist um acht Uhr, allerdings mit einer kleinen Verzögerung, da Nicks Schuhe nicht mehr so richtig wollen und er andere vom Boot holen muss. Das Ist nicht so schlimm, so lernen wir doch James Bond an der Tankstelle kennen: Ein netter Einheimischer, der uns fragt, ob wir aus Deutschland kommen. Er kennt ein paar Brocken unserer Sprache, und er sei hier als 007 bekannt. Und tatsächlich kommt eine Frau an die Tankstelle gefahren und spricht ihn mit James Bond an.
    Nick gesellt sich wieder zu uns und die Wanderung kann losgehen. Zuerst über einen Bauhof, wo es sehr merkwürdig riecht. Dann geht es rein in den Dschungel. Zuerst über einen Holzsteg und einen Sumpf. Tolle Gerüche und Klänge von Tieren betören unsere Sinne. Sattes Grün, kunstvolle Baumwurzeln und herrliche Blüten bekommen wir zu sehen. Bis zu der bekannten Bar am Indian River führt uns der Weg. Auch an dieser vorbei ist noch alles in Ordnung. Dann wird der Weg immer schwieriger, und bald ist er gar nicht mehr zu erkennen. Wir schlagen uns durchs Unterholz. Warum habe ich meine Machete nicht mitgenommen? Dann kommt plötzlich ein Fluß, wo gar keiner eingezeichnet ist. Ein Überqueren scheint zunächst unmöglich. Also wieder zurück und nächster Anlauf. Diesmal übernimmt Nick die Führung. Irgendwie kommen wir hier nicht ans Ziel, doch es fehlen laut GPS nur ca. 50 m bis zu einem größeren Weg. Schließlich entscheiden wir uns, eine Stelle am Fluss zu suchen, an der wir ihn überqueren können. Wir finden sie und waten vorsichtig hindurch, ich barfuß, da ich meine Turnschuhe ja ausziehen muss. Geschafft! Auf der anderen Seite geht es wieder durchs Gebüsch. Anja und Nick scheitern an einem Sumpf. Ich halte mich weiter links, erkenne einen Pfad und finde die Erlösung: Ein breiterer Weg, auf dem wir unsere Wanderung fortsetzen können. Frohen Mutes geht es voran, jetzt schon merklich bergauf. Mit einem Mal sprechen uns Einheimische an, dass wir auf dem falschen Weg seien. Dieser hier ende im Nirgendwo. Schon wieder verlaufen? Also wieder zurück. Tatsächlich haben wir eine Abzweigung verpasst und diese war sogar ausgeschildert. Von hier ist der Weg gut gekennzeichnet mit einer blau/gelben Markierung und Wegweiser gibt es auch hin und wieder. Es geht nun steil bergauf, teilweise ist es zudem sehr rutschig. Kurz bevor wir oben sind haben wir eine super Aussicht auf unsere Ankerbucht, und ein kleines Stück weiter erwartet uns eine Raststelle. War auch höchste Zeit, Nick hat schon ordentlich Kohldampf.
    Wir haben uns gut erholt und jetzt geht es weiter, nur noch 50 Höhenmeter nach oben und dann haben wir es geschafft. Leider gibt es keinen Ausblick mehr. Der Weg abwärts hat es dann wieder in sich. Einige Abschnitte sind mit Seilen gesichert, an denen wir uns festhalten können. Zum Glück sind sie oben an ordentlichen Bäumen befestigt, die unteren Befestigungen lassen machmal sehr zu wünschen übrig. Der Weg will nicht enden. Anja kann gar nicht glauben, dass wir so hoch gestiegen sind. Endlich sind wir unten. Ein Fluss lädt zum Baden ein, der Einstieg ist aber zu gefährlich. Wir verwerfen zur Enttäuschung von Nick vorerst die Idee. Beim Blick auf die Karte stellen wir fest, schon wieder verlaufen. Vor 200 m hätten wir einen anderen Pfad nehmen sollen, also wieder zurück. Der andere Weg entpuppt sich aber als unpassierbar. Wir haben uns unterwegs schon ordentlich die Beine mit rasiermesserscharfen Gräsern ( Raser Grass) aufgeschnitten. Hier wimmelt es nur so davon. Wir entscheiden uns daher ein Stück die Straße entlang zu laufen. Ein Weg leitet uns dann wieder zum Fluss hinunter, und hier kommt endlich die lang ersehnte Möglichkeit zum Bad. Eine schöne Verbreiterung des Flusses wie ein Pool lädt zur Erfrischung ein, die wir gern annehmen. Nachdem wir uns gut abgekühlt und Schweiß und Staub abgespült haben geht es weiter. Anfangs laufen wir durch wilde Bananenpflanzen mit herrlichen Blüten. Wir sehen einen schönen gepunkteten Leguan. Irgendwann wird der Weg breiter und es geht bequemer voran. Jetzt müssen wir uns entscheiden, wieder durch das Gebüsch von heute Morgen oder die Straße entlang? Wir entscheiden uns für die bequeme Variante, Dschungel haben wir heute schon genug gehabt. Nach 14 km und 380 Höhenmetern kommen wir geschafft, aber glücklich und um viele Eindrücke reicher am Boot an. Zur Belohnung gibt es Bananenkuchen zum Kaffee zusammen mit Anja und Nick auf unserem Boot. Vielen Dank DOMINICA für das spektakuläre Naturerlebnis! Ein DANKE auch an Anja und Nick für das Planen der Wanderung.
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  • Feuchter Empfang auf Dominica

    March 7, 2024 in Dominica ⋅ ☀️ 28 °C

    Den ersten Tag auf Dominica wollen wir es langsam angehen lassen… Auch die Schlechtwetterprophezeihung regt nicht gerade zu ausgedehnten Aktivitäten an. Aber Einklarieren müssen wir, und der Weg zum entsprechenden Steg wird schon feucht von oben. Aber immerhin, der Regen ist warm und die Umgebungstemperatur bleibt es auch. Da wir brav online schon unser „Seaclear“ Formular, das für die gesamte Karibik gilt, ausgefüllt und ausgedruckt dabeihaben, geht das aber rasch und problemlos im Customs Büro. Da wir uns hier wieder auf eine einheimische Währung einstellen müssen und diese noch nicht getauscht haben (Umrechnung zum Euro etwa 3:1) merken wir bald, dass uns beim Einsatz von Euros aber 2:1 abgeknöpft wird. Also auf zu einem anderen Steg, wo ATMs erreichbar sind. Nach einem erklecklichen Fußmarsch im jetzt heftigen Regen an einfachen aber bunten Häuschen von Einheimischen sowie Marktständchen mit Obst und Gemüse vorbei, müssen wir feststellen, dass keine unserer Kreditkarten den Automaten zum Ausspucken von Scheinen veranlasst. Mastercard geht gar nicht, was wir nicht wußten. Später liest Uwe in der Community, dass überhaupt nur ein Automat mit ausländischem Plastikgeld funktionieren soll. Also düsen wir zum Anleger an der Mündung des Indian River und versuchen unser Glück. Zu spät merken wir, dass wir eine Grenze von 1000 ostkaribischen Dollar nicht überschreiten dürfen. Da es nicht klappt bei uns, lassen wir mehrere andere Leute vor. Als wir beim wohl 30. Versuch endlich alles richtig machen, hat der Automat seine Geldreserven aufgebraucht. Wir fahren mit anderen VISA-Karten nochmals zu den ersten Automaten in den Ort, aber wir bekommen immer wieder die Anzeige - nachdem wir uns durch alle Eingaben gefummelt haben - „no smart card“. Was immer das bedeutet. Wir sind gefrustet.
    Glücklicherweise tauschen uns Anja und Nic von der Amani, die auch seit 2 Tagen hier sind, ein wenig Geld um, sodass wir zumindest den Tagesausflug vom 9.3. davon bezahlen können. Immer draufzahlen wollen wir nun auch nicht. Völlig durchnäßt hängen wir, zurück am Boot, erstmal die Sachen zum Trocknen auf und genießen später unseren aufgewärmten Kalbsbraten mit Spirelli und Zucchini.
    Entschädigt werden wir am heutigen Samstag durch unseren Ausflug zum Indian River. Der Name geht zu Ehren der einstmals Indigenen Urbevölkerung. Martin Providence von der Gesellschaft PAYS rudert uns selbst ein Stück den Fluß hoch unter Mangroven hindurch. Ein nettes Paar von einem anderen Segelboot mit Hund ist noch mit von der Partie. Da wir auf Anraten unseres Führers schon um 7 Uhr morgens gestartet sind, hören wir ein vielstimmiges Vogelgezwitscher, und es ist such noch nicht so heiß. Der hier endemische Sisserou-Papagei, der auch das Länderwappen ziert, läßt sich jedoch nicht blicken. Nach der Ruderpartie geht es noch weiter Spazieren durch tropischen Wald, und unserer Führer, der sehr bewandert ist in der Botanik, zeigt uns viele Pflanzen, auch mit Heilkräften.
    Von einem Hügel aus haben wir zum Schluß einen tollen Rundblick über die Bucht. In der Bar am Wegesrand lädt uns Martin auf dem Rückweg zu ein paar Partien Domino ein. Dies werde hier sehr oft gespielt, überhaupt sei die Lebensweise der Menschen auf dieser Insel noch ursprünglich und naturverbunden. Drinks hätte man kaufen können, man wird aber nicht dazu gedrängt.
    Wir werden bestimmt noch einen Ausflug mit Martin unternehmen, wir hätten z.B. Lust auf einen Wasserfall….und die Titou Gorge, eine enge Stelle zwischen Felsen, wo man zu einem Wasserbecken hinschwimmen muss. Hier wurden auch Szenen einer Folge von „Fluch der Karibik“ gedreht. Wir sind gespannt.
    Zum Zubereiten von Bouletten ( zu bayrisch „Fleischpflanzl“) mit bayrischem Kartoffelsalat und Uwe’s berühmtem grünen Zitrone-Zucker-Salat gibt es noch einen Sundowner alias Mojito. Ein sehr schöner Tag.
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  • Auf nach Dominica

    March 7, 2024 in Martinique ⋅ ☀️ 27 °C

    54 sm in 9,4 h

    Pünktlich um sechs werde ich wach. Draußen wird es schon langsam hell, schnell noch etwas Kuscheln und dann raus aus dem Bett, es steht uns eine lange Etappe bevor. Wir wollen heute die Insel Martinique verlassen und nach Dominica segeln. Es soll in den Norden der Insel, nach Portsmouth gehen. Um kurz vor sieben geht es Anker auf, alles läuft wie geschmiert. Die Kette wird auch langsam wieder sauber, sie ist in den 2 Wochen in der Bucht von Le Marin sehr schmutzig geworden.
    Der Wind meint es gut mit uns und bläst so um die 14 Ktn, da macht das Segeln Spaß. Mit der kompletten Garderobe geht es los. Leider hält der Wind nicht lange an und dreht auf Nord, da wollen wir aber eigentlich hin. Ich muss also den Motor starten. Oben am Nordkap von Martinique ist komplette Flaute, aber als wir die Windabdeckung verlassen frischt der Wind mit einem Mal stark auf, allseits weiße Gischt auf dem Wasser. 25 Ktn Wind von der Seite liegen an. Alles scheppert, wir sind noch nicht wieder geübt, alles segelfest zu machen, und Wind von der Seite hatten wir lange nicht. Mit einem Mal ein lauter Knall, eine weitere Lampe hat sich aus der Verankerung gelöst und zerschellt am Boden. Doris hat solche relativ schweren Solarlampen aus Glas aufgehängt, sie machen im Dunkeln gemütliches Licht im Außenbereich und helfen auch bei der Erkennung unserer Vitila in der Nacht. Wenn diese aber runterfallen gibts immer ordentlich Lärm. Schade, es werden immer weniger.
    Jetzt aber schnell erst mal die Segel reffen, 25 Ktn sind definitiv zu viel für Vollzeug. Im ersten Reff rauschen wir dann immer noch mit knapp 10 Ktn dahin, da holen wir doch wieder Einiges an Zeit raus, die wir verloren haben. Das geht so lange, wie wir zwischen den Inseln segeln. Da diese relativ hoch sind, kommt es zu einem Düseneffekt, weil die Luft dazwischen zusammengedrängt wird. Sobald man wieder hinter die Insel kommt, wird der Wind abgebremst und es geht wieder nur noch langsam voran. In Lee (der Wind abgewandten Seite), wo wir uns dann befinden, kommt es immer zu unterschiedlichen und stark wechselnden Winden: mal geht er hoch durch eine Düse, mal dreht er komplett und wird zu einem thermischen Wind. Ich bin dadurch ständig am Segel Trimmen, es wird also nicht langweilig.
    Gegen vier Uhr kommt dann unsere Bucht, die Prince Rupert Bay, in Sicht, früher als erwartet. Aus dieser bekommen wir auch nochmal kräftig Wind auf die Nase. Begrüßt werden wir gleich, noch während wir mit dem Ankermanöver beschäftigt sind, durch Andrew, ein Boatboy der hiesigen Organisation PAYS. Er ist völlig unaufdringlich und fragt, ob er uns helfen kann. Später kommt noch Martin Providence vorbei um uns auf Dominica willkommen zu heissen. Mit ihm hatten wir schon von unterwegs Kontakt aufgenommen. Er will uns morgen über Inseltouren informieren.
    Zum Sundowner freuen wir uns noch über die Gesellschaft von Nic und Anja von der „Amani“, sie sind bereits über Nacht von St. Anne nach Dominica gesegelt. Mit ihnen haben wir schon in Le Marin sehr nette Abende erlebt und uns - natürlich - auch über Bootsthemen und bisherige Inselerlebnisse ausgetauscht. Auch sie leben auf ihrem Boot, da gibt es immer viel zu bequatschen und zu lachen. Cuba libre und Nicht-Alkoholisches machen die Runde mit Blick auf die im Meer sich schlafen legende Sonne.
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  • St. Pierre auf Martinique

    March 4, 2024 in Martinique ⋅ ⛅ 26 °C

    Nach etwa 2 Wochen haben wir uns von all den neuen Freunden und Bekannten in der Bucht von Le Marin verabschiedet. Wir wollten noch näher an den berühmten Vulkan Mont Pelée heran und auch dem 1902 durch ihn komplett zerstörten Ort St. Pierre etwas näher kommen.
    St. Pierre hat keine Marina und man ankert in der halboffenen Bucht vor dem Städtchen, das es seit der Katastrophe nur noch auf etwa 4000 Einwohner bringt.
    Der Ort strahlt eine angenehme gemütliche Atmosphäre aus und hat sogar einen kleinen Obst- und Gemüsemarkt am Anlger. Wir wanderten gestern, den 5.3., die Straße entlang zurück zum Zoo der Insel. Dieser wurde in den Mauerresten der von 1643 stammenden Habitation Latouche eingerichtet und führt über verschlungene Pfade natürlich durch üppige tropische Vegetation. Diese gibt’s hier gratis überall dazu. Man sah u.a. viele Affenarten, Schmetterlinge und sehr lautstarke Flamingos. Über die Haltung von Pumas und großen Schlangen in Gehegen kann man geteilter Meinung sein. Aber der Zoo fördert mit seinen Einnahmen auch viele Tierschutzprojekte.
    Nach der längeren Wanderung in der Hitze taten danach ein Eis und ein alkoholfreier Cocktail sehr gut.
    Weiter ging’s durch den Ort zurück zum wichtigsten Ziel des Tages: dem Mémorial und Museum zum verheerenden Ausbruch des Mont Pelée 1902, an dessen Fuß der Ort St. Pierre heute noch liegt. Die Stadt war damals ein quirliger Handelsstützpunkt, Hauptstadt und Kulturzentrum, und beherbergte an die 28.000 Einwohner, eine große Kathedrale, Schulen, Läden und Amtsgebäude. Man war im Mai 1902 gerade mit den Vorbereitungen zur 2. Runde der Parlamentswahlen vom 11. Mai beschäftigt. Tage vor dem 8. Mai hatte es schon Erdbeben, Anschwellen von Gewässern und düstere Rauchwolken über dem Krater gegeben. Der Kapitän eines italienischen Handelsschiffes sagte: „ Wenn unser Vesuv so aussehen würde wie euer Berg heute, würde ich nur noch flüchten!“ Gesagt getan, sein Schiff und Mannschaft blieben unversehrt.
    Die örtlichen Verantwortlichen interpretierten die Vorzeichen jedoch falsch und beruhigten die Bevölkerung nach dem Motto „das macht der Berg öfter, kein Grund zur Panik“.
    Am Morgen des 8. Mai nahm die Katastrophe dann ihren Lauf: Da die hervorquellende Lava zu dickflüssig war, bildete sich im Krater ein „Lavaturm“. Schließlich wurde der Druck durch die erhitzten Gase darin zu hoch, und es kam zu einer gewaltigen Explosion. Es spielte sich dann der erste in der Geschichte dokumentierte pyroklastische Ausbruch ab, eine mehrere hundert Grad heiße Wolke aus Gas und Asche raste mit knapp 500 km/h auf die Stadt zu. Alle Gebäude standen mit einemmal in Brand und alles menschliche Leben bis auf 3 Überlebende wurde blitzartig ausgelöscht. Das Wasser in der Bucht soll zu kochen angefangen haben, die Schiffe gerieten in Brand und versanken nacheinander. Der bekannteste Überlebende war der Matrose Louis-Auguste Cyparis, der im dickwandigen Gefängnis einsaß und mit Verbrennungen überlebte. Er wurde später vom amerikanischen Zirkus Barnum rekrutiert und wurde auf einer Tournee in den USA berühmt als „der Mann, der den Tag des jüngsten Gerichtes erlebt hat“.
    Die geschmolzene Glocke der Kathedrale ist im Museum zu besichtigen. In einem Raum sind die Namen aller Opfer auf Wandtafeln verewigt. St. Pierre hat sich von dem Unglück nie komplett erholt, Handel und Wohlstand wanderten nach Fort de France ab.
    Nach dem ereignisreichen Tag kehrten wir im elsässischen Restaurant „L‘Alsace a Kay“ ein und ließen uns Gerichte mit Sauerkraut, Ente, Schweinefleisch und Spätzle schmecken. Witzigerweise steht in diesem Lokal auch der öffentlich zugängliche PC, an dem man ausklarieren kann…. das haben wir gleich gestern genutzt. Der Wirt des Lokals, ein Elsässer, hat eine einheimische Frau geheiratet und ist hier „ hängen geblieben“. Er ist sichtbar glücklich darüber.
    Tagsüber hat Uwe jeweils an unseren Flaggen für die nächsten Länder gearbeitet. Sie müssen ausgeschnitten und am Rand genäht sowie mit einer Schnur versehen werden. Es klappt immer besser mit der Nähmaschine! so kommt eine Flagge auf etwa 3 Euro 😀.
    Heute Abend war unser erster Test eines kreolischen Restaurants, „la Vague“ heißt es, und wir waren sehr zufrieden. Die in Rum flambierte Ananas kommt noch….😜- war lecker!
    Morgen geht es sehr zeitig weiter 50 sm nach Dominica, ein eigenständiger Inselstaat des Commonwealth.
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  • Balata Garden, Ostküste und wieder Rum…

    February 27, 2024 in Martinique ⋅ 🌬 27 °C

    Den zweiten Cruising-Tag über die Insel Martinique starten wir mit einem Besuch des botanischen Gartens „Balata Garden“. Heute ist erfreulicherweise auch Nick, der Partner von Anja, mit von der Partie. Wir schlendern gemeinsam genießerisch durch den prachtvollen Garten mit immer wieder neuen Ausblicken auf exotische Pflanzen und herrliche Blüten. 2 Stunden kann man sich gut hier aufhalten, ohne dass es langweilig wird. Natürlich steht die im Internet schon angekündigte Schlange vor dem schönen Hängeweg, der ein Stück durch die Mitteletage der Bäume führt. Nick war erst nicht so begeistert davon, sich einzureihen, machte den Spaß dann aber doch mit….Eine abenteuerliche, ungewohnte Schaukelei ist es schon, über den schmalen hölzernen Pfad in der Höhe zu gehen, und man hofft insgeheim, dass alle verwendeten Seile und Baumbefestigungen regelmäßig vom deutschen TÜV kontrolliert werden 🫣🥴.
    Anschließend fahren wir weiter in den Norden, um den Wasserfall Gorge de la Falaise zu sehen und evtl. ein Bad dort zu nehmen. Leider hat der Wasserfall aber schon zu. Ja, ihr habt richtig gelesen: er ist schon geschlossen, als wir um 14.00 Uhr ankommen . Ein Mann erklärt uns, dass die Führung und Betreuung des Wasserfalles in Familienhand sei (?) und nur bis 13.00 Uhr Jemand hier am Tisch sitzt. 🙄
    Sehr enttäuscht machen wir stattdessen einen 1-stündigen Spaziergang durch den tropischen Wald bergauf in der Hoffnung, doch noch eine Abzweigung zu einem Gebirgsgewässer zu finden. Vergeblich. Aber der Spaziergang führt uns angenehm schattig durch die tropischen Gewächse, wie sie eben wachsen, wenn sie nicht in einem botanischen Garten „geordnet“ werden.
    Danach fahren wir noch mit dem Auto bis 600 m hoch am Vulkan Mont Pelée. kühl ist‘s dort und wolkenverhangen. Der Aufstieg bis zum Gipfel bei rund 1400 m ist allerdings ein eigenes Projekt und erfordert Jacken und weitere Ausrüstung.
    Zurück fahren wir an der Ostküste entlang und erhalten so einen Eindruck hiervon. Am Plage des raisinniers machen wir Halt: klares blaues Wasser und feiner heller Sand. Ein Traum! Wir kommen beim Schlendern an einem schönen Brunnen vorbei, und beschließen alle 4, diesen als „unseren heutigen Wasserfall“ durchgehen zu lassen.
    Der Tag endet mit angeregten Gesprächen und interessantem Erfahrungsaustausch bei einem von Uwe kurzerhand angesetzten „TO-Treffen“. Trans-Ozean Mitglieder vor Ort haben sich angesprochen gefühlt und kommen gerne um zu Plaudern. Am Ende sind es knapp 30 Teilnehmer statt der 20 primär Angemeldeten! Die Lokalbesitzerin hat alle Hände voll zu tun damit, weitere zusammenliegende Sitzplätzen zu organisieren.
    Heute Nachmittag machen wir uns mit den Freunden Helena und Martin von der „Pleasure 2“ auf den Fußmarsch zur in der Nähe gelegenen Rum-Distillery Braud & Quennesson. Sie ist erst vor 2 Jahren gegründet worden und verspricht laut Internet eine aufschlussreiche Führung durch den Herstellungsprozess von Rum. Diese Unternehmung ist allerdings von doppeltem Pech ereilt: Der bei Google angezeigte Fußweg ist sehr steil und anstrengend, endet aber leider im Nirgendwo. Nicht mehr vorhanden. Also wieder komplett nach unten und der Autostrasse entlang, was wir eigentlich vermeiden haben wollen. Frustriert und ausgehungert fallen wir aber vorher noch bei Mc Donalds am Wegesrand ein. In der Habitation endlich angekommen erfahren wir, dass die Destillation hier derzeit stillgelegt ist. Wie bitte? So weit gelaufen und dann keine Führung? kein Duft von hölzernen Rumfässern? Mist…. Irgendwie hab ich im Moment kein Glück mit meinen Ausflugsplanungen…Wir ruhen erstmal aus und geniessen den schönen Garten. Gott sei Dank für die Männer ist aber die Rumverkostung „in Betrieb“, und nach der Ruhephase rücken wir geschlossen zur Theke vor. Sogar Helena stürzt mit Todesverachtung ein paar Proben hinunter. Nein, die vorgestellten Rumsorten sind sehr lecker… bis 59,2 % geht der Alkoholgehalt….🤪. Erst seit November 2023 ist der erste etwas ältere und durch die Lagerung im Holzfass leicht gebräunte Rum aus dieser Brennerei erhältlich.
    Nach dem Durchprobieren verschiedener Sorten wandern wir zurück zum Dinghi Steg und fahren zu unseren Katamaranen. Nach einem erfrischenden Bad bereitet uns Uwe noch einen Mojito zu. Die Blätter der neu gezogenen Minze Pflanzen müssen ja endlich mal einer Geschmacksprobe zugeführt werden… Bestanden 😀.
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  • Landausflug auf Martinique

    February 26, 2024 in Martinique ⋅ 🌬 28 °C

    Heute, 7 Tage nach unserer Ankunft auf Martinique, steht der erste Landausflug auf dem Plan. Für heute und morgen haben wir ein kleines Auto gemietet. Mit von der Partie ist Anja vom Segelboot Amani. Sie und Nick haben wir vor kurzem hier in der Bucht kennengelernt, weil wir ihnen aus Lanzarote einen Akku für ihren E-Motor fürs Dinghi mitgebracht hatten.
    Es ging eine gut ausgebaute aber relativ enge Straße nach Norden zur Savane des Esclaves entlang. Hier hat der Martiniquer Gilbert Larose Anfang des Jahrhunderts eine große Freilicht-Gedenkstätte zum Thema Sklavenhaltung durch die französischen Eroberer auf der Insel aufgebaut. Sehr anschaulich wird man beim Spaziergang durch typische Hüttenanlagen auf großen Schautafeln auf französisch und englisch gut informiert. Wir bekamen zusätzlich einen Hefter mit allen Texten auf deutsch in die Hand gedrückt. Aber auch auf den Lebensstil der indigogenen Ureinwohner der Insel und die Lebensgewohnheiten nach Abschaffung der Sklaverei in Frankreich 1848 wird ausführlich eingegangen. Am Ende schmeckt ein gekühltes Getränk in der „Safthütte“. Es hat sich gelohnt.
    Weiter geht es dann nach Westen zur „Habitation Clément“. Vater und Sohn Clément haben die lokale Rumdestillation und Produktion im 19. und 20. Jahrhundert hier zu einer Blüte gebracht. 2000 vor Christus war das Zuckerrohr schon in China bekannt, und es hat sich über die Jahrhunderte immer weiter westwärts bewegt. Die Rumherstellung im Familienbetrieb verwendet im Unterschied zur industriellen Produktion das Zuckerrohr direkt und nicht die Melasse aus der Zuckerherstellung. Nach dem schönen Rundgang durch den Park mit Skulpturenausstellung gelangt man in die alte Werkhalle der Destillation. Hier sind noch die historischen Geräte zu bestaunen. Die Hitze zur Destillation und für die Bewegung der Mahlwerke kam von Dampfturbinen. Auch in die Lagerhallen der Holzrumfässer kann man einen Blick werfen. Es umgibt Einen hier ein unbeschreiblicher Duft von altem Rum, der durch die Fässer ins Freie dringt! Herrlich ! 😜
    Neben den Produktionsstätten des Rums kann man das alte herrschaftliche Wohnhaus besichtigen. Es ist komplett aus Holz gebaut und verfügt über ein tolles „Luft-Durchzugssystem“. Man konnte offenbar mit der Rumproduktion auch ganz schön Geld verdienen. Einem Gipfeltreffen hier vor Ort zwischen George Busch und François Mitterand
    1991 werden einige Wände mit Photos gewidmet. Den krönenden Abschluss bildet eine Rumverkostung. Hier kann man an einer Art Theke probieren was das Herz begehrt. Junge einheimische Angestellt geben gerne ihr Fachwissen dazu. Man ist auch nicht geizig… Aber wir sind ja mit dem Auto hier, so dass eine sehr kleine Auswahl getroffen werden muss.
    Zum Abendessen kehren wir ins L‘Annex am Hafen Le Marin ein. Hier bestellen wir jeder einen „Pierre chaude“, einen sehr heißen Stein auf dem man sein rohes Fleisch live braten kann. Dazu werden Pommes serviert, eine Restaurant-Beilage, die uns jetzt wahrscheinlich für länger ausschließlich begleiten wird 🙄.
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  • Angekommen in der Karibik… Relaxmodus

    February 22, 2024 in Martinique ⋅ 🌙 25 °C

    Nein, wir sind nicht verschollen, nur weil es 3 Tage keine Nachricht gab!
    Angekommen in der Bucht Anse Meunier ganz am Anfang von Martinique, praktisch vor der Bucht von Le Marin, ankerten wir nach einer ruhigen Nacht um (es geht auch ohne Ohrstöpsel zu Schlafen…) in den weiter inneren Bereich des Naturhafens von Le Marin. Die Bucht ist derart riesig und ausgestattet mit einer passenden Ankertiefe, so dass bestimmt 500 Boote hier vor Anker liegen! Also, die einsamen griechischen Buchten sind offenbar Geschichte….
    Wie dem auch sei, das Klima in der Karibik ist ausgesprochen angenehm, die Tag- und Nachttemperaturen sind ähnlich, und es weht meist ein leichter Wind, so dass starkes Schwitzen, zumindest solange man sich nicht körperlich anstrengt, kaum auftritt. Das Wasser hat 27,5 Grad Celsius, und selbst ich steige hier ohne Zaudern flugs hinein. Gut, das Wasser hier in der Bucht ist nicht glasklar aber trotzdem sauber genug zum Baden und Waschen und um den Wassermacher in Betrieb zu nehmen.
    Am ersten Tag den 20.2. passiert nicht viel, man schläft noch tagsüber mal nach und sortiert die transportierten Obst- und Gemüsevorräte aus. Übrig bleiben im Wesentlichen einige schrumplige rote Paprika, vier recht gut erhaltene Auberginen und zwei große Süßkartoffeln, die von den 22 Tagen Überfahrt wenig beeindruckt scheinen. Die letzte spanische Orange wandert in den Joghurt und das Knuspermüsli geht leider auch aus. Uwe trocknet das Levante nochmal richtig durch, und dann verpackt er es in der Tasche und in der Backskiste.

    Am nächsten Tag fahren wir mit dem Dinghi nach Le Marin rein zum Einklarieren. Wie wir bereits von der Community gehört haben muß man einfach das Formular am PC im Marinabüro mit seinen Daten füttern, das Pamphlet wird dann ausgedruckt und für 5 Euro abgestempelt. Fertig!
    Auf der Suche nach einer Eisdiele im Hafenbereich werden wir leider nicht fündig. Auch der Shop von Europcar hat schon zu. Eis essen ist hier offenbar nicht so populär wie in Mittel- und Südeuropa, obwohl wir uns auf Martinique eigentlich noch im Europäischen Raum befinden. Wir landen schließlich etwas erschöpft in einer Hafenkneipe vor zwei Bier. Nach 3 Wochen Alkoholabstinenz zieht das ganz schön rein….
    Der Carrefour Supermarkt bekommt auch noch einen Besuch abgestattet. Frische Milch, Obst und Joghurt stehen auf dem imaginären Zettel von bring! Am Eingang des Ladens stößt man schon auf einige komische Knollen und Früchte, die man überhaupt nicht einordnen kann. Okay, Europa ist doch passé. Aber das französische Mutterland stattet mit mehreren Sorten Camembert aus, auch mal wieder nett.
    Der heutige Tag, der 22.2. ,wird der Reinigung der total versalzten Chromstangen und den Rostflecken gewidmet, die sich auf der Überfahrt gebildet haben. Die verdünnte Oxalsäure leistet hier Wunder. Es muß nur mit viel Wasser nachgespült werde, das Zeug ist schon stark. Ich nehme auch meine morgendliche Gymnastikgewohnheit wieder auf und schwimme nachmittags eine Stunde in der Bucht. Hier sind einige „Bootsleichen“ halb in den Mangroven versteckt zu besichtigen. Residuen früherer Hurricanes? Man weiss es nicht.

    Am Nachmittag verlegt sich ein Katamaran mit österreichischer Flagge direkt neben uns in die Bucht. Und Uwe wäre nicht Uwe, wenn er die Skipper nicht beim Schwimmen gleich angesprochen hätte… daraus wird ein langer gemütlicher Plausch in unserer Skylounge beim Bier zum Sonnenuntergang. Auch die Beiden sind in unserem Alter und letztes Jahr von Wien zur Weltumsegelung aufgebrochen. Da gibt es so viel zu erzählen, dass wir morgen eventuell Käsespätzle zusammen bei uns „aufführen“ werden.
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  • Überfahrt in die Karibik, Resümee

    February 21, 2024 in Martinique ⋅ 🌙 27 °C

    Insgesamt hatten wir eine sehr glückliche Überfahrt. Wir hatten guten Wind, mussten den Motor gerade mal sieben Stunden nutzen. Wir hatten fast immer Sonnenschein, nur ganz wenige Tropfen Regen verirrten sich auf unsere Vitila. Einen richtigen Squall hatten wir gar nicht. Einen hätten wir uns gewünscht, um unser Radar zu testen 😉.

    Kulinarisch ging es uns bestens. Jeden Tag ein warmes Abendessen. Zu Mittag gab es einen Joghurt mit viel Obst und Walnüssen, und zum Kaffee meist selbst gebackenen Kuchen.
    Das Obst hat bis zum Ende der Überfahrt gereicht. Wir hatten bis zum Schluss Äpfel, Orangen und Mandarinen. Pfirsiche und Nektarinen haben auch fast drei Wochen gehalten. Allerdings haben wir diese auf einem Markt gekauft. Die aus dem Supermarkt halten erfahrungsgemäß nicht so lange. Die Bananen waren sehr schnell komplett braun geworden. Umgekommen sind diese aber nicht. Zwei leckere Bananenkuchen konnte ich noch davon backen. Doris hat uns wirklich super bevorratet. Viele nicht-verderbliche Lebensmittel sind auch noch übrig. Das ist aber nicht so schlimm, da hier in der Karibik alles etwas teurer ist.

    Vor den Nächten hatten wir den meisten Respekt. Zum Einen, ob wir genug Schlaf bekommen, zum Anderen wie konservativ gehen wir mit den Segeln um. Durch unser Schichtsystem hatte jeder 2 x 3 h Schlaf. Wir konnten nach einer gewissen Eingewöhnungsphase und dank Ohropax sehr gut schlafen. Meist haben wir uns am Tag noch eine Stunde hingelegt. Dank des guten Wetters hat es auch mit den Segeln ganz gut geklappt. Meist konnten wir das Levante die ganze Nacht hindurch stehen lassen. Die drei Nächte, in denen wir etwas Probleme hatten, haben wir ja ausführlich beschrieben.

    Nun noch ein paar Zahlen:
    Wir haben 2934 sm in 517,5 Std ( 21,5 Tage) zurückgelegt. Davon sind wir 509 Stunden gesegelt und 8 Std. musste uns der Motor helfen. Dies war aber ganz am Anfang als wir aus der Landabdeckung von Gran Canaria herauskommen mußten. Wir hatten eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 5,7 kn. Unser größtes Etmal betrug 167 sm.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 22

    February 19, 2024, Caribbean Sea ⋅ 🌬 28 °C

    Etmal: 109 sm, Wind 4 - 5 Bft., sonnig , 27°C, zurückgelegt 2.968 sm

    Wachwechsel um Mitternacht. Es bleibt spannend. Der Wind hat nicht so aufgefrischt wie vorhergesagt. In der Spitze bekommen wir gerade mal 21 kn, angekündigt waren 27 kn, das reicht nicht aus, um mit der Genua genügt Geschwindigkeit zu erreichen. Wir haben noch 105 sm bis zum Ziel, müssten also 6 kn Durchschnittsgeschwindigkeit schaffen, im Moment sind es aber nur 5. Leider arbeitet mit 0,5 kn auch noch eine Strömung gegen uns.
    Am Morgen könnten wir wieder das Leichtwindsegel hoch nehmen. Mal schauen.
    Um kurz vor vor sechs luge ich durch das Fenster, aha die Morgendämmerung hat schon eingesetzt, dies wäre für das Setzen des Leichtwindsegels günstig. Am Geräusch des Wassers habe ich schon gehört, dass wir nicht gut voran kommen und so stelle ich mich schon darauf ein. Ein Blick auf den Kartenplotter gibt mir Gewissheit, er stellt die Ankunft erst für 21:20 Uhr in Aussicht 😳. Dafür habe ich nicht die letzten Tage gekämpft!
    Ich spreche mich schnell mit Doris ab, und wir bereiten alles für das Segelsetzen vor. Inzwischen sind wir ja schon geübt darin. Obwohl ich gestern beim Segelbergen alle vier Leinen am Segel gelassen habe, entsteht beim Hochziehen doch wieder eine Wasseruhr. Daher das Segel wieder runter, ist nicht ganz einfach, da schon Druck drin ist. Also Segel entwirren, wieder hoch ziehen, jetzt steht es. Immerhin, 20 min hat es gedauert. Gleich springt unsere Vitila in gewohnter Weise an und zieht mit knapp 7 kn durchs Wasser. Das registriert unser Plotter dann auch und korrigiert ganz langsam unsere Ankunftszeit nach unten. Bei 17:20 bleibt er stehen. Gut so, wir müssen ja auch noch ein Stück in die Bucht rein fahren. Um 18:00 Uhr soll spätestens der Anker fallen, um 18.10 ist Sonnenuntergang. Jetzt muss nur noch der Wind stabil bleiben.
    Ach, es wäre so schön gewesen. Zuerst kommt zum Frühstück eine dunkle Wolkenwand. Regen ist auch im Radar zu sehen. Wir beschließen das Leichtwindsegel prophylaktisch zu bergen. So kurz vorm Ziel soll es nun auch nicht kaputt gehen. Wir ziehen stattdessen die Genua hoch und starten den Motor, um die gewünschten 6,5 kn zu halten. Nach dem Frühstück werden wir beratschlagen, was wir weiter tun werden.
    Bald läßt der Wind weiter nach und weht nur noch mit 12 kn. Mit Motor wollen wir auch nicht weiter fahren, das ist nicht seemännisch. Wir beschließen zunächst, ganz langsam weiterzusegeln und erst am nächsten Morgen anzukommen. Dafür sind wir aber wieder zu schnell, und es fühlt sich auch nicht gut an. Ich hisse zusätzlich das Großsegel. Wir beschleunigen aber auch nur auf 5 kn, zu langsam um im Hellen anzukommen. Ich schaue mir die Bucht an. Sie ist groß und gut zum Ankern geeignet. Wahrscheinlich wird in der Nacht der Mond scheinen. Wir orientieren uns erneut um und entscheiden, weiterzusegeln, auch wenn wir in der Dunkelheit ankommen.
    Der Wind dreht nach Achtern, die Genua steht nicht mehr gut. Ich versuche das Levante zusätzlich zum Groß zu setzen. Der Versuch misslingt. Das Leichtwindsegel wird magisch vom Groß angesogen: Durch das Groß wird die Luft offenbar derart verwirbelt zum Levante weitergeleitet, dass dieses nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist…😜. Wir lassen also das Groß fallen und fahren mit dem Levante weiter mit einer guten Geschwindigkeit von 6 kn. Ich bin völlig ausgepumpt und muss mich erst mal ausruhen nach dem vielen Segel-rauf-Segel-runter. So viel Stress am letzten Tag, der Wettergott will es nochmal von uns wissen.
    Aber so ist Segeln, du kannst Pläne machen wie du willst, entscheiden tut ein anderer. Man lässt sich darauf ein oder man sollte das Segeln lassen.
    Gegen 17:00 Uhr ist es dann soweit, nach 22 Tagen sehen wir zum ersten Mal wieder Land. Ihr werdet denken, was ist das für ein Gefühl? Es ist unwirklich. Zum Einen ist man glücklich über die gute Überfahrt, zum Anderen auch ein bisschen traurig, dass der lang gehegte Wunsch nun erfüllt und die lange Vorfreude vorbei ist. Es stehen aber nun weitere Abenteuer an und darauf freuen wir uns schon.
    Um 18:00 Uhr geht die Sonne unter, unser letzter Sonnenuntergang auf der Atlantiküberquerung. Wir schlagen das Levante ab und fahren die letzten Meilen bis zur Ankerbucht mit Motor. In der Bucht liegen nur fünf Boote, und diese sind gut im Mondlicht zu sehen. Alles läuft wie geschmiert, und wir liegen um 19.30 Uhr sicher vor Anker. Als Belohnung gibt es einen Aperol Spritz, der erste Schluck Alkohol nach drei Wochen (wenn man von dem Schlückchen zum Bergfest absieht). Zum Abendbrot gibt es aufgewärmtes Chili Con Carne. Nochmal sehr lecker. Um zehn Uhr sinken wir ins Bett, endlich nach drei Wochen wieder mal zusammen.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 21

    February 18, 2024, Nordatlantik ⋅ ⛅ 28 °C

    Etmal: 145 sm, Wind 4 - 5 Bft., sonnig , 27°C, zurückgelegt 2.859 sm, geplant noch 133 sm

    Nachtrag zum letzten Footprint: es war ein großer Frachter mit über 200 m Länge! Auf dem Schnappschuß vom Bildschirm erkennt man das AIS Signal, das grüne Dreieck zeigt auch an, in welche Richtung das „Objekt“ fährt, also dass es bereits vorbei ist und kein Kollisionskurs besteht. Der rötliche Fleck vor dem grünen Dreieck ist das Radarsignal. Das ist unabhängig logischerweise von GPS, stimmt aber durch Übereinanderlegen der Ebenen schön überein. Das bedeutet für uns, dass auch Objekte, die kein AIS haben, für uns erkennbar sind. Fischerboote haben das öfters nämlich nicht…

    Kurz vor Mitternacht übernehme ich meine Schicht. Bei Doris ist alles gut gelaufen. Wind nicht über 20 kn und die Richtung stimmt einigermaßen. Ich weiß nicht wer hier die Fäden zieht, aber genau zu meinem Schichtbeginn nimmt der Wind zu und dreht weiter auf Nord. Das ist ungünstig, ich kann den Kurs nicht mehr halten. Es geht jetzt eher auf Barbados denn Richtung Martinique. Ich ändere den Kurs, habe jetzt 35° Abweichung. Der Autopilot, sonst die Ruhe in Person, hat schwer zu kämpfen. Die Wellen haben zugenommen, und es sind jetzt unangenehmere kurze Wellen. Wir werden manchmal richtig hin und her geschmissen. Und da passiert es, das Segel fällt ein, zu weit vom Kurs abgekommen. Es rappelt sich wieder auf. Zum Glück knallt es nicht so sehr. Inzwischen habe ich 25 kn auf der Geschwindigkeitsanzeige gesehen. Ich muss den Kurs wieder zurück nehmen, das Segel muss stabil bleiben, sonst geht es kaputt. Lieber am Tag bei weniger Wind etwas anluven (mehr in den Wind gehen). Es klappt tatsächlich, das Segel bleibt jetzt stabil. Hoffentlich nimmt der Wind jetzt nicht noch mehr zu. Ich stelle mich innerlich schon auf eine lange Nachtschicht ein, denn Doris möchte ich bei diesen wechselhaften Windbedingungen nicht alleine lassen. Ich sitze oben am Steuerstand und hole mir eine Decke, es wird doch ein bisschen kühl hier im Wind.
    Der Wettergott hat aber schließlich ein Einsehen mit mir. Nach zwei Stunden lässt der Wind nach und dreht auf Ost. Doris kommt halb drei zu ihrer Wache und ich kann bei guten Bedingungen übergeben, bitte sie aber, mich zu wecken, wenn der Wind wieder stärker werden sollte. Ich kann durchschlafen, der Wind meint es gut mit mir. Auch am Tag kommen wir gut voran

    Ein weiteres Erlebnis auf dieser Überfahrt ist für uns auch eindrucksvoll gewesen: wir haben auf dieser Meeresüberquerung mehrere Zeitzonen durchfahren. Eine Zeitzone ist normalerweise 15 Längengrade breit. Auf unserer Überfahrt müssen wir viermal die Zeit um eine Stunde zurückstellen. V.a. morgens spürt man jeden Tag, dass es später hell wird und die Sonne später aufgeht. Wir mögen das, es vermittelt uns das direkte Erleben unserer langsamen aber stetigen Fortbewegung auf der Erdkugel.
    Außerdem können wir uns den genauen Zeitpunkt des Uhrenumstellens selbst aussuchen, da wir ja keine Termine haben, wo wir zeitgenau erscheinen müssen. Natürlich möchte jeder von uns am liebsten, dass in seiner Nachtwache die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden 😜, aber das wäre ja ungerecht. So machen wir es nach Übereinkunft und wenn wir Lust und Laune haben irgendwann tagsüber. Man merkt dabei, dass die menschliche Zeiteinteilung doch was recht Willkürliches, aber für ein reibungsloses zivilisiertes Zusammenleben an Land Notwendiges ist.

    Kurz vor Sonnenuntergang an diesem Tag nehmen wir das Levante rein. Es sind in Böen bis 27 kn vorhergesagt und den Stress der letzten Nacht möchte ich nicht noch einmal haben.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 20.

    February 17, 2024, Nordatlantik ⋅ ☀️ 27 °C

    Etmal: 167 sm, Wind 5 - 6 Bft., sonnig , 27°C, zurückgelegt 2.714 sm, geplant noch 278 sm

    Tag der Entscheidung. Heute entscheidet sich, ob wir am 19. Abends oder 20. am Morgen ankommen. Abends ankommen wäre schon schön. Zum Einen eine Nacht weniger auf dem Atlantik, was aber wichtiger ist, dieses „Land in Sicht“. Nach 21 Tagen auf dem Meer, muss es auch schön sein, wieder einmal Land zu sehen und zu riechen, und das geht nun mal am besten bei Tageslicht.
    Da wir die letzten beiden Tage aber einiges an Meilen liegen lassen haben wird es knapp. Ziel ist, heute um 18:00 Uhr nicht mehr als 300 sm vor uns zu haben. Zum Ankern möchte ich außerdem gern im Hellen ankommen. Die Bucht ist mir unbekannt und voller Boote.
    Der Wind meint es heute wieder etwas besser mit uns, fällt nicht unter 14 kn und weht meist mit 16 - 17 kn, ziemlich gleichmäßig. Das reicht für etwas mehr als 6 kn Fahrt im Schnitt. Die Zeit vergeht, ich schaue öfters mal auf die Karte und ja, wir schaffen es. Pünktlich um 18:00 sind wir noch 300 sm vom Ziel entfernt. Jetzt muss ich die nächste Entscheidung treffen. Lasse ich das Leichtwindsegel stehen? Es sind in Böen bis 23 kn vorhergesagt. Vorhersagen können sich auch täuschen und es kann auch etwas mehr werden. Das Segel im Dunkeln bergen bei bis zu 20 kn ist machbar, haben wir auch schon geschafft, bei über 20 kn wird es aber schwierig.
    Ich entscheide mich fürs Stehen lassen, ziehe aber beide Niederhalter und beide Schoten fest, so wird die Kraft auf beide Ösen am Bug verteilt. Das hat allerdings den Nachteil, dass der Windeinfallswinkel eingeschränkt ist, mehr als 30° Abweichung von 180 Grad, also direkt von hinten, ist nicht drin.
    Kurz nachdem es dunkel geworden ist gibts nochmal einen Alarm. Unser Radar meldet sich und sagt uns, dass ein Schiff in den Schutzbereich eingedrungen ist, tolle Technik.
    Fortsetzung folgt !!
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 19

    February 16, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌙 27 °C

    Etmal: 122 sm, Wind 3 - 4 Bft., sonnig , 27°C, zurückgelegt 2.547 sm, geplant noch 445 sm

    Heute gibt es echt nicht viel zu berichten. Der Wind hat über Nacht wieder etwas zugenommen, so dass wir einigermaßen vorangekommen sind. Ansonsten verlief die Nacht so wie die anderen auch. So wollen wir das ja auch, schön ruhig und ohne viel Action.
    Am Tag gibt es wieder Sonne bis zum Abwinken, und dann geschieht das worauf ich die ganze Zeit gewartet habe: Unsere Solaranlage erzeugt so viel Strom, dass die Akkus um kurz nach Mittag bereits 100 % haben. Lag es wirklich an den verschmutzten Paneelen? Wer weiß. Endlich kommen die Akkus in die Absorbtionsphase, das heißt die Zellen können untereinander balanciert werden. Das wird auch höchste Eisenbahn, denn so langsam sind sie wieder am Auseinanderdriften. Das muss auf alle Fälle verhindert werden, da sonst die Kapazität der Akkus merklich leidet und sie frühzeitig altern.
    Ansonsten hat der Wind am Tag wieder merklich nachgelassen, auf ca. 12 - 14 kn. Noch gut zu segeln, aber zum richtig Vorankommen zu langsam. Aber wir wollen nicht meckern, der Motor konnte aus bleiben und das ist schon mal gut. Gerade richtig ruhiges Fahrwasser, um 7 neue Joghurtportionen anzusetzen. Der Joghurtmacher hält jetzt über Nacht eine stabile Temperatur von 40 Grad.

    In der Nacht gibt es dann noch einmal Alarm. Ich wache auf und denke „bisschen wenig Wind und viel Fahrt haben wir auch nicht drauf ?“ . Da kommt auch schon der Ruf von Doris, ich solle doch mal schnell hochkommen, dass Segel hängt auf einmal auf der falschen Seite, der Wind hat um mindestens 90 Grad gedreht. Wie das meistens so ist, kündigen sich Winddreher mit dem Rückgang des Windes an, und das war mir unten in der Koje aufgefallen. Schnell hoch zum Steuerstand, den Autopiloten auf „Standby“ gestellt und unsere Vitila wieder auf Kurs gebracht. Der Wind hat inzwischen wieder zugelegt und kommt auch wieder aus der vorherigen Richtung. Beim Zurückbringen auf den richtigen Kurs hängt sich das dünne Tuch des Leichtwindsegels auch noch am Vorstak fest, und es dauert bange Momente, bis sich das Knäuel auflöst, der Wind ins Tuch fährt und es sich mit einem kräftigen Ruck wieder zur richtigen Seite entfaltet. Es hält doch offenbar Einiges aus 😨🫣, aber ein Verlust des Levante noch zum Ende unserer Atlantiküberquerung hin hätte das insgesamt tolle Erlebnis doch erheblich getrübt.
    Ich kann auch rasch wieder einschlafen, und die restliche Nacht verläuft ruhig. Doris schenkt mir 1/2 Stunde zu meiner Schlafphase dazu, um die „Störung“ etwas auszugleichen. Das ist schön.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 18

    February 15, 2024, Nordatlantik ⋅ ☀️ 27 °C

    Etmal: 138 sm, Wind 3 - 4 Bft., sonnig , 27°C, zurückgelegt 2.425 sm, geplant noch 567 sm

    Die vorhergesagten 23 Ktn werden nur in der ersten Nachthälfte erreicht. In der zweiten Hälfte geht der Wind in Böen nur an die 20 Ktn. Um 8:00 Uhr gibt es einen herrlichen Sonnenaufgang. Immer wieder schön anzusehen. Meist setze ich mich schon in der Dämmerung nach außen. Ich habe da so einen herrlichen Platz, von wo aus ich schön aufs Wasser schauen kann. Es sind nur noch sehr wenige Wolken am Himmel. Diese werden im Laufe des Tages alle verschwinden, damit geht es aber leider auch mit dem Wind bergab. Naja, bald sind es nur noch knapp 10 Ktn, so richtig voran kommen wir damit nicht mehr. Ventusky hat es ja vorhergesagt 😉. Aber das Motoren möchten wir auf Jeden Fall möglichst vermeiden. Dann kommen wir eben einen Tag später an, uns treibt ja nichts (mehr).
    Das ruhige Wetter ermöglicht es sogar, dass Uwe mit dem Vileda-Putzsystem tatsächlich aufs Oberdeck steigt um den Dreck wegzuwischen. Immer noch liegt Saharastaub in vielen Ecken, und vielleicht verdoppelt sich ja durchs Reinigen der Ertrag der Solarpaneele? Verdoppeln nicht direkt, aber der Energieertrag wird am nächsten Tag doch hoffentlich erfreulich höher ausfallen! Aber auf dem Oberdeck sind die Ausschläge des Bootes trotz der niedrigeren Wellen immer noch recht ausladend und ein sicherer Stand findet sich nicht so recht, so dass der Skipper aus Sicherheitsgründen das Unterfangen nicht ganz zu Ende bringt.
    Der Tag ist tatsächlich ein wenig eintönig. Als die Windgeschwindigkeit gegen Abend unter die 9 Ktn. fällt, macht es echt keinen Spaß mehr, und auch das Leichtwindsegel hängt etwas schlaff zwischen den Leinen 🙄. So ist es typisch für das Seglerdasein: war es Einem die Nacht vorher nicht Recht, daß der Wind deutlich über 20 anstieg, und beklagte Doris gestern die Lautstärke des unaufhörlichen Wasserrauschens im Heckbereich, so jammert man heute über das Gegenteil. War dem Neptun der Schluck Schnaps vor drei Tagen zu wenig? Sollen wir eine ganze Flasche opfern? Wir zögern…
    Wenn man wenigstens Angeln und einen Fisch erbeuten könnte! Dies ist aber leider seit einiger Zeit nicht mehr möglich, da im Wasser große Mengen Braunalgen der Gattung Sargassum schwimmen. Die Pflanzen hängen sich schnell in großen Büscheln an den Ködern fest und täuschen sogar durch den Zug einen Biss vor! Uwe wirft die Angeln inzwischen schon gar nicht mehr aus, das Ergebnis ist zu traurig. Man hat sogar das Gefühl, dass mit den Büscheln im Schlepptau das ganze Boot abgebremst wird. Und das hat sowieso gerade die Langsamkeit entdeckt….🙄 📖 ….Immerhin, ein Büschel Algenblüte zum Valentinstag, wer bekommt das schon außer mir? 🌿
    Laut meiner Nachforschungen befinden wir uns nämlich gerade im sogenannten „Great Atlantic Sargassum Belt“ (siehe Bild). Dieser Braunalgenteppich erreichte angeblich 2019 seine bisherige Höchstlänge und erstreckte sich über 8.300 km vom Golf von Mexiko bis zur Westküste Afrikas. Golftange kommen festgewachsen oder freischwimmend weltweit in den wärmeren Meeren vor. Die meisten Arten bilden Schwimmblasen (Pneumatocysten), die sie immer an der Oberfläche halten. Seit 2011 kommt es zu einem vermehrten Auftreten der Sargassum-Tange im Atlantik, die sich zu einer regelrechten Plage auswachsen und einige Inseln 2018 den Notstand ausrufen ließen.
    Als Ursache werden Klimaerwärmung, Überdüngung und Abholzen der Amazonas-Regenwälder vermutet.
    Der an beliebten Stränden, z.B. der Dominikanischen Republik, angetriebene, stinkende Seetang (er setzt beim Zersetzen Schwefelwasserstoff frei) schadet aber nicht nur dem Tourismus, sondern gefährdet in zu großer Anhäufung das Überleben von Korallen und anderen marinen Spezies, da im flacheren Wasser Licht und Sauerstoff verringert werden. In geringer Menge bietet die schwimmende Alge allerdings sonst Schutz für Kleingetier bis zur Kinderstube für Schildkröten!
    Da das Sargassum mit etwa 3 Mio. Tonnen im Großen Sargassum Gürtel eine gigantische Menge Kohlenstoffbiomasse darstellt, erwägen Forscher nun, sie mit Robotern einzusammeln und auf den Meeresgrund zu versenken. Damit soll ein Beitrag zur Senkung des Kohlendioxids in der Atmosphäre geleistet werden, da durch diese Methode der Kohlenstoff für Jahrhunderte auf dem Meeresboden gespeichert werden könnte. Ein wahrlich ambitioniertes Projekt des Start-up’s „Seaweed Generation“.
    Bleiben wir bei unserem Kalorienhaushalt an Bord: wir haben heute frisches Baguette gebacken. Außerdem hat Doris fürs Abendessen spontan ein neues Menü erfunden: Fischragout ( unser letzter Mahi-Mahi) in Lauch-Ingwer-Zucchini Sahnesoße mit frischen Ravioli. Da läßt es sich zuversichtlich in die Nacht blicken. 😁
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 17

    February 14, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌬 27 °C

    Etmal: 150 sm, Wind 5 - 6 Bft., sonnig , 27°C, zurückgelegt 2.287 sm, geplant noch 705 sm

    Die Berechnungen für die letzten Tage laufen. Es wird spannend. Kommen wir am Montag den 19. abends oder doch eher am 20. morgens an ? Die App von PredictWind weiß es jeden Tag anders. Auch die Routings sind jedes Mal andere. Mal geht es weiter südlich bis zum 11. Breitengrad, beim nächsten Mal doch besser geradeaus ins Ziel. Das hilft mir beim eigenen Wetterrouting aber nicht wirklich gut weiter. Letztlich muss ich meine eigene Strategie wählen, und bis jetzt hat sie auch ganz gut funktioniert. Sehr hilfreich ist mir bei der Planung eine Wetterapp namens Ventusky. Doris hatte sie bei sich schon längere Zeit installiert. Ich fand sie erst nicht so prickelnd, aber inzwischen ist sie zur App meiner Wahl geworden. Zum einen trifft sie die Voraussagen nach meinem Empfinden am besten, zum anderen ist sie sehr übersichtlich und anwenderfreundlich. Neben Wind, Gewitter, Regen und Wellenhöhe gibt sie auch den Cape-Wert an, der für die Vorhersage von Squalls wichtig ist.
    Für das Routing habe ich mir eine Liste mit den wichtigsten Eckpunkten vorbereitet. Bestimmt werden immer die Koordinaten für den nächsten Tag. Der Fortschritt des Längengrades ergibt sich dabei aus der geplant zurückzulegenden Strecke. Diese ist abhängig von der Windvorhersage und beträgt in der Regel zwischen 120 und 150 sm. Der anzustrebende Breitengrad ist wiederum abhängig von der zu erwartenden Windgeschwindigkeit. Meist weht südlich ein kräftigerer Wind, während im Norden, in den Kalmen, der Wind schwächer ausgeprägt ist. Er sollte nicht zu stark und auch nicht zu schwach wehen. Hier gilt es auch sehr vorausschauend zu planen. Wir können ja nicht so ohne weiteres hoch und runter springen.
    So sitze ich des Öfteren vor dem IPad, schaue mir meine Planung an, verfeinere oder korrigiere sie.
    Am heutigen Tag passt jedenfalls wieder alles. Die Sonne lacht, ein frischer Wind weht und wir kommen gut voran. Zum Abendbrot gibts leckeres „Rührei Plus“.
    In die Nacht hinein geht es bei fast wolkenlosem Himmel und einem herrlichen klaren Sonnenuntergang endlich mal wieder ohne Dunst am Horizont. Angst vor Squalls brauchen wir heute Nacht nicht zu haben.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 16

    February 13, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌬 26 °C

    Etmal: 162 sm, Wind 5 - 6 Bft., sonnig , 27°C, zurückgelegt 2.137 sm, geplant noch 831 sm

    Mit unserem Leichtwindsegel geht es in die Nacht hinein. Wind fast genau von hinten bis 21 Ktn. In den Böen sind 25 Ktn vorausgesagt. Beste Bedingungen. Im Bett ist es schon ganz schön warm geworden und die Decke ist schon fast zu dick. Die Luken sind offen und man hört das Rauschen des Wassers. Inzwischen erkennt man schon am Klang, wie schnell man unterwegs ist. Heute sind wir sehr gut unterwegs, der Wind hält sich lange stabil. Um 3:00 Uhr übernehme ich meine Schicht. Keine neuen Infos zur Übergabe: Keine Funksprüche, keine Schiffe in Sicht, Wind ist gut.
    Und der Wind ist sehr gut 🥴. Er wird allmählich immer stärker, geht auf 23 Ktn. hoch, das ist schon heftig… Jetzt das Segel runterholen ist aber auch nicht die Lösung. Der wahre Wind steigt weiter an, 25 Ktn., jetzt wird mir schon etwas mulmig, mehr sollte es nun wirklich nicht mehr werden.
    Zum Glück habe ich vor kurzen einen Beitrag in der österreichischen Yachtrevue gelesen, hier wurden Leichtwindsegel getestet und ein Artikel von Gerhard Schöchel war auch abgedruckt. Er hat die ARC (eine große Regatta mit über 200 Booten, von Gran Canaria nach St. Lucia) zum großen Teil mit einem Parasailer gesegelt und das bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 35 Ktn. Okay, bis dahin habe ich ja noch ein bisschen Luft. Der Wind verläuft dann auch wieder in gemäßigten Regionen und ich kann mich wieder entspannen.
    In den Tagen auf dem Atlantic haben wir gelernt, dass die Windgeschwindigkeiten abhängig von der Tageszeit zu und abnehmen. Genauso nimmt der Luftdruck zweimal am Tag zu und wieder ab. Anfangs war ich beunruhigt, als das Barometer um 3 hPa innerhalb von 3 h fiel. Eigentlich bedeutet das, dass stärkerer Wind im Anmarsch ist. Daraufhin hatten wir auch unser Leichtwindsegel geborgen (Tag 5), Schlimmes passiert ist aber damals nicht. Inzwischen wissen wir, dass diese Schwankung ganz normal ist , fast jeden Tag haben wir die gleiche Situation. Der Wind nimmt auch zu, meist am Morgen und am frühen Abend, aber wir können inzwischen besser damit umgehen.
    Ein ganz besonderes Lob geht an diese Stelle an unseren „dritten Mann“ an Bord, unseren Autopiloten. Was wären wir ohne ihn? Diese Überfahrt wäre so undenkbar. Seit ich seine Empfindlichkeit neu eingestellt, d.h. reduziert habe, verrichtet er seine Arbeit ganz souverän. Manchmal denken wir schon, er sei eingeschlafen, weil sich das Lenkrad länger gar nicht mehr bewegt, dann kommt wieder mal eine kleine Lenkkorrektur. Kommt eine große Welle und wirft uns mal aus dem Kurs, dreht er das Ruder einmal hin und einmal her und es passt wieder. Tolle Leistung!
    Der Tage heute geht als „Tag des Rauschens“ in die Überfahrtschronik ein. Wir haben Wellen bis 3,0 m Höhe und fahren mit bis zu 7 Ktn. dahin. Es ist ein einziges Konzert von gurgelndem Wasser, irre schön.
    Zum Abendbrot gibt es selbstgemachtes Letscho mit Fleischwurst, lecker.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 15

    February 12, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌬 26 °C

    Etmal: 151 sm, Wind 5 - 6 Bft., sonnig , 27°C, zurückgelegt 1.975 sm, geplant noch 993 sm

    Die Überfahrt ändert sich. Hatten wir anfangs Wind von hinten, ideal für unseren Levante, so kommt er jetzt seitlicher. Aus diesem Grund haben wir auch seit gestern unsere Standardbesegelung aufgezogen (Großsegel und Genua). Der seitliche Wind bedingt leider auch seitliche Wellen. Diese sind für unseren Kat unangenehm, da dieser dadurch hin und her schaukelt. Anders beim Mono, der Wind seitlich im Segel lässt diesen stabil auf einer Seite liegen. Des einen Freud, des anderen Leid.
    Hinzugekommen ist auch die Bewölkung. Hatten wir anfangs von Morgens bis Abends Sonne, gesellen sich jetzt schon Wolken dazu.
    Aufpassen müssen wir jetzt auch auf Squalls. Diese Wolkengebilde, aus denen starker Regen fällt und die noch dazu Windböen mit bis zu 35 ktn. hervorbringen, können echt gefährlich werden, wenn man sie nicht rechtzeitig sieht und frühzeitig die Segel refft. Diese regionalen „Kleinstürme“ nähern sich in der Regel sehr rasch und entgehen grossräumigen Wettervorhersagen. Also immer schön den Horizont im Auge behalten. Am Tag kann man diese ja noch sehen, aber in der Nacht wird das schwieriger. Zum Glück haben wir Radar an Bord, damit soll man diese sehen. Wir haben es aber noch nicht erlebt, wir werden berichten. Im Moment müssen wir uns aber wohl noch nicht fürchten, die Cape- Werte sind noch sehr gering und damit die Gefahr von Squalls sehr überschaubar. Zum Glück haben wir Internet an Bord und können damit genau die Wetterkarten studieren.

    Windmäßig läuft hier auch alles gut. Vor dem Kaffeetrinken haben wir wieder unser Lieblingssegel hochgezogen. Mit Genua und Groß sind wir zu weit in den Norden geraten. Abfallen konnten wir nicht weiter, da sonst die Genua nicht mehr richtig stand. Jetzt, mit dem Levante, geht es wieder genau auf den von uns gewünschten Wegpunkt zu.
    Die Nachtschichten sind weitgehend ruhig, zumindest was die „soziale Kommunikation“ mit der Aussenwelt angeht: Kein einziges anderes Boot auf dem Bildschirm, kein einziger Funkspruch. Kurz gekuckt, ob das Funkgerät überhaupt eingeschalten ist… ja, es ist.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 14

    February 11, 2024, Nordatlantik ⋅ ☀️ 25 °C

    Etmal: 142 sm, Wind 4 - 5 Bft., heiter, 27°C, zurückgelegt 1.824 sm, geplant noch 1.144 sm

    Heute Morgen gibt es schon richtig Action. Gestern Abend hatte ich schon gesehen, dass am frühen Morgen ein richtiger Winddreher von West auf Nord ansteht und der Wind dabei auffrischen sollte. Nichts für unser Leichtwindsegel. Ich habe es aber nicht schon am Abend bergen wollen, da uns hierdurch viel Strecke verlorengegangen wäre.
    Zum Schichtwechsel um 3:00 Uhr weihe ich Doris in meine Pläne ein, das Levante jetzt gleich runterzunehmen. Sie ist natürlich erstmal überhaupt nicht begeistert, und reibt sich noch die Augen, ob sie da richtig gehört hat? Ich habe sie aber von der Notwendigkeit überzeugen können. Also ran an die Arbeit. Es verläuft auch gar nicht dramatisch, der Wind bläst mit 13 Ktn., das hatten wir schon schlimmer. Jetzt gleich noch die Genua hoch und fertig sind wir. Nach 30 min. ist alles erledigt und ich kann ins Bett gehen. Die halbe Stunde fehlenden Schlafes können wir auch gleich nachholen, denn heute ist eh wieder Zeitumstellung und wir gewinnen eine Stunde, da wir schon wieder in eine neue Zeitzone gesegelt sind.
    Heute Morgen sieht Doris auch gleich, wie wichtig die Umstellung gewesen ist: der Wind bläst mit über 20 Ktn. direkt von der Seite, die Wellen sind schon richtig hoch und wir werden hin und her geworfen.
    Das hält mich aber nicht davon ab, nach dem Frühstück noch das Groß zu setzen, denn wir wollen ja irgendwann ankommen. Jetzt rauschen wir mit 7 Ktn. über das Wasser.
    Die Freude über flottes Dahingleiten hält auch soweit den ganzen Tag an. Wenn nur das verstärkte Schaukeln nicht wäre! Duschen unten kann man erstmal vergessen, Katzenwäsche tut es auch mal…
    Wir gehen den Rest des Tages geruhsam an, viel veranstalten kann man jetzt eh nicht. Ein wenig wird gestaubsaugt, das war’s dann schon. Putzen fällt ins Wasser - im wahrsten Sinne des Wortes - man will sich ja nicht unbedingt mitsamt Vileda Mob und Putzeimer nach hinten über die Treppen von Bord verabschieden. Wär‘ auch schade um das gute Putzwerkzeug 🤣..!
    Doris macht sich dann trotzdem daran, ein vollwertiges Abendessen zuzubereiten. Es gibt heute „Toast Hawai nach Art des Hauses“. In Hawai sind wir zwar noch nicht, aber einen „Toast Atlantik“ kenne ich nicht. Er würde im Moment wahrscheinlich aus aufgetautem Mahi-Mahi, verfeinert mit den Braunalgen, die hier zur Zeit zu Hauf herumtreiben, bestehen 🤢. Doch zu diesem Thema ein andermal. Und wer sich für die Besonderheiten des Toast Hawai nach Art des Hauses interessiert, kann sich das Rezept von mir wünschen. Auf dem Bild sieht man es schon ein wenig. Natürlich besteht eine Männerportion aus zwei Hawai Toasts nacheinander serviert 😉.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 13

    February 10, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌙 25 °C

    Etmal: 138 sm, Wind 3 - 5 Bft., sonnig, 27°C, zurückgelegt 1.682 sm, geplant noch 1.286 sm

    Vielleicht war der Schluck zu klein? Zu unserem Bergfest haben wir ja Neptun und Rasmus einen Schluck von unserem guten Wodka gegönnt und beide verwöhnten uns dann auch mit kräftigem Wind durch die Nacht. Doch jetzt, wir frühstücken gerade, ist davon nichts mehr zu spüren, nur die Wellen sind noch übriggeblieben, und so werden wir ordentlich durchgeschaukelt. Zum Glück lässt die Welle aber mit der Zeit nach und wir ziehen langsam unsere Spur durch den Ozean.
    Beide können wir heute allerdings nicht gut unseren Mittagsschlaf halten: Oben stört das etwas schlagende Oxley bei zu wenig Wind, und als Uwe im Freisitz hinter der Küche einzuschlafen versucht, stört ihn mein Geklapper vom Abspülen. Als Doris dann nach dem Kaffeetrinken „drankommt“ mit Schläfchen, geht es irgendwie auch nicht recht…
    Sehr erfreulich ist, dass der von Doris angesetzte Baguetteteig dolle gut aufgeht und sich auch das Back- und Geschmackserlebnis positiv von bisherigen selbstgebackenen Baguettes abhebt: endlich ist das Brot fluffig mit viel Luftbläschen 🙄 und kann mit dem gekauften mithalten… Sie muß sich nur ihre kleinen Abänderungen vom Thermomix Rezept merken, z.b. hat sie 8 anstelle 4 g Trockenhefe genommen…. Sie wollte es mal wissen, wie das ist mit den Luftbläschen….😜.
    Und wer öfter selbst Hefeteige macht, weiß, dass sie manchmal gut und manchmal weniger gut funktionieren, obwohl man nach Kräften alles gleich gemacht hat. Bei der Hefe lebt halt was, und Leben hat Launen.
    Da das Boot alsbald so ruhig im Wasser liegt, nimmt Uwe nachmittags sogar seine Bauchgymnastikeinheiten auf der Matte auf dem Vorschiff wieder auf. Das war so zuletzt in Griechenland möglich!
    Insgesamt gehen wir heute beide etwas müder in die Nachtschichten als sonst. Aber es muß ja alles weiterlaufen, und es ist Keiner da weit und breit, uns zu ersetzen.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 12

    February 9, 2024, Nordatlantik ⋅ ☀️ 25 °C

    Etmal: 126 sm, Wind 3 - 5 Bft., sonnig, 27°C, zurückgelegt 1.544 sm, geplant noch 1.424 sm

    Bergfest: Heute um 20:00 Uhrhaben wir die halbe Strecke geschafft. Dies haben wir mit einem kleinen Gläschen Sekt gefeiert.
    Uwe freut sich seit Tagen, dass wir den Abstand zu zwei deutschen Einrumpfern, die „Passion“ und die „Emotion“, welche 2 Tage vor uns auf den Kanaren gestartet sind, kontinuierlich verkleinern, ja sie sogar bald überholen. Sie segeln etwa 50 sm nördlich von uns im windärmerem Bereich und sind einfach langsamer. Dabei wird den Katamaranen ja nachgesagt, dass sie „so schlecht Segeln“. Können wir nicht bestätigen, wir sind sehr zufrieden. Allerdings steht Uwe auch auf „Du und Du“ mit Herrn „Ventusky“ persönlich und schaut ihm sehr oft am Tag in die „Windkarten“. Das zahlt sich eben doch aus 😀.

    Knapp zwei Wochen sind wir nun auf unserem Kat unterwegs. Es war bisher eine sehr angenehme Überfahrt. Der Wettergott war uns hold, und wir durften seit fast von Anfang an den Passatwind von Achtern genießen. Dabei lassen wir uns von den langen kräftigen Atlantikwellen auf und ab heben.
    Inzwischen hat sich bei uns auch eine Bordroutine eingestellt. Diese ist bestimmt von den regelmäßigen Mahlzeiten, abwechselnden 3h-Nachtwachen, morgens schön Duschen (ein fleißiger Wassermacher machts möglich), Lesen, Musikhören, Sport in Form von Steppen treppauf/ treppab oder Gymnastik, Segel Trimmen, Aufräumen, Kochen und Saubermachen. Für mich nimmt das Schneiden unserer YouTube Videos den größten Teil der Freizeit ein. Uwe bewältigt den Hauptteil der Wetterbeobachtung und das Routing. Da habe ich bestimmt noch was vergessen - ach ja, Blumengiessen, Busuu Sprachlektionen, Körner mahlen, Brot Backen… Keine Spur von Langeweile. Kaum dass man bis abends fertig ist …🤣.
    Das hautnahe Erleben der Natur mit dem Farbenspiel des Himmels zum täglichen Sonnenauf- und Untergang, der Blick über den weiten Ozean allseits bis zum Horizont, und der Wind, der die Segel strafft - das ist es, warum wir Segler hier draußen sein wollen! Dass die Natur auch mal launisch und widerborstig sein kann nehmen wir als gegeben in Kauf. Damit sie sich aber nicht gegen uns wendet, ist es alte Seglertradition, den Neptun mit kleinen Geschenken günstig zu stimmen… Da wollen wir doch gleich morgen früh mal schauen, ob ihm der Williams Geist von „Mattie“, mitgebracht von vielen Skiurlauben im Kaisergebirge aus dieser Ellmauer Obstbrennerei, auch schmeckt 😜. Wohl bekomm‘s !
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 11

    February 8, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌬 24 °C

    Etmal: 154 sm, Wind 4 - 5 Bft., heiter, 27°C, zurückgelegt 1.418sm, geplant noch 1.550 sm

    Vielleicht fragt ihr euch, wie machen die das denn mit der Stromversorgung auf dem Boot? Der Strom kommt ja nicht einfach so aus der Steckdose wie zu Hause 😉.

    Strom wird bei uns hauptsächlich über die Sonne gewonnen. Hierzu haben wir auf unserer Vitila über das ganze Boot Solarpaneele verteilt. Wir kommen damit rein theoretisch auf eine Leistung von 2500 kWp. Diese volle Leistung wird leider nicht erreicht, da ständig Paneels verschattet werden, die Temperaturen höher als die im Labor mit 20°C zugrunde gelegten sind, und auch ständig irgendwelche Verunreinigungen vorliegen. Auch der Stand der Sonne ist ausschlaggebend. Sind wir im Sommer in Griechenland gut mit dem Ertrag zurechtgekommen, so haben uns im Winter im Mittelmeerraum viele Amperstunden Ertrag gefehlt, und der Generator musste öfters laufen.
    Da sind wir auch schon bei den Redundanzen: Wenn die Sonne als Energielieferant nicht ausreicht, können wir über unsere Lichtmaschinen an den Motoren Strom erzeugen. Dies nutzen wir aber nur, wenn der Motor eh laufen muss. D.h. wir schalten die Bootsmotoren nur zum Vortrieb oder zum Betrieb der Ankerwinsch ein. Außerdem haben wir einen großen Stromgenerator an Bord, welcher 9 KW erzeugt. Die ganze Energie muss aber auch irgendwo gespeichert werden. Hierzu haben wir eine Akkubank mit vier LiFePo4 Batterien, die eine Gesamtkapazität von 800 Ah haben.
    Wozu braucht man so viel Strom? Wir haben 2 Kühlschränke und einen Freezer an Bord. Computer und Handys wollen geladen werden. Die Bordelektronik und der Autopilot haben einen Mordshunger, und Starlink verbraucht auch Einiges. Gekocht und gebacken wird teilweise auch mit Strom. An der Spitze steht aber unser Wassermacher: dieser schluckt 3500 W. Als besonderen Luxus haben wir noch eine Klimaanlage im Eignerbereich an Bord. Diese kommt aber bisher nur selten zum Einsatz. Mal sehen, ob sich das in den Tropen bald ändern wird 😰.
    Im Moment können wir unsere Energie auch noch nicht ganz durch die Sonne decken. Der Sonnenstand ist noch zu niedrig und die Tage kürzer. Ab 15:00 Uhr werden die Paneele außerdem durch das Segel beschattet, dadurch geht uns Einiges an Ertrag verloren. Ab morgen wird unser Kurs etwas westlicher sein, vielleicht reicht dann die Sonne? Voraussetzung wäre hierfür allerdings auch ein möglichst wolkenfreier Himmel…

    Im Verlauf der letzten Monate wurde auch klar, dass der große Inverter mit 5000 W schon in Ruhe ordentlich Strom verbraucht (ca. 10Ah, macht 240A in 24 Stunden, ein Viertel unserer Kapazität). Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, einen zweiten kleineren Inverter mit 500 W einzubauen. Dieser ist für den normalen Betrieb zuständig und auch für Starlink ausreichend. Boiler, Wassermacher und Elektroherd sowie Backofen und einige Steckdosen gehen dann aber nicht. Eine kleine Einschränkung der Lebensqualität, erhitzt man das Teewasser in der Nachtschicht eben mit Gas. Und Haare Fönen muss Doris auch in der Regel nicht nachts 😜. Aber unsere Energiebilanz ist deutlich verbessert.

    Ansonsten läuft hier alles nach Plan. Wir sind gesund und munter, leiden nicht an Langeweile und vertragen uns noch prima.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 10

    February 7, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌬 24 °C

    Etmal: 141 sm, Wind 4 - 5 Bft. sonnig, 25°C, zurückgelegt 1.264 sm, geplant noch 1.704 sm

    Ein ganz normaler Tag. Die Nacht verläuft auch ohne Zwischenfälle. Der Wind bläst mit knapp 20,Ktn. Im Mittel fahren wir 5 Ktn., das geht, ist aber nicht umwerfend schnell. Im Mittel 6 Ktn. wäre schon wünschenswert. Ich mache also Doris nach dem Frühstück den Vorschlag das Leichtwindsegel wieder hochzunehmen. Sie ist davon in ihrer ersten Reaktion nicht begeistert. Weht doch der Wind in der Spitze immer noch mit knapp 20 Ktn. Es ist schon etwas sportlich, das Levante unter diesen Bedingungen zu aktivieren, ist doch ein Großteil der Vorbereitungen auf dem Vordeck zu verrichten, und zusätzlich zum „frischen“ Wind steigt das Boot vorne im Wellengang jetzt ganz schön auf und nieder.
    Sie willigt dann aber doch ein, irgendwann wollen wir ja auch mal ankommen 😉, und so schreiten wir zur Tat. Als ich alle 4 Leinen wieder mit Palsteg an den zwei unteren Ecken der Stoffbahn sicher befestigt habe beginnen wir, den Bergeschlauch zu liften. Da merken wir allerdings, dass sich das Segel im Bergeschlauch irgendwie verdreht hat und wir müssen diesen wieder langsam absenken. Sollte das Segel nämlich ineinander verwickelt aus der schützenden Hülle rutschen, führe sofort der Wind hinein und das Chaos wäre vorprogrammiert 🫣. Der lange Schlauch mit dem Segel drin kommt also wieder herab. Er ist schwer und tanzt munter im Wind herum und schlägt nach allen Seiten aus.
    Die Arbeit ist anstrengend und fordert volle Konzentration und gute Balance. Warm ist es inzwischen auch geworden, so daß ich mich rasch umziehe und etwas trinke.
    Ich krieche dann ein Stück in die Öffnung des Bergeschlauches hinein und entwirre das Segel. Doris entgleitet dabei fast die Halteleine, so sehr zerrt ruckartig der Wind an allem. Beim zweiten Versuch klappt es dann, der Bergeschlauch gleitet hoch und das Tuch entfaltet sich zur vollen Pracht. Gleich springt unsere Vitila, die eine halbe Stunde nur herumgedümpelt ist, an und segelt mit 7 Ktn davon. Als in der Folge der Wind noch etwas abflaut sind über unsere Entscheidung doppelt froh.

    Nun steht die nächste Arbeit an: Seit Tagen kämpfen wir mit Wasser in der Backbordbilge. Es sind pro Tag um die 5 l, und da es sich um Salzwasser handelt beunruhigt uns das doch. Könnte ja noch mehr werden. Die letzten Tage habe ich den Fehler schon systematisch eingegrenzt. Der Rumpf ist in der Bilge längs durch den Kiel getrennt und die einzelnen Schotts mit Löchern verbunden. Diese habe ich geschlossen und so wusste ich jetzt genauer, wo das Wasser eindringt. Leider sind aber verschiedene Stellen am Boot sehr schlecht zugänglich und man muss sich winden wie ein Aal, um dorthin zu gelangen. Am besten, man wäre ein Schlangenmensch.
    Ich habe nun herausgefunden, dass wahrscheinlich ein Schlauch nicht richtig fest an einem Bordeinlass befestigt ist. Da jetzt ranzukommen ist aber jetzt schlicht unmöglich. Ich werde bei nächster Gelegenheit ein Loch in die Rückwand des dortigen Badschrankes schneiden müssen und dieses mit einer Revisionsklappe verschließen. Erst dann kann ich den Schlauch abdichten. Da sich der Borddurchlass jedoch oberhalb der Wasseroberfläche befindet, ist keine Gefahr in Verzug, und ich werde die Arbeit erst ausführen wenn ich diese Klappe habe. Damit steht für die nächsten Tage erstmal jeden Tag die Bilge trockenlegen an. Man hat ja sonst nichts zu tun 😉.

    Da meine große Handangel trotz neuen Köders erneut verschmäht worden ist, geht es heute wieder mal an die Vorräte: Doris kocht braune Berglinsen und bereitet mit Zwiebeln, Sellerie, Karotten und Kartoffeln einen leckeren Linseneintopf zu. Die Tipps zur Aufbewahrung von Mohrrüben auf Langfahrt aus einem Buch bewähren sich bisher: nur zwei oder drei davon zusammen in ein Blatt Küchenrolle und dann in Alufolie gewickelt im Kühlschrank verstauen. Ohne Kühlung werden sie trotz guter Belüftung - z.B. im Netz oder auch dunkel gelagert - sehr schnell weich und schwarz. Abgerundet wird die Suppe mit Wiener Würstchen und frischer Petersilie aus unserem „Bord-Kräutergarten“. Danach wird sich wohlig zurückgelehnt und der letzte Schluck Bier 0,0 % ausgetrunken. Noch schnell der Abwasch, es ist längst stockdunkel - im wahrsten Sinne des Wortes bei Neumond - , dann geht es um 21.00 Uhr für Uwe schon ab ins Bett nach unten. Da es täglich etwas wärmer wird, haben wir heute das erste Mal seit langem wieder draußen zu Abend gegessen. Sehr schön!
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 9

    February 6, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌬 23 °C

    Etmal: 123 sm, Wind 5 - 6 Bft, sonnig, 24°C, zurückgelegt 1.123 sm, geplant noch 1.845 sm

    Es wäre doch schön, wenn alles mal funktionieren würde. Wobei wir uns nicht beklagen wollen, bis auf etwas Wasser in der Backbordbilge hat die letzten Tage alles ganz gut funktioniert. Diese Nacht ist aber wieder mal Trouble angesagt.
    Kurz vor vier ruft mich Doris aus dem Bett, ich soll schnell hochkommen, der Wind hat wieder auf einmal stark gedreht. Ich rasch aus dem Bett gekrabbelt und die Brille aufgesetzt - man lernt ja dazu - bekomme ich aber gleich einen Anraunzer, wo ich denn so lange bleibe, das Segel würde kaputt gehen….
    Rasche Winddreher von bis zu 48° lassen das Segel immer wieder einfallen und stark zur Seite schlagen. Das Boot dann manuell steuern bei diesen starken Ausschlägen und ohne Orientierung im Dunkeln außer den Sternen (der Mond geht erst später auf) muss auch erstmal gelernt sein.
    Ich versuche immer wieder mal den Autopiloten zu starten, aber leider vergebens, er macht gar nichts. Keinen Mucks gibt er mehr von sich, und unser Boot dreht immer wieder seitlich weg. Den Autopiloten komplett resetten traue ich mich nicht, denn wenn dann alle Anzeigen ausfallen sind wir vollkommen orientierungslos. Soll das von Hand Kurbeln jetzt 2 Stunden so weitergehen, bis es immerhin hell wird? Es gib nur eine Möglichkeit: das Segel muss runter. Dazu muss Doris jetzt ans Steuer. Sie hat aber in solchen Situationen noch nie vor dem Rad gesessen und erst recht nicht in stockdunkler Nacht. Sie traut sich, ich sitze erst 10 Minuten neben ihr und weise sie ein so gut es geht unter diesen Bedingungen. Immerhin habe ich inzwischen T-Shirt und Jacke an, Doris hat sie mir hochgebracht, und ich bin zwischen zwei Kurbelaktionen irgendwie hineingeschlüpft. Die nackten Beine läßt mich mein Adrenalinschub gar nicht erst zu Bewußtsein kommen.
    Nach einer Viertelstunde hat sie es drauf und ich lasse sie im Cockpit alleine, verbunden aber über die rasch aktivierten Headsets.
    Der Wind bläst mit 15 Ktn. im Moment moderat. Ich bereite alles vor für den Segelfall, und dann geht es auf mein Kommando los. Von der Schot und dem Niederhalter auf der Backbordseite gelöst flattert das Levante nun ziemlich haltlos. Jetzt muß alles schnell gehen! Rasch eile ich nach vorne und ziehe mit Hilfe der Bergeleine, die ich vorher griffbereit am Mast vorbereitet habe, den sogenannten Sniffer mit dem Bergeschlauch über das dünne Riesentuch. Dieser aufblasbare stabile aber nicht kantige Ring am Eingang des Bergeschlauches (Doris nennt ihn immer liebevoll „Donut“ ) ist wirklich eine gute Erfindung von Oxley, er rutscht gut über das aufgebauschte weggedrehte Segel.
    Doris kann es am Ende kaum fassen, wie schnell das dann doch gegangen ist. Nun erst mal alle Leinen sortiert und das Segel in der Kiste verstaut. Anschließend startet Doris die Motoren. Jetzt kommt der Moment, in dem ich den Autopilot resette und siehe da, er funktioniert wieder! Die Windanzeige ist währenddessen aktiv geblieben, das ist gut zu wissen, falls dieser Fall wieder mal eintritt.
    Den Ausfall des Piloten kann ich mir nur so erklären: Bei starken Winddrehern versucht er natürlich, diese schnellstmöglich auszugleichen, bekommt aber sehr hohen Gegendruck durch das Ruder, worauf ihn eine Sicherheitsschaltung aussteigen lässt um Schäden in der Mechanik zu vermeiden. Beim nächsten Mal weiß ich, dass ich den Autopilot auch in der Nacht ersetzen kann. Wieder etwas dazu gelernt. Dazu macht man ja diese Fahrt 😉.
    Der restliche Tag verläuft ruhig mit der inzwischen eingespielten Bordroutine. Die Genua lassen wir den ganzen Tag gesetzt, da wir immer wieder Böen bis 22 Ktn. bekommen. Wir haben keine Lust bei dieser Windstärke das Drama von heute Morgen nochmal zu erleben. Die See hat sich inzwischen auch mehr aufgebaut. Ab und zu krachen die Wellen ordentlich an das Unterdeck, dass es nur so scheppert.
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  • Überfahrt in die Karibik, Tag 8

    February 5, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌙 22 °C

    Etmal: 129 sm, Wind 4 - 5 Bft, sonnig 26°C

    Es kommt wie es kommen musste. Ich träume so schön vor mich hin, auf einmal ein Ruf aus der Ferne: deine Schicht beginnt……! Ich weiß erst gar nicht wie mir geschieht. Wecker nicht oder falsch gestellt? Auf jeden Fall verschlafen. Jetzt kommt es mir langsam in den Sinn, war da nicht was mit Zeitumstellung? Genau das war es, wir haben jetzt Kap Verdische Zeit, also eine Stunde drauf rechnen. Solltet ihr das Verlangen haben uns anzurufen, bedenkt, wir sind 2 Stunden hinter euch 😉.

    In der Schicht von Doris verirrt sich wieder Mal ein blinder Passagier auf unser Boot. Flattert und klopft doch was an die Tür, mitten auf dem Ozean. Ein kleiner Vogel hat sich verirrt, eine Art Mini-Möwe. Sie hat das Licht angelockt. Und wie Doris nun mal ist, wird der Gast gleich versorgt mit Wasser, Brot und Wiener Würstchen. Es ist ein eigenartiger Vogel, er hat Beine die eher zum Paddeln geeignet sind, relativ weit hinten am Körper angesetzt, und seine langen Zehen sind mit Schwimmhäuten ausgerüstet. Laufen sieht bei ihm drollig und unbeholfen aus. Nach einer etwa einstündigen Ruhephase strebt er wieder nach draußen. Er beginnt seine Flügel zu testen und schwirrt auf die Bänke hoch. Sehr kraftvoll wirkt es nicht. Noch einmal humpelt er in den Salon, lässt sich sogar hochheben, als er die Treppe hinuntergeraten ist. Dann flattert er unbeholfen über die Reling und verschwindet wieder im Dunkeln. Mir scheint, es wäre vernünftiger gewesen, das Tageslicht dafür abzuwarten. Aber ich will ihn nicht einsperren und aufhalten, sein Instinkt wird dem kleinen Kerl schon sagen, was richtig ist 🤨.

    Tagesbeschäftigungen waren heute:

    - Lesen
    - Bananenkuchen backen
    - Fitnesstraining
    - Englisch lernen (Uwe)
    - Spanisch lernen (Doris)
    - Mittagsschlaf 🤣
    - Video schneiden
    - Instagram Story
    - Klappereinrichtung für die Handangel basteln
    - Eingangstür putzen
    - Pilzrisotto Aufwärmen und Fischwürfel dazu frisch braten
    - Geschirrspülen (fast immer Uwe)
    - Wettercheck

    Das Anglerglück war uns heute nicht hold. Eine kleine Goldmakrele habe ich rausgeholt, ihr aber das Leben gelassen, da sie recht klein war. An meine Handangel habe ich einen neuen Köder angebracht. Die selbstgemachten funktionieren leider nicht. Die Haken die ich dazu gekauft habe sind von schlechter Qualität. Der Wiederhaken ist nach eintägigem Einsatz verschwunden, unbegreiflich. Zusätzlich habe ich noch eine Klappereinrichtung angebracht, um zu hören, wenn etwas angebissen hat.

    Die 8. Nacht verlief wieder ruhig. Ein 50-Fuß Katamaran, der uns rechts überholte und bis auf 5,3 sm herankam, antwortete leider nicht auf unseren freundlichen Funkspruch kurz vor Mitternacht. Schade. Wenn man schon mal Irgendwen auf dem Bildschirm sieht, hätte man gern Hallo gesagt.
    Dabei konnte man aber immerhin das Signal unseres neues Impuls-Dopplerradars testen. Es zeigt den Segler deutlich an, liegt aber noch nicht über dem AIS Signal. Das muß noch besser eingestellt werden. Das Hauptziel des Radars ist ja, Objekte zu identifizieren, die kein AIS haben oder Ufer (derzeit weniger von Bedeutung … 🤣) und Unwetterfronten rechtzeitig auszumachen. Bis das optimal funktioniert bedarf es einer subtilen Einstellung auf dem Plotter und evtl. Nacheichung unseres Kompasses.
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