• europa-kontour
Jan – Mar 2025

Kurs Südwest, die Zweite

Nach überraschenden "Heimaturlaub" nehmen wir den Reisefaden wieder auf. Christoph startet per Fähre Barcelona-Nador nach Südmarokko. Renata wird Ende Februar zum Sprachkurs nach Malaga reisen. Dann geht's wieder gemeinsam weiter durch Spanien. Read more
  • Trip start
    January 19, 2025

    Kontraste

    Jan 19–21 in Switzerland ⋅ ☀️ 3 °C

    Der eisige Wintertag, der Nebel und die unbändige Reiselust machten es mir leicht, loszuziehen. Anderseits galt es, all die Lieben zurückzulassen, ins Ungewisse aufzubrechen und die lange Fahrt nach Barcelona in Angriff zu nehmen.

    Ein ganz berührender Moment dann beim Abschied von Enkel Paul. Er drückte mir still seine Maus in die Hand, als Reisebegleiterin - einzig mit der Bitte, sie wieder zurückzubringen. Aber klar doch, ist mir eine Ehre .... inshallah. Bin sehr gespannt, was wir beide, die Maus und ich, in Marokko erleben werden.

    Der erste Kontrast dann bereits auf Vögelinsegg, ein kurzes Auftauchen aus dem dichten Nebel. Wohl um mich auch vom Appenzellerland und vom Säntis verabschieden zu können.

    Dann die durchgehend neblige Fahrt nach Düdingen, zum obligaten Abschiedsbesuch bei unserer Freundin Therese (stets wenn es nach Süd-/Westen geht). Der sonntagnachmittägliche Ausflug nach Guggisberg BE beschenkt uns mit eiskalter Wintersonne, erhabenem Blick auf das Nebelmeer und wundervollem Abendlicht: der nächste Kontrast.

    Am nächsten Morgen durch das klirrend kalte Greyerzerland, dann weiter im erneut dichten Nebel entlang des Genfersees. Erst nach Bellegarde und hinter den Jura-Ausläufern kitzelt wieder die Sonne. In flüssiger Fahrt geht's heute bis Bagnols-sur-Cèze. Hier empfängt mich - erneuter Kontrast - grauer Himmel und Nieselregen.

    Eigentlich hätte ich der Maus am nächsten Morgen einen kurzen Blick auf den Pont-du-Gard bei Remoulins ermöglichen wollen. An beiden Ufern ist das Gelände jedoch grossräumig eingezäunt, die (jetzt im Winter nicht vorhandenen) Besucherströme werden weitläufig kanalisiert und kommerziell genutzt. Nun denn, so fahren wir weiter, direkt auf Barcelona zu. Die Platanenalleen entlang der Landstraße werden sehr bald von der Autobahn abgelöst. Zügig und dreispurig, auf nach Spanien.
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  • SonnenuntergangDer neue Tag kündigt sich an

    Von Barcelona nach Nador

    Jan 21–24 in Spain ⋅ ☁️ 13 °C

    Nachträglich denke ich, es war sinnvoll, diesen ruhigen Tag auf dem Camperstop Barcelona Beach in Cabrera de Mar zu verbringen. Gut habe ich mich nicht verleiten lassen, noch kurz einen Städtetag in Barcelona reinzudrücken.

    Ankommen am Meer, Recherchieren, Einkaufen, Gas und Wasser nachfüllen - und mich um die defekte Wasserpumpe kümmern. Die 5A-Sicherung war OK, also besorge ich mir vorsorglich gleich zwei neue Wasserpumpen beim nahegelegenen Camper-Verleih. Dann noch passende Klemmen vom Baumarkt samt Kleinmaterial. Erst später - als ich die Pumpe bereits gewechselt hatte und es immer noch nicht ging - sollte sich herausstellen, dass ganz versteckt am Elektroblock noch eine zweite 5A-Sicherung steckt und diese ist nun tatsächlich defekt. Auswechseln und siehe da ....!🤗
    Sollte mir auf der Fahrt durch Marokko jemand mit defekter Wasserpumpe begegnen, ich kann nun aushelfen.

    Vermutlich wäre mir das in der Wüste nicht passiert, da hätte ich wohl - notgedrungen - gründlicher gesucht. Die leichte Aufregung vor der Fährüberfahrt, der letzte Tag in Europa - und die nahegelegene Camper-Werkstätte hat diese Strategie erst ermöglicht.

    Im frühmorgendlichen Stau auf der Autobahn zum Puerto de Barcelona beginnt zu allem Überfluss der Motoren-Sensor zu leuchten: bitte lassen Sie den Motor kontrollieren. OK, dann stellt sich in Marokko eine erste Aufgabe. Zunächst also zum Hafen und Warten, warten, warten. Check-In und Zoll-Formalitäten verlaufen gut, wenn auch nicht wirklich speditiv. Viele Beamten sind beschäftigt, kontrollieren mit ernster Miene, was der Kollege vor ihnen bereits kontrolliert hat. Harmlos eigentlich, und doch jedesmal von einer leichten Spannung begleitet. Aha, sie reisen alleine; weshalb denn das zweite Fahrrad auf dem Ständer? "Meine Frau kommt später nach, wir treffen uns in zwei Monaten in Andalusien, deshalb das doppelte Reisegepäck." - diese Auskunft scheint zu überzeugen und plötzlich geht's zügig weiter.

    Zwei Stunden später als geplant legt die GNV-Fähre ab. Es folgt eine ruhige Überfahrt bei meist glattem Meer, unendliche Weite, frischer Seewind und ein herrlicher Sonnenuntergang. Die 25-stündige Überfahrt bietet ausreichend Zeit zum Lesen. Wunderbar.

    Die 4er-Kabine zur Einzelnutzung ist sehr OK, sauber und ruhig. Das Essen auf der GNV-Fähre hingegen ist legendär schlecht; sollte man eigentlich wissen und doch hab ich wieder mal gehofft. Gute Zutaten zwar, aber kaum lauwarm und ziemlich verkocht. Weshalb nur kriegen die Italiener das nicht besser hin?

    Dann Ankunft in Nador, Zoll-Formalitäten (dasselbe in rot-grün), Diesel tanken, SIM-Karte kaufen und den ersten Minze-Tee trinken. Übrigens: die Motorleuchte ist wieder erloschen, war wohl dem niedertourigen Fahren im Stau geschuldet.🙏 Somit bin ich gerüstet für die Marokko-Tour.
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  • Ankommen

    Jan 24–27 in Morocco ⋅ ☀️ 19 °C

    Der Camping Riad Ocean View von Abdel ist ein idealer Ort um in Marokko anzukommen: die herrliche Lage in weitläufiger und malerischer Landschaft, der freundliche Empfang, die Ruhe und Gemächlichkeit, der sorgfältig gepflegte Garten.

    Abdel hatte einen Teil seines Mathematikstudiums in Köln absolviert und spricht deshalb gut und gerne deutsch. Nach dem Rückzug aus dem Berufsleben vor vier Jahren hat er das Grundstück und Haus seiner Eltern sorgfältig und traditionsbewusst renoviert und dieses kleine private Campingangebot geschaffen. Der passende Ort, um langsam in Marokko anzukommen.
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  • Von Guercif nach Er-Rich
    Passhöhe 1907müMAbendstimmung in Er-RichAbschied vom Mittelmeer am Strand von Ras-el-MaCamping Benyakoub, nahe Guercif... am Vorabend ... und am nächsten Morgen

    Ein "Roadmovie" - und Er-Rich überrascht

    Jan 27–29 in Morocco ⋅ ⛅ 20 °C

    Nach dem Abschied bei Abdel habe ich in zwei Tagen richtig Strecke gemacht. Die Landschaft zeigt sich schon hinter der ersten Hügelkette typisch marokkanisch: baumlose steinige Weiten, hie und da eine kleine Siedlung und dazwischen ganz viel Nichts. Meint man zumindest auf den ersten Blick. Beim zweiten Blick jedoch fällt auf, dass selbst im vermeintlichen Niemandsland kleine Fusspfade von der Strasse weg führen, dass irgendwo ein einsamer Esel grast oder plötzlich zwei Kinder an der Strasse stehen. Selbst in der "Einöde" verbergen sich kleine - mehr oder weniger fruchtbare - Senken und weit verstreute einfache Behausungen.

    Auffallend sind die gut ausgebauten Strassen - und in den Siedlungen die neu angelegten breiten Boulevards, von grosszügig Kandelabern beleuchtet. Die landesweiten Infrastruktur-Bemühungen sind gut sichtbar und in einigen Orten trägt auch die Bemühung um Sauberkeit in den Strassen ihre Früchte.

    Je weiter südlich ich komme, desto eindrücklicher die Landschaft. Zwischen mittlerem und hohem Atlas durchfahren ich ein unermesslich langes und flaches Hochtal. Vielerorts wird nach Grundwasser gebohrt, um junge Oliven- oder Mandel-Gärten anzulegen.

    Bei der Fahrt über den 1907m hohen Tizi-n-Talghamt wähne ich mich teils auf der Ofenpass-Strecke, allerdings top neu und vierspurig ausgebaut. Und hinter der Passhöhe glaubt man sich kurzzeitig im Oberengadin (bevor dieses touristisch erschlossen wurde). Dann wieder die unverwechselbar eindrückliche Landschaft in warmen Rot-und Ockertönen. Einzigartig marokkanisch.

    Den Übernachtungshalt mache ich in Er-Rich. Diese Kleinstadt mit ihren grosszügigen baumbeschatteten Grünanlagen zieht mich schnell in ihren Bann. In einem ruhigen Quartier, unmittelbar vor dem Zivilschutz-Gebäude, dürfen Camper frei stehen. Die Beamten fotografieren lediglich Pass und Autonummer - und kümmern sich persönlich um das Wohl der Gäste. Alle 10 Minuten steht einer da, angenehm interessiert und ausgiebig plaudernd, als gebe es in diesem Moment nichts Wichtigeres zu tun.

    Überhaupt wirkt der Ort auf mich sehr authentisch, entspannt und "unverdorben natürlich': unaufgeregt geschäftiges Treiben im Souk, relaxte Kaffehausatmosphäre auf dem Platz und eifrige Spielfreude bei den Boule-Spielern im Park.
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  • DER marokkanische Hotspot (bzw hotpot)

    January 29 in Morocco ⋅ ☀️ 13 °C

    Nach einer ruhigen, aber recht kühlen Nacht (bei Kühlschranktemperatur im Bus) wartet wieder ein wunderbar sonniger Tag, erfüllt von lebhaften Vogelstimmen.

    Am Eingang des Ziz-Tales überrascht mich die - gestern von Hassan empfohlene - Naturtherme. Wunderbar zum Aufwärmen und Muskeln entspannen. Die "Station Thermale Moulay Ali Chérif" ist einerseits ein schlichtes winziges Dorf, dann ein neues Haus mit zwei Eingängen, einem Hamam gleich, in dem sich Thermalwasser-Pools befinden und schließlich ein weites frei zugängliches Bachbett. Dort im Kies hat der Bagger eine Mulde von 8-10 Meter Durchmesser ausgehoben. Hier quillt in feinen Fontänen etwa 40 Grad warmes Wasser aus dem Boden.

    Ich habe Glück und erwische gerade noch eine halbe Stunde Männerzeit. Denn pünktlich um 11.30 wird gewechselt: Männer und Buben raus, Frauen und Mädchen rein, alle zwei Stunden.

    Das Dorf atmet eine unbeschwerte Gemütlichkeit, jedenfalls jetzt, da ich es als einziger Fremder erleben darf. Auf dem staubigen Dorfplatz im Schatten eines Olivenbaumes bloss noch ein marokkanischer Tee. So unkompliziert und einfach könnte das Leben sein.
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  • Symphonie in Rot-Braun-Ocker-Beige-Olive

    Jan 29–31 in Morocco ⋅ ☀️ 18 °C

    Wow, war das eine Fahrt dem Ziz entlang, von Er-Rich bis in die Oase Tissirt. Erst der tolle Ort Moulay Ali Chérif mit dem heißen Pool im Flussbett, dann die unerhört malerische Schlucht des Ziz, die bizarren Gesteinsformationen, all die warmen Farbtöne - einfach wow.

    Beim Stausee von Errachidia beginnt sich die Landschaft zu weiten und nach der Stadt folgt gleich eine riesige wüstenartige Hochebene .... die dann unvermittelt bei einem Aussichtspunkt endet. Ein atemberaubender Blick öffnet sich auf das tief eingeschnittene Oasenband entlang des Ziz. Wunderschön.

    Hier stehe ich in einem umfriedeten Oasengarten beim super freundlichen Gastgeber Ali. Ein Mini-Camping wie er persönlicher und gastfreundlicher nicht sein könnte.
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  • Am Erg Chebbi

    Feb 1–2 in Morocco ⋅ ☀️ 16 °C

    Heut sollen die Bilder sprechen. Zu spät bzw. zu müde für tiefschürfende Gedanken. 🥱

  • An den Dünen von Hassilabied

    Feb 2–5 in Morocco ⋅ ☀️ 15 °C

    Der Erg (Berg) Chebbi ist eine bizarre, vom Wind geformte Dünenlandschaft im Südosten Marokkos, sozusagen in der Vorwüste zur Sahara.
    Die Dünen erreichen eine Höhe von 150 Metern. An einigen Stellen wachsen nach Regenfällen Dünengräser. Das gesamte Erg hat eine Ausdehnung von 22 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und 5 Kilometer in Ost-West-Richtung.

    Weshalb diese sehr dynamische Landschaftsform ausgerechnet hier entstand und nicht etwa "wandert" oder gar weggeblasen wird, ist mir schleierhaft. Leider konnte ich dazu bislang keine entsprechende Abhandlung finden.
    Lediglich die etwa 100m hohe Stern-Düne Lala Lallia, die sich hier vor Hassilabied erhebt, wird als besondere Düne mit radikalen Ausläufern geologisch beschrieben.

    So oder so, die Farben und Formen dieser Landschaft in ständig wechselnder Beleuchtung sind eine unerhört faszinierende Erscheinung. Und wenn man genau hinschaut, dann finden sich stets wieder feine Spuren von Leben
    in dieser "Wüste".

    Ich empfinde grosse Achtung für jene Menschen, die seit alters her in solch herausfordernden Bedingungen zu leben gelernt hatten. Die traditionelle Lehmbauweise, die typischen dreistufig angelegten Palmengärten, die Gerätschaften und Gefässe aus Naturmaterialien, all dies war einst von Haus aus nachhaltig. Die "Segnungen" des globalisierten materialistischen Kapitalismus haben aber längst auch in Südmarokko Einzug gehalten.

    Umso mehr freut es mich zu sehen, dass die Palmengärten "Igrane" vor Hassilabied noch aktiv gepflegt und unterhalten werden. Das gemeinschaftliche Bewässerungssystem funktioniert hier noch.
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  • Dayet Srij - See in der Wüste

    February 5 in Morocco ⋅ ☀️ 14 °C

    Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ein farbintensiver und eindrucksvoller Tag, begleitet vom Thema ... Wasser!

    Der Palmengarten bei Hassilabied ist ein Kleinod, an dem sich die Funtionsweise der traditionellen Foggaras wunderbar nachvollziehen lässt. Nur dank dieser intelligenten und gemeinschaftlichen Nutzung des spärlichen Grundwassers konnten solche Oasen in der Wüste entstehen.

    Eine sehr aufschlussreiche Übersicht über die Bedeutung des Wassers in der Oasenwirtschaft findet sich im ARD-Beitrag "Wie die grünen Inseln mitten in der Wüste entstehen":
    https://www.ardalpha.de/wissen/natur/naturgewal…

    Den späten Nachmittag widme ich einem anderen Naturphänomen. Der Dayet Srij ist ein temporärer Steppensee, der nach starken Regenfällen entsteht, maximal 2m tief und bloss im Winter zu sehen ist. Genug um einem Zug von rund fünfzig rosa Flamingos den Winter über Heimat zu bieten.

    Das Café du Désert an dessen Ufer ist ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen zum Sonnenuntergang. Traumhaft. Strandfeeling mitten in der Wüste.
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  • Zaïd Abbou im Musée Source Lalla Mimouna

    Feb 5–8 in Morocco ⋅ ☀️ 13 °C

    Vor ziemlich genau zwei Jahren bin ich Zaid Abbou und seinem Lebensprojekt schon einmal begegnet. Die eindrücklichen und im besten Sinne nachhaltigen Begegnungen von damals sind hier dokumentiert:https://findpenguins.com/2bxsvrihgfyxi/footprin…

    Der schöne und stets sehr inspirierende Kontakt mit Zaïd hat sich gehalten. Klar also, dass ich hier wieder vorbeischauen und mich ein wenig nützlich machen will.

    Ich geniesse die besondere Atmosphäre im "Garten der Worte", die Inspirationen an der Quelle "Lalla Mimouna" sowie die tiefgründigen Gespräche mit Zaïd, seine unkonventionell-erfrischende Denkweise und seine authentische und integre Lebenshaltung.
    Die gemeinsamen Abendessen bei ihm zuhause sowie die abendlichen Besuche in den Ksars von Goulmima und Tinejdad hinterlassen bleibende Eindrücke.

    Ich nutze den Besuch aber auch für eine Bestandsaufnahme, einen Zwischenbericht zuhanden der Studiosus-Stiftung ....
    UND NOTABENE: DIE AUFGABEN GEHEN WEITER. Es braucht nochmals Mittel, um auch die letzten Schäden des schlimmen Unwetters zu beheben. Wer ebenfalls einen Beitrag leisten mag, hier nochmals der Abschnitt aus meinem Footprint im Katastrophen-Februar 2023:

    *****
    "Tief beeindruckend und erstaunlich, dass Zaïd den Kopf nicht hängen lässt, sich guter Lebensenergie und Gesundheit erfreut ... und - der echte Berber - einfach wieder zupacken will. Unterstützen wir ihn dabei nach unseren jeweiligen Möglichkeiten, denn eine Versicherung für dieses Herzensprojekt gibt es nicht."

    Bankverbindung:
    Kontoinhaber: Zaïd Abbou, N10 route d'Errachidia, Musée Source Lalla Mimouna, 52600 Tinejdad
    IBAN: MA 127 226 21111 5705127 0015 75
    BIC: BCP OMAMC (Swift)
    Bankname: Banque Populaire de Fés-Meknes, Marokko

    Kontaktdaten zur Source Lalla Mimouna:
    Telefon Zaid Abbou: +212 661-351674
    Mail: zaid.abb233@gmail.com
    Web: www.tripadvisor.fr / Sources LallaMimouna
    Facebook: le musée des sources de lallamimouna
    Instagram: lalla_mimouna1
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  • Lektion in marokkanischer Gelassenheit

    Feb 8–11 in Morocco ⋅ 🌙 14 °C

    "Denn erstens kommt es anders,
    und zweitens als man denkt."
    (Wenn's nicht von Wilhelm Busch ist, dann erfinde ich dieses Sprichwort halt selbst, weil's gerade passt.)

    Gedacht war, dass ich mich heute von Zaïd verabschiede und nach N'Kob weiterfahre. Doch nach 200m, unmittelbar vorm Einschwenken auf die Hauptstraße, geht plötzlich nichts mehr: Kraftabfall und der Motor stirbt ab. Keine Zündung mehr möglich. Nach dem Check von Sicherungen, Batterie, Luftfilter etc muss der Mechaniker kommen - und später noch der Diagnostiker. Also erstmal drei Stunden warten. Dann kommt der Eine und 1 Std später auch der Diagnostiker. Das Problem finden die beiden aber schließlich von blossem Auge:

    Generatorriemen gerissen. Und wie sich herausstellt, hat sich dieser arg verhaspelt, auch den Keilriemen beschädigt und in der Folge seien auch irgendwelche "Zähne" abgebrochen. Die Mechaniker liegen unterm - notdürftig aufgebockten - Auto, und kommen schliesslich zum Schluss, dass der Pannendienst kommen muss. Morgen (Sonntag), in der Garage, wird alles repariert. Kein Problem, kommt schon gut.

    Allein schon den gelassenen und zuversichtlichen Handwerkern zuzuhören und zuzusehen ist ein Lehrstück in Lebenskunst.
    (Ich mache mich derweil auf dem Gelände nützlich und sammle zwei grosse Säcke Müll ein.)

    Nach angemessener Wartezeit kommt der Abschleppdienst. Ich habe meine Zweifel, aber nichts da, es wird angehängt und aufgefahren .... bis auch den drei Marokkanern klar ist, dass der Pritschenwagen schlicht und einfach zu kurz ist für mein 6.36m Gefährt.

    Ok, wieder runter von der Pritsche und kurzes Abschleppen zurück an jenen Platz vor dem Museum, an dem ich die letzten drei Nächte gestanden hatte. Makenmushkil - macht nix - dann kommt der Mechaniker halt morgen mit allem Werkzeug auf den Platz und montiert die ganze Chose. Kommt schon gut.😉

    Ich trinke mit Zaïd ein wohlverdientes Feierabend-Bier und lasse den abenteuerlichen Tag Revue passieren. Ob am Ende all dies geschehen musste, weil die Maus einfach mal richtig Action erleben wollte?😜

    SONNTAGMORGEN. Der freundliche Mechaniker des Vertrauens (von Zaïd) ist da. Ich fühle mich gut umsorgt, aber die Geschichte geht weiter: mittlerweile ist der Zylinderkopf (frz "culasse") geöffnet, acht der sechzehn Zylinderkopf-Finger (frz "doigts de culasse") seien gebrochen. Generatorriemen (frz "courroie d'alternateur") und Keilriemen (frz "courroie") wären zwar an Lager, aber die Finger müssen bestellt werden und kommen erst am Dienstag, inshallah. C'est la vie. (Dafür ist inzwischen ein weiterer Abfallsack gefüllt. Und heute Abend krieg ich vielleicht ne Dusche bei Zaïd und seiner Familie.)
    Schönen Sonntag allseits. 🌞🤗

    SONNTAG-SPÄTNACHMITTAG: Zu dritt (der Mech, sein Kollege mit klapprigem Auto und ich mit dem Geldbeutel) unterwegs nach Tinghrir. Ein Ersatzteilladen hat die beiden Riemen und ein Hinterhof-Händler hat einen baugleichen alten Ducato-Motor, aus dem der Mech die nötigen Ventilteile gleich selbst ausbaut. Unterwegs noch ein Mittagshalt bei einer Tankstelle und ehrliche Gespräche. Beeindruckend und herausfordernd gleichermaßen.

    Zurück beim Bus: Ich gebe mir alle Mühe, meine "confiance" zu mobilisieren, während Monsieur Lahbib gelassen seiner "experience" vertraut. Eine Stunde später und kurz vor Sonnenuntergang ist der Zylinderkopf mit all seinen Ventilen wieder aufgesetzt. Morgen um 9Uhr wird dann noch der Rest montiert, inshallah.😉🥱

    MONTAGABEND: Pünktlich um 9 startet der Mechaniker wieder an seinem Freiluft-Arbeitsplatz, nach kurzem Kaffee bei mir. Das Ganze zieht sich aber dann doch noch in die Länge. Wie sich herausstellt, hat sich in der gestrigen Eile beim Aufsetzen des Zylinderkopfs ein Ventil verschoben. Also nochmals öffnen und ganz sorgfältig aufsetzen.

    Ich bin derweil mit Müll sammeln und Musizieren beschäftigt. Doch dann zahlt die Geduld sich aus: am frühen Abend kann ich die Probefahrt machen und siehe da, der Motor läuft wie am Schnürchen. Fantastisch, wie er diese gefühlt tausend Teile wieder zu einem funktionierenden Ganzen zusammen puzzeln konnte. Nun rutscht mir doch eine ordentliche Geröll-Ladung vom Herzen. Umso mehr als Monsieur Lahbib, der Mechaniker einen Preis nennt, der trotz grosszügigem Trinkgeld noch mindestens viermal günstiger ist als in der Schweiz.

    Also, sollte jemand im Raum Erfoud - Tinjedad mal Bedarf nach einem äusserst kompetenten, hilfsbereiten und freundlichen Mechaniker haben, so hätte ich die unbedingte Empfehlung.
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  • Wieder mal Agdz im Draa-Tal

    Feb 12–17 in Morocco ⋅ ☀️ 17 °C

    Agdz - das eher unscheinbare Strassendorf mit Zentrumsfunktion zuoberst im Draa-Tal hat sich gemausert und ist in den letzten 24 Jahren ordentlich gewachsen. Als ich damals- über die bergige Steinwüste von Ouarzazate her kommend - das sattgrüne Oasenband erblickte, war ich sprachlos. Von Agdz bis Tamegroute unterhalb Zagora ist bzw. war der Talgrund des Draa über 120km hinweg ein einziger zusammenhängender Palmengarten. Links und rechts davon ein Weg und auf der andern Seite der Strasse gleich Steinwüste. Die allgemeine Trockenheit und gewiss auch eine veränderte Lebensweise sind daran, die Landschaft neu zu prägen: die einst sattgrüne Gartenlandschaft verblasst sichtlich.

    Seit damals pflege ich den freundschaftlichen Kontakt zu Abdessalam, dem Schuhmacher. Und wie immer führen uns wieder ein paar Ausflüge per Rad in die Palmeraie von Agdz und Asslim.
    Schön, dass es immer noch Menschen gibt, die ihre Oasengärten in geduldiger Handarbeit, nur mit Hilfe von Pferd und Esel, unterhalten. Denn die brachliegenden Flächen und die Zahl der nicht gepflegten Palmen nehmen zu.

    Donnerstags ist grosser Souk. Das bunte Treiben findet auf einer weiten, mit Akazien durchsetzten, sandigen Fläche am Dorfeingang statt; überragt von der majestätischen Silhouette des Jebel Kissane. Nach dem Markt das freudige Wiedersehen und Tajine-Essen mit Abdessalam, Fatima und ihren Kindern.
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  • Südwestwärts Richtung Tata

    Feb 15–18 in Morocco ⋅ ☁️ 20 °C

    Mit Abdessalam und seinem Sohn Aboubakr fahre ich in das erstaunlich grüne Hochtal von El Lahkriouia, dem Herkunftsort von Abdessalams Vater. Seine Verwandten sind sesshaft gewordene Nomaden, die abseits der Touristenroute ein bescheidenes und ruhiges Leben führen, offensichtlich "geerdet" und nicht (oder deutlich weniger) abgelenkt von den Aufgeregtheiten des sogenannt "modernen Lebens". Beeindruckend, der Besuch und die schlichten Begegnungen.

    Zurück fahren wir anderntags auf der Strasse von Foum-Zguid nach Zagora, durchqueren eine weite und sehr karge Landschaft und sogar eine Dromedar-Herde.

    Man muss schon anhalten und sich bücken, um wahrzunehmen dass diese "schö-wüeschti" Landschaft blüht. Überall kleine Knospen und Blüten und zuweilen ein grüner Schimmer über den steinigen Hängen. Deshalb hat es hier streckenweise so viele wandernde Bienenzüchter.

    In Zagora erleben wir den Sonntagssouk. Danach geht's das ganze Draa-Tal hoch und ich übernachte noch ein letztes Mal bei Said in Agdz. Dann geht's definitiv südwestwärts via Foum-Zguid nach Tata.
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  • Herzensort Tafraoute

    Feb 19–24 in Morocco ⋅ ☀️ 16 °C
  • Zeitreise in die Berber-Kultur

    February 22 in Morocco ⋅ ☀️ 18 °C

    Ich habe das Glück, über die Mittagszeit alleiniger Besucher zu sein im "maison traditionelle berbère" im alten Ortsteil von Oumesnat. Mustafa Ahras (sein Vater Abdessalam - der legendäre blinde Führer im maison berbère - sei vor drei Jahren verstorben) führt mich durch das Haus seiner Großeltern.

    Auf sehr sympathische und authentische Weise wird ersichtlich, wie Menschen, Grossfamilien und sogar deren Nutztiere in echter "Synergie" in einem intelligent durchdachten Gebäude zusammenleben konnten. Und das selbst in diesem sehr herausfordernden Klima mit extrem heißen Sommern und kühlen Wintern.

    Mustafa vermittelt sehr glaubwürdig die Achtung und den Respekt gegenüber dem Wissen der vorausgehenden Generationen und er verkörpert gleichzeitig eine große Offenheit für den Austausch und die Gemeinsamkeiten unter den Kulturen. Mustafa ist auch Musiker, der mit Kollegen (die Gruppe Adrar Amarg, Tafraoute) gerne an traditionellen Hochzeiten aufspielt.

    Besonders berührt haben mich die sehr persönlichen Gespräche mit Mustafa. Einmal mehr die Erfahrung, dass echte Begegnung erst entstehen kann, wenn man sich Zeit nimmt und sich aufeinander einlässt.
    So etwa:
    - Der Austausch über Familie und Kinder und Vorfahren - und gar gemeinsame Bekannte.
    - Das Philosophieren über die Vorhersehung, "le déstin", - oder die Freiheit, die Perlen zu pflücken, die uns der "Zufall" beschert bzw. die uns einfach so zu-fallen.
    - Die Erzählung, wie ich 2001, dank der unvergleichlichen Gastfreundschaft im berberischen Süden Marokko's, den Marokko-Virus erwischt hatte.

    Dann seine kundigen Ausführungen zum Haus:
    - Das Erdgeschoss ist für Tiere (Schafe, Ziegen, Hühner und ein Esel), Futter und Vorräte reserviert. Hier wurden auch das Mehl gemahlen, das Oliven- + Argan-Öl gepresst, Gewürze gemörsert etc.
    - Im ersten Stock besticht die Küche im Zentrum des Hauses: durch ein einziges Fenster effektvoll belichtet und durch kluge Anordnung der Arkaden wirksam belüftet. Das Loch in der Küchenecke dient als Abwurf der Rüst-und Essensreste, direkt in die Futterkrippe der Tiere.
    - Die umlaufende Galerie neben der Küche ist auch Wohn- und Schlafbereich der ganzen Großfamilie. Davon abgesetzt ein einziges Zimmer, in dem sämtliche Kinder geschlafen hatten, oft nur von der Großmutter beaufsichtigt.
    - Auf der Dachterrasse frage ich nach den Schiefertafeln, die senkrecht auf der Balkonbrüstung eingemauert sind? Sie entsprechen den Steintafeln auf den Friedhöfen und seien das "memento mori" der Berber-Kultur.
    - Bei der Teezeremonie im Gästezimmer erzählt mir Mustafa weitere Details aus dem Leben seiner Familie und spielt auch noch ein altes Saiteninstrument sowie sein Banjo.

    Wunderschön. Eine rundum bereichernde und in der Tiefe berührende Erfahrung.
    Ganz herzlichen Dank, Mustafa, und alles Gute für Dich, Deine Frau, Deine zwei Buben und Deine Mutter.

    Und zuletzt noch eine technische Notiz für Zaïd: für die laufende Renovation der Aussenmauern verwendet Mustafa natürlichen Lehmputz aus der Gegend, überstreicht diesen am Ende jedoch mit speziellem Leim (Binoulit), was die Fassade wasserabweisend mache.
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  • Schluchten-Tag

    February 25 in Morocco ⋅ ☁️ 19 °C

    Zum Glück war Renata heute nicht dabei.😉😜 Der Tag begann zwar total entspannt und es reihten sich nützliche Zufälle ganz spontan: der schielende Bäcker auf seinem klapprigen Fahrrad bringt das Brot ans Auto (und ich könnte zum x-ten Mal Renatas Klappvelo eintauschen oder verkaufen). Noch während des Frühstücks fährt der "Wassermann" vorbei und so kann ich meinen Frischwasser-Tank nachfüllen. Während des Packens nochmals ein paar fliegende Händler abweisen und dann zur Entsorgungsstelle. Schließlich noch ein Gang über den Markt: Früchte, Fotos und einen neuen Vorlegerteppich - und wieder eine spontane Begegnung mit Sonja.

    Dann fahre ich einfach mal los, eine gemütliche Schlaufe durch das Amelntal. Anschließend nochmals durch Tafraoute und gleich weiter ins Ait Mansour, die Flussoase, die mir Sonja empfohlen hat. Die Strasse sei zwar schmal, aber asphaltiert und gut fahrbar und der Übernachtungsplatz bei Abdul sei ganz OK und sehr sehr ruhig. So habe ich gestern auf die Schnelle bei Google-Maps eine Route festgelegt zum "Ait Mansour Canyon View"

    .... und fahre und fahre und fahre südwärts. Kommt mir mit der Zeit ganz schön lang vor, doch dann endlich der Abzweig ab der R107. Nochmals ein kleiner Pass und dann windet sich die Strasse in eine immer steilere und imposantere Schlucht hinunter. Die einspurige Strasse ist recht neu und teils gewagt in die Felsen gefräst. Tolle Ausblicke in die Schlucht und zu einem Felsenfenster. Atemberaubend.

    Da unten soll also die Flussoase des Ait Mansour beginnen ... doch dann sind erst noch einige spektakuläre Schuttkegel zu durchfahren bzw. kaputte Strassenstücke zu überwinden. Seitenbäche haben da ganz schön gewütet. Von zwei Jungs am Strassenrand erfahre ich, dass im vergangenen Oktober ein gewaltiges Unwetter bzw Hochwasser die Strassenabschnitte zerstört, im Dorf unten mehrere Häuser weggerissen und zwei Todesopfer gefordert hätte. Sie wünschen mir "bonne chance". Einige Kurven weiter unten steh ich dann definitiv im trockenen Flussbett. Hinter einem französischen Camper und einem PW.

    Zu Fuss durch das schwer beschädigte Dorf und bald ist mir klar, hier geht gar nichts mehr weiter. Eine sandige Auffahrt und dann ein immer schmaler werdendes Gässchen. Nein, hier in Aoukerda sei die Strasse ohnehin zu Ende. Dann also abenteuerlich drehen im Flussbett und die ganzen Serpentinen wieder hoch. Ich bin zwar am Ait Mansour, aber viel weiter flussabwärts und über 60km von besagter Flussoase entfernt.🤭🤔😜 Peinlich, peinlich, diese Unvorsichtigkeit.

    Mittlerweile ist 15 Uhr vorbei und die ersehnte "Omelette bèrbère" von Abdul noch gut zwei Stunden entfernt. Die Hoffnung stirbt zuletzt und so fahre ich weiter, ohne Pause und ohne Zmittag. Statt der von Google empfohlenen Strecke traue ich, die Flussoase von Süden her via Talat n'Yssi anzufahren. Ob diese Strasse wohl durchgehend asphaltiert ist? Imposante Landschaft, zwei kleine Pässe, fantastische Felsformationen, Kunst der Erosion.

    Und dann beginnt es wieder: die in der Talsohle sich dahinschlängelnde Teer-Strasse ist an unzähligen Stellen unterbrochen, Brücken sind weggespült und Erdrutsche notdürftig beiseite geschoben. Ein paar Steinbrocken schräg über die Fahrbahn signalisieren jeweils, dass hier auf eine Not-Piste durchs Flussbett ausgewichen werden muss. Nach der fünften Umfahrung gerät mir das Zählen durcheinander.

    Spektakuläre Täler und immer wieder eine kleine Siedlung, eine Moschee, ein Lastwagen. Dann führt die Strasse vom Flussbett weg, über zwei Bergrücken und wird allmählich wieder besser. Bei der Kreuzung von Talat n'Yssi möchte eine alte Frau nach Tafraoute mitfahren. Leider nein, ich will am oberen Ende der Flussoase übernachten und erst morgen zurück nach Tafraoute.

    Wow, was für ein Tag. So gemütlich begonnen .... und so herausfordernd und überraschend zum Schluss. Dabei unzählige Foto-Stops mit traumhaften Formen und Farben. 👌🙏 All das im Bewusstsein, dass mein einmaliges "Abenteuer" für andere Menschen deren tägliche Herausforderung darstellt. Chapeau.

    PS: hätte ich vorsichtig meinen Plan abgespult und bei geringster Unsicherheit umgedreht, dann hätte ich bestimmt viele dieser Eindrücke verpasst.
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  • Ait Mansour Hanan im Anti-Atlas

    Feb 25–26 in Morocco ⋅ ⛅ 17 °C

    AUFGEHOBEN
    In sternenklarer Dunkelheit
    Und sirrender Stille
    All-ein mein Tinnitus
    (So heisst die Plüsch-Maus😅)
    Und ich

    DIFFERENZIERUNG
    Dunkel
    Ist erst dunkel
    Wenn auch
    der letzte Kontrast
    Wegfällt

    GENESIS
    In Dunkelheit
    Und Stille
    Kann All-es
    Entstehen

    IN DER SCHLUCHT
    Je höher
    Der Atlas
    Desto tiefer
    die Stille

    Je härter
    Der Fels
    Desto klarer
    Die Quelle

    Je wilder
    Der Sturm
    Desto größer
    Die Ruhe

    ***

    Langsam
    beginne ich zu erahnen,
    weshalb diese einfachen, ehrlichen und wettergegerbten Menschen
    so sind wie sie sind.

    Die Stürme des Lebens
    formen das Eigentliche.
    Sie kommen -
    und gehen -
    ohnehin.
    Inshallah.

    (Gut zu wissen,
    bei all den bizzarren Umwälzungen
    und bodenlos dummen Kriegen,
    die auf der Welt gerade wieder angezettelt werden.)

    05.50 Uhr
    Der Ruf des Muezzin
    hallt Echo-gebend
    durch die Schlucht.
    Selbst Vögel
    und Hunde
    halten inne.
    Still.
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  • Der Souk: perfekt funktionierendes Chaos

    February 27 in Morocco ⋅ 🌬 19 °C

    Die letzten Tage vor Beginn des Ramadans. Geschäftiges Treiben allerorten. Mit dem Wochensouk in Tafraoute ging's los, dann erwischte ich gestern noch das Ende des Wochensouks in Igherm. In Taliouine waren die Strassen verstopft von Einkaufenden und jetzt in Tazenakth nochmals das volle Programm. Die Leute kaufen ein, was das Zeug hält. Auf den Trottoirs stapeln sich die Waren-Berge, fein säuberlich nach Familie geordnet. Und die Chauffeure beladen die Minibusse, die in die entlegenen Douars fahren, mit abenteuerlichen Lasten. Schließlich soll an den Ramadan-Abenden niemand darben müssen.

    Umso mehr, als gestern noch das königliche Erlass rausging, dass zum Aid al Adda (dem grossen Opferfest in 3 Monaten) auf das Schlachten der Opfertiere verzichtet werden soll. Als Folge der klimawandel-bedingten andauernden Trockenheit können nicht genügend Tiere bereitgestellt werden.

    Übrigens: Der genaue Beginn des Ramadan steht erst fest, wenn der Neumond mit blossem Auge sichtbar ist. Für das westlich gelegene Marokko wird dies in der Nacht zum 2.März erwartet.

    Meine Markt-Episode in Tafraoute:
    Auf dem Rückweg aus der Oase Ait Mansour winkt in Tasrirt am Strassenrand Affida. Sie, die Mutter von drei Kindern - und später noch einen mittelalterlichen Mann, der zu Fuss unterwegs ist - nehme ich mit auf die rund 15km zum Mittwoch-Souk in Tafraoute. Ungezwungen fröhlicher Austausch im Berber-Dialekt, wobei sich mein Beitrag auf Lachen, Nicken, Lächeln .... und Fahren beschränkt.

    In Tafraoute sitze ich etwas später beim Kaffee am Markt. Plötzlich steht Affida wieder neben mir, ... "lebes? becher! lebes? becher!" ... ob mir der Markt gefalle? Sie würde ja gern, habe aber kein Geld. Kurz zögere ich und dann wechselt ein 100DH-Schein die Hand. Ohh, merci beaucoup .... und schwupps ist sie weg. Ich hoffe nun einfach mal, dass es (auch) den drei Kindern zugute kommt.
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  • Oasis Fint

    Feb 27–28 in Morocco ⋅ 🌬 21 °C

    Was vor wenigen Jahren noch Piste war, ist jetzt eine durchgehend ausgebaute zweispurige Strasse direkt von Tazenakth nach Ouarzazate. Sehr schöne Gegend, ein endlos sich schlängelndes Flusstal. Hier fällt auf, wie überall Schilf geschnitten und gebündelt wird. Nützliches Material für den Hausbau, als Unterdach, aber auch für Zäune, als Kletterhilfe oder zum Wind- und Sichtschutz. In Ouarzazate am Strassenrand stosse ich später auf Rachid, der solches Schilfmaterial verarbeitet. Er hat über 10 Jahre in Norditalien als "muratori" gearbeitet und freut sich ungemein, dass er sein Italienisch wieder mal anwenden kann.

    Doch kurz vor Ouarzazate packe ich die Gelegenheit und mache den kurzen Abstecher zur Oase Fint. Ein Ziel, das ich auf einer meiner früheren Radtouren schon mal ansteuern wollte. Damals blieb ich unterwegs hängen.
    Freudig überrascht dann der Blick von der Hochebene in diesen beschaulichen Talkessel. Perfekt für eine wunderbar ruhige Nacht, quasi im "Fluss-Bett". Das abendliche Froschkonzert begleitet in den Schlaf.
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  • Versorgungshalt in Ouarzazate

    Feb 28–Mar 2 in Morocco ⋅ 🌬 16 °C

    Zwei Nächte auf dem Camping Bivouac Lot of Stars in der Palmeraie von Tabounte, am Rande von Ouarzazate. (Statt "Lot of stars" waren es dann allerdings "Lot of campers", dicht gedrängt standen die rund zwei Dutzend auf dem Platz, der für acht deklariert ist.)

    Gigantisch, wie diese Stadt boomt, die Quartiere haben sich während der letzten zwanzig Jahre vervielfacht und noch immer sind riesige Flächen als Bauland neu erschlossen: asphaltierte Strassen nach Schachbrettmuster, grosse Kandelaber - und da und dort ein erster Rohbau. Die "Filmstadt" Ouarzazate ist mit ihrem Flugplatz eine Drehscheibe für den Tourismus in Südmarokko.

    Der Carrefour-Supermarkt war der eigentliche Grund, weshalb ich einen Stop in Ouarzazate eingeplant hatte. Blöd nur, dass ich zu spät dran bin: so kurz vor Beginn des Ramadans ist der Carrefour Cave bereits geschlossen. Dann halt nur alkoholfreies Bier und Traubensaft bunkern - und auch ein wenig fasten.

    Ouarzazate heißt für mich auch Erinnerungen auffrischen, durch den ständigen Souk und über den großen Platz schlendern, frisch gepresste Avocado- und Orangensäfte genießen - und vom Kasernenhügel den Blick schweifen lassen über die Dächer der Stadt bis zur frisch verschneiten Bergkette des hohen Atlas.

    Die touristisch massiv aufgemotzte (überrenovierte) Kasbah Taourirt mit dem sie umgebenden Ksar hat trotz allem eine beeindruckende Geschichte. Das jüngste Erdbeben schreibt diese nun auf traurige Weise weiter: das stattliche Gebäude in traditioneller Lehmbauweise wurde arg in Mitleidenschaft gezogen und weist grosse Löcher auf. Der einst mit Souvenirläden bestückte Ksar wirkt ausgestorben. Renovationsarbeiten sind im Gange.

    Der hintere Reifen von Renatas Falt-E-Bike macht auf der Stadtrundfahrt plötzlich schlapp. Gut nur, dass ich in Marokko bin: nach wenigen hundert Metern findet sich ein offenes Garagentor mit einem Veloflicker. Der kümmert sich sofort um mich, besorgt das Ersatzmaterial mit seinem Fahrrad gleich um die Ecke und keine halbe Stunde später ist das Velo repariert. Kostenpunkt 135 Dirham.

    Einkaufen, Tanken, Wäsche waschen - und nun bin ich wieder bereit für neue Abenteuer.
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  • Vallée des Roses

    Mar 2–4 in Morocco ⋅ ⛅ 13 °C

    Welch wohltuender Kontrast. Nach den zwei Stadt-Tagen genieße ich wieder die weite der Landschaft. In El Kelaa-M'Gouna biege ich - einer spontanen Eingebung folgend - links ab zum Vallée des Roses. Da bin ich 2007 mit dem Rad vorbeigekommen, auf der Pisten-Tour vom Dades-Tal über Bou Tharar und Amejgag bis Skoura.

    Das Kasbah-Hotel Chems (arab. für Sonne) in Bou Tharar bietet die Möglichkeit, mit dem Camper auf deren Parkplatz - man könnte aber auch sagen auf deren Aussichtsterrasse - zu stehen.

    Bou Tharar liegt auf 1650 Meter über dem Meeresspiegel und ist das Herz des Vallée des Roses. Da kommen die ganzen Rosen-Öl-Produkte her, die in Marokko so beliebt sind. Da wird die Damaszener-Rose angebaut und da pulsiert es besonders während der Rosenblüte + -Ernte von Mitte April bis Mitte Mai. Die 25km bis hierher sind einspurig asphaltiert, danach geht's nur noch auf Pisten weiter. Zum Glück! Denn so konnte dieser Ort an der Südflanke des Hohen Atlas noch sein ursprüngliches Gesicht bewahren.

    Hier in Bou Tharar fühle ich mich gerade in jeder Hinsicht "angekommen". Völlige Ruhe, weiter Sternenhimmel, vielstimmige Vogelkonzerte, reine Natur, grüne Gärten und freundliche Menschen in einer pragmatisch-schlichten und einfachen Lebensweise.
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  • Boumalne-Dades

    Ein Lob auf marrokanisches Geschick ...

    Mar 5–7 in Morocco ⋅ ☁️ 17 °C

    ... und auf marrokanische Hilfsbereitschaft. Ja, ich bin nochmals in Tinejdad bei den Automechanikern meines Vertrauens, ehrlich. Mich beeindruckt ungemein, wie diese Praktiker mit einem Minimum an Werkzeug, allein mit ihrem Geschick und ihrer Erfahrung (und Lahbib würde in seiner Bescheidenheit wohl noch den "Chef-Mechaniker" Allah erwähnen), praktisch jedes Problem lösen.

    Sinnbildlich für deren Bescheidenheit (und Beweglichkeit), wie sie auf blossem Karton liegend ans Werk gehen, ohne jede Berührungsscheu und voller Vertrauen. Kommt schon gut, inshallah.

    Der von der unfreiwilligen Pisten-Tour im Ait-Mansour-Tal beschädigte Tritt wird während knapp 1.5 Std ausgebaut, zurechtgebogen und wieder eingebaut: funktioniert einwandfrei. Nochmals ganz herzlichen Dank an Lahbib, Zacharia und Mohamed.

    Fast unnötig zu erwähnen, dass die Hilfsbereitschaft auch dahin geht, dass sie sich SOFORT um mich bzw. mein Fahrzeug kümmern, obwohl sie gerade mit einer kompletten Motor-Sanierung beschäftigt sind.

    Ansonsten: Einkauf an den Strassenständen und in der Markthalle von Tinejdad. Auf den Strassen ist es vergleichsweise ruhig. Die Strassengrills machen Pause und auf den Restaurant-Terrassen sitzen die Männer gemütlich plaudernd vor leeren Tischen: Ramadan.

    Auf dem Weg vom "Vallée des Roses" hierher hatte ich in Boumalne-Dades einen Halt gemacht; wollte bloss mal schauen, ob ich den Laden wieder finde, auf den ich bei meiner Radtour 2007 gestoßen bin. Tatsächlich, aus der Gruppe plaudernder Männer davor, erhebt sich der Grösste, wohl weil er in mir einen möglichen Käufer sieht. Ein kurzes Zögern meinerseits - wir sind halt beide 18 Jahre älter geworden - dann stelle ich mich als Christoph vor und frage nach Moha .... und dann eine herzliche Umarmung, als wäre es gestern gewesen.

    Klar doch, dass ich an diesem Abend zum Fastenbrechen zu ihm nach Hause kommen soll (schließlich kenne ich ja das Haus, weil ich damals drei Nächte bei ihnen auf der Dachterrasse übernachtet hätte). Moha konnte sich noch an viele Details erinnern - und gross auch die Freude, als ich zwei damalige Fotos von ihm und seiner damals sechsjährigen Tochter zeigen konnte. Mittlerweile ist mit dem sechsjährigen Mohamed-Najm noch ein "Nachzügler" dazu gekommen. Dieser erfreut sich am ausgedehnten gemeinsamen Spiel mit den Tennisbällen. Ob er beim nächsten Mal das Jonglieren beherrscht?
    Ganz herzlichen Dank also auch an Mohamed und seine Frau Malika für die neuerliche Gastfreundschaft.

    PS: Ich hab' dann schon noch was Nützliches zu kaufen gefunden: seither begleitet mich ein neuer lederner Hosengurt.
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  • Begegnungen - zwischen Todhra und Dades

    Mar 7–10 in Morocco ⋅ ☀️ 6 °C

    .... oder zwischen Thora und Hades😉😆?

    Die Tage seit dem Abschied bei Zaïd (und Katze Lilia) in Tinejdad waren angefüllt mit Überraschungen. Mir wurde bewusst, welche Chance im Alleine-Reisen liegt, wenn ich den Sitz neben mir auch aktiv "bewirtschafte" und dabei Geschichten sammle.

    - Mit Hussein hatte ich einen marokkanischen Fahrgast auf den letzten rund 15km vor Tinghir. Für marokkanische Distanzen und Verkehrsverhältnisse ist es ja ganz normal und einfach sinnvoll, Fahrzeuge gut auszulasten und Mitfahrgelegenheit anzubieten.

    - Ausgangs Tinghir stoppe ich für Jane, die 65-jährige nordenglische Rucksack-Reisende. Ebenfalls eine "Wiederholungstäterin", was Alleine-Reisen in Südmarokko betrifft. Kein Wunder, dass wir in kürzester Zeit in intensivem Austausch sind. So intensiv, dass der eine oder andere Autofahrer genervt hupt, weil ich so langsam fahre. Verständlich aber auch, dass auf dieser atemberaubenden Strecke durch die Todhra-Schlucht bis Tamtetoucht so mancher Foto-Stop nötig ist. Während Jane zu Fuss (schließlich bis Agoudal) weiter wandert, übernachte ich in Tamtetoucht.

    - Am andern Morgen mein spontaner Entschluss, doch nochmals westwärts zu fahren, denn die frühere Piste nach Msemrir soll inzwischen asphaltiert und gut befahrbar sein. An der Abzweigung in Tamtetoucht erneut ein Daumen: Mit Mohamed steigt ein junger einheimischer Lastwagen-Chauffeur zu mir ins Auto und begleitet mich bis zur Passhöhe (2800müM). Er hat wegen des Ramadan etwas Pause und möchte unterhalb der Passhöhe eine verwandte Nomaden-Familie besuchen. So komme ich zu äusserst kundigen Auskünften, sowohl was diese neue Straße als auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Marokko betrifft.

    - Nach dem Pass geht's runter nach Msemrir. Hier erwische ich gerade noch die letzten Händler am Samstags-Markt.

    - Weiter das Dades-Tal abwärts. In Boumardoul muss ich nicht lange suchen um Ikhlaf ("le fou") zu finden. Er ist es, der mir auf meiner Radtour im 2007 hier den platten Reifen geflickt hatte. Gross die Wiedersehensfreude und äusserst bereichernd und herzlich die zwei gemeinsamen Tage. Wandern, Musizieren, Plaudern und abends das Fastenbrechen gemeinsam mit seiner Familie.

    - Beim Tee im Nachbarhaus stossen wir auf Angie aus Holland. Sie hat sich in Agadir ein Mobilette (Töffli) gekauft und tuckert damit durch Südmarokko. Sie begleitet uns beim musikalischen Potpourri und erlebt mit, wie Ikhlaf, das Multitalent, mir zum Abschied noch kurzerhand eine kleine Figur zusammenschweisst.

    - Auf der Weiterfahrt durchs Dades-Tal steigt Mohamed zu mir ins Cockpit: ein etwas aussergewöhnlicher Fahrgast, wie ich bald merke. Ob ich gläubig sei? Wie oft ich bete? Er sei nämlich Gott, "Je suis Dieu". Zuerst wollte ich den Fragen und der etwas unangenehmen Penetranz dezent ausweichen. Als ich mir der psychischen Thematik dann ziemlich sicher bin, lege ich ihm nahe auszusteigen, statt bis zur nächsten Stadt mitzufahren. Diesen Vorschlag akzeptiert er überraschend schnell, allerdings nicht ohne beim Aussteigen noch nach Zigaretten zu fragen. Sorry, ich rauche nicht. Ob ich ihm dann wenigstens von meinen Orangen und Mandarinen etwas abgeben könne? Nun packt mich der Schalk und ich verweise "Gott" auf seinen Ramadan. Bingo: beide verabschieden wir uns lachend.

    - In Boumalne nochmals ein kurzer Halt bei Moha, dem "commerçant". Diesmal vergesse ich nicht, beim neu erstandenen Hosengurt noch die zusätzlichen Löcher stanzen zu lassen.

    - Dann mache ich mich auf den Weg nach Goulmima. Unterwegs eine ausgesucht höfliche Begegnung mit .... der Polizei. Ich sei bei der Geschwindigkeitskontrolle mit 74km/h statt der erlaubten 60km/h aufgefallen, Kostenpunkt 150DH. Er erkundigt sich noch, wie ich mit dem Zustand der marrokanischen Strassen zufrieden sei? Natürlich rühme ich - für einmal ganz der Diplomat. Die Beschwerde, die sehr gut ausgebauten und fast leeren Strassen würden zu allzu schnellem Fahren verleiten, hätte er vermutlich eh nicht gelten lassen.🤪
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