Indian Church Village und Lamanai
May 27, 2023 in Belize ⋅ ⛅ 36 °C
Als ich Mexiko verließ, hatte ich an der Grenze noch genau 2 Dinge zu erledigen: ich durfte mir einen Ausreisestempel abholen und damit wurde mein 180-Tage-Visum ungültig und das TIP (Temporary import permit) für den Isuzu musste aufgelöst werden. Ersteres ging schnell und mit Verwunderung nahm die Zollbeamte zur Kenntnis, dass ich keinen Einreisestempel im Pass besaß, sie nahm es aber hin. Als ich im Januar die USA in Richtung Mexiko verließ, bekam ich das Visum zwar in Papierform ausgehändigt, aber den Stempel erhielt ich nicht und angeblich sei er wohl auch kein MUSS. Das Auflösen der zeitlich beschränkten Einfuhr vom Auto dauerte etwas länger. Der Wagen wurde genau inspiziert und es wurden Fotos gemacht. Am Schalter erhielt ich dann ein Ticket mit der Bestätigung, dass ich meine, bei Einfuhr bezahlte Kaution zurück erhalte. Dies geschah innerhalb von 3 Tagen, jedoch musste ich mich mit etwa USD 40 weniger zufrieden geben, als ich bei Einreise zahlte. Jemand sagte mir später, dass es mit Wechselkursschwankungen und Bearbeitungsgebühren zusammenhängen könne.
Weiter ging es zur Belize Grenze. Zuerst fuhr ich in eine Art Waschanlage, wo internationale Fahrzeuge für USD 5 desinfiziert werden. Das Ganze dauerte
1 Minute und das Auto sah hinterher furchtbar aus. Anschließend machte ich mich zur Immigration auf. Ich erhielt mein 30-tägiges Touristenvisum und für BZD 30 (Belize Dollar = 2:1 zum USD) gab es die Einfuhrerlaubnis für das Auto. Als letzte Amtshandlung an der Grenze schloss ich noch eine Fahrzeugversicherung für einen Monat in Höhe von USD 60 ab und tauschte den Rest meiner mexikanischen Pesos in BZD um. Nachdem alles erledigt war hieß es: „Welcome to Belize,“ dem einzigen englischsprachigen Land in Zentralamerika. Das machte es schonmal einfacher.
Ich fuhr zuerst in die grenznahe Stadt Corozal. Hier sah es bereits ganz anders aus als in Mexiko. Das Flair war viel karibischer, die Bevölkerung ein Mix aus verschiedenen Ethnien, die Häuser bestanden meist aus Holz und wegen den Hurrikanen wurden sie erhöht gebaut. Da es bereits Samstagnachmittag war und die Uhren hier aufgrund der langen englischen Kolonialisierung eher europäisch ticken, beeilte ich mich, um noch eine SIM-Card zu bekommen, einen ATM zu finden und ein paar Einkäufe zu machen. Die meisten Lebensmittelgeschäfte befinden sich in Belize übrigens in chinesischer Hand, so auch in Corozal. Das Angebot an Waren ist umfangreich und die Preise sind ungewohnt hoch.
Nachdem ich alles erledigt hatte, hieß es zu entscheiden, wohin mich die heutige Fahrt führen solle. Zuerst wollte ich nur eine kurze Strecke bis zu einem unweit von einer Lagune gelegenen Campingplatz fahren, entschied mich jedoch anders. Ich schaffte es in südlicher Richtung bis nach Indian Church Village, von wo aus man die Ruinen von Lamanai fussläufig erreichen kann. Die Fahrt war zuerst einmal sehr angenehm. Ein gut ausgebauter Highway führte mich gen Süden bis zum Abzweig Lamanai und von da an dauerte es länger. Ich fuhr ewig auf Schotterpisten durch Mennonitenland. Das Bild hier war ähnlich wie schon in Salamanca in Mexiko und die Lebensweise dieser Menschen faszinierte mich noch immer. Als ich es endlich ins Dorf geschafft hatte, fuhr ich zielstrebig zu einem Campingplatz, der mir von Reisebekannten empfohlen wurde.
Ich kam auf dem Grundstück einer lokalen 4-köpfigen Familie an und konnte auf Spendenbasis auf deren Wiese stehen. Es war wunderbar und absolut tropisch. Ich teilte mir die Wiese mit einem Hahn, Hühnern, Küken, einem Kaninchen, einem Hund und sicher ganz vielen Insekten und auch mit meinen Lieblingstieren, den Fröschen ;-(. In den Bäumen tummelten sich zahlreiche Vögel und Mauricio war ein wahrer Vogelkundler. Immer wieder flogen Tukane und grüne Papageien im Astwerk herum. Es war eine Freude, diese Vögel zu beobachten. Aus der Ferne war der Sound der schwarzen Brüllaffen zu hören. Ich hatte wirklich Glück, denn Mauricio war auch noch Tourguide und bot mir an, mich am nächsten Morgen durch Lamanai zu führen. Er wollte für die 2.5 stündige Führung gerade mal USD 15 haben. Zusammen mit ihm war die Besichtigung der archäologischen Stätte äußerst interessant und informativ.
Der Name Lamanai bedeutet in der Maya-Sprache so viel wie „untergetauchtes Krokodil“. Mit einer Besiedelungsdauer von ca. 3000 Jahren gehört die Stätte zu den am längsten dauerhaft besiedelten Mayastädten. In der klassischen Periode um 700 n. Chr. wuchs die Bevölkerung auf über 20.000 an. Im Gegensatz zu den meisten anderen Mayastätten war Lamanai auch noch besiedelt, als die Spanier im 16. Jahrhundert nach Belize kamen. Sie errichteten am Eingang zu den Ruinen eine Kirche, von der man heute noch Überreste sieht. Interessant fand ich auch die Tatsache, dass bis zur Eröffnung von Lamanai als Sehenswürdigkeit, ein kleines Dorf nahe des Eingangs der Anlage existierte, in dem Mauricio aufwuchs. Er berichtete mir, dass er die Tempel als Kind bereits spielend erforschen konnte und noch immer fasziniert von ihnen ist. Leider musste das Dorf in den 90er Jahren dem Tourismus weichen. Am Ausgang der Ausgrabungsstätte konnten wir noch längere Zeit Brüllaffen beobachten, bis wir uns zur Rückfahrt entschieden.
Nachdem ich mich von der drückenden Hitze etwas erhielt hatte, streifte ich durchs Dorf, in dem es an diesem Sonntagnachmittag sehr ruhig zuging. Ich lief weiter bis zur New River Lagoon, wo ich mir etwas Abkühlung verschaffte. Obwohl in der Lagune angeblich Krokodile zu Hause sein sollen, waren noch mehr Waghalsige vor Ort und trauten sich den Sprung ins Wasser. Ich war etwas enttäuscht vom Gewässer, da ich gerade von der wundervollen Bacalar Lagune kommend mit mehr Schönheit gerechnet hatte. Den späten Nachmittag und Abend verbrachte ich unter dem riesigen Mangobaum im Garten vor dem Haus der Familie. Ich begann mich schonmal mit meiner Abreise nach Belize City am nächsten Morgen auseinanderzusetzen. Dort wollte ich das Auto für ein paar Tage stehen lassen und auf die Insel Caye (gesprochen: Ki) Caulker reisen. Eine kleine Auszeit vom Abenteuer Auto stand an.Read more
Caye Caulker
May 29, 2023 in Belize ⋅ ☀️ 30 °C
Ich erreichte Belize City an diesem Montag gegen Mittag und kam recht schnell bei den Bootsanlegern an. Die Stadt ist mit ihren 63 000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Der Regierungssitz und die Hauptstadt wurden allerdings 1975 nach Belmopan verlegt, welches sich in Zentralbelize befindet. Man entschied das, wegen der unsicheren Situation durch tropische Wirbelstürme an der Küste. Wie auch immer, ich wollte mich nicht lange in Belize City aufhalten und es gab auch keinen Grund, denn ich konnte auf dem Weg zum Hafen keinerlei städtische Schönheit erkennen. Primär galt es, einen sicheren Parkplatz für den Isuzu zu finden, da ich mich ein paar Tage auf der autofreien Insel Caye Caulker aufhalten wollte. Ich wurde bereits während der Einfahrt ins Hafengelände als Touristin identifiziert und man bot mir bewachte Parkplätze für BZD 20=USD 10 pro Tag an. Günstiger konnte ich in der Nähe der Boote keinen bewachten Parkplatz finden und so entschied ich mich dafür. Das Auto stand insgesamt 6 Nächte in der Stadt. Ich bezahlte 5 davon im Voraus, die 6te nach Rückkehr aus Caye Caulker. Nun war für ein paar Tage Pause vom Abenteuer Auto angesagt.
Da sich am Hafen 2 Bootsanleger befinden, verglich ich zuerst die Preise und entschied mich für den Anbieter, der mich für BZD 77 (USD 38.50) hin und zurück brachte bei Nutzung eines flexiblen Tickets, was die Rückfahrt anbelangte. Ich stieg um 14.30 Uhr aufs Boot und es war an diesem frühen Montagnachmittag voll. Die Überfahrt dauerte ca. 45 Minuten. Nach Ankunft auf der Insel, deren Motto übrigens „Slow down“ ist, war ich erst einmal enttäuscht. Die Braunalgen wurden auch hier an Land gespült und damit hatte ich nicht gerechnet. Ich versuchte mich aber damit zu arrangieren und mein Grund auf die Karibikinsel zu kommen war sowieso primär das Tauchen und das Genießen des besonderen Flairs auf der Insel.
Caye Caulker ist eine kleine Koralleninsel vor der Küste von Belize. Die Insel ist ca. 8 Kilometer lang und 2 Kilometer breit und liegt etwa 35 Kilometer nordöstlich von Belize City im Karibischen Meer. Caye Caulker hat rund 1300 Einwohner, die meisten davon sind Kreolen, Garifuna und Mestizen.
Ich hatte bereits eine Buchung für 5 Nächte im Bella‘s Backpacker Hostel und erreichte die Unterkunft zu Fuß nach ein paar Minuten. Wie bereits erwähnt ist Caye Caulker autofrei, wobei mittlerweile für meinen Geschmack zu viele Golfcars rumfahren und den Fußgängern und gechillten Radfahrern das Leben erschweren. Nach dem Check in versuchte ich mich erst einmal mit meiner neuen Behausung anzufreunden. Das Zimmer war ganz passabel, aber das Hostel an sich sehr ungepflegt. In der Küche bewegte man sich besser mit geschlossenen Augen. Am Abend checkte ich noch die Preise für ein Leihfahrrad und erhielt in einem Supermarkt am Ende der Strandmeile ein faires Angebot. Für BZD 50 (USD 25) bekam ich meinen neuen fahrbaren Untersatz für die nächsten 4 Tage. Los ging’s auf dem Zweirad zurück zum Bella‘s, wo ich meinen Drahtesel vor meiner Cabaña parkte. Als ich am nächsten Morgen vom Joggen zurückkam, war das gute Stück verschwunden. Ich alarmierte das Personal, doch niemand schien etwas gesehen zu haben und alle blieben sehr ruhig und zuversichtlich, dass ich mein Fahrrad im Laufe des Tages wieder zurückerhalten würde. Tatsächlich stand mein fahrbarer Untersatz am späten Nachmittag wieder da und erneut hatte niemand etwas gesehen. Ich war etwas verärgert, denn diesen Tag konnte ich das gemietete Rad nicht nutzen. Ich spazierte an dem Tag zu Fuß umher und Bella‘s kam mir entgegen, indem sie mir die Möglichkeit zum früheren Check out anboten und ich war froh. Ich blieb noch eine Nacht im Hostel und konnte am nächsten Tag 2 Seitenstraßen weiter ins Sea n Sun Guesthouse einziehen, wo ich die nächsten 4 Nächte in einer gepflegten Umgebung verbrachte. Ich war täglich aufs Neue fasziniert, welchen Charme der Ort versprühte und mit wieviel Liebe zum Detail er gestaltet war.
Unterdessen hatte ich am Tag nach meiner Ankunft ohne Fahrrad das Tauchen mit Sensation Divers organisiert. So standen am Mittwoch 2 Tauchgänge an und am Freitag der selben Woche fuhr ich mit dem selben Tauchanbieter die etwa 70km zum Great Blue Hole and zu 2 anderen Tauchplätzen hinaus. Für USD 340 sicher ein teurer Spaß, aber für mich jeden Cent wert. Das Belize Reef erstreckt sich übrigens 300 km an der Küste entlang und als größtes lebendes Barriereriff der Welt wurde es 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die 5 Tauchgänge waren unbeschreiblich. Die riesigen Stalaktiten in 30m Tiefe am Great Blue Hole werden mir wohl immer in Erinnerung bleiben. Es war ein unvergessliches Erlebnis und einer meiner lang gehegten Wünsche ging in Erfüllung. Die Tage zwischen und nach den Tauchgängen blieb ich auf der Insel. Ich nahm mir mal wieder Zeit für meinen Blog, radelte die Insel bis zum The Split ab, wo 1961 ein Hurrikan wütete und aus einer Insel 2 machte, ging bei meinem Freund Jamain mehrmals auf eine erfrischende Kokosnuss vorbei und streifte durch die wenigen Souvenirläden, die qualitativ hochwertige Dinge anboten. Hüte gab es hier leider nicht ;-(. Oft blieb ich auch einfach nur in der charmanten Unterkunft und genoss ein wenig Schatten. Auch auf Caye Caulker war es heiss und trocken.
Am Sonntag, den 4. Juni entschied ich mich, bereits am Morgen um 9 Uhr das Boot zurück aufs Festland zu nehmen.
Ich wollte von Belize City aus noch ein Stück die Karibikküste südlich in Richtung Hopkins Village fahren. Die karibische Lebensart tat gut und war ansteckend. Etwa 5km vor Ankunft erlebte ich wieder Abenteuerliches mit dem Isuzu. Da ich bereits am frühen Morgen von der Insel zurück kam, blieb mir mehr Zeit für einen weiteren Werkstattbesuch. Der deutsche Auswanderer Roy half mir bei der Organisation. Außerdem durfte ich Putzen. Während meines Aufenthaltes auf der Insel hatte sich der Nescafé in meinem Vorratsschrank im Auto verselbstständigt und durch die hohe Luftfeuchtigkeit ungünstig verbreitet.Read more
Belize Zoo
June 4, 2023 in Belize ⋅ ⛅ 33 °C
Auf dem Western Highway von Belize City nach Hopkins machte ein Hinweisschild auf den Belize Zoo aufmerksam. Da es erst Vormittag war und ich es nicht eilig hatte, entschied ich mich spontan für einen Halt. Ich bezahlte BZD 30 (USD 15) Eintritt und machte mich auf den Weg durch die bewachsene tropische Anlage. An diesem Sonntag waren recht wenige Besucher da.
Der Belize Zoo wurde im Jahr 1983 gegründet und hatte ursprünglich den Zweck, eingefangenen Wildtieren nach Abschluss einer Serie von Dokumentarfilmen einen Lebensraum zu bieten. In den Folgejahren nutzte man den Zoo dazu, der einheimischen Bevölkerung die Tierwelt ihres Landes näherzubringen. Bis heute beherbergt der Belize Zoo ausschließlich einheimische Tierarten und macht ihn dadurch zu etwas Besonderem. Der Zoo ist ca. zwölf Hektar groß und es können rund 125 verschiedene Tierarten aus der Region besichtigt werden. Gemeinsam mit ausländischen Organisationen werden vom Belize Zoo aus in verschiedenen Regionen Mittelamerikas Auswilderungen von bedrohten Tieren vorgenommen.
Im Zoo versucht man den Tieren möglichst ihren natürlichen Lebensraum zu bieten. Bei meinem Streifzug über das Gelände konnte ich nicht alle 125 Tierarten erspähen, aber es gelang mir doch Einige zu sehen. Besonderes Highlight natürlich die Jaguare, von denen ich 2 von den im Zoo lebenden 4 entdeckt habe. Auch Tapire, ein Krokodil, Brüllaffen, einen Puma, einen Otter, einen Weißkopfseeadler, Papageien und viele andere Vögel gab es zu bestaunen. Andere Tiere haben wohl wegen der sengenden Hitze im Unterholz Schatten gesucht. Die Informationstafeln zu jeder Tierart fand ich auch interessant und sie waren sehr kreativ und liebevoll gestaltet. Manche Zootiere versuchte man auszuwildern, jedoch kamen sie in ihrer natürlichen Umgebung nicht mehr zurecht und man stellte ihnen im Zoo erneut Lebensraum zur Verfügung.
Nach etwa 2 Stunden hatte ich die Tiere, die sich an diesem Vormittag zeigen wollten, gesehen. Ich hatte wieder etwas mehr über das Land, indem ich mich gerade befand, gelernt.
Nun trat ich die Weiterfahrt nach Hopkins an. Ich fuhr auf einer neu asphaltierten, gut ausgebauten Straße in Richtung Karibikküste. Rechts und links des Highways tat sich dicht bewachsener Dschungel auf. An der Straße standen immer wieder Verkehrsschilder mit dem Hinweis darauf, dass hier Tapire oder Jaguare kreuzen können. Ich kam, ohne dass mir ein solches Tier über den Weg lief, im Funky Dodo Hostel in Hopkins an, wo der deutsche Auswanderer Roy den Kontakt zu einem englischen Automechaniker herstellte. Obwohl Sonntag war, konnte ich gleich vorbeikommen.Read more
Hopkins Belize
June 5, 2023 in Belize ⋅ ⛅ 31 °C
Der Isuzu hatte es geradeso, aber mit zwischenzeitlichen Stockungen vor das Hostel Funky Dodo geschafft. Im Cockpit leuchtete Reduced Engine auf, was ich vorher noch nie gesehen hatte. Ich war etwas beunruhigt. Gut, dass man hier deutsch sprach. Das vereinfachte und beschleunigte den Prozess. Nach etwa 15 Minuten stand ich nahe des hopkinschen Ortsausgangs auf dem Grundstück von Mike, einem britischen Auswanderer und Automechaniker. Sehr ordentlich und gepflegt sah es hier nicht aus, aber ich hatte keine andere Wahl und war auf Hilfe angewiesen. Da der Isuzu stark nach Benzin roch, war eigentlich klar, dass wieder der Dichtungsring an der Einspritzdüse Schaden genommen hatte. Die letzte Reparatur in Cancún war noch keine 3 Wochen her. Mike ersetzte den Dichtungsring für BZD 75 (USD 38.50) und ich war froh, dass mir so schnell geholfen wurde und den Preis fand ich dafür, dass Belize ein Hochpreisland ist, ganz ok. Während Mike reparierte, versuchte ich den ausgelaufenen und mit der hohen Luftfeuchtigkeit geschmolzenen und wieder getrockneten Nescafé aus meinem Vorratsschrank zu entfernen. Sowohl Mike, als auch mir lief der Schweiß von der Stirn und im Gegensatz zu ihm musste ich am nächsten Tag nochmal ran, bis auch der beißende Kaffeegeruch fast verschwunden war. Aufgrund der besonderen Umstände, weil es heiss war und weil es am Strand Sandfliegen gab, entschied ich mich für ein Zimmer im Hostel und es tat gut. Ich blieb 3 Nächte und begegnete hier sehr coolen Leuten. Zum Einen traf ich eine englische Taucherin wieder, die auch mit auf der Tour zum Great Blue Hole war, außerdem Backpackerinnen aus Deutschland, Claudia und Bettina aus Dresden, die kurz vorm Ende ihrer einjährigen Weltreise standen und für die es wieder zurück in den Lehrerberuf ging und dann kam noch ein Zahnarzt aus Leipzig dazu. Wie deutsch war das denn :-). Die jungen Mädels reisten bereits am nächsten Tag weiter, es wurde ruhiger im Hostel und doch ging nichts von der guten Stimmung verloren. Das Funky Dodo ist ein schöner Ort, der über die Jahre mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde. Roy und Frau möchten aktuell verkaufen und die erste Zeit ihrer Pension damit verbringen, im Auto durch Lateinamerika zu reisen.
Wie habe ich nun die 3 Tage im Hopkins Village verbracht ?
Der Sonntag war nach dem Werkstattbesuch und der Putzaktion eigentlich gelaufen. Ich raffte mich aber nochmal auf und ging bei Shannon’s Luba Laruga Spot, direkt am Strand vorbei. Auf IOverlander hatte ich gelesen, dass man bei ihm leckeres Fischfilet zu einem fairen Preis bekommt und das stimmte. Das frische Filet, Bratkartoffeln und einen Salat mit hausgemachtem Dressing und noch ein Belikin (Belize Bier) dazu bekam ich für BZD 25 (USD 12.50). Ich genoss die karibische Küche wirklich sehr nach der langen Durststrecke in Mexiko.
Am Montag lebte ich mal wieder richtig schön in den Tag hinein. Nach dem Joggen am frühen Morgen frühstückte ich ausgiebig, kaufte ein paar Lebensmittel im neuen Chinese Supermarkt ein, brachte Wäsche weg, lieh mir ein Fahrrad bei Fred’s Bycicle Rental aus und erkundete den Ort anschließend auf dem Zweirad. Ich konnte richtig in die karibische Lebensart eintauchen, die so stressfrei auf mich wirkte. Überall warf man sich ein „Hi“ zum Gruß zu. Am Abend ging ich nochmals bei Shannon vorbei, der allerdings mit einer Reisegruppe beschäftigt war, so dass ich mich entschied, im Hostel selber etwas zuzubereiten.
Der Dienstag war mein Strandtag. Wie an der gesamten Karibikküste, an der ich mich bisher aufhielt, blieb auch das charmante Fischerdorf von der Braunalgenplage nicht verschont. Es gab hier einige Gästehäuser, die ihren Vorgarten und Strandabschnitt reinigen ließen, aber die Nutzung war natürlich „Only for guests.“ Von Gästen aus dem Funky Dodo hatte ich gehört, dass es in der Hotel-und Resortzone etwas abseits des Ortes Möglichkeiten für einen entspannten Tag ohne Braunalgen gab, da hier der Strand ebenfalls täglich gereinigt wurde. Ich fuhr mit dem Fahrrad die paar Kilometer in „eine andere Welt.“ Hier sah es am Strand wirklich ganz anders aus und im Jaguar Reef Resort erlaubte man mir, die Einrichtungen gratis zu nutzen. Da es ein bewölkter Tag war, war ich die Einzige vor Ort und ich genoss die Liegen, Hängematten und das Meer. Ich hatte alles für mich. Am Nachmittag gab ich Fred das Fahrrad retour und schlenderte durch Hopkins zurück zum Hostel. Ich zog für mich den Schluss, dass ich mich hier im Ort 3 Tage lang wirklich sehr wohlgefühlt habe. Am Abend tat ich mich mit den beiden Weltreisenden aus Dresden zusammen und es war nach 1 Uhr nachts, als wir müde wurden und in die Zimmer gingen.
Am Mittwochmorgen war ich damit beschäftigt, alles was ich in den letzten Tagen ins Hostel geräumt hatte, wieder zurück zum Auto zu bringen. Ich war gegen 11 Uhr vormittags startklar. Die Reinigungskraft der Herberge, die jeden Tag fast 4 Stunden Arbeitsweg hat, nahm ich bis zur Kreuzung mit, womit ich ihr bereits etwas geholfen hatte. Für mich ging es in Richtung Belmopan weiter. Ich wollte aber nicht in die Stadt selber, sondern in den 10km entfernten St. Herman's Blue Hole National Park. Angeblich sollte das Baden in dem kleinen See mit seiner besonderen Farbgebung erfrischend sein und ich freute mich darauf. Die kurze Fahrt war wieder traumhaft schön. Belize ist ein tropisches Paradies. Wenn mich die Kleintiere und Insekten nicht derart gestört hätten, hätte ich mich wohl so richtig in das Land verlieben können.Read more
St. Herman’s Blue Hole und Belmopan
June 7, 2023 in Belize ⋅ ☁️ 33 °C
Die 84km von Hopkins zum St. Herman’s Blue Hole National Park verliefen unspektakulär. Die Landschaft war weiterhin tropisch und dschungelartig, die Natur üppig, multigrün und zwischendrin blühte es farbig. Schmetterlinge flogen überall herum. Es war eine Freude auf den fast leeren Straßen durch diese wundervolle Landschaft zu fahren. Nach meiner Ankunft im Nationalpark war es bereits nach 14 Uhr nachmittags. Der Park schloss um 17 Uhr. Nachdem ich mich auf dem Campingplatz, was eigentlich der zum Park gehörende Parkplatz war, eingerichtet hatte, bezahlte ich BZD 5 (€2.50) für eine Nacht und weitere BZD 8 Eintrittsgebühr.
Danach startete ich den etwa 2km langen Dusky Antbird Trail, der bis zur Blue Hole Cenote führte. Es ging vorwiegend durch den Dschungel, wo man bei genauerem Hinschauen ab und zu Kameras am Boden entdecken konnte. Auf einer Informationstafel las ich später, dass diese Forschern zur Sichtung von Jaguaren dienen. In der Dunkelheit wollte ich demzufolge in diesem Gebiet auf keinen Trail gehen und ich war auch froh, dass mehrere Ranger hier übernachteten und jemand jeweils Nachtwache schob. Bei den fortbestehenden hohen Temperaturen musste ich nachts mindestens 2 Autotüren offen lassen, die mit Moskitonetzen versehen waren, damit ich einigermaßen schlafen konnte.
Ich lief also durch den Dschungel, bis ich am St. Herman’s Blue Hole ankam. Außer mir war noch eine Kleingruppe von Touristen aus den Vereinigten Staaten am Gewässer, die vermutlich eine geführte Tour zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten machten und gerade an ihrer letzten Station waren. Das Wasser war ein Traum. Es war glasklar, türkisfarben und es war eiskalt. Es bedurfte einiger Überwindung, um so richtig einzutauchen. Um 16.30 Uhr mussten dann alle draußen sein und den Rückweg antreten, auf welche Art und Weise auch immer. Ich entschied mich für einen weiteren Trail, der noch etwas anspruchsvoller und streckentechnisch weiter war als der Hinweg und war dann nach ca. 45 Minuten zurück beim Visitor Center und meinem Campingplatz.
Der Abend verlief bis auf die üblichen Insektenattacken ruhig und in der Nacht konnte ich nach dem langen Marsch gut schlafen.
Am nächsten Morgen startete ich nach dem Joggen und einem ausgedehnten Frühstück zur Höhle. In der Palapa des Besucherzentrums wurde viel vorbereitet, da man eine Schulklasse aus den USA für das Höhlentubing erwartete. Diese hatten die Tour mit anschließendem Lunch gebucht. Bei mir ging es vor dem Eintreffen der Klasse los. Ich streifte durch den Dschungel bis zum Höhleneingang. Die Natur war auch auf diesem Trail wieder faszinierend üppig. Nachdem ich bei der Höhle angekommen war, hieß es Hineingehen, allerdings war es ohne Guide nur möglich, bis auf 200m vorzudringen. Danach zeigte ein Hinweisschild an, dass es hier nicht weitergeht. Für mich war das OK und ich machte mich auf den Rückweg. Dabei begegneten mir die Schülerinnen und Schüler aus den Staaten, die gerade erst zu ihrem Abenteuer aufbrachen.
Nach Rückkehr im Besuchszentrum hieß es für mich Packen. Ich wollte Richtung guatemaltekische Grenze weiterfahren und zwar in den Mountain Pine Ridge Nationalpark, doch daraus wurde erstmal nichts. Ich startete den Isuzu, ich fuhr ein paar hundert Meter und im Cockpit erschien die Anzeige Reduced Engine erneut und es roch nach Benzin. Ich kehrte sofort um und kam nach wenigen Minuten wieder auf dem Parkplatz des Nationalparks an. Dort half man mir dabei, den Kontakt zu einem ortsansässigen Mechaniker herzustellen. Nach ca. 45 Minuten kamen 3 Männer, wovon 2 am Isuzu werkelten. Der Dichtungsring der Einspritzdüse war schon wieder dahin. Sie setzen einen neuen Ring auf, Einer machte eine kurze Probefahrt und der Andere kassierte BZD 70 (€35) für die Reparatur ab. Ich war sprachlos: nach 4 Tagen und etwas mehr als 80 km war der Dichtungsring erneut hinüber. Meine Sprachlosigkeit verwandelte sich allerdings in Stummheit, als ich es nach der hiesigen Reparatur gerade mal bis zum 5km entfernten Dorf schaffte und Reduced Engine wieder aufblinkte. Das Benzin tröpfelte nur noch so aus dem Unterboden raus. Zuerst fuhr ich zum Haus des Mechanikers, doch dieser tauchte nicht mehr auf und ich benötigte eine Lösung. Es war bereits später Nachmittag. Nach etwas Recherche auf IOverlander wollte ich es bis in die etwa 12km entfernte Landeshauptstadt Belmopan schaffen und dort bei einem gewissen Stanley Wiltshire für die nächste Reparatur vorbei schauen. Ich erreichte JDs Autoservices tatsächlich, ohne dass ich unterwegs stehen blieb. Allerdings war der Mechaniker an diesem Tag nicht mehr in „Charge.“ Ich verlor meine Ausdauer und Geduld und wusste nicht wie weiter, denn was ich hörte war, dass Stanley krank sei. Um 17 Uhr kam er in seinem Pickup zur Werkstatt, um hier abzuschließen. Stanley konnte an diesem Tag nicht mehr arbeiten, da er starke Schmerzen im linken Bein hatte, aber er teilte mir auf Creole (für mich schwer verständlich) mit, dass er sich am nächsten Morgen kümmern werde. Ich durfte die Nacht bei gewaltiger Hitze und offenen Türen zusammen mit einem Strassenhund in der Werkstatt verbringen. Ich hatte kein besonders sicheres Gefühl, aber die Stunden gingen rum und am nächsten Tag stand mein Mechaniker um 7 Uhr zur Arbeit bereit in der Werkstatt. Er ist übrigens schon 71 Jahre und arbeitet noch immer leidenschaftlich. Stanley hat den Dichtungsring aus voller Überzeugung ausgetauscht (er war wieder kaputt) und mir versichert, dass ich dieses Problem in Zukunft nicht mehr haben werde. Er erklärte mir, dass man den Ring RICHTIG aufsetzen müsse, da der Verschleiß sonst immer wieder passiere. Ich versuchte Stanley Vertrauen zu schenken, doch nach all den Vorfällen auf der Strecke USA-Belize fiel es mir schwer. Da der Isuzu schon länger ein unangenehmes Knarzen vorne hat, ließ ich ihn danach auch noch schauen. Stanley fettete die Kugelgelenke oben ein und seitdem ist nichts mehr zu hören. Ich bezahlte ihm BZD 130 (€75) und bedanke mich seitdem jedesmal vor, während und nach jeder Fahrt in Gedanken bei ihm. THANK YOU Stanley 🙏.
An dem Tag fuhr ich bis ins Waldreservat Mountain Pine Ridge weiter. Aus Dschungel wurde plötzlich Kiefernwald. Was sich nicht veränderte waren die hohen Temperaturen. Trotzdem tat es gut, mal wieder in einem Wald zu sein und es roch nach Ankunft noch immer nicht nach Benzin. Wie lange dieser positive Sachverhalt wohl anhalten würde ?Read more
Mountain Pine Ridge und Caracol
June 9, 2023 in Belize ⋅ ☁️ 36 °C
Ich verließ die Hauptstadt Belmopan an diesem heißen Vormittag in Richtung des Waldschutzgebiets Mountain Pine Ridge, allerdings machte ich noch einen Abstecher nach Spanish Lookout, einer weiteren Mennoniten Community in Belize. Hier ging es allerdings ganz anders zu, als in den traditionellen Kommunen, die ich bisher gesehen hatte. Die Mennoniten in Spanish Lookout betrieben regen Handel, fuhren Autos und benutzten Handys. Hier konnte man alles kaufen, was es woanders im Land nicht gab. Es war wohl der modernste Ort in ganz Belize. Ich war nicht lange in der Gemeinde, da ich noch ein Stück Weg bis zu meinem Campingplatz im Waldschutzgebiet vor mir hatte. In Spanish Lookout kaufte ich landwirtschaftliche Produkte, wie Obst und Gemüse, Brot, Bio-Yoghurt und guten Käse ein. Ich rechnete damit, dass ich derartige Milchprodukte in den nächsten Wochen in den Nachbarländern nicht mehr bekommen würde und ich behielt Recht.
Weiter ging es nach dem Einkauf ins Waldschutzgebiet Mountain Pine Ridge. Zwischen Belmopan und San Ignacio musste ich circa auf halber Strecke in südliche Richtung abbiegen. Vor der Einfahrt ins Schutzgebiet passierte ich eine Kontrollstation, wurde aber nicht angehalten. Auf dem neuen Highway fuhr ich bis zum Abzweig „San Miguel Campground“ weiter. Auf der nicht asphaltierten Straße zum Campingplatz wurde es etwas holprig, aber das störte mich nicht weiter. Ich befand mich tatsächlich in einem Nadelwald, der allerdings nicht wie erhofft für Abkühlung sorgte, auch wenn es hier komplett schattig war. Und trotz der Hitze war es beeindruckend, wie sich die Natur auf so kleinem Raum plötzlich veränderte. Zwischen dem sattgrünen, belaubten Tropenwald machte sich plötzlich Nadelholz breit.
Ich bezahlte bei der lokalen Familie, die den Platz verwaltete die BZD 30 (USD 15) Standgebühr, was ich etwas überteuert fand, da es weder Strom noch Wifi gab und richtete mich erstmal ein. Ich hatte meine eigene Palapa und Feuerholz, mit welchem ich abends ein Feuer gegen die Insekten anzündete. Hilfreich war es nur bedingt. Falter, Moskitos & Co schienen in Belize überall zu sein. Im San Miguel Campground hatte man Gratiszugang zu den Big Rock Falls, einem Wasserfall mit einem kleinen, kühlen Badesee davor. Da ich diese Natursehenswürdigkeit in meiner Standgebühr inklusive hatte und weil Abkühlung bei diesen Temperaturen nicht schadete, startete ich den Abstieg, welcher ganz schön steil war und meine Flip Flops wahrlich nicht das geeignetste Schuhwerk waren. Ich kam aber unbeschadet an und tatsächlich waren hier unten einige Touristen, die wohl über einen anderen Zugang ankamen. Alle schienen das Baden vor dem Wasserfall zu genießen. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Am frühen Abend schaffte ich es wieder nach oben und ließ den Tag am Feuer ausklingen. Ich ging früh schlafen, da ich am nächsten Morgen bei Zeiten zur archäologischen Stätte Caracol aufbrechen wollte.
Ich begann meine Fahrt am Samstagmorgen gegen 9 Uhr. Ich hatte bereits von einem Reisebekannten gehört, dass die Anfahrt nach Caracol aufgrund schlechter Strassenverhältnisse Zeit in Anspruch nehmen würde, doch dass ich für die 48km fast 2 Stunden aufbringen musste, damit hatte ich nicht gerechnet. Der „Feldweg,“ der zu dieser wundervollen Sehenswürdigkeit führt, ist momentan glücklicherweise eine Baustelle und in einigen Monaten vielleicht eine asphaltierte Straße. Ich hatte jedenfalls einige Schweißausbrüche auf den 48 Kilometern, vor allem immer dann, wenn ich über schmale Brücken ohne Seitenplanken oder sonstige Absicherung fuhr. Fahrtraining pur.
Ich wollte es kaum glauben, doch auch wenn die Navigation hier keinen Weg aufzeigen konnte, kam ich an der Ausgrabungsstätte an. Und ich bedankte mich mal wieder bei Stanley, denn der Isuzu lief. Außer mir waren noch 2 Geländewagen mit Touristen aus den Vereinigten Staaten auf dem Parkplatz und eine lokale Familie spazierte ebenfalls durch den Park. Das waren alle Besucher an diesem Samstag. Als ich das Besucherzentrum betrat und meine BZD 15 (USD 7.50) Eintritt bezahlt hatte, erzählte mir der Parkangestellte, dass er gerade mit Tempelbeschriftungen beschäftigt sei. Er machte alle Schilder in Handarbeit. Führungen wurden vor Ort nicht angeboten und so startete ich meine eigene etwa 3-stündige Tour.
Der Name CARACOL bedeutet auf Spanisch „Schnecke“, der ursprüngliche Maya-Name war jedoch Oxhuitza. Erst 1937 wurde die archäologische Stätte, die einst zu den dominanten Zentren des Maya-Tieflands zählte, von Holzfällern entdeckt. Caracol wurde bereits etwa 1200 v. Chr. besiedelt und hatte ihren Höhepunkt vom 5. bis zum 9. Jahrhundert mit einer geschätzten Einwohnerzahl von mehr als 115 000 Menschen. Auf einer Fläche von 88 Quadratkilometern Stadtgebiet werden 36 000 Hausplattformen vermutet, 3000 davon sind nachgewiesen. Es gibt verschiedene Akropolis-Komplexe sowie bisher 23 entdeckte Stelen und Altäre. Das größte Bauwerk in Caracol ist die 43–46 Meter hohe Caana Pyramide.
Es war einfach wunderbar, diese Anlage „fast“ für mich alleine zu haben und je mehr Maya-Ruinen ich mir anschaue, desto mehr nehme ich die besondere Stimmung, Energie und Ruhe darin wahr. Das Zirpen, Zwitschern, Quaken, Brüllen, Flattern oder Fallen von Gehölz hört man hier besonders intensiv und es hinterlässt Eindruck. Ich streifte durch die archäologische Stätte, kletterte die Pyramiden hoch und stieg die Stufen wieder hinab, genoss die Aussicht auf die gesamte Anlage und machte immer wieder Fotos. Nach ca. 3 Stunden trat ich den Rückweg an. Ich kam an 2 riesengroßen Fikusbäumen vorbei, die bei den Mayas als „Bäume des Lebens“ gelten. Einfach atemberaubend, welche Ausdehnung diese Giganten haben. Zurück im Eingangsbereich sah ich mir noch die Fundstücke aus der Anlage im Museum an und startete gegen 14 Uhr den Rückweg. Mein Ziel an diesem Tag war die bei Touristen beliebte Stadt San Ignacio, welche meine letzte Station in Belize sein sollte. Ich gönnte mir hier ein paar Tage mehr, damit ich mich auf den bevorstehenden Grenzübertritt nach Guatemala vorbereiten konnte. Außerdem gab es hier einiges zu sehen. Die Rückfahrt dauerte wieder gleich lang und wie bereits auf dem Hinweg flatterten tausende von Schmetterlingen vor dem Auto umher. Ich hatte so etwas noch nie zuvor gesehen.Read more
San Ignacio, Cayo District, Belize
June 10, 2023 in Belize ⋅ ⛅ 37 °C
Am Samstagnachmittag, des 10. Juni erreichte ich das beschauliche Städtchen San Ignacio, welches mein letztes Ziel in Belize sein sollte. Hier stand ich 5 Nächte in dem wundervollen, tropischen Garten des Campgrounds „Manakai.“ Auch wenn die Kleinstadt selber nicht wesentlich spektakulär war, hatte es in der Umgebung doch einige interessante Sehenswürdigkeiten, die ich mir anschauen wollte. Im Manakai ließ es sich außerdem mit Nichtstun aushalten und bei der immensen Hitze genoss ich es, einfach mal nur in der Hängematte zu liegen. Auch war die Familie ausgesprochen nett und wir verbrachten unterhaltsame Abende zusammen.
Am Tag meiner Ankunft begegnete ich sogar den Mädels aus dem Funky Dodo Hostel in Hopkins wieder, aber an den folgenden Tagen sah ich sie nicht mehr. Scheinbar zog es sie schnell weiter.
Am Sonntag hatte in San Ignacio fast alles geschlossen und so blieb ich die meiste Zeit auf dem Campingplatz. Ich nutzte den Tag dafür, mich auf ein Online-Vorstellungsgespräch vorzubereiten, welches ich am Montag um 8 Uhr hatte. Das W-LAN war im Manakai hervorragend und zumindest darüber musste ich mir keine Gedanken machen.
Am Montagmorgen um 8 Uhr Belize Zeit nahm ich online Verbindung mit der Schulleitung einer Zürcher Schule auf und hatte ein 1.5 stündiges Gespräch bei hervorragender Internetverbindung. Es ist schon faszinierend, wie die Kommunikation heutzutage über solch eine Entfernung funktioniert. Von der Schulleitung habe ich bis heute nichts mehr gehört. Nach dem Gespräch benötigte ich noch eine Weile, um meine Gedanken wieder in Richtung Urlaub lenken zu können. Ich entschied mich erst am Nachmittag dafür, die am südlichen Stadtrand gelegene Maya Ruine Cahal Pech anzuschauen. Der Senior Betreiber des Campingplatzes Francisco fuhr mich freundlicherweise bis zum Eingang, so dass ich mir den Fußweg, der steil bergauf ging, sparen konnte.
Cahal Pech ist eine Ruinenstätte der Maya-Kultur von mittlerer Größe und umfasst über 30 Bauten an sieben Plätzen, darunter öffentliche, zeremonielle und Wohngebäude, die bisher nur teilweise freigelegt wurden. Der Fundort war über rund 1800 Jahre bewohnt, von ca. 900 v. Chr. bis ca. 850 n. Chr., darunter auch mehrere Jahrhunderte lang als Wohnsitz einer königlichen Familie. Um die Ruinenstätte breitete sich über mehrere Quadratkilometer eine Siedlung aus, die bisher kaum erforscht wurde. Der Name entstammt der modernen yukatekischen Mayasprache und bedeutet so viel wie „Ort der Zecke“, der ursprüngliche Name der Stadt ist nicht bekannt.
Nachdem ich schon fast gegen Abend auf den Manakai Campingplatz zurück kam, gab es noch ein Treffen mit der Familie, deren Verwandtschaft und Freunde in der Palapa und es wurde recht spät, bis ich mich schlafen legte.
Am nächsten Morgen ging es erneut früh raus, denn ich hatte mich für die Tour zur ATM Cave (Aktun Tunichil Muknal Höhle) angemeldet und Andrew, den ich am Tag zuvor in Cahal Pech kennengelernt hatte, kam ebenfalls mit, wie auch ein Backpackerpaar aus Kanada. Wir wurden um 7.30 Uhr auf dem Campingplatz abgeholt und hatten eine etwa 50-minütige Anfahrt. Bereits im Voraus bezahlten wir die stolze Summe von USD 100. Allerdings muss ich sagen, dass diese Sehenswürdigkeit jeden Cent wert war. Ein wahrhaftes Highlight.
Die Kalksteinhöhle wurde im Jahr 1989 von Thomas Miller entdeckt und hat eine Ausdehnung von rund fünf Kilometern. Bekannt ist die Höhle für die archäologischen Funde aus der Zivilisation der Maya, wie Skelette, Keramiken und Steinzeug. Da auffallend viele Fundstücke, etwa 400 Keramikgefäße als Wasserbehälter dienten, ist man zu der Auffassung gekommen, dass die Höhle Zeremonien diente, die sich auf das Wasser bezogen und an den Regengott Chac gerichtet waren. Verstärkte Aktivitäten werden in der Zeit von 800 bis 1000 vermutet, als in diesem Gebiet eine Dürre herrschte. Weniger häufig sind menschliche Fundstücke. Bis jetzt wurden Reste von 14 Skeletten gefunden. Darunter waren sieben Erwachsene und sieben Kinder. Es handelt sich dabei nicht, wie bei Funden in nahe gelegenen Höhlen, um Grabstätten, sondern um Opferungen, die dazu dienen sollten, die Götter zu besänftigen oder um Regen zu bitten.
Actun Tunichil Muknal wurde von den Maya als Eingang in die Unterwelt angesehen. Seit 1998 ist die Höhle für den Tourismus geöffnet und kann mit Tourguides besichtigt werden. Fotografieren ist strengstens verboten, da es in der Vergangenheit wiederholt zu Schäden an den Fundstücken durch übereifrige Fotografen gekommen war.
Leider hatten wir mit unserem Guide nicht wirklich Glück. Er war uns ständig weit voraus, trug der Gruppe nicht wirklich Sorge und wirkte „etwas“ genervt von den, an ihn gestellten Fragen. In einer Höhle, wie der ATM Cave, in der man schwimmen muss und über und durch Felsformationen klettern muss, sollte der Guide wirklich den Fokus auf die Gruppe haben. Trotz dieser weniger guten Erfahrung war der Besuch der Höhle jedoch ein unvergessliches Erlebnis.
Wir waren etwa gegen 15 Uhr zurück bei Manakai und an dem Tag lief nicht mehr viel mehr, als am Vortag auch. Ich genoss das Zusammensein mit der Familie und die Kommunikation auf Englisch war so einfach im Vergleich zu den 5 Monaten Spanisch in Mexiko.
Den Mittwochmorgen ließ ich ruhig angehen und startete erst gegen 10 Uhr zur Ausgrabungsstätte Xunantunich, die sich etwa 13 km außerhalb von San Ignacio befindet. Ich nahm die Flussfähre über den Mopan River und konnte anschließend bis zum Parkplatz hinauffahren. Ich bezahlte BZD 10 (USD 5) Eintrittsgebühr und startete den Fußweg zur Sehenswürdigkeit. Leider hatte ich an diesem Tag richtig Pech, denn Reisegruppen eines Kreuzfahrtschiffes hechteten in Scharen ihrem Guide durch die Anlage hinterher. Bei 38 Grad im Schatten hatten einige von ihnen Probleme der Gruppe zu folgen. Ich hatte so etwas noch nie erlebt und war fasziniert, wie alle dem Rudelführer Folge leisteten. Ein Tourist vom Schiff erzählte mir, dass bereits am nächsten Tag eine Sehenswürdigkeit in Mexiko auf dem Programm stand, am Tag zuvor waren sie irgendwo in Honduras. Als nach ca. 2 Stunden alle Gruppen des Kreuzfahrtschiffes die archäologische Stätte wieder verlassen hatten, konnte ich die spezielle Stimmung noch eine Weile genießen.
Der Name der Maya-Ruinen von Xunantunich ist modern und bedeutet "steinerne Frau". Um sechs Plazas gruppieren sich insgesamt über 25 Tempel und Palastbauten. Das auffälligste Gebäude mit rund 40 m Höhe findet sich am Südrand der Ausgrabungsstätte: die Pyramide El Castillo. Die Anlage wurde um das Jahr 900 verlassen und in der Neuzeit durch Thomas Gann am Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt. Die archäologische Erforschung findet seit 1930 statt.
Als ich um ca. 15 Uhr wieder zurück war, lief ich nochmals für ein paar Fotos durch den Ort und wurde danach von einem deutschen Auswanderer, den ich im Manakai kennengelernt hatte, zum Eis eingeladen. Bei der Hitze tat das gut.
Am nächsten Morgen brach ich um etwa 10 Uhr zur guatemaltekischen Grenze auf, die sich zwischen Benque (Belize) und Melchor de Menchos (Guatemala) befindet. Ich musste an einiges denken, wie z.B. den Ausreisestempel im Pass, das Auflösen der Autoerlaubnis, sowie die Anmeldung im Einreiseland. Ein Grenzhelfer bot mir seine Hilfe an und ich nahm sie gerne an. Für die Ausreise aus Belize durfte ich nochmals BZD 40 berappen und für die Einfuhr des Autos nach Guatemala Quetzals 200, was etwa €30 entspricht. Nach etwa 2h hatte ich alle Formalitäten erledigt und war auf dem Weg nach Flores, wo ich eine Autoversicherung für Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua abschließen wollte. Das Büro der Versicherungsgesellschaft fand ich auf Anhieb. Am Nachmittag um 16 Uhr ging es dann endlich zur Archäologischen Stätte Tikal weiter.Read more

Traveler😍...nach dieser Reise kannst Du mit Deinem Wissen selbst als Guide agieren...es liest sich wieder super und an amüsanten Stellen musste ich echt lachen...,, Touristen hechteten ,,...einfach köstlich und so bildlich...😁
Tikal National Park und El Remate
June 15, 2023 in Guatemala ⋅ ☀️ 36 °C
Nachdem ich die Grenze von Belize nach Guatemala erfolgreich passiert hatte und ich, wie auch der Isuzu für 90 Tage in den 4 Ländern Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua reisen „durften,“ ging es für einen kurzen Abstecher nach Flores, um eine Versicherung fürs Auto abzuschließen. Da ich schon vorher mit der Versicherungsagentur via WhatsApp Kontakt aufgenommen hatte, war vor Ort Vieles bereits klar. Die Versicherung deckte nur Personenschäden ab und kostete für die 90 Tage Quetzales600 (€75). Der Abschluss vermittelte mir ein Gefühl von mehr Sicherheit, als ohne Versicherung unterwegs zu sein. Nachdem alles erledigt war, ging ich noch ein paar Kleinigkeiten im nahegelegenen Supermarkt einkaufen, wo mich viel an die mexikanischen Lebensmittelgeschäfte erinnerte und entschied mich dann zur Weiterfahrt in den Tikal Nationalpark. Es war schon gegen 16 Uhr und ich hatte bereits auf der Fahrt nach Flores realisiert, dass man auf den Straßen Guatemalas grundsätzlich mehr Zeit einberechnen musste. Das Fahren empfand ich als sehr herausfordernd, da ich permanent den Fokus auf die Straße richten musste, wegen Fußgängern, Zweirädern, verrückten Bus- und Lastwagenfahrern, Straßenschäden, toten Tieren auf der Fahrbahn etc.. Die Liste ist lang. Als ich um etwa 17 Uhr an der Einfahrt zum Nationalpark ankam, war erstmal Verwirrung angesagt. Ich sollte eine Eintrittsgebühr in Höhe von Q150 (€20) für die archäologische Stätte zahlen, welche aber nur noch für diesen Tag galt und die Sehenswürdigkeit schloss in wenigen Minuten. Nach einigem Hin-und Her und in der Gewissheit, dass ich den Eintritt auch online buchen konnte, durfte ich einfahren. Es waren noch immer etwa 16km durch den Dschungel bis zu meinem Stellplatz vor dem Jaguar Inn Hotel. Es war ein spezieller Ort: zum Einen merkte ich mal wieder, dass mein Spanisch nicht ausreichte, um nicht für Verwirrung zu sorgen, dann gab es nur für ein paar Stunden Strom am Tag über einen Generator und die Männer waren permanent damit beschäftigt, möglichst frühzeitig das Kabel von meinem Kühlschrank aus der Steckdose zu ziehen. Auch die Tiere vor Ort wurden mir fast zu viel. Nachdem um 9 Uhr abends der Generator abgeschaltet wurde, war es mir nicht mehr möglich, noch etwas am Smartphone zu machen, da die Beleuchtung unwahrscheinlich viele Insekten anzog und sie attackierten mich aufs Schlimmste. Ich hatte keine andere Wahl, als um 21 Uhr im Bett zu liegen. Nach dem Aufstehen am Morgen um 6 Uhr wuselten bereits unzählige Nasenbären und vereinzelt auch einmal ein Aguti neben dem Auto herum und labten sich an den zu Boden gefallenen Mangos.
Am Abend meiner Ankunft in Tikal war sowohl im Hotel, auf dem Zeltplatz und auf dem Parkplatz sehr viel los. Eine Oberstufenklasse aus Guatemala City campte in Zelten, eine weitere Klasse aus Washington D.C., die zur Vogelbeobachtung hier war, übernachtete in den Cabañas und noch ein paar Individualtouristen, zu denen ich mich auch zählte, waren hier gestrandet. Ich unterhielt mich mit verschiedenen Leuten und interessanterweise sprachen einige davon deutsch. Darunter ein amerikanischer Vogelkundler, der schon Jahrzehnte in Guatemala lebt und dessen deutsche Großeltern in die USA auswanderten, wie auch eine Guatemaltekin, deren Vorfahren ebenfalls aus Deutschland, aber nach Guatemala emigrierten.
Am Freitagmorgen war ich bereits früh auf den Beinen und joggte, auf der um diese Uhrzeit noch leeren Straße durch den Dschungel in Richtung Nationalparkeingang und wieder zurück. Die morgendliche Stille wurde lediglich vom Zwitschern der vielen Vögel und dem Sound der Brüllaffen unterbrochen. Nach dem Frühstück und ein paar Telefonaten entschied ich mich, die archäologische Stätte zu besuchen. Ich buchte mein Ticket online für stattliche Q150 (€20). Für einen Einheimischen kostet es übrigens nur 20 Quetzales (€2.50). Als ich über den Parkplatz lief, war es bereits Mittag und eigentlich schon recht spät für eine Anlage wie Tikal. Ich ging zum Eingang, wo ich online registriert war und lief in den Park hinein. Ich verbrachte etwas mehr als 4 Stunden in der archäologischen Stätte, hätte meinen Aufenthalt aber auch gut und gerne noch 1-2 Stunden verlängern können.
Tikal ist eine antike Stadt der Maya im nördlichen Guatemala mit bemerkenswerten Stufentempeln. Sie war eine der bedeutendsten Städte der klassischen Maya-Periode im 3. bis 9. Jahrhundert und ist zudem eine der am besten erforschten Maya-Städte. Die ersten Siedlungsspuren reichen ins frühe 1. Jahrtausend v. Chr. zurück. Im 2. Jahrhundert begann die eigentliche städtische Entwicklung mit der Errichtung von Tempeln, Stelen und Palast-Tempel-Komplexen. Tikal erreichte 2 Höhepunkte, einen im 5. Jahrhundert und einen Zweiten erlebte die Stadt im 8. Jahrhundert. Im frühen 9. Jahrhundert schwand die Macht von Tikal, die Bautätigkeit hörte auf. Im 10. Jahrhundert war die Stadt vollständig verlassen. Erst 1848 wurden die Ruinen von einer Expedition, die von der guatemaltekischen Regierung entsandt wurde, wiederentdeckt und in den folgenden Jahrzehnten intensiv erforscht. 1979 wurde die Anlage sowie der 575 km² umfassende Nationalpark Tikal zum UNESCO Weltkultur- und Weltnaturerbe erklärt.
Es war ein überaus beeindruckender Besuch der Ruinenstadt und als ich am späten Nachmittag zurückkam, war das Jaguar Inn so gut wie leer. Lediglich 3 französische Backpacker und ich waren noch vor Ort. Den Attacken der Insekten nach Abschalten des Generators um 21 Uhr konnte ich mich nur entziehen, indem ich vor besagter Uhrzeit im Auto lag. Ich schaffte es nicht und ich litt.
Am Samstagvormittag entschied ich mich zur Abreise. Ich wollte nur unweit des Nationalparks am Petén-Itzá-See Halt machen. Ich fuhr einen Campingplatz in El Remate an, verliess diesen aber nach kurzer Zeit wieder, da es mir hier zu turbulent zuging. Es machte den Eindruck auf mich, als seien die Wochenenden in Guatemala noch lebendiger, als ich es bereits aus Mexiko kannte. Auf meinem neuen Platz La Casa de Doña Tonita ging es zwar auch stimmungsvoll zu, aber mit dem was ich vorher im El Muelle erlebte, war es nicht zu vergleichen. Hier ging es auch eher familiär zu und ich war zufrieden mit meinem Entscheid, gewechselt zu haben. Im Doña Tonita zahlte ich Q25 (€3) pro Nacht inklusive Strom, Toilette und Dusche. Ich entschied spontan, noch eine Nacht zu verlängern, da es ein wirklich wunderschöner Ort war. Man munkelt, dass sich im Petén-Itzá-See Krokodile tummeln. Glücklicherweise bin ich keinen begegnet und ich schwamm recht oft in diesem ruhigen Gewässer.
Nach 2 Nächten verließ ich El Remate schweren Herzens und fuhr etwa 320 km bis nach Coban weiter. Erst nach
7 Stunden Fahrtzeit kam ich wohlbehalten auf der Kaffeeplantage Chicoj an.Read more
Coban, Guatemala
June 19, 2023 in Guatemala ⋅ ☁️ 25 °C
Die 7-stündige kurvenreiche Fahrt führte mich durch Städte, Dörfer und erstmals auch durch das Hochland Guatemalas. Anders als im Norden des Landes, war ab der Stadt Sayaxche das Leben der Mayas, die 60% der Bevölkerung Guatemalas ausmachen, präsent und es sollte mich noch lange begleiten. In dieser quirligen Stadt musste ich für Q15 (€2) die Autofähre über den Fluss nehmen. Sie sah nicht gerade vertrauenswürdig aus, aber eine andere Wahl hatte ich nicht. In Sayaxche fuhr ich auch erstmals durch ein Zentrum einer größeren guatemaltekischen Stadt und diese Fahrten waren abenteuerlich, da sich permanent Gefahrenquellen auftaten. Es war eng, es liefen überall Fußgänger kreuz und quer, zudem Tiere, mal tot, mal lebendig, dann gab es viele Schlaglöcher, Straßensperren etc.. Das Autofahren in Guatemala ist eine wahrhafte Herausforderung. Auch das Müllproblem hatte auf der Fahrt nach Cobán erheblich zugenommen. Eigentlich gab es kaum noch Landstriche, wo kein Plastik herum lag. Ich fand es erschreckend.
Nachdem ich den quirligen Markt von Sayaxche endlich hinter mir gelassen hatte, kam ich zum Stadtausgang und fuhr noch ein paar Kilometer weiter bis zu einem Campingplatz im El Rosario Nationalpark, der sich an einer Lagune befindet, in der es mit Sicherheit Krokodile gibt. Ich entschied mich, aufgrund der Hitze nicht dort zu übernachten und setzte meinen Weg in Richtung Cobán fort. Für die 190km zeigte mir Google Maps nochmals etwas mehr als 4h an, d.h. ich zuckelte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas weniger als 50 km/h durch die Gegend. Ein Geduldsspiel, welches sich im weiteren Reiseverlauf fortsetzen sollte. Das gemütliche Tempo hatte aber auch seine Vorteile. So konnte ich mein neues Reiseland im Vorbeifahren recht entspannt unter die Lupe nehmen und viele interessante Eindrücke gewinnen. Die Landschaft war überwältigend. Ich kam allmählich ins Hochland und die Temperaturen wurden kühler.
An diesem Montag kam ich um etwa 17 Uhr auf der Kaffeeplantage Chicoj an, deren Grundstein von deutschen Auswanderern im 18. Jahrhundert gelegt wurde. Nachdem ich den Isuzu auf einer großen Wiese neben dem Hauptgebäude abgestellt und mich eingerichtet hatte, bezahlte ich Q20 (€3) Standgebühr für die kommende Nacht und buchte die Kaffeetour mit Verkostung für den nächsten Morgen. Diese kostete Q75, was etwa €10 entspricht. Ich verbrachte einen ruhigen Abend auf dem Platz und durch die wesentlich kühleren Temperaturen hatte ich einen guten Schlaf, seit Monaten mal wieder bei geschlossenen Autotüren. Am nächsten Morgen war es mir fast schon ein bisschen zu kalt, doch zum Joggen war es eine Wohltat. Um 9 Uhr traf ich mich wie vereinbart mit Gladys, die mir viel über die Entstehung der Kaffeeplantage, sowie über den Anbau und die Ernte des Kaffees erzählte. Nach unserem Rundgang ging es zur Verkostung. Es geht wirklich nichts über einen sehr guten Kaffee.
Nach meiner 2-stündigen Tour machte ich mich noch ins Zentrum von Cobán auf. Da Chicoj etwas außerhalb lag, galt es Möglichkeiten zu finden, in die Stadt zu kommen. Ich hatte Glück, denn Touristen aus den Staaten hatten gerade ihre Kaffeetour beendet und fuhren in Richtung Zentrum. Sie nahmen mich gerne mit und wir hatten eine angeregte Unterhaltung. Ich wurde am Stadtpark abgesetzt und streifte eine Weile durch das laute und lebhafte Zentrum. Eine besondere Sehenswürdigkeit konnte ich nicht entdecken.
In Cobán leben etwa 90.000 Menschen. Die örtliche Bevölkerung stammt überwiegend von den Maya ab, die ihre traditionelle Sprache Kekchí sprechen. Es gibt in Cobán noch immer viele deutsche Einwanderer bzw. deren Nachkommen. Die Einwanderung von Deutschen begann in und um Cobán im Jahr 1863 mit Rudolf Dieseldorff. Das abgelegene, von der Vegetation und vom Klima her Deutschland ähnliche Hochland zog dann viele weitere deutsche Auswanderer an, die hier beste Bedingungen für den Anbau von Kaffee fanden. Präsident Justo Rufino Barrios Auyón (1873–1885) förderte die Ansiedelung deutscher Bauern und stattete sie mit etlichen Privilegien aus, wobei es auch zu Enteignungen einheimischer Bauern kam, die zwangsläufig in die Dienste ihrer deutschen Herren treten mussten. Bis 1890 befand sich fast die gesamte Kaffeeproduktion der Gegend in deutschen Händen. Die Arbeiter der Fincas wurden mit Geld bezahlt, das ihre deutschen Arbeitgeber selbst in Umlauf brachten und das nur bei den Handelsbetrieben der jeweiligen Fincas selbst oder anderen ausgewählten Läden Gültigkeit besaß. Auf diese Weise wurde Cobán zu einem fast eigenständigen Wirtschaftsgebiet in Guatemala. Wegen der Bedürfnisse der exportorientierten Wirtschaft wurde mit deutschem Kapital und Fachwissen die Infrastruktur der Region verbessert.
Nachdem ich mir die zahlreichen Strassenstände und auch die Geschäfte in Cobán, die viel Secondhand Ware aus der westlichen Welt anboten, angeschaut hatte, lief ich in Richtung Plaza Magdalena, der mir von Einheimischen als Shoppingparadies empfohlen wurde. Nach der Besichtigung des Zentrums und der Kaffeeplantage wirkte diese Mall irgendwie fehl am Platz. Ich streifte kurz hindurch und lief dann Richtung Diesseldorf Café, als ich plötzlich ausrutschte und heftig auf mein Steißbein fiel. Es waren unsagbare Schmerzen. Sofort hielt ein Auto an und 2 europäisch aussehende Frauen, halfen mir auf und leisteten emotionalen Beistand. Als wir dann näher ins Gespräch kamen, stellte sich heraus, dass sie deutsche Vorfahren, wie auch deutsche Namen hatten. Sie waren so hilfsbereit und einfühlsam und wollten mich gar nicht mehr aus den Augen lassen. Erst einige Tage später habe ich das ganze Ausmaß meines Sturzes in einem größeren Spiegel betrachten können. Mein Allerwertester hatte eine interessante Farbe ;-(.
Nachdem ich mehr als eine halbe Stunde vergebens auf den öffentlichen Bus gewartet hatte, gönnte ich mir ein Taxi zurück zu Chicoj und blieb noch eine zweite Nacht auf dem Campingplatz. Am Mittwoch, den 21. Juni fuhr ich weiter nach Lanquin. Dort wollte ich die natürlichen Pools von Semuc Champey besuchen. Es waren nur 69km bis dahin und doch zeigte die Navigation 2h Fahrtzeit an. Die Durchschnitsgeschwindigkeit ging nochmals runter auf 35 km/h.Read more

Traveler....oooh man....Ich hoffe, Du bist mittlerweile wieder einigermaßen hergestellt,,und schmerzfrei....Ich drücke beide Däumchen...!!!!!
Lanquin und Semuc Champey
June 21, 2023 in Guatemala ⋅ ☁️ 29 °C
Die Fahrt in die guatemaltekische Kleinstadt Lanquin dauerte etwas mehr als 2 Stunden. Ich tuckerte gemütlich und doch voll konzentriert durch die Gegend. Trotzdem verfuhr ich mich 1x und passierte dabei das geschäftige Zentrum einer größeren Stadt. Es dauerte eine Weile, bis ich wieder heraus fand. Auf der weiteren Strecke musste ich noch einem toten Hund ausweichen, der irgendwo zwischen Farbahn und Strassenrand lag. Ich kam am frühen Nachmittag in Lanquin an und hatte genügend Zeit, mich nach einem geeigneten Stellplatz umzusehen. Da es hier keinen offiziellen Campingplatz mehr gibt, sollte es der Parkplatz eines Hotels werden und dafür zeigte mir die IOverlander App zahlreiche Optionen an. Ich hatte von Reisebekannten gehört, dass sie im Vinas Hotel, am Ortsausgang und an der Straße nach Semuc Champey übernachtet hatten und entschied mich deshalb, dorthin zu fahren. Die Kommunikation mit dem Personal war eher verwirrend als aufschlussreich. Letztendlich bot man mir den Platz zum Preis des regulären Parkpreises für 24h in Höhe von Q120 (€15) an, was ich total überteuert fand und nochmals besprechen wollte. Ein schöner Ort war es nicht. Es war unruhig und bereits am Morgen um 6 Uhr dröhnte lautstark Wahlpropaganda aus Lautsprechern. Die Wahl eines neuen Präsidenten sollte in Guatemala 4 Tage später stattfinden. Am nächsten Morgen sprach ich mit dem Verwalter des Hotels, der mir den Stellplatz schließlich für Q40 anstatt Q120 pro Nacht zur Verfügung stellte, wenn ich 1x pro Tag im Restaurant etwas konsumierte. Ich willigte ein.
Am Tag nach meiner Ankunft hielt ich mich in Lanquin auf. In der Stadt leben etwa 2000 Menschen, die zu
95 Prozent zur Maya-Volksgruppe Kekchí gehören. Zu den Haupteinkommen in der Region zählen Tourismus und Landwirtschaft. Ich verbrachte zuerst etwas Zeit auf dem lebendigen, lokalen Markt, lief weiter durch die Stadt und spazierte bis zum am Río Lanquín gelegenen Hostal Oasis, wo ich ein paar Stunden blieb. Das Baden im Fluss sorgte für eine angenehme Abkühlung. Als ich am Nachmittag zurück zu meinem Stellplatz bei Vinas Hotel lief, waren wieder unzählige streunende Hunde auf den Straßen, allesamt krank, da es in der Gegend schwer war, an Futter zu kommen. Viele von ihnen hatten Reute. Es war ein schrecklicher Anblick. Im Vinas verband ich meinen Kühlschrank mit dem Strom, da jemand den Stecker gezogen hatte und entschied mich aufgrund des einsetzenden Regens tatsächlich für den Besuch des Hotelrestaurants. Nebst der Tatsache, dass ich die ganze Zeit einen hechelnden Straßenhund neben mir sitzen hatte, war das Essen nicht gut. So war ich nicht bereit, am nächsten Tag nochmals etwas zu konsumieren. Da es anhaltend und stark regnete, ging ich früh schlafen.
Am Morgen war die Wahlpropaganda nicht ganz so laut wie am Vortag und ich konnte etwas länger nächtigen. An diesem Freitag wollte ich zu den natürlichen Pools nach Semuc Champey, welche sich etwa 12km in südlicher Richtung von Lanquin befinden. Ich lief stadteinwärts und stieg für Q25 (€4) auf die Ladefläche eines Collectivos auf. Der Rückweg kostete nochmals das Selbe. Die Fahrt mit dem Collectivo war eine kluge Entscheidung, da die Straßenverhältnisse wirklich abenteuerlich waren und ohne einen 4x4 unmöglich zu bewältigen. Nach etwa 30 Minuten Fahrtzeit kam ich am Eingang von Semuc Champey an und bezahlte Q50 (€6) Eintritt.
Semuc Champey (deutsch: „dort, wo das Wasser verschwindet/sich versteckt“) ist ein Naturschutzgebiet und wurde 1999 zum guatemaltekischen Naturerbe ernannt. Das beliebte Touristenziel besteht aus vielen türkisgrünen Wasserbecken, die eine Tiefe von einem bis drei Metern haben. Gespeist werden sie vom Fluss Río Cahabón. Der Fluss fließt unter den Becken hindurch und tritt dahinter wieder aus dem Felsen heraus. Wegen der starken Strömung ist der Fluss an diesen Stellen recht gefährlich, in den Becken ist das Baden aber problemlos möglich.
Ich wollte zuerst den steilen Aufstieg zur Aussichtsplattform, dem sogenannten Mirador in Angriff nehmen, bevor ich mir Abkühlung in den natürlichen Pools verschaffte. Nach meinem Sturz auf das Steißbein in Coban war ich noch immer schmerzgeplagt, aber ich biss die Zähne zusammen. Der anstrengende Aufstieg wurde mit einem fabelhaften Blick auf die Pools von Semuc Champey belohnt. Das Wetter war an diesem Tag traumhaft. Nach dem Abstieg war Baden angesagt. Es tummelten sich viele Touristen in den Becken, aber es war nicht unangenehm. Semuc Champey ist ein wirklich wundervoller Ort. Nach einigen Stunden lief ich gemächlich zum Ausgang und stieg auf das nächste Collectivo auf. Im Vinas Hotel musste ich feststellen, dass der Stecker von meinem Kühlschrank wieder vom Strom genommen wurde. Wegen übel riechenden Toiletten und schmutzigen Duschen, sowie gezogenen Steckern, entschied ich mich die Location zu wechseln. Ich bekam die Q40 für die 3. Nacht zurück und fuhr in Richtung El Retiro Lodge, die sich am anderen Stadtausgang befand. Was für ein Glücksgriff: Q50 (€6) zahlte ich für den Stellplatz, Zugang zum Strom war inklusive und wurde nicht einmal in Frage gestellt und das Restaurant unten am Fluss war ein wahres Juwel in einer Stadt wie Lanquin. Dementsprechend gut besucht war es auch. Außer den vielen Fröschen, die nach Einbruch der Dunkelheit um den Isuzu herumhüpften, störte mich an diesem Ort nichts. Schade, dass ich hierher nur noch für meine letzte Nacht kam.
Am Samstagmorgen sollte es nach dem Frühstück in die 245km entfernte Stadt Chichicastenango gehen. Google Maps zeigte eine fast 7 stündige Fahrt an, was bedeutete, dass ich mal wieder mit ca. 30 km/h durch die Landschaft schlich. Vor der Abfahrt wurde ich noch von einer überaus netten Familie aus Guatemala City, natürlich deutschstämmig, wegen meiner Reise interviewt. Es war immer wieder ein Erlebnis, solch besonders freundliche Guatemalteken kennenzulernen. Nachdem ich schließlich loskam, stellte der Isuzu nach 5 Minuten mal wieder ab. Ein bekanntes Problem, welches recht lange nicht mehr aufgetreten war. Ich startete ihn neu und fuhr etwa 5 Stunden weiter bis meine Bremsen versagten.Read more
Chichicastenango, Guatemala
June 24, 2023 in Guatemala ⋅ ☁️ 26 °C
Nachdem ich ein paar Tage in der Stadt Lanquin, am Río Lanquín und an den wunderschönen natürlichen Pools von Semuc Champey verbracht hatte, zog es mich an diesem Samstag weiter gen Süden. Mein Ziel war der Ort Chichicastenango, der bei Touristen vor allem wegen seines quirligen lokalen Marktes, der immer sonntags und donnerstags seine Tore öffnet, bekannt ist.
Ich hatte gerade einmal 245 km zu fahren und war wieder erstaunt, wieviel Zeit Google Maps dafür berechnete. Es standen mir 6.5 Stunden bevor und deshalb entschloss ich, möglichst früh loszufahren. Der erste Teil der Strecke war mir bereits von der Hinfahrt bekannt und führte mich nochmals durch die Stadt Cobán. Danach ging es weiter über die Berge. Es war eine ziemlich zähe Fahrt. Einmal ging die Straße auf einer ordentlichen Höhenlage plötzlich in eine Schotterpiste über, mitten durch eine Müllhalde hindurch und mir stellten sich bettelnde Kinder in den Weg, die hier vermutlich arbeiteten und ab und zu einen Quetzal oder etwas Nahrhaftes von Vorbeifahrenden erhielten. Ein trauriges Bild. Nach einigen Kilometern wurde aus dem Feldweg wieder eine geteerte Straße und das Fahren fühlte sich sofort weitaus angenehmer an. Als ich noch etwa 58 km bis nach Chichicastenango hatte, versagte plötzlich meine Bremse. Ich konnte sie komplett durchtreten, ohne dass das Auto zum Stehen kam. Glücklicherweise fuhr ich nicht gerade einen Berg hinunter, sondern war auf ebener Straße in der Stadt Sacapulas unterwegs. Ich stoppte an der nächstgelegenen Tankstelle und fragte nach einem Mechaniker. Auf die Idee, dass die Bremsen einfach abkühlen mussten, kam ich nicht und so ließ ich einen nicht mehr ganz nüchternen Mann an meinen Rädern schrauben. Später musste dann noch jemand dazukommen, um alles wieder zusammensetzen, da der Mechaniker meines Nicht-Vertrauens scheinbar Probleme damit hatte. Alle Männer, die unterdessen zusammengelaufen waren, taten ernsthaft so, als sei mir geholfen worden, dabei hatte sich das Problem durch Abkühlung mittlerweile von selber gelöst. Der Betrunkene wollte mir für seine Arbeit tatsächlich Q500 (€63 !!!) abzocken, aber da hörte der Spaß auf. Ich fing an zu schreien und ich glaube, er bekam es mit der Angst zu tun. Ich drückte ihm Q100 (€13) in die Hand, was wahrscheinlich noch zu viel war und düste ab. Ich hatte nochmal gute 1.5 Stunden zu fahren und es war bereits nach 17 Uhr. In der Dunkelheit wollte ich nicht unterwegs sein.
Für den Rest der Strecke und bei allen weiteren Fahrten in Guatemala nutzte ich die Motorbremse vermehrter, um so eine Erfahrung nicht noch einmal machen zu müssen. Ich kam um etwa 18.30 Uhr auf dem bewaldeten Campingplatz „Casa Tzocomá“ an und verbrachte hier 2 Nächte. Mit Q100 (€13) pro Nacht fand ich den Platz recht preisintensiv, aber die Betreiber waren überaus freundlich und hilfsbereit, standen mir mit Rat und Tat zur Seite und vermittelten mir am Tag meiner Abreise nochmals einen günstigen Mechaniker. Den Ecocampingplatz fand ich sehr spannend. Es gab dort einen Bethügel, auf dem Maya-Zeremonien stattfanden und es war interessant, diese aus der Distanz zu beobachten.
Der Tag nach meiner Ankunft war ein Sonntag und ein besonderer Tag in Guatemala. An diesem Tag fand die Präsidentenwahl im Land statt, die voraussichtlich im August mit einer Stichwahl fortgesetzt wird. Auf dem berühmten Markt von Chichicastenango waren aufgrund der Wahlen nicht alle Stände besetzt, aber das störte mich nicht weiter. Ich lief zuerst einmal durch die lebendige Stadt und an der Kirche im Zentrum wurde ich von einem älteren Herren angesprochen, der angeblich 6 Sprachen beherrschte und Touristenführer war. Er bot mir eine 2-stündige Tour durch Chichicastenango für Q300 an, die ich auf Q200 (€25) herunterhandelte. José und die Enkelin, die er im Schlepptau hatte, liefen mit mir zuerst zum Friedhof der Stadt. Er erklärte nicht viel und es wurde immer offensichtlicher, dass er Fremdsprachen nicht wirklich beherrschte. Mit meinem wenigen Spanisch erfuhr ich aber zumindest, dass etwa 90% der Gräber auf dem Friedhof Maya-Begräbnisstätten sind und dass die Größe und Bauweise eines Grabes von den finanziellen Mitteln einer Person abhängig ist. Die Grabstätte trägt die Farbe des Wochentags, an dem die Person verstirbt, d.h. jedem Wochentag ist eine bestimmte Farbe zugeordnet. Vom Friedhof hatte man einen wundervollen Blick auf die Stadt, aber die Kehrseite der Medaille war der viele Müll, der hier herum lag. Ich habe noch nie in meinem Leben einen derart ungepflegten Gottesacker gesehen. José und Enkelin brachten mich danach zu einer Maya-Gebetsstätte und dann liefen wir gemeinsam zurück ins Zentrum, wo der Besuch des Marktes anstand. Ich musste ihm weiter jedes Wort aus der Nase ziehen. Auf dem lokalen Markt war vor allem der Streetfood-Bereich eindrücklich. Hier wurde gekocht, frittiert und gefuttert was das Zeug hielt. Für eine ordentliche Portion bezahlte man Q30, was etwa €3.75 entspricht. Besonderer Renner war hier auch frittierte und getrocknete Schweineschwarte, die in großen Säcken herumstand und als Snack zum Verkauf angeboten wurde. Der Besuch des Marktes war eindrucksvoll. Als mich José nach unserer Tour in ein Restaurant brachte, was seiner Meinung nach bei Touristen beliebt ist und dort auch noch zum Essen eingeladen werden wollte, hörte die Freundschaft auf. Ich lehnte dies ab, bezahlte ihm den horrenden Betrag von Q200, den ich aus Unwissenheit mit ihm ausgemacht hatte und verließ die Location. Anschließend aß ich noch hervorragend im Restaurant Casa de San Juan, bevor es wieder zurück auf den Campingplatz ging. Der Besitzer Thomas schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als ich ihm erzählte, wieviel Geld mir José abgeknöpft hatte und ich entschied, mir in Zukunft genau zu überlegen, wann ich wirklich einen Guide benötigte.
Nach einer zweiten ruhigen Nacht im Wäldchen hieß es am nächsten Morgen noch kurz beim Mechaniker vorbeizuschauen, der sich direkt nebenan befand. Er zeigte mir nach einer Weile die vorderen Bremsbeläge, die wirklich ersetzt werden mussten und bei einem Preis von Q300 (€37) inkl. Arbeitslohn stimmte ich zu. Nach etwa einer Stunde waren die Ersatzteile gekauft und die Reparatur getätigt. Es konnte weitergehen. Mein neues Ziel war die Stadt San Marcos am Lago de Atitlán. Hier sollte ich auch wieder auf Reisebekannte aus Deutschland und der Schweiz treffen.Read more
San Marcos La Laguna, Guatemala
June 26, 2023 in Guatemala ⋅ ☁️ 23 °C
Ich freute mich auf eine kurze Fahrt, denn von Chichicastenango nach San Marcos La Laguna waren es gerade mal 63 km, für die ich etwa 2 Stunden benötigte. Als ich beim Mechaniker starten wollte, musste ich 3x zünden, bis der Isuzu endlich ansprang. Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit. Ich schaffte den Rest der Strecke aber ohne weitere Auffälligkeiten und kam wohlbehalten auf dem Campingplatz „Pasaj Cap“ in San Marcos an. Es ist ein außergewöhnlich gepflegter und eher luxuriöser Platz, der sich auf einem immensen Grundstück mit toller Aussicht und privatem Zugang zum Lago de Atitlán befindet. Der Besitzer der Anlage ist Franzose und war zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes gerade im Heimatland. Empfangen und eingewiesen wurde ich von seiner polnischen Lebensgefährtin, die etwas gefordert gewesen zu sein schien. Sie drückte mir ein Buch in die Hand, in dem ich alle Informationen und Regeln, die man auf dem Campingplatz einzuhalten hatte, fand. Das war das erste Mal während meiner Reise, dass ich als Camperin derart reglementiert wurde. Wichtig war es im Pasaj Cap auch, immer alle Türen, d.h. die in Richtung Dorf und die andere zum See 2x zusätzlich abzuschließen, obwohl sie schon geschlossen waren. Einmal forderte mich die Besitzerin auf, meine Wäscheleine abzunehmen. Sie meinte, wenn jede Campingeinheit Wäsche aufhängen würde, könnte der Platz zu einem Hippiegelände verkommen und das möchte sie nicht. Ich konnte es schon nicht mehr Ernst nehmen, versuchte aber einen sachlichen Umgang mit ihren Wünschen zu pflegen. Für Q100 (€13) pro Nacht stand ich insgesamt 3 Nächte an diesem Ort.
Am Tag meiner Ankunft versuchte ich mich zuerst einzurichten. Ich stand etwas abseits von den anderen Fahrzeugen und hatte dort nicht wirklich viel Platz. Am nächsten Morgen sollte ich nach unten wechseln können, da dann meine Schweizer Reisebekannten abfuhren. Mit ihnen ging es am Abend noch ins Dorf hinab, wo wir gemeinsam zu Abend aßen. Wir entschieden uns fürs Moonfish Café, indem es einige streunende Hunde im Gastbereich hatte, die bettelten und rochen. Mit Genuss konnte ich nicht essen.
Am nächsten Morgen startete ich kurz nach 6 Uhr zum Joggen. Der Trail war eigentlich ganz ok, aber Sand und Steine schafften es, dass ich nach etwa 2.5 km ausrutschte. Autsch ! Ich hatte mir beide Knie aufgeschlagen und Schürfwunden an Händen und Armen. Es hieß mal wieder Augen zu und durch. Ich rannte nochmal 6 km weiter, bevor ich mich mit der Wundversorgung auseinandersetzte. Ich versuchte in der hiesigen Apotheke große Pflaster zu bekommen, doch die gab es nicht und woanders am See auch nicht ;-(. Den Rest des Tages unternahm ich nicht mehr viel. Ich verbrachte Zeit am Lago de Atitlán, genoss die Ruhe und den atemberaubenden Blick auf die Vulkane San Pedro, Toliman und Atitlán auf der gegenüberliegenden Seite. Vor dem Steg mühte sich ein Fischer auf dem welligen Gewässer ab, um etwas Nahrhaftes zu fangen. Als ich später nach oben ging, war es mir nicht möglich, die Tür zum Campingplatz aufzuschließen. Ich musste Hilfe von den Angestellten anfordern. Am Nachmittag spazierte ich dann noch kurz ins Dorf, um mir in der Bäckerei ein unwiderstehlich gutes Brot zu kaufen. Den Abend verbrachte ich entspannt neben meinen Nachbarn aus Deutschland, die ich erstmals in Bacalar in Mexiko getroffen hatte. Seitdem liefen wir uns immer mal wieder über den Weg.
An meinem letzten Tag in San Marcos La Laguna wollte ich den Ort erkunden. Es ist nur ein kleines Dorf am Lago Atitlán, welches auf einer Höhe von 1585 Metern liegt. Mit seinen circa 2200 Einwohnern, die größtenteils aus der indigenen Bevölkerung stammen, geht es hier recht ruhig zu. San Marcos La Laguna ist bekannt für seine Yoga-Expats. Man sieht hier wahnsinnig viele von ihnen, kommend aus der ganzen Welt, die sich an den Ufern des Lago Atitlán niedergelassen haben, um Yoga zu machen. San Marcos La Laguna zählt zu den spirituellsten Orten auf der ganzen Welt. Davon wollte ich mir ein Bild machen. Ich spazierte zuerst steil bergauf mit dem Ziel, das „Eagles Nest“ zu erreichen, die Yoga-Destination in San Marcos schlechthin. Und JA: dieser Ort ist atemberaubend. Ich konnte mich als Gast dort aufhalten und genoss vor allem den magischen Blick in die Weite. Danach spazierte ich zurück, schlenderte durch die kleinen Bio-Läden im Zentrum bis zum Bootsanleger hinunter und zurück zum Campingplatz Pasaj Cap. Es hatte angefangen zu regnen und ich suchte das Trockene.
Am Donnerstag, den 29. Juni fuhr ich gerade mal 7km weiter in die Pueblo Magico San Juan La Laguna. Der Eco-Campingplatz „The Hub“ befand sich am Ortseingang aus Richtung San Marcos kommend und er war „anders“ als Pasaj Cap. Neben mir standen für die nächsten beiden Tage meine Reisebekannten aus Kanada, die es hier schon mehrere Wochen aushielten. Das Wiedersehen war herzlich und die Stimmung viel heiterer und ausgelassener, als in den letzten Tagen auf dem Luxuscampingplatz.Read more
San Juan und San Pedro La Laguna
June 29, 2023 in Guatemala ⋅ 🌧 21 °C
Der Ecocampingplatz „The Hub“ war wahrlich anders, als Pasaj Cap auf der gegenüberliegenden Seeseite in San Marcos La Laguna und ich benötigte einen Moment, um mich vom Luxuscampieren auf das einfache Campingdasein umzustellen. Das Auto parkte ich neben meinen kanadischen Bekannten, die ich letztmals in Mexiko gesehen hatte, auf einer Wiese mit hoch stehendem Gras. Nebenan befanden sich Maisfelder. Im Gebäude, welches vis a vis unserer Fahrzeuge stand, gab es eine Gemeinschaftsküche, sowie Toiletten und Duschen. Gerade neben den sanitären Anlagen und ohne Tür dazwischen schliefen 2 Volontäre aus den USA in einem Massenschlaflager, die hier eine Woche gegen Kost und Logis 3 Stunden pro Tag arbeiteten. Zu tun gab es vor allem beim Unterhalt der Außenanlage, aber auch im Innenbereich war der Besitzer Marcos immer am werkeln. Am Tag meiner Ankunft unterstützte er mich beim Aufbau meines Vordaches, was alleine nicht zu schaffen ist. Es war eine gute Entscheidung, Zeit dafür zu investieren, denn am Lago de Atitlán regnete es mittlerweile täglich. An diesem Tag war der Regen besonders intensiv und glücklicherweise konnte ich den Abend im Camper der Kanadier verbringen, da ich ihnen das Dogsitting zugesichert hatte. Darko, deren Hund und ich suchten für mehrere Stunden Schutz im Fahrzeug. Nachdem Vanessa und Patrice wieder zurück waren, unterhielten wir uns noch eine Weile, bevor ich mich ungern rüber zum Isuzu begab.
Am Freitag hatte ich mir viel vorgenommen. Ich wollte mir das Städtchen San Pedro und die Pueblo Mágico San Juan La Laguna anschauen. Die Kanadier brachen bereits früh zum Spanischunterricht auf, während ich mir noch Zeit für ein ausgiebiges Frühstück ließ und erst gegen 11 Uhr vormittags startete. Ich lief vom Campingplatz aus zum Bootsanleger in San Juan und leistete mir für Q10 (€1.20) das Wassertaxi nach San Pedro. Die Fahrt dauerte gerade einmal 2 Minuten. Nach meiner Ankunft am ersten Bootsanleger im Touristenort spazierte ich durchs Stadtzentrum, vorbei am Stadtpark und der festlich geschmückten Kirche. Daran, welche Fiesta gerade in San Pedro gefeiert wurde, erinnere ich mich nicht mehr. Ich lief von hier aus weiter Richtung See. Etwas fiel mir in San Pedro besonders auf und das waren die vielen betrunken Männer, die überall herumstanden, -saßen oder -lagen. Da machte ich lieber einen Bogen rum. Unten am See bot sich mir dann ein völlig anderes Bild. Die Touristenmeile war gepflegt, es reihte sich Laden an Laden, ein Restaurant ans andere und vorbei kam ich auch an einigen Sprachschulen, wofür der Ort vor allem bei Backpackern bekannt ist. Ich lief die Flaniermeile entlang und stoppte schließlich am Seeufer, wo ich einer Waschfrau bei ihrer schweren Arbeit eine Weile zuschaute. Im Zentrum hatte ich zuvor einem Händler eine große, reife Mango abgekauft, die ich ihr schenkte. Da bereits ein paar Stunden vergangen waren und ich mir San Juan La Laguna auch noch anschauen wollte, entschied ich mich, mit dem Wassertaxi zurückzufahren. Mein Fazit: Es war schön, San Pedro gesehen zu haben, aber es versprühte in meinen Augen eher weniger Charme.
Umso bezaubernder war dann aber San Juan La Laguna. Es trägt den Titel einer Pueblo Mágico zu Recht. Schon nach Verlassen des Bootssteges taucht man in eine quirlige, farbenfrohe Welt ein. Man flaniert die Hauptstraße hinauf, vorbei an Cafés, die lokalen Kaffee anbieten und verkaufen, an Eisdielen, deren Eiscremes Lust auf Mehr machen, an Souvenir- und Bekleidungsgeschäften, an Galerien und Ökoläden. Über mir schwebten farbige Schirme, Ballone, Glöckchen und andere Accessoires. Strassenmusiker spielten auf der Marimba gemeinsam bezaubernde Klänge. Je weiter ich nach oben spazierte, umso bunter waren auch die Hauswände bemalt mit wundervollen Motiven der lokalen, indigenen Bevölkerung. Es war atemberaubend. Als ich dann schließlich an der kleinen Steinkirche ankam, entschloss ich mich allmählich den Rückweg anzutreten. Es wurde schon langsam dunkel.
Ich war überrascht, dass sich plötzlich 4 Campingfahrzeuge auf dem doch recht wenig Platz bietenden Gelände vom „The Hub“ befanden. Von der Ankunft von Sylvia und Mathias aus München, die ich letztmals in San Cristóbal in Mexiko gesehen hatte, wusste ich bereits. Vor ihnen stand noch ein Wohnmobil mit französischem Kennzeichen mit einer 5-köpfigen Familie plus Hund darin. Den Abend verbrachte ich mit den Münchnern in der Gemeinschaftsküche bei einem guten Essen und mehreren Gläschen Wein.
Am Samstag, den 1. Juli wollte ich wie geplant weiter zum Vulkan Acatenango. Ich informierte die französische Familie, die am Morgen um 9 Uhr bereits zur Wanderung aufzubrechen schien, über mein Vorhaben. Sie mussten ihr Wohnmobil wegfahren, damit ich rauskam und sie meinten, dass dies kein Problem sei, da Frau und Kleinkind sowieso vor Ort bleiben würden. Ich ging mit Sylvia und Vanessa noch für einen Einkauf auf den Markt und war dann am Mittag zur Abfahrt bereit. Nun wurde es problematisch. Mathias hatte das Wohngefährt bereits auf die Straße gefahren, aber bei der Französin lief es nicht gut. Das Wohnmobil steckte in einem Erdloch fest. Marcos durfte nach langem Diskutieren den Wagen der Franzosen aus der Kuhle herausfahren. Danach setzte sich die junge Frau wieder selber ans Steuer und schaffte es nur ein paar Meter rückwärts, bis sie den fahrbaren Untersatz abstellte und auf ihren Partner wartete. Dieser kam gegen 14 Uhr, es waren etwa 2 Stunden vergangen, zurück. Die Französin fing plötzlich wutentbrannt an zu schreien und beschimpfte mehrere Personen auf dem Campingplatz. Wir versuchten alle die Fassung zu bewahren, bis sie schließlich abbrausten. Für niemanden von uns war ihr Ärger wirklich nachvollziehbar und so entschieden wir uns, einen Haken dranzusetzen.
Kurz nach 2 Uhr nachmittags konnte ich dann schließlich in San Juan La Laguna starten. Der Isuzu ging diesmal schon auf dem Platz aus, jedoch nach zweimaligem Zünden wieder an. Ich hatte 127km zu fahren und Google Maps zeigte etwa 3 Stunden Fahrtzeit an. Am Abend wollte ich in der Ortschaft Aldea La Soledad noch den Aufstieg zum Vulkan am nächsten Morgen organisieren. Nach dem Abschied von Freunden und vom wundervollen Lago de Atitlán ging es bergauf.Read more
Aldea La Soledad Volcan Acatenango
July 1, 2023 in Guatemala ⋅ ☁️ 14 °C
Aufgrund von Störungen konnte ich den Campingplatz in San Juan La Laguna erst zu recht später Tageszeit verlassen und und vor mir lagen gute 3 Stunden Reisezeit. Unterwegs regnete es einmal so stark, dass ich eine Weile anhielt und wartete, bis der Schauer wieder vorüber war. Es wurde immer offensichtlicher, dass die Regenzeit begonnen hatte. Der Starkregen setzte meist plötzlich und heftig ein.
Später stand ich auch noch im Stau auf dem Highway, so dass die Zeit immer mehr voranschritt. Als es schon langsam dunkel wurde, erreichte ich
die kleine Gemeinde Aldea La Soledad am Fuße des Vulkans Acatenango. Es war neblig und kalt. Auf der IOverlander App hatte ich mir 2 Übernachtungsmöglichkeiten herausgesucht, die ich nach Ankunft abklapperte. Zuerst fragte ich bei einer kleinen Tienda (Lebensmittelgeschäft) nach und wurde auf das Anwesen oberhalb verwiesen, welches schon einmal nach einer guten Option ausschaute. Bevor ich mich festlegte, lief ich noch zu der sich unterhalb des Ladens befindenden Nachbarschaft und sprach mit einem gewissen Don Valeriano. Sein Sohn Daniel bot mir das Campieren für Q50 (€6.50) pro Nacht an, für die private Tour auf den Vulkan mit meinem eigenen Zelt veranschlagte er nochmals Q500 (€60). Da die Familie auf dem Grundstück nur eine Latrine für die Notdurft hatte und das gesamte Anwesen sehr wenig einladend aussah, entschied ich mich, die Q550 woanders zu investieren. Ich lief wieder zu den Eigentümern des Tante Emma Ladens hoch und willigte in deren Angebot ein. Sie boten mir ein Bett in einem Schlafsaal für Q100 (€12.50) an, den Isuzu konnte ich für ein Trinkgeld 2 Tage sicher unter Dach parken, ich konnte meinen Kühlschrank mit dem Strom verbinden und sie organisierten mir einen privaten Guide für den nächsten Morgen für Q500. Diese Tour würde mich sogar zu einer einfachen Cabaña führen, anstatt im eigenen Zelt schlafen zu müssen. Die sanitären Anlagen sahen hier zudem sehr ansprechend aus und so willigte ich ein. Für einen kleinen Betrag kochte mir die Herbergsmama am Abend sogar noch Rice and Beans. Besser konnte es nicht laufen.
Am Sonntagmorgen war ich bereits früh auf den Beinen, denn um 9 Uhr sollte die Tour auf den Acatenango starten. Zu abgemachter Zeit standen mein Guide Eswin und sein 11-jähriger Sohn José Carlos zum Abmarsch bereit auf dem Gelände der Unterkunft. Die großen Gruppen mit bis zu 30 Personen aus Antigua Guatemala kommend starten in der Regel erst gegen 11 Uhr. Wir waren demzufolge früh dran und es war recht ruhig auf dem Weg nach oben. Eswin war übrigens schon mehr als 500x auf dem Vulkan. Der Acatenango hat eine Höhe von 3976 Metern, die wir an diesem Tag nicht ganz erreichen sollten, denn das Schlaflager befand sich etwa 1h unterhalb des Gipfels. Die Wanderung auf den Vulkan war wirklich anspruchsvoll und es waren viele Pausen notwendig, damit sich der Körper jeweils von den Strapazen erholen konnte. Zudem ist der Aufstieg zu den Cabañas ein anderer und weitaus anstrengenderer, als der zu den Zelten. Am Parkeingang bezahlte ich nochmals Q50 (€6.50) Eintritt. Nach ca. 4.5 Stunden erreichten wir den gewünschten Ort. Das Wetter war wechselhaft, mal regnete es unterwegs und ein anderes Mal nahm uns dichter Nebel die Sicht. Hier oben waren es nicht mehr mehr als 10 Grad Celsius am Nachmittag und ich entschied mich nach dem intensiven Aufstieg erst einmal für einen Nap. Als ich es nach ca. 2 Stunden nochmal aus meiner Unterkunft schaffte und nach nebenan zu Vater und Sohn ging, waren die Beiden vergnügt am Pokern und Eswin mutierte zum Schluckspecht. Scheinbar hatte es im Verschlag Tetrapak-Weinvorräte, die seinem Durst heute zum Opfer fielen. Naja, ich gönnte mir auch noch ein Becherchen und legte mich später mit mehreren Schichten Kleidung am Körper, sowie Mütze und Handschuhen schlafen. Dass der gegenüberliegende aktive Vulkan Fuego alle 20 Minuten während der Nacht ausbrach und dies ein absolutes Highlight nach Nebelauflösung war, erwähnte mein Guide mit keinem Wort. Er war wohl zu betrunken.
Am Montagmorgen weckte ich ihn um 4 Uhr und wir starteten zu dritt den einstündigen Aufstieg auf den Acatenango. Der Sonnenaufgang war an diesem Tag aufgrund der unbestimmten Wetterlage kein Highlight, die Eruption des Fuego jedoch um so mehr. Manchmal stieß er sogar 2x hintereinander eine Aschewolke aus. Magisch. Um etwa 6 Uhr liefen Eswin und ich zum Basislager zurück. Der Sohn José Carlos war uns voraus. Überraschend stellte ich dann vor Ort fest, dass sich meine mitgebrachte Tüte M&Ms nicht mehr unter meinem Proviant befand, aber dass etwas Leeres, Kleines, Gelbes vor Edwins und Josés Hütte herumlag. Wo das wohl herkam 🤷♀️. Ich gönnte es dem 11-Jährigen, dachte aber, er hätte auch fragen können, anstatt sich einfach zu bedienen. Nachdem mir Eswin mitgeteilt hatte, dass er mir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit kein Teewasser mehr aufkochen könne, ging es um etwa 7 Uhr morgens zurück nach Altea de Soledad. Ich weiß nicht so recht, was plötzlich mit mir los war, aber die beträchtliche Höhe machte mir wohl zu schaffen. Mir war übel und ich hatte einen ausgeprägten Brechreiz. Nachdem Eswin und ich schon einen guten Höhenunterschied überwunden hatten und wieder am Parkeingang waren, konnte ich es nicht mehr halten und ich übergab mich. Eswin wirkte plötzlich weniger gleichgültig auf mich, als noch am Morgen und war sogar etwas besorgt. Nach ca. 4 Stunden Abstieg hatten wir es endlich geschafft. Ich lud die Beiden zum Abschluss der Tour auf einen alkoholfreien Drink in der Tienda ein und verabschiedete mich schließlich.
Auf dem Platz meiner Herberge stand eine große Gruppe Wanderfreunde, die gerade ihre Anweisungen vom Guide erhielten. Ich nahm etwas gegen die Übelkeit ein und machte mich dann langsam zur Abfahrt bereit. Bis Antigua Guatemala war es nur ein Katzensprung. Ich kam nach einer etwa 1-stündigen Fahrt am Hostal Antigueño an. Hier konnte ich mir vorstellen, länger zu bleiben. Antigua zog mich sofort in seinen Bann.Read more

TravelerBuen Dia liebe Doreen 🌼und herzlichen Dank für diese tollen spektakulären Bilder.so eine Aktion des Vulkans zu erleben ist einmalig und voller Emotionen...toll...!!! Ich wünsche Dir einen tollen Tag und ein weiteres Abenteuer, an dem ich teilhaben darf.Liebe Grüße Gaby...ach ja...Ich darf heute das Krankenhaus verlassen...👍

TravelerOh wie schön ❣️. Das freut mich für dich. Ich wünsche dir Gute Genesung 💐.
Antigua Guatemala, Guatemala
July 3, 2023 in Guatemala ⋅ 🌧 23 °C
Am Montagmittag, des 3. Juli wollte ich nun also nach dem intensiven Acatenango Hike in die Kolonialstadt Antigua Guatemala fahren, um es mir dort ein paar Tage gut gehen zu lassen. Kurz nach meiner Abfahrt aus dem Dorf Aldea La Soledad stellte der Isuzu mitten auf der Hauptstraße ab und diesmal empfand ich es erstmals als gefährlich. Ein Einheimischer fuhr mit hoher Geschwindigkeit hinter mir her und anhand seines wilden Hupens ging ich davon aus, dass er sich nicht erklären konnte, warum das Auto vor ihm plötzlich Halt machte. Er reagierte glücklicherweise schnell und ich kam unbeschadet davon. Nachdem ich den Isuzu neu gestartet hatte, fuhr ich störungsfrei weiter bis zu meinem neuen Campingspot vor dem Hostal Antigüeño, welches sich am Rand des historischen Zentrums von Antigua befindet. Es war traumhaft, für ein paar Tage an so einem wundervollen Ort zu campieren, wo ich gerade mal Q50 (€8) pro Nacht bezahlte und alle Einrichtungen im Hostel mitbenutzen konnte. Sogar der Stromanschluss war inklusive und das Personal stellte mir einen großen Schrank für Einlagerungen zur Verfügung, da es in Antigua wirklich außergewöhnlich viel regnete und ich draußen nichts stehen lassen konnte. Neben mir standen meine Reisebekannten aus der Schweiz, die ich erst am Lago de Atitlán kürzlich wiedergetroffen hatte. Sie waren zum Zeitpunkt meiner Ankunft auf dem Acatenango.
Nach dem Check-In genoss ich eine heisse Dusche und kochte mir anschließend ein feines Abendessen. Ich erwähne es bereits JETZT: im Antigüeño konnte man Essen bestellen oder selber kochen. Die Hostelküche benutzten Koch und Reisende zusammen. Dieser Mann war merkwürdig und unfreundlich und ich lernte schnell, ihn zu ignorieren.
Ich ging an diesem ersten Abend früh schlafen, denn das hatte ich dringend nötig. Mein Körper war von der Wanderung noch immer vollkommen ausgelaugt.
Den nächsten Tag wollte ich zum Entspannen nutzen und keine großen Unternehmungen machen. Da meine Lebensmittelvorräte recht aufgebraucht waren, ließ ich mich von einem TukTuk zum nächsten El Torre Supermarkt fahren, wo man sehr hochwertig einkaufen konnte. Dort gab es sogar ein Regal, in welchem ausschließlich deutsche und Schweizer Produkte zu finden waren und das zu recht vertretbaren Preisen. Es tat gut. Nachdem ich zurück im Hostal war und alles eingeräumt hatte, bekam ich meine beiden großen Taschen voller Wäsche wieder zurück und sortierte sie ein. Als Nächstes suchte ich eine nahegelegene Autowerkstatt auf, um nochmals das Problem des plötzlichen Abstellens begutachten zu lassen. Ich ging schon wieder weitaus mehr Aktivitäten nach, als ursprünglich geplant. Der Automechaniker bestellte mich auf den späten Nachmittag für eine Probefahrt zu sich. Ich fuhr zurück zum Antigüeño, um mich etwas zu entspannen. Mittlerweile waren die Schweizer vom Vulkan zurück, und ebenfalls vollkommen geschafft. Das ging wohl allen Leuten, die diese Tour machten gleich. Ich fuhr später wieder zur Werkstatt und der Isuzu machte genau das, was er bei einer Probefahrt immer machte: er lief prächtig. Diego hängte den Scanner an, nachdem wir zurück waren und stellte mit Gewissheit fest, dass der Luftstromsensor das Problem sei, und dass dieser vor allem beim Fahren in erhöhter Lage zu Aussetzern führe. Eine neue Theorie, der ich noch nicht so recht Glauben schenken wollte. Diego wollte mir bereits am nächsten Tag einen neuen Sensor einbauen und da ich mich in Antigua recht wohl fühlte und nicht in Eile war, stimmte ich zu. Den Dienstagabend ließ ich mit einem Hoffnungsschimmer und einem Glas Wein ruhig ausklingen.
Am Mittwochmorgen war ich bereits zu früher Stunde auf den Beinen, da ich das erste Mal in Antigua joggen wollte. Die Temperaturen waren super, die anderen Laufbedingungen allerdings eine Katastrophe. Ich lief meine Runden auf den Bürgersteigen des historischen Zentrums und musste immer wieder extrem auf kreuzende Fahrzeuge achten. Erst Tage später fand ich einen passableren Weg in der Nähe vom Mirador Cerro de La Cruz. Nach dem Laufen nahm ich mir richtig schön Zeit für Dusche, Frühstück und für den Start in den restlichen Tag. Es hieß mal wieder Abwarten und Tee trinken, bis sich der Mechaniker meldet und der meldete sich nicht ;-(. Also lief ich zur Werkstatt und fand dort plötzlich einen Lexter anstatt eines Diego’s vor, der für die Ersatzteilbeschaffung zuständig zu sein schien. Er teilte mir mit, dass er den Sensor gefunden habe und ich eine Anzahlung von Q700 (€87) leisten solle, welche er direkt beim Kauf einsetzen werde. Den Rest sollte ich bei erfolgreicher Reparatur zahlen. Die Gesamtsumme belief sich auf ca. €125. Ich schlenderte eine Weile durchs Zentrum und kam wie abgemacht am frühen Nachmittag voller Hoffnung zurück und der Sensor war tatsächlich da ! Diego fing auch sofort mit dem Einbau an. Ich ging nochmals zurück zum Hostel, da aus der erwähnten Dreiviertelstunde plötzlich mehr wurde und wir einen Anruf nach Fertigstellung abmachten. Diego rief mich nach etwa 2 Stunden an und teilte mir mit, dass der Sensor nicht passe und ich mein Auto abholen könne. Er sicherte mir aber zu, dass Lexter am nächsten Tag bei weiteren Resellern in Guatemala City nach dem Ersatzteil schauen werde. Enttäuscht fuhr ich von dannen. Ich verbrachte den Abend mit den Schweizern im Hostel und das tat nach dem intensiven Tag, an dem sich wieder mal alles nur um den Isuzu drehte, richtig gut.
Am Donnerstag konnte ich meinem Vorhaben, mir die Stadt anzuschauen, noch immer nicht nachgehen, denn es sollte nochmals ein Tag rund ums Auto draufgehen. Lexter brachte wieder einen Sensor aus der Hauptstadt mit zur Werkstatt, jedoch passte dieser erneut nicht. Nach dem gescheiterten dritten Versuch teilte er mir mit, dass der Autoersatzteilladen geschlossen habe. Ich glaubte ihm nicht, aber das behielt ich für mich. Ich machte mich zur Werkstatt auf und holte mir meine Q700 wieder ab. Für die investierte Zeit und Mühe wollten sie keinen Quetzal und ich war froh. Ich war auch etwas frustriert, denn Diego’s Ansatz klang recht logisch und ich hatte schon Hoffnung, dass nun all meine Probleme mit dem Wagen für den Rest der Reise gelöst seien. Pustekuchen. Am Abend gingen die Schweizer und ich zusammen zum Essen und wir verbrachten nette gemeinsame Stunden miteinander.
Für den nächsten Tag, es war bereits Freitag, nahm ich mir Einiges vor. Ich hatte ja nun endlich Zeit. Zum Sonnenaufgang ging es zu Fuß zum Cerro de La Cruz, einer Aussichtsplattform, von der aus man einen wundervollen Blick auf die Vulkane Agua, Acatenango und Fuego hat und an diesem Morgen eruptierte der Fuego bei klarer Sicht besonders intensiv. Als ich um etwa 6.30 Uhr ins Antigüeño zurückkehrte und es tatsächlich wagte, vor um 7 Uhr das Heilige Reich des mürrischen Kochs zu betreten, hätte er mich mit seinen Blicken fast getötet. Ich dachte mir nur: Immer schön cool bleiben, schließlich wollte ich so bald als möglich ins historische Zentrum aufbrechen, denn in Antigua fängt der frühe Vogel den Wurm. Es war eine kluge Entscheidung vor 8 Uhr morgens zu einer Besichtigung aufzubrechen, denn in der Regel füllt sich die Stadt schnell mit Touristen und der Verkehr nimmt ebenfalls zügig rapide zu. Im historischen Zentrum konnte ich keine verkehrsberuhigte Zone entdecken und es stresste mich als Fussgängerin recht. UNESCO bitte unternimm etwas dagegen !!! Die Stadt fasziniert trotz Störfaktoren mit ihrer unbeschreiblichen Schönheit, Geschichte und Natur, damit meine ich die Vulkane, die Antigua umgeben. Ein Wahrzeichen der Kolonialstadt ist der Arco de Santa Catalina, den ich am Morgen ohne Touristen und ohne Autos fotografieren konnte. Eine Seltenheit. Weiter ging es dann durch alle 7 Calles des historischen Zentrums. Einen Smoothie gönnte ich mir im Piña Tambien, einer angesagten Lokalität in der Stadt. Um 14 Uhr fand ich mich zur Free-Walking Tour vor der Kathedrale San José ein. Es ging für etwa 2 Stunden zu Fuß durch das historische Zentrum und dazu gab es eine Vielzahl von interessanten Informationen vom Guide:
Antigua ist eine etwa 35 000 Einwohner zählende Stadt im zentralen Hochland Guatemalas. Sie liegt auf einer Höhe von 1582m. Sie war von 1543 bis 1773 die Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika. Die für ihre barocke Kolonialarchitektur bekannte Stadt gehört seit 1979 zum Weltkulturerbe.
Nach der Tour lief ich noch ein wenig selber durch die Stadt, bis ich mich schließlich für den Rückweg zum Hostal entschied. Am Abend wurde mal wieder gekocht und mit den Schweizern ein Schlummertrunk eingenommen. Beide waren noch immer in Antigua, nacheinander erkrankt.
Der Samstag sollte mein letzter Tag in der wundervollen historischen Stadt sein. Ich entschied mich für einen Museumstag. Nicht weit vom Antigüeño hatte ich einen Museumskomplex gesehen, durch den ich gerne streifen wollte. Ich zahlte Q40 (€5) Eintritt und hatte Zugang zu 7 verschiedenen Museen. Mit der Zeit mutierte mein Besuch zu einem Marathon. Zu guter letzt steuerte ich auf eine Hochzeitsgesellschaft zu mit einem riesigen Bankett, außerdem gab es hier Luxusapartments für Touristen, es wurden Malereien an den Wänden ausgestellt und zum Verkauf angeboten etc..Ich hatte das Gefühl, dass ich in eine neue Stadt innerhalb einer Stadt eingetaucht bin. Ich fand es immer wieder faszinierend, wie nah Gegensätze in Guatemala beieinander lagen. Hier spiegelte sich dieser Sachverhalt auch unweigerlich wieder.
Der Tag im Museum verging wie im Fluge und am nächsten Tag, es war ein Sonntag, hieß es Abschied nehmen von einer der beeindruckendsten Städte auf meiner bisherigen Reise. Danke Antigua Guatemala für die unbeschreibliche Schönheit, die du mir offenbart hast. Ich komme gerne wieder. Nach fast 4 Wochen in Guatemala wartete meine letzte Destination im Land auf mich und diesmal ging es an den Strand. Ich fuhr in Antigua los Richtung El Paredón, eine recht neue internationale Surferdestination. Ich bin ein wenig in die Surftowns vernarrt und freute mich schon auf neue Eindrücke und Begegnungen. Nun hieß es definitiv: Adios Antigua ❣️Read more
Pacifico El Paredon
July 9, 2023 in Guatemala ⋅ ☁️ 31 °C
Am Sonntagmittag ging es nun also von Antigua nach El Paredon, ein kleines Surferstädtchen an Guatemalas überschaubarer Pazifikküste. Wie schon so oft, prallten bereits während der Fahrt Gegensätze aufeinander. Ich fuhr erstmals im Land auf einer mehr schlechten als rechten Autobahn. Als ich von dieser abfuhr, ging es auf einer gut ausgebauten und neu geteerten Straße fast bis in den Küstenort. Unterwegs tauchte plötzlich nochmal ein Stück Schotterpiste auf, worüber ich mich allerdings nicht mehr wunderte. Ich kam recht zügig und störungsfrei in El Paredon an und es galt, erst einmal eine Unterkunft zu finden. Campingplätze gab es in der Surferdestination nicht, also war ich auf Parkplätze von Hostels oder AirBnbs angewiesen und ich hatte Glück. Nachdem ich bei der ersten Anlaufstelle eine Absage erhielt, fuhr ich ein paar Meter weiter und zog dort den Hauptgewinn. Es war ein AirBnb namens Hidden Wave mit Cabañas, einem Pool, der sich allerdings in Renovation befand und einer großen Outdoorküche. Ich hätte dort campen können, doch César, der Platzwart, bot mir eine der besseren Hütten mit Klimaanlage und großem Freiluftbadezimmer für Q80 (€10) pro Nacht an. Ich wollte es fast nicht glauben und sagte sofort zu, bevor er wieder absagen konnte. Danach aalte ich mich in meinem klimatisierten Queen-Size Zimmer für den Rest des Tages und hoffte insgeheim, dass ich für diesen unschlagbaren Preis verlängern könne. Normalerweise kostete diese Unterkunft nämlich das 8-fache.
César teilte mir am nächsten Morgen mit, dass ich zwar bleiben könne, aber aus administrativen Gründen den regulären Preis bezahlen müsse. Danach sah ich ihn nicht wieder und regelte die Bezahlung für die vergangene Nacht mit der Reinigungskraft. Ich entschied mich gegen das Bleiben und checkte einige Optionen an der Beachfront ab. Ich kam zur Cocori Lodge und war gleich vollauf begeistert von der Anlage und dem einladenden Pool. Den Preis von mehr als Q350 (€44!) pro Nacht für eine wirklich sehr einfache Holzhütte mit Ventilator fand ich abschreckend und ich begann zu handeln. Letztendlich bekam ich 2 Nächte für Q500 (€62) angeboten und ich stimmte zu. Einzige Bedingung war, dass ich 1x täglich im Restaurant etwas konsumieren sollte und dass ich keine Lebensmittel aus meinem Auto in die Anlage bringen sollte. Ich wurde während dieser beiden Tage zur Schmugglerin. Pssst 🤫. Auch musste ich mich erst mit den Managern, oder was auch immer diese Menschen aus der Hauptstadt sein wollten, auseinandersetzen, um mein Kabel in den Stuffquarters einstecken zu können. Hach, diese Diskussionen zogen Energie. Zugute kam mir in diesen Tagen die Nebensaison. Es waren vor allem unter der Woche nur wenige Touristen vor Ort und so lag der eine oder andere Kompromiss drin. Viele Unterkünfte und Geschäfte hatten sogar ganz geschlossen. Die Cocori Lodge war allerdings überraschend stark frequentiert, aber nicht so, dass es in Massentourismus ausartete :-). Nachdem alles geregelt und der Preis ausgehandelt war, zog ich um und nutze den Tag einfach mal nur zum Faulenzen. Ich chillte in der Hängematte und genoss den Pool. Für einen Spaziergang im kohlschwarzen Sand am Pazifik reichte die Zeit auch noch. Irgendwie versprühte dieser Strand ein besonderes Flair, obwohl er nicht zum im Sand liegen (viel zu heiss) und der Ozean nicht zum schwimmen (viel zu wild) geeignet war.
Die Nacht in der Hütte war heiss und hellhörig. Am Morgen ging ich im Mellow Hostel, was sich in einiger Entfernung befand, frühstücken. Ich nutzte den Rest des Tages für einen Spaziergang am Strand und für einen Streifzug durchs Städtchen, und auch dafür, noch ein wenig zu knipsen. Den Strandabschnitt kannte ich bereits, aber das Ortszentrum war nochmal eine ganz neue Erfahrung. Gegensätze. Am meisten fasziniert war ich vom unbeschreiblichen Chaos vor den „Häusern“ der lokalen Bevölkerung. Es lässt sich eigentlich nur so beschreiben: Unordnung schlechthin. Was hier alles kreuz und quer herumlag war eindrücklich. Es war auch nicht sauber im Ort, sondern eher mülllastig und der Geruch war unangenehm. Der Ort El Paredon befindet sich übrigens am Pazifischen Ozean und am Fluss Rio Acome, worauf regelmäßig Boote und eine kleine Autofähre verkehren. Rechterhand ist ein Mangrovenwald. Es war gut, diesen Teil der Ortschaft auch noch gesehen zu haben, denn er war definitiv anders. Nach Einbruch der Dunkelheit hieß es wieder Getränke zu schmuggeln und danach entschied ich mich, früh schlafen zu gehen, denn ich plante für den nächsten Tag den Grenzübertritt nach El Salvador.
Am Mittwochmorgen startete ich bereits um 9 Uhr in Richtung Grenze. Es dauerte 3 Stunden, bis ich den guatemaltekischen Grenzposten erreichte. Google führte mich erneut auf abenteuerliche Feldwege. Teilweise bekam ich Schweißausbrüche, z.B. als mir auf der unbefestigten Straße eine Kuhherde entgegen kam. Ich musste durch und schaffte es schließlich unbeschadet bis zum Highway. An der Grenze brauchte ich 2 Stunden, um alle Formalitäten zu erledigen. Niemand wollte Geld von mir, geschweige denn war eine Desinfektion des Isuzus notwendig. In Hachadura auf der El Salvadorianischen Seite hielt ich erstmal eine Weile an. Ich hatte es in Land Nummer 5 geschafft.Read more

Traveler....Übrigens ich habe mal beim spazieren gehen am wilden Pazifik einen meiner Flip Flops den Wellen ,,übergeben,,...bzw.hat er sich den so schnell mit voller Wucht vom Fuß gezogen...Ich war froh,daß mein Freund mich festhielt...wer weiß...wo ich gelandet wäre..😉
Ruta de Las Flores, El Salvador
July 12, 2023 in El Salvador ⋅ ☁️ 24 °C
An der Grenze zwischen Pedro de Alvarado in Guatemala und Hachadura in El Salvador standen kilometerlang Lastwagen in einer Kolonne und ich war froh, dass ich mich im Voraus über den Grenzübertritt informiert hatte. Andere Reisende mit Fahrzeugen, die diese Grenze passiert hatten, berichteten davon, dass man an den großen Geschossen auf der linken Spur vorbeifahren könne. Der Gegenverkehr war überschaubar und wenn er auftauchte, fuhr man auf den stark abfallenden Seitenstreifen und weiter ging’s. Natürlich machte ich das auch, sonst würde ich wahrscheinlich heute noch fluchend und verzweifelt dort hinter den LKW’s stehen :-). Ich dachte nur die ganze Zeit: stell dir vor, du machst das am Grenzübergang Deutschland-Schweiz. Wahrscheinlich wäre ich meinen Führerschein sofort los gewesen. Hier hat mir die örtliche Polizei sogar beim Einfädeln kurz vor dem Grenzposten geholfen. Eine andere Welt. Auf der guatemaltekischen Seite habe ich mich ordnungsgemäß bei der Immigration abgemeldet und im Aduana (Zollamt) die temporäre Einfuhrerlaubnis für den Isuzu aufgelöst. Das hat etwas Zeit in Anspruch genommen, denn die Zollbeamtin hat alles akkurat kontrolliert. Auf der El salvadorianischen Seite ging meine Einreise sehr schnell. Leider bekam ich keinen Einreisestempel in den Reisepass, da ich das 90-Tage-Visum für Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua bereits in Guatemala erhielt. Die Einfuhr des Autos dauerte eine Weile. Ich musste diesmal sogar ein Formular ausfüllen und das war mit meinem begrenzten Spanisch nicht ganz einfach. Am Ende hatte die Zollbeamtin wohl Mitleid mit mir und unterstützte mich, so gut sie konnte. Für die Bürokratie an beiden Grenzposten bezahlte ich das erstmals keine Gebühr und das freute mich natürlich. Nach 2 Stunden Flitzerei bei sengender Hitze hatte ich es nach El Salvador geschafft. Wie cool. Ein Land, das schon lange auf meiner To-Travel-Liste stand. Nun galt es, das kleinste Land Zentralamerikas mit seinen 7 Millionen Einwohnern und seiner schwierigen Geschichte, gezeichnet von Bürgerkriegen, Kriminalität und Diktaturen zu entdecken. Noch vor ein paar Jahren war es das gefährlichste Land der Welt.
Nach der Einreise hatte ich nochmals 80km bis zu meinem Ziel der „Ruta de Las Flores“ zu fahren. Ich wollte das Städtchen Juayúa erreichen. Nachdem ich mir in der Grenzstadt Hachadura bereits eine SIM Karte gekauft hatte und sofort wieder online war und mich mit Google Maps verbinden konnte, startete ich meine Fahrt. In El Salvador fiel mir gleich auf, dass die Straßen in einem absolut guten Zustand sind. Da sich auf der Strecke allerdings einige größere Ortschaften befanden, durch die ich durch musste, verbrachte ich nochmal gute 2 Stunden auf der Straße. In Juayúa war ich mit meinen Schweizer Bekannten verabredet. Sie hatten die Grenze am selben Tag passiert und standen bereits auf einem „Campingplatz.“ Ich nehme es schonmal vorweg: Plätze, wie in Mexiko, Belize war auch noch recht luxuriös oder teilweise in Guatemala, gab es in El Salvador nicht mehr. Es waren meist informelle Campsites mit spärlicher Ausstattung. In Juayúa standen wir hinter einem Metalltor auf dem Parkplatz einer kleinen Reihenhausanlage. Hier lebten unzählige Menschen und Haustiere auf kleinstem Raum. Pro Reihenhaus teilte man sich eine Aussentoilette mit integrierter Dusche, worin es immer feucht und nass war. Außerdem standen dort noch 2 große Aussenwaschbecken, welche den ganzen Tag benutzt wurden, sei es zum Spülen von Geschirr, Wäschewaschen, oder Zähneputzen. Für USD 5 pro Nacht durften wir am Teilen teilhaben. Geduscht habe ich dort nicht. An diesem Abend machten wir auch unsere erste Pupusa-Erfahrung (gefüllte Maisfladen mit eingelegtem Kraut on top) in einer städtischen Pupuseria. Mir liegt das El salvadorianische Nationalgericht zu schwer im Magen, so dass ich sie persönlich nicht weiterempfehlen kann. Am nächsten Morgen wollten wir die geführte Wanderung zu den 7 Cascadas machen und entschieden uns deshalb, den Abend früh ausklingen zu lassen.
Gesagt, getan. Wir nahmen uns um 9.30 Uhr ein Mototaxi zur Liegenschaft unseres Guides José. Entdeckt hatten wir ihn auf der IOverlander App. Verabredet waren insgesamt USD 30 für die ca. 3 stündige Wanderung. In El Salvador ist die offizielle Landeswährung übrigens der USD. In vielen Geschäften kann man auch mit der Kryptowährung Bitcoin bezahlen, was weltweit bisher einmalig ist. Einst wollte Präsident Bukele sogar nur noch den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel in El Salvador einführen, kam damit aber nicht durch. Wir wanderten nach einem kurzen Kennenlernen mit José los. Der Hike war sehr anspruchsvoll und nachdem wir die ersten 4 Wasserfälle passiert hatten, mussten wir uns sogar mit einem Seil am Felsen im Wasserfall hochziehen. Keine einfache Angelegenheit und beim ersten Mal stürzte ich ab, versuchte es aber patschnass nochmal und war oben. Diese Aktion galt es weiter oben nochmals mit einem erhöhten Schwierigkeitsgrad zu wiederholen. Entschädigt wurden wir für die ganze Mühe mit atemberaubenden Wasserfallswimmingpools, in denen man sich herrlich erfrischen konnte. Es war wirklich traumhaft und ich kann die Tour zu den 7 Wasserfälle nur wärmstens empfehlen.
Am Freitagmorgen schlenderte ich am Vormittag noch etwas durch Juayúa und schaute mir den farbigen Ortskern an. Wie in allen Kleinstädten Zentralamerikas gibt es im Zentrum einen Park, einen Springbrunnen und eine Kirche. Sehr viel mehr gab es in Juayúa tatsächlich nicht zu sehen. Zurück auf unserem „Campingplatz“ und bereit zur Abreise, mussten wir mit Erschrecken feststellen, dass das Metalltor verschlossen war und unsere Ansprechperson Jorge auswärts arbeitete. Erstaunlich war auch, dass alle Frauen keine Nummer von ihm hatten und keinen Kontakt zu ihm herstellen konnten. Schließlich fragten wir einen Mann, der uns die Nummer von Jorge gab und so konnten wir ihn anrufen. Zum Glück war es ihm möglich, seine Arbeitsstelle zu verlassen und er war 30 Minuten später vor Ort, um uns das Tor zu öffnen. Rahel, Dominik und ich trafen uns erst abends am Fuße des Santa Ana Vulkans wieder.
Ich wollte mir am Nachmittag noch 2 Ortschaften auf der Ruta de Las Flores anschauen. Zuerst fuhr ich in das nur wenige Kilometer entfernte Apaneca. Hier ging es ruhig zu. Touristen, die hierher kamen, schlossen sich meist den geführten Kaffeetouren an, deren Startpunkt etwas außerhalb lag. Im Zentrum gönnte ich mir einen exzellenten El salvadorianischen Kaffee und etwas Süßes dazu. Ich fuhr weiter nach Ataco, der Stadt in El Salvador mit den meisten Murals (Wandbildern). Hier war es hektischer und man sah sogar einige Touristen auf den Straßen. Es gab einige Cafés und Souvenirläden und im Zentrum einen großen Obst-und Gemüsemarkt. Mir hat Ataco von allen 3 Städten auf der Ruta de Las Flores am besten gefallen. Als ich schließlich zurück zu meinem Auto wollte, hatte ich Schwierigkeiten, es wiederzufinden. Ich wusste noch, dass ich es neben einem Restaurant geparkt hatte, aber der Name des Lokals war mir entfallen. Am Ende hatte ich 4 Polizeibeamte im Schlepptau, die ich um Hilfe bat und gemeinsam fanden wir es nach einer Weile. Ich war heilfroh.
Was man in 2 Tagen alles erleben kann 😮. Ich merkte schon, dass ich meine Reisegeschwindigkeit wieder drosseln musste. Ob ich es schaffte ?Read more
Santa Ana Volcano und Lago Coatepeque
July 14, 2023 in El Salvador ⋅ ⛅ 27 °C
Am späten Freitagnachmittag kam ich recht müde auf dem Campingplatz „Casa de Cristal“ an und war froh, den Check-In hinter mich gebracht zu haben. Die Männer, die sich für den Empfang zuständig erklärten, hatten zum Start ins Wochenende bereits einige alkoholische Getränke intus. Ich bezahlte USD 5 für mich und den Isuzu und fuhr auf eine große Wiese, wo Rahel und Dominik auch bereits standen und mich zum Abendessen einluden. Wir tauschten beim Essen die Erlebnisse des Tages auf der Weiterfahrt auf der Ruta de Las Flores aus und schmiedeten Pläne für den nächsten Morgen. Wir wollten früh zum Santa Ana Vulkan aufsteigen und entschieden uns deshalb nach einem Bierchen für die zeitige Nachtruhe.
Am Samstagmorgen starteten wir bereits um 7.30 Uhr in Richtung Eingangsbereich, der sich nur unweit des Campingplatzes befand. Wir wollten den 2381m hohen Vulkan Santa Ana, oder auch Ilamatepec genannt, besteigen. Vor dem Start wurde es erst einmal kompliziert, doch das hatten wir bereits auf der IOverlander App gelesen. Der örtliche Kontrollposten am Eingang wollte uns nämlich nur mit einem Guide für USD 30 + USD 7 Eintrittsgebühr passieren lassen. Da ich für solche Verhandlungen nicht gut genug Spanisch sprach, überließ ich Rahel das Diskutieren und nach einer Weile ließ uns der Mann tatsächlich durch. Er wies uns noch darauf hin, nicht am Kraterrand zu wandern, was wir ihm versprachen. Wir bezahlten die Eintrittsgebühr von USD 7 pro Person und liefen los. Der Aufstieg wurde erst recht weit oben anspruchsvoller, war aber grundsätzlich nicht sehr schwierig und bereits nach ca. 1.5 Stunden erreichten wir den Krater. Es war wirklich ein kluger Entscheid, frühzeitig zu starten, denn wir waren längere Zeit die Einzigen auf fast 3000 m Höhe. Als wir schon wieder am Abstieg waren, kamen uns Massen entgegen, die den Aufstieg mit einem Guide angetreten hatten.
Oben am Krater war es windig und auch etwas kühl, aber gut auszuhalten. Die Sicht war fantastisch. Zum Einen hatte man einen atemberaubenden Blick auf den Vulkan Izalco, wie auch auf den See Coatepeque, aber das Highlight war unumstritten der Kratersee des Santa Ana Vulkans. Einfach atemberaubend. Nach dem Abstieg verweilten wir noch ein Weilchen am Kiosk im Eingangsbereich und schlenderten schließlich zurück zum Campingplatz, wo ich mir für einen Dollar nach Tagen der Abstinenz eine eiskalte Dusche gönnte. Am frühen Nachmittag starteten wir gemeinsam zu einer neuen Destination. Es ging an den Lago de Coatepeque, den wir bereits vom Krater des Santa Ana Vulkans aus bestaunt hatten. Auf dem Weg zur neuen Destination stellte der Isuzu aus unerfindlichen Gründen mal wieder ab, fuhr aber nach Neustart bis zum Ziel. Es war das Restaurant El Faro, auf dessen Kundenparkplatz wir die Nacht verbringen konnten. Für diesen Ort kann ich leider kein gutes Feedback abgeben und empfehle, es vor allem am Wochenende zu vermeiden, denn es war laut, das Essen nicht gut und der Service sehr bescheiden. Aber wir konnten immerhin gratis dort stehen und das war sehr nett. Wertschätzend konsumierten wir unser Abendessen im Restaurant. Nach einiger Zeit setzte ein heftiger Regen ein und wir verkrochen uns in unsere Autos.
Am Sonntagmorgen hieß es Abschied nehmen von der Region Santa Ana. Es ging in die Hauptstadt San Salvador und hier gönnte ich mir ein AirBnb. Ich freute mich sehr auf ein paar Tage in den „eigenen“ 4 Wänden.Read more
Tazumal und Joya de Cerén
July 16, 2023 in El Salvador ⋅ ☁️ 32 °C
Am Sonntag, den 16. Juli verließ ich den Parkplatz des geschäftigen Restaurants El Faro am Lago Coatepeque bereits um 9 Uhr morgens. In meinem AirBnb in der Hauptstadt San Salvador konnte ich allerdings erst um 14 Uhr einchecken und entschied mich deshalb, mir in den kommenden Stunden zwei Sehenswürdigkeiten in der Umgebung anzuschauen.
Für die archäologische Stätte Tazumal fuhr ich sogar nochmals ein Stück zurück, vorbei an Santa Ana bis in die Stadt Chalchuapa. Nur unweit vom geschäftigen Stadtzentrum entfernt, befinden sich die beiden Pyramiden. Ich war an diesem Morgen eine der ersten Besucherinnen, aber auch später kamen nur wenige Interessierte hinzu. Für diese Sehenswürdigkeit musste ich keinen Eintritt bezahlen. Am Eingang wurde mir mitgeteilt, dass das Museum für die Öffentlichkeit zur Zeit wegen Renovierungsarbeiten nicht zugänglich sei. Schade, denn dort sollen sich sehr interessante Ausstellungsstücke befinden, wie z.B. die abgezogene Haut eines geopferten Menschen, die einer göttlichen Statue als Kleidung übergezogen wurde. Aufgrund des geschlossenen Museum war es mir also nur möglich, die Ruinen der bedeutendsten Maya- Stätte El Salvadors zu besichtigen.
Über die Geschichte von Tazumal ist nicht viel bekannt. Wahrscheinlich wurde die Stadt um 100 n. Chr. erstmals besiedelt. Tazumal entwickelte sich zu einem regional bedeutenden Handels- und Kultzentrum. Eine wichtige Rolle spielte der Import und die Verarbeitung von Obsidian. Jade, Kakao, Baumwolle und Salz wurden verkauft. Die Bewohner stellten kunstvolle Keramikschalen her, die auch in weit entfernten Gebieten gefragt waren. Im Zentrum des Ortes wurden mehrere 15 m hohe Pyramiden errichtet, umgeben von Wohnquartieren. Im 6. Jahrhundert bedeckte eine Eruption den Boden der Region mit einer etwa knietiefen Schicht Tephra (vulkanische Lockerstoffe). Man vermutet, dass der Maisanbau zum Erliegen kam und viele Einwohner in das heutige honduranische Copán geflohen sind und zu dessen Aufstieg beigetragen haben. Um das Jahr 1200 wurde Tazumal dann endgültig aufgegeben. Die Maya-Stätte wurde in den 1940er Jahren von amerikanischen Archäologen untersucht und in den 1950er Jahren restauriert und rekonstruiert.
Nachdem ich die recht überschaubare archäologische Stätte angeschaut hatte, war es noch immer nicht an der Zeit für die Fahrt in die Hauptstadt. Deshalb entschied ich mich für die Besichtigung einer UNESCO Welterbestätte namens Joya de Cerén, die sich nur noch 50 Fahrminuten entfernt von San Salvador befindet. Diese archäologische Stätte ist besonders, denn es handelt sich hier um die Ausgrabung eines präkolumbischen Dorfes der Maya, das unter Schichten von Vulkanasche erstaunlich gut erhalten blieb. Der Ausgrabungsort gilt als einer der wichtigsten archäologischen Fundstellen Mittelamerikas. Da sie im Gegensatz zu anderen Maya-Ruinen das Leben des einfachen Volkes zeigt, wird Joya de Cerén oft auch als „amerikanisches Pompeji“ bezeichnet. Der Ort wurde erst 1976 durch Payson Sheets, einen Professor der Anthropologie an der University of Colorado, wiederentdeckt und seitdem ausgegraben. Teile des Ausgrabungsgeländes sind mit einem Metalldach abgedeckt worden.
In unmittelbarer Nähe zur Ausgrabungsstätte befindet sich ein Museum, für welches man etwas mehr Zeit mitbringen sollte. Die Geschichte des Maya-Dorfes wird hier auf großen Tafeln ausführlich beschrieben und es sind zahlreiche Fundstücke ausgestellt. Mit einem Eintrittspreis von USD 10 war Joya de Cerén sicherlich nicht ganz günstig, aber lohnenswert war sie aufgrund ihrer Einzigartigkeit auf jeden Fall. Hier ging es um die Lebensweise des einfachen Volkes, anstatt wie üblich in den Ausgrabungsstätten, um die hohen Priester.
Nachdem ich mir für die Besichtigung der Fundstellen und für das Museum gute 2 Stunden Zeit gelassen hatte, sollte es nun wirklich in die Hauptstadt gehen. Ich kam nach einem intensiven Regenschauer auf der 6-spurigen Autobahn wohlbehalten bei meiner Unterkunft in der Colonia San Mateo, einem Stadtteil von San Salvador, an. Der Verkehr lief hier extrem schnell und ich war heilfroh, dass ich nicht weiter ins Zentrum vordringen musste. Mein Gastgeber Henry war zum Check-In vor Ort und er empfing mich sehr herzlich. Es tat gut, mal wieder 4 Wände um mich herum zu haben.Read more
San Salvador, El Salvador
July 16, 2023 in El Salvador ⋅ ☁️ 30 °C
Ich erreichte die Hauptstadt San Salvador am frühen Sonntagnachmittag und mir stand der Schweiß auf der Stirn. Egal wo man in dieser Stadt fuhr, man tat es rasant. Deshalb entschied ich mich als Fremdling auch, die Autofahrten in den nächsten Tagen einzustellen. Stattdessen nutzte ich Uber und hier vor allem Motorrad-Ubers, was in San Salvador wirklich Sinn machte, denn hier stand man ständig im Stau. Mit dem Motorrad ging’s etwas flüssiger, da sich diese gut am Verkehr vorbeischlängeln konnten. Am Tag meiner Ankunft machte ich nicht mehr viel. Ich hatte das AirBnb für mich alleine, nutzte die kleine Küche und verbrachte ausgiebig Zeit im Bad. Danach hieß es nur noch, den eigenen Balkon mit Vulkanblick und ein richtiges Bett zu genießen. Es war eine willkommene Abwechslung zum Leben im Auto.
Am nächsten Morgen startete ich den Versuch, in der Hauptstadt zu joggen. Bereits vor 6 Uhr morgens begegnete ich vor der Haustür einer einheimischen Läuferin, die mich bis zum Stadion Cuscatlán brachte. Dort war ich aber wegen der Vorbereitung auf die bevorstehenden Unabhängigkeitsfeiern kein gern gesehener Gast und deshalb joggte ich ab dem 2. Tag durchs Wohngebiet, was sehr angenehm und auch sicher war. Einziger Nachteil war, dass ich zuerst eine 4-spurige Straße überqueren musste und das war abenteuerlich. Fußgänger haben in El Salvador keinerlei Rechte im Straßenverkehr. Den Trick, wie ich die Straße heil überqueren konnte, hatte ich irgendwann raus, aber das Herzklopfen blieb. An diesem Montag versuchte mir mein Gastgeber Henry nochmals einen Mechaniker zu vermitteln, allerdings verschob ich das auf den nächsten Tag. Ich wollte mich im Centro Histórico noch mit meinen Schweizer Reisebekannten Rahel und Dominik treffen. Gesagt, getan. Ich nahm mir ein Moto-Uber ins Zentrum und genoss mit den Beiden einen guten El salvadorianischen Kaffee. Da sie bereits einige Stunden an einer Free-Walking-City-Tour teilgenommen hatten und der Guide sie anschließend zu einem Kneipenbesuch mitgenommen hatte, wurde es kein allzu langes Treffen.
Den Dienstagvormittag verbrachte ich im AirBnb. Henry teilte mir mit, dass der Mechaniker am Vormittag vorbeischauen werde. Darauf wartete ich allerdings vergebens. Am frühen Nachmittag kamen gleich 3 Mechaniker zum AirBnb, die später nochmals mit einem Autoelektriker auftauchen wollten. Ich hatte wieder den ganzen Tag im Interesse meines Autos in der Unterkunft verbracht. Der Elektriker stellte schließlich fest, dass nicht der vermutlich defekte Airflow-Sensor zu den Aussetzern führte, sondern der Nockenwellensensor und er war sich ganz sicher. Sicher waren sich die Mechaniker auch dabei, dass sie das Ersatzteil am nächsten Tag besorgt hätten und einbauen würden. Ich hoffte es zwar, aber ob ich wirklich daran glauben sollte? Gegen 16 Uhr bestellte ich mir schließlich ein Uber, welches mich zu Metroplaza, einer recht neuen Shoppingmall mit internationalen Markenläden brachte. In der Mall gab es wenig, was mich aus den Socken gehauen hätte und so liess ich mich mit einem Vollkornbaguette und einem neuen IPhone Cover zurück zum AirBnb fahren. Später traf ich mich nochmal mit Rahel und Dominik zum Essen in der Zona Rosa, dem internationalen Viertel von San Salvador. Die Beiden wollten die Hauptstadt am nächsten Tag in Richtung Pazifikküste verlassen.
Bei mir standen am Mittwoch 2 Dinge an. Zum Einen wartete ich auf eine Rückmeldung vom Mechaniker und zum Anderen hatte ich am Nachmittag um 15 Uhr eine Free-Walking-City-Tour gebucht. Das Eine, nämlich der Einbau des Nockenwellensensors zerschlug sich zwischen 13 und 14 Uhr, denn diesen gab es nicht käuflich zu erwerben. Das Andere fand statt und war eine coole Erfahrung. Ich traf meinen Guide Eric um 15 Uhr vor der Kathedrale von San Salvador und los ging’s. Wie gut Erics Englisch war, weiß ich nicht so genau, aber er war ein netter Typ mit Sinn für Humor und großem Nationalstolz. Er liebte sein Land und die Hauptstadt ganz besonders. Obwohl San Salvador keine besonders schöne Stadt ist, machte Eric sie zu etwas Einzigartigem. Er brachte mich zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wie auch Läden und Restaurants im Centro Histórico. Auf dem Plaza Libertad verbrachten wir einige Zeit bei den lokalen Tänzern und Tänzerinnen, darunter war auch eine 74-jährige Frau, die in El Salvadors Social Media Szene vorne mittanzt. Nach der 2 ständigen Tour brachte mich Eric noch in seine eigene Bar „Les Illustres“ mitten im Centro Histórico, wo es am Vorabend scheinbar hoch herging. Die Bierflaschen in Übergröße konnte man nicht mehr zählen und meine in Normalgrösse kam noch dazu. Zwischenzeitlich bebte die Erde auch mal heftig, doch wir ließen uns nicht aus der Ruhe bringen. In einem Land mit so vielen Vulkanen sei das normal, meinte Eric. Für die Tour gab ich ihm USD 15, bezahlte mein Bier und bestellte mir nach 18 Uhr ein Moto-Uber, welches mich zurück in die Colonia San Mateo brachte.
An meinem vorletzten Tag in San Salvador entschied ich mich morgens spontan, die vorderen Reifen des Isuzu austauschen zu lassen. Diese waren recht abgefahren und ich merkte das besonders, wenn ich durch unwegsameres Gelände fuhr. Der Reifenhändler neben dem AirBnb machte mir ein gutes Angebot, hatte die Reifen da und nach einer Stunde war alles erledigt. Ich war froh, denn in der momentanen Regenzeit konnten gute Reifen nicht schaden. Nach dem Mittag wollte ich dann nochmals ganz in Ruhe durchs Centro Histórico schlendern. Die coolen Spots hatte mir Eric am Tag zuvor gezeigt und heute hatte ich Zeit, noch ein paar Fotos zu schiessen. Auf dem Weg ließ ich mich bei einem Autozubehörladen absetzen, da mir Henry empfohlen hatte, dort noch einmal nach dem Sensor zu fragen. Ich verschwendete meine Zeit. Also ging’s weiter mit dem nächsten Uber ins Centro Histórico. Das Zentrum hatte etwas von allem: historische Gebäude, Baustellen, fliegende Händler, Strassenküchen, 2nd-Hand-Läden, moderne Cafés, Starbucks, Tänzer und Tänzerinnen u.v.m... Es wimmelte nur so von Menschen, meist Einheimische. Touristen waren hier eher die Ausnahme und dementsprechend wurde man bestaunt. Ich genoss das Multi-Kulti-Flair im Centro Histórico sehr und generell war mein Aufenthalt in San Salvador ein ganz Besonderer.
Am Freitag verbrachte ich einen ruhigen Tag im und um das AirBnb. Ich deckte mich beim Supermarktriesen „Super Selectos“ ein und begann mein Auto peu à peu einzuräumen und startklar zu machen. Ich ließ mir für alles die nötige Zeit und lebte in den Tag hinein.
Am Samstagmorgen hieß es nach 6 Tagen in San Salvador, Abschied zu nehmen. Ich suchte mir den kürzesten Weg raus aus der Stadt. Der Verkehr lief auch an diesem Samstag schneller, als mir lieb war. Beruhigend war, dass der Isuzu mitlief und keine Scherereien machte. Das konnte ich hier nicht gebrauchen. Mein neues Ziel war die Pazifikküste. Ich fuhr etwa eine Stunde bis nach El Tunco, einer international bekannten Surferdestination und checkte auf einem mehr schlechten, als rechten Campingplatz ein. Tunco war hipp, aber den Platz galt es so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Wohin ?Read more

TravelerHallo Doreen...Ich wünsche Dir einen wunderschönen Tag voller neuer & aufregender Abenteuer. Pass auf Dich auf .Ich bin auf die nächste ,, Geschichte,,gespannt..Liebe Grüße Gaby😍
El Tunco Beach
July 22, 2023 in El Salvador ⋅ ⛅ 32 °C
An die kurzen Strecken könnte ich mich gewöhnen. Heute ging es gerade mal 38 km gen Süden in die Surftown El Tunco. Ich erreichte sie nach einer 50-minütigen Fahrt. IOverlander zeigte im Ort selber nur einen Campingplatz an und ich fuhr, nachdem ich am Ortseingang USD 1 Durchfahrtsgebühr gezahlt hatte, direkt dorthin. Es war ein Wagnis, denn ich stand auf nicht befestigtem Grund, was hieß, dass es um mich herum dreckig war, es herrschte auf dem gesamten Gelände eine große Unordnung, die ich mir aber mittlerweile von Zentralamerika gewohnt war, um mich herum lebten Einheimische, Küken, Hühner und Hähne, Katzen und Hunde und sicherlich eine Vielzahl von Nagetieren und Insekten, vor meinem Auto war eine Feuerstelle aktiv, der Mann, der mich in Empfang nahm, störte sich an allem, was ich auspackte, bis ich schließlich alles wieder einpackte, die sanitären Anlagen waren schrecklich, der gesamte Platz war außerdem ein gebührenpflichtiger Parkplatz, d.h. an diesem Samstag herrschte Kommen und Gehen bis nachts um 3 Uhr und ein lokales Restaurant gehörte auch noch zu diesem Ort. Da mir der Platz überhaupt nicht gefiel, fuhr ich am Tungo Beach nochmals mehrere Unterkünfte an, die mich aber alle nicht campen lassen wollten. Nur bei der „Tortuga Surf Lodge“, die auf IOverlander als geschlossen markiert war, hätte noch eine Option bestanden. Jedoch erschienen mir die geforderten USD 20 viel zu viel und ich sagte ab. Ich fuhr wieder zurück zu „Hostal y Mar“ bezahlte USD 7 und versuchte die Nacht irgendwie rumzukriegen. Am späten Abend setzte plötzlich ein starker Schauer ein, ich verkroch mich in mein Auto, da der Platz zu einem Schlammgebiet wurde und versuchte die Fahrzeuggeräusche und die laute, bis spät in die Nacht tönende Musik, an mir abprallen zu lassen.
Am nächsten Morgen watete ich noch genau 1x durch den Schlamm zur Toilette und 1x zurück zum Auto, bevor ich die 150 Meter südlich gelegene Tortuga Surf Lodge ansteuerte. Nach den Erfahrungen der vergangenen Nacht spielte Geld keine Rolle mehr. Ich zahlte die USD 20 vorerst für eine
Übernachtung. Von nun an befand ich mich in einer gepflegten Umgebung. Die Tortuga Surf Lodge befindet sich direkt am Strand, wobei hier gerade Baustelle wegen eines neuen Fußgängersteges war, aber das störte nicht. Auf dem Gelände gibt es einen einladender Pool, im Garten sind Hängematten zwischen den Bäumen gespannt, es gibt eine Küche, jeden Morgen frischen Kaffee und saubere sanitäre Einrichtungen. Dieser Ort war perfekt für mich. Hier kam ich auch mit internationalen Surfern und Surferinnen in Kontakt und verbrachte kommunikative Abende in der Outdoorlounge der Lodge. Die lokale Familie, die hier wohnte und arbeitete, war abends ebenfalls meist vor Ort.
Da ich nicht surfe, verbrachte ich den Sonntag zu Fuß am Strand. Ich lief bis zum Playa Sunzal und stieg die Treppen zum Café Sunzal hinauf. Der Blick auf den Pazifik war von hier oben atemberaubend. Am Wochenende war sehr viel los und ich entschied mich deshalb, am ruhigeren Montag nochmals vorbei zu kommen. Ich verlängerte meinen Aufenthalt um eine Nacht, weil es sich in der Surf Lodge wirklich aushalten ließ.
Am Montag tat ich eigentlich nichts anderes, als das, was ich bereits am Sonntag tat, nur dass es im Surferstädtchen viel ruhiger war und man die Streifzüge durch den Ort jetzt wirklich genießen konnte. Ich lief nochmal am Strand entlang bis zum Sunzal Café und verweilte eine Weile über dem Ozean. Und einmal mehr durfte ich feststellen, dass Tunco Beach ein cooler Ort mit einem guten Vibe ist. Eine Tatsache trübte die gute Stimmung allerdings. Mariza, die „Mama“ der lokalen Surf-Lodge-Familie war an dem Tag sehr traurig. Zum Einen wurde der 18-jährigen Tochter am Vortag ein Verbot ausgesprochen, am Strand ohne offizielle Erlaubnis Getränke zu verkaufen und zum Anderen steckte der 21-jährige Sohn in grossen Schwierigkeiten. Mariza erzählte mir, dass er vor ungefähr 6 Monaten mit Freunden den Versuch unternommen habe, die Vereinigten Staaten zu erreichen. Zwischenzeitlich hatte das mexikanische Kartell die jungen Männer wohl in ihren Fängen und forderte Lösegeld in Höhe von USD 15 000. Angeblich seien die Freunde, bis auf einen, der es nicht geschafft hat, unterdessen in der Immigration in den USA in Sicherheit und warten auf die nächsten Schritte. Ich konnte Mariza nicht wirklich helfen, außer ihr mein Verständnis für die schwierige Situation kundzutun.
Aufgrund der gedrückten Stimmung war ich dann doch froh, dass ich am Dienstagmorgen weiterziehen konnte. Mein letztes Ziel in El Salvador hieß Suchitoto, ein Künstlerstädtchen im Nordosten des Landes. Auf der Fahrt war ich mal wieder stinkwütend auf Google Maps. Feldweg, Gelände und diesmal ging es sogar durchs Wasser. Glücklicherweise machte der Isuzu gut mit. Die Investition in die neuen Reifen hatte sich gelohnt.Read more
Suchitoto, Cuscatlán, El Salvador
July 25, 2023 in El Salvador ⋅ ☀️ 34 °C
Von El Tunco fuhr ich Richtung Norden bis ins Künstlerstädtchen Suchitoto. Die Stadt befindet sich etwa 50km von der Hauptstadt San Salvador entfernt und hat ca. 25 000 Einwohner. Es ist die Kulturhauptstadt El Salvadors und jedes Wochenende findet ein Fest für Kunst und Essen statt. Suchitoto ist eines der bedeutendsten Zentren des Tourismus im Land. Die spanische Kolonialarchitektur und die alten Kopfsteinpflasterstraßen locken viele Touristen in den Ort. Von der Küste kommend hatte ich eine Weile zu fahren. Ich entschied mich bewusst gegen die Fahrt durch die Hauptstadt San Salvador und konnte auf meiner gewählten Route noch etwas am Pazifik vorbeiziehen. Nachdem ich den Küstenstreifen verlassen hatte und in nördlicher Richtung weiterfuhr, nahmen die Herausforderungen zu. Die von Google Maps vorgeschlagene kürzeste Route war, wie schon so oft, ein einziges Abenteuer. Irgendwie wirkte der längere Zeit vor mir fahrende Pritschenwagen plötzlich vertrauenserweckend und ich blieb ihm auf den Fersen. Ich folgte ihm, sowohl auf dem immer schmaler werdenden Feldweg, als auch durch das über das Ufer getretene Flusswasser. Irgendwann änderte sich unsere Route, doch dann war wieder ein anderer Wagen vor mir, der Mut machte. Das letzte Stück bis zu meinem Ziel, schaffte ich schließlich alleine.
Ich versuchte bei einer auf der IOverlander App angegebenen informellen Campsite namens „Centro Arte para La Paz“ einzuchecken und das war kompliziert. Die Frau machte Kopien von meinem Pass und bat mich um USD 8 pro Nacht. Ich fragte dann nach einem Stromanschluss und bekam keine aussagekräftigen Antworten mehr. Irgendwann tauchte eine Frau aus den Vereinigten Staaten auf, die mir mitteilte, dass sie den Parkplatz nur aus gutem Willen für Camper zur Verfügung stellen, und dass sie Zusatzwünschen nicht entsprechen würden. Sie seien eine gemeinnützige Gemeinschaft, die die lokale Bevölkerung unterstütze. Da ich mich hier nicht wirklich willkommen fühlte, forderte ich meinen bereits bezahlten Betrag für 2 Nächte Camping zurück und fragte bei dem nur unweit entfernten „Vegas Grandpa Hostal“ nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Ich hatte Glück. Im Vegas war ich für 3 Nächte der einzige Gast, bekam ein Zimmer mit Klimaanlage und eigenem Bad, benutzte die Küche, konnte gratis Wäsche waschen und mein Auto im Innenhof unter Dach parken. Pro Nacht bezahlte ich gerade einmal USD 20 für „mein“ Hotel. Ich genoss es in vollen Zügen. Es kam mal wieder alles, wie es kommen soll.
Am Mittwoch wollte ich mich im Künstlerstädtchen etwas genauer umsehen. Da sich das Vegas Grandpa nahe des zentralen Platzes und Stadtparks befand, begab ich mich zuerst dorthin. Am Morgen war es hier noch nicht so hektisch und geschäftig und der Blick auf die Parroquia de Santa Lucía war von allen Seiten sehr beeindruckend. Aber auch das Schlendern auf den alten Kopfsteinpflasterstrassen, das Betrachten der gut erhaltenen Kolonialarchitektur und das Verweilen in einladenden Cafés und Restaurants lohnte sich in Suchitoto. Am späten Nachmittag kam ich am attraktivsten wirkenden Batik-Geschäft der Künstlerstadt vorbei, dem „Arte Añil.“ In diesem Laden entwirft, färbt und näht Irma Guadron die Kleidungsstücke selber und verkauft sie zu nicht ganz günstigen Preisen. Da gerade wenig los war, hatte Irma Zeit und führte mich durch ihr Atelier. Sie erklärte mir die Färbetechnik mit Indigo und verkaufte mir schließlich ein Batikkleid aus ihrer Kollektion für €80. Da ich bald über die Grenze nach Honduras wollte, hatte ich nicht mehr allzu viele USD in bar bei mir und wollte mit Kreditkarte bezahlen. Ich war sehr überrascht, als mir Irma mitteilte, dass in ihrem Laden keine Kartenzahlung möglich sei. Bei diesen Preisen ??? Ich zahlte schließlich in bar, hatte letztendlich noch USD 20 in der Tasche und wollte am nächsten Tag Geld am Automaten beziehen. Irma war unterdessen die Freundlichkeit in Person, erzählte mir, dass sie schon einmal in Deutschland war, probierte ein wenig deutsch zu sprechen und wollte sich am nächsten Abend mit mir zum Essen treffen. Ich hatte nichts dagegen und sagte zu. Zurück in „meinem“ Hotel ließ ich den Tag dann entspannt ausklingen.
Der Freitagmorgen begann mit Störungen, welche sich in Suchitoto summierten. Im übrigen Teil des Landes hatte ich sie glücklicherweise nicht. Ich schaute bei allen Geldautomaten der Stadt vorbei und keiner war bereit, Geld auszuspucken. Ich hatte noch USD 20 im Portemonnaie, einen weiteren Tag in Suchitoto und wollte am nächsten Tag über die Grenze. Das war definitiv zu wenig. Ich fragte bei 2 Banken, ob ich Bargeld tauschen könne, die Antwort war NEIN. Dann überlegte ich mir, das teure Batikkleid an Irma zurückzugeben. Schließlich war ich in einer Notlage. Als ich den Laden betrat und ihr und ihrer Tochter mein Anliegen kundtat, wurden sie unfreundlich. Ich war beeindruckt davon, wie sich die gestrige überdurchschnittliche Höflichkeit und gute Laune ins Gegenteil kehrte und verließ den Laden, ohne weiter mit diesen Frauen zu diskutieren. Ich hatte noch immer kein Geld. Zu guter letzt entschied ich mich, mit meiner Visa Card Geld zu beziehen und dachte erst, dass ich hohe Gebühren auf den Bezug zahlen müsse, aber glücklicherweise zog mir mein Kreditkartenunternehmen nur die üblichen Gebühren der lokalen Bank ab. Ich bekam wieder bessere Laune und ich hatte Geld in der Tasche. Es war bereits später Vormittag, als ich endlich zu den Naturschönheiten Suchitotos aufbrechen konnte. Die Stadt liegt am Suchitlán See, welcher das größte aufgestaute Gewässer des Landes ist. Den Blick auf den See kann man von verschiedenen Orten in der Stadt genießen. Ich entschied mich für 3 Aussichtsplattformen. Danach ging es die ca. 2 km zu Fuß weiter zu Cascada los Tercios. Ich zahlte einen geringen Obolus unter USD 1 Eintritt und war die einzige Besucherin am Wasserfall. Aufgrund des wenigen Regens herrschte hier Trockenheit. Dafür konnte man die interessant geformten Basaltsteinformationen besser betrachten und von den beiden Miradors nochmals einen atemberaubenden Blick auf den Stausee genießen. Bei 36 Grad im Schatten lief ich zu Fuß wieder zurück nach Suchitoto, wo ich mich auf ein eiskaltes Regia (für mich das einzig gute Bier in El Salvador) und eine kalte Dusche freute.
Am Freitagmorgen startete ich früh die Fahrt ins nächste Land. Destination Nummer 6 sollte Honduras sein. Ich war etwas nervös, denn es gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt. Meine Nervosität war allerdings unbegründet.Read more
Honduras Border und Copán Ruinas
July 28, 2023 in Honduras ⋅ ☁️ 26 °C
Am Freitagmorgen startete ich im El salvadorianischen Suchitoto gegen 9 Uhr morgens die 2 stündige Fahrt an die honduranische Grenze. Ich passierte den Grenzübergang in El Poy. Nachdem das El Salvador-TIP (Temporary Import Permit) für den Isuzu an einem Kontrollposten aufgelöst wurde, checkte ich bei der Immigration aus. Leider gab es wie schon bei der Einreise auch diesmal keinen Stempel in den Reisepass, obwohl sich der Beamte am Schalter nochmals bei seinem Vorgesetzten erkundigte, ob man für mich eine Ausnahme machen könne ;-). Dieses Souvenir konnte ich also nicht mit nach Hause nehmen. Ich fuhr weiter zum Grenzposten von Honduras und erledigte zuerst alle Formalitäten bezüglich meiner Einreise bei der Immigration. Der Zollbeamte schien allerhand mit der Bearbeitung meines Eintritts zu tun zu haben. Ich bezahlte schließlich noch USD 3 Einreisegebühr und fuhr weiter zum Aduana (Zollamt), um das Auto ins Land zu bringen. Was für ein Vergnügen. Der Zollbeamte sprach etwas Englisch, wusste was er zu tun hatte und im Amt hatte die Belegschaft Spaß. Es wurde gerade Mittag gegessen, sich angeregt unterhalten und viel gelacht. Ich überlegte einen Moment, ob ich beim Zollamt Konstanz-Kreuzlingen (Deutschland-Schweiz) schon einmal gut gelaunte Beamte gesehen hatte, konnte mich aber nicht wirklich daran erinnern. Nach ca. 30 Minuten war das TIP fürs Auto erstellt und ich bezahlte nochmals ca. USD 38 Einfuhrgebühr direkt am Schalter des Aduanas. Das ging schnell und war bisher mein unkompliziertester Grenzübertritt. In der nur wenige Kilometer vom Grenzübergang entfernten Stadt Ocotepeque machte ich einen kurzen Zwischenstopp, um mich mit der Landeswährung Lempiras einzudecken, und um mir eine SIM Card zu kaufen. Beides war unkompliziert. Geld gab‘s bei der Banco Atlántida und die SIM von Tigo war in einer kleinen Tienda käuflich zu erwerben. Sie galt erst einmal für 15 Tage. Da die Zeit bereits fortgeschritten war, entschied ich mich zur Weiterfahrt in das 93km entfernte Santa Rosa de Copán. Dort wollte ich eine Nacht bleiben. IOverlander zeigte in der quirligen 50 000 Einwohner Stadt einen etwas außerhalb des Zentrums gelegenen Platz bei einer Privatperson namens Adolfo an. Er siedelte vor vielen Jahren in die Vereinigten Staaten über, ist aber mittlerweile pensioniert und pendelt zwischen den USA und Honduras. Zum Zeitpunkt meiner Ankunft war Adolfo vor Ort und konnte mir Zugang zum überdachten Stellplatz gewähren. Ich würde ihn als „zerstreuten Professor“ bezeichnen, der immer auf der Suche nach irgendetwas, vor allem nach passenden Schlüsseln, war. Als ich dann nach langer Zeit Zugang zum Notwendigsten hatte, fuhr Adolfo in ein Dorf, indem er eine weitere Immobilie besaß. Er erzählte mir, dass er sich dort gerne aufhält, weil es kühler und wesentlich ruhiger ist. In Santa Rosa de Copán ging es tatsächlich hektisch zu. Der Verkehr war nervtötend und die vielen Verkaufsstände und Läden an der Hauptstraße sorgten auch nicht gerade für ein entspanntes Ambiente. In der Innenstadt, die etwas Kolonialflair versprüht, ging es etwas beschaulicher zu.
Ich überlegte zuerst, den Samstag noch in der Stadt zu verbringen, entschied mich dann aber nach meiner morgendlichen Laufrunde, aufgrund der städtischen Hektik, dagegen. Ich trat die Weiterfahrt zu den Ruinen von Copán an, die sich etwa 105 km entfernt, in der Nähe der guatemaltekischen Grenze befinden. Aufgrund der wirklich schlechten Strassenverhältnisse in diesem Teil von Honduras verbrachte ich gute 3 Stunden auf der Straße. Im hiesigen Reiseland sieht man während solcher Fahrten viel, und damit meine ich vor allem die bescheidenen Lebensverhältnisse der vorwiegend ländlichen Bevölkerung. Ich begann auf den Überlandfahrten in Honduras meine mehrmonatige Auszeit als Luxus schätzen zu lernen. Was ich unterwegs sah, hinterließ immer wieder aufs neue Gänsehaut. Als ich die, von Schlaglöchern übersäte Straße nach Stunden schließlich hinter mir gelassen hatte, erreichte ich die Kleinstadt Copán. Zum Campen fuhr ich auf den Platz des El Bosque Hotels und konnte hier für L250 (USD 10) pro Nacht stehen. Ich blieb 2 Nächte, da ich mir die Ruinen und das Städtchen in Ruhe anschauen wollte. Am Tag meiner Ankunft spazierte ich zum Abendessen ins Zentrum und nach einiger Zeit setzte ein heftiger Schauer ein. Ich war zum Glück in einem Restaurant unter Dach, doch die Belegschaft hatte zu tun, um die Wassermassen in den Griff zu bekommen. Der Regen war sogar so intensiv, dass er ein Auto in den örtlichen Fluss spülte. Im El Bosque war ebenfalls Land unter und ich verschwand ohne Duschen, Zähneputzen etc. im Auto. Diese regenreichen Abende empfand ich als immer herausfordernder.
Im Laufe der Nacht hatte das Unwetter aufgehört und ich konnte am Sonntagmorgen zu den Ruinen loslaufen. Die Sehenswürdigkeit öffnet um 8.30 Uhr ihre Pforten. Ich war um ca. 9 Uhr vor Ort und um diese Zeit noch eine der wenigen Besucherinnen. Der Zustrom zog aber an. Copán sollte auf meiner hiesigen Reise meine letzte Maya-Ruinenstätte sein. Ich bezahlte L375 (USD 15) Eintritt. Für Honduraner kostet er übrigens nur L80 (USD 3).
Die Ruinenstätte gehört seit 1980 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Bereits in der Nähe des Eingangsbereichs konnte ich die ersten Aras beobachten, die bei den Mayas als heilig galten. Ihre Flugshow über die Tempelanlage war beeindruckend. Ich streifte einige Stunden bei feuchtwarmem Klima über das Gelände und war von der speziellen Stimmung fasziniert, die ich in den Maya Ruinen bereits des Öfteren erlebt hatte. In Copán tummelten sich für meinen Geschmack ein paar Touristen zu viel, aber ich konnte es trotzdem genießen.
Nach dem Besuch der Welterbestätte machte ich mich in die Stadt Copán auf. Im angesagtesten Café vor Ort, dem Café San Rafael, gönnte ich mir einen vorzüglichen doppelten Espresso und ein hausgemachtes Tiramisu. Danach ging es nochmal durch die Stadt, vorbei am zentralen Platz, der Kathedrale und runter zum Fluss, damit ich mir das Ausmaß des Unwetters noch vor Ort anschauen konnte. Es sah wirklich schlimm aus.
Nach 2 Nächten in Copán hieß es Abschied nehmen. Mein Ziel war an diesem Montag die Stadt San Pedro Sula, die zum vierten Mal in Folge zur gefährlichsten Stadt der Welt „gekürt“ wurde. Mein Stellplatz war allerdings ein sicherer Ort in einem gepflegten Wohngebiet und versprühte internationales Flair. Der Besitzer der Jungla Brewery, wo ich für eine Nacht stand, ist Amerikaner und lebt mit seiner honduranischen Frau hier. Ich gönnte mir ein Bier für USD 6. Im Angeli Gardens Restaurant auf dem selben Gelände, servierte man mir ausgezeichnete Fischtacos.
Am Dienstagmorgen fuhr ich bereits weiter in die Hafenstadt La Ceiba, von wo ich am Folgetag die Fähre auf die Inseln nehmen wollte. In Honduras ging bisher alles Schlag auf Schlag, umso mehr freute ich mich auf eine ruhige Zeit in der Karibik. Ob sich dies in die Tat umsetzen ließ ?Read more
Utila, Islas de la Bahía, Honduras
August 2, 2023 in Honduras ⋅ 🌬 30 °C
Am Dienstag, den 1. August fuhr ich am Morgen gegen 10 Uhr aus San Pedro Sula ab. Bis ich die Großstadt hinter mir gelassen hatte, dauerte es eine Weile. Ich hatte schon länger, also eigentlich bereits seit Guatemalas Süden ein komisches Fahrgefühl, so als ob ich das Auto beim Lenken nicht unter Kontrolle hätte. Mehr als 60km/h fuhr ich seit Wochen nicht mehr. Ich schaute immer mal wieder nach Werkstätten auf der Strecke, doch irgendwie kam ich nicht am richtigen Ort vorbei und so verschob ich den Besuch beim Mechaniker von Mal zu Mal. Auch heute wieder.
Mein Ziel war die Hafenstadt La Ceiba, die sich etwa 200 km und 4 Stunden Fahrtzeit von San Pedro Sula entfernt befindet. Die Strassenverhältnisse waren auf dieser Strecke etwas besser. Unterwegs gab es wieder allerhand Abenteuerliches zu sehen. Diesmal kam ich an einem Mülldorf vorbei, wo meiner Meinung nach auch Giftfässer lagerten, Kinder spielten dort an der Straße, während die Erwachsen den Abfall sortierten. Auf der Weiterfahrt wurde plötzlich ein streunender Hund angefahren und in den Straßengraben geschleudert, wo er wahrscheinlich jämmerlich verendete. Doch ich kam auf dem Weg zur Küste auch durch atemberaubende, sattgrüne Dschungellandschaften. Ob diese für den internationalen Tourismus erschlossen sind, weiß ich nicht. Ich war mir nur darüber im Klaren, dass mich Honduras immer wieder aufs Neue in Erstaunen versetzte. Als ich am Nachmittag in La Ceiba ankam, parkte ich den Isuzu auf dem bewachten Parkplatz des „Las Hamacas“ Hotels und checkte ein. Hier konnte man nämlich beim Mieten eines Zimmers für eine Nacht, das Auto unbegrenzt stehen lassen, wenn man auf die Inseln wollte und kam noch in den Luxus eines Gratis Shuttles zum und vom Fährhafen. Ich bezahlte USD 50 für ein Privatzimmer mit eigenem Bad und wurde am nächsten Tag kurz nach 15 Uhr zum Hafen gefahren, wo die Fähre um 16 Uhr ablegen sollte. Der Isuzu stand die nächsten 11 Tage auf dem bewachten Hotelparkplatz. Besser konnte ich es nicht treffen.
Nachdem ich am Mittwochnachmittag den Fährhafen erreicht hatte, kaufte ich für L800 (€30) das Ticket nach Utila und zahlte dazu noch eine Hafensteuer in Höhe von USD 1. Danach wartete ich auf die Ankunft der Fähre aus Utila. Heute hatte sie Verspätung und legte erst um ca. 16.45 Uhr ab. Die Überfahrt hatte es in sich. Glücklicherweise wurde ich bereits von meinen Schweizer Reisebekannten Rahel und Dominic informiert, dass diese Fahrt unangenehm sei und ich hatte mich deshalb mit Tabletten gegen Seekrankheit eingedeckt. Ich saß im klimatisierten Unterdeck mit Blick auf den Horizont. Nach etwa 45 Minuten erreichten wir das wundervolle Eiland.
Utila ist eine 42 km² große Insel, die etwa 32 km vor der karibischen Küste von Honduras liegt. Sie gehört zusammen mit den Inseln Roatan und Guanaja zur Inselkette der Islas de la Bahía (Bay Islands). Heute leben auf Utila ca. 3000 Einheimische und eine Vielzahl Expats. Ab dem 16. Jahrhundert diente die Insel als Piratenunterschlupf und war kaum bewohnt. Die heutigen Bewohner sind überwiegend Nachfahren von Garifuna-Sklaven, welche im Jahr 1797 von den Briten dort angesiedelt wurden. Neben Spanisch als Kommunikationssprache wird auf den Inseln englisch, bzw. ein englisch-basiertes Kreol gesprochen.
Ich war recht überrascht, dass für mich ein Mototaxi am Fährhafen bereitstand, stieg aber gerne zu. Innerhalb von 2-3 Minuten kam ich beim traditionsreichen Altons Dive Center an, wo ich im Voraus eine Unterkunft reserviert hatte. Was mir allerdings nicht klar war, war die Tatsache, dass ich diese nur in Kombination mit Tauchgängen bewohnen konnte. Darüber wollte ich erst einmal schlafen und mich am nächsten Tag auf Bedingungen einlassen. Die erste Nacht verbrachte ich in einem einfachen Zimmer mit Ventilator, in dem lediglich ein Bett stand. Weitere Einrichtungsgegenstände gab es nicht. Ich fand den Preis von USD 24 für diesen Unterschlupf ungerechtfertigt und war froh, dass ich am Donnerstagvormittag im Neubau in ein Privatzimmer mit Bad einziehen konnte. Doch auch hier gab es Mängel, wie z.B. Kakerlaken im Eingangsbereich des Badezimmers, mit deren Existenz ich mich allerdings in den vergangenen 7 Monaten mehr oder weniger arrangiert hatte, und dann gab es noch einen Wasserunterbruch in der Dusche. Ich fand heraus, dass ich den Wasserhahn vom Waschbecken aufdrehen musste, um das Duschwasser zu reaktivieren. Ein Zimmer mit Hindernissen und das für USD 55 pro Nacht, wenn ich tauche, ansonsten durfte ich USD 65 berappen. Da ich nicht mehr als USD 55 für die Unterkunft zahlen wollte, entschied ich mich für 2 Tauchgänge täglich in den kommenden 3 Tagen. Die Tauchgebiete befinden sich im Belize Barrier Reef, dem zweitgrößten Riff der Welt. Utila besitzt eine sagenhafte Unterwasserwelt, die ich allerdings während meiner ersten beiden Tauchgänge nicht wirklich genießen konnte. Beide Male hatte ich Wasser in der Taucherbrille und beim zweiten Tauchgang sogar im Mundstück. Es hieß also unter Wasser den Atemregler zu tauschen. Eine schöne Erfahrung war es nicht, aber es hat geklappt und Erleichterung gebracht. Das Highlight an diesem Tag war eine Gruppe vorbeiziehender Delfine, mit denen wir Taucher schwimmen konnten. Am nächsten und übernächsten Tag habe ich nochmals 2x2 Tauchgänge gemacht, allerdings erst am Nachmittag. Das hat mir viel besser entsprochen. Utila ist übrigens eine der günstigsten Tauchdestinationen der Welt. Für einen Fun Dive bezahlte ich bei Altons Dive Center USD 40.
Zwischenzeitlich hatte ich mich auch entschieden noch eine sechste Nacht auf der Insel anzuhängen. Der karibische Vibe entsprach mir vollumfänglich, ich hatte mein Fahrrad, mit dem ich täglich auf der Insel cruiste, ich traf mich noch 2x mit Rahel und Dominic vor deren Abreise, lernte neue Reisende kennen, genoss die Inselgastronomie, doch vor allem hatten es mir die Strände und das klare, türkisfarbene Wasser angetan. Endlich Karibik ohne Braunalgen, wie ich es aus Mexiko und Belize kannte. Ich fühlte mich rundum wohl. Es war zwar unwahrscheinlich heiß, aber ich dachte mir, dass es mich Schlimmer hätte treffen können ;-).
Am Dienstag, den 8. August nahm ich morgens um 9 Uhr die Fähre zur Nachbarinsel Roatan. Das Ticket buchte ich online, da es dann 10% günstiger ist. Den Tipp bekam ich von einer netten Dame am Schalter im Fährhafen in La Ceiba. Das Ticket nach Roatan kostete mich also nur L720 anstatt 800. Ich nahm meine Tablette gegen Seekrankheit ein und hatte eine entspannte 2 stündige Fahrt auf dem klimatisierten Unterdeck. Die Fähre startete pünktlich und ich freute mich auf die nächste Insel.Read more
Roatán, Islas de la Bahía, Honduras
August 8, 2023 in Honduras ⋅ 🌬 30 °C
Der Abschied von Utila und dem unbeschwerten karibischen Vibe fiel schwer und doch hatte ich mich dazu durchgerungen, die Insel nach 6 Tagen zu verlassen. Mein nächstes Ziel war die Nachbarinsel Roatán. Auch sie gehört zu den Islas de la Bahía. Als Teil des riesigen mesoamerikanischen Riffs ist sie für ihre Strände, Tauchplätze und Meeresbewohner bekannt. Im Südwesten befindet sich der Touristenspot West End und der lebhafte West Bay Beach mit einem Korallenriff in der Nähe des Ufers. Kreuzfahrtschiffe halten mehrmals wöchentlich in der Hauptstadt Coxen Hole und in der unweit entfernten Mahogany Bay. Weiter östlich liegen kleinere Dörfer, darunter das Garifuna-Dorf Punta Gorda.
Ich nahm die Fähre um 10.20 Uhr ab Utila und kam nach einer etwa 2 stündigen Überfahrt in Roatáns Fährhafen an. Ich hatte schon im Voraus gehört, dass es auf der Insel teuer sei und das war es definitiv. Ein Taxifahrer bot mir für USD 30 die halbstündige Fahrt nach West End an, was ich erst einmal ablehnte und ein Stück weiter in Richtung Hauptstraße lief. Dort gabelte mich dann ein anderer Chauffeur auf, den ich auf USD 15 herunterhandeln konnte. Das Gleiche zahlte ich nochmals ein paar Tage später für den Rückweg von West End zum Hafen. Ich vermisste mein Auto ;-). In Roatán gibt es neben dem motorisierten Verkehr auch einen internationalen Flughafen.
Mein Taxifahrer setzte mich also in der Nähe meines Airbnbs ab, welches sich in einer Seitenstraße sehr zentral im quirligen West End befindet. Es war keine besonders schöne Unterkunft, aber für 3 Tage ließ es sich aushalten. Auf der Insel war es sehr heiss und die beiden Ventilatoren reichten in dem Holzhaus eigentlich nicht aus, doch ich arrangierte mich mit dem, was mir zur Verfügung stand. Nach dem Check-In im „Lotus Guesthouse“ packte ich erst einmal in Ruhe meine Sachen aus. Einige meiner Kleidungsstücke hatten auf Utila einen unangenehmen Geruch angenommen, der sich dort nicht auswaschen ließ, allerdings verflog er hier auf der Insel wieder. Nachdem ich mich von der welligen Überfahrt erholt hatte, lief ich die paar Meter hinunter an die Promenade, wo sich Restaurants, Cafés, Shops und Tauchgeschäfte aneinanderreihten. Ich wollte einen guten Diveshop finden, mit dem ich am nächsten Tag raus konnte. Bei den „Splash Inn Divers,“ die sich gerade um die Ecke meines Airbnbs befanden, wurde ich fündig. Ich konnte aber erst am übernächsten Tag mit aufs Boot, da ich unbedingt am Schiffswrack tauchen wollte, was sie nur jeden zweiten Tag ansteuern und sie waren ausgerechnet heute dort. Da es ein Tieftauchgang auf 30m ist, benötigt man dazu zudem die entsprechende Qualifikation. Ich trug mich also bei Splash Inn Divers für 2 Tauchgänge am Donnerstag um 9 Uhr morgens und um 11 Uhr vormittags ein. Den Abend der Ankunft ließ ich ruhig ausklingen. Das Abendessen konnte ich auslassen, da ich am Nachmittag in einem auf amerikanische Touristen zugeschnittenen Burger- und Sandwichlokal war. Ich war voll bis oben hin.
Am Mittwochmorgen joggte ich an der Promenade von West End entlang, was bei 28 Grad um 6 Uhr in der Früh recht kräftezehrend war. Es kühlte kaum ab, aber ab dem Nachmittag wehte zumindest immer ein Lüftchen. Nach einem guten Frühstück machte ich mich für einen Streifzug durch West End startklar. Mir gefiel es hier gut, aber Roatán hatte wenig von dem karibischen Vibe, den Utila versprühte. Die Insel war in meinen Augen eher auf gut betuchte Amerikaner ausgelegt, die Geld in den Lokalitäten ließen und mehrere Tauchgänge täglich machten. Dazu kamen die Kreuzfahrttouristen, die die traumhaften Strände überrollten und kaum Geld ausgaben. Mit ihnen fuhr man eher ein Negativgeschäft ein. Am späten Abend kam ich an diesem Mittwoch noch in einem Restaurant vorbei, welches von einer Costa Ricanerin betrieben wurde und ich aß das erste Mal Gallo Pinto (Rice and Beans) auf meiner Reise. Es war nicht schlecht, aber viel zu ölig. Und wieder war ich voll bis oben hin.
Am Donnerstagmorgen kam ich um 8.30 Uhr bei Splash Inn Divers an, um meine Tauchausrüstung zu bekommen. Wir waren eine kleine Gruppe von 5 Tauchern, die an diesem Tag mit dem Divemaster Sterling für beide Tauchgänge unter Wasser waren. Auf dem Boot stellte ich fest, dass meine Taucherbrille ein kleines Loch hatte. Zum Glück war das noch vor dem Tauchgang, denn eine ähnliche Erfahrung wie auf Utila wollte ich nicht ein zweites Mal machen. Das Tauchen am Schiffswrack war wunderschön, aber es war nicht Ohne. Einmal sind wir sogar durch eine Luke hindurch steil nach oben aufgetaucht. Nachdem wir das Wrack hinter uns gelassen hatten, ging es bei ziemlich starker Strömung noch durchs Riff. Sterling hatte einen guten Fokus auf die Gruppe und sorgte für die nötige Sicherheit unter Wasser. Um 11 Uhr fuhren wir für einen zweiten Tauchgang nach West Bay. Dieser war um einiges entspannter. Wir tauchten etwa 1 Stunde am Riff entlang. Zu sehen gab es viel, wie z.Bsp. verschiedene karibische Rifffische, Schildkröten, es schwebten 6 gefleckte Adlerrochen vorüber und das wunderschöne Korallenriff selber war eine Attraktion. Bei der heutigen klaren Sicht wirkte es magisch. Zurück im Tauchshop füllte ich noch mein Dive-Log-Buch aus, ließ es von Sterling signieren und bezahlte insgesamt USD 107 für die beiden Fun Dives. Es war etwas teurer als auf Utila, aber jeden Cent wert. Die Unterwasserwelt hat mich auf Roatán mehr in den Bann gezogen, als die auf der Nachbarinsel.
Nachdem ich einen kurzen Abstecher ins AirBnb gemacht hatte, um das Salzwasser abzuwaschen, machte ich mich noch einmal auf zum Strand. Der Sonnenuntergang war auch an diesem Abend wunderschön. Ich überlegte einen Moment, meinen Aufenthalt auf der Insel zu verlängern, entschied mich dann aber dagegen.
Am Freitagmorgen holte mich mein Taxi wie vereinbart um 6 Uhr morgens an der Promenade ab und brachte mich zur Fähre. Ich kaufte das Ticket, für welches ich L850 (€32) zahlte. Das Schiff legte pünktlich um 7 Uhr ab und erreichte den Hafen in La Ceiba um 8.45 Uhr. Bis ich mein Gepäck hatte, war es 9 Uhr. Mein Shuttle vom Hotel „Las Hamacas“ stand pünktlich zur Abholung bereit und brachte mich zu dem Ort, an dem ich vor 10 Tagen den Isuzu abgestellt hatte. Er stand noch.Read more





































































































































































































































































