Ach, das Elend!
13 Maret, Uni Emirat Arab ⋅ ☁️ 27 °C
Im Yachthafen von Dubai, der Marina, wird einem erst so richtig bewusst, unter welch widrigen Umständen die Reichen ihr karges Dasein fristen. Eingebettet zwischen Hochhausriesen dümpeln ihre bescheidenen Schifflein. So richtig ernst zu nehmende Kähne in der XXS-Flugzeugträgerklasse sind indes nicht dabei, was spontanes Mitleid auslöst.
Ein Ausflug nach Dubai mit dem eigenen Kraftwagen wäre nicht komplett ohne eine Ehrenrunde über die künstliche Insel Palm Jumeirah. Dass hier dem Meer mit unvorstellbarem Aufwand eine Neubausiedlung im Palmwedeldesign abgetrotzt wurde, sieht man freilich nur aus der Vogel- oder ISS-Perspektive. Uns bleibt der Blick von oben leider verwehrt. Denn das Riesenrad Ain Dubai am nahen Dubai Beach, mit 250 Metern satte 115 Meter höher als das London Eye, dreht sich heute nicht. Aus Sicherheitsgründen, heißt es ohne nähere Begründung. So bekommen wit letztlich doch noch etwas mit vom Irankrieg - kollateralbetroffen, quasi.Baca selengkapnya
Im Rausch der Formen
13 Maret, Uni Emirat Arab ⋅ 🌙 25 °C
Zugegeben: Ich hatte keinen Plan, was mich in Abu Dhabi (2,5 Millionen Einwohner) erwarten würde. Hat mich nicht wirklich interessiert. Dubai in klein, dachte ich. Doch schon auf dem Weg in die Stadt erspähe ich abseits der Autobahn zwei Gebäude, die beeindruckend wirken. Das könnte spannend werden, denke ich mir. Eine kurze Recherche bestätigt: Das wird wohl spannend. Nach einem abendlichen Ausflug ist klar: Spannend trifft die Sache nicht. Atemberaubend schon eher.
Auf der Insel Saadiyat - ganz Abu Dhabi ist ein Flickenteppich von Inseln - liegt der "Cultural District" der Stadt, und der hat es in sich. Neben dem kantigen Naturgeschichtemuseum, das ein Riese aus Bauklötzen aufgetürmt zu haben scheint, liegt als rundlicher Kontrapunkt das erst vor einem Jahr eröffnete teamLab Phenomena wie ein gigantisches, halb geschmolzenes Marshmellow. Es gilt als weltweit größte immersive Kunststätte und bietet auf 17.000 Quadratmetern
einzigartige interaktive Installationen, die Kunst, Wissenschaft und Technologie verbinden.
Noch neuer ist das mächtige Zayed Nationalmuseum, das erst vor einem Vierteljahr seine Pforten öffnete. Das imposante Bauwerk, dessen Architektur von den Flügeln eines Falken inspiriert ist, würdigt das Leben von Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan und die Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate. Entworfen wurde es vom Büro von Sir Norman Foster.
Nummer vier im weitläufigen, nachts bunt illuminierten Museumspark ist der Louvre. Nein, wir haben uns ob des kriegsbedingt phasenweise gestörten GPS-Signals nicht massiv verfahren. Auch Abu Dhabi hat seit knapp zehn Jahren ein Kunstmuseum diesen Namens - und es verschlägt einem die Sprache. Wie ein Ufo schwebt ein kuppelförmiges, 7500 Tonnen schweres Dach mit 180 Metern Durchmesser auf einem Komplex aus verschachtelten Quadern und entfaltet im Inneren eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht: Leicht und offen trotz seiner gewaltigen Größe. Zum Niederknien schön!
Der Louvre II entstand in enger Kooperation mit dem Original in Paris, er zeigt Dauerleihgaben, baut aber auch eine eigene Sammlung auf. Das sorgte seinerzeit in Frankreich nicht nur für Jubel, obwohl sich die Emirate die Unterstützung aus Europa fast eine Milliarde Euro kosten ließen.
Damit es einen Grund gibt, bald zurückzukehren, wird auf Saadiyat noch immer fleißig gewerkelt. In Sichtweite des Louvre entsteht ein weiteres unfassbares Stück Architektur: Ein neues Guggenheim-Museum. Der von Frank Gehry geplante Komplex aus Röhren, Spiralen und Türmen soll heuer noch fertig werden - ambitioniert, wenn man einen Blick auf die Baustelle wirft.
Nach einem Abendrundgang, der in der Dachterassenbar des Louvre beim ersten (!) Gin Tonic auf dieser Reise endete, werden wir der Museumsinsel heute einen weiteren Besuch abstatten. Berichte zu den einzelnen Gebäuden folgen.
Unser ruhiges Nachtlager haben wir am Fischmarkt aufgeschlagen - ein frisch renovierter Komplex mit einem deutlichen Überangebot, das sich darin manifestiert, dass Händler und Gastwirte mit einiger Penetranz um Gäste buhlen. Lecker Fisch gab's am Ende aber doch auf den Teller.Baca selengkapnya
Das Ufo der schönen Künste
13 Maret, Uni Emirat Arab ⋅ 🌙 25 °C
Wie ein riesiger, flacher Suppenteller, der umgedreht auf dem Tisch liegt, wirkt das schwarze Dach des Louvre Abu Dhabi. Das heißt - eigentlich liegt er gar nicht. Das 7500 Tonnen schwere Stahlkonstrukt scheint zu schweben, denn es wird so geschickt von nur vier in weißen Gebäudeklötzen versteckten Säulen getragen, dass es kaum wahrnehmbar ist. So bekommt ein riesiges Bauwerk mit 180 Metern Durchmesser eine ungeahnte Leichtigkeit.
Wenn man nachts daran vorbei fährt, dann vermitteln die geschickt in der aus 400.000 Einzelteilen montierten Kuppel verteilten Lampen den Eindruck funkelnder Sterne. Tagsüber lässt die gewölbte Decke Sonnenlicht durch und schafft im Inneren einen "Regen des Lichts". Aus acht Schichten Edelstahl und Aluminium ist das Ufo zusammengesetzt.
Ein Meisterwerk, das Meisterwerken Heimat ist: Bis Mai läuft beispielsweise eine Picasso-Ausstellung im Louvre II, der architektonisch klar die Nummer I ist.
Der Bau, 2017 eröffnet, hat rund 650 Millionen US-Dollar gekostet. Die Gesamtkosten inklusive Namensrechten, Leihgaben und Expertise aus Frankreich über 30 Jahre beliefen sich jedoch auf insgesamt etwa 1,5 Milliarden Euro. Allein für die Nutzung des Namens „Louvre“ zahlt Abu Dhabi rund 400 Millionen Euro an Frankreich.
Das Museum wurde vom französischen Architekten Jean Nouvel entworfen.Baca selengkapnya

PelancongBeeindruckend! Und ganz schön mutig. Wie lange bist du noch im Nahen Osten?

Wolferl weltweitLeider nur noch bis 2. April. Morgen geht es nach Katar. War da nicht mal was mit einem Fifa-Kasperltheater?

PelancongDas war das Vorspiel zu dem Theater, das uns jetzt bevorsteht. Infantino, heißt das nicht kindlich oder so?, wuppt mit dem Wer-mir-nicht-hilft-dem-helf -ich-auch-nicht-Präsidenten die größte WM aller Zeiten. Katar wär mir jetzt fast lieber. Iran wäre auch dabei gewesen.
Wenn cooles Design kühlt
14 Maret, Uni Emirat Arab ⋅ ☀️ 27 °C
Das nagelneue Zayed Nationalmuseum in Abu Dhabi, im Dezember 2025 eröffnet, sieht nicht nur cool aus. Es kühlt auch. Und zwar mit seinen fünf Falkenflügeln nachempfundenen, bis zu 115 Meter hohen Segeln. Energieeffizienz stand ganz oben im Lastenheft von Foster & Partners, dem Architekturbüro von Sir Norman Foster.
Diese Flügel aus Leichtstahl sind Teil eines natürlichen Belüftungssystems. Öffnungen an der Spitze dieser Türme nutzen den Unterdruck auf der Lee-Seite des Segelprofiles. So saugen sie warme Luft aus dem Atrium des Museums. Der thermische Effekt, dass sich die Flügelspitzen erhitzen, verstärkt die Wirkung. Luft, die in Röhren tief im Wüstenboden unter dem Gebäude auf natürlichem Weg gekühlt wird, strömt in das Museum.
Zudem leiten die beschichteten Thermo-Kamine Licht ins Innere. Alle fünf Segel sind individuell verstellbar.
Im Museum geht es um die Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate, doch seine Hülle verkörpert die Zukunft nachhaltigen Bauens unter den extremen Bedingungen der Wüste.
Die Museumsräume sind in eine Art Hügel eingebettet, der die Topografie der Emirate abstrahiert. Das verwendete Material reflektiert die unterschiedlichen Sandfarben in den sieben Staaten der Emirate.
Der Hügel bewahrt das Innere davor, sich zu stark von der Sonne aufzuheizen. Das dient nicht zuletzt auch dem Schutz der empfindlichen Exponate. Die Dreifachbeschichtung der Türme reguliert die Menge an Licht, die ins Gebäude gelangt. Spezielles Glas, das seine Transparenz verändern kann, steuert zusätzlich die Helligkeit.
Vor dem Museum, das fast 700 Millionen Dollar gekostet hat, manifestiert sich Scheich Zayeds Liebe zur Natur im Al Masar Garten, der das Gebäude mit der Küste verbindet.Baca selengkapnya
Kunterbunte Welt der Wunder
14 Maret, Uni Emirat Arab ⋅ ☁️ 24 °C
Was von außen wirkt wie eine am Boden gelandete, erstarrte Wolke birgt innen eine Wunderwelt der Imagination, die mit gängigen Superlativen nur unzureichend zu beschreiben ist. Die Besucher von "teamLab Phenomena" tauchen ein in eine Wunderwelt projizierter Farben und Formen, sie verschmelzen mit Kunstwerken in steter Bewegung. Das ist betörend und berauschend schön.
Durch ein nahezu lichtloses Labyrinth schwarzer Gänge geht es von Installation zu Installation. Schon der Auftakt raubt einem den Atem und führt unweigerlich zur Ausschüttung einer satten Dosis Glückshormone: In einem kunterbunten Zauberwald fließen Farben gewaltige Baumsäulen hinauf und hinab. Spiegel verleihen dem imaginären Multicolor-Forst den Eindruck unendlicher Weite. Müsste man das Paradies entwerfen - so würde man es vermutlich gestalten.
Weiter geht es durch Tunnels, durch die einen Strudel aus Licht zu spülen scheinen. In einem roten Rondell schwebt eine schwarze Scheibe, faszinierend und bedrohlich zugleich. Jede Bewegung im Raum lässt das 200 Kilo schwere Stoffrund, das nur von Luftströmen getragen wird, von seinem Kurs abweichen. Majestätisch.
Aus dem Gleichgewicht bringt einen ein kugelförmiger Raum, in dessen Mitte ein begehbares Netz gespannt ist. Federnd läuft man über das elastische, durchsichtige Gitter wie über einen unendlichen Abgrund. Eine Ekstase aus Farben und Formen lässt zugleich die Horizontlinie verschwinden - umwerfend im wahrsten Sinn des Wortes.
Kreativ aktiv werden die Besucher, bevor sie ein gigantisches Aquarium betreten. Fische, Lurche, Frösche oder Fabelwesen dürfen handcolloriert werden, bevor ein Scanner sie zum Leben erweckt und in das Riesenplanschbecken ohne Wasser schickt.
Nass wird es dann doch noch. Zum Abschluss heißt es Schuhe aus. In einem wadentiefen Pool mit warmem Wasser schwimmen kindergroße Tropfen aus Plexiglas, von innen illuminiert. In ständig wechselnden Farben tanzen sie über die spiegelnde Oberfläche und mit den Besuchern. Ein Meer aus Licht und Glück. Phänomenal - da verspricht der Name dieses grandiosen, völlig abgefahrenen Projektes nicht zuviel.Baca selengkapnya

PelancongWunderschön anzusehen...diese farbige Welt...🤩und wieder mit so einer tollen Beschreibung...toll, toll...👏✨️😎
Flacherde, Krater und Hexenwerk
16 Maret, Qatar ⋅ 🌙 23 °C
Ist die Erde am Ende doch eine Scheibe? Fast könnte man auf die Idee kommen, wenn man von den Vereinigten Arabischen Emiraten via Saudi-Arabien nach Katar fährt. Denn so flach wie hier ist es sonst nirgends. Sand, soweit das Auge reicht. Sand bis zum Horizont. 500 Kilometer Nichts. Zumindest nichts von sonderlichem Belang. Selbst das als kleines Highlight auf der Strecke eingeplante Sinkhole, ein tiefer Krater im Gestein, erweist sich mangels Wasser im tiefen Bassin als Enttäuschung.
Stattdessen erfreuen zwei vorbildliche Grenzübergänge, aufgeräumt, straff organisiert und mit Personal, das Ahnung hat - beileibe keine Selbstverständlichkeit in diesen Breiten. Nach Saudi-Arabien brauchen wir keine Stunde, nach Katar knapp 90 Minutrn. Rekordverdächtig! Einzige Besonderheit: Ausdrücklich wird uns die Einfuhr von "Witchcraft and associated tools" untersagt. Blöd. Was nun mit unseren Hexenbesen?
In Salwa verbringen wir einmal mehr eine geruhsame Nacht an einem prächtigen Strand mit all der Infrastruktur, die Wildcampers Herz begehrt. Wir treffen dort Weltenbummler aus England und Karlsruhe. Christian und Alina, "Jeep_ya_yeah", schließen sich uns spontan an und begleiten uns nach Katar. Die beiden sind schon seit fast drei Jahren zusammen unterwegs. Immer wieder eine Bereicherung, andere Overlander zu treffen.Baca selengkapnya
Wohlfühl-Metropole mit vielen Facetten
16 Maret, Qatar ⋅ ☁️ 33 °C
Halt noch eine durch's liebe Öl reich gewordene Großstadt - so in etwa könnte man meine Erwartungshaltung an Doha, die Hauptstadt von Katar (oder Qatar), zusammenfassen. Wie man sich doch täuschen kann! Doha ist bunt und vielfältig und hat viele charmante Ecken - eine gechillte Wohlfühl-Metropole, die uns zunächst aber mit Raketenalarm begrüßt.
Kaum haben wir im dritten Anlauf einen Stellplatz für die Nacht gefunden, erscheint auf den Handys die Warnung vor Beschuss. Wenig später dann vier, fünf heftige Detonationen: Die Luftabwehr hat Raketen unschädlich gemacht. Später lese ich in der örtlichen Zeitung: Von 14 iranischen Waffen wurden 13 eliminiert, eine stürzte auf unbewohntes Terrain. Auch diverse Drohnen wurden allesamt abgefangen.
Die Bewohner scheinen die Alarme ebenso gelassen zu nehmen wie wir. "Stell Dir vor, es ist Krieg - und keiner geht hin" lautete einst ein beliebter Sponti-Spruch. Er wird hier auf merkwürdige Weise Realität. Lass die ruhig schießen - unsere Luftabwehr steht, lautet die Devise der meisten Bürger. Viele sprechen uns an, heißen uns willkommen in Katar, entschuldigen sich für die Umstände (z.B. sind aus Sicherheitsgründen derzeit leider alle Museen geschlossen) und versichern uns: Ihr seid hier sicher.
Da wir direkt vor den Toren von The Pearl campieren, spazieren wir gleich mal durch die künstliche Lagunenstadt mit ihrem erstaunlich grobschlächtig nachempfundenen Venedig - da hätte ich mehr Liebe zum Detail erwartet. Mit dem Uber-Taxi - auch das eine Premiere für mich - geht es anschließend in die Altstadt, die im Vergleich zum Venedig-Verschnitt im Reichenghetto Pearl sehr filigran hergerichtet wurde. Der Souk ist keine Touri-Falle, sondern lockt augenscheinlich vorwiegend Einheimische an.
Im Lauf des Abends füllen sich die Gassen und Restaurants. In einem Straßencafè werden wir beim Karak (Tee mit Milch) Zeuge eines Altherrentreffens an den Nebentischen - Stammtisch gibt's hier also auch. Man erscheint, klassisch-gediegen, ganz in Weiß.
Was es noch gibt: Einen Falkenmarkt. Ein halbes Dutzend Geschäfte bieten die Jagdvögel - neben Kamelrennen ein Nationalsport in Katar - an. Umgerechnet etwa 6000 Euro kostet ein Jungtier, rund 35.000 Euro ein ausgebildetes, weißes Prachtexemplar. Zubehör von der Augenhaube bis zum Falknerhandschuh gibt es ebenfalls in reicher Auswahl. Zwei Straßen weiter dann das Angebot fürs bescheidenere Budget: Wellensittiche, Zierfische oder Baby-Schildkröten.
Nach lecker Fleischspießen zum Abendessen schlendern wir am von Skulpturen gesäumten Corniche, der Strandpromenade, gemütlich und kilometerweit Richtung Downtown und ergötzen uns dabei an der bunt beleuchteten Skyline, bis die Füße schmerzen und Uber übernimmt. In der Bucht vor den Riesen aus Glas, Beton und Stahl dümpeln dutzende Daus, die traditionellen Holzschiffe.
Doha, Du Schöne - Du hast was!Baca selengkapnya
Doha: Schön und reich zugleich
17 Maret, Qatar ⋅ ☁️ 25 °C
Mit der Liebe auf den ersten Blick ist es ja oft so eine Sache. Doch Doha wird immer liebenswerter, je öfter man hinsieht. Immer wieder entdeckt man schöne Viertel, reizvolle Perspektiven und faszinierende Details.
Der Mina District ist ein ganz neuer Stadtteil, entstanden auf dem alten Hafengelände. Auf einem sanften Hügel stapeln sich verschachtelt bunte Häuser in zarten Pastelltönen. Mit ihren rundlichen Kanten folgen sie keinem konkreten Stil. Sie imitieren nichts. Und genau das macht sie so hübsch, auch wenn diese Shoppingmeile samt Fressgass und Streetart-Galerie natürlich artifiziell wirkt und nicht verleugnen kann, dass Touristen die primäre Zielgruppe sind. Der bildschöne Fischmarkt im Art-Nouveau-Stil mit seiner bunten Glasdecke ist das i-Tüpfelchen.
Mit einem riesigen Amphitheater, das an Verona erinnert, punktet das Künstlerviertel Katara. Es steht im Zentrum von Ateliers, Galerien, Boutiquen und Cafés sowie einer breiten Uferpromenade. Licht- und Wasserspiele, eine goldene Moschee sowie ein mondänes Einkaufszentrum, das Lafayette, runden die Sache ab.
Gekühlt werden in der von Skulpturen geschmückten Einkaufsstraße in protzigem Stilmix nicht nur die Innenräume. Auch im Freien umschmeichelt kühle Luft aus dem Boden die Beine. Angenehm zwar - aber ob das der Erderwärmung gegensteuert, muss bezweifelt werden.
Wohltemperiert und gediegen geht es auch im Crystal Walk auf der Insel Gewan zu, Dohas längster klimatisierter Fußgängerzone. Sie ist nachts besonders sehenswert mit ihren zahllosen, die Farbe wechelnden Schirmen, die an das Blätterdach von Bäumen erinnern. Die eigentlichen Stars der Straße sind allerdings in den Boden eingelassen: Unzählige Dioramen mit Motiven aus buntem Kristall, die regelmäßig gewechselt werden. Eine glatte Zehn auf der Kitsch-Skala.
Trotz solcher Eskapaden trägt Doha seinen Reichtum weniger protzig, weniger vulgär zur Schau als etwa Dubai. Gut drei Millionen Einwohner hat Katar, etwa 900.000 von ihnen leben in der Hauptstadt. Doch nur jeder zehnte (!) Bürger ist Einheimischer - der Rest sind ausländische Arbeitskräfte, meist aus Asien.
Wer als Katari geboren wird, hat damit entgegen landläufigem Glauben zwar nicht automatisch ausgesorgt. Er kommt aber in den Genuss vergleichsweise opulenter staatlicher Leistungen, zahlt keine Steuern und erhält Wasser und Strom quasi gratis.
Die Schattenseite: Mit vielen uns vertrauten Freiheiten ist es in Katar nicht weit her. Der König, Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, herrscht in der Erbmonarchie weitgehend allein. Er hat die finale Entscheidungsgewalt in allen Bereichen und ernennt den Premierminister (auch ein Al Thani) sowie das Kabinett, das ihm allein verantwortlich ist.
Diese "Beratende Versammlung" hat 45 Mitglieder, die seit einer Verfassungsänderung 2024 alle vom Emir ernannt (früher teils gewählt) werden.
Lokale Aufgaben wie die Kommunalverwaltung fallen an gewählte Räte, die natürlich wem unterstellt sind? Dem Emir.Baca selengkapnya
Wo der Roboter am Höcker sitzt
18 Maret, Qatar ⋅ ☁️ 26 °C
Eigentlich ist das Dromedar ja der genügsame Ausdauerläufer. Doch der zähe Lastenesel der Wüste kann auch Vollgas. Kamelrennen sind ein beliebter Volkssport in der Golfregion, besonders in Katar. Also ab auf die Rennstrecke!
Einen Wettlauf zu beobachten ist uns zwar nicht vergönnt. Aber zu sehen sind Dutzende Teams, die ihre Tiere auf einen der zahlreichen Rundkurse zum Training bringen. Vom Kalb oder Fohlen (beide Begriffe werden für Jungtiere verwendet) bis zum fertig ausgebildeten Rennkamel führen die Trainer teils ganze Ställe mit.
Entweder sitzen zierliche Jockeys im Sattel, das heißt sie klammern sich hinten an den Höcker. Oder ein merkwürdiges, kleines Paket ist auf den Rücken des Renntieres geschnallt: Ein Automat, mit dem man dem bedauernswerten Wettbewerber ferngesteuert Peitschenhiebe erteilen kann. Dazu fahren die Eigentümer im Auto neben der top-gepflegten, kilometerlangen Sandbahn her. Die sechs bis 15 Kilo schweren Automaten, die per Lautsprecher Kommandos der Trainer übermitteln, ersetzen die Kinder, die früher als Jockeys im Einsatz waren. Die Roboter tragen oft Trikots und Hüte; sie werden manchmal parfümiert, um von den Kamelen akzeptiert zu werden.
Auf die Sieger warten bei den Rennen Preisgelder bis zu 250.000 Euro (1 Mio. Rial). Entsprechend teuer sind flotte Rennkamele: Mehrere 100.000 Euro werden für Spitzen-Zuchttiere aufgerufen. Neben den Rennen gibt es auch Schönheitswettbewerbe, bei denen ähnlich hohe Summen im Spiel sind.Baca selengkapnya

Pelancong
So einen Anhänger habe ich heute auch gesehen, in Edelstahl als Güllegespann hinter einem Fendt. Es stand noch drauf "Milch - es kommt darauf an was man draus macht!"
Teatime im Cadillac
18 Maret, Arab Saudi ⋅ ☁️ 19 °C
Und plötzlich sitze ich, irgendwo in Saudi-Arabien, mitten in der Nacht am Steuer eines 1983er Cadillacs und fahre mit wildfremden Scheichs zum Karak-Trinken. Keine Fata Morgana als Folge wochenlanger Unterhopfung, sondern ganz reale Gastfreundschaft der Menschen hier.
Wie so oft sitze ich noch ein wenig und genieße den lauen Abend am Meer, während der Rest vom Team schon schläft. Und wie so oft, wenn wir an öffentlichen Plätzen campieren, kommen immer wieder Einheimische vorbei, fragen, plaudern, filmen, bieten Hilfe an. Die Weltkarte mit unserer Route auf der Motorhaube ist stets der Einstieg ins Gespräch. Was, so weit seid Ihr gefahren? Mashallah!
Mit einem Mann mittleren Alters - sein komplizierter Name bleibt mir leider nicht im Kopf - unterhalte ich mich besonders ausführlich, denn schnell kommt das Thema auf Oldtimer. Er sei in einer Gruppe von Freunden, "80ies Gen", die sich immer am Freitagabend zum Cruisen trifft mit klassischen Cadillacs, Buicks oder Mercedes, aber auch mit jüngeren Amerikanern wie den hier sehr beliebten Dodge Chargern. Die Classic-Car-Szene hier ist klein, aber es gibt sie.
Nach einer Runde Benzingesprächen und einem Interview für den Insta-Kanal seiner Truppe verabschiedet sich mein neuer Freund. Es ist schon nach 23 Uhr, und ich ziehe mich auf mein Feldbett zwischen den Autos zurück.
Eine halbe Stunde später reißt mich das sonore Brabbeln eines großvolumigen V8 aus dem Halbschlaf. Ich blinzle und sehe im Augenwinkel, direkt neben mir, das gelbe marker light eines 83er Cadillac. Heraus springen vier vergnügte Herren in weißen Gewändern. Mein neuer Freund hat schnell seine Kumpels aktiviert, um mir eine Freude zu bereiten zu später Stund. Die Nacht machen sie hier eh gern zum Tag.
Ich bestaune den Caddy, ein Canada-Import in prächtigem Originalzustand, wir fachsimpeln und singen das Hohelied der Cadillacs. Ob ich eine Runde mitfahren möchte? Ja klar! Aber was heißt hier "mit"? Der Besitzer bittet mich ans Steuer. "Wer so viele Kilometer hierher gekommen ist, muss fahren können. Und ich bin versichert", begründet er grinsend sein blindes Vertrauen.
Und so schweben wir, die Scheichs und ich als Chauffeur, mit der Landyacht vom Uferparkplatz in die Stadt, besorgen uns noch eine Runde Karak (Tee mit Milch) und landen gegen 1 Uhr wieder neben meinem Bett. Als wäre es nur ein surrealer Traum gewesen.
Zum Abschied sind wir uns einig: Wenn wir uns alle auf das konzentrieren würden, was uns trotz völlig unterschiedlicher Lebensentwürfe und Kulturen eint, nämlich gemeinsame Interessen und Vorlieben, dann könnten wir alle in Frieden leben.
Happy cadillacing, my Saudi friends! May your fine old cars give you plenty of joy!Baca selengkapnya

PelancongDas ist Saudi-Arabien. Ein tolles Erlebnis. So etwas gibt es nur dort.
Zwischen Traditions-Souk und Luxus-Mall
19 Maret, Bahrain ⋅ ☁️ 22 °C
Zugegeben - Bahrein und seine Hauptstadt Manama hatten es nicht leicht, zu punkten gegen Doha, Abu Dhabi und Dubai (meine persönliche Rangfolge der Metropolen am Persischen Golf). Und letztlich konnte die Stadt mich dann auch nicht wirklich für sich gewinnen. Doch auch wenn die Skyline noch etwas zerfleddert-inhomogen aussieht und einige Bauwerke einen deutlichen Sanierungsstau ausstrahlen, hat Manama einen gewissen Charme - und der verbirgt sich versteckt zwischen Hochhäusern.
Dort nämlich, wo man ihn vielleicht am wenigsten erwarten würde, liegt der alte Souk, ein traditionelles Gewirr an Einkaufsstraßen, thematisch wie üblich sauber sortiert. Hier gibt es nicht - wie im nahen Mega-Mall The Avenues, das gediegenste Läden samt Kunsteislaufbahn auf einem Kilometer Länge vereint - Hochglanz-Marmor und internationales Gepräge. Hier quälen sich Autos und Fußgänger aneinander vorbei vor grellen Geschäften, die ihre Auslagen bis weit auf die Straßen und Gassen ausbreiten. Die Händler, überwiegend aus dem indisch-pakistanischen Raum, decken dutzendfach dasselbe Sortiment ab, doch sie scheinen alle ihre Kundschaft zu haben. Auch die zahllosen Juweliere, deren Gold-Angebot kaum zu fassen ist. Schmuck und Geschmeide dienen hier als Geldanlage und vor allem den Frauen als Lebensversicherung.
Zwischen den krassen Gegensätzen Souk und Mall ragt als einziges wirklich spektakuläres Bauwerk das World Trade Center Bahrein mit seinen charakteristischen Windrädern, die Strom zur Kühlung der Glastürme erzeugen, hervor. Ansonsten darf man gespannt sein, was hier in den nächsten Jahren noch entsteht in der Hauptstadt des Inselstaates, der mir Saudi-Arabien und dem Festland durch eine 25 Kilometer lange Brücken- und Damm-Kombination verbunden ist.
Manama ist übrigens die erste Stadt, in der wir Schäden durch iranischen Beschuss sehen. Mindestens drei Hochhäuser haben Treffer abbekommen. Auch hier erleben wir mehrfach Alarm und hören die Detonationen, wenn Drohnen oder Raketen erfolgreich abgeschossen wurden. Und auch hier tragen es die Menschen gelassen. Im British Club, in dem wir uns nach wochenlanger Abstinenz mal wieder den einen oder anderen alkoholischen Drink gönnen, wird die Aufforderung, vom Garten ins Innere zu kommen, nach der Entwarnung mit typischem Sarkasmus revidiert: Ein Kellner läuft mit Fahrradklingel und dem Schild "All clear!" durch die Räume.
Angst sieht anders aus. Angst um sein Leben hat hier kaum jemand. Angst ums Eigentum schon. Manche Juweliere im Souk zeigen ihre Schätze nicht mehr im Schaufenster.Baca selengkapnya
Der geschlossene Baum und Eis im Ölfeld
20 Maret, Bahrain ⋅ ⛅ 25 °C
Überraschungen und spontane Routenänderungen liegen in der Natur eines Roadtrips - zumal in unruhigen Zeiten. Doch manche Tage laufen komplett aus dem Plan-Ruder. Und das sind am Ende meist die besten.
Bahrein. Ein Mini-Inselkönigreich im Persischen Golf, 1,5 Millionen Einwohner, die Hälfte davon Expatriats. Mit der Hauptstadt Manama sind wir, zumal aus Sicherheitsgründen alle öffentlichen Einrichtungen dicht sind, nach einem Tag durch. Also erkunden wir das Umland.
Erste Station: Der Baum des Lebens. Ein 400 Jahre alter Prosopis cineraria (Ghaf), der mutterseelenallein in der Wüste steht und Wissenschaftler rätseln lässt, woher er Wasser bekommt. Ein Naturwunder und eine Touri-Attraktion.
Um den Wunderbaum zu erreichen, müssten wir durch military territory: eine Luftabwehrstation blockiert den Weg, wir werden von vergnügten Soldaten umgeleitet. Plötzlich finden wir uns mitten in einem Öl- und Gasförderfeld, zwischen kilometerlangen, rostigen Rohrleitungen, gemächlich nickenden Pferdekopfpumpen, Bohrtürmen, riesigen Lagertanks und Aufbereitungsanlagen samt Abfackel-Schloten. Sieben Wochen lang habe ich auf der arabischen Halbinsel vergeblich nach diesen Bildern Ausschau gehalten. Jetzt sind wir mittendrin.
Dafür kommen wir an den Lebensbaum nur entfernt ran. "Geschlossen", sagt uns ein einsamer, vermummter Security-Mann, der das Naturdenkmal bewacht. Weil Krieg ist, dürfen wir den inner circle um das Gewächs nicht betreten. In dem riesigen Ölfeld dagegen können wir uns völlig frei bewegen. Irgendetwas sagt uns, dass diese Maßnahme nicht ganz zu Ende gedacht ist.
Gesteigert wird die filmreife Absurdität der Szenerie noch durch einen kunterbunten Eiswagen, der in sicherer Distanz zum abgeschirmten Touri-Hotspot parkt. Gestern stand er noch in Downtown Manama, heute schon zwischen Pumpen und Prosopis. Sieben Mal gemischter Becher - der indische Eisdealer ist sichtlich überrascht, heute noch so ein Geschäft zu machen. Sein Eis ist völlig frei von natürlichen Geschmacksstoffen und darf mit Fug und Recht als kulinarische Katastrophe bewertet werden. Aber es ist das lustigste Eis, das ich je gegessen habe.
Zwei Felsformationen später steht nur noch ein Programmpunkt auf der Tagesliste: Die Formel-1-Strecke. Geschlossen, vermuten wir, zumal der nächste Grand Prix von Bahrein bereits abgeblasen wurde wegen des Krieges. Doch wir haben Glück: Wir dürfen nach Belieben auf der Haupttribüne herumklettern bis in die VIP-Lounges hinauf, die derzeit renoviert werden. Nach dem Kamelkurs in Katar sind wir allmählich Spezialisten für Rennstrecken ohne Rennbetrieb.
Das Abendquartier beziehen wir gleich bei der Brücke zum Festland in einem schönen Park an einem kleinen Fischerhafen. Wo uns nach diesem Tag der Überraschungen gleich noch eine erwartet. Aber dazu später, mit gesonderter Post.Baca selengkapnya

Pelancong
Lieber Wolfgang, Ölfelder im Schussfeld des Iran sind derzeit allerdings wirklich ein heißes Pflaster. Aber deine sehr interessante und hervorragend geschriebene Story (!), die eine gute Reportage für Zeitungen wäre, hat ja glücklicherweise ein Happy End. Liebe Grüße von Kurt und weiterhin gute Reise

Wolferl weltweit🙏 Danke, lieber Kurt. Du weißt ja, ich verfahre gern nach dem Motto "no risk, no fun" und glaube fatalistisch daran: Sollte mir ein zu früher Tod aufgesetzet sein, kann ich ihm eh nicht entrinnen.

PelancongWann kann man schon einfach so durch die Ölförderanlage spazieren. Und der Baum ist auch nicht zu übersehen. Passt doch. Die Formel 1 Strecke hätte mir auch gut gefallen.
Essen auf Rädern - und von ganzem Herzen
20 Maret, Bahrain ⋅ 🌙 23 °C
Kaum haben wir Quartier gemacht in einem kleinen, von Familien bevölkerten Hafenpark in Al Jasra (Bahrein), schon haben wir Besuch von einem neugierigen Nachbarn. Das Übliche: wo wir her sind, ob es uns gut geht, ob wir etwas brauchen. "Thanks, shkran, we have all we need." Mit Mühe lässt der junge Mann sich überzeugen.
Doch nicht lang. Wenig später kommt er zurück und verkündet, er habe im Dorfrestaurant bei seinen pakistanischen Landsleuten Essen bestellt, das werde in Kürze geliefert - Widerspruch zwecklos.
Und so bauen wir unsere Campingtische auf (zum Pakistani wollten wir später sosieso) und harren des Essens auf Rädern. Das wird traditionell kredenzt: Plastikfolie auf den Tisch, Salat und Fladenbrot direkt darauf, der Rest in Alu: Gebratenes Huhn, Huhn in scharfer Soße, Huhn im Reisbett, Hühnerspießchen. Die Tische biegen sich, und wir schlemmen - überwältigt von der Generosität eines Wildfremden, der später noch mit selbst gekochtem Karak (Milchtee) aufkreuzt und sich zu uns gesellt.
Mohammed Sabir, so heißt der edle Spender, stammt aus Pakistan, lebt aber seit zehn Jahren auf der arabischen Halbinsel und verdient als Lkw-Fahrer das Geld für sich und seine Familie zuhause. Drei Töchter hat er, die er nur via Handy aufwachsen sieht. Eigentlich fährt er leidenschaftlich gern Schwerverkehr, zur Zeit aber liefert er Obst und Gemüse aus in ganz Bahrein. Für 600 oder 700 Euro im Monat.
Der 30-Jährige weiß, was er will, und er ist zielstrebig. Am Steuer feilt er mit Hilfe von Tutorials an seinem Englisch, und er bereitet sich auf die Prüfung zum internationalen Truckdriver vor. Denn er will demnächst in Rumänien anfangen. Und eines Tages vielleicht in Frankreich oder in Deutschland. Inshallah.
Wir erzählen, lachen und tauschen Fotos aus. Ein paar von uns waren selbst schon in Pakistan, es gibt also genug zu diskutieren. Als Mohammed Sabir sich verabschiedet - nicht ohne uns sein Haus als Quartier anzubieten -, fragt er uns, wann wir denn am nächsten Tag aufbrechen wollen. Er würde nach seiner Frühschicht mit Frühstück kommen. Wir wissen: Gegen diese Art der Gastfreundschaft ist Widerstand zwecklos. Nur kurz versuchen wir, ihm seinen Plan auszureden.
Punkt 8 Uhr steht Mohammed Zabir, 30, Trucker aus Pakistan, mit Eiern, Fladenbrot und Avokado-Smoothie im Park, um uns als seine Gäste zu verwöhnen.
Würde ihm in Deutschland wohl Ähnliches widerfahren?Baca selengkapnya

PelancongSo haben wir das in Saudi-Arabien erlebt. Diese Gastfreundschaft ist unglaublich und bei uns absolut undenkbar. Sehr schade.
Mooswies' is in Khafji
22 Maret, Arab Saudi ⋅ 🌬 24 °C
Dass uns der meilenlange Corniche von Khafji gleich zwei Tage beherbergen darf, war eigentlich nicht vorgesehen - wir wollten ursprünglich nach einer Nacht ins nahe Kuwait. Doch dann erfahren wir, dass direkt an der Uferpromenade, an der wir campieren, ein Mega-Event anheben soll, tags darauf. Ein Wink des Schicksals! Wir disponieren um, hängen einen faulen Tag am Meer dran, amüsieren uns über die mannigfaltigen Bespaßungen der nachtaktiven Einheimischen (bis hin zu einem Schrumpf-Doppeldeckerbus) und verfolgen mit Neugier den Aufbau des Volksfestes, das im Zusammenhang mit dem Zuckerfest Eid al Fitr zu stehen scheint.
Im weitesten Sinn entspricht diese Festivität dem, was in meiner Heimatstadt Feuchtwangen Mooswiese heißt. Mooswiese minus Bier und Wein und minus Dirndl und Lederhose, dafür mit Tee und Kafee und mit langen Gewändern in Schwarz und Weiß, sorgsam nach Geschlecht getrennt. Ein Bierzelt gibt es auch, doch darin verbirgt sich - vollklimatisiert - die Mess', also die Verkaufsmeile fliegender Händler. Kaftan statt Kittelschürze, orientalische Gewürze statt Gurkenhobel, reichlich Parfum und gülden Geschmeide statt Wollsocken und Teflonpfannen. Landmaschinen gibt es keine, Ölbohrequipement aber auch nicht. Ansonsten Hüpfburgen und ein paar wenig vertrauenserweckend quietschende Fahrgeschäfte sowie eine Mini-Geisterbahn. Ob darin die Fratzen von Trump und Netanyahu als Kinderschreck dienen, haben wir nicht überprüft. Angemessen wär's.
Unter freiem Himmel warten eine Bühne und eine großzügige Bestuhlung auf Gäste. Ein Pokal für die weiteste Anreise wird leider nicht vergeben - der wäre uns sicher. Doch mit Touristen, zumal mit ausländischen, rechnet hier im hintersten Winkel Saudi-Arabiens, dessen Grenzen erst seit wenigen Jahren für Urlauber offen sind, niemand. Man erweist uns angemessen die Ehre und bittet uns in die VIP-Abteilung, auf weiße Sofas gleich in der zweiten Reihe, hinter den echten Ehrengästen. Etliche Militärs sitzen da und fünf Herren, die sich vom Rest durch goldfarbene Schärpen abheben und durch Berge von Datteln und Pralinen vor ihren Sesseln. Wer die Honoratioren sind, ob Provinzfürsten oder sogar Mitglieder des Königshauses, lässt sich trotz Mühen nicht in Erfahrung bringen. Englisch wird hier nur von wenigen gesprochen, und die Angaben zur Person gehen weit auseinander - von "Politiker" bis "König". Für letzteren erscheint die Security allerdings arg mickrig, sodass wir den greisen
Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud mit einiger Sicherheit ausschließen können - schon aufgrund des Alters der hohen Gäste.
Die springen während einer ziemlich zähen Folkloredarbietung abrupt auf und verlassen die Show. Die Entourage im Schlepptau geht es zum obligatorischen Rundgang über den Festplatz. Honneurs und Shake-hands an den Ständen des Sponsors Chevron, des Krankenhauses, der Uni und der Feuderwehr, ein kurzes Fettbrand-Löschspektakel, und schon verschwindet seine Majestät, whoever, in einem amerikanischen SUV. Abgang ohne Gedöns.
Gedöns dafür am Festplatz. Kinderbespaßung bis tief in die Nacht, Hau-den-Mohammed für die Halbstarken, Tanzbühnen für Selbstdarsteller allen Alters, und eine veritable Fressgass. Mooswies' auf arabisch eben.Baca selengkapnya

PelancongMooswiese ohne Bier und Wein? Das könnte man wohl bei uns nicht anbieten. Andere Länder, andere Sitten …
Der morbide Charme bröckelnden Glamours
24 Maret, Kuwait ⋅ ☁️ 22 °C
Eine Stadt als Lehrstück für Vergänglichkeit und für die kurze Haltbarkeit von Glanz und Gloria: Das ist Kuwait. Einst die #1-Ölmetropole am Golf, kann sie inzwischen mit Dubai & Co. nicht mehr mithalten.
Bröckelnder Putz, verblassende Farben, Löcher in den Straßen und Stolperfallen auf den Wegen: Die Stadt kann nicht verleugnen, dass sie ihre glamourösesten Tage hinter sich hat. Die jüngeren Boomtowns haben ihr den Rang abgelaufen mit mehr Bling-Bling, mehr Show, mehr architektonischem Mut. Aber auch mit einem stimmigeren Gesamtbild und besserer Pflege.
Kuwaits Höhenflug startete in den 1930er Jahren mit den ersten Ölfunden und nahm nach dem 2. Weltkrieg Fahrt auf. Noch heute zeugen viele Gebäude im Brutalo-Beton-Stil der 1970er Jahre vom rasanten Aufstieg, der in den 80er und 90er Jahren durch die Golfkriege schwere Dämpfer bekam. Dubai war damals quasi noch ein Fischerdorf.
Das Wahrzeichen von Kuwait, die beiden 145 und 185 Meter hohen, zwiebelförmigen Wassertürme auf einer Landzunge etwas abseits von Downtown, entstanden 1979 nach schwedischen Plänen. Im Detail können sie ihr Alter nicht verleugnen. Trotzdem: Der Blick vom sich drehenden Bistro aus ist die knapp 10 Euro Fahrstuhlgeld wert, auch wenn die Scheiben im Aussichtsrondell mehr Pflege verdient hätten.
Der Blick schweift über breite, lange Strände und Promenaden und über eine lückenhafte Skyline mit wenigen architektonischen Highlights. Die entdeckt man in Kuwait eher vom Boden aus und erst auf den zweiten und dritten Blick. Wie etwa das an einen notgelandeten Tarnkappenbomber erinnernde (und leider kriegsbedingt geschlossene) Sheikh Jaber Al-Ahmed Kulturzentrum oder der großzügig und kunstvoll angelegte Al-Shaheed Park, das grüne Band der Stadt - ein Naherholungsgebiet erster Güte.
Direkt zu Füßen der Wolkenkratzer eine Überraschung: In einem Hafenbecken dümpeln, dicht an dicht, hunderte rostiger Kähne. Es sind Shrimpkutter, deren überwiegend indische Besatzungen auf den Saisonbeginn im Mai warten.
Was ebenfalls überrascht: Mitten zwischen Kuwaits Hochhäusern hat sich ein gewaltiger Souk erhalten - keine Nobel-Marktstraße, wie man sie hier erwarten würde, sondern ein bodenständiges Einkaufsparadies nach durch und durch arabischem Muster. Mit Neon-Bling-Bling. Aber ohne Glanz und Glamour.Baca selengkapnya
Smoke on the water
25 Maret, Kuwait ⋅ ☁️ 22 °C
Heute ist der Himmel doppelt schwarz über Kuwait City. Zum einen hat in den Morgenstunden eine iranische Drohne ein Treibstofflager am (geschlossenen) Flughafen getroffen und in Brand gesetzt. Keine Verletzten, aber die Rauchwolke, die Richtung Meer zieht, ist in der halben Stadt zu sehen.
Dazu kommt Gewitterstimmung, was den Himmel zusätzlich verdunkelt. Die gesamte Golfküste liegt derzeit unter einem Tiefdruckgebiet. Der Oman erleidet schwere Überflutungen, es gab schon ein Dutzend Todesopfer. Aus Katar werden ebenfalls Unwetter gemeldet. Nun also auch Kuwait, und im Irak und in der Türkei soll es nicht besser aussehen. Der Rest der Reise wird also etwas ungemütlich - nicht nur wegen des Krieges.
Anbei noch ein paar Kuwait-Impressionen. Unser Alternativ-Indoor-Schlechtwetterprogramm scheitert leider daran, dass alle öffentlichen Einrichtungen aus Sicherheitsgründen dicht sind. Der Informationsfluss ist dürftig und widersprüchlich - auf ein "morgen haben wir auf" kann man sich nicht wirklich verlassen.
Die umgedrehten Trichter in Obelixhosen sind übrigens Wassertürme - sehr typisch hier und oft zu sehen.Baca selengkapnya

PelancongJa, leider wurde der Angriff auf Kuwait mit der Drohne in den Nachrichten berichtet. ALLES sehr beängstigend !!! Euch ALLEN wünsche ich gute Weiterfahrt...🍀🍀🫶😎

Wolferl weltweitEine iranische Drohne hat heute früh ein Treibstofflager am Flughafen in Brand gesetzt.
Lieber vor dem Aquarium als im Regen
26 Maret, Kuwait ⋅ 🌧 20 °C
Das 30-fache seines Mageninhalts vermag der Red Lionfish zu verzehren. Damit ist er mir technisch deutlich überlegen.
Aber auch sonst gibt es viel zu sehen und zu staunen im Scientific Center von Kuwait - so ziemlich die einzige öffentliche Einrichtung, die in Zeiten kriegerischer Konflikte geöffnet hat.
Angesichts des Regens, der aktuell die Küstenländer am arabischen Golf unter Wasser setzt, erweist sich der Wissenschafts- und Naturkundetempel als lohnenswerter Stopp, bevor wir gen Norden aufbrechen. Über eine 33 Kilometer lange Brücke, die die Bucht von Kuwait quert, nähern wir uns der Grenze zum Irak.
Endlich mal wieder eine Herausforderung! Nach den geschmeidigen Übergängen in jüngster Zeit erwartet uns hier das gar nicht mal so sehr vermisste Zoll-Chaos mit Papierkram ohne Ende und x-facher Lauferei, um an diversen, völlig unstrukturiert angeordneten Container-Stationen Stempel zu holen. Komplettes Tohuwabohu, aber auf einen kostenpflichtigen "Fixer", also auf einen auf Dollar spekulierenden Helfer, verzichten wir dann doch. Zweieinhalb Stunden später sind wir im Irak und auf dem Weg nach Basra.Baca selengkapnya
Kulturschock am Schatt al-Arab
26 Maret, Irak ⋅ 🌧 20 °C
Von der Sauna ins Eisbecken: so kalt erwischt hat uns der kurze Weg von Kuwait in den Irak. An einen ähnlich harten Kulturschock kann ich mich nicht erinnern.
Wochenlang bildeten in den Kleinstaaten am Golf polierter Marmor, verglaste Fassaden und kunstvoll in Szene gesetzte Gebäude die Kulisse unserer Tour. Selbst die Landesgrenzen waren aufgeräumt und wohlorganisiert. Doch damit ist in Safwan Schluss: Der Irak empfängt uns mit einem absurden Hindernislauf zwischen völlig hirnrissig angeordneten Containern und Büros. So genannte Fixer bieten an, gegen eine Handvoll Dollar den Papier- und Stempelmarathon zu absolvieren. Doch da haben wir, allesamt grenzerfahren und leidgeprüft, unseren Stolz. Da müssen wir selbst durch. Nach zweieinhalb Stunden - der Zoll wollte nur ganz kurz in unsere Autos schauen - sind wir mit dem bürokratischen Parforce- oder besser Parfarceritt durch.
Unser Tagesziel ist Basra, zweitgrößte Stadt des Irak am Schatt al-Arab und eine bedeutende Handels- und Hafenmetropole. Ein Status, der ihr zum Verhängnis wurde. Denn in drei Jahrzehnten Krieg hat Basra so stark gelitten, dass sie sich bis heute nicht erholt hat. Die Stadt verwandelte sich von einem blühenden Dattelparadies in ein Trümmerfeld.
Zwar geht es abends an der bunten Uferpromenade munter zu. Doch selbst über der Corniche scheint ein morbider Schleier zu liegen, der sich bei Tageslicht noch deutlicher offenbart. Diese Stadt macht einen kaputten, einen irreparablen, einen hoffnungslosen Eindruck. Dabei galt sie einst als das Venedig des Nahen Ostens.
Bei aller Liebe zum Chaos in der arabischen Welt, bei aller Resilienz gegen Dreck und Verfall: Basra schlägt selbst mir aufs Gemüt. Fluchtartig machen wir uns auf den Weg gen Norden. Hier hält uns nichts.
Für Interessierte hier noch ein paar Fakten zur traurigen jüngeren Geschichte Basras:
Iran-Irak-Krieg (1980–1988): Die Nähe zur Front führte zur Zerstörung von schätzungsweise 60 % der Dattelpalmen. Die Schlacht um Basra (1987) war eine der blutigsten.
Zweiter Golfkrieg (1991): Schwere alliierte Luftangriffe verursachten massive Schäden an der Infrastruktur.
Dritter Golfkrieg (2003): Basra war ein zentraler Kriegsschauplatz. Eine britische Belagerung führte zu Versorgungsengpässen, während Panzerwracks und unaufgeräumter Schutt die Stadt prägten.
Folgen: Nach 2003 führten Chaos, Plünderungen und Kämpfe zu anhaltender Unsicherheit, obwohl der Wiederaufbau phasenweise begann.
Die Stadt am Schatt al-Arab leidet bis heute unter den Spätfolgen dieser Zerstörungen, die sowohl die Lebensgrundlagen als auch die Umwelt schwer beeinträchtigt haben.Baca selengkapnya
Ein Souk säuft ab...
27 Maret, Irak ⋅ ⛅ 20 °C
... und mit ihm die ganze Stadt, die ganze Region. Selbst kleinere Niederschläge, die bei uns vom Wetterdienst das Prädikat "unergiebig" bekämen, sorgen im Irak für Land unter. Die sonst im Staub erstickende Gegend verwandelt sich blitzschnell in eine Morasthölle.
Die endlosen, von riesigen Schlaglöchern übersäten, unbefestigten Flächen vor den kilometerlangen Laden- und Werkstattzeilen werden zum Seenland. Und weil man kostenintensive Begriffe wie Straßenausbaubeitragssatzung, Oberflächenentwässerung oder Abflussquotient, über die der deutsche Steuerzahler flucht, hier nicht kennt, kommt man halt nach einem Gewitter tagelang nicht mehr trockenen Fußes auf die Straße.
Im überdachten Souk, den Altstadt-Einkaufsgassen, bleibt es ebenfalls nicht trocken. Ruck-zuck werden die Gummiwischer ausgepackt und das Wasser zum Nachbarn geschoben. Rutschig bleibt's trotzdem.
Wer nun glaubt, ein solch seltener Regenguss brächte das öffentliche Leben temporär zum Erliegen, irrt. Kaum ist's vorbei, gehen die Menschen wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Dem abendlichen Flanieren. In Amara, einem unspektakulären Städtchen im Zweistromland nicht weit vom Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, hat man dazu sogar einen halbmondförmigen Steg auf den Fluß gebaut, um die Uferpromenade aufzumotzen. Damit nicht genug: Am späteren Abend steigt dort eine veritable Licht-, Wasser- und Musikshow. Dutzende Fontänen tanzen, bunt beleuchtet, zu arabischen und internationalen Klängen. Selbst die Titanic-Untergangshymne ist dabei. Irgendwie passt sie.
Das Spektakel am Tigris ist überraschend viel Pomp & Circumstances für eine Stadt, die zwar nicht ganz so viel Apokalypse ausstrahlt wie tags zuvor Basra. Doch auch Amaras Kriegswunden sind längst nicht verheilt. Auch hier wäre an vielen Stellen Sanierungsstau noch ein freundlicher Begriff für Verfall.
Doch die Menschen strahlen Lebensfreude aus, und sie haben ihre helle Freude daran, dass sich mal ein paar Europäer in ihre Gegend verfahren haben. Im Zonenrandgebiet zum Iran trifft man nicht alle Tage Touristen, und schon gar nicht welche aus Deutschland.
Tee? Geht auf's Haus!Baca selengkapnya
Mit Polizeieskorte zum Fischschmaus
29 Maret, Irak ⋅ ☁️ 18 °C
Ein Polizeiauto mit Blaulicht auf der Straße neben uns, zwei Polizisten mit MPs mit uns zu Fuß - so werden wir in Baghdad ins Wirtshaus geleitet. Mehr noch als am Beginn der Reise, vor gut sieben Wochen, haben Sicherheitskräfte ein wachsames Auge auf uns.
Wer sich durch den Irak bewegt, hangelt sich von einer Kontrollstelle zur nächsten. Mal ist es Polizei, mal Militär. Immer sind es sehr improvisiert wirkende, notdürftig errichtete und doch jahrelang genutzte Stationen. Ein paar martialisch mit MGs, Helm und schussicheren Westen ausstaffierte Uniformierte, ein paar verbeulte Container, oft ein gepanzertes Fahrzeug mit Kanone auf dem Dach: so sehen diese Posten, an denen strenges Fotoverbot herrscht, aus. Durch ramponierte Betonbarrikaden bahnen wir uns den Weg zur Kontrolle. Manchmal genügt die Antwort "Allmani" auf die Frage, wo wir herkommen, um mit einem herzlichen "Welcome to Iraq" weitergewunken zu werden. Oft müssen wir aber die Pässe abgeben und rechts ranfahren. In der Regel bekommen wir sie schnell wieder. Vereinzelt dauert es länger. Menschen, verschwinden mit unseren Dokumenten, telefonieren, rufen Kollegen herbei. Faustformel: Wer eine Uniform trägt, hat wenig zu melden. Wirklich was zu sagen haben Leute in speckigen Trainingsanzügen und Badeschlappen.
Vernetzt sind diese Stationen, die teils nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind, offenbar nicht. Sonst müssten die Posten ja wissen, dass wir erst ein paar Minuten zuvor von Kollegen überprüft wurden. Aber hier macht jeder Wachmann seine eigenen Spielregeln, scheinbar.
Auch jede Provinz hat ihre eigenen Vorgaben. Kommen wir von der kuwaitischen Grenze bis Kut noch ohne Eskorte, dürfen wir durch den Bezirk Wasit nicht auf eigene Faust reisen. Wir müssen einem Fahrzeug folgen, das uns bis Baghdad begleitet. Was sich indes an den Kontrollpunkten als Beschleuniger erweist und in Baghdad als segensreicher Scout durch das Feierabend-Verkehrschaos.
Unsere fürsorglichen Betreuer haben einen guten Stellplatz für uns auserkoren, zwischen Tigris und grüner Zone, dem hermetisch abgeriegelten Diplomatenviertel. Zu unserer Überraschung rücken, kaum sind wir angekommen, drei schwer bewaffnete Militärfahrzeuge an. Etwa wegen uns? Ja, versichert ein gut gelaunter Soldat. Bis zur Abreise am nächsten Morgen.
Wir dürfen zwar auf eigene Faust losziehen, um ein Gasthaus zu suchen. Doch als wir zielstrebig die falsche Richtung einschlagen, taucht plötzlich die eingangs erwähnte Eskorte auf und geleitet uns zu einem hervorragenden Fischrestaurant, wo wir gegrillten Karpfen aus dem Tigris genießen - eine Spezialität in Baghdad. Kaum haben wir bezahlt, holen uns die Uniformierten wieder ab. Mit uns essen durften sie nicht: Unsere Einladung mussten sie ausschlagen.
Am nächsten Morgen soll uns wiederum ein Begleitauto zur Stadt hinausbringen. Aber im dichten Berufsverkehr verliert uns der Fahrer schnell. Wir wühlen uns allein durch den Wahnsinn, der alsbald in eine weitere Begegnung mit der Polizei mündet: Ein übermütiger Taxifahrer zerschellt beim Spurwechsel an Jörgs Lastwagen und büßt ein Rücklicht ein. Am Actor nur ein paar Kratzer. Shit happens, stellen zwei entspannte Beamte fest: Jeder kümmert sich um seinen Schaden, und gut isses. Weiter geht's gen Kurdistan.
Bleibt die Frage, weshalb man uns hier so viel Fürsorge angedeihen lässt, was in Amara sogar zu einem nächtlichen Wecken im Hotel samt halbstündigem Verhör durch drei Zivilbeamte in der Lobby führte. "Alles zu Eurer Sicherheit", heißt es immer wieder. Aber die ganze Wahrheit ist das vermutlich nicht. Welchen Sinn hätten sonst zum Beispiel die Fragen, ob ich schon mal in Israel gewesen sei, und was ich alles fotografiert habe?
Man spürt: In diesem Land, das im letzten halben Jahrhundert mehr Krieg als Frieden erlebt hat, liegen die Nerven blank. Die aktuellen Spannungen in der Region erinnern die Iraker, die bis heute unter den allgegenwärtigen Folgen der Konflikte von einst leiden, bitter an das, was sie hinter sich haben. Und sie wissen: Selbst wenn die Waffen schweigen, ist die Ruhe trügerisch. Doch derzeit schweigen die Waffen nicht mehr - in Baghdad hören wir nachts Gewehrsalven und Detonationen. Von echtem Frieden sind die wunderbaren, warmherzigen Menschen hier leider noch weit entfernt.Baca selengkapnya

PelancongLieber Wolfgang, eine sehr interessante Reportage! Weiterhin alles Gute und liebe Grüße von Kurt

Unglaublich, was ihr da macht, aber sehr spannend. Alles Gute und take care 🙏👍 [Doris (CH)]

PelancongNach wie vor sehr spannend, was ihr da erlebt. Kommt gut wieder heim und freut euch auf einen Aischgründer Karpfen. Obwohl, den gibt’s noch gar nicht, oder?
Der vergessene Mega-Pool des Kalifen
29 Maret, Irak ⋅ ☁️ 21 °C
In der beliebten Reihe "lost places on the Arabian peninsula" haben wir heute zwei besonders schöne Exemplare im Irak für Euch aufgetan. Naja, eineinhalb. Denn eines durften wir nur von außen betrachten.
Die große Moschee im kleinen, recht elend anmutenden Ort Samarra ist etwas ganz Besonderes. Sie erhielt ein spiralförmiges Minarett, das einer altmesopotamischen Zikkurat ähnelt. Der weithin sichtbare Turm mit seiner geländerlosen Außentreppe ist ebenso imposant wie das trutzige Karree, das die Moschee umgibt. Doch das gesamte Areal ist, warum auch immer, abgeriegelt. Ein freundlicher Wachmann lässt uns zum fotografieren wenigsten ein paar Schritte durchs verschlossene Eingangstor. Mehr geht nicht.
Dafür folgt wenige Kilometer weiter eine spektakuläre Badeanstalt, deren Pforten sich exklusiv für uns öffnen - Reisende aus Deutschland kommen hier nicht alle Tage vorbei, da macht man schon mal eine Ausnahme. Samarra besitzt noch Ruinen zahlreicher, ursprünglich mit Marmor und kostbaren Mosaiken verkleideter Kalifenpaläste und anderer Bauwerke. Kilometerweit erstrecken sich Grundmauerreste und zeugen von der einstigen Größe dieser Stadt. 2007 erklärte die Unesco die Ruinen und archäologischen Fundstätten zum Weltkulturerbe. Gleichzeitig trug sie sie auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes ein.
Die Sorge scheint begründet, wie sich vor Ort zeigt. Denn der Al-Baraka-Palast der Abbasiden, eine einzigartige Anlage von imposanter Größe, liegt seit den Kriegswirren im Land brach. Die mit Unesco-Mitteln geförderte Rekonstruktion ist weit fortgeschritten, stockt aber seit Jahren. Ob sie jemals fortgesetzt oder vollendet wird, ist fraglich.
Der Al-Baraka-Palast (auch bekannt als Qasr al-Khalifa oder "Pool-Palast") wurde im 9. Jahrhundert (ab 836 n. Chr.) unter Kalif al-Mutawakkil als Erholungs- und Residenzort erbaut. Im Mittelpunkt steht ein riesiges, zwei Meter tiefes Wasserbecken mit 62 Metern Durchmesser. Sogar Saunas gab es.
Der Palast in der stolzen Hauptstadt des Kalifats diente als Ort der Genesung, Entspannung und Erholung. Er bestand aus gebrannten Ziegeln und war mit Stuckverzierungen geschmückt, was die fortgeschrittene Baukunst der Abbasiden verdeutlicht.
Einer breiten Öffentlichkeit wird dieser faszinierende Ort wohl leider noch lange Zeit unzugänglich sein. Wir hatten großes Glück, dass uns ein verschmitzter, zahnlückiger Hausmeister aufsperrte und durch die Baustelle führte.
Die Stadt Samarra erlebte im 9. Jahrhundert eine rasche Expansion, wurde jedoch nach nur 56 Jahren als Hauptstadt aufgrund politischer Instabilität wieder aufgegeben. Der Al-Baraka-Palast ist einer von vielen prunkvollen Palastbauten dieser Ära, die in der Region entlang des Tigris errichtet wurden.Baca selengkapnya

PelancongWieder eine wunderbare Beschreibung 😉exzellent geschrieben !!!👍✨️✨️✨️
Verhaftet - wegen Saddam
29 Maret, Irak ⋅ ☁️ 20 °C
Diese Fotos hier dürfte es eigentlich gar nicht geben. Sie zeigen die zerbombten Reste eines Palastes des ehemaligen irakischen Diktators Saddam Hussein. Weil ich sie fotografiert habe, wurde ich verhaftet.
In Tikrit, einer Stadt am Tigris, interessiert uns vor allem die alte Zitadelle hoch über dem Fluss. Als wir von der Hauptstraße gen Norden in den Ort abbiegen, fallen uns ein paar mächtige, verfallene Gebäude auf. Neugierig fahren wir in ihre Richtung. Schnell wird klar: Hier wurde bombardiert. Aber was?
Wir haben gelesen, dass Saddam Hussein in einem Dorf bei Tikrit geboren wurde. Könnte es sich bei den Ruinen etwa um einen Palast des Ex-Diktators handeln? Google lens bestätigt diesen Verdacht anhand einer Bildersuche. Wir stehen also staunend - und völlig zufällig - vor zerstörten Zeugnissen einer beispiellosen Gewaltherrschaft. Der Auslöser meiner Kamera klickt im Stakkato.
Ein junger Mann spricht uns an, lädt uns zu sich nach Hause zum Essen ein. Wir lehnen dankend ab, die Zeit drängt, wir müssen weiter. Doch weit kommen wir nicht. Noch ehe wir zurück bei unseren Fahrzeugen sind, springen vier Männer aus einem weißen Auto, reißen mir die Kamera aus der Hand, sagen mit erregter Stimme etwas von "no foto" und bugsieren mich ruppig in ihren Wagen. Die anderen sollen mit unseren Autos einem Motorradfahrer folgen.
Was tut man, wenn man mit vier fremden Männern in Zivil in einem Zivilauto sitzt und weggefahren wird? Ruhe bewahren. Mein Gedanke, es könnte sich um Milizen handeln, die Geld rausschinden wollen, schwindet schnell - schließlich haben wir drei deutsche Fahrzeuge im Schlepptau, da würden Abwege irgendwann auffallen. Die eigentlich obligatorische Frage nach Dienstausweisen bietet sich nicht an: Erstens könnte ich ein solches Dokument nicht von einem irakischen Schülerausweis unterscheiden; zweitens würde gesundes Misstrauen wohl eher eskalierend wirken.
Also lasse ich
meinen Handy-Translator ausrichten, ich sei Tourist, bedaure mein Fehlverhalten und würde böse Bilder natürlich brav löschen. Derweil lade ich sie im Hintergrund heimlich von der Kamera aufs Handy hoch. Hoffentlich reichen Zeit und Akku!
Die Miliz-Sorge weicht, als wir nach kurzer Fahrt tatsächlich in eine Kaserne einbiegen, der komplette Konvoi. Das eben noch etwas ruppige Herrenquartett ist inzwischen entspannter und gibt mir zu verstehen, "military territory" dürfe niemals fotografiert werden. Soweit, so bekannt. Aber wie soll man einer Palastruine ansehen, dass sie als
Miliärgelände gilt? Verbotschilder oder Hinweise sind weit und breit Fehlanzeige.
Ein junger Mann, der im Gegensatz zu den anderen Englisch spricht, klärt die Lage auf: Wir warten auf Sicherheitsleute, die die Bilder inspizieren. Eventuell muss ich sie löschen, dann dürfen wir weiter. "No big deal." Inzwischen scherzen auch die anderen vier Deutschen mit Soldaten.
Zwei Herren kommen an und werden rasch informiert, dass es sich bei uns wohl doch nicht um ganz große Fische handelt. Die Kamerakontrolle geschieht deshalb hurtig und ohne letzte Konsequenz. Auch die Handys müssen gesäubert werden. Meins interessiert sie nicht...
Eine halbe Stunde später verlassen wir fröhlich winkend die Kaserne. Ein Zivilfahrzeug folgt uns bis zur Stadt hinaus. Die Zitadelle lassen wir lieber sausen: Wer weiß, vielleicht gilt auch sie als militärisches Gelände?Baca selengkapnya

Einfach unglaublich interessant. Ich wünsche euch weiterhin ganz viele Schutzengel auf eurer abenteuerlichen Reise. [Doris (CH)]
Tanken, old school
30 Maret, Irak ⋅ ⛅ 15 °C
Bevor wir die Türkei erreichen, müssen die Tanks nochmal gefüllt werden - der Sprit ist im Irak deutlich billiger (Benzin ca. 60 Cent, Diesel 80 Cent). Allerdings erweist es sich als etwas mühsam, an Brennstoff zu kommen, zumal wir ja nicht ahnen können, dass uns kurz vor der Grenze einige top-moderne Tankstellen erwarten. Google Maps ist diesbezüglich keine verlässliche Quelle. Diverse Zapfstellen, die wir unterwegs ansteuern, nehmen entweder keine Kreditkarten oder haben keinen Diesel.
Das führt dazu, dass wir der Bergziege vorsorglich einen unserer beiden 20-Liter-Reservekanister einflößen - um dann 200 Meter weiter eine Tankstelle zu finden. So kann's gehen...
Auch die beiden Selbstzünder bekommen Saft, wenngleich an einer eher improvisierten Zapfanlage - und zu einem lausigen Dollarkurs. Aber immer noch um mehr als die Hälfte billiger als in Deutschland.
Am Nachmittag erreichen wir mitten in einem Wolkenbruch die irakisch-türkische Grenze. Ein gut sechsstündiges Procedere erwartet uns. Die Schlangen sind lang, weil der irakische Luftraum gesperrt ist. Aber das Problem sind die völlig unstrukturierten Abläufe. Hilfreiche Handreichungen gibt es nicht, dafür viel freundliche Unterstützung von anderen Reisenden. Gemeinsam wurstelt man sich irgendwie durch. Und lernt immer wieder dazu. Die vermeintliche road tax beispielsweise ist gar keine Gebühr, die von allen erhoben wird, sondern eine offene Rechnung für einen Tempoverstoß im Irak. Komisch: Da klappt die Vernetzung, die man an den zahllosen Kontrollstellen im Land so schmerzlich vermisste...
Spät am Abend erreichen wir Cizre. Döner, Hotel, Bett. Am nächsten Vormittag heißt es wehmütig Abschied nehmen: Hier schließt sich der Kreis. Wo wir uns vor acht Wochen getroffen haben zu unserem kleinen Ausflug auf die arabische Peninsula, geht der gemeinsame Teil der Reise zu Ende, unsere Wege trennen sich. Etwa 11.000 spannende, unterhaltsame, anstrengende, aufregende, faszinierende, inspirierende, bandscheibenmordende, schweißtreibende Kilometer haben wir zusammen zurückgelegt.
Was für ein Privileg, so eine Tour mit so tollen Leuten unternehmen zu können!Baca selengkapnya

PelancongTausend Dank für die Bilder und die super Berichterstattung!Hat uns viel Kurzweil gebracht 👏
Traumstrecke zum See aus Salz und Soda
30 Maret, Irak ⋅ 🌧 12 °C
Knapp 400 Kilometer sind es von Cizre an der irakisch-türkischen Grenze in Kurdistan bis zum Van-See in Ostanatolien. Die in weiten Teilen gut ausgebaute Straße durch die Berge und durch urwüchse Dörfer ist eine der schönsten Strecken, die ich kenne. Imposante Felsmassive und Schluchten wechseln sich ab mit sattgrünen Weiten, die an die Mongolei erinnern - nicht zuletzt wegen der nomadischen Hirten, die hier leben. Frischer Schnee setzt der Pracht das Sahnehäubchen auf. Eine willkommene Abwechslung nach Wochen in Sand und Staub und Hitze.
Der Van-See liegt auf über 1600 Metern Höhe, umringt von weiß im Sonnenlicht funkelnden Viertausendern. Was für ein majestätischer Anblick! Ein eisiger Wind lässt bei einstelligen Temperaturen kein Bedürfnis nach der Badehose aufkommen. Doch zum Schwimmen lädt dieses Gewässer - bis zu 450 Meter tief und rund siebenmal so groß wie der Bodensee - auch im Sommer nicht ein. Denn der Van-See ist ein abflussloser Salzsee (Sodasee). Mangels Abfluss hat sich der Salzgehalt auf 2,27% eingependelt, dabei sind Soda und Kochsalz etwa im gleichen Anteil vertreten. Das heißt: Wer bekleidet baden geht, kann gleich noch seine Wäsche am Leib mitwaschen. Wie praktisch ist das denn?
Der Van-See wartet mit mehreren Rekorden auf:
- Größter See der Türkei
- Einer der größten Gebirgsseen der Erde
- Einer der zehn größten Steppenseen der Erde (Seen ohne natürlichen Abfluss)
- Größter Sodasee der Erde
- Fläche: 3522 Quadratkilometer (Bodensee: 536).Baca selengkapnya
100, und Schluss: Finale mit cat content
1 April, Turki
In Van sind seltene Katzen zuhause, mit zwei unterschiedlich gefärbten Augen. Die (bzw. das Denkmal, das man ihnen gesetzt hat) möchte ich der geneigten Gefolgschaft keinesfalls vorenthalten.
Deutlich interessanter finde ich indes das finale Sightseeing-Highlight dieser Reise: die über 1000 Jahre alte Kirche zum Heiligen Kreuz auf der Mini-Insel Akdamar. Das zwischen 915 und 921 n. Chr. vom Mönch Manuel erbaute Gotteshaus ist üppig verziert mit armenischer Sakralkunst: Innen bunte Malerei, außen aufwändige Reliefs, die beileibe nicht nur biblische Geschichten darstellen. Manuel, selbst Architekt und Bildhauer, hatte offensichtlich begnadete Künstler und Steinmetze an der Hand. Derart reicher Skulpturenschmuck ist in dieser Zeit einmalig - andernorts ist er erst ein Jahrhundert später bekannt.
Der Klosterkomplex war zwischen 913 und 992 sowie zwischen 1116 und 1895 Sitz des Katholikats von Akdamar. Die winzige Insel war lange Zeit das kulturelle Zentrum der Armenier im Armenischen Hochland.
An diesem kalten, sonnigen Frühlingstag haben nur wenige Neugierige die Fähre nach Akdamar genommen. Das lässt mich die besondere Atmosphäre rings um das uralte Kirchlein in Ruhe genießen. Das Geschrei von Möwen ist der Soundteppich im Hintergrund. Ansonsten herrscht kontemplative Stille.
Die nutze ich, um die Gedanken rückwärts schweifen zu lassen. Was für ein Feuerwerk an Eindrücken, Erlebnissen und Emotionen durfte ich in acht Wochen und ca. 11.000 Kilometern erleben! In exakt 100 Footprints und fast 1500 Fotos habe ich versucht, sie hier mit Euch zu teilen. Herzlichen Dank für's Dabeisein, für's Mitfiebern, für's Daumendrücken, für Eure Neugier und für den großen Zuspruch. I love to entertain you 😜!
Es wird eine Weile dauern, bis all die Wow-, Boah-, Aha- und Kopfschüttelmomente (und tausende Bilder dazu) sortiert und verarbeitet sind. Das Stakkato an Impressionen ist es ja, was mich an Roadtrips, dieser schnell getakteten Art des Reisens, so begeistert.
Noch nie zuvor habe ich derart krasse Kontraste und Widersprüche erlebt. Zwischen den Glaspalästen Dubais und einem Nomadenzelt in Saudi-Arabien liegen nicht nur Welten, sondern Galaxien; zwischen einer Filiale der US-Restaurantkette IHOP und einem Truckstop im Irak ebenfalls. Heute in einem Souk, in dem die Zeit vor 100 Jahren stehen geblieben zu sein scheint; morgen in einer prunkvollen Shopping Mall, deren Angebote sich kaum ein Prozent der Menschheit leisten kann. Eine Nacht auf einem vermüllten Parkplatz neben dem Highway, die nächste neben einem Marmor-Boulevard. Aber eben immer mittendrin, nie nur als Zaungast dabei.
Denn wer so reist, sorgt für Aufsehen und Neugier. Kaum die Handbremse gezogen, kommt jemand, will wissen, wo wir her sind, was wir hier machen - und ob es uns an irgendetwas fehlt. Die Hilfsbereitschaft in diesem Teil der Welt, tief verwurzelt als Überlebensstrategie in der Wüste, ist grenzenlos.
Die Gastfreundschaft ebenso: Tagtäglich wurden wir mehrfach zum Tee oder zum Essen eingeladen, wurden aus heiterem Himmel beschenkt. Von Menschen, die in manchen Hohlbirnen in Deutschland als gewalttätige Monster abgespeichert sind. Von Menschen, die zum Teil kaum etwas besitzen, das Wenige aber bereitwillig teilen wollen mit Wildfremden - ungeachtet der Frage, ob die das nötig haben oder nicht. So etwas zu erleben als Mitglied einer alles andere als selbstlosen Ellenbogengesellschaft macht dankbar und demütig. Und lässt mich mehr denn je verzweifeln an all den Ressentiments gegenüber Fremden, an all dem Hass, dem Neid und der Missgunst, die inzwischen nicht nur die rechtsradikalen AfD-Nichtsnutze verbreiten.
Acht Wochen lang habe ich mich unter Menschen bewegt, deren Sprache ich nicht kenne und deren Kultur, deren Denken und Fühlen ich mich trotz aller Intensität bestenfalls annähern kann. In keinem Moment habe ich mich unsicher oder gar bedroht gefühlt. Würde ich in unseren Breiten bedenkenlos jede trockene Nacht auf dem Feldbett unter freiem Himmel verbringen, egal ob in der tiefsten Pampa oder auf einem Großstadt-Parkplatz? Vermutlich nicht. Und das liegt gewiss nicht an Angst vor Nicht-Deutschen.
Das Stichwort Angst führt mich zum Thema Krieg. Im Oman wurden wir vom heimtückischen, verbrecherischen Überfall zweier debiler, bösartiger alter Säcke aus den USA und aus Israel auf den Iran überrascht. Dass wir durch dieses wunderbare Land, Keimzelle und Wiege der modernen Zivilisation, nicht wie ursprünglich geplant heimfahren können, stand schon vor Reisebeginn fest. Aber dass der Empathie- und Hirnlose im Weißen Haus beschließen würde, den Iran "zurück in die Steinzeit" zu bomben, damit war nicht zu rechnen. Wer so etwas äußert, trägt keinerlei DNA des homo sapiens in seinen Genen, sondern steht auf der Stufe eines keulenschwingenden Neandertalers.
Nun waren also Handy-Alarme, Sirenen und zuweilen auch die Detonationen abgefangener und unschädlich gemachter Drohnen unsere täglichen Begleiter, an die wir uns schnell gewöhnten - staunend sowohl über die Nonchalance der Einheimischen als auch über unsere eigene. Stell Dir vor, es ist Krieg - aber es fühlt sich einfach nicht bedrohlich an. Auf Spuren von Nervosität wartete ich bis zuletzt vergeblich. Vielleicht auch im Vertrauen auf die täglichen Erfolgsmeldungen der Luftabwehr, publiziert in den lokalen Medien.
Natürlich haben wir die Lage intensiv beobachtet, auch um unsere Reisepläne gegebenenfalls modifizieren zu können. Sind Grenzübergänge passierbar? Gibt es die nötigen Visa noch? Sind möglichweise Strecken gesperrt?
Erst im Irak haben wir zu spüren bekommen, wie nah der Krieg dort ist und wie groß die Sorge, schon wieder in einen bewaffneten Konflikt gezerrt zu werden. Womöglich hatten wir Glück, noch auf dieser Route in die Türkei zu kommen. In Globetrotter-Kreisen macht die Kunde die Runde, dass es seit heute keine Kuwait-Visa mehr gebe. Das würde einen riesigen Umweg über Jordanien bedingen.
Dieser völlig sinnfreie Konflikt, einzig und allein der Macht- und Profitgier kranker alter Männer geschuldet, droht die gesamte Region dauerhaft zu destabilisieren. Statt Freiheit und Frieden bringen Bomben und Raketen stets nur Elend. Gerade im Irak sind die dauerhaften Folgen von Krieg noch auf Schritt und Tritt zu sehen und zu erleben.
Ich wünsche den Menschen im Nahen Osten, auf der arabischen Halbinsel, ein glimpfliches Ende dieses amerikansch-israelischen Überfalls. Ich wünsche ihnen endlich dauerhaften, stabilen Frieden - dankbar, dass ich womöglich in letzter Minute die Gelegenheit hatte, diesen fantastischen, faszinierenden Teil der Welt frei und weitgehend unbeschwert auf eigene Faust zu entdecken. Es wird, inshallah, nicht mein letzter Besuch dort gewesen sein.Baca selengkapnya

Ein tolles Statement, das mir aus dem Herzen spricht. Und vielen Dank fürs Teilhaben lassen an den Eindrücken, Stimmungen und Gedanken. Gute Rückreise! [Sabine]

PelancongLieber Wolfgang, wieder eine wahrhaftige (leider muss man das in diesen Tagen von Manipulation und Desinformation betonen), tiefgründige und toll geschriebene Reportage. Den Text sollten Millionen lesen! Bring doch ein Buch heraus...Liebe Grüße von Kurt
















































































































































































































































































































































































































































































































































PelancongSchön anzusehen im Urlaub und wieder tolle Fotos🤩Dankeschön dafür...aber hier zu leben, nein Danke !!!! Da lobe ich mir meine kleine Stadt im Mittelgebirge (wenn auch spießig, egal)😄