? - Bilbao: Die Schnittchen Spaniens
18. kesäkuuta 2024, Espanja ⋅ ☁️ 22 °C
Nach einer leicht windigen Nacht an der Küste radeln wir auf einem kilometerlangen Radweg bis in die Innenstadt Bilbaos. Dass die Stadt durch die (Eisen-)Industrie groß geworden ist, erkennt man noch immer an alten und noch produzierenden Fabriken und durchmischten (Wohnungen, Hafenbereich, Industrie) (Arbeiter-?)Stadtvierteln. Gleichzeitig ist der Wandel zu einem modernen Stadtbild mit Radwegnetzen, Begrünung, neuer Architektur (Guggenheim-Museum) und vor allem eine enorme Schaffung von Wohnraum erkennbar. Namensgebend für den sogenannten Bilbao-Effekt.
Der Weg in die Stadt führt am Itsasmuseum, dem (regionalen) Maritim Museum Bilbaos und der Bizkaia vorbei. Ein kleiner Glücksgriff heute: Der Eintritt ist kostenlos und so legen wir einen mehrstündigen Museumsbesuch ein. Ein bisschen Stadtgeschichte, ein paar Exponate und wir erfahren, dass neben der Eisenindustrie auch der Walfang zeitweise eine wichtige Rolle spielte..
Nach einer kurzen Tour durch die Altstadt ist es wieder Zeit für ein TooGoodToGo-Experiment: Projekt Pinchos, die Tapas des Baskenlandes.
Ob es wohl eine spanische Hoppenstedt-Version gibt, in der Frau Hoppenstedt ein paar Pinchos macht? Die ähneln nämlich eigentlich ein bisschen unseren Schnittchen, nur dass sie manchmal noch ein bisschen extravaganter sind. Nach der Kostprobe steht die Verabschiedung an: Moritz fährt bereits heute weiter, und ich werde noch auf mein Paket warten und dann weiterreisen. So lange wie mit Moritz bin ich bisher mit niemandem zusammengereist; die nächsten Tage werden sicherlich wieder erst einmal eine Umstellung sein.
Im Anschluss begebe ich mich dann auf Herbergssuche. Laut Camino-App sollte ich hier eine für 11 Euro finden, doch als ich ankomme, heißt es plötzlich 31 Euro, was mir deutlich zu viel ist. Zelten ist heute auch keine Option, da Gewitter angesagt ist. Ich mache eine 12 km und 300 hm entfernte Spendenherberge in Lezama ausfindig und mache mich direkt auf den Weg. Unterwegs beginnt krachend das Gewitter in Begleitung von strömendem Regen. Unnötigerweise ist der Weg dann auch noch unglaublich steil und teils mit Treppen versehen, doch eine andere direkte Route gibt es nicht. Ich ärgere mich, mich nicht vorher um eine Unterkunft gekümmert zu haben. Nach einer guten Stunde komme ich dann allerdings an und mich erwartet eine kleine, warme und trockene Herberge.Lue lisää
Bilbao - Guernica: Caféhopping
19. kesäkuuta 2024, Espanja ⋅ ⛅ 17 °C
Heute trinke ich einfach nur Kaffee, ich erwarte noch das Paket und muss dementsprechend Zeit überbrücken. Von Lezama fahre ich daher zunächst eine andere Strecke zurück nach Bilbao und lege auf der Hälfte meinen ersten Cafés-Stopp ein. Eine klassische Bar, an der die Einheimischen aus und ein gehen, Zeitung lesen, Nachrichten schauen, Kreuzworträtsel lösen und den einen oder anderen Pincho essen.
Als Nächstes suche ich das Café im Maritim Museum auf. Da der Eintritt gestern kostenlos war und man auch nichts spenden konnte, trinke ich einfach einen Kaffee – kurioserweise verlasse ich das Café mit gut 20 Euro mehr und habe zudem noch einen Pincho ausgegeben bekommen (Erklärung unter [1]).
Für Kaffee Nummer drei fahre ich in die Altstadt, wo auch mein Paket ankommen soll. Interessanterweise läuft in Bilbao viel Popmusik-Klassiker und weniger spanische Musik. Ob das an der gewissen Abneigung gegenüber Spanien oder den vielen Engländern liegt, die hier Urlaub machen, bleibt ungeklärt.
Als ich die drei Kaffees hinter mir habe und auch ein paar FindPeguins geschrieben habe, ist mein Paket endlich angekommen – ich kann weiterradeln. Nächste Station: Guernica, die Stadt, die 1937 im Auftrag Francos von Nazi-Deutschland und italienischen Fliegern dem Erdboden gleichgemacht wurde. Es ist etwas komisch, hierherzufahren, zumal ich eingeladen wurde. Ich komme bei Etore unter, den ich auf dem Jakobsweg kennengelernt habe, und bekomme noch eine kleine Stadtführung. Im Anschluss gibt es Essen, und nach einem kurzen Mario-Kart-Duell, das ich haushoch verliere, heißt es: Gute Nacht.
[1] Wie hat sich das zugetragen?
Als ich gerade aufbrechen will, spricht mich ein Amerikaner auf mein schwer bepacktes Fahrrad an. Er sagt, er hätte mich beobachtet und fragt, ob ich noch ein Pincho möchte. Ich denke mir nichts dabei (bzw. nur, dass er an meiner Reise interessiert ist) und nehme die Einladung an. Als er dann selbst gar nichts mehr bestellt und mir das Wechselgeld überlassen will, kann ich dies gerade noch abwimmeln und bin bereits etwas verdutzt. Wir unterhalten uns kurz, als er plötzlich zusammen mit seiner Begleiterin aufbricht und mir 20 Euro in die Hand drückt. Nun bin ich wirklich verwirrt und versuche wieder abzulehnen. Doch da ich zwischen Wand und Tisch sitze, sind die beiden schon aus der Tür verschwunden. Ich fühle mich etwas unwohl. Sehe ich mit meinem vollbepackten Rad bemitleidenswert aus? So, als hätte ich Geld nötig? Mir kommen Amerika-Stereotype in den Kopf: Der reiche Amerikaner, der Geld verteilt? Sollte man sich überhaupt eine solche Frage stellen? Oder einfach akzeptieren, sich freuen, dass jemand – aus welchen Gründen auch immer – einen unterstützt? Am Ende kann ich das Geld ja auch weitergeben, spenden oder was auch immer damit tun. Also, warum sollte man es nicht annehmen und sich einfach darüber freuen?
Ich esse auf und fahre den beiden hinterher, um mich zumindest noch einmal zu bedanken. Dann gibt es auch noch eine kurze Erklärung: Er habe mich als Reisenden und Abenteurer wahrgenommen, es hätte ihn an seine Jugend erinnert und er fand gut, was ich mache. Ein Foto, ein Mailaustausch. Die Situation fühlt sich nun besser an.Lue lisää
Guernica- ?: Tintenfische statt Drachen
20. kesäkuuta 2024, Espanja ⋅ 🌧 18 °C
Von Guernica aus folge ich einem Schotterpfad am Fluss entlang. Ich hatte lange überlegt, ob ich über die Berge noch ein Stück zurück Richtung Westen an die Küste zum Game of Thrones Drehort „Dragonstone“ fahre. Das wäre aber mit einigen zusätzlichen Kilometern und Höhenmetern verbunden, auf die ich bei dem schlechten Wetter wenig Lust habe. Außerdem habe ich gar keinen Eisspeer dabei und dementsprechend sowieso keine Chance gegen die Drachen dort. Also fahre ich weiter und schaue mir eine Burg an, die soll auch Drehort gewesen sein, doch ich erkenne sie nicht wieder.
Der weitere Weg führt auf einer größeren Straße nach Leikeito, wo ich in einer Bar anhalte und nach etwas „típico de aquí“ frage. Ich erhalte viele kleine, schmackhafte Tintenfische (glaube ich zumindest). Etwas Regionales probieren, check.
Die weitere Strecke verläuft an der Küste entlang, wo sich eine etwas größere Straße entlang der Buchten und durch die Städte schlängelt. Sie lässt sich aber gut fahren und besitzt teilweise sogar einen baulich getrennten Radweg. Die Aussicht ist klasse, insbesondere als die Sonne für ein paar Stunden die Wolken verdrängt.
In Deba ziehe ich mein Abendessen vor und beobachte die Surfer auf dem Meer. Es gibt das erste Mal graues/dunkles Brot, was ich gestern bei einem Bäcker auftreiben konnte und was unglaublich gut schmeckt nach fast einem halben Jahr Entzug.
Im Anschluss beginne ich, mich auf Schlafplatzsuche zu machen. Es fängt an, in Strömen zu regnen, und die Suche dauert ewig. Die Gegend ist touristisch, dicht besiedelt, bergig und vor allem ist alles nass. Nach gut zweieinhalb Stunden finde ich dann allerdings doch einen Platz und kann in einer Regenpause mein Zelt aufbauen.Lue lisää
Elorriaga - Irun: Trommelwirbel
21. kesäkuuta 2024, Espanja ⋅ ☁️ 15 °C
Ich liege lange im Zelt in der Hoffnung, dass der Regen nachlässt. Die Zeit nutze ich für das Frühstück – Haferflocken mit Kakao, der Klassiker aus meiner Schulzeit.
Gegen 10 Uhr gibt es dann endlich eine Regenpause, die ich zum Zusammenpacken nutze.
Ich folge der großen Straße von gestern, nicht schön zu fahren und auch nicht wirklich besonders, aber ich komme an ein paar netten Städtchen vorbei: Zunächst Zumaia, dann Getaria, die Stadt, aus der Juan Sebastián Elcano (Überlebender der Magellanexpedition und damit der Erste, der die Welt umsegelte) stammte, als Nächstes Orio, wo ich zwei Stunden im Café dem Regen entkomme, und schließlich Donostia-San Sebastián. Hier mache ich Mittagspause und hüpfe – vermutlich erstmal das letzte Mal – in den recht warmen Atlantik und teste im Anschluss die Stranddusche. Test bestanden, sehr nützlich. San Sebastián ist wirklich sehr touristisch und es ist unglaublich viel los. Aber es ist auch ganz schick und hat viele alte, schmucke Gebäude.
Ich setze meine Stadttour fort und fahre noch bis nach Irun, wo ich meinen Abendeinkauf in einem riesigen Lidl erledige (der hat richtig guten Tofu), um dann wieder einen Schlafplatz auf einem Hügel neben der Stadt aufzusuchen. Als ich mich durch die Stadt schlängele, gerate ich in mehrere Umzüge. Es werden Flöten gespielt und es wird getrommelt. In den Straßen hängen überall schwarze, weiße und rote Wimpel. Es erinnert mich etwas an ein Schützenfest bei uns. Auf Nachfrage sagt man mir, dass für das Fest Ende des Monats, Gora San Marcial, geprobt wird. Es ist eine Erinnerung an den Sieg der Stadt über französische Truppen (1522). San Martzial heißt übrigens auch die Kapelle auf dem Hügel, wo ich mein Lager aufschlage. Im Zelt höre ich noch lange die Trommeln und Musik aus der Stadt.Lue lisää
Fahrradupgrade und hippe Stadt
22. kesäkuuta 2024, Espanja ⋅ 🌙 14 °C
Irun - Pamplona
Heute geht es nach Pamplona, ein bisschen shoppen. Beim spanischen Kleinanzeigen-Pendant habe ich ein 9-fach Deore XT Schaltwerk gefunden, ein kleines Upgrade für das Bike. Der Weg dahin führt endlich mal wieder auf ausgeschilderten Radwegen entlang (EV1). Aufmerksam fahren muss man trotzdem: Auf einem Abschnitt am Fluss tummeln sich Zuschauer eines Kajak-Slalom-Wettbewerbs und im ein oder anderen alten Tunnel muss man selbst Slalom um ein paar Steinhaufen fahren. Bis zum Pass ist der Weg wirklich schön und wenig befahren.
Die ersten 20 km bergab sind hingegen etwas anstrengend. Hier donnern große LKWs an mir vorbei. Irgendwann ist aber auch das vorbei und es geht wieder an den Fluss. Von hier bis in die Vorstädte Pamplonas lässt es sich wieder gut fahren. Die Fahrradinfrastruktur der ganzen Stadt ist ziemlich gut. Etwas früher als geplant bin ich in der Stadt, um mein Schaltwerk abzuholen. Es bleibt noch genügend Zeit zum Einkaufen und entspannt die Stadt zu erkunden.
Pamplona wirkt auf mich sehr offen, alternativ, jung und fortschrittlich. Es gibt gute Radwege, viele Parks (eine große Befestigungsanlage dient z. B. auch zum Volleyballspielen, Teile der Gebäude werden für Ausstellungen oder andere Veranstaltungen genutzt) bzw. Kultureinrichtungen und in der Altstadt eine Menge Kneipen, die von jungen Leuten besetzt sind (ein bisschen fühlt es sich wie die Dresdner Neustadt an).
Auf meinem Weg aus der Stadt hinaus bin ich überrascht, wie schnell es ländlich wird. Keinen Kilometer von der Altstadt entfernt führt der Radweg am Fluss an Pferde- und Ponywiesen vorbei. Etwas weiter am Flussufer findet ein Mini-Rave statt, auf der anderen Seite spielt eine Band in einem kleinen Schuppen. Ich fahre noch ein bisschen weiter und stoppe an einer alten restaurierten Mühle für ein Radler, auch hier legt ein DJ entspannte Musik auf.
Da ich noch telefoniere, bleibe ich etwas länger und bekomme plötzlich noch einen Musikwechsel zu einer traditionellen Gruppe mit Flöte, Violine, Gesang und Tanzeinlage mit. Leider spielen sie nur ganz kurz (ein Lied) im Rahmen einer Veranstaltung, bei der verschiedene Bands von Station zu Station ziehen – schön war es trotzdem, und den Originalsong gibt es hier: https://open.spotify.com/track/1ewp369BbuJUFuv3…Lue lisää
Pamplona - ?: In der Berghütte
23. kesäkuuta 2024, Espanja ⋅ ☁️ 9 °C
Das Wetter geht mir auf den Zeiger. Seit einer Woche ist es meist trüb, feucht und gelegentlich regnerisch. Eigentlich will ich Wäsche waschen, doch die würde so nicht trocknen, genauso wie das Handtuch, das immer feucht ist und anfängt zu müffeln. Auch heute ist es wieder grau, Wolken hängen in den Bergen und Nieselregen weht mir ins Gesicht. Ich bin genervt, komme langsam voran und verbringe einige Zeit im Café, um dem Regen zu entfliehen. Der Radweg ist an sich schön zu fahren und würde bestimmt auch eine gute Aussicht bieten, wenn man denn etwas sehen könnte.
Am frühen Abend komme ich am Kloster? Roncevalles an. In der Kirche findet gerade ein Gottesdienst statt. Da ich auf meinem Jakobsweg alles verpasst habe, beschließe ich hier mal dran teilzunehmen und gleichzeitig dem Regen zu entfliehen. Ich verstehe zwar nichts, da alles auf Spanisch ist, aber ein bisschen Gesang und Orgelspiel sind eine schöne Abwechslung. Gegen Ende bin ich kurz verwundert, als sich alle umdrehen und gegenseitig die Hände schütteln. Auch eine ältere Dame vor mir, die mir erwartungsvoll ihre Hand entgegenstreckte. Ich gucke vermutlich ziemlich verwirrt, bis mir die Frau neben der Dame kurz erklärt, dass sich an dieser Stelle alle gegenseitig die Hände schütteln. Eilig greife ich zu ihrer Hand und schüttle sie. Mein verwirrtes Gesicht weicht einem freundlichen und entschuldigenden Lächeln (zumindest hoffe ich das).
Für den Ort hier ist in der Camino-App auch ein Campingplatz eingezeichnet. In der Pilgerherberge erkundige ich mich also nach dem Preis zum Zelten. Erstaunlicherweise ist dieser genauso hoch wie für die normale Pilgerunterkunft bzw. wie auf einem kommerziellen Campingplatz. Schade, denke ich mir, scheinbar geht es hier mehr ums Geld als ums Pilgern. Da ich keine Lust habe, das zu unterstützen, entscheide ich mich trotz des Regens, weiterzufahren und steuere eine Berghütte an.
Es scheint die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Ich werde zwar noch etwas nass, aber beim Eintreffen brennt in der Hütte bereits ein Kamin, um den drei Wanderer sitzen und ihre Socken trocknen. Ich setze Pasta auf und wir haben noch einen geselligen Abend.Lue lisää
Spanien - Frankreich: tierreich
24. kesäkuuta 2024, Ranska ⋅ 🌙 15 °C
Heute Nacht hat es tierisch geklappert. Ich dachte zunächst an einen Waschbären, der draußen in den Müll durchwühlt. Am Morgen waren die Spuren allerdings eindeutig: Mäuse hatten bei mir etwas Brot angefressen und feinsäuberlich ein rundes Loch in ein leeres Tomatensaucen-Tetrapak geknabbert. Die anderen hatten weniger Glück – ein Großteil ihrer Vorräte war angefressen und landete in der Mülltüte. Also Obacht in Pyrenäen-Hütten!
Von der Hütte bis zum Pass nach Frankreich waren es nur wenige Kilometer. Zu meiner großen Freude schien hier oben plötzlich die Sonne. Das war allerdings nicht die einzige Veränderung: Hinter gefühlt jedem Berg tauchte nun eine Fromagerie auf (in der ersten deckte ich mich direkt mit Käse ein), der Kaffee kostete plötzlich doppelt so viel und in den kleinen Dörfern gab es plötzlich keine Läden mehr, nicht einmal eine Boulangerie. Nun hatte ich zwar ein halbes Kilo Käse, aber kein Brot – super Ausgangsbedingungen für die Pässe, die heute anstanden.
Mit viel Fluchen kurbelte ich mich diese ganz langsam hoch. Neben weiten Bergketten, Schafen, Ziegen und Kühen gab es auch jede Menge Raubvögel zu sehen. Ob das wohl Rudeltiere sind? Tatsächlich ja, Gänsegeier leben laut Wikipedia in Kolonien und schwärmen einzeln aus, um nach Beute/Aas zu suchen. Dies schien auch erfolgreich geklappt zu haben, da die ganzen Geier immer wieder an einer Stelle landeten und sich mit lautem Gezeter um ein verendetes Tier stritten. Ein Fernglas oder eine richtig gute Kamera wäre hier mal wieder praktisch gewesen.
Zum Übernachten steuere ich wieder eine Berghütte an. Sie stellt sich als etwas älter heraus und zeigt Spuren früherer Nutzung. Alte Gaskartuschen, leere Konservendosen, ein altes Zelt, eine alte Luftmatratze, ein Kartenspiel und noch einiges an Kleinkram. Die Hütte erinnert eher an ein Basecamp oder eine Schutzhütte in entlegenster Gegend, hoch in irgendwelchen Bergen. Dabei sind es hier nur gut 1000 m und keine 2 km weiter stehen etliche Ferienwohnungen. Vermutlich zeugt sie von vergangenen Zeiten, in denen hier wirklich nichts los war.
War ich am Abend bis auf ein paar Spinnen noch allein gewesen, so höre ich in der Nacht wieder Gesellschaft. Das Geräusch kommt mir aus der letzten Hütte bekannt vor. Um meine Vorräte zu sichern, spende ich der Maus eine Müsli- und Nuss-Opfergabe und erhalte dafür sogar noch ein paar Fotos.Lue lisää
Frankreich - Spanien: Karrieremöglichk.
25. kesäkuuta 2024, Espanja ⋅ ⛅ 23 °C
Ein bisschen unruhig bin ich heute Nacht doch wegen der Maus. Ich habe wirklich keine Lust, dass sie mir Löcher ins Material frisst. Also stehe ich noch einmal auf und verfrachte einige Dinge nach draußen. Die Zeit wird auch direkt genutzt, um ein paar Nachtaufnahmen zu machen.
Mit entsprechend wenig Schlaf geht es den Pass hinunter nach Larrau, wo ich erst einmal Wäsche mache (heute ist endlich mal wieder strahlender Sonnenschein). In der kleinen Bäckerei besorge ich mir noch zwei Baguettes und ein Pain au Chocolat, wobei die wirklich freundliche Bedienung und die Frau, mit der sie ein Schwätzchen hält, mehrfach versichern, dass es hier im Baskenland Chocolatine hieße – schmecken tut’s zumindest gleich.
Das Strampeln zum Pass in der prallen Sonne ist ein Auf und Ab der Gefühle. Unter fünf Prozent Steigung ist alles okay, von fünf bis zehn Prozent fange ich an zu fluchen, warum ich mir diese Route ausgesucht habe, und für alles ab zehn Prozent ist dann auch das Fluchen zu anstrengend. Oben angekommen ist die Tortur jedoch schnell vergessen, ich genieße die Aussicht und die Abfahrt und freue mich schon auf den nächsten, noch höheren Pass.
Unterwegs treffe ich noch zwei Briten, die mich auf ein Bierchen einladen. Wie immer ist es eine Wonne, britisches Englisch zu hören (und selbst mal wieder ein ordentliches Gespräch auf Englisch zu führen). Ich bekomme Lust auf Großbritannien. Die Berufsgeschichte von Brite Nummer eins ist übrigens besonders spannend: Bauingenieur, Investmentbanker und nun Priester. Ich glaube, mir steht alles offen.Lue lisää
Spanien-Frankreich: Nahrungsbeschaffung
26. kesäkuuta 2024, Ranska ⋅ ⛅ 29 °C
Vom Campingplatz ging es heute Morgen direkt in den Anstieg. Pyrenäenüberquerung Nr. 3. Im Gegensatz zu gestern und vorgestern lief dieser aber viel geschmeidiger ab. Lag es am Kaffee heute Morgen? Oder daran, dass es jetzt schon Routine ist, oder daran, dass die Steigung einfach mal gleichmäßig war und die Sonne nicht ganz so stark knallte? Wie auch immer, der Pass (bzw. sind auf der Strecke mehrere Tops) von Isaba nach Arette war wunderbar zu fahren, sowohl auf- als auch abwärts. Die Bergsichten waren ebenfalls Klasse!
Am höchsten Punkt machte ich eine kurze Mittagspause mit den Resten von gestern Abend. Zum Glück hatte ich die noch, denn in Arette gab es mal wieder weder Bäckerei noch Supermarkt oder Tante-Emma-Laden. Wirklich sonderbar, das Dorf ist eigentlich nicht so klein und touristisch. In Issor, dem nächsten Dörfchen, bekomme ich dann aber zumindest ein Baguette und eine Tomate, die zusammen mit meinen Käsevorräten zum Mittag reichen. Eigentlich wollte ich auch eine längere Pause einlegen und die heiße Zeit des Tages überbrücken – habe ich doch gerade die Siesta liebgewonnen. Doch Frankreich ist eben nicht Spanien und die Supermärkte schließen gegen 19 Uhr und sind nicht überall zu finden. So steuere ich also direkt auf den nächsten Carrefour zu und kann direkt ergänzen: Auch in Sachen Preis ist Frankreich ein anderes Kaliber – ich gebe über 40 Euro aus. Hungrig einkaufen ist immer eine schlechte Idee. Aber ganz ehrlich: So viel war es am Ende doch nicht, auch wenn ich Mühe hatte, alles mit zwei Händen und drei Hosentaschen zu tragen und vielleicht den einen oder anderen komischen Blick erntete.
Vor dem Supermarkt hatte sich in der Zwischenzeit ein anderes Reiserad zu meinem gesellt. Mein Verstauungsvorgang benötigte einen Moment und so lerne ich Marcel aus Polen/Frankreich kennen. Wir begaben uns zusammen auf Zeltplatzsuche, stellten ein MSR Lager auf und tauschten Salz gegen Taschentücher.Lue lisää
Louvie Juzon - Mauvezin: Frei Parken
27. kesäkuuta 2024, Ranska ⋅ ⛅ 21 °C
Nach dem Frühstück trennen sich, Marcels und mein Weg schon wieder. Er fährt heute schon einen Pass nach Spanien, ich habe mir den nächsten Pass deutlich weiter östlich rausgesucht und will nochmal die spätere Route überdenken. Dafür nehme ich mir direkt am Vormittag etwas Zeit und bekomme direkt noch die Mail, dass das Review meines Papers zurückgekommen ist – Bearbeitungszeit bis zum 17.07. Nun heißt es also nochmal ein bisschen mehr planen – potentielle Airbnbs raussuchen und ein paar Workaways anschreiben.
Im Anschluss gehts weiter auf dem Radweg V81 (Véloroute du Piémont Pyrénéen). Der führt wunderschön am Fluss entlang und hat damit - trotz umliegender Berge - moderate Höhenmeter. Gegen Mittag komme ich Lourdes an und stehe plötzlich in einer Stadt voller Prunkbauten, Kirchen, Touristen und jeder Menge Souvenir-Shops mit Schmuck und religiösen Artikeln (z. B. 1 Meter große Kerzen). Ein Wallfahrtsort?
Tatsächlich ja. Die Stadt war bis 1858 mehr oder weniger bedeutungslos, bis einer 14-Jährigen die Jungfrau Maria (Notre-Dame de Lourdes) erschien. Und schwuppdiewupp war ein richtiger Marketingrenner geboren. Der Wikipediartikel zeigt die Dimensionen auf [1].
Von Lourdes kürze ich den Radweg etwas ab und nehme kleine und mittelgroße Straßen, auf denen fast nichts los ist. Dadurch komme ich am späten Nachmittag durch Montgaillard, wo ein Eisenbahnwaggon, der zur Hälfte in einem Haus steckt, meine Aufmerksamkeit erregt. Das muss ich mir näher anschauen und finde mich kurz vor Ladenschluss im Werksverkauf und Café der Biscuiterie Védère wieder. Ich ergattere ein Gratis-Kuchenstück.
Auf der Suche nach Wasser fahre ich noch etwas weiter und steuere einen Caravanplatz in Mauvezin an. Der liegt leider oben auf dem Berg neben einer Burg. Am Fuße des Berges neben einem restaurierten und als Museum und Ausstellungsort genutzten Kloster springe ich noch einmal zum Waschen in den Fluss. Oben auf dem Caravanplatz komme ich dann allerdings fast genauso verschwitzt wieder an. Bei 80 % Luftfeuchtigkeit bringt selbst langsames Fahren nichts. Der Platz entpuppt sich einfach nur als Schotterparkplatz ohne ein Stückchen Rasenfläche. Sonst ist allerdings niemand da und so habe ich den riesigen Parkplatz ganz für mich allein zum Zelten – wie idyllisch!
[1] 'In 2020, Lourdes had a population of around 15,000. In 2012, 715,000 pilgrims attended Our Lady of Lourdes-related events, falling to 570,000 in 2016. In 2011, Lourdes contained about 270 hotels, the second-greatest number of hotels per square kilometer in France after Paris. Its deluxe hotels include Grand Hotel Moderne, Hotel Grand de la Grotte, Hotel St. Étienne, Hotel Majestic, and Hotel Roissy.'Lue lisää
Nicht weit, aber schön
28.–29. kesäk. 2024, Ranska ⋅ ☁️ 24 °C
Mauvezin - ≈ Mauvezin:
Ich bin heute zwar nicht weit gekommen (sogar eher wieder zurückgefahren), dennoch war es ein sehr schöner Tag voller zufälliger Ereignisse und spontaner Entscheidungen.
Heute Morgen wusste ich noch nicht so recht, was ich mit mir anfangen sollte. Alles lag in den Wolken, war neblig, und durch meinen Zeltboden hatte es Wasser gedrückt. Sollte ich weiter über den nächsten Pass nach Spanien fahren? Mich schon mal, in der Hoffnung auf eine positive Rückmeldung, in Richtung eines Workaways begeben? Oder die Burg oder das Kloster besichtigen?
Ich frühstücke zunächst am Dorfplatz und entschied mich, das Kloster zu besichtigen, mit Pilgerpass sollte der Eintritt sogar kostenlos sein. Bis zur Öffnung um 10 Uhr musste ich allerdings noch Zeit überbrücken und einen Kaffee trinken. Viel Auswahl gab es nicht und ich steuerte die auf dem Weg liegende Auberge de l'Arros an, welche ich gestern im Vorbeifahren wahrgenommen hatte.
In der Auberge de l'Arros habe ich das Gefühl, Zeuge vergangener Zeiten zu sein. Ähnlich wie in dem Gasthof, in dem ich im November in Deutschland einkehrte. Ich bin der einzige Besucher in einer der drei großen Gaststuben (vielleicht gibt es im hinteren Bereich noch mehr). Vor Jahrzehnten war hier vermutlich viel mehr los, der ganze Laden voll, vielleicht gerade ganz modern saniert und in den 70ern eingerichtet. Nun stehen die schweren, dunklen Holztische und Bänke ohne Besucher da. Dennoch hat hier alles seine Ordnung, ist sauber und kein Staubkorn ist zu sehen. Beim Betreten muss ich mehrmals laut „Bonjour“ sagen, bis eine alte Dame aus der Küche auftaucht. Es dauert etwas, bis sie versteht, was ich möchte, entweder weil ich kein Französisch kann oder weil sie etwas schwerhörig ist, aber es klappt. Nach kurzer Zeit kommt sie mit langsamen Schritten und sie zittrigen Händen aus der Küche und bringt mir eine Tasse und Zucker, um dann Kaffee aus einem Metallkännchen einzuschenken. Dann verschwindet sie wieder in der Küche und widmet sich zusammen mit einem - vielleicht ihrem - Mann einer Schlüssel Kartoffeln. Dazu läuft das Radio. Ich sitze gedankenverloren in der Gaststube: Kartoffeln schälen und Radio - das könnte auch bei meiner Oma in der Küche sein. Zeitgeist, die Einrichtung würde vermutlich auch in die Zeit passen.
Nach dem Kaffee ging ich dann das ehemalige Zisterzienserkloster besichtigen. Neben der Ausstellung und Informationen über das Kloster und verschiedene Kirchenorden dient das Kloster auch als Kunstausstellung (die derzeitige scheint etwas mit Bäumen zu tun zu haben) und als Ort für Veranstaltungen. Auf Letztere werde ich aufmerksam gemacht, als mich jemand fragt, ob ich morgen auch beim „Le Concours de Machines“ teilnehme. So erfahre ich, dass hier morgen und übermorgen ein großes Fahrrad-Event stattfindet, bei dem Rahmenbauer aus ganz Frankreich ihre kreativen Räder vorstellen – was für ein Zufall! Ich beschließe, hier zu bleiben, und bekomme noch den Campingplatz empfohlen, auf dem die ganzen Radfahrer lagern. Weil der Tag nun doch noch lang ist, beschließe ich, noch die Burg zu besichtigen (ebenfalls schön restauriert) und werde von einem der Teilnehmer des "Le Concours de Machines" samt Fahrrad noch ein Stück mit dem Auto mitgenommen – so muss ich den Berg zur Burg glücklicherweise nicht noch einmal fahren.
Am frühen Abend steuere ich schon den Campingplatz an, wo auch die "Concours de Machines"-Teilnehmer unterkommen. Es gibt schon einige coole Fahrräder zu sehen, doch dazu mehr im nächsten Footprints.Lue lisää
Le Concours de Machines
29. kesäkuuta 2024, Ranska ⋅ ☁️ 19 °C
Abgesehen davon, dass es sich beim „Le Concours de Machines“ um Fahrräder und einen Wettbewerb handeln sollte und die ganze Veranstaltung im Abbaye de l’Escaladieu stattfinden sollte, war mir zunächst nichts weiter bekannt.
Das Event entpuppte sich dann als jährliche Veranstaltung (kleiner) französischer Rahmenbauer und fand erstmals 1903 - ebenfalls in den Pyrenäen - statt. Jedes Jahr gibt es ein paar Schwerpunkte, die die Rahmenbauer berücksichtigen sollen (in diesem Jahr standen MTBs im Fokus) [1].
Unter den Rahmenbauern waren viele Fahrrad-Geeks, die erst vor wenigen Jahren - und teilweise einen ganz anderen Background (Zimmermann, Biologen,...) hatten - mit dem Rahmenbau begonnen haben. Erst als Hobby, für Freunde und Familie, dann als zweites Standbein und schließlich hauptberuflich. Eine Jury bewertet die Fahrräder hinsichtlich der geforderten Schwerpunktthemen. Zudem finden zwei Testrides durch die Pyrenäen statt (in Summe 170 km und gut 5000 hm). Vor und nach den Fahrten werden die Fahrräder auf eventuelle Schäden oder Probleme untersucht.
Beim öffentlichen Teil der Veranstaltung, der Ausstellung und dem Event am Kloster, fand die Siegerehrung statt. Rahmenbauer konnten ihre Räder ausstellen. Neben klassischen Stahlrädern gab es Exemplare aus Holz und Bambus. Letzteres fährt sich wirklich gut und dämpft trotz Starrgabel (Holz habe ich nicht probiert).
Neben den Rahmenbauern gab es auch einige FahrradtaschenschneiderInnen, bei denen ich direkt einen Auftrag abgegeben habe. Ein DJ war natürlich ebenfalls vor Ort und wie es sich für eine Fahrradveranstaltung gehört, musste dafür ordentlich gestrampelt werden. Und dann war auch noch ein Schweißer am Start, bei dem man (WIG)-Schweißen auch direkt mal ausprobieren konnte. Fazit: Alu ging – aufgrund der größeren Bauteildicke und breiteren Schweißnaht – deutlich einfacher. Stahl war schwieriger, und es war ziemlich schwer zu erkennen, wo sich gerade der Stab mit dem Schweißzusatz (der heißt auf Französisch übrigens Baguette) befindet. Übung macht hier sicherlich den Meister.
Als weiteres Rahmenprogramm gab es dann noch Foodtrucks und natürlich Crêpes für die kulinarische Versorgung und die ein oder andere Yogasession. Yoga funktioniert übrigens super, auch wenn man die Sprache nicht versteht!
Ich blieb beide Tage beim Concours de Machines, unterhielt mich viel mit Leuten und den Rahmenbauern, die alle überaus gut Englisch sprachen. Natürlich wäre das Ganze nochmal ein ganz anderes Erlebnis gewesen, wenn ich Französisch spräche, dann hätte ich sicherlich noch mehr vom Drumherum und Gesprächen, die neben mir stattfanden, mitbekommen. Aber das motiviert natürlich auch dazu, Sprachen zu lernen.
Am Sonntag nahm ich noch an einem Social-Ride, also einfach einer kleinen gemeinsamen Ausfahrt, teil. Was für ein glücklicher Zufall, dass ich bei der Klosterbesichtigung von dieser Veranstaltung erfahren habe!
[1] https://www.associationartisansducycle.com/conc…Lue lisää
Mauvezin - Labroquère: Ohne Fotos
1. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ ⛅ 19 °C
Habe ich heute tatsächlich keine Fotos gemacht? Es scheint mir so. Allerdings ist auch nicht viel passiert. Die Nacht bzw. am frühen Morgen hatte es wieder ordentlich geregnet. Dementsprechend radelte ich etwas später vom Campingplatz los, sodass das Zelt zumindest ein bisschen trocknen konnte.
Mit Rückenwind fliege ich dahin, wobei ich das auf der kurzen 35-km-Etappe gar nicht auskosten kann. Ich will nämlich nur bis nach Labroquère, wo ich kurzfristig ein Workaway gefunden habe, das mir erlaubt, etwas an einem Ort zu verweilen und das Paperreview zu bearbeiten.
So schlage ich mir die Zeit, die ich zu viel habe, mit einem Picknick und Kaffee in Montréjeau tot, bis ich weiterrolle. Mein Workaway-Host ist Mervyn, ein ehemaliger Truckdriver aus Großbritannien. Abgesehen davon, dass er einen „large[n], not very friendly dog“ besitzt, weiß ich noch nicht so viel über ihn. Ich hoffe, ich werde kein Hundefutter.Lue lisää
Labroquère: Workaway II
11. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ ⛅ 30 °C
Dieses Workaway war ganz anders als das erste. Eigentlich ein bisschen so, als hätte ich meinen Großeltern im Garten geholfen. Ich strich und entrostete einen Anhänger, befreite den Garten von Brennesseln und sonstiger Überwucherung, stapelte Steine um und karrete einen Haufen Erde von A nach B und versuchte ansonsten, das Paperreview zu bearbeiten und nicht vom Hund gefressen zu werden, der war nämlich riesig und hatte Freude daran, manchmal zu knurren und die Zähne zu fletschen.
Mittendrin machte mein Laptop mit Bluescreen- und Greenscreenproblemen auf sich aufmerksam. Irgendwie – ich weiß selbst nicht wie – bekam ich diese aber gelöst – vermutlich ein Wackelkontakt am Arbeitsspeicher.
Ansonsten habe ich vermutlich schon lange nicht mehr oder noch nie so ungesund, so viel Fleisch und so viel Fastfood/Fertiggerichte gegessen. Was das Kochen anging, war Mervyn sehr pragmatisch unterwegs. Ansonsten hatte er viele Geschichten aus seiner Truckerzeit zu erzählen. Einen Großteil war er zum Beispiel mit Bands und SängerInnen unterwegs, wenn diese in Europa auf Tour waren. Bühnen, Musikanlagen, Generatoren mussten schließlich auch immer von Ort zu Ort.
Am letzten Tag schauen wir uns noch die 15. Tour de France Etappe an, die in wenigen Kilometern Entfernung vorbeiläuft. Die Werbeautos in Form von Melonen und Erdbeeren lassen zwar eher vermuten, dass hier ein Mariokart-Rennen stattfindet. Eine Stunde später kommen dann aber doch noch die Rennfahrer vorbei.Lue lisää
Fortsetzung: Frankreich - Spanien
15. heinäkuuta 2024, Espanja ⋅ ⛅ 14 °C
Labroquère - Tredós
Ich freue mich, wieder auf dem Rad zu sitzen. Fahrrad und Zelt sind inzwischen einfach so vertraut, dass sie sich wie die eigenen vier Wände anfühlen.
Ab Labroquère geht es direkt auf einem Radweg wieder in die Pyrenäen hinein. Der Weg führt neben einer alten, bereits zurückgebauten Bahnstrecke entlang. Der Wind schiebt ordentlich und die Steigung ist kaum spürbar – so lässt es sich gut nach Spanien fahren. Die Grenzstädte sind interessanterweise ganz anders als jene, die ich im Januar gesehen habe. Jene waren heruntergekommen, hier hingegen scheint Wohlstand zu herrschen. Vielleicht durch die ganzen Franzosen, die hier Tabak kaufen und tanken, vielleicht aber auch, weil im nächsten Tal das Sölden der Pyrenäen beginnt. Der Tourismus ist erkennbar, etliche Ferienhäuser sind in Dörfern zu sehen, die einst vermutlich viel kleiner waren und nun fast schon mit dem nächsten verschmelzen. Auf meiner eigentlichen Route ist es daher gar nicht so einfach, einen Schlafplatz zu finden. Ein Campingplatz ist mir zu teuer und ich steuere einen Stausee mit Picknickplatz an. Wieder mal ein Glücksgriff. Neben mir ist noch ein Spanier dort, der mich bereits beim Hochfahren mit seinem Camper überholte und anfeuerte. Nun erklärt er mir direkt, dass das Wasser aus dem Fluss trinkbar ist und schenkt mir erst ein Käse-Schinken- und später noch ein Chorizo-Hühnchen-Sandwich, was dazu führt, dass ich meine Nudeln gar nicht alle schaffe – na sowas!Lue lisää
Tredòs - Doppelpass - Tor!
16. heinäkuuta 2024, Espanja ⋅ ☀️ 17 °C
Heute Morgen wache ich in einer Wolke auf. Das ist tatsächlich gar nicht so cool, wie man vielleicht denkt, da das ganze Zelt nass ist (zum Glück nur von außen). Mittelschnell packe ich meine Sachen und rolle zurück nach Tredòs auf meine Route. Von dort geht es hinauf zum Pass Port de la Bonaigua. Das Naturschauspiel aus Wolken und Nebel ist phänomenal. Mal ist nichts zu sehen und innerhalb der nächsten fünf Minuten tauchen klare Berggipfel aus den Wolken auf, doch nur für einen kurzen Moment. Dann steigt der Nebel wieder auf und verschlingt alles.
Oben auf dem Pass blockiert eine Kuhdemo ein paar Autos. Außerdem treffe ich die Schottin und Engländerin wieder, mit denen ich mich gestern schon kurz vor dem letzten Supermarkt unterhalten habe. Von der Packstrategie könnte ich mir mal wieder eine Scheibe abschneiden. Gemeinsam sausen wir eine schön kurvige Serpentinenabfahrt hinunter bis zum nächsten Café. Auf der anschließenden Geraden machen die beiden ordentlich Tempo und ich kann für 20 km Windschatten genießen. Für diese Faulenzerei belohne ich mich in der nächsten Bar in Llarvorsí direkt mit einem Weißbier. Dann trennen sich unsere Wege: Die Mädels fahren weiter nach Sort und ich nehme den nächsten Pass nach Andorra in Angriff. Nach 13 km nutze ich in Alins nochmal die Gelegenheit, einen Kaffee zu trinken und mich novhmal zu erkundigen, ob man hier überhaupt mit dem Fahrrad über die Berge kommt. Die Antwort fällt positiv aus und ich bin beruhigt.
Ab Ende des Dorfes biege ich von der Hauptstraße ab und lande nach ein paar Kilometern in einer engen, kleinen Schlucht. Wundervoll zu fahren und landschaftlich klasse. Bevor mein heutiger Doppelpass abgeschlossen ist, komme ich bereits in Tor an, dem letzte Dorf vor Andorra. Ich überlege, ob ich in dem einzigen Restaurant, das es hier gibt, nach einer Übernachtungsmöglichkeit fragen sollte, entscheide mich dann aber dazu, weiterzufahren. Gut 400 hm vor dem Pass entdecke ich neben einem Bach eine Art Hütte mit Kamin und Holzbänken. Wenn ich es richtig verstanden habe, handelt es sich um einen ehemaligen Stollen. Ein kleiner Glücksfund, hier bleibe ich.Lue lisää
Ein Tag, ein Land Andorra; Bil. Spanien
17. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ ☁️ 21 °C
Tor - L'Hospitalet pres-l'Andorre
Eingeschlafen bin ich heute spät. Pferde mit Kuhglocken haben die ganze Nacht Party vor der Hütte gemacht.
Auch am Morgen bimmeln die Pferde weiter (wann schlafen die eigentlich?), während ich in der Hütte frühstücke. Eigentlich ganz idyllisch.
Nach dem Frühstück trete ich die letzten 500 hm zum Pass nach Andorra an. Den Weg muss ich mit vielen Pferden und ein paar Jeeps teilen. Ansonsten ist es unglaublich einsam und es gibt nur weite Natur - bisher der schönste Pass der Pyrenäen. Oben angekommen ändert sich dies dann schnell von Andorra führt nämlich eine asphaltierte Straße hinauf, was mir aber eine wunderbare Anfahrt beschert.
Von Andorra war ich dann ziemlich positiv überrascht. Aus einem Buch zu Schulzeiten wusste ich nur, dass hier 24/7 Zäune und Häuser geweißelt würden. Tatsächlich gab es aber kein einziges weißes Haus. Stattdessen besteht Andorra aus vielen Bergen mit doppelt so vielen Skiliften, Ski und Mountainbike- bzw. Fahrradgeschäften und Ferienhäusern und Hotels. Trotzdem ist der Tourismus nicht unangenehm und - vielleicht sieht das im Winter aber auch anders aus. Die Straßen sind in so gutem Zustand wie in keinem anderen Land und die Kaffeepreise orientieren sich eher an Spanien als an Frankreich - günstig scheint es also auch noch zu sein.
Nach einer Kaffeepause in La Massana mache ich mich auf den Weg nach Frankreich. Der Pass ist zwar nicht wirklich schön und ziemlich Verkehrsreich (einzige große Straße die raus nach Frankreich oder Spanien führt), dennoch komme ich auf der moderaten Steigung gut voran.
Der Grenzort auf der anderen Seite des Passes fällt noch mit einem Supermarkt, der - warum auch immet - fasst nur Grosspackung handelt auf. Hier kann für den nächsten Geburtstag eingekauft werden. Ich muss mich nach den zwei Pässen wirklich zügeln nicht zuzuschlagen.
Bei der Schlafplatzsuche werde ich heute ausnahmsweise von OSM enttäuscht und lande zusammen mit vielen Zecken in einer grasigen Sackgasse - zumindest für Fahrradfahrende. Alternativ suche ich dann doch einen Campingplatz auf.
Bilanz Spanien (inkl. franz. Pyrénéen & Andorra):
Gesamtstrecke: 3654,4 km
Kürzeste Strecke: 11,8 km (sogar rückwärts)
Längste Strecke: 125 km
Platten: 0
Reisetage (davon Radeltage): 89 (55)
Zelt (davon Campingplatz): 32 (6)
Unter freiem Himmel, Bergshelters, Verlassene Häuser: 5
WarmShowers und Leute: 1
Hostel, Hütte/(Camino-)Herbergen: 20
Workaway: 31
Verloren: nichts, glaube ich...
Mit dem Rad umgefallen: 0
Kaputgegangen/Ersetzt: Reisverschluss und Taschen der Hose, Tretlager, Kette, Kettenblatt, Merionoshirt beginnt sich aufzulösen
Wetter: Angenehm warm, manchmal etwas windig
Essen: Pan con Tomate, Tapas, Croquettas, Pinchos, tatsächlich weniger Empanadas im Vergleich zur Ostküste, Haferflocken + Milchpulver + Kakao, Käse aus den Bergkäsereien der Picoa und Pyrenäen, die Reduziertbox bei Lidl
Fazit:
Der Westen Spaniens, der mittlere Süden und mittlere Norden bzw. die Atlantikküste (Nord und Süd) haben mir wirklich gut gefallen. Deutlich besser als die Mittelmeerküste. Dort gab es zwar auch sehr schöne Ecken, aber viele Gebiete waren eben auch sehr touristisch und zugebaut (mit Hotelanlagen). Auf der anderen Seite hingegen gab es viele unterschiedliche Landschaften und Naturparks. Touristen und Touristeninfrastruktur waren in vielen Gegenden eher spärlich anzutreffen (Santiago und die Pilgerwege ausgenommen) oder fielen zumindest nicht so ins Auge. Die Atlantikküste war wilderer Natur und insgesamt machte sich dadurch – und durch viele Picknickplätze (Galizien) – auch das Wildcampen einfacher (dünnere Besiedlung?). An vielen Orten war man einfach ungestört. Die Berge (Picos und Pyrenäen) waren einfach klasse. Natürlich kommt man mit dem Gepäck ganz schön ins Schwitzen, dafür sind die Temperaturen oben und vor allem abends sehr angenehm und man wird natürlich mit klasse Aussichten belohnt.Lue lisää
Ein neues Täschchen
18. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ 🌙 25 °C
L'Hospitalet pres-l'Andorre - Caudeval
Die ersten 60 km geht es heute endlich mal bergab, leider vorwiegend auf einer großen Straße – zum Teil Autobahn. Ob man da mit dem Fahrrad fahren darf? Wer weiß.
Dafür war ich dann recht schnell in Foix, einem schönen alten Städtchen am Fuße der Pyrenäen. Hier traf ich Ines, bei der ich beim Concours de Machines eine maßgeschneiderte Rahmentasche in Auftrag gegeben hatte – passt wie angegossen! Bei Eis und Limonade gab sie mir noch ein paar Radwegtipps für die Weiterfahrt.
Diese beschloss ich auch direkt zu befolgen und bog in Varilhes Richtung Vals ab, statt nach Toulouse zu fahren. Die Stadt werde ich mir ein andermal anschauen.
Kurz vor Vals beginnt ein Fahrradweg auf einem alten Bahndamm, der sich wunderbar fahren lässt und durch ein paar sehr schöne kleine Dörfchen und Städte führt.
Am nächstbesten Fluss legte ich eine kleine Wasch- und Abkühlsession ein und war etwas verwundert, als ich durch den Brückenbogen einen halbnackten Mann sah, der wohl denselben Gedanken hatte. Wir grüßten uns mit einem freundlichen Handheben und vermutlich einem Bonjour (die Distanz war zu groß).
Es wird gerade dunkel, als ich in Mirepoix ankomme. Ines hatte mich schon vorgewarnt, dass es ziemlich schick ist, und das war nicht zu viel versprochen. Die Abenddämmerung tauchte den von alten Fachwerkhäusern gesäumten Marktplatz des Städtchens in ein wundervolles Licht. So nahm ich mir noch ein bisschen Zeit, um mit dem Fahrrad durch die Stühle und Tische der Restaurants zu schieben und die Atmosphäre zu genießen.
Im Anschluss fuhr ich noch 10 km weiter zum nächsten Rastplatz am Fahrradweg und beschloss bei fast klarem Himmel und der warmen Abendluft, ohne Zelt zu schlafen.Lue lisää
Im Regen aufgewacht
19. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ ☀️ 32 °C
Caudeval - Blomac
Um halb sechs schrecke ich plötzlich durch ein leichtes Prasseln aus dem Schlaf. Ein paar Regentropfen fallen mir ins Gesicht, der Schlafsack fühlt sich etwas nass an. Der Wetterbericht hat gelogen, und meine Fähigkeit, Wolken zu lesen, ist wohl auch nicht so ausgeprägt. Keine ganz so gute Idee, unter freiem Himmel zu schlafen. Zum Glück regnet es nur leicht. Im Halbschlaf schnappe ich mir meine Zeltplane, spanne sie über mein Fahrrad und mich und versuche, wieder einzuschlafen. Ich erinnere mich noch an irgendeinen Fahrradfilm, in dem die Protagonisten – zu meinem vollen Unverständnis – das Außenzelt weggelassen hatten und es dann anfing zu regnen. Nun habe ich es auch getan, sogar das ganze Zelt weggelassen. Ich muss schmunzeln.
Dann geht es zunächst auf der Bahntrasse weiter bis Bram, wo ich auf den Canal du Midi stoße. Sowohl auf der Bahnstrecke als auch auf dem Canal fliege ich nach den ganzen Bergen gefühlt dahin. Stehenbleiben ist auch nicht wirklich eine Option, denn dann fehlt der kühlende Fahrtwind. Verrückt, dass es bei 37 Grad angenehmer ist, Fahrrad zu fahren, als anzuhalten (außer im Schatten, da ist es okay).
Beide Abschnitte gefallen mir sehr gut, insbesondere der Canal du Midi, der landschaftlich doch recht abwechslungsreich ist. Hier ist plötzlich auch richtig was los. Sowohl an Land als auch auf dem Wasser. So viele Radreisende und Tagesausflügler habe ich an keinem anderen Tag gesehen.
Am Nachmittag erreiche ich Carcassonne, schieße schnell ein Foto von der beeindruckenden Burg und flüchte schnell in einen Supermarkt, um mir kühle Getränke zu besorgen, und dann nichts wie raus aus der warmen Stadt.
Von Carcassonne aus wird der Radweg etwas schmaler und schlechter, ist verglichen mit anderen Reiseabschnitten aber dennoch fast Luxus. In Trèbes treffe ich dann Olivier, der auf dem Weg zu einem Langsam-Reise-Festival nördlich von Montpellier ist – endlich mal jemand, der mindestens genauso viel Gepäck hat wie ich! Wir fahren gemeinsam weiter und finden einen guten Schlafplatz an einer der Schleusen. – Ob wir wirklich gut schlafen, ist eine andere Frage, um 19 Uhr liegt die Temperatur immer noch bei 30 Grad.Lue lisää
Am Kanal
20. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ ⛅ 33 °C
Blomac - Polihes
Vormittags geht es weiter zusammen mit Olivier am Kanal entlang. Nach einem gemeinsamen Kaffee und vielen Tipps über schöne Orte und Radstrecken in der Gegend verabschiedet er sich aber in die Berge.
Die weitere Strecke am Kanal ist sehr schön und auch überwiegend gut zu fahren. Es gibt viele Hausboote. Ich frage mich, wie es wohl ist, auf ihnen zu leben. Eine ganz andere Welt oder doch ganz normal? Vielleicht wie in einer schwimmenden Reihenhaussiedlung? Wobei die Hausboote doch etwas Schöneres haben.
Die Landschaft drumherum hat sich inzwischen auch verändert. Fast überall wird nun Wein angebaut. In Capestang werde ich beim Wasserzapfen von einer deutschen Familie besorgt gewarnt, dass es sich nicht um Trinkwasser handle. Auch wenn mir das bewusst war, bedanke ich mich und freue mich, dass es so umsichtige Menschen gibt, die einen darauf hinweisen.
Ich fahre noch weiter bis ins nächste Dorf, wo ich mein Zelt direkt am Dorfrand neben den Hausbooten auf einem Picknickplatz aufstelle. So offensichtlich und nah an Häusern habe ich noch nie gezeltet, aber ein einheimischer Franzose, mit dem ich zuvor sprach, meinte, es sei kein Problem - Mal schauen.Lue lisää
Blitzlicht und Boxendonner
21. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ 🌬 24 °C
Rechtzeitig bin ich mit dem Frühstück fertig, um vor dem sich ankündigenden Gewitter an einen überdachten Ort im Dorf zu fliehen. Auf dem Weg dahin höre ich bereits Geschirrgeklimper auf den Hausbooten, hier ist man also auch schon wach.
Das Gewitter wird ausgeharrt, dann geht es am Kanal weiter nach La Malpas, wo sich vertikal vier Infrastrukturbauten kreuzen: Oben die Straße, darunter der Kanal, dann eine Eisenbahnstrecke und darunter ein Aquädukt.
Am Kanal geht es weiter bis Béziers, wo ich eine Mittagspause mit Blick auf die Altstadt einlege. Im Anschluss verlasse ich den Kanal und mache mich auf ins Inland, in Richtung des Parc naturel régional des Grands Causses und des Parc naturel régional du Haut-Languedoc. Erst wird die Gegend landwirtschaftlicher, dann folgen bewaldete Hügel mit kleinen Dörfern. Die ersten zwei potentiellen Übernachtungsorte erweisen sich als nicht so geeignet (hügelig und überwuchert), und ich beschließe, ins nächste Tal hinunterzufahren. Am rechten Straßenrand erblicke ich ein eingezäuntes Grundstück mit Gartenmöbeln, daneben ein Wohnmobil. Auf der anderen Straßenseite steht ein altes Auto im Gebüsch. Was das hier wohl ist und wem es gehört? Es scheint niemand da zu sein, den ich fragen könnte. Also fahre ich weiter. Ein Auto kommt mir entgegen und fährt an mir vorbei. Im Rückspiegel sehe ich, wie es zum Wohnmobil abbiegt. Ich drehe um und frage die beiden Insassen (Läetitia und Cayou), was das hier für ein Ort ist und, ob man hier in der Nähe irgendwo campen könnte. Der eingezäunte Bereich gehört irgendwelchen Nachbarn, das Wohnmobil und Auto sowie das Stück Land, auf dem es steht, Läetitia, die dort etwas Gemüse anbauen will. Dort kann ich mein Zelt aufschlagen und dann später noch rumkommen. Die beiden wollen noch etwas Musik spielen. Und so gibt es am späten Abend noch ein paar Schnittchen und einen kleinen Privat-Rave, Cayou ist nämlich mit Leib und Seele DJ und nutzt dazu noch richtige Schallplatten, die er neben dem ganzen anderen Equipment kistenweise in seinem Auto hat. Als ich mich später in mein Zelt verabschiede, kommt es mir vor, als wäre das, was ich heute Morgen erlebt habe, letzte Woche gewesen.Lue lisää
Bergdörfer und Schluchten
22. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ 🌬 24 °C
≈Mourèze - ≈Arboras
Nach einem Frühstückskaffee und ein paar Keksen bei Läetitia und Cayou radel ich etwas spät los. Erstes Ziel, das Dörfchen Mourèze (Die Gegend hier war übrigens eine Empfehlung von Claas, der hier letztes Jahr mit dem Camper unterwegs war. Das Dorf ist klein, sehr schön in einer Sandsteinlandschaft gelegen und scheint Ausgangspunkt für viele Wanderungen zu sein. Dementsprechend sind auch viele Touristen mit ihren Autos hier. Von einer deutschen Touristenfamilie schnappe ich auf, wie die Größere auf den Boden zeigt und der kleineren Schwester das Angebot „Wenn du diesen Wurm hier isst, bekommst du 20 Euro“ macht. Ach ja, Kinder sind wohl immer gleich, ich glaube, das habe ich früher auch gemacht und muss schmunzeln …
Als Nächstes steuere ich zur Abkühlung den Stausee Lac du Salagou an. Fels und Boden verfärben sich plötzlich zu einem dunklen Braunrot und die Hügel sind von etlichen aus hellen Steinchen geschriebenen Zeichen und Wörtern gesprenkelt. Einer der erloschenen Vulkane, der diese Landschaft mitprägte, lässt sich auch noch gut erkennen..
Nach der Abkühlung im See werde ich ausnahmsweise mit Rückenwind vorwärtsgeschoben (30+ km/h) und muss fast nicht treten. An einem Straßenobststand ergänze ich mein Mittagessen (ein richtiges Frühstück hatte ich noch nicht) mit einer Wassermelone, auf die ich mich schon riesig freue. Kurz vor dem Pont du Diable, wo ich meine Pause machen möchte, bemerke ich, dass sich die Wassermelone, ohne ein Wörtchen zu sagen, verabschiedet hat. Ich fahre geschätzte drei Kilometer zurück und suche die Strecke ab, doch wie soll man in einer Hügellandschaft eine Wassermelone wiederfinden? Wer weiß, wo sie es sich schon gemütlich gemacht hat und meinem hungrigen Mund entkommen ist. Schade, also keine Wassermelone 😓
Der Blick auf die Pont du Diable mit See und Schlucht entschädigt aber ganz gut. Genauso wie das Dörfchen Saint-Guilhem-le-Désert (HIGHLIGHT!!!). Wirklich ausnahmslos schön, insbesondere bei abendlichen Lichtverhältnissen! Hier möchte ich unbedingt irgendwann nochmal hin, um die Berge drumherum zu bewandern oder zu beklettern.
Durch meine heutigen See- und Dorfaufenthalte sowie unglaublichen Windböen am Ende des Tages, schaffe ich den letzten Anstieg zum kostenlosen Camping nicht ganz und schlage mein Zelt im nächstbesten Waldweg auf.Lue lisää
Der Grand Canyon Frankreichs
23. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ ☀️ 33 °C
≈Arboras - Quissac
Von meinem Waldwegzeltplatz geht es über Saint-Maurice-Navacelles direkt zur heutigen Geologieexkursion zum Cirque de Navacelles. Die 300 Höhenmeter runter und rauf spare ich mir aber doch und fahre stattdessen ein Stückchen dieselbe Strecke zurück. Bis Ganges lege ich nur eine kurze Badepause ein und plündere dann im Super U die Box mit den reduzierten Artikeln für eine kurze Kaffeepause.
Den Rest des Tages verbringe ich wieder auf einer ausgedienten Bahnstrecke, die sich wieder super fahren lässt und mit vielen Picknickbänken glänzt. Endstation ist dann Quissac, für mehr Asphalt auf der alten Trasse hat wohl das Geld nicht mehr gereicht. Ich erfrage mir noch Wasser im Dorf und finde einen Schlafplatz neben einer alten Ruine (vermutlich auf dem ehemaligen Bahngelände).Lue lisää
Römische Wasserpipeline
23. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ 🌬 32 °C
Quissac - Robion
Gute 13 km nach Quissac komme ich in Lecques wieder auf die alte Bahntrasse, die nun bis nach Nîmes führt. Es ist bestimmt nur noch eine Frage der Zeit, bis das Zwischenstück ebenfalls fertiggestellt ist. Dann hat man hier einen wunderbaren Fernradweg für ein oder zwei Tagesetappen.
Direkt am Radweg in Langlade komme ich an einem kleinen Markt vorbei. Zeit für die erste Pause. Quiche, Kekse und Melone – die kommt mir diesmal nicht abhanden.
Gute 12 km später erreiche ich Nîmes, wo ich einen Blick auf das gut erhaltene Amphitheater, das zeitweise als Burg und später Häuser beherbergte, das Augustustor und ein paar andere römisch aussehende Dinge werfe. Im Anschluss gehe ich der alten Wasserversorgung der Stadt (damals 25.000 - 50.000 Einwohner zur Römerzeit (unterschiedliche Angaben)) auf die Spur und schlage einen kleinen Umweg zum Pont du Gard ein. Das Aquädukt führte bis ins 6. Jahrhundert Römerwasser nach Nîmes. Insgesamt über 50 km statt der 20 km Luftlinie (Quelle - Nîmes). Die direkte Strecke war nämlich aufgrund der südlichen Ausläufer des Massif Central zu hügelig. Nun ist der/die/das Pont du Gard Touristenattraktion und - wie ich miterleben konnte - Sprungturm (erste Bogenreihe ca. 22 m) für waghalsige Badegäste. Ich nehme ohne zu springen ein kleines Bad und radle dann weiter nach Avignon. Hier knipse ich nur ein kurzes Vergleichsfoto zu meinem Winterbesuch im Januar.
Der Weg aus der Stadt hinaus ist etwas unübersichtlich und dauert. Am Ende erreiche ich jedoch auch wieder den EV8, der direkt durch das kleine Dorf Robion führt. Hier gibt es einen schönen Rastplatz, wo bereits zwei schwer bepackte Räder und ein Zelt stehen. Übernachten scheint hier kein Problem zu sein, und ich geselle mich dazu.Lue lisää
Kurz in Deutschland, ist denn schon Weih
25. heinäkuuta 2024, Ranska ⋅ ⛅ 30 °C
Robion - Lac du Verdun
Morgens trinke ich noch einen Kaffee mit den beiden RadlerInnen, Roro und Mymie. Sie sind auf dem Weg in die Mongolei. Leider ist bei ihrem Optimuskocher bereits so ein Dingsi kaputtgegangen. Glücklicherweise benötige ich ein ähnliches Dingsi an meinem Kocher nicht mehr und überlasse es den beiden. Als kleines Dankeschön bekomme ich ein Gläschen Honig. :)
Auf der Fahrt heute werde ich von vielen duftenden Lavendelfeldern begleitet. Außerdem wachsen Rosmarin und Thymian wie Unkraut am Straßenrand. Kräuter der Provence haben ihren Namen also wirklich verdient.
Um die Mittagszeit treffe ich Philipp, der eine kleine Tour durch sein Heimatland Frankreich macht. Wir machen gemeinsam Mittagspause und er überlässt mir noch eine Melone. Das zweite Geschenk heute, als wäre schon Weihnachten.
Passend zur Weihnachtszeit bin ich dann auch noch einmal ganz kurz in Deutschland. Das kleine Deurschland in der Provence.
Ich radle noch bis in Abendstunden weiter, um einen Campingplatz an der Gorge du Verdon zu erreichen, wo zwei bekannte Gesichter auf mich warten. Welche das sind, das verrate ich erst morgen :)Lue lisää




















































































































































































































































Matkaaja
Nein das gibt‘s ja nicht! Die Spinne „Maman“ ist von Louise Bourgeois, das ist eine meiner Lieblingskünstlerinnen! Ein Tribut an ihre Mutter, die war Weberin.