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  • Eva Leberer

Der Nase nach

Richtung Süden und dann? - Mal schauen. Czytaj więcej
  • Itzer - Tagoudit: Die richtige Wahl

    5 marca 2024, Maroko ⋅ ⛅ 7 °C

    Der Tag beginnt mit einem leckeren Frühstück bei Moumi. Es gibt selbstgemachte Meloui von Fatima (die besten in Marokko, wie uns versichert wird - es waren auch die besten bisher), Minztee, Kaffee, Marmelade, Honig und die klassischen Streichkäsespitzen, die es irgendwie überall zum Frühstück dazu gibt. Wir quatschen noch ein bisschen, tauschen Nummern aus, werden zu einem kleinen "Festival" im nächsten Jahr eingeladen, dass Moumi dort plant, wo wir eigentlich zelten sollten und bedanken uns am Ende für die unglaubliche Gastfreundschaft mit einem kleinen zusammengebastelten Mini-Fahrrad. 

    Dann gehts wieder los. Den ganzen Tag blicken wir auf unser heutiges Ziel, die schneebedeckten Berge des Atlas-Gebirges. Über Kilometer fahren wir auf sie zu, ohne das Gefühl zu haben, näher zu kommen. Die Einschätzung von Entfernungen geht vollkommen verloren. Die Landschaft ist karg, aber überall finden sich Menschen, die freundlich grüßen. Irgendwann ist es dann so weit, wir fahren zwischen den Schneebergen ins Gebirge. Hier führen die Flüsse wieder Wasser. Im Flussbett findet Landwirtschaft statt und Menschen waschen ihre Wäsche.

    Ein letzter Anstieg, dann folgt die Abfahrt nach Tagoudit. Wir halten einige Male, um in der Gegend nach einer Zeltmöglichkeit zu suchen. Sind etwas unsicher, da es weiter hinten im Tal diesig wird und die Regenwahrscheinlichkeit für heute Nacht relativ hoch ist. Christoph kundschaftet ein Waldstück aus, als ein Auto neben David und mir hält. Es folgt der klassische Gesprächsablauf: 'Bonjour', 'ça va?', 'How are you?', 'Where are you from?'. Möchte man uns wieder etwas verkaufen oder um Geld fragen? Vermutlich nicht, wir stehen schließlich auf irgendeiner Abfahrt im Atlas und die beiden Männer wirken in ihrem Auto eher so, als würden sie zu den 'besser' gestellten gehören. Wir antworten wahrheitsgemäß, dass wir eine Unterkunft suchen. Der Mann überrascht, indem er auf ziemlich gutem Deutsch antwortet und uns die Visitenkarte einer Herberge in 3 km Entfernung in die Hand drückt. Nachdem das Auto weiter gefahren ist, überlegen wir noch kurz und entscheiden uns für die Herberge. Die richtige Wahl, heute Nacht wird es wirklich etwas stärker regnen. Auf dem Weg zur Herberge holt uns das Auto wieder ein und 'eskortiert' uns den restlichen Weg durchs Dorf - nicht das wir als Gäste durch die Lappen gehen;-) Die beiden Insassen stellen sich auch als die Betreiber oder Besitzer der Herberge heraus, sind super nett und hilfsbereit. Die Deutschkenntnisse des eines Mannes stammen übrigens aus dem Selbststudium, bzw. aus dem Kontakt mit Gästen - wahnsinn. Am Abend quatschen wir noch, man nimmt sich super viel Zeit für uns und wir genehmigen uns noch eine Tajine. Die Herberge war die richtige Wahl!
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  • Tagoudit - Imilchil: Beste Berge

    6 marca 2024, Maroko ⋅ ☀️ 13 °C

    Wir starten den Tag mit einem kleinen Frühstück in der Herberge. Klein deshalb, weil die geringer als übliche Menge schon sehr schnell mit Snacks während der Fahrt kompensiert wurde. Wir fahren das Tal von Tagoudit aus weiter Richtung Westen und genießen die Sonne gepaart mit kühlen aber fürs Fahrrad fahren besten Temperaturen. Vor dem Abzweig für Option A ("asphaltierte" Straße über den Berg) und Option B (Eselpfad entlang des Flusses) machen wir Mittagspause gepaart mit Wäsche trocknen, Fahrradwartung und Wasser filtern. Nach einer guten Stunde und der Realisierung, dass wir ja noch über 1000 Höhenmeter vor uns haben, entscheiden wir uns doch für die Straße.
    Es geht entlang wirklich atemberaubender Landschaften, welche nach jedem Pass ein neues Mikroklima zur Schau bieten.

    Da die Kilometer sich doch ziehen entscheiden wir uns zum näher gelegenen Zeltplatz nahe Imilchil zu fahren. Der Ort ist bekannt für seinen im September stattfindenden Heiratsmarkt, der sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Folklorefest für Tourist*innen entwickelt hat. Auch ohne diesen speziellen Tourismusmagneten merkt man sofort, dass die Menschen vom Tourismus leben und der Lebensstandard höher ist als in den abgelegenen Dörfern.

    Wir finden einen netten Campingplatz neben einem künstlichen See oberhalb des Ortes. Der Besitzer muss uns erst den Boiler anschalten, da wir heute die einzigen Gäste sind. Er fährt einen schicken 35 Jahre alten Land Rover Defender und war lange Zeit Guide für Tourist*innen im Atlas. Wir unterhalten uns gut und gehen nach einem leckeren selbst gekochten Abendessen das erste Mal während der Zeit in Marokko in unser Zelt.
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  • Imilchil - ≈Tilmi: Felsen und Forellen

    7 marca 2024, Maroko ⋅ 🌬 10 °C

    Heute Morgen fahren wir ein paar Kilometer auf der Strecke von gestern zurück, erst durch Imilchil, dann auf der breiten Straße, die sich durch beeindruckende Gesteinsformationen windet. Nun können wir uns nochmal Zeit nehmen, diese genauer anzuschauen. Es ist unglaublich, was hier für Kräfte gewirkt haben müssen, um das Gestein zu falten.

    Eine Fahrstunde weiter wird die Straße belebter. Autos, Menschen auf Eseln reitend oder zu Fuß kommen uns allein oder in Gruppen, bepackt mit Einkaufstüten entgegen. Ein paar Dörfer weiter sehen wir, was sie bewegt, es ist Markt und die Menschen aus den Nachbardörfern strömen hier her und wieder zurück. Wir überlegen anzuhalten, spekulieren dann aber auf einen Markt im nächsten größeren Dorf für unser Mittagessen. Leider falsch spekuliert, hier gibt es nur einen kleinen Laden und auch sonst fühlen wir uns im Dorf nicht so ganz wohl. Wir kaufen das Nötigste und fahren weiter in die Berge, wo wir in einer kleinen, sehr schön eingerichtete Auberge pausieren und uns mit Brot und Tee stärken. Von hier beobachten wir die geteerte, breit ausgebaute Passstraße, die wir gleich hinauffahren werden. Hin und wieder sehen wir dicke Geländewagen die Straße hinunter brettern.

    Eine gute Stunde später kämpfen wir uns den Berg hinauf. Oben am Pass endet die geteerte Straße, aber in ein paar Monaten wird es hier anders aussehen, etliche Baumaschinen sind dabei auch die andere Seite des Passes zu verbreitern und zum Asphaltieren vorzubereiten. Überhaupt gibt es hier viele Straßenbaustellen, schon am Vormittag haben wir einige gesehen. Der abzutragende Fels wird dabei immer mir einer weißen Linie für die Baggerfahrer markiert. Dient diese Erschließung dem Tourismus oder der Bevölkerung - wir wissen es nicht Tippen aber auf ersteres und fragen uns, was dies mit der Region machen wird. Vermutlich werden einige profitieren und einige darunter leiden.

    Die Abfahrt durch die Baustelle ist dann mittelmäßig cool. Unten angekommen findet sich dann aber direkt eine Herberge, bei der wir für umgerechnet einen Euro (10 DH) pro Person unser Zelt aufschlagen dürfen. Wir kochen noch lecker, doch Christoph hat leider nichts davon - stattdessen rückt er auf den ersten Platz im Wettbewerb: 'Wer bekommt am häufigsten Magenprobleme?' Aber die Saison ist noch nicht vorbei - David und ich werden uns die nächsten Tage Mühe geben, etwas aufzuholen.

    In der Unterkunft treffen wir noch zwei deutsche RadlerInnen, mit denen wir uns unterhalten und eine junge Frau aus Marrakesch, die fragt, ob sie sich beim Essen zu uns setzen darf. Fatima studiert in Marrakesch und gehört zu einem Forellen-Forscherteam. Heute haben sie in einem Tal in der Nähe die älteste Forellenart in Nordafrika gezählt und deren Größe dokumentiert. Die Forelle sei eine eigenständige Art, nicht wie man zunächst annahm mit der Bachforelle verwandt, und ist hier noch in zwei Flüssen zu finden. Längstes Exemplar 24 cm - wir drücken die Daumen, dass die Flüsse nicht austrocknen.
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  • ~Tilmi - Dades Schlucht

    8 marca 2024, Maroko ⋅ ☀️ 16 °C

    Der Tag beginnt frisch, unser Handy sagt uns -1°C und auf den Bergen nebenan liegt Neuschnee. Glücklicherweise geht es Christophs Magen wieder deutlich besser. Jedoch läuft beim Wasser auffüllen unser Wasserfilter auf einmal nicht mehr so geschmeidig wir normal. Ein kurzer Check im Inneren offenbart, dass das Filtern im flachen Fluss vor zwei Tagen sehr viel mehr Sediment angezogen hat, als gedacht. Nach einer gründlichen Reinigung und vollen Wasserflaschen geht es los weiter Richtung Süden und raus aus dem Atlas-Gebirge.

    Wir kommen an zahlreichen Dörfern entlang der Dades Tals vorbei und man merkt das leichte Gefälle, welches uns den ganzen Tag über begleitet. Als wir nach dem Mittagessen am Straßenrand kurz vor dem Losfahren sind, treffen wir Paul. Er ist alleine mit seinem Camper unterwegs und fährt gerade eine Runde mit seinem Rad. Wir verstehen uns gut und fahren gemeinsam weiter Richtung Dadesschlucht. Als ob eine Begleitperson nicht schon ungewöhnlich ist, stößt noch ein marokkanischer Jugendlicher mit seinem Fahrrad zu uns und fährt mit uns weiter. Mit seinen Handzeichen, schneller fahren zu sollen, fühlt er sich wie unserer persönlicher Coach an. Leider war die Kommunikation ein wenig schwierig, da wir keine gemeinsame Sprache kannten. Pauls Camper steht an einem netten kleinen Campingplatz am Beginn der Schlucht, die noch nicht so touristisch ist. Er lädt uns alle auf einen Kaffee ein und wir nehmen das Angebot dankend für eine kleine Pause an. Ohne beide Begleiter geht es anschließend weiter die Schlucht hinunter und wir merken, dass es deutlich touristischer wird: überall am Rand der Straße Gästehäuser und Restaurants, die erahnen lassen, was für Menschenmassen in der Hochsaison hier unterwegs sein müssen. An einem Supermarkt fahren wir schnell wieder ab, als der Besitzer stolze 4 Euro für eine Marmelade und 20 Euro für ein Glas Honig wollte. Lustiger Weise gab es die gleiche Marmelade ein paar hundert Meter weiter dann wieder für einen Euro.

    Neben einer schicken Felsformation finden wir einen Campingplatz. Aufgrund der wenigen Touristen und unseres wachsenden Verhandlungsgeschicks bekommen wir den Übernachtungspreis ordentlich gedrückt. Nach einem guten selbst gekochten Abendessen können wir also mit vollem Magen und Portemonnaie schlafen gehen.
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  • Dades Sch. - Anti Atlas: Teezeremonie

    9 marca 2024, Maroko ⋅ 🌬 20 °C

    Atlasglühen am Morgen. Wir fahren ohne Frühstück los und wollen uns dafür in der Oasenstadt Boumalne Dades etwas mehr Zeit in einem Café nehmen. Zunächst müssen wir uns dazu weiter entlang der Touristraße schlagen. Da wir es noch nicht allzu spät ist, hält sich die Anzahl an Wohnwagen, Motorräder und Reisebussen noch halbwegs in Grenzen, dennoch deuten prunkvolle Häuser und Hotels am Straßenrand auf die spätere Tourisaison hin.

    Als wir in die Stadt hinein fahren, treffen wir noch einen alleinreisenden Franzosen, von dem ich mir ein paar Reisetipps geben lasse. Im Anschluss suchen wir das nächste, uns ansprechende Café auf und frühstücken mit einer Portion Meloui, Kaffee und Tee. Wir genießen die Zeit, hier einfach mal in Ruhe zu sitzen und das geschäftige Treiben auf der Straße vor uns zu beobachten. Dann ist Einkaufen angesagt. Wir decken uns mit Vorräten ein. Heute, morgen und ggf. übermorgen werden wir durch eine wüste und dünn besiedelte Gegend fahren. Die nächsten gut 30 km sind dann zunächst auch ganz schön knackig. Zwar ist die Straße asphaltiert, doch der Wind fordert uns heraus. Irgendwann ist der Abschnitt jedoch geschafft und wir biegen nach Süden in die hügelliege, steinige Gegend ab. Der Weg ist hier deutlich anspruchsvoller und wird immer steiniger. Dafür ist die Landschaft wunderschön und einsam. Wie aus dem Nichts taucht in einem sonst leer erscheinenden Flussbett plötzlich eine Oase auf. Ein Glück, dass Christoph hier Probleme mit seinem Lowrider bekommt, da kann die Zeit zum Erkunden genutzt werden;-)

    In der Oase ist es windig, grün und auf den ersten Blick ist kein Wasser zu sehen. Beim genauen Hinschauen und Durchstreifen der Umgebung finde ich allerdings eine kleine Pfütze, in der sogar Frösche und Mini-Fische leben, einfach unglaublich. Ich frage mich, wie lange die paar Tropfen Wasser hier wohl noch ausreichen. Ist der Grundwasserspiegel hier so niedrig und wird die Pfütze von unten mit Wasser gespeist? Ein paar Meter weiter schaut es zumindest so aus. Kleine, in den Sand gegrabene Mulden sind teils mit Wasser, teils mit feuchtem Sand gefüllt. Ich bin fasziniert. Der Gepäckträger von Christoph ist inzwischen repariert, es geht weiter.Unser eigentliches selbst gestecktes Ziel erreichen wir heute aufgrund der Straßenverhältnisse und Hügel leider nicht mehr. Wir beginnen nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau zu halten. Am Wegesrand stolpern wir über einen Wasserkanister mit zwei Bechern. Weiter unten in der Nähe eines Flussbettes sehen wir ein nahezu quadratisch gebautes Lehmhaus, aus dessen Innenhof ein Olivenbaum ragt. Wer hier Wasser bereitstellt, wird bestimmt freundlich sein. Wir steigen zum Häuschen hinab und fragen mit Händen, Füßen und einer schlechten Übersetzungsapp eine junge Frau, ob wir hier unser Zelt aufbauen dürfen. Dies wird uns freundlich gestattet, bis später Mutter und Vater der jungen Frau zurückkommen, letzterer auf einem Esel geritten, einem fehlenden Fuß und mit auffällig markanten, ernsten und Bestimmung ausdrückenden Gesichtszügen. Wir haben unsere Zelte bereits aufgebaut und sind bereits am Kochen. Mbark, so heißt der Mann, telefoniert und steht bei unseren Zelten. Mit Gesten und dem Hin und Her reichen des Telefons, auf dessen anderer Seite seine Nichte mit ein paar Worten Englisch spricht, wird uns zu verstehen gegeben, dass wir doch drinnen essen und schlafen sollen. Widerrede ist zwecklos und wir sagen zumindest zu, unser Essen im Haus einzunehmen. Es folgt eine Teezeremonie:
    Zunächst waschen wir uns dazu die Hände unter einer blauen Kuststoffkanne aus der Mbark lauwarmes Wasser gießt. Eine ebenso blaue Kunststoffschüssel fängt jenes wieder auf. Die Frau des Hauses serviert schließlich kleine Waffeln und bringt den Tee herein, steht ansonsten aber nur am Rande des Geschehens - scheinbar ein sehr konservatives Rollenverständnis. Die Tochter hingegen sitzt mit am Tisch, während Mbark den Tee im hohen Bogen ins erste Glas schüttet, kostet, das Glas weiter füllt und wieder zurück in die Teekanne kippt. Diese Prozedur wird einige Male wiederholt, bevor an uns alle ausgeschenkt wird. Wir beobachten in Stille.
    Die Kommunikation im Anschluss läuft leider etwas umständlich, aber halbwegs funktionierend mit Gesten, Übersetzungsapp und dem Hin- und Hergereiche des Telefons, aus dem die Nichte spricht. Am Ende können wir die Gastfreundschaft nicht 'abwimmeln' und werden überredet, drinnen zu übernachten - etwas umständlich, da wir nun wieder die Zelte abbauen und alles einpacken müssen;)

    Die Gastfreundschaft der doch sehr armen Familie ist unglaublich, eigentlich gibt es hier nicht viel, wie uns mitgeteilt wird, nicht einmal eine Toilette. Die Notdurft wird draußen verrichtet. Der Weg bis zum nächsten Dorf ist ewig weit, wie wir morgen feststellen werden, und die Gegend karg, wie wir auf unserem Weg bereits gesehen haben. Bestünde die Sprachbarriere nicht, würden wir vermutlich lauter Fragen stellen, wie es hier möglich ist, Felder zu bestellen, die Ziegenherde zu versorgen oder überhaupt ausreichend Wasser zu bekommen und welche Wege dafür zurückgelegt werden müssen.

    Ein schöner und spannender Abend, der leider nur dadurch etwas getrübt wurde, dass ich Christoph den ersten Platz im 'ich hab, was nicht vertragen' Wettbewerb streitig machen will. Eine ganze Weile versuche ich mich zusammenzureißen und bin dann froh, als die Gespräche enden und ich mich nach draußen verdünnisieren kann. Verdünnisiert sind dann auch andere Dinge. Mein Magen ist der Ansicht, alles muss raus und nutzt dafür alle vorgesehen Öffnungen. Die Nacht ist dann halbwegs OK, nur einmal muss ich aufstehen und in die Dunkelheit irren, war scheinbar noch nicht alles draußen ... voll der Scheiß und echt zum Kotzen, ich dachte, mein Magen kann was ab! Woran hat's jelegen frage ich mich? Die Meloui? Wir haben alle dasselbe gegessen, da fragt man sich schon worans jelegen hat. Woran hat's jelegen? Ich sach ma so am Ende fragt man sich immer woran's jelegen hat. Isso.
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  • Anti Atlas - N'Kob: Grand Canyon

    10 marca 2024, Maroko ⋅ ☀️ 24 °C

    Wir haben alle ganz gut geschlafen, werden aber ungewöhnlich früh wach, 5:45 Uhr. Noch dazu ist die Sonne schon aufgegangen. Mbark hat sich schon ein paar Mal blicken lassen und als der erste von uns sich aufrichtet wird auch schon das Frühstück serviert. Wir packen schnell Schlafsack und Isomatte zusammen und sitzen nun mit ihm am gedeckten Tisch. Es gibt Brot, Olivenöl und ein gekochtes Ei für jeden. Uns wird mit Handzeichen erklärt, dass wir das Ei in Scheiben schneiden sollen und auf das Brot mit Olivenöl, Salz und Kreuzkümmel essen können. Dazu gibt es den obligatorischen gezuckerten Minztee. Lecker!

    Beim Verabschieden ruft Mbark nochmal seinen Nichte an, die uns erklärt, dass die Familie sehr arm ist und ob wir ihnen etwas Geld für die Übernachtung überlassen können. Wir geben ihnen 250 Dirham und bedanken uns nochmals für die Übernachtung. Wissen tun wir jedoch jetzt nicht mehr, ob es pure Gastfreundschaft war oder eine gute Möglichkeit für die Familie, etwas Geld mit Touristen zu verdienen. Was zählt war, dass die Familie ausgesprochen freundlich mit uns war und sie uns in ihrem Zuhause willkommen hieß.

    Vor dem Losfahren merken wir, dass Tims Kette einen leichten Schlag abbekommen hat und tordiert ist. Zum Glück haben wir alle Werkzeuge parat und können das problematische Stück der Kette professionell ersetzen. Mit frisch geölten Ketten fahren wir die schon gestern dürftig präparierte Schotterpiste weiter und kommen nur schwerlich voran. Nach 10 km und drei Stunden Fahrzeit erreichen wir Tagemout. Der "Ort" befindet sich in einer kleinen Talebene und besteht aus gefühlt 10 Häusern und einer Moschee, die alle im Abstand von mehreren hundert Metern zueinander stehen. Nichtsdestotrotz gibt es eine kleine Hütte, wo man zelten und essen kann. Wir bestellen ein Omelette und füllen unsere Wasservorräte stark auf, denn wir wissen nicht, wie weit wir bis zum Ende des Tages kommen werden.

    Die Straße nach dem Ort stellt sich als eine der besseren Schotterpisten heraus und wir kommen besser voran. Die Abfahrt aus dem Antiatlas heraus führt durch einen wahnsinnig spektakulären Canyon und wir freuen uns die einzigen Menschen weit und breit hier zu sein. Nur zu schade, dass kein Bild diese tolle Kulisse wirklich einfangen konnte. Kurz vor der Ausfahrt in die Ebene begrüßen uns die ersten Palmenoasen und wir fahren mit der untergehenden Sonne bis nach N'Kob. Wir bleiben auf einem etwas schickeren Campingplatz und verbringen den Abend mit Bernd, einem Camper aus Deutschland. Er ist querschnittsgelähmt und hat seinen VW Transporter so umbauen lassen, dass er dort bequem und autark Urlaub machen kann. Wir finden es eine tolle Geschichte, die zeigt, wie man auch mit einer körperlichen Beeinträchtigung mobil sein kann!

    Nachtrag: Warum wie so früh wach waren hat sich dann auch novh geklärt. In Marokko wird nicht nur zwei Mal die Zeit umgestellt sodern direkt 4 Mal - heute war es soweit.
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  • N Kob - Tafetchna: Arm und Reich

    11 marca 2024, Maroko ⋅ ☀️ 21 °C

    Alle guten Dinge sind drei, deswegen zog David heute Nacht mit einem verdorbenen Magen nach. Am Morgen machen wir daher entspannt und überlegen, ob wir heute überhaupt starten oder uns einen Restday genehmigen sollten. Die Zeit der Unschlüssigkeit überbrücken wir mit dem Säubern der Fahrräder und einem entspannten Frühstück, später gefolgt von einem Mittagsessen. Das wäre ja fast ein Brunch für uns Geburtstagskind Christoph geworden - mit Müsli und Nudel und dem zeitlichen Abstand, jedoch etwas unwürdig für den Anlass;)

    Nach dem Mittag steht der Entschluss, wir fahren heute nur eine kleine Strecke, 40 km bis zum nächsten Dorf mit Herberge. Der Wind ist uns auch wohl gesonnen und auf einer breiten Straße rauschen wir dahin, sehen Kamele und passieren nach einem kurzen Climb einen weiten Talkessel. Am Straßenrand finden wir einen einsamen Brunnen und überprüfen, ob dieser Wasser führt. Christoph trainiert dafür ein bisschen seine Oberarme, Wasser ist vorhanden, aber der Eimer muss bis zum Anschlag hinuntergelassen werden.

    Am Ortseingang von Tafetchna werden wir direkt abgefangen und uns wir eine Unterkunft mit Abendessen und Frühstück angeboten, der Preis erscheint uns allerdings etwas teuer und wir fahren weiter ins Dorf, auf der Suche nach einer anderen Herberge. Von denen, die auf unseren Karten eingezeichnet sind, scheint allerdings keine zu existieren. Wir kehren also zurück, verhandeln, schlagen das Frühstück und Abendessen aus und sollen am Ende das zahlen, was wir für richtig halten.

    Es folgt der obligatorische Tee, bei dem sich die beiden Männer, die uns 'eingeladen' haben, zu uns setzen und lange erzählen. Wir befinden uns auf dem Hof seines Vaters, der bereits die hundert Jahre überschritten hat, er selbst ist gerade ebenso wie seine Brüder hier, da morgen Ramadan beginnt. Wir sitzen noch draußen, bis es dunkel wird. Dann werden uns unsere Schlafplätze gezeigt. Wir erhalten sein Zimmer und er weicht in eine Art Wohnzimmer bzw. Durchgangshalle aus, wo später auch noch eine andere Person schläft. Die Bettenlage ist einfach - alle schlafen direkt auf dem Teppich auf dem Boden (und wir mit einer Isomatte dazwischen). Auch die Toilette oder das Bad? Wir wissen nicht, ob es noch ein anderen Raum zum Waschen gibt, sind sehr einfach gehalten (und für uns gewohnte Verhältnisse ganz schon dreckig). Vielleicht vergleichbar mit dem Stand eines Bauernhauses Anfang des 20. Jahrhundert in Deutschland? Und das, obwohl die Familie, die hier wohnt (großes Haus mit ebenso großem eingemauertem Garten), ein der wohlhabendsten im Dorf zu sein scheint. Wie sieht es wohl in den anderen Häusern aus? Wieder ein krasser Kontrast zum 40 km entfernten tourismusgeprägten N'Kob, in dem wir heute Morgen gestartet sind und in dem teure Autos auch keine Seltenheit waren.
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  • Tafetchna - Zagora: Tockenheit

    12 marca 2024, Maroko ⋅ ☀️ 26 °C

    Der Tag beginnt für uns früh um 6:45 Uhr, denn wir haben nur noch 58 km bis zum Ziel vor uns und die Vorfreude auf die Oasenstadt Zagora ist groß! Heute ist der erste Tag des muslimischen Fastenmonats Ramadan und wir entscheiden uns, unser Frühstück erst einige Kilometer außerhalb des Dorfes zu uns zu nehmen.

    Funfact: Der erste Tag des Ramadan ist an die Sichtung der ersten schmalen Mondsichel nach Neumond im neunten Monat des islamischen Kalenders geknüpft. Da Marokko sehr weit westlich liegt im Vergleich zu anderen muslimischen Ländern, beginnt hier der Ramadan häufig einen Tag später als zum Beispiel im nahen Osten. Dieses Jahr hier also am 12. März statt wie woanders am 11. März.

    Ganz genau wissen wir nicht, wie die Leute auf nicht fastende Menschen reagieren. Auf den ersten Blick scheint es jedoch gesellschaftlich akzeptiert zu sein, dass Tourist*innen dies nicht tun, auch öffentlich. Nach einer halben Stunde auf dem Sattel machen wir Pause an einem Gewächs, was das Prädikat "dornigster Busch des Landes" verdient hat. Die Landschaft ist wieder komplett anders, vor allem wegen der diesigen Sicht auf die Berge und der Ebene vor uns.

    Gestärkt und mit leichtem Gefälle kommen wir gut voran und sind schon bald im Draa Tal. Uns eröffnete sich ein Meer aus Palmen, sodass man die Oase vor lauter Palmen nicht mehr sah ;) Aber Spaß beiseite, die Oase war trauriger Weise leider wirklich nicht gut zu erkennen, da selbst die Palmen stark unter der Dürre zu leiden schienen und statt saftigem Grün die Landschaft eher hellbraun erschien. Uns wurde allen während der Fahrt durch den Palmenwald ein wenig schwer zu Gemüte, da man hier die direkten knallharten Folgen des weltweiten Klimawandels zu spüren bekommt. Groß angelegte Bewässerungskanäle und Reservoirs waren komplett leer, der Boden staubtrocken. Man sieht, dass der seit Jahren hier ausbleibende Regen den Menschen jegliche Lebensgrundlage abgräbt. Ohne Wasser keine Pflanzen, ohne Pflanzen keine Viehzucht und Landwirtschaft. Ohne Nahrung kein Leben.

    Die Menschen in Marokko erleben gerade die nächste Jahrhundertdürre nach nicht einmal zwei Jahrzehnten [1] - eine klare Folge des voranschreitenden menschengemachten Klimawandels. Das große Flussbett der Draa ist vollständig ausgetrocknet und man sieht viele tote eigentlich auf Trockenheit und Hitze spezialisierte Palmen. Ab und zu fahren wir an sattgrünen Feldern dabei, die mit Wasser aus naheliegenden Brunnen bewässert werden. Wir fragen uns, wie lange die Situation noch standhalten kann, wenn jetzt schon Brunnen mit 65+ Metern Tiefe gegraben werden müssen, um an das kostbare Grundwasser zu kommen?

    Nach einer weiteren Stunde Fahrt kommen wir an unserem südlichen Endziel Zagora am frühen Nachmittag an und freuen uns auf einen ruhigen zweiten Tagesabschnitt. Wir haben ein Zimmer in einem schönen Riad [2] nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Unsere anfängliche Idee, wenigstens beim Essen bis Sonnenuntergang zu fasten, ging leider nicht auf, nachdem uns der Heißhunger gegen 16 Uhr gepackt hat. Aus Respekt und Unsicherheit über die Reaktion essen wir unsere Naschereien aber auf unserem Zimmer. Abends gehen wir noch essen, um Christophs gestrigen Geburtstag nachzufeiern und finden sogar auf dem Rückweg Eis am Stiel.

    [1] https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panora…
    [2]
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Marokkanischer_…
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  • Marrakech I: Stimmungsschwankungen

    13–16 mar 2024, Maroko ⋅ ☁️ 20 °C

    Um noch etwas gemeinsame Zeit in Marrakech verbringen zu können, nehmen wir den Bus von Zagora und mieten und für drei Tage in ein Airbnb ein. Wir erkunden die Stadt mit einer Freewalkingtour, schlendern viel durch die Medina und David und Christoph klappern ein paar Läden ab und Kartons für ihre Räder zu organisieren. Einen Abend gehen wir noch zusammen mit Fatima, der Fischforscherin, die wir im Atlasgebirge kennengelernt haben, essen, einen anderen probieren Christoph und ich unsere Kochkunst an einer Tajine - gar nicht so übel:)

    Bis auf die Medina lassen wir die großen Touriattraktionen aus oder sind zumindest nicht so wirklich von ihnen begeistert. Es sieht mehr nach Schein als Sein aus. Gärten und Parks sind stark bewässert und kosten einiges an Eintritt. Der bekannte Jardin Majorelle ist von Touristen überflutet und wir fragen uns, was dieser denn überhaupt mit marokkanischer Kultur zu tun hat, wenn er doch 1922 von einem Franzosen errichtet wurde? Auch beim Besichtigen der Medina sinkt die Laune etwas. Quasi ohne Arbeitsschutzmaßnahmen schweißen und hämmern die Metallarbeiter, in den engen Gassen der Medina hängen die Abgase der Roller, die durch die Straßen bretten. Über den Hauptplatz, den Jemaa El-Fna, laufen Menschen mit an den Hälsen angeketteten Affen und posieren für Touristen, die sich damit fotografieren lassen wollen, Schlangenbeschwörer spielen Flöte und ziehen die Reptilien unter Tüchern hervor - was für eine kaputte Welt. Wie dir Pferde an den Kutschen aussehen, muss ich wohl nicht erwähnen. Und das Traurige ist, dass es genügend Leute gibt, die das unterstützen.

    Meine Stimmung ist ganz schön im Keller und wird natürlich nicht verbessert, als ich Christoph und David am Flughafen verabschiede. Das erste Mal bekomme ich wirklich Sehnsucht nach Deutschland, nach Hause. Gerade erscheint mir hier alles dreckig, künstlich und für den Tourismus erschaffen und das auf Kosten anderer. Hatte ich zu hohe Erwartungen an Marrakesch? Sind es die Eindrücke der letzten Tage, die krassen Gegensätze zwischen reicher westlicher Orientierung und ärmlichen Verhältnissen, die auch in Marrakesch zu sehen sind? Habe ich gerade zu viel Zeit zum Nachdenken? Oder liegt es daran, dass ich das so fern klingende Ziel Marrakesch/Marokko erreicht habe und gar nicht weiß, wie genau es weiter gehen soll? Im Buch 'Die ein Prozent Methode' hieß es immer, man solle sich keine Ziele stecken, weil man dann in ein Loch fällt, wenn man sie erreicht hat und sich fragt: Was jetzt?
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  • Marrakesch II: Außerhalb der Tourispots

    17–23 mar 2024, Maroko ⋅ ☁️ 35 °C

    17.03.
    Ich sitze auf der Dachterrasse des Hostels Laksour mitten in der Medina Marrakeschs. Hier oben sind es circa 35 °C im Schatten, unten im Innenhof ist es deutlich kühler, aber irgendetwas hat mich doch nach hier oben gezogen. Ich trinke meinen selbst zubereiteten Minztee, deren Zutaten ich am Vormittag an einem Straßenstand (Minze, 2 DH) und im Supermarkt (Grüner Tee, 20 DH) gekauft habe. Dazu gibt es Oliven (8 DH), Honig und frisches Brot (schlappe 1 DH/Stk.), das genauso viel gekostet hat wie das, was selbst ernannte Straßenparkplatzwärter von mir für das Abstellen oder wie er es nannte 'bewachen' meines Fahrrads verlangte - so ein 'Parkservice' scheint hier allerdings üblich zu sein. Warum schreibe ich eigentlich die Preise dazu? Ganz einfach, weil man diese so gar nicht gut einschätzen kann, wenn man nur kurz in der Stadt ist oder nicht weiß, ob man sich gerade etwas für den 'Touri- oder Einheimischen-Preis' kauf - eine kleine Gedankenstütze ist da nicht schlecht. Überhaupt ist es nicht schlecht, einfach mal nur die Stadt zu laufen und hier und dort zu fragen, was die Produkte denn kosten. Insbesondere bei Klamotten (und allen touristischen Produkten) sind die Preise doch sehr unterschiedlich und lassen sich meist bis auf die Hälfte oder ein Viertel runterhandeln - anhand des Launebarometers des Händlers kann man immer noch erkennen, ob man sich auf einem guten Weg befindet oder etwas übertrieben hat.

    Auf jeden Fall gilt: Wenn die Händler mit einem das Handelspiel spielen und verkaufen wollen, dann spiele ich eben ganz dreist mit - und wenns nur zum Spaß ist. Bei den Lebensmitteln ist es allerdings nicht so krass, hier wird meist nicht verhandelt, aber es lohnt sich, verschiedene Stände nach Preis und Qualität zu vergleichen. Und am besten morgens einzukaufen. Dann sind die Produkte noch am frischsten und Backwaren noch warm.
    Die melancholische Stimmung von gestern ist fast verschwunden, stattdessen kehrt etwas Ruhe ein, ich schreibe ein bisschen FindPenguins und lese, 'Der Esmeralda-Komplex' von Thomas Middelanis. Er war Teil unser netten Sharing-Group in Taizé und hatte ein paar kleine Taschenbücher dabei, die er uns schenkte. Bisher habe ich mir nicht die Zeit zum Lesen genommen, aber hier oben auf der Dachterrasse ist ein schöner Ort dafür. Nach den ersten Seiten kann ich sagen: Ein klasse Schreibstil. Eigentlich würde ich am liebsten nur lesen oder die Route planen oder noch ein bisschen durch die Stadt schlendern oder weiter radeln, aber ein bisschen Arbeit ist auch noch zu verrichten. Meine Co-AutorInnen haben ihre Paperbeiträge hinzugefügt und Kommentare hinterlassen, ich muss nun noch eingereichten, habe allerdings noch nicht den Blick hinein gewagt. Die selbstaufgebürdete Pflicht ruft ...

    18.03. - 22.03.
    Ich bleibe noch ein paar Tage in Marrakesch, erkunde die Stadt mit dem Fahrrad, schaue mir den jüdischen Friedhof an und entdecke Gassen, in denen die Locals unterwegs sind und einkaufen. Um 18 Uhr kurz vor dem Iftar (Fastenbrechen) ist in diesen Straßen die Hölle los. Alles ist voller Menschen, die letzte Besorgungen machen oder auf dem Weg nach Hause sind. Durch die Menschenmengen winden sich in nicht immer geringer Geschwindigkeit etliche Mopedfahrer. Ab und an brechen kleine, lautstarke Streitereien aus. Schließlich kehrt langsam Ruhe ein, die Straße werden menschenleer. Kurz vor dem Fastenbrechen setze ich mich in einen Imbiss, bestelle Meloui und ein paar frittierte Fische. Man gibt mir zu verstehen, dass ich anfangen kann zu essen. Doch ich will nicht der einzige sein, der hier isst und warte ebenso geduldig wie die anderen. Es ist unglaublich ruhig in den Straßen - eine feierliche Stimmung. Dann erklingen die Töne aus der Moschee und die erste Dattel wird verzehrt. Auch wenn ich den Mann neben mir nicht verstehe, teilt er etwas von seinem und ich etwas von meinem Essen. Ein schöner Moment. Es bleibt noch einige Zeit ruhig, bevor das Leben auf den Straßen wieder losgeht und Geschäfte nochmals öffnen.

    Neben meinen Spaziergängen und Fahrradfahren durch die Stadt. Besuchte ich das Pikala Bikes Atelier. Vor ein paar Jahren von einer Niederländerin gegründet, mit dem Ziel, Fahrradfahren in Marrakesch und Marokko gängiger zu machen, nachhaltigen Tourismus anzubieten und jungen Menschen Jobs zu schaffen. In der Fahrradwerkstatt treffe ich Oscar aus London. Er ist Fahrradmechaniker mit dem Rad nach Marrakesch gefahren und arbeitet nun hier. Er erzählt mir von einer viertägigen, kostenlosen Bike Repair Veranstaltung, die die nächsten Tage auf dem Hauptplatz Jamaa El-Fna stattfindet. Dazu kommen auch 3 seiner Mechanikerfreunde aus der UK und ein paar weitere Freiwillige. Ich bin begeistert und sage ebenfalls zu, ein paar Tage zu helfen. Die Vorbereitung sind dann etwas wild, alles wird irgendwie auf einem Lkw verstaut und zum Marktplatz gefahren. Nach dem Aufbau am Vormittag kommen am Nachmittag die ersten Leute zur Reparatur. Am zweiten Tag scheint sich die Nachricht schon weiter verbreitet zu haben. Der Andrang ist riesig. Meine Aufgabe, Vorinspektion, schauen, was wir hier reparieren können und was nicht. Die Zustände der Fahrräder, die mir dabei begegnen, sind krass. Manchmal wundere ich mich, dass sie überhaupt noch fahren. Bremsen funktionieren an den meisten nicht mehr, mindestens eine Acht pro Fahrrad ist Standard, Tretlager und Steuersatz sind meist ausgenudelt. Da es sich meistens um sehr alte Räder europäischer Hersteller handelt, sind die Standards alle ganz unterschiedlich oder zumindest ziemlich antik. Aber Oscar, Domenik, Eddi und Camron, die UK-Mechaniker, haben es echt drauf und bekommen alles mögliche repariert. Ich probiere mich auch an dem ein oder andern Bike und stoße dabei auf eine über die Hälfte gebrochene Kettenstrebe, ein Wunder, dass die sich noch nicht verabschiedet hat. Dem Jungen, dem das Rad gehört, müssen wir erklären, dass wir das nicht reparieren können, um es zu gefährlich ist, weiter mit dem Rad zu fahren und die Stelle zunächst geschweißt werden muss. Sichtlich niedergeschlagen schicken wir ihn wieder weg. Aber dem Jungen war sein Fahrrad lieb, keine zwei Stunden später stand er wieder da. Der Rahmen war geschweißt. Und so wurde auch noch das Fahrrad des kleinen Jungen repariert. Ende gut, alles ein bisschen besser. Gute Nacht, liebe Kinder.
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  • Marrak. - ≈Lala Tak.: Endlich Wildcampen

    23 marca 2024, Maroko ⋅ ☁️ 22 °C

    Nach einer Woche Marrakesch geht es heute weiter. Es kribbelte schon in den Beinen und obwohl ich sicherlich noch länger in der Stadt hätte bleiben, diese erkunden, beim Fahrrad reparieren helfen oder einfach selbst produktiv sein hätte können. Zieht es mich weiter.

    Vor dem Start schreibe ich noch ein paar Postkarten, besorge im Anschluss noch Briefmarken und verabschiede mich am Jemaa El-Fna, von den Pikala-Leuten und den Britischen Fahrradmechanikern. Dann rolle ich auf einer großen Straße aus der Stadt. Entlang der Straße werden neben bestehenden Golf- und Escape-Room-Anlagen sowie Wasser-Freizeitparks, viele Hotelanlagen neu gebaut. Ein absurdes Bild. Wer fährt denn bitte für so was nach Marrakesch oder überhaupt Marokko? Es passt aber zu den Eindrücken, die ich hier hatte - Marrakesch liefert einfach schon ein kontroverses Bild ab.

    Irgendwann biege ich auf eine kleinere Straße ein. Es wird ruhiger und die Landschaft wieder etwas wüster. Die Mittagspause mache ich etwas abseits vom Weg, es ist schließlich noch Ramadan. Im Anschluss führt Weg weiter bis zu einem Fluss bzw. einer Oase, die im Gegensatz zu der in Zagora auch grün ist. Hier ist noch Wasser für die Bewirtschaftung vorhanden. Ich fahre flussaufwärts entlang kleiner Dörfer, komme dann wieder auf eine große Straße und stolpere per Zufall über ein kleines Atelier, welches ich kurz durchschlendere. Die Obstschale auf dem blauen Mosaiktisch mit den Gemälden im Hintergrund finde ich aus irgendeinem Grund faszibierend.

    Schließlich erreiche ich Lalla Takarkoust, hier ist es wieder ganz schön touristisch und mir begegnen Horden von Quads. Ich fahre direkt weiter entlang eines Stausees, der nicht ganz so viel Wasser führt und überlege schon, ob man hier nicht irgendwo übernachten könnte. Ein paar Kilometer später finde ich dann auch eine ruhige Stelle am Rande des "Flusses" und geschützt von ein paar Sträuchern. Endlich das erste Mal Wildcampen in Marokko:)
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  • ≈Lala Takarkoust-Ijoukak: Fastenbrechen

    24 marca 2024, Maroko ⋅ ☁️ 14 °C

    Eigentlich sollte dieser Footprint Abkürzungen heißen. Warum? Weil diese in der Regel nicht funktionieren und man länger unterwegs ist. Heute habe ich das Schicksal aber direkt zweimal herausgefordert und sparte mir ein paar Kilometer und Höhenmeter. Außerdem entdeckte ich einen wunderschönen Weg im Flussbett einer Oase, auf dem ich dann vorwärts holperte. Doch das passierte alles schon am Vormittag - ebenso wie meine Begegnung mit zwei Truthähnen und einer Schildkröte.

    Mittags erreichte ich dann den nächsten Stausee, dieser war immerhin etwas mehr gefüllt. Die Freude darüber wurde dann aber schnell getrübt, als ich durch Ourigane fuhr. Von weitem war ich noch verwundert, zwischen den Häusern Zelte stehen zu sehen. Beim Näherkommen wird dann klar, ich bin inzwischen in der Erdbebenregion angekommen. Letztes Jahr im September erschütterte das bisher stärkste in Marokko gemessene Beben die Erde. Das Epizentrum lag genau in dieser Region und man sieht es ihr noch an. Die eingezeichnete große Straße ist nur joch eine Schotterpiste, an einigen Stellen lassen Zelt- oder Containerdörfer erahnen, dass hier mal ein paar Häuser standen, in anderen Dörfern sind die Häuser verlassen, weil sie drohen einzustürzen. Auch hier wohnen die Menschen in provisorischen Zeltunterkünften, die von halbwegs "professionellen" Zelten oder Containern bis zu improvisierten Bauten aus Kunststoffplanen reichen. Gleichzeitig sind die Menschen hier so freundlich wie nirgendwo sonst, fast jeder winkt, lächelt oder hupt freundlich oder hebt anerkennend den Daumen, wenn ich vorbei fahre - unglaublich, wenn man daran denkt, was einige dieser Leute im letzten halben Jahr durchgemacht haben müssen. Am späten Nachmittag komme ich durch Ijoukak, die Stadt scheint relativ verschont geblieben zu sein. Ein Mann winkt mich zur Seite und fragt, ob ich eine Unterkunft benötige. Eigentlich wollte ich noch ein paar Kilometer weiter fahren, aber ich lasse mich überreden, zumal es anfängt zu regnen und auch immer wieder Gewitter angesagt war. Sicherheitshalber frage ich nochmal nach, was es denn kosten würde und bekomme quasi die Antwort 'pay what you want'. Dann beginnt ein wunderbarer Abend. Adil, so heißt der Gastgeber, läd mich zum Breakfast ein (kurze Verwirrung Fastenbrechen ist gemeint), bei dem noch ein weiterer Freund zu Gast ist. Im Anschluss werde ich noch gefragt, ob ich am Tarawih (Ramadangebet) teilnehmen möchte. Letzteres findet derzeit in einem Zelt statt. Adil und sein Kumpel ziehen dafür ihre Djellaba an. Mit meinem Kapuzenpullover komme ich zumindest ein bisschen an das Aussehen der traditionellen Kleidung heran.
    Beim Gebet knien alle in drei Reihen, vorne sitzt der Imam und spricht. Die Betenden sprechen nach, in Teilen wird still gebetet und am Ende folgt eine Art melodischer Sprechgesang. Das Ganze ist übrigens deutlich sportlich als bei uns, da häufig zwischen Knien, Vorbeugen und Stehen gewechselt wird. Eine tolle Erfahrung dabei sein zu dürfen. Im Anschluss geht es dann wieder zurück, zwei weitere Freunde kommen noch zu Besuch und es gibt wieder Essen, eine riesen Portion Couscous.
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  • Ijoukak

    25–28 mar 2024, Maroko ⋅ ☁️ 12 °C

    Eigentlich wollte ich heute direkt weiter fahren. Doch es regnete und Adil und einer seiner Freund waren der Überzeugung, dass man bei dem Wetter nicht Fahrrad fahren könnte, vor allem nicht in die Berge und über den Pass. So ganz wollte ich mich nicht überzeugen lassen - bis es einmal rumste. Adil lief aus dem Haus, ich hinterher wir und schauten, was auf der Straße los war. Ein Rollerfahrer hatte den Grip verloren, war gegen ein Auto geprallt und lag nun samt Roller auf der Straße. Zum Glück war alles glimpflich ausgegangen und lediglich Roller und Auto schienen beschädigt zu sein. Die Entscheidung, heute nicht weiter zu radeln, fällt mir etwas leichter.

    Stattdessen recherchiere ich nach ein paar Hilfsorganisationen, die hier aktiv sind. Gar nicht so transparent der ganze Kram und projekt- oder zweckgebundene Spenden scheint es gar nicht so häufig zu geben. Am Nachmittag nimmt mich Adil auf seinem Roller mit, zeigt mir sein und das Nachbardorf. In seinem Dorf Ijoukak wird gerade eine Containersiedlung aufgebaut. Das andere größere Dorf Talat N'Yaaquob scheint es stärker getroffen zu haben. Hier steht fast kein Haus mehr.
    Im Vorbeifahren sehe ich eine Deutschlandfahne und deutsche Sätze auf einem Zelt, eine Stiftung namens 'Tuisa hilft' kümmert sich hier ums 'Iftar' (Ramadan-'Fastenbrechen').

    Am Abend werde ich wieder zum Iftar eingeladen, diesmal bei Adils Familie im Haus. Zusammen mit Mutter, Vater, Onkel und dem kleinen Bruder. Es wird wieder die traditionelle Harira (Suppe) serviert. In roter, marokkanischer (mit Tomaten, Linsen, Bohnen, Kichererbsen und einer Art Nudeln) und weißer Frühstücks bzw. Berber Ausführung. Dazu gibt es Datteln, Shebakia (süßes Ramadan-Gebäck), Slilou, gekochte Eier und eine Art Joghurtfruchtdrink.
    Im Anschluss wird Tajine mit etwas Fleisch und reichlich Gemüse serviert. Dazu gibt es Brot. Gegessen wird ohne Teller und Besteck gemeinsam aus der großen Tajine, indem das Brot eingestippt und das weiche Gemüse zerdrückt wird.
    Eine allgemeine Beobachtung aus meiner Tajinerfahrung ist übrigens, dass es diese meistens mit Fleisch gibt. Allerdings ist es häufig nur eine kleine Menge - ein Sonntagsbraten hätte vermutlich den 10-fachen Fleischanteil gehabt. So gesehen sind die Speisen also gar nicht so fleischlastig. Zur Tajine wird der typische Minz-Tee serviert, den alle lautstark schlürfen. Auch sonst scheinen Essgeräusche - insbesondere Rülpsen - nicht so verpönt zu sein. Die ganze Zeit über dient der Tisch bzw. die Tischdecke als Ablage für Dattelkerne oder Knochenreste. Am Ende wird dann einmal drüber gewischt und alles direkt im Eimer gesammelt. Das werde ich zu Hause auch einführen, um mir den Abwaschen zu sparen;-)
    Interessanterweise lief beim Essen durchgehend ein Fernsehprogramm, erst ein Film, später Nachrichten. Ich horchte auf, als ich eine deutsche Stimme vernahm. Der Sender Deutsche Welle, die Übersetzung ins Arabische etwas verzögert.

    Die Gastfreundschaft war wirklich unglaublich, Adil überredete mich noch 2 weitere Tage hierzubleiben. Damit überbrückte ich den zweiten Regentag und bekam noch ein paar weitere Einblicke in das Dorf und das Leben hier. Die waren zum Teil natürlich ganz schön krass, Adil erzählte und zeigte mir, was alles durch das Erdbeben zerstört wurde, dass es aus der Familie 10 Opfer zu beklagen gab und das man hier eine Woche von der Außenwelt abgeschnitten war. Dennoch schien er nicht verzweifelt und voller Tatendrang in dem Haus seines Großvaters eine Herberge und Restaurant eröffnen zu wollen - es fehlten nur noch die offizielle Genehmigung.

    Um zumindest etwas auf die Gastfreundschaft zurückzugeben, versuchte ich etwas mit anzupacken. Die Regentage half ich beim provisorischen Dachabdichten, da es seit dem Erdbeben an einigen Stellen durch die Decke tropfte. Und schließlich versuchte ich mich noch daran, ein paar Lampenschirme aus Schilf zu basteln, die Adil für sein geplantes Gästehaus nutzen kann.

    Zum Iftar wurde ich übrigens jeden Tag eingeladen. So ganz richtig kam mir das nicht vor, hatte ich doch tagsüber immer etwas gegessen und getrunken. Den letzten Tag beschloss ich daher auch zu fasten (wovon ich Adil erst überzeugen musste) und stellte mir den Wecker auf 4:30 Uhr, um das letzte Mal zu trinken, etwas zu essen und mich dann wieder hinzulegen. Dann hieß es durchhalten, bis der Klang aus der Moschee den Sonnenuntergang bekannt gab (ca. 19 Uhr). Ein Glück, dass es nicht so heiß war, so ließ es sich ganz gut aushalten, nur ein paar Kopfschmerzen tauchten im Laufe des Tages auf.
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  • Ijoukak-Tizi N'Test-? : Minzteeprüfung

    28 marca 2024, Maroko ⋅ ☀️ 23 °C

    Auch wenn Adil mir beteuerte, ich könne noch längere bleiben, fuhr ich heute weiter. Allerdings nicht ohne eine vorherige Minztee-Prüfung:
    Grünen Tee und Wasser in die Kanne und über dem Gasherd zum Kochen bringen. Dann den Zucker hinzufügen, weiter kochen und am Ende die Minze hinzufügen. So weit, so gut. Als ich beim Schritt Zucker angekommen war und zwei Stück für die kleine Kanne griff, schüttelte Adil nur den Kopf und griff nochmal eine Handvoll Zuckerstücke aus der Schachtel. Eieiei, das ist schlimmer als Cola, schmeckt aber auch besser.

    Nach dem Tee verabschiedete ich mich dann und wurde direkt eingeladen, wieder zu kommen - am besten mit der Familie. Was für ein lieber Mensch!

    Dann ging es los den Pass Tizi N'Test hinauf. Die Landschaft war wunderschön und die Straße nicht viel befahren. Definitiv eine der Favoriten-Strecken im Atlas:)
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  • ? - Agadir: Fast ein anderes Land

    29 marca 2024, Maroko ⋅ ☀️ 19 °C

    Die ersten Kilometer bergab und bei nahezu Windstille gehen flott. Bis zur Mittagspause habe ich bereits 80 geschafft und wurde einmal vollständig geduscht. Dann wurde es allerdings so windig, dass alles schnell wieder trocknete.
    Der überwiegende der Strecke verlief heute leider auf einer großen Straße. Nicht ganz schön zu fahren, aber viel zu sehen. Am Morgen war ich überrascht, wie viele Kinder - vermutlich auf dem Weg zur Schule - mit dem Fahrrad unterwegs wahren. Schöne Bilder von denen ich leider kein Foto machte.
    Auf der Straße sah ich auch viel Grünzeug durch die Gegend fahren, mal Kräuter für den Markt, mal Grünschnitt oder Futter für Tiere. Beim Überholen oder anhand der Geschwindigkeit konnte man immer erahnen, ob sich nun ein Mensch mit Fahrrad, Moped oder Eselskarren darunter versteckte. Wahnsin, wie gut Menschen hier stapeln und packen können. Wenn ich das so sehe, passt auf mein Rad eigentlich auch noch mehr drauf;-)

    Auf der weiteren Strecke passierte ich Taroudant, wo ich nur kurz ein paar Snacks kaufte, was aber sicherlich auch ganz sehenswert ist. Zumindest sah die Stadtmauer schon ganz schnieke aus.
    Nicht ganz so schnieke war dann wieder der allgegenwärtige Müll am Straßenrand, in den Flüssen, dort wo Tiere weiden, einfach überall. Das macht tatsächlich auch das Campen etwas unentspannt, da man nicht mal einfach irgendwo zum Waschen ins Wasser springen kann - ein kleines Lob auf Europa;-)

    Am Abend kam ich dann in Agadir an. Eine ganz andere Stadt als die bisherigen. Das erste Mal sehe ich Fahrradwege und Menschen, die joggen gehen. Auch die Infrastruktur und Stadtplanung angeht. Liegt zum einen sicherlich auch daran, dass ein Erdbeben hier im letzten Jahrhundert alles zerstört hat und alles neu gebaut wurde.
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  • Agadir

    30 mar–1 kwi 2024, Maroko ⋅ 🌬 19 °C

    Ich bleibe zwei Tage in Agadir, auch wenn es hier nicht viel Altes zu sehen gibt. 1960 wurde die Stadt bei einem Erdbeben zerstört - laut Wikipedia mit 15.000 Toten. Inzwischen floriert die Stadt wieder durch den Tourismus und vermutlich auch die Anbindung ans Meer. Der Kontrast ist wieder stark zu erkennen, ein paar Kilometer vor der Stadt leben Menschen noch in einfachen und zumindest äußerlich betrachtet ärmlichen Verhältnissen. In der Stadt gibt es hingegen ganz neue Gebäude, neuste breite Straßen, viel Begrünung und dicke (Luxus-) Hotels an der Strandpromenade.
    Als ich an letzterer entlang fahre, riecht es an Sonnencreme. Etwas Dunst liegt in der Luft, es ist diesig, die Umgebung ist relativ sauber und die Grünanlagen leuchten durch Bewässerung und ausgiebiger Pflege in saftigen grün. Der Strand wird von ein paar Sammeltrupps ins Warnweste von Müll befreit, sonst würde wären die Hotels für Touris hier bestimmt nicht so attraktiv und der erste Eindruck, wenn man hier eincheckt, wäre ein anderer. Vor jedem Hotel steht ein Portier und hinter großen Panoramaglasfenstern speisen Menschen am Buffet. Auch die Kleiderordnung ist eine andere: Kurze Klamotten und Bademode, aber hier sind eben auch fast nur westliche UrlauberInnen unterwegs.
    Was passiert, wenn der Tourismus ausbleibt sehe ich dann an ein paar Objekten, die sich zu riesiegen Lostplaces verwandeln oder zumindest auf gutem Weg dahin sind (Corona soll der Grund gewesen sein). Verrückt - werden die Hotels, die zu zerfallen drohen, in einigen Jahren dann wohl wieder eine andere Touristengruppe anziehen?

    Ansonsten besuche ich wieder neu aufgebauten, sehr großen und ebenfalls schönen Souk El Had. Hier kaufe ich Amlou, eine Spezialität hier im Süden Marokkos. Hergestellt wird es aus Madeln oder Erdnüssen, Arganöl und Honig gleicht es etwa einer Art Mandelmus - sehr lecker😋
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  • Agadir - Aghroud: Quasi Nachbarn

    1–2 kwi 2024, Maroko ⋅ ☀️ 20 °C

    Heute geht es zum ersten Mal an der Atlantikküste entlang. Aus der Stadt führen wieder Fahrradwege heraus, dann wird die Straße etwas größer, lässt sich aber gut fahren. Die meisten Orte auf dem Weg sind hübsch für Urlauber zurechtgemacht und ausgiebig. Nach gut der Hälfte meiner Strecke komme ich durch Taghazout, ein kleiner Ort voller Menschen mit Dresscode Neopren. Die Küsten hier sind Paradiese für SurferInnen.

    Ich fahre noch bis kurz vor an einen Wildcampspot, wo mich bereits ein bekanntes Gesicht erwartet. Fabian, den ich in Granada kennengelernt habe, ist mir seinem Landrover auch hier. Das Pech scheint ihn immer noch zu verfolgen: Der Motor macht seltsame Geräusche und heute ist auch direkt das Surfbrett, welches sich in seiner Obhut befand, gebrochen:(
    Der Spot ist voll mit Deutschen. In einer gemütlichen 5er Runde sitzen wir einen Abend zusammen und ich beschließe auch noch den nächsten Tag mit hierzubleiben. Es folgen zwei schöne Sonnenuntergänge und gemeinsames Kochen - richtig schön.

    Mit am Start sind Mats und Pauline, mit denen ich eine Gemeinsamkeit habe: Wir waren alle schon mal bei Töbelmann und im Speukenkieker! Die beiden haben ein Diepholzer Kennzeichen, kommen also aus dem Nachbarkreis. Das ich in Marokko Leute treffe, die Rahden kennen, hätte ich nicht gewettet - klein ist die Welt!

    Campspot und Strand sind übrigens wunderschön, bis auf den Müll, der auch hier überall rumliegt. Auf dem Weg ins Meer fange ich an zu kategorisieren: Glühbirnen, jede Menge Plastikflaschen, Rasierer, Dosen, Tetrapack, Bojen, Schnüre, Zahnbürsten,...
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  • Aghr. - Imsou.: Dem Erdboden gleich gem.

    3 kwietnia 2024, Maroko ⋅ ☀️ 26 °C

    Morgens verabschieden wir uns alle am Campspot und brechen in verschiedene Richtungen auf. Mats und Pauline werde ich allerdings heute Abend wieder sehen, sie beiden fahren auch die Küste nach Norden hoch und wir wollen uns auf einem Campingplatz in Imsouane treffen.

    Meine Strecke führt mich heute auf einer gut asphaltierten Straße entlang. Die Landschaften sind wieder ganz anders hier, felsig, sandig, Hügel und karger Bewuchs.
    Bei Tamri wird diese Landschaft von einem grünen Oasental durchdrungen. Hier wachsen Bananen und Papayas?. Die Botaniker unter den Lesenden mögen dies bestätigen.

    Die Sonne ist heute gnadenlos und mit den Anstiegen komme ich ganz schön ins Schwitzen. Eine kreative Person mit niedlichen Auto bietet in einem 'Café' Kaffee und Tee an, bei dem Wetter wäre mir eine kühle Limo allerdings lieber. Ich fahre also weiter und komme irgendwann im Surferdorf Imsouane an. Einst ein schnuckeliges Dorf, stehen hier seit Anfang des Jahres nur noch die Hälfte der Häuser. Weil es angeblich Schwarzbauten waren, wurden dem Erdboden gleich gemacht - 24 Stunden hatten die BewohnerInnen, um ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Der Schutt liegt noch dort und es lassen sich noch Scherben von schönem Mosaik, Keramik oder Balkonbrüstungen erkennen. Krass und ich wette, in ein, zwei Jahren stehen hier große Hotels....

    Auf dem Campingplatz treffe ich Mats und Pauline. Wir essen gemeinsam, unternehmen noch einen Spaziergang durch das Dorf und lassen den Abend bei ein paar Runden Uno ausklingen.
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  • Imsouane-Sidi Kaouki: Wo wächst das Öl?

    4 kwietnia 2024, Maroko ⋅ ☀️ 22 °C

    Für mich geht es heute weiter nach Sidi Kaouki, ein kleines Dorf kurz vor Essaouira. Auch dort verabrede ich mich nochmals mit Mats und Pauline.
    Statt der Hauptstraße schlage ich Nebenstraßen ein. Teils auf Asphalt, teils auf groben Schotter und Flusskieseln komme ich zwar langsam voran, dafür ist die Strecke wunderschön, ländlich und von kleinen, blühenden und mit Steinmauern abgegrenzten Feldern durchzogen. Ich freue mich, dass hier weniger Müll in der Landschaft liegt, bis ich unter einer Brücke einen großen Müllberg brennen sehe...

    Neben den kleinen Feldern, die vorwiegend um die Dörfer herum angeordnet sind, fahre ich durch Arganbäume, die nur hier wachsen und deren Früchte für die Herstellung von Arganöl genutzt werden. Arganöl wird sowohl als Pflegeprodukt angepriesen als auch für Amlou (Mandelmus-Honig-Arganöl) verwendet.

    Beim Passieren der Dörfer werde ich immer wieder von ein paar Kindern angehalten, die interessiert das Fahrrad betrachten und immer von der Hupe begeistert sind. Alle lieb und nett und es ist schön, sich ein bisschen mit Händen und Füßen zu unterhalten, doch manche sind auch etwas aufdringlich und machen sich an den Taschen zu schaffen. Zum Glück durchschauen sie nicht das Ortlieb-Verschlussystem😁

    Etwas spät komme ich in Sidi Kaouki an, kann mich nicht ganz entscheiden, wo ich übernachten soll. Im Dorf erscheinen mir die Plätze nicht so geeignet, ich fahre daher zum Waschen und Kochen in ein Wäldchen etwas außerhalb. Auf Zeltplatz habe ich heute keine Lust. Im Dunkeln kehre ich zurück ins Dorf, um mich nochmal mit Mats und Pauline im Restaurant auf eine Kleinigkeit zu treffen (Essen geht immer). Am Ende wirds dann ein 20-Dirham-Parkplatz mit Meerblick, auf dem ich mein Zelt aufschlage, so stehe ich neben den beiden und wir können den nächsten Morgen noch gemeinsam verbringen.
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  • Sidi Kouaki-Essaouira: Eine kurze Etappe

    5 kwietnia 2024, Maroko ⋅ ☁️ 26 °C

    Heute verabschiede ich mich endgültig von Mats und Pauline - natürlich mit dem gegenseitigen Versprechen, uns in der Heimat dann mal auf ein Bierchen zu treffen. Die beiden fahren heute etwas weiter, um Ende der Woche die Fähre zu erreichen und wieder nach Spanien überzusetzen. Ich habe heute hingegen nur eine ganz kurze (20 km) Etappe bis nach Essaouira vor mir. Die Stadt wurde mir mehrfach empfohlen, soll sehr schön und entspannt sein. Nach einer guten Stunde Fahrzeit bin ich da. Der erste Eindruck bestätigt auch direkt, dass die Stadt etwas besonderes ist. Ich bin viel zu früh und kann eigentlich erst später im Hostel einchecken, sodass ich zunächst durch den Fischereihafen fahre und beobachte, wie Boote anlegen, Fischer ihren Fang sortieren, ausnehmen, verpacken oder mit flinken Fingern Fischernetze flicken. Zugegeben richt es nicht immer so ganz frisch hier, interessant ist es aber trotzdem.

    Auf dem Weg zum Hostel fahre ich durch die Medina, begegne noch zwei Mal den Schweizern, die ich vor zwei Tagen auf dem Campingplatz in Imsouane getroffen habe und lerne Hassan kennen. Hassan fährt auch gerade mit seinem Fahrrad durch die Medina, spricht fast fließend Deutsch, weil er 16 Jahre in Erfurt lebte und arbeitete. Hassan wird mich die Tage noch eine Teekanne verkaufen (auf dem Fahrrad ist schon irgendwie noch Platz), eine gute Restaurantempfehlung geben und mich zum Tee und Abendessen einladen. Das ist übrigens nur möglich, weil mir die Stadt so gut gefällt, dass ich direkt drei Tage länger bleibe;)

    Die Zeit in Essaouira nutze ich, um ein bisschen Krams zu erledigen und vor allem vieeel durch die Stadt zu schlendern. Es bildet sich schon Gast eine Morgenroutine, wenn ich meinen Frühstückseinkauf durch die Medina bestreite, um Bäcker, Gemüse- und Olivenhändler abzuklappern und natürlich Kräuter für den Minztee zu besorgen.
    Nach dem Frühstück am Sonntag besuche ich noch den großen Flohmarkt, der außerhalb der Medina stattfindet und an dem scheinbar auch ein Pferd sein Vergnügen findet. Am Abend veht es schließlich noch in das Restaurant Chez Omar, was mir von etlichen Leuren Empfohlen wurde,. In der Tat ist es wahnsinnig lecker und ich zahle für eine sehr sättigende Mahlzeit schlappe 3 Euro.

    Das Hostel war übrigens auf seine ganz eigene Art ein amüsantes Örtchen. Eines Abends unten in der Lobby kam eine Dreiergruppe junger Frauen in den Gemeinschaftsraum. Die Frage an den Hostelangestellten begann mit: 'Maybe that's weird question, but do you know where we could get some Hashish?'
    Und wurde nur mit: ' Yeah sure, no problem, have a seat.' beantwortet und die Bedienung begann.
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  • Spenden für die Erdbebenregion

    8 kwietnia 2024, Maroko ⋅ ⛅ 19 °C

    Von der Erdbebenregion habe ich ja bereits berichtet. Es sieht zum Teil immer noch ziemlich krass aus. Zerstörte Häuser, Aquädukte, Autos, Schuttberg, Menschen, die in Zelten oder Containersiedlungen wohnen.

    Während meines Aufenthalts bei Adil recherchiere und kontaktierte ich daher ein paar Hilfsorganisationen.
    Einige in ihren Antworten nicht so ambitioniert oder etwas intransparent. Die Caritas antwortete hingegen schnell und erstellte eine extra Landing-Page für einen privaten Spendenaufruf. Hier kann direkt für die Region gespendet werden kann. Natürlich gibt's auch Spendenbescheinigungen;-) Wer also etwas Geld 💰 übrig hat, möge gerne unter folgendem Link ein bisschen Spenden:
    https://www.caritas-international.de/spenden/sp…
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  • Essaouira -?: Frisch paniert

    9 kwietnia 2024, Maroko ⋅ 🌬 24 °C

    Das Video sagt eigentlich schon alles über den heutigen Tag. Wäre ich wieder Richtung Süden gefahren, hätte ich bestimmt einen Schnitt von 30+ km/h fahren können und wäre auf 200 km gekommen. Da Europa aber doch immer noch im Norden von Marokko liegt, lag meine D heute fast im einstelligen Bereich. Der Wind pustete mir laut Wetterbericht mit 50 km/h frontal entgegen und schleuderte mir ab und an immer eine Handvoll Sand ins Gesicht. Die Augen brannten, die Zähne knirschten und irgendwann waren Arme, Beine und Gesicht von einer dünnen Staubschicht bedeckt - immerhin brauchte ich mich bei dem sonnigen Wetter dadurch nicht eincremen.
    Erfreulicherweise fand ich irgendwann eine Wasserstelle, sodass ich mich von meiner Panade etwas befreien konnte.

    Wenn ich auch mein eigentliches Ziel nicht ganz erreichte, schaffte ich es zumindest die 60 km vollzumachen. Die Gegend war leider etwas stärker besiedelt und bewirtschaftet und es war gar nicht einfach, einen Zeltplatz zu finden. Am Ende wurde es ein Plätzchen ein paar Meter neben und oberhalb der Straße. Leider nicht so gut windgeschützt wie erhofft. Mal sehen, wo ich morgen aufwache.
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  • ? - Safi: Eine kurze Spritztour

    10 kwietnia 2024, Maroko ⋅ 🌬 28 °C

    Ramadan ist vorüber und es folgt das Fest des Fastenbrechens, Eid-al-Fitr - uns häufiger bekannter als Zuckerfest. Die Geschäfte sind heute daher größtenteils geschlossen und manche Orte wirken wie Geisterdörfer. Stattdessen sind viele Kutschen bzw. Pferdewagen, auf denen meist Vater, Mutter und Kinder in festlichen Klamotten sitzen, unterwegs. Feiertag eben.

    Gegen Mittag kommt mir Charlotte aus Frankreich entgegen. In Frankreich gestartet, will sie in den nächsten Tagen weiter nach Süden die Sahara durchqueren und das mit ganz sportlichem Equipment: Zwei Taschen hinten, eine Lenkertasche, dünne Rennradreifen, kein Zelt, zwei Trinkflaschen. Immerhin will sie die letzten beiden Dinge noch aufstocken. Was die Menge an Gepäck angeht, könnte ich mir daran allerdings ein Beispiel nehmen.

    Als ich in Safi pausiere, hält ein Auto mit zwei jungen Männern neben mir. Die beiden sind an meiner Reise interessiert und scheinen selbst auch viel zu reisen (wie ich später erfahre, springt dabei als halbprofessioneller marokkanischer Reiseinfluencer dabei auch der ein oder andere Dirham raus). Hicham, so heißt einer der beiden, läd mich kurzerhand nach sich Zuhause ein, sollte ich überlegen, in Safi zu bleiben.
    Nachdem ich noch eine Runde mit dem Fahrrad gedreht habe, um die Stadt zu erkunden (die ist übrigens schöner, als es mir erzählt wurde), entscheide ich mich, in Safi zu bleiben und steuere Hichams bzw. seins und das seiner Mutter an. Dort gibt es natürlich erst einmal einen Willkommenstee und etwas Gebäck.
    Und dann steht noch etwas an, womit ich weder gerechnet oder mich je gesehen hätte: Mit einem seiner zwei Autos unternehmen noch eine Spritztour durch die Stadt. Zusammen mit seinem Cousin geht es erst noch einen weiteren Freund abholen. Als nächsten wird dann ein Aussichtspunkt mit Blick über Meer und Stadt angesteuert, um hier noch einen Kaffee zu trinken - scheinbar waren wir auch nicht die einzigen mit dieser Idee, es ist die Hölle los. Vielleicht wegen des Feiertages? Als nächstes geht es wieder in die Stadt zur größten Tajine Marokkos, wo wir noch weitere Freunde Hichams treffen, die dann zum Teil von ihm heimgefahren werden. Ich fühle mich wie in einem alten Auto-Film, in dem diese für Freiheit und Statussymbol stehen, mit Hicham in der Hauptrolle. Nachdem alle heimgebracht wurden, geht es zurück zu Hichams Zuhause. Wir teilen uns noch eine Portion Thunfisch-Nudeln und quatschen noch eine Weile. Sein und für heute auch mein Zimmer ist schlicht eingerichtet. Ein Teppich, zwei Tische, zwei Stühle, zwei Sofa-/Schlafbänke und ansonsten nur ein paar rumfliegende Elektrogeräte und Reiseausrüstung. Einen
    Schrank mit Klamotten sehe ich nicht, dafür einen Backpacker-Rucksack an der Wand. Es passt zu ihm, schließlich will er in ein paar Wochen schon wieder weiterreisen - das Zuhause ist quasi nur Zwischenstation.

    Nun fragt man sich natürlich noch, warum der Gute zwei Autos (zugegeben waren das ganz schön alte Kisten) besitzt, wo er doch so jung und ständig am Reisen ist. Nun, er handelt gerne, kauft Dinge und verkauf sie wieder. Ob nun Autos, Währungen oder iPhones, die er beim Reisen im Ausland viel günstiger bekommt als in Marokko;-) Zusammen mit seinen Facebook-Reisedokumentationen und einigen Followern, die er in Marokko hat, scheint damit genug für seinen Lebensunterhalt zusammen zu kommen.
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  • Safi - Oualidia: Wind III

    11 kwietnia 2024, Maroko ⋅ 🌬 24 °C

    Fast durchgehender Meerblick, strahlender Sonnenschein und nicht zu heiß. Das Wetter geht mir trotzdem auf den Sack. Der dritte Tag Gegenwind, wenn man die Pausentage in Essaouira dazu rechnen würde, wären fünf Tage. Ich bekomme langsam das Gefühl, dass sich daran nicht mehr viel ändern wird. Vielleicht weht es hier an der Küste immer von Nord nach Süd. Prost Mahlzeit...sind ja nur noch um die 500 km - das klingt viel und wenig zugleich.
    Wie auch immer neben dem monotonen gegen den Wind treten, passierte heut nicht viel, bis auf drei Hunde, die wieder Mal mein Fahrrad nicht mochten. Absteigen, anschreien und einen Steinwurf antäuschen funktioniert inzwischen ganz routiniert, sobald ich das Bellen höre.

    Am späten Nachmittag habe ich bei weitem noch nicht die Strecke geschafft, die ich mir vorgenommen habe. Dennoch beschließe ich, in Oualidia auf einem Zeltplatz zu bleiben. Ich freue mich, auf eine Dusche und nicht allzu spät kochen zu müssen. Die Dusche ist ein Mittelklasseerlebnis. Das Wasser ist leicht salzig und gefühlt klebe ich danach noch immer. Dafür belustige ich mich aber an ein paar kleinen Welpen, die sich bewegen wie in einem schlecht programmierten oder verbuggten Computerspiel.
    Abends koche ich noch eine große Portion Gemüse, dazu gibts das Brot, was mir von Hichams Mutter mitgegeben wurde. Es würde für 3 Personen reichen. Ich bin nochmals überrascht von der unglaublichen Gastfreundschaft.
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  • Ouli - El Jadida: Mülleimer?

    12 kwietnia 2024, Maroko ⋅ 🌬 25 °C

    Und was ist heute so passiert? Der Tag beginnt mit einem qualmenden Feuer, welches ein Bauer zwischen Meer und Campingplatz zum großen Ärgernis eines anderen Bauern entzündet.
    Auf dem Weg aus der Stadt verlor ein gut beladener Rollerfahrer seine Mitfahrenden: Kind und Frau purzelten auf die Straße - bis auf ein schreiendes Kind hatte dies glücklicherweise keine Konsequenzen. Die Hauptstraße, der ich folgte, war zwar relativ schmal, aber ziemlich stark befahren. In Kombination mit Gegenwind und marokkanischen Überholmanövern war ich wieder einmal mehr dankbar für meinen kleinen Spiegel (danke Nils;-)

    Nach der Mittagspause komme ich an einem kleinen Straßen-Solarcafè vorbei, wo ich noch zwei marokkanische Radreisende treffe. Für ein Café braucht man scheinbar nur ein Auto, packt ein Solarpanel drauf und eine Kaffeemaschine hinein - zack, fertig! Ganz läuft die Maschine allerdings nicht mit Strom, unten flackert noch eine kleine Flamme. Zum Wasser erhitzen? Shaymaae, so heißt die Cafèbetreiberin, bereitet mir einen wohlschmeckenden Espresso zu und bringt mir die arabischen Worte für einen chwarzen Kaffee bei: 'kachwa aswad' so ungefähr ...

    Aus einem Auto sehe ich einen Joghurtbecher fliegen. Scheißkerl mit dicker Karre, denke ich, bis ich in der nächsten Stadt Halt mache, um mir einen - natürlich gezuckerten - Orangensaft zu besorgen. Ich trinke ihn direkt vor dem Geschäft. Ein Junge kommt aus dem Laden nebenan und wirft seinen leeren Joghurtbecher an den Straßenrand. Die Jugend denke ich. Kurz darauf wirf ein älterer Mann in Warnweste - einer der Parkwächter - eine leere Plastikflasche auf den Boden. Hm, doch nicht die Jugend. Die Ausrede, die Infrastruktur fehle hier gilt auf jeden Fall nicht. Keine 50 m weiter stehen Mülleimer. Ich überlege, ob ich sie drauf ansprechen soll. Steht mir das zu als Gast in diesem Land? Wäre es lehrend oder belehrend? Plastikmüll kennt genau genommen keine Ländergrenzen. Würden Sie mich verstehen? Ganz abgesehen von der Sprachbarriere? Ich sage nichts und ärgere mich darüber, als ich aus der Stadt fahre. Ich nehme mir vor, das nächste Mal etwas zu sagen - zumindest, wenn die Person Englisch versteht. Woran liegt es, wenn so mit dem Müll und Natur umgegangen wird? Gewohnheit? Unwissenheit? Wie ich am Abend in El Jadida noch sehe, ist es in den Städten eben normal, dass sich der Müll der Stände (und konsumierter Produkte) in Massen auf die Straße fliegt und in der Nacht zusammengekehrt wird. Aber wenn schon ein Mülleimer in der Nähe steht...

    Am späten Nachmittag entdecke ich noch ein paar Ruinen neben der Straße, die optimal zum Zelten geeignet gewesen wären, aber ein paar Kilometer will ich heute noch machen. Ich fahre weiter und durchquere eine große Hafenanlage. Dann komme wieder an die Küste, mit wunderschönen Ausblicken auf den Sonnenuntergang und ganz vielen kleinen Gemüseständen am Straßenrand. Eigentlich sind hier noch zwei Plätze zum Zelten eingezeichnet, doch einer ist zu offen, gerade bei dem Wind, und der andere existiert nicht. So fahre ich weiter in die Stadt, El Jadida, suche mir eine Unterkunft und probiere draußen auf den vollen Straßen all das Essen, welches man laut Reiseführern und guten Ratschlägen nicht essen sollte.
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