• Kristina Si
  • Vincent Hckr
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KriVi - 6 Monate Sabbatical

6 Monate mit dem Fahrrad 🚲 ⛺️von Budapest 🇭🇺 nach Tiflis 🇬🇪 und 2 Monate mit dem Rucksack nach Südkorea 🇰🇷 und Japan 🇯🇵 Les mer
  • Tag 45: Stolz!

    17. juli 2024, Albania ⋅ ☀️ 32 °C

    Heute gefahren: 0km
    Bisher gefahren gesamt: 2.534,5km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 22.013hm
    Pausentage gesamt: 11
    Fahrtage gesamt: 34

    Die Nacht auf dem Campingplatz war gut. Wir schlafen aus und starten langsam in den Tag. Wir beobachten beim Frühstück wie die anderen Camper ihre Sachen packen. Übellaunige und maulige Teenager (alle irgendwo zwischen 12 und 15) die mit ihren Eltern Campingurlaub machen. Lustig anzusehen: Gezeter und Arbeitsverweigerung wenn es um's packen geht. Bei den Deutschen (Mutter, Vater, Sohn, Hund) zur rechten verstehen wir jedes Wort. Bei den Franzosen (Mutter, Vater, Tochter, Sohn 1, Sohn 2) zur linken reichen die Gesten und Tonlagen aus, um die Situation für uns zu erklären. Allein die Belgier (Mutter, Vater, Sohn, Tochter), neben den Deutschen, sind effizient und erledigen ohne Murren ihre Pflichten. Mir hat der Campingurlaub mit meinem Eltern immer sehr gefallen und Spaß gemacht. Eine weitere Nachbarin, ich taufe sie innerlich Hildegunde (irgendwo zwischen 50 und 60, groß, dünn, schlaksig, lange Haare) ist allein unterwegs. Sie hatte Redebedarf und hat uns erzählt, dass sie gerade auf dem Rückweg ist und dss sie gestern Abend ja so eine gute Forelle im Campingplatzrestaurant genossen hat. Die müssen wir unbedingt probieren!! OK Gundi, machen wir. Ach und in Griechenland wäre es ja so heiß. Sie ist ja so geschafft von der Hitze. Danke für die Info, Hilde. Warum sie die gleiche Strecke zurückfährt, die sie gekommen ist, fragen wir nicht. Vielleicht weil wir uns wundern, woher sie kommt: sie fährt von Russland im Camper zurück nach Deutschland. Alright, Hildegunde, gute Heimreise.

    Ich merke, der Campingplatz tut unserem Selbstbewusstsein gut. Wir sind hier mit unseren Fahrrädern. Wir sind hier her gefahren mit unseren Rädern. Wir schlafen sonst in der Wildnis und bauen jeden Tag unserer kleines Ökosystem auf. Es geht natürlich noch viel extremer, aber für uns zwei Büromenschen, die wir ja im Alltag sind, ist das schon ein kleines Abenteuer (auch wenn wir das der Coolness wegen nicht zugeben). Daher sind wir auch ein bisschen stolz auf uns. Gerade im Vergleich mit den geordneten Campingplatz-Menschen hier. Soll jeder das machen worauf er Lust hat (auch die gute alte Hildegunde)!

    Und wir haben Lust auf eine Pausentag: Daher lassen wir unsere Taschen am Zelt und fahren, mit ungewohnt leichten Rädern in den nächsten Ort. Die albanische Seite vom Ohridsee hat eine schöne Promenade. Viele Cafés, Hotels und einiges an Kinder-Amüsement zeichnen den Weg, trotzdem ganz nett. Geschafft von unser 5km-Schlenderfahrt setzen wir uns in ein Café. Wir recherchieren die Strecken für die nächsten Tage, schmieden Pläne wie wir kostengünstig unser restliches serbisches Geld in albanische Lek tauschen können. Fast nirgendwo kann man mit Karte zahlen. Nur Bares ist Wahres. Alle Geldautomaten verlangen eine hohe zusätzliche Gebühr (zwischen 5€ und 7€) pro Abhebung. Wir sind nicht lange in Albanien und wollen nicht so viel albanisches Geld haben. Letztlich finden wir im Ortskern von Pogradec alles was wir brauchen. Wir haben nun albanische Lek, die wir gleich in Burek investieren. Für ca. 0,80€ bekommen wir ein Stück Burek. Deutlich kleiner als bisher, da weniger Füllung, dennoch sehr lecker. Danach probieren wir im nächsten Laden Burek (0,70€) und Pite (0,30€). Pite ist im Grunde ein frittiertes geschlossenes und gefülltes Burek. Auch sehr lecker. Wir sind mittlerweile so weit nach Pogradec vorgedrungen, hier verirrt sich kein Tourist her. Jedenfalls sehen wir keine Touristen und wir werden angeguckt, wie Außerirdische. Wir schlendern über den örtlichen Markt und kaufen Obst, Gemüse und Oliven und fühlen uns gut! Im Anschluss geht es noch ans Wasser ein wenig Baden. Am Ende ein herrlicher Pausentag!

    Nachtrag Kristina: Es gab noch leckeren Cappuccino, Espresso (mit der besten Crema, die wir je hatten für 0,5 EUR und selbstgemachtes Eis (0,5 EUR 2 Kugeln)!!
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  • Tag 46: Bären

    18. juli 2024, Hellas ⋅ ⛅ 35 °C

    Heute gefahren: 105km
    Bisher gefahren gesamt: 2.640,5km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.180hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 23.193hm
    Pausentage gesamt: 11
    Fahrtage gesamt: 35

    Der Tag startet früh am Campingplatz. Unser heutiges Ziel: Kastoria in Griechenland. Wir kommen pünktlich los. Der Weg überrascht uns gleich Mal mit einer stark befahrenen Straße, ca. 8% Steigung und Bären-Warnschildern.

    Nach einer Stunde biegen wir auf eine Seitenstraße ab und können die Landschaft genießen. Der albanische Süden ist bergig und karg. Die Menschen grüßen herzlich. Einer schenkt uns ungefragt aus dem fahrenden Auto heraus zwei Flaschen Wasser. Er hat uns in der Ferne gesehen und uns in einem Shop Wasser gekauft und ist uns hinterhergefahren. Wirklich sehr nett! Wir kommen gut voran.

    Im letzten Ort in Albanien geben wir unser restliches albanisches Geld aus und lassen das Gewitter am Mittag an uns vorbei ziehen. Vor der Grenze tauchen erneut die Bären-Warnschilder auf.

    Der Grenzübertritt funktioniert problemlos. Wir sind in Griechenland! Unsere Uhren und Handys zeigen plötzlich unterschiedliche Uhrzeiten an - Wir reisen in der Zeit! Die Landschaft ist bergig und bewaldet. Wir fühlen uns ein wenig wie in Kanada. Wir sind allein auf der Straße. Die ersten Dörfer sind gänzlich verlassen. Die Bären-Warnschilder nehmen zu und werden eindeutiger: Wer einen Bären anfährt, muß bis zu 4.000€ Strafe zahlen. Oder auch: Bitte die nächsten 50km vorsichtig fahren, hier ist ein Bären-Habitat.

    Wir kommen in Kastoria an und suchen nach einem Zeltplatz. Wir werden von ein paar Fußballern (die uns auch erstmal ungefragt Wasserflaschen in die Hand drücken - sehr nett!) die vor ihrem Clubhaus sitzen zum nächsten großen und eingezäunten Spielplatz gebracht. Super, denken wir: es gibt einen Brunnen, es gibt Schatten, die Straßen ist schwach befahren und wir sind am Ortsrand, d.h. hier kommen keine Bären her. Außerdem ist der Spielplatz - mannshoch - eingezäunt. Also keine Hunde oder Bären. Top.

    Also bauen wir unser Ökosystem auf: Zelt, Luftmatratzen, etc. und beginnen zu kochen. Es ist 19:40 Uhr und wir haben einen Schlafplatz und bald etwas zu essen. Die Eltern auf dem Spielplatz grüßen und sind zurückhaltend. Irgendwie kommen wir mit einem Vater, der englisch spricht, ins Gespräch. Hier in Kastoria ist es dieses Jahr sehr schwierig mit den Bären. Wir sollen aufpassen. Die kommen in der Nacht und am frühen Morgen in den Ort und suchen nach Futter. Gut ja und der Zaun? Da klettern sie drüber. Einfach das Essen weit weg packen, schlägt er vor. Kristina kocht erstmal weiter und ich beginne nach einem Ort zu suchen wo wir das Essen über Nacht lagern können. Mh irgendwie nicht so wirklich möglich Essen zu verstecken. Google verrät uns, dass es dieses Jahr in Kastoria bereits zwei Vorfälle mit Bären gab. Der Tierschutzorganisation Arcturos zufolge, leben in Griechenland etwa 450 bis 500 Braunbären. Die meisten davon sind im Pindos-Gebirge (in dem wir uns gerade befinden) sowie in den Rhodopen (hier waren wir vor wenigen Wochen auf der bulgarischen Seite) anzutreffen. Wie haben Rumänien extra ausgelassen, weil wir in keine Bären-Gebiete wollten. Jetzt sind wir binnen weniger Wochen gleich mehrfach in Bären-Regionen. Was für ein Abenteuer! Na gut ist jetzt so und jetzt, wie geht es weiter?

    Uns ist guter Schlaf wichtig, daher suchen wir online nach einem Hotelzimmer. Uns ist der gute und sichere Schlaf einfach wichtiger. Geld ist jetzt egal und auf unruhigen Schlaf haben wir einfach keine Lust. Auch wenn die Chance gering ist, das etwas passiert.

    Der nächste Vater quatscht uns nebenbei an und wir kommen ins Gespräch. Er würde die Bären-Situation als harmlos sehen. Es gibt in der Stadt ein Hotel das ist gut und günstig. Was für ein Zufall: das ist das Hotel welches wir auch gerade online gefunden haben. Mitten in der Stadt und gut und günstig. Er ruft netterweise für uns an und reserviert uns ein Zimmer. Wirklich sehr sehr nett und hilfsbereit.

    Wir essen unserer Essen, spülen ab und packen ALLES wieder ein. Als wir die 4km stadtauswärts radeln wundere ich mich: Der Vater meinte doch das Hotel sei in der Stadtmitte?

    21:40 Uhr: Am Hotel angekommen weiß der Mann an der Rezeption nix von einer Reservierung. Es stellt sich heraus, dass es ein Hotel mit ähnlichem Namen in der Stadt gibt. Offenbar hat der nette Vater dort reserviert. Gut bewertet ist jedoch das Hotel in dem wir an der Rezeption stehen.

    Kristina zaubert und wir bekommen das Zimmer zu einem guten Preis und die Fahrräder werden im Foyer vom Nachtwächter bewacht. Fahren wir halt morgen nach dem Frühstück in die Stadt. Auch gut.

    Ein langer Tag geht zu Ende und ich muss die Eindrücke erstmal sortieren und aufschreiben. Wir sitzen noch ein wenig auf der Terrasse und genießen die kühle Luft.
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  • Tag 47: Frühstück & Camping

    19. juli 2024, Hellas ⋅ ⛅ 32 °C

    Heute gefahren: 79km
    Bisher gefahren gesamt: 2.719,5km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 886hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 24.079hm
    Pausentage gesamt: 11
    Fahrtage gesamt: 36

    Das Hotel-Frühstück ist (sehr) einfach und trotzdem mal eine nette Abwechslung zum selbstgemachten Porridge. Wir starten gegen 09:00 Uhr. Die Stadt gibt doch nicht so viel her, vielleicht auch weil sie auf einem Berg gebaut und maximal verwinkelt ist. Wir strampeln die 13% hoch in die Altstadt. Außer viel Verkehr ist da jedoch nichts. Also wieder runter, Bargeld holen und ab geht's Richtung Edessa. Vom angesagten Gewitter werden wir verschont. Die Landschaft ist traumhaft, die Temperaturen ok und gegen 18:00 Uhr sind wir an unserem Schlafplatz angekommen: Ein verlassener See-Campingplatz der nicht mehr betrieben wird. Wir kochen und ruhen uns aus. Am Abend landen noch Wasserflugzeuge im See und tanken offenbar Wasser für die Waldbrände in der Nähe.

    Komisches Erlebnis während der Mittagspause: wir sind an einer kleinen Kapelle mit einer Wasserstelle an einer Landstraße im Wald. Während wir dasitzen und essen, fährt ein albanisches Auto vor, Kofferraum öffnet sich (voll mit Autoreifen), Fahrer steigt aus und nimmt aus dem Kofferraum einen Reifen und wirft ihn ins Gebüsch, im Anschluss nimmt er einen Reifen von der Rücksitzbank und legt ihn den Kofferraum. Kurz Händewaschen, Wasserflaschen füllen, uns grüßen und weiter geht's!
    Was für ein unsympathischer Mensch und überhaupt keinen Scham vor uns die Umwelt zu verschmutzen.

    Weitere interessante Beobachtung:
    Vermehrt sehen wir massive polnische oder tschechische Jeeps/SUV/ Defender - und was für massive Teile. Massive Dachzelt, mit Boxen auf dem Dach, am Kofferraum oder sogar seitlich an den Fenstern angebracht. Manchmal sind es einzelne und teilweise auch ganze Gruppen aus Fahrzeugen.
    Sie sehen eher aus als würden sie an der Rallye Dakar teilnehmen als auf gut asphaltierten Straßen durch Albanien zu fahren. Aber gut, wir wissen ja nicht, was sie noch vorhaben…
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  • Tag 48: Globalisierung

    20. juli 2024, Hellas ⋅ ☀️ 24 °C

    Heute gefahren: 92km
    Bisher gefahren gesamt:
    2.811,5km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 603hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 24.682hm
    Platte Reifen: 0
    Stürze: 0
    Pausentage gesamt: 11
    Fahrtage gesamt: 37

    Wir kommen heute gut durch - lange geht es an der nicht befahrenen Seestraße entlang - fast wie eine Küstenstraße.
    Wir fahren hauptsächlich bergab. Je weiter wir abfahren, desto wärmer wird es. Die Obstplantagen am Wegesrand tragen hauptsächlich Pfirsiche, Aprikosen und Birnen, Äpfel. Wir sehen den gesamten Tag über kleine Transporter voll mit Arbeitern die Pfirsiche und Aprikosen pflücken und in Sammelstellen zusammenbringen. Das andere Obst braucht noch. Die entsprechenden LKWs sehen wir auch. Während ich hier also einige Tage später da sitze und diese Zeilen schreibe, wird das Obst vermutlich schon verteilt von München über Lichtenfels bis hoch nach Hamburg in den Supermärkten liegen.

    Wir sehen in Griechenland keinen einzigen kleinen Obst-Gemüse-Stand. In Albanien, Nordmazedonien, Bulgarien, Serbien haben wir jeden Tag unser Obst und Gemüse am Straßenrand bei Händlern gekauft. Hier gibt es nur teuere Supermärkte. Wir müssen uns erstmal umstellen - vor allem bei den Kaffeepreisen. Sonst kostete ein Macchiato zwischen 70 Cent und 1,30 EUR. Jetzt plötzlich 2,50 EUR. Alles ein bisschen teurer hier. Das Abendessen kostet nicht mehr gesamt 20€ sondern jetzt 40€. Satt werden wir trotzdem und lecker ist es auch.

    Wir machen in Giannitsa einen Kaffezwischenstopp (Preiserfahrung^) und unterhalten uns sehr nett mit Alexandra, einer Serbin, die im Kaffee arbeitet (wir sind die einzigen Gäste), die mit einem halb Griechen/Tschechen verheiratet ist und seit 16 Jahren in der Stadt lebt. Sie beantwortet alle unsere Fragen und wir ihre.
    Sie findet die Griechen komisch und engstirnig, weil sie nie ihr Land verlassen. Wenn ihre Kinder etwas größer sind, will sie auf eine Insel ziehen. Sie zahlen für über 100qm 350 EUR Miete (in Thessaloniki bekommt man nur 50qm dafür) - klingt erstmal wenig aber der Durchschnittsverdienst liegt bei 650 EUR/ Monat! Zwischen 12 und 18 liegt das Leben im Sommer still, weil es zu heiß ist. Gegessen wird mittags Wassermelone und abends ab 22 Uhr groß, deshalb haben die Restaurants auch bis 1 oder 2 Uhr nachts offen.
    Morgens gibt es ein Bagatsa (süßes Börek mit einer Art Puddingcreme gefüllt - seeehr lecker) oder normales Burek mit Käse, Spinat, Fleisch. Und ganz wichtig das Getränk: Alles mit Freddo. Freddo Espresso, Freddo Cappuccino, Frappuchino. Also Kaffee in all seinen Formen - mit Eiswürfeln.
    Bedeutet auch: Was für uns zusammen gehört, kommt nun wieder zusammen: Burek und Kaffee!!! 😍 Wir müssen fürs Frühstück nicht von der Bäckerei ins Café nebenan und verstohlen unser Burek essen!

    Spannend, was sich alles mit einem Grenzübertritt verändert:
    Im Balkan: alte Autos (und auch neue und Luxusautos) aller Art. Teilweise habe ich mehr Angst, dass mal ein Teil von einem Transporter, LKW oder Auto wegfliegt und mich trifft, als dass sie mich anfahren. Überall importierte Autos: z.B. Schweiz (CH-Aufkleber am Heck) oder auch aus Deutschland, denn die Schreinerei Schmitt aus Vechta (inkl. Telefonnummer) fährt nun in Nordmazedonien, genauso wie Sanitärbetrieb Kolb aus Stuttgart.
    In Griechenland scheinen alle Autos halbwegs intakt und Firmenfahrzeuge fahren mit ihrer Werbung.

    Und wichtig wir sind nun in der Provinz „West Mazedonien in der Hellenischen Republik“. Deshalb musste sich auch Mazedonien in Nordmazedonien 🇲🇰 umbenennen, die Flagge ändern und Nordmazedonien darf keine griechischen Nationalhelden für ihre Geschichte verwenden. Auch kurios: heute ist Griechenland noch immer für die Sicherheit im Luftraum über Nordmazedonien verantwortlich.

    Am Abend sind wir ca. 50km vor Thessaloniki und schlafen im Geburtsort von Alexander dem Großen (Streitthema Griechenland vs. Nordmazedonien - deshalb heißt die abstrus große Statue in Nordmazedonien nur noch „Reiter auf dem Pferd“ und nicht mehr „Alexander der Große“).
    Das Dorf heißt Pella und es gibt ein sehr leckeres Restaurant wo wir es uns gut gehen lassen!
    Danach ziehen wir auf den örtlichen Sportplatz, wo wir erst noch die sportelnden Griechen überzeugen, dass wir auch einen Waldbrand verursachen und auch sonst ganz brav sind. Sporteln war übrigens: halbwegs schnelles Gehen um den Sportplatz herum.
    Unser Plätzchen ist mal wieder so lala: im Gebüsch raschelt es und wir sehen Ratten, also wollte ich noch 2m nach rechts rutschen. Das macht sicherlich einen riesigen (psychologischen) Unterschied. Dann ist dahinter anscheinend die Hauptstraße für Bulldogs aller Art (die ab spätestens 5 Uhr morgens und bis 23 Uhr unterwegs sind). Immerhin Schatten am nächsten Morgen und Vincent hat schon Kaffee, Frühstück und Nudelsalat für den Tag vorbereitet ❤️
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  • Tag 49: Gurr Gurr

    21. juli 2024, Hellas ⋅ ☀️ 36 °C

    Heute gefahren: 50km
    Bisher gefahren gesamt:
    2.862km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 295hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 24.977hm
    Platte Reifen: 0
    Stürze: 0
    Pausentage gesamt: 11
    Fahrtage gesamt: 38

    Der Schlafplatz ist doch lauter als gedacht und die Mücken stechen in der Nacht. Heute wollen wir nach Thessaloniki und sind mit den Vorbereitungen gut in der Zeit. Kurz vor der Abfahrt wird unsere Appartement-Buchung storniert.
    Doof. Jetzt müssen wir neu suchen. Wir haben verschiedene Kriterien die erfüllt werden müssen. Aufzug, Klimaanlage, Stadtzentrum. Also gehen wir noch kurz einen Café trinken und Kristina findet eine tolle Altbauwohnung in der Innenstadt.

    Wir kommen los und über ruhige Nebenstraßen sind wir die 50km rein in die Stadt sehr schnell abgefahren. Am Sonntag ist es in Griechenland sehr, sehr ruhig auf der Straße. Auch auf den großen Ausfallstraßen, die in die Stadt führen. Glück für uns! In einem Industriegebiet taucht am Wegesrand dann ein Schäferhund auf der uns nun gar nicht mag. Schreien, Pfeifen und schnell weiter fahren. Mann ey, war der aggressiv und wir gerade in unser schönes Gespräch (Welche Gerichte aus unserer Kindheit gibt es heute nicht mehr bzw. Essen wir heutzutage nicht mehr? - Toast Hawaii oder Pizza Baguette etc.) vertieft. Alles gut gegangen. Entgegen unserer Pläne heute, Aprikosen und Co zu Pflücken ändert sich die Landschaft wieder: Reisfelder - zumindest glauben wir das. Es ist weiterhin heiß, es wird gewässert was das Zeug hält bzw. die Felder werden geschwemmt. Nix da mit unserem Obst.

    Noch kurz Mittagpause in einem Vorort und dann Check-in in der Innenstadt.

    Der Aufzug ist so klein, da passt kein Fahrrad hinein. Dafür spielt während der Fahrt klassische Musik. Außerdem beginnt der Aufzug im Hochparterre. Blöd. Na gut also Taschen abnehmen und mit dem Aufzug in die Wohnung bringen. Die Räder tragen wir dann im kleinen Treppenhaus in den 5.ten Stock. Mal wieder ein extra Workout - dafür erwartete uns eine tolle, klimatisierte Wohnung.

    Wir waschen uns und unsere Sachen. Die Dusche fühlt sich großartig an. Um 18:30 Uhr nehmen wir an einer 3-stündigen-Stadtführung teil. Informativ, kurzweilig und am Ende sind wir jedoch auch platt von der Hitze und dem Tag und freuen uns aufs Bett.
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  • Tag 50: You make my life bicycle

    22. juli 2024, Hellas ⋅ ☀️ 34 °C

    Heute gefahren: 0km
    Bisher gefahren gesamt:
    2.862km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 24.977hm
    Platte Reifen: 0
    Stürze: 0
    Pausentage gesamt: 12
    Fahrtage gesamt: 38

    Wir starten den Pausetag in Thessaloniki mit dem Besuch des Kapani Marktes. Einem Markt, auf dem es von Lebensmittel über Frischfleisch und -fisch bis hin zu Klamotten alles gibt - und das mitten in der Stadt. An der Bäckerei eskalieren wir etwas mit einem Monster-Simit-Ring, verschiedenen Burek und Bogatsa. Dazu frische Wassermelone, Käse und Oliven - es ist schön mal eine Küche zu haben, alles in normaler und nicht gebückter Haltung vorzubereiten und natürlich mit Klimaanlage.
    Danach schlendern wir durch die Stadt, auch durch Ano Poli - die Oberstadt. Thessaloniki ist sehr hügelig. Wir haben auch das Gefühl, dass es schon einige Touristen gibt aber die Stadt darunter nicht ächzt und vieles und viele seinen normalen Lauf geht.
    Thessaloniki ist schön, wir verlängern mal wieder spontan einen Tag - auch wenn wir dafür umziehen müssen, da unser Apartment nicht frei ist.

    Unsere Beobachtungen:
    ⛱️☀️Balkone werden genutzt - Menschen sitzen draußen, mit Bier oder einem Freddo xy

    🛵🛴🏍️🚲 Es gibt so gut wie keine Radfahrer, vermutlich weil es eng und hügelig ist. Dafür umso mehr Roller und Mopeds. Und es wird überall wild geparkt und auch die Fahrweise ist wilder als im Balkan - zumindest auf den ersten Blick
    Dazu die Anekdote:
    Von dem sehr netten und etwas schrulligen Mitarbeiter des Buchcafés, in dem wir gerade in Thessaloniki Cappuccino trinken, wurde uns erklärt, dass es einen Ausdruck im griechischen gibt, der übersetzt heißt: You make my life bicycle. Was soviel heißt: Du machst mein Leben schwer/ schwierig.
    Trifft bei uns zum Glück nicht zu. 🩷💜🩵

    ☕️🥤Es gibt wahnsinnig viel Kaffee. Überall. Und nur gute Maschinen! Man kann meistens sogar die Bohne auswählen ABER nur To Go-Becher, selbst in richtigen Cafés. Wir verstehen es nicht. Wie kann man Kaffee so verschandeln?
    Hierfür haben wir heute eine Erklärung bekommen: To Go wird geringer besteuert und ist auch im Café günstiger. Ist ja schön und auch verständlich bei den Preisen aber überall zig Becher und die Leute sitzen trotzdem im Café, dann nicht mit Tasse sondern Becher. Und das schlimmste: dazu bekommt man eine 0,5l Plastikflasche Wasser (anstelle des Glas Wasser im Café).
    Und wie auch in anderen südlichen Ländern spielt sich das Leben draußen in den Cafés ab - wie geht das trotz der hohen Preise (teilweise Espresso 3 EUR - wie in München)?
    Die Erklärung von unserem Stadtführer: Man bestellt 1 Getränk und sitzt dann ewig und spielt Backgammon. Man wird auch nicht nach mehr Konsum gefragt. Ein Freund von ihm hat es auf 8h mit einem Espresso Freddo gebracht.

    🕊️🐈 Es gibt sehr viele wilde Katzen, Hunde und Tauben in der Stadt. In halbwegs friedlicher Koexistenz.

    ♻️💶 Es gibt auch noch viele arme Leute, die im Müll suchen, bettelnde Kinder, die sogar ins Restaurant oder Café kommen.
    Obwohl sich Griechenland nach der Finanzkrise Anfang der 2010er Jahre wieder berappelt hat, hängt das vielen noch nach.
    Viele sammeln auch Flaschen und obwohl es kein Pfand gibt, haben wir eine Annahmestelle gefunden, die sehr gut besucht war.
    Zudem gibt’s wie in allen großen Städten die „Wall of Kindness“, d.h. Menschen hängen Kleidung, Lebensmittel an die Haken und Bedürftige bedienen sich.

    🧑‍🍳🍝🥘 🍷Montag haben viele Restaurants zu, vor allem abseits der Innenstadt und Google weiß nichts davon. Bedeutete wir laufen ewig um ein Restaurant zu finden und landen gefühlt in den Ausläufern der Stadt ( ist es natürlich nicht aber Touristen sehen sie recht selten). Dafür landen wir in einer netten Taverne mit hervorragenden Essen und bestellen viele kleine Gerichte (Mezze), die man sich teilt.
    Dazu den typischen Retsina - einen Weißwein, den viele hier mit Sprite oder Cola trinken, um ihn süffiger zu machen. Neee danke, wir bleiben bei pur und finden es lecker.

    Und uns fällt auf, dass der Service überall sehr nett ist. Vom Restaurant bis zum Falafel Laden.
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  • Tag 51: Atatürk in Thessaloniki

    23. juli 2024, Hellas ⋅ ☀️ 32 °C

    Heute gefahren: 0km
    Bisher gefahren gesamt:
    2.862km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 24.977hm
    Platte Reifen: 0
    Stürze: 0
    Pausentage gesamt: 13
    Fahrtage gesamt: 38

    Ausschlafen, Frühstücken, packen und die Fahrräder einmal durch das enge, runde Treppenhaus aus dem 5. Stock nach unten wuchten. Es war heiß und anstrengend.
    Die andere Unterkunft ist zum Glück nur 200m entfernt, eine Art Hostel/Hotel. Fahrräder können wir im kleinen Innenhof absperren und wir sehen dabei ein anderes Reiserad.
    Kurz darauf kommt der Besitzer: Benjamin, ein Franzose, der für ein Buchprojekt von Frankreich Richtung Iran mit dem Fahrrad reist und dabei Gründer in anderen Ländern trifft, die gute (grüne) Ideen haben: linktr.ee/trees_on_the_way
    2-3 Jahre will er unterwegs sein. Er hatte letztes Jahr schon mal angefangen aber dann aufgrund einer Knieverletzung 6 Monate pausieren müssen. Sehr sympathisch und beeindruckend. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns wieder auf dem Weg.

    Danach gehen wir nochmal flanieren und besuchen das Atatürk Museum. Atatürk als Gründer der modernen Türkei und der türkischen Republik wurde in Thessaloniki geboren - früher noch Teil des osmanischen Reichs. Er wird noch immer sehr verehrt, das ganze Museum war voller Türken und jeder wollte ein Selfie mit seiner Nachbildung.
    Das Museum ist sein Geburtshaus und direkt neben der türkischen Botschaft - inkl. hermetischer Abriegelung.
    Die griechisch-türkische Geschichte ist durch die Auflösung des osmanischen Reichs kompliziert und aufgeheizt.

    Überall gibt es griechisch-orthodoxe Kirchen - nicht nur in Thessaloniki sondern in kleinsten Orten. Wenn es keine Kirche gibt, dann zumindest eine Kapelle. Und laut unserem Stadtführer würden sich auch fast alle Griechen als gläubig bezeichnen - auch wenn sie nicht in die Kirche gehen. Selbst junge Leute, was vor allem Ausdruck findet, indem sie Kerzen anzünden,die es in jeder Kirche oder an jedem Schrein gibt. Sie glauben einfach gerne an etwas sagt unser Stadtführer.
    Wir entdecken noch einen sehr alten Friedhof.
    Friedhöfe sagen auch viel über die Länder aus. Ob gepflegt oder nicht, was sind die „Trends“?! in Griechenland beispielsweise, ist alles mit weißem Stein bzw. Marmor abgedeckt und Grabsteine haben Bilder der Verstorbenen (aber nicht mehr 3D-Hologramme wie im Balkan).

    Danach trinken wir Kaffee, essen Bougatse und genießen noch die Stadt. Die vielen kleinen Gassen und Hügel sind schön aber wir verstehen nun auch, warum diese Stadt absolut nicht für Fahrräder gemacht ist und so voll mit Verkehr ist. Wenn überhaupt ein E-Bike.
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  • Tag 52: Koffein, Umwege & Platten

    24. juli 2024, Hellas ⋅ ⛅ 33 °C

    Heute gefahren: 82km
    Bisher gefahren gesamt:
    2.944km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 912hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 25.889hm
    Platte Reifen: 1
    Stürze: 0
    Pausentage gesamt: 13
    Fahrtage gesamt: 39

    Der Tag startet erstmal gut, wir sind ausgeschlafen, können im Garten frühstücken, Vincent freut sich über den Filterkaffee satt.
    Wir starten und nach 5m merke ich, dass mein Hinterrad platt ist. Schaaaadeeee. Ich dachte schon, dass wir durch die Reise ohne Platten kommen.
    Aber nicht so schlimm, nur nervig. Alle Taschen wieder ab, Hinterrad raus, neuen Schlauch rein. Kleben und Loch suchen nehme ich mir für den Abend vor (was sich noch als sehr weise herausstellt). Kurz aufpumpen, dann noch zur Tankstelle, um die 5 bar auf den Reifen zu bekommen und weiter geht’s.
    Während ich montiere, unterhalten wir uns noch nett mit einem Freund des Hotelbesitzers, der uns noch gute Tipps für Strände und lohnenswerte Stopps auf unserer Route gibt.
    Dann geht’s endlich los und ich revidiere: Thessaloniki ist keine Stadt mit Hügeln, sondern Bergen. Wir quälen uns durch die engen oder großen Straßen aus der Stadt heraus - teilweise sehr steil.
    Einfahren beim Bergfahren ist nie einfach… zum Glück ist es leicht bewölkt.
    Danach ist unsere Route so lala - die Straßen sind geteerte Feldwege aber gehen nicht immer weiter und irgendwann stoppen wir, weil sich Hunde in den Weg stellen und die sind so groß, dass wir von Weitem schon umdrehen.
    Wir entscheiden uns für die Landstraße, einmal schön ein Umweg-Dreieck gefahren, dafür geht’s konstant mit wenig Verkehr gut vorwärts.
    Trotzdem kommen wir nicht so richtig auf Touren, die Sonne kommt zurück und wir ächzen. Ein kurzer Cola-Espresso-Keks-Stopp lässt uns wieder erwachen und nun läuft es auch wirklich gut. Ob Koffein oder Einbildung - Hauptsache es läuft.
    Gegen 18 Uhr machen wir Wasserstopp und beschließen an dem See, den wir gerade pasieren, zu bleiben. Kaufen noch kurz im Dorfladen ein und neben einem Sportruder-Haus finden wir einen guten Platz.
    Vermeintlich.
    Irgendwann kommen Jugendliche aber zum Glück gehen sie wieder. Es ist nämlich ganz schön windig und ein paar Regentropfen treffen uns, anscheinend die Gewitter-Ausläufer von Thessaloniki.
    Wir kochen unter dem Vordach und hören Podcast, während der See ziemlich wellig wird. bzw. Vincent kocht und ich klebe meinen Schlauch. Man weiß ja nie, ob ich ihn morgen schon benötige.
    Dann Punkt 20 Uhr geht ein mördermäßiger Scheinwerfer genau hinter uns an. Er scheint direkt ins Zelt - wir stellen uns einfach vor in den langen hellen skandinavischen Nächten zu schlafen. Für Zelt umstellen sind wir zu faul und außerdem bietet die Hauswand ganz guten Windschutz. Naja was soll’s.
    Irgendwann kommt auch noch ein Angler aber er und wir sind uninteressiert.
    Es wird eine gute Nacht 💤😴
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  • Tag 53: 2 Tage - 2 Platten

    25. juli 2024, Hellas ⋅ ⛅ 29 °C

    Heute gefahren: 47km
    Bisher gefahren gesamt:
    2.991km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 320hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 26.209hm
    Platte Reifen (Kristina): 2
    Pausentage gesamt: 13
    Fahrtage gesamt: 40

    Wir haben gut geschlafen - trotz taghellem Licht.
    Es ist bedeckt und wie wir im Instagram Post von Benjamin (dem Radler, den wir in Thessaloniki getroffen haben) sehen, hat das Gewitter in/um Thessaloniki gewütet und es gab Starkregen. Puh, Glück, dass wir außerhalb der Zone waren.

    Heute geht’s vorrangig geradeaus und irgendwann fahren wir am Meer entlang. Windig aber schön. Links sind weiterhin Berge.
    Wir fahren so schön vor uns hin, plötzlich rumpelt es in meinem Hinterrad und zischt. Und der Reifen ist sofort platt. Es plumpst eine riesige Schraube heraus, die sich offenbar irgendwie zwischen Reifen und Schutzblech verfangen hat.
    Ab auf den daneben liegenden Olivenhain und Schlauch wechseln. Zum Glück gestern Abend den anderen noch geklebt.
    Aber erstmal Reifen kontrollieren, die Schraube hat den Mantel inkl. des Pannenschutzes beschädigt und ist bis auf den Schlauch durch. Jetzt kommt wenigstens auch der Sekundenkleber für den Mantel zum Einsatz und das Loch im Schlauch ist so groß, da braucht man kein Seifenwasser. Gleich noch kleben und das „Pannenset“ wieder in der kleinen Satteltasche verstauen - die Kompaktheit und sofortige Zugänglichkeit hat sich bewährt. Danach schaffen wir es noch an den Strand und beschließen kurzerhand zu bleiben und einen Strandnachmittag zu machen.
    Zeltplatzpotenzial ist auch da…

    Später stößt noch Louis, ein Radreisender aus Deutschland, zu uns. Er fährt Richtung Istanbul, um Freunde zu besuchen und dann weiter nach Georgien und noch weiter ostwärts. Er hat mehr als ein Jahr Zeit und schaut, was auf ihn zukommt. Der Glückliche! Wir unterhalten uns sehr gut, essen und lachen zusammen. Ähnliche Erfahrungen, Bedenken, Beobachtungen verbinden - es macht Spaß!
    Und mittlerweile bedauern wir es schon fast, dass wir nicht unsere kompletten 6 Monate auf dem Rad verbringen… Es gefällt uns so gut, mit all den Höhen und kleinen (Anstregungs-)Tiefen, aber definitiv mehr Höhen! 🩷💜🩵💙
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  • Tag 54: Gastfreundschaft

    26. juli 2024, Hellas ⋅ ☀️ 30 °C

    Heute gefahren: 117km
    Bisher gefahren gesamt:
    3.108km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 758hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 26.967hm
    Platte Reifen: 2
    Pausentage gesamt: 13
    Fahrtage gesamt: 41

    Mir fällt es schwer zu beschreiben wo wir heute geschlafen haben.

    Wie sage ich das jetzt richtig? Wir haben im Hof einer [...] geschlafen:
    - Deutsch-Türkisch-Griechische-Familie?
    - Türkisch-Deutsch-Griechische-Familie?
    - Türkische-Familie in einem griechischen Dorf mit einer vorrangig türkischen Gemeinde?
    - Deutsche-Familie in einem griechischen Dorf mit einer vorrangig türkischen Gemeinde?

    Eine andere Beschreibung, unabhängig der echten (und gefühlten sowie gelebten) Nationalität gefällt mir besser: Die Mama von Bingül quatscht uns so gegen 19:30 Uhr an und sagt: "Ihr seid doch Deutsche!" Wir sind nach 117km an diesem Tag am Ende unserer Kräfte und suchen nach einem Schlafplatz. Mal wieder finden wir nix. Hunde, laute Straßen, es ist Freitagabend, die Leute sind draußen, kurzum: keine Ruhe für eine erholsame Nacht. Wir kommen ins Gespräch und werden kurzerhand eingeladen unser Zelt im Hof der Familie aufzubauen. Wir lernen: Die Mama ist in dem griechischen Dorf geboren. In dem griechischen Dorf leben hauptsächlich Türken. Nach Umsiedlungen im Rahmen dee Aufteilung griechischen und türkischen Territorium, sind nicht alle Türken in die Türkei sondern vor allem in dieser Region und den den Dörfern geblieben.
    Ihr Mann, spricht kein griechisch nur türkisch. Beide zusammen wandern in den 70ern nach Deutschland aus. Dort wird ihre Tochter Bingül zur Welt kommen. Bingül lernt ihren Mann in eben jenem griechisch-türkischen Dorf kennen. Sie kommen zusammen und bekommen zwei Töchter. Et voila, da sitzen wir nun zu acht sprechen über  Deutschland, die Frage was Heimat ist und Kristina und ich berichten wie es ist mit dem Fahrrad zu reisen.

    Wir lernen die türkische Gastfreundschaft kennen (Vorschau: die nächsten Tage werden wir diese Gastfreundschaft noch öfter spüren) und erfahren auch etwas über die griechische Gesellschaft. Ein paar Beispiele: Wer in Griechenland krank ist und Blutkonserven benötigt muss diese kaufen (50 Eur/Konserve) bzw. für adäquaten Ersatz sorgen, d.h. die Familie muss auch Blut spenden gehen. Im Weiteren sind Arztbesuche in Griechenland immer mit bunten Umschlägen verbunden. Du willst einen Termin in zwei Wochen? Dann muss ein mit Geld befüllter Umschlag dem Arzt überreicht werden. Ach und wer kein Geld hat, bekommt im Winter Obst von der Regierung geschenkt, was dann verarbeitet wird, um das Jahr davon zu leben. Kurios.
    Das Lohnniveau ist nicht hoch, viele verdienen keine 700 EUR/Monat, auch ein Arzt hat nur knapp über 1000 EUR (ohne Umschläge). Deutsche Unzufriedenheit sollte man bei solchen Gegebenheiten überdenken!

    Wo war ich? Bingül und ihre Familie besuchen die Eltern, die wiederum den Rentner-Sommer im Heimatdorf verbringen. Wir bekommen Abendessen, wir bekommen Frühstück und weil wir vielleicht auch ein bisschen stinken, dürfen wir am Abend noch duschen. Für Radreisende ist das Luxus. Wirklich.

    Also nochmal: Wir haben im Hof einer herzlichen, netten, unheimlich gastfreundlichen, offenen und lieben Familie geschlafen. Danke! Die deutsche Verschlossenheit kann sich davon eine Scheibe abschneiden.

    Ja und sonst so an diesem Tag? Wir sind morgens am Meer aufgewacht. Wir sind den ganzen Tag über auf- und abgefahren und haben unser gekochtes Mittagessen in Kavala gegessen. Nachmittags sind wir kurz ins Meer gehüpft. Das hat uns soweit gestärkt, dass wir dann nochmal Kraft für weitere 50km hatten.
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  • Tag 55: Ein guter Start in den Tag

    27. juli 2024, Hellas ⋅ ☀️ 32 °C

    Heute gefahren: 93km
    Bisher gefahren gesamt: 3.201km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 850hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 27.817hm
    Platte Reifen: 2
    Pausentage gesamt: 13
    Fahrtage gesamt: 42

    Wir schlafen herrlich gut, es war nicht zu warm, nicht zu kalt. Schon mal ein gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Fahrradtag.
    Dann geht auch schon die Tür des Hauses auf und uns wird Kaffee mit sehr leckeren Keksen gebracht - das Vor-Frühstück sozusagen. Herrlich. Dabei packen wir zusammen und unterhalten uns gut. Anschließend frühstücken wir zusammen, nur die zwei Mädels schlafen noch. Ein voll gedeckter Tisch mit einem Rührei, wo sogar der Rührei- und Omlett-König Vincent um seinen Stand fürchten muss.
    Nach einem gemeinsamen Foto, das nicht fehlen darf, schwingen wir uns träge aber auch motiviert aufs Fahrrad.
    Durch kleine Dörfchen geht es vor allem an Mais- und Baumwollfeldern vorbei. Tagelang haben wir gerätselt, was diese Pflanze mit weiß-rosa Blüten ist. Nun ist es gelüftet. Uns war nicht klar, dass in Griechenland noch Baumwolle angepflanzt wird.
    Die Felder erstrecken sich kilometerweit, dementsprechend sind Dörfer und die Region stark von der Landwirtschaft geprägt (was auch mal wieder Hunde mit sich bringt, aber die Begegnungen sind friedlich). Im Gegensatz zu Nordmazedonien und den anderen Ländern sehen wir hier meist modernstes Gerät und Traktoren.
    Was allerdings relativ ähnlich ist zum Balkan, dass viel Müll herumliegt. Auf dem Land ebenso wie in der Stadt. Ein langjähriges EU-Land zu sein, ist kein Garant für ordentliche Abfallentsorgung oder einen Blick für die Natur.

    All das liegt im ostmazedonischen und thrakischen Nationalpark. Dieser beherbergt auch ein Fluß-Delta, wo Süßwasser vom Inlandssee auf das Mittelmeer trifft - trotzdem fahren wir lieber Berg- und Hügellandschaft als die gerade Fläche.
    Wir kommen gut voran und machen in Imeros am Strand eine wohl verdiente Bade- und Mittagspause. Das Wasser ist glasklar und ganz flach, sodass man bestimmt 100m reinlaufen muss, um schwimmen zu können.
    Wir kochen Kaffee und lassen es uns für 2-3 h gut gehen. Von Weitem winken wir noch 2 älteren Reiseradlern (eine Seltenheit) die ebenfalls kurz ins Wasser springen.
    Sich zwischen all den Einheimischen, die den Tag am Strand verbringen, aufzuraffen, ist manchmal schwer. Aber das Wetter ist perfekt und wir wollen noch ein paar km machen. Unterwegs sehen wir Louis wieder. Er macht Pause unter einem Baum, holt uns aber in einem beeindruckenden Tempo ein. Es geht nämlich auf und ab und nicht nur ein bisschen auf und ab, sondern richtig kräftezehrende Anstiege für 300m, dann abfahren und das gleiche von vorne über zig km.

    Weil uns das am Strand Zelten so gut gefallen hat, wägen wir kurz ab, ob wir noch einen Strand-Tag einlegen, streiten kurz und radeln am Ende doch den Berg hoch. Meist geht es darum wie der Weg sein wird und ob unsere Kräfte dafür ausreichen. Eine Diskussion die eigentlich sinnlos ist, da wir nie genau wissen können wie die Strecke die vor uns liegt aussieht.
    Letztlich ist die Strecke ein Traum, tolle Aussichten, kein Verkehr. Das motiviert uns wieder, noch zum Strand zu fahren, an dem Louis zeltet. Er hat die Gravel-Strecke genommen und war daher schneller. Wir kämpfen uns noch 10km bergauf und bergab. Kommen dann aber an einem schönen Strand an, wo wir noch baden und duschen. Zeltplatzsuche entfällt, weil wir zu Louis in die kleine Bucht hinzustoßen, wo wir einen richtig schönen, langen Abend haben. Wieder sehr gute Gespräche über alles Mögliche - es tut gut sich so intensiv mit jemanden auszutauschen und andere Sichtweisen zu hören, wo wir sonst weitestgehend zu zweit sind. Freunde und andere Gesprächspartner fehlen eben doch! Das heißt nur ein Weltreisenden-Leben auf unseren Fahrrädern werden wir nicht führen aber das letzte Mal so unterwegs sein, war es bestimmt nicht.
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  • Tag 56: Wind 1 von 4

    28. juli 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 34 °C

    Heute gefahren: 95km
    Bisher gefahren gesamt: 3.296km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 956hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 28.753hm
    Platte Reifen (Kristina): 3
    Pausentage gesamt: 13
    Fahrtage gesamt: 43

    Wir wachen erneut morgens zusammen mit Louis, an einem ansonsten einsamen Strand, auf. Wir kommen los und merken sofort: windig heute! Reichlich auf und ab an der Küste inklusive Gegenwind bringen uns in das lediglich 25km entfernte Alexandroupoulis. Zur Motivation und Stärkung brauchen wir erstmal Kaffee und Börek - auch Abschiedsbörek und -bougatsa für Griechenland. Wir lassen uns den Zettel geben und sehen schwarz auf weiß, dass unser Tisch-Kaffee in der Tasse 24% MwSt hat, der Rest nur 13 - soviel zum To Go Becher-Verbrauch.
    Unterwegs finden wir den ersten Feigenbaum mit reifen Früchten. Wir hauen uns die Taschen voll. Im Laufe des Fahrtages werden die batschsüßen Früchte meine Rettung sein. Der Wind nimmt zu und wir fahren weiter Richtung Grenze zur Türkei. Wir brauchen ewig und kommen nur langsam voran. In Grenznähe sehen wir einen Falschfahrer auf der Autobahn. Noch näher an der Grenze erklärt sich auch warum. Die Schlange an wartenden Fahrzeugen, die sich kein Stück fortbewegen ist ca. 3km lang. Wir schlängeln uns an den Autos auf einer Nebenstraße vorbei und werden an der griechischen, wie türkischen Grenze von den Grenzbeamten vorgelotst. Bei der brüllenden Hitze soll doch bitte niemand zwischen den wartenden Autos mit seinem Radl stehen. 5m nach der Grenze hat Kristina mal wieder einen Platten Reifen. Ausgelöst durch das Scheuern des großen Lochs am Mantel vom Tag zuvor.
    Die türkische Grenze hat abstruse Dimensionen - riesige Gebäude und Betonbogen und alles sehr neu - und natürlich stets überall die türkische Flagge. Es fehlen nur noch Bilder von Erdogan.   
    Die Bundesstraßen in der Türkei haben die Dimensionen von deutschen Autobahnen. Und ab der Grenze führt nur eine diese Monsterstraßen weg. Also fahren wir im Schritttempo (weil kaputter Reifen, weil Gegenwind) zur nächsten Tankstelle. Alright und jetzt?

    18:30 Uhr und es gibt nur diese Monster-Straße und sonst Felder (kein Schatten) und kleine Dörfer. Wir beschließen: wir fahren erstmal auf dem Seitenstreifen weiter und suchen eine Wasserstelle. Der Verkehr nimmt zu, der Wind bläst konstant in unser Gesicht, es geht stetig bergauf und zu aller Freude warten an einem verlassenen Fabrikgelände an der Bundesstraße, noch ein ca. 5 wilde Hunde auf uns. Wir sehen die Hunde aus der Ferne und steigen ab. Bei unklaren Situationen hat es sich bewährt: lieber absteigen, schieben, Hunde nicht beachten (wichtig) und laut unterhalten. Wir würden bei dem Gegenwind und bei der Steigung eh nicht schnell weggekommen. Außerdem wollen wir nicht in den fließenden Verkehr ausweichen. Beim Schieben formieren wir uns - soweit möglich - wie folgt: Hunde, mein Fahrrad, Ich, Fahrrad von Kristina, Kristina. Die Fahrräder schützen uns und mir macht es nix bei den Tieren zu sein. Also: Der Chef der Band, so ein weißer großer Hirtenhund, lässt uns näher kommen. Als wir auf seiner Höhe sind, springt er auf, fletscht die Zähne und bellt aggressiv. Die Haare auf seinem Rücken stellen sich auf. Meine Hundekenntnisse sagen mir: das ist die Vorstufe zur Hölle, mehr Warnsignale sendet ein Hund nicht. Eigentlich sollte man jetzt ganz ruhig bleiben, sich nicht bewegen und langsam den Rückzug antreten. Geht ja nicht, wir müssen ja weiter und einen anderen gibt es nicht. Offenbar sind es die Fahrräder und im speziellen mein Hinterreifen die ihm Angst bereiten. Er springt bellend vor und zurück an mein Hinterrad. Die anderen Hunde kleffen einfach nur. Am Ende passiert nichts. Wir passieren die Einfahrt vom Fabrikgelände. Offenbar ist die Einfahrt der zu schützenden Bereich. Auf den Schreck erstmal eine Feige. Hakuna Matata. Weiter geht's.

    Kurz vor der nächsten größeren Stadt in einem Dorf fragen wir nach einer Wasserquelle. Kurzerhand haben wir Wasser, einen schattigen Zeltplatz auf einem kleinen Fußballplatz mit angrenzendem Spielplatz. Wir sind in der Dorfmitte und bei Einbruch der Dunkelheit kommen alle Frauen (ca.15) aus dem Dorf am Dorfplatz zusammen um zu ratschen. Wir werden sofort herzlich begrüßt und angequatscht. Da ist sie wieder die Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Speziell in diesem Dorf, so lernen wir, sind viele Einwanderer aus dem Balkan. Englisch wird nur rudimentär gesprochen - Google translate ermöglicht halbwegs Unterhaltungen.

    Stellt euch die Szene so vor: Kristina sitzt mir beim Abendessen gegenüber und ihr werden nach und nach Handys ins Gesicht gehalten mit Google-Übersetzungen.
    - Seid ihr verheiratet?
    - Habt ihr ein Kind?
    - Wo kommt ihr her? 
    - Was kostet dein Fahrrad?
    - Wie ist das Leben in Deutschland?
    - etc.

    Die nächsten Tage wird uns die Frage nach Heirat und Kind begleiten. Teilweise wird sofort nach der Begrüßung gefragt. Unangenehm. Wir sind nun meist verheiratet, seit 4 Jahren und die Ringe haben wir zu Hause gelassen, damit sie auf der Tour nicht beschädigt werden. Ja, Verleumdung unseres Lebens. Vielleicht glauben wir es bald selbst. Jedenfalls passt es gut in die Geschichte und bei fehlender sprachlicher Basis ist diese Geschichte umstandsloser zu erzählen.

    Zurück zum Dorf: Ein ruhiger Abend nach einem windigen Tag sieht anders aus. Trotzdem nett. Es folgen Einladungen zum Frühstück. Uns wird eine riesige Wassermelone geschenkt. Wir schneiden und teilen sie mit den Frauen. Das kommt gut an. Wir machen Fotos und alles ist herzlich und nett. Irgendwann gegen 23:00 Uhr wird Kristina eine Dusche angeboten. Mir nicht. Mach, keine Frage. Ich mache eine Katzenwäsche wenn die Meute weg ist. Um 23:45 Uhr kommt Kristina geduscht zurück. Erst dann löst sich die Versammlung auf. Ich wasche mich und brauche noch ein wenig bis ich schlafe kann. Die ganzen Eindrücke muss ich erstmal verarbeiten.

    Einschub Kristina: nach der Dusche (die herrlich war!!)  musste ich flankiert von 3 Frauen noch im Garten Platz nehmen und einen Schwarztee mit viel Milch und Zucker trinken. Zuvor durfte ich nicht zum Hauptplatz zurück.
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  • Tag 57: Wind 2 von 4 & Radrennen

    29. juli 2024, Tyrkia ⋅ 🌙 28 °C

    Heute gefahren: 51km
    Bisher gefahren gesamt: 3.347km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 660hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 29.813hm
    Platte Reifen: 3
    Pausentage gesamt: 13
    Fahrtage gesamt: 44

    Wir wachen früh auf und packen schnell unser Zeug. Jetzt sehen wir die ersten Männer (sie holen Brot bzw bringen Milchkannen von der Weide). Um 08:00 Uhr werden wir zum Frühstück abgeholt. Zuvor bringt uns ein junges Mädel, das am Vorabend bei der Damenrunde dabei war,  von ihrer Mutter frisches und noch warmes  Auberginen Börek vorbei. Kristina ist ebenso fertig, mümmelt erstmal Börek und motiviert sich damit.  Ich fühle mich übermüdet, kaputt, ich stinke und ich möchte meine Ruhe. Die soziale Batterie von uns beiden ist gerade etwas leer.
    Jetzt sitzen wir, im Haus von Fathma, im Wohnzimmer. Ihre Eltern (Ü80) sind auch dabei. Der Mann von Fathma ist verstorben, ihr Sohn ist ausgezogen. Fathma hat Kristina am Vorabend die Dusche angeboten. Fathma wirkt resolut und ich werde kritisch beäugt. Ein Smalltalk mit Händen und Füßen führt uns durchs sehr leckere Frühstück. Da ist sie wieder diese unangenehme und gleichzeitig tolle Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Ich kann das nicht richtig annehmen ich muss mich an so viel Freundschaft mit Fremden erst gewöhnen. Ich bin angespannt und traue mich nicht zu reden oder viel zu essen. Ich möchte doch niemandem Umstände bereiten. Meine Schüchternheit trifft auf türkische Gastfreundschaft und am Ende bin ich demütig über das Glück welches und widerfährt.

    Aufgetischt wir selbstgemachter Käse, Honig, Marmelade, Börek (mit Zucchini-Füllung), Kartoffeln vom Blech, frisches Brot und Tomaten-Gurken-Salat aus dem eigenen Garten. Alles sehr sehr sehr lecker. Wirklich.

    Zur Verabschiedung bekommt Kristina eine Umarmung und ich einen kühlen Händedruck. Wir fahren los und nach 3km stoppen wir um uns zu sortieren. Das konnten wir schlecht bei Fathma im Wohnzimmer machen. Wir sind so fertig von der kurzen Nacht und dem Wind am Vortag, dass wir erstmal Kaffee trinken gehen.

    Nach dem Kaffee warten wieder große und reichlich befahrene Straßen auf uns. Die Sonne brennt und gleichzeitig ist der Wind nochmal stärker als am Vortag. Wir sehen wie die Feuerwehr mit Blaulicht in den Wald hinein fährt. Günstige Bedingungen für einen Waldbrand. Ich muss bergab treten, damit ich nicht stehen bleibe, so sehr bläst der Wind uns entgegen. Ich sehe so offenbar so bemitleidenswert aus, dass ein Transporter anhält und uns anbietet, uns umsonst mitzunehmen. Ich verneine und bereue danach die Entscheidung.

    Ich fahre lieber tagelang bergauf, als auch nur eine halbe Stunde gegen den Wind. Ich bin groß, zusammen mit dem Fahrrad bin ich schwer und biete dem Wind eine große Fläche. Ich kann mich für Fahrten gegen den Wind nicht motivieren und bin schlecht gelaunt. Zudem haben wir keine richtige Orientierung wie es die nächsten Tage für uns weitergeht. Nach Istanbul reinfahren? Mit der Fähre nach Istanbul? Gar nicht nach Istanbul? Wo Pause machen? Welchen Weg wählen wir? Wir möchten auch gerne noch Mal einen Tag Pause machen, doch am Meer sind wir nicht mehr und die Straßenverhältnisse sind nirgendwo so richtig gut. Entweder schlechter oder gar kein Asphalt oder Monster-Bundesstraßen. Eigentlich brauchen wir Mal etwas Ruhe und die nächsten Tage zu sortieren und zu planen.

    Apathisch sitzen wir an einer Tankstelle, snacken und überlegen wie es weitergeht. Wir beschließen zuzufahren, kommen aber nur noch wenige Kilometer weit. Der Wind ist so stark und wir zu schwach.

    Wir kommen an dem Tag einfach nicht sehr weit und landen in einem Dorf mit gutem Platz zum Zelten. Ein kleiner Picknickplatz am Ortsrand. Schattig, ruhig und Wasserquelle nebenan. In der Türkei gibt es wieder Marktstände und wir kaufen noch für 2€ eine riesige Tüte mit Obst und Gemüse. Beim Zeltaufbau werden wir wieder angequatscht und uns wird noch Abendessen geschenkt. Die Familie die uns anspricht hat noch Salat und frisch gegrillte Hähnchen über. Diese bekommen wir. Die ziehen ab und wir bleiben und mümmeln unser Abendessen. Endlich Ruhe. Endlich windstill.

    Gegen 22:30 Uhr und gegen 23:00 Uhr sehen wir zwei extrem gut ausgestattete Radfahrer an unserem Zeltplatz vorbeifahren. Wir recherchieren kurz im Internet und stellen fest: An unserem Zeltplatz führt offenbar die Strecke einer Ultracycling-Radrennveranstaltung vorbei. Das Transcontinentalrace (TCR) ist ein Radrennen und führt dieses Jahr von der belgisch-französischen Atlantikküste (Velodrome in Roubaix) bis nach Istanbul. Mehr als 4.000km Wegstrecke und 40.000 Höhenmeter in 8 bis 10 Tagen. Es dürfen nur Nebenstraßen genutzt werden. Ansonsten kann die Strecke frei gewählt werden. Die Teilnehmer fahren ca. 400km bis 500km am Tag und schlafen nur wenige Stunden. Externe Unterstützung dürfen sie nach Reglement nicht in Anspruch nehmen. Das TCR ist eines der schwersten "unsupported" Rennen der Welt: Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen müssen selbst navigieren, Essen besorgen und sich um Schlafmöglichkeiten in Hotels oder im Freien kümmern. Nicht selten leiden die Teilnehmer aufgrund der Belastung und dem Schlafmangel an Halluzinationen. Da ist unsere Reise nix dagegen. Am nächsten Morgen gegen 07:00 Uhr werden wir noch einen weiteren Fahrer sehen. Lt. Live-Tracker sind 3 der Top 10 Fahrer bei uns vorbeigekommen. Wie aufregend!!
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  • Tag 58: Bergab trampeln = Gegenwind 4/4

    30. juli 2024, Tyrkia ⋅ ⛅ 28 °C

    Heute gefahren: 53km
    Bisher gefahren gesamt: 3.400km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 886hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 30.799hm
    Platte Reifen: 3
    Pausentage gesamt: 13
    Fahrtage gesamt: 45

    Wir hatten eine gute Nacht, die war auch bitter nötig nach dem Vortag. Abgesehen von ein paar echt schlimmen Mückenstichen war der Platz super.
    Vincent ist wie immer früher wach und sieht tatsächlich noch einen TCR-Fahrer vorbei fahren. Wie die das mit so wenig Schlaf bei der körperlichen Belastung aushalten, ist mir ein Rätsel.
    Punkt 8 Uhr setzt der Wind ein, Ausrüstung, Frühstück weht umher und wir schaffen es nur mit vereinten Kräften das Zelt einzupacken. Ein kleines bisschen sind wir jetzt schon wieder genervt, Vincent viel mehr als ich und meine psychischen Aufbauversuche scheitern leider.
    Der Wind ist so stark, dass ich nur im 1. Gang fahre, sonst tendenziell eher 3. Gang und eine hohe Übersetzung und damit viel Widerstand. Es ist kräftezehrend. Zudem geht es wieder viel bergab und bergauf, nahezu wie Rampen schlängelt sich die Straße durch die türkische Berglandschaft.
    Die Landschaft ist schön aber so richtig genießen können wir sie nicht, weil wir nur mit Eigenmotivation und Durchhalten beschäftigt sind. Immerhin ist die Straße gut ausgebaut und der Seitenstreifen gehört uns. Mit dem Erfahrungen am Tag zuvor, wissen wir nun auch welche Straßen wir in der Türkei fahren können bzw. wollen und welche nicht.

    Bei dem Wind brauchen wir nicht noch zusätzlich eine Hundeattacke. Es kommt anders: Ich fahre langsam an 3 Hunden vorbei und „rede“ mit ihnen und sie bleiben ruhig, bei Vincent 200m hinter mir rennen sie ihm dann hinterher. Er schreit (sehr laut - wusste gar nicht wie laut der schreien kann) und beschimpft sie (keine schönen Wörter) und ich trillere noch mit meiner Pfeife.
    Dann rennt der eine Hund über die Straße und wird, weil er hinter einer Rampe (wenn es hügelig ist, entstehen blinde Flecken auf der Straße, die nur spät von Autofahrern voll einsehbar sind) quert, von einem Auto erfasst. Wir hören nur den Rums und das jaulen, sind aber schon einige hundert Meter weiter. Kein schönes Erlebnis und hoffentlich muss der Hund nicht leiden, aber unser Mitleid hält sich auch in Grenzen, denn kurz zuvor ist er noch voll auf Vincent zu. Einschub Vincent: Die wollten wieder an mein Hinterrad bzw. hinteren Fahrradtaschen.

    Danach kommen noch mehrere Dörfer, wo wir sehr, sehr wachsam aufgrund der Hunde durchfahren, aber zum Glück kein Vorfall mehr.

    Endlich haben wir mal den höchsten Punkt erreicht und eine schöne Abfahrt winkt. Dem ist leider nicht so, weil sie sehr technisch ist (Tour de France-Jargon) mit vielen engen und scharfen Kurven und noch schlechterem Asphalt. Zudem treffen uns immer wieder Windböen und wir müssen ordentlich dagegen halten. Und teilweise müssen wir aufgrund des Windes sogar bergab treten. Ahhhh.

    Mal wieder sind wir nicht weit gekommen und essen aus Frust und zur Motivation Börek, Pide und trinken Kaffee. Danach geht es direkt an der Küste weiter. Der Wind ist so heftig, zwischen uns entsteht ein Abstand von mindestens 30 Minuten. Vincent ist deutlich langsamer als ich. Ich warte irgendwann auf einer Bank bis er kommt. Erneut diskutieren wir, wo möglicherweise Schlafplätze sein können und wie dort die Infrastruktur ist. Wir wissen es beide nicht genau und uns beide nervt die Ungewissheit und der Wind.

    Die Hitze, die Berge, der Straßenverkehr, die Hunde prallen an uns ab. Der Wind in Verbindung mit einem fehlenden Pausentag bricht uns und führt dazu, dass wir dünnhäutig werden und über Nichtigkeiten diskutieren. Wir würden ja auch eine Unterkunft nehmen, nur sind wir in einer touristischen Region und das was noch frei ist, ist sein Geld nicht wert.

    Am Ende wird, wie immer, alles gut. Wir finden noch eine Wasserstelle inkl. Platz für unser Zelt an der Küstenstraße. Hier füllen die Leute ihre Gallonen auf oder waschen ihr Auto. Am Abend kommt noch eine Familie mit einem LKW die 1 1/2 Stunden nur Wasser abzapfen. Sieht aus wie eine landwirtschaftliche Nutzung.

    Mit der Dunkelheit lässt der Wind nach und wir hören nur noch das Meeresrauschen. Gegen 03:00 Uhr beginnt irgendwo ein Hund zu bellen und gegen 05:00 Uhr hört das Vieh endlich auf. Wir lernen: auch wenn am Abend alles nach einer guten Nacht aussieht, kann trotzdem immer noch etwas dazwischen kommen.
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  • Tag 59: Die Motivation steigt wieder

    31. juli 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 26 °C

    Heute gefahren: 70km
    Bisher gefahren gesamt: 3.470km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.286hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 32.085hm
    Platte Reifen: 3
    Pausentage gesamt: 13
    Fahrtage gesamt: 46

    Nach einer wirklich guten Nacht bis auf die 3-5 Uhr, in der Zeit hat ein Hund durchgehend gebellt. Selbst mit Oropax war das hörbar. Ich liege auf einer platten Matratze, jetzt muss ich mich wirklich darum kümmern. Sonst schlafe ich in den nächsten Wochen hart - im wahrsten Sinne des Worte.

    Wir sind motiviert, weil wir heute über die Berge an der Küste auf dem Weg nach Istanbul fahren und damit hoffen, von der Windschneise wegzukommen.
    Heute können wir die schöne Küstenlandschaft wieder besser genießen. Es ist kaum etwas los auf der Straße, der Wind pfeift und die Wellen knallen an den Strand.
    Dann geht’s bergauf für uns - erst steil dann in den altbekannten Wellen (bisschen abfahren, Anstieg und von vorne). Wir kommen durch ein richtig schönes Dorf, wo das Dorfleben seinen Lauf geht. Es wird gewerkelt, im Café gesessen (nur Männer - wie überall in den Cafés) und auf der Straße geplauscht.
    Wie erhofft, ist der Wind tatsächlich fast weg und nochmals denken wir, wie viel lieber wir bergauf anstelle gegen den Wind fahren.
    Die Abfahrt hat es ganz schön in sich: sehr enge Kurven, sehr steil, teils schlechter Asphalt und je tiefer wir kamen, desto windiger. Fast am Ende der Abfahrt denken wir zwei Reiseradler am Wegesrand zu sehen, wir halten an: Zwei türkische Jugendliche, um die 20, mit einfachen Rädern. Sie sind aus Istanbul und fahren mit den Rädern nach Cannakale - ca. 4-5 Tage wollen sie unterwegs sein. Sie sind von unserer Ausstattung beeindruckt. Und wir von ihrer: Auf dem Gepäckträger sind jeweils ein kleiner metallener Einkaufskorb gespannt mit einem riesigen Zelt, einem Grillrost und ein Sieb. Der eine hat noch nicht mal einen Helm.
    Wir bestärken sie ihn ihrem Vorhaben und müssen sie leider bei der Frage, wie weit es noch hoch geht, enttäuschen: gute 20km. Sie sind ja erst am ersten Hügel.
    Wir tauschen noch Zeltplatzempfehlungen aus und dann steuern wir ein Köfte Restaurant an. Der Besitzer ist sehr nett, das Essen (Linsensuppe, Köfte mit Reis, Bohnensalat und gemischten Salat) sind sehr lecker. Er erzählt uns in überraschend gutem Englisch, dass er nächstes Jahr auch sein Land auf dem Rad erkunden möchte.

    Nun kommen wir endlich in Tekirdåg an. Wusselige aber auch schöne Stadt. Zuerst überlegen wir über Nacht zu bleiben, dann entscheiden wir aber weiterzufahren, da wir gerade im Fahrrad Flow sind.
    Zuvor haben wir aber noch neues weißes Gold geholt: Sonnencreme im Rossmann.
    20 EUR für 2x400g
    Warum ist Sonnencreme im Ausland immer so teuer? Weil es die Leute so oder so brauchen und den Preis zahlen?
    2 Tage zuvor haben wir uns in einer lokalen Drogerie eine 50er Sonnencreme gekauft. Wir sehen aus wie Geishas 🎎, wenn wir eingecremt sind. Wie diese alten Sonnencremes von früher. Dann lieber 20 EUR und wir wissen, dass wir die Sonnencreme mögen und nicht komplett eklig fühlen.

    Nach Tekirdåg ging’s dann ab auf die Schnellstraße - Seitenstreifen fahren geht ganz gut und wir kommen in den Zufahrmodus und treten einfach - Wind hin oder her. Manchmal müssen wir ganz schön gegenhalten, wenn ein LKW vorbei fährt. Rechts schlängelt sich das Marmerameer entlang und zunehmend Ferienunterküfte, so genannte Sitesis. Wir wissen noch nicht, ob man die mieten kann oder ob es Ferienwohnungen im Eigenbesitz sind. Teilweise richtige Gated Communities mit Tor und Supermakt.
    Den benötigen wir jetzt auch. Das erste Mal fahren wir kein Essen umher, d.h. vor der Zeltplatzsuche erstmal essen kaufen.
    Es kommt nicht häufig vor, dass mehrere km kein Supermarkt kommt, diesmal schon, dh wir fahren weiter. Wir müssen nur vor der nächst größeren Stadt einen Platz finden, denn je näher an die Stadt, desto nerviger und schlechter wird die Verfügbarkeit von Zeltplätzen.
    Zudem würden wir gerne noch einen Pausetag einlegen bevor wir nach Istanbul fahren, denn wir haben in den letzten Tagen soviel erlebt, das müssen wir erstmal verarbeiten.

    Am Strand auf einem kleinen Betonplateau unter einem Olivenbaum finden wir einen guten Platz und je nachdem wie die Nacht wird, wäre das ein guter Platz für einen Tag am Strand.
    Zuvor klebe ich mit Sekundenkleber noch meine Matte, wie es mir der online Support von meinem Mattenhersteller empfohlen hat und hoffe, dass ich wieder weicher schlafe.
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  • Tag 60: Strandtag!

    1. august 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 29 °C

    Heute gefahren: 0km
    Bisher gefahren gesamt: 3.470km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 32.085hm
    Platte Reifen: 3
    Pausentage gesamt: 14
    Fahrtage gesamt: 46

    Die Nacht war sehr ruhig, wir haben gut geschlafen und die Luft blieb in meiner Matratze, der Strand ist um 6:45 Uhr noch fast leer. Nur ein paar sportelnde türkische Opis sind unterwegs.
    Unserem Pausetag, den wir weniger körperlich als mental benötigen, steht also nichts im Wege. Wir frühstücken ausgiebig am Strand, trinken Kaffee und schauen aufs Meer.
    Dann verarbeiten wir erstmal die letzten Tage mit Hilfe von Footprints und planen Istanbul ein bisschen und sitzen einfach nur herum.
    Dabei füllt sich der Strand zunehmend, viele Familien und Frauen mit Kindern kommen mit Hab und Gut und bauen ihr Tagescamp auf.
    Und ich hole mir einen ordentlichen Sonnenbrand - von wegen Schatten. Als wüsste ich das nicht.

    Unsere Beobachtungen in der Türkei bisher (nicht nur am Strand) 🇹🇷

    🧍🏻‍♀️🧍🏼‍♂️persönlicher Abstand: überall wird sich vorbei gedrängelt. Von der Supermarktkasse, mit dem Roller auf der Straße an uns eng vorbei, obwohl auf der anderen Seite genug Platz ist oder auch Strand rückt man sich sehr auf die Pelle. Keiner würde sich in Deutschland direkt vor unser Zelt setzen oder zwischen unsere Räder und unser Zelt. Hier schon.

    🗑️🚯 Müll ist hier weiterhin ein Thema. Liegt überall rum, überall Plastiktüten. Manche Leute nehmen ihren Müll mit, viele aber auch nicht.

    💋💏 Im öffentlichen Raum haben wir kaum Berührungen oder gar Küsse unter Paaren wahrgenommen. In größeren Städten schon eher aber in den ländlichen Gebieten kaum. Hätte ich so nicht erwartet. Aber wir sind ja auch erst 4 Tage in der Türkei und haben kaum etwas gesehen.

    👗🎽👚👙 die Bekleidung am Strand ist sehr vielfältig: mit Bikini oder Badeanzug ins Wasser, mit langer Hose und längerem Oberteil - manchmal mit, manchmal ohne Kopftuch oder arabische Touristen auch mit schwarzem Gewand. Männer immer nur in Badehose.

    🪑🌊🏖️ wie schon in Griechenland, bringt man seinen Strandstuhl mit zum Strand. Oder einen Outdoorteppich, die Teile, die bei uns auf den Balkonen liegen. So gut wie niemand legt sich in den Sand. Verständlich.

    🤑❓🤑❓🤑 ❓Wir mussten bisher schon mehrfach den Touristenpreis bezahlen. Einheimische zahlen offensichtlich weniger. Wir werden erst gefragt wo wir herkommen und plötzlich steigt der Preis. Auch gut wenn dann die eigentlich sehr guten Englischkenntnisse rapide abnehmen, wenn es um die Aufschlüsselung der Rechnung geht. Das ist unehrlich, einfältig, heuchlerisch und offensichtlich. Gerade wenn vorher noch großes freundliches Interesse an unserer Reise gezeigt wurde. Schade. Kennen wir so nicht und würden wir in Deutschland nicht tun. Was ist deren Vorstellung von Deutschland? Wie begegnen wir solchen Situationen? Zwei mal ist Vincent zurückgegangen und hat die Leute nach einer detaillierten Aufschlüsselung gefragt. Das führt nur zum Teilerfolg.

    🍭🌯🍨 Es wird immer und überall gesnackt. Chipstütchen, Nüsschen, Nussriegel, Datteln, Sonnenblumenkerne (inkl. un-appettitlichem ausspucken der Schale, immer und überall), Eis, Softeis, TK-Eis, Cola (immer groß) etc. Die Imbisse sind voll. Es gibt wirklich gute Imbisse. Würde ich den ganzen Tag Snacken hätte ich keinen Appetit mehr auf eine Mahlzeit.

    🥴🔪😶💉🫨In Istanbul fallen uns viele Menschen auf, die sich einer Schönheitsoperation unterzogen haben. Viele wunde und verbundene männliche Köpfe, ein paar bandagierte Nasen, wer schön sein will muss leiden.
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  • Tag 61: Ab nach Istanbul

    2. august 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 30 °C

    Heute gefahren: 79km
    Bisher gefahren gesamt: 3.549km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.000hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 33.085hm
    Platte Reifen: 3
    Pausentage gesamt: 14
    Fahrtage gesamt: 47

    Unser Plan für Istanbul ist, bis zum ersten Halt der so genannten Metrobüs zu fahren (ca. 75km und 1000hm), um dann damit die letzten 30-40km in den Stadtkern zu überbrücken. Da wir aber nicht wissen, ob er uns mit nimmt und wir nicht doch noch die restlichen km selbst fahren müssen, stehen wir früher auf.

    Vincent hat schon Frühstück vorbereitet, als ich um 6 Uhr aus dem Zelt krabble. Um 8 Uhr geht's schließlich los. Unsere 2h am Morgen haben wir immer noch nicht unterboten.
    Wir kommen gut voran auf der Schnellstraße solange ein großer Seitenstreifen da ist.
    Wir fahren ein gutes Tempo mit 25km/h bei den ganzen hoch- und runter-Rampen im fließenden Schnellstraßenverkehr. Irgendwann bin ich echt fertig und dünnhäutig: die Autos sind zwar relativ rücksichtsvoll aber der stetige Lärm, aufmerksam sein, die Hitze.
    Wir machen eine Pause in einem Café und beim Bezahlen wird getuschelt und wir zahlen offensichtlich zu viel. Wir gehen zurück aber es wird nicht zugegeben. Bei kg-Angaben beim Börek, das schon verzehrt ist, auch schwierig nachvollziehbar.
    Nervt uns wirklich und hinterlässt einen faden Beigeschmack.
    Wir nehmen uns vor, immer zuvor zu fragen, was etwas kostet. Mehr können wir nicht tun und offenbar gibt es seit 2024 ein Gesetz, das vorschreibt, dass die Preise angeschrieben sein müssen.

    Also weiter auf der Schnellstraße kämpfen, endlich kommen wir an der Endhaltestelle des Metrobüs an.
    Wir gehen zur Schranke, der Typ sagt wir dürfen die Räder nicht mitnehmen. Vermutlich sieht er meinen entsetzten und erschöpften Gesichtsausdruck. Wir zeigen ihm die Beförderungsbedingungen, die besagen, dass eine Mitnahme zwischen 10 und 16 Uhr erlaubt ist. Er macht ein Foto von uns und unseren Rädern und fragt per WhatsApp in der Zentrale an.
    Juhu die Zentrale erlaubt es!!! Wir sind glücklich und können in den Bus einsteigen.
    Der Metrobüs ist eine ansichtig aus Metro und Bus - eigentlich aber ein normaler Bus. Die Besonderheit ist, dass er die Außenbezirke der Stadt anbindet und das sehr schnell. Es wurde nämlich zwischen die Fahrbahnspuren der Schnellstraße eine separate Spur gebaut. Mit Fußgängerbrücken und Drehkreuzen sind die Haltestellen zugänglich. Teilweise wurden innerstädtisch auch extra Brücken für den Metrobüs gebaut. Spannendes Konzept, wenn die U-Bahn nicht weit aus der Stadt ragt und sonst nur Busse und ein paar einzelne Tram-Linien in der Stadt fahren. Einer Stadt mit 15 Mio. Einwohnern!
    Nach 50min fahrt haben wir die letzten 40km zu unserer Unterkunft in die Innenstadt überbrückt und fahren die letzten 5km zu unserer Wohnung.
    Die liegt in Zeyek, einem Stadtteil von Fatih - eher muslimisch geprägt und absolut nicht touristisch. Die Wohnung ist sehr schön. Wir fühlen uns sofort wohl und haben nach unseren Waschaktionen einen herrlichen Abend auf der Dachterasse.
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  • Tag 62: Istanbul zu Fuß

    3. august 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 31 °C

    Heute gefahren: 0km
    Bisher gefahren gesamt: 3.549km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 33.085hm
    Platte Reifen: 3
    Pausentage gesamt: 15
    Fahrtage gesamt: 47

    Ohne Worte! Eine riesige und überwältigende Stadt. Ein schöner weiterer Pausentag!Les mer

  • Tag 64: Istanbul - eine tolle Stadt

    5. august 2024, Tyrkia ⋅ ⛅ 25 °C

    Heute gefahren: 0km
    Bisher gefahren gesamt: 3.549km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 33.085hm
    Platte Reifen: 3
    Pausentage gesamt: 17
    Fahrtage gesamt: 47

    Was für eine Stadt! Selbst wenn man keine Großstädte mag, würde ich jedem Istanbul empfehlen!
    Die Stadt bietet alles - nicht nur kulinarisch auch kulturell und gesellschaftlich. Hippe Viertel wie Moda, Kadiköy, Üsküdar oder unser eher traditionell und muslimisch geprägter Stadtteil Zeyrek in Fatih.
    Überraschenderweise ist die Stadt gut zu Fuß zu entdecken, zumindest die einzelnen Stadtteile. Dazwischen haben wir meist die Fähren genutzt oder den Bus. Googlemaps war sehr verlässlich bzgl. Linien und Uhrzeiten und mit der Istanbulcard, einer Art Prepaid Karte steigt man ein, hält sie vor den Leser beim Fahrer und es werden ca. 80 Cent pro Fahrt abgebucht.

    Wie immer haben wir auch eine free Guide Tour mitgemacht. Und bereits die Gruppe war super spannend und das absolute Highlight für Vincent - andere freuen sich Taylor Swift oder Adele zu sehen, Vincents über einen TCR-Fahrer!!!
    Wie haben wir ihn erkannt? Ledrige braune Haut vom Radtrikot bzw. -hosen und er hat im Gras geschlafen. Wir haben den TCR Channel gecheckt und tatsächlich ein Bild von ihm entdeckt - jetzt konnten wir ihn ganz sicher ansprechen! Wir sind ganz aufgeregt gewesen. Er (Tim Wijnants) ist Belgier und hat das Rennen tatsächlich beendet - in etwas mehr als 13 Tagen. Tim Wijnants (47) mit der Startnummer 174 ist in 13 Tagen 17 Stunden 5 Minuten eine Strecke von 4.320km gefahren. Von Roubaix nach Istanbul. Er besetzt Platz 53. Er hatte die gleiche Durchschnittsgeschwindigkeit wie die TOP 10 Fahrer, nur seine Phasen in denen er sich ausgeruht hat, waren einfach länger. Frau und Tochter haben in im Ziel erwartet. Sie machen jetzt noch ein paar Tage Urlaub in Istanbul. Verrückt. Es war sein erstes so langes Rennen. Und er hat regelmäßig geschlafen ca. 6-8h pro Nacht und nicht so wie die Top 10 zwischen 2-4h. Man kann es als „Normalo“ schaffen, wenn man einen guten Plan hat und viel trainiert. In den ersten 6 Monaten des Jahres ist er 10.000km gefahren.
    Irgendwie sind wir plötzlich in dieses Ultracycling rabbit hole abgetaucht… haben Podcasts gehört (Empfehlung: „Sitzfleisch“), haben „dot Watching“ betrieben (auf einer Internetseite die Punkte mit Namen der Fahrer auf der Landkarte verfolgt) und uns manchmal während unseres Fahrens gefragt, wie man am Tag 400km oder sogar 600km fahren kann.

    Aufgrund dieser aufregenden Begegnung ist bei Vincent von der Stadtführung nicht soviel hängen geblieben…
    Dann war da auch noch ein Schweizer Pärchen mit einem Neugeborenen, die sich 1 Jahr Zeit nehmen, ihre Jobs gekündigt haben und in den Iran reisen - der Kleine hat auch super bei de Stadttour mitgemacht.
    Und ein Pole, der in Irland lebt und den höchsten Berg der Türkei im Osten des Landes in der Nähe der iranischen Grenze bestiegen hat (scheint bereits Mount Everest Touristen-Ausmaße anzunehmen!)

    Nach der Tour suchen wir uns ein Restaurant und essen Çiğköfte (rohe, kräftig gewürzte Frikadellen aus Bulgur). Sehr lecker!
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  • Tag 65: 500gr. Baklava Istanbul

    6. august 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 31 °C

    Heute gefahren: 0km
    Bisher gefahren gesamt: 3.549km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 33.085hm
    Platte Reifen: 3
    Pausentage gesamt: 18
    Fahrtage gesamt: 47

    Wissenswertes aus unserer Tour:
    🕌 Im Islam werden Heilige bzw. Personen nicht dargestellt, daher immer die Mosaiken in der Moschee und keine Abbilder.

    🕌 Warum haben Moscheen unterschiedliche Anzahl an Minaretten? Es liegt am Auftraggeber, wie viele Minarette er bestellt, jedoch durfte früher nur der Sultan mehr als 1 Minarett bestellen.

    🚗🚙 Warum fährt die Istanbuler Polizei in Maseratis und Porsches?
    In der Wirtschaftskrise brauchte die Türkei ausländisches Kapital, d.h. mit einer Investition von 250.000 EUR im Land, z.B. einem Wohnungskauf, erhielt man die türkische Staatsbürgerschaft. Praktisch. Damit kam auch sehr dreckiges Geld ins Land,z.B. Drogenhändler. Nachdem sich die Lage wieder erholt hatte, hat man die „Bösen“ verhaftet und ihr Vermögen konfisziert. Dabei sind die Luxuskarossen im Staatsverkehr gelandet.

    👳🏻‍♂️ Wie wurde man früher Sultan (islamischer Herrschaftstitel, der über einem Sultanat herrscht).
    Indem man seine Brüder hat töten lassen, denn nur so wurde Stärke bewiesen. Es galt nicht das Gesetz der Ältesten. Erst Sultan Ahmed hat das Gesetz geändert. Er hat auch die Sultan-Ahmed Moschee in Istanbul in Auftrag gegeben - sie wird auch Blaue Moschee genannt (aber nur von Touris, kein Türke kann damit etwas anfangen)

    🛍️🛒 Der Große Basar in Istanbul - mehr als 4.000 Geschäfte in einem Gewölbesystem, hier wird Geld in allen Währungen umgesetzt und Millionen am Tag. Es gibt auch die Wechselstuben mit dem besten Kursen (viel besser als am Geldautomaten).
    Um den Basar gibt es noch mehr Geschäfte. Wenn man in Istanbul etwas auf sich hält, z.B. als Juwelier, dann benötigt man unbedingt eine Filiale im Großen Basar.
    Wie die Geschäfte ihr Geld machen, ist uns schleierhaft, da es teilweise 20 Geschäfte mit dem gleichen Angebot gibt. Von Gewürzen bis Fake-Klamotten und natürlich Gold und Diamanten ist alles dabei.
    Die Waren werden von Trägern durch die engen Gassen getragen oder mit etwas größeren Sackkarren transportiert - unglaubliche Mengen.

    ⛪️🔔 Die Hagia Sofia - eines der Wahrzeichen von Istanbul. Mehr als 1.600 Jahre alt und in nur 5 Jahren erbaut.
    Sie ist älter als der Islam selbst, daher kann die bekannte Kuppel einer Moschee gar nicht ursprünglich aus dem Islam stammen, sondern vermutlich hat der Islam diese Form übernommen. Zuerst wurde die Hagia Sofia als byzantinische Kirche genutzt, erst ab dem 15. Jahrhundert als Moschee bis Atatürk beschlossen hat, es als Museum für alle zugänglich zu machen - kostenlos. Bis 2020 als Erdogan es als Wahlgeschenk wieder zur Moschee umwandeln lies. Und zudem bietet es sich als Einnahmequelle an, sodass es jetzt halb Moschee halb Museum ist und seit 2024 mit 25 EUR Eintritt!

    🏰 im Topkapi-Palast lebten die Sultane mit ihren >20 Ehefrauen und > 500 Konkubinen sowie Eunuchen (kastrierte Männer), die über das Harem wachten. Konkubine sein, war erstrebenswert, da man eine höfische Ausbildung erhielt.
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  • Tag 66: Abreise Istanbul

    7. august 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 31 °C

    Heute gefahren: 35km
    Bisher gefahren gesamt: 3.584km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 256hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 33.341hm
    Platte Reifen (Kristina): 4
    Pausentage gesamt: 18
    Fahrtage gesamt: 48

    Verabschiedung von „unserer“ Pide-Nachbarschaftsbäckerei. Hier wurden von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr morgens Pide gebacken in unterschiedlichsten Variationen.
    Hier gibt es aber kein Brot oder Simit, das habe ich dann 2 Bäckereien weiter geholt.
    Danach haben wir noch gemütlich gefrühstückt und sind dann zur Fähre aufgebrochen. Bis auf einen kleinen, lustigen Vorfall in der Wartehalle der Fähre unspektakulär.

    Die ca. 100 Sitzplätze in der Wartehalle waren weitestgehend frei. Wir setzen uns an den Rand der Halle und stellen unsere Räder neben uns. Eine Mutter mit ihrem Sohn bringt es tatsächlich fertig, sich zwischen uns und den Rädern durchzuquetschen. Sie fragt sogar noch ob wir Platz machen können. Dabei bleibt sie dann auch noch an einem Rad hängen und stürzt fast. Sie hat offenbar überhaupt nicht wahrgenommen, dass ein Großteil der Wartehalle frei ist und sie auch einfach woanders hätte sitzen können. Selbst andere Leute schütteln den Kopf. Diese Situation ist symbolhaft und begegnet uns sehr oft. Gerade in den Städten ist alles sehr eng. Jeder quetscht sich immer überall durch. Man ist das gewohnt. Dabei geht auch offenbar der Blick für freie Flächen verloren. Man sieht nur noch die Nische und sonst nichts mehr. Am Ende der Bootsfahrt winkt uns die Mama lachend zu und verabschiedet sich.

    Es handelt sich um einen Sea Bus, das heißt, wir durften die 3h nicht zu unserem Gepäck und mussten auf unseren reservierten Sitzplätzen sitzen. Die Plätze lagen zufälligerweise direkt neben denen der Mutter mit Sohn.

    Uuund mein Reifen war nach der Bootsfahrt wieder platt. Extrem ärgerlich, denn der defekte Mantel hat gescheuert. Zumindest dachte ich das, aber das Loch konnte ich bisher noch nicht finden.

    Also neuer, alter Schlauch rein und bei der Gelegenheit gleich die Mäntel von Vorder- und Hinterreifen vertauscht, sodass auf dem defekten Mantel weniger Gewicht ist.

    Und nun ist klar, woher die Lebensmittel der Türkei kommen. Ab Bandirma überall Hühner- und Kuhmastbetriebe (die wie die Pest stinken und sicherlich keine Tierwohlstandards haben), jede Menge Fabriken für alles Mögliche aber vor allem Landwirtschaft. Mehr als die Hälfte der Fläche der Türkei wird landwirtschaftlich genutzt.
    Unsere Straße für die nächsten Tage (wir nennen sie nur eine „grüne“, weil sie in unserer Karte grün sind): zweispurig mit breitem Seitenstreifen und von der Gegenspur getrennt - hier gibt es nur bei Orten oder alle paar km die Möglichkeit zu wenden. Also schon Autobahncharakter aber gut zu fahren und nicht ganz so schnell.

    Wir sind noch einige km gefahren, um einen Schlafplatz zu finden. In der Nähe einer Thermalquelle und einem Hotel, das definitiv seine besten Zeiten hinter sich hatte. Aber wir hatten eine gute Nacht.
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  • Tag 67: Landwirtschaft 🍅🍅

    8. august 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 20 °C

    Heute gefahren: 108km
    Bisher gefahren gesamt: 3.692km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.276hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 33.617hm
    Platte Reifen: 4
    Pausentage gesamt: 18
    Fahrtage gesamt: 49

    🍅!!! Tomaten überall. LKWs voll mit Tomaten fahren an uns vorbei - in beide Richtungen.
    Die Tomaten wachsen nicht in den Gewächshäusern, sondern auf Feldern - eher in Büschen und flach auf dem Feldern.
    Teilweise sind sie auch in Kisten verpackt, d.h. das sind wohl die Supermarkt-Tomaten, der Rest geht zu großen Verarbeitern: unter anderem Heinz (Heinz Ketchup etc.), wo tonnenweise Tomaten warten.

    Ansonsten ging’s gut voran für uns, immer auf der gut ausgebauten, manchmal auch stärker befahrenen Straße entlang. Aber mit Seitenstreifen.
    Abends finden wir einen windigen Zeltplatz, aber wunderschön und mit Wasserstelle.
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  • Tag 68: Obst 🍈🍉und 🍆 🌶️🫑

    9. august 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 34 °C

    Heute gefahren: 124km
    Bisher gefahren gesamt: 3.816km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 808hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 34.425hm
    Platte Reifen: 4
    Pausentage gesamt: 18
    Fahrtage gesamt: 50

    Rückenwind seit einem Tag - das müssen wir ausnutzen!
    Wir rollen. Vorbei an jeder Menge Melonen - wir lernen, dass viele Regionen ihre eigene Melonensorte haben. Leider kaufen wir kaum Melonen, einfach zu schwer.
    Weiter geht’s vorbei an Paprika und Auberginen. Viele liegen auch auf dem Seitenstreifen - vermutlich von den unzähligen LKWs heruntergefallen. Wir als alte Lebensmittelretter lesen sie natürlich auf.
    Feigen- und Pfirsichbäume werden natürlich auch nicht ausgelassen. Teilweise fahren wir 2-3kg Obst mit uns herum :)
    Mittags machen wir Pause in einem kleinen Ort, trinken Kaffee, essen cîg Köfte und sind motiviert weiterzufahren. Kurzer Einschub zur Mittagspause: Jemand möchte uns beim Mittagessen davon überzeugen, dass unsere Fahrräder nicht da stehen dürfen wo sie stehen. Irgendwo steht ein Schild dass im Park in dem wir sitzen, keine Fahrräder erlaubt sind. Da wir fast die einzigen Personen im Park sind und gerade Mittagessen, verstehen wir leider leider nur sehr wenig und werden irgendwann in Ruhe gelassen. Im übrigen ist die Person mit einem alten Mercedes mitten in den Park hineingefahren und hat dort geparkt. Was für ein Problem machen da zwei Fahrräder?
    Weiter geht's!
    Da es sehr karg ist, benötigen wir einen Schlafplatz mit Schatten. An einer Wasserstelle in einem Dorf lädt uns ein Mann ein, auf seinem Grundstück im Dorf zu schlafen. Er hält da Tiere und wohnt ein paar Orte weiter. Ehrlich gesagt, wussten wir nicht, auf was wir uns da eingelassen haben. Es ging vorbei an 2 riesigen Hunden und dann in eine Art riesige Hühnerzucht von unterschiedlichsten Arten Federvieh - Hühner in all ihren Variationen, Hähne, Enten.
    Alles sehr rumpelig. Aber fließend Wasser und Strom. Es gibt ein kleines Häuschen mit einem alten Sofa. Erst wollten wir auf unseren Matten da drin schlafen, entscheiden uns dann aber doch für unser Zelt im Innenhof.
    Die Enten sind sehr neugierig und es herrscht eine laute Geräuschkulisse - nach dem Autoverkehr auf unserem Highway könnte es auch mal etwas ruhiger sein.
    Pünktlich zum Sonnenuntergang geht das Federvieh brav schlafen und bis auf die Hunde vom Nachbargrundstück, bestimmt 5-6 Stück, die unsere Abwesenheit wohl riechen.
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  • Tag 69: Trauben und Feigen satt

    10. august 2024, Tyrkia ⋅ ☀️ 37 °C

    Heute gefahren: 103km
    Bisher gefahren gesamt: 3.919km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.063hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 35.488hm
    Platte Reifen: 4
    Pausentage gesamt: 18
    Fahrtage gesamt: 51

    So nett der Mann nach unserer langen Tour auch war, so schlimm war die Nacht mit Hähnen, anderen Federvieh und vor allem dem Hundegebell vom Nachbargrundstück.
    Ich habe seit 4 Uhr nicht mehr geschlafen.
    Das einzig aufbauende war das super leckere Feigenfrühstück, das Vincent schon vorbereitet hat. Naja mit Kaffee komme ich durch den Tag aber die nächste Nacht muss ruhiger werden.
    Ab auf den Highway, an unglaublichen Traubenfeldern entlang. Soweit das Auge blickt, kilometerweit.
    Überall wird geerntet, kleine und große LKWs mit Trauben in Kisten oder Tonnen von Trauben in großen Kippern (vllt. Weiterverarbeitung zu Rosinen?!) fahren überall herum. Teilweise fahren ganze Busse mit Erntehelfern zu den Feldern. Wir sehen auch deren Unterkünfte: Zelte aus Planen am Straßenrand…

    Die Landschaft ist toll, es geht auch viel bergauf und in bergige Hochebenen - wieder alles voller Trauben. Anscheinend ein perfektes Klima.
    Wir fahren ab nach Saraköy - mit jedem Meter wird es wieder heißer und beschließen dort einen Schlafplatz zu suchen.
    Pinienwald Nr.1 scheidet schon mal aus, weil daneben eine Hochzeitslocation ist und gerade ein ohrenbetäubender Sound Check gemacht wird. Nach dem Ort auf einem Feldweg finden wir ein schönes Feld - mit Schatten und Ruhe - hoffentlich weit genug entfernt von Hunden und Hühnern.
    2h später ist es vorbei mit der Ruhe, ein Mann auf einem Fahrrad (der Traubenmann) kommt vorbei und bringt uns Trauben, Feigen und Pfirsiche. Er will uns überzeugen mit zu ihm nach Hause zu kommen, wir lehnen ab. Wir brauchen einfach eine ruhige Nacht und keine soziale Interaktion.
    Die haben wir auch nach einem sehr schönen Sonnenuntergang.
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