Tag 93: Nespresso am LKW
3 de setembro de 2024, Turquia ⋅ ☀️ 22 °C
Heute gefahren: 81km
Bisher gefahren gesamt: 5.252km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.046hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 51.440hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 23
Fahrtage gesamt: 70
Wir haben super gut und lange geschlafen, es war sehr ruhig, friedlich, dunkel - alles was wir uns von einer Nacht wünschen. Und mir geht es auch wieder sehr gut. Und am wichtigsten: wir hatten keine Security Problems und mussten die Freunde der Jandarma anrufen.
Am Morgen schauen Männer in ihrem überdimensionierten SUV vorbei und schenken uns zwei Ekmek (Brote). Wir haben zwar schon Frühstück gemacht, aber dann werden sie eben eingepackt fürs Mittagessen.
Sie schanzen über den Acker und merken dann doch, dass ihr SUV nicht über den Wassergraben kommt und sie wieder zurückfahren müssen. Doch nicht soooo cool =) aber sehr nett.
An einer Wasserstelle einen km weiter, werden wir von einem Mann zum Tee eingeladen. Er ist aufgeregt, weil er auch schon mal die Strecke mit dem Rad gefahren ist. Er kommt aus der 60km entfernten Stadt und arbeitet in den Bergen im Marmor-Abbau.
Wir freuen uns über die netten Begegnungen am Morgen und starten in den Rad-Tag. Wir fahren an großen Flüssen/Gewässern vorbei, die die Stauseen der Gegend speisen und die Landschaft dominieren. Trotzdem ist alles staubtrocken und es ist mal wieder sehr heiß.
Die Strecke hält wieder viele Auf und Abs für uns bereit. Mittags stärken wir uns mit Käse, Gemüse aus dem Supermarkt zu unserem geschenkten Brot und brutzeln dann auf der Straße in der Hitze weiter.
Anscheinend hab vor allem ich so mitleidig ausgesehen, dass auf der gegenüberliegenden Spur zwei riesige LKWs auf dem Seitenstreifen anhalten. Wir denken uns nichts dabei und kämpfen uns weiter den Berg hoch. Zwar kommt es vor, dass LKWs vor uns halten und uns eine Flasche Wasser geben aber nicht zwei gemeinsam fahrende LKWs auf der anderen Straßenseite.
Jedenfalls winkt er uns zu sich rüber. Holt aus seinem Cockpit zwei Pappbecher, seinen Wasserkocher, 2 Nespresso 3in1-Sticks (Kaffee, jede Menge Zucker und Weißer) und rührt uns zwei Kaffee an (Löffel Fehlanzeige, die kleine Verpackung wird zum Umrühren verwendet). Er versichert sich, dass wir nicht mehr brauchen, gibt dem anderen LKW Fahrer ein Zeichen und zwei Mal hupen und weiter geht die Fahrt.
So etwas würde NIE in Deutschland oder Nord-/West-Europa passieren… Wie schön. Wir freuen uns, es beflügelt uns und wir fahren Zucker-gestärkt weiter.
Später müssen wir nochmal Wasser auffüllen und fahren über eine Schotterpassage zum Brunnen - mit DORNEN! Zum Glück kein Platter, aber die Laune ist trotzdem genervt bei uns beiden.
Wir haben das Gefühl Erholung zu brauchen und gerade ist alles nur ein Kampf. Trotz der schönen Begegnungen und Landschaft. Irgendwie der erste Down-Tag unserer Reise. Wir beschließen am nächsten Tag nur in den größeren Ort zu fahren und uns dort zu entspannen und nicht zu tun, um wieder ein bisschen unsere Batterien aufzuladen.
Später treffen wir noch einen Mann am Mini-Markt, der uns von seiner Asyl-Zeit in Deutschland erzählt und dass er gut behandelt wurde. Auch wenn er wieder ausreisen musste.
Uns begegnen viele Menschen, für die Deutschland ein Sehnsuchtsort für ein besseres Leben ist. Manchmal ist das Bild von Deutschland realistisch, vor allem wenn sie Verwandte haben, die in Deutschland leben. Manchmal ist das Bild auch verklärt, als gebe es keine Probleme, der Reichtum, das Geld, große Autos und Arbeit liegen auf der Straße.
Und dennoch zeigen uns die Situationen immer wieder, wie privilegiert wir sind. Nicht nur, durch unseren Pass, sondern auch unsere staatlichen Strukturen und natürlich die Bildung.
Vor dem nächsten Anstieg finden wir einen Zeltplatz. Die Verständigung ist wieder schwierig und der Mann will uns 5km weiter zu einem Camping Platz schicken. Häufig verstehen die Menschen nicht, dass 5km bergauf mit dem Rad nach zig km eben viel ist. Wir sind nun mal kein Auto. Ein kurzes Telefonat mit dem Sohn in Deutschland, der mich am Telefon mit „Servus“ begrüßt, löst das Problem und wir schlafen auf der Obstwiese. Wieder eine gute Nacht!Leia mais
Tag 94: Konservativer Äquator
4 de setembro de 2024, Turquia ⋅ ☀️ 26 °C
Heute gefahren: 30km
Bisher gefahren gesamt: 5.282km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 756hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 52.196hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 23
Fahrtage gesamt: 71
Die Luft ist ein wenig raus und wir machen Pause in Tunceli.
Bisher hat jeder Türke gesagt wie schön Tunceli ist. Also gucken wir uns natürlich das Örtchen an. Wir müssen unbedingt zum Ursprung des Flusses der noch ca. 60km einfach von Tunceli entfernt liegt. Das ist uns zu weit und wir fahren nur Tunceli an. Der Ort liegt am Berg und ist umgeben von sehr viel Wald. Schön, ja aber auch nicht besonders. Besonders ist der Fluss am Fuße der Ortschaft. Dort werden wir auch einen ruhigen Zeltplatz finden.
Die 30km rein nach Tunceli sind also schnell gefahren und wir suchen uns erstmal etwas zu essen. Während wir bei Börek und Baklava da sitzen fällt uns auf wie liberal die Stadt ist. Pärchen halten Händchen. Frauen tragen keine Kopftücher mehr. Junge Menschen sehen aus wie Billie Eilish. Offenbar haben wir den konservativen Äquator überschritten und sind in einer anderen Welt. Was sich nicht geändert hat: wir werden Mal wieder mehrfach nach Geld gefragt. Meist sind es ältere Frauen die uns anbetteln. Einmal werden wir sogar während der Fahrt angehalten und gefragt wo wir herkommen um dann im Anschluss nach Geld zu fragen. Eigentlich halten wir immer an und mögen das Gespräch mit den Menschen, solche Situationen sind jedoch befremdlich.
Was noch auffällig ist: In keinem Ort auf unserer Reise sind uns so viele Hunde aufgefallen. Bei der Hitze lagen die Tiere hauptsächlich lethargisch umher. Wir werden in Ruhe gelassen und einen entspannten Tag in Tunceli.
Unser Zeltplatz ist am Wasser und wir springen noch rein. Herrlich kalt und erfrischend, wir fühlen uns an die Isar oder andere Bergflüsse bei uns erinnert.
Abends wird uns an unserem Zeltplatz noch ein wenig Abendessen vorbeigebracht. Herrlich, nett und ein schöner Tag!Leia mais
Tag 95: Transanatolia
6 de setembro de 2024, Turquia ⋅ ☀️ 16 °C
Heute gefahren: 127km
Bisher gefahren gesamt: 5.409km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.672hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 53.768hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 23
Fahrtage gesamt: 72
Wir haben in Tunceli einen guten Start. Erholt geht es auf einen 60km langen und entlegenen Abschnitt. Keine Orte, keine Menschen, lediglich viele Kasernen sowie Polizei-Checkpoints liegen auf dem Weg. Uns ist nicht klar was hier gesichert werden muss.
Die Straße führt durch eine Schlucht. Es ist heiß und trocken. Die Sonne brennt. Links und rechts ziehen sich rotbraune, sandige Berge und Felshänge hoch. So sieht es in Andalusien oder in Südamerika auch aus. Der Verkehr ist erträglich. Ab und an Autos und LKWs. Irgendwann tauchen immer wieder SUVs sowie Motorcross-Bikes auf. Teilweise mit Begleitfahrzeug. Französische, niederländische und britische Kennzeichen sind dabei. Wir rätseln wo die herkommen und was die hier machen. Sie gehören irgendwie zusammen. Später erfahren wir: Ein Teilabschnitt der Transantolia führt durch diese Schlucht. Ein Rennen, bei dem Checkpoints passiert werden müssen. Was der Reiz daran ist, ist und unklar. Im Auto abfahren ist ja langweilig.
Die Strecke ist wundervoll und doch auch anstrengend. Es geht stetig auf und ab. Nicht steil, aber immer so ein bisschen. Der Schwung beim runter rollen reicht nicht für die nächste kleine Rampe. Die Vielfalt der Sicherheitskräfte im Straßenverkehr nimmt zu. Verkehrspolizei, Kriminalpolizei , Verkehrskriminalpolizei, Militär, Militärpolizei. Eine bunte Mischung und die Fahrzeuge meist voll besetzt. Hier muss offenbar wieder viel beschützt und gesichert werden. Mehr Sicherheit als Unsicherheit an diesem abgeschiedenen Ort.
Auf uns wartet noch der Anstieg auf den Pülümür-Pass. Die Wettervorhersage ist sich uneinig und sagt Regenschauer voraus. Der einzige Ort am Ende der Schlucht ist etwas größer und liegt noch vor dem Pass. Wir machen Pause. Während wir da sitzen und Bananen essen kommt ein Soldat (Anfang 50, trainiert) auf mich zu und spricht mich an. Die bunten Schulterklappen und Abzeichen, die er trägt fallen mir gleich auf. Der Mann wird von einem Personenschützer (zivil gekleidet) mit gleich zwei Handfeuerwaffen am Gürtel bewacht, ein weiterer Mitarbeiter (nur eine Waffe aber dafür schicker Strampler in camouflage) steht devot etwas abseits.
Zurück zum Chef: Ich habe seinen Namen vergessen. Er spricht sehr gut Englisch, eine Seltenheit in der Türkei. Sein Blick ist durchdringend, seine Aura unangenehm einnehmend. Eine Person mit vermeintlicher Autorität. Dem Mann möchte man nicht widersprechen. Also Smalltalk-Modus an und erstmal ein wenig plaudern. Er hat uns gestern schon in Tunceli gesehen. Dann hat er uns heute in der Schlucht gesehen und jetzt in der Ortschaft wieder. Er wollte mal "Hallo" sagen. Wir ratschen nett und berichten was wir machen und wo wir hin wollen. Er bittet uns: wenn wir uns unsicher fühlen, sein Mitarbeiter ist für dieses Gebiet hier verantwortlich, wir können uns an ihn wenden. Er deutet auf den devoten Strampler. Der Strampler versteht kein Englisch und guckt angestrengt. Notiz am Rande: Der Personenschützer und der Strampler standen während dieser bizarren 5 Minuten in der prallen Sonne, der Chef hatte uns und sich selbst in den Schatten eines Gebäudes gelotst. Also unsicher fühlen wir uns nicht haben aber noch eine Frage! Da wir während unserer Pause nach möglichen Schlafplätzen geguckt haben und dort aktuelle Hinweise auf Bären gesehen haben, haben wir den Chef gleich mal danach gefragt. Ja, Bären gibt es hier. Wir müssen vorsichtig sein. OK, danke und tschüß.
Die Truppe verschwindet und wir nehmen den Anstieg in Angriff. Der Regenschauer kommt und wir werden ein bisschen nass. Ein Transporter hält und bietet uns eine Mitfahrt an. Schon sitzen wir mit unseren Rädern auf der offenen Ladefläche eines offenen Transporters und heizen mit 70km/h die Serpentinen bergauf. Wir und die Räder sind komplett ungesichert und in jeder Kurve stemmen wir uns entgegen der Fliehkräfte und halten uns und unsere Räder fest.
Nach 10 Minuten ist der Ritt vorbei und wir sind oben am Pass. Kurz abladen und durchatmen. Wir haben uns mal kurz 7km und 350hm Anstieg gespart. Jetzt erstmal lange Abfahrt und komplett anderes Klima: kühl, bewölkt, bewaldet. Kilometerlang nichts.
Am Wegesrand tauchen Warnschilder für Bären auf. Wir müssen noch lange fahren bis wir einen sicheren Schlafplatz finden. Wir werden noch zwei Mal auf der Straße angehalten. Zum einen werden uns Trauben geschenkt und wir werden für unsere Leistung bewundert, zum anderen werden wir angehalten und für unsere Leistungen bewundert und erneut auf Bären hingewiesen. Alles nett und herzlich.
Wir finden Schutz auf der Terrasse eines verlassenen Restaurants, auf einer Tankstelle. Die Nacht wird laut und unruhig, aber dafür genießen wir Schutz vor Bären.Leia mais
Tag 96: Schwere Beine und Bären
7 de setembro de 2024, Turquia ⋅ ☀️ 11 °C
Heute gefahren: 100km
Bisher gefahren gesamt: 5.509km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.221hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 54.989hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 23
Fahrtage gesamt: 73
Ich werde kurz vor 6:00 Uhr mit Kopfschmerzen wach. Aufgrund der Warnungen habe ich ohne Ohropax geschlafen und hatte daher keine gute Nacht. Tankstellen sind einfach laut. Am Morgen regnet es und es es ist kühl.
Aufgrund der vielen Kilometer am Vortag habe ich schwere Beine und komme nicht so richtig voran.
Wir fahren weiter Richtung Erzurum. Große Berge tauchen in der Ferne auf, Skigebiete werden auf den Abfahrtsschildern der Bundesstraße angezeigt.
Wir machen unsere Mittagspause in einer Lokantasi. Alles ist fair und fast alles ist lecker. Wir bestellen auf die Empfehlung eines anderen Gastes eine Suppe. Am Ende wurde uns eine Fleischsuppe mit Innerein hingestellt. Mhh nee danke.
Alles andere (Pide + Lahmacun) war unheimlich lecker. Zum Nachtisch gab es einen Baklava-Zuckerschock. Wir haben den Plan für die nächsten Tage durchgesprochen und entsprechend Essen eingekauft. Wir wollen das Pontische Gebirge durchqueren und dafür liegen viele Kilometer und noch mehr Höhenmeter vor uns. Infrastruktur gibt es nicht, das Wetter soll wechselhaft werden.
Der Plan gibt uns ein gutes Gefühl und wir freuen uns darauf, in drei Tagen in Rize am Schwarzen Meer in ein Hotel einzuchecken. Der Plan ist also: 200km und 3.000 Höhenmeter in 3 Tagen zu fahren, d.h. wir wollen zwei Mal in den Bergen übernachten.
Motiviert und gestärkt fahren wir weiter in Richtung Erzurum und biegen kurz vor Erzurum von der großen Bundesstraße auf die Bergstraße ab, die uns die nächsten Tage leiten soll.
Gegen Abend hin wird es wieder kälter und es beginnt auch zu regnen. In der Ferne ziehen Gewitter vorbei.
Es wird bald dunkel und wir suchen einen Platz zum Zelten. Eine Familie, die am Wegesrand Picknick macht empfiehlt uns einen Platz. Wir werden kurzerhand auf Tee und leckere, gefüllte Weinbergblätter eingeladen. Der Besitzer des Grundstücks kommt vorbei und erklärt, dass wir dort wo wir stehen wollen nicht stehen können. Hier gibt es Bären und Wildschweine. Eine Kuh wurde von einem Bären gerissen. Ich weiß nicht so Recht ob das stimmt, die Übersetzungen von Google sind haarsträubend. Der Mann (Marid) zeigt uns einen Platz auf einer anderen Wiese. Dort sagt er sei es sehr sicher. Mir ist der Unterschied zwischen den beiden Ackern unklar. Ich erhalte seine Handynummer und soll mich melden wenn was ist. Da es dunkel wird beeilen wir uns mit dem Aufbau. Neben dem Acker gibt es einen offenen Holzverschlag (siehe Video) in dem wir uns waschen und Abendessen. Die Familie schenkt uns noch Melone und die restlichen Weinblätter. Das Essen ist lecker. Es nieselt und es ist empfindsam kalt.
Was uns auffällt, Marid der Landwirt, wirkt glücklich und hat eine sehr positive Ausstrahlung. Etwas was uns bei den Menschen in ländlichen Regionen schon öfter aufgefallen ist.
Wir verstauen unsere gesamten Nahrungsmittel inkl. Zahnpasta in dem offenen Holzverschlag und wickeln alles in Teppiche ein. Wenn Bären in der Nacht auf Nahrungssuche sind dann bitte nicht an oder in unserem Zelt, sondern abseits.
Ich falle in einen unruhigen Schlaf und wache am nächsten Morgen mit einem dicken Hals auf. Nieselregen, kälte und schlechter Schlaf bekommen mir nicht.Leia mais
Tag 97: Eine Nacht in der Mescit
7 de setembro de 2024, Turquia ⋅ ☁️ 14 °C
Heute gefahren: 61km
Bisher gefahren gesamt: 5.570km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.065hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 56.054hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 23
Fahrtage gesamt: 74
Ich hatte eine gute Nacht, bei Vincent war es sehr unruhig. Der Morgen ist schön, die Sonne geht auf und leuchtet die Berge an.
Wir frühstücken in unserem kleinen Verschlag. Sehr praktisch. Da es etwas dauert bis die Sonne bei uns ankommt, dauert auch das Zusammenräumen und Trocknen länger.
Der Besitzer des Grundstücks, Mahrid, kommt vorbei und macht Selfies mit uns. Wieder ein Mensch mit einer extrem freundlichen, glücklichen Ausstrahlung. Er hat seine Kuh auf die Weide gebracht, auf der wir schlafen. Wir und die Kuh. Sehr friedlich.
Das Wetter ist gut, wir starten in den Fahrtag mit Steigung. Vincent geht es nicht besonders, er legt sich auf seine Isomatte, ruht etwas und nimmt eine Ibuprofen und das erste Espresso-Gel (was wir noch als Notration dabei hatten). Keine Übelkeit, eher Müdigkeit, Erschöpfung und ein dicker Hals. plagen ihn. 40mg Koffein und 20mg Sodium im Gel in Verbindung mit einer 400er Ibu bauen auf.
Wir fahren langsam weiter, wir sind mittlerweile auf über 2000m. Die Landschaft ist viel grüner als die Tage zuvor, Kühe, Schafe und Ziegen weiden auf den Wiesen. Meist sind Hirten dabei und wirken zufrieden und glücklich. Die Einfachheit - auch die des Radfahrens - trotz aller äußeren Umstände und manchmal Schwierigkeiten, scheint mir ein guter Schlüssel zu sein für Zufriedenheit und Glück. Es braucht so wenig und die Wertschätzung, was über das Einfache hinaus geht steigt.
Wir machen kurz Pause am Weg und sehen, wie eine Kuh einem Hirten ausbüxt und davon galoppiert. Er holt sie die 500m weiter ab und sie trottet hinter ihm zurück zur Herde.
Dann fängt es das Regnen an, also ab auf die Räder, damit es nicht zu kalt wird. Gut, dass es bergauf geht.
Bei der Abfahrt hab ich nochmal kurz Pech: Eine Wespe verfängt sich unter meiner Brille und Brillenbügel - ich will sie noch loswerden aber muss ja auch bremsen bzw. anhalten, also sticht sie mich direkt neben das Auge. Naja immerhin noch knapp daneben. Es tut höllisch weh, das Wespenhinterteil inkl. Stachel steckt noch in meinem Gesicht. Vincent holt es mit der Pinzette raus, ich hole währenddessen eine Zwiebel aus der Essenstasche und halte sie auf den Stich und nehme gleich eine Allergietablette.
Naja wird schon wieder, weiter gehts.
Langsam ziehen die angekündigten Gewitter auf. Immer rechts und links von uns mit Blitzen und Donner wie aus dem Bilderbuch.
Irgendwann fängt es stark an zu regnen und die Gewitter sind direkt über uns. Wir wollten noch einen Pass fahren, aber ich möchte nicht weiter und halte bei einer kleinen Mescit.
Mescit sind kleine Moscheen am Wegesrand, in denen es kein Freitagsgebet gibt. Sie begegnen uns immer wieder am Straßenrand und können zum Beten von Menschen auf der Straße genutzt werden - oder eben als Schutzraum für uns.
Wir setzen uns erstmal auf die überdachte Bank und entscheiden die kleine Mescit als Unterschlupf für die Nacht zu nutzen. Es kommt noch ein Mann, der sein Gebet verrichtet, ansonsten sind wir allein.
Wir richten uns häuslich mit unseren Matten und Schlafsäcken ein, kochen Tee und Essen, futtern Kekse und es geht uns etwas besser. Körperlich und moralisch. Den Mäusekot ignorieren wir.
Wir hatten noch nie solches Wetter auf der Reise und sind froh um Regen- und Daunenjacke und den warmen Raum. Draußen regnet es sich ein, es blitzt und donnert.
Im Gebäude hinter uns liegt ein kleiner Markt. Dankenswerterweise laden sie unsere beiden Powerbanks und Handys auf. Ausgerechnet seit einem Tag geht nur noch eine unserer Powerbanks. Obwohl sie neu waren, scheint eine kaputt zu sein.
Hinzu kommt, dass das Solarpanel spinnt und Fehler anzeigt, bei Bewölkung ist es aber sowieso nicht zu gebrauchen und lädt nichts auf.
Gerade kommt alles zusammen - achja und ein Teil meines Fahrradständers ist abgebrochen, sodass es nur noch rudimentär hält.
Wir haben das Gefühl eine Pause zu benötigen. Aber vor uns liegen noch 4 Pässe bis wir an das Schwarze Meer kommen.
Wir sind so kaputt, dass wir uns um 20 Uhr schlafen legen und 10 Stunden durchschlafen.Leia mais
Tag 98: Witzbold
8 de setembro de 2024, Turquia ⋅ ☁️ 13 °C
Heute gefahren: 58km
Bisher gefahren gesamt: 5.628km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.687hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 58.741hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 23
Fahrtage gesamt: 75
Wir machen morgens in der kleinen Moschee auf. Der lange Schlaf tat gut, der trockene Raum auch. Das Wetter ist besser als vorhergesagt. Um 8 Uhr sitzen wir auf den Rädern und der Anstieg kommt sofort.
Wir fahren die nächsten 8km insgesamt 600 Höhenmeter nach oben. Der Anstieg und darauffolgende Abfahrt sind landschaftlich spektakulär. Grasbedeckte hohe Berge um uns herum. Der Himmel ist blau und ein paar Wolken ziehen vorbei. In der Ferne hören wir Gewitter, werden jedoch verschont.
Wir ziehen und warm an und rollen ca. 30 km bergab zum nächsten Anstieg.
Da sich die Wetterlage in den Bergen gerne mal spontan ändert, stoppen wir noch mal vor dem nächsten großen Anstieg und machen einen ausgiebigen Wettercheck.
Es ist 12 Uhr und uns bleiben drei Stunden Zeit, für 20 km und 1000 Höhenmeter, dort soll es laut Google eine weitere Moschee geben. Gegen 15 Uhr sollen dann die Gewitter und der Regen aufziehen. Es ist der letzte große Anstieg vor der Abfahrt ans Schwarze Meer. Ich nehme noch ein Espresso-Gel und wir essen Pide mit Banane und halten unsere Pause ansonsten kurz. Das Zeug ist teuflisch, denn danach fühle ich mich halbwegs gut. Gegen 14:45 Uhr kommen wir an der Moschee an.
Ein Chef, der vorgibt der Chef zu sein, sagt uns, dass es keinen Raum für uns gibt. Uns ist nicht klar, ob er wirklich versteht was wir wollen. Wir suchen Schutz vor dem aufziehenden Gewitter und wir können nicht weiterfahren. Der Weg würde weiter nach oben führen und wir haben keine Kraft mehr, außerdem möchten wir nicht in das Gewitter kommen. Er schlägt uns vor, in das 35 km entfernte Izcedere zu fahren. Wir sind beide genervt, da das Gespräch mit ihm komplett fruchtlos ist und er unsere Lage nicht versteht. Der Kollege denkt offenbar wir suchen ein Hotel. Google translate ist leider keine Hilfe. Er kann kein Englisch, spricht nur türkisch, verhält sich wie ein Macho und die Übersetzungen sind Kraut und Rüben. Unsere Nerven sind für so einen Menschen nun gerade etwas zu dünn. Die Moschee ist groß und es gäbe genügend Platz für uns, an dem wir uns niederlassen könnten. Sie ist neu gebaut worden und der Hauptraum ist bereits fertig, im Kellergeschoss arbeiten jedoch noch Arbeiter aus Ägypten. Auch das Nachbargebäude der Moschee ist eine große Baustelle und würde uns ausreichend Platz für unser Zelt bieten. Egal.
Die Zeit läuft, denn Zeltaufbau im Gewitter macht keinen Spaß. So beschließen wir das schlechte Gespräch mit dem Chef zu beenden und unterhalb der Moschee auf einem Steinfeld unser Zelt aufzuschlagen. Gegen 15:15 Uhr wird es langsam dunkel, jedoch ist noch kein Gewitter in Sicht. Wir spannen das Zelt mit Schnüren ab da Heringe auf einem Steinfeld nur schwer in den Boden zu bekommen sind.
Alles ist rechtzeitig aufgebaut. Wir sind darauf vorbereitet die Nacht im Zelt zu verbringen, es kann auch ruhig regnen, unser Zelt hat ja eine ganz gute Qualität.
Wir setzen uns auf die Treppenstufen vom Nachbargebäude und beginnen mit der Essenszubereitung. Das Gewitter setzt gegen 15:35 Uhr ein und zusätzlich fängt es stark an zu regnen. Die Arbeiter kommen herbeigeeilt und möchten uns von den Treppenstufen weglotsen. Wir lehnen erstmal ab, wir haben ja nun alles aufgebaut. Auch der Witzbold (Chef) schaut noch mal vorbei und erklärt uns, dass wir dort nicht sitzen können, dort ist es ja kalt und wir werden nass, außerdem Gewitter es gerade. Er sagt, wir können in das Gebäude neben der Moschee, dort gibt es freie Räume. Ich lehne ab. Wir haben alles schon aufgebaut. Jetzt im Regen werden wir sicherlich nicht das Zelt abbauen und umziehen. Witzbold.
Da der Wind auffrischt, werden wir beim Kochen dann doch ziemlich nass. Die Arbeiter von der Baustelle lassen uns nicht in Ruhe und bitten uns noch mehrfach, zumindest auf die Baustelle zu kommen. So ziehen wir zumindest zum Essen letztlich von den Treppenstufen hinein auf die trockene und staubige Baustelle.
Während wir nun also unsere nasse Outdoor-Küche umsiedeln und drinnen weiterkochen, kommen die Arbeiter immer wieder und bitten uns auch unser Zelt reinzunehmen. Sie bringen uns Strom, sie bringen uns Licht, sie bringen uns Decken. Die Männer sind wirklich herzlich und sorgen sich um uns. Auch Essen wollen sie uns bringen, aber dass schaffen wir abzulehnen.
Wir essen und blicken ab und an runter zum Zelt. Kristina geht einmal runter um as Zelt wieder zurichten, da der Sturm unser Außenzelt zum Teil weggeweht hat. Kristina ist zurück und einen Moment später blicken wir wieder runter zum Zelt und stellen fest, das Kühe am Zelt und unseren Rädern sind. Diesmal gehe ich runter und stelle fest, dass die Schlafsäcke teilweise schon nass sind. Eine Kuh hat das Außenzelt, erneut, zum Teil abgezogen.
Nasse Daunenschlafsäcke wärmen nicht. Wir benötigen eine trockene und warme Nacht. So entschließen wir uns, in der Regenpause unser Zelt nun doch vom Steinfeld mit auf die Baustelle umzusiedeln. Auch wenn hier Mäuse umherlaufen und sehr viel Müll (siehe Video) liegt, ist es immer noch trocken und wir sind geschützt vor dem Gewitter in der Nacht.
Das gesamte hin und her und die Unterbrechungen während des Essens haben sehr viel Zeit gekostet am Ende sind wir gegen 19 Uhr mit allem fertig und setzen uns dick angezogen in die Moschee. Der Witzbold ist mittlerweile verschwunden und ein anderer Kollege von ihm ist aufgetaucht. Der Mann ist viel netter nicht machohaft und gibt uns gleich mal das WLAN von der Moschee. Er sagt auch wir können einfach in der Moschee schlafen wenn wir möchten.
Ich bin zu kaputt um das alles zu realisieren. Hätte uns doch bloß einer vor ein paar Stunden schon verstanden, was wir wollen. Einfach Schlafsack in die Moschee legen, niemandem stören und am nächsten Tag geht es weiter. Die Moschee war eh kaum frequentiert.
Da es mittlerweile dunkel ist, es erneut das regnen begonnen hat und wir zu kaputt sind, sitzen wir einfach noch in der Moschee, nutzen das WLAN und stieren apathisch vor uns hin. Irgendwann kommt der neue Kollege vorbei und setzt sich zu uns. Am Ende unterhalten wir uns noch sehr nett mit ihm und erfahren ein paar Hintergründe über die Moschee. Ein Investor aus Istanbul hat die Moschee in Auftrag gegeben, er selbst ist auch aus Istanbul und hat etwas für die Baustelle geliefert. Das Nachbargebäude in dem wir hausen, die Baustelle, soll irgendwann zu einem Hotel/Markt/Restaurant gebaut werden.
Am Ende gehen wir früh ins Bett und haben eine ganz gute Nacht.Leia mais
Pontisches Gebirge
8 de setembro de 2024, Turquia ⋅ ☁️ 17 °C
Tag 99: Angekommen am Schwarzen Meer
9 de setembro de 2024, Turquia ⋅ ☁️ 26 °C
Heute gefahren: 81km
Bisher gefahren gesamt: 5.709km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 668hm
**Heute Höhenmeter im Abstieg auf ca. 55km: 3.261hm**
Höhenmeter im Anstieg bisher: 59.404hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 23
Fahrtage gesamt: 76
Die Nacht auf der Baustelle war richtig gut. Durch die offenen Fenster schön kühl und morgens strahlt die Sonne. Gewitter und Regen sind verflogen.
Vincent ist schon früh auf und begegnet dem ägyptischen Arbeiter als er vom Fluss mit Fischen kommt. Sie schlafen in einem kleinen Verschlag auf der Baustelle - bestimmt sehr einfach und schlechte Arbeitsbedingungen.
Wir frühstücken und bedanken uns nochmal bei den Arbeitern, dass sie uns am Abend zuvor ins Gebäude geholt haben, Decken und Teppiche bereitgelegt haben, uns ein Verlängerungskabel hingelegt haben. Sie waren richtig herzlich und haben sich gekümmert. Wir konnten das am Vorabend gar nicht wertschätzen und waren etwas genervt, deswegen sind wir nochmal mit Google Translator zu ihnen hin, um uns zu bedanken.
Vor uns liegt nur noch ein Pass, um ans Schwarze Meer zu kommen.
Wir umfahren den neu gebauten Ovit Tunnel auf der alten Passstraße und können wieder die Landschaft in vollen Zügen genießen und alles aufsaugen. Überraschend viele kleine Dörfchen und immer mit einer ganz schön großen Moschee. Nicht nur kleinen Mescits. Teilweise sehr einfache Behausungen und teilweise auch richtige Häuser oder Ferienhäuser.
Auf der Straße, die sich seicht nach oben zieht, ist nichts los. Rechts und links von uns sind die Ovit-Berge, die über 3.500m messen. Beeindruckend und schön zugleich.
Wir haben erwartet, dass die Pässe viel schwieriger werden, aber es war halb so wild. Lediglich die Rahmenbedingungen aus Gewitterwarnungen, Bären und Schlafmangel haben es teilweise schwierig gemacht.
Aber spätestens als wir am Passschild auf 2.630m ankommen, ist alles vergessen und wir sind so dankbar für die Reise und die Begegnungen, die wir bisher gemacht haben.
Die Szenerie ist unbeschreiblich, während im Anstieg karges, raues Klima an den Bergen herrschte, wird es in der Abfahrt waldig, grüner und milder.
Die Abfahrt war steil (gut, dass wir da nicht hochmussten!) und Menschen- und Autoleer bis wir am Tunnelausgang herauskommen. Auch da ist nicht wirklich viel los.
Vermutlich soll die Trasse mal das Schwarze Meer mit Erzurum verbinden, aktuell werden aber die Zugangsstraßen (zweispurig auf jeder Seite) auf riesigen Brücken noch über das oder in das Tal gebaut. Denn kein LKW schafft die steilen Straßen.
Wir fahren 30km ab in den ersten Ort und machen dort Pause. Die Umgebung ist wie in Südtirol und Österreich, in die Berge gebaute Häuser - nur die Moscheen erinnern, dass wir in der Türkei sind. Es ist wunderschön und unwirklich, dass auch das die Türkei ist.
Die Bilder können die Szenerie nicht auffangen, ich hoffe, ich behalte sie immer im Kopf….
Wir fahren weiter und zunehmend kommen Tunnel auf unserer Strecke, die noch auf keiner Karte eingezeichnet sind. Vermutlich auch recht neu, um die Trasse auszubauen. Einen können wir umfahren, bei den anderen fühlen wir uns recht sicher, denn sie sind zweispurig, wir blinken was geht und die Tunnel sind gut beleuchtet. Also halb so wild, trotzdem ist die Akustik immer beängstigend, wenn die LKWs vorbeirauschen.
Und plötzlich nach einer Tunnelumfahrung erschließt sich vor uns ein komplett anderes Gebiet: Es wird heiß und schwül und rechts und links ziehen sich Teeplantagen die Berge nach oben. Wir haben das Gefühl in Südamerika oder Südostasien zu sein. Die Wolken des gemeldeten Regens bzw. Gewitters hängen über uns. Vollkommen surreal zu der Berglandschaft noch einige Stunden zuvor. Und offensichtlich ist auch Teeernte. Überall liegen liegen Säcke mit Teeblättern, kleine und große LKWs fahren an uns vorbei zu den unzähligen Teefabriken. Frauen sitzen in den Berghängen und schneiden mit einer Art kleinen Heckenscheren, an denen ein Sack befestigt ist, die Teeblätter ab. Irgendwie muss der Çay-Konsum ja befriedigt werden.
Leider geht es nicht nur bergab, um schön schauen zu können, sondern wir müssen noch über einen der Teeberge drüber.
Es ist super schwül und sehr, sehr steil. Wir landen in mitten der Teeplantagen und kleinen Dörfchen. Uns läuft das Wasser herunter, aber die tolle Szenerie und Aussicht auf eine Dusche heute Abend im Hotel motivieren uns.
In den Dörfern kommen definitiv nicht so häufig Touristen vorbei - wir werden sehr irritiert angeschaut. Durch unsere Tour durch die Dörfchen sehen wir die komplette Produktion. Die Häuser haben Lagerräume für die Teeblätter mit eingebaut und irgendwann kommt der Laster mit einem riesigen Saugrohr und holt die Blätter ab, um sie in die Teefabriken zu bringen.
Auch hier haben wir wieder das Gefühl, dass die Frauen vorrangig arbeiten, während die Männer in den Çay-Cafés sitzen.
Irgendwann haben wir auch den letzten Hügel erklommen und sehen tatsächlich das Schwarze Meer. Wir haben ganz offensichtlich das Pontische Gebirge überquert! Es sind nur noch knapp 100km zur georgischen Grenze. So richtig realisieren wir unsere Leistung nicht.
Es geht nochmal steil bergab nach Rize, unserem Ziel. Dort haben wir uns ein Hotel ausgesucht, steuern es an und fragen nach dem Preis (der meist günstiger ist als im Internet) und checken ein.
Kleine Routine-Tätigkeiten, zumindest Klamotten auswaschen und DUSCHEN. Herrlich. Seit der letzten Dusch-Pause fühlten wir uns schon ziemlich eklig… Aber nun ist alles gut.
Wir gehen lecker essen und genießen die Hotel-Annehmlichkeiten und freuen uns SEHR auf das Frühstücksbuffet und die Nacht im Bett. Es sind die kleinen Dinge die uns glücklich machen.Leia mais
Tag 100 im Sabbatical - eine Bilanz.
10 de setembro de 2024, Turquia ⋅ ☀️ 27 °C
Heute gefahren: 0km
Bisher gefahren gesamt: 5.716km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 59.759hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 24
Fahrtage gesamt: 76
Wir nutzen den Tag Pause in Rize und reflektieren. Wie heißt es so schön: "100 Tage im neuen Job" oder "100 Tage im neuen Amt".
Wir sind jetzt 100 Tage im Sabbatical. Wir ziehen Bilanz. Dass schönste: Wir haben etwas mehr als Halbzeit. Noch viel liegt vor uns.
1. Fahrradfahren ist eine wundervolle Art Länder und Menschen „richtig“ Kennenzulernen. Die Natur, den Verkehr, die Menschen hautnah erleben.
2. Wir könnten uns vorstellen, länger und weiter ostwärts Fahrrad zu fahren. Fahrradreisen macht süchtig.
3. Der Fahrrad-Alltag ist auch manchmal anstrengend mit Aufbau-, Abbau-Routine, Wasser, Essen suchen, Wetterbedingungen und dem öffentlichen Raum ausgeliefert sein.
4. Wir können uns nur vorstellen, bei halbwegs warmen/gutem Wetter zu fahren. Wintertouren etc. fallen aktuell für uns raus (Equipment trocken bekommen, selbst warm werden).
5. Wir brauchen ab und an ein Hotel oder eine Unterkunft mit Bett und Dusche. Wir könnten eine solche Reise nicht nur im Zelt und lowcost unternehmen.
6. Am meisten vermissen wir: Privatsphäre, Zeit für uns alleine und eine räumliche Trennung („einfach mal die Zimmertüre zumachen“) auch (positiv gemeint) voneinander. Wir sind 24/7 im öffentlichen Raum unterwegs und immer „zu Gast“.
7. Wir sind ein Super-Abenteuer-Team und gehen uns, trotz 24/7 gemeinsamer Zeit in allen Lebenslagen, nicht auf die Nerven. Wir motivieren und unterstützen uns und wissen voneinander, wann und wo das notwendig ist.
8. Die Art des Reisens bildet. Mehr als unsere Jobs und unser Alltag. Wir lernen sehr viel über Menschen, Kultur, Politik, Länder - und uns selbst! Ein tolles Gefühl.
9. Alles ist möglich. Von ernsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen wurden wir verschont. Kein Sturz, kein Verkehrsunfall. Außer Harmlosigkeiten wie Kopfweh oder Knieschmerzen oder Bauchweh. Das bringt uns zum Fazit: Der Körper schafft alles. Alles. Das Limit ist nur der Kopf, der nicht weiterfahren will und mit den Widrigkeiten nicht umgehen kann.
10. Fahrradfahren ist sicher. Wir sind in Ländern fahrradgefahren, in denen Fahrradfahren im Straßenverkehr etwas außergewöhnliches ist. Bis auf ein paar Deppen sind der Großteil der Auto- und besonders die LKW-Fahrer, in unserer Anwesenheit ausgesprochen vorsichtig gefahren.
11. Gut und gesund (und wer möchte, auch ungesund) Essen sind auf Fahrradreisen ohne Probleme möglich
12. Wer Gewicht verlieren möchte und dabei viel essen will, sollte eine lange Radtour machen.
13. Gut und gesund Schlafen im Zelt ist möglich, wenn viele externe Faktoren stimmen. Wir lernen noch immer dazu. Die Müdigkeit nach einem langen Tag auf dem Rad ist herrlich! Und guter Schlaf ist wichtig, um leistungsfähig zu sein. Schlechter Schlaf und Widrigkeiten am Morgen (aufdringliche Menschen, bellende Hunde, Regen etc) bereiten keinen guten Start in den Tag oder können sogar einen Tag verhageln.
14. Qualitativ hochwertiges Equipment (bequeme Matten, warme Schlafsäcke) macht das Fahrradreisen angenehm.
15. Wir brauchen wenig, um gut Fahrradreisen zu können. Wir sind reduziert losgefahren und könnten jetzt auch noch mal aussortieren.
16. Die vielen, kleinen Abenteuer und Begegnungen jeden Tag machen die Reise sehr wertvoll. Wichtig ist, sich ab und an die Zeit für die Reflexion der Erlebnisse zu nehmen, ansonsten verschwimmt das Geschehene sehr schnell.
17. Wir konnten sofort abschalten und mussten kaum an Arbeit denken. Erste Gedanken kamen vor ca. 2 Wochen auf.
18. Wir freuen uns auch wieder auf Arbeit und Alltag und vor allem Kochen in einer aufrechten Position in unserer Küche.
19. Eine grundlegende Planung ist gut und wichtig. Aber am Ende kommt alles anders - also weniger detailliert die Route planen. In der Türkei sind wir z.B. kaum einen km von unserer geplanten Route gefahren.
Eher überlegen, was wollen wir sehen, dann 3-5 Tage im Voraus detailliert planen, weil dann Wetter klarer ist und auch die Straßenverhältnisse etc. vor Ort.
20. Alles wird besser als gedacht! Wir haben uns manchmal viel zu viel Gedanken gemacht: Finden wir einen Zeltplatz? Wie kommen wir mit dem Verkehr zurecht? Finden wir Wasser, Essen etc. Am Ende wird alles gut!Leia mais
Tag 101: Entspannung & Erdogan
11 de setembro de 2024, Turquia ⋅ 🌙 25 °C
Heute gefahren: 0km
Bisher gefahren gesamt: 5.716km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 59.759hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 24
Fahrtage gesamt: 76
Wir machen nichts.
Rize ist unspektakulär, was gar nicht schlecht ist, denn so haben wir keinen Entdeckungsdrang und liegen auch einfach mal im Bett oder gehen spazieren.
Und komisch: trotz Schwarzmeerküste gibt es keine Promenade, anscheinend wird aber gerade eine gebaut. Macht die Stadt dann vielleicht etwas attraktiver.
An Besuchern mangelt es anscheinend nicht, denn unser Hotel ist voll mit türkischen, iranischen und arabischen Gästen. Unklar, warum die kommen? Einkaufen? Teeproben?
Achja und überall Erdogan-überlebensgroß. Er kommt aus Rize und scheint trotz allem hier verehrt zu werden. Unverständlich. Gute Doku zu dem Thema: https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3dkc…
Und wenn wir über die Türkei und Erdogan reden, müssen wir auch über die Kurden sprechen. In Kurdistan - im Osten und Südosten der Türkei - haben wir ca 2 Wochen verbracht.
Kurdistan erstreckt sich über Syrien, Iran, Irak und die Türkei. Im Irak ist Kurdistan als autonome Provinz anerkannt, in der Türkei gibt es das Gebiet offiziell nicht. Und das obwohl es ca. 13 Mio. Kurden in der Türkei gibt - bei einer Bevölkerung von ca. 85 Mio. Also ganz schön viele und keine so kleine Minderheit.
Viele Menschen haben uns in diesem Gebiet auch mit „Willkommen in Kurdistan“ begrüßt und nicht mit „Willkommen in der Türkei oder Anatolien“. Die kurdische Identität mit Sprache und Traditionen ist stark ausgeprägt und wir erleben diese in der Gastfreundschaft, die definitiv nochmal ein anderes Level in diesen Gebieten erreicht - im Vergleich zum Rest der Türkei.
Ich würde die Menschen schon fast als selbstlos bezeichnen, wie sie sich kümmern, bemühen und wie offen sie sind.
Und dass obwohl sie in der Türkei strukturell benachteiligt bzw. unterdrückt werden. Es soll nur die türkische Identität geben, keine Kurdische. Wir haben sehr kritische Stimmen von Kurden gehört, die von Erdogan als „Hitler“ sprechen und sich selbst wie in einer „Nazi-Zeit“ und Türkei als „scheiße“ und „Land ohne Perspektive für sie“ bezeichnen. Sie bekommen zum Beispiel schlechter Arbeit und schon gar keine Jobs in besseren oder offiziellen Ämtern oder Behörden.
Gewählte Bürgermeister von gemäßigten kurdischen Parteien werden einfach abgesetzt und durch Regierungsgetreue ersetzt.
Erklärt wird offiziell alles mit der Nähe zur PKK, der kurdischen Terrororganisation, die auch von der EU als Terrororganisation eingestuft wird. Allerdings distanzieren sich die oppositionellen kurdischen Parteien sogar teilweise von der PKK. Nicht alles was kurdisch ist, ist gleichzeitig PKK.
Der Konflikt ist wie so viele Konflikte in der Region komplex:
https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/doss…
Wie lange der Konflikt schon andauert - nämlich seit Aufspaltung des Osmanischen Reichs - zeigt sich auch an schrecklichen institutionellen Einrichtungen des türkischen Staates - z.B. das Gefängnis von Diyarbakır. Da wird nichts an Gräueltaten aufgearbeitet, sondern das Gefängnis besteht weiter: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gefängnis_…Leia mais
Tag 102: Zurück in die Zukunft
12 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☀️ 26 °C
Heute gefahren: 119km
Bisher gefahren gesamt: 5.835km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 921hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 60.680hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 24
Fahrtage gesamt: 77
Wir stehen rechtzeitig auf und genießen das Frühstück. Gegen 10:30 Uhr kommen wir los. Vor uns liegen 130 km bis nach Batumi. Wir haben geplant diese Strecke auf zwei Tage zu verteilen, das heißt mit einer Übernachtung sollten wir ganz entspannt nach Batumi reisen können. Wir sind komplett erholt und fühlen uns richtig gut. Der Weg führt entlang der Küste, links das Wasser rechts die Teeplantagen, wir dazwischen und mitten auf einer Bundesstraße. Die Orte die rechts neben uns auftauchen sehen meist ärmlich aus. Einen Strand oder grundsätzlichen Wasserzugang gibt es nicht. Meist blockieren dicke große Felsen den Zugang zum Wasser. Möchte dort niemand baden? Auch in Rize gab es keine vernünftige Promenade und/oder Strand.
Es ist nicht so heiß, es geht kein Wind und wir kommen einfach nur sehr gut voran. Wir kommen so gut durch, dass wir bei einer Eis-Pause durchrechnen ob wir die gesamte Strecke bis Batumi an einem Tag fahren.
Wir entscheiden uns noch den Grenzübertritt vorzunehmen und dann kurz vor Batumi an einem Strandabschnitt am Strand zu schlafen.
Ungefähr 20 km vor der Landesgrenze wird der Seitenstreifen, auf dem wir fahren, von wartenden LKWs blockiert. Die warten dort auf die Abfertigung und Ausreisemöglichkeit.
Die LKW-Kennzeichen kommen hauptsächlich aus den folgenden Ländern: Aserbaidschan, Usbekistan, Kasachstan, Turkmenistan, Türkei, Georgien, Russland, Irak, Iran.
Es sind viele deutsche Aufleger dabei. Meiste sehen diese sehr rumpelig aus und so als wären sie für den deutschen Transport nicht mehr geeignet. Die fahren nun also in ganz andere Länder. Spannend.
Ich stelle mich, je näher wir der Grenze kommen, darauf ein, dass wir nun die Türkei verlassen und bin etwas wehmütig und freue mich jedoch gleichzeitig auch sehr auf Georgien. Wir haben mehr als einen Monat in der Türkei verbracht. Das ist eine lange Zeit, in der ich die Türkei aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennengelernt habe.
Die Türkei wird autoritär geführt . Teilweise sind uns Menschen gegenüber offen gewesen und haben sich gegenüber dem Landesfürsten sehr kritisch geäußert. Themen die in der Türkei immer wieder kamen:
- schlechte Wirtschaft im Allgemeinen
- Hohe Inflation
-Starkes Stadt-Land-Gefälle
- systematische Unterdrückung der Kurden
-Abschaltung von sozialen Medien (für uns ein komisches Gefühl als Instagram einfach nicht mehr funktionierte)
- Korruption
- Ablehnung Atatürk von Kurden ansonsten wird er verehrt
- Ablehnung CHP
- Ablehnung Erdogan von Kurden - er wurde sogar als Hitler bezeichnet und uns wurde gesagt sie fühlen sich als würden sie in der Nazi-Zeit leben
Aber auch: stolz auf die Polizei und generell die Sicherheitsorgane
Das sind Dinge die uns begegnet sind und über die wir (auf meinen Wunsch hin) während der Reise nicht berichtet haben. Lt. Auswärtigen Amt kommt es immer wieder zu Festnahmen auch von "einfachen Touristen", die in sozialen Medien etwas Negatives über die Türkei kommunizieren.
Wir haben geografisch die Türkei vom europäischen Kontinent kommend, durch den Südwesten, über das Landesinnere, in den Südosten und Nordosten durchquert. Wir haben unterschiedliche riesige Städte, unterschiedliche ländliche Regionen gesehen. Mir war nicht klar, wie unheimlich groß dieses Land ist. Das Land ist riesig, vielfältig und eine Reise wert. Ich werde türkischen und kurdischen Menschen, die mir zukünftig außerhalb der Türkei über den Weg laufen, anders begegnen. Ich bin dankbar wie die Menschen mir, dem Fremden mit dem bunten Fahrrad, der komischen Weste und der stinkenden Radhose, begegnet sind. Sie waren im persönlichen Kontakt alle durchweg immer offen, immer interessiert, immer hilfsbereit, immer herzlich, es war egal an was ich glaube (oder ob ich überhaupt glaube), es war egal wie ich aussehe, egal wie ich mich mit meinem Fahrrad verhalte - mir (uns) wurde Unterstützung angeboten. Ich (wir) wurden als Menschen gesehen. So möchte ich auch anderen Menschen begegnen und frei von Vorurteilen durchs Leben gehen. Gar nicht so leicht. Ja, es gab Leute die an unser Geld wollten. Ja die gab es, ein paar einzelne. Die sind nicht der Rede wert.
Worüber ich aber reden muss, ist die Ausreise aus der Türkei. Wir nähern uns der Grenze. Was auffällt: Viele Grenzbeamte lungern herum, sitzen auf Gartenstühlen und stehen in Grüppchen zusammen, wirklich arbeiten tut niemand. Ausreisen wollen viele. Wir haben oft Menschen bei der Arbeit gesehen, deren Arbeit offenbar auf vielen Ebenen nicht ausfüllend ist. Sie sitzen einfach da, gucken, trinken Tee, rauchen, snacken, machen Frühstück oder unterhalten sich. Von den vielen vielen Polizei-Check-Points an der Straße, über die Gärtner im Park bis hin zum Obsthändler am Straßenrand. Die Grenze zeigt uns das nochmal deutlich.
Wir werden von den Autos vorgelassen und zeigen am ersten Autoschalter unsere Ausweise. Eingabe am PC, Foto, alles tutti, wir dürfen weiter. 50 m danach müssen alle Ausreisenden erneut ihre Ausweise zeigen. Diesmal nicht am Schalter sondern, den an der Schranke sitzenden Männern. Ein bisschen sinnlos, aber gut. Also Ausweis doppelt zeigen. Wir nähern uns dem zweiten Checkpoint, ein junger Mann springt auf und steuert uns an. Erst guck er freundlich und nachdem er dann vor mir steht, guckt er ganz grimmig und ruft "Passport!". Auch so eine Sache in der Türkei, immer werde ich als Mann angesprochen. Körpersprache und Tonalität vom Chef sagen plötzlich: Ich bin sehr wichtig, ich muss meine Autorität ausspielen. Er nimmt mir zackig den Reisepass ab und durchblättert meinen Pass und stiert ca. 20 Sekunden in das Ausweisdokument. Dann fragt er mich: "Where are you from?"
Autorität und Klugheit müssen nicht zwingend die gleiche Person treffen. Ich blicke auf den roten Reisepass in seiner Hand und sage: "Germany". Der Kollege hat also 20 Sekunden lang einen deutschen Reisepass angeguckt, in dem in mehreren Sprachen bestätigt wird, dass es sich um einen deutschen Pass handelt, und fragt mich dann woher ich komme. Ahja. Es folgt eine weitere Machtdemonstration in dem er auf türkisch weiterredet. Wo wir denn hin wollen? Ich erkläre auf englisch, dass ich kein türkisch kann und er erklärt mir auf türkisch, dass wir in der Türkei sind und dort spricht man gemeinhin türkisch. Daher seid ihr wirtschaftlich ein ganz starkes Land, denke ich mir und halte die Klappe. Ich merke wie wir zwei uns anfreunden. Danach durchblättert er den Ausweis von Kristina und wir können weiter. Mir sind in der Türkei mehrfach so Kollegen begegnet, die ihre Macht sinnlos ausspielen mussten, fühlt sich nicht gut an und ich notiere nochmal für mich: sei lieb und nett zu allen Menschen, die dir begegnen.
Die Georgen möchten, dass wir den Übertritt als Fußgänger wahrnehmen. Nun stehen wir also zwischen Bustouristen und alle glotzen uns mit den Rädern an. Einer drängelt sich dann noch vor. Also so richtig offensichtlich und schamlos. Es ist natürlich, ein Türke. Drängeln und vorbeischlängeln, den eigenen Vorteil suchen. Auch diese Seite der türkischen Kultur haben wir kennengelernt. Im Supermarkt, im Restaurant, im Straßenverkehr - solange du in der Masse untergehen kannst, kämpfe dich egoistisch nach vorne. Wer freundlich und rücksichtsvoll ist, verliert. Ich bin gespannt wie Japan sich in dieser Hinsicht zeigt.
Die Einreise nach Georgien klappt problemlos. Wir sind in Georgien. Wow. Die Uhrzeit verschiebt sich um eine weitere Stunde nach hinten. Die Zivilisation springt jedoch mit einem Schlag zurück in das kapitalistische 2024. Ein Ostblock-Land in dem viel gebaut wird. Aufschwung liegt in der Luft. Plötzlich tauchen westliche Firmen auf. Wendys, McDonald's, Carrefour etc. In der Türkei gab es überwiegend nur inländische Marken und Ketten.
Sofort fallen uns die Kirchen am Wegesrand auf. Sofort fallen uns Rennradfahrer auf. Sofort fällt uns auf, wie freizügig die Menschen sich bewegen, Händchen halten und sich küssen. Alkohol wird offensiv beworben. Glückspiel und Boxkämpfe kann sich, wer will, angucken! Verschwunden sind die Kopftücher, die bidere und altbackende Kleidung sowie die starke Männer-Frauen-Trennung in Alltagsbetrieb. Verrückt.
Der erste Ort hinter der Grenze ist ein Vorort von Batumi. Eine lange Promenade mit Palmen und Strand. Wir finden einen für den Moment ruhigen Platz, springen noch kurz ins Meer und haben noch einen schönen Abend.
Tschüss, Türkei!Leia mais
Tag 103: kurze Nacht
13 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ⛅ 25 °C
Heute gefahren: 16km
Bisher gefahren gesamt: 5.851km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 189hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 60.869hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 24
Fahrtage gesamt: 78
Report einer Nacht: Um 22 Uhr fährt ein Auto neben uns vor und zwei Leute beginnen Zelt und Partylicht aufzubauen. Um 1:30 Uhr werden wir geweckt, da ein Regenschauer über uns überfällt. Wir haben kein Außenzelt drauf, Kristina und ich springen raus und befestigen schnell das Außenzelt.
Der Regen ist nach 10 Minuten vorbei und im Zelt wird es plötzlich tropisch warm.
Während ich also probiere einzuschlafen sehe ich, wie unsere Nachbarn ebenso ein Außenzelt aufbauen. Etwas zeitversetzt, nach dem Regen. Was jetzt kommt, ist richtig ätzend: sie schalten Musik ein und drehen diese laut auf. Ein Fahrzeug kommt hinzu, Leute steigen aus und für die nächste Stunden herrscht an diesem Ort eine kleine Party. So wummern also neben uns, Technobässe und Menschen gröhlen. Nachts um 03:00 Uhr.
Tschüss, du gute Erholung vom Vortag!
Das Auto mit den Leuten verschwindet irgendwann, das Pärchen (unsere Nachbarn, sitzen noch lange am Feuer vor dem Zelt. Das war also die Situation draußen vor dem Zelt.
In unserem Zelt waren ungefähr 15 Stechmücken. Die müssen reingekommen sein, als wir, überrascht vom Regen, dass Außenzelt angebracht haben.
So habe ich also, während draußen gefeiert wurde, in unserem kleinen Tropen-Zelt den Kampf gegen die Stechmücken aufgenommen.
Die Biester können schnell sein und meine Reaktionsfähigkeit ist nachts nicht die beste. Es hat gedauert, bis ich alle erwischt habe. Unser gelbes Innenzelt ist technisch noch vollkommen in Ordnung. Was nun mittlerweile auffällt und ein wenig gruselig aussieht, sind die vielen Blutflecken die wir durch gezielte Mückentötungen in den gelben Stoff gebracht haben. Das müssen wir in der Heimat mal ordentlich reinigen.
Gegen 4:30 Uhr kamen die ersten Fischer mit den Autos, (großen blubbernden SUVs) vorgefahren. Gegen 6:30 Uhr spazierten die ersten Rentner sich laut unterhaltend an unserem Zelt vorbei.
Irgendwann bin ich dann aus dem Zelt und habe schon mal Frühstück vorbereitet. Frühstück am Meer, ist trotz aller Widrigkeiten, etwas tolles!
Wir packen zusammen und sind kurzerhand die letzten Kilometer nach Batumi hineingeradelt. Wir besorgen uns eine SIM-Karte, holen Geld und kaufen ein paar Lebensmittel ein. Im Anschluss genießen wir erstmal ausgiebig Cappuccino. Georgien ist ein Land in dem es wieder Siebträgermaschinen gibt. Das haben wir in der Türkei und in Griechenland sehr vermisst. Dort gibt es keine Kaffeekultur. Dort wird Instant-Kaffee, türkischer Kaffee oder am liebsten Tee getrunken. Selten haben wir Filterkaffee oder andere Kaffeespezialitäten gefunden und wenn dann meist in hippen jungen Cafés in großen Städten.
Wir können unser Apartment etwas früher beziehen und stürzen uns in das übliche Reinigungsprozedere. Nachdem auch wir abschließend gereinigt sind, verbringen wir den restlichen Tag im Bademantel auf der Couch. Herrlich!Leia mais
Tag 104: Pause
14 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ 🌙 26 °C
Heute gefahren: 0km
Bisher gefahren gesamt: 5.851km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 60.869hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 25
Fahrtage gesamt: 78
Wir schlafen aus, wir frühstücken und starten langsam in den Tag. Wir müssen noch einige Dinge für Japan klären und organisieren. Das machen wir nach dem Frühstück. Kristina übernimmt hierfür deutlich mehr und ich bin sehr dankbar darüber. Zwischenzeitlich wurde seitens Anbieter eine Fähre storniert und unsere gesamte Konstruktion für Südkorea und Japan kommt ins wanken. Hier und da um buchen, neu buchen, recherchieren umplanen, prüfen, kontaktieren. Das alles macht am Laptop schon keinen Spaß und am Handy erst recht nicht. Muss aber sein und wir (bzw. Kristina) quälen uns dadurch. Den Nachmittag genießen wir bei Kaffee und Kuchen am der Strandpromenade und im Anschluss am Wasser.
Abends gehen wir dann georgisch Essen und ich probiere Khachapuri.
Das ist ein traditionelles georgisches Gericht aus mit Käse gefülltem Brot. Das Brot wird gesäuert und aufgehen gelassen, in verschiedene Formen gebracht und dann in der Mitte mit einer Mischung aus Käse und meist Eiern aber auch anderen Zutaten gefüllt.
Es ist in Georgien sowohl in Restaurants als auch als Straßenessen beliebt. Da es sich um ein georgisches Grundnahrungsmittel handelt, wird der Preis für die Herstellung von Chatschapuri als Maß für die Inflation in verschiedenen georgischen Städten verwendet. Der „Chatschapuri-Index“, der von der International School of Economics der Universität Tiflis entwickelt wurde, ist ein Maß für die Inflation in verschiedenen georgischen Städten . Es ist das Nationalgericht Georgiens und steht auf der Liste des immateriellen Kulturerbes Georgiens. Im Namen und auf Initiative der Gastronomischen Vereinigung Georgiens wurde der 27. Februar zum Nationalen Chatschapuri-Tag erklärt, um Georgiens typisches Gebäck zu feiern und seine internationale Anerkennung zu fördern. Das Chatschapuri wird heiß aus dem Ofen serviert, da es sonst den Geschmack seiner einzigartigen Käsemischung verliert und bitter wird.
Ich habe mich für die ausschließlich mit Käse gefüllte Variante entschieden. Das sogenannte Megrelische Chatschapuri. Preis: 5,70€.
Das Gericht erinnert ein wenig an eine Käsepizza, schmeckt jedoch komplett anders. Der Käse ist intensiv würzig und der Teig fast schon nüchtern und dünn. Sehr lecker!
Für Kristina gab es eine Forelle.Leia mais
Tag 105: Strandtag & Georgien
15 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☀️ 27 °C
Heute gefahren: 0km
Bisher gefahren gesamt: 5.851km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 60.869hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 26
Fahrtage gesamt: 78
Wir lassen es uns richtig gut gehen und verbringen den Tag am Strand und mit dem Batumi Coffee Festival (Angebote in verschiedenen Cafés der Stadt für 12 Lari = 4 EUR).
Es ist noch etwas ungewohnt wieder in einem nicht konservativen, nicht muslimischen, uns näherem Kulturkreis zu sein. Die russischen Urlauber braten sich in der Sonne. Sonnencreme braucht hier keiner. Rot ist das neue Braun.
Ansonsten ist Batumi auf Entertainment an der Strandpromenade ausgelegt. Man kann sich allerlei Gefährte ausleihen, alle natürlich elektrisch und es gibt dafür extra einen Weg.
Batumi ist nicht repräsentativ für Georgien aber ein paar Eindrücke erhalten wir schon:
1. Alkohol und Freizügigkeit scheint auch was arabische, türkische und russische Touristen anlockt.
2. Es wird überall gebaut. Riesige Wohnhochhäuser. Gleichzeitig steht an vielen „zu verkaufen“ oder alte, verlassene Gebäude liegen dazwischen.
3. Viele Russen leben mittlerweile in Georgien, die Nachfrage nach Wohnraum ist da. Und sie bringen natürlich mehr Geld mit.
4. Georgier sind faul - sie sagen das selbst über sich, deshalb kann ich es so schreiben.
Unsere Rezeptionistin konnte bis zu unserer Abreise noch nicht glauben, dass wir mit dem Rad gekommen sind. Sie sagt, dass sie 50m bis zum Supermarkt mit dem Auto fährt.
5. Jeder hat ein Auto oder Zitat einer Georgierin „Eine 4-köpfige Familie hat 5 Autos“. Deshalb sind auch alle Straßen verstopft.
6. Die Straßen sind bei weitem nicht so gut ausgebaut wie in der Türkei und in schlechterem Zustand. Das werden wir noch viel mehr entdecken. Tschüs, schöner Seitenstreifen!
7. Die Auswahl an Weißmehl-Teig-Ungetümen, ob süß oder salzig, ist endlos. Ein Paradies für Vincent! Naja ich mag es ja auch :)Leia mais
Tag 106: Batumi erkunden
16 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☁️ 22 °C
Tag 107: Batumi erkunden
17 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☁️ 22 °C
Heute gefahren: 0km
Bisher gefahren gesamt: 5.851km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 60.869hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 27
Fahrtage gesamt: 78
Batumi hat leider kaum etwas zu bieten. Wir tingeln durch die Straßen und bewundern mehr oder minder die architektonischen Verbrechen aus Wolkenkratzern (meist Apartmenthäuser), wo eines nach dem anderen aus dem Boden schießt. Anscheinend hat Batumi ein ähnliches Faible wie Skopje und baut keine Fake-Statuen sondern fake Gebäude. Pariser Altbau, nachgemachter Big Ben und ein paar schicke Türmchen, die an Prag und Budapest erinnern.
Das einzig sehenswerte ist die Statue „Ali und Nino“ https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nino_und_Ali
Ansonsten ist das georgische Wetter definitiv unbeständiger als was wir bisher hatten. In Minuten wechselt es von Sonne zu Gewitter und wieder zurück.
Aber grundsätzlich hatten wir Glück und den Regentag habe ich auch mal wieder mit Magen-Darm im Zimmer verbracht. 24h wie die letzten paar Male, dann war es wieder vorbei, trotzdem elendig!Leia mais
Tag 108: Los geht’s wieder
18 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☁️ 19 °C
Heute gefahren: 83km
Bisher gefahren gesamt: 5.934km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.413hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 62.282hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 27
Fahrtage gesamt: 79
Nach einem entspannten Frühstück verlassen wir Batumi und verfahren uns gleich mal. Ein paar extra Höhenmeter und Kilometer bei tropisch warmen Klima. Es geht die Berge hinter Batumi hoch. Schöne Ausblicke, ganz gute Straßen und nette kleine Dörfchen.
An diesem Tag entdecken wir auch das typische Georgische Brot: Shoti
Frisch aus dem Tonofen ein Gedicht. Es wird den ganzen Tag frisch gebacken, erinnert mich ein Rochen und schmeckt himmlisch.Leia mais
Tag 109: Die 6.000 km geknackt!
19 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ 🌬 25 °C
Heute gefahren: 78km
Bisher gefahren gesamt: 6.012km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.092hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 63.374hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 27
Fahrtage gesamt: 80
Eigentlich wollten wir aufgrund der Wettervorhersage in ein paar Kilometern in Zug steigen aber das Wetter ist besser als gedacht und irgendwie treibt es uns auch mit dem Rad nach Tiflis - wir wollen diese Reise mit dem Rad beenden.
Eigentlich perfektes Radfahrwetter (Sonne, angenehme 25 Grad) aber jede Menge Gegenwind. Bis zu 60h/km. Wir treten und kommen teilweise nicht voran.
Durch kleine Dörfer mit großen Häusern und noch größeren Grundstücken treten wir dem Gegenwind und den teils steilen, kleinen Anstiegen entgegen. Es geht recht hügelig zu, alles ist weiterhin sehr grün ( viele Kakis und Granatäpfel wachsen hier) und rechts und links sehen wir überall Berge.
72% des Landes sind Berge - spüren wir und wir sind noch nicht im Kaukasus!
Die Menschen grüßen freundlich, so richtig interessiert an uns ist niemand. Anders aber auch mal angenehm. Aber natürlich lernen wir auch weniger über Land und Leute.
Uns erinnert Georgien stark an Serbien, der Aufbau der Orte, Häuser, etwas Sowjetcharme und die Mentalität der Menschen.
Achja und Autos haben wir anscheinend ihr 7. Leben nach dem Balkan und der Türkei. Denn hier fehlt häufig Stoßstange vorne und/oder hinten.
Mittags machen wir eine Pause in einer kleinen Stadt mit frischen Brot aus dem Ofen und Kaffee und Kuchen.
Brot aus dem Ton- oder Steinöfen ist unglaublich lecker. Da reicht uns Olivenöl dazu.
Danach gibt’s noch Kaffee und seehr leckeren Kuchen bzw. Torte. Die haben hier schon einige Schweinereien - die werden wir noch mehr entdecken.
Apropos Schwein: Tiere und zwar alles läuft hier frei umher: Pferde, Kühe, Schweine, Hühner und Ziegen. Auch mitten auf der Straße - man umfährt sie einfach als wäre es das normalste der Welt, dass eine Kuh auf dem Mittelstreifen wiederkäut.
Uuuund wir können 6.000km feiern!!! Unglaublich. Eigentlich war unsere Planung 4.800 km zu fahren - naja Planungen ändern sich. Das haben wir auf der Reise gelernt.Leia mais
Tag 110: Matschhölle
20 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☁️ 13 °C
Heute gefahren: 58km
Bisher gefahren gesamt: 6.070km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 828hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 64.202hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 27
Fahrtage gesamt: 81
Wir haben gut geschlafen - trotz starkem Wind. Der pustet auch unser nasses Zelt trocken, was ganz dankenswert ist.
Weiter geht es über Dörfchen, der Wind bläst extrem - natürlich Gegenwind. Und wir kommen kaum voran, weil es immer wieder extrem steil bergauf und bergab geht. Das zieht auch an der Motivation. Zudem ist es etwas bedeckter und in Kombination mit dem Wind teils kalt.
In einem Dorf in der Pampa stärken wir uns mit einer neuen leckeren Brot-Sache: Lobiani
Brot gefüllt mit zerdrückten Bohnen. Das ist heiß, kommt direkt aus dem Ofen und schmeckt himmlisch. Jeder von uns verdrückt gleich 2 und danach gibt’s noch 2 türkische Kaffee für uns.
Das hat uns motiviert und wir trotzen auch dem Nieselregen, der eingesetzt hat. Wir sollten uns glücklich schätzen, denn zu dem Zeitpunkt waren wir noch auf Asphalt.
Das ändert sich ein paar km weiter. Die Straße endet bzw. eine km-lange Baustelle beginnt. Sie bauen anscheinend eine asphaltierte Straße.
Mal wieder das Schild „Sorry for the inconvenience”
Das ist ja nett, aber bringt nix, denn die Straße wird zunehmend im Regen zur Schlammwüste. Zuerst geht es noch, weil der Boden fest ist, irgendwann wird der Regen stärker und die Räder fressen sich mit Lehmboden voll. Wir können sie nicht mal mehr schieben.
Wir sind kurz vor einem Dorf, in dem es nichts außer einem Mini-Laden gibt, Schweine auf der Straße, Schlamm überall und verlassene Häuser. Es regnet mittlerweile in Strömen, wir stellen uns kurz unter und versuchen mit Stöckchen den Dreck zu entfernen, um unsere Reifen wieder zum Drehen zu bringen.
Unserer Motivation ist am Tiefpunkt und uns ist kalt, wir beschließen in dem Dorf zu bleiben und einen trockenen Ort zu finden.
Ein Mann zeigt uns ein verlassenes Haus, das uns schon zuvor aufgefallen ist. Wir beäugen es näher und beschließen zu bleiben.
Liebevoll nennen wir es das Gruselhaus - aber immerhin war es trocken.
Es war echt etwas gruselig. Alle Räume sind mit Vorhängeschlössern abgeschlossen, in einen Raum konnten wir reinschauen und es waren viele alte Bücher aufgestapelt.
Zuerst gibt es mal warmen Tee, dann „duschen“ wir unsere dreckigen Füße und Beine am Regenrinnenwasser, was vom Dach kommt. Fast wie eine Dusche.
Wir fühlen uns wie im survival Camp, denn wir fangen mit unserer Spülschüssel und Flasche noch Regenwasser auf, um damit unsere Räder zu säubern und Geschirr zu spülen. Auf meine Idee, in einen Plastikflaschenverschluss Löcher zu stechen, um damit unsere Bremsscheiben bzw. sensiblen Bauteile abzuspritzen, bin ich besonders stolz. 😉
Wir spannen unsere Wäscheleine auf und hängen erstmal alles Nasse auf und kochen Essen. Im Dorfladen gegenüber haben wir noch fast abgelaufenes Buchweizen bekommen.
Später quetschen wir unser Zelt in den Gang. Haut genau hin. Wir freuen uns, dass es langsam trocken und warm wird und schlafen auch gut!Leia mais
Tag 111: Matsch & Mitfahrgelegenheit
21 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ⛅ 18 °C
Heute gefahren: 50km
Bisher gefahren gesamt: 6.120km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 775hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 65.299hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 27
Fahrtage gesamt: 83
Gruselhaus Frühstück
Sonnenschein
Los geht’s, Straße geht so weiter 20km
Einer kommt mit Pferd
Alle 1km Schlamm hervorholen
Fahrer nimmt uns mit
Viel Verkehr
Mittag mit lublina und Käse
Cappuccino
Waffeln
Viele Hunde
Kack Wege
Nette Männer
Tomaten Äpfel
Trauben geschenkt
Kein Vorwärtskommen
Demotiviert
Mitnahme
Kaffee Kuchen
Weiterfahrt auf Straße die OK ist
Obst und Gemüse geschenkt auf Feld geschlafen
Wir wachen auf und in dem Geisterhaus in dem wir schlafen steht plötzlich jemand vor unserem Zelt. Ich winke und signalisiere: "Wir kommen in Frieden!"
Die Frau schließt den Raum mit den Büchern auf, nimmt ein Buch heraus und verschwindet.
Ah ja, die örtliche Bücherei?! Das ist das letzte was wir in dem Ort erwartet hätten und wer braucht Samstagfrüh um 7 Uhr ein Buch?
Wir haben halbwegs gut geschlafen unsere Sachen sind noch etwas nass. Draußen ist es trocken. Wir starten und müssen nach wenigen Metern wieder schieben. Wir kommen nur schwer voran, mal schiebend, mal fahrend. Einer kommt auf seinem Pferd vorbei und sagt die nächsten 20km gibt es keine Straße. Kein Asphalt und nur Matsch sind die Hölle. Irgendwann fragt uns jemand ob wir mit wollen. Ja!
Über huppelige 15km geht’s in den nächsten Ort mit Asphalt! Zivilisation!
Wir stärken uns mit frischen Waffeln und Cappuccino und Lobiani.
Es geht weiter auf normalen, aber viel befahrenen Straßen. Wir finden einen halbwegs guten Schlafplatz am Rande eines Gemüsefeldes. Der Landwirt schenkt uns dann noch etwas Gemüse und Obst und wir speisen mal wieder köstlich.
Gerade kostet uns Georgien ganz schön viel Kraft.Leia mais
Tag 112: Stalin
22 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☁️ 19 °C
Heute gefahren: 82km
Bisher gefahren gesamt: 6.202km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 525hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 65.824hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 27
Fahrtage gesamt: 84
Wir frühstücken im Zelt. Es ist kalt und windig draußen. Wir kommen gut voran und in Gori gibt es warmes Brot und frischen Käsekuchen. Sehr lecker.
Ach ja, Stalin wurde in Gori geboren. Hier sehen wir die ersten Touristen seit Batumi wieder. Statue und Museum inklusive.
Es regnet und wir treffen vor der Weiterfahrt noch einen Australier. Der ist im Dezember 2023 in Bali gestartet und ist jetzt, Mitte September, in Georgien - 32.000km. Verrückt. Das bedeutet er muss mehr als 200km pro Tag machen. Wow. Das ist ja schon Ultracycling.
Wir fahren im leichten Regen über kleine Dörfer mit auf und ab weiter. Es ist bewölkt, aber hat auch schöne Ausblicke auf die wolkenverhangenen Berge um uns herum.
Ca. 30km vor Tiflis halten wir in einer kleinen Stadt Mtshkea. Anscheinend ein Touri Ort, mit einer sehr alten Kathedrale.
Es ist Regen vorhergesagt, daher wollen wir schnell das Zelt aufbauen. Wir finden einen Spot am Wasser. Sehr tierisch. Erst Kühe, dann Hunde, dann Schweine und am Morgen besuchen uns Pferde.Leia mais
Tag 113: Tiflis!
23 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☁️ 16 °C
Heute gefahren: 30km
Bisher gefahren gesamt: 6.232km
Heute Höhenmeter im Anstieg: 259hm
Höhenmeter im Anstieg bisher: 66.083hm
Platte Reifen: 4
Pausentage gesamt: 27
Fahrtage gesamt: 85
Ich werde wach, da Pferde an unserem Zelt sind. Sie sind neugierig machen jedoch nichts. Nachts hat es geregnet. Wir packen unsere nassen Sachen ein und fahren los. Die letzten 30km nach Tiflis sind schnell geradelt. Wir steuern Unterkunft 1 an und fragen unsere Standard-Fragen: was kostet die Nacht pro Zimmer? Haben sie Platz für zwei Reiseräder? booking.com funktioniert nicht richtig in Georgien und meist sind die Unterkünfte dankbar wenn wir direkt bei ihnen buchen. Meist ist der Preis auch etwas niedriger als online. Daher haben wir uns zwei Unterkünfte rausgesucht und steuern diese nun an. Unterkunft 1 hat, entgegen der Online-Anzeige, nur noch sehr teure Zimmer frei. Unterkunft 2 liegt, wie Unterkunft 1, auch am Berg (wenn auch auf der anderen Seite der Stadt) und hat noch etwas frei. Also durchkreuzen wir die Stadt und kommen bei Unterkunft 2 an.
Wir sind in einer abgelegenen Pension gelandet die rumpelig und halbwegs sauber ist. Der Preis stimmt und noch wichtiger: wir können unsere Fahrräder für die nächsten 7 Tage sicher unterstellen. Wir wollen mit dem Auto durch Georgien fahren und möchten unsere Räder dabei sicher in Tiflis zurücklassen.
Wir können im Garten der Pension alle Sachen im Sonnenschein trocknen. Wir machen uns frisch und laufen die 50 min. bergab Richtung Stadt. Ein klarer Nachteil der Pension. Dafür ist die Aussicht später am Abend großartig Tiflis ist riesig und bergig. Später am Abend müssen wir auch wieder hoch. Ein bisschen Sport am Abend schadet nicht.
Wir probieren noch lokale Spezialitäten und streifen durch die Innenstadt.
Dass wir jetzt unser Ziel, Tiflis, erreicht haben, fühlt sich nicht so an. Vielleicht dauert es noch ein paar Tage bis wir realisieren, dass die Radreise nun vorbei ist.Leia mais
Tag 114: Mietwagen in Tiflis finden
24 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ⛅ 24 °C
Unser Frühstück ist entgegen der Google-Bewertung ausgesprochen schlecht. Salat mit Mayo und dazu altes hartes Toast. Wir starten hungrig und enttäuscht in den Tag. Der Gastgeberin scheint das Haus über den Kopf gewachsen zu sein. Überall ist es rumpelig und nicht wirklich sauber. Wir kaufen uns einen Joghurt und lagern diesen in einem der Kühlschränke im Gemeinschaftsraum. Dort finden wir viele verschimmelte Lebensmittel und Essensreste. Bäh!
Wir stärken uns also in einem Café mit Croissants und Kaffee und recherchieren. Kristina guckt wo es gute Mietwagen gibt und ich finde heraus welche Orte wir in Georgien noch anfahren wollen.
Der Mietwagen-Markt in Tiflis ist voller Anbieter. Wir finden einen Anbieter der keine Homepage und kein Büro, aber dafür einen Stand in der Fußgängerzone hat. Die Google-Bewertungen anderer deutscher sprechen für sich.
Der Mann bietet uns einen Subaru Forester Jahrgang 2017 für 35$ am Tag an. Volle Versicherung, Vierradantrieb sowie Lieferung und Abholung am Hotel. Das suchen wir. Der Konkurrent am Nachbarstand versucht uns noch mit 30$ am Tag anzuwerben. Da wir aber über den Mitbewerber keine Google-Bewertungen finden wird es Anbieter Nr. 1.
Nächster Tagesordnungspunkt: gutes Hotel finden! Wir wollen nach unserem Roadtrip noch ein paar Tage in Tiflis in einem GUTEN (Frühstück, Sauberkeit, Lage) Hotel verbringen.
Da es sehr viele Hotels in Tiflis gibt, wollen wir gleich ein paar Hotels ansteuern und uns einen Eindruck verschaffen. Preis? Fahrradstellplätze?
Wir finden kein richtiges Hotel und müssen erneuert online recherchieren. Die viele Online-Recherche nervt ein wenig. Die Auswahl an Autos/Hotels etc. ist riesig und wir verbringen viel Zeit am Handy.
Letztlich finden wir ein neues gutes Hotel und können via WhatsApp sogar einen besseren Preis als das booking.com Angebot aushandeln. Wir sind gespannt ob es nach unserem Roadtrip hält was es verspricht.
Am Abend suchen wir noch etwas Essbares und werden mehrfach durch Google enttäuscht. Entweder ist das Lokal geschlossen oder die Auswahl an Speisen ist, anders als beschrieben, nicht vorhanden. Wir landen ausgehungert in einem sehr gutem veganen Restaurant und nehmen uns vor, dieses in unserer letzten Woche erneut zu besuchen.
Viele Erledigungen geschafft, viele Kilometer gelaufen und am Ende noch gut gegessen ein guter Tag in Tiflis geht zu Ende.
Wir freuen uns darauf Tiflis zu erkunden, es gibt viele tolle Straßenkunst, interessante Architektur, unglaublich viele Second Hand Läden und noch mehr leckere Bäckereien, die probiert werden müssen!Leia mais
Tag 115: Subaru Forester
25 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☀️ 13 °C
Wir lassen die Räder in der rumpeligen Pension und warten auf unsere Fahrzeuglieferung. Das Frühstück ist besser als an Tag 1, aber nach wie vor nicht der Knaller.
Wir fahren mit unserem schäbigen Subaru in den kleinen Kaukasus. Autofahren in Georgien erfordert Mut, Respekt und ein wenig Angstfreiheit. Ein Kind wird beim überqueren der Straße fast überfahren. Wir halten am Fußgängerübergang und gleich zwei SUVs überholen uns mit hoher Geschwindigkeit. Zum Glück kennt das Mädchen die ungeschriebenen Regeln im verrückten Straßenverkehr Georgiens und springt beiseite. Nach dem Stadtverkehr wartet der Kleine Kaukasus auf uns. Wir essen sehr gut in einem unscheinbaren Restaurant.
Reisen mit dem Auto geht deutlich schneller als mit dem Rad. Noch sind die Straßen befahrbar und wir kommen gut voran. Das ändert sich die nächsten Tage. Die Landschaft ist großartig. Und doch ist das Erleben der Landschaft nicht ganz so intensiv wie mit dem Rad.
An einem See finden wir einen Platz für unser Zelt. Wir machen uns nachtfertig und sind, anders als beim Radfahren, schnell fertig und nicht allzu erschöpft. Autofahren ist körperlich nicht anstrengend. Die Erkenntnis!Leia mais
Tag 116: Weites Land
26 de setembro de 2024, Geórgia ⋅ ☀️ 12 °C
Wir frühstücken gemütlich im Zelt und lassen dabei dem Wind unser Zelt trocknen. Heute gibt’s mal kein Porridge sondern Georgischen Käse und Brot mit Olivenöl und Gürkchen. Auch mal lecker.
Wir lassen uns Zeit und fahren über schöne Dörfchen, wo die Georgier ihren landwirtschaftlichen Verpflichtungen nachgehen. Bis auf die ein oder andere Autowerkstatt gibt’s auch augenscheinlich keine anderen Arbeitgeber.
Die Weite ist unglaublich. So ist es vermutlich auch in der Mongolei - nur noch weiter!
Und besonders schön wird es mit den Herbstfarben, langsam verfärben wich die Blätter in gelb und rot.
Eigentlich wollten wir ein Restaurant aufsuchen, dann gibt’s selbstgekochtes an einem Bergpass.
Die Straßen sind nicht mehr befestigt aber wir haben ja unseren Forester! Und es ist weit weniger schlimm als wir gedacht haben. Aber wir kommen nur langsam voran. Entschleunigung tut uns auch mal ganz gut, das fiel uns trotz der vielen Zeit, die wir hatten und haben nicht so leicht.
Wir finden mitten im Wald bei Borjomi einen Schlafplatz. Borjomi ist ein Kurort der überall als sehenswert beworben wird. Unspektakulär aber ganz nett.Leia mais






















































































































































































































































































Hut ab, was ihr da macht, und dann noch Land und Leute kennenlernen, 👍🤗🏆 [Birgit]
Viajante
Super Sache wie brav ihr Helme tragt! Aber wo ist Vincents Gelbe Weste hin?
Viajante
😍