El Jadida - Casablanca: Ballern
13 avril 2024, Maroc ⋅ 🌬 26 °C
Passiert ist heute nicht viel, dafür habe ich einige Kilometer gemacht, da in Casablanca eine Warme Dusche auf mich wartete. Für Frühstück war also nicht viel Zeit. Ich besorgte mit etwas Brot und Oliven. Der freundliche Olivenhändler gab mir noch eine ganze Kelle gratis dazu, nachdem wir kurz ins Gespräch gekommen waren und ich von meiner Reise erzählte. Das sind eigentlich immer die schönsten Begegnungen, wenn man nicht einfach nur einkauft, sondern ein kleinen wenig in den Austausch kommt - noch besser würde das natürlich mit ein paar Arabischkentnissen funktionieren.
Dann ging es los. Ich nahm das Frühstück auf dem Rad zu mir und düste die Straße entlang. Leider ging es heute wirklich nur entlang einer großen Straße. Eine kurze Kostprobe der kleinen Parallelstraße war schottrig und - trotz ca. 1 km Entfernung - deutlich windiger. Pausen gabs wenige kurze in denen ich mich vorwiegend mit Yoghurtdrink bzw. Raib versorgte. Ziemlich lecker und ich konnte gar nicht genug davon bekommen - ich glaub, ich habe heute über 1,5 Liter Yoghurt getrunken. Rekordverdächtig.
Eine größere Pause mit typischem Marokko-Fastfood genehmige ich mir dann doch. Danach wurde durchgeballert bis nach Casablanca, wo ich in der Dämmerung ankam. Viel gesehen habe ich von der Stadt tatsächlich nicht. Nur die deutlich ärmeren Vororte und dazu im Kontrast die pompöse Hassan II Moschee.En savoir plus
Casablanca - Rabat: Trümmerhaufen
14 avril 2024, Maroc ⋅ ☀️ 29 °C
Ich unterhalte mich noch etwas länger mit Brian und breche daher auch erst wieder gegen Mittag auf. Zunächst geht es durch die Vorstädte Casablancas. Allerdings kann man hier fast nicht mehr von Städten oder Dörfern sprechen. Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet. Trümmerhaufen überall und bis auf die Moscheen steht fast keins der ehemaligen Häuser mehr. An manchen Ecken sieht man bereits riesige Neubauten. Was hier genau passiert bzw. was mit den Leuten geschieht, die in den alten Häusern wohnten, weiß ich nicht genau - einige scheinen noch in halben Ruinen zu wohnen oder die Schuttberge nach Materialien zu durchsuchen. Einen Ladenbesitzer, der etwas Englisch kann, spreche ich an. Er sieht etwas wohlhabender aus und meint, die Leute würden woanders neue Häuser bekommen, müssten aber auch dafür bezahlen. Freiwillig scheint das hier allerdings nicht zu passieren.
Der weitere Weg führt heute leider nur über große Straßen und ist weniger spektakulär. Allerdings merkt man bereits, dass man Rabat der Hauptstadt näher kommt. Die Straßen werden besser, sind durchgehend mit Laternen versehen und es gibt deutlich weniger Müll. Den ersten Abend checke ich in einem Airbnb am Stadtrand ein, klein aber fein. Ich bin erleichtert, angekommen zu sein und fühle mich etwas schlapp und fiebrig - vermutlich durch die längeren Etappen und den Wind der letzten Tage. Ein paar Tage Pause in Rabat werden da bestimmt guttun.En savoir plus
Rabat: Vorzeigestadt
15–17 avr. 2024, Maroc ⋅ ☀️ 26 °C
Rabat ist Vorzeigestadt. Man konnte es schon auf dem Weg in die Stadt erkennen: Große, neue und beleuchtete Straßen. Grünanlagen an den Straßenrändern, die für ihre saftige Farbe bestimmt einiges an Wasser benötigen. Nahezu kein Müll, keine Hunde und wenige Katzen.
Im Gegensatz zu anderen Städten scheinen Frauen hier mehr am öffentlichen Leben teilzunehmen oder teilnehmen zu können. In Cafés und Restaurants sieht man auch mal Frauengruppen oder Pärchen, auch wenn alles noch immer männerdominiert ist. Ein weiterer Unterschied zu anderen Gegenden, die Kleiderordnung. Diese scheint hier eine Ecke lockerer zu sein, kurze Hosen sind keine Seltenheit.
Im Airbnb treffe ich eine wilde Kollektion von Menschen, einen viel rauchenden und etwas zittrigen Franzosen, der in Marokko ist, um Flüsse vom Müll zu befreien, einen immer oberkörperfrei herumlaufenden Schotten und einen
parteikritischen Chinesen, der aus China geflohen und dessen Vermögen nun eingefroren ist. Mit ihm unterhalte ich mich nur über eine Übersetzungsapp - wie gut es mir (oder uns Europäern) doch geht und wie einfach es für mich ist zu reisen, wenn man im Vergleich seine Geschichte hört.
Die Tage in Rabat verbringe ich damit, durch die Medina zu schlendern, die Kasbah anzuschauen, wieder mal etwas zu viel für irgendwelche Einkäufe zu bezahlen. Einen Mittag treffe ich mich mit Julikas Bekannten, um das staatliche Kantinenessen zu probieren und mir noch ein paar Tipps für die Stadt abzuholen. Letztere befolge ich dann aber doch nicht alle, da ich wieder mal feststellen musste, dass eine der Ösen am Rad gebrochen ist - kein Grund zur Panik, inzwischen ist das ja fast Routine und den Joker habe ich mir ja damals zurückschweißen lassen:) Auf der Suche nach einem Schweißer finde ich zwar hilfsbereite Menschen, die aber ziemlich rabiat in ihrer Arbeit sind. Den Gepäckträger umschrauben, hätte ich selbst mit ein paar weniger Kratzer am Fahrrad machen können - und musste ihn sowieso nochmal selber nachjustieren. Ich entscheide mich, das Schweißen auf Europa zu verschieben.En savoir plus
Rabat - ?: Keramik, Kinder und Militär
17 avril 2024, Maroc ⋅ ☁️ 21 °C
Ich hatte gestern und heute Morgen noch überlegt, noch eine weitere Nacht in Rabat zu bleiben. Doch irgendwas treibt mich an und zieht mich vorwärts. Marokko ist schön und es macht Spaß, hier zu reisen, gleichzeitig habe ich aber wieder Lust auf Europa und weitere Länder. Noch mal Spanien, Italien, Griechenland, die Türkei und wer weiß was noch. Dahin ist es noch ein weiter Weg und wenn ich dann länger an einem Ort verweile, bekomme ich Hummeln im Hintern.
Deswegen geht es dann weiter und auch wenn ich wieder ganz schön spät starte, mache ich direkt einen Stopp bei den Töpfereien, die sich fast auf dem Weg von Rabat nach Salé befinden. Ein Glück bin ich mit dem Fahrrad unterwegs, so konnte ich von den vielen schönen Dingen nichts kaufen;) Dann geht es weiter durch Salé und immer an der Küste entlang.
Auf der Karte sah die Strecke gar nicht so gut aus, da die Straße meist an der Autobahn entlang führt. Tatsächlich bekommt man von jeder aber fast gar nichts mit bzw. nur im Positiven, denn hier ist wenig Verkehr.
Salé und Kenitra sind beides ganz schön große Städte und es braucht eine Weile, bis ich durch diese hindurch bin. Letztere erinnert an eine europäische Industriestadt. Krane, ein Kanal, Lagerhallen. Sie versprüht einen gewissen Abenteuer-Vibe. Dazu passend überholt mich ein Transporter mit zwei Kinder, die hinten auf einem Trittbrett stehen und an der Tür festhalten. Sie grinsen verschwörerisch und freuen sich über ihre kostenlose Mitfahrgelegenheit. Das erinnert mich an irgendeinen Kindheitsroman, in dem die Protagonisten ein Abenteuer suchten und auf einen Zug aufsprangen.
Kinder sind ein gutes Stichwort. Heute begegnen mir wieder sehr viele, die grüßen und mich zum Anhalten auffordern. Einerseits schön, andererseits anstrengend, weil man natürlich überhaupt nicht vorankommen würde, wenn man immer anhielte. Wenn ich dann einfach weiterfahre, fühle ich mich teilweise ganz schön unfreundlich, zumal ich die meisten Worte und Fragen, die mir zugerufen werden, auch nicht verstehe, ignoriere oder verneine, wenn es 'Bonbon' oder 'Dirham' heißt. Manche Kinder strecken die Hände für ein High-Five aus, einigen reicht das, andere versuchen dann die Hand festzuhalten oder nach dem Fahrrad zu greifen - auch nicht so cool und etwas gefährlich 🤔 Aber das gehört eben auch immer mit dazu.
Die Zeltplatzsuche ist dann wieder gar nicht so einfach. Potentielle Wälder sind zugemüllt und stinken teils heftig. Daher biege ich über ein paar Feldwege Richtung Strand ab und lande direkt vor einem Militärposten. Ein bisschen Diskussionen, wobei ich eigentlich nichts verstehe, ein Foto vom Pass und ich kann mein Zelt - wenn auch nicht direkt am Strand - aufschlagen:)En savoir plus
? - Tanger: Sound of da police
18 avril 2024, Maroc ⋅ ☀️ 22 °C
Ganz so einfach ist es mit dem Zelten dann aber natürlich doch nicht. Ich hatte ich bereits gegessen, mich gewaschen, Zähne geputzt, noch ein bisschen FindPenguins geschrieben und war gerade dabei, mich in den Schlafsack zu legen, da bellt ein Hund. Im nächsten Moment wird mein Zelt von einem Lichtstrahl beleuchtet, Autos sind hier keine, es muss eine Taschenlampe, es müssen Menschen sein. Ich klettere halb aus dem Zelt und erblicke zwei Personen auf mich zukommen. Mit einem Salam gebe ich mich zu erkennen und bin etwas erleichtert, als dieses erwidert wird und ich die Westen der Gendarmerie Royale erkenne. Zum Glück spricht einer der beiden ganz gut Englisch. Pass vorzeigen und kurz erklären, was ich hier mache, geht so ganz schnell. Die beiden Polizisten sind allerdings ganz anderer Ansicht als die Kollegen vom Militär. Hier seien Räuber unterwegs und es wäre viel zu gefährlich, hier zu zelten. Auf eine Diskussion will ich mich dann doch nicht einlassen und packe alles wieder zusammen. Dann beginnt eine 10 km Nachtfahrt mit Polizeieskorte. Wir halten vor einem Haus im nächstgrößeren Örtchen. Eine Polizeistation ist es nicht, aber irgendein Behördengebäude. Aus diesem erscheinen nach und nach vier oder fünf weitere Personen, die nun zusammen mit den Polizisten aus dem Auto beraten, wo ich denn nun übernachten kann. Das scheint auch wirklich kompliziert zu sein, denn eine Antwort gibt es nicht so richtig, obwohl der Innenhof oder die Eingangshalle des Gebäudes eigentlich optimal für eine Isomatte geeignet wäre. Mein Pass wird noch zwei weitere Male kontrolliert. Derweil bediene ich mich an meinem Snackvorrat und biete auch den Polizisten welche an - freundlich sind sie schließlich alle.
Irgendwann brechen die drei mit dem Polizeiauto wieder auf, allerdings nicht ohne mir noch eine riesige Schale Blaubeeren zu schenken. Nun sind nur noch die Leute aus dem Behördengebäude da, welche dummerweise kein Englisch sprechen. Einer von ihnen ist ebenfalls sehr nett und wir unterhalten uns per Übersetzungsapp. Ich erscheine scheinbar hungrig, sodass mir noch ein paar Tajinereste und etwas Brot angeboten werden. Die Behörden hier werden mir immer sympathischer. Es ist inzwischen ungefähr halb zwei und mir wurde noch immer keine Anweisung gegeben, wie es nun weiter geht. Ich frage schließlich, ob ich denn nun hier mein Zelt aufbauen könnte, was dann auch bejaht wird. So richte ich mich wohl auf dem beschissensten Zeltplatz, den ich bisher hatte, ein und schaffe es trotz Autolärm und bellenden Hunderudeln ein paar Stunden zu schlafen. Ausschlafen ist allerdings nicht, es wird früh hell und sehr laut und es gibt Frühstück, serviert von der Polizei oder den Hilfskräften oder was auch immer die Leute in diesem Behördengebäude für eine Funktion haben.
Wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich dort mal etwas offensichtlicher wildcampen - mal schauen wie der Service der deutschen Polizei so ist ...
Und der Rest des Tages? Trotz wenig Schlaf war ich eigentlich gar nicht so müde und so entschied ich mich, die Küste entlang bis nach Tanger zu ballern. Nur in Asilah mache ich eine etwas längere Pause und treffe Sam, der mit dem Rad gerade aus der Sub-Sahara Region zurückkommt und von dem es die nächsten Tage vielleicht noch etwas zu hören gibt.En savoir plus
Tanger: Bilanz Marokko
19–20 avr. 2024, Maroc ⋅ 🌬 20 °C
Nachdem mich inzwischen einige Beschwerden erreichten und mich auf ausbleibenden Footprints hinwiesen, geht es nun weiter:) Die Redaktion bittet um Entschuldigung und schenkt allen Wartenden ein Gratisabo für die nächsten 3 Monate.
Ich bin das zweite Mal in Tanger, checke im selben Hostel ein und sitze auf demselben Sessel, auf dem ich vor über anderthalb Monaten bereits gefrühstückt habe. Es fühlt sich etwas komisch an, nun wieder hier zu sein und Marokko wieder zu verlassenen - obwohl ich mich auch auf Europa freue.
Tanger kommt mir nun viel westlicher vor, insbesondere die Vorstädte durch die ich gestern gefahren bin. Vielleicht nicht im Vergleich zu Rabat oder Casablanca, aber zu den meisten anderen Städten. Aber klar, ich war in der Zwischenzeit im Atlasgebirge in entlegensten Ecken und hier trennen mich eben nur noch gute 30 km Luftlinie von Europa.
Auch wie touristisch die Medina ist, stelle ich jetzt nochmal mit dem zweiten Blick fest. Viele der Produkte, die man hier in der Medina findet, finden sich in allen größeren Städten. Aber ist das nicht in Deutschland ebenso, gibts nicht auch Schwarzwälder Schinken oder Kuckukcsuhren in Tourishops in Berlin oder Hamburg?
Die Händlergespräche sind ebenfalls fast eins zu eins dieselben: "Good quality. Good price for you my friend. Last price, last price." Wobei der last price meistens noch fünf Mal nachverhandelt werden kann. Und so dachte ich, das Handelswesen in Marokko mehr oder weniger verstanden zu haben, nur um dann beim Gewürzhändler den dreifachen Supermarktpreis zu zahlen. Eigentlich hätte ich es besser wissen können: Am besten kauft man Gewürzen nicht bei stationären Händlern, sondern auf dem Markt, abends wenn mehrere Geschäfte geöffnet sind oder eben im Supermarkt, wo sie vermutlich auch noch etwas frischer sind. Und so kaufe ich einfach nochmal eine riesige Menge zusätzlicher Gewürze im Supermarkt.
Meine letzten Dirhams habe ich bis zum Abend verscherbelt, bis mir auffällt, dass ich ja noch etwas essen muss. Und so lande ich - mit ganz viel Zwiespalt in mir - in dem einzigen oder einem der wenigen Restaurants, der Medina, in dem mit Karte gezahlt werden kann. Tritt man von der Straße ins Restaurant, beginnt eine andere Welt, die Kontraste des Landes könnten vermutlich nicht besser dargestellt werden. Drinnen glitzert und funkelt alles, zum Essen wird Livemusik gespielt, die Kellner tragen Kleidung, wie man sie im Film erwarten würde, ob das wirklich mal traditionell war - keine Ahnung. Auf jeden Fall kann sich hier jeder Touri für europäische Preise wie ein König bedienen lassen. Spannend und bestimmt auch eine tolle Erfahrung, wenn man sich drauf einlassen kann, ich fühle mich aber gleichzeitig ganz schön fehl am Platz.
Es passt ein bisschen zu dem Bild, welches ich von Marokko erhalten habe. Ein vielseitiges, facettenreichen aber vor allem auch ziemlich gegensätzlichen Land. Auf der einen Seite stehen, unglaubliche Landschaften, verschiedenste - für mich neue - Speisen, Getränke und Gebäck, schöne Städte und viele nette und gastfreundliche Menschen, die mich zu sich nach Hause und zum Essen einluden und mir damit tolle kulturelle Einblicke ermöglichten.
Auf der anderen Seite sah ich auch viele Schattenseiten, beginnend mit dem enormen Kontrast zwischen reichen und armen Gegenden. Da wirkt der (Massen)Tourismus in den großen Städten und an der Küste in Form von großen Hotelanlagen, glamourösen Riads und diversen Touri-Angeboten geradezu grotesk, da diese nach meinem Empfinden eher eine Inszenierung für die Touristen sind und ein ganz anderes Bild vom Land zeichnen. Dort fanden sich meist wenig(er) streunende Hunde, Katzen und vor allem Müll. Letzterer war wirklich in Massen sowohl in Städten als auch in entlegenen Atlas-Dörfern anzutreffen. Und zuletzt ist da natürlich noch die Rolle des Mannes oder der Frau. Es war schon extrem auffällig, wie männerdominiert das öffentliche Leben ist. Bis auf Rabat, Casablanca und in Teilen Marrakeschs, waren vor allem Männer draußen unterwegs, insbesondere in Bars, Restaurants oder Cafés. Lediglich auf den Souks (Märkten) schien es relativ ausgeglichen.
Das Resümee: Für einen (Kurz)Urlaub ist Marokko das falsche Land, es sei denn, man möchte alle Probleme ausblenden und eine heile bunte Welt für lau genießen - das wird einem einfach gemacht. Zum Reisen hingegen ein tolles Land es gibt es viel zu entdecken, zu lernen zu erfahren - vor allem Einblicke in eine ganz andere Kultur.
Und so bin ich nun einerseits auch froh wieder nach Europa zu fahren und freue mich gleichzeitig, wenn ich es noch mal nach Marokko schaffen werde. Bis dahin werden mir die Landschaften und Bekanntschaften und im Gaumen die Melouis, Shebakia und Tajine hängen bleiben.
Zahlen & Fakten:
Kürzeste Strecke: 10 km (eskortierte Nachtfahrt)
Längste Strecke: 150 km
Reisetage (davon Radeltage): 52 (27)
Zelt [davon Campingplatz]: 13 [6] (12)
WarmShowers und Einladungen: 8 (5)
Hostel/Herberge/[Hotel]: 17 (6)
Airbnb: 14 (4)
Verloren: -
Übergeben/Magendarm: < 24 h
Mit dem Fahrrad hingelegt: 1
Kaputgegangen/Ersetzt:
ein paar Kettenglieder, zweite Öse für Gepäckträger gebrochen
Wetter:
Von Temperaturen um die Null (Atlas) bis 35 °C war alles dabei (Schnee nur aus der Ferne)
Essen:
Raib (Joghurt(drink)), Meloui & Menemen (Crossaintartiger Pfannkuchen trifft es nicht ganz aber fast), Tajine, Couscous, Shebakia (Ramadan Gebäck) ,Kaab el Ghazal / Tcharek (Gebäck mit Mandelfüllung Mal mit Zimt, Orangen oder Rosenwasser Aroma), Amlou (Quadi Mandelmus mit Honig und Arganöl), Batbout und Harcha (beide irgendwo zwischen Pfannkuchen und Fladenbrot), Baghrir(Pfannkuchen mit Löchern), Harira in rot und weiß (Marokkanische Mehlsuppe, die rote Variante mit Tomate, Linsen, Kichererbsen und kleinen Nudeln trifft man etwas häufiger an)En savoir plus
Tanger - Palom.: Eine gigantische Kanone
20 avril 2024, Espagne ⋅ ☁️ 17 °C
Zusammen mit Sam suche ich heute Morgen die Fähre auf. Wir haben uns bereits Asilah getroffen, sind nun im selben Hostel gewesen und haben auch beide das Ziel Sevilla.
Am Ticketschalter ist nur noch eine Person vor uns in der Schlange, als der gute Herr das Schild mit der Abfahrtszeit der zu erwerbenden Tickets von 10:00 Uhr auf 12:00 Uhr ändert. Leider kein schlechter Scherz und so müssen wir zwei Stunden länger warten. Danke Merkel!
Irgendwann landen wir dann auf der Fähre. Das Wetter ist regnerisch und windig, was zu etwas stärkerem Seegang und einem fröhlichen kollektiven Kotzen einiger Personen an Bord führt. Etwas flau ist unser Magen auch, aber wir halten durch und alle sind froh, in Tarifa an Land zu gehen.
Hier erledigen wir ein paar Einkäufe und fahren dann die Küste entlang. Richtig schön, trotz der Wolken. Das Grün hat hier eine ganz andere Farbe als in Marokko. Wir steuern einen alten Militärkomplex, der mir damals von Unternehmensberater und Hausbesetzer Stefan empfohlen wurde, zum Übernachten an. Der Ort ist genial und entpuppt sich als riesiger Erwachsenenspielplatz. Künstliche Höhleneingänge, eine Drehbank, etliche Gebäude, eine gigantische Kanone.En savoir plus
Paloma Alta - ≈Conil de .: Farbenfroh
21 avril 2024, Espagne ⋅ ⛅ 16 °C
Warum war ich eigentlich in Marokko? Um den März zu überbrücken? Oder um die Frühlingsfarben nun viel kontrastreicher wahrzunehmen?
Spanien überrascht heute nämlich mit einem wundervollen Tag.
Zunächst geht es durch eine größere Sanddüne, die Sahara-Feeling aufkommen lässt. Gefolgt von einem wunderschönen Rad- und Wanderweg, der durch ein kleines Wäldchen führt und immer wieder Blicke auf das tiefblaue Meer erhaschen lässt.
Der erste Stopp ist dann das Baelo Claudia Museum. Kostenloser Eintritt ermöglicht die Begehung der alten Römerstadt (2 Jh. v. Chr.) und Betrachtung einiger Exponate.
Dann geht es weiter auf dem EV8, der hier durch umwerfende Landschaften führt. Farbenfrohe Blumenwiesen säumen streckenweise den Radweg, der immer wieder den Blick auf Sandstrände und Buchten mit türkisfarbenem Wasser ermöglicht. Ich komme nicht umhin, einmal hinein zu springen. Trocken werde ich auch wieder schnell, da es ziemlich windig ist - Rückenwind😍.
Wir, das sind Sam und ich, passieren noch ein paar schöne, ganz weiße Städte, bis wir dann auch noch einen ruhigen Zeltspot mit Meerblick finden - ein ziemlich perfekter Tag.En savoir plus
- Cadiz: Die Händler sind Rentner
22 avril 2024, Espagne ⋅ ☀️ 20 °C
Was in Marokko die Händler waren, sind in Spanien deutsche Rentner.
Sie quatschen einen an, ohne dass man sie etwas fragt und reden so viel, dass man nicht dazwischen kommt.
Dem marokkanischen Händlern kann man - aufgrund ihrer meist stationären Natur - entfliehen, indem man sich fortbewegt. Dem deutschen Rentner auf E-Bikes entkommt man nur schwer. Bei Gegenwind oder Steigungen besteht bei voll beladenem Rad fast keine Chance. Neunmalklug tun sie ihr aufgeschnapptes Halbwissen kund, aufgrund ihrer selbstzugeschrieben Weisheit geben sie bevormundende Ratschläge und wissen alles - auch, dass ich mir irgendwann auch ein teuereres Fahrrad (E-Bike) zulegen würde, wenn ich mal mehr Geld habe. Oder das Portugal ein kleines Land sei, in dem die Leute dementsprechend klein denken würden. Und und und ...
Was der gute Mann und seine Frau, die mir heute begegneten und scher wieder los zu werden waren, allerdings nicht wissen ist, dass er mir mit seinem Gelaber tierisch auf den Sack geht und ich dies nur aufgrund unnötiger Höflichkeit erdulde. Kein Wunder, dass Deutschland im ESC immer die letzten Plätze belegt, wenn es diese Deutschen sind, die sich im Ausland niederlassen und allen auf die Nerven gehen ....
Diese Erfahrung fand vor dem Mittag statt, welches ich dann am Fels-Strand in Cadiz zu mir nahm und nebenbei ein in das erfrischende Meer hüpfte. Danach kreuzte ich noch etwas durch die Altstadt, die ich anders als die weisen Rentner übrigens sehr schön fand.
Am Decathlon traf ich mich mit Sam wieder. Wir hatten uns heute Vormittag aufgeteilt, da er noch ein Telefonat zu erledigen hatte. Gemeinsam fahren wir die Landzunge zurück aus der Stadt (die Brücken sind leider nur für Autos ...) und finden nach kurzer Fahrt einen Rastplatz für die Nacht.En savoir plus

VoyageurMein lieber Tim, was ein geiler Tatsachenbericht über deutsche Rentnernervensägen 👍😂😂😂😂😂😂😂😂
Cadiz - La Algaida: Moorkolonien
23 avril 2024, Espagne ⋅ ☀️ 25 °C
Durch die fehlende Brücke für Fahrräder steht uns ein Umweg von 40 km bevor. Ärgerlich, aber doch schön, denn er führt durch einsame Moorlandschaften. Früher waren hier alte Salinenfelder, heute reiht sich ein Naturpark an den anderen.
Am El Puerto de Santa Maria wird die Strecke dann etwas komplizierter. Die Küste ist größtenteils Militärbereich. Nach etwas Zickzack kürzen wir über eine Landstraße ab und besorgen in der nächsten Stadt die Abendeinkäufe. Bevor wir im nächsten Wäldchen einen Lagerplatz suchen, passieren wir noch La Algaida, eine auffällige Siedlung. Wohnhäusern, kleine Gärten, große Felder und Gewächshäuser sind durcheinander gewürfelt und doch strukturiert angeordnet. Die Recherche ergabt: Als "Inlandskolonieprojekt " ist hier Anfang des 20. Jh. eine sogenannte Agrarkolonie entstanden. Viel mehr konnte ich allerdings nicht erfahren, da die Artikel nur auf Spanisch verfügbar sind.En savoir plus
? - Sevilla: Auch nett hier
24–26 avr. 2024, Espagne ⋅ ☀️ 24 °C
Die Strecke nach Sevilla ist etwas schotterig, windig, flach und führt vor allem entlang eines Flusses und durch viele Felder und vorbei an einem Storchenhauptquartier.
Gute 20 km vor der Stadt verabschiede ich dann von Sam, er will noch telefonieren und wird ab Sevilla einen etwas anderen Weg einschlagen. Schade, die letzten Tage zu zweit waren eine gute Abwechslung. Insbesondere das Wildcampen fällt deutlich leichter, aber man kann schöne Momente eben auch teilen oder sich gemeinsam über etwas aufregen.
Ich bin noch etwas unentschlossen über die eingeschlagene Route, der Jakobsweg bietet eine gute Infrastruktur und wäre sicherlich spannend, zurück an die Küste und durch Portugal aber auch cool. In Sevilla angekommen suche ich daher zunächst die 'Amigos de Camino de Santiago' auf, um mich über den Jakobsweg, die Via de la Plata, zu informieren. Meine schlechten Spanischkenntnisse nehmen mir die Entscheidung ab. Die 'Amigos' sind vorwiegend nette ältere Männer, die kein Englisch sprechen, aber natürlich begeisterte Pilger sind. Mir wird noch etwas auf der Karte gezeigt und plötzlich halte ich meinen Pilgerpass in der Hand und habe Gewissheit, dass ich übermorgen nach Santiago aufbrechen werde.
Für heute und morgen checke ich noch in ein Hostel ein, um mir die Stadt etwas anzusehen und in der Fahrradwerkstatt drei Häuser weiter, die in Marokko gebrochene Öse schweißen zu lassen. Die Fahrradwerkstatt bekommt eine noch schlechtere Schweißnaht als der Betrieb in Barcelona zustande - zuhause mache ich selbst mal einen Schweißkurs oder probiere mal rum, so schwierig kanns doch echt nicht sein. Oder zumindest könnte man ja sagen, dass man so etwas nicht schweißen kann, statt irgendeinen Mist zu produzieren.
Abgesehen von diesem kleinen Stimmungskiller genieße ich die Zeit in Sevilla. Am nächsten Morgen stolpere ich über einen Antikflohmarkt, schlendere durch Parks mit pompösen Bauten und besichtige die Nao Victoria & Ausstellung. Mit fünf von diesen Schiffstypen begann Ferdinand Magellan 1519 die erste Weltumsegelung. Eins schaffte die Weltumsegelung - ein Wunder, dass überhaupt ein paar der 270 Seeleute von dieser Reise zurückkamen. Wären die Mal alle mit dem Fahrrad gefahren!
Sevilla gefiel mir gut, es war ein bisschen 'schicker' ( für optimistische LeserInnen) oder 'spießiger' (für pessimistische LeserInnen) als Valencia. Bestimmt hätte es auch noch sehr viel mehr zu sehen gegeben, insbesondere Kultur und Museen. Die Liste an Orten, die ich nochmal besuchen möchte, wird immer länger.En savoir plus
Via de la Plata I
26 avril 2024, Espagne ⋅ ☁️ 16 °C
Mein Weg nach Santiago auf der Via de la Plata beginnt an der Kathedrale. Da ich nicht pünktlich bin, verpasse ich den Pilgergottesdienst und schaue mir die Kathedrale nur kurz von innen an.
Dann gehts los auf dem Boden vor der Kathedrale markiert eine Fliese den Startpunkt. Ab hier weisen die gelben Pfeile den Weg nach Santiago aus. Ich verlasse mich auch vollständig auf sie und will das Handy nur für Fotos zücken. So muss ich ein bisschen aufmerksamer fahren, nach den Markierungen Ausschau halten und mich ab und an nach dem Weg erkundigen. Das ein oder andere Mal handel ich mir auch einen kleinen Umweg ein bzw. fahre in die falsche Richtung und muss einige hundert Meter zurück, um die gelben Pfeile zu suchen.
Es ist eine ganz andere Art zu Reisen bzw. der Navigation - schön, solange man es nicht eilig hat. Die Umgebung nimmt man viel stärker wahr und es ist natürlich was anderes, nicht immer aufs Handy schauen zu müssen. Eine Karte wäre natürlich trotzdem noch eine hilfreiche Ergänzung.
Die Via de la Plata führt einen zielsicher aus der Stadt und auf Feldwege, sodass man schnell das Gefühl hat in der Natur undicht Ruhe angekommen zu sein. Die Anzahl der PilgerInnen, die mir begegnen hält sich in Grenzen. Über den Tag verteilt sind es 7 zu Fuß und 3 (+2 in entgegengesetzte Richtung) per Rad (ohne die Leute in der Unterkunft). Dieser Camino ist - vielleicht aufgrund seiner Länge von 1007 km - einer der weniger begangenen. Dafür scheint er landschaftlich aber wirklich klasse zu sein und schafft es mich auf dieser ersten Etappe (müssten ca. 3 Wanderetappen sein) größtenteils Abseits von größeren Straßen zu führen.
Nur im letzten Abschnitt bin ich froh, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, über 30 km gibt es hier keine Herbergen oder Einkaufsmöglichkeiten. Hinzu kommt ein ziemlich langer Straßenabschnitt, den ich glücklicherweise schnell überwinden kann. Danach folgt allerdings ein wundervoll grünes und stilles Tal, die Sierra Norte de Sevilla, welches im Norden und Süden von Bergen eingeschlossen wird. Hier kann man über 11 Kilometer einfach nur in der Natur sein und sich fernab der Zivilisation fühlen. Der Weg aus dem Talkessel ist aufgrund der Steigung dann etwas schwierig und ich muss schieben. Auf der anderen Seite des Berges habe ich dann allerdings mein Ziel Almadén se la Plata erreicht und nutze heute das erste Mal mein Handy als Hilfsmittel, um die günstigste Herberge ausfindig zu machen - es ist schon spät sich durchfragen und Preise vergleichen hätte man sicherlich auch machen können, in diesem Fall war das Handy auf jeden Fall eine gute Zeitersparnis.
Die Municipal Herberge kostet für mich nur 8 Euro, wobei außer PilgerInnen niemand da ist. So werde ich das Geld morgen lediglich am Tresen hinterlegen und gebe mir selbst einen Stempel geben.
An die Herbergszeiten muss ich mich die nächsten Tage wohl noch etwas anpassen. Ich verspeise noch fröhlich meine Nudeln, als alle anderen bereits im Schlafsaal verschwunden sind und ihr Schnarchkonzert beginnen. Um 22 Uhr ist hier Nachtruhe und es scheint Schicht im Schacht zu sein.En savoir plus
Via de la Plata II
27 avril 2024, Espagne ⋅ ⛅ 15 °C
Das erste Mal werde ich bereits gegen fünf Uhr wach, als die ersten PilgerInnen aufbrechen. Was zur Hölle? Es ist dunkel und kalt draußen. Ich starte erst ein paar Stunden später, als bereits alle die Herberge verlassen haben, da sind die Temperaturen auch viel geeigneter zum Radfahren.
Die heutige Etappe steht der Gestrigen in Sachen Landschaft und Wegführung in nichts nach. Sie ist geprägt von Pferde- und Schafswiesen und vielen (teils sehr steilen) Hügeln, die teils leicht bewaldet oder mit Wiesen überzogen sind. Hier und da findet sich ein kleiner Teich. Auch wenn alles landwirtschaftlich genutzt wird (Tiere oder Zäune sind fast überall zu sehen), wirkt es natürlich, schön und zeichnet ein stimmiges Bild. In diesem ersten Abschnitt zwischen Almadén de la Plata und El Real de la Jara komme ich langsam voran und muss teilweise absteigen und steile Hügel hinauf oder hinunter zu schieben. Natürlich hätte ich auch stärker auf die Alternativroute für Radler ausweichen können, aber das wäre ja langweilig.
Abschnitt zwei und drei rollen dann wieder flüssiger. Im Laufe des Tages hole ich einige der PilgerInnen aus der Herberge wieder ein. So sieht man sich immer zweimal, abends oder morgens in der Herberge und im Laufe des Tages. Das ist eigentlich ganz interessant am Pilgern mit dem Fahrrad, da man viele interessante Leute mit spannenden Geschichten trifft - gleichzeitig ist es sicherlich beim Pilgern zu Fuß schön, über einen längeren Zeitraum mit denselben Menschen unterwegs zu sein und mitzubekommen, wie sie den Jakobsweg erfahren und welchen Wandel es gibt.
Eine interessante Begegnung war Amelie, die ich beim Mittagseinkauf im Supermarkt wieder traf. Sie ist Seefrau und damit eigentlich immer unterwegs und mit Leuten verschiedenster Nationen in Kontakt. Ein spannendes und aufregendes Lebens und gleichzeitig in gewisser weise auch eintönig, hat und mit wenig Privatsphäre, wenn man Wochen ode Monate auf einem Schiff unterwegs ist.
Ich komme heute wieder fast ohne Handy(karten) aus (nur Übersetzungsapp und Reiseführerinfos zur Route). Allerdings gestaltet sich die Herbergssuche ohne Karte und stattdessen durch fragen, nicht verstehen, wieder fragen deutlich aufwendiger, zumal für die Herberge in Calzadilla de los Barros eine Nummer (zum Check-in) anzurufen ist. Mit wird erstmal bewusst wie viel Zeitersparnis (und gleichzeitig 'Kontaktersparnis' zu Einheimischen etc.) so ein Handy mit sich bringt, wie es viele Dinge erleichtert und wie wir die gewonnene Zeit direkt wieder mit irgendwelchen Apps verschwenden.
In der Herberge treffe ich einen Deutschen (Namen vergessen) und Aga aus Polen. Wir alle wollen eigentlich noch etwas einkaufen. Weil die Öffnungszeiten, des Dorfladens, aber stündlich neu gewürfelt werden, gestaltet sich das etwas schwierig. So überbrücken wir die Zeit bei einem Bier in der Bar und springen auf, als wir erfahren, dass der Laden nun für eine halbe Stunde geöffnet hat.En savoir plus
Via de la Plata III
28 avril 2024, Espagne ⋅ ⛅ 17 °C
Zunächst geht es heute durch blumige Wiesen nach Puebla de Sancho Pérez, wo ich den, aufgrund meiner Vergesslichkeit, namenlosen Deutschen wieder treffe. Wir trinken zusammen einen Kaffee und holen uns in der Kirche nebenan einen Stempel ab. Dann geht es weiter nach Zafra, wo ich eine frühe Mittagspause einlege. Nach einem etwas matschigem und verwirrend ausgeschilderten Abschnitt komme ich in Villafranca de los Barros an und hole mir den nächsten Stempel im Colegio San José, einem christlichen Internat, ab. Ein erhabenes Gebäude mit einer Kirche im Zentrum und weiten Fluren, deren Wände mit Bildern von AbsolventInnen und Pokalen aus verschiedenen Wettbewerben 'geschmückt' sind. Es hat einerseits etwas schönes Ruhiges, so als wäre dieser Ort fürs Lernen und Lehren geschaffen und gleichzeitig etwas einer elitären Gemeinschaft.
Von Villafranca de los Barros nach Torremejía beginnt für FußpilgerInnen eine anspruchsvolle Etappe, da es auf gut 27 km quasi nur Felder und keine Unterkunft, Läden oder Bars gibt. Mit dem Fahrrad ist die Strecke jedoch schnell absolviert. Da mir die Unterkünfte in Torremejía jedoch zu teuer sind und es schon etwas spät ist, fahre ich noch ein paar Kilometer weiter und schlage das erste Mal auf dem Camino mein Zelt auf.En savoir plus
Via de la Plata IV
29 avril 2024, Espagne ⋅ ⛅ 20 °C
Da ich heute gezeltet habe, wache ich bei Sonnenaufgang auf. Das Frühstück gibt es direkt im Zelt. Dann mache ich mich auf nach Mérida, einer alten Römerstadt mit vielen beeindruckenden und gut erhaltenen Bauwerken: eine Römerbrücke, ein sehr großes Viadukt, ein Theater und ein Amphitheater.
Die letzten beiden kosten etwas mehr Eintritt und ich schaue sie mir nicht an. Verpasse ich etwas? Muss ich mir alles anschauen? Ja und nein! Man verpasst immer etwas bei (so einer langen) Reise. Wenn ich nach links abbiege, sehe ich nicht, was auf dem rechten Weg passiert, wenn ich Stadt A in die Route einbaue, sehe ich Stadt B nicht. Doch es nützt nichts, zu grübeln, welcher Weg der bessere ist, welches Museum man sich anschauen soll usw. Auf allen Wegen gibt es etwas zu entdecken, eine Begegnung, etwas zu lernen, ein Abenteuer - ganz egal, wie man sich entscheidet. Basierend auf dieser Erkenntnis ist es einfacher, sich nicht zwanghaft alles anschauen zu wollen und es einfach entspannt anzugehen. So genießt man die einzelnen Sehenswürdigkeiten und Momente mehr – anders geht es eigentlich auch nicht, da es immer (unendlich) mehr zu sehen gäbe. Eigentlich ist es wie ein endloses Buffet mit den verschiedensten, leckeren und exotischsten Speisen. Auch hier kann man nicht alles probieren, irgendwann ist man voll, es schmeckt nicht mehr, man hat sich den Teller zu voll geladen und überfressen. Deswegen nimmt man nur kleine Portionen, probiert nur manche Dinge und freut sich, dass man beim nächsten Mal noch Neues probieren kann – es bleibt etwas Besonderes und wird keine Fressorgie.
Handygedanken:
In der Stadt zeigt sich wieder, was einem das Handy alles abnimmt und wo es Erleichterungen schafft: Anderen RadfahrerInnen kann ich Orte direkt auf der Karte zeigen, Recherchen zu Orten und Sehenswürdigkeiten sind schnell erledigt bzw. finden sich Infos im Online-Camino-Reiseführer und den Weg aus der Stadt würde man auch schnell mit dem Handy finden. Wenn man versucht, das Handy in der Tasche zu lassen, wird einem dies erst einmal wieder bewusst. Gleichzeitig stoppt allerdings die Nachrichtenflut, ich bin weniger abgelenkt und habe mehr Zeit, Augen und Ohren für das Hier und Jetzt.
Der Weg aus der Stadt ist dann doch wieder schnell gefunden und führt nach einigen Kilometern an den Römerstausee von Proserpina. Von hier wurde Mérida mit Wasser versorgt. Es scheint auch ein schöner Ort für ruhige Freizeitaktivitäten zu sein, allerdings sind (noch?) alle Bars geschlossen und bis auf ein paar Camper ist hier nichts los. Ich mache hier Pause, springe in den See, esse etwas und lese ein bisschen – es ist wundervoll ruhig und quasi einsam hier. Das setzt sich auch beim Weiterfahren fort. Hinzu kommt wunderschöne Natur, sodass ich meinen bisherigen Plan, in einem spendenbasierten Kloster in Alcuéscar zu übernachten, verwerfe. Stattdessen halte ich 10 km vorher in einem bilderbuchreifen Tal mir einer Ausdehnung von vielleicht 500 oder 1000 m. Es ist von grünen Hügeln eingeschlossen, besitzt saftige, mit Bäumen und Sträuchern gesprenkelte Blumenwiesen und durch die Mitte fließt ein kleiner Bach. Letzterer sorgt für ein paar feuchte Moorbereiche in denen Gräser und Blumen wachsen.
Das Wetter ist gut und ich beschließe, auf einem Hügel unter freiem Himmel zu übernachten, koche und genieße den Sonnenuntergang. Die Strecke heute war sicherlich eine der schönsten.En savoir plus
Via de la Plata V
30 avril 2024, Espagne ⋅ ☁️ 15 °C
Kurz vor fünf Uhr wache ich das erste Mal auf und fotografiere den Mond und Nachthimmel im Halbschlaf. Das nächste Mal werde ich zwischen sechs und sieben Uhr wach. Es ist immer noch dunkel, die letzte Stadt einige Kilometer entfernt und trotzdem sehe ich unten im Tal bereits eine Stirnlampe pilgern – die Frühaufsteher. Ich schlafe noch weiter, bis dir Sonne wirklich aufgegangen ist, aus dem Schlafsack kriecht es sich trotzdem schwer.
Die ersten Kilometer sind holprig und das Wetter frisch und bewölkt. Im Konvent in Alcuéscar hole ich mir meinen Stempel ab und mache Frühstückspause.
Der Abschnitt heute ist wieder sehr schön grün und blumig und lässt mich einige Mittelalter- und Römerbrücken passieren. Verwitterte Meilensteine zeugen von der alten Römerstraße. Unterwegs treffe ich eine 70-jährige Deutsch-Kanadierin – man ist scheinbar nie zu alt zum Reisen. Als ich mich nach einem kurzen Gespräch verabschiede, wechselt der Hund, der ihr schon seit Kilometern folgt, den Besitzer. Nun habe ich also einen Hund als Haustier. Nach einigen Kilometern wird mir sein Hin- und Hergehopse aber etwas zu gefährlich. Ich fahre etwas schneller, sodass er nicht mehr hinterherkommt und im Rückspiegel verschwindet – das fühlt sich gemein an, aber was soll ich mit einem Hund?
Am Nachmittag fängt es an zu regnen. Ich passiere ein altes Flugfeld mit vielen Hangars und lege eine Regenpause zum Erkunden ein. Die Tür zu einer ehemaligen Bar steht offen, die Einrichtung ist noch vorhanden, als wäre hier vor einer Woche noch Betrieb gewesen. Ein intakter, nicht zerstörter Lost Place.
Schließlich kann ich mich wieder losreißen und lege die letzten Kilometer bis Valdesalor zurück. Dort gibt es eine 3-Euro-Herberge, in der ich den letzten Platz ergattere.
Etwas später kommen erst die Siebzigjährige und dann noch zwei PilgerInnen an. Ein Glück, dass es noch ein sehr langes Sofa und meine Isomatte gibt. In der Herberge ist nun richtig was los. Eine Pilgergruppe, die mal wieder überwiegend aus Deutschen besteht, startet ein größeres Kochvorhaben, zu dem ich auch noch eingeladen werde.
Meine Gewürzvorräte können den Abend etwas pikanter machen und tragen aufgrund ihrer Variation und Menge zur allgemeinen Belustigung bei. Mit am Esstisch sitzen lustigerweise Maria und Josef. Das passt ja zum Jakobsweg!En savoir plus
Via de la Plata VI
1 mai 2024, Espagne ⋅ ☁️ 14 °C
Von Valdesalor geht es auf einem eher Mountainbike geeigneten Weg nach Cáceres. Dabei sammle ich mal wieder die PilgerInnen aus der Herberge ein. Distanzen haben so eine ganz andere Dimension auf dem Camino. Auf kleinen Abschnitten bin ich genauso schnell wie die Wandernden oder sogar etwas langsamer, auf anderen doppelt oder dreifach so schnell und kann eine Tagesetappe in 2 Stunden erledigen. So sehe ich die meisten immer nur zwei/drei Mal, abends und morgens in der Herberge und dann, wenn ich sie am Vormittag wieder einhole. Das ist schon komisch, so lernt man mit dem Rad zwar viele Leute kennen, weiß aber später gar nicht wie es ihnen weiter ergeht. Wo mag die Seefahrerin jetzt wohl sein? Oder Christian, der ganz üble Blasen hatte und fast nur am Humpeln war? Macht er weiter? Aga, die es nebenbei noch schafft zu arbeiten? Dony aus den USA, die früh aufstehenden Italiener und und und? Und was machen eigentlich Freunde und Familie Zuhause gerade?
Ich komme in Cáceres an, einer alten, ziemlich touristischen Stadt. Nachdem ich den Berg, auf dem die Altstadt liegt, erklommen habe, schaue ich mir das kostenlose Stadtmuseum an, welches auch einige alte archäologische Stücke enthält. Im Anschluss geht's noch ein paar Einkäufe erledigen, einen Kaffee trinken und ein bisschen mit den Großeltern telefonieren. Dann fahre ich weiter, bin etwas (von meinen eigenen Entscheidungen) genervt, weil Café und Einkauf viel zu teuer waren und ich den ein oder anderen Berg hätte umfahren können (statt auf einer Schotterpiste die Höhenmeter zu verschenken). Die Gegend wird schnell wieder ländlicher und schließlich komme ich am Alcántara-Stausee an. Eigentlich wollte ich noch weiterfahren, da es hier aber so schön ist, entscheide ich mich zu bleiben und ausnahmsweise die Handykarte für den perfekten Standort zu nutzen. Direkt an der Spitze einer Landzunge an einer alten Ruine. Ein Bad im See, entspanntes Kochen und ein Sonnenuntergang – eine gute Platzwahl.En savoir plus
Via de la Plata VII
2 mai 2024, Espagne ⋅ ☁️ 15 °C
Die Nacht war ganz windstill und ruhig, was mir den besten Schlaf seit Wochen brachte (in der Herberge lässt es sich meist nur mit Oropax schlafen). Nach einem sonnigen Frühstück mache ich mich auf nach Cañaveral. Statt für die Straße entscheide ich mich für den Fuß-Pilgerweg, was aufgrund des felsigen Bodens wenige Minuten später zu einigem Fluchen führt. Dafür treffe ich noch einen niederländischen Radfahrer, dem ich ein paar Tipps für Marokko mitgeben kann und zwei österreichische Radfahrer, mit denen ich mich lange beim Kaffee unterhalte.
Nach Cañaveral bleibt der Weg zwar noch etwas holprig, führt aber dafür durch blumige Wiesen. Ich steuere eine spendenbasierte Herberge in Grimaldo an, wobei ich beim ersten Versuch in irgendeinem Gemüsegarten lande – eigentlich sollte hier ein Weg sein.
Irgendwann erreiche ich die Herberge. Neben einem Japaner, einem Kolumbianer und mir ist hier nicht viel los. Wir teilen Tee und Wein. Mir fällt mal wieder auf, dass ich aufgrund der Siesta gar kein Mittagessen hatte und sich im Dorf leider auch nichts auftreiben lässt. Also geht es in die für die Herberge verantwortliche Gaststätte nebenan. Hier gibt es fünf Menüs, die sich jeweils in ihrer Hauptspeise (Schwein I, Schwein II, Omelett, Huhn oder Fisch) unterscheiden, aber vermutlich alle identisch gewürzt werden, für je 8,50 Euro zu ersteigern. Schmecken tut es gut und dafür, dass der Ort so klein ist, ist sogar ein bisschen was los. Warum gibt es das bei uns nicht mehr (so häufig)? Eine originelle, einfache Gaststätte, in der man zu einem günstigen Preis das bekommt, was man möchte: ein simples und gut schmeckendes Gericht mit dem ganz ursprünglichen Zweck einer Gaststätte (Reisenden) etwas Sättigendes zu essen zu bekommen.En savoir plus
Via de la Plata VIII
3 mai 2024, Espagne ⋅ ⛅ 15 °C
Abschnitt:
Grimaldo bis Puerto de Béjar
Heute wache ich von dem auf, was mich gestern nicht schlafen ließ: 40-Tonner, die direkt durch das Dorf scheppern. Warum, frage ich mich? Ein paar hundert Meter weiter verläuft die Autobahn, ebenso wie Auffahrten, die vor und hinter dem Dorf liegen. Warum ist die Straße nicht für den Schwerverkehr gesperrt? Das wird sicherlich auch die letzten verbliebenen Bewohner des Dorfes vertreiben.
Die ersten anderthalb Stunden Fahrt sind etwas anstrengend. Keine 9 km schaffe ich, da der Weg wieder einmal eher für MTBs geeignet ist. Danach wird es aber besser und am späten Vormittag komme ich in Galisteo an. Zufälligerweise zeitgleich mit Eduardo, dem Kolumbianer aus der Herberge – er hat schon doppelt so viele Kilometer auf dem Tacho. Wir trinken einen Kaffee in dieser schönen, verschlafenen (so verschlafen, dass mir der Camino-Stempel im falschen Feld gemacht wird) und vollständig von einer Stadtmauer umgebenen Stadt. Auf Eduardos Nachfrage gibt es zum Café auch noch Tapas (ein Stück Tortilla) dazu – ein Glück, wenn jemand dabei ist, der Spanisch spricht.
Die nächsten 15 km fahren wir gemeinsam und Eduardo versucht mir etwas Spanisch beizubringen – hoffentlich behalte ich ein bisschen. In Carcaboso verabschieden wir uns, vielleicht sieht man sich ja mal in Kolumbien – eingeladen bin ich zumindest.
Ich fahre weiter nach Placencia, wo ich nach einer kurzen Stärkung auf eine ehemalige Bahntrasse, die mir gestern der Niederländer empfohlen hatte, abbiege. Mit einer angenehmen Steigung führt sie mich in die Berge und bietet dabei noch atemberaubend schöne und beeindruckende Landschaften mit Schluchten, Bächen und vielen Blumen am Wegesrand. Dazu immer mal wieder alte Städtchen, Viadukte, Rastplätze und alte, teils sanierte, Bahnhöfe. Warum ist die Strecke eigentlich nicht offizieller Teil des Eurovelos?
In den Pilgermodus komme ich heute nicht so ganz. Am Vormittag war die Strecke anspruchsvoll und am Nachmittag auf der Bahntrasse wollte ich noch ein paar Kilometer machen. Die Konzentration auf den holprigen Weg und die Anstrengung, wenn Kilometer machen möchte, machen es schwerer Gedanken schweifen zu lassen.
In Puerto de Béjar stoße ich wieder auf die offizielle Vía de la Plata und suche auch hier eine spendenbasierte Herberge, die eher einem Sternehotel gleicht, auf. Aus irgendeinem Grund werde ich noch von einem anderen Pilger bekocht und treffe einen Niederländer, der inzwischen auch mit dem Rad unterwegs ist, zuvor aber 14 Monate zu Fuß durch Europa ging – verrückt!En savoir plus
Zum Workaway: Sierra de Gredos
4 mai 2024, Espagne ⋅ ☀️ 18 °C
Abdchnitt: Puerto de Bejar - Villanueva de Avila
Heute weiche ich wirklich von der Via de la Plata ab und fahre ins Landesinnere, in die Sierra de Gredos. Dort will ich für eine Woche bei einem ECO-Village-Projekt helfen. Der Weg dahin startet gefühlt mit einem Rausschmiss aus der Herberge, was Louis, der Niederländer, und ich etwas unentspannt finden. Der Hospitalero ist etwas konservativer und um Punkt 8 Uhr sollen wohl alle raus sein. Ich ärgere mich, schon meine Spende in die Spendenbox geschmissen zu haben.
Der Weg in die Sierra de Gredos ist dann wirklich schön. Auf den Straßen ist fast nichts los, und neben mir werden die Berge immer größer.
In El Barco de Ávila mache ich Mittagspause. Zunächst steppt hier noch der Bär (auf dem Marktplatz findet ein Volksfest statt), doch als ich fertig bin, herrscht Siesta. Straßen und Marktplatz sind plötzlich menschenleer.
Der weitere Weg führt immer weiter in den Nationalpark hinein. Ich höre einen Podcast, telefoniere ein wenig (die Radelpläne für September werden festgezurrt – aber hier gibt's natürlich keine Spoiler) und – und ich genieße die Landschaft.
Kurz bevor es dunkel wird, komme ich in Villanueva de Ávila an, oder besser gesagt ein oder zwei Kilometer vom Dorf entfernt, da ich den Koordinaten folge, die mir Miguel, der Workaway-Host, geschickt hat. Von der Straße führen sie eine steile Dirtroad hinab. Ein paar bewirtschaftete Gärten sind zu sehen. Nach vielleicht 200 Metern zweigt eine Straße ab und es tauchen ein paar Häuser auf, die meisten verfallen, wenige saniert. Handyempfang gibt es hier nicht mehr. Hier irgendwo muss es sein. Ich schaue mich etwas um, finde zunächst aber niemanden. Doch dann höre ich ein Motorbrummen, Scheinwerfer leuchten um die Ecke und ein Auto biegt um die Kurve. Es ist Miguel.
Anmerkung: Das Video ist natürlich nur so schlecht zusammengeschnitten, weil FindPeguins Videos auf 1 Minute limitiert.En savoir plus
Workaway 1: Das Haus und die Arbeit
10 mai 2024, Espagne ⋅ ⛅ 25 °C
Besser spät als nie. Ein Nachtrag zum 10. Mai.
Gute zweieinhalb Wochen war ich in Miguels zukünftiger Ecovillage in der Sierra de Gredos. Miguel ist circa Mitte 30, hat auch irgendwann mal Bauingenieurwesen studiert und vor ein paar Jahren zwei Häuser bzw. Ruinen in einem in den 60er Jahren verlassenen Dorf gekauft. Im Winterhalbjahr verdient er Geld und im Sommerhalbjahr steckt er es in sein Ecovillage-Projekt. Unterstützung gibt es gelegentlich von ein paar Nachbarn und Workawayern wie mir. Zugegebenermaßen habe ich nicht so ganz herausgefunden, wie denn nun eine Ecovillage aussehen soll, was wiederum daran liegt, dass der Begriff nicht ganz so scharf definiert ist. Auch Miguel ist relativ offen dafür, wohin sich das Projekt entwickelt. Je nachdem, wer sich eben noch anschließt und Ideen einbringt. Vielleicht kann man also sagen, dass sich eine Ecovillage in gewisser Weise von selbst oder aus den Menschen, die an ihr mitwirken, entwickelt. Und das Ganze unter den Aspekten Kultur, Soziales, Ökologie und Ökonomie. Zumindest heißt es hier so [1].
Vielleicht könnte man die Definition einer Ecovillage aber auch in einem Kochbuch nachschlagen. Dort würde dann vermutlich stehen: Die Adjektive fair, nachhaltig, kommunikativ, gesund, naturbezogen, naturverträglich, regenerativ, wertschätzend, partizipierend, teilhabend, gleichberechtigt, gemeinwohlorientiert, beteiligend und weitere in einen Topf geben, eine Handvoll motivierter und kreativer Menschen hinzufügen und mit ein paar Werkzeugen abschmecken. Und dann mal schauen, was herauskommt.
Bei mir waren es auf jeden Fall eine Menge Spaß und viele (kulturelle) Erfahrungen. Zeitweise zu viert zeitweise zu dritt waren wir vor allem damit beschäftigt Gebäude- und Gartenteile von Unkraut bzw. Brombeeren zu befreien, Betonzuschläge zum Haus zu schleppen, Beton zu mischen, Estrich und eine Schalung für die Dämmung herzustellen, in der nächsten Stadt Holz zu holen, den Recyclinghof nach Brauchbarem zu checken, zu kochen und noch ein paar andere Kleinigkeiten.
Wenn ich die Dämmung aus PET-Flaschen und Bauschaum unterm Dach sah, fragte ich mich natürlich schon, wie Eco das Ganze ist, ob hier gerade ein neuer Verbundwerkstoff entwickelt wurde und sich schonmal jemand über die Feuerfestigkeit Gedanken gemacht hatte. Hoffentlich bleibt sowas bei den Ecovillagen die Ausnahme.
[1] https://ecovillage.org/about/about-gen/conceptEn savoir plus
Workaway 1: Das Drumherum
10 mai 2024, Espagne ⋅ ⛅ 21 °C
Das Drumherum um Miguels Eco-Village kann wohl kaum besser geeignet sein, um sich eine Auszeit von hektischem Treiben, Nachrichtenfluten oder Alltagsproblemen zu nehmen (das ist natürlich der Regelfallauf meiner Reise, aber so ist der Ort ganz gut beschrieben). Hier gibt es nur Ruinen, Wald und Berge. Die nächste Trinkwasserquelle auf dem kostenlosen Camperparkplatz ist gut einen Kilometer entfernt, das nächste Dorf, welches auch nur aus einem Restaurant, einer Bar und einigen Häusern besteht, gut anderthalb Kilometer, und der nächste Supermarkt vielleicht 8 km. Und für Internetempfang muss man von der Ruine den nächsten Hügel hinauf laufen. Fließendes Wasser gibt es zwar über alte Kanalsysteme aus den Bergen, wenn die Fließrichtung nicht gerade von einem Nachbarn für den Eigengebrauch umgelenkt wurde, jenes eignet sich allerdings auch nur für die Freiluftdusche, zum Betonmischen oder zur Bewässerung. Klingt nicht nur alles ganz romantisch, ist es auch.
Und auch wenn es hier eigentlich einsam ist, langweilig wird es nicht. In den Bergen und Wäldern lässt es sich wunderbar wandern. Dabei stößt man auf andere alte Ruinen, manche sanierten Gebäude oder Wasserfälle mit Infinity-Pool. Mit Sirek, einem Workawayer aus den Niederlanden, unternehme ich eine Radtour, um die lokalen Tapas zu testen. An einem anderen Nachmittag kommen plötzlich zwei Nachbarn mit einer Tüte Lauch und einer Tüte Speckschwarten vorbei, entfachten in der Outdoorküche ein riesiges Feuer und grillten Lauch und Fleisch in traditioneller Weise direkt auf den Flammen. Gegessen werden musste dann natürlich auch auf traditionelle Weise. Dazu wird die verkohlte äußere Schicht einfach abgezogen, in eine Paprikasauce getaucht und dann so verzehrt, wie es intuitiv wohl nur ein Schwertschlucker tun würde. Der Speck hingegen wird mit Brot gegessen. Ganz wichtig dabei: Ein Stück vom Brot muss abgeschnitten werden und dient zum Halten der Speckschwarte. Damit man sich die Finger nicht dreckig macht? Nach dem Lauch wäre das auf jeden Fall irrelevant.
Ein paar Mal sind wir abends bei Nachbarn Hossein und seiner Frau zum typischen Tortillaessen eingeladen. Die beiden wohnen etwas tiefer und einsamer im Wald und haben vor Jahrzehnten ebenfalls eines der alten Häuser restauriert. Nun steht Hossein Miguel mit Rat, etlichen Werkzeugen und jeder Menge Bier, wenn wir bei ihm eingeladen sind, zur Seite.
Insgesamt bleibe ich ein paar Tage länger als geplant bei Miguel, da die spanische Post es mit meinem Tretlager, das ich in die nächste Stadt bestellt habe, nicht so eilig hat.En savoir plus
Villan. - Pue. d. Congo.: 5 m x 8 m
21 mai 2024, Espagne ⋅ ☁️ 16 °C
***Workaway footprint wird nachgereicht***
Villanueva de Avila - Puente del Congosto:
Mein Paket ist endlich angekommen, sodass es nun endlich weiter zurück auf den Jakobsweg gehen kann. Die übliche Mischung aus etwas Wehmut und dem Drang, wieder aufs Rad zu steigen, ist natürlich auch wieder dabei. Ich tröste mich damit, dass ich bestimmt wiederkommen werde, um zu sehen, was aus Miguels Ruinen geworden ist. Also verabschiede ich mich am späten Vormittag von Miguel und Sierk, der heute auch aufbricht, um 10 Tage in einem Kloster zu schweigen.
Ich hatte hin und her überlegt, wie ich am besten zurückfahre, ohne dieselbe Strecke zu nutzen. Ein Stück mit Sierks Van über die Berge und dann auf der Südseite war eine Überlegung. Allerdings kann ich René ja nicht noch einmal enttäuschen und mich wieder einfach irgendwohin beamen und außerdem muss ich ja noch mein Paket mit dem neuen Tretlager abholen. Also rolle ich die ersten Kilometer bergab nach Burgohondo, um dem Paketshop einen Besuch abzustatten. Interessanterweise findet sich neben meinem Tretlager auch Werbung für HelloFresh. Wenn deren Pakete genauso schnell geliefert werden wie dieses, dann viel Spaß beim Essen.
Für den weiteren Weg habe ich mir eine Nebenstraße herausgesucht, die in einem Tal zwischen zwei Bergketten hinaufführt. Links und rechts auf diesen Bergen sehe ich recht große Raubvögel mit weißem Kopf kreisen – für eine genauere Bestimmung ist die Distanz aber leider zu groß.
Oben am Pass angekommen, erstreckt sich eine weite Ebene mit etlichen Weiden für Kühe, Pferde und Esel. Inzwischen bin ich auf gut 1400 m Höhe, und obwohl die Sonne größtenteils scheint, ist es durch den Wind dann doch ganz schön frisch, fast schon etwas ungemütlich.
Als langsam der Magen anfängt zu knurren, bemerke ich, dass ich wieder die Siesta vercheckt habe. Um 14 Uhr schließen die Geschäfte - die es hier sowieso nicht gibt - wieder und machen erdt gegen 17 Uhr wieder auf. So ergattere ich in einer kleinen Bar nur eine überteuerte Cola, esse ein paar Müslireste und schreibe Einkaufen auf die ToDo-Liste.
Am Nachmittag stellt sich die Straße, der ich folge, als gesperrt heraus. Zwei Autos mit Männer in Warnwesten kommen mir entgegen und ich frage, ob ich mit dem Fahrrad hindurchkomme. Ihre Antworten kommen mir spanisch vor. Irgendwas mit nicht passierbar und 5 m x 8 m Hindernis oder so. Da die Alternativroute gut 10 km länger ist, 400 hm mehr zu bieten hat und ich zudem wissen möchte, was ich eben nicht verstanden habe, entschließe ich mich dazu, zu pokern und den Pass hinaufzufahren. Oben angekommen werde ich mit einer guten Aussicht belohnt und rolle auf der anderen Seite hinunter in der Hoffnung, dass ich nicht die ganze Strecke zurückfahren muss. Nach ein, zwei weiteren Kurven gibt es dann auch Klarheit. Eine kleine Baustelle und ein 5 m breiter Graben, der die Straße durchzieht. Gepäck abladen, tragen, wieder aufladen sind schnell vollzogen und sicherlich die bessere Wahl als die Alternativroute gewesen.
Im Anschluss geht es noch eine Weile über schöne Serpentinen bergab. Die Via de la Plata erreiche ich allerdings nicht mehr und mache dafür an einer noch geschlossenen Bar direkt am Flussufer in Puente de Congosto Halt.En savoir plus
Congosto - Pedrosillo:Jakob wiederfinden
22 mai 2024, Espagne ⋅ ☁️ 17 °C
Puente del Congosto - Pedrosillo de los Aires
Ich wache früh auf. Es ist noch ziemlich frisch, aber die Sonne blinzelt bereits durch die Bäume, und über dem Fluss hängen Nebelschwaden. Beste Bedingungen für ein entspanntes, wenn auch nur aus Keksen bestehendes Frühstück und langsames Zusammenpacken. Dann mache ich mich auf den Weg zurück zur Via de la Plata.
Bereits nach einem Kilometer finde ich die gelbe Jakobsmuschel und wundere mich, was für ein Weg hier sein soll. Der eigentliche Jakobsweg sollte noch 20 km entfernt liegen. Wie sich dann herausstellt, folgt auch kein weiteres Schild. Der Weg ist dennoch schön und fürs Fahrrad denkbar ungeeignet. Ich komme gefühlt in Schrittgeschwindigkeit voran und wäre bestimmt schneller gewesen, hätte ich einfach umgedreht und die Straße genommen. Sicherlich die mit dem Kopf durch die Wand-Lösung, aber da ich ja einen Helm aufhabe, geht das ja schon. So komme ich auch langsam voran, muss schließlich aber doch auf die (kleine) Straße ausweichen, als ein Fluss meinen Weg durchkreuzt. Ein halber Meter Wasser (oder mehr) ist mir dann doch etwas zu viel, zumindest bei diesen Temperaturen.
Nach meinen Offroad-Abenteuern erreiche ich deutlich später als geplant den Camino und eine ziemlich große und schön eingerichtete Herberge. Die vielen gelben Schilder und Pfeile geben mir gleich wieder ein ganz anderes Reisegefühl. Es ist doch irgendwie etwas Besonderes, auf Wegen unterwegs zu sein, die genau für lange Reisen gemacht sind. Wenn man weiß, dass Herbergen auf dem Weg liegen, man sich die Straße (meistens) nicht mit Autos teilen muss und dass die meisten, die hier unterwegs sind, eben auch reisen und sogar dasselbe Ziel ansteuern. Die gelben Pfeile haben etwas Vertrautes.
Da ich eben nur spät und nicht zu spät wieder auf den Jakobsweg gestoßen bin, entschließe ich mich, noch etwas weiter zu radeln. Schnell finde ich mich wieder auf alten römischen Straßen wieder, die noch erstaunlich gut in ihrer ursprünglichen Form zu erkennen sind. Das nächste Dorf (Pedrosillo de los Aires) mit einer Herberge auf Spendenbasis habe ich dann auch schnell erreicht. Im Dorf selbst ist wenig los, so wenig, dass etwa jedes zweite Haus zum Verkauf steht. Hier ist es extrem, aber auch in vielen anderen Dörfern hier keine Seltenheit, obwohl die meisten wunderschön gelegen sind.En savoir plus
Via de la Plata ≈X
23 mai 2024, Espagne ⋅ ☀️ 20 °C
Pedrosillo de los Aires - Calzada
Heute Morgen fällt mir auf, dass es im ganzen Dorf freies Wlan gibt. Verrückt, hier ist wirklich nichts los, scheinbar hat das die Leute nicht davon abgehalten, in die Stadt zu ziehen. Die drei PilgerInnen die hier täglich ankommen freuen sich bestimmt drüber?
Ich mache mich auf den Weg nach Salamanca, wo ich einen Fahrradladen zum Tretlagerwechsel aufsuchen möchte. Nachdem ich Pedrosillo verlassen habe, muss ich meine Akrobatikkünste auf dem Rad unter Beweis stellen: Es gilt, ein paar Raupen auszuweichen, die an einem seidenen Faden hängend an Bäumen chillen. Das Fotografieren ist übrigens gar nicht so einfach, da sie durch den Wind stetig hin und her wehen.
Kurz vor Salamanca komme ich durch ein paar grüne Parkanlagen und lande plötzlich auf einem Radweg, der mich in die Innenstadt führt. Die Kathedrale thront schon von weitem sichtbar auf einem Hügel und irgendwie erinnert die Stadt an eine Mischung aus Valencia und Granada.
Bevor ich mir die Stadt anschaue, suche ich allerdings einen Fahrradladen auf. Ich werde schnell fündig, bin aber ziemlich überrascht, als mir mitgeteilt wird, dass ein Tretlagerwechsel 60 Euro koste (das Tretlager habe ich ja schon dabei). So lehne ich das Angebot mit der Begründung ab, dass ich es selbst kostenlos machen oder in Deutschland für 30 Euro wechseln lassen könnte. Wie durch Zauberhand kostet der Tretlagerwechsel nun nur noch 30 Euro. Bin ich denn noch in Marokko? Die 30 Euro finde ich fair, und es wird sich auch direkt meines Fahrrads angenommen, sodass es eine gute Stunde später weitergehen kann.
Nach kurzer Stadtbesichtigung verlasse ich Salamanca. Der Jakobsweg versteckt sich ein bisschen und führt mitten durch eine Autobahnauffahrt. Nicht schön, aber zum Glück selten.En savoir plus



















































































































































































































































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