• Marvin van der Grinten
  • Marvin van der Grinten

Transafrika Westroute

En 335-dags äventyr från Marvin Läs mer
  • Tag 223, 368 Km/30073 Km

    9 april 2025, Namibia ⋅ ☀️ 30 °C

    Heiner läuft wieder und endlich kann es weitergehen. Ich lasse Etosha, den berühmtesten Nationationalpark Namibias zunächst aus, es hat in den letzten Wochen derart geregnet, dass aktuell kaum Tiere zu sehen sind. Nicht alle Wege sind passierbar und das Graß steht meterhoch.
    Auf dem Weg nach Süden queren Riesenheuschrecken zu tausenden die Straße, viele sind leider bereits überfahren oder werden von Vögeln gefressen. Auf dem Weg mache ich Halt bei 'Kilo 40', einer Farm die Biltong verkauft, gepökeltes und schließlich luftgetrocknetes Fleisch von Rindern und Wildtieren. Biltong wurde früher unter den Sattel von Pferden gelegt und so durch den Pferdeschweiß gepökelt, heute gibt es dafür andere Techniken. Ich kaufe ein halbes Kilo frisches Biltong, was sich super während der Fahrt essen lässt.
    Mit Auftauchen des Waterberg-Plateaus wird die Landschaft wieder einmal spektakulär, das Plateau aus rotem Stein steht inmitten einer flachen Ebene, eingerahmt von Termitenhügel und Savannenbäumen, dazu tiefblauer, wolkenloser Himmel.
    Nicht weit weg vom Hochplateau gibt es einen wunderschönen Stellplatz direkt an einer offenen Lichtung, Herden von Impalas und Springböcken ziehen wenige Meter neben dem Auto vorbei. Es gibt einen Aussichtsturm wenige Hundert Meter neben dem Stellplatz, leider ist auch hier das Gras so hoch dass man kaum was sieht. Dennoch ein toller Auftakt in Namibia.
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  • Tag 224, 88 Km/30161 Km

    10 april 2025, Namibia ⋅ ☀️ 28 °C

    Das riesige Areal auf dem ich übernachte gehört einer deutschen Auswandererfamilie, die mich am Abend zum Essen in ihr Anwesen holt. Der Weg zum Haus ist nicht allzu weit, rund 15 Minuten zu Fuß. So sitze ich nun also mit Hartmut und seiner Familie im Wohnzimmer am Tisch, als fünf Ukrainer dazustoßen. Vier Soldaten, die nach 3 Jahren zum ersten Mal Urlaub machen, einer hat seinen kleinen Sohn mitgebracht. Einer der Ukrainer holt eine Flasche Whisky raus, diese wird untereinander aufgeteilt. Wir Deutschen bleiben hingegen dem Klischee treu und beim Bier. Innerhalb kurzer Zeit ist die Stimmung trotz aller Sprachbarrieren ausgelassen, ich in der Mitte zwischen Hartmut und seiner Familie zur Rechten und den ukrainischen Soldaten zur Linken. Dann kommt das Essen. Wild mit Birnen und Preisselbeeren, Spätzle mit Bratensoße. Jeder erzählt irgendwie seine Geschichte und keiner der anderen 'Seite' versteht etwas. Loriot hätte es eigentlich nicht besser schreiben können.
    Am Morgen werde ich dann von einer Herde Springböcke geweckt, die keine 15 Meter neben dem Auto grasen. Nachdem die Tiere fertig gegrast und ich den Kaffee ausgetrunken habe fahre ich das kurze Stück zum Waterberg-Plateau. Es gibt einen Wanderweg hoch bis auf die Kante. Nicht einfach aber machbar, muss in einer Scharte die sich mitten im Plateau gebildet hat heraufgeklettert werden. Mitten in der Scharte stehend sehe ich einen schwarzen Mungo, der auf einem der roten Steine steht und mich kurz beobachtet, sich dann aber schnell irgendwo versteckt. Schon auf dem Weg zur Oberseite des Plateaus ist die steil abfallende Flanke des Waterbergs imposant zu sehen, schließlich oben angekommen ist der Blick einfach - wow.
    Ich mache mich irgendwann auf den Rückweg, begegne unterwegs immer wieder Warzenschweinen, die auf den Vorderbeinen kniend das Gras abfressen.
    Zur Kolonialzeit gab es am Waterberg eine wichtige Schlacht zwischen deutschen Soldaten und den Herrero, die mittlerweile als Völkermord gilt. Der Soldatenfriedhof der wenigen deutschen Gefallenen existiert noch immer, mittlerweile haben an der Gedenkstätte und auf dem Friedhof jedoch die Paviane und nicht mehr deutsche Feldherren das Sagen. Ich fahre am Nachmittag wieder zurück zum Stellplatz an der Lichtung, über die auch am Abend wieder große Herden von Wildtieren anzutreffen sind. So schön wie der Stellplatz auch ist, werde ich morgen weiter in Richtung Westen fahren und die wirklich tolle Gegend rund um Waterberg verlassen.
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  • Tag 225, 301 Km/30462 Km

    11 april 2025, Namibia ⋅ ☀️ 33 °C

    Ich verlasse das Waterberg-Plateau am Morgen, fahre zunächst in die Stadt Outjo. Outjo ist ein kleines Städtchen in Zentralnamibia mit einer ganz besonderen Sehenswürdigkeit, die es zwischen Deutschland und Kapstadt wohl kein zweites Mal mehr gibt: es gibt eine deutsche Bäcker- und Konditorei. Die Auswahl an Gebäck erschlägt mich geradezu, also fange ich mit einem Apfelstrudel und einem Kaffee an. Die Nussecke geht danach schon gar nicht mehr rein, wird also mitgenommen. Irgendwann wird die Asphaltstraße zu einer schlechten Staubpiste (auch in Namibia gibt es derartige Straßen), die nach einigen Kilometern zur Fingerklippe führt. Die Fingerklippe ist eine imposante Feldnadeln, die mitten aus der flachen Tiefebene entspringt. Ich parke am Fuß des Felsen und laufe nach oben, von dort gibt es mal wieder einen tollen Ausblick auf die Tafelberge rundherum. Niemand sonst ist anwesend, ich habe diese tolle Ecke vollkommen für mich alleine. Von oben entdecke ich Zebras, die durch die bewaldete Steppe ziehen und dort grasen. Am späten Nachmittag fahre ich die Piste wieder zurück zur Hauptstraße, als es wieder einmal nach Kühlflüssigkeit riecht. Ich öffne die Motorhaube, sehe Kühlflüssigkeit schon im ganzen vorderen Motorraum verteilt. Noch ist genug Flüssigkeit im System, also halte ich ein paar Kilometer weiter bei einer Farm zu der ich am Abend sowieso wollte und die für mich und den Troublemaker namens Heiner einen erstklassigen Stellplatz hat. Mit Blick auf die Tiefebene gucke ich erstmal, was genau das Problem ist. Ein Insekt ist zwischen Kühler und Rahmen geflogen und ist dort genau auf einen Plastikhalter getroffen, der gebrochen ist. Dieser Halter hat eigentlich die Aufgabe, einen der Kühlwasserschläuche von der Zahnriemenantriebsrolle wegzuhalten, die sich während der Fahrt dreht. Die Rolle hat jetzt also den Schlauch durchgescheuert. Einen neuen Schlauch habe ich nicht, aber jede Menge Flickzeug. Um den Schlauch zu flicken muss leider der Lüfter ausgebaut werden, außerdem muss ich die komplette Kühlflüssigkeit ablassen. Während ich im Sonnenuntergang anfange, erkenne ich den Nachteil des zuvor für gut befundenen Stellplatzes. Es gibt tausende kleiner Schwarzfliegen die sich durch nichts verscheuchen lassen und mir in Ohren und Nase fliegen. Als es dunkel wird haben die Schwarzfliegen Pause, wechseln sich mit genauso vielen Moskitos ab. Im wahrsten Sinne ist heute der 'Wurm' drin. Ein Insekt stirbt den Heldentod um das Auto kaputt zu machen, die anderen halten mich davon ab es zu reparieren. Es ist schon dunkel, als ich den Schlauch endlich draußen und geflickt habe und da ich mittlerweile am ganzen Körper zerstochen bin entscheide ich mich dafür morgen früh weiter zu machen und alles so zu lassen wie es ist. Es wird sich bestimmt ein neues Insekt finden, welches mir morgen früh zeigen möchte, wer die Herrschaft in Afrika hat.Läs mer

  • Tag 226, 160 Km/30622 Km

    12 april 2025, Namibia ⋅ ☀️ 31 °C

    Mit Sonnenaufgang fange ich an das Auto zu reparieren. Um zu verhindern, dass die geflickte Stelle wieder undicht wird, schneide ich aus einer alten Bierdose einen Streifen Metall und wickle diesen noch um den Flicken. Bier ist einfach ein Allrounder, kann sogar bei der Autoreparatur helfen.
    Ich mache mich auf den Weg nach Kamanjab, hier war ich vor einigen Jahren schon einmal. Die Straße ist fast ausschließlich eine Piste, die trotz des vielen Regens in den letzten Wochen super staubig ist. Staub kriecht also wieder einmal in jede Ritze des Autos. Nahe Kamanjab gibt es auf einem Felsen Steinritzereien die fast 4000 Jahre alt sind. Vor 4000 Jahren ist also jemand hergekommen um Giraffen und Zebras in die Steine zu kratzen - nur mit dem einen Zweck, damit diese heute besichtigt werden können.
    Da es rund um Kamanjab noch viele Siedlungen der Himba-Völker gibt, besuche ich eine der Siedlungen am Nachmittag. Um eines der indigenen Völker zu besichtigen, muss ich einen Übersetzer aus Kamanjab organisieren und mit ins Dorf nehmen. Dort gibt es nun rund 30 Lehmhütten, die auch heute noch traditionell von den Himba bewohnt werden. Wenn auch deutlich touristischer als in der Zentralafrikanischen Republik, bekomme ich einen guten Einblick in das traditionelle Alltagsleben. Man lebt hier in einer fest zusammenstehenden Dorfgemeinschaft, in der jeder Mann mehrere Frauen haben darf. Im Dorf gibt es kein fließendes Wasser, um sich zu waschen nutzen die Himba ausschließlich Rauch und Lehm. Charakteristisch ist auch das Lehmhaar, welches mit Ziegenfell geschmückt wird. Allen Himba fehlen am Ober- und Unterkiefer die Zähne, die man den Heranwachsenden mit Stock und Stein herausschlägt, damit die Sprache einfach zu sprechen ist.
    In Kamanjab gibt es eine schöne Campsite mitten im kleinen Dorfzentrum, als ich ankomme möchte man zunächst 250 Namibian-Dollar (12.50€) für die Übernachtung haben. Als man dann mein deutsches Kennzeichen sieht und ich erzähle, dass ich den ganzen Weg von Europa hierher gefahren bin, lässt man mich umsonst übernachten. Als Gegenleistung möchte man ein Foto von Heiner machen und dieses in der Bar aufhängen. Klingt nach einem guten Deal!
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  • Tag 227, 121 Km/30743 Km

    13 april 2025, Namibia ⋅ 🌙 25 °C

    Ich verlasse Kamanjab und mache mich auf den Weg nach Palmwag, meinem Tagesziel. Direkt nachdem ich Kamanjab verlasse wird die Straße schlecht. Asphalt weicht einer staubigen Wellblechpiste, auf diesem Stück sind mal wieder so gut wie keine Fahrzeuge mehr zu sehen. Die Landschaft ändert sich drastisch, die Steppe wird grüner, wird nach und nach zu einer Halbwüste, Berge tauchen in der Ferne auf. Um den Grootberg zu überqueren, muss ich eine steile und spektakuläre Passstraße herauffahren. Als ich am Gipfel des Passes angekommen bin, riecht es plötzlich nach Diesel. Im Motorraum tropft Kraftstoff aus dem Dieselkühler in den Motorraum. Die Dichtung, die vor Wochen in Nigeria schon einmal für Luft im System gesorgt hat, ist nun erneut undicht. Mit tropfender Dichtung schleppe ich mich nach Palmwag, eine winzige Stadt mitten im Nirgendwo. Als ich kurz davor bin in die Stadt einzufahren treffe ich auf die erste wilde Giraffe der Reise. Dichtung hin oder her, bei der ersten Giraffe muss ich einfach anhalten.
    Bevor ich schließlich nach Palmwag hineinfahren kann, muss ich an einem Checkpoint alles an Fleisch abgeben, was ich noch im Kühlschrank habe, dadurch soll die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche eingedämmt werden. In Palmwag selbst gibt es neben den drei Häusern, aus denen die Stadt besteht eine erstklassige Lodge mit Campingmöglichkeit. Als ich auf den mir zugewiesen Stellplatz fahre sehe ich, dass einer der hinteren Reifen Luft verliert, das Ventil ist gerissen. Vermutlich kann ich Heiner nach der Reise bei der technischen Universität in München für eine Doktorarbeit abgeben, damit erforscht werden kann, wie sich 30.000 Kilometer Piste in Afrika auf ein europäisches Auto auswirken. Um den Nachmittag nicht schon wieder damit zu verbringen, das Auto zu reparieren, lasse ich erstmal alles so wie es ist und laufe ein Stück zu Fuß durch den Nationalpark. Es gibt einen kleinen Hügel auf den ich gehe, der Blick in das grüne Tal mit weiteren Giraffen, die hier grasen ist wieder einmal unglaublich schön. Die Halbwüste ist hier zuletzt vor 12 Jahren ergrünt, somit habe ich Glück und zufällig den kurzen Zeitraum nach der Regenzeit erwischt, in dem die Wüste ausnahmsweise mal nicht braun ist. Als ich kurz vor Sonnenuntergang zurück zum Camp laufe, sehe ich eine kleine Werkstatt, an der 'Tire Repair' steht. In diesem winzigen Städtchen gibt es keinen Supermarket, keine Kneipe, keine Apotheke aber eine Werkstatt, die Reifen flickt. Immerhin scheint es für eines der beiden Probleme bereits am Abend eine Lösung zu geben.
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  • Tag 228, 0 Km/30743 Km

    14 april 2025, Namibia ⋅ ☀️ 32 °C

    Ich stehe früh auf, es gibt in der Nähe die Möglichkeit eines der wenigen verbliebenen Nashörner zu sehen, welche hier noch frei leben. Gemeinsam mit zwei lokalen Führern starten wir mit einem alten Landcruiser um 6 Uhr, Nashörner sind Frühaufsteher. Zwanzig Minuten später löst sich dann der Reifen von der Felge. Heiner ist offenbar nicht der einzige, der technische Probleme hat. Also tuckern wir wieder den ganzen Weg zurück und fahren zum Reifenservice, um kurz vor 7 ist man schon fleißig, ich kündige mich direkt für den Nachmittag schon einmal an. Während sich um den Reifen gekümmert wird, wechseln wir das Fahrzeug und starten mit einer Stunde Verspätung, die Chance eines der Nashörner zu sehen schwindet. Vielleicht schläft eines heute aus, ab 9 Uhr ziehen sich die Tiere ins Gestrüpp zurück und sind dadurch eigentlich unsichtbar. Vier Stunden fahren wir durch ein trockenes Flussbett, halten immer wieder an um Giraffe, Strauß oder Schakal zu sehen. Nur das Nashorn kommt nicht. Wir geben auf, sind schon auf dem Rückweg und eigentlich schon fast wieder auf der Straße als dann plötzlich eines der Tiere aus dem Gebüsch kommt. Zu Fuß nähern wir uns auf 20 Meter, näher heran wäre zu gefährlich, das Nashorn rennt bei Gefahr gerne schonmal unkontrolliert los.
    Wir sind am Nachmittag zurück im Camp, ich habe Zeit das Auto zu reparieren. Die Reifenwerkstatt entfernt das gerissene Ventil und zieht ein neues ein, währenddessen dichte ich den Dieselkühler so gut es geht ab. Am Ende des Tages sind Reifen und Dieselkühler dicht, mal sehen was morgen kaputt geht.
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  • Tag 229, 155 Km/30898 Km

    15 april 2025, Namibia ⋅ ☀️ 34 °C

    Es geht wieder rauf auf die staubige Wellblechpiste und wieder in Richtung Süden. Die Straße führt weiter durch Schluchten und vorbei an Bergketten, auch hier ist die Wüste rundum ergrünt. Ich fahre in eine kleine Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Twyfelfontein, hier gibt es das größte Kunstwerk in ganz Afrika. Vor 6000 Jahren wurden hier, ähnlich wie in Kamanjab, Tiere in den Stein geschlagen. Der Ort ist riesig, überall rundum gibt es Petroglyphen aller Art, von Giraffe bis hin zu Pinguin. Mittags geht's in ein Restaurant mit Buffet. Ich frage beim Ankommen, was das Buffet denn kostet. "250 Namibian-Dollar". Soweit in Ordnung. Als es dann ans Bezahlen geht, möchte man plötzlich fast den doppelten Betrag, Salat und Dessert kosten extra. Steht nirgendwo, wurde kein einziges Mal so angekündigt und habe ich noch nie bei irgendeinem Buffet so erlebt. Der erste Fall dieser Art seit vielen Wochen, auch der Erste in Namibia. Nach einer endlosen Diskussion von über 20 Minuten zahle ich schließlich nur den abgemachten Preis, nachdem man irgendwann zwischendrin, warum auch immer, sogar schon beim dreifachen Preis war.
    Ich finde in der Nähe erst keinen Stellplatz für die Nacht, schließlich dann doch eine winzige Campsite zwischen den Felsen, von denen es am Abend einen wunderschönen Ausblick auf das Tal und die Berge bei Sonnenuntergang gibt.
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  • Tag 230, 345 Km/31243 Km

    16 april 2025, Namibia ⋅ ☀️ 17 °C

    Ich verlasse die wunderschöne Region rund um das Damaraland. Springböcke begleiten mich am Morgen über viele Kilometer, grasen links und rechts der Straße. Irgendwann erreiche ich das Eingangstor der Skelettküste. Ich bekomme eine schriftliche Genehmigung, den Tag im Nationalpark zu verbringen, werde am Tor noch gefragt ob ich genügend Wasser und Diesel dabei habe. Grüne Halbwüste wird schnell zu trockenem, kargen und wunderschön grauem Land. Es wird kalt, trotz blauem Himmel klettert das Thermometer kaum mehr über 15 Grad Celsius, der Benguela-Strom kühlt die gesamte Region das ganze Jahr über ab und sorgt gleichzeitig dafür, dass dieser Küstenabschnitt lange Zeit als einer der gefährlichsten Weltweit galt, Nebel und Seitenströmungen haben unzählige Schiffe an den Strand gespült, manche sind davon noch im tiefen Sand sichtbar. Die Luft ist salzig, Straßenschilder rosten dahin. Vor vielen Jahren hat man hier vergeblich nach Diamanten und Öl gesucht, am Strand steht noch eine alte Diamantenmine, etwas weiter noch eine verrostete Ölplattform. Durch die starken Winde, die das Salzwasser ins Landesinnere treiben gibt es Salzpfannen und pinke Salzseen, die Mischung aus allem macht diesen Ort einmalig. Es gibt Löwen in diesem Teil Namibias, die aber so gut wie nie zu sehen sind. Als ich irgendwann aussteige und dann rund 500 Meter vom Auto entfernt frische Löwenspuren im Sand sehe, wünsche ich mir mich doch besser an die Regel gehalten zu haben, das Fahrzeug nicht zu verlassen.
    Ich verlasse die Skelettküste auf der anderen Seite, habe in vier Stunden nur zwei andere Fahrzeuge gesehen.
    Ich fahre weiter bis Cape Cross, komme kurz vor Sonnenuntergang an einer der wenigen Campsites in der Region an. Ich bekomme den letzten freien Stellplatz, so langsam muss ich darüber nachdenken vorab zu reservieren, was ich bislang noch nie musste. Manchmal muss man Glück haben. Danke Heiner, dass du heute nicht neben den Löwenspuren liegen geblieben bist.
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  • Tag 231, 0 Km/31243 Km

    17 april 2025, Namibia ⋅ 🌙 15 °C

    Ich lasse das Auto stehen und laufe rund eine Stunde zu Fuß zu den Robben von Cape Cross. Am Eingangstor schaut man mich etwas schräg an, ich bin wohl der einzige der ohne Auto ankommt.
    Um den Weg etwas abzukürzen, gibt es einen Pfad den Strand entlang, schon von weitem ist der scharfe Gestank von Verwesung wahrnehmbar. Hunderte, vielleicht tausende Robbenkadaver liegen hier am Strand, der Geruch ist wirklich kaum auszuhalten. Wer sich einmal richtig übergeben möchte, der kommt hierher. Die Strömung treibt die toten Robben hier an den Strand, der reguläre Tourist fährt mit dem Auto einen weiten Umweg und bekommt diesen Strandabschnitt eher nicht zu sehen.
    Irgendwann am Cape Cross angekommen sitzen die Robben schließlich in lebendiger Ausführung zu Tausenden auf den Steinen. Der Geruch ist auch hier nicht angenehm, immerhin riecht es nur noch nach einer Mischung aus Fisch, Kot und Alge, der Geruch nach Verwesung bleibt am ersten Strandabschnitt zurück. Die Robben kämpfen um den besten Sonnenplatz, ähnlich wie wir beim Pauschalurlaub auf Mallorca, nur dass die Robben Zähne und keine Handtücher nutzen um zu zeigen, wem hier welcher Platz gehört.
    Cape Cross wurde einst von portugiesischen Seeleuten entdeckt und mit einem Kreuz markiert, das Kreuz steht heute noch an gleicher Stelle.
    Als ich am Nachmittag zurück am Auto bin, gibt es leider wieder einmal etwas zu reparieren. Einer der Stoßdämpfer hat sich durch die massiven Vibrationen der letzten Tage gelöst und gestern ein schlagen in der Vorderachse verursacht. Ist zum Glück schnell erledigt.
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  • Tag 232, 319 Km/31562 Km

    18 april 2025, Namibia ⋅ 🌙 18 °C

    Ich verlasse Cape Cross und fahre so früh es geht wieder ein Stück zurück in Richtung der Skelettküste. Schon bald verlasse ich die ohnehin schon menschenleere Hauptstraße, biege auf einen Offroad-Track ab. Mir ist bewusst, auf was ich mich hier einlasse, habe Route und Notfallnummer vorher geteilt. Um weiter in den Messum-Krater, einen erloschenen Vulkan zu gelangen, muss ich über eine knüppelharte Wellblechpiste mehr als 50 Kilometer durch ein ausgetrocknetes Flussbett fahren. Niemand, wirklich niemand fährt diese Route. Ich werde den ganzen Tag keinen einzigen anderen Menschen treffen. Empfang gibt es schon lange keinen mehr, die Fahrspuren werden nach und nach immer dünner und weniger, ich fahre weglos per GPS und Kompass. Das Wellblech ist so übel, man muss Angst haben, dass einem die Zähne rausgeschüttelt werden, schneller als 15 Km/h traue ich mich nicht zu fahren. Würde die Piste hier irgendwas am Fahrwerk beschädigen würde das bedeuten: den ganzen Weg von über 50 Kilometern zu Fuß zurück. Das Stück ist das einsamste der ganzen Reise. Unzählige Welwitschia-Pflanzen wachsen im Flussbett, Strauße rennen in der Ferne davon. An einer Stelle ist die Caldera des Vulkans durch den mittlerweile ausgetrockneten Fluss durchbrochen, ich kann also bis mitten in den Vulkan fahren. Genau dort steht ein Berg, der weglos bestiegen werden kann, von oben gibt es einen atemberaubenden Ausblick auf das Flachland rund um den Vulkan. Drei Stunden Anreise haben sich gelohnt. Heiner zickt auch bei der Rückreise nicht, je näher ich an die Hauptstraße komme umso entspannter werde ich auch, am Ende bin ich froh den Krater wieder fahrend zu verlassen.
    Ich fahre am Nachmittag bis Uis, eine winzige Stadt im Osten vom Brandberg, dem höchsten Berg Namibias. Uis ist eine ehemalige Bergbausiedlung und aufgrund des mittlerweile nicht mehr vorhandenen Bergbaus fast schon eine Geisterstadt. Der einzige Supermarkt der Stadt wurde vor ein paar Monaten geschlossen, es gab zu wenig Kunden. In Uis gibt es einen Zeltplatz, der ein wenig an die Serie Twin Peaks erinnert. Im Hof stehen Autos, durch die mittlerweile bereits Bäume wachsen, Männer mit Cowboyhüten und langen Bärten sitzen an der Bar, in der Mitte ein Pool, der mit Palmen umrandet ist. Charme hat der Ort, also bleibe ich ein paar Tage um die Region rund um den Brandberg zu erkunden.
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  • Tag 233, 72 Km/31634 Km

    19 april 2025, Namibia ⋅ ⛅ 30 °C

    Ich fahre am Morgen zum Brandberg-Massiv, welches aus der flachen Ebene steil emporragt. Um zur White Lady, einer 7000 Jahre alten Felszeichnung zu gelangen muss leider geschwitzt werden. Es gibt einen Wanderweg hinein ins Tal der White Lady, ungefähr eine Stunde muss ich pro Strecke laufen. Damit die fragile Felszeichnung nicht beschädigt wird, läuft ein Aufpasser mit. Der Weg führt durch das Flussbett und da der Fluss aktuell viel Wasser führt, ist die Strecke nicht unbedingt einfach. Mehrfach muss der Fluss überquert werden, der zum Teil knietief ist. Irgendwann komme ich an der alten Felszeichnung an, welche unglaublich gut erhalten und wahnsinnig fein gezeichnet ist. Noch nie habe ich so eine schöne Felszeichnung gesehen. Von der Felszeichnung hat man zusätzlich einen tollen Ausblick auf den Königsstein, dem Gipfel des Brandberg-Massivs.
    In der Mittagshitze geht es zu Fuß zum Auto und schließlich wieder nach Uis zurück. Zwei Tage hat es gedauert, heute geht wieder etwas kaputt: eines der beiden Scharniere vom Hubdach bricht. Die Wellblechpisten schaffen es sogar 6mm dicken, gehärteten Stahl zu zerstören. Würde nun das zweite Scharnier auch brechen, kann ich das Dach nicht mehr schließen, sprich nicht mehr weiterfahren. Morgen ist Sonntag und zudem Ostern, da ist alles geschlossen. Am Montag muss ich also unbedingt jemanden finden, der das Scharnier schweißen kann.
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  • Tag 234, 206 Km/31840 Km

    20 april 2025, Namibia ⋅ ☀️ 33 °C

    Ich gehe am Morgen in eine kleine Werkstatt nicht weit weg von der Campsite. Es ist Sonntag und die Werkstatt hat geschlossen, es lungert trotzdem jemand herum. Edelstahl schweißen kann hier generell niemand, obwohl ein passendes Schweißgerät da wäre. Zufällig hat man jedoch ein Stück Rundaluminium, welches genau die gleiche Dicke wie das gebrochene Scharnier hat. Ich darf Schraubstock und Werkzeug benutzen und da Biegen mein zweiter Vorname ist biege ich das gebrochene Scharnier einfach nach. Sieht am Ende fast aus wie original und hält auch echt gut. Um zu testen, ob es auch die Wellblechpisten Afrikas übersteht und nicht nur hübsch aussieht, fahre ich wieder einmal auf einer Piste rund 100 Kilometer auf die andere Seite vom Brandberg. Es gibt hier eine alte Zinnmine, die vor Jahren aufgegeben wurde. Die Piste wird nach und nach immer schlechter, es gibt auch heute die ganze Strecke keinen Empfang, kein Wasser, keinen Diesel und vor allem keine anderen Menschen. Irgendwann fahre ich auf Tiefsand, ich muss aufpassen keinen der Reifen auf den immer wieder aus dem Sand herausstehenden spitzen Steinen zu beschädigen. Schließlich fahre ich auf das verlassene Minengelände. Eigentlich darf das Gelände nicht betreten werden, aber es ist niemand da um dies zu kontrollieren. Es gab hier einst Gebäude, mittlerweile sind alle eingestürzt. Weglos geht es über das Bergbaugelände, wo ich immer wieder tiefe Löcher im Boden umfahren muss, die vor Jahren durch die Bergbautätigkeiten entstanden sind. Es gibt einen Damm, über den ich mich noch gerade so traue zu fahren. Der Damm wurde vor vielen Jahren hier aufgeschüttet, gebaut aus dem Abraum der Mine. Ich laufe zu Fuß weiter bis runter an den niedrigsten Punkt, an dem sich ein grüner See gebildet hat. An den Seiten liegen noch immer Mineralien, die in Vergessenheit geraten sind. Der Ort wirkt angsteinflößend und anziehend zugleich.
    Ich fahre irgendwann wieder zurück nach Uis, das nachgebogene Scharnier hält den ganzen Tag. Ich bin mir sicher, mit dem reparierten Bügel bis nach Kapstadt zu kommen.
    Als ich am Nachmittag zurück an der Campsite bin, fragt mich Basil, der Besitzer, ob ich mit ihm eine Runde in seinem alten Landrover fahren möchte. Na klar, da bin ich dabei! Basil ist ein alter Haudegen, hat sich einen Bierflaschenhalter in sein Auto eingebaut, damit er auch während der Fahrt trinken kann und fährt mit mir hoch auf eine der Dünen, von wo es einen tollen Ausblick auf den Brandberg bei Sonnenuntergang gibt. Seine Freunde kommen ebenfalls, ballern noch ein bisschen mit den mitgebrachten Gewehren herum bevor wir dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurückfahren. Das Basil sich vor der Rückfahrt die dritte Flasche Bier aufmacht ist eigentlich auch egal. Er hat zum Glück den Bierflaschenhalter.
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  • Tag 235, 400 Km/32240 Km

    21 april 2025, Namibia ⋅ ⛅ 25 °C

    Ein wenig traurig verlasse ich am Morgen Uis und die Brandberg-Region. Gerne wäre ich länger geblieben aber das nächste Ziel, der Caprivi-Streifen ganz im Nord-Osten Namibias ist noch weit, knapp 1000 Kilometer entfernt, also muss ich mich leider von Basil verabschieden. Ich komme irgendwann zurück um diese menschenleere, staubige und touristisch noch unberührte Region Namibias noch einmal zu besuchen, ganz sicher.
    Für 120 Kilometer bleibt die Straße noch schlecht, Steine, Staub und kleine Hügel prägen Straße und Umgebung. Ich treffe auf eine Schildkröte, die hier mitten in der Wüste die Straße quert. Ich habe tagelang kein Wasser und keinen Fluss gesehen, jetzt hier auf eine Schildkröte zu treffen ist schon etwas bizzar.
    Irgendwann wird die Straße besser, ist erstklassig geteert und wie mit einem Lineal gezogen. Ich spüre heute zum ersten Mal seit dem Radlagertausch wieder ein Flattern in der Lenkung, nicht schlimm aber auch nicht schön. Ich habe Heiner mit hunderten Kilometern Piste und Wellblech sicherlich auch viel zugemutet, irgendwann muss es also wieder einen Reparaturtag geben.
    Zum zweiten Mal fahre ich auf dieser Reise durch Otjiwarongo, wo es ein Restaurant gibt welches Krokodilfleisch aus eigener Zucht anbietet. Das Kroko-Steak kommt mit Champignon-Soße und Ananas und schmeckt in dieser Kombination hervorragend. Die Krokodilsfarm hat es zudem geschafft, die Wilderei von Krokodilen auf fast 0 zu reduzieren. Ich fahre noch ein Stück weiter, halte an einem Weingut wo es für mich auch die Möglichkeit gibt, neben den Weinreben zu übernachten. Auch wenn noch nicht in Südafrika, gibt es den ersten Weißwein der Reise. Hier eine Flasche Wein zu trinken ist bestimmt auch gut gegen Wein-Wilderei.
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  • Tag 236, 588 Km/32828 Km

    22 april 2025, Namibia ⋅ ⛅ 30 °C

    Am Morgen lässt sich die Hecktür nicht mehr öffnen, das Schloss klemmt. Yes, endlich wieder was kaputt! Die Hecktür nutze ich zum Ein- und Aussteigen, das Schloss muss ich zeitnah reparieren. Ich krabbel also über den Fahrersitz nach draußen und mache mich so früh ich kann auf zur zweiten Etappe in den Caprivi-Streifen.
    Die Straße ist erstklassig, zieht sich trotzdem und ist unglaublich langweilig, plattes, ödes Land. Mit Einfahrt in den Caprivi-Streifen wird die Umgebung grüner, es sind Bäume zu sehen, es bleibt jedoch unspektakulär. Ich quäle mich durch die über 500 Kilometer zum Eingangstor des Buffalo-Nationalpark. Ein kleiner, recht unbekannter Nationalpark im Caprivi-Streifen. Der Caprivi-Streifen wird durch Sambesi und Okavango eingerahmt, die Tiere können somit nicht so einfach in die weite Steppe entfliehen, was den Park zu etwas ganz besonderem macht. Bis vor wenigen Wochen durfte man im Park nicht übernachten, es gibt schließlich Löwen, Elefanten und Leoparden, dies ist mittlerweile anders, es gibt eine nagelneue Campsite mitten im Park. Hat sich wohl noch nicht rumgesprochen, ich bin der einzige Gast. Ich parke Heiner direkt am Okavango, repariere das Schloss mit Olivenöl (kaltgepresst) und Besen, entferne rund ein halbes Altbierglas Staub aus der Schlossmechanik. Dann geht es noch einmal in den Park. Die Chance auf die ersten Raubkatzen der Reise will ich nutzen, auch wenn ich schon viele Stunden im Auto saß.
    Es gibt unendlich viele Antilopen, in allen Varianten und in verschiedener Anzahl. Leider zeigt sich keine Raubkatze. Ich bleibe mindestens noch eine weitere Nacht, hab somit also morgen eine zweite Chance.
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  • Tag 237, 100 Km/32928 Km

    23 april 2025, Namibia ⋅ ☁️ 29 °C

    Es ist noch dunkel, als ich am Morgen zusammenpacke und aufbreche. Wildtiere sind in der Regel am frühen Morgen oder am späten Abend aktiv, die Chancen auf Löwen steigen also rund um den Sonnenaufgang. Der Park öffnet erst um 06:00 Uhr, also bin ich im ohnehin schon wenig besuchten Nationalpark vollkommen alleine. Keine 10 Minuten unterwegs sehe ich die ersten Löwen. Zwei Weibchen die wie ich gähnend durch die Straßen ziehen. Von Deutschland muss man also 32838 Kilometer mit dem Auto fahren um den ersten Löwen zu sehen. Auch wenn dies nicht die ersten wildlebenden Löwen in meinem Leben sind, bin ich total begeistert.
    Ich fahre stundenlang durch den vollkommen menschenleeren Nationalpark, sehe Antilopen, Affen und Waran. Die afrikanische Massage, die ich durch den Fahrersitz in Kombination mit der Wellblechpiste bekomme, ist kostenfrei und muss am Eingangstor des Nationalparks nicht extra gezahlt werden.
    Der Okavango ist voll von Hippos, die ich schon in der Nacht und auch am Abend immer wieder im Fluss grunzen und singen höre, zeigen will sich davon heute keins.
    Ursprünglich wollte ich zwei Nächte im Camp des Nationalparks bleiben, bin aber so beeindruckt, dass ich noch zwei Nächte dranhänge. Die Chancen auf Hippos steigen somit!
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  • Tag 238, 50 Km/32978 Km

    24 april 2025, Namibia ⋅ ☁️ 28 °C

    Es geht einen weiteren Tag in den Nationalpark, leider habe ich heute kein Glück. Ich fahre alle Pisten ab, frage die wenigen mir entgegenkommenden Fahrer der Safarifahrzeuge ob sie Tiere gesehen haben, aber bis auf einzelne Antilopen versteckt sich alles. Es ist am Nachmittag also an der Zeit, das Gefährt und somit von der Straße aufs Wasser zu wechseln. In der dreistündigen Bootstour mit Kapitän Willi sind Getränke mit inbegriffen. In der riesigen Kühlbox die Willi aufs Boot schleppt gibt es genau zwei Getränkesorten: Wasser und Bier. Für jeden Geschmack ist also etwas dabei, wir können dann los!
    Wir starten mit dem Boot und suchen hauptsächlich Hippos, die im flachen Wasser im Uferbereich umhertreiben. Willi erzählt mir während der Fahrt, dass gestern ein weiteres Boot mit drei Touristen von einem Hippo angegriffen wurde. Die Drei plus der Kapitän mussten ans Ufer schwimmen, während das Hippo das Boot versenkt hat. Vielleicht nur ein Märchen, um nicht allzu nah ans Ufer heranfahren zu müssen, vielleicht auch nicht. Hippos sind nach Moskitos auf dem zweiten Platz der gefährlichsten Tiere Afrikas.
    Auch wenn es mehrere Hippos zu sehen gibt, die alle nicht in Stimmung sind das Boot mit Willi und mir darauf zu versenken, laufen ihnen die Kormorane heute den Rang ab. Tausende sitzen auf den Bäumen in Ufernähe und brüten. Viele Kormorane sind schon geschlüpft und strecken die braunen Hälse aus den Nestern. Der Gestank in Ufernähe ist unerträglich.
    Rund um die Bäume sitzen Krokodile und Warane am Ufer oder treiben im Wasser. Durch das Chaos im Baum fallen immer mal wieder Tiere aus den Nestern, so prompt auch heute. Ein Jungtier fällt wie ein Stein ins Wasser, versucht noch panisch ans Ufer zu schwimmen, wird aber Sekunden später unter Wasser gezogen. Die Natur kann grausam sein.
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  • Tag 239, 136 Km/33114 Km

    25 april 2025, Namibia ⋅ ☁️ 27 °C

    Auf der anderen Flussseite gibt es einen weiteren Teil des Nationalparks, der am Vormittag mein Ziel ist. Wieder einmal leistet mir ein Affe beim Frühstück und beim Zusammenpacken Gesellschaft, dieser klaut heute aber weder Knoblauchzehe noch Milchtüte. Auf dem Weg zur anderen Flussseite halte ich zwischendrin belanglos kurz am Seitenstreifen. Beide Fenster sind offen, es ist warm und Heiner hat keine Klimaanlage. Plötzlich brüllt jemand durch das Beifahrerfenster "You give me 10 Dollars!" Definitely not. Während er Kopf und Arm schon ins Fenster steckt und auf dem Beifahrersitz guckt, was er gebrauchen kann, gebe ich Gas, der Motor läuft noch. Er zieht Kopf und Arm schnell aus dem Fenster, schlägt beim Wegfahren noch an die Beifahrerseite. Zum Glück lagen auf dem Beifahrersitz nur Kekse und die wollte er offenbar nicht. Auch wenn Namibia eines der sichersten Länder Afrikas ist, kann sicherlich auch hier etwas passieren.
    Auch im Nationalpark lasse ich besser Fenster und Türen geschlossen, hier aber nicht wegen Menschen die 10 Dollar wollen, sondern wegen Wildtieren und Affen. Die heute besuchte Westseite des Nationalparks ist landschaftlich vollkommen anders, weniger dicht bewachsen. Tiere wie Zebra und Giraffe sind überall leicht zu sehen. Elefanten und Büffel zieren sich leider auch heute, von den 'Big 5' der großen Tiere des südlichen Afrikas habe ich bislang nur Löwe und Nashorn gesehen, als im Laufe des Nachmittags endlich dann auch der Elefant als Nummer Drei hinzukommt. Die Tierwelt ist rund um den Okavango einfach unschlagbar, der Nationalpark auch heute menschenleer, ich sehe rund ein weiteres Fahrzeug pro Stunde.
    Ich werde morgen weiter in den Osten des Caprivi-Streifens fahren, wo die Chance auf weitere Elefanten und möglicherweise endlich auch auf Büffel noch einmal hoch sein wird.
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  • Tag 240, 283 Km/33397 Km

    26 april 2025, Namibia ⋅ ⛅ 28 °C

    Um die Chancen auf Elefanten zu erhöhen, fahre ich heute bis fast zum Ende des Caprivi-Streifens. Hier, ganz im Osten, gibt es den Babwata-Nationalpark, in dem es neben den Elefanten auch Löwen und Leoparden geben soll.
    Gegen Nachmittag komme ich am Tor des Parks an, fahre dann rund zwei Stunden bis zum Horseshoe-Bend, der Fluss macht an dieser Stelle fast eine 360-Grad Kurve. Das Gras rundherum ist flach, also steigen hier die Chancen auf Wildtiere. Neben diversen Antilopen, unter anderem dem Wasserbock, welchen ich noch nie in Afrika gesehen habe, versteckt sich jedoch alles. Ich drehe irgendwann also um, fahre gute zehn Minuten, als ich plötzlich eine Herde Elefanten neben dem Weg sehe. Zuerst beeindruckt, schieße ich ein paar Fotos, als eines der Tiere langsam hinter mein Auto geht. Der Elefant steht schon gut 50 Meter hinter dem Auto, als von der Seite ein weiterer Elefantenbulle aus dem Dickicht auftaucht. Er ist viel zu nah dran, ist keine 15 Meter vom Auto entfernt und schräg vor mir. Er stellt die Ohren auf, starrt mich an, mein Zeichen langsam rückwärts zu fahren...ach nee, da steht ja noch immer das etwas kleinere Elefantenweibchen. Ich habe nun also zwei Optionen, stehen bleiben und hoffen das nichts passiert, oder Vollgas geben und ebenfalls hoffen, dass nichts passiert. Der Bulle steht keine 5 Meter von der sandigen Straße entfernt. Ich zittere, zum ersten Mal habe ich auf der Reise richtig Angst. Ich gebe Vollgas, im Sand hat Heiner nicht allzuviel Traktion, ist also weniger schnell als ich dachte. Macht der Elefant jetzt zwei Schritte vor, zerstört er das Auto. Macht er dann aber nicht, sondern dreht kurze Zeit später als ich schon fast auf gleicher Höhe bin mit lautem Getöse schließlich ab.
    Rund um den Nationalpark sind leider alle Stellplätze ausgebucht, also bleibt mir nur eines der Buschcamps am Flussbett. Im Gegensatz zu regulären Campingplätzen in Namibia sind Buschcamps eher einfach, meist gibt es Dusche und Toilette, das war's dann aber auch schon mit Luxus. Dafür, und so ist es auch heute wieder, gibt es einen tollen und großen Stellplatz mitten in der Natur und weit weg von jeglichen Lärmquellen. Andere Touristen sind rundum aktuell weder zu sehen, noch zu hören.
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  • Tag 241, 65 Km/33462 Km

    27 april 2025, Namibia ⋅ ☁️ 29 °C

    Ich laufe am Vormittag drei Stunden zu Fuß durch das Grasland rund um den Nationalpark. Solange ich den Nationalpark nicht betrete, also nicht weiter als bis zu den Bäumen am Horizont laufe, ist es erlaubt, sich zu Fuß zu bewegen. Löwen und insbesondere Hippos gibt es auch hier, sind aber eher selten anzutreffen. Zwei der Männer die im Dorf wohnen laufen mit mir, zeigen mir viele kleine Insekten wie den Ameisenlöwe und Termiten, die man aus dem Auto in der Regel nicht zu sehen bekommt. Es ist komisch zu Fuß zu laufen, nur wenige Meter von Krokodilen und Antilopen entfernt.
    Ich mache mich schließlich noch einmal auf in den Nationalpark, diesmal mit dem Auto. Ich versuche die Chancen auf Elefanten, Löwen und Hippos zu erhöhen, in dem ich erst am späten Nachmittag zum Horseshoe-Bend fahre, der Flussbiegung mitten im Nationalpark. Leider ist auch heute nichts zu sehen, außer die üblichen Antilopen. Ich warte dreißig Minuten, als plötzlich ein einzelner Elefant zum Trinken an den Fluss kommt. Kurze Zeit später höre ich Hippos in der Ferne grunzen, also ab ins Auto, links am Elefant vorbei und rüber zu den Hippos, die im flachen Wasser die Seerosen fressen, die Mäuler zum Gähnen aufsperren und ihren Kot mit wedelndem Schwanz in alle Himmelsrichtungen verspritzen. Zwei Stunden beobachte ich die Gruppe, bis ich irgendwann leider zum Eingangstor zurück muss und gerade noch rechtzeitig vor Schließung des Parks rausfahre.
    Leider fehlt noch immer der Leopard trotz mehrerer Sichtungen an verschiedenen Stellen im Nationalpark in den vergangenen Tagen. Am Eingangstor hängt eine Tafel mit den letzten bestätigten Begegnungen in den letzten 24 Stunden, incl. entsprechendem Sektor. Morgen ist der vorerst letzte Tag in einem der Nationalparks und gleichzeitig auch erstmal der letzte Tag für mich in Namibia. Ich drücke mir am Abend selber die Daumen, vielleicht morgen noch einmal Glück zu haben.
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  • Tag 242, 167 Km/33629 Km

    28 april 2025, Namibia ⋅ ☁️ 28 °C

    Der letzte Tag im Caprivi-Streifen und somit auch der vorerst letzte Safari-Tag ist gekommen. Ich fahre in den Mudumu Nationalpark, hoffe weiterhin auf Löwen oder Leoparden. Die Vegetation im Park ist noch einmal vollkommen anders, das trockene, braune Gras steht links und rechts der Piste oft ziemlich hoch, keine guten Aussichten auf Raubkatzen. An einer Stelle gibt es auch heute wieder Hippos, die im flachen Wasser treiben und kämpfen, dazu die Mäuler aufreißen und sich gegenseitig mit weit aufgerissenem Maul angreifen. Hippos sind bislang mein absoluter Favorit: sieht man sie, dann ist eigentlich direkt immer Action.
    Es gibt zwei erstklassige Aussichtsplattformen im Park, hier gibt es eine kleine Gruppe Gnus die in der Ferne grasen - sonst versteckt sich die Tierwelt heute leider vor mir.
    Kurz vor Sonnenuntergang fahre ich zurück ins Buschcamp, wo ich bereits seit drei Tagen stehe. Ich steige aus dem Auto aus und gehe ein paar Meter, als sich unmittelbar vor mir eine Schlange durch das flache Gras schlängelt. Die Schlange ist smaragdgrün und klettert schließlich schnell den Baum hoch, direkt da wo Heiner parkt. Ich bin mir ziemlich sicher hier auf eine Boomslang oder 'Grüne Baumschlange' zu treffen, eine der giftigsten Schlangen Afrikas. Schade, der Platz war gut - nur habe ich nicht unbedingt Lust die Nacht unter der Schlange zu verbringen. Also parke ich ein gutes Stück weiter weg. Ganz bestimmt gibt es hier keine Schlange. Ganz bestimmt...
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  • Tag 243, 336 Km/33965 Km

    29 april 2025, Zambia ⋅ ⛅ 29 °C

    Ich verlasse das Buschcamp und alle Schlangen die sich potentiell noch in den Bäumen aufhalten, fahre bis kurz vor die Grenze. An der Grenze gibt es einen großen Markt für Fahrzeugersatzteile, vor einigen Tagen habe ich festgestellt, dass die Bremsbeläge neu müssen. Ich war fest davon ausgegangen, dass die Beläge bis zum Ende der Reise halten, doch so ist es nicht, der Verschleiß auf den Straßen Afrikas ist einfach deutlich höher als in Europa. Trotz vieler Defender, die in Namibia herumfahren, hat man die Bremsbeläge leider nicht. Ich muss mich also in Livingstone, meinem nächsten Ziel, noch einmal auf die Suche machen. Dann geht es zur Grenze, rüber nach Sambia. Insgesamt ist es meine dritte Reise nach Sambia und da ich vieles kenne, beschränke ich mich auf einen der für mich schönsten Orte Afrikas: Die Viktoria-Fälle.
    Schon weit von der Grenze entfernt beginnt die Schlange der LKW, die zu hunderten hier tage- oder wochenlang anstehen. Für mich geht es an der Schlange vorbei direkt nach vorne, keine 5 Minuten dauert die Ausreise. Dann beginnt das Chaos. Schon im Niemansland zwischen den beiden Grenzen hunderte Geldwechsler und Fixer, die mit dem Auto mitlaufen und mich von allen Seiten penetrant belagern. Ich werde an einer Stelle von einem uniformierten Beamten angehalten, er zeigt mir den Weg und sagt mir "ich solle Fenster und Türen geschlossen lassen. Wegen den Löwen." Mit Löwen sind wohl die 'Helfer' gemeint, die erst kurz vor dem Grenzhäuschen verschwinden.
    Im Grenzhäuschen dann Chaos Teil 2. Es ist kaum etwas los, ich komme an allen Schaltern direkt dran, die Einreise dauert trotzdem fast 3 Stunden. Ich muss zur Polizei, meinen Pass stempeln lassen, dann zum Zoll, dann zum staatlichen Versicherungsbüro, zu Interpol, Straßenmaut und CO2-Steuer zahlen. Jedes dieser Schritte erfolgt in einem eigenen Büro oder an einem eigenen Schalter, überall müssen meine Daten in ein Buch geschrieben und in den Computer eingegeben werden. Die CO-2 Steuer kann ich nur mit Kreditkarte zahlen, die Straßenmaut nur in US-Dollar, die Versicherung nur in Kwacha, der Währung Sambias. Es gibt natürlich keinen Geldautomaten, was zur Folge hat, dass ich zurück ins Löwengehege muss und hier Geld wechseln muss. Natürlich weiß man, dass ich keine Möglichkeit habe, ohne Kwacha weiter zu kommen, also bietet man mir einen Wechselkurs mit 50% Verlust an. Ich diskutiere und handle, keine Chance. Irgendwann habe ich dann Geld gewechselt und irgendwann bin ich dann auch eingereist.
    Im Sambia wird es schlagartig wieder einfacher, die Häuser sind aus Lehm und Stroh, man winkt mir wieder vom Straßenrand zu. Dann beginnt der Alptraum. Die Straße wird über 100 Kilometer schlecht, so schlecht wie ich keine Straße seit Monaten mehr hatte. Das Stück gehört zu den Top-3 der schlechtesten Straßen Afrikas. Die Asphaltstraße stammt vermutlich aus der Römerzeit, wurde seitdem nicht mehr instand gehalten und ist über die Jahre zu Staub zerfallen. Wellblech, Schlaglöcher, scharfe Asphaltkanten und Staub wechseln sich ab. Neben der Straße gibt es einen durch tausende Fahrzeuge selbst kreierten Pfad, dieser ist auch schon total schlecht. Also wurde daneben noch ein weiterer erzeugt, vorbei an plattgefahrenen Büschen und durch Gestrüpp. Wenn man noch 100 Jahre wartet, ist dieses Stück Straße irgenwann mal 5 Kilometer breit. Nach vielen Stunden zermürbender Piste komme ich schließlich in Livingstone an, viel zu spät um hier noch irgendwas zu machen außer Bier zu trinken und zu essen. Ich kenne einen Campingplatz direkt am Fluss, bekomme die letzte Parzelle die frei ist. Nach insgesamt 8 Tagen im Buschcamp mit Selbstverpflegung ist es am Abend eine tolle Abwechslung, eines der erstklassigen Restaurants direkt am Sambesi aufzusuchen.
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  • Tag 244, 45 Km/34010 Km

    30 april 2025, Zambia ⋅ ☀️ 29 °C

    Ich probiere am Morgen zuallererst neue Bremsbeläge zu organisieren. Es gibt eine Landrover-Werkstatt in Livingstone, doch hier hat man die Bremsbeläge nicht vorrätig. Ich probiere es noch bei zwei Ersatzteilhändlern in der Stadt, bei beiden leider das gleiche: 'Out of Stock'. Also wieder zurück zu Landrover und die Bremsbeläge bestellen. Der Verkäufer sagt mir, die Ersatzteile wären morgen Nachmittag da. Ganz sicher! Ich ahne schon, dass daraus 'Morgen Nachmittag in zwei Wochen' werden könnte. Nützt aber nichts, mit den Bremsbelägen komme ich nicht mehr weit. Also bestelle ich die Teile. Anschließend geht es wieder in die Stadt. Es gibt eine kleine Wäscherei in einem Hinterhof, alle Sachen lasse ich waschen. Der riesen Sack wird mit einer geeichten Profiwaage gewogen, anschließend werden die 8 Kilo Wäsche, die hier mit 10 Kilo bezeichnet werden, mir für 20€ angeboten. Viel zu teuer. Wir handeln bestimmt 10 Minuten lang, immer wieder wird zur Sicherheit noch einmal nachgewogen, die Waage zeigt alles zwischen 8 und 12 Kilo an. Ich ziehe den Staub in der Wäsche und das Tütengewicht ab und irgenwann einigen wir uns auf 12€, was eigentlich noch immer zu viel ist. Ich handle noch den Express heraus, alles ist am gleichen Tag fertig.
    Dann geht es zum Victoria Fall. Ich bin extra deswegen ein drittes Mal hergefahren, da ich den Wasserfall am Ende der Regenzeit sehen wollte. Schon vom Parkplatz aus hört und spürt man die Wassermassen, die hier herabstürzen. Mit maximalem Wasserstand ist es natürlich noch einmal beeindruckender, leider ist die herumwirbelende Gischt dermaßen stark, dass der eigentliche Wasserfall kaum zu sehen ist. Es gibt einen Pfad runter bis an den Boiling Pot, wo das herabgefallene Wasser sich zu einem Wirbel bildet, mit der Victoria Falls Brücke rüber nach Simbabwe ist dieser Ort nicht umsonst einer meiner Lieblingsplätze in Afrika. Als ich gerade auf dem Weg zum Auto bin, bekomme ich einen Anruf der Landrover-Werkstatt. Die Bremsbeläge wären verfügbar, wir können uns aber nicht an der Werkstatt sondern nur auf dem Parkplatz eines Supermarktes treffen. Ich ahne schon, weshalb. Die Bremsbeläge sind brandneu und kosten das gleiche wie zuvor abgemacht, der Verkäufer steckt sich das Geld für den Verkauf aber lieber selber ein statt den Verkauf über die Werkstatt abzuwickeln. Wie Pablo Escobar beim Kokainhandel dreht er sich immer wieder nach links und rechts um, möchte auf keinen Fall gesehen werden. Mir persönlich ist egal was er da treibt, hauptsache ich habe die Bremsbeläge.
    Um die Bremsbeläge morgen tauschen zu können, brauche ich Bremsflüssigkeit. Also wieder in die Stadt, Bremsflüssigkeit kaufen. Außerdem muss Heiner dringend gewaschen werden, was auch in Sambia ein Spektakel ist. Die fünf Herren spritzen sich lieber selber mit dem Hochdruckreiniger nass als das Auto, um die Windschutzscheibe zu reinigen klettert einer (immerhin der Dünnste der Runde) auf die Motorhaube. Zu Fünft ist man fast eine halbe Stunde am Auto beschäftigt, sogar der Unterboden wird gereinigt und am Ende möchte man für diesen Service umgerechnet 6€ haben. Zum Glück wurde die Autowäsche anders als bei der Wäscherei am Morgen nicht nach Kilo abgerechnet.
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  • Tag 245, 17 Km/34027 Km

    1 maj 2025, Zambia ⋅ ⛅ 26 °C

    Ich tausche die Bremsbeläge. Niemals hätte ich gedacht, dass der Verschleiß in Afrika derart hoch ist, die Beläge sind schon unter dem Mindestmaß von 3 Millimeter. Da die Reifen sowieso runter sind, mache ich die Monatswartung gleich mit. Frisch gewartet und mit neuen Bremsen geht es an die Probefahrt und wo kann man die neuen Bremsbeläge besser einschleifen als bei einer Safari. Es gibt einen kleinen Nationalpark direkt am Sambesi und nicht weit weg von der Campsite. Im Nationalpark gibt es insgesamt 7 Nashörner, die 24 Stunden, 365 Tage lang von Parkrangern mit Maschinengewehren bewacht werden. Die Gefahr, die letzten Nashörner hier an die Wilderer zu verlieren ist einfach zu hoch.
    Um die Tiere zu sehen hat man zwei Optionen. Entweder man zahlt 200€ für eine der geführte 'Rhino-Tour' - die dann von einem der Hotels in der Umgebung startet - oder man fährt einfach zum Parkeingang, besticht die Ranger mit 10 Dollar und bekommt die Position der Nashörner gezeigt. Die Nashörner sind ein Stück weg von der Straße, also führen mich zwei der bewaffneten Ranger zu Fuß in den Wald. Vier Tiere sind anwesend, darunter ein Jungtier. Sich bis auf wenige Meter zu Fuß zu nähern ist einfach unbeschreiblich, kein Zaun, keine Autotür ist dazwischen. Das Horn wurde nicht gekürzt, eine absolute Seltenheit und nur an wenigen Stellen so noch zu sehen. Zumindest von diesen Nashörnern wird sich kein reicher Chinese geriebenes Horn zur Potenzsteigerung auf sein Abendessen streuen.
    Als ich dann zum Auto zurückgehe, steht ein weiteres Tier direkt neben Heiner. Vermutlich bewundert er die neuen Bremsbeläge. Das Nashorn ist mit der Reparatur einverstanden und zerstört nichts am Fahrzeug.
    Ich fahre weiter durch den Park, begegne Geier, Pavian und Elefant, die heute ähnlich nah am Auto stehen wie vor ein paar Tagen, glücklicherweise mit Fressen und nicht mit Aggression beschäftigt sind. Im Nationalpark gibt es eine Geisterstadt, der alte Stadtkern von Livingstone der vor fast 100 Jahren aufgegeben wurde. Ich fahre irgendwann mit fertig eingeschliffener Bremse zurück und werde morgen Livingstone in Richtung Zimbabwe über die Victoria Falls Brücke verlassen. Auch im dritten Aufenthalt hat mich Livingstone nicht enttäuscht. Ich bin ziemlich sicher, dass es noch weitere Reisen hierher geben wird.
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  • Tag 246, 32 Km/34059 Km

    2 maj 2025, Zimbabwe ⋅ ⛅ 30 °C

    Ich verlasse Livingstone in Richtung Zimbabwe, tanke noch einmal in Livingstone. Als ich an der Tankstelle gerade mit dem Tankwart beschäftigt bin, versucht einer der Männer die hier herumlungern die Fahrertür heimlich zu öffnen, ich sehe den Typen durch das Beifahrerfenster. Seit dem ersten Reisetag schließe ich das Auto auch an Tankstellen immer ab, noch nie ist etwas passiert. Jetzt zahlt sich die Vorsicht aus. Als ich dann wegfahre will er noch Geld, schlägt beim Davonfahren an die Fahrzeugseite - klar, schließlich hat er vorher nichts aus dem abgeschlossenen Auto klauen können.
    An der Grenze, die nur ein paar Kilometer entfernt ist, ist viel los, es gibt die Möglichkeit mit einem Visum beide Länder zu bereisen und so machen viele einen Tagesausflug von Livingstone nach Victoria Falls auf der anderen Seite vom Sambesi. Entsprechend lang ist die Schlange bei der Passkontrolle, beim Zoll steht niemand, alle sind zu Fuß oder mit dem Taxi gekommen. Trotz des Andrangs geht es auf beiden Seiten der Grenze zügig voran, nach 30 Minuten fahre ich über die Victoria Falls Brücke, nach weiteren 30 Minuten bin ich in Zimbabwe eingereist. Tatsächlich ist dies meine dritte Einreise von Sambia nach Zimbabwe über genau diesen Grenzübergang, somit weiß ich noch ganz gut wo ich hin muss. Ein paar Kilometer hinter der Grenze ist der Eingang zur anderen Seite der Viktoria-Fälle, hier ist die Schlange so lang, dass ich nach fast einer Stunde Wartezeit noch nicht mal in die Nähe der Kasse gekommen bin. Die Einreise nach Zimbabwe ging flotter als das Kaufen der Eintrittskarte für den Wasserfall. Also fahre ich zur einzigen guten Campsite in der Stadt, Musik von Bars und Kneipen rundherum lassen schon am Nachmittag das Gefühl aufkommen, als würde ich mitten auf dem Times Square übernachten.
    Zu Fuß mache ich mich am Nachmittag auf zum zweiten Versuch ein Ticket für die Viktoria-Fälle zu bekommen. Auf dem kurzen Fußweg von 10 Minuten werde ich insgesamt 18 Mal (!) angesprochen, man möchte mir Holzfiguren oder alte Geldscheine an der Straße verkaufen. Victoria Falls ist wirklich super touristisch, das Las Vegas von Afrika.
    Die Schlange ist mittlerweile kurz und ich bekomme schnell ein Ticket, fast dreimal so teuer wie auf der anderen Seite. Die Viktoria-Fälle von der anderen Seite zu sehen ist noch einmal ein Erlebnis, auch wenn heraufwirbelndes Wasser auch heute die Sicht behindert. Heute bin ich immerhin schlauer und bin direkt mit Flipflops und Regenponcho gekommen statt alles erst einmal nass werden zu lassen.
    Am Abend zieht es mich in eine der Brauereien nicht weit von der Campsite entfernt und .... es gibt Craft Beer! Nach über 8 Monaten in Afrika der erste Ort, der so etwas bietet. Fühlt sich himmlisch an, das erste IPA seit vielen Monaten zu trinken. Ich könnte noch ne Nacht dranhängen nur um hier zu essen und zu trinken. Manchmal kann Trubel und Tourismus auch positiv sein.
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  • Tag 247, 160 Km/34219 Km

    3 maj 2025, Zimbabwe ⋅ ⛅ 28 °C

    Ich bekomme am Morgen Besuch von einem Frosch, der sich auf die Sandbleche gesetzt hat und sich durch nichts verscheuchen lässt, egal wie oft ich ihn mit einem Stock anstoße. Er wird schon von alleine verschwinden, denke ich. Also packe ich zusammen und verlasse Victoria Falls, ich habe schon nach einer Nacht genug vom Trubel und dem konstanten Lärm der Hubschrauber, die von 06:00 bis 18:00 Uhr Touristen über den Wasserfall fliegen. Als ich gute zwei Stunden auf der Straße bin, springt der Frosch irgendwann auf die Frontscheibe und setzt sich nun auf den Scheibenwischer. Als ich irgendwann an einem Bach anhalte, springt er zielstrebig runter, als würde er ahnen, dass hier Wasser ist.
    Ich fahre in den Hwange Nationalpark, der neben Elefanten und Giraffen hauptsächlich für seine Raubkatzen bekannt ist. Als ich die ersten Kilometer durch den Park fahre merke ich, dass es mit Löwe oder Gepard wohl schwierig werden kann, das Gras ist hier zwar mittlerweile fast überall braun, steht aber noch immer zwei Meter hoch bis an die Piste. Also muss ich mich heute mit Giraffe, Manguste und Schakal zufrieden geben. Auch sehe ich keine Elefanten, die einzigen Elefanten die es heute gibt sind bereits tot, die großen weißen Skelette liegen an vielen Stellen in der Savanne.
    Im Nationalpark gibt es eine erstklassige Lodge mit eigenem Flugfeld, um reiche Touristen direkt in den Park einfliegen zu lassen. Mir reicht der tatsächlich gute Campingplatz ein Stück hinter der Lodge, der aus Sicherheitsgründen gegen die Raubtiere rundum mit einem Elektrozaun eingerahmt ist. Zwei weitere Tage werde ich bleiben, vielleicht gelingt es mir ja doch den einen oder anderen Löwen zu entdecken.
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