Burrel Burrel - Placencia
11 maj 2022, Belize ⋅ ⛅ 30 °C
Die erste Station unserer Belize-Reise diente erstmal der Akklimatisierung, weniger kulturell, obwohl die beschriebenen Differenzen mit dem lokalen Akzent auch nach 24 Stunden noch nicht ganz behoben waren. Aber das wird sicher besser, wenn wir im spanischsprachigen Teil des Subkontinents ankommen. Problematischer war den frühlingshaften Temperaturen in Kalifornien eher die Umstellung auf die drückende Schwüle und die hiermit einhergehenden Mückenplage. Erinnerungen an Thailand werden wach.
Die kleine Hotelanlage lag abseits einer für die hiesigen Verhältnisse großen Strasse die aber nur selten von einem Fahrzeug benutzt wurde. Direkt an einem Fluss gelegen, der dem Klima angepasst träge vorbeifloß. Im mittelgroßen Pool der nicht unbedingt nach frischem Quellwasser aussah an diesem Samstagabend eine lokale Familie und am Rand weitere männliche Mitglieder die Reggae-Musik und Bier genossen. Mit anderen Worten ein ganz normaler Samstag!
Das Hotel Restaurant ordentlich, die Umrechnungskurse nur kurz recherchiert und als günstig genug akzeptiert, so dass eine Erkundung der näheren Umgebung nicht als notwendig befunden wurde. Wir hatten eh nur eine Nacht und Frühstück inkludiert.
Am nächsten Morgen besagtes Frühstück mit kleineren Missverständnissen (inkludiert oder nicht, was haben wir eigentlich bestellt und wieso hält uns die Kellnerin inzwischen für beschränkt. Dafür aber den Beweis, dass man vom lokalen Kaffee auch 5 Tassen trinken kann). Dazwischen kurzer Besuch bei der Affenfamilie nebenan und einen Leguan besichtigt.
Dann auch schon ins Auto. Die nervenzereissende Suche nach dem Hotel hatte ich ja bereits angedeutet. Das soll aber nicht vergessen machen, dass der Weg nach Placencia uns erstmal 16 Meilen über die Strasse in Richtung Küste führte, die allerdings zur Zeit neu ausgebaut wurde, also Geröllpiste. Unser Mietwagen war schon bei Reiseantritt nicht der Schönste, aber nach der Fahrt konnte er einem schon etwas leid tun. Die lokalen Anbieter von Car Wash-Services hatten ihrerseits Spass daran mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Nach der Rumpelpiste ging es dann eine schmalere Strasse über das Wasser. Linker Hand das karibische Meer und rechts die Lagune. Die Strasse wurde vor Jahrzehnten den Mangrovensümpfen abgerungen. Key West mit Speedbumps.
Wider der ersten Vermutung (wozu brauchen wir eine Karte, das stehen vermutlich drei Hotels, das finden wir schon….) zieht sich dass Örtchen Placencia fast über die Hälfte der 24 Kilometer langen Halbinsel. Resorts zwischen gehobener und Luxusklasse (auch unser alter Bekannter Francis Ford Coppola hat sich hier inklusive Hubschrauberlandeplatz niedergelassen) wechselten sich mit Hütten und einfachen Häusern der Ortsansässigen ab um schließlich im „Zentrum“ an der Verbindung zwischen Meer und Lagune zu enden.
Endlich im Hotel Singing Sands angekommen, das ca. 7 Kilometer vom Zentrum und den meisten Restaurants / Cafes entfernt lag, empfing uns ein unangenehmer Fischgeruch, der schon während der Fahrt manchmal aufgekommen war. Da hatten wir es noch nicht weiter hinterfragt, aber nun war es doch offensichtlich und nicht auf ein singuläres örtliches Ereignis festzulegen. Es roch wirklich stark. Der Gang zum hübsch angelegten Steg und Strand offenbarte dann auch den Grund. Auf der gesamten Strandfläche war ein meterbreites Band angeschwemmtes Seegras, das dort langsam vor sich hin moderte und entsprechend stank. Augenscheinlich hatten wir eine schlechte Zeit erwischt, denn das Seegras sei erst vor kurzem angeschwemmt worden und es gäbe so gut wie keinen Weg die Massen abzutransportieren (nur wenige Luxusresorts hatten die Resourcen hierfür, wo das Dreckszeug dann als Füllmaterial im Strassenbau verwendet wurde). Das Problem zog sich dann auch die gesamte Küste entlang. Lediglich an der Spitze der Halbinsel im Zentrum gab es einen hübschen öffentlichen Strand, der komplett verschont war. Sauberes, klares, ca. 28 Grad warmes Wasser inklusive. Perfekt für eine zumindest relative Abkühlung (28 Grad!), nur der Weg über den heissen Strand war eine kleine Tortur und ein Zwischenfall mit dem nicht zu vermeidenden Stranddrunkie trübte den Strandaufenthalt zumindest kurz. Der meinte er müsse FF vor einem Absturz von einer Palme retten zu müssen, was überhaupt nicht notwendig war. Aber das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Da wir zu spät eingreifen konnten fiel der gute Mann um und FF endete mit einer Schürfwunde, die sich nicht gut mit dem recht hohen Salzgehalt im Wasser vertrug. Aber am zweiten Tag ging es schon wieder und für den Sand gab es Latschen.
Da wir vor Ort kein großes Programm hatten, genossen wir die Zeit abhängend, testeten uns durch die verschiedenen Sorten des sehr guten Eisladens und die lokale Restaurantsvielfalt. Von der einheimischen Bretterbude mit frittierten Meeresschnecken, Shrimps und frischem Fisch.Läs mer
Heimatgefühle in Hopkins
15 maj 2022, Belize ⋅ ☀️ 29 °C
12. - 15. Mai - Hopkins, Belize
Die drei Tage in Placencia gingen wie im Flug vorbei und dann machten wir uns auch schon auf den Weg nach Hopkins, was wieder einStück in Richtung Norden in Richtung Belize City lag.
Das Hotel in Hopkins war dann auch deutlich leichter zu finden, prangte doch eine große grelle Leuchtreklame über dem Eingang. Auf dem Grundstück war dann alles aber sehr entspannt, Begrüßung durch den Haushund Shaddow und nacheinander die Inhaberin Peggy und ihren Mann Harald, der sich als Deutscher und seit einem Jahr pensionierter Pilot herausstellte, der sich nun mit dem Reinigen der Klimaanlagen und der Zubereitung eines sehr guten Frühstücks mit gebratenem Gemüse, Würstchen, Schinken, Rührei und Unmengen an Fried Jacks herumschlug.
Der Aufenthalt hier - wie zuvor in Placencia - war ruhig und entspannt, ohne viel Aufregung oder To-Dos. Ich habe es immerhin einmal in ein kleines aber feines Gym geschafft und mich zudem einmal für ein paar Kilometer rennend durch die Sonne gequältz ansonsten bestand das sportliche Programm darin mit FF im seichten aber warmen und gerade durch die geringe Größe und Tiefe idealen Hotelpool schwimmen beziehungsweise Tauchen zu üben, was zunehmend besser wird. Jedenfalls schafft er es inzwischen mehrere Meter und auch schon durch Unterwasserhindernisse (im Zweifel Papa`s Beine) hindurchzutauchen.
Wie man an den kürzer werdenden Berichten schon unschwer erkennen kann, hatten wir uns zwischenzeitlich an das living la vida locker gewöhnt. Und da die Situation mit dem Meergras an der Küste immer noch eher übelriechend war vergingen die Tage mal locker mit einem oder längerem Schwätzchen mit Harald, politischen Diskussionen zu zweit oder wenn noch weiterer deutscher Bekannter hinzu kam auch gerne mal Abschweifungen ins Philosophische und die Frage was nach dem Tod kommt (dann biste fott, da machste nix und dat interessiert dann auch keinen mehr…).
Zudem gab uns der Austausch Einblicke, wie das Leben in Belize funktioniert. Aufgefallen war uns beispielsweise bereits, dass die Supermärkte fest in Chinesischer Hand waren. Das beschränkte sich allerdings nicht nur auf den Handel, nach Ansicht verschiedener Menschen die wir hier trafen, nahm China inzwischen auch wichtige Positionen im Bereich Tourismus ein. Bei den vielen Maklerschildern, die wir unterwegs immer wieder sahen, war es auch nicht sonderlich schwer sich hier einen Bestand aufzubauen. Wobei die Preise nicht unbedingt günstig waren, so kam ein Apartment auch gerne mal auf 600.000 USD, wobei hier wahrscheinlich auch die gesamte Infrastruktur einer gated community mit eingekauft wurde.
Neben den bereits erwähnten Speedbumps gab es in Hopkins eine weitere Besonderheit, nämlich eine Hauptverkehrsstrasse, die ausweislich der Beschilderung als Einbahnstrasse ausgewiesen war, die allerdings niemand, und damit meine ich wirklich niemand einschließlich des einmal vor uns fahrenden Polizeifahrzeugs (nein, das war kein agent provocateur) hielt sich daran sondern nutzte ohne die Spur eines Skrupels die entgegenkommende Spur.
Die Erklärung gab uns dann Harald, denn die Straße wurde mit Mitteln der EU gebaut und nach deren Standards ließ die maximale Breite des Weges lediglich die Nutzung als Einbahnstrasse zu. Um sich einerseits die Mittel zu sichern andererseits aber auch den Zugang zum Village aus beiden Richtungen zu sichern, gibt es nun also die pragmatische Lösung des „who cares“. Was den rechtstreuen deutschen Autofahrer natürlich erstmal ins Schwitzen bringt, mit etwas Übung aber auch für diesen der praktikabelste Weg zu sein schien.
In besagtem Village gab es dann auch in Ella`s Restaurant und anderen Restaurants gutes, der lokalen Garifuna-Küche zugerechnetes Essen (Ceviche, gegrillter Fisch ….) teils begleitet von wildem Getrommel und den mit zunehmendem Alter auch so langsam rythmischem Tanz unseres kleinen MonkeysLäs mer
No Cash am ATM
16 maj 2022, Belize ⋅ ☀️ 33 °C
Actun Tunichil Muknal (ATM) Höhle in der Nähe von Teakettle, Belize
Um 6 Uhr klingelte der Wecker und es ging nicht nur abenteuerlich früh los, heute stand einer der Höhepunkte des Belize-Reiseteils bevor. Der Besuch der Tropfsteinhöhle ATM.
Daher fiel das Aufstehen auch nicht ganz so schwer, zumal wir von Harald noch an der Zimmertür mit einem Kaffee in Empfang und dann auch gleich verabschiedet wurden.
Getankt hatten wir noch am Vorabend inklusive freundlichem Schwatz mit dem Tankwart, der lässig mit Pumpgun in der Armbeuge unser spritschluckendes rotes Monster auffüllte und uns um knapp 70 Euro ärmer verabschiedete, wobei wir selbstverständlich auch ohne vorgehaltene Waffe gezahlt hätten. Doch die scheint bei abgelegenen Tankstellen wohl üblich.
Daher dann also morgens gleich weiter. Die Fahrt ging dank der entsprechenden Vorbereitung und einem zwischenzeitlich eingerichteten Notfall-Internetguthabens problemlos und wir kamen um 8:45 morgens und damit 15 Minuten vor dem verabredeten Zeitpunkt am Treffpunkt mit unserem Führer an. Der war zwar noch nicht da, aber der Inhaber des belizianischen Reiseveranstalters wartete schon mit Lunchpaketen auf uns. Der Guide kam dann auch bald. Wobei wir später noch wechseln sollten, aber zunächst mal knapp 15 Kilometer Ruckelpiste bis zum Eingang der Höhle. Diese wurde erst vor gut 30 Jahren „entdeckt“ und zwischenzeitlich zu einer wichtigen touristischen Einnahmequelle ausgebaut. Wobei die Belastungen aufgrund der Lage der Höhle zumindest zwischenzeitlich nicht zu massiv waren. Pro Guide waren maximal 8 Personen zugelassen, da unserer eine größere Gruppe hatte, bekamen wir mit Gonzo einen eigenen Führer zugeordnet, der nur für uns dreie und insbesondere für FF zuständig war. Denn die Erkundung hatte es durchaus in sich. Gleich zu Beginn war ein kleiner, gut brusttiefer Fluß zu durchqueren. Quasi als Einstieg, dass dies jetzt kein normaler Spaziergang würde. Dan ging es einen guten Kilometer auf einem Pfad durch den Wald (zwei kleinere Furten nicht weiter erwähnenswert) bis wir dann vor Eingang der Höhle standen. Dort kamen dann die Helme und die Stirnlampen zu ihrem Einsatz. Aber zunächst mal hiess es schwimmen. Und da das Wasser aus dem Berg kam, war es nicht mehr so angenehm war wie der Fluss zuvor. Wir reden hier von 16 - 18 Grad, also schon etwas mehr als eine kleine Abkühlung. Der Weg den wir dann innerhalb der Höhle erkundeten war ca. 1000 Meter lang. Dabei ging es immer wieder durchs Wasser, über rutschige Steine und durch Spalten, in denen man sich ordentlich verrenken musste, um Kopf und Bauch hindurchzubekommen. Dabei sahen wir Fledermäuse, glitzernde Tropfsteinformationen in den wildesten Formen und (nachdem wir auch noch eine steile Treppe hinaufgestiegen waren) die Kultstätte der frühen Mayakulturen, die sich in der Höhle versammelten um zu den Göttern zu beten und Opfer darzureichen. Nachdem Kameras in der Höhle insgesamt verboten waren, mussten wir für diesen Teil auch die Schuhe ausziehen und auf Socken weiterklettern. Dafür waren die Absperrungen allerdings auch nur marginal und unser Führer (der sich im Übrigen so professionell liebevoll um FF kümmerte, dass dieser sich ihm gerne in die Arme beziehungsweise wenn es mal wieder ans Schwimmen ging auch auf den Rücken schmiss, so viel zum Urvertrauen in den Vater und dabei hatte ich mehrfach meinen Status als PADI Rettungstaucher erwähnt, geschenkt….). Jedenfalls ließ uns Gonzo ganz ohne Indianer Jones Gehabe in die Stätten eintauchen und klärte uns darüber auf, dass der Stein vor uns tatsächlich ein mineralisierter menschlicher Schädel sei. Das ganze im Schein der Taschenlampen und in der skurillen Unterwelt wo zumindest gefühlt auch das Atmen etwas schwerer fiel, ich fand das schon ausreichend gruselig. FF nahm es aber ganz cool. Er war eher damit beschäftigt nicht zu unterkühlen, da er doch deutlich weniger Isolationsschicht am Leib hatte wie Euer Berichterstatter. Nach drei Stunden waren wir dann wieder zurück im Tageslicht. und auf dem Weg zurück zum Parkplatz kam uns die Durchquerung des Flusses wie ein Bad in der wohltemperierten Badewanne vor.
Am Zwischenziel angekommen gab es noch einen sättigenden Lunch. Komplett mit Tischdecke, Besteck und Bohnen, Reis und Hähnchen. Danach ging es wieder über die Stoppelpiste zurück nach Teakettle und anschließend weiter zu unserem nächsten Ziel, der Black Rock Lodge ganz in der Nähe der guatemaltekischen Grenze.Läs mer
Black Rock Lodge (Teil 1)
18 maj 2022, Belize ⋅ ⛅ 34 °C
16. - 18. Mai
Black Rock Lodge in der Nähe von St. Ignacio, Belize
Die letzte Station des Belize-Teils unserer Reise erreichten wir nach dem Besuch der ATM Höhle, wobei sich uns die Frage stellte, warum wir den Besuch dort nicht einen oder zwei Tage später von der Black Rock Lodge aus gestartet hatten, was uns zumindest die frühe Anreise aus Hopkins erspart hätte, schließlich sind wir im Urlaub und damit entschuldigt faul.
Die Fahrt zur Lodge gab uns dann aber zumindest einen Grund, denn die letzten sechs Meilen gingen wiederum einer Piste, die sich nur in Teilen und mit Wohlwollen als Strasse definieren liess. Wir waren jedenfalls froh, dass unser Mietwagen schon im Vorfeld so lädiert war, dass wir uns zumindest um Lackschäden und ähnliches keine Sorgen machen mussten. Aber unnötige Fahrten waren auf jeden Fall zu vermeiden, denn das Gerumpel tat weder dem Magen noch der Beziehung gut, da es dann doch immer wieder mal Diskussionen gab, ob man(n) sein Streben nach Streckenrekorden unbedingt hier austoben musste, bzw. ob es nicht eher wie bei dem langsam abgezogenen Pflaster ist. Wir waren also froh, da zu sein. Die Lodge war dann auch mitten im Grünen gelegen, unterhalb schlängelte sich ein kleiner Fluß entlang in dem man wohl auch schwimmen, Kayak und Kanu fahren sowie mittels aufgeblasenen Reifen Tubing machen konnte. Gegenüber sah man eine (anders als vom Namen der Lodge nahegelegt) weißer Kalksteinwand ca. 150 Meter hoch. Auf dieser anderen Seiten saßen dann auch die Brüllaffen, die speziell am Abend ein entsprechendes Theater machten. Vorher gab es aber noch ein gutes Abendessen und dann hatten wir nach dem anstrengenden und erlebnisreichen Tag auch genug und zogen uns in unserer Hüte zurück.
Die Natur um uns herum liess uns allerdings nicht sehr lange schlafen, waren es nachts noch die Affen gewesen so ging es morgens um halb fünf mit einem munteren Vogelkonzert los. Nur gut, dass wir uns gerade am ersten Tag nichts vorgenommen hatten und so lediglich rechtzeitig zu unserem Frühstück mit Pfannekuchen und Eierspeisen erscheinen mussten. Der Tag über hingen wir dann ab, genossen das zumindest im offenen Speiseraum halbwegs funktionierende Internet und liessen es uns gut gehen. Selbst die Besichtigung des Pools fiel wegen urlaubsbedingter Trägheit aus.
Für den zweiten Tag hatten wir uns dann zumindest am Morgen eine geführte Wanderung vorgenommen. Der hotelzugehörige Guide, Franzisco, brachte uns zunächst mit einem kleinen Kanu über den Fluss und dann ging es eine gute Stunde mehr oder minder stetig bergauf. Neben verschiedenen Vögeln mit denen er über eine echte Twitter-App in Kontakt trat, bekamen wir diverse Pflanzen inklusive giftigen Bäumen am Wegesrand erklärt. Und er schreckte eine Tarantel in ihrer Höhle auf, die nicht unbedingt begeistert war aber von dem sprichwörtlichen Biss absah und sich stattdessen nach kurzem Aufeinandertreffen tiefer in ihre Höhle zurückzog.
Belohnt wurde der Aufstieg dann von einer phänomenalen Aussicht von der Abbruchkante des weissen Kalksteinfelsens. Nach kurzer Pause ging es dann aber auch schon wieder zurück. Diesmal bergab, was bei rutschigen Blättern und Geröll nicht unbedingt einfacher als der Aufstieg war. Zwischen FF und mir entbrannte dann auch ein Wettbewerb, wer sich seltener auf den Hintern legt, der mit 3:3 am Ende unentschieden ausging (nur das ich mein Fitnessarmband auf der Strecke verloren habe, was aber dem Stress der Selbstvermessung und des Kalorienzählens ein Ende bereitete, insofern also ein unverhofftes Entschleunigungs-Geschenk an mich selbst ;-)
Nach der Wanderung stand dann erstmal eine Siesta an, wobei sich gegen 3 Uhr eine gewisse Untätigkeitsunruhe einstellte. So machten wir uns dann (entgegen den Vorsätzen der Anreise) nochmal auf den Weg und die Rumpelpiste auf in Richtung Spanish Lookout, einer einige Kilometer von der Regionalhauptstadt Belmopan entfernt gelegenen Siedlung die uns von unserem ATM-Führer Gonzo nahegelegt wurde, da hier ca. 2.000 plautdietsche Menonniten lebten. Neben der auffälligen Kleidung (die mir schon in Hopkins an zwei älteren Damen aufgefallen war, die dort eine Nacht in unserem Hotel genächtigt und tagsüber in „Tracht“ am Pool gesessen hatten) sind die Menonniten für ihre Landwirtschaft und die Versorgung der umliegenden Bevölkerung und Märkte mit Obst und Gemüse bekannt. Also noch einen Ausflug in die Vergangenheit. Unterwegs begegneten uns tatsächlich einige Pferdefuhrwerken auf deren Kutschbock mittelalte Herren sassen, deren Barttracht längerfristig und gepflegter als die Eures geschätzten Betrachters wirkte. Wobei mir der seit nunmehr zwei Monaten ungestörte Bartwuchs zumindest die Akzeptanz als vermeintlich originärer Bewohner dieses Staates einbrachte. So wurde ich verschiedentlich angesprochen, ob ich denn Belizianer sei. Ich habe das mal als Kompliment genommen, insbesondere nachdem wir in Spanish Lookout einer deutsch-schweizerischen Reisegruppe begegnet waren, die zwar nicht unmittelbar durch die Insignien Tennissocken und Sandalen hervorstachen aber in der Masse dann doch zu viele waren. Der Reiseführer war übrigens auch ein Deutscher, der allerdings im Norden von Belize lebt und mit Gruppen wie der angesprochenen Touren auch bis nach Guatemala unternimmt. Zumindest unseren verschiedenen Guides war er ähnlich bekannt, wie der anscheind auch legendäre Menonniten-Guide Manfred, der Touristen durch die ATM Höhle führte und dabei wahrscheinlich noch viele spannende Geschichten aus seiner Gemeinde erzählen konnte. Wobei der „ mennonitische Obst- und Gemüsemarkt“ war dann zumindest für uns mit den vermutlich romantisierenden Vorstellungen eines Wochenmarktes eher eine Enttäuschung. Eine große Halle in der es mehr oder minder alles zu kaufen gab. Ja, der war augenscheinlich nicht in der Hand der chinesischen Tante-Emma-Mafia, aber halt auch nicht das „Besondere“ auf der man sich in der Fremde auf eine Weise begibt, die den auf diese Weise begutachteten vermutlich eher wie ein Besuch im Zoo vorkommt. Hier wurde unsere Gier nach Fotos und Geschichten also nicht befriedigt. Dafür gab es in der Gemüseabteilung allerdings tatsächlich ein deutlich breiteres und frischeres Angebot als wir es bisher gesehen hatten und auch die selbst hergestellten Kuchen und Bananenbrote waren nicht nur spottgünstig sondern auch sehr gut. Noch besser war allerdings das Eis aus der nahegelegenen Fabrik, das uns im Hotel sehr empfohlen wurde. Hier kam die Familie in Gänze auf ihre Kosten und die morgens verbrannten Kalorien wurde mannigfaltig wieder eingespielt.
Abends waren wir dann auch nicht wirklich hungrig hatten aber unser Abendessen schon morgens bestellt und gingen so leicht überfressen ins Bett. Dort wieder die inzwischen bekannte Aufführung Affen - Vögel ……. Frühstück!
Am nächsten Morgen dann die nächste Tour. Uns soll nur ja niemand vorwerfen, wir würden uns dauerhaft der Faulheit hingeben und dabei unsere Chronisten-Pflicht für die Daheimgebliebenen vernachlässigen. Also Lied ab: In einem unbekannten Land, da damm da damm damm damm, vor schon ner ganzen Menge Zeit………… nun gut, die Einladung für unseren ersten Besuch bei den alten Maya ist eine erzwungene Pointe. Die auch gar nicht notwendig wäre, denn nachdem wir die inzwischen bekannte Holperstrecke vom Hotel bis zur Hauptstrasse diesmal allesamt als Beifahrer von Francisco erleben durfte („siehst Du, der fährt maximal 30 Meilen……!!!!!), ging es nur wenige Minuten später in San Jose Succotz mit einer handbetriebenen Fähre über den aus Guatemala kommenden Mopan-Fluß und weitere 1.500 Meter später waren wir schon an der Maya Stätte „Xunantunich“, der „steinernen Frau“.
Die aus insgesamt 25 Tempeln und Palästen bestehende Anlage, die zum Teil aber noch im ursprünglichen Zustand, also zugewachsen und überwuchert auf die nächste Finanzierungsrunde für das entsprechende Ausgrabungsteam wartet, wurde um das Jahr 900 herum von den Maya verlassen und im 19. Jahrhundert von den Westlern wiederentdeckt.
Wir bestiegen unter anderem den 40 Meter hohen El Castillo und genossen die Aussicht und wieder unten angekommen den Schatten an diesem glutheissen Tag.
Nach der spannenden Besichtigung ging es in ein lokales Restaurant, wo Miss I dann auch endlich die belizianische Spezialität „Kuhfuß-Suppe“ bestellen konnte. Wie der Name nahelegt ist deren wesentlicher Bestandteil Kuhfleisch und Knochen. Das ganze aber auf einer Gemüsesuppenbasis, die selbst mir sehr gut schmeckte. Auf das Fleisch beziehungsweise die Ansammlung an Gelatine verzichtete ich dagegen gerne und genoss stattdessen Reis mit Bohnen, bei welchem beide Teile nicht separat serviert sondern miteinander vermischt serviert werden (die laut Guide ebenfalls verfügbaren Bohnen mit Reis konnte ich dann aber nicht mehr probieren. Dazu Hähnchen und wie immer Mary Sharp`s Spicy Sauce sowie noch eine selbsgemachte schärfere Variante mit ganzen Habannero-Chilistücken.
Gut in solchen Fällen noch eine Cola Light zur Hand zu haben, was allerdings wie ich immer mal wieder erfahren musste gar nicht so einfach ist, denn sehr viele Restaurants und auch Bars haben die Light (oder für echte Männer Zero-) Variante nicht im Programm, teils kostet die Version ohne Zucker auch ein paar Cent mehr oder wird anders als die Original-Coke nicht in der Glasflasche sondern in der Plastikflasche ausgeschenkt. Hintergrund ist wohl, dass die Notwendigkeit eines Diätgetränkes auf die einheimische Bevölkerung eher befremdlich wirkte, so dass die Verbreitung erst und vorrangig durch Touristen erfolgte, die im Zweifel sogar bereit waren dafür etwas mehr zu zahlen. Fremde Länder……Läs mer
Black Rock Lodge (Teil 2)
19 maj 2022, Belize ⋅ ⛅ 33 °C
Den letzten vollständigen Tag in der Black Rock Lodge begingen wir nach einem (für die nun schon sorgenvoll schauenden Leser sei es erwähnt) friedlich vereinten Frühstück bei Pfannekuchen (FF), Rührei mit Fried Jacks (Miss I) und traditionellem Frühstück mit Frijoles (schwarzen Bohnen mit Zwiebeln zu einer festen Paste verarbeitet) Rührei und Käse für mich) getrennt voneinander, denn FF und ich hatten uns zu einer Männerwanderung auf den Hausberg entschlossen. Laut Tourberater ähnlich ausgelegt wie die Wanderung ein paar Tage zuvor und so sicher ausgeschildert, dass fast alle Gäste zurückgekehrt waren. Na denn, der Berg Ruft! Mit einer Flasche Wasser bewaffnet ging es tapfer voran. Schon bald trafen wir die ersten größeren Insekten, Leguane waren uns schon im Hotelgarten in diversen Farben und Größen begegnet und in unserer Hütte hatten wir erst am Morgen eine kleine Spitzmaus verhaftet und aus dem Handtuch heraus im Grünen wieder in die Freiheit entlassen. Den Weg nutzten wir zu einem Update über FF`s diverse Projekte zu welchen inzwischen auch eine Super-Suit hinzugekommen ist, der natürlich dank seiner technisch ausgefeilten und überbordenden Ausstattung geeignet ist Angreifer, Räuber und andere Bösewichter in die Flucht zu schlagen. Augenscheinlich ist das ganze Teil mit von der Paw Patrol Reihe mit inspiriert, die er sich in den letzten Tagen immer mal wieder als Hörbuch zu Gemüte geführt hat, obwohl ich eigentlich dachte, dass dieser Teil der Kindheit mit dem Erreichen der Ninjago-Reihe erledigt sei. Doch diese Fellfreunde begleiten uns weiterhin und sei es nur aufgrund der besseren Verfügbarkeit von Videos und Hörbüchern.
Jedenfalls waren die Gespräche kurzweilig, so dass die Zeit bis zum Gipfel im Nu vorüberschien, obwohl wir beide schon auch ordentlich schwitzten und eine einzige Flasche Wasser vielleicht auch nicht die verantwortungsvollste Idee war. Ging aber alles noch, es war wie gesagt kein Gewaltmarsch und die einzige wirkliche Gefahr überraschte uns beide und wurde uns auch erst dann wirklich bewusst nachdem wir sie über das Internet recherchiert hatten. Denn das plötzliche Geschlängel am Wegesrand, das ich nur noch so eben mittels Kamera dokumentieren konnte, entpuppte sich im Nachgang als giftige Korallenotter, die zwar nur noch wenige aber immerhin Todesopfer verursachte. Unwissenheit ist manchmal von Vorteil, was auch für die unaufgeregte Begegnung mit einem Greifvogel, der es sich auf einem Ast am Gipfel gemütlich gemacht hatte, galt. Anders als bei der Otter war Franzisco ganz beeindruckt, als wir ihm ein Bild zeigten, handelte es sich doch um den immer noch sehr seltenen Rotbrustfalken. Über den beziehungsweise ein Artenschutzprogramm zu seinen Gunsten hatte ich tatsächlich an der ATM Höhle gelesen, aber wer denkt denn, dass einem der dann beim Schwitzen zuschaut.
Auf dem Weg hinunter machten wir noch einen Abstecher in eine „wilde“ Tropfsteinhöhle. Hier mussten wir auf allen Vieren in den Eingang der ersten von 6 Höhlen krabbeln um darin dann wieder Stehhöhe zu haben. Allerdings war uns ohne Gonzo und vor allem ohne Lampe nicht wirklich wohl zumute, so dass wir es im vierten Vorhof der Höhle dann darauf beruhen liessen und wieder den Rückweg antraten.
Trotz Schlangenbegegnung war Mama, die zwischenzeitlich mit dem Fotobuch des Vorjahres angefangen hatte, stolz auf ihre Männer! Und auf diese Weise wiedervereint ging es nochmals auf die Wellenpiste und in das Stadtchen San Ignacio, das quasi vor unserer Türe lag. Eigentlich wollten wir versuchen bei Mary Sharp, die zumindest ausweislich ihres Facebook-Auftritts dort einen Verkostungsladen und eine Kochschule betrieb nachmittags einen Kurs zu belegen. Die Suche in den engen Gässchen (inklusive Einfahrt in eine Einbahnstrasse mit freundlicher Begegnung mit der Polizei) endete mit der Erkenntnis, dass wider des großen Erfolgs der Marke (sie begegnete uns auch in Guatemala immer mal wieder auf dem Speisetisch) die Zweigniederlassung Sankt Ignacio die Pandemie nicht überlebt hat.
Stattdessen also durch das Örtchen geschlendert und auf dem Markt die allerersten wirklichen Souvenirs (Tasche für Miss I und Armband für FF) gekauft und anschließend bei einem sehr selbstbewussten aber in gleichem Masse auch freundlichen Gastronomen zu Ceviche, Chicken Wings und anderem eingekehrt. Diesmal ging es im Dunkeln zurück, was die letzten sechs Meilen nicht angenehmer machte.
Und ein letztes Mal in Belize unser Haupt zur Ruhe geneigt, den Affen gute Nacht und den Vögeln guten Morgen gesagt. Denn am nächsten Tag sollte es nach Guatemala weiter gehen. Sollte, denn noch war nicht sicher, ob Miss I sich auf die E-Mail eines Mitarbeiters des Konsulats in Seattle verlassen und tatsächlich ohne weiteres Visum in das Land einreisen durfte.
Doch wir wollen nicht zu viel verraten. Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es heisst: Guatemala here we come (or not)Läs mer
TikTok Tikal in Guatemala
21 maj 2022, Guatemala ⋅ ⛅ 35 °C
20. - 21. Mai Grenzübertritt Belize nach Guatemala in Benque Viejo Del Carmen und Tikal Jungle Lodge Hotel
Guatemala also, das Herz der Maya-Kultur. Unser nächstes Reiseziel. Am Vorabend hatte zumindest Miss I gehörige Magenschmerzen, ist das doch das Land welches mit ihrem Status als Honkie offiziell ein Visum beantragt. Das hatten wir bereits in den USA festgestellt und uns redlich bemüht auf der Strecke an einem Konsulat Halt zu machen. Zumindest bis uns ein freundlicherer Mitarbeiter des guatemaltekischen Konsulats in Seattle per E-Mail mitteilte, dass sei doch überhaupt kein Problem, da sie ja einen Aufenthaltstitel in Deutschland habe und das Visa-Erfordernis daher nicht gelte. Schön und gut! Nur konnte uns weder dieser freundliche Mensch noch jemand anderes (die sich nicht mal die Mühe gemacht hatten uns zu antworten) durchringen uns diese Aussage in belastbarer Form mit Siegel und Unterschrift zu geben.
Also auf gut Glück erstmal an die Grenze. Vorher noch Verabredung mit der belizianischen Reiseagentur zur Wagenübergabe an der letzten Tanke vor dem Schlagbaum. Mit der Dame und einem Fahrer und unseren drei Koffern plus Reisetasche plus Kindersitz plus Futtertasche plus plus dann bei Bullenhitze zu Fuß erstmal aus Belize raus. Hier gab es erwartbar keine Probleme, der junge Mann mit Reggae-Frisur verlangte lediglich eine Ausreisegebühr von ca. 20 USD, machte dafür aber Miss Komplimente für Ihren schönen Pass mit dem Blumenmuster. Wer will darauf zugunsten einer erleichterten Reisefreiheit verzichten.
Dann zweihundert Meter mit Sack und Pack weiter und in die Empfangshalle mit gefühlt 35 Grad und Maskenpflicht. Zumindest war erklärbar, warum wir vor dem Immigration Officer ins Schwitzen gerieten. Mit allen Brocken Spanisch, die ich aus den hintersten Ecke meines Hirns hervorkramen konnte (una camera mas barrata) versucht die Situation klarzumachen. Dabei selbstbewusst genug geblieben, dass zwar zunächst zwei weitere Menschen hinzugerufen und um Rat gefragt wurden, aber am Ende wurden wir dann doch durchgewunken. Nicht ohne HK-Pass, Aufenthaltstitel und uns als Beispiel fotografisch festzuhalten und mich anschließend mit Hand am Visir quasi militärisch zu verabschieden. So langsam glaube ich der Bart hier lässt mich nicht nur als Local erscheinen sondern gibt mir auch eine Aura zwischen Drogenbaron und Haziendabesitzer. Auf jeden Fall waren wir in Guatemala. Und vor der Tür wartete auch schon Don Miguel, unser von der guatemaltekischen Agentur bereitgestellter Fahrer, der uns im gemütlichen Minibus ca. 1.5 Kilometer weiter nach Tikal brachte. Tikal ist eine der größten und vor allem die archäologisch am besten Maya-Stätte. Unsere Hotel lag innerhalb des Parks, mitten im Regenwald und fußläufig zur Anlage. Da wir allerdings ausreichend Zeit vor Ort hatten und die Reiseaufgeregtheit ihren Schlaftribut verlangt hatte, belizen (hahaha, sehr witzig und jetzt auch schon veraltet) wir es an diesem ersten Tag bei einer Besichtigung der Hotelanlage mit Pool und den mittlerweile schon bekannten Brüllaffen, die hier aber deutlich weniger Scheu hatten ihre Machtkämpfe nicht nur mit Geschrei sondern auch gut erkennbaren Posen direkt neben dem Haupthaus auszufechten.
Das Zimmer war sauber, allerdings schien uns die Maus aus der Black Rock Lodge dann doch begleitet zu haben oder einer ihrer Verwandten war vor Sehnsucht das Herz stehen geblieben. Wenigstens fand (natürlich) Miss I als erstes eine nur geringfügig mumifizierte Leiche in unserem Zimmer, was die Freude der Ankunft zumindest trübte. Für den digitalen Nomaden ebenfalls einschränkend war das extrem schwache Internet, welches im Zimmer überhaupt nicht und in der Lobby auch nur so schwach war, dass selbst das Spielen von Candy Crush bei gleichzeitiger Anwesenheit von mehr als zwei Personen zur Herausforderung wurde. Aber wir waren ja eh auf Entschleunigung aus und zudem hatten wir soweit Vorsorge getroffen, dass FF mit ausreichend Bookbeat-Hörbüchern und ich mit diversen Schottland-Krimis von Val McDermit, Denise Mina und last but not least Nicci French ausgestattet war. Kindle sei dank das ganze ohne kiloweise Mehrgepäck schleppen zu müssen, was aber auch kaum möglich gewesen wäre.
Am nächsten Tag trafen wir nach einem sehr guten Frühstück (Obstsalat und Saft für alle und dann die inzwischen schon eingespielte Aufteilung bei der FF meist Pancakes und ich das lokale Gedeck hatte) auf unseren Guide für Tikal. Diesmal, ja es muss so hart gesagt werden, wir waren im normalen Leben angekommen, hatten wir keine individuelle Führung sondern waren Teil einer kleineren Gruppe, die allerdings mit uns nur aus 7 Personen bestand, wobei wir die einzigen Nichtguatemalteken waren. Unser Guide sprach aber gutes Englisch und teils war es von Vorteil den Vorspann immer schon mal auf Spanisch gehört zu haben, zumal Teil seines Infotainments darin bestand kleines Testfragen zu stellen.
Im Vergleich zu Xunantunich in Belize ist die Anlage in Tikal deutlich weitläufiger und auch beeindruckender. Allerdings auch deutlich umtriebiger inklusive Eintrittsarmbändchen und regulierten Aufstiegsoptionen auf die verschiedenen Hochbauten. Teilsweise war das freie Klettern auf den historischen Stufen erst verboten worden, nachdem vor wenigen Jahren ein mexikanischer Tourist beim Besteigen genau der Stufen abgestürzt und umgekommen war. Nun also die nachgerüsteten Holztreppen mit Handlauf hoch, die allerdings dem Sicherheitsbedürfnis und einem schwanenden Höhenschwindel nur bedingt entgegenwirkten.
Die Vorstellung, dass die Maya hier bereits vor mehr als 3000 Jahren eine funktionstüchtige Stadt aufgebaut hatten, die allein im zentralen Bereich eine Ausdehnung von 16 Quadratkilometern hatte. Unser Führer ging davon aus, dass es deutlich mehr gewesen seien, aber selbst wenn Wikipedia Recht behält und in den über 3.000 Gebäuden „nur“ 50.000 Menschen lebten, so relativiert dies dann doch den Stolz der Europäer auf ihren massgeblich elementaren Beitrag zur Entwicklung der Menschheit.
Dass der Mensch in seinem Streben nach Einzigartigkeit (und der Dekonstruktion des Schicksals) auf allen Erdteilen gleich ist wurde dann allerdings auch bewiesen, denn von unserem Ausguck auf den zentralen Platz der Maya-Stätte konnten wir dem Treiben einer bunt gekleideten Musikschulklasse (vermutlich) zuschauen, die im Ergebnis darin mündete, dass einer der männlichen Teilnehmer, inzwischen umrundet vom Rest der Gruppe vor einer ausgewählten Dame auf die Knie fiel und ihr dieser international anerkannten Geste augenscheinlich seine Freiheit zugunsten eines hoffentlich glücklichen und lange währendem gemeinsamen Leben opferte.
Mit diesem dramatischen Schauspiel ging unser knapp vierstündiger Spaziergang durch die Vergangenheit dann auch langsam zu Ende. Auf dem Weg zurück ins Hotel begegnete uns nicht nur die deutsch-schweizerische Reisegruppe aus Spanish Lookout / Belize wieder sondern auch eine Familie von Nasenbären die ungetrübt ob der menschlichen Besucherschar fröhlich im Erdreich nach Nahrung schnufferten. Ähnlich wie die Affen waren allerdings auch diese possierlichen kleinen Tierchen wohlerzogen genugt sich uns nicht zu nähern und albernen Spielchen abzusehen, um sich milde Futtergaben zu erbetteln. Also nichts von den räuberischen Möwen in den USA oder den Horden terrorisierender Paviane von welchen man immer mal wieder liest. Obwohl zumindest die Nasenbären durchaus das Zeug gehabt hätten um auf TikTok viral zu gehen. Aber bei dem schwachen Internet war wahrscheinlich auch das der schlauere Move. Vielleicht ist der kulturhistorische Vorsprung auch regional bedingt.
Den Nachmittag über hatten wir Zeit darüber bei einem kühlen Moza Bock-Bier nachzudenken oder FF bei seinen Fortschritten im Pool zuzuschauen.Läs mer
Flores und Lago Peten Itzka
22 maj 2022, Guatemala ⋅ ⛅ 34 °C
Letzter Tag in der Dschungel Lodge und damit Abschied von den Brüllaffen (Howler Monkeys). Heute geht es - es fällt mir schwer dies zu schreiben, aber wir wollen ehrlich sein, unsere Standards sind abgefallen: mit Publik Transport!!! zur Isla de Flores an den Lago Peten Izka.
Vorher aber noch ein ausgiebiges Frühstück mit Bohnenpaste, Pancakes und Rühreiern und dann in den Pool, der zwar immer noch saukalt ist, aber FF, der deutliche Fortschritte beim Tauchen und Schwimmen macht soll sich ruhig daran gewöhnen, dass das Leben kein Whirlpool ist. Und tatsächlich hält er bibbernd und mit blauen Lippen durch. Die Anfeuerungsrufe „schwimm, Du Sau“ erweckten die Aufmerksamen eines soignierten Herren, der uns auf fliessendem Deutsch ansprach. Er war in einem früheren Leben mit einer Deutschen verheiratet und lebte mit ihr mehrere Jahre in Seeheim-Jugenheim. Ich habe zwar in meiner Biographie keine entgegengesetzten Punkte aufzuweisen, dennoch schlechtes Gewissen, ob meiner ungelenk herausgebrachten drei Brocken Spanisch. Sollte ich etwa der Babbel-Werbung auf den Leim gegangen sein, die anstrengungsloses Sprachenlernen bis zur Muttersprachlichkeit versprach. Drecks-Influenzer, kein Wort glaube ich den Brüdern von Florida Entertainment mehr!!! Dem Herren scheint aber seine Rückkehr nach Guatemala gut getan zu haben, wenigstens wirkte er fit und entspannt.
Ganz so ging es für uns nicht weiter, denn der Minibus war in der Tat mit 10 Passagieren gut gefüllt, wobei unsere drei Koffer plus Taschen plus Kindersitz plus plus die Hälfte des Bordgepäcks ausmachten.
Nach anderthalb Stunden Fahrt überquerten wir die Brücke und befanden uns auf der äußeren Ringstraße der Isla de Flores. Wobei dies nicht die Kölner Ringausmasse hat (weder von der Asi-Dichte noch den geographischen Ausmassen, dies war der Teil bis zu dem unser Minibus vorfahren durfte, da der Rest der Insel nur mit TukTuk, Motorrädern oder PKW befahren werden durfte. Was aber nicht weiter schlimm war, unser Hotel lag nur c. 200 Meter weit entfernt. Sowieso hatte man die Insel innerhalb von 20 Minuten ohne Eile umrundet.
Nach den „naturnahen“ Erlebnissen in Tikal und zuvor in der Black Rock Lodge war unser Hotel in Flores eine wohltuende Rückkehr in die Komfort-Zone. Boutique-Hotel mit schöner Dachterasse von der aus man den Blick auf die höher gelegene Kirche aber auch den Sonnenuntergang auf dem See gut geniessen konnte. Im Haus eine Bar, ein Restaurant und ein Cafe mit Küchlein gutem Kaffee. Was brauchte es mehr, damit konnte auch die Regenzeit kommen. Aber nach einer kurzen Erholungspause auf dem Zimmer dann doch erstmal die Erkundung der Insel (war wie gesagt schnell vorbei) und der Marsch über die Brücke ans Festland. Dort dann (endlich) vollständig eingetaucht in die westliche Zivilisation mit Einkaufspassage Maya Mall und Burger-King. Wobei der Versuch sich nach drei Tagen dann doch endlich mal mit der Landeswährung einzudecken (mangels Gelegenheit hatten wir lediglich in Tikal an der Hotelrezeption 20 USD umgetauscht, wobei damit deren Bargeldreserven auch schon zu Ende waren). Nach einer Wanderung durch Flores, was jetzt per se nicht so sehenswert war und uns letztlich nur die Erkenntnis brachte, dass es die Chinesen in Guatemala augenscheinlich wieder mehr zu ihrem eigentlich Geschäftsfeld zurückzog, zwei chinesische Restaurants auf der Strecke……, führte unsere Suche nach einem Geldautomaten (donde es un automato de cash??ATM heisst ja ihr wahscheinlich auch eher Maya-Tropfsteinhöhle, wir sind ja nicht blöd ;-)) zurück zur Mall, wo uns der freundliche mit Pumpgun ausgestattete Security-Mensch den Weg zu einem kleinen, schwitzigen Kabuff wies in welchem sich tatsächlich ein Geldautomat befand. Wobei, zwanzig Minuten später und nachdem sämtliche Bank- und Kreditkarten in allen Gebrauchsvarianten getestet waren (Credit, Saving, Herunterschrauben des Wunschbetrages auf das wöchentliche Taschengeld eines 12jährigen…. ) und in sicherem Vertrauen, dass mein PIN immer noch 2341 lautet, mussten wir uns verschwitzt eingestehen, dass wir zumindest ein peripheres Problem haben, denn Geld bekamen wir keines. Rückfallvariante: Burger King akzeptiert Kreditkarte, bis dahin mussten wir uns kulinarisch weiterhin an unser Hotel halten, in dem wir ebenfalls kreditwürdig waren.
Daher dann auch nach dem tatsächlich nur gefühlt anstrengenden Tag nur noch zum Sonnenuntergang auf`s Dach und zum Abendessen runter ins Erdgeschoss. Freundlicher Kellner, der - wie eigentlich alles Restaurantpersonal- das allabendlich bestellte Bier erstmal mir vor setzte- sich neben dem Wundern dann auch das Lachen nicht verkneifen konnte, als Miss I beherzt zugriff. Als zukünftige Stammgäste sei hier schon mal die Geschichte vorgegriffen, dass das Hotel die von der Dame meines Herzens bevorzugte Bock-Bier Variante (komischerweise sind dies auch die einzigen Worte, die ihr selbst ohne zuvorigen Genuss desselben locker über die Lippen kommen: una Moza profavo (sic!)) dem deutlich gebräuchlicheren Schwarzen Hahn Gallo vorzog, auch in der Maß-Version bereitstellte. Da nun also unsere Rollenverteilung eh schon für Belustigung sorgte, bestellte sie am Folgeabend einfach mal einen Liter, wobei sich unser Garcon bemüssigt fühlte nachzufragen, ob sie sich denn absolut sicher sei und das auch wirklich schaffe. Aber da kennt er meine Frau nicht!!!! Aber wir schweifen ab.
Nach dem Essen noch ein kleiner Verdauungsspaziergang hoch zum Marktplatz, wo sich die Dorfjugend einen ‚Platz zum kombinierten Fussball- und Basketball-Spiel teilte. FF saß mit großen Augen da und vermisste wohl ein ums andere Mal seine Kumpels aus der Kita um mit einzusteigen. Denn noch ist er zu zurückhaltend um sich einfach in den Pulk zu werfen. Dass für Kinder Sprachen keine wirkliche Barriere sind, mag uns Erwachsenen bewusst sein, aber für einen Sechsjährigen, der im letzten halben Jahr mehr oder minder ausschließlich auf uns fixiert war, schien diese Möglichkeit nicht real und so war er dazu verdammt das Spiel von der Außenlinie zu verfolgen.
Dann ging es aber wirklich ins Bett um nach einer erholsamen Nacht ohne Affen oder anderes Getier und einem ausgiebigen Frühstück (ich wiederhole mich, aber when you are in Guatemala, wieder Chapin mit schwarzen Bohnen, Kochbananen und Rührei) am nächsten Tag erneut auf die Jagd nach Geld und Eindrücken zu gehen.Läs mer
Seequerung und Fahrt nach Rio Dulce
24 maj 2022, Guatemala ⋅ ⛅ 31 °C
First Things first, also nach dem Frühstück gleich nochmal über die Brücke in die große Stadt, wobei wir vom Regen überrascht wurden, was aber eher eine Erfrischung als lästig war.
Nachdem dann auch der Geldautomat seinen Streik beendet und wir zumindest vorübergehend wieder liquide waren, war die Erleichterung groß. Keine Ahnung, ob die Datenverbindung zur Überprüfung der Karteninformation international am Wochenende ausgesetzt oder dem Automaten schlicht das Bargeld ausgegangen war. Jedenfalls funktionierte an diesem Montag alles, also frei nach Karel Gott „einmal um die ganze Welt, mit den Taschen voller Geld“….. Wobei wir hier in Guatemala auch mit den 2.000 Quetzales (ungefähr 250 Euro) recht weit kamen.
Nachmittags, ja wir neigen inzwischen zunehmend zur Siesta in der sich die Familie aufteilt in die Retter der CandyCrush Welt und diejenigen die Bookbeat leer hören wollen. Danach dann durch die Gassen der wirklich bezaubernden kleinen Insel mit ihrem Kopfsteinpflaster, den karibisch bunten Häusern und entspannten Anwohnern und Katzen, die Vorbeigehenden, selbst wenn sie wie FF eigentlich mehr wie ein Flummi vorbeihüpfen, lediglich ein Schlafzimmerblick durch halbgeöffnete Augen zuwerfen. Am frühen Abend, quasi pünktlich zum Sonnenuntergang diesmal nicht direkt auf die Hotelterasse sondern an den Pier an dem sich eine Gruppe junger Menschen zum Plantschen und Bier traf. Restsonnenschein und knapp dreissig Grad warmes Seewasser, da liess sich auch Papa nicht lange aufhalten und sprang mit Sporthose gleich auch mal in den See. Sehr wohltuend und Anlass für die Planung der Seequerung am nächsten Morgen. Aber vorher noch einmal in unser Stammrestaurant und zu dem freundlichen Kellner um dessen Weltbild zum Alkoholkonsum von Frauen durcheinanderzubringen (siehe vorangegangenen Artikel).
Dank des wirklich sehr erholsamen Schlafes im Hotel Flores (und da ich das Maß wie gesagt auch Miss I überließ) fiel es mir am nächsten Morgen nicht schwer etwas früher aufzustehen und meine Schwimmsachen zu packen. Schnurstracks an den Steg vom Vorabend und mit einem beherzten Sprung ins Wasser. Auch wenn auf der Strecke immer mal wieder ein Taxiboot passierte, vertraute ich auf meine leuchtend blaue Badehose und schwamm bis zum gegenüberliegenden Festland. Gefühlte Entfernung einfache Strecke ca. 500 Meter, also keine echte Herausforderung, wobei es tatsächlich eine gefühlte Ewigkeit her ist, seit ich das letzte Mal eine lange Strecke frei, will sagen ohne absichernden Beckenrand, geschwommen bin, doch insoweit hatten die Taxiboote ja auch einen Vorteil . Ohne Handy und andere Zeitmessung ging es dann aber doch flott und problemlos rüber und die zehn Minuten Pause auf dem gegenüberliegenden (sehr viel farbenfroheren Steg) mit Blick auf „meine Insel“ war um 8 Uhr morgens schon sehr genial. Und selbst der Weg zurück, der ja gemeinhin beschwerlicher ist, ging zügig und ohne größere Blessuren vorüber. Letztlich war ich sogar so zeitig, dass es noch reichte mit FF schnell einmal mit dem Boot meine Schwimmstrecke abzufahren um von dort drüben noch ein paar Bilder zu machen. Anders als mit der reinen Körperkraft kostete diese Fahrt dann hin und zurück knapp 8 Euro, dafür waren wir aber nach 40 Minuten trocken wieder am Frühstückstisch und schafften es fast pünktlich mit Senior Miguel, der uns diesmal wieder als Fahrer zur Verfügung stand und den wir schon vom Grenzübergang aus Belize kommen kannten weiterzufahren. Nun gut, wir waren fünf Minuten zu spät und dachten, dies ginge als zentralamerikanische Zeitrechnung mit einfakturierter Gelassenheit schon durch. Allerdings hatten wir da unsere Rechnung ohne Don Miguel gemacht. Der hatte, da er mit dem Minibus nicht bis zum Hotel vorfahren konnte, ein TukTuk für uns klar gemacht, das mit knatterndem Motor vor dem Hotel wartete. So scheuchte er uns, dass für einen Abschied von dieser sehr entspannten Insel und dem rund um schönen Hotel Isla de Flores nicht viel Zeit blieb.
Stattdessen mit Senior M knapp vier Stunden Fahrt in Richtung Süden nach Rio Dulce beziehungsweise den Lago de Izabal den der Rio Dulce mit dem Pazifik und der Karibik verbindet.
Aber für heute stand nur noch eine kurze Überfahrt von fünf Minuten mit dem hoteleigenen Boot bis zum Hotel Tortugal vor uns. Dort wurden wir vom Hotelhund Pablo (und seinem traurig dreinblickenden Bruder) und Angela, einer Südafrikanerin in Empfang genommen. Anders als das vorangegangene Hotel war die Unterkunft hier sehr einfach, will sagen keine Klimaanlage und lediglich ein Mückennetz und ein mittels Seilzug zu betätigendes Brett vor dem Fenster als Mückenschutz. Sagen wir es so, nicht jedermanns bzw. jederfrau Sache und so waren die ersten Minuten erstmal mit Grundreinigung der Betten und tiefen Seufzern verbunden. Positiv hingegen war der Umstand, dass wir mit Angela eine sehr freundliche Gastgeberin hatten, die FF schnell ins Herz schloß und ihn nicht nur mit ungewollten Streicheleinheiten sondern auch mit sehr gutem Essen (unter anderem einem seit laaaanger Zeit nicht mehr gesehenen und sehr guten Kartoffelbrei) versorgte. Selten hat man den jungen Mann so beim Essen zuschlagen sehen. Und durch den Umstand, dass das Hotel gleichzeitig auch eine Marina, also ein Schiffsankerplatz war, kamen wir nicht nur in Kontakt mit anderen Gästen sondern durften gleich am ersten Abend an einer kleineren Rettungsaktion eines Segelschiffs beiwohnen, dessen Hilfsmotor ausgefallen war und das nun - da manovrierunfähig- mittels Leinen in die Marina geschleppt wurde. Da war die Schlange, die kurz vorher von einem anderen Segelboot ins Wasser gejagt wurde dann nur noch ein Nebenspektakel.
Die erste Nacht war dann auch wie erwartet eher schwitzig, wobei die zweite Hälfte ein derartiges Gewitter über den See ging, dass es auf unserem Blechdach nur so prasselte und wir zumindest teilweise wach lagen und die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählten. Keine Ahnung ob die Prinzipien des Faradayschen Käfigs sich bis in die Ausläufer der Karibik herumgesprochen habe, wobei auch keine Ahnung, ob man das so schreibt und ob diese überhaupt für über`s Wasser gebaute Holzhütten oder vielleicht doch nur für PKW auf Gummireifen gelten. Egal, am nächsten Tag wachten wir heil, gesund und lediglich um einige kleinere Stiche reicher auf und das Abenteuer Rio Dulce konnte weitergehen…..Läs mer
Süß-Salzig am Rio Dulce
25 maj 2022, Guatemala ⋅ ⛅ 32 °C
Tortugal Boutique River Lodge / Rio Dulce
Auch wenn die Ausstattung des Zimmers wie bereits erwähnt sehr einfach war, hatte die Tortugal River Lodge einen riesigen Vorteil und das war das wirklich sehr gute und stets frisch und nach unseren (FFs Sonderwünschen) zubereitete Essen. Schon am Vorabend hatten wir die Fischsuppe genossen in der sich neben einer große Krabbe noch allerhand weiteres Meeresgetier befand. Auf Tomatenbasis und mit einem kräftigen Fischfonds genau so wie es sein sollte. Wobei auch die zweite, lokale Variation, Tapado Garifuna, bei der anstelle der Tomaten eher Kokos und Kochbananen zum Einsatz kamen, sehr fein und in der Konsistenz natürlich deutlich cremiger und sättigender war.
Aber auch unser Frühstück, für mich zur Bohnenpaste mal einen Burrito und für FF und Miss I einen großen Obstsalat und frische Waffeln mit Honig war phantastisch. Danach drängte sich allerdings auch die Notwendigkeit einer zumindest vorübergehenden körperlichen Betätigung auf. Schwimmen war zwar möglich, aufgrund des doch relativ starken (und schnellen) Bootsverkehrs wurde uns jedoch geraten nicht über die vor dem Hotelsteg gelegene Plattform hinaus zu schwimmen. Um ehrlich zu sein hielt mich die Erfahrung des Vortages mit der Wasserschlange noch stärker davon ab zu viel Zeit im Wasser zu verbringen, ausserdem war das Wasser - gefühlt- nicht so sauber und klar wie in Flores. Wobei die Dinge, die man im Wasser sehen kann ja meist nicht das eklige sind.
Nach einem kurzen Sprung ins Wasser entschieden wir uns also statt damit längere Zeit zu verbringen ein wenig durch die Gegend zu paddeln. Das Hotel stellte hierfür Kayaks bereit. Und nur wenige Paddelschläge vom Hotel entfernt befand man sich plötzlich in einer grünen, von Mangrovenbäumen gebildeten Höhle in der die Vögel zwitscherten und Wasserschildkröten sich auf Steinen sonnten. Auch die uns gegenüberliegende, atemberaubende Villa im modernen Design konnten wir uns wasserseitig aus der Nähe ansehen. Laut Hotel gehört sie dem CEO der größten Brauerei des Landes (Gallo), der allerdings nur selten vorbeikommt und Haus und Garten in der restlichen Zeit von ca. 20 Mitarbeitern in Schuss halten lässt. Da half es auch nichts, dass Miss I sich bei entsprechender Gelegenheit immer für die Alternative Moza entschied, vor allem da die kurze Internetrecherche zeigte, dass auch diese Marke zum Konzern gehört. Also gönnen wir es dem Herrn, zumal er vielleicht einen luxoriöseren aber doch den gleichen Ausblick auf den See beziehungsweise den Fluss hatte.
See, Fluss, ja was den nun? Leider nicht ganz trennscharf zu benennen, denn der Fluss Rio Dulce beginnt ziemlich genau auf Höhe unseres Hotels als Abfluß des Lago Izabal, dem größten See Guatemalas (48 km lang und bis zu 20 Kilometer breit).
Die genauere Erkundung erfolgte erst am Folgetag für den wir uns ein Boot gechartert hatte, welches uns einerseits ein Stück auf den See und anschließend die 43 Kilometer den Fluß hinab bis nach Livingston und damit an die karibische Küste bringen sollte. Für den Luxus der Privattour hatten wir uns entschieden, da der Preis von 1.000 Q im Vergleich zu (zusammen) 400 Q für das öffentliche Verkehrsmittel bezahlbar war und uns mehr Flexibilität gewährleistet (1.000 Q sind ca. 120 Euro. Schließlich gaben wir schon seit Belize und noch mehr in Guatemala deutlich weniger für Essen und Getränke aus als zuvor noch in den USA. Dort lagen unsere täglichen Ausgaben irgendwo zwischen 150 und 200 USD pro Tag/Familie (exklusive Hotels aber mit Sprit und Ausgaben für Eintrittsgelder etc.). Ohne dies bisher im Detail geprüft zu haben dürfte sich dieser Betrag zwischenzeitlich irgendwo rund um die 60-70 USD einpendeln, wobei es ja dann auch immer hiess, dass Guatemala zwar schon deutlich günstiger als Belize sei, das eigentliche Paradis aber erst in Nicaragua auf uns warte (wobei wir - Achtung, Spoiler) diesen Eindruck nicht wirklich haben, was vielleicht daran liegen mag, dass wir in Nicaragua auch mehr Zeit in Leon und Granada mit einem breiteren Angebot an etwas schickeren Restaurants und Cafes verbrachten.Läs mer
Livingston I Presume
26 maj 2022, Guatemala ⋅ ⛅ 32 °C
Immer dieser Stress am morgen, wenn der Kapitän der gecharterten Jacht um 9:30 aufschlägt man aber noch nicht ganz mit dem Zähneputzen fertig ist. Ja, auch wir haben Sorgen!!
Ansonsten freuten wir uns aber schon sehr auf den Tag. Der Skipper sprach zwar nur ein paar Brocken Englisch, aber irgendwie sollten wir die Kommunikation schon hinbekommen und so hieß es mit nur wenig Verspätung: Leinen los und erstmal ab in Richtung See, oder wie wir Seebären sagen nach rechts in Richtung El Castillo. Dieses Fort (Castillo de San Felipe de Lara) hatten seinerzeit die Spanier an der schmalsten Stelle im Übergang von See zu Fluss gebaut. Eine überschaubar große Verteidigungsanlage mit schöner Gartenanlage. Da man dort allerdings Wert auf Masken legte, die wir tatsächlich mal zu Hause gelassen hatte, begnügten wir uns mit der Aussicht vom Wasser aus, was uns sowieso empfohlen wurde und gewannen daher etwas mehr Zeit um zumindest ein kleines Stück des in seiner Fläche mit dem Bodensee vergleichbaren Izabal-See zu erkunden. Doch unser eigentliches Ziel lag ja in entgegengesetzter Richtung (maritime Fachsprache: links rum). Also ein kleines Stück zurück, kurz dem Hotel, der Bierbrauer-Villa und der Brücke gewunken an der uns erst zwei Tage zuvor Don Miguel abgesetzt hatte. Vorbei an Frauen mit kleinen Kindern die sich vom fleissig grüßenden FF nur kurz vom Wäschewaschen im See abhalten liessen um zurück zu winken. Und nach wenigen Minuten plötzlich Stille, nur das leise blubbernde Geräusch des Außenbordmotors, der langsam durch ein Meer aus Wasserhyazinthen auf einen Mangrovenwald zusteuerte in dem dutzende bis hunderte Vögel brüteten und sich von uns kaum stören liessen. Wenige hundert Meter weiter eine Kanal an dem sich ein anderer wohlhabender Einheimischer mit einem Privatzoo mit Affengehege, Leguanen und Papageien niedergelassen hatte.
Dann ein kurzer Stop an einem leicht verfallenen Restaurant, das als Attraktion einerseits heisse Quellen hatte, die sich in einem abgetrennten Teil in den Fluss ergossen und in dem man sich in einem Wechselbad aus lauwarm bis teuflisch heiss baden und wundern konnte, ob der Geruch von den am Abend zuvor verzehrten Eiern oder wirklich von den Schwefelquellen herrührte. Aber vor der „Abkühlung“ ging es erstmal ausgestattet mit Taschenlampen und angeführt von einem älteren Herren einen kleinen Anstieg hinauf der uns nach ca. 200 Metern den Einstieg in eine Tropfsteinhöhle eröffnete. Nicht so spektakulär wie die ATM Grotte, aber dadurch, dass wir nur zu viert unterwegs waren nochmals spannend. Zudem durften wir hier fotografieren ;-)
Dann war aber auch gut, also weiter die insgesamt 48 Kilometer entlang bis an die Flußmündung in dem kleinen Städtchen Livingston, das allerdings ausser der Möglichkeit auf die bekannte Begrüssung des lange als verschollen geltenden gleichnamigen Forschers durch Sir Henry Morton Stanley in der Nähe des Tanganjikasees anzuspielen und damit einen weiteren Eindruck des nahezu unendlichen Wissens von Wikipedia zu vermitteln recht wenig zu bieten hatte. Es mag aber auch an der Gluthitze gelegen haben, die die Begeisterung sich auf der Suche nach einem akzeptablen Restaurant durch das Gewusel aus Menschen, Seelenverkäufern aka Restaurant-Koberer zu schleppen. Letzlich endeten wir in einem mediokren Schuppen mit Ceviche, Fischfillet und Fischsuppe und hinterher ein tatsächlich gutes Mangoeis, dessen Bestellung sich allerdings so in die Länge zog, dass mir nicht nur der Schweiss auf der Stirn stand sondern sich die Hälfte des Eises bereits durch die Schokoladen-Nuss-Schutzschicht geschmolzen hatte und siffig in Gesicht und Hand von FF verteilte. Nur ein Wort: Lekker!
Und dann ging es auch schon wieder zügig zurück, denn selbst wenn unser Capitan einen Zahn zulegte, war es doch eine ca. 1.5 Stündige Fahrtstrecke die noch vor uns lag.
Was wir am Ende leider nicht gesehen hatten waren die Seekühe (genauer Rundschwanzseekühe oder Manatis) und die Bullenhaie, die beide in dem teilweise salzig / süssen Flusswasser vorkommen. Insbesondere Manatis hätte ich sehr gerne gesehen bzw. mich bei einem gemeinsamen Tauchgang fotografieren lassen, wirken sie doch auf den ersten Blick eher plump und schwerfällig, allerdings nur bis sie sich elegant fortbewegen, daher auch nur gemeinsame Fotos ;-)
Nachdem wir den ganzen Tag über Glück mit dem Wetter gehabt hatten (ja, ich spreche von kein Regen und die Bullenhitze in Livingston deute ich rückblickend zumindest euphemistisch als schönes Wetter;-) wurden wir bei der Einfahrt in die hoteleigene Marina dann noch mit einem wunderschönen Regenbogen belohnt.
Ende eines sehr schönen Tages!Läs mer
That is Travelling in Central America!
27 maj 2022, Guatemala ⋅ ☁️ 19 °C
Unsere Programm für den heutigen Tag enthielt eigentlich nur einen Punkt:
At 10:00 AM collective transfer from Rio Dulce to the Colonial City of Antigua, Guatemala (about 6 hours)
Nur das hierin ein kleiner aber entscheidender Fehler versteckt war. Oder richtiger gesagt: eine Aussage die Anlass zu kulturell bedingten Fehleinschätzungen gab. Vermutlich bedarf es keines gesonderten Spoiler-Alerts um vorwegzunehmen, dass es sich hierbei um die bereits ansatzweise verwässerte Zeitangabe „about 6 hours“ ging.
Aber eins nach dem anderen. Bereits am Vorabend hatten wir beim Abendessen noch Lily von Martsam Travel und das freundliche Personal im Hotel gebeten zu klären, wo wir morgens sein müssen, um pünktlich am Abfahrtsort für unsere Überlandfahrt zu sein. Alles kein Problem, keine 10 Minuten mit dem Boot entfernt. Also entspannt gefrühstückt, noch einen kurzen Schwatz mit der Mutter des 1.5 jährigen Jungen gehalten, die wir zumindest morgens manchmal kurz gesehen hatten, die aber augenscheinlich auf ihrem eigenen Boot lebten. Wer uns bis dato darum benied, dass wir diese Tour hier machen: alles ist relativ, ja das gilt für Zeitangaben bei zentralamerikanischen Überlandfahrten aber nunmal auch für die Frage, ab wann eine Reise eigentlich lang und aussergewöhnlich ist. Diese argentinischUS-amerikanische Familie hatte die Corona-Pandemie in Feuerland auf einem Boot ausgehalten, da die Grenzen dicht waren. Ensprechend war der Kleine auch in Chile zur Welt gekommen. Eigentlich wollten sie damals schon zur Antarktis fahren, wo die Eltern sich auch kennengelernt hatten, stattdessen also Feuerland, wo es gar nicht so muggelig angenehm ist, wie man es sich unter Chile gemeinhin vorstellt, jedenfalls definierte die Dame ihren Aufenthalt in Guatemala als willkommene Flucht in die Wärme, wobei sie zwei Wochen später wieder zurückflogen um dann endlich ihre Reise fortzusetzen, die letztlich ohne Endpunkt geplant ist, also home schooling und Leben auf dem Boot.
Solche Geschichten zeigen mir eine Welt, die ich ansonsten nur aus gemeinhin schlecht geschriebenen Büchern oder nur bedingt lustigen, aber auf jeden Fall super spannenden und mit tollen Bildern vollgepackten öffentlichen Diashows am Rheinauhafen in Köln kannte. Auch wenn sich meine eigene Historie mit über 20 Umzügen und keinem Ort (Wohnung) an dem ich jemals länger als fünf Jahre gelebt habe eher unstet anfühlt, so könnte ich mir eine solches Leben nicht vorstellen. Zumindest die letzten 20 Jahre gab es eigentlich immer den Wunsch die Füße in den Boden zu rammen und endlich Wurzeln zu schlagen. Letztlich kam zwar dann doch immer etwas was man gemeinhin das Leben nennt dazwischen, aber ein dauerhaftes Leben auf dem Boot oder aus dem Koffer, wie auch immer wollte ich mir selbst und noch viel weniger FF zumuten. Zwar hoffe ich ihn durch meine Geschichte(n) mit dem Weg-Gen infiziert zu haben, andererseits wünsche ich mir für ihn auch so Dinge wie einen gewachsenen Freundeskreis und das Gefühl von Heimat. Aber am Ende liegt es an ihm und sicherlich wird er seinen und den damit für ihn einzig richtigen Weg finden!
Aber wo waren wir? Abschied vom Hotel Tortugal, hier waren es nur vier Nächte und nicht ausreichend Zeit um eine persönliche Bindung zu den Kakerlaken und Moskitos in unserem Zimmer aufzubauen, aber eine schöne Zeit hatten wir dennoch. Nun aber unsentimental tschüß und ab ins Boot. Neben dem als Treffpunkt arrangierten Cafe lag glücklicherweise noch ein Supermarkt in dem ich einiges an Fressalien für die Reise einkaufen konnte. Dann stand auchschon der Minibus da, der anfangs noch nicht voll war, nachdem wir aber zwanzig Minuten über den geplanten Abfahrtszeitpunkt hinaus noch auf eine Gruppe Mädels gewartet hatten, die dann auch noch recht rüde ihr Gepäck in den Bus stopften (ja was können wir den dafür, dass der Kofferraum schon heillos überfüllt war….?) ging es dann doch endlich los. Und zwanzig Minuten, was soll`s. Die holen wir schon wieder raus.
…………….
Und so fuhren wir dann! Und fuhren. Erst bei Sonnenschein über`s Land. Wegen eines Unfalls dann auch mal eineinhalb Stunden fest im Stau (mit ebenfalls gestauter schwüler Luft im Bus), endlich weiter und nach einem kurzen Pinkelstop dann langsam in die Dunkelheit und in den Regen hinein.
Ich will es nicht künstlich in die Länge treiben und an dieser Stelle nur der Erfindung des Podcasts, Candy Chrush und des Hörbuchs danken! Denn ohne diese Errungenschaft der Moderne wäre diese Fahrt sicherlich nicht gut ausgegangen. So kamen wir aber gegen 9 Uhr abends, also 11 Stunden nach geplanter Abfahrt endlich und im strömenden Regen in Antigua, der ehemaligen Kolonialhauptstadt an. Müde und matt und nicht wirklich in der Lage den Charme unseres Hotels wie der Stadt zu geniessen.
Da das Wochenende vor der Tür stand und nach unserer zumindest kurzzeitig verzweifelten Suche nach Bargeld in Flores ging ich nur noch mal kurz vor die Tür um an einem nahegelegenen Geldautomaten ausreichend Liquidität für die nächsten Tage zu organisieren. Darüber hinaus ging leider nichts mehr, selbst ein Bier oder eine Cola Zero war nicht mehr aufzutreiben. War dann aber auch egal, morgen ist auch noch ein Tag!!
PS: keine Ahnung, warum mein Google Maps in den Spracheinstellungen auf Ungarisch(?) eingestellt ist. Zumindest auf die Schnelle habe ich es nicht umgestellt bekommen, aber auch das wird noch. Da bin ich ganz zuversichtlich: Érezd jól magad!!Läs mer
Antigua
28 maj 2022, Guatemala ⋅ ⛅ 19 °C
und am nächsten Morgen…..haben wir uns in Antigua verliebt! Ein wunderschönes koloniales Städtchen, das durch die Lage am pazifischen Feuergürtel in der Geschichte immer mal wieder zurückgeworfen wurde besticht durch seine durchgängig ein bis maximal zweigeschossigen Kollonialbauten im Ortszentrum. Lediglich die Kirchen sind höher gebaut, die scheinen dann doch einen besonderen Schutzstatus geniessen. Die Stadt mit ihren nur knapp 40.000 Einwohnern, wobei das so nicht wahrnehmbar ist, da der Übergang zu den umliegenden Dörfer fast nahtlos erfolgt, geniesst seit 1979 bereits den Status als Weltkulturerbe, was vermutlich die eine oder andere Bausünde verhindert hat. So besteht der leicht morbide Charme mit den Kopfsteinpflasterstrassen, die schachbrettartig angelegt sind und den immer mal wieder auftauchenden Baulücken mit halbverfallenen Ruinen, die dann aber auch wieder als Kulisse für die Darstellung des Kreuzweges Jesu dienen. Dazwischen der Marktplatz als Zentrum an dem sich die „schöneren“ Verwaltungsgebäude liegen, mit Kreuzgängen und tatsächlich keinen Luxusgeschäften. Schön ist hier tatsächlich auch das was nicht vorhanden ist oder wenn, dann doch dann zumindest hinter einer historischen Fassade versteckt und auch vom Interieur her gut integriert. Beispielhaft sei hier nur der Starbucks genannt, der von aussen nur durch ein dezentes Schild beworben ist und sich auch innen gänzlich anders darstellt als die aus dem Katalog entnommenen Vorstellungen von Gemütlichkeit in Europa. Naja, Kaffee haben wir hier dann doch nicht getrunken, schließlich gab es genug kleine Bars und Nischen-Cafes.
Auch unser Hotel entpuppte sich nach dem triesten und verregneten Einstieg am Vorabend als kleiner Glücksgriff. Gesichert durch ein von außen kaum auffäliiges Törchen hindurch und schon stand man im Vorgarten und der überdachten aber ansonsten offenen Rezeption. Die Zimmer lagen entlang eines schön angegelegten Gärtchens mit Lauben und Sitzecken und am Ende ging es eine Treppe hoch (wie gesagt maximal zweigeschossig) auf ein Patio mit Blick über den Garten und auf die umliegenden Vulkane.
Beim Frühstück die klare Feststellung, dass wir doch eher Stadtmenschen als Naturmenschen sind. Gebt uns ein schönes Cafe oder Gässchen zum herumirren (ja, ich habe mich trotz der Schachbrettmuster und der durchgezählten Strassen, auch hier verlaufen) und wir sind glücklich. Gib uns eine romantische Hütte im Dschungel und zumindest eine von uns kann Nachts nicht schlafen und jagt die tierischen Mitbewohner.
Jedenfalls ein deutlich versöhnlicherer Start in den Tag wobei vielleicht auch nur die Freude überwog, dass wir die nächsten vier Tage in keinen Minibus steigen sollten…..
Nach dem Spätstück ein erster Erkundungsspaziergang. Der Markt war schnell gefunden. An diesem Samstag wuselig mit Frauen und Kindern in Tracht die hier vom bunt bemalten Strohhut über gewebte Täschchen und Plastiknippes so ziemlich alles feil boten. Dies aber unaufdringlich und freundlich, so dass man sich nicht bedrängt oder vertrieben fühlte. Und dann immer wieder die großen truckartigen Busse, kitschig-bunt vom jeweiligen Fahrer oder Betreiber individualisiert und an jeder Kreuzung haltend um Menschen zu- beziehungsweise abzuladen. Insbesondere Nachts durch die Neonillumination ein sehenswertes Bild.
Später gerade noch rechtzeitig zur zweiten Hälfte des Championsleague Finales Liverpool : Real Madrid in die schöne Bar El Viejo Cafe. Der Sieg Reals wurde von bejubelt oder hingenommen, der Trickot-Dichte nach eher ersteres, wobei bis zum Abend vielleicht auch der eine oder andere opportunistische Kleiderwechsel vorgenommen wurde. Im Steakhaus Ni-Fu Ni-Fa (mir hat sich bis jetzt nicht erschlossen, wofür das steht) waren zumindest zwei Tische mehr oder minder komplett in weiss eingekleidet.Läs mer
Bate Bate Chocolate….
29 maj 2022, Guatemala ⋅ 🌧 17 °C
Der Mensch reist ja um sich zu bilden und entsprechend hatten wir uns für den heutigen Sonntag zu einem Workshop in Sachen Kakao in dem Lokal angemeldet wo wir tags zuvor bereits das Schokoladeneis getestet und für phänomenal befunden hatten.
In weiser Voraussicht ging Papa aber zunächst in den ortsansässigen Gym. Der entsprechend Antigua Gym betitelte Laden war letztlich ein mit einem schönen und stabilen Zelt überdachter Innenhof um den herum verschiedene kleinere Räume mit Umkleide, Gerätestationen etc. zur Straße hin gelegen waren. Das Zentrum des Sehens und Gesehen werden bildete allerdings der Innenhof. Der, auch dank der geöffneten Fenster und Türen an den Seiten gut belüftet und temperaturtechnisch auch erträglich blieb. Knapp zwei Stunden später und glücklich ausgepumpt ging es zum Marktplatz und ins ChocoMuseo wo wir von einer überschwenglich freundlichen jungen Dame in die Kunst der Schokoladenfertigung eingewiesen wurden. Neben drei mehr oder minder wohlschmeckenden Getränken auf Kakaobasis (Kakaopaste und Kakaoschalen) durften wir auch unsere eigenen Schokoladenkreationen anfertigen, was bei FF in einer Orgie aus Zuckerstreuseln, Gummibärchen, Zimt, Haselnuss- und Mandelsplittern und so weiter, das alles komprimiert in eine Praline gepackt führte. Die als Ausgangsbasis bereitsgestellte 70% Kakaoflüssigkeit war sicherlich hochwertig, aber das Ergebnis war leider nur zeitlich befristet geniessbar und wurde ohne Kühlung nach wenigen Tagen klumpig und bröckelig. Wahrscheinlich hatten wir bei der Zubereitung schlicht die magische Zauberformel Bate Bate Chocolate (Mix, Mix, Mix die Schokolade) nicht mit ausreichender Inbrunst gesungen, an der Lautstärke kann es wenigstens nicht gelegen haben. Aber was soll`s, ich war im Gym und ich sagen nur: Gummibärchen, Zuckerstreusel, Zimt………
Nachmittags dann noch einen Spaziergang auf den Cerro de La Cruz. Der Hausberg von Antigua liegt nur ein kleines Stück ausserhalb des Stadtzentrums. Zusammen mit einem fleissigen Träger, der mit einem Tablet voll verschiedener Sahnetörtchen die Stufen hinaufmarschierte um den dort bereits Angekommenen die gerade verbrannten Kalorien in Form von Schwarzwälder-Kirsch feil zu bieten.Läs mer
Der Tanz auf dem Vulkan
30 maj 2022, Nicaragua ⋅ ☁️ 29 °C
Hotel San Jorge, Antigua
Kurzer Hinweis: diesen Eintrag schreibe ich am 21.6. mit einem Geschichten-Rückstau von drei Wochen aus dem Indio del Sur Cafe in San Juan del Sur an der Pazifikküste in Nicaragua mit einem starken Cafe Americano vor mir und der schon um 10:34 durch das T-Shirt brennenden Sonne im Rücken. Anders als in den USA ist es hier nicht der Reisestress sondern eher das Gegenteil, eine mit sinkendem Stresslevel einhergehende Grundmüdigkeit, die bereits kurz nach dem Aufstehen beginnt, was mit auch daran liegen mag, dass unser Hotel Victoriano zwar eindrucksvoll an der Strandpromenade liegt, der Kaffee am Morgen aber nicht dem selbsterkorenen ****-Standard entspricht. Dies nur zur Einordnung und Transparenz. Immerhin gibt es auch in Nicaragua ausreichend Vulkane (ausweislich der Tourismuswerbung „Land der tausend Vulkane“, wir haben allerdings mal nachgezählt und kommen auf eine Zahl zwischen 19 (Wikipedia) und 27 (Oscar, Tourguide), den Rest werden dann die Gerichte im Rahmen unserer Schadenersatzklage klären…).
Doch zurück nach Guatemala und Antigua. Eigentlich war der Ausflug gleich für den ersten Tag nach unserer Ankunft geplant, nachdem sich die Anreise bis in die Nacht gezogen hatte, waren wir allerdings sehr froh um die Flexibilität unserer lokalen Reiseagentur und nahmen die angebotene Verlegung auf den heutigen Tag sehr gerne an. Zumal uns wegen des instabilen Wetters empfohlen würde eher früher am Morgen aufzubrechen.
Nancy unsere Reiseführerin und Darwin der Fahrer standen dann auch pünktlich um 8:30 mit dem frisch geputzen Land Rover vor der Tür des Hotels. Die Fahrt ging in Richtung Volcano Pacaya. Mit 2.552 Metern ist das der deutlich kleinste neben dem Volcano Agua (3.766), Volcano Fuego (3.763) und Acatenango (3.976). Der Pacaya war erst im März 2021 zum letzten Mal mit starken Explosionen, einer kilometerhohen Aschesäule und fließendem Lava das nahe an das nächste Dorf heran kam. Verletzte oder gar Tote gab es wohl nicht, aber dass wir uns hier, ja nur für Euch und Eure gottverdammte Gier nach Sensationen, einmal wieder in Gefahr für Leib und Leben begaben, zeigt vor allem der Umstand, dass der Vulkan Fuego (ja der, an dem wir gerade noch vorbeigefahren sind) erst 2018 mit einem heftigen Ausbruch an einem Sonntagnachmittag mehrere 100 Menschen tötete und das Dorf San Miguel Los Lotes fast komplett zerstörte. So sieht es nämlich aus! Allerdings wirkte das Ganze im Vorbeifahren eher friedlich, das verlassene Dorf liegt am Wegesrand, etwas grüner und verwilderter als gewöhnlich, doch vermutlich wäre uns das ohne den Hinweis von Nancy nicht weiter aufgefallen.
Heute kann man alle drei Vulkane besteigen, allerdings ist der Pacaya familienfreundlich, da unser Geländewagen relativ weit hoch fahren kann (und wir hatten nicht die Komfortvariante gebucht, wie die lokale Familie, die uns auf der Wanderung auf halber Strecke fröhlich winkend mit dem Wagen überholte). Insgeheim war ich etwas enttäuscht als ich mitbekam, dass uns lediglich ein Marsch von kanpp 1.5 Kilometern bevorstand, den Nancy aus mir zu Beginn nicht nachvollziehbaren Gründen auf einer Härteskala mit 5-6 einstufte. Nun ja, schnell noch ein Pinkelstop an der „Talstation“ und vorbei an den freundlichen Begleitern die uns ihre mähr oder minder abgerockten Pferde zur Erleichterung anboten. Manche davon waren allerdings so klapperig, dass ich persönlich ein schlechtes Gewissen gehabt hätte dessen Rückgrat eine weitere Prüfung aufzuerlegen. Ausserdem gibt es ja eine Familienehre zu verteidigen.
Das Wetter war trocken im Sinne von kein Regen, allerdings mit hoher Luftfeuchtigkeit, so dass uns auf halbem Weg dann doch warm wurde und ich Nancy`s Fähigkeiten bei der Beurteilung von Wanderrouten gar nicht weiter in Frage stellen mochte. Am Ziel angekommen waren wir dann auch alle einerseits nassgeschwitzt, andererseits mitten in den Wolken und schnell ausgekühlt. Daher verschwitzt in die Jacken und auf in Richtung Lavafeld. Mondartige Landschaft mit scharfkantigem schwarz-rötlichbraunem Geröll, einzelne Bereich aber auch bunt schimmernd oder schwefelig dampfend. Kurzes Maschmallow-Intermezzo zur Freude von FF und Miss I. Die Pizza, die einige Meter weiter von geschäftstüchtigen Händlern frisch aufgewärmt wurde verkniffen wir uns und dann noch schnell zum Verkaufsstand, an dem uns zwei sehr nette junge Männer über die Herstellung des von ihnen feilgebotenen Schmucks mit Lavaintarsien informierten. Das ganze teils auf Japanisch und in eine Diskussion über die Spuren des Bauhauses in Zentral- und Südamerika mündend. Ein angenehmer Schwatz also, der neben dem immer hoch zu schätzenden Austausch mit anderen Kulturen den weiteren Vorteil hatte, dass sich während wir dann doch für FF ein Armband kauften der Wind ein kurzes Wolkenfenster freilegte und uns zur Belohnung für unsere Mühen einen freien Blick auf den Vulkankraterrand und die Lavafelder gewährte. Und schon war es wieder vorbei und der Abstieg begann. Völlig unspektakulär. Ebenso wie der Lunch an einer Tankstellenraststätte auf dem Weg, mit der wahrscheinlich global austauschbaren Tirade auf die lokalen Politiker, die Steuerlast und das Leben im Allgemeinen. Wobei das Gefälle zwischen Stadt und Land vermutlich sehr viel weiter von der Gleichheit der Lebensverhältnisse entfernt ist, als wir es selbst in Deutschland zwischen Berlin-Mitte und Finsterau empfinden.
Am frühen Nachmittag wieder zurück in Antigua, die inzwischen schon traditionelle Kaffeepause im Basil&Coffee. Abends ein eher traditionelles Mahl im ehrwürdigen Restaurant des Hotel Posada de Don Rodrigo inklusive einem lokalen Hühnereintopf namens „Pepian de Pollo“.Läs mer
Arrive at Panajachel Lago Atitlan
31 maj 2022, Guatemala ⋅ 🌧 18 °C
Hotel Dos Mundos, Panajachel Lago Atitlan
Morgens noch eine letzte frühe Runde ins Antigua Gym, dann Abfahrt in Richtung Lago Atitlan. Diese Fahrt dauerte nur knapp drei Stunden und verlief stressfrei. Lediglich das Wetter meinte uns beweisen zu müssen, dass nun aber wirklich Regenzeit ist und so war der Empfang eher trüb.
Hotel allerdings sehr nett, fünf Minuten fußläufig vom Seeufer entfernt und die Zimmer rund um einen kleinen Garten mit (leider viel zu kaltem) Pool gelegen. Das Städtchen Panajachel hatte allerdings bei weitem nicht den kollonialen Charme von Antigua. Es mag dem Regen geschuldet sein, aber der erste Eindruck war eher die alte Kao San Road in Bangkok, also schmale Straße in der sich TukTuks durch den Regen vorbei an wilden Hunden drängen und gelegentlich müde Touristen vor einem Kaffee, Restaurant oder dem Souvenir/T-Shirt-Verkäufer abladen, die ihre jeweilige Ware aber mit dem gleichen aus langer Erfahrung geprägten Enthusiasmus feilbieten, wie ein pickliger 18jähriger auf Tinder swipt.
Dazu die Unsitte die Bürgersteige zu Fliesen, dabei allerdings sämtliche Din-Normen zur vorgeschriebenen Rieb- und Rutschfestigkeit ausser Acht zu lassen. Es dauerte zwar bis Nicaragua, bis ich mich das erste Mal volle Kanne auf den regenglänzenden Boden fegte, aber davor gab es einige knappe Sorgen (bei denen sich zum Glück nur mein Muskelgedächtnis an den noch keine 7 Monate alten Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel erinnerte).
Aber geben wir der Stadt ruhig eine weitere Chance bei schönem Wetter und da finden sich in den Seitenstraßen durchaus auch nette kleine Kaffees die zwar einen hip-übersäuerten Single Origin Espresso verkaufen sich aber abends bei der zufälligen Begegnung auf der Straße auch noch an einen erinnern und einem mit Handschlag einen schönen Abend wünschen.
Oder die Oberstadt, die uns in unserer kleinen feinen Hotelblase die ersten zwei Tage verborgen blieb, wo sich aber die Clubs und Remmi-Demmi-Läden befinden, nach welchen das ebenso zahlreich anreisende Hosteljungvolk verlangt. Genau dort auch mein Gym, der sehr preiswert war, allerdings bei den Geräten auch teilweise schon etwas aus der Zeit gefallen. So bedurfte es der größten Muskelanstrengung die Handyhalterung auf dem Fitnessrad so wegzubiegen, dass mein IPad darauf halt findet. Das hielt aber eine lokale Influenzerin nicht davon ab just zu meiner Besuchszeit begleitet von zwei Kameraleuten ein hochprofessionelles Instagram-Video zu drehen. Ich bin mir sicher, dass es sich bei der relativen Enge und den vielen Spiegeln nicht vermeiden liess, dass sich auch Euer Berichterstatter in der einen oder anderen Kamereinstellung ins Bild läuft. Wundert Euch also nicht, wenn ich wie auch dieser Blog in naher Zukunft trenden und zählt euch zur Reiseblog-Boheme, denn Ihr wart schon dabei, als das alles noch REAL war ;-)
Gleich neben dem Gym war noch die Circus Bar. Ein gleichfalls aus Zeit und Raum gefallenes Restaurant, das seine Deko vermutlich aus der Auflösung des ehemaligen Roncalli-Grand-Cafe in Aachen übernommen hat. Diverse Zirkus-Poster und -Nippes. Dazu eine Bühne auf der nicht nur Live-Musik sondern zu späterer Stunde auch Akrobatik-Einlagen aufgeführt wurden. Die Pizza war auch nicht schlecht, Grund genug auch für die lokalen Besucher.
Wobei der Genuss jeglicher Speise oberhalb des Agregatzustandes butterweich an diesem, letzten Abend auf des Messers Schneide stand, denn nachmittags hatte sich beim Genuss eines Hähnchensalats ohne Vorwarnung eine Krone verabschiedet. Glücklicherweise rechtzeitig festgestellt, so dass der orale Rettungsversuch erfolgreich war und alternative Suchwege nicht notwendig werden lies. Der wirklich tolle Service unserer lokalen Reiseagentur und Lily Martinez im Besonderen bestand darin, dass ich als Kunde auch ohne Krone noch wie ein König behandelt wurde. Die nur kurze Frage, ob sie mir empfehlen würde damit in Guatemala zum Zahnarzt zu gehen oder ob ich noch die paar Tage bis Nicaragua warten sollte (wie gesagt, ich hatte keine Schmerzen) führte unvermittelt zu der Auskunft, dass sie mir bereits einen Zahnarzt aus der Hauptstadt herausgesucht habe, der an diesem Wochenende in Panajachel Dienst tue. Mein Termin auf 8:30 am nächsten Morgen sei bereits bestätigt.
So zu meinem Glück gezwungen stand ich also an unserem Abreisetag deutlich früher als geplant (oder mir in meinen kühnsten Träumen für eine letzte Gym Einheit vorgenommen hatte) auf und stand pünktlich um 8:15 vor dem Dentallabor. Nach kurzer Besichtigung des Schadenbildes und einer Röntgenaufnahme hatte ich mein Krönchen schnell wieder gerichtet und war um 8:38 fertig und lediglich um 250 Q (entspricht 30 Euro) ärmer. Also rechtzeitig um unsere 12 Kilogramm frisch gewaschene Wäsche (Kosten eine halbe Kronenzementierung) abzuholen und mich zur Familie zu gesellen, die sich gerade anschickte ihr Frühstück zu beenden.
Also alles in allem doch einige gute Erinnerungen an Panajachel, obwohl sich die allgemein beschriebene Magie des Atitlan-Sees zumindest hier nicht erschließen wollte. Aber dafür hatten wir ja auch noch zwei Ausflüge vor Ort vor uns.
Kleinere Gassen
Trubel in der Oberstadt,
Gym mit Influenzerin
Zirkus-Restaurant
Zahnkrone
Zahnarzt 200 QLäs mer
Weiberfastnacht mit Kräuterfrau
1 juni 2022, Guatemala ⋅ 🌧 17 °C
Unser Start am Lago Atitlan war ja zunächst etwas bescheiden verlaufen. Bei Regen auch kein Wunder. Warum also dem nichts entgegen setzen und bei triest-grauem aber noch stabilem Wetter zu einer Seekreuzfahrt aufbrechen. Laut unserem Führer gibt es zwei verschiedene Winde am See, ich habe mir die Richtungen nicht gemerkt, aber einer führte zu ruhiger und der andere, na ratet, welchen Wind wir erwischt haben. Die ca. 25 Minuten Fahrt nach San Juan LA Laguna fühlte sich vermutlich ähnlich an wie der Fahrt mit der ein Hesse erst kürzlich den Geschwindigkeitsrekord auf einem Bobbycar auf sagenhafte 130,7 KM/H hochgeschraubt hat. Nicht schön und die Tour war schon dadurch gelungen, dass wir endlich wieder auf Festland waren.
Dann einen steilen Hügel hinauf und an einer Kindergruppe, die in Trachten einen Tanz für die diversen Gruppen die ähnlich wie wir die Überfahrt an diesem Tag gewagt hatten. Kinder in Kostümen sorgen ja gemeinhin immer für Begeisterung. Hätten wir gewusst, dass es ein Regentanz war. Jedenfalls ging es von der Hauptstrasse aus erstmal auf ein unspektakuläres Grundstück mit zwei Häusern im gefühlten Rohbau (kein Verputz, alles sehr einfach) und einem auf den ersten Blick wild wuchernden Kräutergarten. Die Dame des Hauses begrüßte uns aber sehr freundlich mit strahlendem Gesichtsausdruck, der nicht vorrangig von einer mittels wundersamer Kräutermischung gepflegten Zähnen sondern eher durch zwei in ihre Schneidezähne eingelassenen Goldsternen glänzte. Dann setzte sie sich mit uns hin und erzählte von ihrem Leben als Kräuterfrau, zertifizierte Hebamme und Mitarbeiterin der Kooperative, die verschiedene Kräutermischungen, Pasten und Seifen herstellte. Dabei durften wir ca. 40 verschiedene Kräuter und Blätter reiben, riechen und raten.
Nach dieser ersten Station ging es zu einer weiteren Kooperative, in der 25 Frauen aus der Gemeinde sich zusammengetan hatten um ausschließlich mit Naturprodukten zu spinnen, färben und zu weben. Den Herstellungsprozess vom Säubern der Baumwolle zu sehen und sich vorzustellen, wieviel Zeit und Mühe in einem kleinen Stück Stoff steckt, war enorm beeindruckend. Und selbst wenn die auf industrieller Basis gefertigten Stoffe auf der Kao San Road von Panajachel vielleicht noch etwas stärker strahlten, konnte ich Miss I und FF nicht lange widersprechen als es darum ging sich zwei Erinnerungsstücke mit nach Hause zu nehmen.
Und dann begann der Regen. Wir standen noch auf dem Steg und warteten auf unseren Kapitän, der uns nach Santiago Atitlan bringen sollte. Es blieb gerade noch genug Zeit sich in einem anderen Böötchen in Sicherheit zu bringen. Die nur kurze Fahrt „genossen“ wir dann auch lieber mit heruntergelassenen Plastikjalousien und wurden dennoch recht nass.
Da kam die Mittagspause in Santiago gerade recht und wir kehrten kurz in einem lokalen Restaurant zu der inzwischen schon üblichen Fischsuppe und Limonade ein. Wobei der Kelch in welchem FF sein tägliches Süßgetränkkredenzt wurde diesmal eher die Ausmaße eines Germanischen Füllhorns hatten. Ein Humpen Sirup. Aber so sind die Regeln
Gestärkt ging es mit dem TukTuk zu einem auf den ersten Blick ganz normalen Hausgang in dessen Flur allerdings schon eine bunte Mischung Menschen stand. Es handelte sich um den Sitz eines Schamanen, der immer für ein Jahr bestimmt wird dem Ortsheiligen Maximon Heimstätte zu gewähren und die Zeremonie der Opfergaben zu organisieren. In dem kleinen verräucherten Zimmer in dem sich in der Mitte die kleine Figur des Maximon, ausstaffiert Zigaretten und brennenden Kerzen. Der interessierte Betrachter der beigefügten Fotos wird erkennen, dass er zudem mit dutzenden abgeschnittenen Krawatten behängt war, was den Rückschluß erlaubt, dass es sich in Wirklichkeit um einen um 1796 nach Kölner handelt, der die Einheimischen nicht zum rheinischem Katholizismus missionierte sondern bei der Gelegenheit dann auch gleich den Karneval inklusive Weiberfastnachtsbrauchtum einführte. Daher war es auch nur folgerichtig, dass zu den Opfergaben neben schnödem Mamon (Katholizismus) vor allem Zigaretten und Schnaps gehörten. Unser Reiseführer war ob dieser Historienauslegung zunächst sprachlos, sagte aber zu dies in seine zukünftigen Ausführungen zumindest als eine Möglichkeit mit aufzunehmen.
Nach dem Brimborium rund um Maximon, bei dem sich ob der krassen Trennung zwischen den touristischen Gaffern und den auf diese Weise zum Objekt degradierten „Darstellern“ die Frage stellte, ob man (ich) überhaupt Teil einer solchen Situation sein möchte oder ob es nicht besser sei solche Geschichten aus größerer Distanz meinetwegen auch in Büchern oder Dokumentationen zu erleben. Schlußendlich siegt aber dann doch die Neugier und der Drang an etwas spirituell Besonderem teilzuhaben. Wobei der Eindruck bleibt hier nur Eindringling zu sein. Dem Streben nach Ablass mag da die entgegengekehrte Auslegung zu Gute kommen, wonach eher wir mit unserem ungelenken Verhalten von den Einheimischen beobachtet und damit unsererseits zu Objekten gerne auch der Belustigung werden. Kann ich mit leben und versuche dennoch die Situation entweder mit einem Lächeln aufzulösen oder ganz herkömmlich hinterfotzig die Kamera eher heimlich einzusetzen. Jedenfalls ging es nach Maximon zu einer Kirche, die während der Unruhen in denen die indigene Bevölkerung sich gegen die Entrechtung durch die guatemaltekische Regierung auflehnte ein Zufluchtsort für viele Familien war. Der seinerzeitige Pfarrer der Gemeinde wurde vom Militär in einer Nacht und Nebelaktion hingerichtet. Sein Herz befindet sich noch heute unter einem Altar am Eingang der Kirche und wird von vielen Einheimischen verehrt, da er sich auch mit Schulgründungen und anderen sozialen Taten eingesetzt hatte.
Etwas leichtere Kost war dann der Spaziergang über den Markt zurück zum Boot. Dabei kamen wir an der Darstellung einer überdimensionalen 25-Centavos-Münze vorbei. Der Hintergrund bestand darin, dass ein junges Mädchen aus dem Ort (und die Nachbarin unseres Führers) in den 70er Jahren einen Wettbewerb gewonnen hatte und als Preis mit ihrem Konterfei auf der Münze verewigt wurde. Mehr hat sie dann auch nicht dafür bekommen. Die Moral von der Geschichte wäre damit, dass es besser ist fremdes Geld zu besitzen als sich darauf wiederzufinden. Doch zumindest kurzzeitig nahm es dann doch noch ein gutes Ende, da sich der Sohn Ende der 2010er Jahre beschwerte und der Staat der inzwischen alten Dame zumindest eine kleine Leibrente gewährte. Besser spät als nie!
Zurück zum Hotel ging es wieder quer über den See, der sich aber nach dem Regen beruhigt hatte und so verlief die Fahrt an den drei Vulkanen Atitlan, Toliman und San Pedro, die allerdings weiterhin in Wolken gehüllt waren, vorbei glatt und ohne Hüpfburg-Feeling.
Zuhause noch ein Kaffee im Cafe Chinajul und abends auf einer Nudelsuppe zum Japaner, der mit Ausnahme der zunächst halb roh servierten Dumplings eine recht gute Ramensuppe und ein Terriyaki-Lachsfilet im Angebot hatte. Zumindest so gut, dass Miss I sich am nächsten Tag mit FF nochmals dorthin aufmachte um in Ruhe und ungeteilt eine weitere Nudelsuppe zu essen, während ich mich im Schweisse meines Angesichts dem Blog-Post widmetet und Leben oder zumindest Gebiss beim Genuss eines Hähnchens riskierte. Aber das ist eine andere Geschichte.Läs mer
Markt in Chichicastenango
2 juni 2022, Guatemala ⋅ 🌧 18 °C
Von dem Markt in Chichicastenango hatten wir im Vorfeld schon fiel gehört, es dauerte aber dennoch eine Weile, bis wir den Ort halbwegs flüssig aussprechen konnten. Letztlich sprechen die Bilder hier auch eine deutlich klarere Sprache. Bot der zweimal die Woche stattfindende Markt doch alles, was das Herz des stets auf der Suche nach eindrücklichen „typischen“ Motiven pirschenden Westlers begehrte. Feilgebotene exotische oder zumindest „süße“ Tiere, von der Härte des „einfachen“ Lebens verwitterte Menschen in bunter Kleider und Speisen in allen Farben und Formen. Daneben dann aber auch der wandernde Rattengiftverkäufer, selbst hier nicht zu vermeidende Herbal Life Verteter und und und. Nach dem inzwischen dritten Kaffee und einem Maracujasaft bin ich des Schreibens etwas müde. Aussen scheint die Sonne und der Gym ruft, wobei ich mir nicht sicher bin, denn folgt man zumindest des Regeln des gleichnamigen Films so verlangt der Name Fight Club Gym gegebenfalls eine andere Marketingstrategie. Daher der Tag in Kurzfassung:
Anreise ca. 1.5 Stunden. Bei der Fahrt über die Serpentinen die Sorge, ob es trocken bleibt, da zumindest in Aussicht steht, dass bei Regen die Hälfte der Marketender schließt. Aber Glück gehabt, der Tag bringt teils dramatische Wolken aber es bleibt mehr oder minder durchgängig trocken. Kurzer Pinkelstop in einem Restaurant im 1. Stock über der Hauptstrasse mit schönem Blick auf das Gewusel und den Stand mit den gefrorenen Schokobananen. (Preis 2 Q, was ca. ungefähr 1/20 dessen entspricht, die wir für exakt die gleiche Banane in Disneyland / Anaheim gezahlt hatten….).
Vergebliches Feilschen um einen blinkendes Perlen-Gecko. Schade, dass die Händler, die standhaft bei ihrem Preis bleiben am Ende meist nicht belohnt werden, während der/diejenige, die nach fünfsekündigen Verhandlungen im Preis einbricht wie gegenwärtig der Bitcoin exakt die Geiz ist Geil Region unseres Kleinhirns trifft, die uns zwingt zuzuschlagen und nicht nur einen sondern besser gleich zwei von den Plastik-Pfeffer&Salz-Streuern zu kaufen. FF hat sich immerhin mit seinem Geld eine Holzschlange gekauft die nach meinem Stand immer noch existiert aber schon deutlich an Begeisterung eingebüßt hat.
Besuch einer der wenigen (oder der einzigen) katholischen Kirche im Land, die in ihren heiligen Hallen auch einen kleinen Raum für die Maya-Heiligen zur Verehrung einräumt. Ökumene wie sie sein soll.
Obst- und Gemüsemarkthalle, überdacht, aus der Perspektive von oben vorrangig in Tomaten und Paprika-Rot. Dazwischen aber auch alles andere was das Vegetarier-Herz begehrt.
Rückfahrt mit Mango vom Markt und abends Würstchen vom Grill für FF und mich. Dabei die Oberstadt und den Gym entdeckt und mit FF neue Tanzschritte geübt, die der dann auch gleich vor jeder Diskotür sehnsüchtig in der Hoffnung hinein ins Laserlicht treten zu dürfen feilbot.Läs mer
Fahrt nach Monterrico
4 juni 2022, Guatemala ⋅ ⛅ 29 °C
Nachdem der Besuch beim Zahnarzt so reibungslos verlaufen und auch unsere Wäsche pünktlich und duftend um 9 Uhr bereit stand, gab es für mich nicht viel zu tun als unseren freundlichen Fahrer zu begrüßen und den Wagen vollzuladen, der wie gewohnt zehn Minuten vor der geplanten Abfahrt auf dem Hotelparkplatz wartete.
Die Fahrt nach Monterrico an die Pazifikküste führte uns zunächst erstmal wieder einige Serpentinen hoch bis sich Miss I meldete und um eine ruhigere Fahrt bat. Anders als ich nahm der Fahrer dann auch Rücksicht und so schlängelten wir uns gemütlich durch zunächst die Berge hoch und wieder hinunter bis wir im Regen in dem Küstenort Monterrico ankamen. Als Surfer-Spot Nicaraguas beschrieben, war es zunächst mal nur ein eher schmutziges und heruntergekommenes Kaff mit einem sehr lokalen Angebot an Speisen und Waren. Auch unser Hotel war sehr einfach, die grob verputzten Wände schon vom Blut einiger Moskitos gefärbt und insgesamt mal wieder auf der Charmeskala eher Backpacker-Hostel. Bier und Sprudelwasser gab es zur Selbstbedienung mit Anschreiben und Bestellungen im Restaurant benötigten eine Stunde Vorlauf. Dafür waren es aber auch nur 5 Meter bis zum gut 10 Meter langen Pool und knappe 30 Meter bis zum Strand. Die vermeintlich kurze Strecke über den schwarzen Lavastrand hatte es allerdings in sich. Zumindest wenn man versuchte diese barfüßig zu sprinten, dann zumindest bestand durchaus die Gefahr sich die Hornhaut von den Sohlen zu brennen. War man erstmal in dem wellenüberspülten Bereich, war der feine Sand dann allerdings sehr angenehm. Nur über die verschiedenen als Treibgut an Land gespülten Meeresbewohner inklusive Kofferfischen und großen Krabben musste man einen Bogen machen. Dafür waren die Wellen allerdings fantastisch.
Die Zeit vor Ort verbrachten wir im Wesentlichen mit Lesen, Schwimmübungen und gelegentlichen kurzen Spaziergängen in den Ort (nicht wirklich sehenswert und lediglich für die Suche nach dem einzigen Geldautomaten notwendig) oder in das unmittelbar neben uns gelegene Luxusresort um etwas Abwechslung in den Speiseplan zu bekommen. Der Rest war Faullenzen at its best, wobei über uns der anstehende Flug nach Managua wie ein Damoklesschwert schwebte, war doch für die Einreise nach Nicaragua (als einzigem Land in Centralamerika) ein bis 72 Stunden vor Abreise erfolgter negativer PCR Test notwendig, was uns beziehungsweise das Reisebüro vor logistische Herausforderungen stellte, da die nächstgelegene Teststation erst in Guatemala City lag. Laut Planung sollten wir Montagmorgens sehr zeitig aus Monterrico aufbrechen um direkt den Test zu machen und unseren Flug am Dienstagmorgen um 6:30 Uhr antreten zu können. Auch nach den Thailand-Erfahrungen waren wir hinsichtlich des Tests recht entspannt, lediglich der Zeitplan erschien schon ambitioniert. Den Gedanken einen Tag früher abzureisen und den Test entsprechend vorzuziehen schrieben wir dennoch wieder ab, da nicht klar war, ob wir Sonntags getestet werden konnten. Wir schon alles gut gehen…… Und ansonsten: füge Dich den Dingen die Du nicht ändern kannst und bei allem anderen hilft ein Sprung in den Pool!Läs mer
Testen und Bangen…..
7 juni 2022, Guatemala ⋅ 🌧 20 °C
Tag der Entscheidung? Wird man sehen, wir waren jedenfalls bereit, zumal der äußerst entspannte aber zwischenzeitlich auch aufgetaute und freundliche Hostalbetreiber uns für 6:30 das Frühstück organisiert hatte und so ging es pünktlich um 7 wieder mit dem Fahrer der uns bereits nach Monterrico gebracht hatte los in Richtung Hauptstadt.
Schräges Gefühl mal wieder in eine richtige Stadt mit Hochhäusern, breiten Alleen und Menschen zu kommen, zumal die Fahrt dann auch gleich in die Tiefgarage einer großen Einkaufsmall ging. Allerdings nicht zum Shoppen, noch nicht mal auf die Ebene einer mondänen Klinik kamen wir, stattdessen in U4 auf einen Parkplatz an dem schon drei Menschen in blauem Schutzanzug mit Maske sassen, die sich ihre Arbeitsplatzbeschreibung vermutlich auch nicht ganz so genau durchgelesen hatten. Die Formalien zur Registrierung des Tests zogen sich fast eine halbe Stunde hin. Der Test hingegen war dann eher Streicheleinheit, nichts von dem Straßenabstrich in Koh Phangan, an dem Miss I das Teststäbchen schier ins Kleinhirn gerammt wurde. Hier also eher Schonprogramm beziehungsweise das Gefühl, dass das gewünschte Testergebnis in dem Preis schon inkludiert war. Das tumbe Gefühl des „What If“ begleitete uns dann die nächsten Stunden dennoch, zumal wir von Reisebüro und Fluggesellschaft gedrängt wurden unbedingt und so schnell als möglich unsere Testergebnisse durchzugeben, da unsere Registrierung zur Einreise nach Nicaragua ansonsten nicht bearbeitet werden könnte. Eigentlich sei es dafür eh schon zu spät, dies habe 36 Stunden vor Abflug zu geschehen…..
Aber erstmal einchecken. Nach langer Zeit und der Hütte in Monterrico endlich mal wieder ein Best Western Plus Hotel! Kurze Erholung, dann doch Hummeln im Hintern und das Gefühl laufen zu müssen, also der Empfehlung des Lonely Planet gefolgt die knapp vier Kilometer zu der in ein Museum umgebauten Stadtvilla Mima, die dem Reiseführer zufolge eine der Sehenswürdigkeiten schlechthin in Guatemala City war. Ware halt nur leider zu. Verschlossenes Tür, nichts zu machen, auch wenn „das Internet“ sagte, dies sei nicht möglich, schließlich stand da „geöffnet“. Aber der Weg ist das Ziel und unterwegs hatten wir gegen den schnellen Hunger zunächst einen Happen in einem überdachten Food-Court gegessen und um die Ecke noch ein Cafe entdeckt, das nicht nur guten Kaffee sondern zur Freude von FF auch Nutella-Hörnchen im Angebot hatte. Insofern alles gut. Zumindest nachdem ich mich bereit erklärt hatte uns für die Rückfahrt eine Taxifahrt zu spendieren. Die unverhandelt verlangten 35 Q (4,30 Euro) schienen auch angemessen, so dass das Verlangen von 100 bzw. 60 Q für die deutlich kürzere Fahrt zum Flughafen uns dagegen dreist erschien und wir dieses Angebot rüde ablehnten. Flughafen deshalb, da wir zwischenzeitlich unsere Ergebnisse (alles negativ und damit gut) erhalten und an das Reisebüro mit der Bitte um Finalisierung unserer Einreiseformalitäten nach Nicaragua weitergeleitet hatten. Der reinen Sicherheit halber und um uns am nächsten Morgen etwas Stress zu ersparen hatten wir überlegt schon mal vorab am Flughafen einzuchecken (Gepäck blieb im Hotel, dass konnten wir am nächsten Morgen dann noch in Ruhe abgeben). Und da der Flughafen laut Google Maps lediglich 2.5 Kilometer vom Hotel entfernt war, sprach auch nichts gegen einen weiteren Spaziergang. Die Strecke war zwar nicht so angenehm wie mein Fußmarsch in San Diego zum Flughafen, doch im Feierabendverkehr hätten wir mit einem Taxi vermutlich länger gebraucht als zu Fuß. Nur das Ergebnis unseres Check-Inns war nicht befriedigend. Zunächst die Auskunft, dies ginge nur online, Check-Inn vor Ort kostet extra. Kurze Diskussion und das befriedigende Gefühl, dass unsere Lufthansa Frequent Traveller Karte uns zumindest in Guatemala einen Platz in der Fast Lane gewährte und wir plötzlich auch für die analoge Form des Reisens auch keinen Aufpreis mehr zahlen mussten. Nur unser Einreisestatus sei leider leider noch nicht geklärt, da müssten wir nochmal nachfragen, ansonsten sieht man sich dann morgen früh um halb fünf wieder……
Nach dieser Erfahrung stand uns dann auch nicht mehr der Sinn danach in die Dunkelheit hinein in die Stadt zurückzulaufen. Da sich aber weder ein Busverbindung auftreiben lies noch ein Taxifahrer bereit war mit uns in Verhandlungen über einen Fahrpreis zu treten, machten wir uns dann doch erstmal auf. Kurz hinter dem Taxiplatz liess sich dann zum Glück doch noch ein Kutscher überzeugen, dass es wirtschaftlich sinnvoller sei unser Angebot von 50 Q zu akzeptieren, als ohne Fracht und damit für umme zurück zu fahren. Der Verkehr hatte inzwischen auch abgeflaut, so dass wir schnell wieder am Hotel und bereit für`s Abendessen waren. Hier waren wir uns einig, dass ob des anstrengenden Tages und der Aufregung um den Test eine Belohnung angemessen sei und so ging es auf Gong Bao Ji Ding und andere Leckereien zum Nobel-Chinesen gegenüber.
Und ab ins Bett für eine kurze Nacht.Läs mer
Stuck in Guatemala
8 juni 2022, Guatemala ⋅ 🌧 24 °C
4:00 Uhr: Der Wecker klingelt
4:25 Uhr: das vom Reisebüro organisierte Taxi kommt am Hotel an
4:28 Uhr: Auschecken im Hotel
4:30 Uhr: Abfahrt zum Flughafen
4:41 Uhr: Ankunft am Avianca-Schalter (Fast Lane)
4:45 Uhr: Nicaragua hat sich noch nicht zu unserem Einreisestatus geäußert
4:50 Uhr: eine freundliche Mitarbeiterin versichert uns: Heute fliegen wir nicht!
5:25 Uhr: Wir sind auf die selben Flüge am nächsten Tag umgebucht. Wir haben inzwischen die persönliche E-Mail Adresse der Mitarbeiterin. Sie hat unsere Passdaten
5:45 Uhr: Kaffee!
5:55 Uhr: Immer noch kein Bus an diesem blöden Flughafen. Wir versuchen Uber!
6:15 Uhr: Via Booking.com eine weitere Nacht im Best Western gebucht (61.50 USD)
6:35 Uhr: Wartezeit von 20 Minuten, aber unser Uber-Fahrer ist da!
6:45 Uhr: Wieder im Hotel angekommen. Kosten: 25,43 Q (plus Tip)
6:50 Uhr: Unser bereits aufgegebenes Zimmer steht zu den gebuchten Konditionen nicht zur Verfügung. Nur gegen Aufpreis. Zu müde um zu diskutieren, ob die Zimmerreinigung für den neuen Gast nicht sehr viel teurer sei. Vielleicht auch nur nicht vorbereitet auf die Rückfrage: welche Zimmerreinigung. Genug ausgegeben, wir nehmen ein neues Zimmer. Aber Dank Miss I die kluge Forderung zumindest bis 12 Uhr nochmal in unser altes Zimmer zurückzukehren.
6:58 Uhr wieder im Zimmer. Tun wir so, als wäre das alles nie passiert!
Nach ausgiebiger Erholung von den Strapazen des Nichtfliegens erstmal unser Frühstück nachgeholt und dann direkt in einen weiteren Ableger des Cafes vom Vortag und den Rest des Tages mehr oder minder abgehangen und mit Blog, Kaffeetrinken und Süßspeisen verbracht. Zwischenzeitlich die Rückmeldung von Damaris Jiminez, dass wir für morgen früh definitiv ready to fly seien! Zumindest das hat dann heute noch geklappt. Dank des kundenfreundlichen Verhaltens der Avianca (und der glücklichen Fügung, dass ich mich bei der Buchung der ursprünglichen Flüge bereits entschieden hatte nicht die billigste Buchungsklasse zu nehmen) hielt sich der finanzielle Schaden absolut in Grenzen. Aber der Stress und die Aussicht zwei Tage hintereinander um 4:30 mit all unserem Gepäck an den Flughafen zu fahren reichte dann auch. Das Verständnis der Avianca rührte übrigens auch daher, dass wir bei weitem nicht die Einzigen waren, die unter den knappen Fristen für die Einreise nach Nicaragua litten. Gescheitert war das Ganze nämlich daran, dass wir das geforderte negative PCR Testergebnis nicht früh genug bekamen um die 36 Stunden Bearbeitungsfrist für den grünen Haken einzuhalten. Wahrscheinlich ist es auch keine große Überraschung, dass das Erfordernis eines Corona-Tests von Nicaragua nur wenige Tage nach unserer Odyssee ersatzlos gestrichen wurde. Wie bereits zuvor in Canada einfach nur schlechtes Timing. Aber mit dem notwendigen Abstand und da am Ende doch wieder alles irgendwie geklappt hat eine weitere Anekdote. Respekt und Dank an dieser Stelle aber auch an FF, der die Strapazen mehr oder minder klaglos über sich ergehen hat lassen!
Abends in eine nahegelegene Spelunke, die allerdings aus Tripadviser relativ gute Bewertungen hatte und dort nach dem Kaffee-Kuchen-Nachmittag viel zu viel zu Abend gegessen (unter anderem eine Fischsuppe, die tatsächlich sehr beeindruckend aussah allerdings nicht die von unseren Honkees verlangte Frische aufwies).
Abends um 11, da es natürlich genau an solch einem Tag sein muss, noch ein Telefontermin mit Deutschland. Um 12 dann aber mit den Worten von Jack Bauer „This is the probably longest day in my life“ endlich ins Bett.Läs mer
Nicaragua, here we finally come
9 juni 2022, Nicaragua ⋅ 🌧 28 °C
Und täglich grüßt das Murmeltier:
4:00 Uhr: Der Wecker klingelt
4:25 Uhr: Das diesmal via Uber bestellte Fahrer ist pünktlich
4:30 Uhr Physikalisches Rätsel der Relativität der Gleichzeitig endlich gelöst. Es ist möglich, dass zwei oder mehr Dinge zur gleichen Zeit am selben Ort sind. Wie sonst hätte unser Gepäck (und wir) in den Toyota Kleinwagen passen können. Eingequetscht, aber alle Türen zu und der Vordersitz frei, da Uber-Fahrer keine Taxizulassung hat.
4:40 Uhr: Ankunft am Flughafen
4:45 Uhr: Check-Inn, läuft!
5:05 Uhr: Ready! und am bereits geöffneten Pollo Campero Stand für ein schnelles Fast Food Frühstück ehe es weiter geht.
5:43 Uhr: Sicherheitskontrolle lief zügig. Es bleibt sogar noch Zeit kurz in die Lounge zu gehen. Wie kann es sein, dass ausgerechnet jetzt, wo ich nichts trinke diese im Rum Shop und von Flor de Cana betrieben wird. Erster Wein für Miss I, was um diese Zeit vielleicht sogar noch als letzter Wein des Vorabends durchginge.
6:50 Uhr: pünktlicher Abflug zu unserem Zwischenstop
7:40 Uhr: Pünktliche Ankunft in San Salvador / El Salvador
7:55 Uhr: Zweites bzw. drittes Frühstück in der Lounge. Die Anzeige sagt lediglich „Go to gate“. Wahrscheinlich kommt jetzt die Hammerverspätung.
8:05 Uhr: Obwohl die Anzeige unverändert ist doch mal auf Verdacht aber entspannt in Richtung Gate.
8:07 Uhr: Wie hier ist nochmal eine Sicherheitskontrolle mit Schuhe ausziehen und so…..Hektik!
8:12 Uhr: Durchsage im Flughafen: „Family Dreja, please come to the gate“. Wir sind schon im Spurt und werden freundlich entspannt in Empfang genommen (No hurry, We were just wondering how to pronounce your last names).
8:17 Uhr: Auf dem Platz, der Flieger ist nicht voll, ausreichend Platz um ein wenig auszuruhen und das Anspannungslevel sinken zu lassen. Nur FF ärgert sich, dass das On-Board-Entertainment nicht funktioniert, da der Flug zu kurz ist.
9:25 Uhr: Touch down in Nicaragua, on time!
9:50 Uhr: Immigration ging auch rum, obwohl sich mir nicht erschließt, wofür die Online Registrierung vorab gut sein soll, wenn vor Ort dann doch nochmal alles geprüft und hinterfragt wird. Aber sei es drum
9:55 Uhr: Und die größte Überraschung (beziehungsweise Enttäuschung, da der pauschalierte Schadenersatz für Gepäckverspätung elementarer Bestandteil unserer Reisefinanzierung sein sollte) unser Gepäck hat es trotz der sehr knappen Umladezeit in El Salvador mit uns nach Nicaragua geschafft.
10:10 Uhr Irgendetwas in unserem Gepäck gefiel allerdings dem Zöllner nicht. Wenigstens wurde der X-Ray beanstandet. Leider reichte mein Spanisch nicht, um die Rückfrage zu beantworten und Zweifel an unserer Ehrenhaftigkeit aus dem Weg zu räumen. Wir müssen in die Schlange mit der Gepäckkontrolle.
10:45 Uhr: Die Schlange hat sich noch keinen Zentimeter weiterbewegt. Die Zöllner gehen bei der Kontrolle so sorgfältig vor, wie man es sonst nur von der deutsch-niederländischen Grenze aus den späten 80er-Jahren kennt. Zwischenzeitlich macht sich das frühe Aufstehen auch bei FF bemerkbar. Er hat keinen Bock mehr hier in einer Schlange zu stehen, die sich nicht fortbewegt. Wer will es ihm verdenken. Selbst das Aufsichtspersonal schaut immer wieder mal mitleidig herüber zu uns. Jetzt Spanisch sprechen und verbal auf die Mitleidsdrüse drücken wäre was. Geht aber nicht, also der Vorschlaghammer, Augenkontakt suchen und immer traurig lächeln.
10:55 Uhr: Einer offensichtlich höherrangiger Zöllner gibt auf. Zudem spricht er etwas englisch, so dass wir nicht nur nonverbal versuchen unsere Unschuld zu beteuern. Schließlich wird der identifizierte Koffer geöffnet, an der vermeintlich kritischen Stelle befinden sich zwei Packungen-Kinder-FFP-Masken und mein Springseil (wusste gar nicht mehr, dass ich das dabei hatte, so viel dazu). Jedenfalls nichts was auch nur ansatzweise verwerflich oder (gemeinwohl-)gefährdend aussieht. Das sieht dann auch der Nicaraguanische Zoll ein und wir dürfen zusammenpacken und gehen. Eine der wenigen Schlangen, die sich von hinten her schneller auflöst als vorne. Ist uns aber egal, endlich raus aus der exterritorialen Zone. Hinter der Tür nimmt uns dann auch gleich Oscar als stets freundlicher Repräsentant unserer lokalen Reiseagentur Vapues in Empfang und geleitet uns die 50 Meter zum Mietwagenstand. Da nochmal 20 Minuten Papierkram und 10 Minuten detaillierte Einweisung in unseren Toyota und dann sind wir schon auf der Strasse. Völlig übermüdet erstmals in einem fremden Land auf der Strasse und dann mitten durch die Stadt. Ob das gut geht? Was will der Hund da auf der Strasse, weiss der nicht, dass ich Vorfahrt habe und war das wirklich ein Pferdeeinspänner mit einem Bauern drauf auf der gegenüberliegenden Spur. Schon befremdlich, aber mit viel Konzentration und Miss I Hilfe manövrieren wir uns dann doch zügig durch die teils skurrile Verkehrsführung der Hauptstadt, wobei zumindest der Teil von Managua den wir auf der Fahrt vom Flughafen sahen nicht wie eine Großstadt wirkte, eher wie Ausfallstrassen mit der typischen Anhäufung von Schnellrestaurants, Buden, Auto- und Teilehändlern. Wenige Gebäude höher als zwei Stockwerke und alles nicht wirklich auf dem neuesten Stand. Doch ich will Managua, das immer hin so groß ist wie Köln (was jetzt auch nicht für eine architektonisch ansehnliche Metropole spricht) nicht zu sehr kritisieren, vielleicht war ich auch einfach zu müde. Und nach wenigen Kilometern waren wir eh aus der Stadt raus und es wurde grün, beschaulicher und stiller, wenigstens ausserhalb unseres Cruiseships, denn von der hinteren Bank drang ein zweistimmiges Schnarchen. Wenigstens die Beiden konnten sich schon erholen und mich hielten Micky Beisenherz und die Jungs von Florida Entertainment mit ihren Podcasts wach.
Denn externe Unterstütung war notwendig, schließlich galt in Nicaragua ein maximale Geschwindigkeit von 80 km/h (ja, Kilometer), die in diversen Strassenkontrollen auch partiell durchgesetzt wurde. Doch auch so kommt man voran und nach eineinhalb Stunden standen wir vor unserem kleinen Hotel in Leon, der ehemaligen Hauptstadt des Landes, die allerdings nach einem Ausbruch des Vulkans Momotombo umziehen musste und den Kampf mit Granada um Krone der Hauptstadt im 19. Jahrhundert bereits zugunsten des dazwischenliegenden Kompromisskandidatens Managua verloren hatte.
Auf den ersten Blick ein eher verschlafenes kleines Kolonialstädtchen, wie zuvor in Antigua bis auf die Kirchen nur ein bis maximal zweigeschossige Bauten die sich hinter den Außenmauern um mehrere Innenhöfe herum gruppierten. Aber Verschlafen war mein Stichwort, erstmal in die Hotelbettfedern und ausruhen. Nur um abends bei strömendem Regen aufzuwachen. Die Kraft reichte nicht mehr zu einem außerhäusigen Abendessen, aber das Hotel hatte zumindest ein kleines Angebot und so bestand zumindest für FF und Miss I keine Notwendigkeit nochmal vor die Tür zu gehen. Ich musste mir doch noch die Füße vertreten und stapfte daher ein paar Blöcke durch den Regen in Richtung Kirche und Marktplatz. Auf den ersten Blick sehr viel Geschichte, vor allem auch Revolutionsgeschichte mit studentischen Gesichtern auf großen Wandbildern (Murals), dazu Foodtrucks mit üppigen Burgern und Hotdogs. Den Rest sollten wir am nächsten Tag mit unserem Guide XXXX erkunden.Läs mer
Leon - weder Griechenland noch Original
10 juni 2022, Nicaragua ⋅ ⛅ 29 °C
Draussen schneit es und die Wetterkarte vermeldet -2 Grad. Das Fieber hat mich nicht gepackt und auch ansonsten ist soweit alles gut. Nur, dass wir - wie zahlreiche unserer treuen Leser bereits festgestellt und reklamiert hatten- den Rest der Reise mit der Berichterstattung nicht mehr hinter kamen so dass inzwischen Monate ins Land gezogen sind über die zu berichten dann wieder eine ganz eigene Geschichte ergäbe. Neben Akklimatisierung im sogenannten „normalen“ Leben mit Einzug im Bahnhof, Einschulung FF und und und hatte mich das offene Ende des Blogs über die letzten sechs Monate immer wieder geärgert und geschmerzt. So sehr, dass es auch Miss I irgendwann auffiel und sie mir die Woche vor Weihnachten Urlaub gab, um an einem Ort meiner Wahl endlich unsere Reiseberichterstattung zumindest zu einem vorläufigen Ende zu bringen.
Und so sitze ich in Hamburg in einem Hotelzimmer und versuche mich bei den beschriebenen winterlichen Temperaturen gedanklich nach Zentralamerika zurückzuversetzen. Schaunwirmal, wie das so gelingt, wenigstens sind die Fotos und der Reiseplan Gerüst und Gedankenstütze.
Leon, Nicaragua also! Vollständig Santiago de los Caballeros de Leon. war mal Hauptstadt und gilt heute noch als kulturell-intellektuelles Zentrum des Landes. Im ewigen Wettstreit mit dem eher wirtschaftlich geprägten Granada ging der Wettstreit wie so oft zugunsten des wenig sehenswerten aber zumindest unbeteiligten Dritten ausging und somit Managua Hauptstadt und heute mit Abstand größte Stadt des Landes wurde. Wobei das Leon welches wir heute besuchten nicht das originäre Leon war. Ursprünglich befand sich Leon (heute Leon Viejo) ca. 30 Kilometer näher am Vukan Momotombo, wurde allerdings nach einem schweren Ausbruch aus Sicherheitsgründen an die heutige Stelle verlegt.
Nachdem unsere Ankunft am Vortag noch ein regnerisch-tristes Bild zeichnete, strahlte am nächsten Morgen die Sonne mit voller Kraft. Unser Führer Felix holte uns pünktlich um 10 Uhr im Hotel ab und der erste Weg ging zur Kathedrale La Merced. Zwar waren die Katakomben mit einem unterirdischen Gängesystem nicht zugänglich, dafür durften wir in Socken auf das Dach von wo aus man einen ersten Blick über die Stadt und die herumliegenden Vulkane hatte. Die weiß gekalkten Wände verbunden mit den Dachkuppeln der Kirche und dem strahlend blauem Himmel wirkten, als wäre man auf einer griechischen Insel gelandet. In der Kirche befindet sich auch das Grab des Nationaldichters Ruben Darios.
Nach der Kirche eine Wanderung durch die Stadt, vorbei an zahlreichen Wandgemälden (Murrals), die sich oft mit der jüngeren politischen Geschichte, insbesondere den Studentenunruhen auseinandersetzten, die in Leon eine Basis hatten.
Zweite Station war das Centro de Arte Fundacion Ortiz Gurdian, einem von einer der Familie Ortiz gestifteten Kunstsammlung die an verschiedenen Orten in wunderschön restaurierten kolonialen Gebäuden mit der klassischen Höfearchitektur ausgestellt wurden. Das erste Haus war vorrangig zentral- und südamerikanischen Künstlern gewidmet . Zwischen lauschigen Innenhöfen mit Fischteichen und Grünpflanzen luftige Hängung die vor allem die Frage aufwarf, wie die Bilder vor der hohen Luftfeuchtigkeit und anderen Umwelteinwirkungen geschützt werden. Im zweiten Haus, wobei der Begriff bei weitem nicht zur Beschreibung dieser schönen Räume ausreicht, dann moderne, auch westliche Kunst zeigte, die selbst mir etwas sagten ;-)
Nach eineinhalb Stunden geballtem Kulturprogramm hatte nicht nur FF genug und so bedankten wir uns bei Felix und gingen in eine Cafe welches er uns noch als Empfehlung mitgegeben hatte.Läs mer
Apoyo Lagune in Gedanken an Dietzenbach
12 juni 2022, Nicaragua ⋅ 🌧 28 °C
Nach einer weiteren Nacht in Leon ging es am Morgen gleich weiter an den Kratersee Laguna de Apoyo. Nach dem Frühstück also wieder die Koffer gepackt und mit unserem silbernen Toyota die circa 135 Kilometer gen Süden. Ehe es zum Kratersee selbst hinunter ging war die Strasse von einer Gruppe Einheimischer versperrt, die einen Obolus für den Besuch verlangten. Nach langewierigen und anstrengenden Erfahrungen mit chinesischen Taxifahrern über Brückengebühren liessen wir es dabei. Zumal mir trotz der Babbel-Sprach-App partout nicht das spanische Wort für „lassen Sie mich durch, ich bin wahlweise Anwalt oder Hotelgast“ nicht einfallen wollte. Und wie sich zeigen sollte war auch der Weg zum Seeufer so verwinkelt und serpentinig, dass ein Durchbruchsversuch zwecklos gewesen wäre. Also gezahlt und los. Auf dem Hotelparkplatz wartete auch schon Oscar, der uns am Flughafen in Empfang genommen hatte. Gut gelaunt und hoffentlich erleichtert, dass wir nicht immer so erschlagen und kaputt aussehen wie nach unserer langwierigen Einreise nach Nicaragua aussehen. Oscar kümmerte sich um unseren Check-In, danach hatten wir eine knappe Stunde um uns frisch zu machen, dann ging es schon wieder los.
Die Tour des heutigen Tages ging über den Ort San Juan de Oriente, der für seine Töpfereien bekannt ist, an den Ausflugsort Catarina sowie in das Provinzhaupstädtchen Masaya.
In der Töpferei bekamen wir eine Vorführung, wie die vielschichtig bemalten Figuren und Schalen aus dem rohen Ton geschaffen werden. Von den bunten Tonpfeifen in Vogelform hat es aber nach meinem Stand keine einzige bis nach Deutschland geschafft. Von Bruchfestigkeit war in der Vorführung allerdings auch keine Rede und ich will auch nicht verhehlen, dass mein Schutzbedürfnis aufgrund der regelmäßigen Nutzung durch FF auch nicht sonderlich hoch war. Mit anderen Worten, zumindest zwei Mitglieder der Familie waren halbwegs erleichtert, als das Gebrauchsgut im Dollarbereich nicht weiter nutzbar war.
Danach ging es nach Catarina, einem lokalen Ausflugsziel mit dem vollen Programm von Zuckerwatter, mehr Tonzeugs und vor allem Planzen in allen Formen, Farben und Größen, da der Ort wohl auf, jawoll, Pflanzen und Setzlinge spezialisiert war. Die Nähe zu San Juan de Oriente mit seinen Topf(ereien) kein schlechter Marketingschachzug. Auch ohne grünen Daumen und entsprechende Ambitionen war der Besuch lohnenswert, denn die Lage des Städtchens gab uns einen schönen Gesamtüberblick über den Vulkankrater.
Nach einem ausgiebigen Mittagsmahl in einer Art Western-Hazienda bei der uns Oscar erzählte, dass er eigentlich Bauer sei und seine Waren auf dem Markt in Masaya verkauft, ging es satt und matt genau dorthin, nach Masaya. Insoweit lag es wohl eher an unserem Zustand und der doch recht brutalen Hitze des Tages, dass wir das Zeitfenster zur Besichtigung nur mäßig begeistert nutzten um am lokalen Geldautomaten endlich etwas Geld zu ziehen, an einem heruntergekommenen Spielplatz lustlos herumzuturnen und ansonsten darauf zu warten, wann wir endlich wieder ins Hotel und in die dortige Hängematte konnten. Dabei gab es in Masaya sicherlich viel zu entdecken, immerhin handelt es sich ausweislich des Wikipedia-Eintrags um eine Partnerstadt von Dietzenbach!Läs mer
Ometepe - Eine Insel mit zwei Bergen….
15 juni 2022, Nicaragua ⋅ 🌧 25 °C
Von unserem nächsten Ziel Ometepe hatte ich schon Berichte gehört, die von einem nahezug magischen Ort sprachen. Die größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee und vor allem nicht ein Vulkan sondern zwei miteinander verbundene Vulkane die in klassischer Kegelform in den Himmel ragen.
Doch ehe wir diesen Blick geniessen konnten, mussten wir erstmal hin. Es galt am Hafen von San Jorge die 12 Uhr Fähre zu erreichen. Profi Tip: bei Anreisen auf Inseln zur Sicherheit immer erstmal prüfen, ob es gegebenenfalls mehrere Wege gibt, die dorthin führen und nicht blind auf eine Angabe des Navigationssystems verlassen. Andererseits gelangt man über den vermeintlich einfacheren Weg auch schon mal in den Genuss beide Häfen kennenzulernen und ein wenig Hektik hält den Adrenalinausstoss auch im Urlaub auf einem normalen Niveau. Zumal wenn man - froh es noch eben so geschafft hat- durch einen falschen Abzweig schafft - semilegal auf das Gelände zu kommen während der Guide mit den Fährtickets vor der Schranke weiter auf einen wartet. Lange Rede, wir schafften es und entgegen aller Befürchtigungen passte unser Wagen sogar in die uns zugewiesene Parklücke auf dem Fährschiff. Die Überfahrt war dann auch recht entspannt, wobei die tief hängenden Wolken zunächst nicht den herbeigesehnten Blick auf die eigentlichen Hauptakteure zuliess. Wir hatten jedoch drei Nächte auf der Insel, so dass zumindest Hoffnung bestand, dass das noch besser wird.
Wieder auf Festland angekommen ging es über Kopfsteinpflaster, mittelmäßige Strassen als natürliche Geschwindigkeitsbegrenzung und später durch viel Grün in Richtung Hotel Paraiso, welches genau zwischen den Vulkanen Conception und Maderas auf der Nordseite des Inselstreifens liegt (an der schmalsten Stelle sind es aber auch nur weniger als 3.000 Meter bis zur Südseite).
Das Hotel einfach aber sauber. Bemerkenswert ist vor allem der großzügige Garten mit vollreifen Mangos auf dem Boden, die wiederum Geckos und allerlei Vogelarten anlockten. Unter anderem auch einen recht lauten und in keinster Form scheuen kleinen Langschwanzhäher, der vermutlich in seiner Sprache um ein milde Gabe unseres Frühstücks bat.
Waren wir am ersten Tag auf Ometepe noch zu erledigt um größere Erkundungen vorzunehmen, nutzten wir den zweiten Tag für einen Besuch eines Urwaldschwimmbads (Ojo de Agua) mit leider recht kalten, aber dafür kristallklarem Wasser, dass wir uns neben ein paar lokalen Touristen nur mit ein paar Fischen teilen musste. Über deren Kommentare zum Tarzan-Swing Eures Berichterstatters legen wir besser den Mantel des Schweigens. Glücklicherweise war das direkt am Pool angesiedelte Restaurant nicht in der Lage uns etwas Adequates anzubieten, so dass wir zwar ein paar weitere Kilometer fahren mussten, dafür aber auf einer Anhöhe mit sehr ordentlichem Essen und vor allem einem grandiosen Blick belohnt wurden.
Für den nächsten Tag (15. Juni) stand eine Strandwanderung auf dem Programm. Miss I hatte zwar Bedenken angemeldet, da das Wetter nicht sonderlich stabil aussah und Strand hin oder her ein Marsch durch den strömenden Regen nicht unter ihren persönlichen Reisehighlights war. Da sprach aber wahrscheinlich die schiere Trägheit sich von unserer schönen Veranda wegzubewegen und come on, es ist immer noch eine Insel, will sagen die Regenwolken sind genauso schnell wieder verschwunden wie sie gekommen sind. Um sie dann auch noch restlos zu überzeugen hatte ich als Ziel unseres Spazierganges das El Pital Chocolate Paradise ausgesucht. Zumindest nach Auskunft von Tripadviser das beste Eis der Insel. Der Weg hin war dann auch nicht allzu beschwerlich, zunächst ein, zwei Kilometer am Strand entlang in Richtung Vulkan Maderas. Dass dieser zwischenzeitlich fast vollständig von recht dramatischen Wolken umgeben war hätte mir bereits zu denken geben sollen, aber Hirn und Bauch wollten nunmal Eis und zwar das beste. Also versucht die Familie zu drängeln (womit ich mich natürlich in Widerspruch zu meinen Aussagen vom Beginn des Marsches beziehungsweise dieses Absatzes begab, was wiederum dem Respekt gegenüber Alter, Weisheit etc. des vermeintlichen Familienoberhauptes einiges an Abbruch tat) und irgendwie gerade noch rechtzeitig den auf den letzten 600 Metern zugegeben sehr steilen, steinigen und teilweise matschig rutschigen Pfad zu Cafe und Strand hinuntergelangt um uns pünktlich mit Einsetzen des Sturzregens einen Platz an der Cafebar zu sichern. Der Cafe war dann sehr gut, das Schokoladeneis sah ebenfalls vielversprechend aus, war dann aber doch etwas zu vegan bzw. gesund. Ausserdem machte mir inzwischen die Wetterlage dann doch Sorgen, denn trotz einer halben Ewigkeit Wartezeit nahm der Regen eher zu als ab und die Vorstellung mit Familie den Rückweg antreten zu müssen liessen dann doch keinen Genussmoment mehr zu. Jedenfalls musste ich widerwillig zugeben, dass ich uns in die Sch…. geritten hatte und entsprechend sollte ich es auch wieder heilen. Also erstmal als Vorhut nach Hause und das Auto geholt. Nicht ohne meiner Frau zu versprechen, dass ich natürlich nicht so blöd und leichtsinnig wäre mit dem Karren den Hang zum Cafe runterzurutschen. Ja klar! Die Birkenstock Sandalen waren eigentlich schon seit Thailand durch und irgendwie war ich nur zu nostalgisch sie zu entsorgen, aber der Marsch durch den Regen zeigte dann doch, dass keine Schuhe manchmal besser sind als schlechte Schuhen in welchen man auch noch auf der Innensohle hin und her rutscht. Also Schuhe in die Hand und barfuß über Stock und Stein. Nach eineinhalb Kilometern endlich am Strand, was zumindest das Laufen einfacher machte. Überrascht, dass trotz der Sturmflut die sich immer noch aus dem Himmel ergoss weiterhin Fischer Wasser standen, die per Hand ihre Netze auswarfen. Ich für meinen Teil war heilfroh, als ich endlich im Hotel war. Doch der eigentliche Teil meiner Rescue Mission stand ja noch bevor. Also nur kurz abgetrocknet (wozu eigentlich), zwei Handtücher für Miss I und FF gegriffen und mit dem Wagen los. Natürlich wäre es vernünftiger gewesen den Toyota oben an der Strasse zu parken und die Beiden zu Fuß hochzubringen. Aber was soll es und einmal auf halber Strecke gab es auch kein zurück und keine Wendemöglichkeit mehr. Also Augen zu (nein!) und durch. In der steten Hoffnung, dass unsere Mietwagengesellschaft an der Rückgabestation nur blindes Personal einsetzte. Wider Erwarten kamen wir dann aber doch Zentimeterschritten und ohne erkennbare Dellen (gut, zwei dreimal schrammte der Unterboden über Steine und /oder Wurzelwerk, aber Hebebühnen gibt es in Nicaragua bei National hoffentlich auch keine.
Ob der Stunt es wert war, keine Ahnung, auf jeden Fall war ich für einen kurzen Moment der Held, der seine Familie vor den Fluten gerettet hat und die vorangegangene Dummheit vergessen. Und wer würde nicht sagen, dass es das wert war!
Anmerkung: Das Bildmaterial ist nicht zur Weitergabe an National Mietwagen Nicaragua geeignet!!Läs mer
Granada und Las Isletas
19 juni 2022, Nicaragua ⋅ 🌧 29 °C
16. Juni 2022
Unsere Zeit auf Ometepe nähert sich dem Ende. Noch ein Frühstück im Hotel Villa Paraiso und dann schon wieder den Wagen bepacken allerdings nicht ohne die Festellung, dass der starke Regen, der auch die ganze Nacht auf unser Hoteldach geprasselt hatte, auch sämtliche Spuren des Off-Road-Abenteuers von unserem Toyota gewaschen hat.
Dann zeitig los gefahren und pünktlich um 10:30 Uhr auf die Fähre. Diesmal sowohl für unser Auto wie auch für uns ausreichend Platz und genug Sonnenschein, um noch einmal den Blick auf die zwei Vulkane zu erleben. Dann aber gleich nach Granada ins Hotel Malinche, mit einem unserer schönsten Aufenthalte in Zentralamerika. Granada selbst wirkte wie die etwas besser erhaltene Kopie von Leon was sich vielleicht aus dem bereits erwähnten Wettbewerb zwischen der liberal-intellektuellen Hochburg Leon und dem eher konservativ-ökonomisch geprägten Granada erklärt. Vielleicht hatte Granada aber auch einfach nur den Vorteil, dass wir hier deutlich erholter und bei Sonnenschein ankamen.
Das Hotel dagegen war tatsächlich eine Oase der Ruhe. Nur wenige Gehminuten vom zentralen Marktplatz entfernt wäre man fast an dem Eingang vorbeigegangen, der sich erst nachdem man geklingelt hat in zwei Innenhöfe öffnete. Im ersten Teil neben Artefakten, Kunsthandwerk und Bildern vereinzelte Tischchen an denen sich die Hotelgäste ein klassisches und sehr gutes Frühstück einnehmen konnten, im hinteren Teil dann ein Mini-Pool mit ein paar Liegen. Direkt vor unserem Zimmer stand ein langer Holztisch, so dass auch das mitgebrachte Abendessen stilvoll genossen werden konnte. Und an Gastronomie hatte Granada einiges zu bieten. Gleich am ersten Tag entdeckten wir das Garden Cafe für uns entdeckt. Wiederum ein sehr schöner begrünter Innenhof und sehr gutes Essen. Daneben lokal hergestellte Leder- und Schmuckwaren und Kleider, alles stilvoll präsentiert. Wenn ich mich richtig erinnere waren wir hier insgesamt vier mal für ein Mittagessen oder einen schnellen Cafe oder ein Desert.
Die gänzlich andere kulinarische Richtung war eine Grillbude 150 Meter vom Hotel entfernt, wobei schon der Weg dorthin halbwegs abenteuerlich war, da an der zwischen Hotel und Churrascaria gelegenen Kreuzung offensichtlich die Grenze zwischen touristisch vorzeigbarer Innenstadt und teils von verfall geprägter Vorstadt lag. Aber die Würste und das Steak waren den Ausflug wert.
Da die Stadt mehr oder minder selbsterklärend war und wir zudem ausreichend mit Cafebesuchen, Blog und Essen beschäftigt waren zumal FF die für ihn ideale Pool-länge und -tiefe nutzte, um an seiner Arschbombentechnik zu feilen (nicht unbedingt zum Wohlgefallen aller in dem Hoteltrakt ansässigen Gäste, hatten wir uns anstelle einer klassischen Stadtführung für einen nachmittäglichen Ausflug in die Isletas de Granada entschieden. Nur wenige Fahrminuten ausserhalb der Stadt ging es auf ein kleines Bötchen und dann mitten hinein in die Ansammlung von mehr als 360 Kleinstinseln, die auf dem Nicaragua-See verstreut lagen. Teil unbewohnt, teils mit dekadenten Villen und Türmchen bebaut. Kaimane haben wir keine gesehen, doch zumindest unser Führer war schlicht begeistert von der Vielzahl an Vogelarten, welche wir an diesem Nachmittag antrafen. FF war mehr angetan von den Altersgenossen, die wir unterwegs trafen, nach den Hollow Monkeys (schwarzer Brüllaffe) machten wir mit den Kapuzineraffen und den Klammeraffen das Trio der in Nicaragua vorkommenden Affenarten komplett. Haken dran, schön, dass das dann auch erledigt war.Läs mer
























































































































































































































































































































































































