• Friede Rike
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MeTime - gone with the Wind

Et eventyr med en åben slutning af Friede Læs mere
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    10. januar 2026
  • Wo bin ich hier überhaupt?

    14. januar, New Zealand ⋅ ☁️ 22 °C

    Morgens hatte ich nur noch Hunger auf Entdeckung meiner neuen Umgebung! Bereits gestern ist mir die eigenwillige und sehr vermischte Architektur dieser Stadt aufgefallen.
    So lief ich einfach mal los. Es war so schön warm. Um die 20 Grad.
    Ups! Aufpassen: Linksverkehr... Ja klar!

    Irgendwie gibt's hier architektonisch alles: es erscheint in historischen Revival-Stilen Gothic Revival und viktorianischer Klassizismus. Irgendwelche Art-Deco-Einflüsse und markante modernen Beton- und Glasbauten, die wahrscheinlich bereits zu den Wolkenkratzern gezählt werden dürfen. Sie bestimmen mit dem Sky Tower die Skyline von Auckland. Zwischendrin, nur von der Nähe gesehen, fügen sich immer wieder traditionelle Māori-Architekturen zwischen zeitgenössische Bauten aus Holz und Glas.

    So entdeckte ich Gassen, Biegungen um Kurven und Häuserecken und kam durch den Albertpark mit seinen prächtigen, exotischen Pflanzen und uralten, überdimensioniert dicken Kauri-Bäumen. Nadelbäume, die mich in ihrer Gestik, dem Stamm an kluge alte Elefanten erinnern.

    So kam ich immer weiter den Berg hinauf und stand plötzlich vor der riesigen Universität. Wahnsinn: wie groß die ist... Und was die alles haben! Mich beeindruckte die Sport -Fakultät: was den Studierenden alles geboten ist! Alles auf modernstem Stand. Ich war beeindruckt!

    Also lief ich weiter den Berg hinauf und war plötzlich auf dem Mount Eden mit einem herrlichen Überblick natürlich auf die Skyline, aber auch auf die unendlich vielen Buchten, die Auckland umgeben. Es ist quasi von Wasser umgeben. Hier treffen sich Tasmanische See und der Pazifik und die Nordinsel ist hier am der dünnsten Stelle.
    Ich genoss den Rundumblick und würde mir langsam klar, wo ich mich befand: inmitten des riesengroßen Pazifik, auf der anderen Seite der Weltkugel. Auf dem Mt. Eden. Bob Marley hörend, gesungen von einem sehr ähnlich aussehenden Ukulelespieler neben mir!

    Beim Abstieg, vorbei an ruhigen Vorstadt-Villen mit den einfallsreichsten Gärten, vorbei an der ultramodernen Klinik merkte ich es: ich habe einen fetten Sonnenbrand!!!
    Deshalb tat die kühle Abendluft gut, als ich nocheinmal zum Hafen hinunter ging, um etwas zum Essen zu finden und ein kleiner Teil der lebhaften, sorgenfrei wirkenden Menschen zu sein- ein lauer Sommerabend mit leuchtendem Sonnenuntergang und einer kühlenden Meeresbrise, die das Rufen der Möwen, das Lachen der Menschen und das spielen der Kinder zu einem heiteren Treiben vermischte.
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  • Das Fahrrad wurde geliefert!

    14. januar, New Zealand ⋅ ☁️ 22 °C

    Nach der freudigen Überraschung, dass das Fahrrad tatsächlich geliefert wurde, stand nun alles unter dem Motto der Vorbereitung auf die große Fahrt.
    Beim Cafe am Morgen fragte ich, wo ich denn den großen Karton auspacken dürfe: in der Lobby? Oben im Zimmer?
    Wir einigten uns auf den Platz vor der Eingangstüre. Ich bekam einen ganzen Tisch-Bereich und legte gleich mal los, alle Einzelteile des Fahrrads aus der Umwickelung zu lösen und Stück für Stück das gute Teil wieder zusammen zu bauen. Wenn da nicht diese französischen Ventile wären... Da geht doch mehr Luft aus dem Reifen raus als rein! Wer hat sich denn sowas ausgedacht? Das kann ja heiter werden, wenn ich schon am Aufpumpen meines Fahrrads an Grenzen stoße. Na daran darf es jetzt echt nicht scheitern!
    Dennoch freute ich mich über den Fahrradladen um die Ecke, der mal eben 4,5 bar rein pumpte!
    Nun war es fertig zusammengebaut - und es regnete, sodass ich auch keine Lust hatte auf große Sprünge. Deshalb besorgte ich mir eine Gaskatusche, Papierlandkarten um nicht völlig vom Handy und dessen Akku und Empfang abhängig sein zu müssen. Und als ich im Outdoor-Laden vor mich hin überlegte, ob ich auch Pfefferspray brauchen könne, kam von der Verkäuferin nur, sie glaube nicht, dass ich das hier irgendwo zu kaufen bekommen würde: braucht doch kein Mensch!
    Ja das ist ja mal ein Statement! Perfekt, dann bin ich hier richtig!

    So machte das Einpacken wieder Spaß - alle Satteltaschen sollten sortiert und neu gepackt werden- das dauerte!
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  • Es geht los- in Richtung Norden!

    16. januar, New Zealand ⋅ ⛅ 25 °C

    Es war bis zum Schluss unklar, ob der Busfahrer mich per Fahrrad mitnehmen würde. Das Rad im voraus buchen war nicht möglich. Doch ich wusste es: es wird klappen!
    So stieg ich dann tatsächlich in den Intercity Bus nach Kerikeri, das Rad im Gepäck. Es war eine traumhafte Fahrt über die Harbor Bridge und ermöglichte noch einen freien Blick auf die Skyline.
    Wir fuhren durch wunderschönes, hügeliges Land. Saftig grüne Weiden und uralte Bäume sorgten für eine regelrechte Bilderbuch-Szene. Der Bus fuhr quasi für Touristen. Alle wollten irgendwo an die Küste. Als wir nach etwas mehr als vier Stunden Fahrt den letzten Halt an steuerten, war ich mehr oder weniger allein im Bus.
    Hatte ich etwas verpasst? Mein Ziel war, so weit nördlich zu kommen wie möglich!
    Also stig ich aus und: da war nichts! Wir waren auf einem Berg mit einem PizzaHut und jede Straße, für die ich mich entscheiden konnte, ging steil abwärts! So fuhr ich meine ersten Meter auf linker Straßenseite mit meinem gut gepackten Fahrrad, als es wie aus Eimern begann zu schütten! Anhalten, Regensachen rausholen- bis dahin war ich eh schon durch und durch nass!
    Ein Baum gab mir Schutz bis es weiter gehen konnte. Ich sollte ein Stück Highway fahren. Sehr laut, sehr hektisch, da die Autos kaum Abstand halten. Die erste Möglichkeit abzubiegen nahm ich und fuhr eine wunderschöne gravelroad durch Weideland. Sie versprach eine schöne Abkürzung zu geben! Nach ca 10 km auf und ab durch die Landschaft war plötzlich Schluss! Ein riesiger Bauernhof riegelte die Straße ab. Stacheldraht, Kamera, Tore. Keine Menschenseele. Aber da geht doch mein Weg durch, die Karte zeigt es eindeutig! Das Gelände war so groß und überall umzäunt: keine Chance! So sollte ich allen schönen Weg zurück und auf dem Highway weiter! Die nächste Gelegenheit, an die Küste zu gelangen, nahm ich und fuhr wieder entlang an eingezäunten Weiden. Ich war müde, es wurde langsam dunkel und ich hatte kaum noch Wasser. Es gab hier nichts! Die romantische Landschaft wandelte sich in ein nerviges Auf und Ab von richtig steilen Anstiegen ohne ein Haus, wo es Wasser geben könnte! Endlich sah ich in der Ferne- die Küste war noch weit- einen sympathischen Weidezaun aus Holz! Kein Elektrodraht. Neugierige Rinder kamen in der Hoffnung auf anderes Futter auf mich zu gelaufen. Hier wollte, hier musste ich schlafen! Ich suchte mir unter einem wunderbaren Baum ein schönes Fleckchen. Packte die Taschen vom Rad und begann, in halber Dunkelheit, das Zelt aufzubauen, Luftmatratze aufzufüllen, Schlafsack raus. Wie schön, dass ich all das dabei hatte! Man glaube nicht, dass ich hier einsam und in völliger Stille war! Es war so unglaublich laut seit Beginn der Abenddämmerung durch ohrenbetriebende grillen, Rebhühner, noch unbekannte Vögel, die ihr Abendlied eher zu schreien als zu pfeifen schienen.
    Irgendwann lag ich zufrieden und glücklich in meinem Zelt: es war verrückt! Ich scrollte mich gedanklich von meinem Stückchen Weidefläche unter dem Baum auf die Nordinsel, über ganz Neuseeland, über den riesigen Pazifik unter die unendliche Galaxie. So wie wir es mit googlemaps so oft mal eben tun. Es war irgendwie überwältigend und ich war schon halb eingeschlafen als ich plötzlich hell wach feststellte, dass es auf einmal total still um mich herum war! Alle Tiere schliefen! Es war die völlige Ruhe! Sanfter
    Ich erwachte wieder mit den emsigen Tieren um mich herum, packte alles ein für die Weiterfahrt, als ich ein Quad anfahren hörte. Offensichtlich überrascht von mir kam die Farmerin auf mich zu und fragte, ob ich etwas brauche. Ja, WASSER bitte!!! Sie fand es lustig, dass ich hier geschlafen hatte und fragte,.ob ich zehn Minuten warten könne. Ja klein Problem, ich habe Zeit!
    Sie kam mit einem herrlichen Tee wieder und hatte alle Behälter mit eisgekuhltem Wasser befüllt. Sie empfahl mir einen besonders schönen Weg, den ich unbedingt fahren sollte und sicher nie vergessen würde!
    Wunderbar, ich freute mich total und strampelte motiviert los.
    Es war wirklich ein atemberaubend schöner Weg. Eine Hochebene, weiter Himmel über saftig grüner Natur. Tiere, alter Baumbestand, wellig weiche Hügel. Lieblich anmutend. Irgendwann sah ich das Meer funkeln. Ich freute mich auf eine Pause, trinken, etwas zu essen. Die Straße wand sich steil hinab, wo das Meer immer dunkel blauer leuchtete. Am Strand angekommen gab es nichts zu essen. So legte ich mich an einem kleinen einsamen Strand unter einen mächtigen, weit verzweigten Baum. Ging schwimmen, schlief und erholte mich. Was kann es schöneres geben???
    Irgendwann fuhr ich weiter. Es war heiß, fast 30 Grad. Das auf und ab der Küstenstraße schien kein Ende zu nehmen. Ich konnte nicht mehr und fragte die Straßenarbeiter, wo denn der nächste Laden sei, um Wasser zu kaufen?
    Ein Laden? Hier nicht! Aber du kannst mein Wasser haben. Echt??? Wahnsinn!!!
    Ich fuhr weiter den Berg hinauf als hinter mir ein Pickup heran fuhr. Ob er mich mitnehmen könne?
    Wow, ja klar! Das Rad wurde hinten drauf geworfen. Ein Maouri mit warmen, leuchtenden Augen. Wir unterhielten uns prächtig über die zwei Welten, in denen er sich bewegt: gelebte Tradition und modernes Leben.
    Er fuhr mich die 200 km nach Nuwui, das den letzten Ort bildet, bevor die langgezogene Halbinsel zum nördlichsten Punkt Neuseelands beginnt. Unglaublich: jetzt war ich doch schon hier!
    Ich fuhr noch 10 km zu Hostel, anstatt dort ins Hotel zu gehen. Warum?
    Weil ich dort mit einem Typen das Zimmer teilte und er mir erzählte, morgen habe er einen Shuttle zum Cape Regina. Das konnte doch nicht sein! Ich beschloss, mich anzuschließen.
    In keinem Hotel hätte ich das alles so schnell organisiert bekommen!
    Was war das für ein voll gefüllter Tag! Dankbar und glücklich schlief ich ein.
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  • Ninty Miles Beach - dem Wind entgegen

    17. januar, New Zealand ⋅ ☁️ 19 °C

    Cape Reibga ist ein besonderer Ort für die Maouri. Hier am Ende des Landes "springen" die Seelen der verstorbenen über die markante Rampe ab, um in eine neue Welt zu gelangen. Hier darf man nicht essen, soll sich ruhig benehmen.
    Vom Leuchtturm sieht man wunderbar, wie die Tasmanische See mit dem Pazifik zusammen kommt. Man glaubt es kaum, aber farbliche Unterschiede und Wasserverwirbelungen zeigen die Unterschiede der mächtigen Wassermassen.
    Von hier aus startet nun die Tour Aotearoa nach Süden. Ich baute das Rad zusammen, schnürte alles fest und startete um 12:30.
    16 km ging es auf und ab, um an den Ninty Miles Beach zu gelangen.
    Es war Ebbe und ich konnte durch den nun niedrigeren Fluss gelangen. Gute 5 km brauchte es, um durch die riesigen Dünen zu gelangen, wo Menschen Sand-skiing machten. Also der Fluss endete und der Sand trocken und tief wurde, war es ein Elend, das Fahrrad da durch zu schieben! Zwei Jungs hatten ihren Spaß, da mit ihrem Pickup durchzufahren! Sie fragte ich nur mal so, ob sie mich mitnehmen würden. Na klar! Rauf auf die Karre! Und die letzten zwei km durch den tiefen Sand zum Strand!

    Und dann ging es los: immer dem Wind entgegen, Möwengeschrei, Sonne, Wolken, Gischt und ich auf meinem Fahrrädchen!
    So fühlt sich natürlich an!
    Bis ich nach 65 km nicht mehr konnte. Ich baute mein Zelt auf und hatte eine windige, aber lange Nacht von 12 Stunden.
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  • Es ist vollbracht!

    18. januar, New Zealand ⋅ ☁️ 19 °C

    Als ich mich heute Morgen bei Sonnenschein aufmachen wollte, um die Ninty Miles zu beenden, merkte ich dass der Strand nicht mehr so schön fest war wie gestern. Es war unmöglich, im weichen Sand zu fahren. Die Ebbe ist noch zu lange hin. Deshalb dreht ich um und dachte, durch den Kiefernwald würde mich der Forstweg zum Highway 1 bringen, da Sonntag ist, gäbe es auch nicht so viele verrückte Autofahrer. Tja, alles richtig gedacht! Aber: als ich den tollen Forstweg raus kam, wo man sehr viel Wald gerodet hatte, blies ein so unglaublicher Wind, dass es mir das Fahrrad weg zog! Ich wusste nicht, ob ich es schieben und gleichzeitig halten könne oder ob ich fahren sollte. Der Wind war gigantisch! Das Fahrrad wiegt 13 kg, mein Gepäck 14 kg, 6 Liter Wasser und ich: dieses Gewicht wurde schier umgeweht!
    Irgendwie schaffte ich es für die 6 km nach 2 Stunden zu Straße. Da war es natürlich nicht viel besser, außer dass es auf dem Asphalt leichter ging. Ich fuhr 50 Meter, machte Pause, fuhr wieder 50 Meter und bräuchte wieder Pause...
    Also ich so stand und verschnaufen, sah ich hinter mir einen Radler ankommen. Er kämpfte ähnlich. Es war Sergey von gestern! Zusammen kämpften wir mit dem Wind und den Bergen. Sergey hat sich seinen langen Traum erfüllt und ist sieben Wochen lang um ganz Neuseeland geradelt. Dies ist seine letzte Woche und so ist er natürlich fit! Ich profitierte ordentlich und fuhr schön im Windschatten! Nach einer Pause verabschiedeten wir uns wieder. Er fuhr weiter, ich wollte es wieder am Strand versuchen, da es zeitlich nahe der Ebbe war und der Strand wieder genügend fest sein sollte.. Auf dem Weg zum Strand fuhr ich am Avocado-Plantagen vorbei. Es lagen welche am Straßenrand zum Verkauf. Ich bin mir sicher, dass ich noch nie eine Avocado so genossen habe und noch nie so viel Energie davon gespürt habe, wie von dieser einen Avocado!
    Jetzt musste es doch einfach nur easy gehen! Der Strand war wieder fest, der Wind kam in Böen, sodass ich immer zwischen den Böen Strecke machen konnte. Durch den Wind zeigten die Wolken ein Naturschauspiel mit den riesigen Wellen in der Ferne. Das schöne an dem riesigen Strand ist, ich kann auch einen Kilometer fahren und nur nach oben schauen!
    Als ich schließlich die 90 Meilen geschafft hatte, hatte sich der Wind auf die letzten Kilometer gedreht und ich fuhr ruhig und gleichmäßig ins Ziel. Dort wollte ich eine einfache Unterkunft suchen, die mir empfohlen worden war. Ich wünschte mir eine Dusche und das Wasser war auch wieder leer.
    Als ich die Unterkunft gefunden hatte, war alles verschlossen, keine Menschenseele um 20:00 noch auf den Beinen. Als ich so herum suchte, rief mich aus dem Nachbarsgarten jemand, was ich suchen würde. Ich sagte es. Er kam zu Straße, half mir suchen, fand auch niemanden und fragte, ob ich bei ihm übernachten wolle. Er ist Lance und bei ihm wohne sowieso gerade ein französisches Pärchen, die gerade gekocht haben.
    Cool! Na klar! Mir wurde eine warme Dusche angeboten, ein Zimmer und was Schönes zu essen, wo ich gleich noch die zweite Avocado beisteuern konnte.
    Wir saßen gemütlich im Garten und Lance erzählte, er sei der Präsident von "warmshowers.org" , sei früher selbst Radprofi gewesen und jetzt organisiert er diese Community. Noch nie davon gehört! Aber eine coole Sache und ich profitiere glänzend von der tollen Organisation, die nur unter Radlern funktioniert. Da habe ich doch wieder was gelernt und unglaubliches Glück für wieder einen wunderschönen Tag, mit dem lustigen Abend zum Schluss! Danke!
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  • Den Wind im Rücken

    19. januar, New Zealand ⋅ 🌧 20 °C

    Nach einem reichhaltigen Frühstück mit Omelett und Milchcafé verabschiedete ich mich von Lance und fuhr Richtung Süden nach Broadwood. Ordentlich viele Höhenmeter brachten mich letztlich in das verschlafene Kaff. Ich genoss erstmal den Sommerregen: das Gepäck war gut verpackt, die Klamotten waren genauso nass wie letzte Woche an der Ostküste mit 30°C. Die meiste Zeit hatte ich den Wind im Rücken oder von der Seite. Langsam spürte ich einen Hauch von wiederkehrender Grund-Kondition, die Berge waren nicht so schlimm. Im Gegenteil: die Landschaft des Northland ist so abwechslungsreich, dass es eine pure Freude war, einen Bergrücken nach dem anderen zu erklimmen und immer wieder eine neue Aussicht zu haben!
    Obwohl es sicherlich schade ist und auch seine Konsequenzen nach sich tragen wird, dass so viel gerodet wird, empfinde ich die Landschaft als lieblich, ja fast bilderbuch-haft romantisch. Durch die Kultivierung der Schafe, Kühe und Pferde wird die Landschaft abwechslungsreich, die verbliebenen Bäume nehmen sich ihren Raum, um sich wunderschön auszubreiten. Ich hätte allein nur von den einzigartigen Bäumen tausende von Fotos machen können! Einerseits mutet die Landschaft europäisch an mit den vielen Hügeln, Sanddünen? Endmoränen?
    Andererseits ist die Fauna so vielseitig dem pazifischen Raum subtropisch zuzuordnen, dass es sehr exotisch wirkt. Beispielsweise riesige Farne wachsen wie Bäume. Es gibt genug Wasser, sodass alles grün und saftig ist. Ebenso die Geräuschkulisse der fremdartigen Vögel und Zirpen und der Geruch sind völlig anders!
    All das, Natur pur, genieße ich auf meinem Fahrrad! Beeindruckende Fotos zu machen ist bei Regen vom Fahrrad herunter eine unglückliche Idee...
    Nach Broadwood, wo ich gleich erstmal wieder nach meinem Namen gefragt wurde und eine Unterkunft aufgrund des schlechten Wetter angeboten bekam, wurde die Straße flacher, die Natur blieb traumhaft-schön, ich ließ mich nicht vom Wetter beeindrucken. Ich fuhr so vor mich hin, als erst ein Radler, dann eine weitere mir in der totalen Natur entgegen kamen: hi, wir kennen uns doch! Ja klar, es waren Gesa und Uwe. Welch Überraschung, da sie doch eigentlich letzte Woche noch eine ganz andere Tour geplant hatten.
    Tja, Pläne ändern sich!
    Nachdem ich mit der Fähre für zwei Dollar nach Rawene übergesetzt, eine nette Unterkunft gefunden hatte, spürte ich die 75 km in den Beinen. Und das Wetter wurde zusehends ungemütlicher. Der Wetterbericht sagt zwei Tage mit Regen voraus: tja da sollte doch eine Pause zum Wäschewaschen eingelegt und eine neue Route entworfen werden. Denn bei der ursprünglichen Route muss eine Fähre genommen werden, die aus unklaren Gründen nur mittwochs ablegt.
    So wird sich auch mein Plan ändern!
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  • Rawene- dem Regen lauschen

    20. januar, New Zealand ⋅ ☁️ 21 °C

    Da es heute die ganze Nacht und den gesamten Tag geregnet hat, war das die beste Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Ich saß bei offener Hütte und beantwortete endlich Briefe aus den vergangenen Monaten. Wann habe ich zum letzten Mal Hörbuch gehört?
    Über den Tag verteilt kamen immer mehr durchnässte Urlauber und suchten hier ein trockenes Plätzchen. Alle haben die gleichen Gedanken und wägen ab, wie sie ihre Pläne anpassen und verändern.
    Abends gehe ich in den Ort hinunter. Es ist wirklich einfach nichts los hier! Das größte Event ist der Mangroven-Weg mit seinem besonderen modrigen Geruch. Der Heimweg durch die Häuserreihe erinnert eher an eine Filmkulisse mit Pappehäusern. Doch sie sind bewohnt. In dieser einen Straße haben sie drei Kirchen. Rund herum in drei Himmelsrichtungen ist lehmiges Wasser des Omanaia und des Waima Rivers, sowie im Osten Salzwasser von der Meereseinrichtung. Besiedelt wurde hier Anfang des 19.Jhd. um die großen Kauri-Baumstämme zu roden und hier zu verschiffen.
    Das Dorf machte sich aber Anfang des 20. Jhd. einen ganz anderen Namen. Der Klinikchef des 1910 gegründeten kleinen Krankenhauses praktizierte mit Hilfe von Barbituraten die schmerzlose Geburt und ließ die Geburtenzahlen von 30 auf 200 ansteigen, da die Frauen durch das Versprechen angesprochen, von weit her kamen. Dies ließ die Region in den 1940er Jahren zu einer "Special health area" werden und resultierte in einem staatlichen Gehalt der Angestellten und einer kostenlosen Versorgung der Menschen. Wie und ob die Maouri-Geburts-Kultur davon beeinflusst wurde bzw sich beeinflussen ließ, habe ich nicht beschrieben gefunden.
    Ich werde hier noch solch ruhigen Tag einlegen, denn den Kauri-Wald per Fahrrad möchte ich mir nicht entgehen lassen!
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  • Dem Wind voraus- schnell weg!

    22. januar, New Zealand ⋅ ☀️ 21 °C

    Der Tag gestern war äußerst bescheiden. Es regnete in einer Tour!
    Trotzdem ging ich im Pool schwimmen, um überhaupt Bewegung zu haben.
    Ein tolles Erlebnis gab es dennoch:
    Ich wollte in den Ort hinunter laufen, um etwas zu essen. 20 Meter gelaufen, war ich bereits pitsch nass! Ein Auto kam mir entgegen, drehte hinter mir um und die Frau rief aus dem Fenster, wo ich denn bei dem Wetter hin wolle. Ich sollte einsteigen.
    Und sie fuhr mich die 2 km zur Burger - Bude! Als ich sie einlud, mit mir etwas zu essen, hatte sie es eilig, zu den Kindern heim zu kommen! Aber die Zeit, mich in die entgegengesetzte Richtung zu fahren hatte sie! Unglaublich!
    Als ich dann heute Morgen bei Regen meine Satteltaschen packte, war alles noch immer nass!
    Der Regen sollte im Laufe des Tages weniger werden, aber die Sturmböen sollten zunehmen.
    Okay, ich wollte ja ursprünglich MIT dem Wind fahren, also verließ ich den Plan, weiter dem Te Araroa zu folgen, und wollte mich einfach mit dem Wind nach Osten treiben lassen. So folgte ich erstmal dem Highway, bis der Twin Cost Cycleway begann. Ich fuhr meist wirklich vor dem Wind quer durchs Land. Vorbei an vielen Weiden, querte Flüsse und der Weg führte mich durch Buschland. Herrlich!
    Ab mittags brach die Wolkendecke auf und ich fuhr über eine alte Bahntrasse.
    Damit der Fahrradweg durch das Naturschutzgebiet wirklich nur von Fahrrädern genutzt wird, hatte man alle paar Kilometer bei Straßen-Überquerungen Metallstangen installiert, die gerade so eng waren, dass ein Rad durchkommt. Aber kein Rad mit Gepäck! Das hieß, immer alles abbauen, rüber tragen und wieder aufbinden. Als ich da mal so an der Straße stand, hielt ein Truck mit quietschenden Reifen. Ein Koloss von Typ sprang vom Truck runter und rief, ich soll meine Sachen auf dem Rad lassen. Der Typ trug tatsächlich das 30 kg schwere Rad über die Absperrungen und ich musste nichts hin und her räumen. Krass!
    Und schon war er wieder oben auf seinem Laster und fuhr weiter. Ich bin immer mehr beeindruckt von diesen Menschen hier!
    Also fuhr ich weiter mit dem Wind, bis es langsam dunkel wurde. Bei einer Pause sah ich dass der Radweg zwar an der Ostküste endet, dort aber nicht wirklich was zum Übernachten ist.
    Wieder die gleiche Frage: wo am besten schlafen? Ich fuhr durch Kawakawa. Dort steht ein beeindruckendes Hundertwasser-Haus.
    Ein Toilettenhaus.
    Wunderschöne Toiletten!
    Was soll's, dann bleibe ich doch einfach hier! Aber einen Campingplatz gibt's nicht. Also fuhr ich wieder zu den Kuhweiden und fand einen schönen Platz für mein Zelt!
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  • Planänderung für den Wind

    23. januar, New Zealand ⋅ ⛅ 18 °C

    Rawene habe ich nach der dritten Nacht trotz Regen verlassen und wollte weiter fahren. Die Kleidung ist durch die hohe Luftfeuchtigkeit nicht getrocknet.
    Durch den wirklich starken Westwind habe ich beschlossen, die Tour Aotearoa zu unterbrechen, das Northland zu durchqueren und wieder nach Osten zu fahren. Es war eine gute Idee.
    Nach guten Höhenmetern wurde mir warm und hinter den Bergen klarten die Wolken auf, meistens hatte ich den Wind hinter mir und ich konnte nach 20 km den Highway verlassen und auf dem Twin Cost Cycleway durch die vorzugsweise Weidelandschaft fahren. Diese veränderte sich im Landesinneren in dichtes, feuchtes Buschland.
    Eine schöne Überraschung mit den Menschen hatte ich:
    Der Fahrradweg wird konsequent für motorisierte Fahrzeuge abgeschirmt und ist dafür bei jeder Straßenquerung mit schmalen Eisengitter versehen, durch die nur ein Fahrrad passt. Ein Fahrrad OHNE Gepäck. Also musste ich alle paar Kilometer bei solch einer Enge alle Satteltaschen abmontieren, über die Straße, über die andere Begrenzung rüber tragen und wieder auf montieren. Bei einer größeren Straße stand ich, wollte gerade wieder alles abmontieren, als Reifen quietschten und ein Truck anhielt. Der Typ rief aus dem Fenster, ich solle warten. Dann sprang der große Kerl von seinem Truck runter, kam zu mir und hob das ganze Fahrrad mitsamt Gepäck über die eine Absperrung, schob es über die Straße und hob es über die zweite Absperrung. Wünschte mir weiter viel Freude beim Fahrrad fahren und stieg wieder in seinen noch laufenden Truck und fuhr weiter.
    Wie cool war das denn!?
    Die Sonne schien, den Wind im Rücken, abwechslungsreiche Landschaft, solch ein kurzes und herzerwärmendes Event,...
    So ging es mir gut und ich radelte bis Kawakawa.
    Warum Kawakawa?
    Weil ich nach guten 100 km müde war, die Sonne bald unter ging und ich noch keinen Schlafplatz hatte.
    Kawakawa hat Friedensreich Hundertwasser zu verdanken, dass es ein einigermaßen interessanter Ort ist. Eigentlich ist dort nichts außer wunderschöne Hundertwasser- Toiletten!
    So stellte ich mein Zelt am kleinen Flüsschen auf und hoffe dass er nicht noch mehr über die Ufer trete.
    Der Dauerregen hat überall im Land zum Teil schwere Erdrutsche verursacht und viele Überschwemmungen mit sich gebracht. Außer Regen von oben kam kein Wasser von unten. Ich hatte Glück!
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  • Laundry and Glowworm caves

    24. januar, New Zealand ⋅ 🌙 14 °C

    Am nächsten Morgen war ich wieder für ein Ereignis reicher. Die Erde, auf der ich lag, hat nachts mehrfach gewackelt. Sicherlich war es kein schweres Erdbeben und sie haben es hier auf dem Feuergürtel oft. Aber für mich war es besonders! Ich hatte keine Sorge in meinem Zelt. Es war nur einfach besonders!
    Als ich nach einem ordentlichen Regenschauer das pitschnasse Zelt eingepackt hatte, kam auch die Sonne hervor und ich ging, um die ganz besonderen Hundertwasser- Sanitäranlagen zu genießen.
    Alles fertig und gepackt zur Weiterfahrt wurde ich von anderen Packpackers angesprochen. Nils lud mich ein, erstmal gemeinsam einen Cafe zu trinken.
    So saßen wir auf dem Camper -Parkplatz zusammen und tranken selbst gebrauten Café und redeten. Es gab so viel zu erzählen!
    Bis es mittags und eigentlich zu spät zur Weiterfahrt war.
    Ist das nicht mit Freiheit gemeint, wenn man einfach entscheidet, hier am diesem Ort zu bleiben, entspannt die Wäsche in die Wäscherei zu geben und Wind und Regen machen zu lassen was sie wollen!??
    Nachmittags fuhren wir mit einem der vielen Camper-Vans zu den Kawiti-Glowworm-caves. Diese sind tatsächlich wunderschöne Tropfsteinhöhlen auf Maori-Gelände und beherbergen die in Neuseeland endemisch vorkommenden Glühwürmchen. Wir wurden von einer Maori durch die Höhle geführt und ich war wirklich beeindruckt von dem Sternenhimmel ähnlichen Leuchten an der Höhlendecke. Die winzigen Puppen hängen fluoreszierend an der Decke und lassen klebrige Fäden herunter hängen, in denen sich Beutetiere verfangen. Dann schlüpfen kurzlebige Fliegen für die Eierablage. Steht man in der völlig dunklen Höhle, ist es, als stüde das große Himmelszelt mit allen erdenklichen, unbekannten Sternbildern über einem!
    Wir redeten noch lange mit der Maori. Sie fühlt sich hier im 4-Generartionenhaushalt verwurzelt und lebt ihre Kultur. Da hier sehr viele Frauen das Kinn-Tattoo haben und ich immer drauf schauen muss, fragte ich sie nach dessen Bedeutung. Sie persönlich gibt dadurch ihre Hochachtung der Großmutter zum Ausdruck. Das "Moko Kauae" wird am Kopf, dem spirituellen Zentrum des Menschen, getragen und zeigt die Identität und Zugehörigkeit der Frau. Es ist immer präsent, vor allem bei den nahen Gesichts-Begrüßungen, die man häufig sieht.
    Abends wurden wir von den Einheimischen ins Pub eingeladen, spielten Billard und probierten Neuseelands Bier, das süßlich und eher fruchtig schmeckt und für einen Kulmbacher Biergeschmack sehr zart und lieblich erscheint.
    Punkt 23:00 wird die Musik mitten in Eagles Hotel California ausgeschaltet, die noch vollen Gläser runter gekippt oder stehen gelassen. Das Billardspiel muss abgebrochen werden und wir werden vom sehr resoluten, Turban tragenden Inder des Ausgangs verwiesen.
    Tja, diese Regeln haben mir ja bereits einige von Euch im Voraus prophezeit ;)
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  • Maori-Kampf und Whangarei

    25. januar, New Zealand ⋅ ⛅ 18 °C

    Am Camperplatz genau gegenüber auf der anderen Seite des Flusses meines Zelt-Versteckes gab es am nächsten Morgen nochmal Frühstücks-Cafe.
    Dann verließ ich das Hunderwasser-Kaff, welches mir eine wunderschöne Radel-Auszeit und frisch gewaschene Klotten beschert hatte. Ich fuhr auf dem Highway Nr. 1 Richtung Süden, zum Glück war es Wochenende und nicht so viel los auf der Straße! Nach ca 20 km auf und ab bog ich links ab nach Ruapekapeka Pa. Dieser mächtige Anstieg belohnte mich mit einem atemberaubend schönen Ausblick übers ganze Northland! Wind und Wetter erschweren mir meinen Alltag im Sattel ziemlich. Aber die Landschafts-stimmungen sind durch die Wolken, das unruhige Wetter um Einiges noch beeindruckender!
    Auf Ruapekapeka Pa wurde vor 180 Jahren ein Stellungskrieg gegen die Briten vorbereitet und durch die strategische Ortswahl auf der Bergeshöhe, den Tunnel-artigen Verteidigungsgräben dieser Krieg auch gewonnen!
    Deshalb stehen hier 12 beeindruckend gruselige Statuen, bei denen vor allem die Frauen Furcht einflößend erscheinen.
    Es ist ein Heiliger Ort für die Maori. Für mich ist es hier traumhaft durch die weite Landschaft unter mir und wieder die beeindruckenden, alten Bäume.
    Weiter ging es nach Whangarei. Eine große, ziemlich wuselige Stadt, wenn man aus der Natur kommt.
    Natürlich begrüßt mich erstmal wieder Hundertwasser, wo ich auch endlich etwas zu Essen finde!
    Danach geht es auf Suche nach einem Schlafplatz.
    Dabei komme ich auf dem Weg Richtung Küste an dem Wasserfall vorbei. Er beeindruckt mich! Über 26 Meter fällt hier das Wasser den Fels hinab. Seit Millionen von Jahren!
    Neben dem beeindruckenden Wasserfall muss ich auch einige Zeit die anderen Besucher beobachten: wie wir alle doch unterschiedlich solch einen Ort genießen! Selfies im den unterschiedlichsten Posen über das Geländer gehängt, mit Hut und ohne, mit rechtem Bein ausgestreckt, linke Hand oben, geschlossener Mund geöffneter Mund, hinter/vor dem Baum, usw... Einer nahm Maß, ob er von dort oder dort herunter springen würde, ob er lieber dort oder hier sein Leben für das eine Real riskieren solle...
    Einen Schlafplatz fand ich an der Küste unter einem schützenden alten Baum, der bei Flut halb im Wasser steht und bei Ebbe einen schönen Platz für ein kleines Feuer und eine romantische Abendstimmung bietet. Ein Fischer bot mir einen gerade gefangenen Fisch an, der über dem Feuer sicherlich wunderbar gar werden würde. Was hält die Natur nicht alles Gutes und Schönes für uns bereit. Und gleichzeitig bin ich immer wieder froh um mein kleines leichtes Zelt, das mir Schutz bietet vor dem immer wieder kehrenden Regen und dem am Stoff zerrenden Wind!
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  • Wanderung zur Smuggler Bay

    25. januar, New Zealand ⋅ 🌙 18 °C

    Heute wollte ich auf den Busby Head und zur Schmuggler- Bucht wandern. Dies war die zweite Wahl und der zweite Versuch, auf einen Gipfel zu steigen. Östlich von Whangarei, ich hatte sowieso schon in dieser Richtung übernachtet, gibt es relativ hohe klippenartige Berge, von deren Gipfel ich die vielen Einbuchtungen und Wasserwege überschauen wollte. Der erste Versuch, auf den Berg zu steigen endete auf halber Strecke mit einem Bergrutsch, der den Weg und den Steg über ein Tal mit sich gerissen und völlig zerstört hatte.
    So musste ich zurück und noch ein Stück weiter fahren und bin auf den Busby Head gestiegen. Vorbei an Schießanlagen und Bunkern, als Bauernhof getarnt, als Überbleibsel des zweiten Weltkriegs gegen Japan.
    Die Aussicht war großartig!
    Das Wetter wechselte von Sonnenschein zu Wolkenbruch etwa alle dreißig Minuten. An der Schmuggler - Bucht machte ich Mittagspause bis der nächste Regen mich weckte.
    Es tat gut, mal einfach zu laufen und das Fahrrad stehen zu lassen.
    Der Abend klang auf einer schönen Campsite aus. Es waren einige Backpacker dort und wir hatten viel Spaß miteinander. Bis mir bei Dunkelheit doch noch einfiel, das Zelt aufbauen zu sollen! Diese Aktion auch noch bei Dunkelheit... Aber zu viert war es rasch erledigt und ich hatte noch nie auf dieser Reise ein so perfekt aufgebautes Zelt und war überrascht, wie viel Platz da eigentlich drin ist.
    Der wunderschön leuchtende Sternenhimmel ließ mich mit dem Versprechen auf gutes Wetter glücklich einschlafen.... bis der Wolkenbruch und der am Zelt zerrenden Wind mich weckten.
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  • Auf nach Süden

    26. januar, New Zealand ⋅ ⛅ 17 °C

    Heute haben wir uns nach geselligem Einpacken und gemeinsamen Café an der Campsite alle verabschiedet und ich bin mal wieder alleine los gezogen.
    Ich habe Whangarei Richtung Süden für zehn Kilometer auf dem Highway Nr 1 verlassen und noch einmal über wunderschöne Wege auch das Hochland hinter mir gelassen. In Weipu habe ich mir von außen eine Macadamia-Nuss- Plantage angesehen. Heute ist ein Feiertag und viele Bereiche geschlossen. Aber ich habe genug sehen können. Die Bäume und Früchte der Macadamianuss kannte ich vorher nicht.
    Nun freue ich mich auf Auckland, bzw. auf alles, was südlich davon auf mich wartet!
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  • Kontrastprogramm

    27. januar, New Zealand ⋅ ☁️ 19 °C

    Mit dem Verlassen der Highlands und dem Beginn des District Auckland spüre ich mit jeder Faser den Unterschied des Verhaltens der Menschen. Während ich im Norden von den Maori die aus Flachs geflochtenen Blumen für eine allzeit behütete Fahrt an den Lenker geschenkt bekommen habe, könnte man diese Gegend hier den Speckgürtel von Auckland nennen.
    Keiner grüßt mehr oder nur wenn nötig, weil ich beharrlich Good Morning wünsche. Die Besiedelung wird immer enger, die Luxusvillen in exponierter Alleinlagen thronen über den Straßen mit bester Aussicht. Die Auffahrten sind verriegelt, ganze Straßen heißen einen mit "Keep Off" und "Entrance Prohibited" nicht willkommen. Die Autos nehmen wenig Rücksicht.
    Plötzlich sind die Restriktionen zum Campen streng. Überall, nicht nur an den schönsten Stellen, wird das Zelten verboten.
    Gut, dass ich das jetzt auch weiß.
    Jetzt zieht es mich wirklich weiter und die Strecken durch das Hügelland scheinen sich zu ziehen!
    Letzte Nacht im Wald verbracht, wieder mit den unterschiedlichsten Vogelstimmen, die abrupt um 22:30 verstummten. Ich wachte aus Tiefschlaf auf: war das ein Wildschwein? Was hat da gegrunzt???
    War das etwa ich selbst...?!
    Mit diesem rettenden Gedanken schlief ich wieder ein.
    Am Strand gefrühstückt, die letzte Avocado verspeist ging es weiter: Berg auf und Berg ab. Meist gab es einen Fahrradweg, manchmal nahm ich einen Umweg in Kauf, um nicht auf dem Highway fahren zu müssen.
    In Wellsford fasste ich um 15:00 den Entschluss: heute gibt es Kontrastprogramm.
    Wo ist das nächste Hotel???
    Naja... Hotel nicht, aber Motel. Da ich Motels nur aus den amerikanischen Filmen kenne, will ich es mal versuchen.
    Es ist einfach, aber es ist alles da. Sogar heiße Schokolade! Meine Türe geht direkt nach draußen in die Natur zu den Schafen. So kann ich mit den inzwischen gut bekannten Geräuschen einschlafen!
    Aber vorher, ja vorher gibt es was ganz besonderes: eine Tüte Chips und einen Film- welch wunderbarer Frevel!
    ...während alle Lieben Zuhause aufstehen, Schnee schippen und ihren schneereichen Wintertag beginnen...
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  • Lange weiße Wolke - Aotearoa

    28. januar, New Zealand ⋅ 🌙 20 °C

    Nachdem am Morgen eine Flasche frische Milch vor meiner Tür stand, habe ich mir selbst einen Cafe aufgegossen. Alle Taschen waren wieder gepackt und ich habe den Café auf der Terrasse im Sonnenschein genossen. Die Schafe schauten mir zu
    Dann machte ich mich auf den Weg nach Auckland.
    Es war richtig schön, wieder zu kommen. Ich mag die Stadt!
    Vor allem war es ein Traum, bei dem tollen Wetter mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren!
    Eigentlich wollte ich nur kurz bleiben, um ein paar Dinge zu erledigen. Beispielsweise wünschte ich mir eine Isomatte, die nicht nach 10 Minuten all ihre Luft verlor! Auch die Trinkflaschen aus Plastik mussten ersetzt werden- wie kann man bloß aus Plastikflaschen trinken!
    Als die Fähre wenige Menschen vor mir voll war und wir eine Stunde auf die Folgende warten sollten, war ich nicht sonderlich enttäuscht. Ich radelte nochmal am Hafen entlang, die Queensroad hinauf und in alle möglichen kleinen Ecken, die ich ohne Rad nie entdeckt hätte.
    Als ich dann auf der Fähre nach Pine Harbour stand, war es beeindruckend, mit welcher Power das Boot durch das Wasser pflügte. Ich stand hinten, bestimmt über den Turbinen, es war wahnsinnig laut und wir fuhren ziemlich schnell über das Wasser.
    Romantisch war die Schifffahrt nicht.
    Aber meeega cool!
    Über der Skyline zog sich die lange weiße Wolke - Aotearoa - wunderschön dahin, die Stadt wurde immer kleiner und versank irgendwann in der peitschenden Gischt der Propeller.
    Ab Pine Harbour ging es dann an der Küste entlang. Endlich war ich meinem Te Araroa - dem "langen Weg " wieder treu!
    Ich fuhr in dem goldenen Abendlicht über die kleine Küstenstraße. Es roch nach gemähtem Gras, der halbe Mond über mir.
    Obwohl ich noch nicht wusste, wo ich schlafen sollte, schaute ich mir noch die am Wegesrand als historisch ausgewiesene Kirche an. Klar, wie alt konnte diese historische Kirche wohl sein?!
    Für unsere Verhältnisse ist sie sehr jungen Baujahres. Anfang des 20. Jhd.
    Was ich aber interessant fand, war der Maori-Einfluss. Die anglikanische Kirche aus der britischen Kolonialzeit ist zwar im Kolonialstil gebaut, aber bspw. die Türe ist mit Maori - Kunst verziert und wird von Maori -Statuen bewacht. Auch innen am sehr schlichten Holz-Altar wachen geschnitzte Maori-Gestalten. Ein Kruzifix gibt es nicht. Nur ein einfaches Kreuz. War das bereits damals ein Versuch, die Kulturen irgendwie zu integrieren?
    Einen Schlafplatz fand ich dann schließlich im wunderschönen Naturpark.
    Pssst.... Bitte nicht verraten!
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  • Einfach fahren!

    29. januar, New Zealand ⋅ 🌙 17 °C

    Heute gibt es wenig zu berichten. Nach einem Frühstück am Kawakawa Beach, - Wraps sind ziemlich praktisch auf Reisen, - fuhr ich einfach! 120 km sollten es heute werden.
    Wind aus Nordwest, also immer ziemlich brauchbar, um vorwärts zu kommen. Zwischendurch ein Erfrischungsbad im Pazifik, dann ging es an der Küste entlang weiter nach Kauaia. Gegenüber am anderen Ufer leuchtet die Cormandel-Halbinsel, die halt per Rad nun ausgelassen werden musste. In Kauaia integrierte der Te Aotearoa mit dem dort beginnenden Hauraki Rail Trail, der immer der alten Bahnstrecke nach Süden folgt. Das versprach für mich eine entspannte Ebene ohne viele Berge. Der Weg führt um die großen Mangrovenwälder herum, durch Weideland, durch das breite Tal des Waihou River.
    Ich fuhr einfach, genoss die Weite um mich herum, die Sonne, den Wind meist im Rücken und genug Wasser bei mir zu haben. Das gleichmäßige Gravel-Geräusch unter den Reifen.
    Die Gedanken sind frei und ziehen mit den Wolken dahin!
    Unterwegs traf ich vier weitere Radler, drei Franzosen, einen Australier. Luc traf ich abends am Campingplatz wieder. Ein junger Kerl, der nur per Google translater kommuniziert, aber sehr humorvoll ist.
    Es war mal wieder schön, auf einem gepflegten Campingplatz unter Gleichgesinnten den Abend zu verbringen!
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  • Immer wieder überraschend

    30. januar, New Zealand ⋅ ⛅ 17 °C

    Der Morgen in Paeora begann mit einem sonnigen Frühstück, natürlich bestehend aus einem Wrap.
    Es ist schon erstaunlich, wie lang es dauert, bis alle sieben Sachen wieder geordnet, eingepackt, der letzte Akku geladen und das Rad abfahrbereit ist.
    Luc bastelte noch mit schwarzen Ölhänden an seinem Fahrrad. Ich war insgeheim Jürgen Schulz und Peter sehr dankbar für ihre Bikefittings und wichtigen Ratschläge und hoffte dass meinem Rad möglichst keine Spirenzchen einfallen würden.
    So radelte ich los, weiter auf dem Rail-Trail von gestern im Richtung Süd-West. Der Weg war gesäumt von wildem Fenchel und die Luft roch wunderbar würzig. Nach Wheikino verließ ich den Rail-Trail, der damals die Goldgräber miteinander Verband und bog direkt nach Süden ab. Richtung Cambridge. Mit Nordwind.
    Die Luft flimmerte, es wurde bergig.
    Ich erinnerte mich an Cordulas Worte: Neuseeland ist das komprimierte Europa.
    Stimmt! Die Northlands wie Schottland, vielleicht auch wie Irland. Die Küste um Auckland in der Mentalität wie Ostseeküste: saturiert, reglementiert und spaß befreit. Und heute fuhr ich ab dem Abzweig nach Süden quasi durch die Toscana. Auch das Vogelgezwitscher war vertraut: Lärchen, Amseln, Finken, ...
    Es ging ordentlich bergauf. Eine der vielen Verschnaufpausen mit Ausblick auf einen Stausee wurde zu einer Stunde. Jane und ihr Mann saßen vor ihrem Pickup und wollten alles über meine Reise wissen. Als erstes wurde mein Name geklärt. Dann holte er eine gekühlte Cola aus dem Wagen- boah hat die gut getan! - und dann wurde erzählt! Bis uns auffiel, dass die beiden zurück zu ihrer Farm mussten und ich ja noch bis Cambridge wollte, wo ich mal wieder nicht wusste, wo ich schlafen würde.
    So schwitzte ich weiter den Berg hinauf - er musste doch einmal ein Ende nehmen!
    Das letzte Stück des Berges war abzusehen. Ich sah bereits die Kuppe und hoffte, dass es nach der Biegung nicht weiter bergan gehen würde. Immerhin war es heiß, 80 km steckten bereits in den Beinen und ich hatte Hunger.
    Eigentlich hatte ich keine Lust mehr!
    Da kam doch von hinten so ein gechillter E-Biker daher als wenn es keinen Berg gegeben hätte. Und und er fragte tatsächlich, ob er mir einen Push geben sollte. Bevor ich kapierte, was er meinte, schob er mich tatsächlich den Rest des Berges hoch!
    Wie cool war das denn!?
    Und ab da ging es einige Kilometer Kurve um Kurve abwärts.
    Und zum Glück war der E-Biker hinter mir! So konnte ich ohne zu bremsen einfach fahren, denn seine Geschwindigkeit war leider limitiert.
    Im Tal angekommen fuhren wir noch 15 km mit 30 km/h bis nach Cambridge.
    Auf diesen 15 km erfuhr ich dass er Pete ist, ursprünglich einmal aus Holland stammte, drei Jahre um die Welt gereist ist, letzte Woche seine 98 jährige Mutter verstorbenen sei und er nun bei seiner Schwester zu Besuch in Cambridge sei.
    Wo es einen Zeltplatz gäbe, wüsste er nicht. Ich solle mit ihm kommen und wir könnten seine Schwester fragen.
    Wir fuhren in eine Neubausiedlung. Es erinnerte mich ein wenig an die
    Trueman -Show.
    Dort angekommen, Annelies wurde mir vorgestellt, ihr man Collin und die Nachbarin, die Bamberg so sehr liebt.
    Nur kurz hereinkommen für einen Schluck Wasser....
    Wir saßen auf der Terrasse, erzählten. Collin fiel da irgendwann ein schöner Campingplatz ein.
    Ach ja: ob ich gerne duschen wolle? Hier sind Handtücher und alles was du brauchst.
    Ähm ja.... Gerne!
    Weißt du was, Friederike, wir könnten einen Ausflug machen. Wir zeigen dir Cambridge. Magst du?
    Pack alle deine Sachen ins Auto das Fahrrad hängen wir hinten drauf. Nicht in den Ford Mustang GDT, der daneben!
    Okay!
    So fuhren wir zu viert die letzten fünf km in die Stadt. Die drei hatten Hunger, wir sollten etwas essen. Collin bestellte Pizza. Bis diese fertig war, gab es ein Sightseeing durch Cambridge. Dieses sei nicht zu verwechseln mit dem britischen Pendant. Es gibt alles, und noch einiges mehr, was man hauptsächlich im Rentenalter gebrauchen könnte, aber für meinen jetzigen Geschmack ein eher Kultur-freies Städtchen. Aber umso cooler sind doch diese drei Rentner hier, von denen zwei vor sieben Jahren aus Auckland für den Lebensabend her gezogen sind!
    Mit der Pizza fuhren wir an Neuseelands größten und bedeutendsten Fluss - Waikato River - und picknickten im Abendlicht fröhlich die Pizza - nicht zu vergessen für jeden eine eisgekühlte Flasche Summer Ale!
    Bevor es zu kühl wurde ging es weiter flussabwärts zum Little Waipa Reserve. Eine free-campsite, die romantischer kaum sein könnte.
    Annelies gab mir zum Abschied noch Tomaten und Gurken aus dem Garten - für das Wrap Morgen!
    Sie packten alle meine Sachen an den von mir ausgewählten Platz am Ufer und wir drückten uns ganz fest zum Abschied!
    Es war so unglaublich...!
    Ich hatte mein Zelt am Ufer und neben mir stand ein großer LKW. Nicht wirklich romantisch. Aber ich dachte, der Typ schläft eh und ich hab es gemütlich mit Blick auf das Wasser und zum Mond.
    Der Typ entpuppte sich als Saskia, ist seit 35 Jahren aus Holland nach Neuseeland ausgewandert und chilled im selbst ausgebauten LKW. Wir hatten einen gemütlichen Abend bei Mondschein und Heineken...
    So lässt es sich leben und eins war mir klar:
    Ich trauere keine einzige Träne nach dem verpassten Hobbiton! Auch wenn ich wohl das eine Promille persönlich bin, das NICHT wegen Herr der Ringe nach NZ kam!
    So ein Tag ist einfach nur Herz-erfüllend und bereichernd. Und ich schlafe mal wieder dankbar unter Sternenhimmel und Mondschein ein.
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  • Im Busch - Der Timber Trail

    1. februar, New Zealand ⋅ ☀️ 21 °C

    Ich verbringe die erste Nacht im Busch. Es gibt kein Internet, kein Empfang. Es ist 20:20 Uhr. In den hohen Baumwipfeln ist noch goldenes Sonnenlicht, da oben geht ein leiser Wind. Hier unten ist es fast dunkel und total still. Keine Zirpen, kein Vogel. Sowieso seit acht Stunden kein Autogeräusch, auch kein Flugzeug. Das einzig Unnatürliche hier sind mein Fahrrad und ich.
    Wie sind wir hier her gekommen?
    Nach dem schönen Abend mit der Familie in Cambridge wachte ich mit Sonnenschein auf und machte mich auf den Weg weiter nach Süden. Immer am Waikato River entlang. Das ist der mächtigste Fluss der Nordinsel. Ich fuhr oft an gewaltigen Wasserkraftwerken und riesigen Staudämmen vorbei.
    Neuseeland hat kein Atomkraftwerk.
    Der Fluss bietet vielseitige Freizeitmöglichkeiten. Schon vor einiger Zeit habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen, dass die Maori als Minderheit im Parlament dem Fluss und dem Whanganui River 2017 als weltweit erstem Fluss per Gesetz eine eigene Rechtspersönlichkeit verliehen. Das Gesetz anerkennt ihn als unteilbares, lebendiges Ganzes mit allen Rechten, Pflichten und Verbindlichkeiten einer juristischen Person, basierend auf der Maori-Weltanschauung. Zwei Treuhänder vertreten seine Interessen, was ihn vor Schäden schützt.
    Das heißt, der Fluss wird rechtlich wie ein Mensch oder eine juristische Person behandelt. Der Rechtsstreit der Maori darüber ging 140 Jahre lang, um den Fluss als lebendiges Wesen zu schützen.
    Sehr interessant, wenn man das weiter denkt!
    Ich fuhr durch Arapuni und konnte es nicht lassen, dort über die Hängebrücke zu fahren, obwohl sie nicht auf meinem Weg lag. Hängebrücke hört sich dann mal unspektakulär an. Aber: sie ist sehr hoch und sehr lang und sehr wackelig!
    Es hat mich tatsächlich Überwindung gekostet und mein Puls war doppelt so schnell. Die Brücke hat gewackelt, damit mein Gepäck ebenso, das Rad ist einfach gerollt und ich fixierte nur irgendwie die andere Seite der Brücke. Die Augenwinkel registrieren die Tiefe des Tals unter mir, der Kopf wusste, fahr einfach geradeaus, halte das Rad stabil - nichts anderes!
    Was danach kam, waren 55 km, die mich fast ans Limit brachten. Nach recht schönen kleinen Straßen übers Land folgte ich einem 30 km langen Trail, der nicht für Backpacker gemacht scheint. Über dem oft gestauten Fluss wandt sich der Pfad so steil auf und ab, dass ich das Gepäck nicht selten vor dem Fahrrad hinauf tragen sollte. Spät am Abend kam ich in Mangakino an. Und hatte beschlossen, morgen von dort ein Stück mit dem Bus zu fahren.
    Wieder ein verschlafenes Nest, aber immerhin mit einem kleinen Lädchen. Natürlich kein Campingplatz.
    Eine Bushaltestelle gibt es auch, aber der Bus fährt erst nächste Woche. Okay, erstmal essen, schlafen und morgen sieht die Welt ganz anders aus.
    Und tatsächlich!
    Es ist doch wirklich immer wieder erstaunlich, wie wir mit etwas Schlaf Körper und Seele regenerieren können!
    Ich wachte auf und dachte, na dann fährst du einfach weiter. Die 50 km zum nächsten Trail sollten doch wohl machbar sein. Dafür musste ich genau überlegen: ich brauchte Wasser und Essen für mindestens drei Tage. Mangakino ist die letzte Möglichkeit, einzukaufen.
    Gesagt getan. Ich hatte knapp sechs Liter Wasser, drei Avocado, Bananen, Brot, Porridge, Nüsse.
    So fuhr ich los. Wunderschön am Stausee entlang. Bis mal wieder meine geliebten metallenen Absperrungen kamen. Alles so schön gepackte Gepäck musste runter, über die Straße getragen und wieder aufgebunden werden. Als ich so dabei war, alles wieder aufzubinden, dass nichts bei dem Geholper runterfallen könnte, kamen zwei Geländemotorräder und warteten, dass sie an mir vorbei konnten. Ich fragte aus Spaß, wie man sich solch eine Konstruktion für Fahrräder ausdenken könne, die da nicht durch passen.
    Der ältere lachte und sagte, das alles wäre ja nur wegen Leuten wie ihnen, dass sie dort nicht Motorrad führen!
    Toll! Und sie führen ja doch und ich habe meine Schwierigkeiten.
    Alle fuhren weiter. Nach vier km sah ich die Motorradfahrer stehen: Vor einer weiteren Absperrung. Sie hatten auf mich gewartet und hoben das bepackte Fahrrad über das Metallgestell - wie cool mal wieder!
    Sie stellten sich als Vater und Sohn vor. Daniel und sein Sohn.
    Wo ich eigentlich hin wolle.
    Auf den Zubringer zum Timber Trail.
    Das sei aber kein so schöner Weg mehr, sie könnten mich hoch bringen.
    Wow, was für ein Angebot! Nach den ersten schönen Kilometern am See ging es vierzig Kilometer staubige Schotterstraße gut 500 Höhenmeter hinauf, sodass ich ursprünglich froh sein konnte, bei der Hitze irgendwann am Spätnachmittag oben zu sein
    Viel schöner war es, das Rad zwischen die Motorräder auf den Pickup zu stellen und einfach schnell da hoch zu fahren! Daniel versicherte, nichts für den Tag weiter geplant gehabt zu haben. Und es sind ja nur vierzig km ..!
    So war ich schon mittags am Startpunkt eines in Insider-kreisen sehr bekannten Single-Trails.
    Der Weg ist insofern von historischer Bedeutung, als dass hier damals die besonderen, uralten Kauri-Bäume gerodet wurden. Aufgrund ihrer hohen, sehr gerade gewachsenen Stämme wurden sie für den Bau der Häuser und Möbel, später für den Export nach China verwendet. Es wurde immenser Aufwand betrieben, das wunderbare Holz zu roden.
    Ich fuhr einfach los. Es war klar, dass ich niemals in der Hälfte der 84 km ankommen würde. Erst bei 42 km gäbe es einen Campground. Aber den heißen Nachmittag abzuwarten und erst am nächsten Tag zu starten, dafür war das Glück zu groß, jetzt schon hier zu sein!
    Es war besonders, so lange durch den Busch zu fahren! Bald hatte ich die Orientierung verloren. Die Sonne schien, aber ich wusste nicht, woher.
    Ich folgte einfach dem Pfad.
    Elf km bergauf. Aber es war schön!
    Nicht zu heiß und durch das Sonnenlicht lieblich und eine freundliche Natur.
    Vor allem die mächtigen, uralten Kauri-Bäume, die damals "vergessen" wurden, gaben das Gefühl von Schutz und Geborgenheit und ich schlief dankbar irgendwo im Busch mit dem Gedanken ein,
    heute den exakten Mittelpunkt der Nordinsel überquert zu haben.
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  • Regen, Mücken und kein Ende

    2. februar, New Zealand ⋅ 🌧 22 °C

    Heute morgen hat mich unter meinem Kauri-Baum ein sanftes Regenprasseln auf mein Zelt geweckt. Als ich realisiert hatte, wo ich war, sprang ich auf und packte alles in Windeseile zusammen, solange das Blätterdach über mir noch etwas dicht hielt. Es hat funktioniert: alles war ziemlich trocken eingepackt und ich fuhr meinen Pfad weiter. Eigentlich fuhr ich immer am Grad des Höhenzuges westlich über dem Taupo Lake entlang. Es führten einige Hängebrücken über die Täler. Langsam gewöhnte ich mich an sie und ihr Schwanken. Die Brücke, die ich fotografiert hatte, ist bspw. 60 mtr. hoch und 142 mtr. lang. Ich finde, das kann beeindrucken!
    Den zweiten Tag ohne Handyempfang, ohne Menschen und Motorengeräusch. Eigentlich traumhaft, wenn da nicht stattdessen diese merkwürdigen Mücken wären! Sie beißen nur an den Beinen, durch die Schuhe auch an den Füßen. Es sieht sehr komisch aus und juckt, wie ich es noch nie erlebt habe. Brauch man wirklich nicht als Erlebnis!
    Nun, und irgendwann kam dann der Regen auch durch das Blätterdach. Der Weg wurde rutschig, dreckig, mit tiefen Pfützen. Wie mein Fahrrad, die Satteltaschen und ich mittags aussahen, kann man sich sicherlich denken!
    Gegen 14:00 stand da doch netterweise eine Schutzhütte, die ich gerne aufsuchte und sofort die nassen Sachen wechselte. Zwei Tage keine Menschenseele gesehen! Aber jetzt, in Unterhose meinen Schlafsack ausrollend, um mich aufzuwärmen, stehen zwei Typen da! Auch klatsch-nass. Wollen aber weiter fahren. Der Untersteller ist zu klein für drei mit Fahrrad.
    Die Armen!
    35 km hatte ich noch bis zu einem ausgewiesenen Campground.
    Hoffentlich gibt es auch ein Dach dort zum unterstellen!
    Aufgewärmt packte ich alles wieder ein. Als der Regen etwas nachzulassen schien, ging es weiter.
    Ich erreichte mein Ziel am frühen Abend. Nass, kalt, hungrig .
    Ist das so ein Moment, wo man sich fragt: WOFÜR all das!?
    Nein, so weit war ich noch nicht! Noch gehört es dazu und kann bewältigt werden.
    Es kamen noch drei andere zum Campground dazu und es wurde noch ein recht netter Abend unter einem Schutz-Dach. Bald krabbelte jeder in sein Zelt und versuchte irgendwie auf seine Weise, nicht die Beine blutig zu kratzen.

    Es waren die berühmten Sandfliegen: kleine schwarze Käfer, die in die Socken krabbeln und fliegen können: wer in Neuseeland war, kennt sie wohl. Ich jetzt auch!
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  • Die Kette der Feuerberge

    3. februar, New Zealand ⋅ 🌧 13 °C

    Der Tag begann mit dem Regen, wie der vorige endete. Nachdem das klatsch-nasse Zelt eingepackt, alle klammen Sachen verstaut und die letzte Ration gefrühstückt war, verabschiedeten wir uns alle und jeder ging oder fuhr seinen Weg.
    Ich fuhr die 28 km nach Taumarunui, füllte wieder Wasser und Essensvorräte auf und beschloss hier aufgrund des Regens, wieder einmal den Te Araroa zu verlassen. Da ich sowieso total nass war und für Morgen schönes Wetter angesagt wurde, wollte ich lieber duschen, Wäsche waschen und dem Fahrrad ein wenig Pflege gönnen. So fuhr ich einen 75 km Abstecher auf dem Feuerring in Richtung Feuerberge.
    Schönes Wetter könnte eine schöne kleine Wanderung über den Tongariro versprechen und gleichzeitig ein wenig Entspannung für die juckenden Beine bieten. Mal sehen, ob die Hoffnung so aufgeht...
    Da mir Neuseelands Orte, bis auf die junge Stadt Auckland, bisher nicht so viel Eindruck gemacht haben, entschied ich ebenfalls, auf den Besuch von Rotorua und Taupo zu verzichten.
    Vielleicht werden das viele Neuseeland-Kenner nicht verstehen können! Aber mit dem Fahrrad müssen Kompromisse eingegangen werden, wenn die Zeit doch ein wenig Rolle zu spielen beginnt.
    Immer wenn es eine Wahl des Weges gibt, ist die Konsequenz der Entscheidung: das muss ich halt mal mit Marcel nachholen...!
    So genoss ich einen Abend mit warmer Dusche, sauberer Kleidung, gemütlichem Bett, Internet. Alles kleine Dinge, die erst so richtig schön werden, je länger die Komfort-Zone verlassen war.
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  • Tongariro Crossing

    4. februar, New Zealand ⋅ ☁️ 10 °C

    Sämtliche Körperteile durften sich zwei volle Tage und drei Nächte im Nationalpark Village ausruhen.
    Es tat gut, quasi ein Zuhause zu haben, gewaschene Kleidung anziehen zu können, schön zu essen und ganz viel sozialen Kontakt zu genießen!
    Das Fahrrad wurde wieder fit gemacht, das Gepäck sortiert.
    Morgens um sieben Uhr ging es los. Der Bus brachte uns in den Nationalpark hinein, der durch eine fürchterlich dreinschauende Maori-Gestalt bewacht wird. Der Nebel sollte sich auflösen. Wir sahen nur die verbrannte Erde von dem Flächenbrand letzten November unter unseren Füßen. Die verkohlten Büsche gingen über in Lava- Felder. Als wir um den Bergrücken bogen, blies ein eisiger Wind. Hoffentlich bläst er die Wolken weg!
    Es war kalt. Auch als der Weg in die s.g. Devil's steps über ging und wir ordentlich schnauften, wurde es zwar heiß unter den Windbreakern, sie aber auszuziehen wäre zu kalt gewesen. So stiegen wir die 800 hm innert 4 km auf, sahen aber eigentlich nichts!
    Dennoch war es eine mystische Stimmung mit den zu erahnenden Berg-Silhouetten über uns. Man wußte, es ging steil neben uns hinab, aber man sah nichts.
    Gegen Mittag schaffte es die Sonne, für einen Moment beim Abstieg den Blick auf den Lake Taupo frei zu geben.
    So ging ich irgendwann zügig voraus, freute mich auf einen gemütlichen Nachmittag "zu Hause" und kam nach sechs Stunden bei der 20 km -Marke am Parkplatz an.
    Nachmittag und Abend waren wirklich gesellig und schön und ich entschied: ich bleibe noch einen Tag und eine Nacht hier!
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  • Tongariro Crossing Twice

    5. februar, New Zealand ⋅ 🌙 11 °C

    Ich wollte es wissen!
    So stand ich am nächsten Tag wieder um sechs Uhr auf, um zu 7:00 nocheinmal einen Versuch zu starten.
    Die Organisatorin war von meinem Elan begeistert und ließ mich diesmal umsonst mitfahren- das musste ein gutes Ohmen für den Tag bedeuten.
    Der Wetterbericht hatte wieder gutes Wetter vorausgesagt
    Diesmal musste es stimmen!
    Und das tat es auch! Der morgendliche Nebel verflog und wir hatten freie Sicht!
    Ich ging mit Christina, wir genossen den Weg im Gegenlicht der Sonne, die sich im Tautropfen am Gras brach und im plätschernden Bergbach leuchtete.
    Es war schön, dass ich den Weg bereits kannte. Ich konnte meine Kräfte gut einteilen und genoss die Aussicht!
    Wir liefen über Lava des Ausbruchs von 1952. Gerade einmal etwas Moos hatte sich angesiedelt und vereinzelt etwas Gras. Wie lange musste es dauern, bis fruchtbarer Boden aus der Lava hervorging!
    Mit jeder Windung des Weges um einige Höhenmeter weiter nach oben wurde die Aussicht beeindruckender.
    Am roten Krater angekommen staunten wir über diese Mächtigkeit. Trotz der Sonne, die die Natur lieblich erscheinen lässt, konnte man den mächtigen Auswurf des Vulkan damals nachempfinden. Erdverschiebungen, ganz neue Berge mit verworrenen Formationen sind entstanden! Der Krater zeigte sich in pechschwarz und roter Farbe. Dahinter in gleisendem Blau die Landschaft in der Ebene.
    Wir durchliefen die Kaltera und fühlten uns wie in einer Mond -, besser noch in einer Marslandschaft, obgleich beide ja nur unserer Phantasie entsprachen.
    Den Abstieg beginnend kamen wir noch an drei tief türkis-blauen Bergseen vorbei. Sie leuchteten im Licht des blauen Himmels .
    Sie verdanken ihre Farbe in Wasser schwebenden, feinsten Mineralpartiken, die das Sonnenlicht streuen und gelösten Schwefelverbindungen. Die Mineralien reflektieren kurzwelliges blaues Licht besonders stark, der Schwefel steuert einen grünlichen Ton bei.
    Würde man ein solches Bild malen, sähe es kitschig aus.
    Eigentlich wollten wir uns nicht trennen, mussten aber den Abstieg antreten. Dieser wurde uns versüßt durch den grandiosen Ausblick auf den Lake Taupo, der im warmen Nachmittagslicht vor uns lag. Der Abstieg wandt sich lange durch Grasland mit immer wieder aufsteigenden Schwefeldampf-Säulen, die durch die Felsritzen aufstiegen.
    Irgendwann ging es durch Busch-Wald, dann entlang eines sprudelnden Bergbachs bis zum Parkplatz. Auch der Ausgang aus dem Park war wie der Eingang durch eine Furcht einflößende Maori-Gestalt bewacht.
    Tief zufrieden und beeindruckt ließen wir uns "nach Hause" fahren. Genossen die Dusche, das Essen und zu sechst einen fröhlichen Abend in der "Schnaps Bar" nebenan.
    Das Reisen ist doch immer so ein Ding... Einerseits ist es genau da, wo du bist und wo du dich gewöhnt hast, am schönsten. Und gleichzeitig zieht es dich weiter an andere schöne Orte zu anderen noch unbekannten Erlebnissen!
    Deshalb sollte es hier im Nationalpark Village die letzte Nacht für mich sein und mein Fahrrad mich morgen weiter tragen!
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  • Nationalpark Village To Pipiriki

    6. februar, New Zealand ⋅ 🌙 15 °C

    Ein wenig fiel der Abschied heute morgen schwer, aber ich freute mich auf das, was noch kommen wird.
    Ich schätze den Te Araroa immer mehr. Er verbindet viele der s.g. Great Rides und lokale Fahrradwege in NZ, die durch die markantesten Landschaften führen.
    So fuhr ich heute morgen den Fisher Trail für 30 km durch üppige Vegetation immer entlang von steil abfallenden, klippenartigen Hängen. Dann führte ein Zubringer über 27 km Schotterstraße an Weideland vorbei. Endlich gab es so richtig Schafe! Bisher überwogen die Kühe in der Anzahl der Schafe.
    Am Cafe der Blue Duck gab es das letzte Mal Wasser, Cafe oder was man noch so in einem kleinen Café brauchen könnte. Nach kurzer Pause ging es dann auf den Mountains To See Trail. Es wurde viel gewarnt, 800 hm als Single Trail. Ich wollte es um 14:30 noch wenigstens bis zu einer Campsite schaffen, da ich das Boot gebucht hatte, um nach Pipikiri zu kommen.
    Jetzt war ich wieder auf meinem TA!
    Es ging zwar bergauf, aber es machte Spaß, den Single-Trail mit etwas Technik zu fahren. Es ist gar nicht ohne, mit Gepäck, das ganze Gewicht auf dem Hinterrad, das Gleichgewicht zu halten, kurze steile Teilstücke, dann wieder fast senkrecht hinunter und wieder um die Spitzkehre zu kommen! So war ich nochmal über vier Stunden total konzentriert.
    Ich fuhr bis an den Gipfel und hatte eine wahnsinns Belohnung mit einem Blick zurück auf das Tangoriro-Massiv, eingetaucht ins Abendlicht, wo ich gestern noch gewandert war.
    Ich fuhr noch acht km bergab, was äußerst kompliziert war und ohne Federung die Handgelenke extrem belastete. Es war eigentlich kein Weg: es ging sprichwörtlich über Stock und Stein, über Felsen und durch sehr tiefe Schlaglöcher. Es war eigentlich anstrengender als der Weg Berglauf.
    Jedoch zum Glück fuhr ich das Stück noch, wie sich am nächsten Tag herausstellen sollte!
    Ich fand eine wunderschöne, ausgeschriebene Campsite. Das ist einfach ein Unterstellplatz, Wasser zum abkochen und ein Plumpsklo.
    Ich dachte, ganz allein auf der Lichtung zu sein. Aber ganz im Eck standen Quats und vier Kerle entspannten sich in der Männerrunde zum Wochenende.
    Ich ging als erstes zu ihnen hinüber und stellte mich vor,dass ich heute hier schlafen wolle. Daraus wurde eine gute Stunde. Ich bekam ein Begrüßungsbier und Chips.
    Dann stellte ich mein Zelt rasch auf, bevor es dunkel wurde. Kochte Pasta mit Tomatensoße, bekam einen Becher Rotwein dazu gebracht und genoss die Ruhe auf der Lichtung!
    Ist das nicht einfach wohltuend, solche unkomplizierten Menschen!?
    Als alles Tier-sicher verstaut war, ging ich wieder hinüber zu den Jungs, inzwischen hatten sie Feuer gemacht und wir hatten einen sehr entspannten gemeinsamen Abend.
    Ich glaube, noch nie zuvor hatte ich einen so wundervollen Sternenhimmel gesehen, wie in dieser Nacht! Es fühlte sich an, als könnte ich viele hundert Kilometer tiefer ins Weltall sehen, als sonst.
    Ich schlief wie ein Baby: frei und gleichzeitig beschützt, sicher, glücklich und ganz tief!
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  • Bridge to Nowhere

    7. februar, New Zealand ⋅ ☀️ 21 °C

    Ich frühstückte zum Glück nur deshalb, weil die Morgenstimmung so schön war und dabei das Zelt vom Morgentau abtrocknen konnte. Die Grundlage sollte wichtig werden.
    Ganz entspannt verabschiedete ich mich und machte mich gemächlich auf den Weg. Ich hatte ja gute fünf Stunden für 25 km bis das Boot ablegte und was sollte ich an dem Anleger ewig warten.
    Nach wenigen Metern traf ich Marc, der von oben, wo ich gestern herunter geschlingert war, gekommen war und all sein Gepäck im tiefen Schlagloch verloren hatte. Alles lag im knietiefen, gelben Matsch!
    Wir halfen uns gegenseitig, indem einer das Rad hielt, der andere alles auf sammelte und wieder befestigte.
    Ich fuhr weiter. Immer um von oben herabgefallene Felsbrocken, tiefe Schlammlöcher oder umgefallene Bäume herum. Am einer Stelle hatte ich keine Wahl. Ich musste durch ein unbekannt tiefes Schlammloch fahren! Der Hinterreifen mit allem Gepäck ging der Schwerkraft nach, der Vorderreifen war zu leicht, rutschte im Schlamm aus und ich sprang zur Seite hin ab. Da stand mein Rad fest im Schlamm und ich konnte es nicht herausziehen, da ich keinen halt auf dem kitschigen Boden hatte!
    Sogar das Fotografieren habe ich in der Minute vergessen...
    Und jetzt?!
    Zum Glück hatte Marc gesagt, ich sei schneller als er und könne voraus fahren. Er sollte demnächst kommen!
    Er suchte einen Umweg um das Loch, kam zurück und wir zogen, er von oben, das Rad herauf.
    Oh mannnn, warum mache ich das???

    Weil sich die Freiheit auch, und vor allem mit diesen Abenteuern so gut anfühlt!

    So und auf diese Art sollte der Weg weiter gehen. 25 km fühlten sich wie ein Hinternauslauf an. Acht Hängebrücken sollte ich überqueren, die so schmal waren, dass ich jede Brücke zweimal beging: erstmal mit Fahrrad, dann mit Satteltaschen.
    Ja, dieser Trail ist definitiv für Gravelbikes ausgewiesen! Vor zwei Tagen war er noch geschlossen.
    So kam ich irgendwann auf der Bridge To Nowhere an. Ja sie steht tatsächlich einfach so gemauert und stabil im Wald! Weit und breit keine Straße. Im Gegenteil! Von hier kommt man nur mit dem Boot oder Kanu weg. Die letzten km musste ich mich beeilen. Ich hatte gerade einmal 30 Minuten bis zur Abfahrt des Bootes. Zum Glück war ich gestern noch bis zum letzten Campingground gefahren. Sonst wäre es kaum mehr möglich gewesen, es zu schaffen. Und hier am Steilufer zu übernachten, wäre auf den ersten Blick unmöglich gewesen.
    An dem s.g. Anleger war ich überrascht, wie viele Menschen plötzlich hier waren! Sie sammelten sich hier, um den Fluss hinunter gebracht zu werden. Ich dachte immer, ich bin ziemlich allein auf diesem Trail! Sechs Fahrräder konnten mitgenommen werden und wir rasten über den Fluss! Eine Stunde lang rasten wir mit Höllenlärm übers Wasser. Die Kanuten brauchten für die gleiche Strecke einen Tag.
    In Pipikiri hatte ich keine Lust mehr, weiter zu fahren. Obgleich es erst 16:00 war und wunderschönes Wetter, blieb ich dort am Campingplatz, putzte mich und mein Fahrrad und genoss die Gesellschaft der internationalen Radler!
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