Faul sein ist auch mal schön
14 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 22 °C
Der heutige Tag wird von uns hochoffiziell zum Faulenzertag bestimmt, Kopf und Beine brauchen eine Pause. Das trifft es sich sehr gut, dass es in İnebolu ohnehin quasi nichts zu besichtigen gibt, was uns in die Versuchung von so etwas wie Aktivität bringen könnte. Um neun Uhr am Morgen bewegen wir uns bis ins Hotelrestaurant zum Frühstück, die folgenden Stunden verbringen wir im Zimmer mit Lesen, Schlafen, Zeit verdödeln. Nicht mal für ein Bad im Schwarzen Meer oder im hoteleigenen Pool reicht unsere Motivation. Es ist bereits 16 Uhr, da raffen wir und doch noch einmal auf und unternehmen einen Spaziergang durch den Ort. İnebolu ist schnell erkundet, so dass wir auch zügig mit dem "Faul sein" fortfahren können. Wir suchen uns ein Restaurant mit Meerblick und genießen an einem Outdoor-Tisch ein Abendessen zum Sonnenuntergang. Für eine Portion Baklava geht es noch einmal in den Ort, bevor wir gemächlich zurück zum Hotel schlendern. Vor der Nachtruhe ist lediglich noch eine wichtige Entscheidung zu treffen. Angesichts der vielen Höhenmeter und der sehr steilen Anstiege auf der Küstenstraße, die im weiteren Verlauf wohl eher noch anspruchsvoller werden soll, hatten wir vor ein paar Tagen angedacht, entgegen der Planung bereits hier in İnebolu ins Landesinnere zu schwenken. Dadurch würden wir auf dem Weg nach Ankara sowohl einiges an Streckenkilometern als auch an Höhenmetern sparen. Hier und heute sind wir aber nicht mehr sicher, weil uns beide die gestrige Fahrt entlang der Küste so sehr begeistert hat. Wir überlegen, wägen ab, rechnen hin und her. Die Frage ist: Sind wir bereit, die Mühen der bisweilen äußerst steilen Anstiege für eine Verlängerung des Genusses von Küste und Meer in Kauf zu nehmen? Die Antwort lautet: JA! Wir sind uns einig, dass die Strecke einfach zu schön ist, um sie zu verlassen. Außerdem sind wir nach dem heutigen Faulenzertag ja ausgeruht und können nun schonmal von der anstehenden Gipfelstürmerei träumen...Leia mais
Mustafa, Zahtiye & Co.
15 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 22 °C
Heute streben wir mal wieder eine etwas frühere Abfahrt an, weshalb es uns bereits um kurz nach sieben an das Frühstücksbuffet treibt. Gegen neun sitzen wir auf den Rädern und folgen der Küstenstraße gen Westen.
Wie bereits bekannt und auch erwartet geht es in stetigem Wechsel bergauf und bergab. Besonders die "Oben-Punkte" eignen sich hervorragend für Pausen, Obst und Kekse schmecken nach getaner "Arbeit" besonders gut und die Ausblicke sind spektakulär schön.
Aber auch während des Radelns genießen wir die Landschaft in vollen Zügen, zu unserer Linken dicht bewaldete Berge und zu unserer Rechten felsig-schroffe Steilküste und zwischendurch kleine idyllische Strandbuchten vor dem in der Sonne leuchtenden Meer. Hinter jeder Kurve eröffnet sich eine neue Aussicht, immer wieder halten wir an, um Fotos zu machen oder einfach nur zu genießen. Man kann kaum mit Worten beschreiben, wie atemberaubend schön diese Gegend ist. Sollte diese Worte also jemand lesen: Ab an die Schwarzmeerküste! Gegen halb fünf mit guten 1000hm in den Beinen wollen wir so langsam den Feierabend einläuten, es fehlt nur an einem kleinen ebenen Fleckchen Wiese oder dergleichen für unser Zelt. Links geht es steil die Berge rauf, rechts bietet die Steilküste keinen Platz. Und als wir dann doch eine geeignet scheinende wilde Wiese entdecken, steht in unmittelbarer Nähe ein Haus. Wir hören Menschen und denken uns: Fragen wir doch einfach! Und dann geht plötzlich alles ganz schnell. Die Leute vor dem Haus begrüßen uns freundlich, als von der Straße ein Auto auf das Grundstück abbiegt. Frauen und Kinder steigen aus und reden sehr laut und aufgeregt, dabei aber sehr freundlich wirkend, auf uns und die Männer ein. Wir verstehen zunächst nichts, aber am Ende schaffen sie es, uns klarzumachen, dass sie uns bereits im letzten Dorf gesehen haben. Kaum, dass wir uns versehen, sitzen wir plötzlich auf dem riesigen Meerblick-Balkon der Familie. Diese besteht aus einem älteren Ehepaar namens Mustafa und Zahtiye und einem jüngeren (ob sie wirklich miteinander verwandt sind, wissen wir nicht) Paar und dessen drei kleinen Kindern. Leider bestätigt sich erneut, dass es um unser Namensgedächtnis nicht besonders gut bestellt ist. Der jüngere Mann heißt möglicherweise Erkan (oder Erhan?), die Namen seiner Frau konnten wir uns leider nicht merken. Eigentlich wollte man uns auf einen Tee einladen, wir sitzen aber verdächtig lange ohne Getränk auf der Balkon-Couch und zudem riecht es plötzlich aus der Küche nach angebratenen Zwiebeln. Bald darauf gibt es Pfannenbörek für alle und im Anschluss wird dann auch der Tee serviert. Nun müssen wir es nur noch irgendwie hinkriegen, auf den eigentlichen Anlass unseres Besuches zu sprechen zu kommen. Nach wie vor wissen wir nämlich noch nicht, wo wir die Nacht verbringen werden. Stattdessen steht aber bereits ein gemeinsames Abendessen im Raum und Claudia wird von der vierjährigen Zeynep mit pinkfarbenem Schmetterlingshaarschmuck beschenkt. Heiko schafft es schließlich, mit seinen Türkischkenntnissen, unser Anliegen zu thematisieren und das mit Erfolg. Nicht die wilde Wiese wird unser Lagerplatz, sondern der Garten vor dem Balkon. Direkt an der Steilküste mit Premium-Meerblick bauen wir im Abendlicht unser Zelt auf, während im Haus bereits die Vorbereitungen für das Abendessen in vollem Gange sind. Als wir etwas notdürftig erfrischt und einigermaßen landfein umgezogen wieder ins Haus kommen, riecht es bereits sehr lecker und es dauert nicht lange, bis der Esstisch mit reichlich Köstlichkeiten gedeckt ist. Frischer Salat, Oliven, Brot, angebratene Pepperoni, Bohnen usw. stehen bereit, dazu reicht Zahtiye uns noch gut gefüllte Teller mit Reis und gebratenem Hähnchenfilet. Neben den Mengen sind wir nicht das erste Mal auf unserer Reise überrascht und etwas überfordert von der Geschwindigkeit. Während Zahtiye noch kocht, fangen die ersten bereits an zu essen und sobald die Gabel mit dem letzten Bissen im Mund verschwindet, wird auch gerne schon der Teller weggezogen. Wer fertig ist, steht auf und so sitzt Heiko am Ende allein am Tisch, als Zahtiye bereits den Abwasch erledigt, die Kinder spielen und der Rest mit einer Zigarette auf dem Balkon sitzt. Nun gut, andere Länder, andere Sitten...! Nach einer Runde Tee für alle auf dem Balkon wartet die nächste Überraschung: Ein Spiel soll gespielt werden, auf dem Esstisch ist bereits alles vorbereitet. Und das, wo Heiko ihm unbekannte Spiele ohnehin nur so mittelmäßig gerne spielt. Aber aus der Nummer kommen wir nicht raus, die Spielsteine für die erste Runde "Okey" sind uns bereits zugeteilt. Die Versuche, uns auf türkisch die Regeln zu erklären, sind nicht wirklich von Erfolg gekrönt, aber eine Google-Befragung und die Erfahrung einiger Spielrunden lassen Heiko am Ende sogar zweimal als Sieger dastehen. Nach einem amüsanten Abend ziehen wir schließlich um 23 Uhr in unser Zelt um und schlafen mit dem Rauschen des Schwarzen Meeres ein.Leia mais
Güle Güle Meer, Merhaba Berge
16 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 24 °C
Wir stehen um acht Uhr auf, bauen das Zelt ab und beladen unsere Räder. Aus dem Haus unserer "Gastfamilie" tönt bereits reges Stimmengewirr, vom Balkon des Nachbarhauses ruft man uns ein herzliches "Günaydın" zu. Um neun Uhr werden wir zum gemeinsamen Frühstück erwartet. Unsere Räder parken wir vor dem Haus, damit wir im Anschluss direkt startklar sind. Der Frühstückstisch ist nicht minder reich gedeckt als am gestrigen Abend. Brot, grüne und schwarze Oliven, Gurken und Tomaten, gekochte Eier, Käse, Marmelade, fluffig-knusprige Pancake(-artige) mit Pinienmelasse..., sehr, sehr lecker! Wie bei fast jeder neuen Bekanntschaft wird noch ein Abschiedsfoto gemacht, dann machen wir uns angesichts der vollen Bäuche recht schwerfällig auf den Weg. Dieser führt uns weiter an der traumhaften Küste entlang und hat in sehr regelmäßigen Abständen ganz ordentliche "Bodenwellen" im Angebot. An einem Luxus-Pausenplatz mit Bank, Tisch und sensationellem Ausblick steht ein weiteres Mal unsere weitere Route auf dem Prüfstand. Die vor zwei Tagen getroffene Entscheidung, entgegen einer vorherigen Entscheidung zum Abweichen von der ursprünglichen Planung, in Kürze doch entsprechend des Primärplans das Meer zugunsten der Berge zu verlassen, wackelt erneut. Es ist einfach sooo schön an der Küste! Also studieren wir Karte und Höhenprofile und wägen ein weiteres Mal ab: sichere Asphaltstraßen vs. teilweise unbefestigte Wege unbekannten Zustandes, viele Höhenmeter vs. sehr viele Höhenmeter, 218 vs. 146 Restkilometer bis zum nächsten Zwischenziel Safranbolu, Küste vs. Berge, gute Versorgungsinfrastruktur vs. einsame Gegenden...! Während wir noch über den Zahlen brüten, kommt ein türkischer Radreisender mit leuchtend gelben Ortlieb-Taschen den Berg hinaufgekeucht, den wir gleich hinunterrollen dürfen. Er heißt Mehmet und kommt aus İstanbul. Da er recht gut englisch spricht, tauschen wir uns eine Weile über unsere Reisen und über unterwegs getroffene Reisende aus. So können wir Mehmet z.B. berichten, dass er möglicherweise das türkische Radlerpaar, welches uns in der Nähe von İnceburun begegnet ist, treffen wird. Laut Instagram sind die beiden uns seit Tagen dicht auf den Fersen. Mehmet radelt irgendwann weiter und wir verschieben die finale Routen-Entscheidung auf den Moment, in welchem wir abzweigen müssten oder eben auch nicht. An der Weggabelung angekommen fällt die Wahl auf die Berge und damit auf weniger Kilometer, viele statt sehr viele Höhenmeter, Einsamkeit und Schotterpisten. Der tolle Ausblick während der letzten Pause war also der letzte auf das Schwarze Meer, auf einer kleinen, verkehrsarmen Straße entfernen wir uns von der Küste. In einem Dorf decken wir uns mit reichlich Proviant ein, bevor wir uns durch leicht welliges Terrain sanft bergauf in Richtung Bergwelt bewegen. Zwischendurch gibt's ein kleines Päuschen mit Obst und Joghurt. Außerdem erreicht uns die Information, dass Mehmet tatsächlich das türkische Radlerpaar getroffen hat und auch die beiden schicken uns eine entsprechende Nachricht. Dem mitgeschickten Foto entnehmen wir, dass sie gemeinsam zelten. Wir hingegen zelten allein, einen Platz dafür finden wir heute etwas unterhalb der Straße an einem trockenen Flussbett zwischen Haselnussplantagen. Ein Esel nimmt Notiz von uns, eine Bäuerin begrüßt uns, zwei Kinder kommen vorbei, ein Hund mit Glocke um den Hals besucht uns, eine Kuh wird die Straße entlanggetrieben und von einigen vorbeiknatternden Fahrzeugen wird uns zugewunken. Niemand von ihnen scheint etwas gegen unsere Anwesenheit zu haben, ganz im Gegenteil. Na dann: İyi geceler!Leia mais

HALKE ZEPF
Was sind die Türken doch für nette Menschen wir sind begeistert
Offline in Menteşe Köyü
17 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 18 °C
Wir lassen uns um halb sieben wecken und brauchen unsere üblichen zwei Stunden, bis wir bereit zur Abfahrt sind. Zu Beginn der Etappe erwartet uns direkt ein Anstieg, ziemlich genau zwei Stunden brauchen wir zur Bewältigung der morgendlichen 540 Höhenmeter. Selbstverständlich wird der Frühsport mit einer kalorienreichen Pause belohnt. Es folgt eine fünf Kilometer lange Abfahrt, die auf einer Höhe von 370m im Ort Şenpazar endet. Hier kaufen wir reichlich Nachschub an Nahrung und Datenvolumen ein, da wir nicht wissen, wann es die nächste Gelegenheit dazu geben wird. Recht bald nach Verlassen des Ortes wartet der nächste Berg, gleichzeitig wird der Asphalt unter unseren Reifen von Schotter und Sand abgelöst. Ein vorbeifahrendes Auto hält, der Fahrer steigt aus und würde uns scheinbar gerne von der Weiterfahrt abhalten. Er weist uns auf Tiere in der Gegend hin (wir erfahren später, dass hier u.a. Bären und Schakale beheimatet sind...) und auf die Tatsache, dass uns auf diesem Weg mit dem Fahrrad ein ziemliches Stück Arbeit erwartet. Als er hört, dass wir nach Safranbolu wollen, wirkt er noch verwunderter im Hinblick auf unsere Streckenwahl und weist in Richtung der gut ausgebauten Hauptstraße. Wir unbelehrbare Radel-Touristen bleiben jedoch dem Schotter treu. Die folgenden Kilometer erweisen sich tatsächlich als sehr schweißtreibende Angelegenheit, nur langsam kommen wir voran. Als wir den Mann später ein zweites Mal treffen, spricht er uns erneut an. Er fragt nach unseren Kontaktdaten, woraufhin Heiko ihm sein Instagram-Profil zeigt und erklärt, dass wir lediglich über das Internet erreichbar sind und keine türkische Telefonnummer haben. "Internet yok" (kein Internet), erwidert er und zeigt dabei in die Richtung unserer Zielregion in den Bergen. Auch diese Information veranlasst uns nicht zum Umkehren, weiter geht's. Der Mann zeigt uns aus unerfindlichen Gründen noch seinen Presseausweis, schon im Auto sitzend macht er noch ein Foto von uns. Dieses findet sich später auf seiner Instagram-Seite sowie in Heikos Posteingang. Stück für Stück arbeiten wir uns voran und bergauf. Angesichts der angekündigten Tiere wäre es uns lieb, in der Nähe bewohnter Häuser anstatt irgendwo mitten im Wald zu übernachten. Etwas mehr als 1200 überwiegend schotterige Höhenmeter haben wir in den Beinen, als wir das winzige Dorf Menteşe Köyü erreichen, in welchem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Menschen sehen wir nicht und als einziger, halbwegs in Frage kommender Platz für unser Zelt qualifiziert sich der Straßenrand vor einer kleinen Moschee. Was tun? Als wir noch diskutieren, ob wir uns einfach eine Weile vor der Moschee auf eine Bank setzen und auf das Auftauchen von Menschen zu warten, die wir fragen könnten, oder noch ein Stück weiterfahren, öffnet sich das Fenster eines Hauses. Der ältere Herr kommt zu uns heraus und bietet uns eine kleine Wiese oberhalb der Straße zum Zelten an. Erfreut über diese Option schlagen wir neben uralt anmutenden Holzhütten unser Lager auf. Das warme Abendessen und der Tee tun sehr gut, sind doch die Abende inzwischen empfindlich kalt. Der freundliche Herr sieht später noch einmal nach dem Rechten bei uns und vergewissert sich, ob wir auch genug Wasser haben. Die Dämmerung bricht herein und wir schalten schon bald in den Offline-Modus: Umzug ins Zelt, rein in die Schlafsäcke, Ohropax in die männlichen Ohren, Augen zu. Und nicht nur wir, auch das Dorf ist offline, Zugang zum Internet sucht man hier tatsächlich vergeblich...Leia mais
Hotel Kanyonpark in Pınarbaşı
18 de setembro de 2023, Turquia ⋅ 🌙 15 °C
Schon früh kreist die Drohne über Menteşe Köyü, nachdem uns der Wecker um halb sieben aus dem Schlaf geklingelt hat. Ab viertel vor neun geht es weiter, wie es endete: Wir pflügen uns durch den Schotter nach oben. Auf einer Höhe von 1240m haben wir den Gipfel erreicht, was jedoch nicht heißt, dass es nun entspannter wird. Der Untergrund hält weiterhin herausfordernde Abschnitte bereit, die sich mit etwas besser fahr- bzw. schiebbaren Teilstrecken abwechseln. So geht es eine Weile auf und ab, während sich vermehrt mächtige Felsen in unser Blickfeld schieben. Wir sind von einer angenehmen Stille umgeben. Neben der einen oder anderen Tierstimme besteht die Geräuschkulisse hauptsächlich aus unserem selbst produzierten Schottergerumpel und angestrengtem Gekeuche (ganz eventuell kommt uns auch der eine oder andere leise Fluch über die Lippen...). Eine eindrucksvolle Schlucht lässt sich erahnen, als wir uns bei mal wieder starkem Gefälle mehrere hundert Höhenmeter abwärts arbeiten. Auf einer Höhe von 400m angekommen überqueren wir eine Brücke, die bei Gültepe über den Devrekanı Stream führt. Hier treffen wir einen jungen Mann, der das Heimatdorf seiner Mutter in Bergen besucht hat, wo wir gerade herkommen. Er berichtet von Bären in der Gegend und dass er entsprechende Spuren gesehen hat. Wir fühlen uns bestätigt, dass es eine gute Idee war, gestern nicht mitten im Wald gezeltet zu haben. Kurz hinter dem Ort Gültepe werden wir sofort wieder gefordert, auf 830m liegt der nächste zu erklimmende "Gipfel". Laut Recherche sollen wir dort ein Dorf oder zumindest eine Häuseransiedlung erreichen. Unser Plan sieht vor, dort nach einem Platz für die Nacht Ausschau zu halten. Am Ziel angekommen stellen wir aber fest, dass das "Dorf" etwas abseits unserer Route liegt und somit einen kleinen Umweg bedeuten würde. Also nehmen wir noch die folgende Abfahrt mit und erreichen kurz darauf den Ort Pınarbaşı, der laut Google über mindestens zwei Hotels verfügt. Wir steuern eines der Hotels an, sind aber schneller wieder draußen, als wir reingekommen sind. Von der Straße sah das Haus noch recht ansehnlich aus, beim Anblick des Eingangs auf der Rückseite fühlte Claudia sich allerdings bereits das erste Mal an ihre aktuellen Lektüre erinnert: Der Krimi handelt von seeehr seltsamen und brutalen Vorgängen in einem renovierungsbedürftigen Hotel...! Dabei wollten wir uns eigentlich nicht von der schlechten Google-Rezension beeinflussen lassen, in welcher davon die Rede ist, dass der vorbestrafte und psychisch auffällige Sohn des Hotelbetreibers einen Gast angegriffen haben soll. Nun steht er vor uns, der Hotelbetreiber, und macht einen ziemlich schrägen Eindruck auf uns. Wir schleppen dennoch unsere Taschen in das uns zugewiesene winzige "Zimmer", das nach Rauch riecht und in dem man sich kaum um die eigene Achse drehen kann. Als er dann aber ausschließlich "Cash" von uns möchte und keine Kartenzahlung akzeptiert, entscheiden wir uns zum geordneten Rückzug. Wir ändern unsere Meinung auch nicht mehr, als er dann plötzlich doch noch ein Kartenlesegerät hervorkramt. Es ist nicht weit bis zum nächsten Hotel und hier haben wir deutlich mehr Glück. Im
"Kanyonpark-Otel" beziehen wir ein Zimmer in einem kleinen "Doppelhäuschen". Nach ausgiebiger Dusche lassen wir uns ein Abendessen im Restaurant des Hotels schmecken und sind sehr froh, nicht in der ersten Herberge geblieben zu sein. Im Internet belesen wir uns am Abend noch etwas über die Gegend und stellen fest, dass hier attraktive Canyon-Wanderungen möglich sind. Die Option klingt so interessant und die Bilder sehen so toll aus, dass wir beschließen, den morgigen Vormittag nach dem Auschecken aus dem Hotel für eine solche Wanderung zu nutzen und erst am Nachmittag weiterzuradeln. Und sollte die Wanderung sich länger hinziehen, checken wir einfach für eine weitere Nacht erneut ein...Leia mais

HALKE ZEPFWir haben mit euch gefühlt und sind froh, dass ihr alles so gut überstanden habt
Auf dem Holzweg...
19 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 23 °C
Wir beginnen dem Tag mit einem leckeren Frühstück im Restaurant des Hotels. Unseren Plan, danach auszuchecken, eine Schlucht-Sanderung zu machen und am Nachmittag entweder in die nächste Radel-Etappe zu starten oder aber ggf. neu einzuchecken, verwerfen wir. Wir bleiben einfach bis morgen hier, schließlich haben wir Urlaub und da sollte Stress unbedingt vermieden werden. Nach Bekanntgabe unserer Verlängerung an der Rezeption rüsten wir uns für den Wandertag. Knapp vier Kilometer spazieren wir bis zum Eingang der Horma-Schlucht. Diese liegt in einem Nationalpark, dem Karstplateau "Küre Dağlar Milli Parkı", der sich im namensgebenden Gebirgszug Küre Dağları des Westpontischen Gebirges in der nordtürkischen Schwarzmeerprovinz Kastamonu befindet. Die vor Jahrhunderten durch den Zarı-Strom entstandene Horma-Schlucht wurde mittels eines
drei Kilometer langen Holzweges für Touristen zugänglich gemacht. Dieser am Fels befestigte Steg beginnt etwa 200m nach dem Eingang in die Schlucht und führt uns nach fast jedem Schritt in Versuchung, die Kamera zu zücken und den Moment zu verewigen. Meist erliegen wir ihr...!
Im Verlauf erreicht der Holzweg stellenweise eine Höhe von 100 – 150 Metern, aus spektakulärer Perspektive können wir die ganze Schönheit des Canyons genießen. Die Szenerie erinnert an die Kulisse von Fantasy-Filmen. Heiko hat das Gefühl, dass hier auch aus dem Nichts Flugsaurier vorbeischweben könnten und man würde sich nicht einmal wundern. Wir lassen uns extrem viel Zeit beim Durchwandern dieser wundervollen Schlucht und freuen uns darüber, dass der Holzweg sogar für uns Fischköppe problemlos zu bewältigen ist. Fasziniert und begeistert marschieren wir im kühlen Schatten der imposanten Felswände, viele Bäume haben passend zur Temperatur ein Moosmäntelchen übergeworfen. Tief unter uns bahnt das Wasser sich seinen Weg durch den Canyon. Am Ende des Wanderwegs erreichen wir schließlich den Ilıca-Şelalesi (Wasserfall), der sich aus 15m Höhe in einen natürlichen Pool ergießt. Auch hier verbringen wir eine ganze Weile und genießen/ fotografieren/ filmen den Anblick des Wasserfalls in seiner fast exotisch aussehenden Kulisse von allen Seiten.
Ausklingen lassen wir die herrliche Wanderung auf der Terrasse eines urigen Cafés bei Tee und Käsetoast, bevor wir uns von einem Taxi über den Berg zurück zum Hotel bringen lassen. Wir sind noch ganz beseelt von diesem wahrlich traumhaften Erlebnis und freuen uns über den glücklichen Zufall, hier gelandet zu sein. Den späten Nachmittag verbringen wir in einer von mehreren offenen Hütten vor unserem Hotel. Hier sitzen wir, trinken Tee, lesen, schreiben, schauen Bilder und Filmchen der vergangenen Stunden. Am Abend spazieren wir in den Ort und besuchen zuerst ein Restaurant und anschließend eine Konditorei, so dass wir alles andere als hungrig in unsere Hotelbetten fallen! War das ein herrlicher Tag!!!Leia mais
Safranbolu
20 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 23 °C
Im Hotel gibt es Frühstück ab acht Uhr, zwei Stunden später rollen wir vom Hof.
Etwas Obst und Wasser laden wir im Ort noch ein, bevor wir Pınarbaşı verlassen. Den ersten Anstieg mit 300 Höhenmetern haben wir um elf Uhr bereits erledigt, es fährt sich doch deutlich leichter und flotter auf asphaltierter Straße im Gegensatz zu den Strecken der letzten beiden Tage. Von hier oben haben wir noch einmal einen schönen letzten Blick auf Pınarbaşı und die Umgebung. Sanft hügelig geht es auf gutem Untergrund weiter, so dass wir mal wieder das schöne Gefühl des simplen Radfahrens spüren. Nach langer Zeit prägen mal wieder (Stoppel-)Felder die Landschaft und bei wenig Verkehr und gutem Asphalt rollt es sich wunderbar. So zeigt unser Tacho auch bereits über 40 Kilometer und etwas mehr als 500 Höhenmeter an, als wir es uns zur Mittagspause auf einem Feld gemütlich machen. Neben der kleinen Campingküche, in der auf dem Gaskocher ein Tee zubereitet wird, richtet Heiko auch einen "Arbeitsplatz" ein. In zehn Minuten beginnt eine als wichtig angekündigte Dienstbesprechung, in welcher Veränderungen für seine Station bekannt gegeben werden sollen und an der man auch online teilnehmen kann. Die leise Vorahnung, dass eine Fusion mit der Station, auf welcher Antonia seit ihrem Examen arbeitet, bevorsteht, bewahrheitet sich nicht. Lediglich ein Umzug und damit eine räumliche Annäherung der Stationen wird verkündet, ohne dass die Teams zusammengeführt werden sollen. Als die wichtigsten Informationen bekannt sind, verzichtet Heiko auf den Rest der Besprechung. Wir widmen uns stattdessen den wirklich wichtigen Dingen des Lebens: Urlaub, Tee, Kekse, Chips! Der weitere Streckenverlauf gestaltet sich entspannt und so kommen wir gut voran. Am frühen Abend erreichen wir nach etwas mehr als 70km und 1000hm das Ziel Safranbolu, wo wir uns für zwei Nächte einquartieren wollen. Wir nähern uns dem Ort von oben und genießen bei einem kurzen Stopp die Vogelperspektive auf die alten Fachwerkhäuser, bevor wir hinunterrollen. Das vorab ausgewählte Hotel ist schnell erreicht, allerdings bereitet uns die Unterbringung der Fahrräder zunächst etwas Sorgen. Laut Hotelbetreiber sollen wir sie einfach an der Straße stehen lassen, das Hotel verfügt über keinen Innenhof oder ähnliche Optionen. Er nimmt unser Zögern wahr und schlägt dann doch vor, dass wir die Räder mit im unser Zimmer nehmen können. Also werden sie die enge Treppe hinaufgetragen und in dem ebenfalls sehr engen, kleinen Zimmer platziert. Der Raum ist aber nicht nur eng und klein, sondern auch sehr dunkel. Nun gut, jetzt sind wir erstmal hier, erwägen aber einen Hotelwechsel am morgigen Tag. Nach Dusche und Kleidungswechsel schlendern wir am Abend noch eine Weile durch die kleinen Gassen der Altstadt. Etwas überrascht sind wir von dem Ausmaß der Souvenirläden und Verkaufsstände, hätten wir die Stadt doch weniger touristisch erwartet. Für uns steht heute lediglich noch ein Abendessen im Restaurant an, anschließend versorgen wir uns mit einem süßen Snack aus dem Supermarkt und spazieren zum Hotel zurück. Feierabend!Leia mais

ViajanteHallo Claudia, ich lese hier ja nun auch schon eine Weile mit, habe aber immer noch nicht alles durchgelesen. Ich habe großen Respekt vor der Leistung die ihr da abliefert. Echt eine Herausforderung und auch vor der Anstrengungen die ihr da abliefert ziehe ich meinen Hut. Nebenbei dann noch schöne Texte schreiben. Alle Achtung. Wir sind gerade in Schweden und hier ist es auch sehr schön. Ich wünsche euch beiden weiterhin eine spannende und schöne Zeit. Liebe Grüße von Andreas. 🙋
Touri-Tag
21 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 27 °C
Am Morgen finden wir uns auf der kleinen, bunt dekorierten Terrasse des Hotels zum Frühstück ein, welches uns vom Gastgeber-Ehepaar an den Tisch serviert wird. Uns sind die beiden sehr sympathisch, was u.a. ein Grund dafür ist, dass wir nicht wie angedacht einen Hotelwechsel vornehmen. Das Zimmer ist zwar klein und dunkel, aber wir verbringen ja auch nur die Nacht darin und der Rest passt. Nachdem Heiko gestern online an einer Dienstbesprechung teilgenommen hat, steht am heutigen Vormittag für Claudia ein Zoom-Meeting mit ihrer ehemaligen Kommilitonin Anna-Lena auf dem Programm. Eine gemeinsam während des Studiums verfasste Arbeit soll als Buchartikel in einem Sammelband veröffentlicht werden und nach einigen Monaten des Wartens kam seitens des Herausgebers ausgerechnet in diesen Tagen eine Rückmeldung. Nach seiner vorgenommenen Angleichung aller Texte mit Blick auf die Sprache sowie Abstimmung mit dem Verlag schickt er eine erste Umbruchvorlage zur Korrektur und bittet um zeitnahe Rückmeldung. Anna-Lena im Wanderkurzurlaub in der Eiffel, immerhin mit Laptop, und Claudia vor dem Mini-Handybildschirm im Bett des dunklen Hotelzimmers - beste Voraussetzungen für eine Korrekturlesung und das Verfassen einer kommentierten Version als Rückmeldung gemäß exakter Anweisung des Verlages. Nach 1,5 Stunden ist das Werk mit Mut zur Lücke vollbracht und das Studentinnendasein damit hoffentlich endgültig beendet. Nachdem die Pflicht erledigt ist, können wir uns der Gestaltung des heutigen "Ruhetages" widmen und in den Touristen-Modus wechseln. Erkunden wir also den Ort: Die Kleinstadt Safranbolu im nördlichen zentralen Anatolien, die bis zum 19. Jahrhundert das Drehkreuz der legendären Seidenstraße war, liegt 10 km nördlich von Karabük, wegen ihres von Fachwerkhäusern bestimmten Stadtbildes steht sie seit 1994 in der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. So erscheint der Besuch Safranbolus wie eine Zeitreise in die Vergangenheit, denn tatsächlich wurde die mittelalterliche Stadt bei verschiedenen Bebauungsplänen schlicht vergessen und blieb so von den Auswüchsen moderner Baukunst verschont. Gut die Hälfte der historischen traditionellen Gebäude wurde im Laufe der Jahre registriert und stehen unter Denkmalschutz. Mit seinen Kopfsteinpflastern sowie seinen historischen Häusern wirkt der Ort fast wie ein Freilichtmuseum.
Safranbolu ist jedoch nicht nur für seine Geschichte, sondern für das (mutmaßlich) namensgebende goldfarbene Gewürz berühmt. An jeder Ecke kann man Safran kaufen oder Safran-Köstlichkeiten verzehren.
Eine weitere Delikatesse Safranbolus ist „Lokum“, eine auf Sirup beruhende Süßigkeit. So überrascht es nicht, dass man in den Altstadtgassen neben kleinen Fachwerkhäusern aus verschiedenen Materialien, die als Deko-Elemente, Zuckerdosen, Kühlschrankmagnete etc. zum Verkauf angeboten werden, in fast jedem zweiten Laden qietschbuntes, süß-klebriges Lokum erwerben kann. Unser Spaziergang führt uns auf einen Hügel hinauf zum alten gelben Regierungsgebäude, das in ein Stadtmuseum umgewandelt wurde. Neben dem eindrucksvollen Gebäude, welches wir nur von außen besichtigen, genießen wir hier vor allem den fantastischen Blick über die Altstadt. In selbige schlendern wir nach einer Weile zurück und lassen uns im Außenbereich eines sehr netten Restaurants zum Mittagessen nieder. Als Nachspeise gibt es standesgemäß Safran-Reispudding, zumindest für Claudia, Heiko bleibt dem geliebten Baklava treu. Und weil wir so gerne Städte von oben betrachten, marschieren wir als nächstes auf der anderen Seite des Ortes einen Hügel hinauf. Eine Parkanlage mit Café und einer Aussichtsplattform ist unser Ziel. Eine ganze Weile verbringen wir hier und erfreuen uns an der neuen Perspektive auf die Stadt. Hin und wieder spuckt ein Bus eine Ladung Menschen aus, saugt sie aber auch nach einigen Minuten für Fotos wieder ein und braust davon. Nach ausgiebiger Film- und Fotorunde von Heiko und drei gelesenen Romankapiteln von Claudia machen wir uns auf den Rückweg. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel steuern wir rechtzeitig zum Sonnenuntergang erneut das Stadtmuseum an, wo uns die Aussicht auf die Altstadt so gut gefallen hat. Es ist bereits dunkel, als wir uns anschließend durch die Altstadtgassen schlängeln und nach einem netten Lokal Ausschau halten. Wir werden schnell fündig, erfreuen uns an Döner und Mantı und schlendern schließlich satt und zufrieden zum Hotel. Hier lädt der Hotelbetreiber uns noch auf einen Tee ein, den wir uns auf der nicht nur bunt dekorierten, sondern jetzt auch bunt beleuchteten Terrasse schmecken lassen. So geht der Touri-Tag zu Ende, morgen wird wieder geradelt!Leia mais
Im sicheren Licht der Straßenlaterne
22 de setembro de 2023, Turquia ⋅ 🌙 19 °C
Das heutige Frühstück auf der Hotelterrasse verbringen wir noch entspannt, etwas Anspannung stellt sich allerdings beim Verlassen des Hotels ein. Der freundliche Gastgeber lässt sich nicht davon abbringen, uns helfen zu wollen. Das gemeinsame Heruntertragen der Taschen ist noch unproblematisch, bei den Rädern wird es schwieriger. Leider ist es uns nicht möglich, ihm verständlich zu machen, dass es bedeutend einfacher wäre, diese allein die enge Treppe herunter zu bugsieren. Und so besteht er darauf, irgendwie und irgendwo mit anzufassen und das ganze Unterfangen gibt ein recht abenteuerliches Bild ab. Irgendwie kommen aber am Ende doch Menschen und Räder heil die Treppe hinunter und wir können in eine sonnige Etappe starten. Wenn man sich fragt, was das Gegenteil von Idylle ist..., wir spüren, hören, riechen und sehen es auf den ersten 20 Kilometern des Tages. Auf grobem, ääaäh, nein, natürlich nostalgisch historischem Kopfsteinpflaster rütteln und schütteln wir uns hinauf zum Ortsausgang. Weiter geht es auf einer lauten und sehr verkehrsreichen Straße. Wir durchqueren die Stadt Karabük, wo Lärm und Verkehr noch einmal zunehmen. Nach einem Einkauf lassen wir die Stadt hinter uns und zweigen von der Hauptstraße ab. Die Hoffnung auf mehr Ruhe erfüllt sich jedoch nicht - auch diese Straße ist recht groß und viel befahren. Auch die Umgebung wird nicht gerade hübscher, wir fahren entlang eines riesigen und lauten Stahlwerks mit rauchenden Schornsteinen. Passend zu diesem ganzen Idyll machen wir unsere erste Pause an einer Tankstelle...! Nach etwa 20 Kilometern tritt endlich Besserung ein: Die Straße wird kleiner und der Verkehr weniger, da lässt es sich doch deutlich netter radeln. Mit 30 Grad ist es heute wieder deutlich wärmer als in den letzten Tagen, entsprechend suchen wir uns für die nächste Pause einen ruhigen und vor allem schattigen Platz. Nach Tee, Kaffee, Keksen und Erholung fahren wir auf inzwischen sehr verkehrsarmer Straße weiter, über ungefähr zehn Kilometer geht es leicht, aber stetig bergauf. Es ist 17 Uhr, als wir etwas abseits der Straße einen passenden Platz für die Nacht entdecken. Die kleine, ebene Fläche hinter Büschen am Waldrand könnte möglicherweise mal als Holzlagerplatz gedient haben, nun eignet sie sich perfekt für unser Zelt. Angesichts der frühen Ankunftszeit bleibt uns noch angenehm viel Zeit für Dinge wie Lesen und Drohnenspielerei. Gegen 18 Uhr köchelt das Gemüse, welches wir uns schmecken lassen und dann ist es auch an der Zeit, das Zelt aufzubauen. Als wir nach Fertigstellung des Lagers inklusive der "Inneneinrichtung" mit einem Tee und einer Rolle Nachtischkeksen auf unseren Stühlen vor dem Zelt sitzen, ist es viertel nach sieben und bereits dunkel. Plötzlich hören wir Geräusche aus dem Wald. Das ist natürlich eigentlich nichts Ungewöhnliches, sind doch immer irgendwelche Vögel, Igel oder schlicht der Wind in den Bäumen und Büschen unterwegs. Dieses Geräusch ist aber lauter und lässt ein größeres Tier vermuten. Sehen können wir nichts, aber unser Unbehagen steigert sich doch sehr, als wir ein ziemlich bedrohlich klingendes Knurren hören. Was tun? Claudia will sich instinktiv ins Zelt verziehen, Heiko scannt die Büsche nach einem Fluchtweg in Richtung Straße. Nach kurzem Überlegen machen wir für einen Moment laute Musik auf dem Handy an und tatsächlich - die Geräusche sind anschließend nicht mehr zu hören. So richtig wohl ist uns dennoch nicht zumute. Sollen wir bleiben? Oder abbauen und weiterfahren? Aber wohin in der Dunkelheit? Sollen wir nachts abwechselnd wach bleiben und Wache halten? Diese Fragen stellen wir uns noch, als erneut Geräusche zu vernehmen sind. Okay, genug ist genug, das gefällt uns nicht! Wir räumen unser Zelt wieder leer und ab, schnell sind die Räder wieder bepackt. Laut Google Maps stehen in 1,3km Entfernung einige Häuser, diese wollen wir ansteuern. Da es noch nicht allzu spät ist, hoffen wir darauf, Menschen anzutreffen, die wir um die Möglichkeit einer Übernachtung auf sicherem Terrain fragen können. Unterwegs fällt Heiko plötzlich eine eigenartige Lichterkette am Himmel auf, was erst einmal ziemlich spooky auf uns wirkt. Tatsächlich sehen wir die Star Link Satelliten von Elon Musk, über die wir später lesen: "Nach jedem neuen Start fliegen die Satelliten erstmal in einer Kette beieinander, bevor sie sich auf die für sie vorgesehenen Umlaufbahnen verteilen. Es ist ein Spektakel, die Satelliten in dieser Formation als Perlenkette am Himmel zu sehen."
Eigentlich haben wir ohnehin gerade Spektakel genug, aber dieses Schauspiel fasziniert uns doch. Die angepeilten Häuser sind schließlich schnell erreicht, Menschen suchen wir jedoch vergeblich. Wir beschließen dennoch, auch ohne eine offizielle Erlaubnis hier zu bleiben. Neben der Straße bietet sich eine kleine, wilde Wiese an, auf welcher wir im Schein einer Straßenlaterne unser Zelt aufbauen. Hier fühlen wir uns deutlich sicherer als am Waldrand und unsere Erfahrung war bislang stets so, dass die Menschen uns freundlich begegnen und offensichtlich kein Problem mit wild zeltenden Touristen haben. Wir hoffen, das ist auch heute der Fall (falls überhaupt noch jemand vorbeikommt...), ein erneuter Abbau wäre ziemlich ärgerlich. In unseren Schlafsäcken liegend waren wir noch nie so froh, vom Licht einer Laterne beschienen zu werden. Was war das bloß für ein Tier? Oder Tiere? Das würde uns so sehr interessieren..., wir werden es wohl nie erfahren!Leia mais
Back to school...
23 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 23 °C
Bitterkalt fühlt es sich an, als um 6 Uhr der Wecker klingelt. Wir schlafen bzw. dösen noch ein Stündchen weiter, bevor wir aus den warmen Schlafsäcken kriechen und in den Tag starten. Während Heiko das Zelt abbaut, macht Claudia sich mit dem unbeladenen Rad auf den Weg zurück zu dem Platz, den wir gestern aus "tierischen" Gründen verlassen haben. In der Hektik des Aufbruchs hatten wir vergessen, unsere Mülltüte mitzunehmen, die wir dort an den Ast eines Baumes gehängt hatten und nun nachträglich abgeholt werden soll. Unterwegs fallen Claudia Schilder auf, die vor Wildschweinen warnen. Hatten wir gestern Abend Besuch von Wildschweinen? Knurren Wildschweine? Unter dem Baum mit der Mülltüte sitzt am heutigen Morgen jedenfalls glücklicherweise nur ein ganz reizendes Eichhörnchen. Mit dem Müll zurück am Ausgangspunkt hat Heiko unser Lager bereits geräumt und so kann unsere Reise nun weitergehen. Die Sonne hat es noch nicht über den Berg geschafft, unsere Füße sind noch kalt und langärmelige Oberteile sind auch noch angesagt. Das erste sonnige Fleckchen und die damit einhergehende Wärme nach wenigen Kilometern nutzen wir, um bei Tee und Kaffee zu frühstücken. Mit vollen Bäuchen warten nun 17 Bergaufkilometer auf uns. Los geht es sehr moderat, bei ein bis vier Prozent Steigung radelt es sich bequem und dennoch gewinnen wir ganz nebenbei an Höhe. Auf fast autofreier Straße sind wir umgeben von toll aussehenden bewaldeten Bergen, immer mal wieder lugt der eine oder andere imposante Felsen hervor. Da die Zielhöhe bekannt ist, war eigentlich klar, dass die Steigung nicht dauerhaft so schön milde bleibt. Die zweite Hälfte bis zum Gipfel bedeutet richtig Arbeit und wir sind der Meinung, dass wir unsere Heißgetränke und die Tüte Chips auf dem 1280m-Gipfel redlich verdient haben. Die Strecke ist aber noch nicht fertig mit uns..., nach nur sehr kurzer Abfahrt sollen wir erneut steil bergauf. Die zu bewältigenden 300 Höhenmeter verlangen alles von uns ab, keuchend und schweißgebadet erreichen wir schließlich ein Plateau mit einem kleinen Gebetshaus und einem Brunnen auf einer Höhe von 1468m. Eigentlich wollen wir nur kurz unsere Wasserflaschen auffüllen, aber es kommt mal wieder anders. Eine große Familie, die wir hier oben antreffen, lädt uns zum Picknick ein. Wir werden in die Familienverhältnisse eingewiesen, können uns aber natürlich mal wieder nicht merken, wer Cousine, Bruder, Schwester, Mutter etc. von wem ist. Auf jedem Fall handelt es sich um eine sehr, sehr herzliche Familie mit der wir gemeinsam am Tisch sitzen. Es gibt Melone, Börek, Brot, Tomatensalat und über einem kleinen Feuer brutzeln Chicken Wings. Etwas abseits vom Tisch sitzt die hochbetagte Oma. Sie ist dement und kann nicht mehr sprechen, hat aber augenscheinlich Freude am Geschehen. Abwechselnd kümmern die Familienmitglieder sich um sie, stecken ihr etwas Hühnchen oder Börek in den Mund oder setzen sich einfach nur zu ihr. Angesichts guter Englischkenntnisse fällt die Konversation leicht und wir verbringen eine sehr nette (und leckere) Zeit mir der Familie. Wir erfahren u.a. auch, dass dieses Plateau bekannt dafür ist, dass viele Menschen hier heraufkommen, um den Frühling zu begrüßen. Als die Familie kurz vor unserem Aufbruch mitbekommt, dass wir mit einem Zelt unterwegs sind, rät sie uns dringend vom Campieren hier in den Bergen ab. Wildschweine und Bären soll es hier geben..., hmmm, knurren Bären? Nach wie vor wüssten wir zu gerne, wer oder was uns da am gestrigen Abend besucht und in die Flucht geschlagen hat. Wir sind uns einig, dass wir NICHT im Wald auf dem Berg nächtigen wollen und rollen stattdessen gegen viertel vor fünf weiter. Es geht bergab und die Landschaft wird offener, die Fahrt ist ein Genuss! Linker Hand erreichen wir nach einigen Kilometern einen Abzweig zu einem kleinen Dorf. In der Hoffnung auf einen schönen und vor allem sicheren Platz für die Nacht biegen wir ab in Richtung der Häuser. Plötzlich tauchen vier wunderschöne Pferde auf. Sie kommen an uns vorbei, galoppieren erst einen Hügel hinauf und entfernen sich dann über die Felder. Was für ein magischer Anblick! Ein kleines Stück weiter sehen wir zwei Frauen und einen Mann, die gerade vom Feld in unsere Richtung kommen. Wir kommen ins Gespräch und sehr schnell ist klar, dass wir uns um unsere Bleibe für die kommende Nacht keine Sorgen machen müssen. Nicht einmal das Zelt müssen wir auspacken. Der freundliche Herr holt einen Schlüssel und präsentiert uns ein kleines, leerstehendes Haus, in welchem wir übernachten dürfen. Bald darauf kommt er mit einem zweiten Mann zu uns, der nach 27 Arbeitsjahren in Landsberg am Lech gut deutsch spricht. Von ihm erfahren wir, dass in diesem Dorf namens Çömlekçiler lediglich zwei Familien leben und "unser" Haus zur ehemaligen Schule gehörte. Die beiden Männer bemühen sich sehr engagiert um Elektrizität und Wasser in unserer Herberge, obwohl wir mehrfach betonen, dass dies nicht nötig ist. Am Ende können sie verkünden, dass der Strom fließt, das Wasser jedoch nicht. Im letzten Winter ist wohl die Leitung zugefroren und hat Schaden genommen. Wir beteuern, dass wir genug Wasser haben, dennoch eilt Heiko kurz darauf einer Frau entgegen, die uns gerade drei 5-Liter-Kanister entgegenschleppt. Bei ihrem nächsten Besuch bringt sie uns einen Teller Börek, frisch zubereitet und noch warm. Ein jüngerer Mann, den wir zuvor bereits mit seiner Kuhherde gesehen haben, schaut auch noch vorbei und erkundigt sich, ob wir etwas brauchen. Wahnsinn! Immer wieder aufs Neue sind wir begeistert von der aufrichtigen Herzlichkeit der einheimischen Menschen. Im herrlichen Abendlicht lässt Heiko die Drohne über dem Dorf kreisen und wir futtern Börek sowie unsere bereits vorher gekochten Nudeln. Als es dunkel wird, verlagern wir die Campingstühle ins Haus, wo wir heute doch den Luxus des elektrischen Lichts nutzen können. Ein kleines Missgeschick soll nicht unerwähnt bleiben: Claudia zieht die Haustür von innen zu, um erst danach festzustellen, dass es keine Klinke, sondern nur einen unbeweglichen Türknauf gibt. Und der Schlüssel? Der steckt natürlich draußen...! Wir sind tatsächlich eingesperrt. Die Fenster lassen sich zwar von innen öffnen, rausklettern kann man aber trotzdem nicht. Die davor angebrachten Fensterläden sind leider verschraubt. Heiko ist bereits dabei, das Werkzeug aus den Packtaschen zu wühlen, da entdeckt Claudia, dass die Fensterläden vor dem Küchenfenster durch zwei einfache Riegel zu öffnen sind. An einem alten Vogelnest vorbei klettert Heiko ins Freie und kommt mit dem Schlüssel wieder ins Haus. In einem bis auf eine Couch leeren Raum breiten wir die Zeltunterlage aus und bauen darauf unser Lager aus Isomatten und Schlafsäcken. Eine Weile wird noch gelesen und im Internet gesurft, dann gehen im alten Schulhaus die Lichter aus.Leia mais
Frag doch mal die Maus...
24 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 25 °C
Wir sind bereits vor dem Wecker und vor der Sonne wach, was Heiko zum Aufstehen motiviert. Claudia ist zunächst mäßig begeistert, lässt sich dann aber doch von einem Sonnenaufgangsfrühstück vor dem Haus überzeugen. In der folgenden Zeit bekommen wir nach und nach Besuch von einzelnen, uns bereits bekannten Dorfbewohnern. Eine Frau wünscht und einen guten Morgen und überreicht uns gekochte Kartoffeln und selbst gebackenes Brot. Der deutsch sprechende Herr erkundigt sich, wie wir die Nacht verbracht haben und fragt nach unserer weiteren Route. Der junge Hirte bietet uns Kaffee bzw. Frühstück an, was wir aber angesichts unserer just verspeisten Morgenmahlzeit dankend ablehnen. Irgendwann spricht die nächste Frau eine Einladung zum Kaffee aus und nun können wir nicht mehr nein sagen. Also spazieren wir mit ihr zum Haus der Familie. Uns wird gezeigt, wo und wie das Brot und die Nudeln hergestellt werden und auch die Inneneinrichtung des Hauses (z.B. ein liebevoll gestaltetes Hängeschränkchen) wird stolz präsentiert. Und währenddessen erfolgt immer wieder die Aufforderung: "Fotoğraf çek, fotoğraf çek!" Nachdem wir alles interessiert angesehen und wunschgemäß fotografiert haben, sitzen wir alle unter einer großen Überdachung zusammen und trinken türkischen Kaffee. Während wir gestern von dem deutsch sprechenden Herrn erfahren haben, dass er nur die Sommermonate in diesem Dorf verbringt und ansonsten in der Stadt Karabük wohnt, leben unsere heutigen Gastgeber ganzjährig mit ihren Tieren hier. Vier Monate Schnee, von denen sie uns erzählen, lassen harte Winter vermuten. Dem jungen Hirten gehören auch die schönen Pferde, die wir gestern bewundert haben, als sie im Abendlicht über den Hügel galoppiert sind. Bevor wir uns verabschieden, sollen wir einer Frau noch in den Garten folgen. Aus einem kleinen Gewächshaus pflückt sie uns Gurken, Tomaten und Pepperoni, die wir mitnehmen sollen. Diese Idee hatte auch einer der Herren, der uns mit einer Tüte voll frisch geerntetem Gemüse entgegenkommt. Das Abendessen ist gesichert! Froh und dankbar, diese sehr herzlichen und besonderen Familien kennengelernt zu haben, verlassen wir um elf Uhr das kleine Dorf Çömlekçiler. Begeistert radeln wir durch die offene, inzwischen fast wieder steppenartige Landschaft. Es dominieren wieder sandige Erdtöne, vereinzelte winzige Dörfer wirken wie grüne Oasen in der ansonsten trocken anmutenden Weite. Knapp zehn Kilometer sind wir gefahren, da legen wir bereits die erste Pause ein. Am Rande eines Feldes sitzend lassen wir uns die Geschenke unserer Gastgeberfamilien der letzten Nacht schmecken: Es gibt das selbstgebackene Brot, das wir mit gesalzenen Pellkartoffeln und dem Gemüse, welches vor zwei Stunden noch im Gewächshaus hing, füllen. Köstlich! Und während wir da so sitzen, hören wir immer mal wieder ein Rascheln hinter und neben uns. Nicht lange dauert es, da bekommen wir die Ursache für das Rascheln zu Gesicht: Eine kleine Maus guckt uns zwischen den trockenen Grashalmen mit ihren Knopfaugen an. Sie wird mit der Zeit immer mutiger und zeigt sich interessiert an unseren Resten von Gurke, Tomate und Apfel. Es ist herrlich, dieses niedliche Tier zu beobachten. Und was sollen wir sagen, plötzlich sind mehr als zwei Stunden vergangen und wir sitzen immer noch hier. Das angedachte heutige Pensum werden wir voraussichtlich nicht mehr schaffen, aber für ein paar Kilometer schwingen wir uns nochmal in den Radsattel. Abwärts dürfen wir durch ein sehr schönes Tal rollen, parallel zu unserem Weg plätschert ein Fluss. Irgendwann überholt uns ein Auto, wendet wenig später und hält kurz vor uns an. Der Fahrer springt aus dem Auto, öffnet den Kofferraum und erwartet uns mit einer Tüte Äpfel und Birnen. Zusätzlich öffnet er zwei kalte Flaschen Selters und überreicht sie uns. Mit einem freundlichen "Hoş geldiniz" heißt er uns zudem in seiner Heimat willkommen, dann steigt er wieder ins Auto und fährt weiter. Mal wieder, wie schon so oft, fasziniert von der Freundlichkeit der Menschen, verstauen wir das Obst in den Packtaschen und stoßen mit den kleinen Wasserflaschen an. Prost!
Im weiteren Streckenverlauf überqueren wir den Fluss und landen bald darauf an einer Hauptstraße, die wir uns mit deutlich zu vielen Autos und lärmenden LKW teilen. An einer Tankstelle füllen wir unsere Wasservorräte auf und angesichts der fortgeschrittenen Stunde soll dann auch die erste Gelegenheit zum Verlassen der Hauptstraße genutzt werden, um etwas abseits einen Lagerplatz zu finden. Schnell ist ein Abzweig und kurz darauf auch eine geeignete Zeltwiese gefunden. Und wenn man sich die Geräuschkulisse der großen Straße wegdenkt, könnte man fast von einem idyllischen Plätzchen sprechen. Ein leckeres Nudelessen verspeisen wir noch und sitzen anschließend mit Tee und Keksen vor dem Zelt, bis es dunkel ist. Wahnsinnige 30 Kilometer sind wir heute gefahren, überwiegend bergab. Warum so wenig? Tja, frag doch mal die Maus...Leia mais
Der Stoppelkreis schließt sich
25 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 26 °C
Kalt ist es heute am Morgen. Heiko beklagt, dass seine Füße die ganze Nacht nicht warm geworden sind. Entsprechend wagen wir uns auch erst um acht Uhr aus den Schlafsäcken und freuen uns sehr über die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Diese dürfen auch gerne noch eine Weile das heute etwas feuchte Zelt trocknen, denn wir brauchen inklusive Frühstück unsere üblichen zwei Stunden bis zur Abfahrt. Unter anderem erledigt Heiko heute noch seine wöchentliche, von Claudia gestellte "Hausaufgabe": Die Kalenderblätter des Türkisch-Sprachkalenders sind mit auf der Reise und werden jeden Sonntag (heute ausnahmsweise montags...) bearbeitet (und benotet). Auf dem Fahrrad sitzend folgen wir schließlich zunächst noch für einige Kilometer der Hauptstraße, bis wir in die quirlige Stadt Çerkeş abzweigen. Hier erledigen wir einen Einkauf und werden nebenbei auf eine kühle Zitronenlimo eingeladen. Auf die Hauptstraße kehren wir glücklicherweise nicht zurück, sondern verlassen den Ort auf einer kleinen Nebenstraße. Wir genießen die offene Landschaft, die scheinbar unendliche Weite. Die Fahrt führt an einem Fluss und einer Bahnlinie entlang, Olivenbäume säumen den Weg und vermehrt weisen Schilder darauf hin, dass wir uns merklich unserem Endziel Ankara nähern. Auf einen weiteren kurzen Abstecher auf die Hauptstraße folgt ein recht nerviger Streckenabschnitt. Die Straße ist zwar kleiner, ist aber streckenweise Baustelle und der Untergrund besteht aus sehr grobem und teilweise klebrigem Asphalt sowie an vielen Stellen aus losem Kies. Erstens fährt es sich schlecht, zweitens kleben die Schuhsohlen fast an den Pedalen fest und drittens muss man stets mit einen fiesen Steinregen rechnen, wenn einer der vielen LKW an einem vorbeidonnert. Und natürlich geht es bergauf, das soll nicht unerwähnt bleiben. Als die milde Steigung sich aber anschickt, steiler zu werden, meint es glücklicherweise der Asphalt wieder gut mit uns. Die Baustelle liegt hinter uns und wir haben guten Boden unter den Reifen. Auf 1478m haben wir den Gipfel erreicht und eine Pause verdient, wie wir finden. Kaffee und Kuchen gönnen wir uns, bevor wir im Anschluss noch ganze sechs Kilometer weiterfahren. Ehrlicherweise kann von Fahren kaum die Rede sein, vielmehr rollen wir die meiste Zeit bergab. Und dann schließt sich ein Kreis: Unsere Reise hat mit diversen Übernachtungen auf Stoppelfeldern begonnen und jetzt, wo Ankara und damit das Ende dieses langen Urlaubes bereits ganz nah ist, bietet sich wieder ein Stoppelfeld als Zeltplatz an. Hinter einer Kuppe entsteht unser Lager, kaum einsehbar von der Straße und mit herrlichem Blick auf die weite Landschaft, die sanften Berge am Horizont und die Stadt Orta, in der mit Einbruch der Dunkelheit die Lichter angehen. Ja, da schließt er sich, der Stoppelkreis...Leia mais
Jobwechsel?
26 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ⛅ 23 °C
Nach der üblichen Morgenroutine verlassen wir gegen halb zehn "unser" Stoppelfeld. Nur wenige Bergabkilometer sind es bis in den Ort Orta (er heißt wirklich so...), wo wir an einer Tankstelle für ausreichend Wasser und Kekse an Bord sorgen. Nebenbei werden wir noch zu einem Tee eingeladen. Durch eine steppenartige Landschaft führt unser Weg nach Verlassen des Dorfes, in dieser Kulisse könnte auch ein Western gedreht werden. Dank des recht ruppigen Streckenzustandes fühlt es sogar sich fast so an, als würden wir mit unseren Drahteseln durch die Prärie reiten. Ein Auto, das neben uns anhält, holt uns in die Realität zurück. Der Fahrer wohnt drei Dörfer weiter und möchte uns gerne einladen. Heiko vermittelt ihm ein dankendes "vielleicht" und nach Austausch unserer Telefonnummern "reiten" wir zunächst weiter unseres Weges. Tatsächlich sollen wir dann bereits im ersten Dorf hängen bleiben. Eine Frau auf einem Traktor überholt uns und winkt freundlich. Einige Augenblicke später legt sie den Rückwärtsgang ein
und kommt neben uns zum Stehen. Sie möchte uns zum Tee zu sich nach Hause einladen. Und so folgen wir ihrem kleinen Traktor bis auf den Hof. Mal wieder bleibt es nicht bei Tee, sondern die Bäuerin tischt eine ganze Mahlzeit auf. Warmes Brot serviert sie uns, dazu gibt es Oliven, frisch geerntete Tomaten sowie Butter und Käse aus eigener Herstellung. Die Frau berichtet uns, dass sie Witwe ist und ihre Kinder in verschiedenen Städten wohnen. Sie selbst sei nie bis über das wenige Kilometer entferne Orta hinausgekommen. Haus und Hof bewirtschaftet sie allein, was nicht immer einfach sei. Wir haben den Eindruck, dass sie sich über etwas Gesellschaft und Menschen zum Reden (auch wenn diese längst nicht alles verstehen...) freut. Und wir freuen und unsererseits über die Gastfreundschaft und die Köstlichkeiten auf dem Tisch. Nach dem Essen werden wir noch in den kleinen Stall am Haus geführt. Die neun Kühe der Bäuerin sind mit einem Hirten unterwegs, aber sie zeigt uns stolz ihre fünf Kälber, die aktuell etwa vier bis fünf Monate alt sind. Als wir wieder auf dem Hof stehen und uns eigentlich verabschieden wollen, hat unsere Gastgeberin noch eine spezielle Aufgabe für Heiko. Nicht sein Fahrrad soll er besteigen, sondern ihren Traktor. Nach kurzer Einweisung in alle Hebel und Knöpfe knattert Heiko über den Hof, auch das von der Bäuerin geforderte Einparkmanöver (rückwärts) meistert er bravourös. Sie wartet bereits mit ihrer Schaufel an einem Haufen von Irgendwas, um das Gefährt zu beladen. Die Kooperation klappt, Heiko hat sichtlich Spaß, genug Arbeit ist da..., alle Voraussetzungen für einen Jobwechsel mit Verbleib in der Türkei scheinen erfüllt. Aber bleiben wir in der harten Realität..., wir sollen wohl weiterfahren. Aber gerade, als wir genau das in die Tat umsetzen wollen, erscheint auf einem höher gelegenen Grundstück die Nachbarin unserer Gastgeberin. Lauthals wird ihr zugerufen, dass wir deutsche Radreisende sind. Nun möchte die Nachbarin uns auch einladen und winkt bereits mit dem Teeglas. Was bleibt uns also anderes übrig, als uns von der ersten Gastgeberin zu verabschieden und einige Meter weiter bei der nächsten einzukehren...! Uns werden Plätze auf der Terrasse zugewiesen, von wo aus wir der Bäuerin zuwinken können, die kurz darauf wieder mit ihrem Traktor vom Hof tuckert. Wir genießen indes das fünfte und sechste Glas "Einladungs-Tee" des heutigen Tages und auch "Yemek, yemek" (essen, essen) heißt es erneut. Ein weiteres warmes Brot mit Butter (die selbstgemachte von der Nachbarin...) wartet darauf, von uns verzehrt zu werden, dazu gibt es Käse und Pepperoni aus dem Garten. Mit reichlich vollen Bäuchen gelingt uns irgendwann der Abschied und wir radeln wieder gen Süden. Als wir den dritten Ort erreichen, sind wir fast ein bisschen froh, dass wir den zweifelsohne netten Herrn, der uns hier einladen wollte, nicht antreffen. Auf eine aktive Kontaktaufnahme verzichten wir, das Fassungsvermögen unserer Mägen hat schlicht und einfach Grenzen. Im weiteren Streckenverlauf erklimmen wir unseren letzten Gipfel in 1700m Höhe. Unsere Idealvorstellung sah so aus, dass wir hier oben einen schönen Platz zum Zelten mit Fernsicht und Sonnenuntergang finden. Leider erfüllt sich dieser Wunsch nicht und so bleibt es bei einer Gipfel-Pause. Rasch verlieren wir auf der Weiterfahrt wieder an Höhe, stets rechts und links nach einem guten Lagerplatz Ausschau haltend. Ganz einfach ist es aber heute nicht. Entweder sind die passenden Wiesen eingezäunt oder der Untergrund ist zu "pieksig" für das Zelt oder uns ist die Gegend nicht ganz geheuer oder, oder, oder...! Wir sind bereits ein beträchtliches Stück abwärts gerollt, als wir einen Platz entdecken, der mit Abstrichen einigermaßen okay ist. Während wir noch an der Straße stehen und überlegen, hält ein Auto neben uns. Der Fahrer spricht deutsch, da er in Bielefeld gearbeitet hat, und wohnt im nächsten größeren Ort namens Çubuk. Er gibt uns seine Kontaktdaten und würde sich freuen, wenn wir uns morgen auf unserer Durchreise bei ihm melden würden, um gemeinsam Tee zu trinken. Auf Nachfrage erklärt er uns noch, dass das Zelten an der von uns ausgesuchten Stelle kein Problem sei, dann fährt er weiter. Wir bugsieren unsere Fahrräder von der Straße hinunter auf die "wilde Wiese" und machen es uns auf unseren Campingstühlen bequem. Heiko kocht Kartoffeln zum Abendessen, bei Einbruch der Dämmerung stellen wir das Zelt auf. Etwas verunsichert werden wir, als später ein Auto auf unserer Höhe hält, der Fahrer aussteigt und telefoniert. Er hält ein zweites Auto an, die Fahrer unterhalten sich und wir fragen uns, ob das Ganze möglicherweise uns und unserer "Wildzelterei" gilt. Tatsächlich stellt sich aber heraus, dass der Grund für das Anhalten genau an dieser Stelle eine Autopanne ist. Die Fahrer haben folglich ganz andere Sorgen als zeltende Touristen. Ganz im Gegenteil: Als sie uns wahrnehmen, winken sie uns freundlich zu und stellen ein paar interessierte Fragen, das war's auch schon. Das defekte Fahrzeug, welches noch eine ganze Weile mit eingeschaltetem Warnblinker am Straßenrand steht, wird irgendwann abgeschleppt und wir treten ein letztes Mal die Nachtruhe in unserem kleinen Zelt an. İyi geceler!Leia mais
Fahrrad-Feierabend
27 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 27 °C
Einen letzten Sonnenaufgang dürfen wir nach Öffnen des Zeltreißverschlusses genießen, bevor wir frühstücksgestärkt in unsere letzte Radel-Etappe starten. Überwiegend bergab führt unser Weg heute, auf dem wir noch einmal die Eindrücke der uns umgebenden Landschaft aufsaugen und genießen. Mit Überqueren der letzten kleinen Kuppe schwingt dann doch etwas Wehmut mit, als sich der Blick in die Ebene öffnet und am Horizont bereits die Silhouette von Ankara zu erahnen ist. Aber wie sagen wir immer so schön: Es ist ja kein Abschied für immer, wir kommen ja wieder! Wir erreichen die Stadt Çubuk, die größer ist als von uns angenommen. Auf eine Kontaktaufnahme zu dem hier wohnenden "Einheimischen aus Bielefeld", den wir gestern getroffen haben, verzichten wir. Zu groß könnte der Umweg werden, den wir durch die wuselige Stadt fahren müssten. Wir steuern stattdessen eine Konditorei an und kaufen leckeren Kuchen, den wir uns im Rahmen einer letzten Radel-Pause gönnen wollen. Am Ortsausgang von Çubuk lassen wir uns dafür neben einem Kinderspielplatz in einem offenen Picknickhäuschen nieder und halten ein kalorienreiches Kaffeekränzchen. Dabei kommt uns eine Idee: Eigentlich wollten wir von unserem Quartier im flughafennahen Esenboğa aus heute oder morgen mit dem Bus nach Ankara fahren und ein Fahrradgeschäft aufsuchen, um Kartons für den Rücktransport im Flieger nach Deutschland zu organisieren. Da wir aber gerade feststellen durften, dass Çubuk gar nicht so klein ist, googlen wir spontan nach Fahrradgeschäften. Zum einen wäre der Transportweg zum Hotel kürzer und zum anderen würde man den Laden sicher schneller finden als in der Millionenstadt Ankara. Wir werden im Internet fündig und radeln noch einmal fünf Kilometer zurück. Das Geschäft ist schnell gefunden und unser Anliegen erklärt. Der Ladenbesitzer schickt seinen jungen Mitarbeiter mit dem Moped ins Lager, um Kartons zu holen, wir dürfen in der Zwischenzeit im Laden Platz nehmen und bei Weintrauben und Kaffee interessierte Fragen beantworten. Die Kartons finden nach minimaler Umpackerei schließlich Platz auf Heikos Gepäckträger. Auf der weiteren Fahrt hört er das eine oder andere "Aaaachtung" oder "Vorsicht" von Claudia, da er dank seiner Überbreite hin und wieder Gefahr läuft, Autospiegel oder Mülltonnen zu rammen. Ohne Schäden zu verursachen oder zu erleiden, erreichen wir schließlich das vorab gebuchte Hotel in Esenboğa. Hier dürfen unsere Räder nach exakt 2000 absolvierten Kilometern über Asphalt, Schotter, Sand und Lehm sowie fast 25000 erklommenen Höhenmetern Feierabend machen. Geradelt wird in diesem Urlaub nun nicht mehr. Wir checken ein, duschen und gehen im Ort auf Nahrungssuche. Esenboğa ist, im Gegensatz zu Çubuk, kleiner als erwartet, die wenigen Straßen sind schnell erkundet. Als ersten Snack gibt es eine Melone mit Joghurt auf dem Balkon unseres Zimmers. Als wir am Abend noch ein Restaurant aufsuchen wollen, werden wir leider enttäuscht. Eines von vier Lokalen hat bereits geschlossen, die anderen sprechen uns nicht besonders an. So müssen Kekse aus dem Supermarkt den Hungertod verhindern...Leia mais
Erst die Arbeit...
28 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ⛅ 25 °C
Sehr früh am Morgen sind wir wach, das Frühstück im Hotel ist jedoch erst für neun Uhr anberaumt. Also starten wir mit noch leerem Magen in das Pflichtprogramm des heutigen Tages. Bevor wir Ankara unsicher machen, müssen nämlich die Fahrräder für den Heimflug verpackt werden. Während Heiko mit dem Vorbereiten und Auseinanderbauen der Räder beginnt, stiefelt Claudia als "Sachensucherin" um sieben Uhr durch den Ort. Die gestern in Çubuk besorgten Kartons sind leider etwas zu klein, um die Räder komplett hineinstellen zu können. Es wird folglich auf ein "Flickwerk" hinauslaufen. Zusätzliche Pappe ist erforderlich, die Claudia dann auch vom ersten Streifzug mitbringt. Als wir schließlich um viertel nach neun unser Frühstück erhalten, sind wir etwas überrascht. Es klingelt an der Zimmertür und die Hotelmanagerin überreicht und eine Plastiktüte mit zwei Styroporboxen, dazu noch eine Tüte mit Brot und zwei Sesamkringeln. In den Boxen finden wir ein Ei, etwas Gurke und Tomate, abgepackte Marmeladen- und Honigportionspackungen und einen Teebeutel. Wir beschließen später, das Frühstück für die kommenden Tage abzubestellen. Das bekommen wir auch alleine hin - ohne Styropor. Nach dem Frühstück vor dem Haus geht es mit der lästigen Pflicht weiter. Heiko startet mit dem Verpacken der Fahrräder, Claudia dreht die nächsten Runden und kehrt einmal mit Klebeband und Polstermaterial sowie ein anderes Mal mit etwas Nervennahrung zurück. Es ist halb vier am Nachmittag als die Räder zu Heikos Zufriedenheit verpackt und verklebt sind. Den Rest des Tages ist nicht mehr viel los. Wir raffen uns am frühen Abend noch zu einem kleinen Spaziergang durch das trostlose Esenboğa auf und kaufen auf dem Rückweg etwas für unser Abendessen ein. Zurück im Zimmer bereitet Heiko in unserer kleinen Küchenzeile Nudeln mit (immerhin selbst hergestellter) Tomatensauce zu, eine Fertignachspeise aus dem Kühlregal rundet das Festmahl ab. Nun hängen wir hier rum, hören vor dem Fenster die Flugzeuge starten und landen und freuen uns auf morgen, denn: Erst die Arbeit..., dann das Vergnügen!Leia mais
Aufstieg für den Weitblick
29 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 23 °C
Zeitig sind wir auf den Beinen und frühstücken in in unserem Hotelzimmer. Mit leichtem Gepäck stiefeln wir anschließend zur nahegelegenen Bushaltestelle. Eine knappe Dreiviertelstunde stehen wir einigermaßen dicht gedrängt im Bus und rollen auf Ankara zu. Heute und morgen wollen wir uns die Stadt ansehen. Weil es deutlich angenehmer und praktikabler ist, planen wir etwas, was wir so vorher noch nie getan haben: Um die Zeit in der Stadt bestmöglich ausnutzen zu können, werden wir zusätzlich zu unserem Hotelzimmer in Esenboğa, welches wir bis Sonntag gebucht haben, eine weitere Unterkunft in der Stadt mieten. Im Zentrum angekommen begeben wir uns also zunächst auf Hotelsuche. Wir beziehen schließlich ein schickes Zimmer im 5. Stock mit überdimsionierter Terrasse und tollem Blick auf das Atatürk Mausoleum. Nach kurzer Verschnaufpause mit ersten Überlegungen zur Tagesplanung stürzen wir uns ins Getümmel. Ankara ist seit 1923 die Hauptstadt der Türkei und mit 5,7 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Eingebettet in schroffe Bergkuppen, was uns bei der Einfahrt mit dem Bus eher überrascht, hat sich Ankara als kulturelles und politisches Zentrum der Türkei zu einer modernen Großstadt entwickelt.
Das Stadtbild präsentiert sich traditionell und modern zugleich. Imposante Hochhausbauten wechseln sich ab mit ziegelgedeckten kleinen Häusern in den Altstadtbezirken, historischen Moscheen und den üblichen Märkten. Hoch oben auf dem Burgberg weht die türkische Flagge im Wind. Und weil wir große Freunde der Vogelperspektive sind, zieht es uns zuallererst an ebendiesen Ort in luftiger Höhe. Der Weg wäre auch als Spaziergang problemlos machbar, angesichts der eher unattraktiven Strecke lassen wir uns aber dekadent von einem Taxi auf den Hügel chauffieren. Die imposante Burg oder auch Zitadelle von Ankara ist eine historische Festung, deren Geschichte bis in die Römerzeit zurückreicht. Das genaue Datum des Baus ist unbekannt, dennoch gilt die Zitadelle als der älteste Teil von Ankara, was wir sehr gut nachvollziehen können, während wir von den Befestigungsmauern den Blick über die Stadt schweifen lassen. Der Ausblick ist nicht nur herrlich, er zeigt auch sehr gut die Entwicklung der städtischen Expansion auf. Historisch diente die Zitadelle dank ihrer strategischen Lage sowohl der Verteidigung als auch der Besiedlung. Sie erfuhr eine Teilung in die Innen- und Außenstadt. Die Mauern der Innenstadt sind noch fast vollständig erhalten, wovon wir uns bei einem Spaziergang durch das Burgareal überzeugen können. Eines der frühesten Wohngebiete liegt hier im Inneren der Mauern und ist bis heute bewohnt. Viele traditionelle Restaurants, Antiquitätenhändler, Teppich-Verkäufer und verschiedene Stiftungen sollen an diesem Ort dazu beitragen, die türkischen Traditionen am Leben zu halten. Wir lassen uns durch die belebten Gassen treiben und kehren für Tee und Kuchen im recht kultig wirkenden Grammophon-Café ein.
Nachdem uns der Blick über die Stadt so gut gefallen hat, würden wir an diesem Ort gerne auch den Sonnenuntergang bestaunen. Die Zeit bis dahin wollen wir nutzen, um im Rahmen eines Spaziergangs durch die Stadt unser Hotel aufzusuchen, damit Heiko seine im Zimmer vergessene Kamera holen kann. Wir bewegen uns also hügelabwärts und erreichen bald mit Haci Bayram eine weitere Sehenswürdigkeit von Ankara. Haci Bayram ist der Name eines Stadtviertels und einer 600 Jahre alten Moschee im Zentrum von Ankara. Die Moschee ist eines der ältesten Bauwerke aus der frühen osmanischen Zeit in Ankara. Direkt neben der Moschee stehen die Ruinen eines 25 v. Chr. erbauten römischen Augustustempels, der später zu einer byzantinischen Kirche umgewandelt wurde. Mit nur zwei Mauern und einer noch intakten Tür liegt der Ort größtenteils in Trümmern, wird aber wohl für seine Inschriften aus der Römerzeit geschätzt, die die Taten des römischen Kaisers Augustus darstellen. Für eine gebührende Wertschätzung sind wir dann allerdings doch zu sehr Banausen...! Wir verschnaufen auf einer Bank im Schatten und verwerfen die Idee, bis zum Hotel zu laufen und die Kamera zu holen. Die Aktion würde womöglich in Stess ausarten und selbigen gilt es ja bekanntlich zu vermeiden. Wir begeben uns stattdessen auf direktem Weg zurück auf den Burgberg und werden bei der Ankunft mit Musik empfangen. Eine Weile schauen wir dem uniformierten Ensemble zu und lauschen den dargebotenen Liedern. Das Wort Mehterhan ist auf der Verkleidung der Trommeln zu lesen und wir recherchieren dazu später: "Mehterhâne ist der seit dem 17. Jahrhundert gängige osmanische Name für Musikkapellen, die nach 1453 einheitliche Besetzungen erhielten und hauptsächlich als Militärmusikkapellen und Repräsentationsensembles des Sultans und weiterer osmanischer Würdenträger sowie innerhalb von Zünften für die Öffentlichkeit tätig waren. Dabei gründeten sie auf Traditionen, die im frühtürkischen und im osmanischen sowie insgesamt im islamischen Kulturbereich bereits bestanden. Im Gefolge der Heeresreform unter Sultan Mahmud II. wurden die herrschaftlichen Mehterhâne 1826 offiziell abgeschafft und ihrer Funktionen beraubt. Erst 1914 wurden die mehterhâne und ihre Musik im Osmanischen Reich aus historischem Interesse wiederbelebt. Heute werden Mehterhâne in der Türkei an wichtigen historischen Jahrestagen, bei Umzügen sowie bei folkloristischen Veranstaltungen eingesetzt."
Mit dem Eindruck einiger dargebotener Lieder geben wir uns zufrieden und ziehen weiter. Erneut steigen wir hinauf zur Festungsmauer und freuen uns über die Aussicht. Und so stehen wir hier und lassen unseren Blick über die Stadt schweifen, während die untergehende Sonne den Horizont in rotes Licht taucht, bevor die Dunkelheit einbricht und in der Stadt nach und nach die Lichter angehen. Der anschließende Abstieg ist etwa zur Hälfte gemeistert, als wir ein gelbes Taxi anhalten und uns zum Hotel bringen lassen. Bevor wir aber im Zimmer den Feierabend einläuten, kehren wir erst auf einen Iskender-Kebab in einem Restaurant ein und vernichten danach im Café gegenüber etwas zu viel Baklava. Satt und zufrieden führt uns der letzte Aufstieg des Tages (ehrlich gesagt handelt es sich eher um eine Fahrstuhlauffahrt...) in unser "Loft" im fünften Stock, wo wir einen letzten Blick auf das beleuchtete Atatürk Mausoleum werfen und dann dem Ruf der Matratze folgen.Leia mais
Das "Muss" des Ankara-Besuchs
30 de setembro de 2023, Turquia ⋅ ☀️ 21 °C
Zeitig begeben wir uns am Morgen an das Frühstücksbuffet des Hotels, um direkt im Anschluss auszuchecken und unser heutiges Sightseeing-Programm zu starten. Auf keinen Fall wollen wir es bei unserem Besuch in Ankara versäumen, die Grabstätte vom Gründer der Republik zu besuchen. Das Anıtkabir, welches wir bereits von unserem Hotelzimmer im fünften Stock bestaunen konnten, zählt zu den wichtigsten Bauwerken der Türkei. Auf einem Hügel wurde das Mausoleum für Mustafa Kemal Atatürk, den im Jahr 1938 verstorbenen Staatsgründer der Republik Türkei, zwischen 1944 und 1953 gebaut. Es gilt heute als Heiligtum und wichtiger Pilgerort der Republik. Schnell ist die gut bewachte Anlage erreicht, wo wir unsere Rucksäcke abgeben müssen, bevor wir kostenfreien Zugang erhalten. Das riesige, mitten in der Stadt liegende Areal besteht aus dem Mausoleum Atatürks, dem Festplatz und der von Löwenskulpturen gesäumten Ehrenstraße. An Staatsfeiertagen und zu wichtigen Anlässen erweist hier die Staatsspitze der Türkei dem Staatsgründer die Ehre, aber auch viele Türken und ausländische Staatsgäste besuchen das Anıtkabir. Angesichts der frühen Tageszeit ist die Zahl der Besucher noch überschaubar, als wir diesen Ort einerseits im Freien erkunden und andererseits den symbolischen, 40 Tonnen schweren Marmorsarkophag des Staatsgründers im Inneren des Mausoleums in Augenschein nehmen. Wir lassen sowohl die Architektur des imposanten Bauwerks als auch die besondere Atmosphäre auf uns wirken und gelangen einstimmig zu der Überzeugung, dass die Besichtigung dieses Ortes im Rahmen eines Aufenthaltes in der Hauptstadt tatsächlich ein absolutes "Muss" ist. Sehr eindrucksvoll und nachhaltig spüren wir, welche Bedeutung Atatürk für die moderne Türkei hat. Während wir hautnah der Wachablösung beiwohnen, wird uns bei einem Blick in die Menge die Ehrfurcht gewahr, welche dem Staatsgründer bis heute entgegengebracht wird. Es ist förmlich spürbar, wie wichtig dieser Mann auch heute noch von den Türken genommen wird, welche Achtung und welchen Respekt man vor ihm und seiner Leistung für das Land hat. Schließlich besuchen wir noch das Museum, das in den umliegenden Gebäuden untergebracht ist. Ausstellungen mit Gegenständen aus dem Leben und Wirken Atatürks sowie eine Galerie mit Schlachtengemälden sind hier zu besichtigen. Gesättigt mit vielen spannenden Eindrücken verlassen wir gegen Mittag, als der Besucheransturm deutlich zugenommen hat, das Anıtkabir und steuern einen Kiosk auf der gegenüberliegenden Straßenseite an, der sich am Rande einer Sportanlage befindet. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Fußballplatz, auf welchem gerade ein Spiel ausgetragen wird, lassen wir uns Tee und Kuchen schmecken. Unser nächstes Ziel ist dann die größte Moschee Ankaras, die Kocatepe Moschee (Kocatepe Camii) südlich der Altstadt. An dem im Jahr 1987 fertiggestellten Komplex angekommen sind wir zunächst etwas irritiert, denn hier treffen tatsächlich Tradition und Moderne auf engstem Raum aufeinander: Im Gegensatz zu den klassischen Moscheen in der Türkei wurde im Untergeschoss der Kocatepe Camii ein riesiges modernes Einkaufszentrum mit großem Parkhaus errichtet, um mit den Mieteinnahmen die Moschee zu finanzieren. Im Inneren der Moschee strahlt das Licht durch große Fenster aus buntem Glas direkt auf eine große goldene Kugellampe an der Decke, der Boden ist vollständig mit Teppich ausgelegt. Eine Weile saugen wir die Stimmung auf, bevor wir unser Touristenprogramm fortsetzen. Um keine Reizüberflutung zu erleiden, darf es nun gerne etwas Ruhe und Idylle sein. Wir spazieren in Richtung des Dikmen Vadisi Park, bei welchem es sich laut unserer Recherche um den wohl schönsten Park in ganz Ankara handeln soll. Es heißt: „Wer sich ein wenig vom Stress und Lärm der Stadt erholen möchte, ist hier genau richtig. Die wunderschöne grüne Oase liegt in einer Art kleinem Tal und lässt einen wieder aufatmen und entspannen. Sie zeichnet sich aus durch vielfältige Vegetation, Wasserstellen und sogar Weinbergen.“ Unsere Hoffnung, in einem Café in idyllischer Lage die Seele baumeln lassen zu können, wird dann aber jäh zerstört. Falls es die beschriebenen Glanzzeiten einmal gegeben haben soll, gehören sie definitiv der Vergangenheit an. Wir finden einen eher sehr deprimierenden und arg vernachlässigten Ort vor, der wie eine Schlucht im Beton-Dschungel anmutet. Die künstlich angelegte „Wasserlandschaft“ liegt brach, Cafés suchen wir vergeblich und wir nehmen die sogenannte Oase eher als unheimlich wahr. Inmitten riesiger Hochhäuser finden wir kaum einen Ausweg aus dieser verwahrlosten Schlucht. Entsprechend erleichtert sind wir, als wir nach einigen Kilometern Fußmarsch diese seltsame Anlage verlassen und ein Taxi entdecken. Wir lassen uns zurück in die Stadt bringen und am Fuße des Burghügels absetzen. Ein letztes Mal schlendern wir durch die Altstadt und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten ein. Mit einem leckeren Abendessen in einem Restaurant beenden wir unseren Besuch in Ankara und lassen uns anschließend von einem Taxi zurück zu unserem Hotel in Esenboğa chauffieren. Hier ist es nun an der Zeit, unser Gepäck für die morgige Abreise vorzubereiten, indem die einzelnen Fahrradtaschen nach nunmehr acht Wochen wieder zu zwei „IKEA-Taschen-Bündeln“ verschnürt werden. Irgendwann geht eben auch der längste Urlaub zu Ende und so treten wir eine letzte Nachtruhe in der Türkei an. İyi geceler!Leia mais
Görüşürüz Türkiye
1 de outubro de 2023, Turquia ⋅ ☁️ 17 °C
Zwischen unserem Gepäck lassen wir uns am Morgen unser Frühstück schmecken, bevor wir um neun Uhr von unserem zuvor bestellten Flughafen-Shuttle abgeholt werden. Kurz schaut der Fahrer etwas ratlos, als er unsere (mit Foto angekündigten...) verpackten Räder sieht, verfrachtet sie dann aber doch zügig mit Hei(kos Hilfe in des Fahgastraum des Mercedes Vito. Überpünktlich erreichen wir den Flughafen, wo wir uns dank des aufmerksamen und netten Personals sehr schnell und unproblematisch unseres Gepäcks und der Räder entledigen. Während wir auf unseren mit Verspätung angezeigten Abflug warten, stolpern wir über folgende Meldung der Nachrichten: "In der türkischen Hauptstadt Ankara hat sich am Sonntagmorgen eine Explosion ereignet. Das Innenministerium sprach von zwei „Terroristen“, von denen sich einer vor einem Eingang zu dem Ministerium in die Luft gesprengt habe." Diese Zeilen lassen uns besonders angesichts der Tatsache, dass wir erst gestern noch genau an diesem Ort entlangspaziert sind, innehalten.
Mit etwa einer Stunde Verspätung heben wir schließlich ab und entschweben in strömendem Regen der türkischen Hauptstadt. Zwei wunderbare Monate des Radreisens liegen hinter uns und wir freuen uns darauf, in einigen Monaten hierher zurückzukehren, um die Fahrt fortzusetzen. In diesem Sinne: Görüşürüz Türkiye!
Tatsächlich sollen wir allerdings das Land nicht so schnell verlassen, wie es geplant war. Ein Unwetter über İstanbul ist der Grund dafür, dass der Pilot keine Landeerlaubnis erhält und wir in luftiger Höhe Kreise fliegen. Nicht die übliche eine, sondern zwei Stunden dauert es, bis wir zur Zwischenlandung in İstanbul ansetzen. Eilig verlassen wir den Flieger, um das Gate für den Anschlussflug zu ermitteln, doch leider erwartet direkt die nächste Hiobsbotschaft. Zunächst können wir die Zahlen auf der Anzeigetafel nicht richtig deuten und wollen sie dann nicht glauben. Der Start unseres Weiterfluges nach Hamburg verspätet sich von 19 Uhr auf 3:55 Uhr. Okay, nun haben wir also Zeit, viiiiel Zeit...!Wie viele andere Gestrandete erhalten am Care-Point von Turkish Airlines einen Verzehrgutschein für einen der vielen Fastfood-Anbieter vor Ort und stellen nebenbei fest, dass es uns vergleichsweise glimpflich getroffen hat: Unser Flug ist immerhin ist im Gegensatz zu diversen anderen nicht komplett gestrichen, wir haben nicht wie viele andere Reisende kleine Kinder dabei und sind grundsätzlich in einer Verfassung, die ein paar Stunden nächtliches Warten ertragen lässt. Erst gönnen wir uns Tee und Muffins, vertreiben uns danach die Zeit mit Lesen und Rumsitzen, bevor wir irgendwann unseren Verzehrgutschein gegen mittelmäßige Pide eintauschen. Den einen oder anderen Tee schlürfen wir noch, dann begeben wir uns in die "Nap-Zone", wo wir zwei Liegesessel ergattern können. Tja, und zwischendurch meldet Claudia sich schon mal vom ersten Arbeitstag nach acht Wochen Urlaub ab, ein pünktlicher Dienstbeginn um acht Uhr wird definitiv an höherer Gewalt scheitern. Unser Abflug verzögert sich weiter, so dass wir am Ende morgens um halb sechs in den Sonnenaufgang fliegen. Der weitere Verlauf gestaltet sich nun erfreulicherweise reibungslos: Nach ruhigem Flug erreichen wir und zu unserer Freude auch das Gepäck und die Fahhräder nach etwas mehr als drei Stunden Hamburg. Hier dauert es ein knappes Stündchen, bis die Räder ausgepackt, in in einen fahrtauglichen Zustand versetzt und beladen sind. Die S-Bahn bringt uns zum Hauptbahnhof, wo wir nahtlos in den Regionalexpress nach Kiel umsteigen können. Nach den allerletzten Radelkilometern erreichen wir mittags um halb eins endlich reichlich platt und müde unser Heim in Kronshagen.Leia mais
Da sind wir wieder...
14 de abril de 2024, Turquia ⋅ ☁️ 17 °C
Wenn diverse Packtaschen in großen, blauen IKEA-Tüten zu Bündeln verschnürt werden und Fahrräder in Kartons verschwinden, riecht es eindeutig nach Urlaub! Ein halbes Jahr ist vergangen, seit wir nach unserer letzten Reise aus Ankara heimgekehrt sind und heute zieht es uns genau dorthin zurück. Am späten Freitag Nachmittag fährt unser altbekannter und - bewährter Chauffeur vor, um uns zum Hamburger Flughafen zu bringen (Danke Papa!). Nach dem Stress und Chaos durch ein Vollsperrung der A7 im letzten Jahr gönnen wir uns diesmal die Sicherheitsvariante. Vor dem Hotel Radisson Blu direkt am Flughafen lassen wir uns absetzen und checken für eine Nacht ein. So können wir am nächsten Morgen ganz entspannt in das gegenüberliegende Flughafengebäude spazieren und unser Gepäck aufgeben. Erstaunlich schnell und reibungslos ist alles erledigt, so dass wir schon bald am Gate auf den Abflug warten. Nach einem ruhigen Flug erreichen wir nach knapp drei Stunden die Metropole İstanbul, die dank eines klaren Blicks auf den Bosporus bereits aus der Vogelperspektive sehr gut auszumachen war. Auch in İstanbul steht uns eine Nacht im Hotel bevor, da uns leider vor einigen Tagen die Nachricht erreichte, dass unser Anschlussflug nach Ankara gestrichen wurde. Eine Umbuchung des Fluges war zwar möglich, einigermaßen komfortabel aber nur mit einer Zwischenübernachtung in İstanbul. Mit einem vorab bestellten Shuttle des Hotels erreichen wir zügig unsere Herberge, das "Skymoon-Hotel". Wir entscheiden uns trotz großer Verlockung gegen eine abendliche Fahrt an den Bosporus und das Erlebnis des Sonnenuntergangs vor der uns bekannten und geliebten Kulisse. Den Aufwand und die Kosten für die am Ende doch sehr kurze Zeit schätzen wir schweren Herzens als zu hoch ein. So belassen wir es bei einem Spaziergang in unserem Übernachtungsort, der uns zum Zwecke des Erwerbs einer Simkarte für die kommenden vier Wochen in einen Turkcell-Laden führt. Früh am nächsten Morgen geht es per Shuttle wieder zurück zum Flughafen und schon bald darauf schweben wir in Ankara ein: Da sind wir wieder...!Leia mais
İbis Hotel Ankara Airport
14 de abril de 2024, Turquia ⋅ ⛅ 18 °C
Hocherfreut nehmen wir am Flughafen unser komplettes (!) Gepäck in Empfang und begeben uns vor das Gebäude. Die Kartons und IIKEA-Taschenbündel werden ausgepackt und aus dem Inhalt zwei "Reisedrahtesel" gepuzzelt. Nur etwa einen Kilometer legen wir heute radelnd zurück, dann erreichen wird bereits das İBİS-Airport-Hotel. Hier haben wir für die erste Nacht ein Zimmer reserviert, da wir vor der finalen Abfahrt noch einige Erledigungen tätigen wollen. Ganz oben auf der Liste steht der Kauf von Gaskartuschen, schließlich wissen wir spätestens seit dem letzten Jahr um die Schwere des Erhalts dieses für uns so wichtigen Küchenutensils. Von einem Taxi lassen wir uns zu einem Campingausrüster in Ankara bringen, der laut Google selbst am heutigen Sonntag geöffnet haben soll. Und tatsächlich: Der Laden existiert, hat geöffnet und führt das von uns ersehnte kostbare Gut. Mit reichlich Gaskartuschen im Gepäck beschließen wir, da wir nun schon einmal hier sind, den Rest des Tages in Ankara zu verbringen. Schon nach wenigen Schritten stellen wir fest, dass wir durch Zufall exakt in der Ecke gelandet sind, die wir bei unserem letztjährigen Ankara-Besuch als Reinfall definiert hatten. In eher sehr mäßiger Erinnerung haben wir den Besuch des Dikmen-Parks und nun finden wir uns ausgerechnet an diesem Fleckchen Erde wieder. Vielleicht sollte es aber auch so sein: Der Park wirkt zu dieser Jahreszeit freundlicher auf uns, viele Bäume präsentieren sich in bunter Blütenpracht und es herrscht deutlich mehr Leben in der schluchtartigen Grünanlage als im letzten Oktober. Etwas versöhnt mit diesem Ort spazieren wir zunächst für Erledigungen und Nahrungsaufnahme in Richtung Zentrum, bevor wir mit der Zitadelle von Ankara das nächste Ziel ansteuern. Wie am Ende unserer letzten Reise wollen wir auch heute diesen schönen Ort nutzen, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Die Burg hat bei unserer Ankunft bedauerlicherweise schon geschlossen, aber auch vor den alten Mauern lässt sich die untergehende Sonne wunderbar genießen. Nach dem erfolglosem Versuch, einen Bus für die Rückfahrt zu nehmen, werden wir schließlich von einem Taxi bis vor die Hoteltür gefahren. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, ab morgen warten die Fahhräder und neue Abenteuer auf uns...Leia mais
Vom Zimmer ins Zelt
15 de abril de 2024, Turquia ⋅ 🌙 13 °C
Der heutige Morgen beginnt gegen halb acht am reichhaltigen Frühstücksbuffet im Hotel. Im Anschluss daran wird zunächst im Zimmer unser Gepäck in die (vermeintlich) richtigen Taschen sortiert - wir wollen ja stets alles jederzeit und mit nur einem gezielten Griff zur Hand haben (...so die Theorie...). Schließlich werden auch die Fahhräder aus ihrem Nachtlager, dem Konferenzraum des Hotels, befreit und dürfen sich einigen finalen Einstellungen unterziehen. Halb elf ist es, als wir uns bepackt auf die Reise begeben. Der Weg führt uns zunächst in einem großen Bogen um das Flughafengelände herum. Im Ort Esenboğa, wo unsere Reise im letzten Jahr endete, knüpfen wir an unsere im Oktober 2023 geradelte Route an (eine lückenlose Linie auf der Landkarte ist nicht zu unterschätzen...). Es ist schön, wieder auf dem Rad zu sitzen. Die Sonne scheint, es weht ein leichter Frühlingswind, Störche stolzieren am Wegesrand vorbei, wir begegnen den ersten Schaf- und Ziegenhirten, herrlich!!! Nicht ganz so herrlich ist die Tatsache, dass wir in Esenboğa nicht für einen Einkauf angehalten haben. Wir haben nur wenig Wasser und nichts zu essen, wann sich die nächste Einkaufsmöglichkeit bieten wird: Keine Ahnung! Es geht aber durchaus noch dümmer: Bei strahlendem Sonnenschein radeln wir unseres Weges, während die Sonnencreme unbenutzt in der Packtasche liegt. Zwei echte Experten sind folglich schon recht bald hungrig und mit dezent verbrannten Armen unterwegs, schön blöd! Einen kleinen Laden finden wir schließlich noch, so dass wir den Hungertod verhindern können, die roten Arme werden uns aber wohl ein paar Tage begleiten. Ansonsten freuen wir uns über die vielen Zeichen des Frühlings, die zwitschernden Vögel, die blühenden Bäume, das sprießende zarte Grün um uns herum. Auch ist es noch nicht so heiß um diese Jahreszeit, was besonders das Bergaufradeln angenehmer macht. Und erneut begeistert uns die Freundlichkeit der Menschen. Nachdem uns bereits während des Zusammenbaus der Fahhräder am Flughafen ein Taxifahrer auf zum Tee einladen wollte, kommt auf unserer heutigen Fahrt ein LKW-Fahrer neben uns zum Stehen und schenkt uns eine Ladung Walnüsse. Oft wird uns freundlich zugehupt oder -gewunken, einmal sogar eine Mitfahrt im Transporter angeboten. Letzteres lehnen wir natürlich dankend ab, wollen wir doch mit eigener Muskelkraft den Weg zurücklegen. Wir erklimmen unseren ersten Gipfel auf ca. 1350m, oben angekommen gönnen wir uns eine Pause sowie eine Tüte Chips. Im Laufe der Jahre und Reisen haben unsere Pausen stets an Luxus gewonnen und auch in diesem Jahr haben wir ein Plus an Komfort dabei. Unser Pausen-Mobiliar, welches anfangs aus einer kleinen Picknickdecke und seit zwei Jahren aus bequemen Stühlen bestand, ist nun um einen Tisch erweitert. Wir werden eben alle nicht jünger...! Etwas über 900 Höhenmeter haben wir erstrampelt, als wir am frühen Abend einen geeigneten Zeltplatz belagern. Bei der Suche nach diesem Platz wird uns ein weiterer Unterschied im Vergleich zum Reisen im Herbst bewusst: Wir können nicht auf die von uns so gern als Nachtlager genutzten Stoppelfelder zurückgreifen. Erschwerend kommt hinzu, dass die gesamte Gegend kaum Sichtschutz bietet. Für diese Umstände haben wir aber dennoch einen herrlichen Patz etwas oberhalb der Straße gefunden. Wir lassen uns nieder und freuen uns angesichts der eintretenden abendendlichen Kälte über heißen Tee und einen warmen Gemüsetopf mit leckerem Brot. Eine Schafherde zieht noch vorbei, der Hirte gesellt sich auf ein paar Worte zu uns. Mit Einbruch der Dunkelheit und zunehmender Kälte bauen wir unser Zelt auf und statt der Decken im Hotelbett wärmen uns heute erstmals gemütliche Schlafsäcke. Gute Nacht!Leia mais

ClaudiaJaaa, es hat sich als sehr nützlich erwiesen und ist nun fester Teil der Ausrüstung 😉
Abendlicher Vogelchor
16 de abril de 2024, Turquia ⋅ ☀️ 22 °C
Früh am Morgen sind wir wach, lassen den Tag aber seeehr gemütlich angehen. Nach Frühstück und dem einen oder anderen Heißgetränk, lesen, schreiben usw. sitzen wir erst um elf Uhr auf den Fahrrädern. Die heutige Etappe beginnt mit einigen Kilometern Abfahrt, die uns im Verlauf durch ein felsiges, mit prachtvoll in weißer Blüte stehenden Bäumen geschmücktes Tal führt. Als wir dieses hinter uns lassen, radeln wir durch eine Gegend, die sich als landwirtschaftliche Einöde mit dem einen oder anderen Hügelchen beschreiben lässt. Gegen Mittag legen wir wie üblich eine ausgedehnte Pause ein, danach geht es einigermaßen unspektakulär weiter.
Bei Erreichen einer großen Hauptstraße bietet sich ein kleiner "Market" zum Einkaufen an. Die Taschen werden mit Proviant gefüllt, ein Kaltgetränk rinnt unsere Kehlen hinunter, dann geht's weiter. Wir überqueren die Hauptstraße und folgen dem Weg, der hinauf führt. Es wollen noch einige Höhenmeter bewältigt werden, bevor wir den Radel-Feierabend einläuten. Gleichzeitig geben wir aber auch das Ziel aus, im besten Fall noch vor Erreichen des Gipfels einen Schlafplatz zu finden. Anderenfalls würden wir die kleine Stadt Balâ erreichen, wo angesichts der in den nächsten Tagen eher sehr dürftigen Infrastruktur und entsprechend auch Versorgungslage eine größere Verproviantierung geplant ist. Einen Zeltplatz erst nach Einkauf und Verlassen der Stadt suchen zu müssen, möchten wir angesichts der fortgeschrittenen Zeit vermeiden. Mal wieder ist es nicht ganz einfach, in dieser offenen, weit einsehbaren Gegend ein geeignetes Plätzchen zu finden, aber am Ende ist auf Heikos Campingplatz-Adlerauge Verlass. Etwas abseits der kaum bis gar nicht befahrenen Straße lassen wir uns nieder, im unmittelbaren Nachbarschaftsbusch trällert ein Vogelchor ein lautes Konzert in Dauerschleife. Auf dem Gaskocher köcheln Nudeln mit frischer Aubergine in Tomatensauce. Ehrlicherweise muss man sagen, dass das mutmaßlich als Tomatensauce gekaufte Glas nicht Sauce, sondern Tomatenmark enthält, dass tut dem Geschmack aber nach Wasserstreckung und Kräuterwürzung keinen Abbruch. Zum Ausklang des Tages gibt es natürlich Tee und Kekse, Heiko betreibt etwas Drohnenspielerei und Claudia liest, bevor am Himmel das Licht ausgeknipst wird und wir uns auf die Isomatten begeben.Leia mais
Überall Sand...
17 de abril de 2024, Turquia ⋅ ⛅ 20 °C
Kühl ist es noch am Morgen, wenngleich die Nacht gefühlt wärmer war als die letzte. Eingemummelt in unseren Schlafsäcken frühstücken wir in aller Ruhe und als die ersten Sonnenstrahlen uns erreichen, wird es dann auch sofort merklich wärmer. Um viertel vor zehn verlassen wir unseren Platz am fröhlich zwitschernden Vogelbusch und strampeln zum Einstieg der heutigen Etappe bergauf. Am höchsten Punkt erreichen wir die Stadt Balâ, wo wir wie geplant einkaufen und unsere Taschen mit Proviant für drei Tage füllen. Deutlich schwerer als zuvor rollen wir schließlich stadtauswärts, zu unserer Freude erwartet uns eine längere Abfahrt. Balâ liegt hinter uns, vor uns eröffnet sich uns der Blick in eine schier endlos wirkende Weite. Unabhängig voneinander haben wir beide das Gefühl, den Großraum Ankara nun endgültig zu verlassen.
Unser erster Pausenplatz gleicht einem Schafherden-Drehkreuz. Aus allen Richtungen tauchen die netten Wolltiere in Begleitung ihrer Hirten, zumeist auf einem Esel reitend, und einer Meute Hunde auf. Wenn die berittenen Hirten aufeinander treffen, wird ein Pläuschchen gehalten, während die laut kläffenden Hundemeuten sich mutmaßlich eher als Gegner oder Konkurrenten verstehen. Auch bei uns hält ein Hirte für ein kurzes Gespräch an. Er nimmt wahr, dass wir seinen Esel sehr nett finden und steigt prompt ab, um Heiko den Platz auf seinem Reittier anzubieten. Nach kurzem Esel-Probesitzen zieht die Herde samt ihrem Hirten und seinen 12 (!) Hunden weiter, während wir uns Kaffee/Tee und Kuchen gönnen. Eine Weile radeln wir noch durch welliges Terrain weiter, bevor die Aufmerksamkeit wieder potentiellen Übernachtunsplätzen gilt. So ganz sind wir noch nicht in diesem Urlaub angekommen, Claudia ist einigermaßen platt, Heiko plagen intermittierend Zahnschmerzen und der Wind kommt uns scheinbar am allerliebsten direkt von vorne ins Gesicht geblasen. Auch die Gegenden, durch die wir bislang gefahren sind, bieten keinen Anlass für euphorische Stimmungsausbrüche. Wir fragen uns, woran das liegen mag. Sind vielleicht die sensationellen Eindrücke unserer Herbstreise noch zu präsent? Sind unsere Ansprüche dadurch zu hoch? Würden wir genauso empfinden, wenn dies unsere erste Reise in die Türkei wäre? Ist es die Spannung und der Reiz des Neuen, was inzwischen etwas verblasst ist? Wir wissen es nicht, sind aber guter Hoffnung, dass noch viele schöne Eindrücke und Erlebnisse auf uns warten. Es ist 17 Uhr, als Heiko anhält und linker Hand der Straße in einen sandigen Fahrweg geht, um die Lage zu inspizieren. Daumen hoch lautet das Ergebnis, hier können wir bleiben. Auf einem kleinen, unbewirtschafteten Stück Wiese inmitten großer Felder lassen wir uns nieder. Unter blauem Himmel verspeisen wir den traditionellen und immer wieder leckeren Gemüsetopf mit Brot. Claudia liest gebannt ihren Krimi zu Ende, während Heiko angesichts deutlich aufkommenden Windes das Zelt, bzw. den bis zu diesem Zeitpunkt lediglich vorbereiteten Footprint neu ausrichtet. Als wir es uns im Zelt gemütlich machen, nimmt der Wind weiterhin an Stärke zu und verdient inzwischen eher den Namen Sturm. Er drückt mächtig in die Zeltwände, der Zeltboden scheint an den nicht durch uns oder andere Gegenstände beschwerten Stellen durch die kräftigen Böen abheben zu wollen. Zusätzlich ist es durch die Kombination aus trotz fester Abspannung flatternden Zeltplanen und dem Rauschen des Windes so laut, dass man sein eigenes Wort kaum verstehen kann. Am schlimmsten erweist sich aber die Tatsache, dass der Sturm feinen Sand in das Innere des Zeltes treibt (Heikos Flüche sind an dieser Stelle nicht zitierfähig...). Der Zeltboden, die Schlafsäcke und alles, was nicht nicht innerhalb von Tasche oder dergleichen befindet, ist bald von einer rötlichen Staubschicht überzogen. Der Blick nach draußen verheißt nichts Gutes. Finster sieht es aus am Horizont, ein Gewitter erscheint uns nicht unwahrscheinlich. Was das wohl für eine Nacht wird...Leia mais
Gesellig in Kaçarlı
18 de abril de 2024, Turquia ⋅ ☀️ 24 °C
Als wir am Morgen aufwachen, dominiert weiterhin das Geräusch des Sturms, Regen und Gewitter sind aber ausgeblieben. Zu behaupten, dass wir in einer Sandkiste sitzen, wäre zwar etwas übertrieben, aber dieses feine rote Zeug überall im Zelt ist alles andere als angenehm. Wir fällen den Entschluss, unsere sieben Sachen zu packen und aufzubrechen, unser Frühstück wollen wir an einem windgeschützten Ort nachholen. Eigentlich gelingt uns der Abbau des Zeltes trotz des starken Windes recht gut, hätte Heiko da nicht eine Kleinigkeit im Zelt vergessen. Auf diese Kleinigkeit in Form von Bananen wird er aufmerksam, als er sich auf das zusammengerollte Innenzelt kniet, um die letzte Luft entweichen zu lassen. So gut es geht beseitigen wir Obstmatsch aus dem Seitenfach des Innenzeltes, um anschließend unseren ungeschützt dem Wind ausgesetzten Platz zu verlassen. Nur einen Kilometer weiter entdecken wir am Eingang eines kleinen Dorfes eine windgeschützte Ecke zwischen verlassenen und recht verfallenen Häusern, die wir für unser Frühstück nutzen. Es dauert nicht lange, da gesellt sich ein interessierter Dorfbewohner zu uns. Ein Gespräch wird allerdings nicht nur durch unzureichende Sprachkenntnisse erschwert, der Mann ist obendrein noch tracheotomiert und kann demzufolge nicht sprechen. Nach einer kurzen Konversation mittels Handy, Zettel und Stift verabschiedet er sich wieder. Wir stellen uns indes frisch gestärkt unserem heutigen Endgegner, dem Wind. Tja, und wenn man schon in der Ebene trotz Anstrengung nur 8km/h erreicht, macht das Erklimmen eines teilweise biestig steilen Berges nicht wirklich Spaß. Das vermutet wohl auch der Autofahrer, der extra anhält, um uns eine Flasche Wasser zu schenken. Irgendwann erreichen wir aber tatsächlich den höchsten Punkt und genehmigen uns an einem halbwegs windgeschützten Platz (man wird zwangsläufig bescheiden in dieser offenen und baumarmen bzw. -losen Gegend...) die Standardbelohnung: Chips! Die meisten Höhenmeter des Tages sind aber geschafft, durch hügeliges Terrain kämpfen wir uns weiter durch den Wind, über dessen Stärke auch der freundlich blaue Himmel nicht hinwegtäuschen kann. Jede noch so kleine Richtungsänderung, die den direkt frontalen Windangriff kurz außer Kraft setzt, ist eine Wohltat. Erst am Nachmittag, nachdem wir bei Heißgetränk und Kuchen eine Pause eingelegt haben, flaut es etwas ab. So radeln sich die letzten Tageskilometer etwas entspannter, bevor wir mal wieder die Augen nach einer Schlafgelegenheit offen halten. Es ist halb sechs, als wir im kleinen Dorf Kaçarlı fündig werden. Als Heiko zwei Männer fragt, ob es okay wäre, auf dem gegenüberliegenden großen Spielplatzgelände zu zelten, bieten diese einen anderen, laut ihrer Aussage sichereren, Platz in Sichtweite an. Wir nehmen das Angebot dankend an und richten unseren Lagerplatz auf der zugewiesenen Wiese vor einer kleinen Mauer ein. Etwas irritierend erscheint uns die Tatsache, dass es auf dieser Wiese auch ein bewohntes Haus sowie zwei Hunde gibt und wir uns folglich auf einem Privatgrundstück befinden, aber das nehmen wir einfach mal so hin. Nach dem Abendessen bekommen wir Besuch von einem Ehepaar mit zwei kleinen Kindern, İsmail stellt sich uns als der İmam des Dorfes vor. Kurz darauf kommt ein älterer Herr dazu, der das Haus bewohnt, auf dessen Grundstück wir lagern. Nach kurzem Wortwechsel verabreden wir, später gemeinsam Tee zu trinken. İsmail muss vorher noch die Aufforderung zum Gebet vom Minarett der Moschee rufen und auch seine Frau samt Kindern sowie der ältere Herr ziehen erstmal wieder von dannen. Wir wissen nicht genau, wann und wo später etwas stattfinden soll, warten also einfach mal ab und vertreiben uns vor dem Zelt die Zeit. Bald kommt der ältere Herr mit einem Tablett, auf welchem reichlich Teegläser und Kekse stehen. Kurz darauf erscheint eine ältere Frau und bringt einen Schal, der wohl als Teewärmer dienen soll. Der ältere Herr verschwindet wieder, um einige Minuten später eine große typisch türkische "Doppelkanne" Tee zu unserem Platz zu balancieren. Eine weitere Frau kommt dazu und stellt ein silbernes Tablett mit reichlich türkischen Süßigkeiten auf unseren kleinen Campingtisch. Und schließlich sind auch İsmail uns seine Familie wieder da und steuern Datteln uns Sonnenblumenkerne bei. Ein Junge im Teenageralter schleppt einige dicke Sofakissen ran und so sitzen wir im schwachen Schein der Straßenlaterne zu zehnt vor unserem Zelt auf dem Boden im Kreis, trinken Tee, knabbern viel zu viel Süßes und unterhalten uns in dem Maße, wie es die Sprachkenntnisse zulassen. Gegen 22 Uhr findet der gesellige Abend sein Ende und wir läuten die Nachtruhe ein.Leia mais
Die Ruhe vor dem Sturm
19 de abril de 2024, Turquia ⋅ ☀️ 21 °C
Um sieben Uhr sind wir wach und fangen direkt an, unser Lager zu räumen, so dass bereits gegen acht Uhr die Räder bepackt sind. Kurz verabschieden wir uns noch von dem älteren Herrn, auf dessen Wiese wir gezeltet haben, dann rollen wir vom Hof. Nur ungefähr einen Kilometer weiter bietet sich ein schöner Platz für unser Frühstück an. Unter großen Weiden an einem kleinen Bach mit lauten quakenden Kröten bauen wir Campingküche sowie -esszimmer auf uns stärken uns für den Tag. Wie so oft wird unsere Rast auch heute wieder von einer vorbeiziehenden Schafherde begleitet. Erst um elf Uhr machen wir uns auf den Weg, zum Start ist direkt der erste Berg zu erklimmen. Oben in etwa 1300m Höhe angekommen rufen uns zwei Männer heran, die gerade an einem Haus werkeln oder eher vor selbigem von der Arbeit pausieren. Die beiden bieten uns zwei Stühle an und laden uns zum Tee ein und so verweilen wir hier für eine sehr nette halbe Stunde.
Auf dem erreichten Höhenniveau geht es auf unserer Etappe wellig weiter. Die Landschaft ist herrlich, die Fahrt ein Genuss. Und wenn wir noch vor zwei Tagen leichte Zweifel hegten, heute sind sie wie weggeblasen. Felsig zeigt es sich hier und da, ansonsten viel saftiges Grün und stets die Aussicht auf ein Postkartenbergpanorama. Nach unserer heutigen Chipspause radeln wir deutlich weiter als ursprünglich geplant, was einen strategischen Grund hat. Für morgen ist laut Wettervorhersage erneut Sturm angekündigt. Auch von den Männern, mit denen wir Tee getrunken haben, erhielten wir eine entsprechende Warnung. Der "Lodos" werde morgen erwartet, ein Wind aus Süden oder Südosten, der mit Sturmböen oder auch schweren Sturm- bis orkanartigen Böen einhergehen kann. Jaja, wir haben ihn schon kennengelernt, diesen Schurken, nun kennen wir auch seinen Namen. Unser Plan sieht vor, heute die Ruhe vor dem Sturm zu nutzen und möglichst weit zu fahren, um morgen vor Einsetzen des gegen Mittag erwarteten starken Windes die Stadt Ortaköy und mit ihr ein windgeschütztes Hotelzimmer zu erreichen. Im Idealfall zieht der Sturm durch, wenn wir mal wieder uns und unsere Kleidung einer Reinigung unterziehen und sämtliche elektronischen Geräte mit Strom versorgt werden. Als die Tachos noch 28 Restkilometer bis Ortaköy anzeigen, stellen wir unweit der Straße unser Zelt an einem Feldrand auf. Während wir uns noch fragen, auf wen oder was die vielen Löcher im Boden zurückzuführen sind, zeigen sich tatsächlich die Bewohner der unterirdischen Höhlen: Ratten sind es, die im Untergeschoss unseres Zeltes hausen. In der Hoffnung, dass sie sich nicht durch den Zeltboden knabbern und wir über Nacht neue Mitbewohner bekommen, kriechen wir in unsere Schlafsäcke.Leia mais

































































































































































































































































HALKE ZEPF
Das Licht ist ja ein Traum, weiterhin viel Glück und so schönes Wetter
Viajante
Die Weihnachtsbeleuchtung macht’s auch irgendwie kuschelig 🌟💫⭐️✨