Tag 134-136 Aufbruch in Seoul
6 November 2025, Korea Selatan ⋅ ⛅ 16 °C
Arnd:
Wir haben es ziemlich lange in Korea ausgehalten. Wir hatten die Hoffnung, dass wir noch die herbstliche Rotfärbung der Wälder mitbekommen, die in Korea immer die Menschen begeistert. Diese Zeit ist nach dem Baum Danpung benannt, der eine besonders schöne rote Farbe der Blätter entwickelt.
Erste Ansätze haben wir noch mitbekommen, aber voll ausgeprägt war es leider nicht. Es ist dieses Jahr auch ungewöhnlich verlaufen. Es ist lange warm geblieben. Außerdem hat es viel geregnet, was in Korea im Herbst ganz untypisch ist. Wir haben auch Danpung-Bäume gesehen, deren Blätter schon braun waren. Vielleicht fällt es dieses Jahr auch weitgehend aus. In einer Zeitung steht, dass es nächste Woche soweit ist.
Länger bleiben ging aber nicht, sonst schaffen wir es nicht bis Weihnachten in Australien anzukommen. Außerdem war es zum Schluss schon unangenehm kalt, worauf wir kleidungsmäßig nicht eingestellt sind. Also war es an der Zeit, wieder aufzubrechen.
Damit wir überhaupt zu Weihnachten in Melbourne ankommen, müssen wir uns jetzt ziemlich beeilen. Die Zugtickets bis nach Malaysia sind schon gebucht. Deshalb wird es hier nicht so viel zu berichten geben, wir sitzen eher viel in Eisenbahnzügen. Dafür werden wir uns auf der Rückreise in Südostasien mehr Zeit lassen. Ein paar Highlights haben wir uns aber doch rausgesucht.
Wir verlassen Korea so, wie wir angekommen sind, mit dem Schiff nach Qingdao. Es fährt zwar erst am Abend ab, aber wir sollen schon um 15:30 im Fährterminal sein. So ist das ganze eine sehr entspannte slow travel Übung. Draußen ist es schon dunkel, als wir im Schiff sind, es gibt also nicht viel zu sehen und zu fotografieren.
Im Fährterminal gibt es hinter der Passkontrolle Abholstationen, wo man seine tax free Einkäufe abholen kann. Wir haben keine. Aber im Schiff gibt es einige Passagiere mit riesigen und schweren Koffern. Vermutlich sind das Händler, die ihre Ware persönlich in Korea einkaufen.
Wir sind morgens um 9:30 mit einer halben Stunde Verspätung angekommen. Bis wir ausgestiegen sind und den Stempel im Pass haben, ist es 10:30. Dann mussten wir noch das Internet einrichten. Ich hatte für die Weiterfahrt einen Zug um 13:15 gebucht, also mit reichlich Reserve, falls das Schiff mehr Verspätung hat. So konnten wir entspannt zum Bahnhof fahren, noch Mittag essen und dann ohne allzu lange Wartezeit in den Zug steigen.
Zum Glück funktionierte das Bezahlen per App noch. Wie wir uns in China orientieren, wissen wir mittlerweile ganz gut. Es gab also keine unangenehmen Überraschungen.
Der Zug bringt uns nach Hefei, eine dieser Großstädte in China, von denen wir noch nie gehört hatten. Dort kommen wir abends im Dunkeln an und werden am nächsten Morgen nach dem Frühstück den nächsten Zug besteigen, der uns nach Guilin bringt, dem ersten Zwischenziel unserer Reise.
In Guilin fahren noch mehr von diesen Elektrokleinmotorrädern herum. Als wir vor unserem Hotel aus dem Taxi steigen, hat gerade ein Autofahrer die Fahrspur für die Motorräder blockiert und in kürzester Zeit einen Megastau hervorgerufen.
Nach dem Einchecken gehen wir noch kurz in die Stadt. Es gibt einen alten Palast mit einer Stadtmauer drum rum. Wir hätten aber nur noch eine halbe Stunde zum anschauen gehabt und dann geht auch die Sonne unter. Das haben wir uns geschenkt und sind lieber in die Einkaufsstraße und haben ein bisschen Street Food zu Abend gegessen.
Hea-Jee:
Die zwei Monate, die wir in Korea verbracht haben, waren wirklich schön und sinnvoll. Gleich nach der Ankunft passierten einige unerwartete Dinge, wodurch ich ziemlich beschäftigt war, aber ich nahm alles gerne an. Es war kaum zu glauben, wie viel Liebe und Zuneigung ich immer noch von so vielen Menschen bekam – und dafür war ich dankbar und glücklich.
Das Korea, das ich nach langer Zeit wieder selbst erleben durfte, war sauberer und moderner, als ich es mir von außen vorgestellt hatte. Alles war auf smarte Weise gut organisiert. Die Menschen hielten sich an die öffentliche Etikette besser als irgendwo sonst, und sie waren freundlich und herzlich. Vieles wurde still und effizient gelöst. Natürlich gab es auch Dinge, die mir nicht gefielen, aber unter all den Ländern, die ich bisher kennengelernt habe, freute ich mich zu erkennen, dass Korea das Land ist, in dem ich am liebsten leben würde.
Als ich mir die Fotos von heute ansah, bemerkte ich, dass mein Gesicht rundlicher geworden ist. Wahrscheinlich, weil ich all die Gerichte gegessen habe, die ich so sehr vermisst hatte: Patbingsu, scharfer Fischsuppeintopf, gegrillte Makrele, geschmorter Fisch, Nudelsuppe, Jajangmyeon, Tangsuyuk, Kalguksu, Bossam, Sundae, frittiertes Essen, Mandu, Gimbap, Fischkuchen, Doenjang-Jjigae, Reiskuchen, koreanischer Chickin…
Trotz allem fällt es mir nicht allzu schwer, Korea jetzt zu verlassen. Ich freue mich auch ein wenig darauf, nun allein mit Arnd auf Reisen zu gehen. In Korea hatte ich alles geplant und organisiert, doch jetzt hat Arnd wieder das Steuer übernommen. Ich kann mich also entspannt zurücklehnen und einfach genießen. Arnd hat sich in Korea vielleicht etwas gelangweilt, aber er hat viel Rücksicht auf mich genommen und vieles mitgemacht. Jetzt beginnt wieder unser einfaches Leben zu zweit – und darauf freue ich mich sehr.Baca selengkapnya
Tag 137 - Guilin
9 November 2025, Cina ⋅ ☁️ 19 °C
Der erste Erlebnistag unserer Reise. Nachdem wir im ersten Teil unserer Reise in China vor allem Kultur und Städte angeschaut haben, wollten wir diesmal noch eine schöne Landschaft sehen. Also habe ich unseren Chinareiseführer durchforstet und etwas gesucht, was auf unserem Weg liegt und habe ein 5-Sterne Ereignis gefunden.
Dafür war genau ein Tag eingeplant und das macht man dann am besten mit einer geführten Tour. Dazu gibt es Plattformen im Internet, die das anbieten. Wir nehmen dazu Tripadvisor.
Wir haben diese Tour außerordentlich genossen. Sie kombinierte drei Erlebnisse, die diese atemberaubend schöne Landschaft aus verschiedenen Perspektiven erlebbar machten und die sich hervorragend ergänzten.
Teil eins war ein Fahrt auf dem Li Fluss in einem kleinen elektrisch angetriebenen Boot für vier Fahrgäste. Hier konnte man die Landschaft von unten sehen.
Für Teil zwei mussten wir einen Berg besteigen, was etwa 15 Minuten dauerte. Er liegt wohl an der schönsten Stelle des Li Flusses. Dort gibt es tolle Fotomotive, wo man die Landschaft eher aus einer erhöhten Postion sieht.
Im Teil drei sind wir per etwa eineinhalb Stunden mit dem Fahrrad auf einem Radweg an einem kleineren Nebenfluss entlang gefahren. Die Fahrräder waren schlicht und unkompliziert, aber recht neu und für die gemütliche Fahrt genau richtig. Man fuhr auf einem Radweg zwischen vielen kleinen und kleinsten Feldern entlang. Nur hin und wieder kam so ein elektrischer Scooter daher, die in China ja sogar auf Fußwegen fahren dürfen.
Wir waren jetzt im November die einzigen Gäste dieser Tour. Auf den Autofahrten zwischen den Erlebnissen konnten wir uns hervorragend mit unserem Guide in Englisch unterhalten. Er hat uns viel über die Gegend erzählt, aber wir haben auch über China im allgemeinen gesprochen. Das war die einzige derartige Konversation, die wir auf unserer längeren Chinareise bisher hatten. Deshalb waren die Autofahrten auch keine verlorene Zeit, ganz im Gegenteil.
Das Coverbild zeigt die Aussicht von unserem Frühstückstisch. Leider hatten wir keine Zeit, um dorthin zu gehen.Baca selengkapnya
Tag 138 - Kunming
10 November 2025, Cina ⋅ ⛅ 19 °C
Arnd:
Heute wieder Reisetag, wir fahren nach Kunming. Damit sind wir jetzt ganz im Südwesten von China angekommen. Von hier fährt die Eisenbahn nach Laos. Wir haben hier einen Tag Aufenthalt, der vor allem als Sicherheitspuffer gedacht ist. Ich habe schon alle Zugtickets bis an die Grenze von Malaysia gekauft und es kann ja auch mal was schief gehen. Deshalb baue ich immer wieder Puffer ein.
Der Film zeigt eine Szene bei unserer Abfahrt in Gunming, als wir auf das Taxi gewartet haben. Die Scooter erbringen hier fünfmal so viel Verkehrsleistung wie die Autos und bekommen dafür ein fünftel der Fläche. Ist doch fair, oder?
Nachdem das Taxi uns zum Bahnhof gebracht hatte, gab es einen kleinen Schock. Beim Einlass in den Bahnhof muss man seinen Pass vorzeigen und mit dem wird gecheckt, ob man eine Fahrkarte hat. Uns hat man nicht gefunden. Dann musste ich das Ticket vorzeigen und es stellte sich raus, dass wir im falschen Bahnhof waren.
Also in Panik ein neues Taxi - natürlich ein Didi - genommen und in Richtung Nordbahnhof losgefahren. Die Didi App zeigt eine Schätzung der Fahrzeit an und die sagte 30 Minuten. Damit hätten wir ganz knapp vielleicht noch den Zug bekommen. Im Lauf der Fahrt wurde die Schätzung aber immer optimistischer für uns und am Ende haben wir es gerade so geschafft.
Ich habe bei de Fahrt aber eine wirklich interessante Beobachtung gemacht. Hier und auch in Korea gibt es an vielen Ampeln zusätzlich eine Zahlanzeige in rot oder grün. Die sagt, wie viele Sekunden man noch grün hat (wenn die Zahl grün ist) bzw. wie lange man noch auf grün warten muss (wenn sie rot ist). Der Didi Fahrer hat auf seinem Smartphone auch eine App, die ihm alle Informationen zur Fahrt auf einer Karte anzeigt. Und da habe ich heute dieselbe Zahl gesehen für die nächste Ampel. Die Information zur Ampelsteuerung ist also zentral bekannt und wird zu den Taxifahrern verbreitet. Wahnsinn!
Wir werden morgen wohl nichts großes unternehmen und eher notwendige Dinge für die Weiterreise organisieren. Und übermorgen sitzen wir wieder im Zug nach Laos. Der nächste Beitrag kann also etwas später kommen.Baca selengkapnya
Tag 139 - Kunming
11 November 2025, Cina ⋅ ⛅ 19 °C
Arnd:
Schon 19:30 und Hea-Jee schreibt immer noch Pinguintexte. Da ich sie für ein paar Sachen bMaggiflaschehech jetzt Zeit für ein paar Fotos.
Zu Mittag waren wir im Gebäude neben unserem Hotel. Ich hatte in der chinesischen Kartenapp nach Restaurants gesucht und dieses gefunden, in dem es Burger gab. Es gab auch deutsche Bratwürste. Aber ich dachte, ein Burger wäre doch mal eine Abwechslung.
Das Restaurant gehörte zu einem anderen Hotel, es wirkte recht edel. Am Eingang lag eine bebilderte Speisekarte, in der wir die Burger lange gesucht haben. Es gab vor allem Bayerisches Essen. Hea-Jee wollte schon wieder gehen. Neben uns stand ein Kellner, aber er hat freundlich gewartet. Am Ende haben wir einen Burger gefunden und sind geblieben. Als zweites Gericht haben wir einen Flammkuchen bestellt.
Die Deko im Gastraum machte dann endgültig klar, dass es hier wirklich um Bayerisches Essen ging. Es war fast leer, vielleicht wird es abends voller.
Der Hamburger war dann sehr originell, nämlich ohne Brötchen und statt dessen mit Kartoffelbrei. In der Speisekarte stand auch irgendwas vom Ursprung der Hamburger. Das habe ich nicht gelesen, es war irgendwas mit Hamburg im 17. Jhdt. Später habe im Internet nach Hamburger mit Kartoffelbrei gesucht und auch tatsächlich was in der „Für Sie“ Zeitschrift gefunden, was ähnlich aussah.
Geschmeckt hat beides ganz gut. Und das Mittagessen war schnell erledigt und wir konnten weiter arbeiten.
Später haben wir uns unten im Haus noch zwei edle Tötchen mit Kaffee geleistet. War auch nett.
Und beim Frühstück steht eine Maggiflasche neben den Eiern, die Kombination wird in Asien gern gegessen.Baca selengkapnya

Pelancong
Hi Arnd, da fehlt ja der berühmte Stammtischspruch "Da sitzen de da die da alwei sitzen"

PelancongKeine Ahnung, ich trinke mittags kein Bier. Aber ich vermute süß. Das beobachte ich hier und auch in Korea ständig: Willst du ein neuartiges Lebensmittel erfolgreich verkaufen, dann mach es süß. Gerade vorgestern haben wir auf einem Naturjoghurt die Zutatenliste studiert, da ist Zucker drin.
Tag 140 - Von China nach Laos
12 November 2025, Laos ⋅ ⛅ 24 °C
Arnd:
Auf in den Süden. Von knapp 18°C nach 28°C. Die Fahrt machen wir mit einem ganz besonderen Zug. Die Wikipedia schreibt: „2006 schlug China den Bau einer 3900 km langen Schnellfahrstrecke Kunming–Singapur vor, die die Reisezeit zwischen den Metropolen auf gut zehn Stunden verkürzen sollte.“ Da müssten sie dann im Durchschnitt 390km/h fahren, das kann nicht stimmen.
Entstanden bisher ist die Strecke von Kunming bis in die Laotische Hauptstadt Vientiane. Dafür haben sich die Laoten bei den Chinesen hochgradig verschuldet und mit ihren Bodenschätzen gebürgt. Die Thais wollten wohl nicht so viel Geld ausgeben, da entwickelt man die Eisenbahn nur langsam weiter. In Malaysia gibt es eine Teilstrecke von der Thailändischen Grenze bis zur Hauptstadt Kuala Lumpur, die wir auch fahren werden und sie arbeiten an der Strecke von Kuala Lumpur nach Singapur.
Die Höchstgeschwindigkeit hat man auf 160km/h festgelegt, so werden wir heute allein gut 8 Stunden bis Luang Prabang brauchen. Da sind dann aber auch zwei Aufenthalte wegen Grenzkontrollen dabei. Ich hatte mich auf die Fahrt gefreut, weil sie durch den fast urwaldartigen Nordteil von Laos verläuft. Allerdings verläuft sie zu wohl 90% in Tunneln.
Für den Zug gab es erhöhte Sicherheitsregeln. Es gab einen eigenen Abfahr-Wartebereich. Um da hineinzukommen wurde unser Gepäck zum zweiten Mal geröntgt und dabei wurden mehrere Scheren entdeckt, die wir nicht mitnehmen durften. Ich habe eine teure Schweizer Nagelhautschere verloren und die arme Hea-Jee ein altes Erinnerungsstück. Ein Studienfreund von ihr hatte vor 40 Jahren einige Jahre in Japan gelebt und ihr von dort eine ganz frühe Keramikschere von Kyocera geschenkt. Die Klinge war 1,5cm lang und an der Spitze rund. Unmöglich, damit jemanden zu verletzen. Aber Regel ist Regel, auch wenn man nicht in Deutschland ist. Um den Ärger zu dämpfen musste sie sofort in dem Convenience Store im Wartebereich einen Snickersriegel kaufen. Sie hat ihn mit mir geteilt.
Noch was zur Chinesischen Eisenbahn: Die Tickets werden nur mit 14 Tagen Vorlauf verkauft und sind meist bald ausverkauft. Außerdem ist es als Ausländer schwierig, die Tickets bei der Chinesischen Bahn zu kaufen. Als Alternative bietet sich trip.com an, ein Chinesisches Online-Unternehmen für Reiseservices. Dort kann man mehr als 14 Tage vorher buchen. Sie kaufen das Ticket dann automatisch, sobald es verfügbar ist.
Ich habe für diesen Teil der Reise sämtliche Tickets sehr früh bei trip.com bestellt. Wir hatten beschlossen, uns etwas zu gönnen und erste Klasse zu fahren, was immer noch sehr günstig und vom Platz her nicht so beengt ist. In der zweiten Klasse stehen 5 Sitze in einer Reihe.
Die erste Teilstrecke hatte ich so schon bestellt. Bei der zweiten fiel mir auf, das trip.com anzeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass ich das Ticket bekomme und da stand 30%. Das wäre eine Katastrophe. Bei der zweiten Teilstrecke sah ich, dass man in derselben Bestellung auch Alternativen zulassen kann. Da habe ich dann bei den weiteren Teilstrecken auch die zweite Klasse als Alternative zugelassen. Dadurch änderte sich die Schätzung der Wahrscheinlichkeit aber nicht im geringsten.
Wir haben sämtliche Strecke bekommen und zwar überall wo ich zweite Klasse zugelassen hatte, haben wir auch nur die zweite Klasse bekommen. Man bekommt den Differenzbetrag dann zurückerstattet. Bis heute war mein Verdacht, dass die erste Klasse stärker nachgefragt war und sie all diejenigen, die sich flexibel gezeigt haben, in die zweite Klasse verschoben haben. Das ist natürlich gemein.
Nur heute ist der Zug ziemlich leer. Ich bin gerade einmal von vorn bis hinten gelaufen. Es gibt eine erste Klasse und da sitzt kein einziger Fahrgast. Die ersten drei Wagen am anderen Ende des Zuges sind komplett voll und der Rest ziemlich leer. Ich glaube, die Firma sollte mal an ihren Algorithmen feilen.
Die Landschaftsbilder aus dem Fenster zeigen die Gegend in China vor der Grenze und drei Bilder in Laos.
Als wir ankamen, war es schon dunkel. Der Bahnhof ist 11 km von der Innenstadt entfernt. Die Zahl der Menschen, die mit uns ausstiegen war ziemlich groß und so auch die Zahl der Kleinbusse und Autos, die Leute abholten. In Laos gibt es ein eigenes Taxi-App-System. Das hatten wir gestern noch installiert, uns angemeldet und eine Kreditkarte hinterlegt. Es funktionierte alles auf Anhieb und wir kamen bequem zum Hotel.
Die Fahrt dauerte so etwa eine halbe Stunde! Der erste Teil der Straße ist in den Karten als Fernstraße eingezeichnet. Er war so voller Schlaglöcher, dass alle gleich langsam gefahren sind. Nach kurzer Pause vom Hotel aufgebrochen, Bargeld vom Automaten geholt und noch essen gegangen. Wunderbar, wir sind in Südostasien angekommen!Baca selengkapnya
Tag 141 - Luang Prabang
15 November 2025, Laos ⋅ 🌙 23 °C
Arnd:
Morgens um halb 4, wo der Seniorenschlaf schon etwas flach wird, meldeten sich die umliegenden Hähne. Zum Glück waren sie nicht direkt in der Nähe, man konnte wieder einschlafen.
Unser Hotel hat den Speisesaal unter einem Dach im Freien. Das geht ganzjährig. Laos ist wegen der Kolonialzeit etwas französisch geprägt, es gibt Baguette und Croissants.
Danach machen wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Zuerst kommen wir am Morgenmarkt vorbei. Dort kaufen Einheimische, es gibt viele Lebensmittel. Welse scheinen ein beliebter Fisch zu sein.
Danach erklimmen wir den Stadtberg Phusi. Man muss Eintritt zahlen. Man geht auf einer Seite Seite hoch und auf der anderen wieder runter. Das haben wir aber erst unten begriffen, weshalb wir am nächsten Tag nochmal trainiert haben, um die Buddhistischen Sehenswürdigkeiten auf der anderen Seite auch zu sehen.
Oben wird man belohnt von einem Fernblick über die Stadt und den Mekong. Wieder unten beobachten wir ein paar junge Leute in Tracht. Evtl. sind das Hochzeitskleider? Der Fotograf hat aber nur ein Smartphone.
Durch die alte Stadtmitte zieht sich eine lange gerade Straße, die Sakkaline Road, an der die meisten Geschäfte, Restaurants, Banken, zwei Schulen und mehrere Kloster liegen. Die laufen wir einfach bis zum Ende und sind beschäftigt. Das Ende liegt an der Mündung des Nam Khan Flusses in den Mekong.
Dort ist auch der Wat Xieng Thong, der bedeutendste Tempel in Luang Prabang. Die Dächer der traditionellen vornehmen Gebäude sind auch gewölbt, aber nicht wie in China und Korea in zwei Dimensionen, sondern nur in einer. Dafür sind mehrere Dächer interessant übereinander gestapelt. Außerdem gibt es ziemlich viel Goldverzierung.
Die zwei Schnellboote waren auch im Tempel untergebracht. Fahren die Mönche etwa Rennen?
In der Nähe des Tempels kamen wir an einem vornehmen neuen Haus vorbei. Es sah nicht nach Hotel aus. An der Ecke war eine Graffiti angebracht, deren Motiv mir bekannt vorkam. Ich tippe auf Banksy, habe das aber später im Internet nicht gefunden.
Hea-Jee hat eine Liste im Kopf, was sie alles machen muss. Auf Neudeutsch eine Bucketlist. Da stand wohl auch gepresster Zuckerrohrsaft drauf. Der Becher wurde erst mit Eis gefüllt und dann wurden ein paar Rohrstücke durch eine starke Presse geschicht, wo ein grüner Saft rauskam. Erstaunlicherweise war das keine Zuckerbombe und schmeckte ganz angenehm.
Abends am Hotel noch Besuch von ein paar Geckos, jedenfalls vermute ich, dass das Geckos sind.Baca selengkapnya
Tag 142 - Luang Prabang
15 November 2025, Laos ⋅ 🌙 23 °C
Hea-Jee:
Gegen fünf Uhr morgens hörten wir irgendwo das Geräusch einer sich öffnenden und schließenden Tür, begleitet vom Krähen eines Hahns. Da wir uns vorgenommen hatten, an diesem Tag die Almosengabe im Morgengrauen zu sehen, verließen wir das Hotel noch vor Tagesanbruch. Die dunklen Straßen lagen völlig verlassen da. Auf dem Weg zu dem Ort, der als Hauptplatz der Almosenzeremonie gilt, entdeckten wir ein paar Einheimische – wohl eine Familie –, die ehrfürchtig am Straßenrand saßen
Kurz darauf kamen etwa zehn Mönche in ihren safranfarbenen Roben in einer Reihe vorbei. Die Leute legten ihnen jeweils eine Handvoll Reis in die Schalen. Nachdem die Mönche ihre Almosenrunde beendet hatten, stellten sie sich der kleinen Gruppe von Spendern gegenüber auf und chanteten eine ganze Weile. Beide Seiten wirkten sehr andächtig und ernsthaft. Wir waren völlig unvorbereitet die einzigen Zuschauer, weshalb wir uns zurückhielten und in respektvollem Abstand ganz ruhig verhielten. (Der Gesang der Mönche klang so schön, dass ich ein Video aufnehmen wollte. Doch es war so dunkel, dass die automatische Spotbeleuchtung der Kamera sich einschaltete. Ich wollte die Zeremonie nicht stören und brach die Aufnahme sofort ab. Deshalb ist das Video sehr kurz.)
Wir eilten weiter zu der Straße, die als Hauptort der Almosengabe gilt. Plötzlich herrschte auf der ganzen Straße ein unglaubliches Gedränge wie auf einem Jahrmarkt. Entlang des Gehwegs waren endlose Reihen von blauen und roten Plastikstühlen aufgestellt. Händler verkauften Reis und Gebäck, Reiseleiter hetzten mit großen Touristengruppen hin und her, und Menschen, die offenbar für die Ordnung zuständig waren, riefen laut Anweisungen und dirigierten die Besucher. Auch ich stand einmal kurz falsch und wurde sofort zurechtgewiesen. Touristen, die Reis und Süßigkeiten kauften, durften sich auf die Stühle setzen und an der Almosengabe teilnehmen, während alle anderen außerhalb der Seile stehen mussten.
Schließlich kamen die Mönche in einer langen Prozession vorbei. Wo die Reihe begann, war nicht zu erkennen, doch die Schalen und Taschen der Mönche waren bereits übervoll mit Reis und Süßigkeiten, sodass vieles schon überquoll. Die Mönche schütteten die frisch erhaltenen Gaben immer wieder in bereitgestellte Behälter aus, die in regelmäßigen Abständen standen, und gingen dann weiter. Hier chanteten sie nicht; sie liefen schweigend vorbei.
Nachdem die Prozession vollständig vorübergezogen war, zerstreuten sich die Touristen wie Ebbe, und die Händler räumten in rasender Geschwindigkeit alles auf. Sie sammelten die Schals ein, die Touristen ausgeliehen und auf den Stühlen liegen gelassen hatten, und sortierten Berge von Reissäckchen und Gebäckverpackungen. Ich fragte mich ernsthaft, was wohl jeden Morgen mit all diesen zurückgelassenen Lebensmitteln geschieht.
Das Ganze wirkte wie eine merkwürdige, verfremdete Performance, und das hinterließ ein seltsames Gefühl. Umso mehr empfand ich es als Glück, auf dem Hinweg in einer abgelegenen Gasse die ursprüngliche, stille Almosengabe zwischen ein paar Einheimischen und den Mönchen gesehen zu haben.
Was in Luang Prabang besonders auffällt, sind die vielen westlichen Touristen. Auch zahlreiche Backpacker sind unterwegs – etwas, das man in China selten sieht. In den meisten Restaurants und Läden kommt man mit Englisch gut zurecht, und selbst wenn jemand kein Englisch spricht, weiß er dank Smartphone, wie er mit Ausländern kommunizieren kann. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit, das man oft in China hat, kam hier gar nicht auf.
Hier wurde mir klar, dass es zwei Arten von Reisenden gibt: diejenigen, die eine noch unbekannte Welt erleben und etwas Neues lernen möchten, und diejenigen, die einfach in einem angenehmen Klima, mit niedrigen Preisen und gutem Service entspannen und neue Kraft tanken wollen. Luang Prabang gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Wir gingen voller Erwartung ins Museum. Ich freute mich richtig darauf, etwas über die Geschichte von Laos zu lernen, die uns bisher kaum bekannt war. Das Museum befindet sich im ehemaligen Königspalast des letzten laotischen Königs, doch als Museum wirkte es erstaunlich inhaltsarm, wenn man bedenkt, dass es die Geschichte eines ganzen Volkes darstellen sollte. Es wurde schnell klar, dass dieses Museum eher dazu gedacht ist, die prächtigen alten Palastgebäude und die schöne Gartenanlage zu genießen und zur Ruhe zu kommen – nicht, um etwas zu lernen.
Wir stiegen erneut auf den Phousi-Berg und zahlten wieder Eintritt. Arnd meinte, es gebe dort noch Dinge, die wir am Vortag übersehen hätten – und er hatte recht. Wenn man ein wenig umherläuft und die Augen offen hält, entdeckt man überall kleine goldene Buddhafiguren und viele weitere kunstvolle Statuen, die sowohl prunkvoll als auch faszinierend sind.
Auf dem Weg den Berg hinauf sahen wir Händler, die lebende Spatzen in kleinen geflochtenen Käfigen verkauften. Vermutlich sollte man sie am heiligen Berg, auf dem Buddha verehrt wird, freilassen – eine Art „Lebensrettung“. Als ich sah, dass viele westliche Touristen diese Vögel kauften, wollte ich sie am liebsten davon abhalten. Je mehr man sie kauft, desto mehr Spatzen werden gefangen. Ich verstand den guten Willen der Menschen, die es aus Respekt vor dem lokalen Brauch mitmachen. Aber egal wo auf der Welt, es wäre schöner, wenn man helfen könnte, dass schädliche Praktiken aufhören.
Am Abend gingen wir zu einer Aufführung im Museum, für die wir bereits am Nachmittag Tickets gekauft hatten. Von dem Hügel aus hatten wir tagsüber immer wieder Glocken- und Klingelklänge gehört, und Arnd war neugierig geworden. Auf der Bühne spielten einige Musiker traditionelle Instrumente wie Trommeln und ein xylophonähnliches Schlaginstrument, und dazu wurde klassischer laotischer Tanz aufgeführt. Die Tänzerinnen bewegten ihre langen, schlanken Finger auf geheimnisvolle Weise und tanzten sehr ruhig und anmutig. Die männlichen Tänzer trugen arabisch aussehende Hosen. Ich war neugierig, ob sie traditionelle laotische Tanzkleidung sind. Hatten die Laoten früher Kontakt mit der arabischen Welt?Baca selengkapnya
Tag 143 - 144 - Vientiane
16 November 2025, Laos ⋅ ☁️ 23 °C
Arnd:
Vientiane ist die Hauptstadt von Laos und liegt direkt an der Thailändischen Grenze. Dort ist auch die Endstation der China Laos Eisenbahn, mit der wir aus Luang Prabang angereist sind. Die Eingangshalle im Bahnhof von Luang Prabang war ziemlich voll mit Menschen, die alle unseren Zug nehmen wollten. Sie stellten sich auch brav 25 Minuten vor der Öffnung des Gates an, obwohl sie alle Platzkarten hatten.
Der Bahnhof in Vientiane liegt 15km außerhalb des Zentrums. Wir nehmen jetzt immer ein per App gerufenes Taxi. Das ist einfach und zuverlässig. Es war allerdings mit über 8€ ziemlich teuer. Gründe dafür dürften sein: Die Regierung hat ihren Daumen drauf (Vermutung) und die Geschwindigkeit des Taxis ist erschreckend. Im Durchschnitt 15km/h, wir waren eine ganze Stunde unterwegs. Da wäre ich mit meinem Fahrrad schneller.
Beim Hotel wurde es dann ärgerlich. Unser mit Mühe und Sorgfalt ausgesuchte Hotel war „überbucht“ und hatte keinen Platz mehr für uns. Der junge Mann an der Rezeption hat sich dann aber alle Mühe gegeben, dass wir bei Laune bleiben. Er hat uns ein anderes Hotel gesucht, ein Taxi gerufen und auch bezahlt und es gab noch ein Trostgeschenk. Das andere Hotel war aber nicht unsere Wahl. Es lag ungünstiger und im Zimmer mussten wir erstmal 10 Mücken ermorden und Löcher nach außen stopfen, bevor wir unbehelligt schlafen konnten (ab Laos sind wir in Malaria und Denguegebieten).
Wir haben in dem Hotel dann zu Abend gegessen. Die Karte war beeindruckend lang, wenn auch mit etwas gehobenen Preisen. Und es gab gute Ratschläge, was wir essen sollten. Tatsächlich war das Hotel ziemlich neu und hatte nur wenige Gäste. Deshalb konnten sie auch nicht alles schnell kochen und auch das Frühstück war ziemlich mager. Die Portionen im Restaurant waren für gedehnte westliche Mägen etwas klein. Hea-Jee fühlte sich nachher leicht betrogen, während ich das positive gesehen habe. Ich bin ja bekanntlich ein Vielfraß und bei solchen Gelegenheiten kann ich lernen, dass viel weniger essen auch reicht und vermutlich gesünder ist. Das Personal war äußerst freundlich und bemüht.
Vientiane hat touristisch nicht viel zu bieten und ist eine eher trieste Stadt. Unser erstes Ziel war ein Informationszentrum zu den Streubomben, die die Amerikaner im Vietnamkrieg in den 1960er Kahren über Laos abgeworfen haben. Dort sind wir zu Fuß hingelaufen und konnten unterwegs ein paar Kolonial (französich) geprägte Häuser sehen.
Die Mengen an Streubomben, die über Laos abgeworfen wurden sind absolut gigantisch. Laos ist pro Kopf das am meisten bombardierte Land der Erde und die Aufräumarbeiten dauern immer noch an. Die Zahl der Opfer ist entsprechend hoch und es gibt noch neue Opfer, die alle, wenn sie es denn überleben, prothetisch versorgt werden müssen. Am meisten betroffen sind Kinder. Es gibt in dem Zentrum Spendenboxen, die tatsächlich 25% aller Finanzmittel für dieses Aufräumen generieren.
Zu Mittag sind wir dann zu einer Mall gelaufen, in der es ein Lotteria-Restaurant gab. Für Nichtkoreaner: Lotte ist ein koreanischer Konzern, der vor allem mit Lebensmitteln handelt und Kaufhäuser betreibt. Wir haben uns einen Bulgogiburger und Korean Fried Chicken gegönnt. Auch hier waren die Portionen ziemlich klein. Für Laoten wahrscheinlich vollkommen ausreichend. Ach ja, warum nicht laotisch essen? Wir haben einfach nichts gefunden, was wir unbedingt essen wollten.
Noch etwas weiter zum zentralen Busbahnhof gelaufen und den Bus #14 genommen. Der fährt erst zur Lao-Thai-Friendshipbridge, über die wir morgen nach Thailand fahren und dann noch etwas weiter zum Vientiane Buddhapark. Das hatte ich mir ausgesucht, weil ich da schöne Fotomotive erwartet habe. Da wurde ich nicht enttäuscht und Hea-Jee hat es auch gefallen. Der Park ist von 1954 und eine der größeren Attraktionen in Vientiane. Der Park liegt direkt am Mekong und ist 2024 wohl bei einem Hochwasser überschwemmt worden.
Ihr habt ja sicher schon bemerkt, dass ich ständig über Verkehrsthemen meckere. Und der hat hier bei mir wieder ziemlich gemischte Gefühle hinterlassen. Das Auto ist auch in dieser Stadt in diesem noch bitterarmen Land zum König geworden, für den man auf alles andere verzichtet. Nicht nur steht man hier schon im Stau (entsprechend viele Autos gibt es schon), es fahren auch viele teure mit Devisen bezahlte Autos rum. Auch eine Erdölförderung gibt es in Laos nicht, Benzin muss importiert werden.
Auch hier wird sehr viel Verkehr mit Scootern gemacht. Die Fahrer sind aber mehrheitlich weiblich. Männer fahren wohl Auto , sobald sie sich das leisten können.
Noch schlimmer: In Vientiane ist eine besonders beliebte Autosorte die Pickup Trucks. Das sind diese amerikanischen Monster mit Ladefläche. Ich nenne die immer Kindermörderautos, weil der Fahrer mehrere Meter vor seinem Auto stehende Kinder gar nicht sehen kann und weil ein Kind, das mit so einem Auto zusammenstößt fast keine Überlebenschance hat, weil das eine fahrende Wand ist. Und nein, die brauchen das nicht fürs Land. Aus dem Zug konnte man sehen, dass da fast keine Autos fahren.
Auf der Straße geht es zu, wie es in Verkehren zugeht, in denen das Auto noch nicht zivilisiert wurde. Geparkt wird z.B auf dem Gehweg. Nein, nicht etwa mit zwei Rädern, sondern komplett auf dem Weg, so das der arme Fußgänger die Straße benutzen muss.
Ein Lichtblick war allerdings ein im Aufbau befindliches Bus-Rapid-Transit System. Auf einer großen Straße war in der Mitte eine breite Bahn mit Stationen nur für Busse. Das ist gerade im Probebetrieb. Die Fußwege waren überwiegend in sehr schlechtem Zustand, Fußgängerampeln leuchteten nicht, wenn es überhaupt welche gab. Ich habe aber an vielen Stellen Bauarbeiten für Fußwege gesehen. Ich drücke die Daumen.
Hea-Jee:
Seit ich in Vientiane angekommen bin, hatte ich kaum etwas zu lachen, aber im Buddha-Park musste ich plötzlich lachen. Dieser Park, der 1954 angelegt wurde, ist voller riesiger Statuen von Buddha, Elefanten und anderen Figuren, die humorvoll aussehen. Egal wohin ich schaute, es machte einfach Spaß. Ob das nun künstlerisch oder historisch wertvoll ist, weiß ich nicht. Es war einfach lustig.
Ich ging dann zum Mekong-Ufer hinüber, das direkt am Buddha-Park liegt. Der unglaublich breite Fluss fließt langsam in einer dunkelbraunen Farbe dahin, und mir läuft ein kleiner Schauer über den Rücken. Wenn dieser riesige Fluss über die Ufer tritt, muss das wirklich furchterregend sein. Die Fläche, die als Überschwemmungsgebiet freigehalten wird, wirkt im Vergleich zur Größe des Flusses viel zu klein. Auf der thailändischen Seite sieht man gleich die Gebäude – und ich frage mich, ob es dort vielleicht gar kein Überschwemmungsgebiet gibt. Es ist gar nicht mein Land, und trotzdem mache ich mir Sorgen.
Das Essen war in Luang Prabang war insgesamt sehr gut. Jetzt fällt mir auf, dass das vietnamesische Nudelsuppe und thailändische Gerichte waren, was ich lecker fand. Hier in den Restaurants gibt es sowieso querbeet alle möglichen Küchen. Ich wollte einmal etwas richtig Traditionelles aus Laos essen und bestelle deshalb eine laotische Nudelsuppe. Arnd versucht mich davon abzuhalten und droht mir scherzhaft, ich solle später nicht mit ihm das Essen tauschen wollen. Er hatte recht. Ungenießbar war meine laotische Suppe nicht, aber seine frittierten Frühlingsrollen sahen einfach viel leckerer aus.
Seit ich in Vientiane bin, hatte ich entweder keinen großen Appetit oder ich habe einfach keine guten Restaurants gefunden. Also esse ich meistens nur irgendetwas, um satt zu werden.
Eine Freundin hatte mir erzählt, dass es mit dem Essen besser wird, wenn ich aus Xinjiang weiter in den Südosten Chinas komme, nachdem sie gelesen hatte, wie sehr ich dort mit dem Essen kämpfte. Und tatsächlich: Je näher ich Korea komme, desto mehr verschwinden diese fremden Gewürze und Kräuter, die mir nie so recht schmeckten. Und jetzt, wo ich wieder nach Süden unterwegs bin, ist das Essen auch angenehm für mich. In Thailand wird es wahrscheinlich noch besser. Thailändisches Essen ist selbst in Deutschland nichts Fremdes für mich.
Laos scheint mir das ärmste Land zu sein, das ich auf dieser Reise bisher gesehen habe. Ich habe nachgeschaut – und tatsächlich stimmt es. Da muss ich mich fast schämen, dass ich in Luang Prabang über das „mager ausgestattete Museum“ gemeckert habe. Wenn man kaum genug zum Leben hat, wie soll man dann Museen pflegen?
Und arm sind sie sicher nicht, weil sie faul wären. Laos leidet doch bis heute unter den Schäden des „Secret War“, den die USA geführt haben. Im Besucherzentrum von KOPE (Cooperative Orthotic and Prosthetic Enterprise) war ich überrascht, dass alle Informationstafeln auf Laotisch, Englisch und Koreanisch verfasst waren. Wie sich herausstellte, arbeitete die KOICA (Koreanische Internationale Zusammenarbeitsgesellschaft) aktiv an diesem Projekt mit. Dabei war Südkorea während des Vietnamkriegs eigentlich ein Verbündeter der USA und somit ein feindlicher Staat für Laos. Umso positiver empfand ich es als Koreanerin, dass eine koreanische staatliche Institution sich heute so engagiert an einem Unterstützungsprogramm für Kriegsopfer in Laos beteiligt, die Wahrheit offenlegt und sich für die Behandlung der Spätfolgen einsetzt.
Nach meinem Besuch im COPE Visitor Centre habe ich das Gefühl, dass kleine Länder immer wieder Opfer der Grausamkeit der Großmächte werden. Und irgendwie fühle ich jetzt eine Art Verbundenheit mit Laos – einem Land, das vorher keinerlei Beziehung zu mir hatte. Vielleicht ist das ja wirklich eine der guten Seiten des Reisens.Baca selengkapnya
Tag 145 - Ankunft in Thailand
17 November 2025, Thailand ⋅ ☁️ 27 °C
Hea-Jee:
Heute fahren wir mit einem Nachtzug nach Bangkok. Wir standen früh auf, packten in aller Ruhe und verließen das Hotel gegen elf. Mit einem Loca-Taxi, das es nur in Laos gibt, fuhren wir zur Freundschaftsbrücke über den Mekong. Die laotischen Ausreiseformalitäten auf dieser Seite des Flusses waren einfach. Wir gaben das bereits ausgefüllte Ausreiseformularen ab, bekamen einen Stempel in den Pass, und schon waren wir fertig. Direkt daneben kauften wir an der Bushaltestelle ein Ticket für 20.000 Kip pro Person (etwa 80 Cent) und stiegen in den Bus. Nach ungefähr fünf Minuten Fahrt über den Mekong kamen wir an der thailändischen Grenze an. Die Einreise war auch nicht kompliziert, allerdings nahmen sie von beiden Händen Fingerabdrücke.
Nachdem wir die Grenze überquert haben, aktivierten wir zuerst meine eSIM und hoben etwas thailändisches Geld ab. Da es bereits nach Mittag war, gingen wir in ein nahegelegenes Restaurant und bestellten das Tagesmenü für 69 Baht pro Person. Es ist schlicht und nicht besonders üppig, aber wirklich lecker. Wir haben uns vorher über die Trinkgeldkultur in Thailand informiert und ein angemessenes Trinkgeld gegeben. Einerseits möchten wir für guten und freundlichen Service großzügig sein, andererseits haben wir Bedenken, weil eine verfestigte Trinkgeldkulturie in den USA – dazu führen könnte, dass die Löhne der Angestellten sinken, weil Trinkgeld bereits eingerechnet wird. Das beschäftigt uns immer wieder.
Der Nachtzug nach Bangkok fährt erst gegen acht Uhr ab, also gingen wir in ein Café, das Arnd zuvor über Google herausgesucht hatte. Die Gebäude in Grenznähe wirken alle alt und heruntergekommen, aber dieses Café fiel schon von Weitem durch seine Sauberkeit auf. Innen war es ruhig und angenehm, perfekt, um länger zu sitzen und die Zeit zu überbrücken. Wir bestellten jeweils einen Kaffee und einen Thai-Tee, preislich in etwa wie unser Mittagessen, und schrieben beide an unseren Texten. Während wir schrieben, rief Scott per Video an, und wir sahen kurz unseren kleinen Finn. Auch sie saßen in einem Café, aber Finn aß gerade Eis und schenkte uns keinerlei Beachtung – nicht mal ein Hallo. Trotzdem: Für mich bleibt er das süßeste Kind der Welt.
Arnd:
In unserem Zug gab es erste Klasse Schlafwagen. Das kostet kaum mehr, als eine normale Fahrkarte und ein Hotel. Allerdings mussten wir deshalb die etwas kompliziertere Einreise machen. Es gibt auch einen Zug, der in Vientiane startet, aber leider ohne diesen Schlafwagen. Und wenn wir schlecht schlafen, dann ist der nächste Tag nicht gut.
Die Züge in Thailand fahren nicht besonders schnell. Das liegt daran, dass die Gleise nicht genügend gerade sind. Der Zug schaukelt immer etwas. Und das hat uns möglicherweise beim Schlafen geholfen, wir waren beide morgens gut erholt.
Die Ankunft war allerdings um 5:30. Ich hatte ja auf ein frühes Frühstück im Bahnhof gehofft, aber da war noch alles geschlossen und ein Café gab es sowieso nicht. Also sind wir zum Hotel gefahren. Viele unserer Hotels haben 24 Stunden pro Tag die Rezeption besetzt und wenn man zu früh kommt, kann man zumindest sein Gepäck schonmal abgeben. Wir haben dann für ein weiteres Frühstück bezahlt, das gab es hier schon ab 6:30.Baca selengkapnya
Tag 146 - Bangkok
18 November 2025, Thailand ⋅ ☁️ 29 °C
Arnd:
Wenn man über den Verkehr in Bangkok im Internet liest, will man ja diese Stadt gar nicht erst besuchen. Man kann entweder vor 7 Uhr morgens, um die Mittagszeit oder spät abends unterwegs sein. Ansonsten steht man entweder im größten Stau des Planeten und kommt überhaupt nicht an sein Ziel, wenn man mit Auto oder Bus unterwegs ist, oder man steckt in der Sardinendose, genannt Bahn. Einzig die Mopedfahrer kommen überall durch und können ihre Freiheit genießen. Fürs Fahrrad ist die Stadt zu groß und man müsste auch etwas todesmutig sein.
Um überhaupt unsere Ziele zu erreichen hatte ich auf die Bahn gesetzt (es gibt sowohl U-, als auch Hochbahnen) und ein Hotel in der Nähe von zwei Bahnlinien gewählt, die uns zu unseren Destinationen bringen konnten. Das Bahnnetz in Bangkok besteht aus zwei Netzen mit unterschiedlichen Betreibern. Muss man umsteigen, braucht man ein neues Ticket. Und die halten auch nicht im selben Bahnhof, man muss etwas laufen. Außerdem gibt es nicht viele Linien, so dass erhebliche Teile der Stadt so nicht erreichbar sind.
Die Bahn um 6:00 vom Bahnhof zum Hotel war schon so voll, dass wir stehen mussten. In einer Bahn um 8:00 haben wir dann aber nach ein paar Stationen sogar einen Sitzplatz bekommen. Ganz so schwarz-weiß ist es wohl doch nicht hier.
Da wir so früh mit dem Nachtzug angekommen sind, konnten wir unsere Unternehmungen früh starten und haben an einem Tag das geschafft, was ich für zwei Tage geplant hatte.
Zunächst haben wir zwei der großen Buddhistischen Tempel besucht. Der eine, Wat Pho, beherbergt einen riesigen vergoldeten liegenden Buddha. Der andere, Wat Arun, hat eine große, reich geschmückte Stupa. Zum Wat Arun mussten wir mit Boot auf die andere Seite des Chao Phraya Flusses fahren. Da gibt es ein Pendelboot für 0,13€.
Anschließend haben wir ein Museum besucht, von dem wir hofften, das wir etwas über die Thailändische Geschichte lernen. Das Museum ist ziemlich neu und versucht mit „modernen Präsentationstechniken“ zu arbeiten. Inhaltlich dreht es sich um die Frage was Thai sein bedeutet. Haben die Thailänder etwa eine Identitätskrise? Zentral fürs Thai sein sind Nation, König und Religion. Daneben gab es aber noch ganz nette Alltagsdinge.
Anschließend sind wir einkaufen gegangen. Nein, nicht shoppen. Wir brauchten ein paar Dinge für die Reise, z.B. Ersatz für die Scheren, die uns die Chinesen abgenommen haben. Und Mückenspray. Um zu dem Einkaufsdistrikt zu kommen, haben wir eine oberirdische Bahn benutzt.
Das zweite Museum des Tages war das Art and Culture Center im Einkaufsdistrikt. Zum Abendessen dann aufgrund eines Tips von einer Freundin von Hea-Jee nochmal Shabu Shabu.
Und hat mir Bangkok gefallen? Klar, es gibt kulturell einiges zu sehen, die Food-Szene ist unüberschaubar vielfältig und es soll auch ein reiches Nachtleben geben. Für junge Leute auf einer Reise ist das bestimmt alles sehr attraktiv. Aber als Lebensraum ist es für mich wenig attraktiv. Zu laut, zu lange Wege in einer unfreundlichen Verkehrssituation. Alt will man hier nicht werden. Das gilt aber für andere sehr große Städte mit einigen Millionen Einwohnern ähnlich.
Hea-Jee:
Ich mag die Menschen in Bangkok. Sie sind freundlich und demütig. Außerdem kommt man überall mit Englisch zurecht. Zwar spricht nicht jeder auf der Straße fließend Englisch, aber es gibt nichts, was man nicht irgendwie regeln könnte, weil man sich nicht verständigen kann. Wahrscheinlich wäre es für Ausländer in Deutschland etwas unbequemer, mit Englisch überall zurecht zu kommen als in Bangkok.
In der vollen U-Bahn stehen die jungen Leute wie selbstverständlich auf, um älteren und hilfsbedürftigen Menschen den Platz anzubieten. Ich sagte Arnd, dass das mich an Korea erinnert, und Arnd antwortete, dass es in dieser Hinsicht sogar besser sei als in Korea.
Die Thailänder scheinen ein natürliches Talent fürs Kochen zu haben. Egal, was man isst, das Essen schmeckt immer hervorragend.
Trotzdem glaube ich nicht, dass ich in Bangkok leben möchte. Es gibt viele Autos und Motorräder auf den Straßen, die Elektrifizierung ist noch nicht weit fortgeschritten, weshalb es laut ist und die Luft schlecht. Der öffentliche Verkehr ist nicht dicht genug, sodass man viel zu Fuß gehen muss, aber die Straßen sind so gestaltet, dass es für Fußgänger schwer ist, sich fortzubewegen.
Früher war es in Seoul auch so. Deshalb dachte ich damals, dass ich dort nicht leben möchte. Aber das heutige Seoul ist anders. Die Straßen sind inzwischen ruhiger, die Luft sauberer. Auch das Verkehrssystem priorisiert nicht mehr nur Autos, das spürt man deutlich.
Deshalb glaube ich, dass die Straßen Bangkoks, sobald sie die stürmische Phase der Entwicklung hinter sich gelassen haben, genauso ruhig werden und saubere Luft bekommen wie die Straßen in Seoul oder in chinesischen Städten. Ich bin überzeugt, dass auch die Straßenführung und die städtebauliche Gestaltung menschlicher ausgeführt werden.Baca selengkapnya
Tag 147 - 148 - Reise nach Kuala Lumpur
19 November 2025, Malaysia ⋅ ☁️ 27 °C
Arnd:
Auf dieser Reise sind wir ständig unterwegs. Heute geht es schon wieder weiter nach Malaysia. Allein bis zur Grenze sind es 900km und in Malaysia dann nochmal 500. Dazu sind wir zunächst in Thailand wieder per Nachtzug 14,5 Stunden bis kurz vor die Grenze nach Hat Yai gefahren.
Um 5:00 machte mein SmartPhone Ping. Ich habe in Deutschland die Gefahrenwarnungen aktiviert und für die Reise nicht ausgeschaltet. In Korea kam da dauernd was, die Koreaner sind sehr mitteilsam. Ich konnte es nicht lesen, aber Hea-Jee konnte. (Hea-Jee: In Korea waren das nicht nur Gefahrenwarnungen, sondern auch Hilferufe an die Bürger. Z.B.: Wir suchen nach einem vermissten älteren Herrn. Er trägt ein weißes T-Shirt und eine blaue Hose. Er ist dement. Wenn Sie ihn sehen, melden Sie sich bitte bei der nächstgelegenen Polizeidienststelle oder unter folgender Nummer.) Hier in Thailnad können wir es beide nicht lesen.
Aber als es heller wurde, gab es eine Vermutung. Draußen regnete es. Ein Blick in den Wetterbericht zeigte, dass da in der Nacht ziemliche Wassermassen runter gekommen sein müssen. Und draußen war die Gegend teilweise überflutet. Wir sind jetzt wohl in den Tropen. Die Temperatur ist aktuell nicht sehr hoch, die Luftfeuchtigkeit aber schon.
Im Bahnhof von Hat Yai wollte ich ein paar Fotos machen, wurde aber schnell darauf hingewiesen, dass ich das nicht soll. Nach gut einer Stunde Aufenthalt hat uns dann ein Nahverkehrszug nach Padang Besar in Malaysia gebracht. Die Grenzformalitäten waren entspannt und gingen sehr schnell. Man muss sich hier allerdings in jedem Land vorher online anmelden und sie wollen auch wissen, wo man am ersten Tag schläft. Man braucht also vorher schon ein Hotel.
Auch die eSIM fürs Internet ist jetzt erstmal einfach. Ich habe welche gekauft, die in Thailand, Malaysia, Singapur und Indonesien gelten. Ich kaufe die hier nur noch bei trip.com, das kostet einen Bruchteil von dem, was westliche eSIM Händler haben wollen.
In Padang Besar mussten wir 3 Stunden auf unseren Zug nach Kuala Lumpur warten. Dieser Zug ist Teil der Hochgeschwindigkeitsstrecke von China nach Singapur (siehe Tag 140). Er braucht allerdings 5 Stunden für die gut 500km. Das liegt wohl auch daran, dass in dieser Gegend die Eisenbahnen traditionell Schmalspurbahnen sind, da kann man nicht so schnell fahren, er fuhr maximal 140km/h. Und das weniger ruhig, als richtig moderne Bahnen bei 300km/h. Aber der Zug ist modern und komfortabel und sicher ein großer Fortschritt. Und wenn ich drüber nachdenke, dann ist das auch gar nicht so schlecht. In Deutschland fährt der ICE ja manchmal deutlich schneller, aber dann bummelt er wieder und so dürfte der Durchschnitt gar nicht so viel schneller sein.
Irgendjemand hatte Hea-Jee den Tip gegeben, dass man, wenn man die Plätze selbst wählen kann, am besten die Plätze ganz vorn nimmt. Da hat man mehr Beinfreiheit. Stimmt, allerdings hatten wir auch kein Fenster. Aber draußen hat es sowieso geregnet.
Die Wikipedia hat mir ein bisschen was über die Länder hier erzählt. Während die nördlichen Länder Laos, Vietnam und Kambodscha einst französisch kolonisiert waren und Thailand dieses Schicksal nie hatte, ist Malaysia aus mehreren englischen Kolonien hervorgegangen. Das hat für uns jetzt den Vorteil, dass man hier gut mit Englisch durchkommt. Die Wikipedia sagt sogar, dass das hier zweite Amtssprache ist.
Zum anderen konnte ich zum ersten Mal bei meinem Welt-Stecker-Ladegerät die englische Stiftvariante benutzen.
Nach der Ankunft im Hotel gegen 18:00 wollten wir schnell noch was essen. Google Maps hat uns dann klargemacht, dass es in unserer Gegend praktisch nur Inder gibt. Das hat aber den Vorteil, dass man da endlich mal was fleischloses essen kann.
Hea-Jee:
Wir sind in Malaysia angekommen. Viele Frauen tragen hier ein Hijab. Genau wie in einigen Regionen Südthailands ist auch dieses Land stark vom Islam geprägt. Mit Laos und Thailand haben wir zuvor Länder erlebt, die tief vom Buddhismus durchdrungen sind. Überall in den Städten begegneten uns Tempel und Mönche. Und besonders oft sah man, wie die Bewohner vor ihren Häusern kleine Altäre aufgebaut hatten, an denen sie Blumen und Räucherstäbchen darbrachten. Die buddhistische Frömmigkeit war im Alltag deutlich zu spüren.
In Laos stellte Arnd mir eine unerwartete Frage:
„Seit wir in Südostasien sind, verbeugst du dich eigentlich nicht mehr vor einer Buddha-Statue. Ich habe gehört, dass der Buddhismus hier ein anderer Zweig ist als in Korea. Liegt es daran?“
„Doch, ich verbeuge mich auch hier – nur nicht immer.“
Auf dieser Reise habe ich mich in jedem Tempel vor dem Buddha in der Haupthalle verneigt. Ich habe Arnd nie dazu gedrängt, und er hatte auch keinerlei Interesse daran. Weil er so gleichgültig wirkte, dachte ich sogar, er hätte gar nicht bemerkt, dass ich mich überhaupt verbeuge.
Arnd schlug vor, ich könnte einmal über die Unterschiede zwischen dem ostasiatischen Buddhismus – wie er in China und Korea praktiziert wird – und dem südostasiatischen Buddhismus schreiben. Schon anhand von Fotos erkennt man sofort die unterschiedlichen Baustile und Buddha-Darstellungen.
Ostasiatische Tempel aus Holz haben meist Dächer und Wände in gedeckten Naturfarben; nur die Holzbalken sind zum Schutz farbig verziert. In Südostasien hingegen sind sowohl die verputzten Wände als auch die Dächer bunt oder sogar mit Blattgold verziert. Tempel und Stupas glänzen, und die oft übergroßen Buddha-Statuen, dick mit Gold bedeckt, strahlen eine eindrucksvolle Erhabenheit aus.
Doch die Unterschiede sind nicht nur äußerlicher Natur. Zwischen beiden Traditionen liegt ein grundlegender Unterschied. In Südostasien herrscht der Theravada-Buddhismus vor, während Ostasien der Mahayana-Tradition folgt. Im 5. Jahrhundert v. Chr. entstand im Norden Indiens auf Grundlage der direkten Lehren des Buddha der frühe Buddhismus. Im Mittelpunkt stand die Gemeinschaft der Mönche, deren Ziel die individuelle Befreiung war.
In den 500 Jahren nach Buddhas Tod wuchs der Buddhismus stark und spaltete sich in zahlreiche Schulen auf. Der Theravada-Buddhismus breitete sich nach Südostasien aus, während der Mahayana-Buddhismus, der im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand, über China nach Korea und Japan gelangte.
Während im Theravada die persönliche Befreiung des Mönchs im Vordergrund steht, betont der Mahayana das Mitgefühl: den Wunsch, anderen Menschen auf ihrem Weg zur Erleuchtung zu helfen. In den Theravada-Buddhismus flossen Elemente des hinduistischen Indien ein, während sich der Mahayana an die chinesische Kultur und Denkweise anpasste.
Arnds Beobachtung, dass ich mich in Südostasien seltener verbeuge, stimmte durchaus. Wenn eine Statue mehrere Arme hat oder stark hinduistisch geprägt ist, verspüre ich einfach keinen Impuls zur Verbeugung.
In Korea wird der Buddhismus heute auf drei Arten praktiziert: als Glaube, als Philosophie oder als Weg der Übung. Mit Jungto-Society habe Ich mich für den Weg der Übung entschieden. Wenn ich mich dreimal vor dem Buddha verneige, dann ist das keine Bitte an einen allmächtigen Gott, sondern ein stiller Vorsatz: die Lehre des Buddha folgend in jedem Moment wach und achtsam zu bleiben, damit mich negative Gefühle nicht mitreißen.
Ob Arnd wohl merkt, dass ich – früher empfindlich und ungeduldig – langsam ruhiger und gelassener werde?Baca selengkapnya
Tag 149 - Kuala Lumpur
21 November 2025, Malaysia ⋅ 🌧 29 °C
Arnd:
Kuala Lumpur war eine sehr positive Überraschung für uns. Die Stadt hat viel zu bieten und ist sehr fotogen. Man kann sich dort sehr gut bewegen. Für größere Entfernungen gibt es ein MRT-Netz, U-Bahnen und Hochbahnen und eine Monorailbahn. Wenn man Zeit hat, läuft man zu Fuß, es gibt viel zu sehen unterwegs und für spezielle Bedürfnisse nimmt man ein Grab (per App bestelltes Taxi). Sprachlich gibt es hier auch wenig Probleme, mit Englisch kommt man sehr gut durch.
Unser erstes größeres Ziel morgens war der Bird Park, dazu gibt es einen extra footprint. Eigentlich hatten wir es etwas eilig, weil der Wetterbericht ab 11:00 möglichen Regen angesagt hatte. Aber wir sind trotzdem einen Teil zu Fuß gelaufen, weil nicht weit von unserem Hotel die Petaling-Straße lag, eine bekannte Einkaufsstraße in Chinatown.
Der Weg zu Fuß dahin wäre in manchen der letzten großen Städten, die wir besucht haben, ein ärgerliches Spießroutenlaufen gewesen. Kaputte, viel zu schmale oder nicht vorhandene Gehwege, keine oder kaputte Ampeln, Angst beim Überqueren von Straßen usw. Hier war das entspannt und es gab auch was zu fotografieren. Denn es gibt hier eine Infrastruktur für Fußgänger und siehe da, es gibt auch Fußgänger, sogar viele, und nicht nur verrückte Touristen aus Deutschland.
Nach dem Birdpark mit Mittagessen wollten wir in ein Museum gehen, da weiterer Regen angesagt war. Um nicht schon wieder die menschliche Frühgeschichte aus Malaysischer Perspektive zu sehen, haben wir uns für ein Kunstmuseum entschieden, die National Art Gallery. Dort ist u.a. eine Dauerausstellung mit einer staatlichen Sammlung von Malaysischer Kunst zu sehen - sehr spannend.
Auf dem Rückweg wäre ich fast in den falschen Wagen der U-Bahn eingestiegen. Ich dachte, die viele rosa Farbe soll anzeigen, dass es hier Plätze für schwangere Frauen gibt, wie in koreanischen U-Bahnen. Nein, hier gibt es Wagen nur für Frauen, und zwar genau in der Mitte des Zuges. Malaysia ist überwiegend Muslimisch. Allerdings gibt es hier alle großen Religionen, Islam, Christentum, Buddhismus und Hinduismus mit nicht unerheblichen Anteilen an der Bevölkerung.
Abends bin ich nochmal allein losgezogen um die Muss-Fotos von den Petronas-Towers zu machen. Das war zwischen 1998 und 2004 das höchste Gebäude der Welt. Noch heute kommen jeden Abend tausende Menschen dorthin um den Ort zu genießen und sich zu fotografieren. Aus etwas größerer Entfernung könnte man das Gebäude für eine Kathedrale halten. Die Kathedrale gehört der Malaysischen staatlichen Erdölförderungsgesellschaft. Das passt doch.
Auf dem Weg dorthin kam ich noch an diesem magischen blau beleuchteten Fluß vorbei, über dem dichter künstlicher Nebel erzeugt wird.Baca selengkapnya

PelancongDie koreanische und japanische Firmen haben die tower gebaut. Die Skybridge ist von den Koreaner.
Tag 149 - Kuala Lumpur Bird Park
21 November 2025, Malaysia ⋅ 🌧 29 °C
Arnd:
Ich sehe mir öfter Youtube Videos von einem Fotographen an, der in Kuala Lumpur lebt und über Kameraausrüstung berichtet, Robin Wong. Hin und wieder testet er Teleobjektive und dazu geht er dann manchmal in den Bird Park. Um mal etwas anderes zu unternehmen, sind wir am späten Vormittag dorthin gegangen.
Der Park hat mehrere Bereiche, die jeweils von riesigen Netzen überspannt sind. Die Vögel haben deshalb sehr viel Raum und können recht frei fliegen. Und wir waren mitten drin.
Ich wollte auch gern meine neue Kamera ausprobieren, die hat nämlich einen speziellen Modus zum Scharfstellen von Vögeln. Der erkennt recht zuverlässig Vögel, findet deren Augen und stellt darauf scharf.
Da ich auf unserer Reise keine große Fotoausrüstung mitnehmen kann, habe ich ein sehr kompaktes Kamerasystem. Darin ist ein gutes Objektiv für normale Dinge, eine ziemlich kleine Festbrennweite 35mm mit Lichtstärke 1,8, das ich für Nachtaufnahmen verwende und ein einfaches Telezoomobjektiv, das mir bei sehr geringen Maßen und wirklich sehr geringem Gewicht eine Brennweite von 300mm (äquivalent ) liefert und das habe ich hier eingesetzt. Manchmal bin ich auf Fotos mit einer Bauchtasche zu sehen. Das ist meine komplette Fotoausrüstung.
Der Wetterbericht hatte ab 11:00 möglichen Regen vorausgesagt. Am Ende unseres Besuchs um 13:00 sind wir in ein Restaurant im Park gegangen, das auf einer Anhöhe lag. Während wir da aßen, begann draußen einen Wolkenbruch, Nachdem wir fertig gegessen hatten, haben wir uns an einen Tisch auf der Veranda gesetzt und uns den Regen angeschaut. Auf dem Geländer saßen zwei sehr entspannte Vögel und warteten mit uns den Regen ab.Baca selengkapnya
Tag 150 - Fahrt nach Singapur
22 November 2025, Malaysia ⋅ 🌧 27 °C
Arnd:
Ich hatte vor längerer Zeit kontrolliert, ob ich die Züge in Malaysia sehr früh buchen muss. Ich probiere dann immer, ob ich für morgen oder übermorgen noch was bekommen würde. Für Malaysia sah das immer gut aus. Man könnte natürlich immer lange im voraus buchen, aber dann wird man sehr unflexibel und wenn mal was schief geht, dann verliert man auch einiges an Geld.
Als ich dann endlich wirklich die Züge gebucht habe, sah es erstmal auch gut aus. Der Zug nach Kuala Lumpur war kein Problem. Von Kuala Lumpur nach Singapur muss man noch einmal in Gemas umsteigen und der letzte Zug von Gemas an die Grenze zu Singapur ist wohl einfach kleiner, als die davor. Jedenfalls war der ausgebucht. Erst am nächsten morgen wäre es weiter gegangen.
Also habe ich erstmal den Zug für den nächsten morgen gebucht und mich dann auf die Suche nach einem Hotel gemacht. Aber in Gemas habe ich online kein Hotel gefunden. Erst dann kam mir die Idee, mal nach Bussen zu schauen. Das gab es noch. Zum Glück konnte ich die Züge in Malaysia stornieren. Allerdings habe ich jetzt nur ein Guthaben bei der Malaysischen Bahn.
Der Bus fuhr nicht in der City ab, sondern in etwa 15km Entfernung. Da fuhr aber eine S-Bahn hin. Und das war sehr interessant. Der Großraum Kuala Lumpur besteht wohl aus einer Reihe von Unterzentren und dazwischen lagen Bereiche mit Bebauung mit kleinen Häusern und sehr viel Bäumen. Es war schön anzusehen. Auf dem Weg zum S-Bahnhof kamen wir an einem hinduistischen Tempel mitten in der Stadt vorbei.
Von der Haltestelle bis zum Busbahnhof waren es dann 500m zu Fuß. Das sind wir komplett in einer Mall gelaufen, also einem Einkaufszentrum. Es war sehr modern und wohl für die Malaysische Mittelklasse gebaut. Es könnte genau so auch in einem reichen Land stehen. Wir hatten viel Zeit und haben uns noch etwas gestärkt.
Der Bus war auch sehr komfortabel mit einer 2+1 Bestuhlung, also links waren Einzelplätze und rechts Doppelplätze. Zunächst mussten wir einmal quer durch den Großraum Kuala Lumpur. Aus dem Bus sah das aus, wie futuristische Stadtszenen aus dem frühen 20. Jhdt.
Auf Stelzen stehende Hochstraßen und Bahnlinien kreuzten sich in mehreren Ebenen. Rechts und links ragten Hochhäuser in den Himmel.
Dann kamen wir endlich in ländliche Bereiche. Erst freute ich mich über die Palmenwälder rechts und links. Aber irgendwann fiel mir auf, dass das Plantagen waren. Die Bäume standen alle in Reih und Glied. Kokospalmen waren es nicht, also können es eigentlich nur Ölpalmen gewesen sein. Und diese Wälder erstreckten sich bis zum Horizont. Was da wohl früher mal war?
Die Ausreise aus Malaysia und die Einreise nach Singapur waren auch ganz futuristisch. Wir haben keinen Grenzbeamten zu Gesicht bekommen. Man lief durch eine Schleuse, musste seinen Pass auf einen Scanner legen, einmal in eine Kamera blicken und einmal den Daumen auf einen Fingerabdruckscanner legen. Dann war man durch. Jetzt haben wir keinen Ausreisestempel aus Malaysia und gar keinen Stempel aus Singapur in unseren Pässen. Schade.
Heute sind wir am Äquator angekommen. Singapur liegt ziemlich genau drauf.Baca selengkapnya
Tag 151 - Singapur
23 November 2025, Singapura ⋅ ☁️ 29 °C
Arnd:
Der erste Tag in Singapur sollte laut Wetterbericht trocken sein, während für Tag zwei Regen angesagt war. Also sind wir erstmal in die Gardens by the Bay gegangen, ein muss für Singapurtouristen. Den Park selbst kann man kostenlos betreten, es gibt aber ein paar besondere Angebote, für die man zahlen muss. Die Hauptattraktion sind zwei spektakuläre Gewächshäuser. Das haben wir auf den zweiten Tag verschoben. Für heute haben wir die Aussichtsplattform auf einer dieser künstlichen Baumstrukturen gewählt. Dort konnte ich einige schöne Fotos machen.
Auf der einen Seite lag das Marina Bay Sands Hotel, dieser Dreichfachturm mit Steg oben drauf. Da muss eigentlich auch jeder Tourist rauf. Das haben wir uns aber gespart. Nach den Gärten sind wir um das Hotel herum in Richtung Bay gelaufen und dann über die „The Helix“ genannte Brücke in Richtung einer U-Bahn Station gegangen. Dann war es Mittag.
Ein anderes Thema, das wir hier anschauen wollten, sind die neuartigen grünen Gebäude. Wenn man in den Medien was über Singapur hört, dann gern, dass hier die Stadtbegrünung sehr fortschrittlich ist. Hea-Jee hat ChatGPT danach gefragt und einige sehr konkrete Tips bekommen. Wir haben das auf der Karte gesucht und dann einen Weg geplant, wie wir mehrere dieser Gebäude besuchen können.
Das erste Ziel war ein Flop. Es war einfach ein ziemlich dunkles Hochhaus mit einem grünen Innenhof. Es lag in Downtown. Downtown in Singapur ist, wo die Banken ihre Hochhäuser stehen haben. Weil Sonntag war, war dort fast niemand und die meisten Restaurants waren geschlossen.
Ich wähle mittlerweile unsere Hotels auch nach dem Frühstück aus. Und das bietet häufig eine sehr große Auswahl. Ich kann dann so viel essen, dass ich eigentlich erst abends wieder Hunger bekomme, aber Hea-Jee braucht mittags noch eine Stärkung.
Da Hea-Jee jetzt wegen Hunger sehr unglücklich wurde sind wir schnell geflohen und haben eine Gegend angesteuert, die auf meiner Karte so aussah, als ob es da was zu essen gibt. Das war China Town. Nachdem wir endlich was zu essen gefunden hatten, haben wir unsere Suche nach grünen Gebäuden fortgesetzt. Der zweite Kandidat hatte schon etwas mehr Grün an der Fassade, aber echt spektakulär fanden wir das auch nicht, waren enttäuscht und haben die Suche nach diesen Gebäuden beendet.
Statt dessen sind wir noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen und haben am Fluss ein nettes Viertel entdeckt. Richtig, Singapur hat einen Fluss, und man kann sogar mit Schiffen darauf fahren! Singapur liegt auf einer nicht sehr großen Insel. In diesem Viertel gab es eine Reihe von Sonnenschirmen, die die Straße beschatten. Und unter den Sonnenschirmen hingen designmäßig schön integrierte Gebläse, die einen feinen Nebel verteilt haben, der den öffentlichen Raum gekühlt hat. Vielleicht werden wir sowas in überhitzten Städten in Zukunft öfters sehen.
Abends sind wir dann nochmal zur Bay gefahren. Dort wird täglich eine recht spektakuläre Wasser- und Lichtschau gezeigt. Auf der anderen Seite der Bay, hinter der Show, ragten die Hochhäuser in den Himmel. Oben dran stand jeweils, welche Bank da drin sitzt. Der Reichtum hier beruht auf Handel und Finanzwirtschaft. Kleine Länder locken die Finanzwirtschaft ja gern mit Niedrigsteuern an. Ich finde, Banken sollen den Menschen dienen und sich nicht so in den Vordergrund drängen.
Hea-Jee:
Ich dachte eigentlich, dass ich über unseren ersten Tag in Singapur nicht viel zu schreiben hätte. Aber nachdem ich Arnds Eintrag gelesen habe, ist mir doch einiges eingefallen. Unterschiedliche Perspektiven! „So habe ich es gesehen!“
So habe ich es gesehen!:
Seit wir unterwegs sind, kommt mir Arnds Bauch ein bisschen runder vor, also habe ich ihn ab und zu angefasst. Vielleicht hat es ihn selbst auch beschäftigt, denn plötzlich gab er mir die Schuld. Ich würde ihm ständig meine übriggebliebenen Essen anbieten, meinte er, und weil er so viel essen müsse, komme jetzt sein Bauch raus. Und dann sagte er heute plötzlich, dass wir ab sofort kein Mittagessen mehr essen sollten. Überrumpelt habe ich zugestimmt – immerhin geht es um die Gesundheit meines Mannes.
Nach einer Weile wurde ich aber hungrig, und mit sinkendem Blutzucker wurde auch meine Laune schlechter. Ich bin jemand, der nicht nur ein Mittagsessen braucht, sondern auch einen Snack zwischen Frühstück und Mittagessen, damit ich mich wohlfühle. Auf Reisen fällt meinen Snack aber ständig unter den Tisch. Arnd isst ja große Portionen auf einmal und versteht nicht, wie jemand wie ich lieber oft und kleine Mengen isst.
Vielleicht hält er es auch einfach für eine schlechte Angewohnheit. Wenn ich auf Reisen Hunger habe, sagt er: „Halte noch ein bisschen durch, beim Mittagessen kannst du dann richtig viel essen. Wenn wir so oft Pause machen, wann wollen wir dann noch etwas anschauen?“
Eigentlich sind wir so verschieden, dass wir uns ständig streiten könnten. Aber dauernd zu streiten macht ja auch keinen Spaß. Also haben wir uns angewöhnt, außer bei wirklich wichtigen Themen nicht endlos zu diskutieren, sondern uns ungefähr in der Mitte zu treffen. Jedenfalls hat mich die plötzliche Ankündigung, das Mittagessen zu streichen, innerlich zerrissen: Einerseits wollte ich mich seinem Gesundheitsplan zuliebe darauf einlassen, andererseits fühlte ich mich einfach unwohl. Und wenn man dieses Gefühl einfach so stehen lässt, wird daraus schnell Wut.
Aus meiner Achtsamkeitsübung bei Jungto weiß ich: Man muss die Dinge so sehen, wie sie wirklich sind, und seine Gefühle bemerken, bevor sie zu Wut werden. Also habe ich die Situation im Kopf schnell sortiert: „Arnd will aus Gesundheitsgründen kein Mittagessen. Gut! Ich will aus Gesundheitsgründen doch Mittag essen. Gut! Er hat die Freiheit, nicht zu essen, und ich habe die Freiheit, zu essen. Gut! Ich bin gerade dabei, ihm vorzuwerfen, dass er nicht so denkt wie ich. Das ist diktatorisch. Es gibt keinen Grund, wütend zu werden. Ich muss nur klar kommunizieren.“
Also sagte ich zu Arnd: „Ich bin gerade echt hungrig. Wenn ich jetzt nichts esse, bekomme ich richtig schlechte Laune.“ Arnd verstand sofort und begann, nach einem Restaurant zu suchen. Als wir endlich eines fanden und hineingingen, hatte er dann doch das Gefühl, auch etwas bestellen zu müssen. Also aß er am Ende doch Mittag. Irgendwie hatten wir beide das Gefühl, ein bisschen verloren zu haben.
Hätten wir irgendeinen Street-Food-Stand am Straßenrand oder einen Snack-Bereich in einem Einkaufszentrum gefunden, wäre es viel einfacher gewesen. Dann hätte ich allein schnell etwas essen können. Beim nächsten Mal werde ich auf jeden Fall vorher dafür sorgen, dass ich unterwegs etwas zum Knabbern dabeihabe.Baca selengkapnya
Tag 152 - Singapur
24 November 2025, Singapura ⋅ ☁️ 29 °C
Arnd:
Der Wetterbericht hat sich geändert, auch heute kein Regen. Aber wir bleiben bei unserem Plan und gönnen uns erstmal die 30€ pro Kopf für den Eintritt in die beiden Gewächshäuser in den Gardens by the Bay. Auf dem Schild stand noch irgendwas mit Dinosauriern.
Auf dem Weg dorthin kamen wir in einer U-Bahnstation durch einen breiten Spiegelgang. Rechts und links bestand die Wand teilweise aus Spiegeln, so dass man sich vielfach sehen konnte. Dort hatten sich ein paar junge Leute getroffen, um einen Tanz zu trainieren.
Die Gewächshäuser sind riesig, interessant geformt und mit modernen Bautechniken errichtet. Ich hatte die Befürchtung, dass es drinnen noch heißer sein würde, als draußen. Als wir das erste Gewächshaus betraten wurde aber sofort klar, dass es kühler ist, als draußen und zwar so deutlich kühler, das wir Sorge hatten, zu dünn angezogen zu sein. Der Grund dafür ist einfach. Die Singapurianer wollen auch exotische Pflanzen sehen. Da sie aber selbst auf dem Äquator wohnen heißt das, Pflanzen aus gemäßigteren Breiten, und die brauchen eher kühlere Temperaturen. Irgendwo stand ein Plakat, dass sie versuchen, das Kühlen mit umweltfreundlichen Methoden zu machen.
Im ersten Gewächshaus also exotische Pflanzen. Die Gärtner dort haben wohl eine Vorliebe für Baobabs, in Deutsch auch Affenbrotbäume genannt. Ich wusste nur, dass es die in Afrika gibt. Hier hatten sie aber auch welche aus anderen Weltgegenden, z.B. auch aus Australien.
Im zweiten Gewächshaus gab es einen Nebelwald und darin hatten sie lebensgroße Dinos platziert, wohl für das Kind im Menschen. Gleich am Eingang stand man unten an einem riesigen Wasserfall. Sie wollten zeigen, dass die Pflanzen in den oberen Stockwerken ihr Wasser aus dem Nebel beziehen. Deshalb mussten wir Besucher eine Tour über freischwebende Wege machen, die uns von ganz oben wieder nach unten brachten, wobei der Nebel immer dichter wurde. Beide Gewächshäuser waren wirklich sehr eindrucksvoll und wir sind ziemlich lang dort gewesen.
Unser zweites Ziel für heute war ein Museum mit dem interessanten Namen Museum für Asiatische Zivilisationen. Wir sind erst ein Stück U-Bahn gefahren. Wir wussten von der Karte, dass wir am Ausgangs B rausgehen mussten. Der Ausgang B lag aber in einer unterirdischen Mall und dort haben wir uns so gründlich verlaufen, dass wir am Ende ganz woanders rauskamen. Wir kamen dann bei der Saint Andrew‘s Cathedral vorbei - interessante Farbgebung.
Im Museum ging es natürlich mehr um die südostasiatische Perspektive. Dort gab es die zweite, die maritime Seidenstraße. Auf dem Weg, den auch wir von Singapur nach Jakarta nehmen werden, hat man ein Schiffswrack aus dem 8. Jhdt. entdeckt. Aus der geborgenen Ladung konnte man viel lernen über den damaligen Fernhandel. Der verband China mit Indien und dem arabischen Raum, von wo die Waren weiter bis nach Europa gehandelt wurden. In Südostasien, wo alles durchging, sind dadurch Handelszentren entstanden.
Wir konnten an einer Führung in einer Sonderausstellung im Museum teilnehmen. Das Thema waren Spiele. Spannend, wo die großen weit verbreiteten Spiele eigentlich herkommen und wie sie ausgesehen haben. In Deutschland kennen wir ja ein Spiel mit Namen Mensch ärgere dich nicht. Das ist eine versimplifizierung des über die ganze Welt verbreiteten ursprünglich indischen Chaupar.
Das Spielbrett von Chaupar war gern aus Stoff hergestellt in Form von zwei sich kreuzenden Streifen. Nach dem Spiel konnte man die Figuren darin einwickeln und das ganze klein verstauen.
Statt eines Würfels hatte man 7 Kaurimuscheln. Wenn man die wirft, fallen sie auf eine von zwei Seiten. Entweder ist die offene Seite oben, oder die geschlossene. Man zählt, wieviele offene Seiten oben liegen und daraus ergibt sich, wie weit man seine Figuren bewegen darf. Die Regeln dazu sind aber ziemlich kompliziert.
Beim Schach hatten sie das ursprünglich indische Spiel, aus dem das moderne Schach hervorgegangen ist, dem chinesischen Schach gegenüber gestellt. Das indische hat sich global durchgesetzt. Die Ausstellung begründet das damit, das man für die chinesische Variante die chinesische Schrift lesen können muss.
Abends konnte Hea-Jee endlich Singapur-Krebs essen. Das hatte sie im Internet entdeckt, wahrscheinlich wieder bei ChatGPT. Das ist auch so ein Ding für Touristen und ziemlich teuer. Wir hatten das in verschiedenen Restaurants gesehen, darunter auch welche an der Bay Front, der wahrscheinlich teuersten Ecke in Singapur. Aber auch in China Town. Also sind wir nach China Town gefahren und Hea-Jee hat sich ins erste Restaurant gestürzt, wo es das gab. Das war ein Inder. Singapur ist wirklich multikulturell. Es war ihr aber lieber, als beim Chinesen, weil da dann evtl. Szechuanpfeffer drin gewesen wäre.
Hea-Jee:
Ich wusste zwar, dass Singapur ein wohlhabendes Land ist, aber dass es 2025 beim BIP pro Kopf nach Kaufkraftparität weltweit auf Platz zwei liegt (auf Platz eins steht Luxemburg), das war mir neu. Wenn man durch die Straßen läuft, fallen einem allerdings weniger die Hochhäuser ins Auge als vielmehr die vielen zweistöckigen Wohnhäuser im viktorianischen Stil. Sie prägen das Stadtbild stärker und wirken eher bodenständig und nostalgisch als protzig.
Diese alten Wohnhäuser scheinen unter Denkmalschutz zu stehen und sind in hübschen, fast märchenhaften Farben gestrichen. Die Farbpalette ist zwar bunt, doch die Formen ähneln sich erstaunlich – als wären sie aus einer Schablone gestanzt. Nur an breiteren Straßen haben die Häuser im ersten Stock einen Balkon, wodurch sie sich von denen in den schmalen Gassen unterscheiden.
Ich war neugierig, wie traditionelle singapurische Häuser ausgesehen hatten, also aus der Zeit vor der britischen Kolonialherrschaft – aber ich fand keine. Vielleicht liegt das daran, dass Singapur historisch gesehen lange ein abgelegener, wenig entwickelter Randbereich Malaysias war und es deshalb keine repräsentativen historischen Wohnhäuser gab, die man hätte bewahren können? Bis zur Abspaltung von Malaysia in 1965 soll Singapur eine arme Insel gewesen sein, geplagt von Malaria.
Umso erstaunlicher ist der rasante Aufstieg innerhalb weniger Jahrzehnte. Geld allein erklärt das nicht; selbst einem vorbeiziehenden Reisenden fallen viele positive Seiten der Gesellschaft ins Auge. Jugendliche tanzen ohne Scheu vor den Spiegelwänden der U-Bahn-Stationen, irgendjemand setzt sich zwischendurch an ein öffentliches Klavier und spielt, und die Vielfalt der Ethnien, Religionen und Kulturen, die hier friedlich zusammenleben, wirkt beeindruckend.
Am meisten hat mich jedoch das Verhalten der Menschen in der U-Bahn beeindruckt. Die Bevölkerungsdichte soll extrem hoch sein, und tatsächlich sind die Züge oft brechend voll. Trotzdem wird die Regel, erst aussteigen zu lassen und dann einzusteigen, konsequent eingehalten. Menschen, die an den Türen stehen, treten automatisch beiseite, um den Aussteigenden Platz zu machen. Am bemerkenswertesten war für mich, dass trotz der Enge niemand genervt oder aggressiv wirkte – die Leute blieben ruhig und gefasst. Plätze für Kinder, Ältere, Menschen mit Behinderung oder Schwangere wurden ganz selbstverständlich freigemacht.
Man könnte meinen, Englisch sei die eigentliche Amtssprache, so gut sprechen viele junge Leute es. Wir hatten jedoch einige Mühe, ihre Aussprache zu verstehen. Sie reden schnell und mit einem eigenen Akzent, und mit unserem altersbedingt eingeschränkten Hörvermögen konnten wir ihnen nicht immer folgen.
Vielleicht verspüren die Menschen hier auch wenig Sehnsucht nach einer vollständigen liberalen Demokratie, wenn sie durch einen weisen und integren Autokraten zu solchem Wohlstand gekommen sind. Aber da der derzeitige Premier der Sohn des vorherigen Premiers ist, frage ich mich, wie lange die Bürger im 21. Jahrhundert diese Form der Machtvererbung akzeptieren werden. In einer relativ ausgeglichenen Gesellschaft mag das möglich sein, doch ich bin gespannt, wie dieses Land künftig mit der weltweit zunehmenden sozialen Ungleichheit umgehen wird.Baca selengkapnya
Tag 153 - Kurzer Status (Nachtrag)
25 November 2025, Indonesia ⋅ ☁️ 29 °C
Arnd:
Wir sind in Indonesien angekommen, in der kleinen Stadt Batam gegenüber von Singapur. Hier wird morgen unser Schiff starten, das uns nach Jakarta auf der Indonesischen Hauptinsel Java bringen wird.
Wir wollen diesen Weg nehmen, weil die Alternative eine mindestens dreitägige Busreise durch Sumatra wäre, plus zwei kürzere Fährschifffahrten. Da erscheint die eine Fähre mit 30 Stunden Fahrzeit doch angenehmer.
Dieser Weg von Singapur nach Jakarta hat mich bei der Planung die meiste Zeit gekostet und den größten Stress verursacht, denn man findet fast keine Informationen dazu, man kann die Tickets nicht online kaufen und es ist alles kompliziert.
Man könnte sie schon kaufen. Es gibt eine App, die kann Englisch, man kann sein Ticket auswählen und alle Daten eingeben. Nur bezahlen kann man dann nicht, weil dazu müsste man eine indonesische Bankkarte haben.
Also muss man das Ticket in einem Ticketbüro in Indonesien persönlich kaufen. Das Ticketbüro liegt 15km vom Hafen in Batam entfernt. Man weiß nicht, ob es noch Platz gibt auf dem Schiff, also reist man auf Verdacht dorthin. Man weiß nicht, ob man da per Kreditkarte bezahlen kann. Also nimmt man genug Bargeld mit. Und muss dann lernen, dass man nur mit Kreditkarte bezahlen kann.
Auch die Einreisebestimmungen nach Indonesien sind offiziell besonders kompliziert. Aber heute hat alles geklappt. Wir durften recht unkompliziert einreisen und wir haben die Tickets.
Die Überfahrt dauert 30 Stunden und ist komplett ohne Internet. Da können wir viel schreiben.
Hea-Jee:
Gestern sind wir in der indonesischen Hafenstadt Batam angekommen. Alles verlief genauso, wie Arnd es nach langer Recherche und vielen Überlegungen geplant hatte. Wir haben früh am Tag im luxuriösen Swissôtel eingecheckt – angeblich jenem Hotel, in dem der YouTuber übernachtete, von dem Arnd die Hinweise zu dieser Reiseroute bekommen hatte.
Zur Mittagszeit sagte ich, dass ich Hunger hätte. Arnd meinte jedoch, er sei nicht hungrig und müsse sich eigentlich um die Vorbereitung unserer Australienreise kümmern, weshalb er gerade keinen Kopf fürs Essen habe. Also erklärte ich sofort, dass ich dann eben allein essen gehe, und machte mich auf den Weg aus dem Hotel.
Da wir die Schiffstickets mit Karte bezahlt hatten, hatten wir noch reichlich Bargeld übrig. Voller Neugier lief ich also die Straße entlang, schaute in die vielen kleinen Restaurants und spazierte weiter bis ans Meer. Heute würde ich wieder Krabbe essen – so viel war klar. Als ich gestern endlich meinen lang ersehnten Chili-Crab bekam, war das Erlebnis aus verschiedenen Gründen etwas unbefriedigend geblieben. Das wollte ich heute unbedingt nachholen.
Ich setzte mich auf die Terrasse eines Restaurants, das direkt über dem Wasser gebaut war, und bestellte gedämpfte Blumenkrabben. Die kleine Portion bestand aus zwei Tieren à 300 Gramm. Die kleineren Krabben haben weniger Fleisch und machen dafür mehr Arbeit, aber da ich allein war, konnte ich mich ganz aufs Knacken und Essen konzentrieren – und das befriedigte mich zutiefst.
Am nächsten Morgen war das Frühstück luxuriöser als in jedem Hotel, das wir bisher erlebt hatten. Wie der YouTuber es empfohlen hatte, fuhren wir vor der Abfahrt mit dem Taxi zu einem großen Einkaufszentrum und kauften Proviant für die Schiffsreise. Und das Wichtigste: Wir kauften ein kleines Spielzeugauto für unser Finn. Immer wieder musste ich daran denken, wie das Kind in letzter Zeit so klar und deutlich „car“ sagen gelernt hatte.Baca selengkapnya
Tag 154, 155 - Schiffsreise nach Jakarta
26 November 2025, Indonesia ⋅ ☁️ 28 °C
Arnd:
Unser Schiff fährt um 16:00 ab, aber wir sollen schon um 13:00 dort sein. Morgens können wir also noch etwas einkaufen gehen, damit wir unterwegs was zu essen haben, falls das Kantinenessen uns gar nicht zusagen sollte.
Unser Hotel lag zwar gar nicht so weit vom Terminal entfernt, aber wir sind dann doch lieber mit dem Grab-Taxi gefahren. Der erste Fahrer, der sich gemeldet hat, hat die Fahrt nach ein paar Sekunden wieder storniert, sein Auto sei nicht geeignet für die Strecke. Wahrscheinlich wusste der einfach, dass er 20 Minuten im Stau stehen würde.
Es war aber gut, dass wir das Taxi genommen haben, denn die Strecke war staubig und häßlich. Am Terminal lief dann alles ruhig. Wir bekamen unsere Boardingkarte und mussten mehrfach in großen Hallen warten, bis es weiter ging. Irgendwann wurde dann der Zugang zum Schiff eröffnet und ein Strom von Menschen machte sich auf den Weg, quetschte sich durch den einen winzigen Eingang und in die Schlafsäle.
Unser Weg ging dann mehrere Stockwerke nach oben, denn wir hatten erste Klasse gebucht und einen eigenen Raum. Die Leute schlafen auf dem Schiff aber auch in den Gängen und auf den Treppenabsätzen.
Die Kabinen der ersten und zweiten Klasse liegen an langen Gängen. Die meisten Kabinen bleiben leer. Wer es sich leisten kann, wählt heute wohl den Flieger. Ein Vorteil der ersten und zweiten Klasse ist, dass man vier Mahlzeiten bekommt. Im Internet hieß es dazu mehrfach, dass das fast ungenießbar sei. Das stimmt so aber nicht. Es ist sehr einfach, aber man kann es essen und wird satt. Allerdings variiert es von Mahlzeit zu Mahlzeit auch nur minimal. Länger möchte man das nicht haben.
Wir hatten uns zwei koreanische Ramions mitgenommen, Instantnudeln. Dafür braucht man aber kochendes Wasser, was wir auf dem Schiff nicht gefunden haben. Man kann diese Instantnudeln auf dem Schiff auch überall kaufen und die Händler haben natürlich heißes Wasser. Aber das sind dann indonesische Instantnudeln und ob die einer Koreanerin schmecken würden?
Das Schiff, die KM Kelud, ist auf der Mayerwerft in Papenburg, Deutschland gebaut. Die Fahrt ist sehr ruhig, vom Motor hört und spürt man fast nichts und es schaukelt nur sehr wenig und sehr langsam, auch weil es auf dem Meer fast keine Wellen gibt. Weiter unten im Schiff hört man den Motor aber doch lauter.
Dass wir kein Internet haben, stimmt auch nicht ganz. Wir können meist am Horizont Land sehen und haben auch ganz schwachen Empfang. Meist fließen aber keine Daten. Was uns verwundert ist, dass die anderen Passagiere alle Internet zu haben scheinen. Es gibt ein offenes WLAN im Schiff, aber da bekommen wir keine Verbindung.
In der Kabine gibt es einen Lautsprecher, durch den öfters mal Ansagen kommen. Leider nur in Indonesisch. Und morgens um 5:00 ruft der Muezzin. Der Lautstärkeregler ist abgeklemmt.
Während der Reise werden die Wellen dann doch etwas höher und gegen Ende der Reise wird es Hea-Jee etwas unwohl. Sie hat lange am Schreibtisch gesessen und konzentriert am Computer gearbeitet. Das war wohl nicht optimal.
Das Schiff sollte um 22:00 ankommen. Es hat dann doch eine Stunde länger gedauert. Als die Tür sich öffnete ergossen sich 1000 Menschen durchs Fährterminal auf den Vorplatz und wollten einen Transport haben. Mehrere Taxifahrer haben uns angesprochen, aber wir wollten lieber ein Grab haben. Das ist einfacher, wenn man nicht indonesisch spricht. Ich hatte mir aber schon gedacht, dass das in dem Gewusel nicht funktionieren kann. Tatsächlich hat sich kein Fahrer gemeldet.
Als wir so da standen und warteten sprach uns noch ein Taxifahrer an, diesmal in gutem Englisch. Wir fragten, wieviel er haben will, es war 2,5 mal so viel, wie Grab berechnet hatte. Aber um 23:30 ist nicht mehr die Uhrzeit, um in diesem Chaos Fahrtkosten zu optimieren. Also haben wir es gemacht. Im Nachhinein ist der Preis wahrscheinlich auch gerechtfertigt. Der Fahrer war sicher schon seit 2 Stunden da und hat gewartet, sein Auto war ordentlich ganz in der Nähe des Ausgangs geparkt.
Ich hatte das Hotel schon vorgewarnt, dass wir spät kommen. Fast alle Hotels auf unserer Reise hatten aber einen 24 Stunden Rezeptionsservice, so auch dieses. Wir wurden freundlich empfangen und sind dann bald schlafen gegangen.
Hea-Jee:
Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich freute, mit diesem Schiff zu fahren. Ich bin Arnd dankbar, weil er lange überlegt und viel Mühe investiert hat, damit diese Reise klappt. Und es war einfach klasse, beim Essen, Schlafen und Ausruhen ganz nebenbei eine weite Strecke zurückzulegen – das war in vieler Hinsicht ein Vorteil.
Arnd sagte mir, dass bis zu 1000 Personen auf diesem Passagierschiff mitfahren können, und tatsächlich waren unglaublich viele Menschen an Bord. Die meisten waren Einheimische.
Beim Einsteigen wurde es ziemlich chaotisch, weil alle gleichzeitig drängten. Aber immerhin gab es nicht dieses massenhafte Vordrängeln wie in China. Vielleicht drängeln hier etwa zehn Prozent der Leute vor? Das entspricht ungefähr dem Niveau in Deutschland. Interessant ist, dass niemand hier wütend wurde oder schimpfte, selbst wenn jemand sich vordrängelte. In Deutschland ärgerte mich das jedes Mal, aber hier nahme ich es einfach hin. Ich fand es selbst etwas merkwürdig. Dieses Phänomen des kollektiven Vordrängelns, das ich nur in China erlebt habe, wäre wirklich ein Forschungsthema.
Die Einheimischen trugen größtenteils schlichte, abgenutzte Kleidung und schleppten schweres Gepäck mit sich. Eine Mutter hatte ihr Baby auf dem einen Arm und trug mit der anderen Hand einen riesigen Koffer. Viele sahen müde vom Leben aus, aber nie gereizt oder aggressiv. Und wie freundlich sie spontan lächelten, sobald sich die Blicke begegneten!
Auf dem Deck standen oder hockten die Männer dicht an dicht, um zu rauchen. Einige sprachen uns auch an. Ein Mann unterhielt sich kurz mit uns, zückte dann plötzlich sein Smartphone und startete einen Videoanruf mit seiner Tochter. Dabei stellte er uns ihr als seine deutschen Freunde vor, hielt uns das Display hin und wollte, dass wir mit ihr reden. Arnd sprach, sie sei hübsch und fragte nach ihrem Alter. Diese lustigen Menschen!
Da viele Menschen in diesem Land Muslime sind, wurden wir nachts zweimal durch Gesänge aus dem Lautsprecher geweckt, die zum Gebet aufriefen. Aber dabei habe ich auch eine positive Seite eines islamisch geprägten Landes entdeckt: Alkoholverbot. Obwohl es so viele Menschen auf engem Raum waren, gab es niemanden, der betrunken war oder herumkrakelte. Alle sprachen und benahmen sich ruhig miteinander.
Die Menschen, die wir in diesem Land begegneten, waren überwiegend sanft und freundlich. Und sie lachten viel. Wenn sie uns sahen, grüßten sie uns immer zuerst mit einem Lächeln. Und untereinander scherzten sie ebenfalls, lachten laut, stupsten sich wie Kinder an und hatten einfach Spaß.
Ich hatte einiges an Schreibarbeit vor mir und wollte alles auf dem Schiff erledigen, bekam aber Seekrankheit. Arnd meinte, wenn ich im Bett liege und schreibe, würde mir nicht schlecht. Aber da mir schon übel war, half das nicht mehr viel. Am Ende erledigten wir alles so, dass ich im Bett diktierte und Arnd mitschrieb. Er korrigierte dabei auch gleich die Grammatik, und wir kamen erstaunlich schnell voran. Besser als mit ChatGPT. Arnd beschwert sich oft, ich würde ChatGPT zu sehr mögen. Aber ich mag ChatGPT, nicht weil es besser wäre als Arnd, sondern weil es immer sofort macht, was ich ihm sage.
Die 30 Stunden auf dem Fährschiff waren insgesamt eine wirklich gute Sache. Nur das extreme Gedränge beim Ein- und Aussteigen war unangenehm. Wenn man in einem engen Raum eingeklemmt stand und immer mehr Menschen nachkamen, sodass das Atmen schwerfiel, erinnerte mich das unweigerlich an die Tragödie von Itaewon.Baca selengkapnya

Meine Eltern wären fast nach Papenburg gezogen. Wir haben sogar schon ein Haus angesehen. Friedrich ||. hat da überwiegend entlassene Strafgefangene angesiedelt. Diese Vergangenheit hängt der "Stadt" noch ein wenig an... (;-)! [Gert]

PelancongIch habe auch an dich gedacht und mich gefragt, wie weit wohl Meppen von Papenburg entfernt ist. Über die Strafgefangenen dort wusste ich nicht, ich finde es aber ‚funny‘!
Tag 156 - Jakarta
28 November 2025, Indonesia ⋅ ☁️ 32 °C
Arnd:
Das Schiff hat uns nach Jakarta gebracht. Aber alles, was ich über diese Stadt gehört habe, hat bei mir den Impuls ausgelöst, dort nicht bleiben zu wollen und gleich am nächsten Tag weiter zu fahren. Aber Hea-Jee meinte, einen Tag sollte man sich das doch anschauen. Und das war auch ganz gut.
Morgens habe ich in der deutschen Zeitung gelesen, dass es in einigen Gegenden in Südostasien große Überschwemmungen mit vielen Opfern gegeben hat. Unter anderem in Südthailand in der Gegend von Hat Yai. Dort sind wir durchgefahren und im Footprint 147/148 habe ich schon über Überschwemmungen dort und eine Warnung im SmartPhone berichtet. Aber dass es so dramatisch wird, haben wir nicht gesehen. Auf der Schiffsreise haben wir davon nichts mit bekommen. Allerdings war morgens auf Deck alles nass. Es hatte also möglicherweise nachts geregnet.
Für den Aufenthalt in Jakarta habe ich ein Hotel gesucht, das möglichst nah am Bahnhof ist und auch gute Verbindungen zu den Gegenden hat, die man sich vielleicht anschauen möchte.
Im Museum für Asiatische Zivilisationen in Singapur hatten wir ja eine Ausstellung über Brettspiele gesehen. Die endete mit einem Blick auf aktuelle Spielentwicklungen und zeigte da ein Spiel „Verkehr in Jakarta“. Der soll noch schlimmer sein, als der in Bangkok.
Ich habe dann gelernt, das man da ein BRT-System nach dem Vorbild von Bogota angelegt hat. BRT steht für Bus Rapid Transit und das große Vorbild solcher Systeme ist das aus Bogota, das extrem erfolgreich war und von den Kosten her auch für ein nicht so reiches Land realisierbar ist.
Unser Hotel lag ganz in der Nähe zu einer BRT-Station. Die Idee ist, dass die Busse auf eigenen Spuren in der Mitte der Straße, und damit unabhängig vom Autostau fahren und dort die Haltestellen sind, die auch einen gewissen Komfort bieten.
In der Nähe unseres Hotels sah das System auch so aus. Wir wollten aber nach Norden in die Nähe des Meers fahren, wo das Zentrum der alten Holländischen Stadt liegt. In die Richtung wurde der Zustand der Straße und der der Häuser drum herum immer katastrophaler. Die Straße hatte viele Baustellen und dort hat man die Busspur aufgelöst und Busse und Autos wieder gemischt. Außerdem war der Zustand der Straße so schlecht, das der Bus im Schnitt auch nur 10km/h fahren konnte.
Aber wir sind angekommen und haben uns an dem alten Platz in alten Kolonialgebäuden zwei Museen angeschaut.
Man hört ja öfters, dass Jakarta ziemlich schnell im Meer versinkt, so mit etwa 10cm pro Jahr. Das liegt an geologischen Prozessen, daran, dass man das Grundwasser wegpumpt und der Boden zusammensackt und auch daran, dass der Meeresspiegel wegen Klimawandel steigt. Vielleicht ist der schlechte Zustand der Stadt in Meeresnähe ja darauf zurückzuführen.
Beim fotografieren an der BRT-Station fiel mir auf, dass die Hochhäuser in größerer Entfernung immer unklarer aussehen. Sie liegen im Dunst. Jakarta hat eine extrem dreckige Luft. Meine Nase war auch zeitweise zugeschwollen, ich reagiere da empfindlich.
Das erste Museum zeigte etwas über die Stadtgeschichte. Angefangen bei den üblichen Faustkeilen und dergleichen, über frühe hinduistisch und später buddhistisch geprägte Kulturen und dann mit mehr Details die Kolonialgeschichte. Dazwischen gab es im Rahmen der maritimen Seidenstraße einen Muslimischen Einfluss durch arabische Händler, der in Java zu einer Islamisierung geführt hat. Hinduismus und Buddhismus haben sich nur auf Bali und Lombok gehalten.
Die Kolonialisierung begann um 1500 durch die Portugiesen. Ab 1600 haben das dann die Niederländer übernommen. Es gab während des zweiten Weltkriegs, als die Niederlande unter deutscher Besatzung standen, ein Zwischenspiel der Japaner. Aber unmittelbar nach dem Krieg kamen die Niederländer wieder zurück und haben in einem blutigen Krieg fast das ganze Gebiet zurückerobert. Erst 1949 mussten sie aufgrund von Druck seitens der Amerikaner das Land in die Unabhängigkeit entlassen.
Diesen letzten Teil der Geschichte kenne ich seit ein paar Jahren und es hat mich tief schockiert. Da haben die Niederländer am eigenen Leib bitter erfahren, was es heißt kolonisiert zu sein, u.a. hatten sie dabei auch eine Hungersnot, und kaum ist es vorbei, ziehen sie wieder los und tun anderen genau dasselbe an. Hea-Jee und ich haben dafür nur eine Erklärung gefunden: Rassismus. Es war für sie offensichtlich nicht vergleichbar.
Zur Feier der Unabhängigkeit haben die Indonesier ein riesiges Denkmal auf einem quadratischen Platz errichtet. Das war zwar in der Nähe unseres Hotels, wir haben aber nicht die Zeit gefunden, dorthin zu gehen. Das Schwarzweiß-Bild hing in unserem Hotel im Frühstückssaal. Es zeigt die Vorstellungen der 50er und 60er-Jahre, wie eine moderne Stadt aussehen sollte. Es gab damals natürlich nicht so viele Autos. Aber an der Breite der Straßen kann man erkennen, dass man im Autoverkehr die Zukunft gesehen hat. Heute sieht der Platz ganz anders aus. Die Autos sind verbannt und das Areal wurde in einen Park verwandelt.
Das zweite Museum beherbergte eine Sammlung von Schattenspielfiguren. Das ist eine Kultur, Wayang genannt, die wohl ursprünglich aus Indien stammt, sich in Indonesien aber zu hoher Blüte entwickelt hat und bis heute gepflegt wird. Die Figuren sind wirklich beeindruckend.
Musikalisch begleitet werden solche Aufführungen wohl oft durch ein Gamelanorchester. Das ist ein Orchester, in dem Metall-Schlaginstrumente die Hauptrolle spielen. Das ist eine ganz eigenartige Musik, die nicht unsere westliche Tonskala benutzt und deshalb sehr fremdartig klingt. Auf der Weltausstellung 1889 in Paris war ein solches Gamelanorchester zu erleben. Claude Debussy war davon tief beeindruckt und damit hat diese Musik wohl einen großen Einfluss auf die Entstehung der Impressionistischen Musik gehabt.Baca selengkapnya

Pelancongdurch zufall habe ich 2 "moderne" kinderbücher aus kapstadt gefunden - auf afrikaans. das kann man als emsländer verstehen, ähnelt nicht zu entfernt unserem grenzlandplatt. die buuren sind auch ein eigener schlag... war interessant zu lesen und wirklich nicht schlecht.

PelancongEs ist ja toll, dass du diese Bücher gefunden hast und auch noch in Originalsprache lesen konntest! Ich beneide dich um deine emsländer Plattditsch.
Tag 157 - Fahrt nach Yogyakarta
29 November 2025, Indonesia ⋅ ☁️ 28 °C
Hea-Jee:
Heute warteten wir in der Bahnhofshalle auf den Zug nach Yogyakarta. Als es zehn Uhr wurde, ertönte feierliche Musik, und viele Menschen standen von ihren Sitzen auf. Auch ich erhob mich und blieb stehen, bis die Musik verklungen war. Solche Situationen erlebten wir häufig, seit wir Länder auf der Indochina-Halbinsel bereisen.
Auch in meiner Kindheit in Korea habe ich Ähnliches erlebt. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie oft am Tag oder zu welcher Uhrzeit es geschah, aber immer wenn die Nationalhymne erklang, ließ man alles stehen und liegen, stellte sich aufrecht hin und legte die rechte Hand auf die linke Brust.
Als ich älter wurde, entwickelte ich eine Abneigung gegen diesen patriotischen Ritus, denn er war vom Militärregime eingeführt worden, um die Bevölkerung gefügig zu machen. Damals galten Staat und Regierung praktisch als dasselbe – Patriotismus bedeutete letztlich Loyalität gegenüber der diktatorischen Regierung.
Jetzt jedoch, auf meiner Reise durch die südostasiatischen Länder, nehme ich gerne an solchem Ritual teil. Die Menschen hier wurden ohne eigenes Verschulden zu Opfern westlicher Großmächte; und um ihre leidvolle Vergangenheit als Kolonien zu überwinden und wieder als würdevolle, souveräne Staaten zu bestehen, scheint eine starke gemeinsame Identität dringend notwendig.
In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sie und als Zeichen der Solidarität, schließe ich mich ihrem patriotischen Ritual an.
Arnd:
Die Eisenbahn in Indonesien hat mich richtig erfreut. Indonesien ist ja kein reiches Land, deshalb sollten sie eigentlich keine Hochgeschwindigkeitseisenbahn bauen. Sie haben das zwar auf einer kurzen Strecke gemacht, aber wir sind mit der traditinellen Bahn gefahren.
Es gibt ein Eisenbahnnetz in Java und eine kürzere Strecke in Sumatra. Der Bahnhof in Jakarta liegt mitten in der Stadt und er ist, wie ich mir einen Bahnhof vorstelle, voller Leben. Es gibt viele Geschäfte wo man sich für die Reise eindecken kann. Tickets zu bekommen ist kein Problem, es gibt ausreichend Platz, der Zug war aber recht voll.
Unser online gekauftes Ticket musste im Bahnhof erstmal in ein Papierticket umgewandelt werden. Dazu gab es Ticketmaschinen. Das hat gut, einfach und schnell funktioniert.
Unser Zug, der durchaus zu einer schnellen Kategorie gehört, fuhr bis 110km/h. Das aber durchgehend, es gab nicht wie in Deutschland Strecken, wo er sehr schnell fährt und dann wieder Strecken, wo er nur kriecht, weil der Zustand der Gleise so miserabel ist. Das Schienennetz scheint gut gepflegt zu sein. Nur einmal, als wir 400m die Berge rauffahren mussten, wurde er langsamer, da war die Lokomotive nicht stark genug. Die Züge selbst waren ordentlich und in gutem Zustand.
Ich würde das Middle Tech nennen. Es ist kein High Tech, aber auch kein Low Tech. Es funktioniert gut und ist für ein Land wie Indonesien angemessen. Andere Beispiele sind die Scooter als Haupt-Individualverkehrsmittel und die an Masten verlegten elektrischen Leitungen. In Krisen ist dies sicher resilienter, bis auf die elektrischen Leitungen bei Unwetter.Baca selengkapnya
Tag 158 - Yogyakarta
30 November 2025, Indonesia ⋅ ☁️ 29 °C
Arnd:
In Kürze werden wir nach Australien fliegen, es gibt keine andere Möglichkeit. Wir fliegen ab Bali. Bis dahin haben wir noch ein paar Tage Zeit und wollen noch etwas von Java sehen. Die Hauptattraktionen sind ein paar Vulkane und die Stadt Yogyakarta mit zwei bedeutenden Tempelanlagen in der Nähe. Für beides haben wir nicht genug Zeit, die Vulkane haben wir auf die Rückreise verschoben.
Heute haben wir einen entspannten Tag in Yogyakarta eingelegt, ich musste auch noch einiges organisieren und das braucht immer einige Zeit. Die Stadt bildet zusammen mit der Nachbarstadt Surakarta das Zentrum der traditionellen javanischen Kultur und ist aufgrund ihrer zahlreichen Universitäten auch das Bildungszentrum des Archipels. Während des Indonesischen Unabhängigkeitskrieges 1945–1949 war Yogyakarta Hauptstadt Indonesiens.
Wenn man die Stadt erkunden will, geht man zur Malioboro Straße. Das ist erstmal eine Einkaufsstraße, es gibt aber auch ein paar Museen und am einen Ende liegt der Kraton, der Palast des Sultans der Region Yogyakarta. Und diesen Sultan gibt es immer noch. Seinen Palast kann man teilweise anschauen.
Wir hatten die Hoffnung, dass wir eine Vorführung sehen können, wo ein Gamelanorchester spielt. So etwas sollte es in einem bestimmten Museum geben und im Kraton. Zuerst kamen wir am Museum vorbei. Hea-Jee hat einen Mitarbeiter nach diesen Aufführungen gefragt. Während unserem Aufenthalt war da aber nichts im Angebot.
Aber dann kam ein Mann vorbei, der uns in sein Büro mitgenommen und uns wenigstens persönlich was gezeigt hat. Er war Museumsmitarbeiter und fertigt für das Museum die Wayangfiguren an. Es hat in irgendeiner wichtigen Zeitschrift vor 15 Jahren schonmal einen Artikel über ihn gegeben. Den hat er gut aufbewahrt und zeigt ihn immer.
Die Figuren werden aus Büffelleder hergestellt. Das sind Wasserbüffel, die in feuchten Gegenden Asiens etwa die Rolle unserer Kühe haben. In Deutschland sieht man sie auch immer öfter und soweit ich weiß, wird der original Mozzarella in Italien auch aus Milch von solchen Büffeln hergestellt. Es sind nicht diese riesigen Tiere, die wir in Deutschland Büffel nennen, das sind amerikanische Bisons.
Das Leder wird eingeweicht und dann werden die Figuren mit einem scharfen Messer ausgeschnitten. Die Figuren sind mit sehr vielen kunstvoll geformten Löchern versehen, denn sie werden auch für Schattenspiele benutzt. Deshalb braucht man sehr filigrane Messerchen. Die stellte der Meister selbst her, aus dicken Nägeln oder auch einer Motorradspeiche. Das schleift er dann sicher so lange, bis er eine richtig scharfe Klinge hat. Zum Schluss hat er uns kleine Lesezeichen gezeigt, die er zum verkaufen herstellt. Wir haben ihm zwei Stück abgekauft.
Wir sind weitergelaufen in Richtung Kraton. An einer Stelle, wo wir dachten, dass dort der Ticketschalter ist, hat ein Mann mit gutem Englisch angefangen, uns zu beraten. Leider überwiegend falsch. Das eigentliche Ziel seiner Ansprache war, uns in einen Batikverkauf zu locken. Da muss wohl jeder Tourist einmal drauf reinfallen. Später gab es noch etliche Versuche dazu, aber da wussten wir ja schon Bescheid. Wir haben nichts gekauft, aber etwas gesehen. War auch nicht schlecht. Nur der Verkäufer sah ziemlich unglücklich aus, als wir gingen.
Noch ein bisschen weiter waren wir dann wirklich im Kraton. Zwei Stunden früher hätten wir vielleicht noch ein Gamelanorchester sehen können. Aber wir sind trotzdem reingegangen. In einem Hof liegt der große Aufführungssaal. Das ist nur ein Dach, zur Seite hin ist alles offen. Es wird hier nie wirklich kalt und ohne Klimaanlage wäre ein geschlossener Raum mit vielen Mensachen wohl schnell unerträglich.
In diesem Aufführungssaal finden wohl rund um die Uhr Tanztrainings statt. Junge Tänzerinnen werden angeleitet von einer erfahrenen älteren Frau. Und dabei kann man zuschauen. Solche höfischen Tänze sind meist sehr steif und formell. Die Bewegung findet hauptsächlich in Händen, Füßen und dem Neigen des Kopfes statt. Neben den Tänzern standen die Instrumente eines großen Gamelanorchesters. Das hat schon fast symphonische Ausmaße.
Der Rest des Sultanspalasts war nicht so wahnsinnig interessant. Wir haben uns dann entschieden, in ein anderes Museum zu gehen. Das war in einer ehemaligen niederländischen Festung untergebracht. Dort hat man in einer großen Zahl von Dioramen die Geschichte des Befreiungskampfes nach dem zweiten Weltkrieg gezeigt. Viele Dioramen zeigten irgendwelche Versammlungen. Das konnten wir nicht einordnen, aber mir fiel auf, dass jeder Teilnehmer eine Tasse Kaffee vor sich stehen hatte. Trotzdem konnte man ein Gefühl dafür entwickeln, wie diese turbulente Zeit verlaufen ist.Außerdem hatten sie im Außenbereich eine schöne Sammlung alter Fahrräder.
Abends sind wir dann nochmal auf die Malioborostraße gegangen, um was zu essen. In Deutschland wäre diese Straße mindestens seit 40 Jahren eine Fußgängerzone. In allen Ländern Asiens, die wir bereist haben, scheint es aber ein riesiges Problem zu sein, die Verbannung der Autos durchzusetzen. Aber hier haben sie sich auf den Weg gemacht. Bisher ist die Straße abends autofrei und dann noch viel lebendiger, als tagsüber. Und gerade jetzt machen sie Versuche, was tagsüber passieren wird, wenn sie sie ganz für die Autos sperren würden. Ich drücke die Daumen!Baca selengkapnya
Tag 159 - Borobudur & Prambanan
1 Desember 2025, Indonesia ⋅ ☁️ 28 °C
Arnd:
Heute stand die Hauptattraktion unseres Aufenthalts in Yogyakarta an. Es gibt in der Umgebung der Stadt zwei alte Tempelanlagen aus dem 8. Jhdt. In der einen, Prambanan, sind auf einem großen Areal ein hinduistischer und drei buddhistische Tempel, in der anderen Anlage liegt der wohl größte buddhistische Tempel der Welt, Borobudur.
Beide Anlagen sind wohl um das Jahr 1000 durch Erdbeben zerstört worden, die Bewohner woanders hin geflohen. In der Folge sind sie dann durch vulkanische Asche verschüttet worden. Erst im 19. Jhdt. hat man sie wieder entdeckt und nach und nach freigelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Beide Stätten sind Unesco Weltkulturerbe.
Buddhismus und Hinduismus kamen etwa gleichzeit direkt aus Indien nach Indonesien. Deshalb existieren sie hier nebeneiander. Der Baustiel basiert wohl auf indisch hinduistischen Stilen, hat aber auch Elemente, die in Indonesien entstanden sind. Er hat auch einen eigenen Namen, die Tempel heißen Candi. Unser Führer behauptete, dass dieser Stil prägend für die späteren Tempel in Kambodscha war, wie z.B. Angkor Wat. Die Wikipedia sieht das anders.
Buddhistische und Hinduistische Tempel sind sich ziemlich ähnlich mit ein paar charakteristischen Unterschieden. Zum Beispiel ist die Spitze eines Hindutempels wie eine umgedrehte Lotusblume geformt, während der Buddhistische Tempel dort eine Stupa hat, die ein bisschen aussieht wie eine Glocke.
Wir sind zuerst nach Prambanan gefahren und am Nachmittag dann zu Borobudur. Daher die Reihenfolge der Fotos, nur als Coverbild dient der Borobudur. In Prambanan waren die Tempel wie gesagt eingestürzt. Ein paar davon hat man wieder errichtet und die anderen will man wohl auch wieder errichten, was aber sehr lange dauern wird.
Unser Guide hat erzählt, dass die Unesco zu Beginn der Restaurierungen wirtschaftlich geholfen hat. Aber danach nicht mehr. DIe Arbeiten werden jetzt hauptsächlich durch die Eintrittsgelder finanziert. Und zwar die Eintrittsgelder, die ausländische Touristen zahlen. Wir haben an diesem Tag 100€ nur für Eintritt ausgegeben.
Interessant war auch die Fahrt. Der Verkehr hier in Indonesien ist ziemlich dicht und chaotisch. Es gibt nicht viele Ampeln, aber viele Einbahnstraßen. In die kann man ja von beiden Seiten her einbiegen, ohne Gegenverkehr kreuzen zu müssen. Ich habe den Eindruck, die Verkehrsplaner wollen den Verkehr am Laufen halten. Deshalb fließt ein endloser Strom von Fahrzeugen ohne Pause die Straßen entlang. Das macht es für Autos schwierig, in die Straße einzubiegen und für Fußgänger, sie zu überqueren.
Einmal habe ich unseren Fahrer beobachtet, wie er an einer besonders schwierigen Stelle das Fenster aufmachte und einem Mann auf der Straße etwas zusteckte. Es gibt wohl bei weitem nicht genug Polizisten, die den Verkehr regeln. Deshalb gibt es überall lokale Community Verkehrsregler. Einfach normal Leute, die sich auf die Straße stellen und mit einer Fahne oder ähnlich Fahrzeuge abbremsen, damit andere auch mal zum Zug kommen. Ja und dafür gibt man dann gern ein Trinkgeld. Das waren 2000Rp, umgerechnet 0,10€.
Ich schätze, dass 90% des Verkehrs hier von Rollern erbracht wird. Die sind ziemlich flott und schlängeln sich zwischen den Autos durch. Auf jeden Fall sind sie schneller am Ziel, als die Autos, auch wenn die an einer flüssig laufenden Stelle mal kurzfristig schneller fahren können. Da wo ein Auto fährt, fahren zwei Roller nebeneinander. Das macht die für Fußgänger noch schwieriger. Und die Autofahrer müssen auch ziemlich aufpassen.
Aber man sieht hier auch deutlich, dass die Autofahrer für sich wesentlich mehr Platz beanspruchen, als die Roller. Es wird hier so laufen, wie überall. Mit wachsendem Reichtum wird es immer mehr Autos geben, bis alle gemeinsam im Stau stehen. Für Rollerfahrer wird es dann auch immer gefährlicher. In Singapur waren die Roller vollkommen verschwunden. Dort hat die Regierung allerdings Maßnahmen gegen zu viele Autos erlassen. Die Zulassung eines Autos kostet nochmal so viel, wie das Auto selbst. Also Autofahren nur für Reiche, der ganze öffentliche Platz nur für Reiche. Der Rest der Gesellschaft fährt öffentlich, weil es auf den Straßen zu gefährlich ist für andere Verkehrsmittel.
Hea-Jee:
Im weitläufigen Areal von Prambanan stehen ein großer hinduistischer Tempelkomplex und drei kleinere buddhistische Tempel nebeneinander. Der hinduistische Komplex besteht aus über 240 kleinen Tempeln und Nebengebäuden.
Gleich hinter dem Eingang sieht man zuerst die kleinen, knospenförmig aufragenden Bauwerken. Sie sollen Pilgern als Orte des Gebets und der Meditation gedient haben, bevor sie die Haupttempel betraten. Innen ist es dunkel und leer, ohne Fenster – genau richtig, um allein zu meditieren.
Nach einer Weile erscheinen drei monumentale und prachtvolle Tempel. Der Shiva-Tempel ragt im Zentrum empor, flankiert vom Brahma- und Vishnu-Tempel. Die Dreieinigkeit Shiva (Zerstörung), Brahma (Schöpfung) und Vishnu (Erhaltung) repräsentiert den Kreislauf des Universums und des Lebens.
Rund um die Haupttempel stehen kleinere Schreine und Statuen, die die drei Gottheiten begleiten. Auf den Wänden und Türmen sind Szenen aus der hinduistischen Mythologie sowie Darstellungen verschiedener Götter, Dämonen und Menschen zu sehen – äußerst realistisch gestaltet.
Sie sollen böse Geister vertreiben und die göttliche Macht symbolisieren. Es handelt sich nicht nur um Dekoration, sondern um Träger religiöser Bedeutung und mythischer Erzählungen – eine Art Lernmaterial, das man beim Umhergehen betrachten soll.
Rund um diesen hinduistischen Komplex befinden sich auch buddhistische Tempel. Zur Zeit der Errichtung von Prambanan existierten Hinduismus und Buddhismus auf Java nebeneinander, und die Könige förderten beide Religionen.
Die kleinen buddhistischen Tempel sind in der indischen Stupa-Form gestaltet, und einige ähneln in Struktur und Ornamentik den hinduistischen Bauten. Doch in den Motiven von Lotosblüten, Bodhi-Bäumen und Buddhafiguren zeigt sich klar der buddhistische Charakter.
Ebenso erinnern die furchterregenden Wächterfiguren am Eingang an die „Himmelskönige“ in koreanischen Tempeln. Dass Buddha hier manchmal mit vier Armen dargestellt wird – ein Einfluss des Hinduismus – fand ich besonders bemerkenswert. Die Koexistenz beider Religionen mit ihren unterschiedlichen Symbolen an einem Ort wirkte faszinierend.
Zu Mittag aßen wir auf der Terrasse eines schönen Restaurants mit Blick auf einen grünen Teich. Es gab ein indonesisches Hähnchengericht, wirklich köstlich. Mit uns unterwegs war auch ein niederländischer Student, und beim Essen unterhielten wir uns über Gott und Welt.
Unser Fahrer brachte uns anschließend zum buddhistischen Tempel Borobudur. Wie am Vormittag in Prambanan führte uns auch hier ein fachkundiger Guide durch das Gelände und erklärte alles.
Borobudur ist ein riesiges, quadratisch angelegtes Bauwerk. An seinen vier Seiten und auf jeder Ebene soll es über 2.500 Buddhafiguren und 1.460 Reliefs geben. Die Reliefs erzählen vom Leben Buddhas, von buddhistischen Legenden sowie von Wiedergeburt und Karma. Auch hier ist der Weg so gestaltet, dass Pilger beim Umlaufen des Tempels die Lehren auf natürliche Weise erfahren.
Der Tempel besteht aus insgesamt neun Ebenen: Die unteren sechs sind quadratisch und symbolisieren das menschliche Dasein mit seinen Taten und die Lehre des Buddha; die oberen drei sind kreisförmig und tragen Stupas. Die oberste Ebene steht für Erleuchtung und Befreiung – das Nirvana.
Flächenmäßig ist Angkor Wat in Kambodscha der größte buddhistische Tempel der Welt, doch strukturell betrachtet kann man sagen, dass Borobudur größer ist. Während Angkor Wat aus vielen einzelnen Tempeln besteht, bildet Borobudur als Ganzes einen einzigen monumentalen Tempel.
Borobudur zeigt ein beeindruckend hohes technisches Niveau. Betrachtet man die Steinplatten auf dem Boden, fallen die präzisen Fugen sofort ins Auge. Auch die künstlerische Qualität ist außergewöhnlich. Der indische Buddha ist meist sehr dünn, der chinesische und koreanische Buddha sind füllig – doch der Borobudur-Buddha hat eine harmonische Körperform und ein schönes Gesicht. Einen so gut aussehenden Buddha wie hier habe ich noch nie gesehen – ach, mit einer einzigen Ausnahme: Der Buddha im Seokguram in Gyeongju bleibt für mich Nummer eins.
Viele der filigranen Reliefs stellen Legenden über frühere Existenzen Buddhas dar, weshalb ich mich gelegentlich verpflichtet fühlte, Arnd diese Geschichten zu erklären. In der südostasiatischen Theravada-Tradition wurden nach Buddhas Tod Elemente wie Wiedergeburt stärker religiös ausgeschmückt – Einflüsse, die teilweise aus dem Hinduismus stammen. Buddha selbst jedoch sprach weder über frühere Leben noch über Reinkarnation; er lehrte lediglich, wie man in diesem Leben weise und gütig lebt und dadurch eigenes Glück findet.
Für Arnd, den Naturwissenschaftler, wirken solche religiösen Erzählungen bestimmt wie Aberglauben, und ich weiß, dass es ihm nicht gefallen würde, wenn ich so etwas tatsächlich glauben würde. Deshalb erkläre ich ihm manchmal ausführlich Dinge, die er weder gefragt hat noch besonders interessant findet.
(Informationen über „meinen“ Buddhismus)
Ven. Pomnyun Sunim https://www.youtube.com/watch?v=2VUHNIjkE9g
We are JTS https://youtu.be/Prv3K3Dmj4UBaca selengkapnya
Tag 160 - Das Majapahit
2 Desember 2025, Indonesia ⋅ 🌧 27 °C
Arnd:
Von Yogyakarta bis ganz an die Ostküste von Java, wo die Fähre nach Bali abfährt, schaffen wir nicht an einem Tag. Deshalb übernachten wir einmal in Surabaya. Wir kommen spätnachmittags an und fahren morgens weiter, da kann man nicht viel anschauen. Statt dessen haben wir mal das Hotel zur Attraktion gemacht.
Bei meinen Recherchen zu dieser Reise bin ich immer wieder auf die Website seat61.com gestoßen (The man in seat 61). Sie ist von einem Engländer, der ungeheure Mengen an Informationen rund ums Eisenbahnfahren zusammengetragen hat. Schaut doch mal rein. Sein Votum bezüglich Hotel in Surabaya war ganz klar: Man geht ins Majapahit. Hier gibt er noch ein paar Hintergrundinformationen zu diesem Hotel:
https://www.seat61.com/Indonesia.htm#hotels
Man muss noch ein bisschen nach unten scrollen.
Das ist jetzt nicht unsere gewöhnliche Preislage und in Europa würde man dafür ein Vermögen bezahlen. Aber in Singapur mussten wir schon fast genauso viel bezahlen und in Australien werden wir wahrscheinlich öfters ähnlich viel zahlen und keinen vergleichbaren Luxus bekommen. Also warum nicht?
Und wenn wir schon da sind, dann haben wir auch im Hotel zu Abend gegessen. Indonesisches Essen als feine Küche. War sehr gut.
Hea-Jee:
Als Arnd zum ersten Mal das Thema Luxushotel erwähnte, war ich zwar etwas verdutzt, aber da mein Mann sich das wünschte und nichts Verwerfliches daran war, gab es eigentlich keinen Grund, dagegen zu sein. Also stimmte ich ohne großes Zögern zu. Trotzdem blieb ich innerlich etwas irritiert: Gewöhnt sich mein Mann auf Reisen etwa an immer mehr Luxus?
Als Arnd dann meinte, dass man in anderen Ländern für so ein Hotel mehrere hundert Euro zahlen müsse und dass etwa hundert Euro hier ein richtig gutes Angebot seien, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. „Aha, na klar. Du lästerst immer über deine Oma, weil sie Schnäppchen so liebt – und bist doch ganz genauso“, dachte ich mir.
Das Hotel Majapahit gefiel mir auf den ersten Blick. Kein modernes protziges Gebäude, sondern ein historisches, zweistöckiges, weißes Haus. Es wurde 1910 von der aus dem Iran stammenden, im Hotelgewerbe bekannten Familie Sarkies errichtet. Im Art-déco-Stil gehalten, strahlt es eine edle, zurückhaltende Schönheit aus, die zugleich ganz natürlich wirkt. Moderne Renovierungen hat es sicher gegeben, aber sie wurden so behutsam durchgeführt, dass man das Gefühl hat, das Gebäude stünde noch genauso da wie vor hundert Jahren. Und dann fand dort auch noch ein wichtiges Ereignis der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung statt – ein Ort mit echter Geschichte also. (In Zimmer 33 sind sogar zwei Menschen gestorben.)
Wenn man durch das Gebäude geht, kommt man an mehreren grünen, liebevoll gepflegten Innenhöfen vorbei. Sie sind prächtig und lieblich zugleich. Wir konnten einfach nicht daran vorbeigehen und setzten uns immer wieder einmal auf eine Bank, lauschten dem leise plätschernden Wasser des Brunnens und blieben einfach sitzen. Obwohl man in der verkehrsreichen Innenstadt kaum Vögel erwartet, hörte man im Innenhof plötzlich lautes Vogelgezwitscher. Arnd und ich fragten uns sogar, ob das wirklich Vögel waren oder ob jemand eine Aufnahme abspielte. Ein Hotel, bei dem einem das Wort „healing“ ganz automatisch in den Sinn kommt.
Heute, beim Schreiben dieses Reiseberichts, bin ich Arnds Link gefolgt – und ich war erneut sicher: Es war absolut richtig, hier zu übernachten. Am Ende bleiben vom Leben nur die Erinnerungen, und wir haben in dieser einen Nacht eine wirklich schöne Erinnerung geschaffen. Ich bin Arnd sehr dankbar dafür.Baca selengkapnya
Tag 161 - Auf nach Bali
3 Desember 2025, Indonesia ⋅ ☁️ 28 °C
Arnd:
Heute der letzte Abschnitt unserer Indonesienreise, von Surabaya nach Ubud in Bali. Ich hatte gedacht, dass das nur noch ein kleinerer Sprung ist. Tatsächlich war dies der anstrengenste Abschnitt.
Die Fahrt begann wieder per Eisenbahn. Die Bahnhöfe sind interessant. Die Bahnsteige sind extrem schmal und hoch, weil man ohne Stufen in den Zug steigen kann. Man kommt von einem Bahnsteig zum nächsten, indem man über die Gleise geht, dazu sind die Bahnstiege in gewissen Abständen abgesenkt. Es sei denn, dort steht ein Zug. Dann muss man durch den Zug gehen und hoffen, dass er nicht gerade losfährt. Die Indonesier verstehen die Ansagen, denen wird das wohl nicht passieren.
In Ostjava ist die Eisenbahn nicht mehr so gut ausgebaut. Der Zug fuhr nur 80km/h. Die Landschaft war ein bisschen bergig. Tatsächlich lagen nicht allzu weit einige der bekannten Vulkane in Java. Wir konnten aber nur einmal einen erspähen. Auch hier wird sehr viel Landwirtschaft betrieben, man sah nicht viel unberührte Fläche. Es ist eine Mischung aus Reisanbau und anderen Feldfrüchten.
Endstation war Ketapang. Dort ist der Fährhafen, von wo aus man nach Gilimanuk in Bali fährt. Der Hafen liegt etwa 500m vom Bahnhof entfernt. Wir wollten trotzdem lieber ein Fahrzeug nehmen. Grab bot uns nur Mopeds an. Wir hatten es hier sehr eilig, weil wir noch eine Fähre erwischen wollten. Wobei wir tatsächlich keine Ahnung von den Abfahrtzeiten hatten, die werden im Internet nur vom Hörensagen weitergegeben.
Also haben wir den ersten, der uns angequatscht hat gefragt, was es kostet. 20000Rp, sicher Abzocke, aber nur 1€. Also ok. Er nahm uns mit zu seinem Gefährt, bei dem es sich um eine Motorrikscha gehandelt hat, Fahrer hinten. Einen unserer Koffer konnte er vor seinem Lenkrad ablegen, den anderen habe ich auf dem Einsteigefußbrett vor unseren Beinen balanciert. Auf die Sitzfläche passten wir auch nur, weil wir uns sehr dünn gemacht haben.
Wir kamen nach kurzer Zeit auf eine große Straße. Der Fahrer wollte uns zu einem Ticketshop auf der dem Terminal gegenüberliegenden Straßenseite bringen (wir hatten schon ein Ticket, nur hat er das nicht verstanden). Um nicht zweimal die Straße zu überqueren ist er gegen die Fahrtrichtung gefahren. Wenn einem dann ein LKW entgegenkommt und man so vorne in der Rikscha sitzt, dann gibt einem das schon ein merkwürdiges Gefühl. Aber wir sind angekommen.
Wir liefen in den Eingang und waren dort fast allein. Eine freundliche Helferin sprach uns an, zeigte uns, wie man unseren QR-Code (ich hatte das Ticket schon online gekauft), in ein gedrucktes Ticket verwandelt und wo wir lang laufen mussten. Wir haben die Fähre wohl ganz knapp verpasst. Aber tatsächlich fuhren sie an dem Tag wohl alle halbe Stunde.
Endlich auf dem Schiff konnten wir Richtung Land einen Berg erblicken. Es war der Mount Ijen, ein ganz spezieller Vulkan. Der ist zwar erloschen und hat einen Kratersee, aber irgendwo kommen trotzdem ständig Schwefel und Schwefelgase raus. Viele Touristen gehen dahin, weil es vor allem abends durch brennenden Schwefel schöne Lichterscheinungen gibt. Es gibt dort auch selbstständige Arbeiter, die den Schwefel abbauen und zu Fuß ins Tal tragen. Eine ziemlich gesundheitsschädliche Arbeit, die auch nicht viel einbringt. Für Touristen gilt die Empfehlung, dort eine Gasmaske zu tragen, die Arbeiter tun das natürlich nicht. Ich würde schon allein deshalb nicht hingehen, weil diese Gase, die mit Wasser (Schleimhäute, Schweiß) ziemlich agressive Schwefelsäure bilden, auch meine Kamera beschädigen würden.
Nach der Überfahrt kam dann der Abschnitt, der am anstrengendsten wurde. Bali ist nicht klein und die Westküste, wo die Fähre ankommt, ist etwa 130km vom Zentrum entfernt, wo unser Hotel ist. Und wir kamen schon recht spät an. Ich hatte gelesen, dass es auch Busse gibt, aber die brauchen besonders lang. Deshalb hatten wir schon vorher ein Taxi gebucht. Aber ob das funktionieren würde, war mir nicht klar. Das hat mir ziemlich viel Stress gemacht. Beim Buchen musste man eine Abholzeit angeben, es gibt aber keine bekannten Fahrpläne und wir wussten ja auch nicht, wie das alles so läuft. Der Fahrer würde höchsten eine Stunde warten. Und dann fiel mir irgendwann auf, dass Bali eine andere Zeitzone hat, eine Stunde voraus. Das war in meiner Kalkulation nicht drin.
Ich habe dann auf der Website des Taxiunternehmens eine Emailadresse gefunden und dorthin geschrieben. Keine Antwort. Eine Telefonnummer gab es auch, aber wir haben keine indonesische Telefonnummer und mit unserer deutschen kostet das ein Vermögen. Am nächsten Tag habe ich einfach mal geschaut, ob hinter dieser Telefonnummer auch ein Whatsapp account steckt und dort haben sie geantwortet. Am Tag der Fahrt, mitten am Vormittag, hat sich dann auch unser Fahrer per Whatsapp gemeldet. Kein Problem, er wartet. Er hat den ganzen Tag gewartet, wir sind erst um 18:40 abgefahren.
Für die 130km haben wir 4 Stunden gebraucht. Es ist eine zweispurige Straße, die beste, die es in Bali gibt. Es gibt sehr viele LKW dort, die nur 40km/h fahren, die Autos und dazwischen natürlich die Roller. Die erreichbare Höchstgeschwindigkeit ist 60km/h, wenn man mal alle LKW überholt hat. Die Straße ist kurvig . Es wir sehr viel überholt und es sieht durchaus gefährlich aus. Ich vermute, die haben hier noch ein intensives Unfallgeschehen. Zum Glück nur bei Geschwindigkeit zwischen 40 und 60km/h. Roller werden im Notfall auch mal an die Seite gedrängt.
Für uns war diese Fahrt ziemlich anstrengend. Wir haben dauernd auf die Karte auf dem Smartphone geschaut, wie lange es noch dauert.
Unser Fahrer sagte zum Schluss, um 23:00, dass er jetzt noch 5 Stunden nach Hause fährt. Das war sein Tagesjob und mit Sicherheit ein sehr stressiger. Uns hat das 50€ gekostet. Der Fahrer war angestellt und hat sicher nur einen Bruchteil davon bekommen. Wir haben ihm ein dickes Trinkgeld gegeben und sind in unserer Oase ins Bett gefallen.Baca selengkapnya

danke euch beiden für die informativen reisebilder und für die aktuellen fortbewegungs-,essen- und ortsbeschreibungen. brigitte [brigitte]

PelancongLiebe Brigitte, das freut uns beide sehr, dass du unsere Reise mitverfolgst. Viele Grüße, mittlerweile aus Australien.
Tag 162 - Bali
4 Desember 2025, Indonesia ⋅ ⛅ 31 °C
Arnd:
Nach der anstrengenden Fahrt vom Vortag hatten wir nicht viel Lust, was großes zu unternehmen. Unsere Unterkunft liegt am Rand von Ubud. Es heißt, Ubud sei das kulturelle Zentrum von Bali. Als Balineuling sind wir erstmal dahin gegangen. Unsere Unterkunft haben wir so ausgesucht, dass wir da auch einfach nur entspannen und die weitere Reise vorbereiten können. Teuer war es aber nicht, so etwa 45€ pro Nacht. Das Frühstück war anders, als in größeren Hotels. Ein Buffet würde bei nur 8 Zimmern nicht funktionieren. Man musste am Tag vorher bestellen, was man haben wollte. Die Auswahl war ok und es war schön gemacht.
Vormittags sind wir einmal in und durch den Ort gelaufen. Wir fanden es nicht sehr erfreulich, und zwar wegen dem Verkehr. Auch Bali ist nicht reich und auf dieser Reise habe ich gelernt, dass es dann keine Bürgersteige gibt, oder wenn doch, dann sind sie kaputt und zugeparkt. Hier werden sie auch von Rollern zugeparkt.
Es gibt nur sehr wenige Ampeln und deshalb fließt der Verkehr hier kontinuierlich. Muss man auf die andere Straßenseite, dann läuft man bei einer kleinen Lücke todesmutig los und hebt einen Arm, um dem Verkehr zu signalisieren, dass er doch bitte ein wenig abbremsen soll. Autos, die in eine Straße abbiegen, schieben sich langsam in den Verkehr bis irgendwann eines der anderen Fahrzeuge nachgibt und das Auto reinlässt.
Die Straßen sind schmal und der Verkehr ist sehr dicht. Noch mehr Verkehr geht nicht. Der Rolleranteil liegt bei über 90%. Öffentlichen Verkehr gibt es nicht. Selbst schmale Gassen mit Geschäften für Touristen sind keine Fußgängerzonen. Ich kann mir vorstellen, dass mir das durchaus gefallen hätte, als ich noch 20 Jahre alt war. Ich hätte mir selbst einen Roller geliehen und dann kommt man zügig überall hin. Aber wenn man älter ist, dann hat man keinen Spaß hier. Das Konzept Fußgänger teilen sich die Straße mit Verkehrsmitteln, die mit 40km/h in 50cm Abstand an einem vorbeifahren, sagt mir einfach nicht zu. Mehr als ein paar hundert Meter mag man nicht laufen. Für die zwei längeren Strecken haben wir hin und zurück Taxis genommen. Da fühlte ich mich aber auch falsch. Es ging durch eine schmalere Straße und unser Auto war ein echtes Verkehrshindernis.
Geschäfte und dergleichen sind voll auf Touristen ausgerichtet. Bali ist hinduistisch. In den Nebenstraßen sind zwischen den Häusern immer wieder Eingänge zu kleinen hinduistischen Gebetsstätten. Bei jedem Haus gibt es zumindest eine kleine Statue, die immer geschmückt und mit Opfergaben versehen wird. Die Balinesen haben auch den Brauch, überall kleine Opfergaben anzubringen, auch auf dem Boden mitten auf dem Fußweg. Da mag man natürlich nicht aus Versehen reintreten.
Zum Schluss unserer Runde durch den Ort waren wir noch im Palast. Eigentlich nur in den Vorhöfen. Man kann gegen Eintritt auch weiter rein, aber das haben wir nicht gewusst. Wir sind dann zurück in unsere Unterkunft, haben etwas im Pool gebadet und dann Australien geplant. Das war auch gut so, denn etliche Busstrecken, die wir fahren wollen, waren schon ziemlich voll. Ich habe dann am Nachmittag die ganze Strecke bis Melbourne durchgeplant und die Busse reserviert. Leider müssen wir ein paar Mal über Nacht fahren, das strengt uns immer sehr an.
Abends sind wir in ein Restaurant nah bei unserer Unterkunft gegangen. Die angebotenen Speisen sind auf internationale Touristen ausgelegt. Das war uns aber recht, denn eines können wir jetzt gerade gar nicht gebrauchen, den sogenannten Bali Belly, in Deutsch würde man das eine Magenverstimmung nennen.
Hea-Jee:
Ich habe besonders große Angst vor Autos. Als ich in Korea aufwuchs, habe ich miterlebt, wie das Auto die Straßen eroberte. Und die Autos jener Zeit verhielten sich als unangefochtene Herrscher der Fahrbahn – Rücksicht auf Fußgänger gab es kaum. Die Fußgänger mussten selbst aufpassen. Das ist ein Phänomen, das man überall auf der Welt beobachten kann.
Als Kind habe ich mehrere Autounfälle direkt miterlebt. Mit solchen Erfahrungen im Hintergrund komme ich bis heute nicht auf den Gedanken, dass Autos „Augen“ haben könnten. Für mich sind sie einfach Maschinen, die ihrer vorgegebenen Linie folgen. Mein Gehirn erwartet nicht, dass sie für mich – einen Menschen – extra bremsen könnten.
Arnd versteht dieses Trauma zwar rational, ist im Alltag aber trotzdem manchmal genervt davon. Mit einem Ehemann, der mein Verhalten anstrengend findet, die gefährlichen Straßen Balis entlangzugehen, bedeutete für mich enormen Stress. Selbst ein paar hundert Meter zu Fuß zu einem Mittagessen zurückzulegen, erforderte eine große Portion Mut.
Als wir schließlich im ersten Stock eines Restaurants hinter einer großen Glasfront saßen und aßen, beobachtete ich das Geschehen draußen. Und ich fragte mich, wie es möglich ist, dass viele Touristen trotz dieser Bedingungen hierher kommen.
Plötzlich sah ich ein junges Paar, das Händchen haltend die Straße überquerte. Ganz entspannt, ohne einen Hauch von Stress, mit einem Lächeln im Gesicht. In diesem Moment wurde mir klar: Nach meinen jetzigen Maßstäben mag dieser Ort lebensfeindlich wirken – aber wirklich so ist er nicht. Würde ich noch eine Woche hier leben, hätte ich sicher das Verhalten der Autofahrer verinnerlicht und würde mich beim Überqueren der Straße daran anpassen. Und wäre ich jünger, hätte ich mich wahrscheinlich nicht erst nach einer Woche, sondern schon nach zwei Tagen eingefügt und nicht das Gefühl gehabt, dass irgendetwas unbequem sei.
Da musste ich plötzlich an das kollektive Vordrängeln in China denken. Sobald sich eine kleine Lücke auftut, fließt die Menge wie Wasser hinein. Wenn man dieses Verhalten versteht und selbst Teil davon wird, kann man dort durchaus gut leben. Jede Gesellschaft hat ihre eigenen ungeschriebenen Regeln; wenn man sie begreift und sich entsprechend verhält, kommt man besser zurecht. Und wenn man es nicht schafft, zieht man ständig den Kürzeren. Genau dieses ständige Verlieren macht einen wütend – nicht die Frage nach richtig oder falsch.
Doch unabhängig davon, ob ich mich dabei unwohl fühle oder nicht – es ist offensichtlich, dass in einem solchen Verkehrsumfeld die Verkehrsunfallrate sehr hoch sein muss. Die Hauptleidtragenden sind vermutlich Kinder. Und selbst wenn man mit Glück überlebt, gibt es sicherlich viele Menschen, die – so wie ich – ein Leben lang mit einem Trauma weiterleben müssen.
Die Verkehrssysteme eines Landes entwickeln sich je nach Grad der wirtschaftlichen Entwicklung in ähnlichen Mustern. Dieses Phänomen als einen unausweichlichen Prozess hinzunehmen, fällt mir zutiefst schwer. Als jemand, die selbst betroffen ist, wollte ich wenigstens einmal darüber sprechen.Baca selengkapnya




































































































































































































































































































































































































































Heimat fühlt sich gut an! Ganz liebe Grüße! [Vrona und Gert]
PelancongJa, es war wirklich sehr schön, wieder in Korea zu sein!
PelancongSchön, Euch wohlauf zu wissen. Wir denken an Euch. Bleibt gesund ❤️ Die weisen Damen aus Haidhausen schicken liebe Grüße M T U 🙋♀️🙋🏻🙋♀️👄💋🪷
PelancongDanke Danke liebe Freundinnen! Ihr bleibt auch gesund, bis wir uns wieder sehen!